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1. Mose Walvoord

1. Mose Walvoord
Vorwort


der Herausgeber


Das Bible Knowledge Commentary ist eine Bibelauslegung, die ausschließlich von Mitgliedern des Dallas Theological Seminary verfaßt und herausgegeben wurde.Es richtet sich an Gemeindepfarrer, Laien, Bibellehrer, Bibelschüler und alle Bibelleser, die eine umfassende kurze, zuverlässige und kommentierende Auslegung zur ganzen Bibel wollen. Nun könnte man fragen, warum dieses Werk überhaupt geschrieben wurde, wenn es schon so viele andere auf dem Buchmarkt gibt? Mehrere Gründe lassen sich anführen, die das Bible Knowledge Commentary zu einem außergewöhnlichem Hilfsmittel des Bibelstudiums machen.

So wurde es, wie gesagt, ausschließlich von den Mitgliedern eines einzigen theologischen Seminars, nämlich des Dallas Theological Seminary , geschrieben. Es legt zudem die Schrift einheitlich nach der grammatisch-historischen Methode und der prätibulationalistischen und prämilleniaristischen Sichtweise aus, für die das Dallas Theological Seminary bekannt ist. Die folgende im Deutschen wenig gebräuchliche Begriffe besagen, daß die Entrückung vor der großen Trübsal(prätripulationalistische Sichtweise) und die Wiederkunft Jesu Christi vor dem 1000jährigen Reich ( prämilleniaristische Sichtweise ) stattfindet. Insgesamt spricht man vom Dispensationalismus. Gleichzeitig stellen die Autoren die verschiedenen Textauslegungen fundamentalistischer Bibelausleger nebeneinander.

Das Bible Knowledge Commentary hat Vorteile, die nur wenige ähnliche Werke aufweisen. So diskutieren die Autoren in ihren Bibeltextauslegungen, auf was die einzelnen Bibeltexte abheben möchten, wie einzelne Teile mit dem ganzen zusammenhängen, was inhaltlich voranging und was folgen wird. Problematische Abschnitte, verwirrende Bräuche und scheinbar Widersprüche werden sorgfältig untersucht. Dabei sind die neuesten Erkenntnisse fundamentalistischer Bibelwissenschaftler in das Werk miteinbezogen worden. Zahlreiche hebräische, aramäische und griechische Worte, die das Verständnis einzelner Abschnitte erleichtern, werden besprochen. Dies dient besonders dem Leser der in dieser Sprache nicht bewandert ist, obwohl auch diejenigen davon profitieren werden, die diese Sprache kennen. Das Werk enthält darüber hinaus Karten, Tabellen und Diagramme, die gewöhnlich dem jeweiligen Bibelabschnitt zugeordnet sind. Zahlreiche Querverweise zu Parallelstellen finden sich zudem in vielen Abschnitten. Jedes biblische Buch wurde wie folgt gegliedert: Einleitung, worunter Themen wie die Verfasserfrage, die Datierung, Absicht, Einheit, Stil und einmalige Merkmale fallen , danach Gliederung, Auslegung und Bibliographie. Im Auslegungsteil werden spezielle Textabschnitte zusammengefaßt, gefolgt von detaillierten Erläuterungen der jeweiligen Verse oder Versteile. Obwohl nicht alle bibliographischen Angaben für weiterführende Studien nach Meinung der Autoren und Herausgeber absolut notwendig sind, wurden diese dennoch erwähnt, weil sie dem einen oder anderen Leser nützlich sein können.

Die Doktoren L. Barker und Eugene H. Merrill für das Alte Testament sowie Stanley D. Toussaint für das neue Testament haben als beratende Herausgeber das Niveau des Werkes beträchtlich erhöht. Danken möchten wir ebenso Lloyd Cory und Barbara Williams, die mit ihrer sorgfältigen Redigierarbeit die Qualität des Werkes steigert. Unser Dank gilt ferner der Produktionskoordinatorin Myrna Jean Hasse, Jan Arroyo und anderen in der Buchherstellung von Scripture Press, die sehr viele Stunden damit zubrachten, den Text zu erfassen und satzfertige Seiten herzustellen. Ein Herzliches Dankeschön auch an Mitarbeiter am Dallas Theological Seminary , die die Typokripte weiter bearbeiteten.

Das Bible Knowledge Commentary basiert auf einer sorgfältigen Exegese der Bibel. Primär ist es aber keine erbauliche Auslegung und kein theologisches Werk, das lexikalische Details, Grammatik und Syntax sowie ausführliche Diskussionen über kritische Passagen in Bezug auf Text- und Hintergrundsdaten liefern möchte. Das Bible Knowledge Commentary soll helfen, den Durchblick in die Heilige Schrift zu vertiefen, für all diejenigen, die, geleitet vom Heiligen Geist, danach suchen, "erleuchtete Augen des Herzens" ( Eph 1,18 ) zu erlangen. Das Bible Knowledge Commentary möchte Verständnis und Wertschätzung für die ganze Heilige Schrift wecken, als einem von Gott selbst inspiriertem, unfehlbarem Wort.

Die Herausgeber der englischen Originalausgabe
John F. Walvoord und Roy B. Zuck


Geleitwort


zur deutschen Ausgabe


Die besondere Stärke der vorliegenden fünfbändigen Studienausgabe zum Alten und Neuen Testament ist ihre äußere und innere Geschlossenheit. Eines bedingt dabei das andere: die äußere und innere Geschlossenheit zeigt sich darin, daß sämtliche Mitarbeiter demselben Lehrkörper angehören, nämlich dem des Theologischen Seminars in Dallas, USA. Dies wirkt sich dann aus in einer eindrucksvollen inneren Konformität mit ihrer dem biblischen Wortlaut verpflichteten - wenn man so will: ihrer fundamentalistischen Auslegung der Heiligen Schrift. Trotz mancher unterschiedlicher Auffassungen in der Bibelauslegung auch bei fundamentalistischen Exegeten, die dann offen dargelegt werden, spürt man dem Gesamtwerk ab, wie sehr hier mit dem Werkzeug der grammatisch-historischen Exegese alles wie aus einem Guß wirkt.

Daß dies nicht nur eine formale Methode ist, mit der die Biblischen Texte gewissenhaft abgegangen werden, sondern sich gleichzeitig als eine durchgehende heilsgeschichtliche Linie der Schriftauslegung auswirkt, wird dem Benutzer der Studienausgabe rasch erkennbar. Unbeschadet der Sorgfalt in der Einzelexegese wird hier nie aus dem Auge verloren, daß durch die gesamten Zeugnisse der Bücher der Heiligen Schrift ein Plan Gottes erkennbar wird, der mit der Erschaffung der Welt beginnt, im ersten Kommen und im Erlösungswerk Jesu Christi seine Mitte hat und über die Wiederkunft Christi in der neuen, ewigen Welt Gottes seine Vollendung findet. Diese geistliche Erkenntnis ist in der Kirche Jesu Christi unstrittig; sie ist keine Besonderheit der vorliegenden Studienausgabe.

Eine Besonderheit ist aber, und dies muß der Benutzer wissen und gegebenenfalls in Kauf nehmen, e3ine ganz bestimmte Sichtweise in der Setzung der Schwerpunkte, was den Welt- und Heilsplan Gottes angeht. Die sich daraus ergebende durchgehende Linie - und sie wird allenthalben durch gehalten und deutlich ausgezogen - geht auf den Engländer John Nelson Darby (1800-1882) zurück, dessen Anhänger sich zur "Christlichen Versammlung" in England, Deutschland, den USA und anderswo zusammengeschlossen haben und nach ihrem Gründer "Darbysten" genannt werden. Als darbystische theologische Ausbildungsstätte sie eben jenes "Dallas Theological Seminary" genannt, aus dem das "Bible Knowledge Commentary", die englische Originalausgabe der deutschen fünfbändigen Studienausgabe zum Alten und Neuen Testament, hervorgegangen ist.

Es würde der exegetischen Qualität und dem hier dokumentierten Reichtum an biblischem Wissen keinen Abbruch tun, wenn der Benutzer aus biblischen Gründen sich der darbystischen Hauptlehre vom "Dispensationalismus" (zu deutsch etwa die Lehre von der Führung oder Lenkung, nämlich der Welt durch Gottes Plan)gerade in ihren beiden Hauptpunkten, dem "Prätribulationalismus" und dem "Prämilleniarismus" nicht anschließen kann. Der "Prätribulationalismus" ist die Lehre von der Entrückung der "wahren" Gemeinde Christi aus den Heiden vor den großen "Tribulationen", vor den in der Heiligen Schrift geweissagten apokalyptischen Drangsalen der Endzeit. Der klassische "Prämilleniarismus" besagt, daß die Wiederkunft Christi bereits vor Anbruch des tausendjährigen Reichs ( Offb 20,1-6 ) stattfindet. Wer dieser Ansicht des Heilsplanes Gottes in dieser alles beherrschenden doppelten Leitlinie auf Grund seiner Exegese der Heiligen Schrift so nicht zu folgen vermag, und wer zudem das Selbstverständnis der "Versammlung", wie die Darbysten sich schlicht nennen, als der eigentlichen und wahren Gemeinde Jesu Christi nicht zu teilen vermag, der wird dennoch reichen Gewinn aus dieser Studienausgabe ziehen können.

Das konsequente hermeneutische Verständnis der Bibel als der von Gottes Geist eingegebenen Heiligen Schrift macht diese fünfbändige Studienausgabe zum Alten und Neuen Testament zu einer bedeutsamen Bereicherung bereits veröffentlichter Bibelkommentare. Die sorgfältige Wiedergabe biblischer Aussagen ist besonders hervorzuheben, wobei das Illustrations- und Kartenmaterial dazu sehr hilfreich ist.

Hervorzuheben ist im Blick auf andere Auslegungen der biblischer Bücher die Intention der Verfasser, der Auseinandersetzung mit anderen Exegeten, nicht zuletzt auch denen der historisch-kritischen Methode, nicht aus dem Wege zu gehen.

Eine große Bereicherung wäre es aber gerade im Hinblick auf Folgeauflagen, wenn die bibliographischen Angaben am Schluß der einzelnen biblischen Bücher sich eben nicht nur auf Werke uns nahezu unbekannter amerikanischer weithin darbystischer Autoren beschränken würde, sondern wenn dann auch die Publikationen europäischer, vor allem deutscher Bibelausleger mit einbezogen würden. Dies wäre besonders für diejenigen Bücher gerade auch deutscher Exegeten unerläßlich, mit denen sich die hier vorgelegte Studienausgabe kritisch auseinandersetzt.

Ernsthaften Bibellesern wird mit dieser Studienausgabe gewiß eine große Hilfe zum selbständigen "Suchen in der Schrift " ( Joh 5,39 ) in die Hand gegeben.

Kurt Hennig
Dekan i.R.


Herausgeber


John F. Walvoord , A.B., Th.M., Th.D., D.D.
Präsident
Professor für Systematische Theologie
Dallas Theological Seminary
Herausgeber von Bibliotheca Sacra
(Zeitschrift des Dallas Theological Seminary)

Roy B. Zuck , A.B., Th.M., Th.D.
Akademischer Dekan
Professor für Bibelexegese
Dallas Theological Seminary
Herausgeber von Bibliotheca Sacra
(Zeitschrift des Dallas Theological Seminary)


Beratende Herausgeber


Altes Testament

Kenneth L. Barker , A.B., Th.M., Ph.D.
Geschäftsführender Sekretär des Bibelübersetzungskomitees der New International Version
Internationale Bibelgesellschaft
(1968-1981 Direktor und Professor für semitische Sprachen und Altes Testament, Dallas Theological Seminary)

Eugene H. Merrill , A.B., M.A., M.Phil., Ph.D.
Assistenzprofessor für semitische Sprachen und Altes Testament
Dallas Theological Seminary

Neues Testament

Stanley D. Toussaint , A.B., Th.M., Th.D.
Direktor und Professor für Bibelexegese
Dallas Theological Seminary


Autoren*


Walter L. Baker, A.B., Th.M.
Assistenzprofessor für Weltmission
Obadja

Craig A. Blaising, B.S., Th.M., Th.D. Assistenzprofessor für Systematische Theologie
Maleachi

J. Ronald Blue, A.B., Th.M. Direktor und Assistenzprofessor für Weltmission
Habakuk

Sid S. Buzzell, B.S.,Th.M., Ph.D.
Gastdozent für Religionspädagogik
Pastor der Westlake Bible Church,
Austin, Texas
Sprüche

Donald K. Campell, A.B., Th.M., Th.D.
Geschäftsführender Vizepräsident
Professor für Bibelexegese
Josua

Robert B. Chisholm, Jr.,A.B., M.Div., Th.M.,Th.D.
Assistenzprofessor für semitische Sprachen und Altes Testament
Hosea, Joel

Thomas L. Constable, A.B., Th.M.,Th.D.
Direktor des Doctor of Ministry Programmes
Assistenzprofessor für Bibelexegese
1. und 2. Könige

Jack S. Deere, A.B., Th.M., Th.D.
Assistenzprofessor für semitische Sprachen und Altes Testament
5. Mose, Hoheslied

Charles H. Dyer, A.B., Th.M.
Vizepräsident
Assistenzprofessor
Washington Bible College/Capital Bible Seminary
Lanham; Maryland
Jeremia, Klagelieder, Hesekiel

Gene A. Getz, A.B.,M.A., Ph.D.
Gastdozent für Pastoraltheologie
Pastor der Fellowship Bible Church
North Plano, Texas
Nehemia

John D. Hannah, B.S., Th.M., Th.D.
Direktor und Professor für Theologiegeschichte
2. Mose, Jona, Zefanja

Elliot E. Johnson, B.S., Th.M., Th.D.
Assistenzprofessor für Bibelexegese
Nahum

F. Duane Lindsey, A.B., B.D., Th.M., Th.D.
Registrar und Assistenzprofessor für Systematische Theologie
3. Mose, Richter, Haggai, Sacharja

John A. Martin, A.B., Th.M., Th.D.
Assistent des Akademischen Dekan
Direktor der Sommerbibelschule
Assistenzprofessor für Bibelexegese
Esra, Ester, Jesaja, Micha

Eugene H. Merrill, A.B., M.A., M.Phil.,Ph.D.
Assistenzprofessor für semitische Sprachen und Altes Testament
4. Mose, 1. und 2. Samuel, 1. und 2. Chronik

J. Dwight Pentecost, A.B., Th.M., Th.D.
Professor für Bibelexegese
Daniel

John W. Reed, A.B., M.A., M.Div.,Ph.D.
Direktor und Professor für Pastoraltheologie
Rut

Allen R. Ross, A.B., Th.M., Th.D., Ph.D.
Direktor und Professor für semitische Sprachen und Altes Testament
1. Mose, Psalmen

Donald R. Sunukjian, A.B., Th.M., Th.D., Ph.D.
Assistenzprofessor für Pastoraltheologie
Amos

Roy B. Zuck, A.B., Th.M., Th.D.
Akademischer Dekan
Professor für Bibelexegese
Schriftleiter Bibliotheca Sacra
Hiob


*Alle Autoren waren oder sind Fakultätsmitglieder des Dallas Theological Seminary. Titel beziehen sich, falls nicht anders vermerkt, auf das Dallas Theological Seminary.

Abkürzungen


akt. Aktiv, aktive Form
Apok. Apokryphen
Aram. Aramäisch
AT Altes Testament
Bd. Band
ca. circa
ebd. ebenda
fem. Femininum, weibliche Form
Griech. Griechisch
Hebr. Hebräisch
Hrsg. herausgegeben, Herausgeber
Impera. Imperativ, Befehlsform
Imperf. Imperfekt, Vergangenheit
Kap. Kapitel
Lat. Lateinisch, Latein
LXX Septuaginta(griech. Übers. des AT)
mask. Maskulinum männliche Form
Ms, Mss Manuskript(e)
MT Masoretischer Text (überlieferte Texte des hebr. AT)
neutr. Neutrum, sächliche Form
Nr. Nummer
NT Neues Testament
o.J. ohne Jahr, kein Erscheinungsjahr
o.O. ohne Ort, kein Erscheinungsort
Part. Partizip
Pass. Passiv, passive Form
Perf. Perfekt, vollendete Vergangenheit
Pl. Plural, Mehrzahl
Präs. Präsenz, Gegenwart
S. Seite
s. siehe
Sem. Semitisch
Sing. Singular, Einzahl
s.o. siehe oben (im Text)
s.u. siehe unten (im Text)
s.v. sub verbo, siehe unter dem Stichwort
u.a. und andere
Übers. Übersetzung, Übersetzer, übersetzt
V. Vers
vgl. vergleiche
Vul. Vulgata (lat. Übers. der Bibel)
wörtl. wörtlich
z.B. zum Beispiel


Biblische Maße und Gewichte


Binlische Einheit   Heutige Entsprechung
Gewicht    
Talent 60 Pfund 34 kg
Pfund/Mine 50 Lot 0,6 kg
Lot/Schekel 2 Bekas 11,6 g
Pim 2/3 Lot 7,6 g
Beka 10 Gramm 6 g
Gramm/Gera   0,6 g

Länge

Rute 6 Ellen 2 m
Elle 2 Spannen 0,5 m
Spanne 3 Handbreiten 23 cm
Handbreite 4 Fingerbreiten 7 cm
Fingerbreite   2 cm

Hohlmaße für trockene Dinge

Sack/Homer 10 Scheffel 220 l
Letech 5 Scheffel 110 l
Scheffel/Efa 3 Maß/10 Gomer 22 l
Maß 1/3 Scheffel 7,3 l
Krug 1/10 Scheffel 2,2 l
Handvoll 1/18 Scheffel 0,3 l

Hohlmaße für Flüssigkeiten

Faß wie Sack 220 l
Eimer 1 Schefel 22 l
Kanne 1/6 Eimer 4 l
Becher 1/72 Eimer 0,3 l

Die Angaben sind Annäherungswerte. Grundlage der Umrechnung ist die Festsetzung 1 Lot = 11,5 g; 1 Elle = 0,5 m; 1 Scheffel = 22 l (andere Berechnungen:1 Scheffel = 39 l).

Transliteration (Umschift)


 
Translite

Die alttestamentliche Geschichte im Überblick


 



Das erste Buch Mose (Allen P. Ross)


EINFÜHRUNG


Das 1. Buch Mose, auch Genesis genannt, ist das Buch der Anfänge. Es enthält die weltbewegenden Berichte von der Entstehung des Universums und der Menschheit, des Einbruchs der Sünde in die Welt, der katastrophalen Folgen des Fluches als Strafe für die Sünde und der Anfänge des Planes Gottes, durch sein Volk alle Völker der Erde zu segnen.

Die meisten Bücher der Bibel beziehen sich in irgendeiner Form auf das 1.Buch Mose. Darüberhinaus hat der Gegenstand von 1.Mose seit Jahrhunderten das Interesse der Ausleger auf sich gefunden.

Was für die biblischen Wahrheiten allgemein gilt, gilt auch für 1.Mose. Es wurde zum Stein des Anstoßes für viele, die es voreingenommen oder rationalistisch lesen wollten. Für diejenigen aber, die es als das Wort Gottes anerkennen, dem sie dienen, ist 1.Mose eine Quelle der Erbauung und Ermunterung. Sie gehen anders an die Fragen und Schwierigkeiten des Buches heran.


Das erste Buch Mose

Der Titel des Buches


Das erste Wort des hebräischen Textes b+rE?SIT ist zugleich der hebräische Titel des Buches und bedeutet »am Anfang«. Der griechische und lateinische Titel »Genesis« leitet sich von der griechischen Übersetzung des wichtigen Wortes in 1.Mose TNl+DNT ab und bedeutet »Entstehung« oder »Entstehungsgeschichte«. In 1Mo 2,4 a findet sich in der Septuaginta das Wort geneseOs : »Dies ist das Buch der Entstehungsgeschichte von Himmel und Erde«. Im Deutschen wird entweder der Titel »Genesis« verwendet oder das Buch als erstes der fünf Bücher Moses bezeichnet (vgl. zur Verfasserfrage im folgenden).


Das erste Buch Mose

Verfasserfrage


Sowohl andere biblische Bücher als auch die jüdische Tradition schreiben den Pentateuch (1.Mose - 5.Mose, penta = fünf) Mose zu. Dies reichte für die meisten Leute in den Synagogen und Kirchen durch Jahrhunderte aus, um 1.Mose mit Sicherheit Mose zuzuschreiben.

Tatsächlich hätte auch niemand eine bessere Qualifikation zum Schreiben des Buches gehabt. Da Mose »in aller Weisheit der Ägypter gelehrt« wurde ( Apg 7,22 ), mußte ihn sein literarisches Können dazu befähigen, die Traditionen und Berichte Israels zu sammeln und daraus ein Buch zusammenzustellen. Seine Gemeinschaft mit Gott am Horeb und während seines ganzen Lebens konnte ihm Hinweise für diese Aufgabe geben. 1.Mose stellt die theologischen und historischen Grundlagen für den Auszug (Exodus) und den Bund am Sinai dar.

Die mosaische Autorschaft der Genesis und des ganzen Pentateuch wird jedoch von kritischen Forschern verneint. Das ist kein moderner Standpunkt, denn schon in der frühesten Zeit des Christentums konnten sich einige Theologen nicht zwischen Mose und Esra als Autor entscheiden. Aber die moderne Ansicht, daß der Pentateuch aus verschiedenen Quellen zusammengestellt wurde, scheint ein Ergebnis des rationalistischen Skeptizismus zu sein. Benedikt Spinoza (1632-1677) glaubte, daß der Pentateuch von Esra geschrieben wurde, der eine Vielzahl von Traditionen, einschließlich einiger auf Mose zurückgehender Überlieferungen, benutzte.

Der erste Versuch einer Dokumentenhypothese der Entstehung von 1.Mose wurde 1753 von dem Arzt Jean Astruc (1684-1766) unternommen. Er verbreitete die Idee, daß 1.Mose aus zwei Hauptquellen und mehreren kleineren Quellen zusammengestellt wurde. Die nächsten 124 Jahre debattierten und entwickelten Forscher diese Idee, bis schließlich Julius Wellhausen (1844-1918) den Ansatz der Dokumentenhypothese umfassend und gründlich neu formulierte.

Wellhausen unterteilte den Pentateuch in vier literarische Quellen, dargestellt durch die Buchstaben J, E, D, P. Das »J«-Material, so genannt, weil in ihm der Name Jahwe vorgezogen wird, entstand für ihn um 850 v.Chr. Es war persönlich und biographisch ausgerichtet, hatte eine anthropomorphe Sprache und schloß eine prophetenähnliche Ethik und theologische Reflektionen ein. Das »E«-Material, so genannt, weil in ihm der Name Elohim (Gott) vorgezogen wird, wurde im Nordreich um 750 v.Chr. geschrieben. Es war objektiver, beschäftigte sich weniger mit ethischen und theologischen Reflektionen und bot mehr konkrete Einzelheiten.

Entsprechend dieser Sicht, wie sie von nachfolgenden Forschern weitergebildet wurde, wurden diese beiden Quellen um 650 v.Chr. von einem unbekannten Redaktor oder Herausgeber kombiniert. Das Ergebnis war »JE«.

Die Komposition wurde dann durch Material aus den Quellen »D« (deuteronomistische Quelle, von Deuteronomium = 5.Mose) und »P« (Priester-Quelle, von Priestern verfaßt) ergänzt. »D« wurde demnach angeblich unter Hiskia um 621 v.Chr. als Teil der damaligen Reformation abgefaßt, also nicht, wie das AT selbst es darstellt, nur wiederentdeckt. Die deuteronomistische Schule bearbeitete nicht nur 5.Mose, sondern auch die Bücher von Josua bis 2.Könige. »P« (Esra und das Heiligkeitsgesetz »H«) soll zwischen 570 und 445 v.Chr. entstanden sein und sich vor allem mit dem Ursprung und den Bestandteilen der Theokratie, der Familiengeschichten, der Opfer und der religiösen Handlungen beschäftigt haben.

Die Berechtigung zu einer solcher 'Quellenscheidung' zogen bibelkritische Forscher aus der Verwendung verschiedener Gottesnamen, aus unterschiedlichen Parallelberichten, aus sprachlichen Besonderheiten und aus der Betonung unterschiedlicher theologischer Grundgedanken.

Die Kritik an der Quellenscheidung ( 'Dokumentenhypothese' ) muß bei ihren weltanschaulichen Voraussetzungen beginnen. Ein übernatürliches Handeln Gottes wurde ausgeschlossen, die Bibel wie jedes andere menschliche Buch behandelt. Die Evolutionstheorie wurde auf die Geschichte Israels übertragen, indem sich der Monotheismus angeblich allmählich aus dem Polytheismus mehrerer Stämme entwickelte. Die Hegelsche Dialektik führte zu der Auffassung, daß die endgültige Form der Wahrheit sich aus sich widersprechenden Lehren entwickelt haben müsse.

Aber auch unabhängig von den überholten und unchristlichen Voraussetzungen, die jede göttliche Offenbarung untergraben, wirft die Quellenscheidung schwerwiegende Probleme auf. So besteht keinerlei Einigkeit über den Umfang der einzelnen Quellen J, E, P, D, da jeder Gelehrte die einzelnen Verse anders zuordnet, wobei offensichtlich auch rein subjektive Empfindungen eine Rolle spielen. Häufig wird dabei auch im Kreis argumentiert. Ein Zirkelschluß liegt zum Beispiel vor, wenn man einen Text J zuordnet, weil er häufig das hebräische Wort für gebären yAlaD verwendet, und zugleich yAlaD nur in J vorfindet und dies besonders herausstellt. Außerdem wird zu oft der Text umgestellt, verändert und hinterfragt, wenn er so wie er vorliegt, nicht in das System paßt.

Archäologische Entdeckungen haben viel Material zutage gefördert, das nicht nur die Kriterien der Quellenscheidungshypothesen in Frage stellt, sondern zugleich Licht auf die frühe Umwelt von 1.Mose wirft. Die ugaritische Literatur in Kanaan (ca. 1400 v.Chr.) beweist die frühe Verwendung von kultischer Sprache (oft P zugeschrieben und als jung angesehen), poetischen Formen, seltenen Worten (die man für junge »Aramäismen« hielt), die Vielfalt von Gottesnamen und anderen Namen im selben Text und die Wiederholung als Mittel der Betonung. Neuere Entdeckungen in Ebla bieten weitere Dokumente für die Verwendung von Namen, Orten und Vorstellungen zur Zeit von 1.Mose (vgl. Giovanni Pettinato, The Archives of Ebla , Garden City, N.Y.: Doubleday&Co., 1981).

Die weiter östlich in versunkenen Archiven in Nuzi 1925 und in Mari 1933 gefundenen Täfelchen bieten viele Parallelen zu Gebräuchen und Gesetzen aus der Zeit der Patriarchen, wie sie uns in 1.Mose überliefert sind.

Auch wenn solche Beiträge der Archäologie die Existenz der Patriarchen oder das hohe Alter der Erzählungen nicht 'beweisen' können, fügen sie sich doch ausgezeichnet in den Inhalt und den Stil der Erzählungen in 1.Mose ein. Aufgrund der immer noch zunehmenden archäologischen Funde wird ein junges Alter von 1.Mose immer unwahrscheinlicher.

Die sogenannte »Formkritik«, die Hermann Gunkel erstmals auf das Alte Testament angewandt hat, geht von einem hohen Alter der zugrundeliegenden Überlieferungen aus. 1Mo 1-11 wird mit sumerisch-akkadischen Texten des 3. und 2. Jahrtausend v.Chr. verglichen, während die Patriarchen nicht in die spätere Welt der Assyrer der ersten Hälfte des 1. Jahrtausend v.Chr. passen. Die Formkritik will die Gattung, Struktur, Umwelt und Absicht der literarischen Einheiten hinter dem vorliegenden Text erforschen, um die ursprüngliche Verwendung des Textes in ihrer Beziehung zu Israel zu erkennen.

Diese Methode isoliert die einzelnen literarischen Einheiten dann meist an Hand der Quellen JEDP. Anschließend werden Gattung und einzelne Einheiten (z.B. Segensformel, Eid, Lied, Legende) festgelegt und gemeinsame Motive, Begriffe und Strukturen miteinander verglichen. Dann wird versucht, den »Sitz im Leben« der Texteinheit im Alltag des antiken Israels festzustellen, um die ursprüngliche Absicht zu erfahren. Dazu muß die Formkritik oft beurteilen, wie die jeweilige Einheit im einzelnen überliefert wurde.

Gunkel nennt sechs Arten von Sagen und Erzählungen in 1.Mose, die die ursprünglich, mündlich überlieferte Dichtung darstellen: a) ätiologische Sagen (z.B. die Erklärung, warum der Mensch sündigt), b) ethnologische Sagen (z.B. die Erklärung, warum Kanaan versklavt wurde), c) ethymologische Sagen (z.B. die Erklärung des Namens von Babel), d) zeremonielle Sagen (z.B. die Erklärung für die Entstehung des Sabbat), e) geologische Sagen (z.B. die Erklärung für die Entstehung des Salzes bei Sodom), f) unklassifizierbare Sagen.

Allgemein geht die Formkritik etwas wohlwollender mit dem vorliegenden Text um als die eigentliche Quellenscheidungskritik und berücksichtigt auch den vorhandenen Text in den Untersuchungen. Trotzdem teilt sie weitgehend die Schwächen der Quellenscheidungshypothesen. Sie geht zunächst einmal von einer natürlichen und allmählichen Entwicklung des Textes aus und schließt ein übernatürliches Reden und Eingreifen Gottes aus. Der Monotheismus Israels entwickelte sich aus dem Glauben an viele Götter, die berichteten Wunder sind lediglich nachträgliche Erklärungsversuche, die frühe Ereignisse, die nicht oder jedenfalls nicht so passiert sind, zur Erklärung für Fakten der Gegenwart (religiöse Zeremonien, theologische Fakten oder historische Gegebenheiten) erzählen.

Außerdem dürfte es schwer sein, zu beweisen, daß die Sagen als eigenständige Einheiten, die mündlich überliefert wurden, je existiert haben. Erschwert wird der Beweis dadurch, daß die Formkritik davon ausgeht, daß die Sagen bei ihrer Aufnahme in ein schriftliches Werk stark verändert wurden. Das ist jedoch reine Vermutung, die aber Formkritiker dazu führt, oft sehr subjektiv und spekulativ die uns vorliegenden Überlieferungen mit Hinsicht auf ihre Vorgeschichte stark abzuändern und umzuinterpretieren. Der Schwerpunkt wird von dem sicheren, für alle eine gemeinsame Basis bildenden vorliegenden Text auf die jeweils von einzelnen Forschern vertretene angenommene Vorstufe der Texte verlagert.

Aus der Formkritik heraus haben sich verschiedene neue Richtungen entwickelt. Vor allem die traditionsgeschichtliche Schule kritisiert die strenge Quellenscheidung in JEDP und will einen umfassenderen analytischen Ansatz vorbereiten, der mündliche Überlieferung, vergleichende Mythologie, psychologische Analyse und weitere Prozesse zusammenführt, um die Entstehung und Überlieferung der Tradition Israels zu erarbeiten.

Die Subjektivität dieser Schule ist durch die unterschiedlichen Schwerpunkte bedingt und hat zu einer nicht zu übersehenden Vielfalt von Forschermeinungen geführt. Allen gemeinsam sind im wesentlichen folgende Elemente: Die Geschichten wurden in einem frühen Stadium mündlich überliefert, die Erzählung aus dem Gedächtnis wurde von eigenen Erklärungen begleitet, diese Überlieferungen durch verschiedene Kräfte umgeformt (z.B. durch kanaanäische Sagen, das Erlösungsmotiv in der Königszeit), schließlich in Zyklen zusammengefaßt, die ein schöpferischer Redaktor endlich zu einer literarischen Einheit zusammenfügte, die dann in der nachexilischen Zeit normativen Charakter erhielt. Die beiden großen Zyklen werden P und D genannt und umfassen 1.Mose-4.Mose (P) mit dem Schwerpunkt auf dem Passafest und 5.Mose- 2.Kön (D). Obwohl die Quellenscheidung im Prinzip zurückgewiesen wird, kommt man also doch zu ähnlichen Ergebnissen. Die Geschichte der Überlieferung interessiert dabei meist mehr als der uns bis heute überlieferte Text selbst.

Die Kritiker der traditionsgeschichtlichen Schule weisen zunächst darauf hin, daß ihre Vertreter der mündlichen Überlieferung ohne Beweis einen so großen Stellenwert einräumen. Die Archäologie hat inzwischen viele Belege dafür zusammengetragen, daß im Nahen Osten viele Dokumente sorgfältig auf schriftlichem Wege überliefert wurden und viele mündliche Überlieferungen zugleich auch schriftlich weitergegeben wurden.

Der Vergleich mit anderen Mythologien setzt voraus, daß die Religion Israels überhaupt mit heidnischen Religionen zu vergleichen und aus ihnen heraus zu erklären ist. Dabei werden die großen Unterschiede zum hebräischen Monotheismus leicht übersehen. Am Ende bleibt die Frage offen, wie der einzigartige Glaube des AT überhaupt je entstehen konnte. Die Möglichkeit, daß Gott einem Volk, das im Ungehorsam gegen ihn manches von den umliegenden Völkern übernahm, seinen gänzlich neuen Willen offenbarte, wird von vornherein nicht in Betracht gezogen.

Alle Versuche, hinter den Text des AT zurückzugehen und seine Entstehung in verschiedenen Schichten herauszuarbeiten, führen zu Spekulation und Subjektivität, da keine konkreten Anhaltspunkte und Beweise vorliegen. Dort, wo das AT selbst gelegentlich etwas über seine eigene Vorgeschichte sagt (z.B. im Buch Jeremia), werden diese Angaben nicht ernstgenommen, sondern grundsätzlich verworfen. Doch selbst wenn wir genau wüßten, welche Geschichte die einzelnen Texte hinter sich haben, wäre damit immer noch nicht die Frage beantwortet, warum wir die Texte in der heute vorliegenden Form vor uns haben und was sie eigentlich sagen wollen.

In neuerer Zeit wird daher immer häufiger von dem vorliegenden hebräischen Text ausgegangen. Stilunterschiede, Wiederholungen und Variationen erscheinen dann plötzlich als typisch altorientalisch und werden zu Argumenten für die Einheit der Texte.

Die traditionelle Sicht des 1.Buch Mose und des Pentateuch überhaupt geht von der sinnvollen Einheit des Textes aus, die auf Mose zurückgeht und bis heute erhalten geblieben ist. Alle Belege weisen auf ein hohes Alter der endgültigen Texte hin. Das schließt nicht aus, daß vom Geist Gottes inspirierte Herausgeber die Texte zusammengestellt haben. Die Annahme tiefgreifender Umarbeitungen und Umdeutungen ist jedoch überflüssig. Der Text will tatsächlich passierte Ereignisse (oft mit Datum, Ort, Zeugen und Beteuerungsformeln) berichten und diese im Lichte der Offenbarung Gottes deuten.



Der literarische Aufbau von 1.Mose


1.Mose bildet eine literarische Einheit, die die Traditon nach den »Berichten« ( TNl+DNT ) ordnet und an Hand des Motivs von Segen und Fluch entwickelt. Anschließend berichtet es von den historischen Voraussetzungen für die Erwählung und die Bundesverheißungen an Abraham und seine Nachkommen.

1. Die Absicht von 1.Mose 1.Mose enthält die geschichtlichen Grundlagen des Bundes Gottes mit seinem Volk. Es bildet die Einleitung zu dem Drama des Exodus (= Auszug, der lateinische Name für 2.Mose) des seit Abraham auserwählten Volkes Israel. Die ersten 11 Kapitel berichten von der Erschaffung der Welt, dem Sündenfall und der Geschichte der Menschheit bis zur Zeit Abrahams. Diese ersten Kapitel legen die Grundlage für alles weitere. Die Welt wird von zwei Faktoren bestimmt. Sie ist einerseits gesegnete Schöpfung Gottes ( 1Mo 1-2 ), andererseits steht sie seit dem Ungehorsam des Menschen unter dem Fluch der Sünde ( 1Mo 3 ff). Bewahrendes und richtendes Handeln Gottes stehen daher nebeneinander. Demzufolge beherrscht das Motiv von Segen und Fluch 1Mo und von dort ausgehend die gesamte Bibel.

Was für die ganze Menschheit gilt, gilt auch für die mit der Berufung Abrahams einsetzende Erwählung Israels. Daß alle Völker der Welt durch Abrahams Nachkommen gesegnet werden sollen ( 1Mo 12,1-3 ), ist ohne Kapitel 1-11 nicht zu verstehen. Gott erwählt ein Volk, um die ganze Welt zu segnen, stellt dieses Volk jedoch zugleich vor die Wahl zwischen dem Segen, wenn sie zu seinem Bund gehören wollen und dem Fluch, wenn sie sich von ihm abwenden.

3. Der Aufbau von 1.Mose Der Aufbau von 1.Mose wird durch 11 Abschnitte mit einer Einleitung, die jeweils mit der gliedernden Formel TNl+DNT (»Dies ist die Geschichte von...«) beginnt, vorgezeichnet. Die Formel ist ein fem. Nomen, das sich von der Kausativform des Verbes yAlaD (»gebären«, »hervorbringen«) ableitet. Es wird oft mit »Generationen«, »Stammbaum« oder »Geschichte« wiedergegeben.

Die Formel wurde traditionell als Überschrift der jeweiligen Abschnitte verstanden. Demnach ist das Buch folgendermaßen einzuteilen:

1.Die Schöpfung ( 1Mo 1,1-2,3 )

2. TNl+DNT von Himmel und Erde ( 1Mo 2,4-4,26 )

3. TNl+DNT von Adam ( 1Mo 5,1-6,8 )

4. TNl+DNT von Noah ( 1Mo 6,9-9,29 )

5. TNl+DNT von Sem, Ham und Jafet ( 1Mo 10,1-11,9 )

6. TNl+DNT von Sem ( 1Mo 11,10-26 )

7. TNl+DNT von Terach ( 1Mo 11,27-25,11 )

8. TNl+DNT von Ismael ( 1Mo 25,12-18 )

9. TNl+DNT von Isaak ( 1Mo 25,19-35,29 )

10. TNl+DNT von Esau ( 1Mo 36,1-8 )

11. TNl+DNT von Esau, Vater der Edomiter ( 1Mo 36,9-37,1 )

12. TNl+DNT von Jakob ( 1Mo 37,2-50,26 ).

Die Ansichten über diese Gliederung weichen voneinander ab. Speiser sieht TNl+DNT als Überschrift an allen Stellen außer 1Mo 2,4; 25,19 und 1Mo 37,2 .An diesen Stellen geht er von der Bedeutung »Bericht«, »Geschichte« aus, die sich auf den vorhergehenden, nicht auf den folgenden Text bezieht ( Genesis , a.a.O., S.XXIV). Skinner zweifelt überhaupt daran, ob sich das Wort auf den Text davor beziehen kann und sieht es als reine Überschrift an ( Genesis , a.a.O., S.39- 40).

TNl+DNT leitet sich von yAlaD (»gebären«, »hervorbringen«) ab. Es bedeutet »das Hervorgebrachte« und markiert den Anfangspunkt, von dem aus sich etwas entwickelt hat. Mit Hilfe einer Kombination von Stammbaum und Erzählung schreitet die Komposition von einem Punkt ( TNl+DNT ) zum nächsten Einschnitt (dem nächsten TNl+DNT ). Am Ende steht jeweils das Ergebnis einer von einem bestimmten Punkt ausgehenden Entwicklung.

Einige Ausleger stimmen mit der traditionellen Ansicht, daß TNl+DNT eine Überschrift ist, nicht überein. P. J. Wiseman und R. K. Harrison nehmen an, daß TNl+DNT ähnlich wie auf Keilschrifttontafeln verwendet wird und sich auf das vorhergehende Material bezieht (Wiseman, Die Entstehung der Genesis , Wuppertal: Brockhaus Verlag, 1965; Harrison, Introduction to the Old Testament , a.a.O., S.548). Sie gehen davon aus, daß die Berichte in 1.Mose zunächst auf Tontafeln überliefert und schließlich in der vorliegenden Form gesammelt wurden.

Wiseman verweist darauf, daß die Formel TNl+DNT in 1.Mose den babylonischen Kolophonen entspricht, die Titel, Datum der Abfassung, Nummerierung und den Hinweis auf die Vollendung einer Serie (beim letzten Kolophon), sowie den Namen des Autors oder Besitzers enthalten ( Creation Revealed in Six Days , London: Marshall, Morgan&Scott, 1949, S.46).

Diese Ansicht kann jedoch nicht überzeugen. Die babylonischen Kolophone entsprechen der Formel TNl+DNT in 1.Mose gerade nicht (vgl. Alexander Heidel, The Baylonian Genesis , 2. Auflage, Chicago: University of Chicago Press, 1963, S.25+30; A. L. Oppenheim, Ancient Mesopotamia , Chicago: University of Chicago Press, 1964, S.240-241). Auf den Keilschrifttafeln ist der Titel eine Wiederholung der ersten Zeile der Tafel. Der genannte Besitzer scheint der gegenwärtige, nicht der ursprüngliche Besitzer oder Autor zu sein. Die akkadische Entsprechung zu TNl+DNT wird dabei gar nicht verwendet.

Wenn TNl+DNT in 1.Mose sich wirklich auf den vorangehenden Text beziehen würde, dürfte es nicht erst nach dem hinzugefügten Material 1Mo 4,17-26 in 1Mo 5,1 stehen, sondern müßte sich direkt im Anschluß an die Geschichte von Adam in 1Mo 4,16 finden. Auch in 1Mo 10,1 wäre das TNl+DNT Noahs als Abschluß nach Sintflut und Verfluchung am falschen Ort, vor allem wenn in 1Mo 10,32 die nächste Formel folgt. Neben diesen Einzelproblemen steht die Schwierigkeit, daß dann die Geschichte von Abraham von Ismael niedergeschrieben wurde, die Geschichte Ismaels von Isaak, die Geschichte Isaaks von Esau und die Geschichte Jakobs von Josef.

Nirgends im AT bezieht sich TNl+DNT eindeutig auf den vorangehenden Text. Es kann sich jedoch immer auf den folgenden Text beziehen, oft ist dies sogar zwingend, etwa in Rt 4,18 ,wo es sich auf den folgenden Stammbaum des Perez bezieht, oder in 4Mo 3,1 ,wo sich das TNl+DNT von Aaron und Mose nicht auf die Zählung in 4Mo 1-2 beziehen kann. Bezieht man TNl+DNT jeweils auf den folgenden Text, ergeben sich in 1.Mose keinerlei Schwierigkeiten.

Auch 1Mo 2,4 enthält eine Überschrift. Selbst Wiseman gibt zu, daß 1Mo 2,1-3 einen natürlichen Schluß für den Schöpfungsbericht bildet. 1Mo 2,4 a wäre dann die Überschrift und 1Mo 2,4 b der Beginn des abhängigen Satzes (wie der Beginn des Enuma Elisch ). Dieser Aufbau entspricht 1Mo 5,1 ,wie ein Vergleich der beiden Verse zeigt:

»Dies sind die TNl+DNT der Himmel und der Erde, als sie erschaffen worden waren, als Jahwe-Gott Himmel und Erde gemacht hatte...« ( 1Mo 2,4 ).

»Dies ist das Buch TNl+DNT von Adam. Als Gott den Menschen geschaffen hatte...« ( 1Mo 5,1 ).

Auch der Umstand, daß in 1Mo 2,4-3,24 der Ausdruck »Jahwe-Gott« (»Jahwe-Elohim«) verwendet wird, spricht dafür, daß 1Mo 2,4 ,das denselben Ausdruck enthält, die Überschrift bildet. (Übrigens ist der Ausdruck »Jahwe-Elohim« eines der gewichtigsten Argumente gegen eine Quellenscheidung des Schöpfungsberichtes in eine jahwistische und eine elohistische Quelle, die angeblich jeweils einen Gottesnamen bevorzugen sollen.)

(Die Ablehnung des Ausdrucks TNl+DNT als Kolophon, also als überleitende Unterschrift, und die Argumente gegen die Theorie von Wiseman, soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, daß es andere Ausdrücke als TNl+DNT in 1.Mose gibt, die ein Kolophon darstellen, z.B. 1Mo 10,5.20.31-32; 25,16 schließt 1Mo 25,12-16 ab, 1Mo 36,19 schließt 1Mo 36,1-19 ab, 1Mo 36,30 b schließt 1Mo 36,20-30 ab und 1Mo 36,43 schließt 1Mo 36 ab.)

Die TNl+DNT -Überschrift leitet den Bericht über die historische Entwicklung von einem Vorfahren ausgehend ein und könnte übertragen wiedergegeben werden mit: »Dies ist, was aus... wurde« oder »Dies ist, was mit... begann« (vgl. M. H. Woudstra, »The Toledot of the Book of Genesis and Their Redemptive-Historical Significance«, Calvin Theological Journal 5, 1970: 187). In 1Mo 2,4 leitet das TNl+DNT demnach die historischen Folgen der Erschaffung des Kosmos ein, so daß 1Mo 2,4-4,26 berichtet, was aus Himmel und Erde wurde. Dieser Bericht umfaßt den Sündenfall, die Ermordung Abels und die Entwicklung der Sünde innerhalb der Zivilisation. Der Bericht liefert keinen zweiten Schöpfungsbericht, sondern setzt den Bericht von der Schöpfung ausgehend fort bis hin zum Sündenfall. Dies ist eben, »was aus Himmel und Erde wurde«.

Schaut man alle entscheidenden Beispiele im AT an, scheint diese Definition von TNl+DNT die beste zu sein. Jedenfalls kann man die Formel nicht auf die Bedeutung »Genealogie«, »Stammbaum« einschränken, weil der Zusammenhang meist viel weitreichender dargestellt wird. Es geht auch nicht einfach um Biographien oder Geschichten, wie der fehlende biographische Faden beweist. Stattdessen geht es darum, was aus einer bestimmten Person wurde bzw. wie es mit ihr begann, wobei jeweils das ausgewählt wird, was für die Absicht von 1.Mose von Bedeutung ist. Das TNl+DNT Terachs berichtet folglich nicht über Terach, sondern über Abraham und seine Nachkommen, weil es darum geht, was aus Terach wurde. Das TNl+DNT Isaaks behandelt Jakob und nebenbei auch Esau. Das TNl+DNT Jakobs führt die Familiengeschichte von Jakob durch das Leben Josefs hindurch fort. Die im Zusammenhang mit dem TNl+DNT genannte Person ist normalerweise der Ausgangspunkt, nicht die Hauptperson, des folgenden Berichtes.

Zwei weitere Beobachtungen können über den einem TNl+DNT folgenden Text gemacht werden. Die eine ist, daß die Entwicklung der einzelnen Linien jeweils eine Einengung darstellt. Nach den Neuanfängen nach der Sintflut wird das TNl+DNT von Sem, Ham und Jafet überliefert. Doch direkt darauf schließt sich das TNl+DNT von Sem an. Das nächste TNl+DNT von Terach berichtet über das Leben Abrahams. Dann wird zunächst das TNl+DNT Ismaels überliefert, dann erst das TNl+DNT Isaaks. Ismael war nicht nur der ältere Bruder, sondern auch kein Glied der Segenslinie. Die Linie verengt sich auf Isaak. Dieselbe Reihenfolge finden wir beim TNl+DNT Esaus, das vor dem TNl+DNT Jakobs steht.

Die zweite Beobachtung ist, daß jeder einzelne Abschnitt unter der Überschrift des TNl+DNT eine kleine Widerspiegelung der Entwicklung des ganzen 1. Buches Mose ist, wobei das Motiv von Fluch und Segen eine vorherrschende Rolle spielt. In den ersten Abschnitten findet sich der den Fluch auslösende Niedergang. Erst in 1Mo 12,1-3 wird die Verheißung des Segens wieder zum Thema. Von nun an gibt es einen unausgesetzten Kampf um die Fortsetzung dieses Segens. Zugleich beginnt jedoch auch wieder der Niedergang, da Isaak und Jakob nicht den geistlichen Weg Abrahams einschlagen. Folgerichtig befindet sich die auserwählte Familie am Ende von 1.Mose nicht im verheißenen Land des Segens, sondern im Land der Knechtschaft, Ägypten. Derek Kidner drückt dies so aus: »Der Mensch legte einen weiten Weg vom Garten Eden in einen Sarg zurück (Sintflut), die auserwählte Familie einen weiten Weg von Kanaan nach Ägypten « ( Genesis , S.224).



Die Entwicklung der Botschaft in 1.Mose


Die TNl+DNT -Überschriften sind die Säulen, auf denen 1.Mose ruht (vgl. Woudstra, »The Toledot of the Book of Genesis«, S.188-189). Jedes TNl+DNT erklärt, was aus einer Linie wurde und zeigt sowohl die Verengung der Segenslinie als auch den Niedergang zum Fluch auf.

1. Schöpfung Der erste Abschnitt ( 1Mo 1,1-2,3 ) hat keine TNl+DNT -Überschrift, weil es um den Anfang geht, so daß die Frage, was aus der Schöpfung wurde, noch nicht gestellt werden kann. Die Überschrift in 1Mo 1,1 gibt aber den Inhalt des Abschnittes an. Die Bedeutung des Abschnittes liegt darin, daß Gott seine Arbeit nach einem göttlichen Plan ausführt und sein Segen in der Vollendung dieses Planes liegt. Tierisches Leben (V. 22-25 ), menschliches Leben (V. 27 ) und der siebte Tag ( 1Mo 2,3 ) wurden besonders gesegnet. Diese Dreifachheit ist wichtig: Der Mensch, der im Bilde Gottes geschaffen ist, erfreut sich der Herrschaft über alle anderen Geschöpfe auf der Erde und begann seine Herrschaft ausgehend von der Sabbatruhe Gottes im Segen.

2. Das TNl+DNT der Himmel und der Erde Dieser Abschnitt ( 1Mo 2,4-4,26 ) berichtet, was aus dem Kosmos wurde. Der Abschnitt beginnt mit einem spezielleren Bericht der Erschaffung von Adam und Eva, fährt dann mit der Sünde der beiden und mit Gottes Fluch über diese Sünde fort. Die Sünde breitet sich unter den Nachkommen aus. Der Mensch findet keine Ruhe mehr, sondern ist auf der Flucht, lebt in Furcht, versucht seine eigene Welt zu bauen und entwickelt die Zivilisation. Wie eine Antwort auf die dreifache Segnung der Schöpfung findet sich in diesem Abschnitt eine dreifache Verfluchung, nämlich des Satans ( 1Mo 3,14 ), des Erdbodens wegen der Schuld des Menschen ( 1Mo 3,17 ) und von Kain ( 1Mo 4,11 ).

In all diesem Niedergang des Lebens findet sich das Gnadengeschenk Gottes ( 1Mo 4,15 ) und ein Hoffnungsschimmer (der Mensch beginnt Jahwe anzurufen).

3. Das TNl+DNT des Buches Adams In diesem zentralen Stammbaum von Adam bis Noah wird der menschliche Niedergang ebenfalls deutlich ( 1Mo 5,1-6,8 ). Dieser Abschnitt beginnt mit einem erneuten Hinweis auf die Schöpfung ( 1Mo 5,1 ) und endet mit Gottes Zorn über die Menschen. 1Mo 5,1-2 beschreibt die Schöpfung mit dem Wort bArak (»segnen«), 1Mo 5,29 berichtet, daß die Geburt Noahs ein ermunterndes Gnadengeschenk angesichts des Fluches ( ?Arar , »verfluchen«) war. Dem Segen, der anfänglich auf dem ganzen menschlichen Geschlecht lag, steht der Hinweis gegenüber, daß alle Nachkommen starben. Eine Ausnahme von dem Fluch des Todes, Henoch, läßt die Hoffnung aufkommen, daß der Fluch nicht endgültig ist.

4. Das TNl+DNT Noahs Dieser Abschnitt ( 1Mo 6,9-9,29 ) behandelt das Gericht Gottes (Fluch) und daran anschließend den Segen Gottes, da Gott verheißt, die Erde nie wieder so zu verfluchen ( 1Mo 8,21 ). Gleichzeitig beginnt die Geschichte mit dem Segen, daß Noah Gnade vor Gottes Augen findet und endet mit der Verfluchung Kanaans.

In diesem Abschnitt findet sich der Neubeginn einer Welt, die aus dem Wasser kommt. Dabei gibt es einige Parallelen zu Kapitel 1 . Auch hier beginnt eine Welt aus dem Chaos heraus und erscheint das trockene Land als Zeichen der Gnade Gottes. Der Bund mit Noah entspricht dem Segen, den Adam empfing.

5. Das TNl+DNT der Söhne Noahs Noah prophezeite seinen Söhnen eine weltweite Ausbreitung. Damit wendet sich der Text den Nationen zu. Der Autor entwickelt die Botschaft, daß der Mensch sich immer wieder zum Chaos abwärts entwickelt. Er beginnt mit der Fruchtbarkeit der Nachkommen von Sem, Ham und Jafet und endet mit der Erklärung der Entstehung der Völkervielfalt durch die Zerstreuung in Babel ( 1Mo 10,1-11,9 ). Es ist ein literarisches Ereignis, daß dieser Bericht den Höhepunkt am Ende des Abschnittes bildet, obwohl er chronologisch weiter nach vorne gehören würde. So ist der Leser gespannt, wie denn Gottes Antwort auf den ständigen Niedergang der Menschen aussieht und wie Gott den verheißenen Segen vorbereitet.

6. Das TNl+DNT Sems Dieser Abschnitt ( 1Mo 11,10-26 ) verengt den Blick von allen Völkern über die Linie Sems hin zu Abraham. Der Stammbaum führt die Segenslinie von Noah über Sem zu Abraham, wie Kapitel 5 die Linie von Adam zu Noah überliefert. Gott ließ die weitverstreuten und geteilten Völker nicht hoffnungslos unter dem Fluch, sondern erwählte einen Mann und erschuf ein Volk, um durch sie alle Völker auf Erden zu segnen. Der Abschnitt verbindet das Gericht von Babel mit dem Segen, der nun über Abraham kommen sollte.

7. Das TNl+DNT Terachs Während Kapitel 1-11 von der weltweiten Rebellion des Menschen berichten, behandeln Kapitel 12-50 Gottes Handeln, um die Menschen zum Ort des Segens zu bringen. Dieser Abschnitt ( 1Mo 11,27-25,11 ) berichtet, was aus Terach, dem letzten Mann der Liste ( 1Mo 11,32 ), wurde. Er berichtet von dem Leben seines Sohnes Abrahams und ist der Schlüssel zu 1.Mose, zum ganzen AT mit dem göttlichen Segensplan und zur Bibel überhaupt. Gott verhieß Abraham, den er wie niemanden sonst segnete, ein Volk, ein Land und einen Namen. Der Bericht beschreibt die Entwicklung des Glaubensgehorsams Abrahams.

8. Das TNl+DNT Ismaels Dieser Abschnitt ( 1Mo 25,12-18 ) erklärt, was aus Ismael wurde, da dieser nicht zu der von Gott auserwählten Segenslinie gehörte. Erst anschließend kehrt der Autor zur Segenslinie zurück.

9. Das TNl+DNT Isaaks Dieser Abschnitt ( 1Mo 25,19-35,29 ) berichtet, was aus dem Sohn der Verheißung, Isaak, wurde und erzählt die Lebensgeschichte Jakobs, seines Sohnes, die Streitigkeiten innerhalb seiner Familie und die Entstehung des Volkes Israel. Die Verheißung von 1Mo 12,2 beginnt sich zu entfalten. Der Abrahamssegen wird ausschließlich auf Jakob übertragen ( 1Mo 27 ). Jakob wächst im Glauben, wird dabei aber zum Krüppel. Er war nicht mit seinem Großvater Abraham zu vergleichen und dennoch wuchs »Israel« heran.

10. Das TNl+DNT Esaus Noch einmal beginnt 1.Mose mit dem Ausgangspunkt Isaak. Doch bevor das TNl+DNT des Sohnes der Segenslinie folgt, berichtet dieser Abschnitt ( 1Mo 36,1-8 ) von Esau, dem Jakob das Erstgeburtsrecht abkaufte. Das Volk, das von Jakob abstammte, sollte noch oft mit seinen Verwandten, den Edomitern (Esau = Edom), in Kontakt treten. Der Abschnitt berichtet von drei der Frauen Esaus und seinen fünf Söhnen.

11. Das TNl+DNT Esaus, des Vaters der Edomiter Ein zweiter Bericht ( 1Mo 36,9-37,1 ), der bei Esau beginnt, wird wegen der großen Bedeutung der in ihm erwähnten Häupter der Edomiter, Amalekiter und Horiter aufgelistet.

12. Das TNl+DNT Jakobs Was wurde aus Jakob? Seine Söhne wurden die Stammväter der Stämme Israels( 1Mo 37,2-50,26 ). Dieser Bericht beschäftigt sich vorwiegend mit dem Leben Josefs und dem Umzug der Großfamilie Jakobs nach Ägypten. Er erklärt, weshalb Gottes Volk in Ägypten zu finden ist und wie sich das zu dem verheißenen Segen Gottes verhält. In Kanaan erlebte die Familie einen Niedergang und war kurz davor, sich mit den Kanaanitern völlig zu vermischen. Um die Segenslinie zu erhalten, führte Gott in seiner Gnade sein Volk mit Hilfe der bösen Absichten der Brüder Josefs unter die Herrschaft der Ägypter. Als das verheißene Land durch eine Hungersnot verflucht wurde, hielt Gott seinen Segen durch die Weisheit und Macht Josefs bereit. Das Buch endet jedoch an einem Punkt (vgl. 2Mo 1 ), der nur die Vorbereitung für eine größere Ausschüttung des Segens Gottes sein kann, wozu Gott erneut einen Mann, Mose, erwählt ( 2Mo 2 ff).

Schluß: Weil 1.Mose das Fundament des Pentateuch bildet, beginnt 2.Mose damit, daß Gott sich an seinen Bund mit Abraham erinnert: »Und Gott erhörte ihr Wehklagen und gedachte seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob. Und Gott sah auf die Israeliten und nahm sich ihrer an« ( 2Mo 2,24-25 ). Die letzten Ereignisse und die letzten Worte in 1.Mose nehmen 2.Mose vorweg: »Gott wird euch gnädig heimsuchen und aus diesem Land führen in das Land, das er Abraham, Isaak und Jakob zu geben geschworen hat« ( 1Mo 50,24 ). Diese Worte wurden von Mose wiederholt, als er die Gebeine der Patriarchen aus Ägypten mitnahm ( 2Mo 13,19 ).

1.Mose liefert also die theologische und geschichtliche Grundlage für Israels Erwählung. Israel konnte seine Abstammung auf Abraham zurückführen, den Gott aus den umherlebenden Völkern ausgewählt und dem Gott die große Bundesverheißung des Landes und des Wachstums gegeben hatte.

Wegen der großen Bedeutung der direkten Abstammung und des Erstgeburtssegens widmet 1.Mose den Familien der Patriarchen großen Raum und berichtet von ihren Frauen, Söhnen, Erben, von Erstgeburtsrechten und Segnungen durch die Väter. 1.Mose überbrückt im Anschluß an die Weissagungen Jakobs ( 1Mo 49 ) 400 Jahre. Dadurch wird das Geburtsrecht der Stämme Israels in ihrer Zeit in Ägypten begründet, das schließlich dazu führte, daß diese gerufen wurden, Ägypten zu verlassen.

Israel sollte erkennen, daß es tatsächlich gemäß der Verheißung an Abraham zu einem großen Volk geworden war. Dementsprechend lag seine Zukunft nicht in Ägypten, Sodom oder Babylon, sondern allein in dem Schwur Gottes, ihnen das Land zu geben.

1.Mose sollte Israel überzeugen, daß Gott Israel nicht nur eine solche Zukunft geschworen hatte, sondern auch in der Lage war, seine Verheißungen wahrzumachen. Immer wieder berichtet 1.Mose vom übernatürlichen Eingreifen Gottes im Leben der Patriarchen, um Israel soweit zu bringen. Sicher würde Gott, der ein gutes Werk begonnen hatte, dieses Werk auch vollenden (vgl. Phil 1,6 ). Das Volk sollte durch die Erkenntnis, daß seine Existenz auf die Erwählung und Segnung durch Gott zurückging, zum Gehorsam geführt werden. Daher ist 1.Mose eine ausgezeichnete Vorausetzung für den Auftrag Moses, Israel aus Ägypten zu führen.


Das erste Buch Mose

Die Theologie von 1.Mose


1.Mose geht von der Voraussetzung aus, daß Gott existiert und daß er sich in Wort und Tat den Stammvätern Israels offenbart hat. Das Buch bietet keine Beweise für die Existenz Gottes, sondern geht stillschweigend davon aus, daß alles, was existiert, seine Ursache in Gott hat.

Das Hauptthema der Theologie von 1.Mose ist Gottes Handeln, um Israel als Werkzeug zur Segnung aller Völker vorzubereiten. 1.Mose bildet Grundlage und Einführung des Hauptthemas des ganzen Pentateuchs, der Theokratie, der Herrschaft Gottes über die ganze Schöpfung. Es stellt die Ursprünge dar, die hinter der Theokratie liegen, nämlich die Verheißung, daß Abrahams Nachkommen das Land ererben und ein Segen für alle Völker werden.

Das 2. Buch Mose berichtet von der Erlösung des Volkes aus der Knechtschaft und von dem Bund, den Gott mit ihm schloß. Das 3. Buch Mose enthält die Ordnungen, die die Voraussetzungen dafür schufen, daß der heilige Gott unter seinem Volk wohnen konnte, indem er sie heiligte. Das 4. Buch Mose berichtet von den militärischen Auseinandersetzungen und Volkszählungen der Stämme in der Wüste und zeigt dabei, wie Gott seine Verheißungen gegenüber allen inneren und äußeren Feinden verteidigt. Das 5. Buch Mose beschreibt die Erneuerung des Bundes.

Innerhalb der Entfaltung dieses göttlichen Panoramas führt 1.Mose den Leser in das Wesen Gottes als souveräner Herr über das ganze Universum ein. Gott bewegt Himmel und Erde, um seinen Willen auszuführen. Er will die Menschheit segnen, duldet aber zugleich keinerlei Ungehorsam und Unglauben. Dadurch lernt der Leser, daß es »ohne Glauben unmöglich« ist, »Gott zu gefallen« ( Hebr 11,6 ).



GLIEDERUNG


I. Die Urgeschichte ( 1,1-11,26 )

     A. Die Schöpfung ( 1,1-2,3 )
     B. Die Geschichte seit der Erschaffung von Himmel und Erde ( 2,4-4,26 )
          1. Die Erschaffung von Mann und Frau ( 2,4-25 )
          2. Die Versuchung und der Sündefall ( Kap. 3 )
          3. Das Fortschreiten der Sünde durch Kains Mord an Abel ( 4,1-16 )
          4. Die Ausbreitung der gottlosen Zivilisation ( 4,17-26 )

     C. Die Geschichte seit Adam ( 5,1-6,8 )
          1. Die Geschlechterfolge von Adam bis Noah ( Kap. 5 )
          2. Der Niedergang des menschlichen Geschlechts ( 6,1-8 )

     D. Die Geschichte seit Noah ( 6,9-9,29 )
          1. Das Strafgericht durch die Sintflut ( 6,9-8,22 )
          2. Der Bund mit Noah ( 9,1-17 )
          3. Die Verfluchung Kanaans ( 9,18-29 )

     E. Die Geschichte seit den Söhnen Noahs ( 10,1-11,9 )
          1. Die Völkertafer ( Kap. 10 )
          2. Die babylonische Zerstreuung ( 11,1-9 )

     F. Die Geschichte seit Sem ( 11,10-26 )

II. Die Erzvätererzählung ( 11,27-50,26 )

     A. Die Geschichte seit Terach ( 11,27-25,11 )
          1. Gottes Bund mit Abraham ( 11,27-15,21 )
          2. Gott schafft Abraham die verheißene Nachkommenschaft. Abrahams Glaube wächst durch Prüfungen ( 16,1-22,19 )
          3. Durch Abrahams Glaubenstreue gehen die Verheßungen Gottes auf Isaak über ( 22,20-25,11 )

     B. Die Nachkommen Ismaels ( 25,12-18 )
     C. Die Nachkommen Isaaks ( 25,19-35,29 )
          1. Jakob erhält anstelle von Esau den verheißenen Segen ( 25,19-28,22 )
          2. Die Segnung Jakobs in der Fremde ( Kap. 29-32 )
          3. Die Rückkehr Jakobs und die Gefahr des Abfalles im Land ( Kap. 33-35 )

     D. Die Nachkommen Esaus ( 36,1-8 )
     E. Die Nachkommen Esaus, des Vaters der Edomiter ( 36,9-37,1 )
     F. Die Nachkommen Jakobs ( 37,2-50,26 )
          1. Josef wird nach Ägypten verkauft ( 37,2-36 )
          2. Der Niedergang der Familie Judas und die Bestätigung der Wahl Gottes ( Kap. 38 )
          3. Der Aufstieg Josefs in Ägypten ( Kap. 39-41 )
          4. Der Umzug nach Ägypten ( 42,1-47,27 )
          5. Vorsorge für das Andauern der verheißenen Segnungen ( 47,28-50,26 )


AUSLEGUNG


I. Die Urgeschichte
( 1,1-11,26 )


A. Die Schöpfung
( 1,1-2,3 )


Der Bericht über die Schöpfung ist der logische Anfangspunkt des 1.Buches Mose (Genesis), weil damit der Beginn des Universums erklärt wird. Ihm wurde im Zusammenhang mit den Naturwissenschaften viel Aufmerksamkeit zuteil, was auch zu erwarten war. Dennoch ist der Abschnitt in gleicher Weise eine theologische Abhandlung, da er das Fundament für die übrigen Bücher Mose (Pentateuch) legt.

Als Mose diesen Bericht für Israel niederschrieb, wollte er Gott als den Begründer und Schöpfer allen Lebens darstellen. Der Bericht zeigt, daß der Gott, der Israel erschaffen hat, auch der Gott ist, der die Welt ins Leben rief und alles, was darin ist. Deshalb ist die Gottesherrschaft in Israel auf den allmächtigen Gott der Schöpfung gegründet. Die Nation, ihr Gesetz, ihre Sitten und ihr Glaube geht auf das Wesen Gottes zurück. Israel sollte daran lernen, von was für einem Gott es zu einer Nation gemacht wurde.

Die sich hieraus ergebenden Folgen sind gewaltig. Erstens bedeutet es, daß alles, was existiert, unter Gottes Kontrolle stehen muß. Die Schöpfung muß dem Schöpfer unterworfen sein. Die Gewalten der Natur, die Feinde und alle Geschöpfe und Gegenstände, die zu heidnischen Gottheiten wurden, konnten den Dienern des lebendigen Gottes zur Bedrohung werden.

Zweitens offenbart der Bericht die Grundlage des Gesetzes. Wenn Gott wirklich vor allem anderen gewesen war und alles erschaffen hatte, wie töricht würde es dann sein, andere Götter zu haben, die angeblich schon vor ihm waren. Wenn Gott wirklich den Menschen in seinem Bild geschaffen hatte, um ihn zu repräsentieren, wie töricht würde es dann sein, sich ein Bildnis von Gott zu machen. Wenn Gott wirklich einen Tag bestimmt hatte, um von seinem Werk auszuruhen, sollte dann nicht der Mensch, der seinen Weg mit Gott geht, es ihm gleichtun? Hier findet sich das Grundprinzip aller Gebote.

Drittens enthüllt der Bericht, daß Gott ein Gott der Erlösung ist. Er stellt dar, wie Gott den Kosmos aus dem Chaos herausführt, Licht statt Finsternis schafft, die beiden voneinander scheidet, Fluch in Segen und das Böse und die Finsternis in das Heilige verwandelt. Ähnliches geschieht im Handeln Gottes beim Auszug aus Ägypten in 2.Mose. Die Erlösung Israels geschieht hier durch die Zerstörung der ägyptischen Streitkräfte, die für das Chaos stehen. Die Propheten und die Apostel sahen hierin ein Musterbeispiel für Gottes erlösendes Handeln. Und schließlich läßt der, der bei der Erschaffung der Welt das Licht aus der Finsternis leuchten ließ, auch das Licht in den Herzen der Gläubigen aufleuchten ( 2Kor 4,6 ), so daß sie zu neuen Schöpfungen werden ( 2Kor 5,17 ).



1Mo 1,1-2


Diese Verse sind traditionell als Hinweis auf den tatsächlichen Beginn der Materie verstanden und daher als Teil des ersten Tages angesehen worden. Aber das Vokabular und die Grammatik dieses Abschnitts erfordern eine eingehendere Untersuchung. Die Motive und die Struktur des Schöpfungsberichtes werden in den ersten zwei Versen vorgestellt. Daß das Universum Gottes schöpferisches Werk ist, wird durch die Feststellung Gott schuf Himmel und Erde in vollkommener Weise ausgedrückt. Der Begriff bara�Ԥ (»erschaffen«) kann die Schöpfung aus dem Nichts heraus bedeuten, kann aber mit Sicherheit nicht darauf eingeschränkt werden (vgl. 1Mo 2,7 ). Vielmehr betont dieser Ausdruck, daß das, was gebildet wurde, neu und vollkommen war. Dieser Begriff wird überall in der Bibel nur in Verbindung mit Gott als dem Handelnden gebraucht.

1Mo 1,2 beschreibt jedoch ein Chaos: die Erde war wüst und leer und Finsternis war über der Tiefe . Die Satzteile in Vers 2 gehören anscheinend als Bedingung zu Vers 3 , indem sie den Zustand der Welt schildern, als Gott sie zu erneuern begann. Es war ein wüstes Chaos der Leere und der Finsternis. Solche Verhältnisse können nicht das Ergebnis von Gottes schöpferischem Werk ( bArA? ) sein, vielmehr sind sie in der Bibel Anzeichen für Sünde und dem Gericht zugeordnet. Darüberhinaus beginnt Gottes Reden, das die Schöpfung ins Leben rief, erst in Vers 3 , und die Elemente, die wir in Vers 2 finden, werden in der Schöpfung ersetzt, indem das Licht die Finsternis vertreibt. Der Ausdruck »wüst und leer« ( TOhV wABOhU ) gibt offensichtlich ebenfalls den Aufbau von Kapitel 1 wieder, indem zunächst das Gestalten Gottes statt der Wüste und dann das Füllen der leeren Erde beschrieben wird.

Einige Ausleger haben hier eine Zwischenstufe der Schöpfung sehen wollen, d.h., daß das Werk der Schöpfung in Vers 2 schon begonnen hatte, aber noch nicht abgeschlossen war, sondern später in den gegenwärtigen Zustand umgestaltet wurde (V. 3-25 ). Aber diese These wird weder durch die Syntax noch durch die Wortwahl gestützt.

Andere sehen eine »Kluft« zwischen den ersten beiden Versen. Dazwischen lag für sie der Fall Satans und der Eintritt der Sünde in die Welt, durch die das Chaos verursacht wurde. Es ist jedoch wahrscheinlicher, daß sich Vers 1 auf einen relativen Beginn und nicht auf den absoluten Beginn bezieht (Merrill F. Unger, Ungers's Commentary on the Old Testament , 2 Bd., Chicago: Moody Press, 1981, Bd. 1, S.5). Das restliche Kapitel würde in diesem Fall von der Schöpfung des Universums berichten, wie der Mensch sie versteht, nicht den eigentlichen Beginn aller Dinge im Plan Gottes. Vers 1-2 würden dann die Einleitung dazu bilden. Der Fall Satans und der Eintritt der Sünde in Gottes ursprüngliche Schöpfung müßte dann vorher stattgefunden haben.

Es geschah durch den Geist, daß Gott alles Existierende in souveräner Weise erschuf (V. 2 b). Aber schon in der Finsternis des Chaos setzte der Geist Gottes die Dinge in Bewegung, um das Schöpfungswerk Gottes vorzubereiten.



1Mo 1,3-5


Das Modell für jeden der Schöpfungstage wird hier deutlich: (a) das erschaffende Wort, (b) der Bericht über dessen Wirkung, (c) Gottes Bewertung des Erschaffenen als »gut«, (d) gelegentlich die souveräne Namensgebung und (e) die Zählung eines jeden Tages. Zum Begriff Tag ( yOm ) gibt es zahlreiche Interpretationen: (1) Die Schöpfungstage beziehen sich auf ausgedehnte geologische Zeitalter vor dem Dasein des Menschen auf der Erde; (2) die Tage sind 24-Stunden-Tage, in denen Gott seine schöpferischen Taten offenbarte, die schon vorher geschehen waren; (3) die Tage sind wörtlich zu nehmende 24-Stunden-Tage des göttlichen Handelns. Zugunsten der dritten Sichtweise spricht die Tatsache, daß der Begriff yOm zusammen mit einem Ordnungszahladjektiv (erster, zweiter usw.) einen 24-Stunden-Tag bezeichnet, wo immer sich diese Konstruktion im AT findet. Auch das vierte Gebot( 2Mo 20,11 ) legt diese Auslegung nahe.

Gottes erstes Schöpferwort erzeugte Licht . Die Schönheit und Majestät der Schöpfung durch Gottes Anordnung steht in erhabenem Gegensatz zu den bizzaren Schöpfungsgeschichten der heidnischen Völker. Hier wird die Macht des Wortes Gottes demonstriert. Es war eben dieses Wort, das Israel motivierte, Gott zu vertrauen und zu gehorchen.

Das Licht war natürliches, also physikalisches Licht. Seine Erschaffung war ein unmittelbarer Sieg, weil das Licht die Finsternis vertrieb. Licht und Finsternis sind in der Bibel auch Symbole für Gut und Böse. Hier nahm Gottes Werk seinen Anfang, das im kommenden Zeitalter seinen Höhepunkt erreicht, wenn es keine Finsternis mehr geben wird ( Offb 22,5 ). Israel sollte erkennen, daß Gott das Licht ist und daß die Wahrheit und der Weg bei ihm allein zu finden sind. In der Finsternis Ägyptens ( 2Mo 10,21-24 ) hatten sie das Licht und bei der Befreiung aus Ägypten folgten sie seinem Licht ( 2Mo 13,21 ).



1Mo 1,6-8


Am zweiten Tag schied Gott durch eine gewölbte Ausdehnung, nämlich dem Himmel, die Wasser der Atmosphäre von den Wassern der Erde. Dies weist darauf hin, daß zuvor eine intensive Feuchtigkeit die Erde einhüllte. Gottes Wort bewirkte hier Trennung und Unterscheidung.



1Mo 1,9-13


Das trockene Land mit seiner Vegetation ( Pflanzenwelt ) wurde am dritten Tag gebildet. Die Vegetation ist ein Teil des geordneten Universums des wahren Gottes. Es gibt in der Bibel keinen zyklischen, jahreszeitlichen Mythos, um das pflanzliche Leben zu erklären, wie dies in anderen Religionen der Fall ist. Gott setzte alles ein für alle Mal in Bewegung. Während die Heiden an Götter aus der Tiefe glauben, zeigt dieser Bericht, daß Gott die Grenzen der Meere unter seiner Kontrolle hat (vgl. Hi 38,8-11 ).



1Mo 1,14-19


Der vierte Tag schließt die Erschaffung der Sonne zum Regieren (V. 16 ) des Tages und die Erschaffung des Mondes und der Sterne zum Regieren der Nacht mit ein. Entweder wurden sie mit einem scheinbaren Alter geschaffen oder sie waren schon vorher erschaffen worden und wurden erst am zweiten Tag auf der Erde sichtbar, als Gott das Licht von der Finsternis schied und die Wasser oberhalb und unterhalb der Wölbung voneinander trennte.

Die Himmelskörper sollten als Zeichen für Jahreszeiten, Tage und Jahre dienen (V. 14 ). Diese Ausdrücke sind ebenso wie der Ausdruck »Tag und Nacht« in Vers 5 ohne die Existenz der Sonne und der Planetenrotation bedeutungslos.

In der Astrologie benutzen Ungläubige Sterne und Planeten als Wegweiser, aber die Bibel lehrt, daß sie nur die Schöpferkraft und Allmacht Gottes offenbaren ( Ps 19,2 ). Was ist es doch für eine Torheit, den astrologischen Karten der Babylonier zu folgen oder den Sonnengott der Ägypten zu verehren. Man sollte vielmehr dem einen vertrauen, der diese Objekte am Himmel erschaffen hat. Dennoch lehnen Menschen immer wieder den Schöpfer ab, um stattdessen die Schöpfung zu verehren ( Röm 1,25 ).



1Mo 1,20-23


Die großen Ungeheuer in der Luft und im Meer wurden am fünften Tag erschaffen . In diesem Abschnitt wird in Vers 21 zum zweiten Mal das Wort bArA (»geschaffen«; vgl. V. 1 ) verwendet. Große Tiere (Kreaturen) der Tiefe, die als Drachen und Monster in der alten Welt verehrt wurden, waren nichts weiter als große Geschöpfe des allmächtigen Gottes. Ferner kommt die Fruchtbarkeit des Lebens aus den Segnungen des einen wahren Gottes (V. 22 ) und nicht aus irgendeinem Fruchtbarkeitszauber.



1Mo 1,24-31


Der sechste Tag war der Höhepunkt der Schöpfung, da er die Erschaffung des Menschen einschloß. Obwohl der Mensch das letzte in dem Bericht erwähnte Geschöpf ist, entwickelte er sich nicht, sondern wurde eigens erschaffen .

Das Leben des Menschen wurde nach dem Bilde Gottes (wörtlich »zum«, d.h. »im Wesen/Geist«) geschaffen (V. 27 ). Diese Ebenbildlichkeit Gottes wurde nur dem Menschen verliehen ( 1Mo 2,7 ). »Bild« ( Qelem ) wird hier im übertragenen Sinn gebraucht, weil Gott keine menschliche Gestalt hat. Nach dem Bilde Gottes geschaffen zu sein, bedeutet, daß die Menschen, wenn auch unvollkommen und begrenzt, an Gottes Wesen, d.h. an bestimmten Eigenschaften Gottes wie Leben, Persönlichkeit, Wahrheit, Weisheit, Liebe, Heiligkeit, Gerechtigkeit teilhaben und dadurch die Fähigkeit zur geistlichen Gemeinschaft mit ihm besitzen.

Gottes Absicht bei der Erschaffung des menschlichen Lebens nach seinem Bild war zielgerichtet. Der Mensch sollte regieren , also die Herrschaft über die Erde ausüben ( 1Mo 1,26.28 ). Gottes Herrschaft wurde durch einen »Repräsentanten« ausgeübt. (Die ägyptischen Könige taten später im Götzendienst etwas ähnliches: sie stellten ihre Regierung oder Herrschaft durch Symbolstatuen ihrer selbst dar.) Heute stehen infolge der Sünde nicht mehr alle Dinge unter der Herrschaft des Menschen ( Hebr 2,8 ). Aber Jesus Christus wird bei seinem zweiten Kommen seine Herrschaft über die ganze Erde ( Hebr 2,5-8 ) aufrichten.

Gott sprach seinen Segen über den Mann und die Frau. Sie sollten fruchtbar sein und sich vermehren . In 1.Mose bedeutete gesegnet zu sein immer auch reich und fruchtbar zu sein. Diese erstaunlichen Befehle waren für Israel von entscheidender Bedeutung, da es selbst ja Gottes Stellvertreter auf Erden sein sollte.



1Mo 2,1-3


Der siebte Tag war der Tag der Ruhe, der Sabbat. Die Struktur der Sätze in Vers 2-3 ist im Hebräischen mit der parallelen Betonung des Adjektives »der siebte...« wohl geordnet. Die Zahl »sieben« stellt oft einen Bundesschluß dar. (Das Verb »schwören« ist etymologisch mit ihr verbunden). So ist es kein Wunder, daß der Sabbat das Zeichen für Gottes Bund am Sinai wurde ( 2Mo 31,13.17 ).

Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn (sprach ihn heilig), weil er eine Erinnerung an die Vollendung seines schöpferischen Werkes war. Gottes Sabbatruhe wurde ein wichtiges Leitmotiv der Bibel. Vor dem Sündenfall verkörperte sie die vollkommene Schöpfung, geheiligt und in Ruhe. Seit dem Sündenfall kann diese Ruhe nur ein Ziel sein, das erst erstrebt werden muß. Die Einsetzung einer theokratischen Ruhe im Land verlangte unter Mose und bei Josua Glauben und Gehorsam. Heute treten die Gläubigen in diese Sabbatruhe geistlich ein ( Hebr 4,8-10 ). Sie werden mit Sicherheit an seiner völligen Wiederherstellung teilhaben.

Der Schöpfungsbericht hatte in den Augen des neuen Volkes Israel zur Zeit Moses große geistliche und theologische Bedeutung. Aus dem Chaos und der Finsternis der heidnischen Welt brachte Gott sein Volk heraus, lehrte es die Wahrheit, sicherte ihm den Sieg über alle Mächte des Himmels und der Erde, bevollmächtigte es als seine Vertreter und verhieß ihm die theokratische Ruhe Gottes.



B. Die Geschichte seit der Erschaffung von Himmel und Erde
( 2,4-4,26 )


1. Die Erschaffung von Mann und Frau
( 2,4-25 )


Der Abschnitt Vers 4-25 enthält den Bericht von (das, was wurde aus) den Himmeln und der Erde, als ( b+yNm , wörtl. »an dem Tag«, ein Ausdruck für »als«) sie geschaffen wurden ( 1Mo 2,4 a). Was wurde also aus der Schöpfung? Die Schöpfung wurde durch den Eintritt der Sünde zerstört.



1Mo 2,4-7


Bei der Erschaffung Adams ist der Gegensatz auffallend: Obwohl es kein Leben gab, kein Wachstum, keinen Regen und niemanden, um den Boden zu bestellen, formte Gott den Menschen sehr sorgfältig. Die Anordnung in diesen Versen schließt einen Titel (V. 4 ), drei Bedingungssätze, die im Hebräischen mit »als« ( »als« noch kein Strauch/Gesträuch ... auf der Erde war, »als« es noch keinen Menschen gab, den Erdboden zu bebauen, »als« keine Ströme ... den Erdboden ... bewässerten ) eingeleitet werden und das Verb, das eine Erzählung einleitet ( und [Er] formte ) ein. Hierin spiegelt sich Kapitel 1 wider (Titel/Überschrift: 1Mo 1,1; Bedingungssätze: 1Mo 1,2 und das erste erzählende Verb: 1Mo 1,3 ).

Die wiederholte Betonung von »Gott, der Herr« ist bedeutsam ( 1Mo 2,4-5.7-9.15-16.18-19.21-22 ). Der allmächtige Schöpfer (»Gott«) des ersten Kapitels ist zugleich auch der Jahwe (Herr), der einen Bund mit den Menschen schließt. Auf diese Weise sollte Israel erkennen, daß ihr Herr alles erschaffen und daß er den Menschen nach einem besonderen Plan gebildet hatte.

Die Erschaffung des Menschen schloß sowohl die Gestaltung aus dem Staub als auch das Einhauchen des Lebensodems ein. Der Begriff bildete (von yAQar ) beschreibt das Werk eines Künstlers. Wie ein Töpfer ein irdenes Gefäß aus Ton bildet, so bildete Gott den Menschen aus dem Staub des Erdbodens. Der Mensch wurde aufgrund eines göttlichen Planes gemacht, aber er wurde andererseits aus der Erde geschaffen. Er ist »irdisch«, »von der Erde« und das trotz aller späterer Träume, wie Gott sein zu können ( 1Mo 3,5 ). Das hebräische Wort für Mensch ( ?ADAm , also »Adam«, 1Mo 3,8 ) ist verwandt mit dem Wort für Acker ( ?XDAmCh , vgl. 1Mo 3,17 ).

Gottes Einhauchen des Lebensodems verwandelte die äußere Gestalt des Menschen in ein lebendiges Wesen (wörtl. in »eine lebendige Seele«). Dieses Einhauchen machte den Menschen zu einem geistlichen Wesen mit der Fähigkeit, Gott zu dienen und nachzufolgen. Im Hinblick auf diese besondere Erschaffung des Menschen konnte der Leser erst die Bedeutung des Sündenfalls ermessen. Seit dem Sündenfall ist die Wiedergeburt durch die »Einhauchung« des Heiligen Geistes von entscheidender Bedeutung, wenn Menschen die Gemeinschaft mit Gott erleben wollen.



1Mo 2,8-10


Der Mensch wurde in eine vollkommene Umgebung gebracht. Der Garten lieferte den Schauplatz für die Gehorsamsprüfung des Menschen. Die Beschreibung des überreichen Gartens (V. 8 ), der Bäume (V. 9 ) und der Ströme in ihm (V. 10 ) leitet zu dem Gebot Gottes über. Der Mensch durfte alles genießen, aber nicht von dem einen verbotenen Baum essen (V. 17 ).

Während Gott möglicherweise anfänglich Bäume mit einem scheinbaren Alter schuf, waren die Bäume in diesem Garten erst später gewachsen ( 1Mo 2,9 ). Unter den Bäumen im Garten war einer, der Leben bewirkte ( der Baum des Lebens ) und ein anderer, der Erkenntnis verschaffte ( der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse ), wenn man von ihren Früchten aß. Diese »Erkenntnis« war erfahrbar. Der Ausdruck »Gut und Böse« bringt die Dinge, die das Leben schützen und zerstören, auf eine kurze Formel. Auch sie würden durch das Essen der verbotenen Frucht erfahrbar sein (V. 17 ). Die Möglichkeit der Katastrophe war groß, wenn der Mensch in selbstbewußtem Stolz (Hybris) seine Grenzen überschreiten und den Versuch unternehmen würde, das Leben zu manipulieren. Der Baum des Lebens war andererseits ein Weg für Adam und Eva, ihren glückseligen Zustand zu bewahren und zu fördern. Beide Bäume befanden sich in der Mitte des Gartens , offensichtlich nahe beieinander. Sie schufen die Grundlage für die kommende Prüfung.

Die Bäume (V. 9 ), die Flüsse (V. 10 ) und wertvolles Gold und Edelsteine (V. 11-12 ) des Gartens werden auch auf der neuen Erde in ihrem ewigen Zustand vorhanden sein. Die neue Schöpfung wird mit all diesen Bestandteilen ausgestattet sein ( Offb 21,10-11.21; 22,1-2 ), was zeigt, daß mit ihr das Paradies auf der neuen Erde wiederhergestellt wird.



1Mo 2,11-14


Diese Verse bilden einen längeren Einschub in den Text und beschreiben den Reichtum der damals bekannten Welt. Der Garten befand sich möglicherweise im Gebiet des Persischen Golfes, wenn man von den Ortsnamen dieser Verse her urteilt. Wenn die geographischen Verhältnisse dieses Gebietes nach der Sintflut dieselben waren wie vorher, können der Tigris (wörtl. Hiddeqel ) und der Euphrat , also der dritte und der vierte Strom , identifiziert werden. Der erste der vier Flüsse, der Pischon , floß dann in Hawila im Norden Zentralarabiens, östlich von Palästina. Der zweite Fluß, der Gihon , floß im Lande Kusch , wobei Kusch wahrscheinlich nicht das heutige Äthiopien, sondern das Land der Kassiden (im Akkadischen kaSSu ) in den Bergen östlich von Mesopotamien bezeichnet.



1Mo 2,15-17


Der Sinn des Lebens für den Menschen ist der geistliche Dienst, wie die sorgfältig gewählten Worte in Vers 15 andeuten: er wurde in den Garten gesetzt ( nUaH , »zur Ruhe einsetzen«), um ihn zu bebauen ( ZABaD , »dienen«) und zu bewahren . Welche Arbeit er auch immer tun mochte, sie wurde als Dienst für Gott beschrieben.

In Vers 16 wird zum ersten Mal im AT das Wort QAwCh , das wichtigste Verb für »gebieten« (»Gebot«), verwendet. Gottes erstes Gebot an den Menschen betraf Leben und Tod, Gut und Böse. So wie bei allen fogenden Geboten Gottes gehörten auch zu diesem ersten Gebot positive Segnungen und negative Warnungen. Alle irdischen Güter und Freuden standen dem Menschen zur Verfügung. Ausgenommen war nur dieser eine verbotene Baum. Die hebräischen Worte in Vers 16-17 beschreiben das Gebot mit strengen Worten: der Mensch konnte völlig frei von all den anderen Früchten essen, aber wenn er von dem verbotenen Baum äße, würde er sicher sterben .

Auch diese erste Lektion muß mit dem Volk Gottes unter Mose in Verbindung gebracht werden. Gott erschuf die Menschen nach einem besonderen Plan und gab ihnen die Fähigkeit zur moralischen Verantwortlichkeit. Er setzte sie in den Garten, damit sie seine gehorsamen Diener sein sollten, warnte sie aber, daß vor ihnen Leben oder Tod läge, was davon abhinge, ob sie dem Gebot Gehorsam leisten würden. 5Mo 30,11-20 macht Israel alle Gebote parallel zu den Motiven in 1Mo 2,8-17 bekannt: Gehorsam gegen Gottes Gebote hat Leben und Segen zur Folge, der Ungehorsam das Elend und den Tod.



1Mo 2,18-25


Dieser Abschnitt berichtet von der Erschaffung der ersten Frau und der Einsetzung der Ehe und war deswegen für die Gesellschaft des Volkes Israel von großer Bedeutung. Es war Gottes Absicht, daß (Ehe)mann und (Ehe)frau eine geistliche und funktionierende Einheit sein sollten, indem sie in Rechtschaffenheit wandeln, Gott dienen und zusammen seine Gebote halten würden. Wenn diese Harmonie Wirklichkeit ist, gedeiht eine Gesellschaft unter Gottes Führung.

Adam war allein und das war nicht gut , obwohl alles andere in der Schöpfung gut war (vgl. 1Mo 1,4.10.12.18.21.25 ). Als der Mensch als Gottes Stellvertreter zu handeln begann, indem er den Tieren Namen gab, was sein Herrschaftsrecht bewies ( 1Mo 2,19-20 ), wurde er sich seiner Einsamkeit bewußt ( 1Mo 2,20 ). Gott ließ deshalb einen Schlaf (V. 21 ) auf ihn fallen und schuf Eva aus seinem Fleisch und Bein (Gebein) (V. 21-23 ).

Gott beschloß, eine Hilfe für den Mann zu schaffen (wörtl. »eine Hilfe, ihm entsprechend«, »ein helfendes Gegenüber« oder »eine ihm entsprechende Hilfe«) (V. 18 ). »Hilfe« ist kein erniedrigender Ausdruck. Er wird in der Bibel oft gebraucht, um Gott, den Allmächtigen, zu beschreiben (z.B. Ps 33,20;70,6;115,9 ). Die Beschreibung der Frau als »ihm entsprechend« bedeutet im Grunde, daß das, was über den Mann in 1Mo 2,7 gesagt wird, auch für sie gilt. Sie hatten beide dasselbe Wesen im Bilde Gottes. Die Frau füllt aber das aus, was dem Mann fehlte, weil er allein war. Sie ergänzt, was ihm fehlt, und er ergänzt, was sie entbehrt. Der Höhepunkt ist die Tatsache, daß beide ein Fleisch (V. 24 ) werden, womit die völlige Einheit von Mann und Frau in der Ehe beschrieben wird. Da Adam und Eva eine geistliche Einheit waren und ohne Sünde in Rechtschaffenheit lebten, war keine Anweisung erforderlich, wer die Führung zu übernehmen habe. Paulus diskutiert diese Frage später in Verbindung mit der Schöpfungsordnung und dem Sündenfall ( 1Kor 11,3; 1Tim 2,13 ).

Der Ausdruck Zal-kEn ( deshalb oder darum , 1Mo 2,24 ) wird in 1.Mose häufig verwendet. Wenn er und der ganze Satz in Vers 24 direkt von Gott an Adam gerichtet ist, muß das Verb »verlassen« im Futur mit wird verlassen übersetzt werden. Wenn aber, was vom Sinn her auch möglich ist, Gott diese Worte durch Mose an die Leser richtet, sollten sie im Präsens übersetzt werden: »darum verläßt ein Mann...«. Jedenfalls ist es die Folge der Erschaffung der Frau, daß die Ehe Mann und Frau zu »einem Fleisch« macht. Ihre Nacktheit (V. 25 ) läßt annehmen, daß sie ungezwungen, ohne Angst vor dem Ausgenutztwerden oder der Möglichkeit der Sünde, miteinander umgingen. Diese Gemeinschaft wurde später beim Sündenfall zerstört und wird seitdem nur bis zu einem gewissen Grad in der Ehe wiedererlangt, wenn ein Paar ungezwungen miteinander umzugehen beginnt. Hier deutet die Nacktheit, trotz des wörtlich zu nehmenden Bezugs, auch auf die Sündlosigkeit hin.

 

2. Die Versuchung und der Sündenfall
( 1Mo 3 )


1Mo 3,1-7


Diese Verse enthalten sowohl den Bericht des historischen Sündenfalls des Menschen als auch das typische Muster der Versuchung schlechthin. Sie stellen eine ideale Fallstudie für die Versuchung dar, weil hier für die Sünde weder die Umwelt noch die Veranlagung verantwortlich gemacht werden können.

1Mo 1-2 berichtet, was Gott gesagt hatte; nun spricht die Schlange (also nach Offb 20,2 der Teufel). Das Wort des Herrn brachte Leben und Ordnung; das Wort der Schlange brachte Chaos und Tod. Die Wahrheit ist älter als die Lüge; Gottes Wort erging noch vor den Lügen Satans an den Menschen.

1Mo 3,1 steht durch ein hebräisches Wortspiel mit 1Mo 2,25 in Verbindung: Adam und Eva waren »nackt« ( ZXUmmIm ), und die Schlange war listiger ( ZArU , »schlau« oder »scharfsinnig«) als alle anderen Tiere. Die Nacktheit der Menschen ist ein Zeichen dafür, daß sie dem Teufel gegenüber blind waren und nicht wußten, wo die Fallen lagen, wohingegen der Satan in seiner List ihre Unbescholtenheit ausnutzte. Die Eigenschaft der Schlauheit oder Listigkeit ist nicht schon an sich teuflisch. In der Bibel wird der Mensch immer wieder dazu aufgefordert. So wird das Wort ZArmAh in Spr 1,4 mit Klugheit übersetzt, die jeder Mensch erlangen soll. Aber hier wurde diese Eigenschaft für teuflische Zwecke benutzt.

Der Versucher war eine Schlange (Satan in Gestalt einer Schlange), was zeigt, daß die Versuchung unter einer Tarnung eingeflüstert wird, unerwartet kommt und häufig von jemandem ausgeht, der einem eigentlich untergeordnet ist (also jemand, über den man die Herrschaft ausüben sollte; vgl. 1Mo 1,28 ). Es kann sich hier allerdings auch um ein polemisches Element handeln, da die Schlange von den Heiden angebetet wurde. Das heidnische Lebenssymbol war in Wirklichkeit die Ursache des Todes. Die Göttlichkeit wird eben nicht durch das Nachahmen des heidnischen Glaubens und der heidnischen Symbole erlangt (vgl. das Versprechen des Satans in 1Mo 3,5 ). Die Schlange weist den Weg zum Tod, nicht zum Leben.

Entweder kannte Eva Gottes Gebote nicht wirklich gut oder wollte sich nicht an sie erinnern. Im Gegensatz dazu erlangte Christus den Sieg über Satan durch seine präzise Kenntnis des Wortes Gottes ( Mt 4,4.7.10 ). (Vgl. die Übersicht »Die Versuchung von Eva und Jesus« zu Mt 4,3-11 ). Eva schmälerte in ihrer Antwort ihre Vorrechte, indem sie verschwieg, daß sie von allen Bäumen essen durfte, fügte den Verboten einige eigene hinzu, indem sie selbst das Berühren der Früchte unter Strafe stellte und schwächte die Strafe ab. Damit stellte sie Gottes ursprünglichen Geboten ( 1Mo 2,16-17 ) ihre eigenen Worte gegenüber ( 1Mo 3,3 ). Nachdem Satan dies gehört hatte, leugnete er frech die Todesstrafe, die Gott angekündigt hatte ( 1Mo 3,4 ). Satan ist der Lügner von Anfang an ( Joh 8,44 ), und dies ist seine Lüge: der Mensch kann sündigen und dennoch ungestraft davonkommen. Aber der Tod ist die Strafe der Sünde ( 1Mo 2,17 ).

Der Versucher wirft darüberhinaus Zweifel über Gottes Charakter auf, indem er behauptet, daß Gott eifersüchtig ist und die Menschen von ihrer Bestimmung fernhält ( 1Mo 3,5 ). Stattdessen verspricht er ihnen, daß sie wie Gott sein würden, wenn sie die verbotenen Früchte äßen, was Gott angeblich genauso wüßte.

Hiermit war das Werk Satans vollendet. Die Frau wurde daraufhin ihren natürlichen Bedürfnissen und physischen Trieben überlassen. Der Begriff für begehrenswert ( neHmAD , V. 6 ) steht in Verbindung mit dem später verwendeten Wort in dem Gebot »Du sollst nicht begehren...« ( TaHmOD , 2Mo 20,17 ). Die physische Verwendbarkeit ( gut zur Speise ), ästhetische Schönheit ( eine Lust für die Augen ) und die Möglichkeit, Erkenntnis zu erlangen (wörtlich »im Wissen zu sein« ), bringen den Menschen über die Schwelle der Versuchung, wenn er erst einmal die Strafe nicht mehr ernst nimmt.

Die Ergebnisse widersprachen dem natürlich völlig. Das Versprechen göttlicher Erleuchtung wurde nicht eingelöst. Sie hatten beide gegessen und gesehen, aber waren dadurch nur verdorben worden. Sie fühlten sich unbehaglich gegeneinander (Mißtrauen und Entfremdung) und sie fühlten sich unbehaglich Gott gegenüber (Angst und Verstecken vor ihm). Satans Versprechungen bewahrheiten sich nie. Erkenntnis kann nie durch eine Nichtbeachtung des Wortes Gottes erlangt werden. Stattdessen ist die Furcht des Herrn der Weisheit Anfang ( Spr 1,7 ).



1Mo 3,8-13


Der Rest dieses Kapitels zerfällt in drei Abschnitte: (a) die Gegenüberstellung mit dem Herrn, wobei die beiden Sünder, die ihn hörten, sich fürchteten und unter den Bäumen versteckten (V. 8-13 ); (b) die Verfluchungen und Verheißungen des Herrn, durch die die Schlange, die Frau und der Mann neue Maßstäbe erhielten (V. 14-19 ); und (c) die Bekleidung der Menschen durch den Herrn als eine Vorkehrung für eine neue Ordnung (V. 20-24 ).

Die Wirkungen der Sünde sind Bestrafungen und Strafbestimmungen. Während doch Mann und Frau nach dem Versprechen des Teufels Leben haben sollten, erhielten sie nun den Tod; während sie Freude haben sollten, erhielten sie Schmerzen; während sie Fülle haben sollten, erlangten sie eine bloße Existenzmöglichkeit durch harte Arbeit; während sie vollkommene Gemeinschaft hätten haben sollen, mußten sie nun in Entfremdung und Streit leben.

Die Motive in Kapitel 3 - Tod, Mühsal, Schweiß, Dornen, der Baum, der Kampf und der Samen - führen uns später alle zu Christus. Er ist der zweite Adam, der zum Fluch wurde, der große Blutstropfen bitteren Todeskampfes schwitzte, der eine Dornenkrone trug, der an das Holz gehängt wurde bis er starb, und der in den Staub des Todes gelegt wurde.



1Mo 3,14-19


Gott sprach mit der Schlange (V. 14-15 ), mit Eva (V. 16 ) und mit Adam (V. 17-19 ). Gottes Worte an die Schlange beinhalteten (a) die Ankündigung, daß die Schlange auf dem Bauch kriechen und Staub fressen sollte und dadurch eine fortwährende Mahnung an die Versuchung und den Sündenfall für den Menschen sei; (b) eine Weissagung bezüglich der hinter der Schlange stehenden Macht. Gott weissagte, daß es eine fortwährende Feindschaft zwischen den satanischen Mächten und dem Menschen geben werde, zwischen Satan und der Frau bzw. ihrer jeweiligen Nachkommenschaft (wörtl. »Samen«). Die »Nachkommenschaft« der Frau war zunächst Kain, dann die gesamte Menschheit und schließlich Christus und alle, die »in Christus« sind. Die »Nachkommenschaft« der Schlange schließt die Dämonen und alle, die Satans Reich der Finsternis dienen, ein, also letztlich auch diejenigen, deren »Vater« der Satan ist ( Joh 8,44 ). Satan würde den Menschen lähmen ( du wirst ihm die Ferse zermalmen ), aber der Samen, Christus, sollte sie von dem tödlichen Schlag erlösen ( er wird dir den Kopf zermalmen ).

Dann sagte Gott zur Frau, daß sie in Zukunft Mühsal bei der Geburt haben würde. Sie würde zudem von ihrem Mann beherrscht werden, den sie zur Sünde verführt hatte. (Die Worte Dein Verlangen wird nach deinem Mann sein bedeuten möglicherweise, daß die Frau ihren Mann zur Sünde zu verführen sucht; vgl. den Kommentar zu 1Mo 4,6-7 ).

Zu Adam sagte Gott, daß er große Mühe haben werde, seinen Lebensunterhalt zu erarbeiten ( 1Mo 3,17-19 ). (Für Mühsal steht dasselbe Wort, das bereits in Vers 16 für die Mühen der Frau gebraucht wurde. Dieses Wort kommt nur dreimal im AT vor, hier in Vers 16-17 und in 1Mo 5,29 .) Der Tod wird das Ende des Menschen sein. Der Mensch wird zur Erde zurückkehren ( ?ADAmCh ), eine gnädige Bestimmung, wenn man an die Länge der Leiden denkt. Er wird wieder zum Staub zurückkehren und wieder das Opfer der Schlange werden (vgl. 1Mo 3,14 ). Was für eine harte Strafe für die Begierde, Gott gleich sein zu wollen! Der Mensch mag versuchen, so wie Gott zu sein, aber er ist nur Staub der Erde.

Diese Bestrafungen stellen die vergeltende Gerechtigkeit Gottes dar. Adam und Eva sündigten, indem sie aßen; nun mußten sie leiden, um essen zu können. Die Frau verführte ihren Mann; nun wird sie von ihrem Mann beherrscht. Die Schlange zerstörte das menschliche Geschlecht; nun wird sie selbst zerstört werden.

Gott gab auch gnädige Bestimmungen. Der Mensch wird sterben und nicht in diesem chaotischen Zustand ewig leben. Es werden ihm Kinder geboren werden (V. 16 ), so daß das menschliche Geschlecht fortdauern kann. Der letzte Sieg wird durch Christus, den Samen ( Gal 3,16 ) der Frau, geschehen (vgl. Gal 4,4 : »von einer Frau geboren«).

Es spielt keine Rolle, wie sehr sich die Menschen bemühen, die Herrschaft des Mannes, die quälende Arbeit, die mühevolle Geburt und den Tod abzuschütteln: diese Übel werden aufgrund der nun einmal vorhandenen Sünde fortdauern. Sie sind die Frucht der Sünde.


1Mo 3,20-24


Der Glaube Adams und Gottes Handeln werden in diesen Versen festgehalten. Gott rettete die Menschen und sorgte dafür, daß sie in diesem Zustand nicht ewig leben würden. Adams Glaube wird in der Namensgebung für seine Frau Eva (wörtl. »lebendig«) deutlich. Demzufolge blickte Adam in die Zukunft und nicht in erster Linie auf den Tod. Evas Glaube wird später sichtbar, als sie ihren Erstgeborenen Kain nannte, da er vom Herrn kam ( 1Mo 4,1 ).

Alles Handeln Gottes mit den Sündern kann auf diesen Akt des Ungehorsams durch Adam und Eva zurückgeführt werden. Gott ist ein rettender Gott. Die Tatsache, daß er Adam und Eva bekleidete, bezeugt das. Ein Tier wurde geopfert, um den Menschen Kleidungsstücke aus Fell zu verschaffen. Später wurden alle israelitischen Tieropfer Bestandteil von Gottes Verordnungen, um den Fluch wegzunehmen: ein Leben für ein anderes Leben. Der Sünder muß sterben ( Hes 18,20; Röm 6,23 ). Dennoch wird er leben, wenn er sein Vertrauen auf den HERRN setzt, der einen Ersatz geschaffen hat. Das Fell, mit dem Gott Adam und Eva bekleidete, erinnerte sie ständig an Gottes Gebote. In gleicher Weise nahm Gott, als die Zeit erfüllt war, das Opfer Jesu Christi an, und auf der Grundlage dieses Sühneopfers Christi bekleidet er die Gläubigen mit Gerechtigkeit ( Röm 3,21-26 ).



3. Das Fortschreiten der Sünde durch Kains Mord an Abel
( 4,1-16 )


Das Thema von Kapitel 4 ist die Ausbreitung einer gottlosen Gesellschaft. Der Mensch lebt nun in Rebellion gegen Gott. Es war der Mensch, der nicht gehorcht, der den göttlichen Plan zerstört und seine Verantwortlichkeit und Strafe dafür geleugnet hatte. Die Ungläubigen sind hier als in der Welt Lebende dargestellt (mit einem schützenden Zeichen der Gnade; vgl. den Kommentar zu V. 15 ), die jedoch nicht gerettet werden. Ihr Schuldempfinden ließ während ihrer kulturellen Entwicklung und ihrer geographischen Ausbreitung nach.

Unter der Führung Moses sollte Israel sich in einer Welt mit verschiedenen Kulturen bewegen. Zivilisationen mit Musik, Kunst, Gewerbe und Unternehmen würden überall anzutreffen sein. Sie standen Israel feindlich gegenüber und konnten Gottes Volk dazu verführen, die Opfer zurückzuweisen und als verfluchtes Volk zu leben. Israel hatte es nötig, vor solchen Gegnern gewarnt zu werden.

In der Geschichte von Kain und Abel trifft der Samen der Frau auf den Samen der Schlange ( 1Mo 3,15 ). Kain fiel dem lauernden Teufel zum Opfer und zog schließlich aus, um eine gottlose Gesellschaft zu bilden und verwarf dabei den Weg Gottes. Der »Weg Kains« ( Jud 1,11 ) bedeutet einen Mangel an Glauben, der im Neid auf Gottes gerechte Behandlung, in mörderischen Taten, in der Leugnung der Verantwortlichkeit und in der Weigerung, Gottes Bestrafung anzunehmen, zum Ausdruck kommt.



1Mo 4,1-5


Kain und Abel werden hier gegeneinander ausgespielt. Abwechselnd wird zunächst Kain, dann Abel etc. genannt. Diese Gegenüberstellung zieht sich durch das ganze Kapitel. Kain wird dabei in den Versen 1-16 13 Mal, Abel siebenmal erwähnt, und an drei weiteren Stellen wird sein Name durch »Bruder« ersetzt. Der Apostel Johannes betrachtet Mord dementsprechend als eine Sünde gegen den »Bruder« ( 1Joh 3,12.15 ).

Das Wesen des rebellischen Menschen entfaltet sich in der Person Kains , der als Kind der Hoffnung doch so einen verheißungsvollen Anfang genommen hatte. Aber die Erzählung stellt ihn in eine Linie mit dem Fluch nach dem Sündenfall. Er war ein Ackermann (wörtl. »er bearbeitete den Erdboden«, ?XAmAh , 1Mo 4,2 ,vgl. 1Mo 3,17 ). Abel scheint jedoch mit der ursprünglichen Aufgabe des Menschen, nämlich über das Leben zu herrschen, in eine Linie gestellt zu werden (vgl. 1Mo 1,28 ), denn er war ein Schafhirte . Diese Beschreibungen werden durch die Handlungen bei der Anbetung noch gesteigert. Abel hatte Glauben an Gott ( Hebr 11,6 ), während Kain nur seine Pflicht erfüllte. Abels Handlungen waren gerecht, wohingegen Kains Taten böse waren ( 1Joh 3,12 ). Diese zwei Typen von Menschen sind noch heute gegenwärtig.

Kains Mangel an Vertrauen auf Gott wird in seiner Antwort auf Gottes Ablehnung seines Feldopfers deutlich ( 1Mo 4,5 ). Anstatt darum bemüht zu sein, dieser Situation abzuhelfen und Gott zu gefallen, wurde er sehr zornig .



1Mo 4,6-7


Kain war so zornig, daß er nicht auf seine Sünde angesprochen werden konnte, noch nicht einmal von Gott. Eva mußte ihre Sünde vom Satan eingeredet bekommen; aber Kain »stammte von dem Bösen« ( 1Joh 3,12 ). Es scheint, als ob er nicht abwarten konnte, seinen Bruder zu töten. Dies scheint die natürliche Lösung des Menschen für seine eigenen Vergehen zu sein.

Gott teilte Kain mit, daß, wenn er Gott gefallen würde, indem er täte, was recht ist, alles in Ordnung kommen könne. Aber wenn er nicht rechtschaffen leben wolle, lauere die Sünde vor seiner Tür ( rOBEQ , »lauern«, »kauern« »lagern« hier im Bild eines kriechenden Tieres verwendet), bereit, ihn zu überwinden. Die Sünde begehrt, Kain zu besitzen (diese Verwendung macht Gottes Verständnis des Wortes »Verlangen« in 1Mo 3,16 deutlich), aber Kain sollte über sie herrschen. Hier wird der immerwährende Kampf zwischen Gut und Böse deutlich. Jeder, der mit Neid und Hader angefüllt ist, wird zur Beute des Bösen.



1Mo 4,8-16


Nachdem Kain seinen Bruder ermordet hatte (V. 8 ), lehnte er die Verantwortung dafür ab (V. 9 ) und behauptete, Gottes Bestrafung (keinen Ackerertrag mehr und unstete Wanderung, V. 10-12 ) sei zu hart (V. 13 ). Gott schützte Kain gnädigerweise durch ein Zeichen, das zur Abschreckung von Rächern dienen sollte (V. 15 ). Nirgends wird erklärt, um was für ein »Zeichen« es sich gehandelt hat. Gott verdammte ihn aber auch zu einem endlosen Wanderleben (V. 12 ). Von Gottes Angesicht vertrieben zu sein war sein Fluch (V. 14 ). Aber Kain wollte sich diesem Fluch widersetzen, indem er sich in einer Stadt in dem Land Nod (wörtl.: »Wanderung«) niederließ, das östlich von Eden lag (V. 16 ).

Etliche mosaische Leitmotive werden hier begründet: (1) Opfer sollten Gott mit einem Herzen des Glaubens dargebracht werden und sollten das Beste aus dem Viehbestand darstellen, nämlich das Erstgeborene (V. 4 ). (2) Die Israeliten trugen für ihre Brüder Verantwortung, sie waren füreinander als Hüter eingesetzt und durften sich nicht gegenseitig töten. (3) Mordblut verunreinigte das Land und schrie nach Vergeltung; vergossenes Blut erhob seine Stimme zur Anklage (V. 10 ). (4) Die Blutrache wurde von Gott durch schützende Vorsorge abgewandt, so wie später die Flucht in eine Zufluchtsstadt einen Rächer abwenden konnte. (5) Bestrafung für Schuld war das Fundament für Israels Theokratie. (6) Leben ohne Gott ist ein gefährliches Leben ohne Schutz. (7) In manchen Fällen wurde der ältere Sohn zugunsten des jüngeren zurückgestellt, wobei die normative gesellschaftliche Sitte umgekehrt wurde.



4. Die Ausbreitung der gottlosen Zivilisation
( 4,17-26 )


Der Bericht erzählt nun die Ausbreitung der Nachkommen Kains. Was wird aus einer Gesellschaft, die sich gegen Gott erhebt und das Land der Segnung in zorniger Mißachtung seiner Gebote und Opfer verläßt? Im Falle der Nachkommen Kains gedieh die Gesellschaft zunächst. Doch auch in einer solchen Situation soll der Gerechte weder den Bösen beneiden noch seiner Lebensweise folgen ( Ps 49;73 ). Gott erlaubt bisweilen den Sündern, in ihrer irdischen Art und Weise zu gedeihen. Die Nachkommen Kains brachten Musik hervor, Waffen, Ackergeräte und die Kulturen der großen Städte. Das war ihre einzige Zuflucht in einer rauhen, verfluchten Welt.

Anders stand es um die Gerechten. Diejenigen, die ihre Erblinie auf Set, den Ersatz für Abel, zurückführten, begannen, den Namen des Herrn zu verkündigen. Diese Gerechten, unter ihnen Noah und Abram, predigten ihrer Generation die Wahrheit. Einige Menschen - auch wenn sie nur einen Überrest darstellten - ließen sich nicht durch ein wohlhabendes, »gutes Leben« verführen, sondern waren auf geistliche Dinge ausgerichtet. Israel sollte seine Ahnenreihe sowohl im Geist als auch biologisch auf Enosch zurückführen ( 1Mo 4,26 ).



1Mo 4,17-18


Kains Familie begann im Land Nod (V. 16 ). Der Name »Nod« ( nND ) hängt mit den Worten für »rastloser Wanderer« ( nAZwAnAD , V. 14 ) zusammen. Dies war das Land für die vor Gott Geflüchteten. Hier zeugte Kain ein Kind, Henoch und benannte eine Stadt nach ihm. (Ohne Zweifel war die Frau Kains eine Tochter Adams, vgl. 1Mo 5,4 )



1Mo 4,19-24


In der siebten Generation nach Adam lebte Kains Nachkomme Lamech (möglicherweise ein Zeitgenosse des gerechten Henoch, der ebenfalls in der siebten Generation von Adam gerechnet lebte, 1Mo 5,3-21 ). Lamech veränderte den Plan Gottes und heiratete zwei Frauen. Seine Familie schuf Musikinstrumente ( Zither und Flöte ) und Werkzeuge ( Werkzeuge aus Erz und Eisen ), um das Leben annehmbar zu gestalten.

Aber trotz dieses erfolgreichen guten Lebens breitete sich das Böse verhängnisvoll aus. Lamech erschlug einen jungen Krieger, der ihn verwundet hatte und forderte noch größere Rache, als sie Kain gewährt worden war ( 1Mo 4,24 ). Lamech prahlte mit dem Mord (das Wort für tötete in Vers 23 ist hArag , wörtl. »schlagen, schlachten«, also dasselbe Wort, das für Kains Mord an Abel gebraucht wurde, Verse 8.25 ). So wird hier das Bild einer wohlhabenden Gesellschaft entworfen, die sich Gott und seinen Gesetzen widersetzt und dabei nach Vergnügen und hemmungsloser Genußsucht strebt. In diese Welt sollte Israel (und später die Gemeinde) als ein königliches Priestertum gehen, um Gottes Gerechtigkeit zu verkünden.



1Mo 4,25-26


Die Gerechten lebten in völligem Gegensatz zu dieser gottlosen Gesellschaft. In der Linie von Set herrschte Vertrauen auf Gott. Die Geburt von Set selbst war eine Verheißung Gottes, was Eva im Glauben festhielt. In den Tagen Enoschs , des Sohnes Sets, begannen die Menschen, den Namen des HERRN (Jahwe) anzurufen (besser: »zu verkündigen«).


C. Die Geschichte seit Adam
( 5,1-6,8 )


Hier beginnt ein neues TNl+DNT , das die zweifache Absicht hat, die Geschichte der Menschen der ersten Zeit mit der Geschichte Noahs zu verbinden und das Ergebnis der Sünde aufzuzeigen. Tatsächlich wird dadurch ein Problem beantwortet, das im vorhergehenden Abschnitt aufkommen mußte. Statt der Sünde findet sich Fortschritt, Zivilisation und Gedeihen. Was ist nun mit der Verfluchung? Die Antwort ist einfach: ungeachtet der Bestrebungen der Menschen müssen sie sterben.



1. Die Geschlechterfolge von Adam bis Noah
( 1Mo 5 )


Die Genealogie dieses Kapitels ist eine »vertikale« Auflistung, die die Nachkommenschaft von Adam über Set bis Noah zeigt. Die Genealogie in Kapitel 4 verzeichnete 7 Generationen (von Kain bis Jubal); diese Genealogie enthält 10 Generationen (von Adam bis Noah). Beide Listen enden mit drei Söhnen, die aus der letzten Generation der Auflistung hervorgehen (Jabal, Jubal, Tubal-Kain, 1Mo 4,20-22 und Sem, Ham und Jafet, 1Mo 5,32 ). In jeder Auflistung spricht nur ein Mann: Lamech als Nachkomme Kains ( 1Mo 4,23-24 ) und ein anderer Lamech als Nachkomme Sets ( 1Mo 5,29 ). Der kainitische Lamech verhöhnte den Fluch ( 1Mo 4,24 ), wohingegen der setitische Lamech unter dem Fluch litt und nach dem Trost durch seinem Sohn Noah suchte ( 1Mo 5,29 ).

Sowohl der biblische Bericht als auch die sumerische Königsliste aus Mesopotamien belegen die Langlebigkeit der ersten Menschen. Anscheinend versetzte die vorsintflutliche Umwelt die Menschen in die Lage, länger zu leben. Sicher hätte diese Langlebigkeit auch Teil von Gottes Plan sein können, die Erde zu füllen (vgl. 1Mo 1,28 ).



1Mo 5,1-2


Dieses Kapitel beginnt mit einer Wiederholung der Erschaffung des Menschen im (oder »nach dem«) Bildnis (»Abbildung«, ein Synonym für »Bild«; vgl. 1Mo 1,26-27 ) Gottes. Man kann kaum die Betonung der Segnung des Bildes ( Er segnete sie ) bei der Erschaffung des Menschen übersehen. Aber das Kapitel wendet sich dem zu, was daraus geworden ist: Sünde und Tod.



1Mo 5,3-32


Gottes Bild in Adam wurde dann in Set, Adams Sohn, wiedererschaffen. Die Fähigkeiten und Eigenschaften eines Elternteils werden auf sein Kind durch natürliche Fortpflanzung weitergegeben.

Außer der Darstellung der Zeit zwischen Adam und Noah enthält dieses Kapitel ein Leitmotiv, das nicht ausgelassen werden kann, nämlich die Formel: dann starb er (V. 5.8.11.14.17.20.27.31 ). Wenn sich jemand im Zweifel befände, ob der Lohn der Sünde der Tod sei ( Röm 6,23 ), müßte er nur einen Blick in die menschliche Geschichte werfen.

Im Falle Henochs wird diese Feststellung nicht getroffen. Von ihm heißt es nicht, daß er nach einer Reihe von Jahren starb. Stattdessen wandelte er mit Gott ( 1Mo 5,22.24 ). »Wandeln« ist der biblische Ausdruck für Nachfolge und Gehorsam, der die göttliche Zuwendung zur Folge hat. Henochs Wandel dauerte 300 Jahre. Sicher ist, daß er seinen gerechten Wandel fortgesetzt hätte, aber Gott nahm ihn hinweg (V. 24 ), d.h., er wurde entrückt. Solch ein Wandel wurde Israel und der Gemeinde als Vorbild gegeben ( 3Mo 26,3.12 ).

1Mo 5 enthält die Etymologie (Herkunft der Wortbedeutung) des Namens Noah (V. 29 ), dessen Leben die vorherrschende Rolle in den folgenden Abschnitten spielen wird. Lamech nannte seinen Sohn Noah , weil er hoffte, daß er ihnen Trost über die Verfluchung spenden würde (V. 29 ; vgl. »Mühsal« und die Verfluchung des Ackerbodens in 1Mo 3,17 ). »Noah« hat nicht die Bedeutung von »Trost«, aber die Worte klingen gleich. Lamech hatte keine Vorstellung davon, wie Gott diese Worte umkehren und seinen Wunsch in seiner eigenen Art und Weise erfüllen würde (vgl. die Auslegung zu 1Mo 6,5-8 ), aber er setzte große Hoffnungen auf seinen Sohn. So kommt hier in diesem Kapitel des Todes ein zweiter Hoffnungsschimmer auf. Henoch entkam dem Fluch des Todes, und Noah hatte die Aufgabe, die Menschen unter dem Fluch zu trösten.



2. Der Niedergang des menschlichen Geschlechts
( 6,1-8 )


Die Einzelheiten dieses Abschnittes waren bereits Gegenstand endloser Erörterungen, wobei häufig das, was wirklich dasteht, unbeachtet blieb. Es muß daran erinnert werden, daß dieser Abschnitt ein Teil des TNl+DNT ist, das in 1Mo 5,1 beginnt. Welche Sicht man auch immer bezüglich der Einzelheiten haben mag, so ist doch deutlich, daß diese Verse die Schlechtigkeit der menschlichen Rasse zeigen und den Tod als fortwährende Bestrafung vor Augen führen.



1Mo 6,1-4


Viele Ausleger meinen, daß der Ausdruck »die Söhne Gottes« die gerechte Linie Sets und der Ausdruck »die Töcher der Menschen« die Kainiten meint. Aber diese Deutung wird den Worten und dem Zusammenhang nicht gerecht. Andere Ausleger sehen die »Söhne Gottes« als Engel (so wie in Hi 1,6 ) an, die zu den Frauen auf der Erde eingingen. Diese Deutung gerät jedoch in Konflikt mit Mt 22,30 .

Es geht auf jeden Fall um die Hybris des Menschen. Die Stolzen überschritten ihre Grenzen. Die »Söhne Gottes« waren dann eine tatkräftige, mächtige Gesellschaftsgruppe, die nach Ruhm und Reichtum strebte. Möglicherweise waren sie mächtige Herrscher, die von gefallenen Engeln unter Kontrolle gehalten wurden. Es kann auch zutreffen, daß gefallene Engel ihre Wohnstatt verlassen hatten und in den Körpern von menschlichen Tyrannen, Kriegern und Mächtigen der Erde Wohnung genommen hatten.

Aus Hes 28,11-19 und Dan 10,13 ist bekannt, daß hinter großen Königen der Erde »Fürsten« stehen können, die aus dem Hintergrund regieren. Ihre Macht ist also dämonischer Art. Es kann nicht überraschen, daß in der ugaritischen Literatur (wie auch in der Literatur anderer Völker) Könige als göttlich oder halbgöttlich beschrieben werden. Die Heiden verehrten diese starken Führer. Zahlreiche mythologische Überlieferungen beschreiben sie als die Nachkommen der Götter selbst. Tatsächlich wird bn?lm (»Söhne« der Götter) im Ugaritischen für die Mitglieder des Pantheons ebenso wie für die großen Könige der Erde gebraucht. In der ugaritischen Legende des Sonnenaufgangs verführt der Hauptgott des Pantheons El zwei Frauen der Menschen. Aus dieser Verbindung eines Gottes mit einer Frau der Menschen gingen SHr (»Sonnenaufgang«) und Slm (»Sonnenuntergang«) hervor, die Göttinnen geworden zu sein scheinen, welche die Venus repräsentieren. So haben für Heiden die Götter ihren Ursprung im Verkehr zwischen Göttern und Menschen. Jedes übermenschliche Individuum im Mythos oder jeder mythologische oder tatsächliche Riese würde den Heiden einen göttlichen Ursprung nahelegen.

1Mo 6,1-4 beschreibt dann, wie verdorben die Welt geworden war, als die Gesetzesübertretung überhand nahm. Das ist auch ein polemischer Angriff auf den heidnischen Glauben, daß Riesen (Nefilim ; vgl. 4Mo 13,32-33 ) und berühmte Menschen ( 1Mo 6,4 ) von Göttern abstammen und daß man Unsterblichkeit durch ein unmoralisches Leben erlangen kann. Der kanaanitische Kult und die meisten der Kulte des Alten Orients schlossen Fruchtbarkeitsriten ein, zu denen der Sympathiezauber gehörte, der auf der Annahme beruht, daß Menschen auf übernatürliche Weise durch einen Gegenstand, der ihnen gehört, beeinflußt werden können. Israel wurde vor diesem verderblichen Unsinn gewarnt. Dieser Abschnitt widerlegt den heidnischen Glaubensgrundsatz durch die Erklärung der Wahrheit. Die Söhne Gottes waren nicht von göttlicher Natur; sie standen unter der Herrschaft der Dämonen. Die Heirat mit so vielen Frauen, wie sie es wünschten (vielleicht liegt hier der Ursprung der Harems), geschah, um ihre niederen Instinkte zu befriedigen. Sie waren eben nur eine andere niedere Art von Geschöpfen, auch wenn sie mächtig und von Dämonen beeinflußt waren. Die Kinder aus diesen Ehen waren, entgegen der heidnischen Vorstellung, keine Götter-Könige. Obwohl sie Helden und »berühmte Männer« waren, waren sie »Fleisch«; und sie starben gemäß des Fluches, wie alle Angehörigen der menschlichen Rasse. Wenn Gott die Welt richtet - und er stand gerade im Begriff, dies zu tun - kann kein Riese, keine Gottheit und kein menschliches Wesen ihm

irgendwelche Macht entgegenhalten. Gott bestimmt souverän die Tage jedes Einzelnen, wie sie 'gezählt' sind.



1Mo 6,5-8


In Gottes Worten, die die menschliche Rasse betreffen, liegt ein gewisser Pathos. Die Bosheit des Menschen war groß und alles Sinnen (besser alle »Vorhaben«, yEQer ) seines Herzens war nur böse den ganzen Tag (vgl. 1Mo 8,21 : »das Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf«). Gott hatte den Menschen aufgrund seines »Vorhabens« ( yAQar , 1Mo 2,7 ) geschaffen, aber der Mensch hatte sich der ihm verliehenen Fähigkeit zu planen bemächtigt und nur das Böse hervorgebracht. Es gibt in der Bibel kaum eine deutlichere Aussage über die Sünde der Menschheit. Dieser Abschnitt vermittelt das Verständnis der Aussage Jesu, daß vor der Sintflut die Menschen aßen und tranken, freiten und sich freien ließen ( Mt 24,38 ). Dies ist scheinbar eine harmlose Feststellung, solange man nicht den geschichtlichen Hintergrund beachtet. Schon vor der Sintflut hatte Gott festgestellt, daß der Mensch »verderbt« und »voller Frevel« ( 1Mo 6,11.13 ) war.

Die Wortspiele in den Versen 5-8 sind auffallend. Gott »reute« es, daß er den Menschen gemacht hatte, weil die Sünde der Menschheit ihn mit Schmerzen erfüllte . Die Worte »reuen«, »Schmerzen« und »machen« gehen auf Kapitel 3,5 zurück. Lamech sehnte sich nach Trost ( nAHam ) für die schmerzliche Arbeit unter dem Fluch ( 1Mo 5,29 ). Nun »reute« es Gott ( nAHam , wörtl. er wurde bekümmert ), daß er den Menschen gemacht hatte , weil die Sünde des Menschen ihm Schmerzen bereitete ( 1Mo 6,6 ). Dies ist der Grund, warum der Schmerz in die Welt kam. Gott war durch die Sünde bekümmert.

Gott beschloß die Vernichtung der gesamten Menschheit. Daß Gott etwas »reute« (wörtl. »schmerzt«, »bekümmert«) meint nicht, daß Gott sich anders besonnen hätte, da er unwandelbar ist ( Mal 3,6 ). Stattdessen bedeutet es, daß Gott traurig war.

Obwohl das Gericht rasch hereinbrechen sollte, weil Gottes Geist den Menschen nicht auf immer beschützen würde ( dUn ; »beschützen« ist besser als »im Menschen walten«, 1Mo 6,3 ), wurde dennoch das Gericht um 120 Jahre aufgeschoben (V. 3 ). Während dieser Zeit war Noah ein »Prediger der Gerechtigkeit« ( 2Pet 2,5 ).

Noah empfing die Gnade Gottes und wurde deshalb im Gegensatz zu denen, die nach Unsterblichkeit gestrebt hatten, vom Gericht verschont. In der Zeit Moses sollte Israel erkennen, daß es von Gott auserwählt war und in Gerechtigkeit wandeln sollte. Beim Einzug ins verheißene Land stießen die Israeliten auf die Nefilim (die Anakiter, 4Mo 13,33 ) und auf die Emiter ( 5Mo 2,11; 3,13; Jos 12,4 ). Aber Israel sollte sich nicht vor ihnen fürchten, als ob sie Halbgötter wären.

Gott wollte die verdorbene Welt wegen ihres Götzendienstes und Ehebruches richten. Ebenso werden in den letzten Tag die Bösen plötzlich durch das Gericht hinweggetan werden, wenn Gott sein theokratisches Königreich des Segens aufrichten wird.



D. Die Geschichte seit Noah
( 6,9-9,29 )


1. Das Strafgericht durch die Sintflut
( 6,9-8,22 )


Gott richtete die Bösen durch ein strenges und katastrophales Gericht, um das Leben erneut mit einem Bund der Anbetung zu beginnen. Inmitten der Flut, in der der allmächtige Herr der Schöpfung die Welt zerstörte, segelte Noah, der Diener Gottes und Empfänger göttlicher Gnade, auf dem Weg zu einer »neuen Schöpfung« und betete Gott an.

Warum schickte Gott solch eine Flut? Dafür gibt es mehrere Gründe: 1) Gott herrscht allmächtig über alle Kreatur und benutzt die Natur häufig, um die Menschheit zu richten. 2) Die Sintflut war die wirkungsvollste Art und Weise, um die Welt zu reinigen. Sie wusch sie sauber, so daß noch nicht einmal eine Spur des Bösen gefunden werden konnte. Die Taube konnte keinen Ruheplatz für »ihren Fuß« finden ( 1Mo 8,6-9 ). 3) Die Sintflut wurde von Gott benutzt, um »eine neue Schöpfung« zu beginnen. Die erste Schöpfung mit Adam wird hier mit der zweiten mit Noah parallel gesetzt. So wie dort das trockene Land unter den zurückfließenden Wassern zum Vorschein kam ( 1Mo 1,9 ), so nahmen die Wasser hier ab, bis sich die Arche auf dem Ararat niederließ ( 1Mo 8,4 ). Als Noah die Arche nicht mehr benötigte, beauftragte ihn Gott ebenfalls, fruchtbar zu sein und sich zu mehren ( 1Mo 9,1 ) und über die Erde zu herrschen ( 1Mo 9,2 ), so wie er es Adam befohlen hatte ( 1Mo 1,26.28 ). Noah pflanzte einen Weinberg ( 1Mo 9,20 ), wohingegen Gott einen Garten für Adam und Eva gepflanzt hatte ( 1Mo 2,8 ). Adam und Noah werden aber nicht nur nebeneinander, sondern auch einander gegenübergestellt: Während Adams Nacktheit ein Zeichen seiner Gerechtigkeit war ( 1Mo 2,25 ), ist Noahs Blöße ein Zeichen seiner Entwürdigung( 1Mo 9,21 ) und er verflucht schließlich seinen Enkel Kanaan ( 1Mo 9,25-27 ).

Die in 1Mo 6,9-8,22 genannten Beweggründe für die Sintflut sind bezeichnend. Erstens ist Gott als der Richter der ganzen Erde zu erkennen. Mit einem Wort macht er den Unterschied zwischen dem Gerechten und dem Ungerechten, dem Reinen und dem Unreinen deutlich. Das Reine war allein für Gott bestimmt.

Ein zweiter Beweggrund ist, daß Gott für die Empfänger seiner Gnade Verheißungen gegeben hatte. Dies war zugleich eine Warnung an die, die als Empfänger der Gnade mit Gott in Gerechtigkeit wandeln und von den Sündern getrennt leben sollten.

Der dritte Beweggrund hatte für Israel Bedeutung. So wie Gott die Welt in den Tagen Noahs richtete und Noah durch die Flut hindurchgebracht wurde, so richtete er die bösen Ägypter und brachte Israel durch die Wasser des Roten Meeres, damit sie ihn anbeten und ihm dienen sollten. Die Anweisungen für diese Anbetung finden sich in 3Mo Es kann uns daher nicht überraschen, daß zahlreiche Ausdrücke, die hier verwendet werden ( 1Mo 6,9-8,22 ) in 3.Mose wiederkehren.

Daß eine ganze Generation von Sündern starb, sollte andere Generationen vor dem kommenden Zorn Gottes warnen. Trotz des Gerichtes entkam Noah in ein neues Zeitalter. Die Katastrophe unterbrach Gottes Programm nicht.

Der Sintflutbericht unterstreicht Gottes Macht und freie Verfügung über seine Schöpfung. Die Flut zeigt Gottes gewaltigen Unmut über die Sünde. Sie macht deutlich, daß Gottes gnädige Errettung erst angesichts des Gerichtes Bedeutung erhält und daß seine Gnade nicht auf die leichte Schulter genommen werden darf. Die Ursache für Gottes Gericht wird hervorgehoben, nämlich die gewaltigen Verbrechen der Sünde. Darin unterscheidet sich die Sintflut in 1.Mose von den heidnischen Darstellungen (z.B. Atrahasis und Gilgamesch ). Das babylonische Gilgameschepos behauptet zum Beispiel, daß die Götter die Flut wegen des von Menschen verursachten Lärmes herbeigeführt hätten.

So beantworten die Kapitel 6-9 grundsätzlich die Frage: Was ist das Ende des Menschen? Kann er ungestraft entkommen und sein Leben auf den Kurs der Unmoral bringen und dabei unbekümmert die Vergnügungen dieser Welt genießen? Ist dieses Leben gut zu Ende gebracht oder gut auf das Ende vorbereitet? Gottes Gericht macht die Antwort deutlich. Dennoch scheint der Aufwand sehr groß und das Gericht hart zu sein. Kein Wort des Entsetzens über die Verlorenen wird erwähnt, obwohl Noah sich wohl entsprechend gefühlt hat. Die Sintflut macht deutlich, was Gott zu unternehmen bereit ist, um Heiligkeit und Frieden auf die Erde zu bringen. Hier finden die Gerechten Ermutigung in Gottes Plan, daß das Gute letztlich über das Böse triumphieren wird. Nur noch ein anderes Ereignis zeigt noch deutlicher, daß Heiligkeit unter den Menschen eine Sache ist, für die Gott alles andere opfert: die Kreuzigung seines Sohnes.

Der Bericht ist in drei Teile untergliedert: der Befehl an Noah, die Arche zu bauen und das Leben zu bewahren ( 1Mo 6,9-7,5 ), die Vernichtung allen Fleisches außerhalb der Arche durch das Wasser ( 1Mo 7,6-24 ) und die Anbetung Noahs durch das Opfer nach der Flut ( 1Mo 8 ).



a. Der Auftrag an Noah
( 6,9-7,5 )


1Mo 6,9-13 : Im Gegensatz zu der Begründung für die Flut in dem babylonischen Bericht (die Laune der Götter aufgrund des Lärms der Menschen) stellt der biblische Bericht die Flut ausdrücklich als Gericht über die moralische Verdorbenheit hin. Die menschliche Rasse war verdorben (V. 11-12 ) und voller Frevel (V. 11.13 ), so daß Gottes Zorn alles Fleisch vernichtete , ausgenommen Noah, der mit Gott wandelte (V. 9 ) und seine Familie (V. 18 ).


1Mo 6,14-18


Die Errettung geschah durch das Mittel Arche , ein flachbödiges , rechteckiges Wasserfahrzeug, 300 Ellen lang, 50 Ellen breit und 30 Ellen hoch mit einer Wasserverdrängung von ungefähr 43300 Tonnen (Merrill F. Unger, Archaelogy and the Old Testament , Grand Rapids: Zondervan Publishing House, 1954, S.59-60) und drei Stockwerken . (Die Skizze ist der Entwurf eines Künstlers, nach der Vorstellung, wie die Arche ausgesehen haben könnte.) Das Schiff in der babylonischen Tradition war würfelförmig konstruiert und fünfmal so groß wie Noahs Arche. Nur 1.Mose hat die Beschreibung eines seetüchtigen Gefährts erhalten.



1Mo 6,19-7,5


In diese Arche sollte Noah alle Arten der Tiere mitnehmen, um das Leben auf der Erde zu bewahren. Es wurde sehr früh eine klare Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Tieren gemacht. Um das Leben zu erhalten, mußte Noah zwei von jeder Art der Tiere an Bord nehmen, aber um für Nahrung und für Opfer zu sorgen, mußte er sieben Paare jeder Art der reinen Tiere hineinbringen ( 1Mo 7,2 ). Die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Tieren wurde zu einem Hauptpunkt im levitischen Gesetz ( 3Mo 11,2-23 ).



b. Die Zerstörung allen Fleisches ausserhalb der Arche
( 7,6-24 )


1Mo 7,6-20


Nachdem alle Vorkehrungen getroffen waren, kam die Flut. 40 Tage und Nächte strömte der Regen wolkenbruchartig herab (V. 11-12 ). Gleichzeitig gab es gewaltige Aufbrüche und Verschiebungen der Erdkruste, die die Meeresgründe zum Ansteigen und Aufbrechen ihrer Reservoirs an unterirdischem Wasser brachten (V. 11 ; vgl. Unger, Archaeology , S.61). Als Ergebnis davon war die gesamte Erde während der Katastrophe überflutet (V. 19 ). Es besteht kein Zweifel daran, daß die Erdoberfläche, das Leben und die Länge des Lebens durch diese Katastrophe verändert wurden.

 

1Mo 7,21-24


Alles... Lebendige auf der Erde (außerhalb der Arche) wurde zerstört. Nur das Leben im Wasser überlebte. Die Sünde vergiftete alle Lebensbereiche. So war nur ein völliger Neubeginn ausreichend. So wird es ebenfalls am Ende der Tage sein ( Mt 24,37-39 ).

Das erste Buch Mose

c. Noahs Opfer
( 1Mo 8 )


1Mo 8,1-3


Die schweren Regenfälle dauerten 40 Tage ( 1Mo 7,4.12 ), aber die Wasser blieben noch weitere 110 Tage stehen (vgl. 1Mo 7,24 : »die Wasser wuchsen gewaltig auf Erden hundertfünfzig Tage«). Die 40 Tage waren Bestandteil der 150 Tage, in denen der Regen weniger stark fiel (oder die Aufbrüche der unterirdischen Wasser weitere 110 Tage anhielten (vgl. die Übersicht »Chronologie der Sintflut«).

 

1Mo 8,4-19


Die Arche ließ sich 150 Tage nach dem Beginn der Regenfälle auf dem Gebirge Ararat nieder. Assyrische Berichte verlegen den Berg nach Armenien in der östlichen Türkei, aber der genaue Ort ist unbekannt. Nachdem sich herausgestellt hatte, daß die Erde bewohnbar war, verließen die acht Menschen und alle Tiere die Arche. Dies geschah 377 Tage nachdem sie in die Arche gegangen waren (vgl. 1Mo 7,11 mit 1Mo 8,13-14 ). Das »Niederlassen« bzw. »Ausruhen« taucht in der ganzen Erzählung häufiger auf. Die Arche »ließ sich nieder« (V. 4 ); zuerst konnte die Taube keinen Ort finden, um ihren Fuß niederzusetzen (V. 9 , wörtl.: »wo ihr Fuß ruhen konnte«). Als sich die Arche auf dem Berg Ararat niederließ, war dies mehr als eine physikalische Landung auf trockenem Boden. Es war ein Neuanfang: Die Erde war rein und ruhte sich aus.



1Mo 8,20-22


Nachdem Noah die Arche verlassen hatte, brachte er Gott ein Opfer dar, das diesem ein lieblicher Geruch war. Das Volk Gottes ist ein opferndes Volk (wie Israel das später lernen sollte). Das Opfer bedeutete, Gott eines der besten der Dinge zurückzugeben, die ihm gehörten. Die Erlösten des Herrn opfern Gott das Lob ihrer Lippen ( Hebr 13,15 ) mit dem besten, was sie haben ( Spr 3,9 ) und mit der Bereitschaft und Demut ihres Geistes. Noah wurde der Gnade Gottes teilhaftig, wandelte mit diesem in Gehorsam und Gerechtigkeit, wurde vor dem Gericht bewahrt, kam in ein neues Zeitalter, in welchem die Bosheit der Menschen für eine Zeit beseitigt worden war und antwortete Gott mit Anbetung und Opfer.

Nachdem Noah geopfert hatte, versprach Gott, nie wieder die Erde so zu verfluchen . Der Ablauf der Jahreszeiten ist das Zeichen für die Geduld Gottes mit dem Menschen.



2. Der Bund mit Noah
( 9,1-17 )


1Mo 9,1-4 : Gott wies Noah an, fruchtbar zu sein, sich zu mehren und die Erde zu füllen (V. 1.7 ), so wie er es Adam bereits befohlen hatte ( 1Mo 1,28 ). Noah sollte wie Adam über die Tiere herrschen ( 1Mo 9,2 ,vgl. 1Mo 1,26.28 ). Beiden wurde Nahrung zum Verzehr gegeben ( 1Mo 9,3; vgl. 1Mo 1,29; 2,16 ), jedoch jeweils mit einer Ausnahme ( 1Mo 9,5-6; vgl. 1Mo 2,17 ).

 

1Mo 9,5-7


Mit dem Neubeginn für Noah entstand ein neuer Bund. Es war nun nötig geworden, einen Bund mit Verpflichtungen für die Menschheit und einem Versprechen von Gott zu schließen. Wegen der Zerstörung des Lebens durch die Sintflut konnten die Menschen meinen, daß Gott das Leben wenig wert und die Zerstörung keine große Sache sei. Dieser Bund zeigt nun, daß das Leben heilig ist und daß der Mensch den Menschen nicht zerstören soll, der nach dem Bilde Gottes geschaffen ist .

Von seinem Charakter her sollte der Bund die Stabilität der Natur festigen. Er sicherte die Ordnung der Welt. Die Menschen sollten darüberhinaus lernen, daß Gesetze für den Menschen für die Beständigkeit des Lebens nötig sind und daß sich Bosheit nicht weiter ungehindert ausbreiten darf. So wurde der Staat begründet.



1Mo 9,8-17


Der neue Bund (V. 9.11-13.15-17 ) erstreckt sich auf den gesamten Kosmos ( jedes lebendige Wesen , V. 10 ; V. 12 ; alle lebenden Wesen , V. 15-16 ; alles Leben , V. 11.15.17 ). Dies wird durch den Regenbogen deutlich, den Gott als Zeichen gegeben hat (V. 12-13.17 ). Wenn er sich nach einem Regen über den Horizont wölbt, ist dies ein alles umfasssendes Zeichen für Gottes Treue gegenüber seinem Werk der Gnade. Die Zeichen erinnern die Teilhaber eines Bundes daran, die Bedingungen einzuhalten. Durch den Regenbogen erinnert der allwissende Gott sich ständig daran (wiederholt in V. 15-16 ), niemals wieder die ganze Erde zu überfluten (V. 11.15 ). Weil vor der Flut kein Regen fiel ( 1Mo 2,5 ), war kein Regenbogen nötig gewesen. Wenn sich nun die Wolken aufklären, wird durch Lichtbrechungen dieses wunderbare Schauspiel sichtbar. Der Regenbogen wölbt sich wie ein Bogen des Kampfes, der an die Wolken gehängt wurde (Das hebr. Wort für Regenbogen, qeSeT , ist dasselbe Wort wie für »Kampfbogen«). Wo immer im AT Gott sich auf Stürme des Gerichtes bezieht, werden die Begriffe für Pfeil und Bogen verwendet.

Der Bogen ist nun »hinweggetan«, hängt an seinem Platz in den Wolken mit dem Hinweis, daß »Kampf« und Sturm vorüber sind. So spricht der Regenbogen vom Frieden. Im Nahen Osten wurden in alten Zeiten Bünde bzw. Verträge nach Kriegen als ein Schritt zum Beginn des Friedens hin geschlossen. In gleicher Weise machte Gott, nachdem er das Gericht über die Sünde verhängt hatte, einen Bund des Friedens. Israel sollte durch den Anblick des Regenbogens im Himmel immer wieder Gottes Zeichen erkennen, daß er seine Verheißung der Gnade auch erfüllt. Aber sicher erinnerte er auch die Gläubigen in Israel daran, daß das Gericht Gottes für dieses Zeitalter erfüllt war. Das Gericht wird am Ende der Zeiten wieder kommen ( Sach 14,1-3; Offb 19,15 ), bevor der völlige 1000jährige Friede einkehren kann ( Offb 20,6 ). Auf diese Weise läßt 1Mo 9,8-17 vorausempfinden, daß am Ende Israel seine Schwerter in Pflugscharen umschmieden wird ( Jes 2,4; Mi 4,3 ). In der Zwischenzeit geht das Leben nach einer neuen Ordnung weiter; Gott hat Geduld und die »allgültige Gnade« ist bis zum Ende wirksam.



3. Die Verfluchung Kanaans
( 9,18-29 )


Dieser Abschnitt ist nicht leicht auszulegen und hat bereits viele Ausleger beschäftigt. Es ist wichtig, sich an die Absicht dieses Buches zu erinnern, da sich dieser Abschnitt direkt auf das Wesen und das Schicksal der Kanaaniter, der Widersacher Israels, bezieht.



1Mo 9,18-23


Diejenigen, die aus der Arche gekommen waren, werden mit dem speziellen Hinweis identifiziert, daß Ham der Vater Kanaans war . Alle Menschen der Erde sind Nachkommen der drei Söhne Noahs. Die Nachkommen Sems sind die Semiten, aus denen Abraham hervorging (vgl. 1Mo 10,21-31; 11,10-26 ).

Noah, »der Mensch der Erde« (so übersetzten die Rabbiner die Worte ein Mann des Erdbodens ), begann, einen Weinberg zu pflanzen . Obwohl der Wein das Herz erfreut ( Ri 9,13; Ps 104,15 ) und das Leid des Fluches mildert ( Spr 31,6 ) ist doch ebenso klar, daß er auch zerstören kann. Hier lag Noah betrunken und nackt in seinem Zelt. Trunkenheit und sexuell lockeres Verhalten sind Kennzeichen der Heiden. Beides wird auf dieses Ereignis in Noahs Leben zurückgeführt. Der Mensch hat sich nicht verändert. Trotz der Möglichkeit, eine »neue Schöpfung« zu beginnen, handelte Noah wie ein Heide (vgl. 1Mo 6,5; 8,21 ).

Die grundlegende Frage zielt auf das, was Ham, der jüngste Sohn Noahs, getan hat ( 1Mo 9,22.24 ) und auf das Warum der Verfluchung von Hams »Sohn« Kanaan durch Noah (V. 25-27 ). Bezüglich dieser Frage sind schon zahlreiche Ideen geäußert worden. Die Rabbiner vertraten die Ansicht, daß Ham Noah kastrierte, was dann auch erklärt hätte, daß Noah keine weiteren Söhne hatte. Andere sind der Ansicht, daß Ham mit seiner Mutter Geschlechtsverkehr hatte und so die Blöße seines Vaters aufdeckte und daß Kanaan die Nachkommenschaft dieser Verbindung war. Andere behaupteten, daß Ham sich an seinem Vater homosexuell verging. Aber der hebräische Ausdruck bedeutet einfach das, was er aussagt: Ham ... sah die Nacktheit seines Vaters (V. 22 ). Er nahm keine sexuellen Beziehungen zu Noah auf. In diesem Fall hätte das Hebräische lauten müssen: »er deckte die Blöße seines Vaters auf« (kausative Form von gAlAh ). Stattdessen hatte sich Noah selbst entblößt ( wayyiTgal , reflexive Form, V. 21 ) und Ham sah ihn entblößt.

In der Antike und im AT bedeutete es eine Verletzung der Ethik innerhalb der Familie, seinen Vater nackt zu sehen. Die Heiligkeit der Familie war zerstört, und die Stärke des Vaters war lächerlich gemacht worden. Ham stolperte gewissermaßen in diese Situation, ging jedoch hinaus und berichtete seinen beiden Brüdern triumphierend davon, als ob er einen Triumph über seinen Vater gewonnen hätte.

So wurde der scheinbar unbedeutende Vorfall zu einem wichtigen Ereignis. Noahs Vorhersage (V. 25-27 ) zeigt, daß sich das Wesen seiner drei Söhne in ihren drei Nachkommen fortsetzen würde.

In allen Versen in 3Mo 18,6-19 außer einem findet sich die kausative Form des Verbes gAlAh , um auf die »Entblößung« anderer Menschen (als »sexuelle Beziehungen« auszulegen) durch die Kanaaniter hinzuweisen. Dieser Euphemismus weist auf das ausschweifende und abstoßende unmoralische Verhalten der Nachkommen Hams hin (vgl. 3Mo 18,3 ). Hams Neigung zur Preisgabe moralischer Grundsätze hatte die Unmoral seiner Nachkommen, der Kanaaniter, zur Folge.



1Mo 9,24-29


Wegen dieses Ereignisses sprach Noah eine Prophezeiung über die Nachkommen seiner Söhne aus. Er begann unmittelbar: Fluch über Kanaan ! Trotzdem hat Noah nicht den Sohn Hams für etwas bestraft, was Ham getan hatte. Tatsächlich zielten die Worte Noahs auf die kanaanitische Nation hin, die in Ham durch Kanaan ihren Ursprung haben sollte. Hams Hybris konnte nicht ohne Auswirkungen bleiben. Eine Erniedrigung gleichen Ausmaßes war nach den Vergeltungsgesetzen erforderlich. Ham hat einen irreparablen Bruch in der Familie seines Vaters herbeigeführt; also wurde ein Fluch über der Familie seines Sohnes ausgesprochen. So wie sich Ham als Sohn falsch verhielt, muß er nun unter dem falschen Verhalten seines Sohnes leiden. Man hat vermutet, daß Ham versucht hat, seine Brüder zu beherrschen, um seine eigenen Ziele durchzusetzen. Das würde anderen Überlieferungen entsprechen, in denen ein Sohn die Stellung seines Vaters übernimmt. Aber falls Ham dies wirklich tat, schlug sein Versuch fehl, und seine Linie seit Kanaan wurde nicht zur Führung anderer Sippen eingesetzt, sondern diesen untergeordnet (V. 25 ).

Noahs Weissagung prophezeite, daß die Kanaaniter Diener der Semiten und Jafetiten werden würden (V. 26-27 ). Aber das war geschehen, weil die Kanaaniter ein entwürdigendes Leben führten, wie Ham es getan hatte, und nicht infolge der Tat Hams. Trunkenheit und Ausschweifung versklaven letztlich auch eine ganze Nation. Darum waren die Kanaaniter im Plan Gottes, der den Segen Israels vorsah, verdammt. Sie mußten von Gott durch die Landnahme gerichtet werden, weil ihr Handeln in denselben Bahnen verlief wie das ihres Vorfahren Ham.

Die Versklavung der Kanaaniter wird in der alttestamentlichen Geschichte mehrfach deutlich. Das erste Beispiel ließ nicht lange auf sich warten: die Kanaaniter wurden besiegt und von den Königen des Ostens versklavt ( 1Mo 14 ). Ein anderes Beispiel sind die Gibeoniter, die später unter Josua Holzfäller und Wasserträger für Israels Stiftshütte wurden ( Jos 9,27 ). Wenn man die Unterwerfung Kanaans unter die jafetische Linie im strengen Sinne des Wortes ZeBeD ( Sklave ; 1Mo 9,26-27 ) versteht, reicht die Weissagung bis zum Kampf um Karthago (146 n.Chr.), in dem die Phönizier, die Kanaaniter waren, endgültig besiegt wurden. Aber die Worte Noahs scheinen eher eine allgemeine als eine spezielle Prophezeiung gewesen zu sein, nämlich, daß die Linie Sems gesegnet und die Linie Hams in Kanaan verflucht werden sollte.

Dieses Motiv der Segnung und Verfluchung ist in 1.Mose von entscheidender Bedeutung. Die Kanaaniter sollten aus ihren Wohnstätten von Israel unter Josua vertrieben werden, um die Gnade Sem zuteil werden zu lassen (V. 26 ) und die Jafetiten in den Zelten Sems wohnen zu lassen (V. 27 ). Das bedeutete, daß die Jafetiten friedlich mit den Semiten zusammenleben würden und nicht, daß die Jafetiten die Semiten von ihrem Gebiet vertreiben sollten. Verse 24-29 legten also die Grundlage für die Außenpolitik Israels im Land ( 5Mo 20,16-18 ).



E. Die Geschichte seit den Söhnen Noahs
( 10,1-11,9 )


1. Die Völkertafel
( 1Mo 10 )


1Mo 10,1


Die Völkertafel gibt einen Überblick über die Nachkommen der drei Söhne Noahs. Gott hatte ihnen befohlen, die Erde zu füllen ( 1Mo 9,1 ). Später jedoch war die Auswanderung ihrer Nachkommen und das Füllen der Erde ( 1Mo 11,1-9 ) ein göttliches Gericht über ein rebellisches Volk.

Diese Völkertafel scheint die bekannten Völker der Erde zu nennen. 70 Nachkommen der Söhne Noahs werden aufgelistet, und zwar 14 Nachkommen Jafets, 30 von Ham und 26 von Sem. Diese Völker sind sinnvoll in Gruppen geordnet worden.

Der Rahmen der Tafel ist das Motiv der b+nL (»die Söhne«). (Das hebr. b+nL erscheint zwölfmal in V. 2-4.6-7.20-23.29.31-32 .) An anderer Stelle in Kapitel 10 wird yAlaD (»er zeugte«) gebraucht, was darauf hinzuweisen scheint, wie man den Ausdruck b+nL auszulegen hat. Die Abschnitte mit yAlaD (die in V. 8.13.15.26 beginnen) weisen im Zusammenhang mit dem Aufbau der TNl+DNT auf die wichtigen Entwicklungen der Personen innerhalb der Struktur der Tafel hin. (Eine Bibelübersetzung gibt das Verb yAlaD in V. 8.13.15.26 mit »war der Vater von«, in V. 21 mit »war der Vorfahr von« und in V. 25 mit »war ihm geboren« wieder.) Von besonderem Interesse sind Vers 15-19 , in denen die Nachkommen Kanaans genannt (V. 15-18 ) und sogar die Grenzen des verheißenen Landes festgelegt werden (V. 19 ). Der Schreiber benutzte offensichtlich eine alte Tafel, um zu erklären, welche der Nachkommen Noahs Segen ererben und welche verflucht werden sollten. Der größte Teil der yAlaD (»er zeugte«)-Abteilungen beziehen sich auf die Kanaaniter oder Hamiten, die Völker in der Nähe Israels. Um zu sehen, welche ihrer Nachbarn gesegnet oder verflucht wurden, hätte Israel nur diese Tafel beachten müssen.

Die Völkertafel ist eher eine »horizontale« Genealogie als eine »vertikale« (wie in 1Mo 5,11 ). Der Zweck der Tafel ist nicht in erster Linie der, die Vorfahren festzustellen. Man erkennt vielmehr politische, geographische und ethnische Verbindungen zwischen den Völkern aus ganz verschiedenen Gründen, ganz besonders wegen des Heiligen Krieges. Die Völker, die miteinander »verwandt« waren, sollten sich miteinander verbinden. Daher bringt diese Tafel die mächtigen Völker in und um das Israel verheißene Land in eine Reihenfolge. Die Namen schließen die Väter der Völker, die Sippen, die Städte und die Gebiete ein.

Die Tafel verdeutlicht, welche Völker in der früheren Welt unter dem Segen bzw. dem Fluch standen. Sie erörtert auch die Ausbreitung und Ausfüllung der Erde, auch wenn dies nicht aus Gehorsam geschah. Sie stammen alle von einem Menschen ab, von Noah, und waren deshalb ein Volk. Einige Völker jedoch waren enger verwandt, andere weniger. Die Tafel erläutert die Lage der menschlichen Rasse, die über die Erdoberfläche verstreut und nach kultureller und sprachlicher Zugehörigkeit getrennt lebt.



1Mo 10,2-5


Die 14 Nachkommen Jafets werden zuerst genannt. Sie waren weit entfernt von Israel im Norden angesiedelt. Gomer repräsentierte die Kimbern. Man nimmt an, daß sie der gleichen Abstammung sind wie die Skythen. Magog war das Land Gogs zwischen Armenien und Kappadozien ( Hes 38,2; 39,6; vgl. die Karte »Die Welt Jeremias und Hesekiels« in der Einführung zu Jer). Der Name steht für die skythischen Horden südwestlich des Schwarzen Meeres. Madai steht für die Meder östlich von Assyrien und südwestlich des Kaspischen Meeres. Jawan war die allgemeine Bezeichnung für die hellenische Rasse, die Ionier des westlichen Teils Kleinasiens. Tubal und Meschech waren kämpferische Staaten im Norden. Möglicherweise lagen sie in Pontus und dem Armenischen Gebirge. Tiras könnte auf die seefahrenden Pelagianer der Ägäischen Küste hinweisen.

Von diesen sieben Völkern stammen weitere sieben Völker ab. Drei Völker im Norden stammen von Gomer ab: Aschkenas (verwandt mit den Skythen); Rifat und Togarma (weiter entferntere Völker im Norden).

Die Nachkommen Jawans , zwei geographische Bezeichnungen und zwei Völkernamen, waren alle mit den Griechen verwandt. Elischa entspricht Alaschia oder Zypern. Tarsis war eine weit entfernte Küste in Kleinasien. Die Kittäer siedelten ebenfalls auf Zypern. Mit den Rodanitern ist die Insel Rhodos gemeint (vgl. 1Chr 1,7 ). (»Dodanim« ist eine Textvariante zu »Rodanim« [Rhodos] und könnte die Bewohner von Dodona in Griechenland meinen.)

Diese im Norden ansässigen Stämme formten nicht in erster Linie die Geschichte Israels, tauchen aber häufig in den Propheten auf (z.B. Hes 27;37-39 ).



1Mo 10,6-7


Die Nachkommenschaft Hams (V. 6-20 ) bildete die im Osten und Süden ansässigen Völker Mesopotamiens.

Die Kuschiten (Nachkommen von Kusch ) siedelten sich im Süden Arabiens an. Heute siedeln sie im südlichen Ägypten, im Sudan und in Nordäthiopien. Sie haben sich mit den semitischen Stämmen vermischt, die in derselben Region siedelten; daher werden einige der Namen der anderen Linien wiederholt. Seba lag in Oberägypten. Hawila (»Sand-Land«) könnte sich auf Nord- und Ostarabien am Persischen Golf oder auf die äthiopische Küste beziehen. Sabta , das antike Hadramaut, lag an der westlichen Küste des Persischen Golfes. Ragma und Sabtecha lagen im südlichen Arabien.

Saba lag im Südwesten Arabiens (vgl. die Königin von Saba, 1Kö 10,1-13 ) und Dedan in Nordarabien. Einige Völker dieser alten Königreiche führten ihre Abstammung auf Joktan, den Nachkommen Sems, zurück ( 1Mo 10,29 ). Bei der Besiedelung ergaben sich also Vermischungen.



1Mo 10,8-12


In die Völkertafel ist die Geschichte Nimrods eingefügt. Dies ist der erste Abschnitt, der mit dem Ausdruck »zeugte« ( yAlaD ; vgl. den Kommentar zu V. 1 ) beginnt. Er bildet eine wichtige stilistische Unterbrechung der Völkernamen, die der Erzählung vorausgehen. Die Versuche, Nimrod zu identifizieren oder zeitlich zu bestimmen, haben sich als wenig erfolgreich erwiesen. Da der Name Nimrod scheinbar mit dem Verb »rebellieren, sich auflehnen« ( mAraD ) zusammenhängt, hat die Überlieferung ihn mit einer Tyrannenherrschaft gleichgesetzt. Er war der Begründer der frühesten Macht eines Weltreiches in Babylon und Assyrien . Die Tafel stellt ihn einfach als gewaltigen Jäger vor; ein häufiges Merkmal assyrischer Könige. Er war der Gründer mehrerer mächtiger Städte. Die Zentren, die er gründete, wurden später zu den mächtigsten Feinden Israels.

Das erste Buch Mose

1Mo 10,13-14


Ein weiterer »Sohn« Hams war Mizrajim oder »Ägypten«. Mizrajim teilte sich in verschiedene Stämme ( yAlaD ), die sich von Nordafrika bis nach Kreta erstreckten. Die Erwähnung der Philister in diesem Zusammenhang weist auf Wanderungen hin (ähnlich wie bei Israel, das »aus« Ägypten kam). Die Philister wanderten aus ihren ägäischen Heimatländern über Kaftor in das Delta Ägyptens ein und kamen schließlich nach Palästina. Hier bezieht sich der Text jedoch offensichtlich auf eine frühere Gruppe der Pelago-Philister, also auf Völker, die nicht mit den gleichnamigen Völkern des 13. Jh. n.Chr. zu tun haben.



1Mo 10,15-20


Die letzte hamitische Linie, die Bedeutung für Israel hatte, waren die Kanaaniter . Noch einmal spricht die Auflistung von »zeugte« ( yAlaD ), um die Städte und Völker, die im verheißenen Land lebten, aufzuzählen. Sidon war die vorwiegend phönizische Stadt gleichen Namens. Über die Hetiter ( HET , » Heth «) kann nichts Genaues gesagt werden. Der Name könnte sich auf die wenigen Hetiter aus den frühen Völkerwanderungen beziehen. Die Jebusiter siedelten in Jerusalem. Amoriter war eine allgemeine Bezeichnung für im Westen lebende Semiten. Hier geht es jedoch um eine kleinere ethnische Gruppe in der gemischten Bevölkerung Kanaans. Die anderen sieben kanaanitschen Völkernamen sind weniger problematisch. Es handelt sich um Völker, die im Libanon, Hamat am Fluß Orontes und überall im Land siedelten. Aufgrund des Abschnittes, in dem der Fluch über Kanaan verhängt wird ( 1Mo 9,25-27 ) ist ihre Erwähnung hier von Bedeutung.



1Mo 10,21-31


Die Nachkommen Sems werden zuletzt aufgeführt. Die Elamiten, Nachkommen des ersten Sohnes Sems, Elam , siedelten im Hochland östlich von Babylon. Assur war der Name der Region und des Volks von Assyrien, wo Nimrod, ein Hamit, mehrere Städte gegründet hatte (V. 11 ). Arpachschad siedelte nordöstlich von Ninive. Lud war der Ludbu der Assyrer. Vielleicht ist Lud eine Kurzform für Ludda, möglicherweise ein anderer Name für Lydien (heute die Westtürkei). Aram war der Vorfahre der armenischen Völker in den Steppen von Mesopotamien. Seine Nachkommen (V. 23 ) sind kaum bekannt.

Die Genealogie führt dann von Arpachschad zu Eber und seinen Söhnen. Dieser Exkurs wird durch den Ausdruck »wurden... geboren« eingeleitet.

Die Bemerkung über Ebers Sohn Peleg - in seiner Zeit wurde die Erde zerteilt - scheint den Turmbau von Babel ( 1Mo 11,1-9 ) zeitlich genau festzulegen. Das Verb pAlag wird im AT gebraucht, um die Spaltungen in verschiedene Sprachen zu beschreiben. Der Turmbau von Babel fand demnach fünf Generationen nach der Flut statt.

Die Völkertafel führt nun die Völker von Pelegs Bruder ... Joktan auf ( 1Mo 10,26-29 ), von denen die meisten auf der Arabischen Halbinsel lebten. Israel sollte eine alte Blutsverwandtschaft zu diesen 13 Völkern der Joktaniter in der Wüste feststellen.



1Mo 10,32


Hier endet ein Kolophon-Typ, eine Schrifttafel, und erinnert den Leser daran, daß alle Familien von Noah abstammen, daß aber einige für das Volk Israel von besonderem Interesse sind.



2. Die babylonische Zerstreuung
( 11,1-9 )


Dieser Abschnitt erklärt, wie die Völker über die Fläche der alten Welt verstreut wurden. Es ist eine Gerichtsbotschaft. Das, womit sich die Völker brüsteten, wurde zu ihrem eigenen Niedergang. Was sie am meisten fürchteten, betraf sie dann auch (vgl. Spr 10,24 a).

Der Bericht ist durch antithetische Parallelismen und Chiasmen strukturiert. Alles, was die Menschheit in der ersten Hälfte plant ( 1Mo 11,3-4 ), wird in der zweiten Hälfte über den Haufen geworfen (V. 5-9 ), was ein Rückgängigmachen oder Umstoßen ihres Handelns bedeutet hätte, sogar bis hin zu den parallelen Ausdrücken. Die Erzählung hängt an der zentralen Aussage, daß »der Herr herniederfuhr« (V. 5 ).

Eines der Probleme dieses Abschnittes ist seine Verbindung zu Kapitel 10 . Am Beginn von Kapitel 11 besitzt die Welt »eine Sprache« und einen Wortschatz. Aber in Kapitel 10 sind die Menschen bereits nach Völkern und Sprachen getrennt. Die Ausdrücke »Länder«, »Geschlechter«, »Völker« und »Sprachen« tauchen dreimal auf, allerdings nicht immer in derselben Anordnung ( 1Mo 10,5.20.31 ). Möglicherweise erklärt 1Mo 11,1-9 ,wie die Anordnung in Kapitel 10 zustande gekommen ist. 1.Mose verläßt zur thematischen Anordnung des Materials häufig den chronologischen Rahmen. Auf die genaue Chronologie weist nur der Ausspruch über Peleg hin: »Zu seiner Zeit wurde die Erde zerteilt« ( 1Mo 10,25 ).

 

1Mo 11,1-4


Die Sünde der Schinariter (Bewohner der Ebene in Schinar ) scheint der übermäßige Stolz gewesen zu sein. Sie sprachen: Kommt, laßt uns eine Stadt bauen mit einem Turm, dessen Spitze bis an den Himmel reicht, damit wir uns einen Namen machen . Das war offene Rebellion gegen Gott und der Wunsch nach Unabhängigkeit von Gott. Demut wird häufig mit Vertrauen und Gehorsam gleichgesetzt. Im Gegensatz dazu ist Stolz mit Unabhängigkeit und Ungehorsam verbunden. Hier kamen die Menschen zusammen, um sich selbst zu stärken und um sich selbst in ihrem Stolz einen Namen zu schaffen, damit sie nicht über die Oberfläche der ganzen Erde zerstreut würden . Das stand im direkten Gegensatz zu Gottes Gebot, sich über die ganze Erde zu zerstreuen und sie zu füllen ( 1Mo 9,1 ).



1Mo 11,5-9


Der Wunsch, ihre Einheit zu steigern und zu stärken, gab dem Gedanken zur schlimmsten Tat Raum. So beurteilte es jedenfalls der Herr: Wenn ... sie dies zu tun begonnen haben, wird ihnen nichts mehr, was sie sich vorgenommen haben, unmöglich sein . Also brachte Gott das, was sie nicht im Gehorsam tun wollten, (d.h. sich über die Erde verstreuen, V. 4 ) als Gericht über sie (V. 8 ).

Zweifellos weist Schinar (V. 2 ) auf die Gegend Babylons hin. Der Abschnitt gipfelt nämlich (V. 9 ) in einem Wortspiel: Babel ( bABel ) klingt dem Verb verwirren ( bAlal ) ähnlich. Schriftliche babylonische Berichte über den Bau der Stadt Babel bezeichnen die Erbauung bis zum Himmel durch die Götter als himmlische Stadt als Ausdruck des Stolzes ( Enuma Elish VI, Zeile 55-64). Diese Berichte sprechen davon, daß der Turm mit demselben Vorgang des Ziegelbrennens, der in Vers 3 beschrieben wird, gebaut wurde. Auf jeden Ziegel wurde der Name des babylonischen Gottes Merodach geschrieben. Auch die erste Zikkurat, ein stufenförmiger Turm, wurde offensichtlich in Babylon errichtet. Seine Spitze soll bis in den Himmel gereicht haben (vgl. V. 4 ). Dieser künstliche Berg mit einem kleinen Tempel auf der Spitze des Turmes wurde das Zentrum der Anbetung in der Stadt. Die Babylonier waren auf ihren Bau sehr stolz. Sie rühmten sich ihrer Stadt, die nicht nur als unbezwingbar galt, sondern zudem als göttliche Stadt ( bAbili , »das Tor Gottes«) bezeichnet wurde.

Der Bericht in 1.Mose sieht diese Stadt als die führende Macht der Welt, die Konzentration gottloser Mächte, mit einem Wort als »Anti-Königtum« an. So ist der Bericht in den Versen 1-9 also darin durchaus als polemisch anzusehen, daß er Gottes absolute Macht in einem schnellen Gericht deutlich macht. Die Einheit, die die Menschen als ihre größte Stärke betrachteten, zerstörte Gott sehr schnell, indem er ihre Sprache verwirrte (V. 7 ; vgl. V. 9 ). Wovor sie sich am meisten fürchteten, nämlich der Zerstreuung (V. 4 ), betraf sie dann ( Der Herr zerstreute sie ... über die ganze Erde , V. 8 ; vgl. V. 9 ). Was sie sich am meisten gewünscht hatten, nämlich sich selbst einen Namen zu machen (V. 4 ), wurde ironischerweise Wirklichkeit, weil sie als »Babel« bekannt wurden. Dann hörten sie auf, die Stadt zu bauen und wurden weit zerstreut.

Diese Erzählung liefert einen passenden Schluß für die Ereignisse der Frühgeschichte. Sie beschreibt, wie die Familien der Erde hoffnungslos in der damals bekannten Welt zerstreut wurden. Für sie gab es kein Zeichen der Flüchtigen wie bei Kain (vgl. 1Mo 4,15 ), keinen Regenbogen in den Wolken ( 1Mo 9,13 ), keinen Hoffnungsstrahl und kein Zeichen der Gnade. Das läßt den Leser nach einer Lösung der Situation suchen. Nach einer den Zusammenhang herstellenden Genealogie ( 1Mo 11,10-26 ) wird die Lösung angesprochen: Aus den zerstreuten Nationen bildete Gott eine Nation, die sein Kanal der Gnade wurde. Gott war also mit dem menschlichen Geschlecht noch nicht am Ende. Kapitel 11 bereitet den Leser lediglich auf Gottes Werk vor.

Ganz sicher geht es hier um mehr als nur um einen bloßen Bericht, um die Völkertafel zu erklären ( 1Mo 10 ). Wenn Mose einfach die Entwicklung des Planes Gottes zurückverfolgen wollte, hätte er es auf direktem Wege tun können. Aber die Wortspiele, Wiederholungen, Charakterisierungen und moralischen Lehren - alle auf der Grundlage des ethischen Standards des Gesetzes ( tNrCh ) - vermitteln eine wichtige Lektion.

Israel wurde aus Ägypten gerufen, um Gottes Theokratie zu werden. Israel sollte als von Gott geeintes Volk in der ganzen Welt bekannt werden. Die einzige, einfache Forderung war, daß das Volk gehorchen sollte. Wenn sie das täten, wollte Gott sie auf festen Grund stellen. Aber wenn sie ihre Häupter im Stolz erheben und gegen Gott rebellieren würden, sollten sie über die Erdoberfläche zerstreut werden. Als es dann soweit war, ging Israel denselben verderblichen Weg wie die Babylonier.

Das Thema, um das es hier geht, der Stolz, ist von entscheidender Bedeutung. Gott demütigt die, die sich selbst in Stolz erheben. Zerstreuung (mit seinen Kriegen und Konflikten) ist besser, als vereinte Abtrünnigkeit. Gottes Plan wird erfüllt werden, wenn nicht mit dem Gehorsam des Menschen, dann doch trotz des Ungehorsams des Menschen.

Das Verderben von Babel wird von Zefania gut erklärt, dessen Ausdrücke sicher auf dieses Ereignis zurückzuführen sind. Er weissagt die große Vereinigung im Tausendjährigen Reich, wenn jeder eine reine Sprache sprechen und auf Gottes heiligem Berge anbeten wird und wenn alle Nationen dorthin versammelt werden, von wo aus sie zerstreut wurden ( Zeph 3,9-11 ). Das Wunder an Pfingsten ( Apg 2,6-11 ) war ein Vorbote dieses noch zukünftigen Ereignisses.



F. Die Geschichte seit Sem
( 11,10-26 )


1Mo 11,10-26


Der genealogische Bericht führt die Linie von Noahs Sohn Sem bis zu Abram fort. Vorher hatte Mose die Linien der Familien der Erde dargestellt, die von Noahs drei Söhnen herkamen ( 1Mo 10 ), indem er erklärte, warum sie auf der Erde zerstreut wurden ( 1Mo 11,1-9 ). Hier lenkt er unsere Aufmerksamkeit wieder auf die Semiten.

Die Genealogie Sems ist eine »vertikale« Genealogie, um die legitimen Vorfahren zu benennen. Diese Art des Stammbaums wurde in der Antike häufig benutzt, um die Legitimität eines Königs oder einer Dynastie darzulegen. Die Liste in den Versen 10-26 zeigt die direkte Linie von Sem, der gesegnet war, hin zu Abram auf. So wird deutlich, daß der Segen Gottes auf Abram überging.

Man hat behauptet, daß die Namen in den genealogischen Listen in den Kap. 5; 11 einfach zusammengestellt sind, wobei Namen ausgewählt wurden (aus anderen Namen, die nicht aufgelistet wurden und aus längeren Listen), um eine Symmetrie zu erreichen (z.B. endet jede Liste mit einem Hinweis auf drei Söhne: 1Mo 5,32; 11,26 ). Diese Sicht kann durch logische Exegese nicht begründet werden. Um »Lücken« in der Genealogie aufzuzeigen, muß man Auslassungen postulieren: »X lebte so viele Jahre und zeugte (die Linie, die ihren Höhepunkt fand in) Y.« Solche Auslassungen sind nur sehr schwer zu beweisen. Darüberhinaus sind Lükken an zwei Stellen der Liste schwer möglich (Sem war der Sohn Noahs, und Abram war der Sohn Terachs). Also gehen wir davon aus, daß Vers 10-26 eine geschlossene Chronologie ergeben.

Der wichtigste Beitrag dieses Abschnitts ist die Verbindung Abrams mit der Linie Sems. Hier findet sich die Herkunft Israels. Interessantes archäologisches Material hat gezeigt, daß viele dieser Namen in Ortsnamen um Haran erhalten geblieben sind.

Anders als die Genealogie in Kapitel 5 nennt die Liste in 1Mo 11,10-26 die Gesamtzahl der Jahre jeder Person und schließt nicht jeden Abschnitt mit den Worten »und er starb« ab. 1Mo 5,1-6,8 hebt den Tod vor der Sintflut hervor; 1Mo 11,10-26 betont das Leben und seine Ausbreitung, obwohl die Länge des Lebens abnahm. Die Stimmung von Kapitel 11 ist eine andere als diejenige der früheren Genealogie. Dies ist der Fall, weil Vers 10-26 den Stammbaum Abrams, der gesegnet werden sollte bis zu Sem, der durch Gott gesegnet wurde ( 1Mo 9,26 ), zurückverfolgt.



II. Die Erzvätererzählungen
( 11,27-50,26 )


A. Die Geschichte seit Terach
( 11,27-25,11 )


Die Geschichte Abrahams, die hier ihren Anfang nimmt, steht unter der Überschrift des Namens Terach. Wie wir oben gesehen haben (vgl. die Einführung »3. Die Struktur der Genesis«), folgen dem TNl+DNT die »Einzelheiten« über die Familie Terachs, also das, was aus Terach in seinem Sohn Abram wurde. Es begann mit der Wanderung Terachs nach Haran und setzte sich mit Abrams Zug nach Kanaan fort, der der Empfänger der Verheißung war. Die Geschichte Terachs endete damit, daß Abram endlich einen Sohn bekam, der die Linie und den Segen weitertragen sollte.



1. Gottes Bund mit Abraham
( 11,27-15,21 )


a. Die Reise Terachs
( 11,27-32 )


1Mo 11,27-32


Dieser kurze Abschnitt berichtet von den drei Söhnen Terachs und ihren Ehen (vgl. die Übersicht »Terachs Nachkommen«). Er berichtet ebenfalls von Lot, Abrams Neffen, der in den Erzählungen über Abram eine wichtige Rolle spielt.

Terach war ein Götzendiener, der andere Götter verehrte ( Jos 24,2 ). Vielleicht war die ursprüngliche Heimat Terachs Haran , denn viele der Namen der Vorfahren Terachs sind den Ortsnamen des Landes Aram ähnlich, in dem die Stadt Haran lag. Wenn dies der Fall ist, war die Familie ca. 1000 km nach Südosten nach Ur gezogen, der Hauptstadt Sumeriens, wo der jüngste Sohn Terachs, Haran, geboren wurde ( 1Mo 11,28 ) und starb. Gottes Berufung erreichte Abram ( 1Mo 12,1 ) in Ur. Die Familie zog anschließend nach Haran zurück und wohnte dort ( 1Mo 11,31 ), wo Terach starb (V. 32 ). Weil dies nicht das verheißene Land war, zog Abram weiter nach Kanaan, wo ihm Gott erschien und den Ort bestätigte.

 

b. Abrams Berufung
( 12,1-9 )


In diesem Bericht ändert sich die Ausrichtung des Buches. Dieser Abschnitt berichtet, wie Gott Abram aus einer heidnischen Welt herausrief und ihm ungeheure Verheißungen gab; Verheißungen, die später Teil des formalen Abrahamsbundes wurden.

Der Abschnitt stellt darüberhinaus den Glauben Abrams heraus und lehrt uns, daß der Glaube Gott gehorcht. Abram war im mittleren Alter, wohlhabend, hatte sich fest niedergelassen und war ein Heide durch und durch. Das Wort des Herrn geschah zu ihm, auch wenn wir nicht genau wissen, wie es geschah, und er antwortete im Glauben und verließ im Gehorsam alles, um Gottes Plan zu befolgen. Deshalb ist er in der ganzen Bibel der Vater des Glaubens (vgl. Röm 4,1-3.16-24; Gal 3,6-9; Hebr 11,8-19; Jak 2,21-23 ).

Der historische und theologische Angelpunkt des Abschnitts ist sicher die Berufung Abrams, um ein neues Volk zu begründen. Israel sollte dadurch lernen, daß ihre eigentliche Existenz Gottes Werk war, und mit einem Mann begann, der im Glauben geantwortet hatte und seine Heimat mit Richtung auf Kanaan verließ. Diese Botschaft sollte Israel von seiner göttlichen Berufung überzeugen und die Notwendigkeit des Glaubens betonen, wenn sie aus Ägypten nach Kanaan ausziehen wollten.



1Mo 12,1-3


Vers 1-3 berichten Abrams Berufung durch Gott, Vers 4-9 von Abrams Gehorsam. Die Berufung enthält zwei Imperative (Befehle), denen jeweils Verheißungen folgen. Der erste Imperativ betrifft das Ausziehen ( geh aus deinem Vaterland ... und geh in ein Land , V. 1 ). Der zweite Imperativ in Vers 2 wird allerdings in vielen Übersetzungen nicht wörtlich wiedergegeben, sondern als Voraussage »du wirst ein Segen sein« übersetzt. Aber wörtlich heißt es hier: Sei ein Segen . Der Auszug Abrams zog eine ganze Kette von Ereignissen nach sich. Wenn Abram aus Ur ausziehen würde, würde Gott drei Dinge für ihn tun, damit er ein Segen im Land sein könnte (der zweite Imperativ). Zugleich sollte er ein Segen sein, damit Gott drei weitere Dinge für ihn tun würde. Diese Symmetrie sollte nicht übersehen werden, da dadurch die Bedeutung des Abschnittes unterstrichen wird. Abrams Berufung hatte ein Ziel: Sein Gehorsam sollte großen Segen bringen.

Drei Verheißungen waren an die Berufung Abrams und das Aufgeben der Heimat gekoppelt: (a) eine große Nation , (b) ein Segen für Abram und (c) ein großer Name (V. 2 ). Diese Verheißungen machen es möglich, daß Abram selbst wieder »zum Segen wird« (der zweite Imperativ in V. 2 ). Gegründet auf diesen Gehorsam ergingen Gottes drei Verheißungen: (a) es sollten die gesegnet werden, die ihn segneten, (b) die verflucht werden, die ihn schlecht behandelten und (c) die Geschlechter der Erde durch ihn gesegnet werden (V. 3 ). Abram zu segnen oder zu verfluchen bedeutete, den Gott Abrams zu segnen oder zu verfluchen. Leider mußte Gott häufig andere Nationen benutzen, um sein Volk zu disziplinieren, weil sie weit entfernt davon waren, für die Welt ein Segen zu sein, und die meiste Zeit im Ungehorsam lebten. Die dritte Verheißung findet die größte Erfüllung in der Tatsache, daß Jesus Christus zum Werkzeug des Segens für die ganze Welt wurde ( Gal 3,8.16; vgl. Röm 9,5 ).

Der Glaube wird in diesen Abschnitten beleuchtet. Abram wurde befohlen, mehreres zu verlassen: sein »Vaterland«, seine Verwandtschaft und seines Vaters Haus ( 1Mo 12,1 ). Aber ihm wurde nichts bezüglich des Landes gesagt, in das er ziehen sollte. Sein Auszug war eine beispiellose Glaubenstat.

Das Thema von Segen und Fluch erreicht hier seinen Höhepunkt. Tatsächlich ist dies die zentrale Stelle von 1.Mose. Hier beginnt der Teil der Heilsgeschichte, der nach den Kap. 1-11 so dringend nötig geworden ist. Kapitel 1-11 machen die Notwendigkeit des Segens Gottes deutlich. Dies war die Berufung; Abram antwortete darauf im Glauben. Die nachfolgenden Verheißungen wurden später im Rahmen des Bundes formuliert ( 1Mo 15,8-21 ).



1Mo 12,4-9


Die Erzählung berichtet einfach, daß Abram gehorchte. Von seinem Gehorsam wird analog zu den zwei Imperativen in Vers 2 auf zweierlei Weise berichtet. Er verließ (V. 4 ), und er war ein Segen (V. 5-9 ). In Haran hatten Abram und seine Familie Leute gewonnen (wörtl. »Seelen«) (V. 5 ). Dieses »Seelengewinnen« könnte sich auf Proselytismus beziehen, d.h., daß Abram einige Haraniten dazu bewegt hatte, Jahwe nachzufolgen. Im Lande Kanaans errichtete er Altäre in Sichem (V. 6 ) und östlich von Bethel (V. 8 ). An diesem zweiten Ort rief er den Namen des Herrn an , d.h. er rief Jahwe bei seinem Namen an (vgl. 1Mo 21,33; 26,25 ). Luther hat dieses Verb mit »predigen« übersetzt und hatte sich damit nicht weit von der eigentlichen Bedeutung entfernt. Gott hatte also inmitten der Kanaaniter, die zu der Zeit im Lande wohnten , einen Zeugen. In der Tat ist die Erwähnung des großen Baumes More (wörtl. »der Lehrer«) im Zusammenhang mit folgendem bedeutsam. Die Kanaaniter besaßen Schreine in Eichenhainen. More könnte eines ihrer Kultzentren gewesen sein.

In Sichem erschien Jahwe Abram , um seine Verheißung zu bestätigen und Abrams Glauben zu belohnen: Deinen Nachkommen will ich dieses Land geben ( 1Mo 12,7 ). Abram kam in das Land, und Gott zeigte es ihm. Es wurde aber seinen Nachkommen, nicht ihm selbst, gegeben. In der Tat, als Abram starb, war sein einziger wirklicher Besitz eine Höhle, die er für die Begräbnisse seiner Familie gekauft hatte ( 1Mo 23,17 ). Nachdem Gott seine Verheißung bestätigt und erneuert hatte, blieb Abram in dem Land und wartete auf die Erfüllung der Verheißung. Aber die Kanaaniter besaßen das ganze gute, fruchtbare Land. Abram mußte sich etappenweise in Richtung der großen, furchtbaren Wüste Negev (»Südland«) ( 1Mo 12,9 ) aufmachen, die öde und unfruchtbar südlich von Kanaan liegt.

Für Israel machte die Berufung ihres großen Patriarchen deutlich, daß die ihnen gegebenen Verheißungen von Gott gekommen waren, die Verheißung einer großen Nation, eines Landes, des Segens Gottes und des souveränen Schutzes. Jahwes Erscheinen und seine Bestätigung (V. 7 ) stellten unter Beweis, daß Kanaan das für Israel vorgesehene Land war. Aber Gott forderte eine Antwort im Glauben, wenn diese Generation die verheißenen Segnungen empfangen wollte. Der Glaube nimmt Gott bei seinem Wort und gehorcht ihm.



c. Abram und Sarai in Ägypten
( 12,10-20 )


Dieser Bericht über den Aufenthalt in Ägypten ist weit mehr als nur eine Ermahnung zur Aufrichtigkeit, obwohl die Erzählung sicherlich auch vor der Torheit des Betrugs warnen will. Die Behauptung »sie ist meine Schwester« taucht dreimal in den Erzählungen von den Patriarchen auf (V. 13 ; 1Mo 20,2; 26,7 ). Von bibelkritischer Seite behauptet man, daß diese Erwähnungen auf ein und dasselbe Ereignis anspielen. Aber beim zweiten Mal erklärt Abram, daß dieses Vorgehen überall seine Taktik war, wo er hinkam ( 1Mo 20,13 ). Demzufolge überrascht es nicht, daß er seine Lüge wiederholt und sein Sohn sie übernimmt.

Die absichtliche Parallele zwischen dem Aufenthalt Abrams in Ägypten und der späteren Gefangenschaft des Volkes Israels in Ägypten kann dem Leser nicht entgehen. Die Motive sind bemerkenswert ähnlich: die Hungersnot im Land ( 1Mo 12,10;47,13 ), das Hinaufziehen nach Ägypten, um dort zu wohnen ( 1Mo 12,10; 47,27 ), der Versuch, Männer (bzw. männliche Kinder) zu töten, aber Frauen (bzw. weibliche Kinder) am Leben zu lassen ( 1Mo 12,12; 2Mo 1,22 ), die Plagen in Ägypten ( 1Mo 12,17; 2Mo 7,14-11,10 ), der Ruin Ägyptens ( 1Mo 12,16; 2Mo 12,35-36 ), die Errettung ( 1Mo 12,19; 2Mo 15 ) und das Herabziehen zum Negev ( 1Mo 13,1; 4Mo 13,17.22 ). Die große Erlösung aus der Gefangenschaft, die Israel erfuhr, war also bereits in ihrem Vorfahren erfüllt worden und wurde für sie möglicherweise zu einer Quelle des Trostes und der Ermutigung. Gott hatte mehr getan, als nur die Errettung für eine zukünftige Nation zu verheißen. Es war, als ob er in Abram ihre Errettung im voraus ausgeführt hätte.

In bezug auf die Botschaft des Buches wurde 1Mo 12,10-20 bezeichnenderweise direkt hinter die Berufung Abrams und seinen Gehorsamsschritt plaziert. In diesem Bericht wandelte Abram nicht so wie zu Beginn im Glauben, aber Gott hatte ihm Verheißungen gegeben und würde sie auch erfüllen. Abram war nicht der einzige Patriarch, der auf recht unrühmliche Weise aus solchen Schwierigkeiten gerettet werden mußte.



1Mo 12,10-13


Abrams Plan, der aus seiner Angst heraus geboren wurde, kehrte sich gegen ihn. Gottes Verheißung an ihn wurde gefährdet. Nur Gott konnte seine Frau retten, damit die Verheißung an Abram erfüllt werden konnte. Abram, der sich einer Hungersnot ausgesetzt sah, faßte den Entschluß, nach Ägypten zu ziehen, um dort zu wohnen und sich eine Zeitlang aufzuhalten , ohne die Absicht zu haben, sich dort anzusiedeln. Weitere Hungersnöte in Palästina werden in 1Mo 26,1; 41,56 erwähnt. Abram kann für diesen Umzug nicht getadelt werden, auch wenn nirgends gesagt wird, daß er im Glauben gehandelt habe. Der typische Plan eines Beduinen, den Abram sich erdacht hatte, bestand darin, mit einer Halbwahrheit von seiner Schwester-Frau zu sprechen. Das war ein listiger Weg, sein eigenes Gewissen zu beschwichtigen. Sarai war in der Tat seine Schwester (d.h. eine Halbschwester; vgl. 1Mo 20,12 ). Abram übermittelte den Ägyptern nur das, was er sie wissen lassen wollte. Sein Motiv lag unzweifelhaft in den Gesetzen der frateriarchischen Gesellschaft (vgl. Laban, 24,29-61) begründet. Im feindlichen Gebiet konnte ein Ehemann wegen seiner Frau getötet werden. Wenn aber Abram als ihr Bruder bekannt würde und jemand, der sie zur Frau haben wollte, bei ihm um ihre Hand anhielte, könnte ihm das möglicherweise Zeit geben, die Situation nach seinen eigenen Wünschen zu bewältigen.



1Mo 12,14-16


Ihre ironische Wendung erhält die Geschichte dadurch, daß jemand Sarai zur Frau haben wollte; und zwar jemand, der es nicht nötig hatte, um sie zu handeln, nämlich der Pharao selbst. Genau die eigenen Worte Abrams (»auf daß mir?s wohlgehe«, V. 13 ) kamen auf ihn selbst wieder zurück. Der Pharao tat Abram Gutes aufgrund der Schönheit Sarais und Abram wurde sehr reich (vgl. später die gute Behandlung des Urenkels Abrahams, Josef, durch den Pharao, 1Mo 41,41-43 und des Enkels Abrahams, Jakob, 1Mo 45,16-20 ). Aber dieses Handeln kettete Abram an eine Verpflichtung, von der er sich selbst nicht mehr lösen konnte. Durch sein Vorgehen verlor er fast seine Frau, und ohne Sarai wäre die verheißene Segnung verloren gewesen.



1Mo 12,17-20


Aber der Herr schlug die Bewohner des ägyptischen Palastes mit großen Plagen . Nur durch das Eingreifen Gottes konnte Sarai vor dem Harem des Pharaos unversehrt bewahrt werden. Mit der Rettung ging eine königliche Rüge (V. 18-19 ) und die Vertreibung aus dem Land (V. 20 ) einher. Die Ägypter waren ein abergläubisches Volk, so daß solche Plagen ihnen unheilvoll erscheinen mußten. Der Befehl des Pharaos an Abram, fortzuziehen ( nimm sie und zieh fort! ) steht parallel zu den Worten von Abrams Berufung durch Gott (»Verlaß dein Vaterland...und geh!; V. 1 ). Pharaos Worte wurden jedoch in Schmach gesprochen.

Man kann sicher in diesem Bericht erkennen, wie Gott die Familie des Patriarchen durch Plagen aus der Hand der Ägypter rettete und wie dadurch der noch in der Zukunft liegende Auszug sein Vorbild erhielt. Aber diese erste Errettung war aufgrund von Abrams betrügerischer Täuschung nötig geworden. Trotz der Schwierigkeiten, die Abram für seine eigene Person verursachte, hielt sich Gott treu an sein Wort und ließ nicht zu, daß sein Plan durch die Torheit dieses Mannes gefährdet wurde. Vielleicht spürte Abram, daß der leichteste Weg aus der Gefahr heraus der sei, den Pharao über den wahren Sachverhalt hinwegzutäuschen. Aber dieses Vorgehen brachte ihn erst in Gefahr und setzte die Verheißung Gottes aufs Spiel. Gottes Diener müssen Gott völlig vertrauen und nicht zu selbsterdachten Plänen Zuflucht nehmen.

Zunächst ging es Abram als Folge seines Betrugs sehr gut. Er wurde reich, aber diese Reichtümer hätten ihn davon abbringen können, Sarai zurückzuerhalten und damit den Menschen, der zur Erfüllung der Verheißung notwendig war. Darüberhinaus nimmt man allgemein an, daß Abram Hagar während seines Aufenthaltes in Ägypten erworben hatte. Indem er seine Frau Sarai »weggegeben« hatte, konnte Abram Hagar, die später seine Magd und Nebenfrau wurde, erwerben ( 1Mo 16,1-2 ).

Mose wollte, daß seine Leser lernen, wie Gott seinen Plan durch göttliches Eingreifen und Errettung gnädig zur Ausführung brachte. Er wollte auch deutlich machen, wie töricht es ist, wenn Menschen sich selbst durch Betrug und Täuschung aus heiklen Situationen zu retten versuchen.



d. Die Trennung von Lot
( 1Mo 13 )


Aufgrund des Problems des Überlebens, das sich dadurch steigerte, daß Abram und Lot so große Besitztümer hatten (V. 6 ), gerieten die Knechte schnell miteinander in Streit (V. 7 ), so daß sich ihre Anführer Abram und Lot voneinander trennen mußten. Sie gingen getrennte Wege. Man hätte erwarten können, daß Abram, der die göttliche Verheißung empfangen hatte, seine Rechte wahrnähme und als erster wählte. Aber großherzig bat er Lot, zuerst zu wählen. Lot traf seine Wahl einzig auf der menschlichen Ebene und sättigte sich mit dem guten Teil des Landes. Abrams Entscheidung, Lot zuerst wählen zu lassen, war unzweifelhaft eine Glaubensentscheidung, indem Abram nicht auf das Zeitliche schaute, sondern auf das Geistliche, d.h. auf Gottes Verheißung.

Kapitel 13 macht deutlich, wie der Glaube Streitigkeiten löst. Man könnte vielleicht sagen, daß Großzügigkeit ein Zeichen des Vertrauens in Gottes Verheißungen ist. Der Glaube verlangt nicht selbstsüchtig nach der Erfüllung der eigenen Wünsche. Er ist vielmehr großzügig, großherzig und verleugnet sich selbst.



1Mo 13,1-7


Vers 1-4 geben der Erzählung ihren Rahmen, wobei der Rahmen selbst eine eigene Begebenheit darstellt. Inmitten von Gottes Segnungen entsteht ein Konflikt. Die ersten Verse heben die Rückkehr Abrams an den Ort hervor, an dem er am Anfang gewesen war. Hier muß die Betonung auf früher und zuerst (»vormals«) bei der Beschreibung seiner Rückkehr in das Land (V. 3-4 ) auffallen. Ins Land zurückgekehrt, erneuerte Abram die Verehrung und Anrufung des Herrn ( Jahwe ) an einem Altar (vgl. 1Mo 12,8 ).

Recht bedeutsam in diesem Abschnitt ist der Hinweis auf den Reichtum Abrams ( 1Mo 13,2 , sehr reich an Vieh und an Silber und an Gold ) und auf den Reichtum Lots, der mit ihm gezogen war (V. 5 Schafe und Rinder und Zelte ). Sie waren beide sehr reich geworden. Bei Lot wird besonders hervorgehoben, daß er Zelte besaß, worauf später näher eingegangen wird.

Aber als sie sich wieder mitten im Land befanden und um sie herum Kanaaniter und Perisiter wohnten, brachen Streitigkeiten zwischen ihnen aus (V. 7 ). (Die Perisiter waren einer der in Palästina lebenden Stämme, die häufig zusammen mit den Kanaanitern genannt werden; vgl. 1Mo 34,30; 5Mo 7,1; Ri 1,4; 3,5 .) Das Land konnte es nicht ertragen , daß Abram und Lot beieinander wohnten, weil die Kanaaniter die besten Teile des Landes bewohnten. Die Knechte Abrams und Lots mußten sich im verbliebenen Teil über Wasser und Nahrung auseinandersetzen. In dieser schwierigen Situation brach Streit ( rIB ) aus. (Dieser hebr. Begriff wurde später zur Bezeichnung einer legalen Auseinandersetzung in Israel benutzt.)



1Mo 13,8-13


Die Lösung Abrams in diesem Streit war das großherzige Angebot, Lot zuerst seinen Landstrich wählen zu lassen. Es ist fast Ironie, denn man hätte erwarten können, daß Abram an dem ihm verheißenen Gut festgehalten und Lot angewiesen hätte, sich sein Land selbst zu suchen.

Abrams Warnung: Laß doch keinen Streit sein zwischen mir und dir ( m+rIBCh , verwandt mit dem Wort rIB ) muß die Herzen der Israeliten angerührt haben, als sie diese Begebenheit später im Zusammenhang mit den Ereignissen in Meriba lasen ( 2Mo 17,1-7 ). In der dortigen Wildnis gab es kein Wasser, und das Volk murrte gegen Jahwe, so daß Mose an den Felsen schlug. Daraufhin wurden Massa (»Versuchung«) und Meriba (»Murren«) zu unheilvollen Begriffen, weil das Volk Jahwe erzürnt hatte und zur Wanderschaft in die Wildnis hinausgeschickt wurde, bis es starb ( Ps 95,10 ). Ihre Selbstsucht bewies ihren Unglauben ( Ps 95,10 ), so daß sie nicht in das Land kamen ( Ps 95,11 ). Auch hier war die Wahl Lots ganz und gar selbstsüchtig. Er verließ Abram und brach nach Sodom auf ( 1Mo 13,12 ). Gottes warnende Ankündigung ( Ps 95,8-11 ) war Abrams Warnung ( 1Mo 13,8 ) sehr ähnlich.

Der Beweggrund für eine solche Trennung ist nicht schwer zu finden - sie waren Brüder, d.h. Verwandte (V. 8 ). Ihre gemeinsame Verbindung, die sie so lange vereint hatte, wollte Abram nicht zerstört sehen. Um sie zu erhalten, schien die Trennung die einzige Möglichkeit zu sein.

Wieder tritt das Land hervor. Abram bot Lot die Wahl über das ganze Land an, das rechtmäßig Abram gehörte. Lot sah auf (wörtl. »hob [ nARA ] seine Augen auf«) und sah ( rA?Ch ); vgl. V. 14 ) die ganze Ebene (Gebiet) des Jordan-Tales. Dieses Tal war saftig, fruchtbar und wasserreich wie der Garten Gottes . (Zoar war eine kleine Stadt in der Ebene, in die Lot und seine Familie flohen, 1Mo 19,18-22 .Vordem wurde sie Bela genannt, 1Mo 14,2.8 .) Es mag dies eine ernste Erinnerung an den ersten Blick in heftigem Begehren in ein solches paradiesisches Gartenland sein ( 1Mo 3,6 ). Sicher ist der im Temporalsatz gegebene Hinweis unheilverkündend - bevor der Herr Sodom und Gomorra zerstört hatte - als wenn das bedeuten sollte, daß das, was Lot sich erwählt hatte, nur kurz bestehen sollte. Ohne auf Abram Rücksicht zu nehmen, traf Lot seine Wahl und beging damit den größten Fehler seines Lebens.

Er schlug seine Zelte bei Sodom auf, wo die Menschen böse waren und sehr vor dem Herrn sündigten . Kapitel 19 offenbart später ihre Verdorbenheit.



1Mo 13,14-18


Dieser dritte Abschnitt in diesem Kapitel vermittelt Trost: Jahwe bestätigt seine Verheißung. Die Unterbrechung in der Erzählung wird durch (wörtl.) »Und der Herr...« gekennzeichnet. Vers 14-17 erläutern, warum Abram Lot die Wahl über das ganze Land überlassen konnte: Er hatte die sichere Verheißung Gottes empfangen. Er hatte begriffen, daß er in Gott alles im Überfluß besaß. Weil Abram wußte, daß die Verheißung Gottes wahr war, kam es ihm nicht mehr darauf an, welchen Teil Lot für sich wählen würde. Wer die Verheißung Gottes für seine Versorgung besitzt, muß sein Herz nicht an Vergängliches hängen.

In Vers 14-17 unterscheidet sich Abram erheblich von Lot. Lot hatte gehandelt und das für sich genommen, was er für das beste gehalten hatte. Nun formulierte Jahwe seine Gedanken noch einmal neu und gab Abram mit Geboten seine Anweisungen. Abram sollte seine Augen aufheben ( nARA? ) und schauen ( rA?Ch , V. 14 ; vgl. V. 10 ) und damit das tun, was Lot schon autonom getan hatte. Abram wartete auf Gott, damit dieser ihm das Land geben solle, Lot nahm es sich selbst. Gott versicherte erneut, daß er das Land Abram als seinen Besitz geben werde. Wieviel besser ist es, wenn Gott gibt, als wenn es sich ein Mensch selbständig aneignet. Gott verhieß Abram auch, daß seine Nachkommen so zahlreich sein würden wie der Staub der Erde (vgl. 1Mo 22,17; 28,14 ). Dann bat ihn Gott, das Land zu durchziehen und seinen Besitz zu betrachten. Kapitel 13 schließt ebenso, wie es begonnen hat: Abram ließ sich nieder und zwar jetzt nahe den großen Bäumen von Mamre (vgl. 1Mo 14,13; bei Hebron , ca. 40 km südlich von Jerusalem) und errichtete Jahwe einen Altar.

Kaum ein anderes Kapitel der Bibel beschreibt so wunderbar, was Glauben ist. Hier war der Patriarch wahrhaftig gläubig und verehrte Jahwe, auch wenn dieser Glaube einen Konflikt heraufbeschwor. Lot, der nach dem Anschein ging, wählte das, was ihm gefiel. Seine Wahl war selbstsüchtig und selbstgefällig. Aber diese Entscheidung wurde gefährlich und kurzlebig, weil nicht alles tatsächlich so schön war, wie es an seiner Oberfläche erschien. Abram auf der anderen Seite, der im Glauben stand, ließ großzügig Lot zuerst wählen. Er handelte selbstlos und vertraute Gott. Er hatte erfahren, daß er weder mit seinen eigenen Plänen in den Besitz des Landes gelangen würde noch durch eifersüchtiges Bewachen seines Territoriums. Er handelte gerecht und großherzig. Wer darauf vertraut, daß Gott versprochen hat, für ihn zu sorgen, kann nicht gierig auf seinen eigenen Gewinn bedacht oder habsüchtig sein.



e. Der Sieg über die Könige des Ostens
( 14,1-16 )


Der Bericht von der Schlacht der vier gegen die fünf Könige ist besonders interessant, weil Gott auch damit seine Verheißung erfüllt hat. Gott hatte versprochen, Abram groß zu machen, die zu segnen, die ihn segnen und die zu verfluchen, die ihn verfluchen ( 1Mo 12,3 ). Kapitel 14 beschreibt ein typisches »internationales« Kampfgefecht in der Alten Welt, in der mächtige Nationen sich verbündet hatten, um zu plündern und die Gebiete nahe der Landesgrenze, die Abram von Gott versprochen waren, zu unterwerfen.



1Mo 14,1-12


In dem Bemühen, eine Rebellion niederzuwerfen (V. 4 ) fielen vier mächtige Könige aus dem Osten in das Jordantal nahe dem Salzmeer , d.h. dem Toten Meer (V. 3 ), ein. Sie schlugen die Kämpfer dieser Region nieder (V. 5-7 ), raubten die fünf jordanischen Könige aus (V. 8-11 ) und nahmen Lot gefangen (V. 12 ).

Die Archäologie leistet uns große Dienste, um den Hintergrund dieses Kapitels zu verstehen. Die Namen der Könige sind aus keinem außerbiblischen Fund bekannt, aber ihre Bezeichnungen fügen sich problemlos in diese Epoche im Nahen Osten ein, und zwar in ganz besonderer Weise in die Welt der mesopotamischen Könige. (Der Name Arriyuk, Arjoch sehr ähnlich, wurde in Mari aufgefunden; Kedor-Laomer paßt auf den Namen Kudur und Tudhalia, was an Tidal erinnert, findet sich in der frühen hetitischen Literatur.) Darüberhinaus war der Zusammenschluß von Stadtstaaten (»Völkern«) im Militärdienst durchaus üblich.

Inzwischen ist auch von vielen Gebieten und Städten bekannt, wo sie sich im einzelnen befanden. Schinar (vgl. 1Mo 10,10 ) ist ein anderer Name für Babylonien. Elam (vgl. 1Mo 10,22 ) befand sich östlich von Schinar. Ellasar und Gojim konnten nicht lokalisiert werden. Sodom, Gomorra , Adma , Zebojim und Bela (d.h. Zoar; vgl. 1Mo 19,22 ) - die Städte der fünf Könige, die gegen Kedor-Laomer rebelliert hatten - lagen beim Salz- (Toten)meer. Aschterot und Karnajim ( 1Mo 14,5 ) befanden sich in Hauran, dem alten Baschan, östlich vom See Kinneret (im NT: See Gennesaret). Ham lag im Osten Gileads südlich von Baschan. Schawe Kirjatajim befand sich östlich des Toten Meeres und das Bergland von Se´r südostlich des Toten Meeres in der später als Edom bekannten Region. El-Paran heißt heute Elat und liegt am Golf von Akaba. Kadesch und Hazezon-Tamar befanden sich südwestlich des Toten Meeres. Die Route der Eroberer war in der Antike wohlbekannt und wurde als die »Königsstraße« bezeichnet ( 4Mo 20,17; 21,22 ). Die vier Könige Kedor-Laomer, Tidal, Amrafel und Arjoch ( 1Mo 14,9 ) zogen den Jordan am östlichen Ufer hinab, kehrten in Araba um (dem Senkungsgraben südlich des Toten Meeres), zogen nach Kadesch, dann nach Hazezon-Tamar und schließlich in die Region Sodoms und Gomorras im Tal Siddim (V. 8.10 ). Die fünf Städte der Ebene lagen offensichtlich im südlichen Ende des Tales nahe beieinander (Unger, Archaeology and the Old Testament , S.114-118). Die vier Könige plünderten Sodom und Gomorra aus und nahmen Lot gefangen.


1Mo 14,13-16


Als Abram von dem Einfall und der Gefangennahme Lots hörte, versammelte er seine 318 ausgebildeten Männer, und zusammen mit seinen Verbündeten (V. 13 ) verfolgte und besiegte er die Invasoren in einem Nachtangriff. Er jagte ihnen den ganzen Weg bis nach Dan nach, der zukünftigen nördlichen Grenze des verheißenen Landes (240 km von Abrams Heimat in Hebron entfernt). Dan wurde später Leschem ( Jos 19,47 ) oder Lajisch ( Ri 18,29 ) genannt. In der Nacht verfolgte Abram sie bis nach Hoba , das weitere 170 km nördlich von Dan liegt, brachte Lot und alle seine Habe zurück und ebenso dessen Familie und andere Gefangene. Das war ein eindrucksvoller Sieg für den Patriarchen über vier führende Könige, die vorher einen so großen Teil Transjordaniens und der Gebiete südlich des Toten Meeres erobert hatten.

Abram, der Hebräer ( ZiBrI , 1Mo 14,13 ), wurde nun als Stammesführer anerkannt. Hier taucht zum ersten Mal in der Bibel das Wort »Hebräer« auf. Obwohl man den Begriff »Hebräer« nicht mit einer später auftretenden Gruppe plündernder Soldaten, die als die »Habiru« bekannt waren, gleichsetzen darf, könnten beide Begriffe etymologisch miteinander verwandt sein. In der Tat zeigt das militärische Handeln Abrams in diesem Kapitel, daß diese bedeutungsvolle Bezeichnung dazu paßt. So war Abram zu einer Macht geworden, mit der die Völker zu rechnen hatten.

Durch die Ansiedlung Lots in Sodom wurde Abram in den Konflikt hineingezogen. Abram wohnte in Hebron ( 1Mo 13,18 ), hatte aber mit Mamre, dem Amoriter und seinen Brüdern Eschkol und Aner einen Bund geschlossen ( 1Mo 14,13; vgl. V. 24 ). Hier hat der Bund für Abraham zum Guten ausgeschlagen, denn die Amoriter, die ihm erlaubt hatten, bei ihnen zu wohnen, mußten auch mit ihm kämpfen. Wenn der Begriff »Amoriter« alleine benutzt wird, bezieht er sich auf westliche semitische Völker, die in den transjordanischen Königreichen und den Gebirgen Palästinas lebten. Diese Amoriter waren eine kleine ethnische Gruppe. Es handelte sich dabei nicht um das große Volk der Amoriter, das in das alte Sumer und den Westen einströmte.

Abram war der Befehlshaber der Schlacht gewesen, und so wurde ihm der Sieg zugeschrieben (V. 17 ). Allerdings erklärt das den Triumph nicht vollständig. Später hat Melchisedek den Sieg Gott selbst als Teil der Segnungen Gottes an dem Patriarchen zugeschrieben (V. 20 ). Gott hat durch das Leben Abrams in Übereinstimmung mit seiner Verheißung gewirkt. Als die Invasoren das Land plünderten und seinen Verwandten, der ihm aber bereits Schwierigkeiten bereitet hatte, entführten, griff Abram sofort ins Geschehen ein.

Israel sollte daran lernen, daß Gott seinem auserwählten Volk über die Feinde, die das verheißene Land plündern, Sieg gibt. Das muß für Gottes Volk in der Zeit der Richter und späterer Invasionen eine Ermutigung gewesen sein. Natürlich waren der Glaube und der Gehorsam Voraussetzungen für den Sieg.

Im AT wurde vielfach Krieg geführt. Er war aber auch in geistlicher Hinsicht in Beziehung auf den Glauben von großer Bedeutung. Das NT lehrt, daß der Kampf und die Waffen eines Christen geistlicher Natur und die Verheißungen Gottes ewig sind. Paulus stellt den Tod Christi als einen Sieg dar ( Eph 4,8 ) und gebraucht dafür militärische Ausdrücke. In diesem Sieg bezwang er die Sünde und den Tod. Christi Gaben sind geistliche Gaben für seine Knechte, um sie in seinem Dienst zu gebrauchen. Mit diesen geistlichen Gaben und ausgerüstet mit geistlichen Waffen, sollen Christen für Recht, Wahrheit und Gerechtigkeit ( Eph 6,10-19 ) kämpfen. Gott verleiht seinem Volk Sieg über die Welt in Übereinstimmung mit seinen Verheißungen, zu segnen und zu verfluchen. Er gebraucht seine Diener, die seine göttliche Berufung kennen und die die Waffen der geistlichen Kriegsführung mit Geschick gebrauchen.



f. Die Segnung durch Melchisedek
( 14,17-24 )


1Mo 14,17-21


Hier finden wir eine der faszinierendsten Begegnungen im AT. Zwei Könige treffen bei seiner Rückkehr vom Kampf auf Abram. Viel unterschiedlicher hätten sie nicht sein können. Im Gegensatz zu der verderbten Stadt Sodom und ihrem Herrscher Bera (V. 2 ), der ebenfalls ohne Zweifel ein schlechter, gottloser Mensch war, stand Melchisedek, der König von Salem (d.h. von Jerusalem, Ps 76,3 ), ein Priester Gottes des Höchsten ( 1Mo 14,18 ). Der Name Melchisedek bedeutet »König der Gerechtigkeit« und weist auf einen gerechten Herrscher als Stellvertreter Gottes hin. (Einige Ausleger halten Melchisedek für eine Gotteserscheinung, eine Erscheinung des noch nicht fleischgewordenen Jesu Christi.)

Melchisedek war der einzige, den Abram als geistlich über ihm stehend betrachtete. Abram nahm seine Segnung an (V. 19 ) und bezahlte ihm ein Zehntel (den Zehnten) von allem, was er hatte (V. 20 ). Abram tat das im vollen Bewußtsein seines Handelns. Es wird klar, wie gottesfürchtig und demütig Abram sogar noch nach seinem Sieg war. Er erkannte, daß die Offenbarung Gottes nicht auf seine Person beschränkt war. Während sich die Aufmerksamkeit des Lesers ungeteilt auf Abram richtet, der die geistliche Hoffnung der ganzen Welt in sich trägt, taucht aus einem unbedeutenden Tal Kanaans ein Mann auf, der Gott noch näher steht als Abram und der Abram segnete. Das Tal war das Tal Schawe (V. 17 ), vielleicht das Tal Kidron bei Jerusalem (vgl. 2Sam 18,18 ).

Die Gegenüberstellung Abrams mit den Königen ist chiastisch (über Kreuz) aufgebaut: (a) der König von Sodom traf auf Abram ( 1Mo 14,17 ), (b) der König von Salem traf auf Abram (V. 18 ), ( b? ) der König von Salem segnete Abram (V. 19-20 ), ( a? ) der König von Sodom bot Abram einen Handel an (V. 21 ). Die Tatsache, daß das Angebot des Königs von Sodom nach der Segnung Melchisedeks erfolgte, half Abram, die Dinge aus der richtigen Perspektive zu sehen.



1Mo 14,22-24


Abram schwor vor dem Herrn, dem höchsten Gott, dem Schöpfer des Himmels und der Erde (vgl. V. 19 ), daß er nichts von dem Besitz Sodoms nehmen würde, damit sich es der König von Sodom nicht als Verdienst anrechnete, Abram reich gemacht zu haben .

Das Ereignis war eine Prüfung für Abrams Glauben nach einem großen Sieg. Bera, der König von Sodom, bot Abram ein reizvolles Geschäft an. Aber Abram, der wohl wußte, was er dem König von Sodom angetan hatte, erkannte, daß die Annahme der Kriegsbeute von Sodom, die er erbeutet hatte, ihn von Bera abhängig machen würde. Er erstrebte etwas weitaus Dauerhafteres als Besitz und Reichtum. Er wünschte sich die Erfüllung von Gottes wunderbarer und ewig gültiger Verheißung. Der Glaube blickt über die Reichtümer dieser Welt hinaus zu den weitaus großartigeren Vorhaben Gottes.

Abram wußte, daß er viel wohlhabender werden würde, und er wußte, wer ihn segnete. Er wollte alles von Gott empfangen und auch nicht einen Faden von Sodom annehmen. Gehorsame Gläubige gestalten ihr Leben so, daß sie in allem Erfolg, aller Freude, allem Wohlergehen und allem Wohlstand von Gott abhängig sind. Ihr Glaube ist wie Abrams Glaube tief verwurzelt und wird beständig stärker statt kurzlebig und schwach zu sein. Der König von Sodom war ganz offensichtlich ein verdorbener Mensch, der über ein verdorbenes Reich regierte. Abram erkannte, daß ein Handel mit ihm gefährlich sein könnte. Er hätte folgern können, daß Gott ihn durch dieses Angebot segnen wollte. Aber er konnte die Segnungen Gottes nicht mit dem Besten, was Sodom zu bieten hatte, gleichsetzen.

Melchisedek ist in der Bibel eine wichtige Figur. Er ging Abram voran und war kein levitischer Priester. Als David, der erste König Israels, auf Melchisedeks Thron saß, prophezeite er, daß sein großer Nachkomme, der Messias, ein ewiger Priester nach der Ordnung Melchisedeks sein werde ( Ps 110,4 ).

David sah über die levitische Priesterschaft hinaus, die dann hinweggetan sein würde. Der Hebräerbrief zeigt auf, wie Jesus Christus in seinem Tod die levitische Ordnung erfüllte und den Beginn für ein besseres Hohepriestertum legte. Der Schreiber des Hebräerbriefs machte sich die Anonymität Melchisedeks zunutze, indem er auf Melchisedek als dem vollkommenen Bild Christi Bezug nahm. In 1.Mose, das viele Genealogien und Berichte über biblische Vorfahren enthält, taucht dieser Mann ohne einen einzigen Hinweis auf seine Verwandten auf ( Hebr 7,3 ). Man erinnert sich an Melchisedek als an einen Hohepriester. Weil Abram den Zehnten an Melchisedek gab, ist die Ordnung Melchisedeks höher als Levis, der Abrams Nachkomme war ( Hebr 7,4-10 ).



g. Gott schliesst einen Bund mit Abram
( 1Mo 15 )


Nachdem Abram Lot gerettet und die Segnung Melchisedeks empfangen hatte, machte der Herr förmlich einen Bund mit Abram und bestätigte darin die Verheißung, die er ihm vorher bereits gegeben hatte ( 1Mo 12,2-3 ). Gott kündigte aber auch eine lange Zeit der Sklaverei an ( 1Mo 15,13 ).



1Mo 15,1-3


Bevor Gott den Bund mit Abram schloß, beseitigte er dessen Angst und Zweifel durch ein Wort der Ermutigung: Fürchte dich nicht. Ich bin dein Schild. Als der Herr Abram verhieß, daß sein Lohn sehr groß sein würde, fragte der Patriarch sofort, was er von Gott empfangen werde, denn er war kinderlos . Das zeigt seinen Glauben. Seine geistliche Sicht war nicht durch das Angebot Beras getrübt worden ( 1Mo 14,22-24 ). Abram hatte weiterhin nur eine Hoffnung, nämlich die Verheißung, die Gott ihm zu Anfang gegeben hatte ( 1Mo 12,2-3 ). Abram brachte sein Anliegen durch ein Wortspiel, bezogen auf die Herkunft seines Knechtes EliÙser, vor: EliÙser von Damaskus ( D ammeReq ) ist der Erbe ( Ben MeSeq , wörtl. »Sohn des Besitzes«) meines Besitzes ( 1Mo 15,2 ). Es scheint fast so, als wollte Abram Gott gegenüber betonen: »Nomen est omen«. Nur ein Knecht würde sein Erbe werden.



1Mo 15,4-6


Aber der Herr antwortete in aller Deutlichkeit: Dieser Mann (er gebrauchte EliÙsers Namen nicht) wird nicht dein Erbe sein. Ein Sohn, der von Abrams eigenem Leib kommen würde, soll sein Erbe sein. Dann zeigte Gott Abram die Sterne und verhieß ihm, daß seine Nachkommen so zahlreich wie die Sterne sein würden (vgl. 1Mo 22,17; 26,4 ). Das mächtige Wort Gottes, das die Sterne erschaffen hatte, konnte auch Abram Nachkommen schaffen.

Abram glaubte (wörtl. »glaubte daran«) dem Herrn und das wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet . Diese grundlegende Wahrheit wird dreimal im NT wiederholt ( Röm 4,3; Gal 3,6; Jak 2,23 ), um deutlich zu machen, daß Gerechtigkeit vor Gott durch Glauben erlangt wird.

1Mo 15,6 enthält eine wichtige Bemerkung, beschreibt aber eigentlich nicht die Umkehr Abrams. Diese war viele Jahre vorher geschehen, als er Ur verließ. (Die hebr. Form »glaubte« zeigt, daß sein Glaube nicht nach den in den Versen 1-5 geschilderten Ereignissen begann.) Abrams Glaube wird hier erwähnt, weil er die unbedingte Grundlage für den Bund mit Gott darstellte. Der abramitische Bund verschaffte Abram keine Erlösung. Es war ein Bund, der mit Abram geschlossen wurde, der bereits geglaubt hatte und dem bereits Gerechtigkeit zugerechnet wurde. Die Bibel lehrt ganz klar, daß in allen Zeitaltern Gerechtigkeit (d.h. Errettung) nur auf den Glauben zurückgeführt werden kann.



1Mo 15,7-10


In dem feierlichen Geschehen, bei dem der Herr mit Abram einen verbindlichen Bund schloß, versicherte ihn Gott der schließlichen Erfüllung seiner Verheißungen (V. 7.18-21 ). Gott kündigte fernerhin eine 400 Jahre dauernde Knechtschaft für die Nachkommen Abrams an (V. 13-16 ).

Abram befolgte die Anweisungen Gottes und zerteilte (V. 10 ) drei Tiere - eine Kuh, eine Ziege und einen Widder (V. 9 ) - und brachte außerdem eine Turteltaube und eine andere Taube dar.



1Mo 15,11-16


Dann überkam Abram plötzlich ein großer Schrecken, weil unreine Raubvögel auf die geopferten Tiere niederstießen, was zweifellos ein böses Omen war. Die Ankündigung Gottes über die Gefangenschaft Israels (V. 13-14 ) wirft Licht auf die Bedeutung der angreifenden Vögel. Das Wort unterdrücken ( ZAnCh , V. 13 ; vgl. 1Mo 16,6 ) ist derselbe Begriff, der in 2Mo 1,11-12 zur Beschreibung der Unterdrückung Israels in Ägypten gebraucht wird. Ägypten war, wie die Raubvögel, ein Feind des Bundes Gottes, der aber doch letztendlich erfüllt wird. Als die Israeliten in den Tagen Moses in Ägypten waren, konnten sie die Jahre nicht zählen und erkennen, daß 400 Jahre vergangen waren (von dem Jahr an, d.h. dem Jahr 1876 V.Chr., in dem Jakob nach Ägypten gekommen war; vgl. die Übersicht »Chronologie der Patriarchen« zu 1Mo 47,28-31 ) und die Zeit ihrer Erlösung aus der Sklaverei gekommen war ( sie werden ausziehen ). 2Mo 12,40 und Gal 3,17 berichten von 430 Jahren ägyptischer Sklaverei (von 1876 bis 1446). Offensichtlich werden in 1Mo 15,13 und Apg 7,6 mit der Angabe von 400 Jahren gerundete Zahlen genannt (vgl. den Kommentar zu Apg 7,6 und Gal 3,17 ).

Gott ist gerecht und wollte zulassen, daß die Sünde der Amoriter erst voll werden sollte, bevor er sie richtete ( 1Mo 15,16 ). (Vgl. den Kommentar zu den Amoritern in 1Mo 14,13-16 .) Gott duldete ihre Sünden, bis Israel und Josua Palästina einnahmen. So schloß die Erfüllung der Verheißungen Abrams ein Vergeltungsgericht an den Bewohnern des Landes Kanaans mit ein. Abrams Samen würde eines Tages das Land besitzen, aber nicht eine Stunde bevor es die absolute Gerechtigkeit erforderlich machte. Gott mußte vieles tun, bevor er seine Verheißung erfüllen konnte. Das schloß auch mit ein, sein Volk zu erziehen, um es darauf vorzubereiten, die Verheißung zu empfangen. Es war ebenso schrecklich für Abram, dies alles im voraus zu erkennen, wie die Raubvögel zu sehen.

 

1Mo 15,17-21


Nach Sonnenuntergang offenbarte sich Gott selbst in Verbindung mit dem Bild eines Ofens ( rauchender Feuerofen ) und einer Feuerflamme, zwei Elementen, die mit dem Opferritual im Alten Orient in Zusammenhang standen. Diese Bilder waren Teil des Motivs des »Brennens«, das Gottes Eifersucht und Gericht in der Welt beschreibt. Feuer steht sowohl für die verzehrende, reinigende Eifersucht Jahwes als auch für seine unnahbare Heiligkeit, die miteinander zusammenhängen (vgl. Jes 6,3-7 ). In der Dunkelheit ( 1Mo 15,17 ) erkannte Abram nichts in dem Erscheinungsbild außer den brennenden Elementen, die zwischen die Stücke der geschlachteten Tiere hineinfuhren. Der heilige Gott strebte danach, die Völker zu richten und die Verheißung seines Bundes an Israel zu erfüllen. Er fuhr herab und schloß (wörtl. »schnitt«) einen förmlichen Vertrag ( einen Bund ) mit Abram (den Abramsbund). Weil Gott bei keinem größeren »schwören« (den Bund bekräftigen) konnte, »schwor er bei sich selbst« ( Hebr 6,13 ). Oder anders gesagt, war dies ein einseitiger Bund. Deswegen waren seine Zusicherungen auch absolut sicher.

Gott bezeichnete die geographischen Grenzen des Landes Israel noch näher - von dem Strom Ägyptens (Wadi el-Arisch, nicht der Nilfluß) bis an den großen Strom, den Euphrat . Israel hat nie dieses Land in seiner Ganzheit besessen. Es wird es aber besitzen, wenn Christus wiederkommt, um als Messias zu regieren. Die aufgeführten kanaanitischen Stämme ( 1Mo 15,19-21 ) wurden später bei der Eroberung vertrieben.

Für Abram war die Botschaft Gottes deutlich: trotz der Aussicht auf Leiden und Tod (Sklaverei in Gefangenschaft) sollten seine Nachkommen die Verheißungen empfangen, weil Gott sie zugesichert hatte. Dadurch würde Israel bei seinem Auszug Ermutigung erfahren, so wie auch in folgenden Zeiten des Kummers und Elends und sogar während der babylonischen Gefangenschaft. Gottes feierlicher Bund versicherte dem auserwählten Volk die schließliche Erfüllung seiner Verheißungen trotz der Zeiten von Leiden und Tod.

Israel würde auch der Parallele bei Beginn der Erzählung Aufmerksamkeit schenken. Vgl. »Ich bin der Herr [ Jahwe ], der dich aus Ur in Chaldäa geführt hat«, V. 7 , mit 2Mo 20,2 : »Ich bin der Herr [ Jahwe ], dein Gott, der dich aus Ägyptenland... geführt hat.« Das gab Israel die Zusicherung, daß trotz Widerstand und Gefangenschaft Gott ihre Unterdrücker richten und seine Verheißungen erfüllen würde.

Diese Stelle ermutigt auch die neutestamentlichen Gläubigen. Gott versichert feierlich, daß er seine Verheißungen über Errettung und all die Segnungen, die dieses Leben betreffen (vgl. 2Pet 1,3-4 ), erfüllen wird; trotz Widerstand, Leiden und sogar Tod. Er hält, was er verspricht.

Das erste Buch Mose

2. Gott schafft Abraham die verheißene Nachkommenschaft. Abrahams Glaube wächst durch Prüfungen
( 16,1-22,19 )


Dieser Erzählzyklus berichtet von dem Kampf, den der Erzvater Abram durchzustehen hatte, während er auf die Erfüllung der Verheißungen Gottes wartete. Er strauchelte bisweilen, aber sein Glaube zeigte sich schließlich deutlich.



a. Der Mangel an Glauben und die Geburt Ismaels
( 1Mo 16 )


Obgleich der Glaube Abrams sich zeigte und geprüft wurde, erfüllten sich die Verheißungen Gottes doch nur zögernd. In schwachen Momenten weicht man auf andere Pläne aus, Pläne, die nicht vom Glauben gekennzeichnet sind. Die menschlichen Bemühungen, bei der Erfüllung der göttlichen Verheißungen mitzuhelfen, machen die Sache schwieriger. Später sollte Israel erfahren, daß die ohne Gott ausgeführten Dinge die Lage nur schwieriger machten.



1Mo 16,1-6


Sarai war unfruchtbar, und nach aller menschlichen Kalkulation konnte der Erbe der Verheißung gar nicht von ihr geboren werden. Diese Tatsache brachte das fragwürdige Handeln von Abram und Sarai in Bewegung. Abram lernte jedoch, daß Gottes Verheißung nicht auf diesem Wege erfüllt werden würde.

Nach den Gesetzesbräuchen jener Tage konnte eine unfruchtbare Frau ihre Magd ihrem Ehemann als Ehefrau geben, und das aus dieser Verbindung hervorgehende Kind wurde als das erstgeborene Kind der Ehefrau betrachtet. Wenn der Mann zu dem Sohn seiner Ehefrau-Magd sprach: »Du bist mein Sohn«, wurde er Adoptivkind und Erbe. Also war Sarais Vorschlag nach den Gebräuchen jener Zeit einwandfrei. Aber Gott verwirft häufig die Gebräuche einer Gesellschaft.

Der Plan Sarais, mit Abrams Billigung durchgeführt, nahm jedoch eine bittere Wendung, als die ägyptische Sklavin Hagar schwanger wurde . Hagar begann, Sarai zu verachten. Beide Frauen mögen sich gefragt haben, was aus Abrams Nachkommen werden würde. Würde Hagar ihn bekommen? Infolge des Konfliktes zwischen den Frauen klagte Sarai Abram für die Schwierigkeiten an. Er wies sie an, so zu handeln, wie sie wollte. Sarai demütigte ( ZAnCh ; vgl. den Kommentar zu diesem Wort zu 1Mo 15,13 ) Hagar, so daß diese floh ( 1Mo 16,6 ).

Nun war Abram, der wie Adam dem falschen Rat seiner Frau gefolgt war ( 1Mo 3,17 ), mitten in der Sache gefangen.



1Mo 16,7-16


Die Geschichte hat sowohl eine schlechte Seite (Sarai hatte ihre Magd gedemütigt) als auch eine gute ( der Engel des Herrn sprach zu Hagar in der Wüste ).

Es ist unschwer zu erkennen, was an dieser Geschichte nicht in Ordnung war. Als der Weg des Glaubens (der das geduldige Warten miteinschließt) einmal verlassen und der Weg der menschlichen Kalkulation eingeschlagen worden war, wurde Abram in eine Kette von Ursache und Wirkung gefangen, die ihm in den kommenden Jahren viele Schwierigkeiten bereiten sollte. (Ismael wurde der Vorfahre der Araber, die bis heute die Feinde der Juden sind.)

Der Engel des Herrn fand die Magd in der Wüste bei einer Wasserquelle am Weg nach Schur (vgl. 1Mo 25,18 ) auf dem Weg in ihre Heimat, Ägypten. Dies ist einer der vielen Hinweise im AT auf den »Engel des Herrn« (wörtl. »der Engel Jahwes«). Dieser Engel wird in 1Mo 16,13 mit Jahwe gleichgesetzt, ebenso in 1Mo 22,11-12; 31,11.13; 48,16; Ri 6,11.16.22; 13,21-23; Sach 3,1-2 .Dennoch unterscheidet sich der Engel des Herrn von Jahwe ( 1Mo 24,7; 2Sam 24,16; Sach 1,12 ). Der »Engel des Herrn« könnte sich also auf eine Gotteserscheinung des noch nicht fleischgewordenen Christus beziehen (vgl. 1Mo 18,1-2; 19,1; 4Mo 22,22; Ri 2,1-4; 5,23; Sach 12,8 ).

Nachdem der Engel Hagar zwei Fragen gestellt hatte ( Wo bist du hergekommen, und wo willst du hin? ), gab Gott ihr zwei sichere Antworten: Eine war eine Ermahnung - kehre um und demütige dich ( 1Mo 16,9 ) -, und eine war ein Versprechen - sie sollte einen Sohn gebären (V. 10-12 ). Sie nannte Gott einen, der mich sieht (V. 13 ), und zum Gedenken an das Ereignis nannte sie den Brunnen an diesem (uns nicht bekannten) Ort Beer Lahai Roi (»Brunnen des Lebendigen, der mich sieht«; vgl. 1Mo 24,62; 25,11 ).

In 1.Mose enthalten häufig die allgemein bekannten Ethymologien (Herkunftsbedeutungen) bereits eine Botschaft. Es handelt sich um rhetorische Kunstgriffe, die aus einem Ereignis die Erklärung eines Namens ableiten. So war der Name eine Gedächtnishilfe, um Ereignisse und ihre Bedeutung in Erinnerung zu rufen. In diesem Abschnitt bilden zwei allgemein bekannte Herleitungen nicht nur den Höhepunkt, sondern die Spitze der ganzen Erzählung. Gott selbst nannte den Knaben Ismael und erklärte dies anschließend: denn der HERR hat dein Elend erhört ( 1Mo 16,11 ). Natürlich bezog er das in erster Linie auf Hagar, aber es traf ebenso auf Abram und Sarai zu.

Die andere Namensgebung war der von Hagar verwendete Gottesname »der, der (nach mir) sieht«, d.h., der, der nach ihr ausschaut. So findet man in diesen zwei Namen eine Welt der Theologie: Gott hört und Gott sieht. Der Ort wurde später zu einem heiligen Ort, an dem Gott gefunden werden konnte, an dem er für sein Volk sorgte und die Schreie seines Volkes hörte.

Die Namen enthalten eine Botschaft. Gott sprach in unmittelbarer Offenbarung, und Hagar antwortete im Glauben. Gott sieht den Kummer und das Elend, und er hört . Sarai sollte das gewußt haben. Weil Gott wußte, daß Sarai unfruchtbar war, hätte Sarai zum Herrn schreien sollen. Stattdessen mußte sie auf schwerem Weg ihre Lektion lernen - und zwar aus der Erfahrung mit einer verachteten Sklaven-Frau, die ironischerweise mit einer Glaubenserfahrung zurückkehrte. Wie sehr mußte Abram sich gerügt sehen, als Hagar erzählte, Gott habe sie geheißen, ihren Sohn Ismael, »Gott hört« , zu nennen.

In großem Kummer (hier die Unfruchtbarkeit Sarais) muß sich der Mensch zum Herrn kehren, weil er die Bekümmerten hört, sie in ihrer Not sieht und auf wunderbare Weise seine Verheißungen erfüllen wird. Durch menschliches Eingreifen können sie nicht herbeigezwungen werden. Einer unfruchtbaren Frau Kinder zu bescheren ist das Werk Gottes ( Ps 113,9 ). Auch Lea hat später erfahren, daß Gott ihren Kummer gehört hat. Deshalb nannte sie ihre Söhne Ruben und Simeon ( 1Mo 29,32-33 ). Sarai stand noch immer der Weg offen, nach ihrem Glauben zu handeln.

So sorgte Gott für die schwangere Frau, die in die Wüste hinausgestoßen worden war. Gott verhieß, daß Hagar eine Stammutter werden würde. Ihr Sohn sollte der Vater eines großen Stammes der wilden, feindseligen Menschen werden (vgl. 1Mo 25,18 ), die in der Arabischen Wüste lebten ( 1Mo 25,12-18 ). Aber sie waren nicht die verheißenen Nachkommen, sie komplizierten die Dinge lediglich. Sarais Sünde verursachte die Entstehung der Ismaeliten, eine Ernte, die noch immer eingefahren wird. Tatsächlich wurde später der Urenkel Sarais, Josef, von Ismaeliten nach Ägypten verschleppt ( 1Mo 37,28 ).

Die Lehre für Sarai, Abram, Hagar, Israel und alle Gläubigen ist deutlich: Die Diener Gottes sollen seinen Worten vertrauen und auf ihre Erfüllung warten, indem sie geduldig bis zum Ende ausharren. Es wird in 1.Mose immer klarer, daß jeder Mensch und jedes Volk, das seine Existenz der Erwählung Gottes verdankt, im Glauben leben soll. Menschliche Anstrengungen werden keine Hilfe bringen. Aber die gute Botschaft für Gottes Volk ist, daß der lebendige Gott sieht und hört.



b. Die Verheissung eines Nachkommen wird durch einen Namen und ein Zeichen bestätigt
( 1Mo 17 )


Dieses Kapitel berichtet (a) von Gottes Zusicherung seiner Verheißungen, indem die Namen Abrams (V. 1-8 ) und Sarais (V. 15-18 ) abgewandelt werden, (b) von Gottes Einsetzung der Beschneidung als ein Zeichen des Bundes (V. 9-14 ), (c) von Gottes verläßlichem Wort hinsichtlich der Erfüllung der Verheißungen durch Sara (V. 19-22 ) und (d) von Abrahams Gehorsam (V. 23-27 ).

In den ersten drei Abschnitten dominiert Gott als Handelnder: Er verheißt Abram einen Sohn und nennt ihn Isaak. Er gibt Abram und Sarai neue Namen, um darin die Verheißung widerzuspiegeln, und er setzt das Zeichen ein.



1Mo 17,1-8


Gottes Verheißungen an Abram wurden immer großartiger. Er ist Gott, der Allmächtige, und ist vollkommen imstande, alle seine Verheißungen zu erfüllen. (Hier taucht zum ersten Mal im AT der Titel »Gott, der Allmächtige« auf [ ?El Sadday ], der in 1.Mose mehrfach gebraucht wird, 1Mo 17,1; 28,3; 35,11; 43,14; 48,3; vgl. 1Mo 49,25 ). Wissenschaftler haben angenommen, daß Sadday mit der Akkusativform von SadU verwandt ist, das Brust, Berg oder auch beides bedeuten kann. (Manche Wörter, die Körperteile beschreiben, wurden auch für geographische Gegebenheiten benutzt; so z.B. »Mund/Mündung« eines Flusses, »Fuß« eines Berges.) Sadday bezieht sich, wenn Gott es gebraucht, entweder auf seine Fähigkeit, reichlich zu versorgen (»der Überströmende«) oder auf seine majestätische Stärke (»der Allmächtige«). Gott sprach, du wirst der Vater vieler Völker sein ( 1Mo 17,4; vgl. »ein großes Volk«, 1Mo 12,2 ), und Könige werden von dir kommen ( 1Mo 17,6; vgl. V. 16 ). Gott sagte: Der Bund wird für ewig bestehen (V. 7 ). Auch das Land Kanaan, das Abram besitzen sollte ( 1Mo 15,7 ), sollte ein ewiger Besitz der Nachkommen Abrams sein.

Die Veränderung des Namens des Patriarchen war von großer Bedeutung. Abram ( 1Mo 17,5 ) bedeutete »erhabener Vater«, ging auf Terach zurück ( 1Mo 11,27 ) und deutete an, daß Abram aus königlichem Geschlecht stammte. Aber im Hebräischen klingt der Name Abraham ( ?aBrAhCm ) ähnlich wie » Vater vieler ( ?aB hXmNn ) Völker ( 1Mo 17,4-5 ). Sein neuer Name impliziert die Vorausschau auf seine Nachkommen.

Man kann sich gut vorstellen, daß Abram von dem unterdrückten Lächeln auf den Gesichtern seiner Männer verletzt war, als er ihnen mitteilte, sie sollten ihn von nun an Abraham nennen, was Vater vieler Völker bedeutete. Immerhin war er bereits 99 Jahre alt (V. 1.24 ). Dennoch wußte Abraham, daß Gott ihn nicht irregeführt hatte. Sein neuer Name und der neue Name seiner Frau waren die ständige Erinnerung an Gottes gewisses Wort. Immer wenn ihn jemand ansprach, konnte er sich Gottes Verheißung ins Gedächtnis rufen, bis schließlich Isaak, das Kind der Verheißung, ihn »abba« (Vater) nennen würde.

 

1Mo 17,9-14


Das andere den Bund bekräftigende Zeichen war die Beschneidung.

Dieses eine Zeichen galt für alle Männer, die an der Verheißung teilhatten. Im Nahen Osten wurde die Beschneidung früher auch an anderen Orten praktiziert, aber hier erhielt sie eine neue Bedeutung. Sie erinnerte Abraham und seine Nachkommen an den ewigen Bund (V. 13 ; vgl. V. 7.19 ). Durch dieses Symbol prägte Gott ihnen die Unreinheit der Natur und die Abhängigkeit von Gott bei der Hervorbringung neuen Lebens in das Gedächtnis. Sie sollten erkennen und sich daran erinnern: (a) die angeborene Unreinheit muß abgelegt werden, ganz besonders in der Ehe, und (b) die menschliche Natur ist nicht in der Lage, den verheißenen Samen hervorzubringen. Sie sollten ihrer Familie treu sein. Jeder Israelit, der sich weigerte, so beschnitten zu werden, sollte wegen seines Ungehorsams Gottes Geboten gegenüber ausgerottet werden aus seinem Volk (V. 14 ).

Auch an anderen Stellen bezieht sich die Heilige Schrift auf die Beschneidung als Symbol der Trennung, Reinheit und Treue zum Bund Gottes. Mose sagte, daß Gott die Herzen seines Volkes beschneiden werde, so daß sie ihn lieben werden ( 5Mo 30,6 ). Paulus schrieb, daß die »Beschneidung des Herzens« (z.B., indem man innerlich »durch den Geist« geheiligt ist) die Errettung und die Gemeinschaft mit Gott bezeugt ( Röm 2,28-29; vgl. Röm 4,11 ). Der Mensch muß im Vertrauen zu Gott und zu seinen Verheißungen umkehren und seine natürliche Stärke ablegen. Unglaube wird als »ein unbeschnittenes Herz haben« beschrieben ( Jer 9,25; Hes 44,7-9 ).



1Mo 17,15-18


Gott kündigte an, daß Sarai Sara genannt werden sollte. Dieser neue Name, obwohl er nur eine kleine Veränderung darstellt und »Prinzessin« bedeutet, paßte auf jemanden, dessen Same Könige (V. 16 ; vgl. V. 6 ) hervorbringen sollte. Als er dies hörte, lachte Abraham , weil es ihm unglaublich schien, daß eine unfruchtbare 90jährige Frau einen Sohn gebären sollte. Abraham hatte angenommen, daß seine Nachkommen aus Ismael hervorgehen würden.



1Mo 17,19-22


Dennoch gab ihm Gott die Zusicherung, daß Sara einen Sohn gebären würde, den man Isaak nennen sollte, was »er lacht« bedeutet (V. 19 ). Dieser Name sollte eine ständige Erinnerung daran sein, daß man über ein Wort von Gott gelacht hatte. Ismael war dennoch nicht in Vergessenheit geraten, denn Gott hatte gesagt, daß auch er viele Nachkommen haben würde. Sogar die Zahl der Söhne Ismaels - 12 - wurde vorhergesagt. Ihre Namen werden in 1Mo 25,13-15 genannt.



1Mo 17,23-27


Dennoch gehorchte Abraham, der das Wort Gottes bezüglich Isaak empfangen hatte, sofort dem Gebot der Beschneidung und brachte damit seinen Glauben an Gottes Wort zum Ausdruck. Abraham wurde im Alter von 99 Jahren beschnitten , Ismael mit 13 Jahren und alles männliche in der Sippe des Patriarchen, und alles männliche, sei es, daß es dort geboren oder aus der Fremde hergebracht worden war, wurde auch beschnitten .



c. Die Verheissung des Nachkommens wird durch einen Besuch bestätigt
( 18,1-15 )


1Mo 18,1-8


Drei Männer suchten Abraham nahe den großen Bäumen von Mamre bei Hebron auf (vgl. 1Mo 13,18; 14,13 ), um zu bestätigen, daß die Zeit der Erfüllung der Verheißung herangekommen war. Diese drei Männer waren der HERR ( 1Mo 18,1.10.13; vgl. den Kommentar zum »Engel des Herrn« zu 1Mo 16,7 ) und zwei Engel. Obwohl man sicher rechtfertigen könnte, hierin eine Lehre zum Thema Gastfreundschaft zu sehen, suchten die Engel mit Sicherheit Abraham nicht auf, um ihm diese beizubringen. Warum näherte sich der Engel des Herrn Abraham in dieser Weise? Warum gebrauchte Gott nicht ein Orakel, eine Vision oder eine Stimme? Vielleicht sollte es eine Prüfung für Abraham und die Sodomiter sein. Der moralische Zustand von Abraham und Sodom wurde vielleicht durch ihre unterschiedliche Behandlung der Fremden angedeutet. Der friedliche, ruhige Besuch Abrahams stand in krassem Gegensatz zu Sodoms Ausbrüchen von Brutalität und Unmenschlichkeit (vgl. die 1Mo 18-19 ).

Es ist jedoch wahrscheinlicher, daß die Besucher Abrahams die Botschaft der engen Gemeinschaft mit Gott überbringen sollten. Das gemeinsame Essen war für Gemeinschaft, Friedensangebote und Verträge wichtig. Als der Herr die Erfüllung seiner Bundesverheißung näher bestimmen wollte, kam er selbst und aß in Abrahams Zelt. Nichts hätte ihre enge Beziehung zueinander bezeichnender herausstellen können.

Abraham eilte ihnen entgegen ( 1Mo 18,2 ), eilte zurück zum Zelt (V. 6 ), rannte zu der Herde (V. 7 ), und seine Knechte beeilten sich (V. 7 ) ebenfalls. Abraham verneigte sich vor den Engeln (V. 2 ), ließ Wasser bringen, ihre Füße zu waschen (V. 4 ), servierte ihnen frisch gebackenes Brot (V. 6 ), ein zartes Kalb (V. 7 ), Butter und Milch (V. 8 ), und stand vor ihnen, während sie aßen (V. 8 ; vgl. V. 1-2 ). All das weist darauf hin, daß Abraham begriffen hatte, wer seine Besucher waren.

Das erste Buch Mose

1Mo 18,9-15


Nach der Mahlzeit kündete einer der Engel an, daß Sara in einem Jahr einen Sohn gebären werde. Dieser Engel des Herrn war zweifellos der Herr selbst (vgl. 1Mo 16,7 ). Der Gedanke daran schien Sara lächerlich zu sein, und sie lachte in ihrem Herzen. Die Antwort des Herrn tadelte Sara: Sollte irgend etwas dem HERRN unmöglich (besser: zu »wunderbar«) sein ?

Grundsätzlich ist dieser Bericht ein Aufruf, zu glauben, daß Gott das Unmögliche tun kann. Gott bestätigte seine Verheißung durch einen persönlichen Besuch - er aß mit ihnen -, um anzukündigen, daß die Zeit greifbar nahe war. Es war die Ankündigung einer menschlich gesprochen unmöglichen Geburt. Wenn etwas so Unglaubliches verkündet wird, ist die Reaktion des Menschen oft dementsprechend: wie Sara nehmen sich die Menschen nicht mehr in acht, lachen und leugnen dann aus Angst, daß sie gelacht haben ( 1Mo 18,15 ). Aber Gott kennt das Herz des Menschen und weiß auch, daß Christen häufig unsicher werden, ob Gott auch das tun kann, was er angekündigt hat.

Ist ein Kind aus einem erstorbenen Leib zu wunderbar für den, der alle Dinge geschaffen hat? Da gibt es nichts zu lachen. Er kann es tun. Nichts ist unglaublich für die, die in der Gemeinschaft des Bundes mit dem Herrn leben, weil nichts für ihn zu schwer ist.



d. Abrahams Fürbitte für die Menschen in Sodom
( 18,16-33 )


Das vorherrschende Thema dieser Erzählung, das aus den vorhergehenden Versen erwächst (V. 9-15 ), ist die Gerechtigkeit. Sicher ist Gott in der Lage, das zu tun, was er tun möchte, aber wird das gerecht sein? Die Antwort liegt auf der Hand und wird durch die Antworten Gottes auf Abrahams Bitten deutlich.



1Mo 18,16-21


Dieser Abschnitt enthält das Selbstgespräch des Herrn über sein Gericht über die Städte der Ebene, deren Hauptstadt Sodom war. Interessanterweise hatte Gott zwei Beweggründe dafür, seinen Plan offenzulegen: (1) Alle Völker sollten durch Abraham gesegnet werden. Deshalb teilte Gott ihm mit, daß eine Stadt (Sodom) weggeschafft werden sollte, bevor sie überhaupt durch ihn gesegnet werden konnte. (2) Abraham sollte seine Nachkommen Geradheit und Gerechtigkeit lehren ( was recht und gut ist , V. 19 ), so daß sie sich an Gottes Segnungen erfreuen könnten.

Weil die Schreie der Menschen gegen die schlimmen Sünden von Sodom und Gomorra so groß waren , ging der Herr selbst, um zu sehen, ob es so schlimm sei. (Natürlich kannte er in seiner Allwissenheit die Sünden von Sodom und Gomorra, aber er wollte ihnen seine Gerechtigkeit offenbar machen.) Wenn die Sünde dieser Menschen »voll« wäre, sollten sie gerichtet werden.



1Mo 18,22-23


Sollte Gott den Gerechten mit dem Ungerechten auslöschen? Abraham war überzeugt, daß es in Sodom Gerechte gab - er bat nicht nur für Lot - und bat deshalb für Sodom aufgrund der Gerechtigkeit Gottes.

Durch diese Fürbitte wird der großartige Charakter Abrahams offensichtlich. Er bat, daß alle in den Städten - die Gottlosen wie auch die Gerechten - wegen der Gerechten verschont würden (V. 23 ). Vorher hatte er persönlich diese Menschen im Krieg gerettet ( 1Mo 14,16 ). Nun setzte er sich mit derselben Kühnheit, Beharrlichkeit und Großherzigkeit für sie ein, mit der er auch für sie gekämpft hatte. Abrahams »Handel« mit Gott verwirrt manche Leser. Aber Abrahams Bitten wurden, obwohl sie kühn waren, mit echter Demut und tiefer Ehrerbietung vorgetragen. Um der Gerechtigkeit willen setzte er sich für sie ein: Errettung für Sodom, wenn es dort 50...45...40...30 ...20 oder nur 10 Gerechte gäbe ( 1Mo 18,24-32 ). Abraham versuchte nicht, Gott zu etwas zu bewegen, was gegen dessen Willen gewesen wäre. (Dennoch war das Gebet Lots für Zoar ein echter Gegensatz; 1Mo 19,18-23 ).

Das Thema Gerechtigkeit herrscht hier also vor: die, die sich an Gottes Segnungen erfreuen werden, sollen (a) Gerechtigkeit lehren ( 1Mo 18,19 ); (b) sie dürfen für ein gerechtes Gericht eintreten, um die Gerechten zu bewahren; und (c) wissen, daß Gott die Gottlosen um der Gerechten willen bewahren kann. Bestimmt lernte Israel hierdurch, daß Gott ein gerechter Richter ist, daß Gerechtigkeit ein Volk erhöht (vgl. Spr 14,34 ) und daß die Gerechten die Gesellschaft erhalten helfen (vgl. Mt 5,13 ). Diese Wahrheiten sollten für Israel von ebenso großer Bedeutung sein wie für Abraham , der sie in mitleidsvoller Fürbitte angewendet hatte.



e. Das Gericht über die Städte der Ebene
( 1Mo 19 )


Dieses Kapitel berichtet von dem Gericht Gottes über eine moralisch bankrotte kanaanitische Zivilisation, enthält aber auch eine ernste Warnung für andere, nicht genauso wie diese zu werden: es war schwierig, Lot aus Sodom und Sodom aus Lots Familie herauszubekommen.

Lot war ein rechtschaffener Bürger, gastfreundlich und großzügig (V. 2-3 ) und ein Führer der Gemeinschaft. In der Tat war er ein Richter, denn er »saß unter dem Tor der Stadt« (V. 1 ; vgl. V. 9 ). Die Richter saßen gewöhnlich an den Stadttoren, öffentlichen Toren ( Hi 29,7.12-17 ), wo rechtliche Angelegenheiten und geschäftliche Transaktionen endgültig beschlossen wurden (vgl. 1Mo 23,18 ). Als Richter versuchte Lot, die Gottlosigkeit der Stadtbevölkerung zu beseitigen und Ratschläge für einen guten Lebenswandel zu geben. Er kannte Wahrheit und Gerechtigkeit, Geradheit und das Böse. Er war ein »Gerechter« ( 2Pet 2,7-8 ).

Trotz der öffentlichen Verurteilung ihrer Lebensweise mochte Lot dennoch das angenehme Leben der Gesellschaft Sodoms. Er zog es vor, sein Geld mit den Bewohnern der Stadt zu machen, anstatt in den Bergen zu wohnen (vgl. 1Mo 13,10-11 ), wo es kein schmutziges Leben, aber auch kein »gutes Leben« gab.

Die Stunde der Wahrheit kam mit dem Besuch aus der Höhe. Lot war scheinbar gottesfürchtig und rein, aber er war ein Heuchler. Man nahm dort seine Worte nicht ernst ( 1Mo 19,14 ). Der »Heilige« schlug zuerst sein Zelt nahe bei Sodom auf, aber später übte Sodom Kontrolle über sein Leben aus. Er war ein moralischer Mann, weil er Sodomie und Homosexualität ablehnte; er erlebte viel Böses, wenn er es sah. Aber ironischerweise war er bereit, die Jungfernschaft seiner Töchter zu opfern, um die Lasterhaftigkeit der Männer Sodoms abzuwehren (V. 8 ). Er entging dem Gericht durch die Gnade Gottes, aber sein Herz war in Sodom. Seine Frau war der Stadt zu sehr zugetan, um dem Ruf der Gnade zu folgen, und seine Töchter hatten keine Bedenken, mit ihrem betrunkenen und nackten Vater sexuellen Verkehr zu haben (V. 30-35 ).

Solange der Herr Lot alleine ließ, wollte er versuchen, den Glauben zu bekennen, während er zur selben Zeit in Sodom lebte. Letzten Endes konnte er nicht beides haben. Sodom hätte ihn zerstört, wenn der Herr nicht Sodom zerstört hätte.



1Mo 19,1-14


Die zwei Engel (vgl. 1Mo 18,2.22 ) waren widerstrebende Gäste bei Lot . Trotz der Gastfreundschaft Lots, wollten sie lieber im Freien übernachten. Aber als die Engel in Lots Haus waren, umringten alle Männer der Stadt das Haus. Sie wollten sexuellen Verkehr mit Lots Besuchern haben (wörtl. sie [sexuell] »erkennen«). Sie wollten eine homosexuelle Beziehung mit den beiden, die sie für Männer hielten. Als Engel hatten sie sicher eine stattliche Gestalt. Die Schändlichkeit der Männer paßte überraschenderweise zu der Heuchelei Lots, denn er war bereit, ihnen seine jungfräulichen Töchter zu geben ( 1Mo 19,8 ). Seinen Gast zu schützen war Bestandteil der Gastfreundschaft, aber das ging doch zu weit! Lots Einsatz für das Gute (V.7) war nun verschwendet, als die Sodomiter eine andere Seite ihres Richters erkannten (V. 9 ). Er könnte ebensogut gespottet haben. Die Engel zogen Lot zurück ins Haus, schlugen die Männer vor der Tür mit Blindheit und befahlen Lot, hinauszugehen , weil sie die Stadt zerstören wollten. Als Lot das den Verlobten seiner beiden Töchter mitteilte, glaubten sie ihm nicht.



1Mo 19,23-29


Brennenden Schwefel ließ der Herr in einer großen Vernichtung auf die verdorbenen Städte und die ganze Ebene regnen (V. 24-25 ). Manche Ausleger nahmen an, daß Schwefellager in der Erde ausbrachen (vgl. die »Erdharzgruben« in 1Mo 14,10 ) und dann vom Himmel in Feuerflammen herabregneten (vgl. Lk 17,29 ). Lots Frau sah absichtlich zurück und wurde in eine Salzsäule verwandelt, ein Denkmal ihres Ungehorsams. Der dichte Rauch ( 1Mo 19,28 ), den Abraham sah, wurde von dem brennenden Schwefel hervorgerufen (V. 24 ). Obwohl Gott die Sünder in den Städten der Ebene richtete, gedachte er Abrahams, erinnerte sich also der Bitte Abrahams ( 1Mo 18,23-32 ) und rettete Lot aus der Katastrophe.



1Mo 19,30-38


Dieser abschließende Abschnitt berichtet von dem Handeln der beiden Töchter Lots in einer Berghöhle. Lot hatte Angst gehabt, in die Berge zu fliehen (V. 19 ), so daß er sich stattdessen nach Zoar wandte (V. 22 ). Aber nun verließ er ironischerweise Zoar, um in den Bergen in einer Höhle zu leben (V. 30 ). Was für ein Gegensatz zu der »fortschrittlichen Zivilisation« ( Lk 17,28 ) der Stadt Sodoms, die er verlassen hatte.

Die beiden Töchter, die ihre Heiratschancen nunmehr als sehr gering betrachteten ( 1Mo 19,31 ) und deren Verlobte in der Katastrophe bei Sodom umgekommen waren, machten ihren Vater betrunken und hatten sexuellen Verkehr mit ihm (V. 32-35 ). Ihr Inzest macht den Einfluß Sodoms auf sie deutlich. Sie brachten zwei Knaben, Moab und Ben-Ammi zur Welt, deren Nachfahren die Moabiter und Ammoniter wurden (V. 36-38 ), beständige Feinde Israels. »Moab« klingt wie »vom Vater« und »Ben-Ammi« bedeutet »Sohn meines Blutsverwandten«. Diese Wortableitungen ließen für Israel den schändlichen Ursprung ihrer bösen Feinde ständig fortbestehen.

Vier Hauptmotive befinden sich in diesem Kapitel: Gottes schnelles Gericht über die schändlichen Kanaaniter, Lots enge Bindung an die verdorbene Gesellschaft, Gottes gnädiges Verschonen Lots vom Verderben und die »Neugeburt von Sodom« in der Höhle.

Durch diese Begebenheiten konnte Israel erkennen, daß, wenn Gott ein Volk hart richtet, er gerecht ist, weil er ihre große Sünde bestraft.

Israel konnte auch aus der Torheit lernen, der Verdorbenheit Kanaans nicht so sehr zugetan zu sein.

Wie sollte man denn leben, wenn man weiß, wie Gott mit den Kanaanitern verfuhr? Die Lehre liegt auf der Hand: »Habt nicht die Welt lieb noch was in der Welt ist... [denn] die Welt vergeht mit ihrer Lust...« ( 1Joh 2,15.17 ) unter dem Gericht Gottes. Es ist gefährlich und töricht, dem gegenwärtigen, verdorbenen Weltgefüge anzuhängen, da es der raschen und plötzlichen Vernichtung durch Gott entgegengeht.

Jesus nahm Bezug auf 1Mo 19,26 ,um vor der kommenden Vernichtung des ungläubigen Israel zu warnen: »Denkt an Lots Frau!« ( Lk 17,32 ) Wenn Christus wiederkommt, sollen die Menschen nicht zurückschauen, wie es die Frau Lots getan hatte ( Lk 17,30-31 ). Wenn ein Ungläubiger sich nach dem Besten dieser Welt sehnt, wird er beides verlieren, diese Welt (weil sie vergeht) und das Leben in der zukünftigen Welt ( Lk 17,33-37 ).

Jesus sagte auch, daß, wenn er die Wunder, die er in Kapernaum getan hatte, in Sodom vollbracht hätte, die Sodomiter umgekehrt wären ( Mt 11,23 ). »Es wird dem Land der Sodomer erträglicher ergehen am Tag des Gerichts als dir« ( Mt 11,24 ). Das bedeutet, daß Gott gemäß dem Wissen und der Verantwortung des Menschen richtet und daß die Sünder ein größeres Gericht erwartet als nur ihre physische Vernichtung.

 

f. Der Betrug Abrahams vor Abimelech
( 1Mo 20 )


Diese Geschichte berichtet von Gottes gnädiger Bewahrung seines Volkes. Die Betonung liegt aber auf der Reinheit, besonders auf der Bewahrung der Reinheit Saras. Für die Erfüllung der Verheißung ist die Ehe wichtig: Die Teilhabe an den verheißenen Segnungen Gottes fordert die Trennung von der Verderbtheit der Welt.

Sündhaftigkeit und Glaubensschwäche führten zu einer Bedrohung der verheißenen Segnung. Es ist ein trauriger Kommentar hinsichtlich des Mangels an Glauben, wenn Gott den Menschen immer wieder von seiner eigenen Sünde erretten muß.



1Mo 20,1-7


Früher hatte Gott Abram durch Plagen aus Ägypten errettet, als er die Lüge von Sarai als seiner Schwester vorgebracht hatte ( 1Mo 12 ). Hier erzählte Abraham aus Angst ( 1Mo 20,11 ) Abimelech, dem König von Gerar , wieder dieselbe Lüge über Sara ( 1Mo 20,2 ). Später hat Isaak genau dasselbe bei einem anderen Abimelech getan ( 1Mo 26,1-11 )! Gerar lag nahe der Küste, etwa 20 km südlich von Gaza und etwa 85 km südlich von Hebron, im Land der Philister ( 1Mo 21,34 ). Als Abimelech Sara zu sich genommen hatte, warnte ihn Gott durch einen Traum ( 1Mo 20,3 ) und durch die Unfruchtbarkeit seiner Frau und Sklavinnen (V. 17-18 ), daß diese Frau verheiratet war.

Wir finden hier ein passendes Wortspiel. Abraham hatte gebetet, daß der Gerechte nicht umkommen solle mit dem Gottlosen ( 1Mo 18,23-32 ). Die Worte Abimelechs wiederholen dasselbe Anliegen: Herr, wirst du ein unschuldiges Volk vernichten? Der Tadel in diesem Ausdruck muß für Abraham eindrucksvoll gewesen sein.

Als Abimelech Gott seines reinen Gewissens in dieser Sache versicherte, befahl ihm Gott, Sara zurückzubringen und Abraham, den Propheten ( nABI? ; dieses Wort taucht hier zum ersten Mal im AT auf), den Sprecher Gottes, aufzufordern, für Abimelech zu beten. Einzig das Gebet des Patriarchen rettete das Leben des Königs.

Gott tadelte Abimelech nicht, aber mit Sicherheit machte er ihm die Ernsthaftigkeit der Warnung klar: er sollte keinen Ehebruch begehen, weil das ein schweres Vergehen war ( 1Mo 20,7 ). Die Wortwahl nimmt offensichtlich das entsprechende Gebot des Dekalogs vorweg ( 2Mo 20,14 ). Gott hatte Abraham und Sara zusammengefügt, so daß sie gemeinsam einen von Gott gekommenen Nachkommen hervorbringen sollten. Das war grundlegend für den Bund.

Beide Errettungen des Patriarchen bewahrten Saras Reinheit und ließen die Verheißung unangetastet. Der erste Vorfall ( 1Mo 12 ) geschah allerdings außerhalb des verheißenen Landes und spiegelte deutlicher den Kampf des Volkes um Leben und Tod in Ägypten wider, so wie es Gott später auch aus Ägypten erretten und erlösen würde. Das zweite Ereignis ( 1Mo 20 ) geschah innerhalb des Landes und stellte ein Ereignis dar, in welchem Gott Saras Ehe und dadurch seine Verheißung schützte. Gott ist der Herr über die Geburt; er greift wunderbar ein; er öffnet und verschließt den Leib (V. 17-18 ). Kein bloßer menschlicher Machthaber kann den Plan Gottes durchkreuzen.



1Mo 20,8-18


Obwohl Gott Abimelech nicht getadelt hatte, erteilte Abimelech Abraham einen Verweis. Der König sprach von großer Schuld, die das Handeln Abrahams über ihn gebracht habe (V. 9 ) und er sprach zu Sara von seiner (Abimelechs) Übertretung ihr gegenüber (V. 16 ).

Er sah ein, daß sein Vorhaben, Sara in seinen Harem aufzunehmen, falsch gewesen war. So ließ er davon ab und gab dem Patriarchen Vieh ( Schafe und Rinder ; vgl. 1Mo 21,27 ) und Sklaven ( 1Mo 20,14 ) und gestattete ihm, in seinem Land zu leben (V. 15 ). Er gab Abraham (den er Saras Bruder genannt hatte!) tausend Schekel Silber (V. 16 ).

Die Tatsache, daß Gott die Zerstörung der Ehe Abrahams durch Ehebruch verhindert hatte, unterstrich die Tatsache, daß die Israeliten ihre Ehen nicht zugrunde richten sollten. Hier lag die Betonung auch auf der Bewahrung vor einer Mischehe mit einem Heiden. Die Frau eines anderen Mannes nehmen ist eine Sache auf Leben und Tod. Gott bestraft eine solche Sünde.

So war also die Botschaft ganz deutlich: Gott wollte nicht die Mischehe mit Heiden - und zwar ganz besonders, wenn Ehebruch oder Scheidung mit im Spiel waren. Israel hat sich nur selten daran erinnert (vgl. Mal 2,10-17 ).



g. Die Geburt Isaaks und die Austreibung Ismaels
( 21,1-21 )


1Mo 21,1-7


Gott gab das Kind der Verheißung Abraham und Sara ... zu der Zeit, zu der es Gott versprochen hatte (vgl. 1Mo 18,10 ). Sie antworteten darauf im Glauben, indem sie (a) es Isaak nannten ( 1Mo 21,3 ), (b) es gemäß des Bundes (V. 4 ; vgl. 1Mo 17,9-14 ) beschnitten und (c) Gott für die unbegreifliche Erfüllung priesen ( 1Mo 21,6-7 ).

Der Name Isaak (»er lacht«) wird in diesem Abschnitt geschickt erklärt. Sara sagte, daß Gott ihr ein Lachen , also Freude, gegeben habe (V. 6 ). Ihr Lachen des Unglaubens ( 1Mo 18,12 ) war nun verwandelt worden in die Freude über ihren Sohn. Jeder, der davon hörte, würde darüber lachen, d.h. sich mit ihr freuen. Aber Ismael kehrte ihr Lachen in beißenden Spott (vgl. den Kommentar zu 1Mo 21,9 ) über das Werk Gottes.



1Mo 21,8-13


Gott benutzte diesen Vorfall, daß Ismael sich über Isaak lustig gemacht hatte, um das Kind Ismael und Hagar (V. 10 ) zu vertreiben, da sie für den verheißenen Nachkommen eine Bedrohung sein würden. Das Wort »scherzen« ist im Hebr. m+QaH (»lachen« oder »scherzen«), von dem »Isaak« ( yiQHAq ) herkommt. Vorher hatte Sara Hagar gedemütigt ( 1Mo 16,6 ), nun demütigte der Sohn Hagars den Sohn Saras. Vorher war Sara die Ursache dafür, daß die schwangere Hagar fliehen mußte ( 1Mo 16,6 ); nun brachte sie Hagar und ihren 16 oder 17 Jahre alten Sohn dahin, zu fliehen. (Abraham war 86 als Ismael geboren ( 1Mo 16,16 ) und 100 Jahre als Isaak geboren wurde ( 1Mo 21,5 ). Isaak wurde möglicherweise im Alter von zwei oder drei Jahren entwöhnt (V. 8 ).) Als Abraham wegen Saras Forderung, Hagar und Ismael zu vertreiben, bekümmert wurde, versicherte Gott Abraham, daß Ismael auch eine Zukunft haben werden, weil er auch der Nachkomme Abrahams war (V. 11-13 ).

Die zwei Schwerpunkte (V. 1-13 ) des Textes sind also folgende: die Geburt Isaaks (wobei der Name die Erfüllung der Verheißung in Erinnerung ruft und die Beschneidung den Bund bestätigt) und die Vertreibung Ismaels als Beseitigung der Bedrohung. Nachdem das verheißene Kind einmal da war, mußten Abraham und Sara, die über Gottes wunderbares Handeln frohlockten, jede mögliche Bedrohung des Erbens Isaak vermeiden. Weil Gott einen Sohn erwählt hatte, mußte seine Wahl unter Schutz gestellt werden. Abraham und Sara mußten Ismael vertreiben.



1Mo 21,14-21


Der Engel des Herrn fand Hagar wie schon einmal ( 1Mo 16,7 ) in der Wüste (V. 17-18 ) und verschaffte ihr wie damals ( 1Mo 16,14 ) Wasser aus einem Brunnen ( 1Mo 21,19 ). Gott sagte Hagar so, wie er es schon Abraham gesagt hatte, daß aus Ismael ein großes Volk hervorgehen werde ( 1Mo 21,18; vgl. V. 13 ). Ismael lebte in der Wüste ... wurde ein Bogenschütze (V. 20 ; vgl. 1Mo 16,12 ) und heiratete eine Ägypterin ( 1Mo 21,21 ). Die Wüste Paran ist der nördlichste Teil der Sinaihalbinsel.

Paulus benutzt diesen Bericht auf ganz wunderbare Weise ( Gal 4,21-31; vgl. den Kommentar dort). Ismael war im Fleisch durch »die Magd« ( Gal 4,29-30 ) geboren worden. Isaak war durch die Verheißung geboren worden und war der Erbe. Der eine stellte die Knechtschaft am Sinai dar, der andere die Freiheit, als die Verheißung endlich eintraf. Als Christus, der Same, kam, war das Alte hinweggetan. Nun, da die Verheißung gekommen ist, sind die Gläubigen Mit-Erben mit dem verheißenen Samen durch Adoption aufgrund der Gnade Gottes. Unter das Gesetz zurückkehren hieße, die Erfüllung von Gottes Verheißung zunichte zu machen. Diejenigen, die von »dem Samen« angenommen sind, werden selbst zu Samen und sind von der Knechtschaft des Gesetzes befreit ( Gal 5,1 ). So wie Ismael und Isaak miteinander in Gegensatz gerieten ( Gal 4,29 ), so harmonieren auch Fleisch und Geist nicht miteinander. Das Fleisch kämpft gegen den Geist und verspottet ihn häufig ( Gal 5,16-18 ). Deshalb müssen Gläubige »von der Magd und ihrem Sohn freiwerden« ( Gal 4,30 ), d.h. die Gefahr des Fleisches meiden und »im Geist leben« ( Gal 5,16 ).



h. Der Bund bei Beerscheba
( 21,22-34 )


Eine bemerkenswerte Besonderheit in diesem Abschnitt ist die Namenserklärung von Beerscheba, des Wohnortes Abrahams. Dieser Name wird immer auf den Bund hindeuten, den der Patriarch mit den Bewohnern des Landes geschlossen hatte, die ihm ermöglichten, hier in Frieden und Wohlstand zu wohnen.



1Mo 21,22-34


Das Wort SABaZ (»schwören« oder »einen Eid leisten«) kommt dreimal in diesem Abschnitt vor (V. 23-24 schwören , 31 geschworen ). Das numerische Adjektiv SebaZ ( sieben ) taucht ebenso dreimal auf (V. 28-30 ); der Name b+?Er SABaZ (»Brunnen der Sieben« oder »Brunnen des Eides«) kommt ebenfalls dreimal vor (V. 31-33 ). Mit Sicherheit liegt die Betonung auf der Bedeutung des Eides (V. 31 ) zwischen Abraham und Abimelech, ein Umstand, der durch die Namensgebung Beerscheba in Erinnerung gerufen wird. SABaZ ist ganz sicher der Schlüssel zum Verständnis des Abschnittes. Später sollte Israel den Ernst von Schwüren und Verträgen erfahren.

Die Erzählung paßt gut in den Kontext, der den Zusammenhang für das Opfer von Isaak in Kapitel 22 herstellt. Die Geburt von Isaak war deutlich vorhergesagt ( 1Mo 18,1-15 ). Mit dem Betrug Abrahams ( 1Mo 20 ) erfuhr Abimelech, daß die Hand Gottes auf diesem Mann war (vgl. 1Mo 21,22 ). Dann wurde der verheißene Nachkomme geboren und der Rivale vertrieben (V. 1-18 ). Nun (V. 22-34 ) wurde ein Bund geschlossen, der Abraham gestattete, in diesem Land in Frieden zu wohnen und Abimelech, an dieser Segnung teilhaben zu lassen. All das wird bis zur Prüfung in Kapitel 22 aufgebaut, wobei jedes Kapitel die Vollendung der verschiedenen Abschnitte der Verheißungen zeigt.

Die Geschichte in Kapitel 21,22-34 spiegelt wider, daß der Patriarch von Gott gesegnet worden war und daß Heiden Gottes Segnungen erkannten. Das Motiv der Quelle taucht hier wieder auf (vgl. 1Mo 16,14; 21,19 ). Gott sorgte für Wasser - ein Symbol des Segens - mitten aus der Wildnis heraus, aus dem unfruchtbaren Land, aus dem Felsen heraus. Abimelech erkannte das, und nach der Auseinandersetzung mit der Inbeschlagnahme der Quelle durch seine Knechte (V. 25 ) schlossen die beiden Männer einen Pakt, so daß der heidnische König an der Segnung teilhaben konnte (vgl. 1Mo 12,1-3 ).

Mit dem Abschluß des Vertrages (Bundes) gab Abraham Abimelech sowohl Schafe und Rinder ( 1Mo 21,27; vgl. das Umgekehrte in 1Mo 20,14 ), einschließlich sieben Lämmern ( 1Mo 21,29-30 ). Diese schützten das gesetzliche Recht Abrahams, in dem Land in Frieden zu wohnen und zwangen Abimelech, gesetzlich anzuerkennen, daß dieser Brunnen bei Beerscheba Abraham gehörte (V. 30-31 ). Der Patriarch sicherte durch den Vertrag sein Recht auf den Brunnen, d.h. die Bereitstellung der Segnung Gottes.

Wichtig ist der Umstand, daß Abraham dort einen Baum pflanzte und sich dort viele Tage aufhielt (V. 33-34 ), was auf seinen Glauben und seine Sicherheit hindeutet. Einen Baum in Beerscheba zu pflanzen, setzte die fortwährende Versorgung mit Wasser voraus und zeigte die Bestimmung an, in dieser Region bleiben zu wollen. Gott würde mit Brunnenwasser segnen, und Abraham würde als Siedler im Land bleiben. Unter dem Baum eines anderen verweilen war ein Zeichen von friedevoller Sicherheit ( Sach 3,10 ).

Der Abschnitt nimmt mit Sicherheit die zukünftige friedliche Koexistenz Israels im Land zusammen mit anderen Stämmen voraus, die für die Botschaft des Friedens und des Verlangens, an der Segnung teilzuhaben, empfänglich sein würden.

Man findet dennoch in der Erzählung einen unterschwelligen Tadel (vgl. den Tadel Abimelechs in 1Mo 20,9-10 ). Abimelech drängte auf den Pakt, damit Abraham nicht untreu an ihm handeln sollte ( 1Mo 21,23 ). Alles, was Abimelech von diesem Mann wußte, war, (a) daß Gott ihn gesegnet hatte (V. 22 ) und (b) daß er betrogen hatte (V. 23 ). Dieser tragische Widerspruch verlangte einen bindenden Vertrag.

In gleicher Weise sollte Israel seine Eide halten und von der Falschheit abstehen. Der wahrhaftige und treue Umgang, der friedliche Beziehungen bewahrt, verherrlicht das Werk Gottes.

Die Philister ( 1Mo 21,32 ) siedelten sich in großen Zahlen um 1200 v.Chr. in Palästina an. Aber etliche Seehändler siedelten sich an der Küste von Palästina auch zur Zeit Abrahams an, der von 2166-1991 v.Chr. lebte; vgl. die Übersicht »Chronologie der Patriarchen« zu 1Mo 47,28-31 .



i. Die Versuchung von Abrahams Glauben
( 22,1-19 )


1Mo 22,1-2


Die größte Prüfung im Leben Abrahams ( Gott versuchte ihn ) kam, nachdem er den verheißenen Nachkommen nach einer langen Wartezeit empfangen hatte. Die Versuchung war sehr real: Er sollte Isaak Gott zurückgeben. Als eine Versuchung war sie dazu bestimmt, den Glauben zu beweisen. Damit es eine wirkliche Prüfung sein sollte, mußte es der Logik widersprechen. Es mußte etwas sein, gegen das sich Abraham sträuben würde.

Gott hatte dem Patriarchen befohlen, Ismael wegzuschicken ( 1Mo 21,12-13 ), und nun befahl er Abraham, Isaak zu opfern. Abraham hatte Ismael bereitwillig weggeschickt, aber er wollte Isaak nicht töten.

Es ist eine Sache, zu fordern, daß man Gottes Wort gehorchen muß, wenn man auf etwas wartet. Es ist aber etwas ganz anderes, seinem Wort zu vertrauen und zu gehorchen, wenn man es empfangen hat. Dies war eine Prüfung dafür, inwiefern Abraham dem Wort Gottes gehorchen würde. Würde er sich an den Jungen klammern, nun, da er ihn hatte oder würde er noch immer gehorchen und ihn dem Herrn zurückgeben? Oder anders gesagt: Wie weit würde Abrahams Gehorsam gehen? Glaubte er wirklich, daß Gott noch immer sein Wort halten und den Samen der Verheißung aufrichten würde?

Es bestehen offensichtliche Verbindungen zu den Worten, die Gott früher zu Abraham gesprochen hatte, nämlich auszuziehen und in das Land zu gehen, das Gott ihm zeigen würde ( 1Mo 12,1-3 ). Aber diese feine Erinnerung des ursprünglichen Rufes Gottes erinnerte ihn auch an die Erfüllung, die die Prüfung so schwer machte: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen Sohn Isaak (»Lachen«), den du liebst ( 1Mo 22,2 ). Der Befehl, seinen eigenen Sohn als ein Brandopfer zu opfern würde ohne Zweifel völlig unvernünftig erscheinen (auch wenn in Kanaan Kinderopfer bekannt waren). Wie hätte Gott denn die Verheißung erfüllen können, die er vorher gegeben hatte ( 1Mo 12,1-3 ), von dem gefühlsmäßigen Verlust seines einzigen Sohnes gar nicht zu sprechen, der ihm so spät im Leben geboren worden war?



1Mo 22,3-8


Die Antwort Abrahams war beeindruckend. Er gehorchte augenblicklich und ohne zu fragen. Er brach sogar sehr früh auf! Dennoch verlief die Dreitagesreise wohl still und mühsam. Die Entfernung von Beerscheba zum Berg Morija betrug etwa 85 km (vgl. die Karte »Abrahams und Isaaks Reise zum Berg Morija«).

Als er in der Gegend von Morija den Ort sah (V. 2 ; später der Tempelberg; 2Chr 3,1 ), nahm er nur Isaak und ließ die zwei Knechte zurück. Seine Erklärung, wir wollen anbeten und dann werden wir zurückkehren ( 1Mo 22,5 ), ist erstaunlich. Alles, was Abraham wußte, war (a), daß Gott die Zukunft im Umfeld Isaaks plante und (b), daß Gott wollte, daß er Isaak opferte. Er konnte nicht beides miteinander in Einklang bringen, aber er würde in jedem Fall gehorchen. Das ist Glaube. Als Antwort auf die Frage Isaaks: Wo ist das Schaf? , offenbarte Abraham wieder seinen Glauben: Gott selbst wird dafür sorgen (V. 8 ; vgl. V. 14 ). Isaak war zweimal »von den Toten« hergebracht worden - einmal aus dem toten Schoß Saras und dann wieder von einem Hochalter (vgl. Hebr 11,17-19 ).



1Mo 22,9-14


Gottes dramatisches und belehrendes Eingreifen macht deutlich, daß er niemals beabsichtigt hatte, daß Abraham das Opfer auch darbringen sollte (es gab keine Kinderopfer in Israel), aber es war wirklich eine Prüfung. Der Engel des HERRN (vgl. den Kommentar zu 1Mo 16,7 ) hielt Abraham zurück, gerade als der Patriarch das Messer in seine Hand nahm, um Isaak zu schlachten. Nun wußte Gott, daß Abraham nichts zurückhalten würde und daß er in der Tat Gott fürchtete. Gott zu fürchten bedeutet, vor ihm als dem Souveränen Ehrfurcht zu haben, ihm bedingungslos zu vertrauen und ihm ohne Fragen zu gehorchen.

Wer Gott wahrhaftig anbetet, hält nichts vor Gott zurück, sondern gibt ihm gehorsam, was er fordert und vertraut, daß er für alles sorgen wird. Der Schlüsselgedanke der gesamten Passage wird in dem Namen zusammengefaßt, den Abraham dem Ort gab: Yahweh Y ir?eh , der Herr wird sorgen (oder »sehen«; V. 14 ). Die Erklärung lautet: Auf dem Berg des HERRN wird versorgt werden (oder »gesehen«, yErA?eh , V. 14 ; vgl. V. 8 ). Dies ist das Fundament für eine im Alten Testament häufig wiederholte Wahrheit: Der Herr sollte auf seinem heiligen Berg von seinem Volk angebetet werden. Dreimal im Jahr sollen alle Männer (Israels) vor dem Herrn, dem Herrscher, erscheinen ( yErA?eh , 'gesehen werden' ), um ihn anzubeten und ihm ihre Gaben und Opfer darzubringen ( 2Mo 23,17; vgl. 5Mo 16,16 ). Der Herr wird die Bedürfnisse jener sehen ( rA?Ch ), die vor ihn kommen und ihren Mangel ausfüllen. So wird er »gesehen«, wenn er sie versorgt.

Indem Abraham dem Ort einen Namen gab, rief er sich selbstverständlich seine eigene Erfahrung des Opfers für den Herrn in Erinnerung. Aber ein Tier, ein Widder - kein Schaf; vgl. 1Mo 22,8- ,der mit seinen Hörnern in einem Dornenbusch hing, wurde durch Gottes Gnade als Ersatz für den Jungen dargebracht (V. 13 ).

Später sollte Israel dem Herrn Tiere opfern. Die Anbetung schloß die Anerkennung von Gottes Ersatz für das Opfer ein. Im NT setzte Gott natürlich seinen einzigen Sohn an Stelle der Tiere, und das vollkommene Opfer wurde dargebracht. Johannes hatte dies sicher im Sinn, als er Jesus als »Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt« ( Joh 1,29 ) bezeichnete.

Dennoch ist der wesentliche Punkt von 1Mo 22,9-14 nicht die Lehre von der Sühne. Es wird hier ein gehorsamer Knecht dargestellt, der Gott im Glauben anbetet, obwohl ihn das sehr viel kostet und der dafür schließlich die Versorgung Gottes erfährt. Abraham hielt seinen Sohn nicht zurück. In ähnlicher Weise schreibt Paulus, daß Gott seinen eigenen Sohn nicht verschonte ( epheisato ), sondern ihn für uns alle hingegeben (übergeben) hat ( Röm 8,32 ). Eine Form desselben griechischen Wortes wird in der Septuaginta für Abraham gebraucht: »Du hast deinen geliebten Sohn nicht verschont« ( epheisO ) ( 1Mo 22,12 ).

Dieses Handeln spiegelt die Größe von Abrahams Glauben wieder; er war bereit, Gott zu gehorchen, indem er seinen Sohn opferte. Auch die Glaubensgröße von Isaak in der Unterwerfung wird deutlich. Er hatte alles in der Welt, um leben zu können, aber folgte bereitwillig den Worten seines Vaters und glaubte, daß Gott für ein Schaf sorgen würde.



1Mo 22,15-19


Gott bestätigte wieder seinen Bund mit Abraham (vgl. 1Mo 15,5.18-21; 17,3-8 ). Seine Nachkommen sollten zahlreich wie die Sterne sein (vgl. 1Mo 15,5; 26,4 ), wie der Sand am Ufer des Meeres (vgl. 1Mo 32,13 ) und »wie der Staub auf Erden« (vgl. 1Mo 13,16; 28,14 ). Gott fügte dann noch ein anderes Element hinzu: Die Nachkommen Abrahams sollten über die Städte ihrer kanaanitischen Feinde siegen. Das geschah später bei der Landnahme durch Josua.

Die Belehrungen über die wahre Verehrung Gottes sind zeitlos gültig: (1) Der Glaube gehorcht völlig dem Wort Gottes. (2) Der Glaube übergibt das Beste Gott und hält nichts zurück. (3) Der Glaube wartet auf den Herrn zur Erfüllung aller seiner Bedürfnisse. Gott sorgt nicht, bevor nicht auch persönliche Opfer gebracht werden. Wahre Verehrung Gottes kostet viel. Das galt zu jeder Zeit für Israel, wenn sie ihre Opfer darbrachten. Jene Gaben sollten im Glauben dargebracht werden und Gott stillte alle Bedürfnisse eines jeden, der bereitwillig Gott anbetete.



3. Durch Abrahams Glaubenstreue gehen die Verheißungen Gottes auf Isaak über
( 22,20-25,11 )


Von da an war es die Aufgabe Abrahams, sich auf das Empfangen zukünftiger Segnungen durch Isaak vorzubereiten.



a. Der Bericht von der Familie Nahors
( 22,20-24 )


1Mo 22,20-24


Aus dem Osten war die Nachricht gekommen, daß die Familie Nahors, des Bruders Abrahams (vgl. 1Mo 11,27-29 ) sich erweitert hatte. Unter den Neugeborenen war Rebekka , die zukünftige Frau Isaaks (vgl. 1Mo 24,15.67 ). Sie war eine Tochter BetuÙls , des jüngsten von Nahors acht Söhnen von Milka (Nahors Nichte). (Vgl. die Übersicht »Terachs Nachkommen« zu 1Mo 11,27-32 .) Der Bericht ist hier eingefügt, obwohl man ihn eher bei Kapitel 24 erwarten würde. Er dient jedoch als Verbindung zu Kapitel 23 , das von Saras Tod und Begräbnis berichtet. Mit ihrem Begräbnis handelte Abraham nicht nach der Sitte seiner Vorfahren, denn er ging dazu nicht nach Paddan Aram zurück.



b. Der Erwerb der Höhle in Machpela im Land
( 1Mo 23 )


1Mo 23,1-4


Abrahams Erwerb einer Höhle zum Begräbnis »bei Mamre« (V. 19 ; vgl. 1Mo 13,18; 14,13; 18,1 ) wurde durch den Tod Saras verursacht, die 127 Jahre alt geworden war . (Isaak war zu dieser Zeit 37; 1Mo 17,17 .) Das war das erste Anzeichen dafür, daß ein Übergang im Kommen war. Nachdem Abraham um seine Frau in Hebron getrauert hatte ( 1Mo 23,2 ), erwarb er sich ein Stück Land mit einer Begräbnisstätte.

Dieser Vorfall beinhaltet viele Ähnlichkeiten mit den kanaanitischen und hetitischen Gesetzen. (Vgl. James B. Pritchard (Hg.), Ancient Near Eastern Texts Relating to the Old Testament . Princeton, N.J.: Princeton University Press, 1955, S.188-96, Par. 46 über Lehensverpflichtungen für ein ganzes Feld, Par. 47 über Geschenke, die Lehensverpflichtungen aufheben, so wie auch Par. 48 und 169.) Andere Gesetze aus dem Ugaritischen (in Syrien) sind für dieses Ereignis ebenfalls von Bedeutung. Die Besitzer des Feldes waren Hetiter (V. 3.5.7.10.16.18.20 ). Obwohl das große hetitische Reich ( Jos 1,4 ) sich niemals so weit nach unten ausgedehnt hatte, konnten sich hier Enklaven von Hetitern angesiedelt und ihre Gebräuche beibehalten haben, obwohl ihre Sprache semitisch war. Und obwohl die geschriebenen hetitischen Gesetze erst nach diesen Ereignissen datiert werden, können sie mündlich überliefert worden sein, bevor man sie niederschrieb.


1Mo 23,5-20


Abraham genoß bei dem Volk um ihn herum große Achtung: Du bist ein mächtiger Fürst unter uns (vgl. 1Mo 20,6-11 ).

Mit diesem Rechtsgeschäft wollte Abraham nur die Höhle, die Efron gehörte ( 1Mo 23,9 ), erwerben, aber Efron wollte das ganze Feld verkaufen. Als Efron gesagt hatte, daß er Abraham das Feld und die Höhle schenken wollte (zweimal in V. 11 ), wollte er damit nicht sagen, daß sie umsonst sei. Es war vielmehr die Handelsweise der Beduinen - geben, um zu bekommen. Obwohl Abraham nicht das ganze Feld haben wollte, war er doch bereit, es zu einem hohen Preis zu nehmen (V. 12-13 ) ( 400 Schekel Silber ), um die Höhle zu bekommen (V. 15-16 ). Das Geschäft wurde dann in Gegenwart aller Hetiter am Tor der Stadt, dem Ort rechtmäßigen und geschäftlichen Handelns (vgl. 1Mo 19,1 ), abgeschlossen.

In dieser Höhle wurde nicht nur Sara, sondern auch Abraham ( 1Mo 25,9 ), Isaak, seine Frau Rebekka, Jakob und Lea begraben ( 1Mo 49,29-31; 50,13 ).

Das Besondere dieses Ereignisses lag in der Versicherung, daß die Höhle und das Feld Abrahams Besitz waren. Er war nicht dreist gewesen. Im Glauben kaufte er das Land und nahm nichts von diesen Leuten an (vgl. 1Mo 14,21-24 ). Damals war es von Bedeutung, wo man seine Toten begrub; das Begräbnis hatte in ihrer Heimat stattzufinden. Nun gab es kein Zurück mehr. Obwohl Abraham ein Fremder und Beisasse unter dem Volk war ( 1Mo 23,4 ), lag seine Hoffnung in diesem Land.

Mit dem Kauf dieser Höhle sagte er sich von Paddan Aram los, d.h. von Nordwestmesopotamien (vgl. 1Mo 25,20 ). Dieser Ort war gerade erst indirekt beim Leser eingeführt worden ( 1Mo 22,20-24 ), als die Verwandten Abrahams erwähnt wurden, die in Mesopotamien geblieben waren (vgl. 1Mo 11,27-31 ).

Kanaan war nun die neue Heimat Abrahams geworden. Den einzigen Teil des verheißenen Landes, den Abraham jemals empfangen hatte, erwarb er interessanterweise durch Kauf, und es handelte sich um eine Begräbnishöhle. Dieser erste Besitz der Patriarchen - eine Höhle - band sie an das verheißene Land. Das war eine wirkliche »Besetzung« des Landes. Es würde nie mehr eine Rückkehr nach Mesopotamien geben. Später wurden die Patriarchen nach ihrem Tod bei ihren Vorfahren in Kanaan begraben.

Abraham wußte, daß er die Verheißung Gottes nicht ausschöpfen konnte. Also machte er Pläne für die Zukunft. Indem er das Land für seine tote Frau gekauft hatte, mußte er erkennen, daß die Verheißungen Gottes nicht mit diesem Leben zu Ende gehen. Gott wird noch viel mehr tun als das, was er in diesem Leben getan hat; das ist die Hoffnung aller, die im Glauben sterben.

Die Verheißung des Landes ist eines der Hauptthemen in 1.Mose. Dasselbe gilt für den Tod. Der Tod kam durch die Sünde und richtete die Menschen zugrunde. Der Tod der Patriarchen und Heiligen ist eine bittere Erinnerung daran, daß der Mensch ein Sünder ist. Der Tod ruft Trauer hervor. Aber in diesem Abschnitt ist der Tod auch ein Fundament für die Hoffnung. Im Leben waren die Patriarchen Gäste, im Tod waren sie Erben der Verheißung und »nahmen das Land ein«.

Die Patriarchen und andere sind gestorben und haben die Verheißung nicht empfangen. Dennoch sind sie im Glauben gestorben ( Hebr 11,39-40 ). Es war nicht der Plan Gottes, ihnen den verheißenen Rest ohne die Teilhabe der neutestamentlichen Gläubigen zu geben. Eine Sabbatruhe ist noch übrig; aber dennoch treten schon jetzt die in sie ein, die glauben, und sie werden es in der Zukunft in vollendeter Weise tun ( Hebr 4,8-10 ). Gottes Verheißungen für die, die aus Glauben leben, erschöpfen sich nicht in diesem Leben. Wie Abraham in Hoffnung eine Begräbnisstätte im Land erwarb, so haben die Gläubigen heute eine Hoffnung über dieses Leben hinaus. Die Zeit des Todes - wenn der natürliche Weg die Trauer ist, so wie die Welt trauert - sollte eine Zeit sein, in der ein Gläubiger den größten Beweis seines Glaubens liefert, weil der Empfänger der Verheißungen Gottes eine Hoffnung über das Grab hinaus hat. Jesus selbst bezog sich auf Abraham, als er die Auferstehung mit den Sadduzäern erörterte ( Mt 22,31-32 ). Gottes Verheißungen verlangen die Auferstehung!



c. Der Erwerb einer Frau für Isaak
( 1Mo 24 )


Diese Geschichte betont das gnädige Wirken Gottes in den Lebensumständen seiner gläubigen Knechte. Der Schlüsselgedanke des Abschnittes ist das Wort HeseD , »treue Liebe« oder »Bundestreue« - sowohl aus der Perspektive Gottes als auch aus der des Menschen.

Der Herr versicherte gnädig die Erfüllung seiner Verheißung, indem er den Knecht Abrahams darin führte, für Isaak eine Braut zu erlangen. Das Kapitel teilt sich in vier Abschnitte:

(1) Der Auftrag 1Mo 24,1-9 : Abraham, der der Verheißung des Herrn vertraute, ließ seinen ältesten Knecht einen Eid schwören , eine Frau für Isaak aus der Heimat Abrahams, 800 km entfernt, zu suchen. EliÙser legte seine Hand unter die Hüfte des Patriarchen (vgl. 1Mo 47,29 ). Das war ein feierliches Zeichen dafür, daß, wenn der Eid nicht ausgeführt werden sollte, die Kinder, die Abraham geboren werden sollten, die Treulosigkeit des Knechtes rächen würden.

(2) Das Vertrauen 1Mo 24,10-27 : EliÙser ( 1Mo 15,2 ) vertraute dem Herrn, daß er ihm eine besondere Führung gewährte. Er betete, daß die zukünftige Braut Isaaks ihm und seinen Kamelen Wasser zu trinken geben sollte. Zehn durstige Kamele zu tränken bedeutete sehr viel Arbeit, weil Kamele ungeheure Mengen Wasser saufen. In der Stadt Nahor in Aram Naharajim (in Nordwestmesopotamien, 1Mo 24,10; 25,20 ) erhielt er eine klare Antwort auf sein Gebet. In Dankbarkeit gab er dem Mädchen kostbaren Schmuck: einen goldenen Stirnreif, der ein Beka wog (einen halben Schekel, d.h. ein Fünftel einer Unze) und zwei goldene Armreifen mit einem Gewicht von 10 Schekeln (4 Unzen). Er fragte, ob es in ihres Vaters Haus Raum gäbe, in dem er die Nacht verbringen könnte. Wieder offenbarte sie ihre Freundlichkeit, als sie ihm nicht nur einen Platz zum Bleiben anbot, sondern auch Nahrung für die Kamele.

(3) Das Gelingen 1Mo 24,28-59 : Laban lud EliÙser und seine Männer ein. EliÙser berichtete dann noch einmal von seiner Mission und von Gottes Vorsehung und erhielt ihre Erlaubnis und ihren Segen, Rebekka zu Isaak mitzunehmen. In jener Gesellschaft übergab der Bruder seine Schwester für die Heirat. Das erklärt, warum Laban, der Bruder Rebekkas, der Unterhändler in diesem Ehevertrag war.

(4) Die Vollendung 1Mo 24,60-67 : Rebekka kehrte mit EliÙser zu Isaak im Negev (Südland) zurück und wurde Isaaks Frau, als Isaak 40 Jahre alt war ( 1Mo 25,20; Abraham war damals 140 Jahre alt).

In diesen vier Abschnitten handelten vier Personen in HeseD : Abraham, indem er für die Zukunft sorgte, EliÙser, indem er das Beschlossene ausführte, Gott, indem er es vollbrachte und Rebekka, indem sie darauf einging.

In der Fürsorge Gottes und seiner HeseD (»treuen Liebe«) wirkte er souverän durch die Umstände jener, die im Glauben lebten. Dieser verborgene Zusammenhang Gottes wird in Kapitel 24 auf drei Arten hervorgehoben:

1. Gott war ganz allein die Ursache für all die Ereignisse in der Geschichte. Die Worte EliÙsers »Der Herr hat mich... geführt« (V. 27 ; vgl. V. 48 ) sind der Wahlspruch. Dies ist die Wahrheit durch die ganze Bibel hindurch. Sogar Laban, der Bruder Rebekkas (V. 29 ) erkannte, daß dies das Tun des Herrn war (V. 50-51 ).

2. Gott war überlegen im Hintergrund und lenkte die Handlungen. Dieses Ereignis im Leben Abrahams war der Erfahrung Ruts ähnlich (Ronald M. Hals, The Theology of the Book of Ruth . Philadelphia, Fortress Press, 1969). Die Erzählung in 1Mo 24 berichtet kein Wort von Gott, kein Wunder, kein prophetisches Orakel, es wiederholt noch nicht einmal den Abrahamsbund. Dieses Ereignis ist in 1.Mose eigenartig und dennoch für Gläubige heute wirklichkeitsnah. Die vorausgreifende Rolle des Glaubens, die sich im persönlichen Gebet ausdrückt, schaut nach äußerlichen Zeugnissen des Wirkens Gottes und herrscht vor, weil Gott nicht sichtbar handelt.

3. Die Geschichte enthüllt mehr als die Vorsorge Gottes in diesem Geschehen. Sie ist auch Teil der Entwicklung seines Planes, die Menschheit zu segnen. Viele mögliche Pannen wurden vermieden: Der Knecht hätte das »Zeichen« verfehlen können (V. 5-8 ), Laban hätte ablehnen können (V. 49-51 ) oder Rebekka hätte nicht bereit sein können (V. 54-58 ). Gott lenkte durch all die möglichen Gefahren hindurch und fügte dann alle Teile zusammen.

Während man zu Recht über die Vorsorge Gottes in diesem Ereignis staunt, ist doch auch die Verantwortung des Menschen offensichtlich. Der Knecht führte seinen Auftrag treu aus. (1) Er verhielt sich loyal gegenüber seiner heiligen Aufgabe, Gottes Plan voranzutreiben, die Menschheit zu segnen. (2) Er vertraute Gott unbedingt und schaute im Gebet auf Gottes Führung. (3) Bundestreue war seine vorherrschende Motivation (V. 9.12.27.49 ). (4) Er pries Gott sogar schon, bevor seine Arbeit völlig vollendet war (V. 27.48-49 ). Dieses Lob ist ein wichtiger Teil der Geschichte. Viele Ausleger gehen darüber als Wiederholung hinweg. Aber hierauf kommt es an: Es handelt sich um eine solch wunderbare Geschichte, daß das Lob wiederholt werden muß.

So lag die Wahl der Braut für Isaak bei Gott. Das Zeichen gab die Bestätigung. Laban erkannte das. Rebekka kam der Aufforderung nach. Wer den Willen Gottes in Gebet und Gehorsam tut, wird von Gott geführt ( Spr 3,5-6 ).



d. Der Tod Abrahams
( 25,1-11 )


Mit diesem Bericht kam das Leben Abrahams zu seinem Ende, und die Segnung Gottes wurde an Isaak, seinen »einzigen« Sohn ( 1Mo 22,2 ), weitergegeben.

Dieser Abschnitt enthält vier Unterteilungen: (a) die Geburt der anderen Söhne Abrahams ( 1Mo 25,1-4 ), (b) die Sicherung des Erbteils Isaaks (V. 5-6 ), (c) der Tod und das Begräbnis Abrahams (V. 7-10 ) und (d) die Segnung Isaaks (V. 11 ).



1Mo 25,1-4


Wann Abraham Ketura heiratete, ist unbekannt, aber das Verb nahm und das Adjektiv eine andere weisen darauf hin, daß es nach dem Tod Saras war. (Eigentlich war Ketura eine Konkubine, 1Chr 1,32 .) Das würde bedeuten, daß für die Geburten der sechs Söhne Keturas höchstens 37 Jahre blieben. (Abraham war 138 als Sara starb, und er starb mit 175.) Stämme in Saba und Dedan in Arabien ( 1Mo 25,3 ) sowie die Midianiter (V. 4 ) stammen von Abraham ab. Das geschah in Erfüllung der Verheißungen Gottes an Abraham, daß er groß werden sollte ( 1Mo 12,2 ), weil »so viele Völker« auf ihn als ihren Vorfahren blickten ( 1Mo 17,4 ).



1Mo 25,5-6


Abraham liebte alle diese Jungen und gab ihnen Geschenke. Aber sie und ihre Nachfahren konnten möglicherweise für Isaak eine Bedrohung darstellen. So schickte sie Abraham fort, so wie er es mit Ismael getan hatte ( 1Mo 21,8-14 ). Er schickte sie ins Land des Ostens und bewahrte so die Vorrangstellung Isaaks und sein Recht als Erbe Abrahams.



1Mo 25,7-11


Während Isaak und Ismael gemeinsam ihren Vater in der Höhle begruben (der 175 Jahre gelebt hatte), in der Sara begraben worden war (vgl. 1Mo 23,19 ), konnte Ismaels Gegenwart möglicherweise nun, da ihr Vater tot war, für die Rechte Isaaks eine Bedrohung darstellen. Aber die Segnung Gottes blieb auf Isaak.

Isaak lebte danach in Beer Lahai Roi . Das war ein Ort, von dem man wußte, daß Gott dort Antwort gab. Gott hatte dort Hagar erhört und sie gerettet ( 1Mo 16,14 ). Isaak betete hier, als er auf seine zukünftige Frau wartete ( 1Mo 24,63 ). So lebte Isaak an einem ganz besonderen Ort, an dem Gott Gebet erhört hatte.

Als Abraham alle seine anderen Söhne im Glauben weggeschickt hatte, sorgte er dafür, daß sein Segen auf Isaak überging, der auf den Herrn wartete. Abraham würde sterben, der Plan Gottes aber fortbestehen. Kein Führer des Bundes ist unersetzlich, weil das Vorhaben Gottes, die Welt zu segnen, von Generation zu Generation weiter wachsen und sich ausdehnen wird. Jeder Diener Gottes muß alles tun, was er kann, um das Weitergehen des Wirkens Gottes zu sichern. Das Werk ist jedoch größer als jeder einzelne Mensch.



B. Die Nachkommen Ismaels
( 25,12-18 )


1Mo 25,12-18


Ismael war ein Sohn Abrahams. Deshalb teilte Gott mit, was aus ihm und seiner Linie wurde ( der Bericht ( TNl+DNT ) von Ismael ), bevor er zu der erwählten Linie zurückkehrte, nämlich der Nachkommen Isaaks. Ismael hatte zwölf Söhne, wie Gott es vorausgesagt hatte ( 1Mo 17,20 ) und starb im Alter von 137 Jahren. Seine Söhne lebten auf der Arabischen Halbinsel von Hawila (in Nordzentralarabien) bis nach Schur (zwischen Beerscheba und Ägypten). Die Ismaeliten lebten in Feindschaft mit ihren Brüdern , was eine Erfüllung des Wortes Gottes an Hagar war ( 1Mo 16,12 ).



C. Die Nachkommen Isaaks
( 25,19-35,29 )


Nachdem die Linie Ismaels kurz erwähnt wurde ( 1Mo 25,12-18 ), wendet sich die Erzählung wieder der auserwählten Linie und damit Isaak zu. Dies ist der Bericht ( TNl+DNT ) von Isaak, 1Mo 25,19 .Der erste Abschnitt ( 1Mo 25,10-28,22 ) berichtet von dem Wohlstand Isaaks und dem Kampf Jakobs um sein Recht darauf - sogar im Land der Verheißung. Kapitel 29-32 berichten über die Segnung Jakobs an seinem Aufenthaltsort außerhalb des Landes der Verheißung und Kapitel 33-35 über seine Rückkehr in das Land und über die Verdorbenheit des Landes.



1. Jakob erhält anstelle von Esau den verheißenen Segen
( 25,19-28,22 )


a. Das Zeichen bei der Geburt der Zwillinge
( 25,19-26 )


Der Bericht über die Geburt von Esau und Jakob ist eine passende Einleitung zu den folgenden Kapiteln, denn ihr Kampf um die Vorrangstellung wurde sogar schon vor ihrer Geburt offenbar (vgl. Hos 12,3 ).



1Mo 25,19-20


Rebekka, die Frau Isaaks, war auch seine Kusine (vgl. 1Mo 24,15 ). In ähnlicher Weise hatte Nahor seine Nichte geheiratet ( 1Mo 11,29 ). (Vgl. die Übersicht »Die Nachkommen Terachs« zu 1Mo 11,27-32 .) Die Heirat Isaaks mit Rebekka verband ihn also mit dem Heimatland Abrahams und mit den Aramäern in Nordwestmesopotamien (vgl. 1Mo 24,10 ), das später unter dem Namen Syrien bekannt wurde.



1Mo 25,21-23


Gott gab Isaak auf übernatürliche Weise einen Sohn. Wie Sara war auch Rebekka unfruchtbar (V. 21 ), obwohl Gott doch verheißen hatte, daß Völker von Abraham abstammen sollten! Im Gegensatz zu Abraham betete Isaak ( 1Mo 16,1-4 ), und Gott antwortete. Das zeigt, daß eine Geburt manchmal ein übernatürliches Ereignis war. Die Frau Jakobs, Rahel, war später auch für einige Zeit unfruchtbar ( 1Mo 29,31 ).

Aber es ergab sich ein Streit im Leib Rebekkas ( 1Mo 25,22 ). Als sie ging, um den HERRN darüber zu befragen , machte er ihr eine Voraussage: Zwei Völker , d.h. Zwillings-Vorfahren zweier Völker, kämpften miteinander in ihrem Leib, und der jüngere siegte (V. 23 ). In der Tat kämpften die Israeliten (die Nachkommen Jakobs) und die Edomiter (die Nachkommen Esaus) beständig miteinander. Gottes Erwählung Jakobs, des Jüngeren, statt Esaus, des Älteren, ging gegen die natürliche Ordnung.



1Mo 25,24-26


Die Eltern beobachteten die merkwürdige Situation und gaben, das Wunderzeichen Gottes im Blick, den Kindern passende Namen.

Der erste der Zwillinge war rot und haarig wie ein kleines Tier, so daß sie ihn Esau nannten . Die Erwähnung von »rot« sagt die zukünftige rauhe Natur Esaus voraus (V. 27-34 ).

Fesselnde Wortspiele werden benutzt, um den ersten Zwilling zu beschreiben. Der Name Esau ( ZERAw ) steht in loser Verbindung zu dem Wort »Se´r« ( RE?Ir ), dem früheren Namen für Edom zum Südosten des Toten Meeres hin, wo Esau später lebte ( 1Mo 32,4; 6,8 ). Das hebräische Wort »rot« ( ?aDmNnI ) ist mit dem Wort »Edom« ( ?MDNm ; vgl. 1Mo 25,30 ) verwandt; und »haarig« ( REZAr ) ist »Se´r« ähnlich. Diese Worte wurden sorgfältig gewählt, um den Jungen in der Natur Edoms, ein späterer Erzfeind Israels, darzustellen.

Der zweite Zwilling faßte bei seiner Geburt Esaus Ferse (V. 26 ). Im Hinblick auf das Wunderzeichen, das die Eltern erhalten hatten (V. 23 ), schien es angemessen, diesem Kind einen Namen zu geben, das die Erinnerung an dieses Ereignis wachhielt. Der Name Jakob ( yaZXqOB , mit der Bedeutung »Er [Gott] sei Beschützer«) wurde wegen seiner Verbindung in Laut und Sinn zu dem Substantiv »Ferse« ( ZAqEB ) ausgewählt. Das Verb » ZAqaB « bedeutet »von hinten sehen«. Aber wie bei Esau sollte der Name Jakobs später im Leben einen anderen Sinn erhalten, als sein trügerisches Wesen offensichtlich wurde. Sein Name bedeutete auch »einer, der nach der Ferse greift« oder »einer, der jemand zu Fall bringt«. Also hatte die Geburt der Zwillinge für die späteren Ereignisse in ihrem Leben große Bedeutung.

Gottes Erfüllung seiner Verheißung an Abraham war durch seine Erwählung Jakobs (später der Nation Israels) geschehen. Gleichzeitig war auf der menschlichen Seite Gebet nötig (V. 21 ). Gottes Verheißung wird nicht ohne den Glauben an sein übernatürliches Wirken Wirklichkeit. Später gab Gott Israel, seinem auserwählten Volk, die Verheißung. Aber ohne das Ringen Israels sollte sie nicht Wirklichkeit werden.

Gleich von Anfang an wurde die Geburt des Volkes Israel auf übernatürliche Weise überwacht. Paulus vermerkte, daß vor der Geburt der Zwillinge der jüngere vor dem älteren auserwählt worden war ( Röm 9,11-12 ). Gott kehrt häufig die natürliche menschliche Ordnung um, denn seine Wege sind nicht unsere Wege.



b. Der Kauf des Erstgeburtsrechtes von Esau
( 25,27-34 )


Es ist traurig, daß häufig Dinge von großem geistlichem Wert weltlich oder verschlagen gehandhabt werden. Manch einer behandelt geistliche und ewige Dinge mit Geringschätzung, weil er sie als wertlos betrachtet. Andere, obwohl sie solche Dinge hoch achten, machen sich die höheren Dinge durch List und Manipulation zu Dienern. Esau und Jakob sind Beispiele für beide Seiten.



1Mo 25,27-34


Jakob und Esau entwickelten sich gemäß ihrer ursprünglichen Eigenschaften. Esau, »der rote Mann«, wurde von seinem physischen Appetit für »rote Linsen« (V. 30 ) überwältigt und verkaufte sein Erstgeburtsrecht. Jakob, »der nach der Ferse gefaßt hatte«, überholte klug seinen Bruder und erlangte das Erstgeburtsrecht .

Obwohl Jakob nicht gerecht gewesen war, war er in diesem Fall nicht betrügerisch. Er war klar und offen, wenn auch skrupellos. Man muß anerkennen, daß er wußte, was Wert besaß und was später geschehen würde. Esau hingegen war vollkommen »gottlos« (weltlich, Hebr 12,16 ).

Auch dieser Abschnitt enthält einige wichtige Wortspiele. Esau war ein geschickter Jäger (wörtl., »ein Mann, der das Jagdspiel kannte«, [ QayiD ], ein Mann des offenen Feldes ( 1Mo 25,27 ), aber er konnte dieses Mal kein Wild finden (V. 29 ). Sein Vater liebte ihn wegen seines eigenen Gefallens an der wilden Jagd ( QayiD , V. 28 ). So wurden das Wesen und die Beschäftigung Esaus von Isaak wegen der Befriedigung seines Gaumens bevorzugt. Sowohl Isaak als auch Esau trafen ihre Wahl aufgrund ihres Appetites.

Jakob wurde von Rebekka geliebt (V. 28 ), teilweise aufgrund des Wunderzeichens (V. 23 ), das sie möglicherweise häufig erwähnt hat. Er war ein gesitteter Mann, der bei den Zelten blieb (V. 27 ). Ironischerweise war jedoch Jakob der listigere Jäger, der seine Falle für das hungrige »Tier« stellte. Eines Tages bereitete er (wörtl. »kochte« wayyAzeD ) ein Gericht (»Gemüsesuppe«, nAzID , V. 29 ) aus Linsen. Diese Worte spiegeln durch den Klang den Begriff für »Jagd« ( QayiD , V. 27-28 ) wider. Aber auch das Verb zID (»kochen«) spricht von der Einstellung Jakobs, denn es bedeutet »begeistert sein« oder »dreist sein«. So stellt die kochende Suppe bildhaft einen Mann dar, der sich über seine Grenzen hinauslehnt.

Als der Erstgeborene hatte Esau das Erstgeburtsrecht, und Jakob hatte das Linsengericht. Aber im Austausch erhielt Esau das Linsengericht und Jakob das Erstgeburtsrecht. Esau verachtete sein Erstgeburtsrecht (V. 34 ), denn was hätte es ihm helfen können, wenn er vor Hunger stürbe (V. 32 )?

Jakob, der Zweitgeborene, besaß nun das Erstgeburtsrecht. Der berechnende, gesittete Mann, der den geistlichen Wert in dem Erstgeburtsrecht erkannte, manipulierte seinen weltlich gesinnten Bruder dahingehend, daß er dieses aufgab. Vielleicht hatte er in Kenntnis des Wunderzeichens (V. 23 ) auf diese Gelegenheit gewartet. Dennoch brachte Gott später Jakob ins Bewußtsein, daß seine Verheißungen nicht auf diesem Weg erlangt werden können (vgl. die Manipulation seines Großvaters Abraham in 1Mo 16,1-4 ).

Mit Sicherheit stellte das weltlich gesinnte Wesen Esaus für Israel eine Warnung dar. Es ist unrecht, geistliche Gaben zur Stillung des physischen Hungers zu opfern. Es ist eine Frage der Prioritäten. Esau sah nur das Essen und tat alles, was erforderlich war, um das zu bekommen, was er wollte (vgl. Eva und die Frucht des Baumes, 1Mo 3,6 ).

Esau wird als emotionaler Mensch gezeichnet: er war matt und keuchte ( verschmachtete , 1Mo 25,29 ), verschlang das Essen (darauf wird im Hebräerbrief hingedeutet, V. 34 ) und verachtete dann sein Erstgeburtsrecht (V. 34 ). In diesem Fall war er kein geschickter Jäger; er war eher wie ein Tier, das man mit einem Köder fängt. Auf diesem niederen Niveau zu leben und seinen Hunger zu stillen führt unvermeidlich zur Verachtung geistlicher Dinge.

Jakob war, obwohl er sich zu Hause aufhielt, ein besserer Jäger als Esau. Er sehnte sich auch nach etwas - aber nach etwas, das es auch wert war. Damals hatte er nach der Ferse gegriffen; nun forcierte er die Sache ganz anders. Aber es liegt auch eine Gefahr in solchem geistlichen Streben. Gläubige sollten nach Dingen von geistlichem Wert streben, aber sie sollten die Einfälle des Fleisches vermeiden. Nachdem Jakob später von seinen menschlichen Erwägungen gereinigt war, wurde er aber ein tüchtiger Diener, weil seine Prioritäten richtig waren.



c. Isaak erfreut sich an dem Reichtum des Segens Abrahams
( 26,1-33 )


1Mo 26,1-5


Manche Ausleger haben angenommen, daß diese Erzählung von Isaak in Gerar bei Abimelech in der Überlieferung mit den Berichten, in denen sich Abraham in Ägypten ( 1Mo 12,10-20 ) und bei Abimelech in Gerar ( 1Mo 20 ) aufhielt, durcheinandergeraten sind. Aber die Wiederholung der Motive geschieht bewußt: Sie zeigt, daß die Segnung auf die Nachkommen Abrahams übergegangen war. Die Parallelen Isaaks zu Abraham sind zahlreich; (a) eine Hungersnot (vgl. 1Mo 12,10 ); (b) der Plan, nach Ägypten zu ziehen (vgl. 1Mo 12,11 ); (c) der Aufenthalt in Gerar (vgl. 1Mo 20,1 ); (d) die Bezeichnung der Ehefrau als »Schwester« aus Angst (vgl. 1Mo 12,12-13; 20,2.11 ); (e) die Schönheit der Frau ( 1Mo 12,11.14 ); (f) Abimelechs Sorge, Ehebruch zu begehen ( 1Mo 20,4-7 ); und (g) der Tadel des Abimelech ( 1Mo 20,9-10 ). Der Abimelech in 1Mo 26,1 ist möglicherweise nicht derselbe Abimelech wie in Kapitel 20 , da die Ereignisse etwa 90 Jahre auseinander lagen. Es ist nicht unmöglich, daß Abimelech ein Titel (wie Pharao oder Cäsar) war, denn Achisch ( 1Sam 21,11 ) war ebenfalls als Abimelech bekannt (vgl. die Überschrift zu Ps 34 ). In ähnlicher Weise könnte Pichol ( 1Mo 26,26 ) ein Titel sein, obwohl es dafür keinen Beweis gibt. Oder Pichol könnte auch einfach ein Namensvetter des früheren Pichol sein ( 1Mo 21,22.32 ).

Abraham war gestorben. Was würde nun mit der Verheißung Gottes an ihn geschehen? Ganz einfach, die Verheißung würde sich nach Abrahams Tod in gerader Linie fortsetzen. Kapitel 26 betont durch rhetorische Kunstgriffe, daß die Verheißung in Isaak ihren Fortgang fand.

Der grundlegende Gedanke in 1Mo 26,1-11 war, daß die Nachkommen des gehorsamen Knechtes Abraham seinetwegen gesegnet werden sollten. Aber auch sie mußten den Glauben praktizieren, um sich an den verheißenen Segnungen erfreuen zu können. Aufrichtiger Glaube an die Verheißungen Gottes hat ein furchtloses Wandeln mit ihm zur Folge; aber sich in Angst ducken gefährdet die Segnung und macht den Glauben zum Gegenstand des Spottes.

Der Gehorsam eines Mannes brachte seinen Nachkommen Segen. Der Herr gab die Abrahamsverheißungen an Isaak (Gottes Gegenwart, seine Segnung, der Besitz des Landes und Nachkommenschaft, so zahlreich wie die Sterne ; vgl. 1Mo 12,2-3; 15,5-8; 17,3-8; 22,15-18; 28,13-14 ). All das geschah, so sagte Gott, weil Abraham mir gehorsam war (wörtl. »meiner Stimme gehorchte«) und meine Forderungen, meine Gebote, meine Verordnungen und meine Gesetze gehalten hat . Das sind Standardbegriffe in den Gesetzesbüchern des AT. Israel erkannte sofort die Terminologie der Thora (des Gesetzes) in dem Bericht über Abraham und wurde veranlaßt, das Gesetz zu halten. Abraham lernte, daß wahrer Glaube dem Wort Gottes gehorcht.

 

1Mo 26,6-11


Isaak täuschte wie sein Vater in Gerar Abimelech und wurde von dem heidnischen König getadelt, der wußte, daß die Strafe für Ehebruch der Tod war (V. 10-11 ). Auch diese Erwähnung der gesetzlichen Vorschriften sollte Israel daran erinnern, wie wichtig es für die Zukunft seines Volkes war, die Ehe beizubehalten. Wenn diese Hauptstütze wegfällt, zerfällt eine Gesellschaft. (Wenn die Ehe Isaaks zu Ende gegangen wäre, hätte es keine israelitische Gesellschaft gegeben.)

Interessant ist das Wortspiel mit dem Namen Isaaks. Nachdem er Abimelech dahingehend getäuscht hatte, daß Rebekka seine Schwester sei, wurde Isaak gesehen, wie er sie liebkoste ( m+QaHEq , V. 8 ). Dieses Partizip spielt auf den Namen Isaaks ( yiQHAq ) an, aber es erinnert auch an den Spott Ismaels ( m+QaHEq , 1Mo 21,9 ). Die Wortwahl ist interessant. Es ist, als ob Mose schreibt, daß Isaaks Abweichen vom Glauben - indem er nach Gerar ging und seine Frau als seine Schwester ausgab - aus der großen Verheißung, die in seinem Namen verkörpert war, einen Spott machte. In der Tat spottete Isaak dem Abimelech durch die Täuschung. Indem er seine Frau liebkoste, spottete er Abimelech, den er zu täuschen versucht hatte. Isaak hätte die gerade gegebenen Bundesverheißungen ernster nehmen müssen.

So empfing Isaak gleich Abraham Gottes große Verheißung, täuschte aber ängstlich Abimelech und machte die verheißene Segnung zum Gespött. Die Angst verhöhnt den Glauben; der Glaube lacht kühn im Triumph. Aber wer aufrichtig den Verheißungen Gottes glaubt, gehorcht seinen Satzungen, Lehren und Geboten.



1Mo 26,12-22


Isaak hielt sich in dem Land auf, erfreute sich des von Gott gegebenen Wohlstandes ( seine Ernten gediehen und er wurde reich ). Aber die Philister , die ihn um seinen Reichtum beneideten, verstopften Isaaks Brunnen mit Erde.

Wieder liefern die Brunnen ein vorherrschendes Motiv: sie sind der greifbare Beweis göttlichen Segens (vgl. den Streit Abrahams mit den Philistern über einen Brunnen, 1Mo 21,25.30 ). Wo immer Isaak grub und wie oft die Philister die Brunnen auch verstopften, grub er die alten mit Erde gefüllten Brunnen wieder aus ( 1Mo 26,18 ). Die Segnung Gottes an Isaak konnte nicht verhindert werden.

Von den Philistern vertrieben, lagerte sich Isaak im Tal von Gerar und setzte dort seine Suche nach Wasser fort. Er sah sich auch dort einer Auseinandersetzung gegenüber. Die Gerariter behaupteten, daß das Wasser von zwei der drei Brunnen, die Isaak ausgegraben hatte, ihnen gehörte. Die Namen, die er den drei Brunnen gab, spiegeln nicht nur seinen Streit, sondern auch seinen Triumph wider: Esek (»Zank«) und Sitna (»Streit«) spiegeln die Auseinandersetzung über die beiden Brunnen wieder, und Rehobot (»Weiter Raum«) steht für den Raum, den der Herr gemacht hatte. Isaak lehnte ab, wieder zu kämpfen. Er fuhr fort, einen Brunnen nach dem anderen preiszugeben, bis die Philister ihn enttäuscht alleine ließen.


1Mo 26,23-25


Nachdem Isaak nach Beerscheba gezogen war, erschien ihm Gott und bestätigte wieder den Abrahamsbund (V. 23-24 ). Isaak antwortete so wie sein Vater und baute einen Altar und rief den Namen Jahwes an (vgl. 1Mo 12,7-8; 21,33 ).



Schließlich wurde die Auseinandersetzung über die Brunnen beigelegt. Abimelech bat Isaak um einen Bund. So wie ein früherer Abimelech anerkannt hatte, daß Gott mit Abraham war ( 1Mo 21,22 ), so erkannte dieser Abimelech an, daß Gott mit Isaak war. Isaak nannte den Brunnen dort Schiba (»Schwur« oder »sieben«), weil sie mit einem Eid einen Bund schlossen ( 1Mo 26,28-31.33 ). Er war dem Abkommen ähnlich, das Abraham schloß, als er die Stadt Beerscheba benannte ( 1Mo 21,23-24.31 ). Notwendigerweise wurde der Bund mit Isaak erneuert. Gottes Segnung lag auf dem Samen Abrahams; Isaak war der rechtmäßige Erbe.

Durch wieviel Widerstand auch die Sache vereitelt werden sollte: Der Segen sollte doch gedeihen. Andere Völker sollten erkennen, daß die Hand Gottes über dem Nachkommen Abrahams war, und sie sollten mit Israel nach Frieden trachten, wenn sie an dem Segen teilhaben wollten.



d. Der Fehltritt Esaus
( 26,34-35 )


1Mo 26,34-35


Die Heirat Esaus mit zwei hetitischen Frauen ( Jehudit und Basemat ) war für seine Eltern ein Kummer. Diese Bemerkung veranschaulicht, wie unpassend Esau für die Segnung Gottes und wie töricht der spätere Versuch Isaaks, Esau zu segnen ( 1Mo 27,39-40 ), war. Später heiratete Esau noch eine dritte Frau, Mahalat ( 1Mo 28,9 ).



e. Die Täuschung Jakobs um des Segens willen
( 27,1-40 )


Gott erwartet von seinen Dienern, daß sie ihre geistliche Verantwortung durch den Glauben wahrnehmen. Unglücklicherweise ist der Glaube nicht zu jeder Zeit vorhanden, und dann werden die Dinge kompliziert. Dieses Kapitel stellt dar, wie eine ganze Familie versucht, ihre geistliche Verantwortung mit ihren physischen Sinnen ohne den Glauben wahrzunehmen. Es ist die bekannte Geschichte, wie Jakob den Segen von seinem Vater Isaak durch Täuschung erhält. Es ist eine Geschichte des Zerbruchs einer Familie über geistliche Dinge!

Alle Teilnehmer irrten sich. Isaak kannte das Wunderzeichen Gottes an Rebekka ( 1Mo 25,23 ), nämlich, daß der ältere dem jüngeren dienen würde; dennoch begann er, dem durch die Segnung Esaus entgegenzuarbeiten! Esau, der mit dem Vorhaben einverstanden war, brach den Eid, den er Jakob abgelegt hatte ( 1Mo 25,33 ). Rebekka und Jakob versuchten beide, zwar in einer gerechten Sache, doch durch Betrug, ohne Glauben oder Liebe den Segen Gottes zu erlangen. Ihnen sollte der Sieg gehören, aber sie ernteten Haß und Trennung, denn Rebekka sah Jakob niemals wieder! So wurde der Konflikt zwischen Jakob und Esau durch Jakobs Betreiben noch viel größer - er wollte das, was dem Erstgeborenen gehörte, den Segen. Aber die Geschichte handelt nicht nur von Jakob. Er alleine zerstörte die Familie nicht; vielmehr war es die Bevorzugung der Kinder durch die beiden Eltern.



1Mo 27,1-4


SZENE 1 ( Isaak und Esau ): Isaak erklärte sich bereit, Esau zu segnen. Es werden hier wichtige Bemerkungen hinsichtlich der schwachen Augen und dem hohen Alter Isaaks gemacht. Darüberhinaus wird seine Liebe zum Wildbret und zum wohlschmeckenden Essen betont (vgl. 1Mo 25,28.34 ). Sein Gaumen regierte sein Herz. Aber der springende Punkt bei Isaak war, daß er vorhatte, Esau seinen Segen zu geben . Es entstand für Rebekka eine Zwickmühle, die sie zum Handeln herausforderte.



1Mo 27,5-17


SZENE 2 ( Rebekka und Jakob ): Rebekka brachte Jakob zum Handeln, um Isaak an seinem Vorhaben zu hindern. Sie schien sich sicher zu sein, daß sie den Fleischgeschmack des Wildbretes mit Ziegenfleisch nachmachen konnte (V. 9 ). Aber Jakob war sich nicht so sicher, daß er seinen Vater täuschen konnte. Schließlich sagte Jakob, wenn Isaak ihn betastete, würde er den Unterschied zwischen der behaarten Haut Esaus und der glatten Haut Jakobs erkennen. Jakob hatte keine Schuldgefühle - nur Angst - im Hinblick auf das Vorhaben. Aber der Segen stand auf dem Spiel, und alles mußte riskiert werden, sogar einschließ- lich der Möglichkeit eines Fluches über Rebekka (V. 12-13 ). Also tat Jakob das, was ihm seine Mutter befohlen hatte. Rebekka steckte Jakob sogar in Esaus beste Kleider.



1Mo 27,18-29


SZENE 3 ( Jakob und Isaak ): Jakob betrog seinen Vater und erhielt den Segen. Von seiner Mutter angestachelt, log Jakob seinen Vater zweimal an; erstens über seine Identität ( Ich bin Esau , V. 19 ), und zweitens, daß Gott ihm (bei der Jagd, V. 20 ) Erfolg verliehen hatte. Dreimal äußerte der alte Mann seinen Argwohn (V. 20.22.24 ). Aber indem er von seinem Tastsinn (V. 16.23 ) und Geruchsinn (V. 27 ) getäuscht worden war, segnete er Jakob in dem Glauben, daß es Esau sei (V. 27-29 ). Der Segen schloß das Gedeihen der Ernten (V. 28 ), die Herrschaft über andere Völker und seine Brüder (vgl. V. 37 ), Fluch über jene, die ihm fluchten, und Segen über jene, die ihn segneten (V. 29 ), ein.



1Mo 27,30-40


SZENE 4 ( Esau und Isaak ): Bald danach kam Esau nach Hause und bat seinen Vater um seinen Segen. Als Esau das Essen hineinbrachte, wurden die Gefühle aufgepeitscht. Isaak bebte heftig über das, was geschehen war, und Esau war sehr bitter und böse (V. 34 ). Isaak wußte, daß er sich in Gottes Plan hineingemischt hatte und überwältigt worden war; da gab es nun kein Zurück mehr. Esau begann, das wahre Wesen Jakobs zu erkennen. Zweimal hatte Jakob Esau »überlistet« oder betrogen, indem er ihm sein Erstgeburtsrecht ( 1Mo 25,29-34 ) nahm und nun, indem er ihm den Segen stahl. Alles, was blieb, war ein Segen für einen weltlichen Menschen ( 1Mo 27,39-40 ). Esau würde weder die Reichtümer der Erde noch den Tau des Himmels genießen (vgl. V. 28 ). Die Edomiter, die Nachkommen Esaus, würden in einem weniger fruchtbaren Land als Palästina leben. Auch Esau würde unter dem Vorzeichen der Gewalt leben, Jakob dienstbar und ruhelos sein (vgl. Ismael, 1Mo 16,12 ).

So siegten Rebekka und Jakob auf der einen Seite, obwohl sie nichts erlangten, was Gott ihnen nicht sowieso gegeben hätte; aber sie verloren auf der anderen Seite viel.

Dennoch wirkte Gott durch ihr Handeln. Ihre Taten folgten nur dem nach, was das Wunderzeichen Gottes prophezeit hatte. Der Plan Gottes wird den Sieg davontragen, häufig sogar trotz des Handelns der Menschen.

Die Geschichte handelt von elterlicher Begünstigung, die die Familie völlig zerriß. Die Geschichte ist auch ein Bericht geistlicher Unempfänglichkeit. Alle natürlichen Sinne haben auffallenden Anteil - insbesondere der Geschmacksinn, mit dem Isaak sich selbst brüstete, der ihm aber die falsche Antwort gab. Sich auf die eigenen Sinne für die Unterscheidung geistlicher Dinge zu verlassen, erweist sich nicht nur als fehlbar, sondern beschwert das Leben übermäßig.

Am wichtigsten ist jedoch, daß die Geschichte vom Betrug handelt. Das einzige Zögern Jakobs lag in seiner Angst begründet, daß er, anstatt gesegnet zu werden, verflucht werden könnte ( 1Mo 27,12 ). Er erkannte wenigstens, daß ein solches Handeln die Verheißung Gottes gefährden würde. Jakob lernte später, daß Segen von Gott gegeben und nicht durch Betrug erlangt wird.


f. Die Flucht Jakobs
( 27,41-28,9 )


1Mo 27,41-46


Dieser Abschnitt bildet den Übergang zu den Geschichten über Laban und Jakob. Aufgrund seines Betruges mußte Jakob von zu Hause fliehen. Aber der Anlaß eröffnete den Beweggrund dafür, von seinen Verwandten im Osten eine Frau zu nehmen. Während Isaak im Land geblieben war, während der Knecht Abrahams losgezogen war, um seine Frau zu finden und herbeizubringen ( 1Mo 24 ), war die Reise Jakobs durch die drohende Gefahr, von seinem zornigen Bruder getötet zu werden ( 1Mo 27,41-42 ), zwingend notwendig geworden. Darüber hinaus handelte Gott mit Jakob ernstlich unter der Hand Labans, seines Onkels. In der Tat steht der Aufenthalt außerhalb des Landes auf mehrere Weisen zu dem späteren Aufenthalt der Familie Jakobs in Ägypten parallel.

Rebekka berichtete Jakob von dem Zorn Esaus und drängte ihn, sofort zu ihrem Bruder Laban in Haran zu ziehen. Indem sie wiederum ihren Mann um ihres Sohnes willen täuschte, drückte sie Mißfallen an ihren beiden hetitischen Schwiegertöchtern, Jehudit und Basemat (V. 46 ; 1Mo 26,34-35 ), aus und drängte Isaak, Jakob eine Frau aus ihrem eigenen Volk zu geben. Auf diese Weise konnte Jakob mit dem Segen Isaaks fliehen (vgl. 1Mo 28,1 ).



1Mo 28,1-5


Wieder segnete Isaak Jakob und befahl ihm: Nimm keine kanaanitische Frau . Das kanaanitische Volk war eine gemischte Rasse und vereinigte Dutzende von Gruppen und Stämmen durch Bünde und Eheschließungen in seiner Gesellschaft. Die Familie Abrahams sollte einer solchen Vermischung Widerstand leisten (vgl. die Weigerung Abrahams, Isaak eine kanaanitische Frau zu geben, 1Mo 24,3 ). Der Grund für die Heirat innerhalb der Sippe war der Wunsch, in der Linie Reinheit zu bewahren und sich der eigenen Familie gegenüber loyal zu verhalten. Der sicherste Weg, die Unterscheidung zwischen den Stämmen zu verlieren, war, in ein Volk mit verschiedenen Elementen hineinzuheiraten. Sicher war Moses immer wieder ausgesprochene Aussage an die Israeliten, daß ihre Vorfahren der Heirat mit den Kanaanitern widerstanden hatten, auch eine Warnung. Kanaaniter zu heiraten würde mit Sicherheit der Reinheit der Linie ein Ende setzen, aber was noch wichtiger war, es würde die Reinheit des israelitischen Glaubens zerstören.

Bevor Jakob wegzog, gab ihm Isaak den bloßen, rechtmäßigen Segen. Es gab nun kein Zurückhalten mehr. Isaak hatte den Segen, den Gott sowohl Abraham als auch Isaak gegeben hatte, an Jakob weitergegeben. Isaak wiederholte den Segen von Gott, dem Allmächtigen ( ?El Sadday ; vgl. den Kommentar zu 1Mo 17,1 ), das Gedeihen und das Land betreffend ( 1Mo 28,3-4; vgl. 1Mo 15,5.18-20 ) und drängte seinen Sohn, nach Mesopotamien zu ziehen. Diejenigen, die Erben der Segnung des Abrahamsbundes sind, durften diese Segnungen nicht durch Eheschließungen mit den Kanaanitern gefährden. Die geistliche Reinheit sollte in allen Generationen bewahrt werden.

 

1Mo 28,6-9


Im Gegensatz dazu heiratete Esau, der seinem Vater gefallen wollte, zusätzlich zu den beiden hetitischen Frauen einen Nachkommen Abrahams durch Ismael. Mahalat, eine Tochter Ismaels , war also eine Kusine Esaus. Ironischerweise heiratete der nichterwählte Sohn Isaaks in die nichterwählte Linie Ismaels hinein! So versuchte Esau, seinen Ruf als Ehemann zu verbessern, indem er eine dritte Frau heiratete (vgl. 1Mo 26,34 ). Esau hatte für den Abrahamsbund und seine Reinheit kein Verständnis. Er lebte noch immer auf der menschlichen Ebene.



g. Die Verheissungen des Bundes werden in Bethel bestätigt
( 28,10-22 )


Die Vision Jakobs in Bethel war auf die bloße Gnade Gottes gegründet. Gott erschien Jakob, um ihn seiner Verheißung des Segens und Schutzes zu versichern und brachte damit Jakob dazu, eine wunderbare, anbetende Antwort zu geben, in der er Treue gelobte. Dieser Abschnitt beantwortet (a) die Frage, ob der Herr auch der Gott Jakobs war, und zeigt (b), wie Jakobs Aussichten sich auf dramatische Weise änderten.

 

1Mo 28,10-15


Jakob, der für die Nacht auf seinem Weg zu seinem aramäischen Onkel Laban in Haran in Mesopotamien (vgl. 1Mo 25,20; 28,2 ) angehalten hatte, träumte von Engeln auf einer Leiter, die bis zum Himmel reichte . Der entscheidende Zug der Geschichte ist der, daß Gott mit Jakob war, wohin er auch ging. Dies wurde durch die »Leiter« symbolisiert, die durch die Worte Gottes erklärt (V. 13-15 ) und im Glauben von Jakob erkannt wurde (V. 20-22 ). Gott wiederholte Jakob den Bund, den er mit Abraham und Isaak geschlossen hatte und verhieß ihm das Land, Nachkommen so zahlreich wie der Staub (vgl. 1Mo 13,16; 22,17 ) und einen allgemeinen Segen durch ihn (vgl. 1Mo 12,2-3; 15,5.18; 17,3-8; 22,15-18; 35,11-12 ). Gott verhieß auch, Jakob zu beschützen und mit ihm zu sein, während er außerhalb des Landes war und darauf zu sehen, daß er zurückkehren würde.

 

1Mo 28,16-22


Jakobs anbetende Antwort schloß ein, daß er (a) vor dem Herrn Furcht hatte, daß er (b) einen Gedenkstein aufrichtete, daß er (c) den Stein weihte, indem er auf die Spitze Öl goß, daß er (d) den Ort Bethel (»Haus Gottes«) nannte, um das Ereignis in Erinnerung zu rufen, daß er (e) ein Gelübde ablegte, indem er zum ersten Mal seinen Glauben an den Herrn ausdrückte ( der HERR wird mein Gott sein ), und daß er (f) den Zehnten versprach (V. 22 ). All diese Dinge unterstrichen den zentralen Gedanken von Gottes beschützender Gegenwart.

Mehrere spätere Gebräuche liegen in diesem Geschehen begründet. Der bemerkenswerteste ist das Denkmal in Bethel. Später hielten die Israeliten diesen Ort für einen heiligen Platz, wo Gott »geschaut« werden konnte.

Ein anderes Motiv ist das Geben des Zehnten (so wie bei Abram in 1Mo 14,20 ). Den Zehnten zu geben, war eine Handlung, durch die ein Mensch anerkannte, daß alles, was er besaß, Gott gehörte. Der Glaube erkennt diese Tatsache äußerlich in Form eines Geschenkes an.

Auch das Gelübde Jakobs war ein wichtiges Element bei diesem Ereignis. Er gelobte, daß, wenn Gott ihn beschützte, für ihn sorgte und ihn in seine Heimat zurückbrächte, dieser Ort dann ein Zentrum der Anbetung für ihn werden würde. Später waren Gelübde für Israel sehr wichtig.

Darüberhinaus erhielten aufgerichtete Steine von diesem Zeitpunkt an große Bedeutung. Sie unterschieden sich von Altären. Denkmäler wurden aufgerichtet, um sich das Erscheinen Gottes ins Gedächtnis zu rufen, so daß andere bei der Frage: »Was bedeuten euch diese Steine?« ( Jos 4,6 ) etwas über Gott erfahren konnten.

Die Gegenwart dieser wichtigen religiösen Motive betonen die Tatsache, daß ein unbekannter »Ort« für Israel ein wichtiger Ort der Anbetung wurde. Die parallele Struktur beider Abschnitte ( 1Mo 28,10-13; 28,16-19 ) zeigt, daß die Anbetung eine Antwort auf das Gesicht war. Z.B. wird das Wort »Haupt« oder Kopf wiederholt; zuerst für das Haupt Jakobs auf dem Stein (V. 11 ), dann für die Spitze (wörtl. »Kopf«) der Leiter (V. 12 ) und dann für die Spitze des Steinmales (V. 18 ). Ein weiteres Wortspiel hängt mit dem Wort »steht« zusammen. Zuerst stand der Herr auf der Spitze der Leiter (V. 13 ), und dann wurde der Stein als ein Denkmal aufgerichtet (wörtl. »stand auf«) (V. 18 ). Diese Parallelen machen deutlich, daß der kleine Altar Jakobs das Gesicht verkörperte.

Gottes Verheißung, mit seinem Volk zu sein, ist ein Thema, das in der Heiligen Schrift ständig wiederholt wird. (Z.B. sagte Gott zu Isaak: »Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir«, 1Mo 26,24 .) Die Versicherung der Gegenwart Gottes sollte in jedem Gläubigen dieselbe Antwort, die Jakob antrieb, hervorbringen, nämlich Anbetung und Vertrauen. Das ist die Botschaft von Anfang an: Gott sucht in Gnade sein Volk auf und verheißt ihm Bewahrung und Versorgung, so daß es für andere ein Segen sein kann. Es muß im Gegenzug im Glauben antworten, indem es den Herrn fürchtet, ihn verehrt, ihm opfert, sich ihm weiht und zukünftigen Anbetern an solchen Orten Denkmäler für die Zukunft setzt.

Das Ereignis in Bethel war also ein Archetyp der Verehrung Israels, die nach ihrem Patriarchen Jakob gestaltet - und auch tatsächlich nach ihm benannt wurde.



2. Die Segnung Jakobs in der Fremde
( 1Mo 29-32 )


Diese Kapitel zeigen, wie Gott zu seiner Verheißung stand und Jakob reichlich segnete. Sie zeigen auch, wie Gott den Patriarchen züchtigte.



a. Das Treffen mit Rahel und der Betrug Labans
( 29,1-30 )


1Mo 29,1-6 : Der Aufbau und der Inhalt dieses Abschnittes spiegeln die Bedeutung der Erfahrung in Bethel wider. Jakob war vor Esau geflohen. Nun suchte er sich eine Braut. Dieser Umschwung in seiner Absicht geschah aufgrund der Verheißung Gottes, die ihm in Bethel gegeben worden war. Seine Suche war die Erfüllung eines Teiles der Verheißung, nämlich, daß er Nachkommen bekommen sollte, während er sich außerhalb des Landes aufhielt. Darüberhinaus war der Geist Jakobs nun großmütig und selbstlos. Er hatte eine neue Zielsetzung.

Bezeichnenderweise steht Jakobs Treffen mit Rahel parallel zu dem Treffen seines Vaters mit Rebekka ( 1Mo 24 ). Mit Sicherheit erinnerte sich Laban, der Bruder Rebekkas, daran, wie Gott EliÙser geführt hatte. Dennoch betont diese Erzählung im Gegensatz zu Kapitel 24 nicht die göttliche Leitung, sie wird aber angedeutet. Hier war ein Mensch, der eine wunderbare Schau erhielt. Er kannte den Plan Gottes, ihn zu segnen und zu führen. So beeilte sich Jakob mit seinem Plan ( er setzte seine Reise fort heißt wörtl. »er nahm seine Beine in die Hand«). Er kam »zufällig« an einen Ort, wo ein Brunnen lag; es war »zufällig« bei Haran, wo Laban wohnte ( 1Mo 29,5 ), und Labans Tochter Rahel kam gerade »zufällig« zu dem Brunnen (V. 6 ). Diese zeitliche Abstimmung war das Wirken des liebenden allmächtigen Gottes, der den ganzen Weg geführt hatte (vgl. 1Mo 24,27 ). Die Tatsache, daß das Zusammentreffen am Brunnen stattfand, ist bedeutsam, weil ein Brunnen häufig mit dem Segen Gottes in Verbindung gebracht wurde (vgl. 1Mo 16,13-14; 21,19; 26,19-25.33 ).



1Mo 29,7-14


Als Jakob die Herden Labans tränkte, gab eine Bemerkung eine Vorahnung wieder: die folgenden Kapitel 30-31 stellen dar, wie Laban und seine Herden in der Gegenwart Jakobs gediehen (vgl. 1Mo 12,2-3 ). Im Gegensatz zu Labans faulen Hirten ( 1Mo 29,7-8 ) war Jakob großherzig, eifrig und fleißig (V. 10 ). Er hatte eine Sendung, ein Streben. Dieses brennende Ziel, eingeprägt durch frühere Erfahrung, führte ihn dazu, sein Ziel zu erreichen.

Das Küssen von Verwandten (V. 11.13 ) war eine angemessene Begrüßung. Indem Laban Jakob sein eigenes Fleisch und Blut nannte (V. 14 ), erkannte er Jakob, seinen Neffen, möglicherweise sogar als einen Sohn an.



1Mo 29,15-30


Die freudige Aussicht Jakobs, Rahel zu heiraten, wandelte sich durch den Betrug Labans in einen Alptraum. In Laban fand Jakob seinen Meister und auch sein Werkzeug zur Züchtigung. Jakob hatte seinen eigenen Bruder und Vater getäuscht und wurde nun von dem Bruder seiner Mutter getäuscht! Zwanzig Jahre ( 1Mo 31,38 ) der Plackerei, des Kummers und des Betruges lagen vor ihm. Durch Laban erhielt er seine eigene Medizin der Falschheit. Aber Jakobs Zähigkeit zeigt, daß er sie als geringes Hindernis zählte. Gott nahm ihn, entwickelte seinen Charakter, kehrte die Früchte seines Betruges in Segen und schuf die verheißenen Nachkommen, das Volk Israel.

Jakob hatte sich vorgenommen, sieben Jahre zu arbeiten , um Rahel zur Frau zu bekommen. Jene sieben Jahre der Arbeit gingen für Jakob wegen seiner Liebe zu ihr schnell vorbei ( 1Mo 29,20 ). Interessanterweise waren die Frauen der ersten drei Patriarchen schön: Sara ( 1Mo 12,11 ), Rebekka ( 1Mo 24,15-16 ) und Rahel ( 1Mo 29,17 ).

Als die Zeit für das Hochzeitsfest herankam (V. 21-22 ) waren die Herzen fröhlich und die Stimmung gut. Aber in der Nacht wurde Jakob Lea , Rahels ältere Schwester, untergeschoben. Dies war ein Meisterstück schamlosen Verrates. Die ungeliebte Lea wurde einem Mann gegeben, der Rahel liebte.

Jakobs Ärger war nutzlos. Nun, als er selbst das Objekt der Betrügerei war, verstand er, wie Esau empfunden hatte. Laban bot ihm als Ausflucht eine örtliche Sitte: es ist nicht recht, die Jüngere vor der Älteren zu verheiraten . Diese Worte mußten Jakob durchbohrt haben. In seinen früheren Tagen hatte er, der Jüngere, seinem Vater in Betrug vorgetäuscht, der ältere Bruder zu sein ( 1Mo 27 ). Wenn gesellschaftliche Konventionen außer acht gelassen werden müssen, sollte es durch Gott geschehen, nicht durch Betrug. Die kränkenden Worte Labans wurden ohne Kommentar stehengelassen; das Ereignis war einfach Gottes Ratschluß über Jakob.

Die Bibel macht immer wieder das Prinzip deutlich: Was ein Mensch sät, das wird er ernten ( Gal 6,7 ). Man hat das Ironie oder poetische Gerechtigkeit genannt, es ist aber mehr als das. Es ist die göttliche Strafe, bei der häufig mit demselben Maß heimgezahlt wird. Gott ordnet die Angelegenheiten der Menschen, um die Dinge in Ordnung zu bringen. Dieser Betrug war bei Jakob ganz und gar angebracht. Es war die göttliche Bestrafung, um ihm seine eigene List vor Augen zu führen. Jakob hatte sich betrügerisch mit der Verkleidung Esaus, des Erstgeborenen, seinem Vater dargeboten; nun wurde ihm Lea , die Erstgeborene, mit der Aufmachung der Rahel , der Jüngeren, betrügerisch zugeführt. Nach seiner anfänglichen Reaktion erkannte Jakob den Betrug als solchen und nahm ihn hin. Er beendete die Hochzeitswoche ( 1Mo 29,27; vgl. Woche in V. 28 ), an deren Ende er Rahel bekam (zwei Frauen in sieben Tagen). Jeder Tochter wurde eine Magd als Hochzeitsgabe gegeben, ein Brauch, der in dieser Gesellschaft üblich war. Lea bekam Silpa , V. 24 , und Rahel erhielt Bilha , Vers 29 (vgl. 1Mo 30,4-13 .) Dann arbeitete Jakob weitere sieben Jahre , die er Laban als Gegenleistung für Rahel schuldig war ( 1Mo 29,30; vgl. 1Mo 31,38.41 ).

Unglücklicherweise war Jakob nicht der einzige Gläubige, der einen Laban brauchte, der ihn züchtigte.



b. Die Ausbreitung des verheissenen Samens durch die Geburt der Vorfahren der 12 Stämme
( 29,31-30,24 )


Der Wunsch nach liebevoller Anerkennung führt häufig auf gefährliche Wege. Der Wettkampf im Kindergebären zwischen Rahel und Lea zeigt gerade einen solchen Kampf innerhalb einer Familie. Die Geschichte dreht sich um das Flehen der Menschen um Liebe und Anerkennung und um den Preis, dem entgegenzuarbeiten.



1Mo 29,31-35


In seinen Familienbeziehungen säte Jakob noch einige bittere Samen. Er war zu Lea, seiner ungewollten Frau, kühl. Gott war sich darüber, ebenso wie Lea, im klaren. Rahel war unfruchtbar , so wie Sara und Rebekka vor ihr (V. 31 ; vgl. 1Mo 16,1; 25,21 ).

Die ersten vier Söhne Leas wurden in rascher Folge geboren. Dies muß den langen Wartezeiten der Vorväter gegenübergestellt werden. Der Bericht von diesen Geburten ist traurig, aber man erkennt hier, so wie in dem Kapitel als Ganzem Gott als den einen an, der ungeachtet menschlicher Bemühungen Leben gibt.

Lea nannte ihren Erstgeborenen Ruben ( r+?UBEN ) und zeigt damit an, daß der HERR ihr Elend gesehen hatte ( rA?Ch b+ZAnyI ). Ein anderes Wortspiel schließt sich an: Nun wird mein Mann mir doch zugetan ( ye?EhABanI ) sein . Diese Benennung zeigte ihre Hoffnung, aber auch ihren Trost und ihren Glauben. Jakob hat nie ihren Kummer gesehen, aber der Herr sah ihn (vgl. »Beer Lahai Roi«, wörtl. »der Brunnen des Lebendigen, der mich sieht«,