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1. Samuel Walvoord

1.Samuel (Eugene H. Merill)


EINFÜHRUNG


Name


Die Bücher 1. und 2.Samuel haben ihren Namen vom Propheten Samuel, der ersten bedeutenden Persönlichkeit im ersten Buch. Die frühesten hebräischen Handschriften trennten die beiden Bücher nicht. Sie benannten das ganze Werk einfach mit "Samuel". Die Septuaginta war die erste Übersetzung, die das Material in zwei Teile teilte. Diese Teilung ist bis auf den heutigen Tag in allen Übersetzungen und Ausgaben beibehalten worden, auch in den hebräischen Bibeln.

Verfasser: Die Verfasserfrage von 1. und 2Sam ist unbekannt, obwohl kaum ein Zweifel daran besteht, daß Samuel selbst Informationen für 1Sam 1,1-25,1 ,wo sein Leben und sein Berufsweg einschließlich seines Todes geschildert werden, geliefert oder es selbst geschrieben hat. Über die Verfasserfrage des Restes von 1. und 2Sam kann man allerdings nichts Bestimmtes sagen.



Zeit


Die Entstehungszeit des Buches kann nicht genau bestimmt werden. Es gibt keinen Hinweis, daß der Autor/die Autoren etwas über den Fall Samarias im Jahr 722 v. Chr. wußten, aber er (oder einer der Autoren) lebte eindeutig in der nachsalomonischen Zeit, nach der Teilung des Königreichs von Israel und Juda (931 v. Chr.). Dies wird durch den Bezug auf Ziklag, eine Philisterstadt, die, wie der Erzähler schreibt, "den Königen von Juda bis auf diesen Tag" gehört ( 1Sam 27,6 ), und durch die Hinweise auf Israel und Juda ( 1Sam 11,8; 17,52; 18,16; 2Sam 5,5; 11,11; 12,8; 19,42-43; 24,1.9 ) deutlich. Historischer Rahmen: Die in 1. und 2Sam beschriebenen Ereignisse drehen sich um das Leben dreier bedeutender Personen - Samuel, Saul und David. 1Sam beginnt mit der Erzählung von Samuels Geburt, einem Ereignis, das gegen Ende des 12. Jahrhunderts, ungefähr 1120 v. Chr. stattfand. 2Sam endet mit einer Geschichte über die königliche Nachfolge, in der David auf seinem Sterbebett Vorsorge für seinen Sohn Salomo traf, damit er ihm auf den Thron folgte. Der gesamte Zeitabschnitt umfaßt also ungefähr 150 Jahre.

Die ungefähr 300 Jahre der Geschichte Israels unter den Richtern wurden durch politische, moralische und geistliche Gesetzlosigkeit und Entartung bestimmt. Die Lage war so beherrschend, daß auch die Söhne Elis, des Hohepriesters, am Ende des 12. Jahrhunderts vollkommen abgefallen waren und ihr priesterliches Amt für ihren eigenen Gewinn und zügellose Beschäftigungen benutzt hatten. Gerade als es schien, daß das Volk in seiner eigenen Verdorbenheit versinken würde, griff Gott ein und schenkte der gottesfürchtigen Hanna, in Antwort auf ihre Gebete, und dem Volk den jungen Samuel. Samuels feste Leiterschaft als Richter, Prophet und Priester schenkte dem Volk den Aufschub des inneren und äußeren Gerichts. Als er allerdings alt geworden war und ein Nachfolger benötigt wurde, war es für alle offensichtlich, daß seine Söhne unglückseligerweise nicht in der Lage waren, seinen Platz einzunehmen. Dieser Faktor, verbunden mit dem Überfall der Ammoniter auf die Ostseites des Jordans, veranlaßte Israel, Samuel aufzufordern, ihm einen König "wie ihn alle Heiden haben" zu geben ( 1Sam 8,5.20 ).

Obwohl Samuel durch diese Bitte in Unruhe geraten war, weil sie die Zurückweisung Jahwes als seinen König bedeutete, gewährte Samuel die Bitte und wählte Saul als König, eine Wahl, die von Jahwe selbst unterstützt und bestätigt wurde. Auf diese Weise wurde in Israel die Monarchie eingeführt. Die Umstände und Zeit ihrer Schaffung waren unpassend, um sicher zu sein, aber das Konzept menschlicher Königsherrschaft war Teil eines Plans Gottes, wie er es noch vor der Zeit der Patriarchen offenbart hatte ( 1Mo 17,6.16; 35,11; 5Mo 17,14-20 ). Schließlich lebte Samuel so lange, daß er mit der Wahl und Ernennung Davids, Israels zweitem König, den Beginn der dynastischen Königsherrschaft, die Gott als Teil seines messianischen, erlösenden Plans ( 1Mo 49,10; 4Mo 24,17 ) versprochen hatte, erlebte. Die Bücher Samuel umfassen weiterhin die kritische Periode in der Geschichte Israels von der Richterzeit zur Monarchie, von lockerer Stammeszugehörigkeit zu starker zentraler Regierung.



Absicht


Die Bücher Samuel geben einen Bericht über die Geschichte Israels vom Ende des 12. bis zum Anfang des 10. Jahrhunderts v. Chr. Diese Bücher sollten aber, wie es immer für biblische Geschichte gilt, theologisch und nicht als reine Aufzählung von Ereignissen, losgelöst von der Absicht und dem Plan Gottes, betrachtet werden. Da man mit guten Gründen davon ausgehen kann, daß sich das Hauptthema biblischer Theologie mit der Feststellung der Souveränität Gottes über allen Dingen beschäftigt, ist es die besondere Absicht von 1. und 2.Sam, zu zeigen, wie diese Oberherrschaft auf das Volk Israel übertragen wurde, besonders durch die göttlich erwählte davidische Königsdynastie. David und seine Dynastie zeigen, was es bedeutet, unter Gott zu regieren. Ebenso wurde schließlich durch Davids königliches Haus sein größerer Sohn, Jesus Christus, Fleisch. Christus übte in seinem Leben die Königsherrschaft in vollkommener Weise aus und sorgte mit seinem Tod und seiner Auferstehung für die Grundlage, auf der alle gläubigen Menschen mit und durch ihn regieren können ( 2Sam 7,12-16; Ps 89,36-37; Jes 9,6 ).

 

GLIEDERUNG


I. Die Vorbereitungen für die Monarchie ( Kap.1-9 )

     A. Samuels Geburt und Kindheit ( Kap.1 )
          1. Samuels Familie ( 1,1-3 )
          2. Hannas Problem ( 1,4-8 )
          3. Hannas Gebet ( 1,9-18 )
          4. Samuels Geburt ( 1,19-23 )
          5. Samuels Darbringung vor Gott ( 1,24-28 )

     B. Hannas Lied ( 2,1-10 )
          1. Hannas Frohlocken im Herrn ( 2,1 )
          2. Hannas Lobpreis des Herrn ( 2,2-8 )
          3. Hannas Erwartung vom Herrn ( 2,9-10 )

     C. Die Situation in Silo ( 2,11-36 )
          1. Samuels Entwicklung ( 2,11.26 )
          2. Die Sünden der Priesterschaft ( 2,12-17.22.25 )
          3. Der Segen über Samuels Familie ( 2,18-21 )
          4. Die Ablehnung der Priesterschaft ( 2,27-36 )

     D. Samuels Berufung ( Kap.3 )
          1. Die göttliche Stimme ( 3,1-10 )
          2. Die göttliche Botschaft ( 3,11-14 )
          3. Samuels Bestätigung ( 3,15-21 )

     E. Die Bundeslade ( Kap.4-7 )
          1. Die Eroberung der Bundeslade ( Kap.4 )
          2. Die Macht der Bundeslade ( Kap.5 )
          3. Die Rückkehr der Bundeslade ( 6,1-7,1 )
          4. Die Wiederherstellung der Bundeslade ( 7,2-17 )

     F. Die Wahl eines Königs ( Kap.8-9 )
          1. Die Forderung nach einem König ( 8,1-9 )
          2. Das Wesen des Königs ( 8,10-18 )
          3. Die Einführung des Königs ( 8,19-9,14 )
          4. Die Wahl des Königs ( 9,15-27 )

II. Die Periode Sauls ( Kap.10-31 )

     A. Sauls Aufstieg ( Kap.10-14 )
          1. Sauls Wahl durch Israel ( Kap.10 )
          2. Sauls erster Sieg ( Kap.11 )
          3. Die Rede Samuels ( Kap.12 )
          4. Sauls erste Zurechtweisung ( Kap.13 )
          5. Jonatans Gefährdung ( Kap.14 )

     B. Sauls Verwerfung ( Kap.15 )
     C. Saul und David ( Kap.16-26 )
          1. In freudschaftlichen Zeiten ( Kap.16-17 )
          2. In unfreudlichen Zeiten ( Kap.18-26 )

     D. Sauls Tod ( Kap.27-31 )
          1. David in Ziklag ( Kap.27 )
          2. Saul in En-Dor ( Kap.28 )
          3. Davids Rückkehr nach Ziklag ( Kap.29-30 )
          4. Die Schlacht von Gilboa ( Kap.31 )



AUSLEGUNG


I. Die Vorbereitungen für die Monarchie
( 1Sam 1-9 )


A. Samuels Geburt und Kindheit
( 1Sam 1 )


1. Samuels Familie
( 1,1 - 3 )


1Sam 1,1-3


Samuel war der Sohn von Elkana ... einem Ephraimiter aus Ramatajim-Zofim . Diese Gegend, sonst einfach als Rama ("die Höhe") bekannt, lag im Bergland, ungefähr 25 km nördlich von Jerusalem. Vielleicht ist sie, nach Eusebius, identisch mit Arimathäa, der Heimat Josefs von Arimathäa in neutestamentlicher Zeit. Rama war Samuels Geburtsort (V. 19 - 20 ), Wohnort ( 1Sam 7,17 ) und Ort seines Grabes ( 1Sam 25,1 ). Elkanas Beschreibung als Ephraimiter erscheint merkwürdig, da ja Samuel als Priester diente, ein Amt, das ausschließlich für Leviten bestimmt war. Allerdings war Elkana ein direkter Nachkomme Levis ( 1Chr 6,1-12 ) und daher befähigt, eine priesterliche Aufgabe auszuführen. Er war nach der Abstammung Levit, nach dem Wohnort aber Ephraimiter. Ein Zeichen dafür, wie gesetzlos die Zeiten waren, in denen Samuel geboren wurde, ist die Bigamie seines Vaters. In solchen Zeiten nahm ein Mann (obwohl es niemals von Gott gebilligt wurde), dessen Frau unfruchtbar war, eine zweite Frau, mit der er Kinder bekommen konnte, zu sich ( 1Mo 16,1-3; 30,34.9-10 usw.). Dies erklärt, warum Elkana zwei Frauen hatte und warum Hanna , die geliebte aber unfruchtbare Frau, sich so sehnlich einen Sohn wünschte.



2. Hannas Problem
( 1,4 - 8 )


1Sam 1,4-8


Weil die Nachkommenschaft eines hebräischen Mannes in dem Vorhandensein eines Sohnes gipfelte, weil dieser seinen Namen weitertrug, wurde die Unfähigkeit seiner Frau, mit einem Sohn schwanger zu werden, als Fluch Gottes betrachtet. (Nach 5Mo 7,13-14 war das Vorhandensein von Kindern ein Zeichen des Segens Gottes. Umgekehrt stuften die Israeliten die Unfähigkeit, Kinder zu gebären, als einen Fluch ein.) Aber Hannas Unfruchtbarkeit minderte Elkanas Liebe zu ihr nicht. Tatsächlich gab er ihr zweimal so viel wie Peninna , seiner zweiten Frau, wenn sie ihre Opfer zum Herrn nach Silo brachten, dem Ort, der 24 km nördlich von Rama lag und an dem Josua die Bundeslade aufgestellt hatte ( Jos 18,1 ). Dies brachte Peninna gegen Hanna auf, so daß sie ihre Rivalin herabsetzte ( 1Sam 1,6-7 ). Das erinnert an die Eifersucht in Rahels Herzen, zu der sie durch Jakobs Bigamie gebracht wurde ( 1Mo 30,1 ). Keine der Beteuerungen Elkanas seiner tiefen Liebe hatte auf Hanna und ihren Kummer irgendeine wohltuende Auswirkung ( 1Sam 1,8 ). Ihre einzige Zuflucht bestand darin, sich ganz der Gnade Gottes zu unterwerfen.


3. Hannas Gebet
( 1,9 - 18 )


1Sam 1,9-18


Das Gesetz verlangte, daß jeder erwachsene männliche Hebräer zu den drei großen religiösen Festen des Jahres bei der Stiftshütte oder beim Tempel des Herrn erscheinen sollte ( 2Mo 23,14-17 ). In dieser Epoche der Geschichte befand sich die Stiftshütte in Silo , ungefähr 24 km nördlich von Rama. Elkana besuchte die Feste üblicherweise mit seinen Frauen, und Hanna schüttete ihre Seele mit der Bitte um einen Sohn vor Gott aus. Bei einer dieser Gelegenheiten leistete Hanna ein Gelübde , daß, wenn Gott ihre Bitte erfüllte, sie dem Herrn ihren Sohn für sein ganzes Leben zurückgeben würde. Diese Weihe ihres Sohnes war das Gebot des Nasiräer-Gelübdes, das in 4Mo 6,1-8 beschrieben wird. Es handelte sich um das gleiche Gelübde, das Simsons Eltern auf sich nahmen, als sie unter ganz ähnlichen Umständen Simson dem Herrn weihten ( Ri 13,2-5 ). Das stille Gebet Hannas war so intensiv, daß der Hohepriester Eli, der in der Nähe saß, auf die Bewegungen ihrer Lippen aufmerksam wurde und annahm, daß sie betrunken sei. Als der Priester durch ihr ehrliches Versprechen eines anderen belehrt worden war, versprach er ihr, daß Gott auf ihr Gebet antworten würde.


4. Samuels Geburt
( 1,19 - 23 )


1Sam 1,19-20


Kurz nach Hannas Rückkehr nach Rama wurde sie schwanger und gebar einen Sohn, den sie Samuel nannte. Obwohl der Name eigentlich "sein Name ist Gott" oder etwas ähnliches bedeutete, mag Hanna den Namen durch den ähnlichen Klang vielleicht in der Bedeutung "von Gott erbeten" verstanden haben. Sie hatte Gott um einen Sohn "gebeten" ( SA?al ), und er hatte sie "gehört" ( SAmaZ ). "Samuel" wäre dann verwandt mit SAmVaZ ?El , "erhört von Gott", weil sie den HERRN um ihn gebeten hatte.



1Sam 1,21-23


Beim nächsten jährlichen Fest ging Elkana nach Silo, um dem Herrn Opfer zu bringen (vgl. V. 3 ), aber dieses Mal bezahlte er dem Herrn auch sein Gelübde. Diese Bezahlung des Gelübdes mußte aus dem Opfer Samuels selbst bestehen, den Elkana (und Hanna) zu geben versprochen hatten, wenn der Herr ihr Gebet um einen Sohn erhören würde (vgl. 3Mo 27,1-8; 4Mo 30,3-8 ).

Hanna und Samuel begleiteten Elkana nicht, weil Samuel noch nicht ganz entwöhnt und daher von seiner Mutter vollständig abhängig war. Elkana erkannte die Weisheit darin und stimmte zu, daß Hanna und Samuel zu Hause bleiben sollten. Allerdings hatte er vielleicht Sorgen, daß die zeitweilige Vorenthaltung Samuels vom Dienst gegenüber dem Herrn die Gunst des Herrn (daß er ihnen einen Sohn gäbe, der überleben und gedeihen würde), gefährden könnte, und daher betete Elkana, daß der HERR sein Wort bestätige.



5. Samuels Darbringung vor Gott
( 1,24 - 28 )


1Sam 1,24-28


Nachdem Hanna ihren Sohn entwöhnt hatte, erfüllte sie ihr Gelübde und brachte ihn nach Silo, um ihn dem Herrn als lebenslänglichen Nasiräer darzubringen. Da es für ein Kind ja üblich war, bis zu einem Alter von ungefähr drei Jahren gestillt zu werden (vgl. in den Apokryphen 2. Makkabäer 7,27), würde der Junge Samuel keine ungewöhnliche Last für Eli und die priesterliche Belegschaft in Silo sein. Samuel würde auch alt genug sein, um die Regeln des Dienstes in der Stiftshütte zu erlernen.



B. Hannas Lied
( 2,1 - 10 )


Dies ist eines der frühesten und bewegendsten Gedichte im Alten Testament. Sein Charakter ist so messianisch, daß Maria, die Mutter Jesu, es in ihr eigenes Triumphlied, das Magnifikat, aufnahm, in dem sie Gott dafür pries, daß er sie dazu auserwählt hatte, die menschliche Mutter Jesu, des Messias, zu sein ( Lk 1,46-55 ).



1. Hannas Frohlocken im Herrn
( 2,1 )


1Sam 2,1 : Hanna sprach mit eindeutigem Verweis auf ihre Rivalin Peninna von ihrer Freude im Herrn, der ihr geholfen hatte, zuletzt doch noch Befriedigung zu erlangen. Die Häupter, die von Tieren zum Angriff und für die Verteidigung gebraucht werden, symbolisierten Stärke. Daher sprach Hanna bei der Beschreibung der Stärke, die auf sie gekommen war, weil Gott ihr Gebet beantwortet hatte, von ihrem Haupt.



2. Hannas Lobpreis des Herrn
( 2,2 - 8 )


1Sam 2,2-8


Der Herr zeigte durch seine Eigenschaften wie Heiligkeit, Stärke ( ein Fels ), Wissen und Unterscheidungsvermögen (V. 2 - 3 ) und in Anbetracht seiner Taten gegenüber den Gottlosen wie gegenüber den Gottesfürchtigen (V. 4 - 8 ), seine ehrfurchtgebietende Souveränität in menschlichen Angelegenheiten. Besonders der Verweis Hannas auf sich selbst (V. 5 ) beziehungsweise auf Peninna wird herausgestellt: Sie, die unfruchtbar war, hat sieben Kinder geboren, aber sie, die viele Söhne hatte, welkt dahin . Hanna hatte schließlich fünf andere Kinder (V. 21 ), aber der Ausdruck "sieben Kinder" symbolisiert hier die volle Gewährung ihres Wunsches nach einem Sohn. Das Brechen des Bogens (V. 4 ), die Sättigung des Hungrigen (V. 5 ), die Auferweckung vom Tod (V. 6 ) und die Erhöhung des Armen (V. 7 - 8 ) beziehen sich auf den Grundsatz, daß die letzte Anordnung aller Dinge in der Hand des Herrn liegt. Er, der die ganze Welt erschaffen hatte, war auch in der Lage, Hanna zum Triumph zu verhelfen.



3. Hannas Erwartung vom Herrn
( 2,9 - 10 )


1Sam 2,9-10


Zusätzlich zu der Feststellung, daß der Herr seine Heiligen segnet, aber den Verdorbenen die Vernichtung bringt (V. 9 ), beschloß Hanna ihr Gedicht mit der prophetischen Ankündigung, daß der Herr seine Stärke seinem König geben und das Haupt seines Gesalbten erhöhen würde . Der Hinweis auf einen König an dieser Stelle, zu einer Zeit, als Israel noch keinen König hatte, hat viele Kritiker zu der Vermutung verleitet, daß das Gedicht eine Redaktion aus späterer Zeit ist, die Hanna in den Mund gelegt wurde. Dies ist natürlich unnötig, wenn man die Möglichkeit voraussagender Prophetie anerkennt. Außerdem war die Erwähnung eines kommenden Königs für Israels Erwartung keineswegs fremd, da der Herr ja eindeutig schon vor der Zeit Abrahams davon gesprochen hatte (vgl. die Einleitung ). Das parallele Wort für "König" (V. 10 ) ist "Erwählter", eine Übersetzung von mASIaH ("Messias"). Dies ist im AT der erste Hinweis auf eine Person, die "der Erwählte" ist. Obwohl es vielleicht nicht gerechtfertigt ist, einen direkten Zusammenhang zwischen Hannas Prophetie und dem Messias Jesus zu sehen, ist es eindeutig, daß die Nebeneinanderstellung von "König" und "Erwählter" auf die königliche Natur jedes Erwählten hinweist, die/den Gott sich erheben lassen würde (vgl. Ps 89,20-24 ).


C. Die Situation in Silo
( 2,11 - 36 )


1.Samuels Entwicklung
( 2,11.26 )


1Sam 2,11.26


Der junge Samuel begann mit seiner Ausbildung unter Eli unmittelbar, nachdem seine Eltern nach Hause zurückgekehrt waren (V. 11 ). Eine Ausbildung, die durch die körperliche, aber besonders durch die moralische und geistliche Entwicklung gekennzeichnet war. Er nahm an Wuchs und Gunst beim HERRN und bei den Menschen zu, eine angemessene Beschreibung eines Sohnes, der, wie Marias Sohn, ein Segen Gottes für die Welt geworden ist (ähnliche Worte in Lk 2,52 ).



2. Die Sünden der Priesterschaft
( 2,12-17.22-25 )


1Sam 2,12-17.22.25


Der menschliche Grund für die Geburt Samuels ist bereits erzählt worden. Sie geschah als Antwort auf das gottesfürchtige Gebet einer Mutter. Jetzt war es aber auch wichtig, den göttlichen Grund dafür zu sehen. Im Buch der Richter heißt es: "Zu der Zeit war kein König in Israel; jeder tat, was ihn recht dünkte." ( Ri 21,25 ). Dies galt ebenso für die Priester. Eli hatte, obwohl er offensichtlich selbst ein Mann von hohen moralischen Werten war, die Kontrolle über seine priesterlichen Söhne verloren, die sogar so weit gingen, das zum Opfer bestimmte Fleisch der Tiere, das richtigerweise dem Herrn als sein Opfer gehörte, für sich selbst zu nehmen ( 1Sam 2,12-17 ). Ja, noch nicht genug damit, sie ergingen sich im engeren Bereich der Stiftshütte in Silo in rituellem, außerehelichem Geschlechtsverkehr in Verbindung mit kanaanäischen Kultpraktiken (V. 22-25 ).



3. Der Segen über Samuels Familie
( 2,18 - 21 )


1Sam 2,18-21


Als ob er den Gegensatz zwischen den Gottesfeinden und den Gottesfürchtigen, den Hanna besungen hatte, zeigen wollte, stellt der Bericht nun die Familie Samuels der Familie Elis gegenüber. Obwohl Samuels Mutter Samuel dem Herrn gegeben hatte, behielt sie ihre mütterliche Liebe und Verantwortung. Sie kam jedes Jahr nach Silo, um für die Bedürfnisse ihres Sohnes zu sorgen. Auch der Herr vergaß Hanna nicht. Wie es so häufig der Fall ist, gab er auch ihr nicht nur, worum sie gebeten hatte, sondern noch viel mehr - in ihrem Fall drei Söhne und zwei Töchter (vgl. das Beispiel Rahels, 1Mo 30,22-24; 35,16-18 ).



4. Die Ablehnung der Priesterschaft
( 2,27 - 36 )


1Sam 2,27-36


Es ist kein Wunder, daß Gott die Priesterschaft Elis und seiner Söhne ablehnte. Nach der Erinnerung an die Umstände der Wahl der Vorfahren Elis zu Priestern des Herrn über Israel (V. 27 - 28 ) kündigte ein nicht namentlich genannter Gottesmann Eli an, daß seine Priesterschaft enden würde, weil er die Bedingungen für seine weitergehende Berufsausübung verletzt hatte (V. 29 - 33 ). Aber der Herr würde den Dienst des Priesters nicht vollständig beenden, weil er sich einen treuen, gläubigen Priester ersehen würde (V. 35 ), dessen dynastische Nachfolger ( Haus ) fest eingesetzt würden und die dienen würden, bis sein Erwählter (z. B. der König) käme. Menschlich gesehen erfüllte sich dies, als die Priesterschaft von Abjatar, einem Nachkommen von Aarons Sohn Itamar, weggenommen und Zadok, Nachkomme von Aarons Sohn Eleasar, übertragen wurde ( 1Kö 2,27.35 ). Aber im letzten Sinn waren der "glaubensvolle Priester" und der "Erwählte" ein und derselbe, nämlich der Herr Jesus Christus. Er ist sowohl Priester als auch König ( Ps 110; Hebr 5,6; Offb 19,16 ).



D. Samuels Berufung
( 1Sam 3 )


Jahrhundertelang hatte Gott sein Volk nur selten durch Offenbarung besucht (V. 1 ). Jetzt hatte er jemanden, dem er seine Botschaft eingeben konnte. Er rief den jungen Knaben Samuel.



1. Die göttliche Stimme
( 3,1 - 10 )


1Sam 3,1-10


Obwohl Samuel zum levitischen Dienst in Silo bestimmt worden war und eine Ausbildung in den Angelegenheiten des Herrn gemacht hatte, war er noch nicht durch die direkte Offenbarung Gottes angesprochen worden (V. 7 ). Schließlich kam für den Herrn die Zeit, sein Versprechen, Elis Priesterschaft zu beenden und einen anderen einzusetzen, zu erfüllen, so daß die göttliche Stille unterbrochen wurde. Während Samuel sich in der Stiftshütte niedergelegt hatte (die Bedeutung des hebräischen hLkAl , Tempel , V. 3 ) und die brennende Lampe beobachtete, hörte er die Stimme des HERRN , die er fälschlicherweise für die Elis hielt. Eli erkannte schließlich, daß der Junge vom Herrn angesprochen worden war. Deshalb wies er ihn an, sich allem zu unterwerfen, was auch immer der Herr ihm auftragen würde.



2. Die göttliche Botschaft
( 3,11 - 14 )


1Sam 3,11-14


Die Botschaft bestand aus der Ankündigung, daß die verheißene Entfernung der Familie Elis aus dem Priesteramt unmittelbar bevorstand. Dies war eine so schockierende Ankündigung, daß sie die Ohren der Menschen wie Hammerschläge auf eine Glocke zum Klingen bringen würde. Der Grund dafür wird genau angegeben - Elis Söhne waren verdorben, und obwohl er es wußte, hatte er sie nicht zu hindern vermocht. Obwohl Eli die Botschaft sofort durch Samuel übermittelt wurde, lebte Eli selbst danach noch kurze Zeit, und die Priesterschaft blieb noch für mehr als drei weitere Generationen in seiner Familie. Dies wird aus 1Sam 14,3 deutlich - Ahija diente König Saul als Priester. Er wird als Urenkel Elis (vom Sohn Pinhas über Enkel Ahitub) identifiziert. Die Prophetie, die Samuel erhalten hatte, erfüllte sich erst dann völlig, als Abjatar, Ahijas Sohn (der gleiche wie Ahimelech in 1Sam 22,9-12 ), von König Salomo sofort durch Zadok ersetzt wurde, nachdem Abjatar Adonija gegen Salomo beigestanden hatte ( 1Kö 1,7-8;2,27.35 ). So betrug die Zeitspanne zwischen Verheißung und Erfüllung mehr als 130 Jahre. Aber dann war es soweit, und die Priesterschaft ging auf Zadok über, einem Nachkommen von Aarons Sohn Eleasar, und sie blieb bei seinen Nachkommen durch die ganze spätere Geschichte Israels.


3. Samuels Bestätigung
( 3,15 - 21 )


1Sam 3,15-21


Diese erste Handlung Samuels als Prophet wurde von Eli als von Gott stammend eingestuft. Dies war nur der Anfang eines öffentlichen Dienstes als Prophet, der ein ganzes Leben lang andauern und vom ganzen Volk als göttlicher Ruf erkannt werden würde. Das Wort des Herrn war in diesen Tagen selten geworden (V. 1 ). Jetzt allerdings würde es häufig sein, weil Gott einen Mann gefunden hatte, dem er es anvertrauen konnte. Das Zeichen dafür, daß Samuel ein Sprecher für Gott war, war die Tatsache, daß Gott keines seiner Worte zu Boden fallen ließ (V. 19 ), das bedeutet: Alles, was er prophezeite, trat ein. Ganz Israel, von Dan bis Beerscheba (die nördlichste und die südlichste Stadt Israels - eine Entfernung von ungefähr 240 km), erkannte, daß Samuel ein Prophet des HERRN war . Es gab kein eindeutigeres Zeichen dafür, daß ein Mann zum Propheten berufen war, als die Tatsache, daß sein vorausgesagtes Wort unverändert erfüllt wurde ( 5Mo 18,21-22 ). Als man verstanden hatte, daß Samuels Beglaubigungen als Prophet einwandfrei festgestellt worden waren, hatte eine neue Epoche begonnen. Die Zeit der Offenbarung durch Priester und Efod war vorbei, und die Zeit der Offenbarung durch Propheten hatte begonnen.



E. Die Bundeslade
( 1Sam 4-7 )


1. Die Eroberung der Bundeslade
( 1Sam 4 )


Die Philister, Israels Hauptfeind während der Zeit der letzten Richter ( Ri 10,6-8;13-16 ), waren ein nichtsemitisches Volk, dessen Ursprünge höchstwahrscheinlich in Kreta oder in einem anderen Teil der Ägäis lagen ( 1Mo 10,14; vgl. Jer 47,4; 5Mo 2,23; Am 9,7 ). Sie kamen in zwei verschiedenen Wanderungen nach Kanaan, von denen die eine bereits vor Abrahams Zeit (2000 v. Chr.), die andere ungefähr 1200 v. Chr. stattfand. Sie lebten in fünf größeren Städten an der südlichen Küste Kanaans, nämlich Gaza, Askalon, Ekron, Gat und Aschdod. Sie waren technologisch gut ausgerüstet und Pioniere im Gebrauch von Eisen und in anderen Handwerken ( 1Sam 13,19-20 ). Der Hauptgott in ihrem Vielgöttersystem war Dagon, eine Gottheit, die im oberen Mesopotamien auch als Gott des Getreides verehrt wurde. Manche Gelehrte behaupten, daß der philistische Dagon mit menschlichem Torso und Oberkörper und Fischschwanz dargestellt wurde. Es kann gut sein, daß die Philister, als ursprüngliches Seefahrervolk, ihren Fischgott mit nach Kanaan brachten und ihn dann mit dem semitischen Gott Dagon verbanden (oder Dagan, wie er außerhalb der Bibel genannt wird), weil sie ein Getreide produzierendes Volk werden mußten ( Ri 15,3-5 ).

1Sam 4,1-11


Als Samuel noch jung war, wurde Israel von den Philistern bei Afek, einem Ort, der ungefähr 40 km westlich von Silo liegt, angegriffen. Als klar war, daß die Philister gewinnen würden, schickten die Israeliten Männer nach Silo, um die Bundeslade zum Schlachtfeld bringen zu lassen, abergläubisch davon überzeugt, daß ihre Gegenwart das Schicksal wie ein Glücksamulett wenden würde. Die Bundeslade repräsentierte die Gegenwart des Herrn in der Schlacht ( 4Mo 10,35; Jos 6,6 ), aber nur, wenn das Volk sie im Glauben und unter göttlicher Führung trug. Auch die Philister waren entsetzt, als sie erfuhren, daß die Bundeslade im Lager Israels war , weil sie von ihrer Verbindung mit Israels mächtigem Gott gehört hatten, der das Volk vor mehr als 300 Jahren aus Ägypten herausgeführt hatte ( 1Sam 4,6-8 ). Nichtsdestoweniger nahmen sie ihren ganzen Mut zusammen, kämpften weiter und besiegten Israel. In der Folge wurde die Bundeslade geraubt und die Söhne Elis, die Bewacher der Bundeslade, erschlagen (V. 11 ).



1Sam 4,12-22


Als Eli zu Hause in Silo erfuhr, daß die Bundeslade von den heidnischen Philistern geraubt worden war und seine Söhne tot waren, fiel er rückwärts von seinem Stuhl, brach sich das Genick und starb . Kurz darauf starb seine Schwiegertochter, Pinhas' Frau, als sie einen Sohn gebar, den sie passenderweise Ikabod nannte, "da gibt es keine Ehre" ( ?IKABND ). Da ja die Gegenwart der Bundeslade die Gegenwart Gottes in Israel repräsentierte, ließ ihr Raub darauf schließen, daß nicht nur die Bundeslade fort war, sondern daß Gott selbst und all seine Ehre jetzt in den Händen der Feinde lagen. Für die Heiden war es durchaus denkbar, daß Götter in ein Exil gebracht werden konnten ( Jes 46,1-2 ), aber die Israeliten hätten doch wissen sollen, daß ihr allgegenwärtiger Gott nicht von ihnen weggenommen werden konnte. Wie heidnisch war Israels Denken geworden!



2. Die Macht der Bundeslade
( 1Sam 5 )


1Sam 5,1-5


Die Tatsache, daß der Herr Israels nicht nur allgegenwärtig, sondern auch allmächtig war, hatten die Philister nun zu lernen. Sie behandelten die Bundeslade wie eine Siegestrophäe und brachten sie zuerst zum Tempel Dagons in Aschdod, ungefähr 80 km südwestlich von Silo. Dort legten sie sie Dagon zu Füßen (oder zu seinem Schwanz), als ob sie sagen wollten, daß Dagon Sieger und der Herr sein Gefangener sei. Aber am nächsten Morgen lag Dagon hingestreckt vor der Bundeslade. Wieder auf sein Podest gestellt, lag Dagon am nächsten Tag wiederum in Unterwerfung vor dem Herrn, dieses Mal zertrümmert und zerbrochen. Nur sein Torso war unzerstört geblieben. Kopf und Hände waren zerbrochen und lagen verstreut rund um die Schwelle oder das Podium. Das Wort, das mit "Schwelle" übersetzt wird ( miPtAn ), kann ebenso und vielleicht sogar besser als das Podest, auf dem der Götze stand, verstanden werden. Die Philister waren über das Unglück ihres Gottes so verwirrt, daß sie sich anschließend für immer weigerten, den Schauplatz dieser Katastrophe zu betreten.



1Sam 5,6-12


Das Volk der Philister wurde ebenso in Mitleidenschaft gezogen, weil der Herr den Einwohnern Aschdods eine Plage schickte, die vor allem durch Mäuse verbreitet wurde und große Geschwüre verursachte, die aus ihren Körpern hervorbrachen ( 1Sam 5,6 ). Die Natur dieser Plage ist unklar, scheint aber aus Wucherungen, die sich zum Teil im Rektalbereich befanden, bestanden zu haben, wie das hebr. Wort ZOPel vermuten läßt. Vielleicht waren es den Hämorrhoiden ähnliche Erscheinungen, wie in vielen Versionen vermutet wird.

In völliger Verzweiflung über diesen Wandel der Ereignisse entschieden sich die Aschdoditer, die Bundeslade nach Gat , ungefähr 19 km südöstlich und in Richtung der israelitischen Grenze, weiterzuschicken. Die Gatiter befiel allerdings dieselbe Katastrophe (V. 9 ). So wurde die Bundeslade schließlich nach Ekron gebracht, wohin ihr tödlicher Ruf bereits vorausgeeilt war. Den Bürgern Ekrons erging es nicht besser als den anderen, und sie bestimmten sofort, die Bundeslade (die Kiste, die in ihrer Sicht den Gott Israels enthielt), zurück in ihr eigenes Land zu schicken. Das erscheint dem modernen Leser naiv, aber Menschen haben zu allen Zeiten versucht, Gott in eine Kiste zu stecken und ihn zu ihrer eigenen Befriedigung zu benutzen.



3. Die Rückkehr der Bundeslade
( 6,1 - 7,1 )


1Sam 6,1-12


Nachdem sie durch die Erniedrigung ihres Gottes Dagon und die schmerzhaften und fatalen Folgen der Plage Gottes bestraft worden waren, entschieden sich die Führer der Philister, die Bundeslade des Herrn nach Israel zurückzubringen. In Übereinstimmung mit ihren abergläubischen Techniken befragten sie ihre Priester und Zukunftsdeuter, die ihnen auftrugen, die Bundeslade zusammen mit Zeichen des Tributs in Form von fünf goldenen Geschwüren und fünf goldenen Mäusen , die fünf Philisterstädte repräsentierend, zurückzuschicken (V. 17 - 18 ). Dieses Opfer für Israels Gott würde ihre Anerkennung seiner Oberherrschaft zum Ausdruck bringen (V. 5 ). Weiterhin sollte die Bundeslade auf einem neuen, fahrerlosen Karren geschickt werden, als ein weiterer Test für die Quelle ihrer Schwierigkeiten. Wenn die Tiere ( zwei Kühe , die noch ihre Jungen säugten und vorher noch nicht angeschirrt worden waren, V. 7 ) die Karre direkt nach Israel zogen, würde es eindeutig sein, daß Israels Gott wirklich ihr Leid verursacht hatte. Aber wenn sie hilflos umherzogen, konnten die Philister ihr Unglück als reinen Zufall betrachten.

Obwohl über die heidnische Zukunftsdeutung aus dem Alten Testament nicht viel zu erfahren ist, da sie ja für Israel verboten war, sind aus der Welt des Alten Orients reichlich zukunftsdeutende Texte vorhanden. Sie enthalten sowohl die Techniken, die benutzt wurden, um den Willen der Götter zu erkunden als auch solche Techniken, die benutzt wurden, um das gedeutete Böse abzuwenden. Manchmal, wie in der gerade erzählten Geschichte, würde es die Form einer doppelten Möglichkeit annehmen, das bedeutet, daß ein Test durchgeführt wurde, bei dem eine Ja-oder-Nein-Antwort möglich war. Vielleicht zeigt die Verwendung des Schaffelles durch Gideon eine solche zukunftsdeutende Praxis, wenn auch aller heidnischen Untertöne entblößt. Das Loswerfen ist dem ähnlich. Auf jeden Fall wurden die schlimmsten Befürchtungen der Philister bestätigt, als die Tiere ihren Weg geradewegs nach Israel nahmen. Es war offensichtlich, daß der Herr die Ursache ihrer Schwierigkeiten gewesen war.

1.Samuel

1Sam 6,13-7,1


Die Israeliten waren so überglücklich, die Bundeslade nach sieben Monaten wiederzusehen ( 1Sam 6,1 ), daß sie dem Herrn ein Opfer von den Kühen bei Bet-Schemesch bereiteten, der Grenzstadt, zu der die Bundeslade geschickt worden war, ungefähr 24 km westlich von Jerusalem (vgl. die Karte "Der Weg der Bundeslade").

Unglückseligerweise freuten sich die Menschen von Bet-Schemesch nicht nur über die Rückkehr der Bundeslade ( 1Sam 6,13 ) und opferten in Anbetung Schlachtopfer ( 1Sam 6,14-15 ), sondern sie entweihten sie, indem sie sie öffneten und hineinschauten ( 1Sam 6,19 ), vielleicht um zu sehen, ob die steinernen Gesetzestafeln noch darin waren. Dies verletzte das mosaische Gebot, daß nur die Leviten die Bundeslade berühren, doch auch sie nicht hineinschauen dürften ( 4Mo 4,5.15.20 ). Ungehorsam darin würde den Tod bringen. Die Sünde der Menschen von Bet-Schemesch war eine wohlüberlegte Verletzung des klaren Willens Gottes ( 1Sam 6,19; vgl. 2Sam 6,6-7 ). (In Übereinstimmung mit einigen hebr. Handschriften wurden 70 Menschen getötet. Die meisten hebr. Handschriften sprechen allerdings von 50 070 Toten. Das scheint eine ungewöhnlich hohe Zahl zu sein, aber sie kann vielleicht in einer bis jetzt noch unbekannten Weise verstanden werden.) Das entscheidende ist hier natürlich, daß nicht nur Ungläubige (die Philister) bestraft wurden, wenn das Gesetz des Herrn mißachtet wurde; auch Gläubige (die Israeliten) wurden bestraft, wenn sie sich nicht an seine strikten Anweisungen hielten. Nach diesem Unglück bei Bet-Schemesch wurde die Bundeslade wieder weitertransportiert ( 1Sam 6,21 ), diesmal nach Kirjat-Jearim (heute Abu Ghosch, ungefähr 16 km nordwestlich von Jerusalem). Zweifellos wurde die Bundeslade hier viel lieber als in Silo aufgenommen, weil Silo von den Philistern zerstört worden war, vielleicht nach der Schlacht von Afek ( 1Sam 4; vgl. Jer 26,9 ). Die Bundeslade blieb für ungefähr 100 Jahre unter dem Schutz der Familie Abinadabs ( 1Sam 7,1 ).



4. Die Wiederherstellung der Bundeslade
( 7,2 - 17 )


Die Rückkehr der Bundeslade nach Kirjat-Jearim schien ein fühlbares Zeichen dafür zu sein, daß Gott wieder unter seinem Volk war, um es zu segnen und von all seinen Bedrückern zu befreien. Die bloße Gegenwart der Bundeslade allein garantierte allerdings nicht Gottes Gunst, wie Israel in der Schlacht bei Afek gelernt hatte. Vielmehr war die Unterwerfung unter den Gott der Bundeslade notwendig (V. 4 ).

1Sam 7,2


Nachdem die Bundeslade 20 Jahre lang in Kirjat-Jearim gewesen war, wandte sich Samuel an die Israeliten (V. 3 ). Mit anderen Worten, die Bundeslade war 20 Jahre in Kirjat-Jearim, als Samuel seinen ersten aufgezeichneten, öffentlichen Dienst versah. Tatsächlich blieb die Bundeslade ungefähr 100 Jahre in Kirjat-Jearim. Sie wurde dort kurz nach der Schlacht bei Afek hingebracht (1104 v. Chr.) und blieb dort, bis David sie in seinem ersten Königsjahr über ganz Israel nach Jerusalem brachte (1003 v. Chr.; vgl. 2Sam 5,5; 2Sam 6,1-11 ).



1Sam 7,3-4


Nach diesen 20 langen Jahren, die die Bundeslade in Kirjat-Jearim stand, forderte Samuel das Volk Israel dazu auf, seine Treue gegenüber dem Herrn zu prüfen, indem es seine fremden Götzen aufgäbe und sich an den Herrn ... allein wandte. Die Mehrzahl, Baale und Astarten , beschreibt die vielen örtlichen Schreine dieser kanaanäischen Naturgottheiten. Baal, unterschiedlich als Sohn Els (Herrscher im kanaanäischen Vielgöttersystem) oder als Sohn Dagans (der mesopotamischen Gottheit) bezeichnet, war mancherorts als Gott des Donners und des Regens bekannt, dessen Aufgabe es war, jedes Jahr die Erde fruchtbar zu machen. Astarte (oder Aschtarot) war die Göttin der Liebe und des Krieges, wie ihre entsprechenden babylonischen und griechischen Gegenstücke Ischtar und Aphrodite. Sie diente offensichtlich zusammen mit Baal als Fruchtbarkeitsgöttin; durch ihre sexuelle Vereinigung erlebte die Erde und das ganze Leben auf ihr angeblich in magischer Weise jährliche Erneuerung und reiche Fruchtbarkeit (vgl. die Übersicht "Gottheiten und Nachbarvölker Israels" zu Ri 10,6 ).



1Sam 7,5-9


Samuel rief das Volk zunächst nach Mizpa , ungefähr 11 km nördlich von Jerusalem, betete dort für sie und brachte dem Herrn um ihretwillen Opfer (V. 9 ). Dies war für die Versammlung Israels ein gewohnter Ort. Zur Zeit der Richter versammelten sich dort die Ältesten der Stämme, um über Benjamins Schicksal bei der Verfolgung des Mörders einer levitischen Konkubine zu entscheiden ( Ri 19,1-20,1.3; 21,1.5.8 ). Später wurde Saul dem Volk Israel in Mizpa als König vorgestellt ( 1Sam 10,17 ). Es war auch die Hauptstadt Judas nach der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier ( 2Kö 25,23.25 ). Die Stadt Mizpa kann wahrscheinlich mit dem modernen Tell en-Nasbeh gleichgesetzt werden.



1Sam 7,10-17


Als die Philister von der Versammlung gehört hatten, griffen sie Israel bei Mizpa an, aber der Herr verteidigte sein Volk durch eine mächtige Demonstration seiner Macht (durch Donner ). Bei der Feier dieses großen Triumphs stellte Samuel an der Stelle zwischen Mizpa und Schen (dessen Lokalisierung unbekannt ist) ein Denkmal auf, das er Eben-Eser nannte, was wörtlich "Stein der Hilfe (Gottes)" heißt. Dies beendete offenbar die Besetzung israelitischen Bodens durch die Philister, obwohl die Philister später wiederkamen, um Israel zu plagen ( 13,5 ; usw.). Amoriter ( 1Sam 7,14 ) weist auf die Hügelbewohner des südlichen Kanaans hin (vgl. 4Mo 13,29; Jos 10,5 ). Danach fuhr Samuel darin fort, Israel in einem Umkreis von ungefähr 80 km Durchmesser einschließlich Bethel, Gilgal, Mizpa und seiner Heimatstadt Rama (vgl. die Karte "Die Städte Samuels") zu richten .



F. Die Wahl eines Königs
( 1Sam 8-9 )


Nach der Schlacht bei Eben-Eser ( 1Sam 7,12 ), ungefähr 1084 v. Chr. (vgl. den Kommentar zu 1Sam 7,2 ), war das Volk Israel damit zufrieden, die nächsten 30 Jahre der Leitung Samuels zu folgen. Israel hatte erfolglose Versuche unternommen, während der Richterzeit eine menschliche Monarchie einzurichten (vgl. Ri 8,22-23;9 ), Versuche, die im Gegensatz zum theokratischen Ideal der Königsherrschaft des Herrn selbst standen.

Aber als Samuel alt geworden und es zu erwarten war, daß er nicht mehr lange zu leben hatte, wurde im Volk wieder der Wunsch nach einem König laut. Gott hatte einen solchen König im Sinn, einen, der sich zu seiner eigenen guten Zeit erheben und zu erkennen geben würde ( 5Mo 17,14-15 ), aber diese Zeit war noch nicht gekommen. So kam es in dieser Zeit zu einem Zusammenstoß zwischen Samuel und dem Volk.



1. Die Forderung nach einem König
( 8,1 - 9 )


1Sam 8,1-6


Kurz vor dem Jahr 1051 v. Chr., in dem Saul König wurde (als Samuel 65 - 70 Jahre alt war), wurde sich das Volk des vorgerückten Alters Samuels und der Schlechtigkeit seiner Söhne bewußt (V. 3.5 ) und forderte von dem Propheten, daß er einen König aussuchen solle, der über es regiere. Samuels Söhne, die als Richter in Beerscheba in Juda gedient hatten, erinnerten Israel zweifellos an die Söhne Elis ( 1Sam 2,12.22 ). Wahrscheinlich fürchteten die Menschen, daß sie zu den sündigen Zeiten zurückkehren würden, die ihnen noch aus der Zeit vor Samuels Berufung durch den Herrn in Erinnerung waren. Samuels Söhne, Joel und Abija , waren unredliche Richter , die Bestechungsgeschenke annahmen und das Recht verdrehten, statt es hoch zu halten. Samuel war natürlich darüber bekümmert, daß sie einen König suchten, weil Gott, der sie aus Ägypten herausgeführt hatte, damit sie sein Volk wären, ihr König war.



1Sam 8,7-9


Aber der Herr sagte zu Samuel, daß das Volk nicht ihn, sondern Gott ablehne . Darüber hinaus würde Gott dem Volk versprechen, einen König zu haben , aber es würde so leben, daß es seine unbesonnene, plötzliche Forderung bereuen würde.

Die Bitte um einen menschlichen König war an sich nicht unangebracht, weil Gott ihnen einen solchen Führer versprochen hatte (vgl. die Einführung ). Aber die Weigerung, Gottes Zeitplan abzuwarten, rief eindeutig Mißfallen beim Herrn und bei seinem Propheten hervor. Angesichts andauernder Konflikte mit den Ammonitern (vgl. 1Sam 12,12-13 ) wollten die Menschen einen König, "so wie ihn alle Heiden haben" ( 1Sam 8,5 ). Auch nach dem Zeugnis der Herrschaft des Herrn beim herrlichen Sieg über die Philister bei Eben-Eser verlangte Israel noch nach einem fehlbaren, menschlichen Führer.


2. Das Wesen des Königs
( 8,10 - 18 )


1Sam 8,10-18


Zuletzt ließ Samuel sich erweichen. Er sagte dem Volk, daß Gott ihm geben würde, was es verlangte, aber daß der König ein Despot und ein befehlender Diktator sein würde, der sich selbst auf Kosten des Volkes bereichern würde. Er würde es zu seinen militärischen und zivilen Unternehmungen zwingen (V. 11 - 13.16.17 ). Er würde sich seinen Wohlstand zu seinem eigenen Gebrauch aneignen (V. 14.16 ) und würde ihm hohe Steuern abfordern (V. 15.17 ). Wenn all dies geschehen wäre, wäre es zu spät, sich zu beklagen, weil das Volk nur die Konsequenzen seiner eigenen fleischlichen Begierden ernten würde (V. 18 ). Kurz nachdem Saul den Thron bestiegen hatte, traten viele dieser Voraussagen ein ( 1Sam 14,52 ) und markierten weiterhin die lange Geschichte der Monarchie sowohl in Israel als auch in Juda ( 2Sam 15,1; 1Kö 12,12-15; 1Kö 21,7 ).



3. Die Einführung des Königs
( 8,19 - 9,14 )


1Sam 8,19-9,2


Nachdem der Herr eingewilligt hatte, daß das Volk einen König wie alle anderen Völker haben sollte, wird Saul in den Bericht eingeführt. Er war ein großer und Eindruck machender Benjaminiter ( 1Sam 9,1 ), der in vielen Bereichen recht naiv und unköniglich wirkte. Er stammte aus der Stadt Gibea ( 1Sam 10,26 ), wo die Konkubine eines Leviten, der man Gastfreundschaft verweigert hatte, geraubt und getötet worden war ( Ri 19 ). Ausgrabungen in Tel el-Ful, ungefähr 5 km nördlich von Jerusalem, haben es als den Ort des alten Gibea erwiesen. Obwohl er ein Sohn von Kisch , ein Mann von einigem Einfluß ( 1Sam 9,1 ), war, hatte Saul wenig vorzuweisen, was ihn für die hohe Position eines Königs empfahl, ausgenommen seiner eindrucksvollen körperlichen Gestalt ( 1Sam 9,2 ). Gott mußte sowohl Saul als auch das Volk davon überzeugen, daß er der richtige Kandidat war.



1Sam 9,3-11


Saul war gerade mit der Aufgabe betraut, einige verlorene Esel seines Vaters Kisch zu finden, als er die Gegend Zuf (im Bergland Ephraim ; vgl. 1Sam 1,1; die Heimat Samuels) erreichte. Da fiel dem Diener Sauls ein, daß Samuel, da er ja ein Seher war, ihnen helfen könnte, die Tiere zu finden. Zu Sauls Zeiten war ein Prophet zweifellos vornehmlich als Seher ( rO?eh ) bekannt, weil der größte Teil seines Dienstes mit dem Erhalt göttlicher Offenbarung in Verbindung stand, auch in Fällen, die so weltlich waren wie die Suche verlorengegangener Tiere. Später dienten Propheten mehr als Ausrufer und Verkündiger der Offenbarung, als Sprecher Gottes ( nABI? ), obwohl natürlich alle Propheten sowohl Seher als auch Verkündiger waren. Samuel wurde zum Beispiel ausdrücklich mit beiden Begriffen beschrieben ( 1Sam 9,11; 3,20 ).



1Sam 9,12-14


Als Saul und sein Diener die Stadt Samuels erreichten, entdeckten sie, daß der Prophet gerade auf dem Weg zu einer Höhe in der Nähe (ein Ort der Anbetung auf einem Hügel) war, um zu opfern. Ohne entmutigt zu sein, suchten sie ihn weiter, bis sie ihn gefunden hatten.



4. Die Wahl des Königs
( 9,15 - 27 )


1Sam 9,15-27


Inzwischen hatte der HERR Samuel offenbart , daß Saul auf dem Weg zu ihm und daß er der göttlich Auserwählte für das Königsamt war (V. 15 - 17 ). Das bedeutet nicht, daß Saul Gottes letzten Ansprüchen genügte, sondern nur, daß er das Volk gnädigerweise seinen eigenen Weg gehen ließ. Als sich die beiden trafen (unter Gottes vorhersehender Kontrolle), beruhigte Samuel Saul nicht nur wegen der verlorengegangenen Tiere, sondern sagte ihm auch, daß er Gottes Wahl für das Königsamt sei (V. 20 ). Völlig überrascht konnte Saul nur antworten, daß er für diese hohe Ehre unwürdig sei (V. 21 ). Die Offenheit und Demut Sauls sind an dieser Stelle seiner Karriere äußerst auffallend. Samuel lud Saul dann ein, mit ihm als Ehrengast an der Opferfeier teilzunehmen (V. 22 - 24 ) und dann die Nacht in seinem Haus in der Stadt unten im Tal zu verbringen. Am nächsten Morgen hielt ihn Samuel zurück, so daß er ihm allein (während Sauls Diener voranging) von der Offenbarung Gottes über seine Wahl zum König erzählen konnte (V. 25 - 27 ).



II. Die Periode Sauls
( 1Sam 10-31 )


A. Sauls Aufstieg
( 1Sam 10-14 )


1. Sauls Wahl durch Israel
( 1Sam 10 )


1Sam 10,1-8


Als Samuel sich vorbereitete, um Gottes Absichten mit Saul zu offenbaren, salbte er ihn zuerst mit Öl . Die Salbung mit Öl symbolisiert im AT das Herausstellen und Absondern einer Person oder auch einer Sache für einen göttlichen Dienst ( 2Mo 30,23-33 ). Die Salbung wurde auch von der Gegenwart und Kraft des Heiligen Geistes begleitet ( 1Sam 10,6.10;16,13 ). Als Samuel auf Sauls Kopf Öl goß , repräsentierte diese Tat Gottes Billigung Sauls als Führer seines Volkes. Als Bestätigung seiner göttlichen Berufung und Beauftragung für ihn und das Volk wurde ihm gesagt, daß er drei Zeichen erleben würde: (a) er würde zwei Männer in der Nähe von Zelzach an der Grenze zu Benjamin und Ephraim treffen, die ihm über den Verbleib der verlorengegangenen Esel Auskunft geben würden; (b) er würde drei Männer beim (Eich-) Baum von Tabor irgendwo zwischen Zelzach und Gibea treffen, die ihm zwei Laibe Brot geben würden; und (c) er würde eine Prozession von Propheten, die von dem hochgelegenen Ort bei Gibea herabsteigen würden , treffen. Bemerkenswerterweise würde er zusammen mit den Propheten weissagen, wozu ihn der Geist Gottes befähigen würde, und er würde zu einer anderen Person verändert werden . Dies ist mitunter so verstanden worden, daß Saul umgewandelt oder geistlich erneuert worden ist. Allerdings ist dem AT ein solches Reden von geistlicher Erneuerung fremd, und Sauls nachfolgende Gewohnheiten und sein Verhalten lassen nicht darauf schließen, daß er ein solches Erlebnis hatte ( 1Sam 16,14; 18,12; 28,15-16 ). Tatsächlich befähigte der Geist den unerfahrenen und ungebildeten Saul in der gleichen Weise, wie auch die Richter vor ihm gesegnet worden waren ( Ri 6,34; 11,29; 13,25; 14,6.19; 15,14 ), königliche Verantwortung zu tragen.

 

1Sam 10,9-13


Nachdem Saul Samuel verlassen hatte, traten die vesprochenen Zeichen ein. Die Zeugen der dramatischen und mächtigen Wandlung des Charakters Sauls waren so erstaunt, daß sie einen Spruch schufen, der danach benutzt wurde, um ein völlig unerwartetes und unerklärliches Phänomen zu beschreiben: Ist Saul auch unter den Propheten? Das bedeutet natürlich nicht, daß Saul Anteil am prophetischen Dienst bekommen hatte, den Samuel versah, sondern nur, daß er in der Lage war, eine prophetische Gabe zu gebrauchen, jedenfalls bei dieser Gelegenheit, obwohl er niemals eine prophetische Ausbildung genossen hatte. Dies war ein bemerkenswertes und überzeugendes Zeichen der Gegenwart und der Macht Gottes in Sauls Leben.

Ein weiterer Beweis dafür, daß Saul nicht wirklich zum Propheten geworden war, liegt in dem hier gebrauchten hebr. Verb. Er stimmte in ihre Prophetien ein heißt wörtlich: "Er bewegte sich wie ein Prophet unter ihnen", das bedeutet: Dem äußeren Anschein nach war er ein Prophet, weil er in der Lage war, an ihrem Tun teilzunehmen.



1Sam 10,14-16


Saul erzählte seinem Onkel, wie er mit Samuels Hilfe die Esel gefunden hatte, aber er sagte nichts über das Königtum .



1Sam 10,17-27


Etwas später rief Samuel die Führer Israels nach Mizpa zusammen, einem zur Zeit Samuels für Versammlungen bevorzugten Ort (vgl. 7, 5 - 6). Nachdem er sie an ihr falsches Bestehen darauf, unabhängig vom direkten Willen Gottes einen König zu haben, erinnert hatte, begann er, Gottes Wahl Sauls durch einen Auswahlvorgang zu demonstrieren ( 1Sam 10,18-19 ). Durch Los oder etwas ähnliches wurde der Stamm ausgewählt, nämlich der Stamm Benjamin, dann das Geschlecht, nämlich das des Matri; dann die Familie, nämlich die des Kisch (V. 20 - 21 ). Aber als Saul gewählt worden war, war er nirgends zu finden. Bezeichnend für seine anspruchslose Demut waren seine anfänglichen Versuche, dem Glanz der Öffentlichkeit zu entgehen (V. 22 ), und seine Weigerung, rachsüchtig gegenüber solchen zu sein, die seine Wahl zum König mißbilligten (V. 27 ). Die meisten waren aber von seiner ausgezeichneten Eignung für dieses hohe Amt überzeugt und riefen jubelnd: Lang lebe der König!

In den Augen des Herrn war Saul allerdings ungeeignet. Es war das prophetische Wort Jakobs gewesen, daß das Zepter (der Königsherrschaft) nicht von Juda weggenommen würde ( 1Mo 49,10 ). Die verheißene Dynastie von Königen, die schließlich den Messias hervorbringen würde, mußte aus Juda stammen. Saul konnte daher als Benjaminiter die grundlegende Voraussetzung der Abstammungsreihe nicht erfüllen. Trotzdem hatte das Volk seine Forderung erhoben, und der Herr hatte sie erfüllt. Alles, was Samuel tun konnte, war, Saul in seine Autorität und Verantwortlichkeit einzuführen, wie es in einer Schriftrolle, die für die Krönung vorbereitet worden war, ausgeführt wurde ( 1Sam 10,25 ). Diese Schriftrolle enthielt zweifellos die mosaischen Bestimmungen für die Königsherrschaft, wie sie in 5Mo 17,14-17 zu finden sind. Interessanterweise wurden tapfere Männer unmittelbar von Saul in Gibea angezogen (vgl. den Kommentar zu 1Sam 9,1 ).



2. Sauls erster Sieg
( 1Sam 11 )


1Sam 11,1-6


Saul hatte seinen Platz noch nicht lange eingenommen, als ein entfernter, aber wichtiger Teil seines Königreichs von den Ammonitern angegriffen wurde. Das war die Stadt Jabesch in Gilead , ungefähr 40 km südlich des Meers von Galiläa, östlich des Jordans. Sauls besonderes Interesse an diesem Ort lag vielleicht in verwandtschaftlichen Verbindungen durch Vorfahren, die dort gewohnt hatten. Ri 19-21 berichtet die Geschichte des Bürgerkrieges zwischen Benjamin und den anderen Stämmen, die in der Vernichtung fast aller (bis auf 600) Benjaminiter endete. Ohne Frauen und Kinder wäre der Stamm wahrscheinlich erloschen. Um dies zu verhindern, beschlossen die Führer Israels, daß die Jungfrauen jeder Stadt, die keine Truppen gegen Benjamin in die Schlacht geschickt hatte, beschlagnahmt und diesen Überlebenden als Ehefrauen gegeben werden sollten. Als man entdeckte, daß aus Jabesch in Gilead niemand gekommen war, wurden die 400 Jungfrauen der Stadt gefangengenommen und den Benjaminitern gegeben. Da Saul ja Benjaminiter war, ist es gut möglich, daß seine Ahnen zum Teil aus Jabesch in Gilead stammten.

Als Saul von der mißlichen Lage in Jabesch in Gilead hörte, das von den Ammonitern so hoffnungslos bestürmt worden war, daß Verteidigung unmöglich war, wurde er wütend ( 1Sam 11,6 ) und begann sofort, eine Armee zu bilden, die in der Lage wäre, den Ort zu befreien. Nahasch , der König von Ammon, war so selbstbewußt, daß er einen Vertrag mit Jabesch in Gilead schloß, der besagte, daß er, wenn sie sich ergeben würden, jedem (nur) das rechte Auge ausreißen lassen würde. Leisteten sie Widerstand, würde er sie wahrscheinlich töten lassen. Die Ältesten von Jabesch baten um eine Gnadenfrist von sieben Tagen, in der sie Hilfe finden wollten. Nahasch stimmte zu, um die Kosten einer langen und teuren Belagerung zu sparen, in der Erwartung, daß Saul, der ja noch keine Armee hatte, zu schwach sein würde, um einzugreifen.



1Sam 11,7-15


Als Saul von der mißlichen Lage des Volkes gehört hatte, schlachtete er zwei Ochsen und schickte die Stücke durch Israel , womit er sagen ließ, daß jeder, der Saul und Samuel nicht folgen würde, seine Ochsen ähnlich zerlegt vorfinden würde. Diese Methode, die Aufmerksamkeit der Stämme zu erreichen, ist der Methode des Leviten von Ephraim bemerkenswert ähnlich, der den Körper seiner Konkubine zerschnitt und die Teile zu den verschiedenen Stämmen schickte, was einen Teil der Geschichte in Ri 19-21 ausmacht (vgl. den Kommentar zu Ri 19,27-30 ). Nachdem er 330 000 Soldaten bei Besek, 19 km westlich von Jabesch in Gilead, versammelt hatte, marschierte Saul die ganze Nacht, und früh am Morgen ( die Morgenwache war das letzte Drittel der Nacht) begann er den Kampf gegen die Ammoniter und schlachtete sie dahin . Die Unterscheidung zwischen Israel und Juda (vgl. 1Sam 15,4; 17,52; 18,16 ) weist darauf hin, daß 1Sam geschrieben wurde, nachdem das Volk 931 v. Chr. in das nördliche und das südliche Königreich geteilt worden war. Nach diesem entscheidenden Sieg wurde Saul als Held verehrt und förmlich in seinem monarchischen Amt bestätigt. Er gab dem Herrn die ganze Ehre. Dieser Sieg überzeugte auch Samuel davon, daß Gottes Hand auf Saul lag. Daher berief der Prophet erneut eine Versammlung nach Gilgal ein, damit das Volk die Königsherrschaft bestätigen konnte. Obwohl der Beweis etwas dürftig ist, ist die beschriebene Situation der Bundeserneuerungszeremonie ähnlich und fand vielleicht bei der Gelegenheit von Sauls erstem jährlichen Jubiläum als König statt. Die Gegenwart des Herrn, des Königs und des Volkes würde dies bestätigen, besonders im Licht des Opferfestes, das die Bedeutung des Ereignisses unterstrich ( 1Sam 11,15 ).



3. Die Rede Samuels
( 1Sam 12 )


1Sam 12,1-5


So, wie Samuel mit ihnen schon früher über sein Alter und seinen nah bevorstehenden Tod gesprochen hatte, wandte er sich auch jetzt wieder an die Versammlung des Volkes Israel; dieses Mal, nachdem Saul König geworden war und sich selbst berühmt gemacht hatte. Als wenn er jetzt seine Glaubwürdigkeit ihnen gegenüber wiederherstellen wollte, fragte Samuel, ob das Volk jemals irgendeinen moralischen oder geistlichen Fehler in seinem Leben gefunden hätte oder nicht. (Im Gegensatz dazu waren auf jeden Fall Fehler bei seinen Söhnen vorgekommen; 1Sam 8,3 .) Die Antwort lautete natürlich "nein". Samuels Absicht war es, zu zeigen, daß in dem Maße, wie es in der Vergangenheit möglich gewesen war, ihm zu vertrauen, man auch jetzt seinem Wort für die Gegenwart und die Zukunft vertrauen könne.

 

1Sam 12,6-25


Die Geschichte Israels war an einem kritischen Punkt angelangt. Das Voll hatte nach einem König verlangt und hatte ihn bekommen, gegen die erklärten Absichten und den Willen Gottes. Dieser König hatte sie schon bei seiner ersten Unternehmung zu einem großartigen Sieg geführt! Jetzt war die Frage, ob Israel den Sieg als Beweis des Segens Gottes sehen und ihm dafür die Ehre geben würde, oder ob es ihn als eine menschliche Leistung frei von göttlicher Befähigung verstehen würde. Samuel nahm diese Frage vorweg und versuchte, das Volk zu einer erneuten Anerkennung der souveränen Herrschaft Gottes und zur Notwendigkeit von Anbetung und Lobpreis Gottes als der Quelle all seines Segens zu führen. Zuerst erinnerte er es daran, wie Gott es aus Ägypten herausgeführt und nach Kanaan gebracht hatte (V. 6 - 8 ). Dann rechnete er ihm seinen Ungehorsam unter den Richtern vor (V. 9 - 11 ). ( Jerubbaal , V. 11 , war ein anderer Name für "Gideon"; Ri 6,32 .Für Barak steht im Hebr. "Bedon". Bedon war entweder ein anderer Name für Barak oder ein anderer Richter, der im AT nur hier erwähnt wird.) Danach wies Samuel darauf hin, daß die ammonitische Bedrohung es dazu geführt hatte, nach einem menschlichen König zu verlangen, eine Forderung, der der Herr gnädigerweise zugestimmt hatte ( 1Sam 12,12-15 ). Schließlich bat Samuel den Herrn dringend darum, ein Zeichen vom Himmel zu schicken, um sowohl seine eigenen Warnungen vor dem Gericht zu beglaubigen als auch das Volk zu veranlassen, den Gott, der es berufen hatte und der es segnen und gebrauchen wollte, zu verehren (V. 16 - 18 ). Der Herr erinnerte es daran, daß sein beharrlicher Wunsch nach einem König, obwohl er ihn ihm gewähren würde, immer noch ein böses Ersuchen war, weil er verfrüht kam und falsch motiviert war.

Als das Volk den Beweis in Form von Donner und Regen , einem unerhörten Phänomen im Frühsommer, der Zeit der Weizenernte (V. 17 ), erlebt hatte, wandte es sich in ernster Reue an Samuel und bat den Propheten, darum zu beten , daß Gott ihnen seine Eile, einen König zu finden, vergeben möge (V. 19 ). In einer wundervollen Bestätigung der Gnade Gottes erzählte Samuel dem Volk, daß Gott es trotz der falschen Wahl segnen würde, wenn es nur von diesem Zeitpunkt an im Gehorsam standhaft bliebe. Die Vergangenheit konnte nicht ungeschehen gemacht werden, aber seine Zukunft war unbefleckt und konnte dem Herrn gewidmet werden (V. 20 - 22 ). Samuel verpflichtete sich auch als ein wahrer Mittler dazu, für das Volk zu beten. (Jahrhunderte später sprach Jeremia von Samuel als von einem großen Mann des Gebets; Jer 15,1 .) Ein Mangel an solchem Tun, sagte Samuel, würde Sünde gegen Gott sein ( 1Sam 12,23 ). Wenn die Menschen bejahend antworten würden, könnten sie Gottes fortgesetzten Segen über ihrem Volk erwarten. Wenn aber nicht, könnten sie das Gericht Gottes über sich erwarten (V. 24 - 25 ).



4. Sauls erste Zurechtweisung
( 1Sam 13 )


1Sam 13,1


Wenn die erneute Bestätigung der Königsherrschaft Sauls und Samuels Rede anläßlich seines ersten Jahresjubiläums der Krönung stattfanden, geschahen die Ereignisse dieses Kapitels vielleicht nach Sauls zweitem Jahrestag der Königsherrschaft. Dies ist jedenfalls eine mögliche Erklärung der textlich schwierigen Passage, die meist mit Saul war 30 Jahre alt, als er König wurde, und er regierte über Israel 42 Jahre lang übersetzt wird. Im Hebr. heißt es wörtlich: "Saul war Jahre alt, als er zu regieren begann, und er regierte zwei Jahre über Israel". Offensichtlich ist aus dem ersten Teil dieser Feststellung eine Zahl herausgefallen, und der zweite Teil kann nicht bedeuten, daß er insgesamt nur zwei Jahre regierte. Alttestamentliche Chronologien deuten an - und Paulus lehrt dies in seiner Rede in Antiochia in Pisidien ausdrücklich ( Apg 13,21 ) -, daß Saul 40 Jahre lang regierte, zweifellos eine gerundete Zahl, aber nahe an der wirklichen. Es gibt keinen Grund, anzunehmen, daß die Zahl "zwei" verdächtig ist, weil alle Handschriften und Versionen sie enthalten. Es ist nur der Wunsch, 1Sam 13,1 als ein reguläres Formular der Königsherrschaft anzusehen (wie in 2Sam 2,10; 2Sam 5,4; 1Kö 14,21; 1Kö 22,42 usw.), der viele Gelehrte dazu geführt hat, die "40" oder irgendeine andere Zahl zu vermissen. Die Geschichte leitet im Kontext allerdings kein Formular der Königs herrschaft ein (warum sollte sie es hier, eben während Sauls Regierungszeit, auch tun?), sondern weist wahrscheinlich darauf hin, daß die ammonitische Gefahr in Sauls erstem Jahr gekommen war und jetzt, in seinem zweiten Regierungsjahr, mit den Philistern gerechnet werden mußte.

Ein Problem bleibt mit dem ersten Teil der hebr. Feststellung, "Saul war Jahre alt ...". Viele Gelehrte folgen Origenes (ca. 185 - 254) und ergänzen "30". Da ja Jonatan, Sauls Sohn, damals schon erwachsen war und als militärischer Befehlshaber diente, muß Saul älter als 30 Jahre gewesen sein. Wahrscheinlicher ist, daß die zu ergänzende Zahl "40" ist, obwohl dies nur sehr schwierig mit der Beschreibung ( 1Sam 9,2 ) in Einklang zu bringen ist, daß Saul zur Zeit seiner Berufung ein eindrucksvoller junger Mann gewesen ist. Dabei ist "jung" in diesem späteren Abschnitt allerdings keine gute Übersetzung des hebr. bAHUr , einem Wort, das mit "auserwählt" wiedergegeben werden könnte.

Die beste Übersetzung von 1Sam 13,1 scheint zu sein: "Saul war [40] Jahre alt, als er zu regieren begann, und er regierte über Israel 2 Jahre lang." Dies wird weiterhin durch den nächsten Vers unterstützt, der mit einem Verb im Präteritum beginnt, eine Ausdrucksweise, die eine enge Verbindung mit dem vorherigen Satz erfordert. "Saul wählte ..." (V. 2 ) läßt darauf schließen, daß Saul nach einer Regierungszeit von zwei Jahren damit begann, Soldaten auszuwählen und eine regelrechte Armee zu bilden, die das größere Heer, das er früher benutzt hatte, ersetzte.



1Sam 13,2-15


Nachdem, was er aus dem kurz zurückliegenden Erlebnis mit den Ammonitern gelernt hatte, setzte Saul viel daran, ein stehendes Heer von 3 000 trainierten Soldaten zu schaffen - 2 000 unter seiner direkten Kontrolle und 1 000 unter der seines Sohnes Jonatan . Diese stationierte er bei Michmas beziehungsweise in Gibea , um mögliche Angriffe der Philister abzuwehren. Nach einem vorläufigen Zusammenstoß bei Geba , auf halbem Wege zwischen Michmas und Gibea, drängten die Philister (mit 3 000 Wagen, 6 000 Gespannen und unzähligem Fußvolk) die israelitischen Truppen östlich in Richtung Gilgal (V. 3 - 7 ). Dies ist die erste der drei großen Schlachten Israels gegen die Philister in der Regierungszeit Sauls (vgl. 1Sam 17,1-54; 31,1-6 ). (Obwohl im Hebr. von "30 000 Wagen" die Rede ist, ist diese Übersetzung problematisch, weil dies bedeuten würde, daß auf jedes Gespann 5 Wagen kamen. Die hebr. Worte für "30 000" und "3 000" sehen fast gleich aus. Das eine konnte sehr leicht fälschlicherweise für das andere gehalten werden, wenn der Text abgeschrieben wurde. Vielleicht läßt dies darauf schließen, daß der Text von 1Sam bei der Weitergabe etwas gelitten hat.)

Wie Saul es zwei Jahre vorher zu tun versprochen hatte ( 1Sam 10,8 vgl. den Kommentar zu 1Sam 13,1-2 ), wartete er hier auf Samuel, um zu opfern ( 1Sam 13,8 ). Aber am siebten Tag, an dem Samuel ankommen sollte, konnte Saul nicht länger warten und erfüllte unerlaubterweise selbst die priesterliche Aufgabe, das Dankopfer darzubringen. Als Samuel dann kam und hörte, daß Saul sich die Freiheit herausgenommen hatte, zu opfern, tadelte er ihn scharf mit den Worten: Du hast töricht gehandelt . Wegen dieser Tat, sagte Samuel, würde Sauls Dynastie ein Ende haben ( deine Königsherrschaft wird nicht bestehen ), und die eines anderen Mannes würde seinen Platz einnehmen, eines Mannes nach dem Herzen Gottes . Die Strenge des Gerichts Gottes über Saul muß im Licht der Heiligkeit Gottes gesehen werden. Wie beim Beispiel der unvorsichtigen Behandlung der Bundeslade bei Bet-Schemesch hatte jetzt auch Saul die heiligen Maßstäbe des Herrn verletzt, indem er dem Gesetz Moses ( 3Mo 6,1-6 ) und dem Wort seines Propheten Samuel ( 1Sam 10,8 ) nicht gehorcht hatte. Daß die Möglichkeit einer ewig andauernden Dynastie Sauls gegeben war, wird aus 1Sam 13,13 ersichtlich, aber dies lehrt keineswegs, daß das Entstehen der Dynastie Davids aus dem Fall der Dynastie Sauls resultierte. Samuel sagte lediglich, daß Sauls Königsherrschaft enden und die eines anderen beginnen würde.



1Sam 13,16-18


Nachdem Gibea den Philistern entrissen worden war (V. 3 ), wurden Saul und Jonatan nach dem Vorfall mit Samuel in Gilgal wiederum von den Philistern aus Michmas angegriffen. Das Lager teilte sich in drei Kompanien von angreifenden Truppen. Eine von ihnen wandte sich in Richtung Ofra, nördlich von Michmas, die zweite in Richtung Bet-Horon nach Südwesten und die dritte in Richtung Zebo´m (dem Jordantal) nach Osten. Der Rest der zuversichtlichen Armee der Philister blieb in Michmas.



1Sam 13,19-23


Dieser eingeschobene Abschnitt erklärt, daß die Israeliten einen großen Nachteil hatten, weil sie in der Herstellung und dem Gebrauch von Eisen nicht geschickt waren; die Philister hatten den Israeliten aus Angst, daß sie Schwerter und Speere herstellen würden, die Hüttenkunde vorenthalten. Sie hatten die fortgeschrittene Hüttenkunde offensichtlich von den Hetitern oder anderen anatolischen Völkern gelernt, die sie bei der Einwanderung der Seevölker aus der Ägäis nach Kanaan ungefähr 1200 v. Chr. kennengelernt hatten. Israel war von den Philistern in bezug auf Eisenwaffen und Eisenwerkzeuge abhängig (V. 20 ). In Kriegszeiten waren solche Dienste natürlich nicht verfügbar, daher hatten nur Saul und Jonatan Eisenwaffen (V. 22 ).



5. Jonatans Gefährdung
( 1Sam 14 )


1Sam 14,1-14


Bei der Wiederaufnahme des Kampfes gegen die Philister schlug Saul sein Lager mit ungefähr 600 Mann nahe der Hauptstadt Gibea auf (V. 2 ). Aber Jonatan unternahm selbst eine geheime Mission in das feindliche Lager nahe Michmas. Auf dem Weg dorthin marschierten Jonatan und sein Waffenträger zwischen den beiden Felsen namens Bozez und Senne (V. 4 ) hindurch. Als sie durch die schmale Felsspalte kamen, wurden sie von den Philistern erkannt, die sie zu einem Kampf herausforderten (V. 12 ). Da Jonatan seine Mission im Vertrauen auf den Herrn unternommen hatte (V. 6.10 ), wußte er, daß er und sein Diener sich durchsetzen würden. Sie töteten zusammen auf dem kleinen Stück 20 der Feinde.


1Sam 14,15-23


Jonatans heroischer Kampf schockierte und erschreckte die Philister. Sauls Späher konnte die Feinde fliehen sehen. Da er wußte, daß dies nur durch israelitische Beteiligung geschehen sein konnte, veranlaßte der König eine Untersuchung, welche seiner Truppen diese unabhängige Aktion unternommen hatte. Jonatan und sein Waffenträger wurden vermißt.

Währenddessen kam der Priester Ahija (vgl. V. 3 ), um die Bundeslade des Herrn zu bringen (V. 18 - 19 ). Sie war noch immer in Kirjat-Jearim ( 1Sam 7,1 ), aber als Symbol der Gegenwart des Herrn wurde sie von Saul bei der Schlacht gewünscht. Als Saul sah, daß die Philister sich in völliger Verwirrung befanden, beauftragte er Ahija, seine Hand zurückzuziehen (d. h. von den heiligen Losen, Urim und Tummim, 1Sam 14,19; vgl. 2Mo 28,29-30; 1Sam 14,40-42 ). Der Wille Gottes war nun klar geworden, so daß Saul zusammen mit den Israeliten einen großen Triumph über die Fliehenden errang (V. 20 - 23 ).



1Sam 14,24-48


Bevor dies geschah, hatte Saul allen seinen Männern befohlen, zu fasten, bis sie die Philister besiegt hätten. So hungrig, wie sie in der Schlacht waren, lehnten sie es doch ab, etwas, und sei es nur ein wenig Honig aus dem Wald, zu essen, weil sie den Fluch, der ihr Fastengelübde begleitete, fürchteten. Jonatan hatte aber von dem Gelübde nichts gehört, so daß er, als er beim Honig vorbeikam, ihn aß und dadurch wunderbar erfrischt wurde ( seine Augen strahlten ; vgl. V. 27 ). Der Rest der Armee Sauls war so hungrig, daß sie nach dem Sieg die Tiere der Philister nahmen, sie schlachteten und dann, ohne das Blut ganz herauslaufen zu lassen, aßen (V. 32 - 33 ; vgl. 3Mo 17,10-14 ). Das beunruhigte Saul so sehr, daß er auf schnellstem Wege einen Altar baute, auf dem er dem Herrn ein Versöhnungsopfer darbrachte ( 1Sam 14,35 ).

Dann bestimmte Saul, die Philister zu verfolgen und zu plündern, aber er konnte keine Antwort vom Herrn bekommen (V. 37 ). Das bedeutete für Saul, daß jemand das Fasten gebrochen hatte, und als das Los gebraucht wurde (also Urim und Tummim, V. 41 - 42 ; vgl. V. 19 ), entdeckte er, daß es sein eigener Sohn Jonatan gewesen war. Nur das Dazwischentreten der Männer Sauls bewahrte Jonatan vor der Hinrichtung (V. 45 ).

Die großen Feldzüge Sauls werden in den Versen 47 - 48 aufgelistet und umfassen Siege über Moab, Ammon, Edom, Zoba (die Aramäer), die Philister und auch über die Amalektiter, obwohl sein Erfolg über die letztgenannten durch seinen Mangel an vollständigem Gehorsam gegenüber Gott beeinträchtigt wurde (vgl. 1Sam 15,20-23 ).



1Sam 14,49-52


Die königliche Familie bestand aus Saul, seiner Frau Ahinoam, seinen drei Söhnen Jonatan, Jischwi (nicht der gleiche wie Isch-Boschet oder Eschbaal; vgl. 1Chr 10,2 ,wo Jischwi dieselbe Person ist wie Abinadab) und Malkischua, seinen Töchtern Merab und Michal (Davids erster Frau; vgl. 1Sam 18,27 ) und Abner, der als Sauls Oberbefehlshaber diente.

Jischwi ist wahrscheinlich nicht derselbe Sohn wie Isch-Boschet, weil Isch-Boschet offensichtlich Sauls jüngster Sohn war und geboren wurde, nachdem Saul seine Herrschaft begonnen hatte. Aus diesem Grund wird er in 1Sam 14,49 nicht aufgezählt, aber in der vollständigen Liste der Söhne Sauls in 1Chr 8,33 genannt (vgl. den Kommentar zu 2Sam 2,8 ).

In Übereinstimmung mit 1Chr 8,33 und 1Chr 9,39 war Ner Sauls Großvater (Ners Sohn war Kisch, und Kischs Sohn war Saul), aber in 1Sam 14,50 scheint Ner Sauls Onkel und Abner sein Vetter zu sein. In 1Chr müßte Abner, auch wenn das nicht erwähnt wird, Sauls Onkel sein, weil Abner Ners Sohn war ( 1Sam 14,50 ). Dieser scheinbare Widerspruch wird durch den hebr. Wortlaut von 1Sam 14,50 b aufgelöst, wo es wörtlich heißt: "Abner, Sohn Ners, Onkel Sauls".

Mit dem Verständnis, daß das mehrdeutige "Onkel Sauls" sich nicht auf Ner, sondern auf Abner bezieht, sehen die Beziehungsverhältnisse folgendermaßen aus:



B. Sauls Verwerfung
( 1Sam 15 )


1Sam 15,1-8


Lange vor der Zeit Sauls, in den Tagen der Wüstenwanderung, war Israel von den Amalekitern grausam aus dem Hinterhalt angegriffen worden, eine Tat, die eines Tages gerächt werden sollte, wie der Herr es versprochen hatte ( 2Mo 17,8-16 ). Die Zeit dafür war nun gekommen. Daher beauftragte Samuel Saul, die Amalekiter vollkommen zu vernichten , das heißt, sie unter den Bann ( HErem ) des heiligen Krieges zu stellen ( 1Sam 15,3 vgl. V. 8 - 9.15.18.20 - 21 ; 5Mo 20,16-18; vgl. den Kommentar zu Jos 6,21 ). Allerdings sollte Saul die Keniter verschonen, weil sie ja Israel während der Wüstenwanderung Barmherzigkeit erwiesen hatten ( 1Sam 15,6; vgl. 2Mo 18,9-10 [Jitro war ein Keniter, Ri 1,16 ]). Saul machte sich auf, um das Verlangen Samuels zu erfüllen ( 1Sam 15,7-8 ), aber doch nicht vollständig.



1Sam 15,9-35


Als Saul sah, wie fett die amalekitischen Schafe und Ziegen waren, und als er bedachte, wie es seine eigene Ehre und sein eigenes Ansehen steigern würde, wenn er Agag, den König Amaleks , als Gefangenen nach Hause brächte, konnte er nicht widerstehen, sie als öffentliche Zeichen seiner Herrschaft mit zurückzubringen (V. 9 ). Das ist die Absicht Sauls, wie sie aus Vers 12 klar hervorgeht, der davon spricht, daß Saul am Karmel (in Juda, nicht der Karmel an der oberen Küste Mesopotamiens) ein Denkmal zu seiner eigenen Ehre errichtete. Als er darauf von Samuel angesprochen wurde (V. 14 ), versuchte Saul, seinen Ungehorsam zu rechtfertigen, indem er behauptete, daß die Tiere wegen der Beharrlichkeit der Soldaten (V. 20 - 21 ) dem Herrn als Opfer dargebracht worden seien. Samuel aber antwortete mit der prinzipiellen Feststellung, die in ihrer Anwendung zeitlos ist: Gehorsam ist besser als Schlachtopfer und Hören besser als das Fett von Widdern (V. 22 ). Zusätzlich zum Ungehorsam hatte sich Saul der rebellischen Arroganz und der Zurückweisung des Wortes Gottes schuldig gemacht (V. 23 ).

Das Ergebnis bestand für Saul darin, daß der Herr ihn als König verwarf (V. 26 ), symbolisiert dadurch, daß Saul Samuels Mantel zerriß (V. 27 - 28 ). Diese Ablehnung Sauls und die Wahl eines Ersatzes (David) bedeutete nicht, daß Gott Samuel irregeführt oder etwa seine Meinung geändert hatte (V. 29 ). Vielmehr hatte Gott von Anfang an einen anderen auserwählt, einen, der nach seinem eigenen Herz sein würde (vgl. 1Sam 13,14; 1Sam 16,1 ). Obwohl er vom Volk noch weitere 15 Jahre lang als König anerkannt wurde, wurde Saul eben jetzt vom Herrn abgesetzt (vgl. 1Sam 16,14 ), und Samuel tötete Agag ( 1Sam 15,32-33 ). Samuel ließ keinen Zweifel an der Endgültigkeit der Dinge, denn er besuchte den König von diesem Tag an niemals wieder (V. 35 ). Das zeigt die Entfremdung zwischen Samuel und Saul, die von nun an auch zwischen dem Herrn selbst und dem ungehorsamen König herrschte. Obwohl Gott Saul erlaubt hatte, als Antwort auf das Verlangen des Volkes zu regieren, betrübte dieses Zugeständnis jetzt das Herz des Herrn (V. 35 ).



C. Saul und David
( 1Sam 16-26 )


1. In freundschaftlichen Zeiten
( 1Sam 16-17 )


a. Die Wahl und Berufung Davids
( 16,1 - 13 )


1Sam 16,1-13


Nach Sauls weiterer Auflehnung gegen den Herrn und seiner nachfolgenden Ablehnung durch den Herrn wurde Samuel beauftragt, den einen auszusuchen, der Saul auf dem Thron Israels ablösen sollte. Dieser eine war bereits als ein Mann nach Gottes Herz ( 1Sam 13,14 ) und als einer von Sauls Nachbarn, der besser als er sei ( 15, 28 ), beschrieben worden. David war von Ewigkeit her zum Führer Israels auserwählt worden. Die Ablehnung Sauls zwang dem Herrn keinen neuen Handlungskurs auf. Vielmehr folgte Gott seinem allwissenden Plan in einer solchen Weise, daß er Sauls Ungehorsam als menschliche Gelegenheit zur Durchführung seines höheren Plans benutzte. Gott hatte dem Volk erlaubt, einen König nach seiner eigenen Wahl zu haben. Jetzt, da der Charakter dieses Königs und sein Fehler, ihn gewählt zu haben, klar zutage getreten waren, bewies Gott die Souveränität seiner eigenen Weisheit, indem er einen König aufstehen ließ, der in Erfüllung seines perfekten Willens kommen würde.

Nach einer unbestimmten Zeitspanne, in der Samuel die Ablehnung Sauls beklagte, befahl der Herr dem Propheten, nach Bethlehem zu gehen, um einen Sohn Isais zum König auszuwählen ( 1Sam 16,1-3 ). Isai war der Enkel von Rut und Boas ( Rt 4,18-22 ) und stand somit in der Linie der Verheißung (vgl. die Übersicht "Die Vorfahren Davids ab Abraham"). Wie die Frauen Jakobs ein königliches Haus geboren hatten ( 1Mo 35,11; 49,10 ), so würde Rut die Dynastie Davids hervorbringen ( Rt 4,11 ). Gott trug Samuel nicht auf, betrügerisch zu sein, sondern vielmehr die Berufung mit dem Geschäft des Opferns zu verbinden ( 1Sam 16,2 ). Die Ältesten in Bethlehem hätten sich vielleicht gefragt, ob Samuel zum Gericht gekommen war (V. 4 ).

Nachdem die sieben älteren Söhne Isais einer nach dem anderen für ungeeignet erklärt worden waren (V. 5 - 10 ), wurde David vom Herrn ausgesondert und von Samuel berufen (V. 11 - 13 ). Die Berufung wurde, wie bei der Erfahrung Sauls, durch das mächtige Kommen des Geistes Gottes auf den jungen Knaben begleitet (V. 13 ). Später wurde David zum König über Juda und dann über Israel bestimmt ( 2Sam 5,3 ).



b. David als Musiker Sauls
( 16,14 - 23 )


1Sam 16,14-23


Als David vom Geist erfüllt worden war, verließ derselbe Geist Saul. Dies wird durch die Tatsache bewiesen, daß die Gegenwart oder Abwesenheit des Heiligen Geistes im AT nichts über das Heil besagt, sondern nur, daß seine Macht in solchen Menschen wirkt, die Gott zum Dienst auserwählt hat (vgl. Ri 3,10; 6,34; 13,25; 14,6; 1Sam 10,10; 16,13 ).

Mit dem Auszug des Geistes Gottes wurde Saul von einem bösen Geist gequält , dem Gott zu kommen erlaubte (V. 14 ; vgl. V. 15 - 16; 18,10; 19,9 ). Ob nun der Geist sündige oder nur harmlose Kennzeichen besaß, muß offen bleiben. Jedenfalls ist ganz sicher, daß er ein dämonisches, satanisches Werkzeug war (vgl. Hi 1,12;2,6; 1Kö 22,19-22 ). In seinem verstörten Zustand konnte Saul nur durch Musik Erleichterung finden, und so befahl er, daß ein Musiker gefunden werden müsse ( 1Sam 16,15-17 ). In seiner Vorsehung arrangierte es Gott so, daß David der Gesuchte war und der Schafhirte so in den Palast des Königs eingeführt wurde (V. 18 - 21 ). Der Heilige Geist ermächtigte David, den bösen Geist, der Saul überwältigte, zu vertreiben (V. 23 ). Harfen waren schon einmal im Zusammenhang mit Weissagungen erwähnt worden ( 1Sam 10,5 ). Später bat auch Elisa darum, daß eine Harfe gespielt werden sollte, als er eine Offenbarung vom Herrn suchte ( 2Kö 3,15 ). Ebenso prophezeiten Asaf, Hemam und Jedutun mit Harfen, Leiern und Zimbeln ( 1Chr 25,1 ).



c. Davids Triumph über Goliat
( 1Sam 17 )


1Sam 17,1-51


Einige Zeit nachdem David seine Rolle als Hofmusiker angetreten hatte, war Israel wiederum durch die Philister in Gefahr. Die Armeen waren auf den gegenüberliegenden Seiten des Gebirges Elah , wenige Kilometer südwestlich von Jerusalem, aufgestellt worden (V. 2 - 3 ). Offensichtlich beschlossen sie aus Furcht voreinander, daß der Beginn des Kampfes durch einen Vergleich der Besten, die einander in einer Schlacht angreifen würden, bestimmt werden sollte. Die Philister boten Goliat auf, einen Riesen (ungefähr 3 m groß!), aber Israel konnte keinen gleichwertigen Mann finden, auch nicht Saul (V. 4 - 11 ). Goliat trug einen bronzenen Helm und als Gewand einen Schuppenpanzer , der 5 000 Schekel , das sind ungefähr 50 kg, wog und bronzene Beinschienen . Er war mit einem bronzenen Wurfspieß und mit einem langen Speer mit einer 7 kg schweren Eisenspitze bewaffnet (V. 7 ). Zum Schluß hörte David von dem Dilemma, und nachdem er mit Proviant für seine Brüder zum Lager Israels geschickt worden war (V. 12 - 22 ), erbat er von Saul die Erlaubnis, es mit dem Philister aufnehmen zu dürfen (V. 23 - 32 ). Widerstrebend stimmte Saul zu, und David schlug Goliat nur durch sein Vertrauen auf Gott, mit einer Schlinge und fünf kleinen Steinen bewaffnet, und brachte seinen abgetrennten Kopf im Triumph zurück (V. 33 - 51 ).


1Sam 17,52-58


Als der Kampf vorüber war, erkundigte sich Saul, wer der junge Krieger gewesen sei, und er erfuhr, daß es David, der Sohn Isais, war (V. 55.58 ). Warum konnte sich Saul nicht an David erinnern, der ihm doch immerhin eine Zeitlang als Musiker und Waffenträger gedient hatte? Eine mögliche Antwort ist, daß Saul nicht danach gefragt hatte, wer David sei, sondern jetzt zum ersten Mal nach den verwandtschaftlichen Verhältnissen Davids fragte: Wessen Sohn ist dieser junge Mann? (V. 55 ; vgl. V. 25 ). Als David selbst gefragt wurde, sagte er deswegen nicht "Ich bin David", sondern nur "Ich bin ein Sohn deines Knechts Isais, des Bethlehemiters" (V. 58 ). Eine andere und vielleicht bessere Lösung ist, daß Davids vorangegangener Dienst kurz und mit Unterbrechungen gewesen war und nun mehrere Jahre vergangen waren, seit Saul ihn zum letzten Mal gesehen hatte. Wenn David zum Beispiel erst 12 Jahre alt gewesen war, als er als Musiker Sauls an den Hof gekommen und dort nur für ein Jahr geblieben war, dürfte er zur Zeit der Angelegenheit mit den Philistern wohl 17 oder 18 Jahre alt gewesen sein, so daß sich Saul schon nicht mehr an ihn erinnern konnte. Diese Erklärung wird auch durch die Tatsache erhärtet, daß Saul, nachdem David mit dem König dieses Mal zusammengetroffen war, ihn nicht in das Haus seines Vaters zurückkehren ließ (V. 15 ; 1Sam 18,2 ). Dies läßt darauf schließen, daß Davids vorangegangener Dienst kein ständiger Dienst gewesen war. Auf jeden Fall muß man nicht zwei verschiedene Quellen für Kapitel 16; 17 annehmen oder die Ereignisse als nicht rekonstruierbar ansehen, wie dies viele Bibelkritiker tun.



2. In unfreundlichen Zeiten
( 1Sam 18-26 )


a. David flieht vor Saul
( 1Sam 18-20 )


(1) Davids Popularität

1Sam 18,1-7


David war nicht nur, wie bereits gesagt wurde, von der Ewigkeit her als Gründer der messianischen Königsdynastie auserwählt, sondern er wurde ebenso vom Herrn darauf vorbereitet, seine königliche Verantwortung wahrzunehmen. David hatte auf den Feldern als Schafhirte gedient und besaß das liebende, beschützende Herz eines Schafhirten, ein passendes Wesensmerkmal für einen König. Er hatte Verantwortung und Mut durch die Begegnung mit und das Töten von wilden Tieren, die seine Herde bedrohten, gelernt ( 1Sam 17,34-36 ). Er hatte das Harfenspiel gelernt, eine Kunst, die ihn für die ästhetische Seite des Lebens empfindsam machen und ihm helfen würde, die aufrüttelnden Psalmen zu komponieren, die den Herrn preisen und seine mächtigen Taten feiern. David war als Musiker und Krieger in den Palast des Königs gebracht worden, so daß er vielleicht die Erfahrung der Staatskunst machen konnte. Obwohl er zur Zeit seiner Berufung ein uneingeweihter Neuling war, war er bei seiner Krönung, ungefähr 15 Jahre später, sehr gut ausgerüstet, um König von Israel zu sein. Seine Erziehung war aber nicht immer angenehm. Mit steigender Popularität beim Volk ging eine Verschlechterung seiner Beziehung zu Saul einher, weil der König auf Israels neuen Helden unverbesserlich eifersüchtig war.

Nach Davids dramatischem Sieg über Goliat brachte Saul ihn wieder in seinen Palast, dieses Mal als Befehlshaber seiner Armee ( 1Sam 18,5 ). Davids herausragende Position am Hof wurde weiterhin durch die persönliche Zuwendung, die Jonatan, Sauls ältester Sohn, ihm entgegenbrachte, gestärkt (V. 1.3 ). Die Freundschaft wurde so eng, daß Jonatan sich selbst seine eigenen königlichen Insignien abnahm, obwohl er offensichtlich der Thronerbe war (vgl. 1Sam 20,31 ), und sie David in Erinnerung an die göttliche Wahl Davids zum König gab ( 1Sam 18,4; vgl. 1Sam 23,17 ). Mehr als einmal würde dieser Freundschaftsbund zwischen den beiden Männern David zum Vorteil gereichen. Inzwischen war David militärisch so bedeutend geworden, daß seine Taten in folgendem Lied besungen wurden: Saul hat tausend erschlagen, aber David zehntausend.



1Sam 18,8-16


(2) Sauls Eifersucht ( 1Sam 18,8-20,42 )

Saul war über die Minderung seiner Ehre so entrüstet, daß er, durch den dämonischen Geist inspiriert (V. 10 ; vgl. 1Sam 16,14-16; 19,9 ), versuchte, David mit dem Speer zu töten ( 1Sam 18,10-11; 19,9-10 ). Aber Gott bewahrte David und gab ihm noch größere Popularität ( 1Sam 18,12-16 ).



1Sam 18,17-30


(2) Sauls Eifersucht ( 1Sam 18,8-20,42 )

Als Saul nun sah, daß er selbst David nicht vernichten konnte, überlegte er sich, ihn durch die Philister töten zu lassen. Dies arrangierte er, indem er David vorschlug, seine älteste Tochter Merab zu heiraten. Saul hatte aber eine andere eheliche Versprechung David gegenüber nicht eingehalten ( 1Sam 17,25 ). David protestierte allerdings, daß er ein einfacher Bürger sei und keinen ausreichenden Brautpreis habe ( 1Sam 18,25 , mOhar , nicht "Mitgift" wie in manchen Übersetzungen). Bevor sich irgend etwas Weiteres entwickeln konnte, wurde Merab einem anderen gegeben (V. 19 ). Saul wiederum bot seine zweite Tochter, Michal , an, die zu dieser Zeit in David verliebt war (V. 20 ; vgl. 2Sam 6,16 ). Aber David argumentierte wiederum, daß er wegen seines niederen Standes ungeeignet sei, der Schwiegersohn des Königs zu werden ( 1Sam 18,23 ). In einem Akt offensichtlicher Großzügigkeit verzichtete Saul auf den üblichen Brautpreis und verlangte nur, daß David 100 Philister töten und ihre Vorhäute mitbringen solle (V. 25 ), eine Forderung, die er durch das Erschlagen von 200 Männern mehr als erfüllte (V. 27 ). Saul hatte natürlich gehofft, daß diese Tat David das Leben kosten würde (V. 25 ). Daher war Saul wieder über David sehr verärgert (V. 29 ; vgl. V. 12.15 ). Aber David wurde Sauls Schwiegersohn, indem er Michal heiratete (V. 27 ), und sein militärischer Erfolg und seine Popularität wuchsen (V. 30 ).

Kapitel 19 : Nach einem ersten und erfolgreichen Versuch Jonatans, die Gefühle seines Vaters gegenüber David zu beruhigen (V. 1 - 7 ), wagte Saul weitere Schritte, David zu vernichten. Zuerst versuchte er noch einmal, ihn mit eigener Hand zu erschlagen (V. 9 - 10 ). Dann heuerte er Verschwörer an, die ihn in seinem Bett töten sollten, ein Plan, der von Michal vereitelt wurde (V. 11 - 17 ). Darauf schickte Saul Männer nach Najot bei Rama , wo David bei Samuel Zuflucht gesucht hatte (V. 18 - 24 ). (Rama war Samuels Heimatstadt.) Sie hatten aber keinen Erfolg, weil sie, und später Saul, durch den Geist Gottes , der über sie kam und sie veranlaßte, sich wie Propheten zu benehmen, überwältigt worden waren (V. 20 - 21.23 - 24 ). Dies bedeutet, daß sie in Trance fielen oder in Ekstase gerieten, ein Zustand, der sie unbeweglich und unfähig machte, ihre bösen Absichten zu verfolgen.



1Sam 20,1-23


(2) Sauls Eifersucht ( 1Sam 18,8-20,42 )

Nachdem David von der Unheilbarkeit der Feindschaft Sauls ihm gegenüber überzeugt worden war, versuchte er, ihre Quelle zu erkennen und zu bestimmen, ob es dabei eine Möglichkeit zur Versöhnung gäbe. Diese Prüfung sollte aus der Antwort Sauls auf Davids Abwesenheit beim Neumondfest bestehen (V. 5 ), das am ersten Tag jeden Monats gefeiert wurde ( 4Mo 28,11-15 ). Wenn Saul über Davids Abwesenheit verärgert wäre, würde David wissen, daß es keine Hoffnung mehr gab, daß sie ihre Differenzen beilegen konnten. Wenn der König allerdings freundlich wäre, wäre noch nicht alles verloren ( 1Sam 20,6-8 ). Jonatan würde das Gespräch auf David bringen und die Ergebnisse diesem dann mitteilen, indem er es ihm mit Pfeilen signalisierte (V. 18 - 23 ).



1Sam 20,24-42


(2) Sauls Eifersucht ( 1Sam 18,8-20,42 )

Zuerst dachte Saul, David wäre abwesend, weil er kultisch unrein sei (V. 26 ). Aber dann sagte sich Saul, daß David sich wohl fürchtete. Nachdem David auch am zweiten Tag nicht kam, wurde Saul auf David sehr wütend und ebenso auf Jonatan (V. 30.33 ). Saul sagte, daß es, so lange David lebte, keine Hoffnung gäbe, daß seine eigene Dynastie fortbestehen würde.

Mit schwerem Herzen signalisierte Jonatan David das Ergebnis am nächsten Morgen durch seine Worte an einen Jungen und mit Pfeilen (V. 35 - 40 ). Jonatan und David trafen sich und weinten miteinander (V. 41 ). Es war jetzt eindeutig, daß eine Freundschaft mit Saul unmöglich wäre. Aber Jonatan sagte, daß sein eigener Freundschaftsbund mit David niemals gebrochen werden würde (V. 42 ). Jonatan gab ein Königreich für die Liebe eines Freundes auf.



b. Davids Leben im Exil
( 1Sam 21-26 )


Soweit man sehen kann, war David ein junger Mann von nicht mehr als 20 Jahren, als er gezwungen wurde, Sauls Palast und sein eigenes Haus wegen Sauls fortgesetzter fester Absicht, ihn zu vernichten, zu verlassen. In die Wüste von Juda vertrieben, die für ihn ein vernünftiger Ort war, weil er ihr von Kindheit auf verbunden war, lebte David für fast 10 Jahre wie ein "Robin Hood". Die Dauer dieser Zeit kann man aus der Tatsache ableiten, daß David 30 Jahre alt war, als er über Juda und Hebron zu herrschen begann ( 2Sam 5,4 ). Seine Thronbesteigung fand unmittelbar nach Sauls Tod statt ( 2Sam 2,10-11 ). David hatte direkt davor ein Jahr und vier Monate unter den Philistern verbracht ( 1Sam 27,7 ) und, so wird vermutet, war nur 20 Jahre alt, als er von Saul fortging. Die Geschehnisse in Kapitel 21 - 26 können also nur einen Teil von Davids Aktivitäten während dieser Zeit darstellen. Aber Gott lehrte David in diesen Tagen viele Dinge, in Stunden, die David mit allen teilt, die seine Psalmen lesen, die ihre Entstehung in dieser turbulenten Zeit seines Lebens gefunden haben (vgl. z.B. Ps 18;34;52;54;56-57 ). Alle diese Dinge arbeiteten natürlich gemeinsam an David, um ihn zu einem Herrscher zu machen, der Gott ehren und sein Volk inspirieren würde.

(1) David in Nob und Gad ( 1Sam 21 )

1Sam 21,1-6


Es ist schwierig, die Geschichte der Stiftshütte nach dem Raub der Bundeslade 1104 v. Chr. auszumachen. Die Bundeslade selbst blieb seit dieser Zeit in Kirjat-Jearim ( 1Sam 7,2; 2Sam 6,3-4 ), aber die Stiftshütte wird nicht erwähnt bzw. werden nur Andeutungen darüber gemacht, bis 1Sam 21 ,wo vorausgesetzt wird, daß die Stiftshütte in Nob, der Stadt der Priester, war, wohin David floh, als er sich endgültig von Saul getrennt hatte. Gerade so wie David mit Samuel früher die heilige Stätte in Rama aufgesucht hatte ( 1Sam 19,18 ), zog er jetzt los, um die heilige Stätte bei Ahimelech (auch als Ahia bekannt), dem Priester in Nob ( 1Sam 21,2 ), auf halber Strecke zwischen Jerusalem und Gibea zu finden. Hungrig von seiner Flucht, bat David den Priester um Brot (V. 4 ). Der Priester antwortete, daß es dort kein normales Brot gäbe (V. 5 ), sondern nur das heilige Schaubrot ( 2Mo 25,30 ), das entweiht worden wäre, wenn man es durch frisches Brot ersetzt hätte ( 1Sam 21,7; vgl. 3Mo 24,5-9 ). Dies konnte gegessen werden, wie Jesus später erklärte ( Mt 12,3-4 ), aber normalerweise nur von den Priestern, und sicherlich nur von solchen, die kultisch rein waren ( 1Sam 21,3-6; 3Mo 15,18 ). Daß David diese Brote gegessen hat, illustriert ein Zugeständnis, das das Gesetz erlaubte - Leben ist heiliger als Brot ( Mt 12,7-8 ).



1Sam 21,8-16


Während David in Nob war, wurde er von einem Spion Sauls ausfindig gemacht, nämlich von DoÙg, dem Edomiter , der Saul über Davids Verbleib informierte (V. 8 ; 1Sam 22,9 ). David nahm Goliats Schwert , das die Priester in Nob erbeutet hatten ( 1Sam 21,9-10 ) und flüchtete sofort um sein Leben. Er floh, alle Vorsicht außer acht lassend, nach Gat, der Heimatstadt des toten Philisterhelden Goliat (V. 10 ). Von Achisch, dem Herrn von Gat, erkannt, tat David so, als sei er (geistes)krank und entging damit der Vergeltung der Philister (V. 12 - 14 ). Das passierte in Übereinstimmung mit der Praxis der alten Welt, die Krankheit in gewissem Sinn als ein böses Zeichen zu betrachten und so den Kranken vor Schaden zu bewahren, um die Götter nicht zu provozieren.



1Sam 22


(2) David in Adullam

David ging als nächstes nach Adullam , ungefähr 32 km südwestlich von Jerusalem und 16 km nordöstlich von Gat (V. 1 ). Dort wohnte er in der Höhle zusammen mit 400 anderen Männern , die aus unterschiedlichen Gründen Flüchtlinge waren (V. 2 ). In der Zwischenzeit brachte David seine eigene Familie nach Moab (V. 3 - 4 ), weil er die Gefahr für sie bemerkt hatte, vielleicht, um zusammen mit der Verwandtschaft seiner eigenen Urgroßmutter Rut zu leben. David ging dann in den Wald von Heret , östlich von Adullam, in Juda (V. 5 ), zweifellos, um mit seinem eigenen Volk zusammenzusein, über das Gott ihn zu regieren bestimmt und berufen hatte.

Sobald Saul Davids Rückkehr nach Juda herausgefunden hatte, griff er seine Männer heftig wegen ihres Versagens an, ihm alles, was sie über Davids Tun wußten, zu melden, insbesondere seine enge Beziehung zu Jonatan (V. 6 - 8 ). Um Saul zu beruhigen, erzählte Doeg, der David in Nob gesehen hatte, dem König, wie der Priester in Nob David in seiner Not geholfen hatte. In seinen Wahnvorstellungen schloß Saul daraus, daß Ahimelech und die anderen Priester gegen ihn konspirierten, und nachdem er sie gerufen und ihre Selbstverteidigung angehört hatte, befahl er, sie zu töten (V. 11 - 16 ). Nur Doeg war bereit, diesen grauenhaften Auftrag auszuführen. Er tötete die 85 Priester von Nob zusammen mit ihren Familien und dem Vieh (V. 17 - 19 ).

David wurde dann von Abjatar (V. 20 - 23 ), dem Sohn des Priesters Ahimelech, der zu David geflohen war, nachdem Saul die ganze priesterliche Gemeinschaft ausgerottet hatte, begleitet. Dies markierte den Beginn des priesterlichen Stabes Davids, der später den Gottesdienst in der Stiftshütte in Jerusalem leiten würde.

 

1Sam 23,1-18


(3) David in der Wüste ( 1Sam 23-24 )

Während der Flucht vor Saul tat David mehr, als sich nur zu verstecken. Im Interesse seines belagerten Volkes kämpfte er auch gegen die sie ständig bedrohenden Philister. Zuerst befreite er, nachdem er den Herrn unter Gebrauch der heiligen Lose befragt hatte (V. 2 ; vgl. V. 6 ), die Stadt Ke´la , in der Nähe der Grenze der Philister, 24 km südwestlich von Bethlehem (V. 1 - 5 ). Aber das Volk "bezahlte" ihm seine Freundlichkeit, indem es ihn an Saul verriet (V. 7 - 12 ). So zog er sich mit 600 Mann, die ihm treu geblieben waren (V. 13 ; vgl. 1Sam 27,2; 30,9; 2Sam 15,18 ), in die Wüste Sif zurück ( 1Sam 23,14 ), ein ödes, hügeliges und bewaldetes Gebiet zwischen Hebron und dem Toten Meer. Hier traf er sich ( in Horescha in der Wüste ) kurz mit Jonatan, der wieder die Legitimität der Königsherrschaft Davids bestätigte (V. 16 - 18 ).



1Sam 23,19-28


(3) David in der Wüste ( 1Sam 23-24 )

Auch die Sifiter verrieten David an Saul (V. 19 - 23 ). David merkte das (V. 22 - 25 ) und floh deshalb in die Wüste Maon , 16 km südöstlich von Hebron. Saul verfolgte ihn auch dorthin, wurde aber zeitweilig zurückgerufen, um Israel gegen einen erneuten Angriff der Philister zu verteidigen (V. 27 - 28 ). Das gab David Gelegenheit, nach En-Gedi zu gehen ( 1Sam 24,1 ), einer Oase 16 km nördlich von Massada am Toten Meer.



1Sam 24


(3) David in der Wüste ( 1Sam 23-24 )

Saul holte David in En-Gedi ein und fand ihn beinahe. Der Herr hatte allerdings andere Pläne, und so war Sauls Leben in Davids Hand, als der König loszog, um sich selbst in derselben Höhle auszuruhen (wörtlich: "seine Füße zu bedecken", ein Euphemismus, V. 4 ), in der David sich versteckte. David war ihm so nahe, daß er ein Stück des Mantels des Königs abschnitt , um einen Beweis dafür zu haben, daß er die Gelegenheit gehabt hatte, ihn zu töten. Aber auch diese Tat überführte David, der Saul keinen körperlichen Schaden zufügen wollte (V. 6 - 8 ). David würde den König nicht verletzen, weil er Saul als den vom HERRN Auserwählten betrachtete (V. 7.11 ; vgl. 1Sam 26,9.11.23 ). Doch der König hatte, wie David sagte, keinen gerechten Grund, um ihn zu jagen (24, 15 - 16). In Reue erkannte Saul Davids Gerechtigkeit (V. 18 - 20 ) und die Tatsache an, daß David tatsächlich König sein würde (V. 21 ).



1Sam 25


(4) David und Nabal

Das Kapitel beginnt mit dem Tod und der Beerdigung Samuels in Rama. Dann ging David in die Wüste Maon (V. 1 ; vgl. 1Sam 23,24 ). Unter diesen schrecklichen Umständen dachte David an einen andern Mann namens Nabal, der 1 000 Ziegen und 3 000 Schafe hatte , Zeichen seines großen Wohlstandes ( 1Sam 25,2-3 ). David erinnerte ihn an sein vergangenes, schützendes Verhalten gegenüber Nabal (V. 7 ; vgl. V. 15 - 16.21 ) und bat ihn, ihn und seine Männer in der Wüste zu versorgen.

Nabal weigerte sich allerdings mit äußerster Verachtung, diese Bitte zu erfüllen (V. 4 - 11 ). Dies ärgerte David so sehr, daß er ungefähr 400 Männer nahm, um sich von Nabal mit Gewalt zu nehmen, was er haben wollte. Hätte nicht Abigajil , Nabals Frau, eingegriffen, wäre Nabal sicherlich erschlagen worden. Sie hörte von Nabals falscher Antwort von einem der Diener. Um das Unglück abzuwenden, nahm sie Lebensmittelvorräte in ausreichender Menge, um Davids Erfordernissen zu genügen (V. 14 - 19 ). Als sie ihn traf, bettelte sie ihn an, ihren Ehemann nicht zu schlagen, weil er, wie sie sagte, genauso sei wie sein Name - ein Verrückter ( nABAl , "verrückt"). Statt dessen, fuhr sie fort, würde Gott David segnen und ihn schließlich zum König machen (V. 28 ). Den törichten Nabal zu töten würde nur unnötig sein Gewissen verletzen (V. 31 ). Von ihrer Weisheit beeindruckt, folgte David ihrem Ratschlag und nahm dankbar das Essen an, das sie gebracht hatte (V. 32 - 35 ).

Abigajils Urteil erwies sich kurz darauf als berechtigt, als Nabal, nach einer Nacht in betrunkenem Zustand, herausfand, wie knapp er David entkommen war. Diese Erkenntnis schockierte ihn so sehr, daß er einen Herzanfall bekam und innerhalb von ungefähr 10 Tagen starb (V. 36 - 38 ). David sah in dieser Wendung der Ereignisse ein Zeichen Gottes. Von der Schönheit und dem Charakter Abigajils offensichtlich sehr beeindruckt, bot er ihr die Ehe an, ein Angebot, das sie glücklich annahm. So nahm David sich eine weitere Frau zu Ahinoam und Michal , die er vorher bereits geheiratet hatte, obwohl Saul letztere während Davids Abwesenheit von Gibea Palti gegeben hatte (V. 43 - 44 ; vgl. 2Sam 3,15-16 ).



1Sam 26


(5) Sauls letzte Verfolgung Davids

Wieder einmal erfuhr Saul von den Sifitern, wo David sich versteckt hatte, so daß der König und 3 000 ausgewählte Männer zum Hügel von Hachila (vgl. 1Sam 23,19 ) in der Wüste Sif gingen, um David zu suchen . Wieder befreite der Herr seinen Auserwählten auf wunderbare Weise, der dieses Mal - zusammen mit Abischai , einem erfahrenen und treuen Soldaten und Bruder Joabs ( 1Sam 26,6; vgl. 2Sam 2,24;10,14; 18,12; 21,17; 23,18 ) - dem schlafenden König so nahe kam, daß David ihm seinen Speer und den Wasserkrug stahl ( 1Sam 26,5-12 ). Wiederum wagte es David nicht, den vom Herrn Auserwählten zu verletzen (V. 9.11.23 ; vgl. 1Sam 24,7.11 ).

Nachdem David die Schlucht gegenüber von Saul überquert hatte, rief er Abner, der vermutlich Saul bewachte, und schalt ihn höhnisch wegen seiner Unvorsichtigkeit, in der er es zugelassen hatte, daß der Speer und der Wasserkrug des Königs weggenommen werden konnten ( 1Sam 26,13-16 ). Da erwachte Saul und hörte wieder einmal von Davids Bitte, in Ruhe gelassen zu werden. Wenn Gott Saul in die Verfolgung führte, würde David Buße tun (V. 19 ).

Wenn allerdings Menschen dafür verantwortlich wären, sollten sie von Gott verflucht werden, weil sie in Gottes Absichten eingegriffen hätten, indem sie David aus seinem Haus ( Heimat , V. 19 ) und auch von der öffentlichen Anbetung Gottes ( geh, diene anderen Göttern , V. 19 ) vertrieben hatten.

Gottes Schutz für diesen jungen Rebellen war für Saul so eindeutig, daß er nur seine eigene Schuldverstricktheit erklären (V. 21 ) und voll und ganz erkennen konnte, daß David dazu bestimmt war, der Hirte Israels zu werden (V. 25 ). Anscheinend ergab sich Saul in sein Schicksal und versuchte nie wieder, sich in den Willen Gottes für die Königsherrschaft und den nächsten auserwählten Führer einzumischen (vgl. 1Sam 27,4 ).



D. Sauls Tod
( 1Sam 27-31 )


1. David in Ziklag
( 1Sam 27 )


Kapitel 27 : Obwohl Saul nach langem Zögern entschieden hatte, daß die weitere Verfolgung Davids fruchtlos wäre, weil der Herr ihn für den Thron bestimmt hatte, wußte David das nicht. Daher verließ er Juda widerstrebend, um unter den Philistern Zuflucht zu finden (V. 1 ). Das brachte zwei wichtige Dinge mit sich: (a) Es befreite ihn von jeder möglichen Gefährdung durch Saul, und (b) es machte ihn bei den Philistern beliebt, so daß er sie nicht weiter zu fürchten brauchte. Nicht weniger bedeutsam war, daß diese 16monatige Frist V. 7 , von der Zeit seines Aufenthaltes bei den Philistern bis zum Tod Sauls) ihm Gelegenheit gab, auch weiterhin seine Kriegs- und Leitungsfähigkeiten zu entwickeln. Er brauchte diese Zeit, um, im Hinblick darauf, daß, wie er wußte, das Ende der Dynastie Sauls und der Beginn seiner eigenen nahe war, selbstsicherer zu werden.

So führte David nach vielen Jahren der Flucht vor Saul schließlich seine engste Familie ( seine zwei Frauen , V. 3 , Ahinoam von Jesreel [vgl. 1Sam 25,43 ] und Abigajil vom Karmel [vgl. 1Sam 25,42 ]) und 600 Anhänger ( 1Sam 27,2; vgl. 1Sam 23,13; 30,9; 2Sam 15,18 ) nach Gat und unterwarf sich selbst der Gnade von Achisch, einem Führer der Philister. David hatte das auch schon früher einmal versucht ( 1Sam 21,11-16 ), aber das war in der frühen Phase seiner Entfremdung von Saul. Zu dieser Zeit wurde David von Achisch gefürchtet und entkam mit seiner Frau nur knapp. Jetzt aber war allen klar, daß David Sauls Todfeind war und daß David auch für die Philister in ihrem andauernden Streit mit Israel nützlich sein konnte. So wurde eine Beziehung von Herr und Vasall zwischen Achisch und David geschaffen ( 1Sam 27,5-6 ). In Übereinstimmung mit den Formulierungen des Bundes, den sie miteinander schlossen, versprach David Achisch für ein Lehen die Loyalität. Dies erfüllte Achisch mit der Stadt Ziklag , einer kleinen Siedlung an der südlichen Grenze der Philister zwischen Gaza und Beerscheba.

Dies blieb Davids Hauptwohnsitz für über ein Jahr bis zum Tod Sauls und Davids anschließender Reise nach Hebron (V. 7 ; 2Sam 1,1-2 ). Von dort führte er einige Raubüberfälle gegen verschiedene Wüstenvölker, einschließlich der Geschuriter (ein Stamm, der an die Philister im Süden grenzte, Jos 13,2 ), der Girsiter (ein ansonsten unbekannter Stamm, der zwischen den Philistern und den Ägyptern lebte) und der Amalekiter ( 1Sam 27,8 ) durch, indem er die Menschen tötete und ihren ganzen Viehbestand und andere Güter plünderte (V. 9 ). Diese Überfälle fanden in dem Gebiet des heutigen Gazastreifens in Richtung der Wüste Schur , östlich des gegenwärtigen Suez-Kanals (V. 8 ), statt. Aber David berichtete Achisch, daß diese Angriffe gegen seinen eigenen Stamm Juda oder die Jerachmeeliter oder die Keniter gerichtet waren, eine Darstellung der Dinge, die ihn bei den Philistern immer beliebter machte und sie überzeugte, daß er ein aufrichtiger und loyaler Mann war (V. 12 ).



2. Saul in En-Dor
( 1Sam 28 )


1Sam 28,1-2


Es kam der Tag, an dem sich die Philister entschieden, einen neuen, massiven Sturmangriff gegen Israel zu unternehmen. Ob sie dazu entweder wegen der offensichtlich instabilen Lage des jetzigen Königs Saul und seines Volkes den Mut gefaßt hatten oder wegen Davids eindeutiger Auflösung des Treueverhältnisses oder aus irgendeinem anderen Grund, ist nicht klar. Sie fühlten aber, daß die Zeit günstig war. Das Ergebnis war natürlich, daß sich David in einer höchst gefährlichen Situation befand, weil er jetzt aufgerufen werden würde, seine Loyalität gegenüber seinem neuen Herrn zu beweisen, indem er gegen sein eigenes Volk kämpfte!



1Sam 28,3-6


Währenddessen befand sich auch Saul in einer gefährlichen Situation. Samuel war tot (vgl. 1Sam 25,1 ), und die Philister lagerten sich bei Sunem (im Gebirge Jesreel). Saul, der in Gilboa , 8 km nordwestlich des Berges Gilboa, lagerte, war entsetzt. Er hatte die spiritistischen Medien ( ?OBNT , "Zauberer", die mit den Toten in Verbindung stehen) und Spiritisten ( yidd+)OnIm , "Wahrsager", die mit Geistern in Verbindung stehen, V. 3 ) vertrieben. Doch der Herr weigerte sich, auf Sauls dringende Bitte um Hilfe zu antworten.



1Sam 28,7-14


Saul griff zuletzt auf ein praktizierendes Medium in der Nähe von En-Dor zurück, das auf irgendeine Art und Weise die Säuberung überlebt hatte. Saul verkleidete sich und machte sich des Nachts auf den Weg nach En-Dor im Gebirge Jesreel, genau nördlich vom Berg More. Nachdem er sie von jeder Verantwortung enthob, bat er das Medium, mit Samuel Kontakt aufzunehmen. Indem sie ihre dämonischen Zauberkräfte aktivierte ( 5Mo 18,10-11 ), rief sie die Erscheinung Samuels herbei. Durch Samuels Erscheinung wurde sie so erschreckt, daß sie unmittelbar erkannte, daß dieses Werk nicht von ihr, sondern von Gott stammte und daß ihr verkleideter nächtlicher Besucher König Saul war. Dies läßt darauf schließen, daß sie nicht wirklich erwartete, Samuel aufzuwecken, sondern nur mit einer satanischen Imitation rechnete. Nachdem sie die Erscheinung als einen Geist ( ?MlOhIm , "ein Mächtiger") und als einen alten, mit einem Mantel bekleideten Mann beschrieben hatte, wußte Saul, daß es Samuel war. Daß diese Erscheinung Samuels nicht, auch nicht in visionärer Form, das erwartete Ergebnis war, lehrt deutlich, daß die Zauberer oder Medien keine wirkliche Macht über die Verstorbenen haben, besonders nicht über die Gerechten, sondern nur Fälschungen hervorbringen können. Samuels Erscheinung wird hier mit dem Eingreifen Gottes erklärt, der Saul gnädig erlaubte, eine letzte Begegnung mit dem Propheten zu haben, den er das erste Mal vor so langer Zeit getroffen hatte, als er die verlorenen Esel seines Vaters suchte ( 1Sam 9,6-9 ).



1Sam 28,15-25


Dieses Mal hatte Samuel aber keine guten Nachrichten. Er rügte Saul wegen seiner Ehrfurchtslosigkeit und teilte ihm mit, daß das Königreich aus seinen Händen genommen und David gegeben worden war. Ebenso wie der Herr ihn als König wegen seiner Sünde in der amalekitischen Angelegenheit zurückgewiesen hatte ( 1Sam 15,7-26 ), würde er ihn den Philistern übergeben, die seinen und seiner Söhne Tod ausführen würden. Nachdem er widerstrebend eine Erfrischung von dem Medium angenommen hatte (ein geschlachtetes Kalb und frisch gebackenes Brot ohne Sauerteig), erhob sich Saul und ging niedergeschlagen durch die Dunkelheit davon.



3. Davids Rückkehr nach Ziklag
( 1Sam 29-30 )


a. Davids Dilemma
( 1Sam 29 )


1Sam 29


Am Vorabend der Schlacht versammelten sich die Philister bei Afek, genau dort, wo sie ungefähr 90 Jahre zuvor Israel geschlagen und die Bundeslade geraubt hatten ( 1Sam 4,10-11 ). Israel bezog bei der Quelle in Jesreel an der Seite des Berges Gilboa, ungefähr 65 km nordöstlich von Afek, Stellung. Unter den Truppen von Achisch , dem Herrn von Gat, waren David und seine Männer . Obwohl Achisch wirklich Vertrauen zu David hatte ( 1Sam 29,3 ) und mit den anderen Führern darüber stritt, daß es ihm erlaubt werden sollte, gegen Saul zu kämpfen, wurde er überstimmt (29,6V. 6 - 7.9). Verständlicherweise fürchteten die anderen Befehlshaber, daß David in der Hitze der Schlacht zu Israel überlaufen könnte (V. 4 ). David versuchte einen schwachen Protest (V. 8 ) und wurde, offensichtlich zu seiner großen Erleichterung, abgewiesen und kehrte nach Ziklag zurück.



b. Davids Diplomatie
( 1Sam 30 )


1Sam 30,1-7


Während Davids Abwesenheit von Ziklag hatten amalekitische umherziehende Rotten die Stadt verbrannt und seine Familie und alle anderen als Gefangene weggeschleppt. Nach großem Wehklagen (V. 4 ) und der Bedrohung durch seine Männer, ihn zu steinigen, erkundigte sich David beim HERRN durch den Priester Abjatar nach seinem Willen in dieser Sache. Die Erkundigung geschah durch den Gebrauch des Efods , des schürzenähnlichen Kleidungsstücks des Hohenpriesters, das Urim und Tummim, die heiligen Steine, enthielt, die gebraucht wurden, um den Willen Gottes zu erforschen (vgl. 2Mo 28,30 ).



1Sam 30,8-31


Siegesgewiß (V. 8 ) verfolgten David und seine Männer die Amalekiter bis zur Schlucht Besor (Wadi el-Arisch, ungefähr 32 km südlich von Ziklag). Als sie schließlich die Amalekiter fanden (mit Hilfe eines ägyptischen Sklaven eines Amalekiters [V. 11 - 15 ]), schlugen Davids 400 Männer, die genug Kraft hatten, um den anstrengenden Marsch zu überstehen (V. 9 - 10 ), die Amalekiter (ausgenommen 400 junge Amalekiter, die auf Kamelen entkommen waren, V. 17 ) und gewannen alle ihre Familien und ihr ganzes Hab und Gut zurück (V. 17 - 20 ). Die 200, die in der Schlucht Besor zurückgeblieben waren (V. 10.21 ), wollten einen Teil der amalekitischen Beute haben. (Zu Davids 600 Männern vgl. 23, 13; 1Sam 27,2; 2Sam 15,18 ). Ihre Bitte klang für David so überzeugend, daß er an diesem Tag ein Prinzip aufstellte, das sich danach allgemein durchsetzte sollte: Der Anteil des Mannes, der bei den Vorräten geblieben ist, ist derselbe, wie der Anteil dessen, der in die Schlacht gezogen ist ( 1Sam 30,24 ). Davids diplomatisches Meisterwerk aber war, als er die von den Amalekitern gestohlenen Reichtümer aus den Städten und Dörfern Judas zurückbrachte (V. 26 - 31 ). Sie würden niemals vergessen, wie er für sie gesorgt hatte, und als die Zeit für ihn kam, seine Königsherrschaft in Hebron zu erklären, erfreute er sich zweifellos ihrer enthusiastischen Unterstützung.



4. Die Schlacht von Gilboa
( 1Sam 31 )


1Sam 31,1-6


Genauso wie Samuel es prophezeit hatte ( 1Sam 28,19 ), besiegten die Philister Israel leicht und schnell in den weiten Ebenen des Tales von Jesreel, wo sie mit den Streitwagen ( 2Sam 1,6 ) einen nicht zu unterschätzenden taktischen Vorteil hatten (vgl. Jos 17,16; Ri 4,3.13 zum Gebrauch von eisernen Streitwagen bei den Kanaanäern in derselben Gegend). Saul wurde jedenfalls zusammen mit drei von seinen vier Söhnen - allen außer Isch-Boschet (vgl. 2Sam 2,8 ) - überwunden und tödlich verwundet, nachdem seine Söhne niedergemetzelt worden waren. Weil er fürchtete, von den Philistern gefunden und zu Tode gefoltert zu werden ( 1Sam 31,4 ), bat er seinen Schildträger, ihn zu töten, ein Auftrag, den sein Diener sich auszuführen weigerte. Dann beging Saul Selbstmord (V. 4 ), womit er ein israelitisches Tabu brach, eine Tat, die unter Israeliten im AT nur sehr selten bekannt geworden ist (vgl. Abimelech [ Ri 9,54 ], Simson [ Ri 16,30 ], Ahitofel [ 2Sam 17,23 ] und Simri [ 1Kö 16,18 ]). Sein Tod durch die eigene Hand brachte ein Leben zum abschließenden Höhepunkt, das in Unabhängigkeit von Gott geführt worden war.



1Sam 31,7-10


Als die Israeliten hörten, daß ihr König tot war, verließen sie ihre Städte und zogen in die Wüste. Die Philister kamen schließlich zu den Leichen Sauls und seiner drei Söhne , enthaupteten den König, brachten seine Waffen in den Tempel der Gottheit Astarte (vgl. den Kommentar zu 1Sam 7,3-4 ) und spießten seinen Körper an der Stadtmauer von Bet-Schean auf, einer bedeutenden Stadt an den östlichen Hängen des Berges Gilboa, die das Jordantal überschaute.



1Sam 31,11-13


Die Menschen von Jabesch in Gilead waren so entsetzt, als sie von der Schändung erfuhren, daß sie die Leichen Sauls und seiner drei Söhne im Schutz der Nacht abnahmen und sie in ihre eigene Stadt, ungefähr 16 km vom Jordan entfernt, brachten. Sie verbrannten die Leichen und begruben die Knochen, wahrscheinlich, um ihre Verstümmelung zu verdecken. Dieser letzte Erweis von Respekt war ein Tribut des dankbaren Volkes gegenüber der Tatsache, daß Sauls erste öffentliche Tat die Befreiung derselben Stadt von den Ammonitern, 40 Jahre zuvor, gewesen war ( 1Sam 11,1-11 ). Außerdem darf man nicht vergessen, daß Sauls eigener Stamm, Benjamin, einen Teil seiner jüngsten Geschichte aus Jabesch in Gilead ableitete ( Ri 21,8-12 ). Aus was für Gründen auch immer, die mutigen Taten der Menschen von Jabesch in Gilead wurden von David nicht vergessen, als er schließlich an die Macht kam ( 2Sam 2,4-7 ). Später ließ David Sauls und Jonatans Knochen ausgegraben und in Benjamin wieder begraben ( 2Sam 21,12-14 ).



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