1855 NT z. Korrekturlesen komplett


Neues Testament - Elberfelder 1855




Das Evangelium Matthäi.


1.


Das Buch des Geschlechtes Jesu Christi, Sohnes Davids, Sohnes Abrahams. Abraham zeugte Isaak; Isaak aber zeugte Jakob; Jakob aber zeugte Juda und seine Brüder. Juda aber zeugte Pharez und Sarah von der Thamar; Pharez aber zeugte Hezron; Hezron aber zeugte Aram. Aram aber zeugte Aminadab; Aminadab aber zeugte Nahasson; Nahasson aber zeugte Salmon. Salmon aber zeugte Boas von der Rahab; Boas aber zeugte Obed von der Ruth; Obed aber zeugte Jesse. Jesse aber zeugte David, den König; David, der König aber zeugte Salomon von dem Weibe Uria. Salomon aber zeugte Roboam; Roboam aber zeugte Abia; Abia aber zeugte Asa. Asa aber zeugte Josaphat; Josaphat aber zeugte Joram; Joram aber zeugte Osia. Osia aber zeugte Jotham; Jotham aber zeugte Achas; Achas aber zeugte Ezekia. Ezekia aber zeugte Manasse; Manasse aber zeugte Amon; Amon aber zeugte Josia. Josia aber zeugte Jechonia und seine Brüder um die Zeit der Wegführung nach Babylon. Nach der Wegführung nach Babylon aber zeugte Jechonia Salathiel; Salathiel aber zeugte Zorobabel. Zorobabel aber zeugte Abiud; Abiud aber zeugte Eliakim; Eliakim aber zeugte Asor. Asor aber zeugte Zadok; Zadok aber zeugte Achim; Achim aber zeugte Eliud. Eliud aber zeugte Eleasar; Eleasar aber zeugte Mathan; Mathan aber zeugte Jakob. Jakob aber zeugte Joseph, den Mann Mariä, von welcher Jesus geboren ist, der genannt ist Christus. - So sind denn alle Geschlechtsglieder von Abraham bis David vierzehn Geschlechtsglieder; und von David bis auf die Wegführung nach Babylon vierzehn Geschlechtsglieder; und von der Wegführung nach Babylon bis auf den Christus vierzehn Geschlechtsglieder. Die Geburt Jesu Christi war aber also: Als nämlich Maria, Seine Mutter, dem Joseph verlobt war, ward sie erfunden, ehe sie zusammen kamen, schwanger von dem Heiligen Geiste. Joseph aber, ihr Mann, indem er gerecht war, und sie nicht öffentlich zur Schau stellen wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen. Indem er aber solches bei sich überlegte, siehe! da erschien ihm ein Engel des Herrn in einem Traume, sagend: Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Mariam dein Weib zu dir zu nehmen; denn was in ihr gezeuget ist, ist von dem Heiligen Geiste. Und sie wird einen Sohn gebären, und du sollst Seinen Namen Jesus nennen; denn Er wird Sein Volk von ihren Sünden erretten. Alles dieses aber ist geschehen, auf daß erfüllt würde, was von dem Herrn durch den Propheten geredet ist, sagend: "Siehe! die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden Seinen Namen nennen: Emmanuel, was verdolmetscht heißt: Gott mit uns!" Joseph aber, vom Schlafe erwacht, tat, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm sein Weib zu sich; und erkannte sie nicht, bis sie ihren erstgeborenen Sohn geboren hatte; und er nannte Seinen Namen Jesus.


2.


Nachdem nun Jesus zu Bethlehem in Judäa, in den Tagen Herodes des Königs, geboren worden war, siehe! da kamen Magier aus dem Morgenlande nach Jerusalem, sagend: Wo ist der, der geboren ist, der König der Juden? Denn wir haben Seinen Stern im Morgenlande gesehen, und sind gekommen, Ihm zu huldigen. - Als es aber der König Herodes hörte, ward er bestürzt, und ganz Jerusalem mit ihm; und alle die Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes versammelnd, erfragte er von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte. Sie aber sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa. Denn also steht geschrieben durch den Propheten: "Und du, Bethlehem, Land Juda; keineswegs bist du die geringste unter den Fürsten Juda; denn aus dir wird ein Fürst kommen, der Mein Volk Israel weiden wird." Dann berief Herodes die Magier heimlich und erforschte genau von ihnen die Zeit der Erscheinung des Sternes. Und er sandte sie nach Bethlehem und sprach: Ziehet hin und forschet genau nach dem Kindlein; wenn ihr es aber gefunden habt, verkündiget es mir, daß ich auch komme und Ihm huldige. Sie aber, als sie den König gehört hatten, zogen hin. Und siehe! der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und stand oben über, wo das Kindlein war. Als sie aber den Stern sahen, freuten sie sich mit überschwänglich großer Freude. Und als sie hinein in das Haus kamen, sahen sie das Kind mit Maria, Seiner Mutter, und niederfallend, huldigten sie ihm. Und als sie ihre Schätze aufgetan, opferten sie Ihm Gaben: Gold und Weihrauch und Myrrhen. Und als sie im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatten, nicht wieder nach Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Wege hin in ihr Land. Als sie aber hingezogen waren, siehe! da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traume, sagend: Stehe auf, nimm das Kindlein und Seine Mutter zu dir, und fliehe nach Ägypten und sei da, bis ich es dir sage; denn Herodes wird das Kindlein suchen, um es umzubringen. Er aber aufstehend, nahm das Kindlein und Seine Mutter bei der Nacht zu sich und zog nach Ägypten. Und er war daselbst bis zum Tode Herodes, auf daß erfüllt würde, was von dem Herrn durch den Propheten geredet ist, sagend: "Aus Ägypten habe Ich Meinen Sohn gerufen." Da ward Herodes, als er sah, daß er von den Magiern hintergangen worden war, sehr ergrimmt, und sandte hin und tötete alle Knaben, welche in Bethlehem und in allen seinen Grenzen waren, von zwei Jahren und darunter, nach der Zeit, die er von den Magiern genau erkundet hatte. Da ward erfüllt, was von Jeremias, dem Propheten, geredet ist, sagend: "Eine Stimme ist in Rama gehört worden, Trauer und Heulen und viel Wehklagen: Rahel, ihre Kinder beweinend, - und sie wollte nicht getröstet werden, weil sie nicht sind." Als aber Herodes gestorben war, siehe! da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traume in Ägypten, sagend: Stehe auf, nimm das Kindlein und Seine Mutter zu dir und ziehe in das Land Israel; denn sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben standen. Und er stand auf und nahm das Kindlein und Seine Mutter zu sich, und kam in das Land Israel. Als er aber hörte, daß Archelaus über das Land Juda herrsche, anstatt Herodes, seines Vaters, fürchtete er sich, dahin zu gehen; und eine Weisung von Gott im Traum empfangend, zog er in die Gegenden von Galiläa. Und er kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth, daß erfüllt würde, was durch die Propheten geredet ist: "Er wird Nazaräer genannt werden."


3.


In jenen Tagen aber kommt Johannes der Täufer, predigend in der Wüste von Judäa, und sagend: Tut Buße! denn das Königreich der Himmel ist nahe gekommen! Denn Dieser ist Der, von welchem Jesaias, der Prophet, geredet hat, sagend: "Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet richtig Seine Steige!" - Er aber, Johannes, hatte seine Kleidung von Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber war Heuschrecken und wilder Honig. Da ging zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa und die ganze Umgegend des Jordans; und wurden von ihm am Jordan getauft, bekennend ihre Sünden. Als er nun viele der Pharisäer und Sadducäer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Otternbrut! wer hat euch angewiesen, dem kommenden Zorne zu entrinnen? Bringet denn der Buße würdige Frucht, und denket nicht bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater; denn ich sage euch. daß Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken. Schon aber ist auch die Axt an der Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum denn, der nicht gute Frucht bringet, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. Ich freilich taufe euch mit Wasser zur Buße; der hinter mir Kommende aber ist mächtiger als ich, des Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; Er wird euch mit dem Heiligen Geist und Feuer taufen; Dessen Worfschaufel in Seiner Hand ist; und Er wird Seine Tenne ganz und gar reinigen, und Seinen Weizen auf den Speicher sammeln; aber die Spreu wird Er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer. Zu der Zeit kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um von ihm getauft zu werden. Johannes aber wehrte Ihm, sagend: Ich habe nötig von Dir getauft zu werden, und Du kommst zu mir? Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß jetzt, denn also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da läßt er es Ihm zu. Und als Jesus getauft war, stieg Er alsbald von dem Wasser herauf, und siehe! die Himmel wurden Ihm aufgetan, und Er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahrend und auf Ihn kommend. Und siehe! eine Stimme von den Himmeln, sagend: Dieser ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen gefunden habe.


4.


Da wurde Jesus von dem Geiste in die Wüste hinaufgeführt, um von dem Teufel versucht zu werden. Und als Er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte Ihn zuletzt. Und der Versucher zu Ihm hintretend, sagte: Wenn Du der Sohn Gottes bist, so sprich, daß diese Steine Brote werden. Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: "Nicht durch Brot allein soll der Mensch leben, sondern durch jedes Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht." Da nimmt Ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellt Ihn auf die Zinne des Tempels, und sagt zu Ihm: Wenn Du Gottes Sohn bist, wirf Dich Selbst hinab; denn es steht geschrieben: "Er wird Seinen Engeln über Dir Befehl geben, und sie werden Dich auf den Händen tragen, so daß Du Deinen Fuß nie an einen Stein stoßest." Jesus sprach zu ihm: Wiederum steht geschrieben: "Du sollst den Herrn, Deinen Gott, nicht versuchen!" Wiederum nimmt Ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg, und zeigt Ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit, und sagt zu Ihm: Alle diese Dinge werde ich Dir geben, wenn Du niederfallend mir huldigen wirst. Da sagt Jesus zu ihm: Gehe hinter Mich Satanas! denn es steht geschrieben: "Du sollst dem Herrn, Deinem Gott, huldigen und Ihm allein dienen." Da verläßt Ihn der Teufel, und siehe! Engel kamen zu Ihm und dienten Ihm. Als aber Jesus hörte, daß Johannes überliefert worden war, entwich Er nach Galiläa. Und Nazareth verlassend, kam Er und wohnte in Kapernaum, welches am See liegt, in den Grenzen Zabulon und Naphtalim; damit erfüllt würde, was durch Jesaias, den Propheten, geredet ist, sagend: "Land Zabulon und Land Naphtalim, am Wege des Sees, jenseit des Jordans, Galiläa der Nationen! Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die da saßen in dem Lande und im Schatten des Todes. - Licht ist ihnen aufgegangen." Von da an fing Jesus an zu predigen und zu sagen: Tut Buße! denn das Königreich der Himmel ist nahe gekommen. Wandelnd aber am See von Galiläa, sah Er zwei Brüder: Simon, genannt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, ein Netz in den See werfend; denn sie waren Fischer; und sagt ihnen: Kommt her, Mir nach! und Ich werde euch zu Fischern von Menschen machen. - Sie aber, alsbald die Netze verlassend, folgten Ihm. - Und von da weiter ziehend, sah Er zwei andere Brüder: Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Schiffe mit Zebedäus, ihrem Vater, ihre Netze ausbessernd. Und Er rief sie. Sie aber, alsbald das Schiff und ihren Vater verlassend, folgten Ihm. Und Jesus zog in ganz Galiläa umher, lehrend in ihren Synagogen, und verkündigend das Evangelium des Reichs, und heilend jede Krankheit und jedes Gebrechen in dem Volke. Und Sein Ruf ging aus in das ganze Syrien; und sie brachten zu Ihm alle die Siechen, die mit vielerlei Krankheiten und Qualen behaftet waren, und Besessene, und Mondsüchtige, und Gichtbrüchige; und Er heilte sie. Und es folgte Ihm eine große Volksmenge von Galiläa, und Dekapolis, und Jerusalem, und Judäa und von jenseit des Jordans.


5.


Als Er aber die Volksmenge sah, stieg Er auf den Berg. Und als Er Sich gesetzt hatte, traten Seine Jünger zu Ihm. Und Er tat Seinen Mund auf und lehrte sie, sagend: Glückselig die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Königreich der Himmel! Glückselig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden! Glückselig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben! Glückselig die nach der Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden; denn sie werden gesättigt werden! Glückselig die Barmherzigen; denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren! Glückselig die Reinen im Herzen; denn sie werden Gott schauen! Glückselig die Friedensstifter; denn sie werden Söhne Gottes heißen! Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten; denn ihrer ist das Königreich der Himmel! Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen werden, und wenn sie jedes böse Wort wider euch reden, lügnerisch, um Meinetwillen. Freuet euch und frohlocket; denn euer Lohn ist groß in den Himmeln! denn also haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren. Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz dumm geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als draußen hingeworfen und von den Menschen zertreten zu werden. Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, oben auf einem Berge liegend, kann nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet Allen, die im Hause sind. So lasset euer Licht leuchten vor den Menschen, daß sie eure guten Werke sehen, und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen. Wähnet nicht, daß Ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich Ich sage euch: Bis daß der Himmel und die Erde vergehe, wird kein Jota und kein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis es Alles geschehen ist. Wer denn nun Eins dieser geringsten Gebote auflöset und also die Menschen lehret, der wird der Geringste heißen im Königreich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Königreich der Himmel. Denn Ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit vorzüglicher, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht hineinkommen in das Königreich der Himmel. Ihr habt gehört, daß zu den Alten geredet ist: "Du sollst nicht töten! Jedweder aber, der töten wird, der wird dem Gericht verfallen." Ich aber sage euch, daß Jeder, der seinem Bruder ohne Ursache zürnt, dem Gericht verfallen wird; Jedweder aber, der zu seinem Bruder sagt: Raka! - dem Synedrium verfallen wird; Jedweder aber, der da sagt: Du Narr! - der Hölle des Feuers verfallen wird. Wenn du nun deine Gabe zu dem Altar darbringest, und dich daselbst erinnerst, daß dein Bruder etwas wider dich habe, - laß deine Gabe daselbst vor dem Altar, und gehe hin und werde zuerst mit deinem Bruder versöhnt, und dann komm und bringe deine Gabe dar. Willfahre deiner Gegenpartei schnell, während du mit ihr auf dem Wege bist; damit nicht die Gegenpartei dich dem Richter überliefere, und der Richter überliefere dich dem Diener und du ins Gefängnis geworfen werdest. Wahrlich Ich sage dir: Du wirst nicht von da herauskommen, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast. Ihr habt gehört, daß geredet ist: "Du sollst nicht ehebrechen!" Ich aber sage euch, daß Jeder, der ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, schon mit ihr die Ehe gebrochen hat in seinem Herzen. Wenn aber dein rechtes Auge dich ärgert, reiß es aus und wirf es von dir. Denn es ist dir nützlich, daß eins deiner Glieder umkomme, und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. Und wenn deine rechte Hand dich ärgert, haue sie ab, und wirf sie von dir. Denn es ist dir nützlich, daß eins deiner Glieder umkomme, und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. Es ist aber geredet, daß Jeder, der sein Weib entlassen wird, ihr einen Scheidebrief gebe. Ich aber sage euch: Jedweder, der sein Weib entlassen wird, ausgenommen auf Grund der Hurerei, macht, daß sie die Ehe bricht; und Jedweder, der eine Entlassene heiratet, bricht die Ehe. Wiederum habt ihr gehört, daß zu den Alten geredet ist: "Du sollst nicht fälschlich schwören, du sollst aber dem Herrn deine Eidschwüre erfüllen." Ich aber sage euch, daß ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron; noch bei der Erde, denn sie ist Seiner Füße Schemel; noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt; noch sollst du schwören bei deinem Haupt; denn du vermagst nicht ein Haar weiß oder schwarz zu machen. Es sei aber eure Rede: Ja, ja; nein, nein; was aber mehr ist, als diese, ist aus dem Bösen. Ihr habt gehört, daß geredet ist: "Auge um Auge und Zahn um Zahn!" Ich aber sage euch, dem Übel nicht zu widerstehen; sondern Jedweder, der dich auf deinen rechten Backen schlagen wird, biete ihm auch den andern. Und Dem, der mit dir vor Gericht gehen und deinen Rock nehmen will, laß ihm auch den Mantel. Und Jedweder, der dich zwingen wird, eine Meile zu gehen, gehe zwei mit ihm. Gib Dem, der dich bittet, und weise Den nicht ab, der von dir borgen will. Ihr habt gehört, daß geredet ist: "Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen." Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen, und betet für die, die euch beeinträchtigen und verfolgen, daß ihr Söhne eures Vaters in den Himmeln seid; denn Er läßt Seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, und läßt regnen auf Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr lieben werdet, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr allein eure Brüder grüßet, was tut ihr Vorzügliches? Tun nicht auch die Zöllner also? Seid denn vollkommen, gleichwie euer Vater, der in den Himmeln, vollkommen ist.


6.


Habt Acht, daß ihr euer Almosen nicht vor den Menschen gebet, um von ihnen gesehen zu werden, wenn aber nicht, so habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. Wenn du nun ein Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und in den Straßen, damit sie von den Menschen geehrt werden möchten. Wahrlich Ich sage euch: sie haben ihren Lohn dahin. Du aber, wenn du Almosen gibst, so wisse deine Linke nicht, was deine Rechte tut, daß dein Almosen sei im Verborgenen, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, Er wird dir vergelten öffentlich. Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben, in den Synagogen und auf den Ecken der Straßen stehend, zu beten, daß sie vor den Menschen scheinen. Wahrlich, Ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Du aber, wenn du betest, gehe hinein in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten öffentlich. Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern, wie die heidnischen Völker, denn sie meinen, daß sie um ihrer vielen Worte willen werden erhört werden. Seid denn ihnen nicht gleich; denn euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr Ihn bittet. Betet ihr nun also: Unser Vater, der Du bist in den Himmeln; geheiliget sei Dein Name; es komme Dein Reich, es geschehe Dein Wille, wie im Himmel, so auch auf der Erde. Unser tägliches Brot gib uns heute; und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldnern, und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns von dem Bösen. Denn wenn ihr den Menschen ihre Übertretungen vergebet, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen ihre Übertretungen nicht vergebet, so wird euer Vater eure Übertretungen auch nicht vergeben. Wenn ihr aber fastet, so sehet nicht düster aus, wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Angesichter, daß sie vor den Menschen wie Fastende scheinen. Wahrlich Ich sage euch: sie haben ihren Lohn dahin. Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht, daß du vor den Menschen nicht wie ein Fastender scheinest, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten. Sammelt euch nicht Schätze an auf der Erde, da wo Motte und Rost entstellet, und wo Diebe durchgraben und stehlen. Sammelt euch aber Schätze an im Himmel, wo weder Motte noch Rost entstellet, und wo Diebe nicht durchgraben noch stehlen. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Das Auge ist des Leibes Lampe. Wenn nun dein Auge einfältig ist, wird dein ganzer Leib licht sein; wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist die Finsternis! Keiner kann zweien Herren dienen; denn entweder wird er den Einen hassen und den Andern lieben, oder dem Einen wird er anhangen und den Andern verachten; ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Deswegen sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr, als die Speise, und der Leib, als die Kleidung? Sehet hin auf die Vögel des Himmels; sie säen nicht, ernten auch nicht, und sammeln auch nicht auf die Speicher, und euer himmlischer Vater nähret sie; seid ihr nicht viel vorzüglicher als sie? Aber wer unter euch vermag mit Sorgen seiner Größe eine Elle zuzusetzen? Und warum sorget ihr um Kleidung? Lernet von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen; sie mühen sich nicht und spinnen auch nicht. Ich sage euch aber, daß auch selbst Salomo in all´ seiner Herrlichkeit nicht bekleidet war, wie eine von diesen. Wenn aber Gott das Gras des Feldes, was heute ist, und morgen in den Ofen geworfen wird, also bekleidet; - nicht viel mehr euch, Kleingläubige? Sorget denn nicht, sagend: Was sollen wir essen, oder was sollen wir trinken, oder was sollen wir anziehen? Denn nach allem diesem trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr alle diese Dinge bedürfet. Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und alle diese Dinge werden euch dazu gegeben werden. Sorget denn nicht für den morgenden Tag, denn der morgende Tag wird für seine eigenen Dinge sorgen. Es ist dem Tage sein Übel genug.


7.


Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet; denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messet, wird euch gemessen werden. Was aber siehest du den Splitter, der in dem Auge deines Bruders ist; - den Balken aber in deinem Auge bedenkst du nicht? Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: Laß mich! ich werde den Splitter aus deinem Auge wegnehmen, und siehe! der Balken ist in deinem Auge? Heuchler! nimm zuerst den Balken aus deinem Auge weg und dann wirst du gut sehen, den Splitter aus deines Bruders Auge wegzunehmen. Gebt nicht das Heilige den Hunden; werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie sie nicht mit ihren Füßen zertreten und sich wendend euch zerreißen. Bittet, und es wird euch gegeben werden; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgetan werden. Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden. Oder welcher Mensch ist unter euch, den etwa sein Sohn um Brot bitten würde, - wird er ihm einen Stein geben? Und wenn er ihn um einen Fisch bitten würde, - wird er ihm eine Schlange geben? Wenn nun ihr, böse seiend, wisset, euren Kindern gute Gaben zu geben; wie vielmehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben Denen, die Ihn bitten? Alles nun, was ihr immer wollt, daß euch die Menschen tun, ebenso tut auch ihr ihnen. Denn dieses ist das Gesetz und die Propheten. Gehet ein durch die enge Pforte; denn weit ist die Pforte und breit ist der Weg, der da ins Verderben führt und Viele sind Derer, die durch dieselbe eingehen. Wie enge ist die Pforte und schmal der Weg, der zu dem Leben führt! - und Wenige sind, die ihn finden. Hütet euch aber vor den falschen Propheten, welche in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Lieset man die Weintraube von Dornen, oder Feigen von Disteln? So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber der faule Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, auch kann ein fauler Baum nicht gute Früchte bringen. Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. Also an ihren Früchten werdet ihr sie kennen lernen. Nicht Jeder, der zu Mir sagt: Herr, Herr! wird in das Königreich der Himmel eingehen, sondern der den Willen tut Meines Vaters, der in den Himmeln ist. Viele werden an jenem Tage zu Mir sagen: Herr, Herr! haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt und in Deinem Namen Teufel ausgetrieben und in Deinem Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde Ich ihnen bekennen: Niemals habe Ich euch gekannt. Weichet von Mir, ihr Wirker des Bösen! Darum ein Jeder, der diese Meine Worte hört und sie tut, - den werde Ich einem verständigen Manne vergleichen, welcher sein Haus auf den Felsen gebaut hat. Und der Platzregen fiel hernieder, und die Ströme kamen, und die Winde wehten, und sie stießen an jenes Haus, und es fiel nicht; denn es war auf den Felsen gegründet. Und Jeder, der diese Meine Worte hört und sie nicht tut, der wird einem törichten Manne verglichen werden, welcher sein Haus auf den Sand gebaut hat. Und der Platzregen fiel hernieder, und die Ströme kamen, und die Winde wehten, und sie stießen an jenes Haus, und es fiel, und sein Fall war groß. Und es begab sich, als Jesus diese Worte vollendet hatte, erstaunte die Volksmenge sehr über seine Lehre. Denn Er lehrte sie, wie Einer, der Gewalt hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.


8.


Als Er aber von dem Berge herabgestiegen, folgte Ihm eine große Volksmenge. Und siehe! ein Aussätziger kam und huldigte Ihm, sagend: Herr, wenn Du willst, kannst Du mich reinigen! Und Jesus, Seine Hand ausstreckend, rührte ihn an, sagend: Ich will, sei gereinigt! - Und alsbald war sein Aussatz gereinigt. Und Jesus sagt zu ihm: Siehe! sage es Niemand; aber gehe hin, zeige dich dem Priester und bringe die Gabe dar, welche Moses angeordnet hat, ihnen zu einem Zeugnis. Als Er aber in Kapernaum einging, trat zu Ihm ein Hauptmann, Ihn bittend und sagend: Herr, mein Knecht liegt zu Hause gichtbrüchig und wird schrecklich gequält. Und Jesus sagt zu ihm: Ich werde kommen und ihn heilen. Und der Hauptmann antwortete und sprach: Herr! ich bin nicht würdig daß Du unter mein Dach eingehest; aber sprich bloß ein Wort, und mein Knecht wird gesund werden. Denn auch ich bin ein Mensch unter Gewalt, Kriegsknechte unter mir habend; und ich sage zu diesem: Gehe hin! und er geht hin; und zu dem andern: Komm! und er kommt; und zu meinem Knechte: Tue dieses! und er tut es. Als es aber Jesus hörte, wunderte Er Sich und sprach zu denen, die folgten: Wahrlich, Ich sage euch: selbst nicht in Israel habe Ich solchen Glauben gefunden. Ich sage euch aber: Viele werden von Aufgang und von Niedergang kommen, und werden mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tische liegen in dem Königreiche der Himmel; die Söhne aber des Reichs werden hinausgeworfen werden in die Finsternis draußen; da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. Und Jesus sagte zu dem Hauptmann: Gehe hin, und dir geschehe, wie du geglaubt hast. - Und sein Knecht ward gesund in jener Stunde. - Und als Jesus in das Haus Petri kam, sah er dessen Schwiegermutter liegend und fieberkrank. Und Er rührte ihre Hand an und das Fieber verließ sie; und sie stand auf und diente ihnen. Als es aber Abend geworden, brachten sie viele Besessene zu Ihm; und Er trieb die Geister aus durch Sein Wort, und Er heilte alle die Siechen, daß erfüllet würde, was durch Jesaias, den Propheten, geredet ist, sagend: "Er Selbst hat unsere Schwachheiten genommen und unsere Krankheiten getragen." Als aber Jesus eine große Volksmenge um Sich sah, befahl Er, hinwegzufahren an das jenseitige Ufer. Und ein Schriftgelehrter trat herzu und sprach zu Ihm: Lehrer! ich werde Dir folgen, wo Du auch hingehest. Und Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Löcher, und die Vögel des Himmels Nester; aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo Er das Haupt hinlege. Ein Anderer aber Seiner Jünger sprach zu Ihm: Herr! erlaube mir, zuerst hinzugehen, und meinen Vater zu begraben. Jesus aber sagte zu ihm: Folge Mir nach, und laß die Toten ihre eigenen Toten begraben. Und als Er ins Schiff stieg, folgten Ihm Seine Jünger. Und siehe! es erhob sich ein großes Ungestüm im See, so daß das Schiff von den Wellen bedeckt wurde. Er aber schlief. Und Seine Jünger traten herzu, weckten Ihn, sagend: Herr! rette uns, wir gehen unter! Und Er sagt zu ihnen: Was seid ihr furchtsam, Kleingläubige? Dann stand Er auf, bedräuete die Winde und den See, und es ward eine große Stille. Die Menschen aber verwunderten sich, sagend: Was für Einer ist Dieser, daß auch die Winde und der See Ihm gehorchen? Und als Er auf das jenseitige Ufer kam, in die Gegend der Gergesener, begegneten Ihm zwei Besessene, aus den Grüften hervorkommend, sehr wütend, daß Niemand jenes Weges vorbeigehen konnte. Und siehe! sie riefen, sagend: Was haben wir und Du miteinander, Jesu, Sohn Gottes? Bist Du hierher gekommen, uns vor der Zeit zu quälen? Aber ferne von ihnen war eine Herde von vielen Schweinen, weidend. Die Teufel aber baten Ihn, sagend: Wenn Du uns austreibst, erlaube uns, in die Herde Schweine zu fahren. Und Er sprach zu ihnen: Gehet hin! sie aber gingen aus und fuhren in die Herde Schweine. Und siehe! die ganze Herde Schweine stürzte sich den Abhang hinab in den See, und sie starben in dem Gewässer. Die Hirten aber entflohen; und sie gingen in die Stadt und berichteten alles, und das, was mit den Besessenen geschehen war. Und siehe! die ganze Stadt kam heraus, Jesu entgegen; und als sie Ihn sahen, baten sie Ihn, Er möge von ihren Grenzen weggehen.


9.


Und Er stieg in das Schiff, setzte über und kam in Seine eigene Stadt. Und siehe! sie brachten zu Ihm einen Gichtbrüchigen, auf einem Bette liegend. Und als Jesus ihren Glauben sah, sprach Er zu dem Gichtbrüchigen: Sei gutes Mutes, Kind! deine Sünden sind dir vergeben. Und siehe! Etliche von den Schriftgelehrten sagten bei sich selbst: Dieser lästert. Und Jesus, ihre Gedanken sehend, sprach: Warum denkt ihr Arges in euren Herzen? Denn was ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandele? Damit ihr aber wisset, daß der Sohn des Menschen Gewalt hat auf der Erde Sünden zu vergeben (dann sagt Er zu dem Gichtbrüchigen): Stehe auf, und nimm dein Bett, und gehe nach deinem Hause. Und aufstehend, ging er nach seinem Hause. Als es aber die Volksmenge sah, verwunderte sie sich, und verherrlichte Gott, der solche Gewalt den Menschen gab. Und Jesus, von da weiter gehend, sah einen Menschen an dem Zollhause sitzen, genant Matthäus; und Er sagt zu ihm: Folge Mir nach! Und er stand auf und folgte Ihm nach. Und es begab sich, als Er in dem Haus zu Tische lag; und siehe! viele Zöllner und Sünder kamen und lagen am Tische mit Jesu und Seinen Jüngern. Und als es die Pharisäer sahen, sprachen sie zu Seinen Jüngern: Warum isset eurer Lehrer mit den Zöllnern und Sündern? Jesus aber, es hörend, sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Gehet aber hin und lernet, was das sei: "Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer!" denn Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße. Da kommen die Jünger Johannis zu Ihm, sagend: Warum fasten wir und die Pharisäer oft, aber Deine Jünger fasten nicht? Und Jesus sprach zu ihnen: Können die Söhne des Brautgemachs trauern, so lange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, wo der Bräutigam von ihnen genommen wird, und dann werden sie fasten. Niemand aber flickt einen Flicklappen von ungewalktem Tuch auf ein altes Kleid; denn der eingesetzte Lappen reißt vom Kleide ab, und der Riß wird schlimmer. Auch faßt man nicht jungen Wein in alte Schläuche; sonst reißen die Schläuche und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben; sondern man faßt jungen Wein in neue Schläuche, und beide zusammen werden erhalten. Während Er dieses zu ihnen redete, siehe! da kam ein Vorsteher und huldigte Ihm, sagend: Meine Tochter ist eben jetzt verschieden; aber komm´, lege Deine Hand auf sie, und sie wird leben. Und Jesus stand auf und folgte ihm, und Seine Jünger. - Und siehe! ein Weib, welches zwölf Jahre blutflüssig war, trat von hinten herzu und rührte den Zipfel Seines Kleides an. Denn sie sprach bei sich selbst: Wenn ich nur Sein Kleid anrühre, so werde ich geheilt werden. Jesus aber Sich umwendend und sie sehend, sprach: Sei gutes Mutes, Tochter, dein Glaube hat dich geheilt! - Und das Weib ward geheilt von jener Stunde an. - Und als Jesus in das Haus des Vorstehers kam, und sah die Pfeifer und den lärmenden Haufen, sagt Er zu ihnen: Weichet zurück! denn das Mädchen ist nicht gestorben, sondern es schläft. Und sie verlachten Ihn. Als aber die Volksmenge hinausgetrieben war, ging Er hinein und ergriff ihre Hand; und das Mädchen richtete sich auf. Und dieses Gerücht ging aus in jenes ganze Land. Und als Jesus von dannen weiter ging, folgten Ihm zwei Blinde, schreiend und sagend: Erbarme Dich unser, Sohn Davids! Als Er aber in das Haus kam, traten die Blinden zu Ihm, und Jesus sagt zu ihnen: Glaubet ihr, daß Ich dieses tun kann? Sie sagten zu Ihm: Ja, Herr! Dann rührte Er ihre Augen an, sagend: Nach eurem Glauben geschehe euch! Und ihre Augen wurden aufgetan. Und Jesus bedräuete sie, sagend: Sehet zu, daß es Niemand erfahre. Sie aber gingen aus und machten Ihn ruchbar in jenem ganzen Lande. Als sie aber weggingen, siehe! da brachten sie zu Ihm einen Menschen, stumm, besessen. Und als der Teufel ausgetrieben war, redete der Stumme. Und es verwunderte sich die Volksmenge, sagend: Es ward niemals also in Israel gesehen. Die Pharisäer aber sagten: Er treibt die Teufel aus durch den Obersten der Teufel. Und Jesus ging umher durch alle Städte und Dörfer, lehrend in ihren Synagogen, und verkündigend das Evangelium des Reichs, und heilend jede Krankheit und jedes Gebrechen. Als Er aber die Volksmenge sah, ward Er innerlich bewegt über sie, weil sie abgemattet und zerstreut waren, wie Schafe, die keinen Hirten haben. Dann sagt Er zu Seinen Jüngern: die Ernte ist groß, aber der Arbeiter wenige. Flehet denn den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter aussende in Seine Ernte.


10.


Und als Er Seine zwölf Jünger zu Sich gerufen hatte, gab Er ihnen Gewalt über unreine Geister, dieselben auszutreiben, und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen. Die Namen aber der zwölf Apostel sind diese: Zuerst Simon, genannt Petrus und Andreas, sein Bruder, Jakobus, der Sohn des Zebedäus und Johannes, sein Bruder; Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Lebbäus, zubenamt Thaddäus; Simon, der Kananiter und Judas, der Iskariot, der Ihn auch überliefert hat. Diese Zwölf sandte Jesus aus, und befahl ihnen, sagend: Gehet auf keinen Weg der Nationen und gehet in keine Stadt der Samariter hinein. Gehet aber vielmehr zu den verlorenen Schafen vom Hause Israel. Ziehet aber hin und prediget, sagend: Das Königreich der Himmel ist nahe gekommen. Schwache heilet, Aussätzige reiniget, Tote wecket auf, Teufel treibet aus. Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebet. Verschaffet euch weder Gold noch Silber, noch Kupfer in eure Gürtel; weder Beutel auf den Weg, noch zwei Röcke, noch Sandalen, noch Stäbe. Denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert. In welche Stadt aber, oder in welches Dorf ihr irgendwie kommt, erforschet, wer darin würdig ist; und daselbst bleibet, bis ihr weggehet. Wenn ihr aber in das Haus eintretet, so grüßet es. Und wenn das Haus würdig ist, so komme euer Friede auf dasselbe; wenn es aber nicht würdig ist, so wende sich euer Friede auf euch zurück. Und Jedweder, der euch nicht aufnehmen, noch eure Worte hören wird, - gehet heraus aus jenem Hause oder jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen. Wahrlich, Ich sage euch: es wird dem Lande der Sodomer und der Gomorrer erträglicher ergehen am Gerichtstage, als jener Stadt. Siehe! ich sende euch wie Schafe inmitten der Wölfe. Seid denn klug, wie die Schlangen, und einfältig, wie die Tauben. Hütet euch aber vor den Menschen; denn sie werden euch Synedrien überliefern, und in ihren Synagogen werden sie euch geißeln; und auch vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt werden um Meinetwillen, ihnen und den Nationen zu einem Zeugnis. Wann sie euch aber überliefern, sorget nicht, wie oder was ihr reden sollet; denn es wird euch zu jener Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn nicht ihr seid es, welche reden, sondern der Geist eures Vaters, der in euch redet. Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode überliefern, und der Vater das Kind, und es werden Kinder gegen Eltern aufstehen und sie töten. Und ihr werdet von Allen gehasset werden um Meines Namens willen; wer aber ausgeharrt haben wird bis an´s Ende, dieser wird errettet werden. Wann sie euch aber verfolgen in dieser Stadt, entfliehet in die andere. Denn wahrlich, Ich sage euch: ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende sein, bis der Sohn des Menschen kommen wird. Der Jünger ist nicht über den Lehrer, und der Knecht nicht über seinen Herrn. Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Lehrer, und der Knecht, wie sein Herr. Wenn sie den Hausherrn Beelzebub genannt haben, wie vielmehr seine Hausgenossen! Fürchtet euch denn nicht vor ihnen. Denn es ist nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt werden wird, und verborgen, was nicht kund werden wird. Was Ich euch sage in der Finsternis, redet in dem Lichte; und was ihr höret ins Ohr, predigt auf den Häusern. Und fürchtet euch nicht vor Denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet euch aber vielmehr vor Dem, der beides, Seele und Leib zu verderben vermag in der Hölle. Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Pfennig? und nicht einer von ihnen fällt auf die Erde ohne euren Vater. An euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alles gezählt. Fürchtet euch denn nicht; ihr seid vorzüglicher als viele Sperlinge. Jeder nun, welcher Mich vor den Menschen bekennen wird, den werde auch Ich vor Meinem Vater, der in den Himmeln ist, bekennen. Jedweder aber, der Mich vor Meinem Vater, der in den Himmeln ist, verleugnen wird, auch Ich werde ihn vor Meinem Vater, der in den Himmeln ist, verleugnen. Wähnet nicht, daß Ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert. Denn Ich bin gekommen den Menschen zu entzweien mit seinem Vater, und die Tochter mit ihrer Mutter, und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und die Feinde des Menschen werden seine eigenen Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz aufnimmt, und Mir nachfolgt, ist Meiner nicht würdig. Wer sein Leben findet, wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um Meinetwillen, wird es finden: Wer euch aufnimmt, nimmt Mich auf, und wer Mich aufnimmt, nimmt Den auf, der Mich gesandt hat. Wer einen Propheten aufnimmt im Namen eines Propheten, wird den Lohn eines Propheten empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt im Namen eines Gerechten, wird den Lohn eines Gerechten empfangen. Und Jedweder, der einen dieser Kleinen bloß mit einem Becher kalten Wassers im Namen eines Jüngers tränken wird; wahrlich, Ich sage euch: er wird seinen Lohn nicht verlieren.


11.


Und es begab sich, als Jesus Seine Befehle an Seine zwölf Jünger vollendet hatte, begab Er Sich von dannen hinweg, um zu lehren und zu predigen in ihren Städten. - Als aber Johannes in dem Gefängnisse die Werke des Christus hörte, sandte er zwei seiner Jünger, und sprach zu ihm: Bist Du der Kommende, oder sollen wir einen Andern erwarten? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und berichtet dem Johannes die Dinge, die ihr höret und sehet: Blinde sehen und Lahme wandeln; Aussätzige werden gereinigt und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündigt. Und glückselig ist Jeder, der sich nicht an Mir ärgern wird. Als diese aber hingingen, fing Jesus an zu der Volksmenge zu sprechen über Johannes: Was seid ihr ausgegangen in die Wüste zu sehen? Ein Rohr vom Winde bewegt? Was aber seid ihr ausgegangen zu sehen? Einen Menschen mit weichen Kleidern bekleidet? Siehe! die die weichen Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige. Was aber seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, Ich sage euch, auch viel mehr als einen Propheten. Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: "Siehe, Ich sende Meinen Boten vor Deinem Angesichte her, welcher Deinen Weg vor Dir bereiten wird." Wahrlich, Ich sage euch: Unter denen, die von Weibern geboren sind, ist nicht aufgestanden, der größer ist, als Johannes der Täufer; der Geringste aber in dem Königreiche der Himmel ist größer als er. Aber von den Tagen Johannis des Täufers an bis jetzt wird dem Königreich der Himmel Gewalt getan, und Gewalttuende reißen es an sich. Denn alle die Propheten und das Gesetz haben bis auf Johannes geweissagt. Und wenn ihr es annehmen wollt, so ist er Elias, der kommen soll. Wer Ohren hat zu hören, der höre. Wem aber soll Ich dieses Geschlecht vergleichen? Es ist Kindern gleich, welche auf den Märkten sitzen und ihren Gespielen zurufen und sagen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht gewehklagt. Denn es ist Johannes gekommen, weder essend noch trinkend, und sie sagen: Er hat einen Teufel. Es ist der Sohn des Menschen gekommen, essend und trinkend, und sie sagen: Siehe! ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder; und die Weisheit ist gerechtfertigt von ihren Kindern. Zu der Zeit fing Er an, die Städte zu schelten, in welchen Seine meisten Wunderwerke geschehen waren, weil sie nicht Buße taten. Wehe dir Chorazin, wehe dir Bethsaida! Denn wenn zu Tyrus und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Buße getan. Doch Ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher sein am Gerichtstage, als euch. Und du Kapernaum, die du bis an den Himmel erhöht bist, bis zum Hades wirst du hinabgestoßen werden. Denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären, die in dir geschehen sind, sie wäre bis an den heutigen Tag geblieben. Doch Ich sage euch: dem Sodomer Lande wird es erträglicher sein am Gerichtstage, als dir. Zu jener Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß Du diese Dinge vor Weisen und Verständigen verborgen hast, und hast sie Unmündigen offenbart. Ja, Vater; denn also war es wohlgefällig vor Dir! Alle Dinge sind Mir von Meinem Vater übergeben; und Niemand erkennet den Sohn, es sei denn der Vater; und Niemand erkennet den Vater, es sei denn der Sohn, und wem Ihn der Sohn offenbaren will. Kommet her zu Mir, alle Mühselige und Beladene! und Ich werde euch Ruhe geben. Nehmet auf euch Mein Joch, und lernet von Mir, denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und Ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen. Denn Mein Joch ist sanft und Meine Last ist leicht.


12.


Zu jener Zeit ging Jesus am Sabbath durch die Saaten. Es hungerte aber Seine Jünger und sie fingen an, Ähren abzupflücken und zu essen. Als es aber die Pharisäer sahen, sprachen sie zu Ihm: Siehe, Deine Jünger tun, was am Sabbath zu tun nicht erlaubt ist. Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als ihn und die, welche mit ihm waren, hungerte? wie er hineintrat in das Haus Gottes und die Schaubrote aß, welche zu essen ihm nicht erlaubt war, noch denen, welche mit ihm waren, sondern allein den Priestern? Oder habt ihr nicht in dem Gesetz gelesen, daß an den Sabbathen die Priester in dem Tempel den Sabbath entheiligen und schuldlos sind? Ich aber sage euch. Einer, der größer ist als der Tempel, ist hier. Hättet ihr aber gewußt, was es ist: "Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer!" ihr hättet die Schuldlosen nicht verurteilt. Denn der Sohn des Menschen ist Herr des Sabbaths. Und Er begab Sich von da, und kam in ihre Synagoge. Und siehe! da war ein Mensch, der hatte die Hand dürre. Und sie fragten Ihn, sagend: Ist es erlaubt an dem Sabbath zu heilen? - damit sie Ihn beschuldigen möchten. Er aber sprach zu ihnen: Welcher Mensch wird unter Euch sein, der ein Schaf haben wird, und der, wenn dies an dem Sabbath in eine Grube gefallen ist, es nicht greifen und herausheben wird? Um wie viel mehr denn ist ein Mensch vorzüglicher, als ein Schaf! Also ist es erlaubt an dem Sabbath Gutes zu tun. Da sagt Er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus und sie ward wieder gesund, wie die andere. Die Pharisäer aber gingen aus und hielten einen Rat wider Ihn, um Ihn umzubringen. Jesus aber, es wissend, entwich von dannen; und es folgte Ihm eine große Volksmenge, und Er heilte sie Alle. Und Er bedräuete sie, daß sie Ihn nicht offenbar machten; daß erfüllet würde, was durch Jesaias, den Propheten, geredet ist, sagend: "Siehe, Mein Knecht, den Ich erwählt habe, Mein Geliebter, an welchem Meine Seele Wohlgefallen gefunden hat; Ich werde Meinen Geist auf Ihn legen und Er wird den Nationen das Gericht ankündigen. Er wird nicht streiten und nicht schreien; auch wird Niemand Seine Stimme auf den Straßen hören. Ein zerstoßenes Rohr wird Er nicht zerbrechen und einen rauchenden Flachs wird Er nicht auslöschen, bis daß Er das Gericht zum Siege hinausführe. Und auf Seinen Namen werden die Nationen hoffen." Da ward zu Ihm gebracht ein Besessener, blind und stumm; und Er heilte ihn, so daß der Blinde und Stumme sowohl redete als sah. Und es verwunderte sich die ganze Volksmenge uns sagte: Dieser ist doch nicht der Sohn Davids? Die Pharisäer aber, als sie es hörten, sagten: Dieser treibt die Teufel nicht aus, es sei denn durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Jesus aber, wissend ihre Gedanken, sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst in Zwiespalt gekommen ist, wird wüste; und jede Stadt oder jedes Haus, das mit sich selbst in Zwiespalt gekommen ist, wird nicht bestehen. Und wenn Satan Satan austreibt, ist er mit sich selbst in Zwiespalt; wie wird denn Sein Reich bestehen? Und wenn Ich durch Beelzebub die Teufel austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Deswegen werden sie eure Richter sein. Wenn ich aber in der Kraft des Geistes Gottes die Teufel austreibe, so ist das Reich Gottes wirklich zu euch hingekommen. Oder wie kann Jemand eindringen in das Haus des Starken, und seinen Hausrat rauben, es sei denn, daß er zuerst den Starken binde, und dann wird er sein Haus berauben? Wer nicht mit Mir ist, der ist wider Mich; und wer nicht mit Mir sammelt, der zerstreut. Deshalb sage Ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird den Menschen nicht vergeben werden. Und wer ein Wort wider den Sohn des Menschen reden wird, es wird ihm vergeben werden; wer aber wider den Heiligen Geist reden wird, es wird ihm nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitlauf, noch in dem zukünftigen. Entweder machet den Baum gut, und seine Frucht gut, oder machet den Baum faul, und seine Frucht faul; denn der Baum wird aus der Frucht erkannt. Otternbrut! wie könnet ihr Gutes reden, da ihr böse seid? Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund. Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz gute Dinge hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatz böse Dinge hervor. Ich sage euch aber: Für jedes unnütze Wort, welches die Menschen reden werden, davon werden sie Rechenschaft geben am Gerichtstage. Denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden. Da antworteten Etliche der Schriftgelehrten und Pharisäer, sagend: Lehrer! Wir möchten von Dir ein Zeichen sehen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht verlangt nach einem Zeichen; und ein Zeichen wird ihm nicht gegeben werden, es sei denn das Zeichen Jona, des Propheten. Denn gleich wie Jonas drei Tage und drei Nächte in dem Bauche des Meerungeheuers war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte in dem Herzen der Erde sein. Die Männer von Ninive werden mit diesem Geschlecht im Gericht aufstehen, und werden es verdammen; denn sie haben auf die Predigt Jona Buße getan; und siehe! mehr als Jonas ist hier. Die Königin des Südens wird mit diesem Geschlecht im Gericht aufstehen, und wird es verdammen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe! mehr als Salomo ist hier. Wenn aber der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, durchwandert er dürre Örter, Ruhe suchend, und er findet sie nicht. Dann spricht er: Ich will umkehren in mein Haus, wovon ich ausgegangen bin. Und wenn er kommt, findet er es müßig, gekehrt und geschmückt. Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andere Geister, böser als er selbst, und hineingehend, wohnen sie daselbst; und es wird das Letzte jenes Menschen übler, als das Erste. Also wird es auch diesem bösen Geschlecht ergehen. Da Er aber noch zu der Volksmenge redete, siehe! da standen Seine Mutter und Seine Brüder draußen, und suchten Ihn zu sprechen. Und es sprach Einer zu Ihm: Siehe! Deine Mutter und Deine Brüder stehen draußen, und suchen Dich zu sprechen. Er aber antwortete und sprach zu dem, der Ihm das sagte: Wer ist Meine Mutter? und wer sind Meine Brüder? Und Er streckte Seine Hand über Seine Jünger aus und sprach: Siehe da, Meine Mutter und Meine Brüder. Denn Jedweder, der den Willen Meines Vaters, der in den Himmeln ist, tun wird, derselbe ist Mein Bruder und Schwester und Mutter.


13.


An jenem Tage aber ging Jesus aus von dem Hause und setzte sich hin an den See. Und es versammelte sich eine große Volksmenge zu Ihm, so daß Er in das Schiff einstieg und Sich setzte; und die ganze Volksmenge stand am Ufer. Und Er redete viele Dinge zu ihnen in Gleichnissen, sagend: Siehe! Es ging der Sämann aus zu säen. Und während er säte, fiel Etliches neben den Weg; und es kamen die Vögel und fraßen es auf. Anderes aber fiel auf das Steinige, wo es nicht tiefe Erde hatte. Als aber die Sonne aufging, ward es verbrannt, und weil es nicht Wurzel hatte, verdorrte es. Anderes aber fiel unter die Dornen, und die Dornen gingen auf und erstickten es. Anderes aber fiel auf die gute Erde und gab Frucht; das eine hundert-, das andere sechzig-, das andere dreißigfältig. Wer Ohren hat zu hören, höre! Und die Jünger traten herzu und sprachen zu Ihm: Warum redest Du in Gleichnissen zu ihnen? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil euch gegeben ist die Geheimnisse des Königreiches der Himmel zu verstehen; Jenen aber ist es nicht gegeben. Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluß haben; wer aber nicht hat, von dem wird selbst das, was er hat, genommen werden. Darum rede Ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehend nicht sehen, und hörend nicht hören noch verstehen. Und es wird die Weissagung des Jesaias an ihnen erfüllt, welche sagt: "Mit Gehör werdet ihr hören, und nicht verstehen; und sehend werdet ihr sehen und nicht wahrnehmen. Denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden; und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht irgendwie mit den Augen sehen, und mit den Ohren hören, und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und daß Ich sie heile." Glückselig aber eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören. Denn wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt zu sehen, was ihr anschauet, und haben es nicht gesehen; und zu hören, was ihr höret, und haben es nicht gehört. So höret denn ihr das Gleichnis des Sämanns. Wenn Jemand das Wort des Reiches hört und es nicht versteht, kommt der Böse, und reißt weg, was in seinem Herzen gesät war. Das ist der, welcher neben den Weg gesät ist. Der aber auf das Steinige gesät ist: das ist der, der das Wort höret und es alsbald mit Freuden aufnimmt. Er hat aber keine Wurzel in sich, sondern er ist nur für eine Zeit; wenn aber Trübsal oder Verfolgung entsteht, um des Wortes willen, alsbald ärgert er sich. Der aber unter die Dornen gesät ist, das ist der, der das Wort höret, und die Sorge dieses Zeitlaufs und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht. Der aber auf die gute Erde gesät ist, das ist der, der das Wort hört und versteht, der bringt wirklich Frucht; und der eine trägt hundert-, der andere sechzig-, der andere dreißigfältig. Ein anderes Gleichnis legte Er ihnen vor, sagend: Das Königreich der Himmel ist verglichen worden mit einem Menschen, der guten Samen auf sein Feld säte. Während aber die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen, und ging weg. Als aber die Saat aufging und Frucht gab, da erschien auch das Unkraut. Es kamen aber die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr! hast du nicht guten Samen auf dein Feld gesät? Woher hat es denn Unkraut? Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat dies getan. Die Knechte aber sprachen zu ihm: Willst du denn, daß wir hingehen und es zusammenlesen? Er aber sprach: Nein; damit ihr beim Zusammenlesen des Unkrauts mit demselben nicht zugleich den Weizen ausreißet. Laßt es Beides zusammen wachsen, bis zur Ernte; und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen. Leset zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber sammelt auf meinen Speicher. Ein anderes Gleichnis legte Er ihnen vor, sagend: Das Königreich der Himmel ist gleich einem Senfkorn, welches ein Mensch nahm und auf sein Feld säte. Dies ist freilich das kleinste unter allen Samen-Arten; wenn es aber gewachsen, ist es größer als die Gemüse, und wird ein Baum, so daß die Vögel des Himmels kommen und wohnen in seinen Zweigen. Ein anderes Gleichnis redete Er zu ihnen: Das Königreich der Himmel ist gleich dem Sauerteig, welchen ein Weib nahm und unter drei Scheffel Mehl verbarg, bis Alles gesäuert ward. Alle diese Dinge redete Jesus in Gleichnissen zu der Volksmenge, und ohne Gleichnis redete Er nicht zu ihnen; daß erfüllet würde, was durch den Propheten geredet ist, sagend: "Ich werde Meinen Mund auftun in Gleichnissen; Ich werde aussprechen, was von der Gründung der Welt an verborgen war." Dann entließ Jesus die Volksmenge und kam in das Haus, und Seine Jünger traten zu Ihm, sagend: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut des Feldes. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Der den guten Samen sät, das ist der Sohn des Menschen. Das Feld aber ist die Welt. Der gute Same aber, das sind die Söhne des Reichs. Das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen. Der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel. Die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters. Die Schnitter aber sind Engel. Gleichwie nun das Unkraut zusammengelesen und im Feuer verbrannt wird, also wird es in der Vollendung dieses Zeitalters sein. Der Sohn des Menschen wird Seine Engel senden, und sie werden aus Seinem Reiche zusammenlesen alle Ärgernisse, und welche das Gesetzlose tun; und sie werden sie in den Ofen des Feuers werfen; da wird sein das Weinen und das Zähneknirschen. Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne im Reiche ihres Vaters. Wer Ohren hat zu hören, höre! Wiederum ist das Königreich der Himmel gleich einem in dem Felde verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und verbarg; und vor Freuden geht er hin und verkauft Alles, was er irgendwie hat, und kauft jenes Feld. Wiederum ist das Königreich der Himmel gleich einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht. Als er aber eine sehr köstliche Perle gefunden, ging er hin und verkaufte Alles, was er irgendwie hatte, und kaufte sie. Wiederum ist das Königreich der Himmel gleich einem Netze, welches ins Meer geworfen ward, und von jeder Gattung zusammengebracht hatte, welches sie, als es voll war, an das Ufer aufzogen; und sie setzten sich nieder und lasen die Guten in Gefäße zusammen; aber die Faulen warfen sie aus. Also wird es in der Vollendung des Zeitalters sein; es werden die Engel ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern; und sie werden sie in den Ofen des Feuers werfen; da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr dieses Alles verstanden? Sie sagen zu Ihm: Ja, Herr! Er aber sprach zu ihnen: Deshalb ist jeder Schriftgelehrte, der in dem Königreiche der Himmel unterrichtet ist, einem Hausherrn gleich, welcher aus seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt. Und es begab sich, als Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte, ging Er von dannen hinweg. Und Er kam in Sein Land, und lehrte sie in ihrer Synagoge, so daß sie sehr erstaunten und sagten: Woher Diesem diese Weisheit und die Wunderwerke? Ist Dieser nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht Seine Mutter Maria, und Seine Brüder Jakobus und Joses und Simon und Judas? Und sind nicht Seine Schwestern alle bei uns? Woher denn Diesem alles Dieses? Und sie ärgerten sich an Ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, es sei denn in seinem Lande und in seinem Hause. Und Er tat daselbst nicht viele Wunderwerke wegen ihres Unglaubens.


14.


Zu jener Zeit hörte Herodes der Vierfürst das Gerücht von Jesu. Und er sprach zu seinen Knechten: Dieser ist Johannes, der Täufer; er ist von den Toten auferweckt, und deshalb werden die Wunderwerke von Ihm gewirkt. Denn Herodes hatte Johannes gegriffen, ihn gebunden und ins Gefängnis gesetzt, um der Herodias willen, des Weibes Philippi, seines Bruders. Denn Johannes hatte ihm gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, sie zu haben. Und als er ihn töten wollte, fürchtete er die Volksmenge, weil sie ihn für einen Propheten hielten. Als aber der Jahrestag des Herodes stattfand, tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen, und sie gefiel dem Herodes; weshalb er mit einem Eidschwur erklärte, ihr zu geben, was immer sie fordern würde. Sie aber, von ihrer Mutter zuvor unterrichtet, sagt: Gib mir hier auf einer Schüssel das Haupt Johannis, des Täufers. Und es ward der König traurig; aber um der Eide willen und derer, die mit ihm zu Tische lagen, befahl er, daß es ihr gegeben werde. Und er sandte hin und enthauptete den Johannes im Gefängnis. Und es ward sein Haupt auf einer Schüssel gebracht und dem Mädchen gegeben; und sie brachte es ihrer Mutter. Und seine Jünger kamen herzu, nahmen den Leib und begruben ihn. Und sie kamen und berichteten es Jesu. Und als es Jesus hörte, entwich Er von dannen in einem Schiff an einen wüsten Ort allein. Und als es die Volksmenge hörte, folgte sie Ihm zu Fuß aus den Städten. Und als Jesus herausging, sah Er viel Volks, und ward innerlich bewegt über sie, und heilte ihre Kranken. Als es aber Abend geworden war, traten Seine Jünger zu Ihm, sagend: Der Ort ist wüst, und die Tageszeit ist schon vorbei; entlaß die Volksmenge, damit sie hingehen in die Dörfer, und sich Speise kaufen. Jesus aber sprach zu ihnen: Sie haben nicht nötig, wegzugehen; gebt ihr ihnen zu essen. Sie aber sagen zu Ihm: Wir haben nichts hier als fünf Brote und zwei Fische. Er aber sprach: Bringet sie Mir her. Und Er befahl, daß sich die Volksmenge auf das Gras niedersetze; und Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf gen Himmel und segnete, und brach und gab Seinen Jüngern die Brote, und die Jünger der Volksmenge. Und sie aßen Alle, und wurden gesättigt, und hoben auf, was an Brocken überblieb, - zwölf Körbe voll. Die aber gegessen hatten, waren an fünftausend Männer, ohne Weiber und Kinder. Und alsbald nötigte Er die Jünger, in das Schiff zu steigen, und vor Ihm an das jenseitige Ufer zu fahren, bis Er die Volksmenge entlassen habe. Und als Er die Volksmenge entlassen, stieg Er auf den Berg allein, um zu beten. Als es aber Abend geworden war, war Er daselbst allein. Das Schiff aber war schon mitten im See, und litt Not von den Wellen; denn der Wind war entgegen. Aber in der vierten Nachtwache kam Er zu ihnen, wandelnd auf dem See. Und als die Jünger Ihn, auf dem See wandelnd, sahen, wurden sie bestürzt, sagend: Es ist ein Gespenst! Und sie schrieen vor Furcht. Alsbald aber redete Jesus zu ihnen, sagend: Seid guten Mutes! ICH BIN; fürchtet euch nicht! Petrus aber antwortete Ihm und sprach: Herr, wenn Du es bist, so befiehl mir, zu Dir zu kommen auf dem Gewässer. Er aber sprach: Komm! Und Petrus, aus dem Schiffe steigend, wandelte auf dem Gewässer, um zu Jesu zu kommen. Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich; und als er anfing zu sinken, schrie er, sagend: Herr! rette mich! Alsbald aber streckte Jesus die Hand aus, griff ihn und spricht zu ihm: Kleingläubiger, warum zweifeltest du? Und als sie in das Schiff gestiegen, legte sich der Wind. Die aber in dem Schiffe waren, kamen und huldigten Ihm, sagend: Wahrlich, Du bist Gottes Sohn! Und als sie hinübergefahren waren, kamen sie in das Land Genezareth. Und als Ihn die Männer jenes Ortes erkannten, schickten sie in jene ganze Umgegend, und brachten zu Ihm alle die Siechen; und baten Ihn, daß sie nur den Zipfel Seines Kleides anrühren dürften. Und wie Viele anrührten, wurden geheilt.


15.


Zu der Zeit kommen Schriftgelehrte und Pharisäer, die von Jerusalem waren, zu Jesu, sagend: Warum übertreten Deine Jünger die Überlieferung der Ältesten? denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen. Er aber antwortete und sagte zu ihnen: Warum übertretet auch ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen? denn Gott hat geboten, sagend: "Ehre Vater und Mutter!" - und: "Wer Vater oder Mutter flucht, soll des Todes sterben!" Ihr aber sagt: Wer irgendwie zu dem Vater oder der Mutter sagt: Es sei eine Gabe, Alles, wodurch du von mir Nutzen haben könntest - und er wird keineswegs seinen Vater oder seine Mutter ehren,... und ihr habt das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen ungültig gemacht. Heuchler! Wohl recht hat von euch Jesaias geweissagt, sagend: "Dieses Volk nahet sich Mir mit ihrem Munde und ehret Mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist weit entfernt von Mir. Vergeblich aber verehren sie Mich, lehrend als Lehren Menschengebote." Und Er rief die Volksmenge zu Sich und sprach zu ihnen: Höret und verstehet! Nicht, was in den Mund eingeht, verunreinigt den Menschen; sondern was aus dem Munde ausgeht, das verunreinigt den Menschen. Da traten Seine Jünger herzu und sprachen zu Ihm: Weißt Du, daß die Pharisäer, als sie das Wort hörten, sich ärgerten? Er aber antwortete und sprach: Jegliche Pflanze, welche Mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird ausgerottet werden. Lasset sie; sie sind blinde Leiter der Blinden! Wenn aber ein Blinder einen Blinden leitet, werden beiden in die Grube fallen. Petrus aber antwortete und sprach zu Ihm: Deute uns dieses Gleichnis. Jesus aber sprach: Seid auch ihr noch unverständig? Vernehmet ihr noch nicht, daß Alles, was in den Mund eingehet, gehet in den Bauch, und wird in einem heimlichen Ort ausgeworfen? Was aber aus dem Munde ausgehet, kommt aus dem Herzen, und dieses Dinge verunreinigen den Menschen. Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen. Diese Dinge sind es, welche den Menschen verunreinigen; aber mit ungewaschenen Händen essen, verunreinigt den Menschen nicht. Und Jesus ging aus von dannen und entwich in die Gegenden von Tyrus und Sidon. Und siehe! ein kananäisches Weib, die von jenen Grenzen herkam, rief zu Ihm, sagend: Erbarme Dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter ist übel besessen. Er aber antwortete ihr nicht ein Wort. Und Seine Jünger traten zu Ihm, und baten Ihn, sagend: Entlaß sie! denn sie ruft hinter uns her. Er aber antwortete und sprach: Ich bin nicht gesandt, es sei denn zu den verlorenen Schafen vom Hause Israel. Sie aber kam und huldigte Ihm, sagend: Herr! hilf mir! Er aber antwortete und sprach: Es ziemt sich nicht, das Brot der Kinder zu nehmen, und es den Hunden hinzuwerfen. Sie aber sprach: Ja, Herr! denn es essen ja auch die Hunde von den Brosamen, welchen von dem Tische ihrer Herren fallen. Da antwortete Jesus uns sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß; dir geschehe, wie du willst! Und von jener Stunde an war ihre Tochter geheilt. Und Jesus ging von da weg und kam an den Galiläischen See; und auf den Berg steigend, setzte Er Sich daselbst. Und eine große Volksmenge kam zu Ihm, und hatte bei sich Lahme, Blinde, Stumme, Krüppel und viele Andere; und sie warfen sie hin zu den Füßen Jesu, und Er heilte sie, so daß sich die Volksmenge verwunderte, als sie sah Stumme reden, Krüppel gesund werden, Lahme wandeln, und Blinde sehen; und sie verherrlichten den Gott Israels. Als Jesus aber Seine Jünger zu Sich gerufen hatte, sprach Er: Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge; denn schon drei Tage verweilen sie bei Mir, und sie haben nichts zu essen; und Ich will sie nicht ohne Essen entlassen, damit sie nicht verschmachten auf dem Wege. Und Seine Jünger sagen zu Ihm: Woher sollten wir so viele Brote in der Wüste haben, um eine so große Volksmenge zu sättigen? Und Jesus spricht zu ihnen: Wie viel Brote habt ihr? Sie aber sagten: Sieben, und wenige kleine Fische. Und Er hieß die Volksmenge sich auf die Erde lagern. Und Er nahm die sieben Brote und die Fische; und nachdem Er die Danksagung gesprochen hatte, brach Er und gab sie Seinen Jüngern, und die Jünger der Volksmenge. Und sie aßen Alle und wurden gesättigt; und hoben auf, was an Brocken überblieb, - sieben Körbe voll. Die aber, welche gegessen hatten, waren viertausend Männer, ohne Weiber und Kinder. Und als Er die Volksmenge entlassen hatte, stieg Er in das Schiff und kam in die Grenzen von Magdala.


16.


Und die Pharisäer und Sadducäer kamen herzu, und, Ihn versuchend, baten sie, Er möge ihnen ein Zeichen aus dem Himmel zeigen. Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wenn es Abend geworden ist, sagt ihr: Es gibt heiteres Wetter; denn der Himmel ist feuerrot! Und früh Morgens: Heute stürmisches Wetter; denn der Himmel ist feuerrot und trübe! Heuchler! Das Aussehen des Himmels wisset ihr zu beurteilen; aber die Zeichen der Zeiten, - könnt ihr die nicht beurteilen? Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht begehrt ein Zeichen, und ein Zeichen wird ihm nicht gegeben werden, es sei denn das Zeichen Jona des Propheten. Und Er verließ sie und ging weg. Und als Seine Jünger an das jenseitige Ufer kamen, hatten sie vergessen, Brote mitzunehmen. Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadducäer. Sie aber überlegten bei sich selbst, sagend: weil wir keine Brote mitgenommen haben. Als es aber Jesus wahrnahm, sprach Er: Was überlegt ihr bei euch, Kleingläubige, weil ihr keine Brote mitgenommen habt? Verstehet ihr noch nicht, und erinnert ihr euch auch nicht an die fünf Brote der Fünftausend, und wie viel Körbe ihr aufhobet? noch an die sieben Brote der Viertausend, und wie viel Körbe ihr aufhobet? Wie verstehet ihr nicht, daß Ich euch nicht von Brot sagte, - euch zu hüten vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadducäer? Da verstanden sie, daß Er nicht sagte, sich zu hüten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadducäer. Als aber Jesus in die Gegend von Cäsaera Philippi kam, fragte Er Seine Jünger, sagend: Wer sagen die Menschen, daß ich, der Sohn des Menschen, sei? Sie aber sagten: Die Einen: Johannes der Täufer; - Andere aber: Elias; - Andere aber: Jeremias, oder einer der Propheten. Spricht Er zu ihnen: Ihr aber, wer sagt ihr, daß Ich sei? Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona! denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern Mein Vater, der in den Himmeln ist. Aber auch Ich sage dir, daß du bist Petrus, und auf diesen Felsen will Ich Meine Versammlung bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen. Und Ich werde dir die Schlüssel des Königreichs der Himmel geben, und was irgend du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein; und was irgend du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein. Dann gebot Er Seinen Jüngern, daß sie es Niemandem sagten, daß Er der Christus sei. Von der Zeit an begann Jesus Seinen Jüngern zu zeigen, daß Er müsse nach Jerusalem hingehen, und Vieles leiden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten, und getötet, und am dritten Tage auferweckt werden. Und Petrus nahm Ihn zu sich und fing an, Ihn zu strafen, sagend: Ei, behüte, Herr! - Dieses wird Dir nicht widerfahren. Er aber wandte sich, und sprach zu Petrus: Weiche hinter Mich, Satan! du bist mir ein Ärgernis; denn du sinnest nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist! - Da sprach Jesus zu Seinen Jüngern: Wenn Jemand Mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge Mir nach. Denn wer irgend sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber irgend sein Leben verlieren wird um Meinetwillen, der wird es finden. Denn was wird es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnen würde, aber seine Seele einbüßte? Oder, was wird ein Mensch als Lösegeld für seine Seele geben? Denn der Sohn des Menschen wird in der Herrlichkeit Seines Vaters mit Seinen Engeln kommen, und dann wird Er einem Jeglichen nach seinem Tun vergelten. Wahrlich, Ich sage euch: Es sind Einige von denen, die hier stehen, welche den Tod nicht schmecken werden, bis sie gesehen den Sohn des Menschen kommend in Seinem Reich.


17.


Und nach sechs Tagen nimmt Jesus zu Sich den Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder; und Er führt sie besonders auf einen hohen Berg allein. Und Er ward umgestaltet vor ihnen, und Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne; Seine Kleider aber wurden weiß, wie das Licht. Und siehe! Moses und Elias erschienen ihnen, sich mit Ihm unterredend. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: Herr! Es ist gut für uns, hier zu sein! Wenn Du willst, laß uns hier drei Hütten machen; Dir eine, und dem Moses eine, und dem Elias eine. Während Er noch redete, siehe! eine lichte Wolke überschattete sie; und siehe! eine Stimme aus der Wolke, sagend: Dieser ist Mein geliebter Sohn, an welchem Ich Wohlgefallen gefunden habe, Ihn höret! Und als die Jünger es hörten, fielen sie auf Ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Und Jesus trat herzu, rührte sie an und sprach: Stehet auf, und fürchtet euch nicht! Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie Niemanden, als Jesum allein. Und als sie von dem Berge herabstiegen, gebot ihnen Jesus und sprach: Saget Niemandem das Gesicht, bis der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden ist. Und Seine Jünger fragten Ihn, sagend: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, Elias müsse zuerst kommen? Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Elias zwar kommt zuerst, und wird alle Dinge wieder herstellen. Ich sage euch aber, daß Elias schon gekommen ist, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern an ihm getan Alles, was sie wollten. Eben so wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden. Da verstanden die Jünger, daß Er von Johannes, dem Täufer, zu ihnen sprach. Und da sie zu der Volksmenge kamen, trat ein Mensch zu Ihm, vor Ihm auf die Kniee fallend und sagend: Herr, erbarme Dich meines Sohnes! denn er ist mondsüchtig und leidet schwer; denn oft fällt er ins Feuer und oft ins Wasser. Und ich brachte ihn zu Deinen Jüngern, und sie konnten ihn nicht heilen. Jesus aber antwortete und sprach: O, ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Wie lange soll Ich bei euch sein? Wie lange soll Ich euch ertragen? Bringet ihn her zu Mir! Und Jesus bedräuete ihn, und der Teufel fuhr von ihm aus, und von jener Stunde an war der Knabe geheilt. Da traten die Jünger zu Jesu besonders, und sagten: Warum konnten wir ihn nicht austreiben? Jesus aber sagte zu ihnen: wegen eures Unglaubens. Denn wahrlich, Ich sage euch: wenn ihr Glauben habet, wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berge sagen: Versetze dich von hier dorthin, und er wird versetzt werden; und Nichts wird für euch unmöglich sein. Diese Art aber fährt nicht aus, es sei denn durch Gebet und Fasten. Als sie aber in Galiläa umherzogen, sprach Jesus zu ihnen: Es wird der Sohn des Menschen in die Hände der Menschen überliefert werden; und sie werden Ihn töten, und am dritten Tage wird Er auferweckt werden! Und sie wurden sehr betrübt. Als sie aber nach Kapernaum kamen, traten die Einnehmer der Doppeldrachme zu Petrus und sprachen: Zahlt euer Lehrer nicht die Doppeldrachme? Er sagt: Ja. Und als sie ins Haus hineingingen, kam ihm Jesus zuvor, sagend: Was dünket dich, Simon? Von welchen erheben die Könige der Erde Zoll oder Steuer, von ihren Söhnen, oder von den Fremden? Petrus sagt zu Ihm. Von den Fremden. Sprach Jesus zu ihm: Also sind denn die Söhne frei. Damit wir ihnen aber kein Ärgernis geben, so gehe an den See, wirf den Angelhaken aus, und nimm den ersten Fisch, der herauskommt, tue seinen Mund auf, und du wirst einen Stater finden; den nimm und gib ihnen für Mich und dich.


18.


Zu jener Stunde traten die Jünger zu Jesu, sagend: Wer ist doch der größte im Königreiche der Himmel? Und als Jesus ein Kind zu Sich gerufen hatte, stellte Er es in ihre Mitte, und sprach: Wahrlich, Ich sage euch, wenn ihr nicht bekehrt werdet, und werdet wie die Kindlein, so werdet ihr nicht in das Königreich der Himmel hineinkommen. Darum, wer sich selbst erniedrigen wird, wie dieses Kindlein, dieser ist der Größte im Königreiche der Himmel; und wer immer ein Einziges solches Kindlein aufnehmen wird um Meines Namens willen, er nimmt Mich auf. Wer immer aber Einen dieser Kleinen, die an Mich glauben, ärgern wird, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt, und er in der Tiefe des Meeres ersäuft würde. Wehe der Welt der Ärgernisse wegen! - Denn es ist notwendig, daß Ärgernisse kommen; doch wehe jenem Menschen, durch welchen das Ärgernis kommt. Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, haue sie ab und wirf sie von dir. Besser ist es für dich, lahm oder als Krüppel in das Leben einzugehen, als, zwei Hände oder zwei Füße habend, in das ewige Feuer geworfen zu werden. Und wenn dein Auge dich ärgert, reiß es aus, und wirf es von dir. Besser ist es dir, einäugig in das Leben einzugehen, als, zwei Augen habend, in die Hölle des Feuers geworfen zu werden. Sehet zu, daß ihr nicht Einen dieser Kleinen verachtet! Denn Ich sage euch, daß ihre Engel in den Himmeln immerdar das Angesicht meines Vaters, der in den Himmeln ist, schauen. Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorne zu erretten. - Was dünket euch? Wenn ein Mensch hundert Schafe hat, und wenn Eins von ihnen sich verirrt hätte, läßt er nicht die neun und neunzig auf den Bergen, und geht hin und sucht das Irrende? Und wenn es geschieht, daß er es findet, wahrlich, Ich sage euch, daß er sich mehr über dieses freuet, als über die neun und neunzig, die nicht verirret sind. Eben so ist es nicht der Wille vor eurem Vater, der in den Himmeln ist, daß Einer von diesen Kleinen umkomme. Wenn aber dein Bruder wider dich sündigt, gehe hin und überführe ihn zwischen dir und ihm allein; wenn er auf dich hören wird, so hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hören wird, nimm hinzu mit dir noch Einen oder Zwei, damit aus dem Munde zweier oder dreier Zeugen jede Sache bestätigt sei. Wenn er aber nicht auf sie hören wird, sage es der Versammlung; wenn er aber auch auf die Versammlung nicht hören wird, so sei er dir, wie der Heide und der Zöllner. Wahrlich, Ich sage euch: Alles, was ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein; und Alles, was ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein. Wiederum sage Ich euch: daß, wenn zwei von euch auf der Erde in irgend einer Sache, um welche sie bitten, einstimmig sein werden, sie ihnen von Meinem Vater, der in den Himmeln ist, widerfahren wird. Denn wo zwei oder drei versammelt sind in Meinem Namen, da bin Ich in ihrer Mitte. Zu der Zeit trat Petrus zu Ihm und sagte: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der wider mich sündiget, vergeben? Spricht Jesus zu ihm: Nicht sage Ich dir: bis siebenmal, sondern bis siebenzig mal sieben. Deswegen ist das Königreich der Himmel verglichen worden mit einem Könige, welcher mit seinen Knechten abrechnen wollte. Als er aber anfing abzurechnen, ward Einer zu ihm gebracht, der zehntausend Talente schuldete; da er aber nicht zu bezahlen hatte, befahl sein Herr, ihn zu verkaufen und sein Weib und die Kinder und Alles, was er hatte, und zu bezahlen. Der Knecht nun fiel nieder, huldigte ihm, sagend: Herr, habe Geduld mit mir, und ich will dir Alles bezahlen! Der Herr jenes Knechts aber, innerlich bewegt, ließ ihn los, und erließ ihm die Schuld. Jener Knecht aber ging aus, und fand einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldig war. Und er ergriff und würgte ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist! Sein Mitknecht nun fiel nieder und bat ihn, sagend: Habe Geduld mit mir, und ich will dir Alles bezahlen! Der aber wollte nicht; sondern er ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er die Schuld bezahlt habe. Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurde sie sehr betrübt, gingen und berichteten ihrem Herrn Alles, was geschehen war. Da rief ihn sein Herr zu sich und spricht zu ihm: Böser Knecht! jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest; solltest nicht auch du dich deines Mitknechts erbarmen, wie auch ich mich deiner erbarmet habe? Und sein Herr ward zornig und überlieferte ihn den Peinigern, bis er ihm die ganze Schuld bezahlt habe. Also auch wird Mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht, ein Jeder seinem Bruder von Herzen seine Übertretungen vergebet.


19.


Und es geschah, als Jesus diese Reden vollendet hatte, ging er von Galiläa weg; und kam in die Grenzen von Judäa, jenseit des Jordans. Und es folgte Ihm eine große Volksmenge, und Er heilte sie daselbst. Und die Pharisäer traten zu Ihm, Ihn versuchend und zu Ihm sagend: Ist es einem Menschen erlaubt, aus jedem Grunde sein Weib zu entlassen? Er aber antwortete und sagte zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, daß Der, welcher sie schuf, sie von Anfang männlich und weiblich schuf, und sagte: "Deswegen soll ein Mensch Vater und Mutter verlassen, und seinem Weibe anhangen, und werden die zwei zu Einem Fleische sein?" und so sind sie nicht mehr Zwei, sondern Ein Fleisch. Was also Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. Sprechen sie zu Ihm: Weshalb hat denn Moses geboten, einen Scheidebrief zu geben, und sie zu entlassen? Er spricht zu ihnen: Moses hat wegen eurer Herzenshärtigkeit euch gestattet, eure Weiber zu entlassen; von Anfang aber war es nicht so. Ich sage euch aber, daß Jeder, der sein Weib entlassen wird, es sei denn wegen der Hurerei, und eine andere heiraten wird, der bricht die Ehe; Seine Jünger sagen zu Ihm: Wenn also die Sache des Mannes mit dem Weibe steht, so ist es nicht gut zu heiraten. Er aber sagte zu ihnen: Nicht Alle fassen dieses Wort, sondern die, denen es gegeben ist. Denn es sind Verschnittene, welche also von Mutterleibe geboren sind; und es sind Verschnittene, welche von den Menschen verschnitten worden sind; und es sind Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben, um des Königreichs der Himmel willen. Wer es zu fassen vermag, der fasse es. Da wurden Kindlein zu Ihm gebracht, auf daß Er ihnen die Hände auflegte und betete. Die Jünger aber bedroheten sie. Jesus aber sagte: Lasset die Kindlein; und wehret ihnen nicht, zu Mir zu kommen; denn solcher ist das Königreich der Himmel. Und Er legte ihnen die Hände auf, und ging von dannen weg. Und siehe! Einer trat herzu und sprach zu Ihm: Guter Lehrer, was soll ich Gutes tun, auf daß ich das ewige Leben habe? Er aber sagte zu ihm: Was heißest du Mich gut? Niemand ist gut, als nur Einer, Gott. Wenn du aber zu dem Leben eingehen willst, so halte die Gebote! Er spricht zu Ihm: Welche? Jesus aber sagte: Diese: Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis geben; ehre Vater und Mutter, und: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst. Der Jüngling spricht zu Ihm: Alle diese Dinge habe ich beobachtet von meiner Jugend auf. Worin bin ich noch zurück? Jesus sprach zu ihm: Wenn du vollkommen sein willst, so gehe hin, verkaufe deine Habe, und gib sie den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm her, folge Mir nach! Als aber der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt weg; denn er hatte ein großes Vermögen. Jesus aber sprach zu Seinen Jüngern: Wahrlich, Ich sage euch: Schwerlich wird ein Reicher in das Königreich der Himmel eingehen. Wiederum aber sage Ich euch: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes eingehe. Als aber Seine Jünger es hörten, waren sie sehr erstaunt und sagten: Wer kann dann selig werden? Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei Menschen ist dies unmöglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich. Da antwortete Petrus und sprach zu Ihm: Siehe! wir haben Alles verlassen und sind Dir gefolgt; was wird uns denn werden? Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, Ich sage euch, daß ihr, die ihr Mir seid nachgefolgt, in der Wiedergeburt, wann der Sohn des Menschen auf dem Throne Seiner Herrlichkeit sitzen wird, - daß auch ihr auf zwölf Thronen sitzen werdet, richtend die zwölf Stämme Israels. Und ein Jeglicher, der Häuser, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Äcker um Meines Namens willen verlassen hat, der wird hundertfältig empfangen, und das ewige Leben erben. Aber viele Erste werden Letzte, und viele Letzte Erste sein.


20.


Denn das Königreich der Himmel ist gleich einem Hausherrn, welcher des Morgens früh ausging, um Arbeiter in seinen Weinberg zu dingen. Nachdem er aber mit den Arbeitern um einen Denar den Tag übereingekommen war, sandte er sie in seinen Weinberg. Und um die dritte Stunde ausgehend, sah er Andere auf dem Markte müßig stehen, und sagte zu Diesen: Gehet auch ihr hin in den Weinberg, und was recht ist, werde ich euch geben. Sie aber gingen hin. Wiederum ging er aus um die sechste und neunte Stunde, und tat gleich also. Als er aber um die elfte Stunde ausging, fand er Andere, die müßig standen; und er spricht zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie sprechen zu ihm: Weil uns Niemand gedungen hat. Er spricht zu ihnen: Gehet auch ihr hin in den Weinberg, und was dann recht ist, werdet ihr bekommen. Als es aber Abend geworden, spricht der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Rufe die Arbeiter und zahle ihnen den Lohn, anfangend von den Letzten bis zu den Ersten. Und als die von der elften Stunde kamen, bekamen sie je einen Denar. Als aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie bekamen je einen Denar. Als sie aber den bekamen, murreten sie wider den Hausherrn, sagend: Diese Letzten haben eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir die Last des Tages und die Hitze getragen haben. Er aber antwortete und sprach zu Einem von ihnen: Freund, ich tue dir nicht Unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen? Nimm das Deine, und gehe hin! Ich will aber diesem Letzten geben, wie auch dir. Steht es mir nicht frei, mit dem Meinigen zu tun, was ich will? Ist dein Auge böse, weil ich gütig bin? Also werden die Letzten Erste, und die Ersten Letzte sein. Denn Viele sind Berufene; aber Wenige sind Auserwählte. Und als Jesus nach Jerusalem hinaufging, nahm Er auf dem Wege die zwölf Jünger besonders und sprach zu ihnen: Siehe! wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überliefert werden; und sie werden Ihn zum Tode verurteilen, und werden Ihn den Nationen überliefern, um Ihn zu verspotten und zu geißeln und zu kreuzigen; und am dritten Tage wird Er auferstehen. Zu der Zeit trat zu Ihm die Mutter der Söhne Zebedäi mit ihren Söhnen, huldigte Ihm, und begehrte Etwas von Ihm. Er aber sprach zu ihr: Was willst du? Sie sagt zu Ihm: Sprich, daß diese meine zwei Söhne, einer zu Deiner Rechten und einer zu Deiner Linken in Deinem Reich sitzen mögen. Jesus aber antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, was ihr begehret; könnt ihr den Kelch trinken, den Ich trinken werde, oder mit der Taufe getauft werden, womit Ich getauft werde? Sie sagen zu Ihm: Wir können es. Und Er spricht zu ihnen: Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, und mit der Taufe, womit ich getauft werde, werdet ihr getauft werden; das Sitzen aber zu Meiner Rechten und zu Meiner Linken, steht nicht bei Mir zu geben, sondern denen, für welche es von Meinem Vater bereitet ist. Und als es die Zehn hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder. Jesus aber rief sie zu Sich und sprach: Ihr wisset, daß die Obersten der Nationen über diese herrschen, und die Großen Gewalt über sie üben. Unter euch soll es nicht also sein; sondern wer irgend unter euch groß werden will, sei euer Diener; und wer irgend unter euch der Erste sein will, sei euer Knecht; gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern daß Er diene, und Sein Leben zu einem Lösegeld für Viele gebe. Und als sie von Jericho ausgingen, folgte Ihm eine große Volksmenge. Und siehe! zwei Blinde, als sie, am Wege sitzend, hörten, daß Jesus vorbeigehe, riefen, sagend: Erbarme Dich unser, Herr, Sohn Davids! Die Volksmenge aber bedräuete sie, daß sie schweigen sollten. Sie aber riefen noch mehr, sagend: Erbarme Dich unser, Herr, Sohn Davids! Und Jesus blieb stehen und rief ihnen, und sprach: Was wollt ihr, daß ich euch tun soll? Sie sagen zu Ihm: Herr, daß unsere Augen aufgetan werden! Jesus aber, innerlich bewegt, rührte ihre Augen an; und alsbald sahen ihre Augen, und sie folgten Ihm nach.


21.


Und als sie Jerusalem naheten und nach Bethphage an den Ölberg kamen, da sandte Jesus zwei Jünger, zu ihnen sagend: Gehet hin in das Dorf, welches euch gegenüber liegt, und alsbald werdet ihr eine Eselin angebunden, und ein Füllen bei ihr finden; löset sie und führet sie zu Mir. Und wenn Jemand zu euch etwas sagen wird, so sollt ihr sprechen. Der Herr hat dieselben nötig, - alsbald schickt er sie. Dieses Alles aber ist geschehen, damit erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist, sagend: "Sprechet zu der Tochter Zion: Siehe! dein König kommt zu dir, sanftmütig, und sitzend auf einer Eselin und auf einem Füllen, des Lasttiers Jungen". - Als aber die Jünger hingegangen waren, und getan hatten, wie es ihnen Jesus aufgetragen, brachten sie die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider auf dieselben, und Er setzte sich darauf. Und eine sehr große Volksmenge breitete ihre Kleider auf den Weg; Andere aber schnitten Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg. Die Volksmenge aber, welche vorging und nachfolgte, rief, sagend: Hosanna, dem Sohne Davids! Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe! Und als Er in Jerusalem hineingekommen war, ward die ganze Stadt bewegt, sagend: Wer ist Dieser? Die Volksmenge aber sagte: Dieser ist Jesus, der Prophet, der von Nazareth in Galiläa. Und Jesus trat ein in den Tempel Gottes, und trieb alle die Verkaufenden und Kaufenden im Tempel hinaus, und die Tische der Wechsler und die Stühle derer, welche die Tauben verkauften, stieß Er um. Und Er spricht zu ihnen: Es steht geschrieben. "Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden; ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht." Und es traten Blinde und Lahme zu Ihm in den Tempel, und Er heilte sie. Als aber die Hohenpriester und die Schriftgelehrten die wunderbaren Dinge sahen, die Er tat, und die Kinder, welche im Tempel riefen und sagten: Hosanna, dem Sohne Davids! - wurden sie unwillig und sagten zu Ihm: Hörst Du, was diese sagen? Jesus aber spricht zu ihnen: Ja, habt ihr nie gelesen: "Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast Du Lob zugerichtet?" Und sie verlassend, ging Er hinaus, außerhalb der Stadt, nach Bethanien, und übernachtete daselbst. Des Morgens früh aber, als Er nach der Stadt zurückkehrte, hungerte Ihn. Und als Er einen Feigenbaum auf dem Wege sah, ging Er darauf zu, und fand nichts darauf, als allein Blätter. Und Er spricht zu ihm: Nimmermehr komme von dir Frucht in Ewigkeit! Und auf der Stelle verdorrte der Feigenbaum. Und als es die Jünger sahen, verwunderten sie sich, sagend: Wie ist der Feigenbaum so auf der Stelle verdorrt! Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, Ich sage euch, wenn ihr Glauben habet und nicht zweifelt, werdet ihr nicht allein das mit dem Feigenbaum tun, sondern, wenn ihr auch zu diesem Berge sagen werdet: "Sei aufgehoben und in das Meer geworfen!" - so wird es geschehen. Und Alles, was ihr irgendwie im Gebet glaubend fordert, werdet ihr empfangen. Und als Er in den Tempel kam, traten, während Er lehrte, die Hohenpriester und die Ältesten des Volks zu Ihm, sagend: In welchem Recht tust Du Dieses? und wer hat Dir dieses Recht gegeben? Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch eine Sache fragen, und wenn ihr es Mir saget, so will Ich euch auch sagen, in welchem Recht Ich Dieses tue. Die Taufe Johannis, woher war sie? vom Himmel oder von Menschen? Sie aber überlegten bei sich, sagend: Wenn wir sagen: Vom Himmel, - so wird Er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt? Wenn wir aber sagen. Von Menschen, - wir fürchten die Volksmenge; denn Alle halten den Johannes für einen Propheten. Und sie antworteten Jesu und sagten: Wir wissen es nicht. da sagte auch Er zu ihnen: So sage Ich euch auch nicht, in welchem Recht Ich Dieses tue. Was dünkt euch aber? Ein Mensch hatte zwei Kinder. Und er trat hin zu dem ersten und sprach: Kind, gehe hin, arbeite heute in meinem Weinberge. Er aber antwortete und sprach: Ich will nicht! Darnach aber gereute es ihn und er ging hin. Und er trat hin zu dem zweiten und sprach gleich also. Der aber antwortete und sprach: Ich gehe, Herr! Und er ging nicht. Welcher von den Beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sagen zu Ihm: Der Erste. Jesus sagt zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, die Zöllner und die Huren gehen euch vor in das Reich Gottes. Denn Johannes ist im Wege der Gerechtigkeit zu euch gekommen, und ihr glaubtet ihm nicht; die Zöllner aber und die Huren glaubten ihm. Ihr aber, - als ihr es sahet, gereute es euch darnach nicht, um ihm zu glauben. Höret ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, welcher einen Weinberg pflanzte, und einen Zaun darum setzte, und eine Kelter darin grub, und einen Turm baute; und er tat ihn aus an Ackerbauer und reiste außer Landes. Als aber die Zeit der Früchte nahte, schickte er seine Knechte zu den Ackerbauern, um die Früchte desselben zu empfangen. Und die Ackerbauer nahmen seine Knechte; einen schlugen sie, einen andern töteten sie, einen andern steinigten sie. Wiederum schickte er andere Knechte, mehr als die ersten, und sie taten ihnen ebenso. Am letzten aber schickte er seinen Sohn zu ihnen, sagend. Sie werden sich vor meinem Sohne scheuen. Als aber die Ackerbauer den Sohn sahen, sprachen sie unter einander: Dieser ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen. Und sie nahmen ihn, warfen ihn aus dem Weinberge und töteten ihn. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Ackerbauern tun? Sie sagen zu Ihm: Er wird jene Bösewichter übel verderben, und den Weinberg wird er an andere Ackerbauer austun, die ihm die Früchte zu ihren Zeiten abgeben werden. Spricht Jesus zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden; dieses ist vom Herrn geschehen, und es ist wunderbar in unsern Augen?" Deswegen sage Ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, welche dessen Früchte bringen wird. Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; Den aber, auf welchen er fällt, wird er zermalmen. Und als die Hohenpriester und Pharisäer Seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, daß Er von ihnen rede. Und sie suchten Ihn zu greifen, fürchteten aber die Volksmenge, denn sie hielt Ihn für einen Propheten. -


22.


Und Jesus antwortete und redete wiederum zu ihnen in Gleichnissen, sagend: Das Königreich der Himmel ist verglichen worden einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte. Und er schickte seine Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu rufen, und sie wollten nicht kommen. Wiederum schickte er andere Knechte aus, sprechend: Saget den Geladenen, siehe! mein Mahl habe ich zugerichtet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und Alles ist bereit; - kommt zur Hochzeit! Sie aber achteten es nicht und gingen weg; der Eine auf seinen Acker, der Andere an seinen Handel. Die Übrigen aber griffen seine Knechte, beschimpften und töteten sie. Als es aber der König hörte, erzürnte er. Und er sandte seine Heere aus, brachte jene Mörder um, und steckte ihre Stadt in Brand. Dann sagt er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit; aber die Geladenen waren nicht würdig. So gehet denn hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und so Viele ihr immer findet, ladet zur Hochzeit! Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen, und brachten zusammen Alle, so Viele sie fanden, sowohl Schlechte als auch Gute. - Und die Hochzeit war mit Tischgästen gefüllt. Als aber der König herein kam, die Tischgäste zu besehen, sah er daselbst einen Menschen, nicht bekleidet mit einem Hochzeitskleide. Und er spricht zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen, da du doch kein Hochzeitskleid hast? Er aber verstummte. Da sprach der König zu den Dienern: Bindet seine Füße und Hände; nehmt ihn und werft ihn in die äußere Finsternis, da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. Denn Viele sind Berufene, aber Wenige Auserwählte. Zu der Zeit gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie Ihn in der Rede in eine Falle lockten. Und sie schickten ihre Jünger mit den Herodianern zu ihm, sagend: Lehrer, wir wissen, daß Du wahrhaftig bist, und den Weg Gottes in Wahrheit lehrest, und daß Du Dich um Niemanden kümmerst; denn Du achtest nicht das Ansehen der Menschen. Sage uns nun, was denkest Du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder nicht? Jesus aber, ihre Bosheit kennend, sprach: Was versuchet ihr Mich, Heuchler? Zeigt Mir die Münze der Steuer! Sie aber brachten Ihm einen Denar. Und Er sagt zu ihnen: Wessen ist dies Bild und die Aufschrift? Sie sagen zu Ihm: Des Kaisers. Da spricht Er zu ihnen: So bezahlet denn dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Und als sie das hörten, verwunderten sie sich, und, Ihn verlassend, gingen sie weg. An jenem Tage traten Sadducäer zu Ihm, welche sagen: es sei keine Auferstehung, und fragten Ihn, sagend: Lehrer! Moses hat gesagt: Wenn Jemand stirbt und keine Kinder hat, so soll sein Bruder sein Weib nach dem Rechte der Verwandtschaft heiraten, und er soll seinem Bruder Samen erwecken. Es waren aber bei uns sieben Brüder. Und der Erste verheiratete sich und starb. Und weil er keinen Samen hatte, hinterließ er sein Weib seinem Bruder. Desgleichen auch der Zweite und der Dritte, bis auf den Siebenten. Am letzten aber von Allen starb auch das Weib. In der Auferstehung nun, wessen Weib unter den Sieben wird sie sein? denn Alle hatten sie. Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irret, weil ihr die Schriften nicht kennet, noch die Kraft Gottes; denn in der Auferstehung heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet; sondern wie Engel Gottes sind sie im Himmel. Was aber die Auferstehung der Toten betrifft, habt ihr nicht gelesen, was euch geredet ist von Gott, welcher spricht: "Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?" Gott ist nicht der Gott der Toten, sondern der Lebendigen. Und als die Volksmenge dies hörte, erstaunte sie über Seine Lehre. Die Pharisäer aber, als sie hörten, daß Er die Sadducäer zum Schweigen gebracht hatte, versammelten sie sich allesamt. Und Einer aus ihnen, ein Gesetzgelehrter, fragte, Ihn versuchend und sagend: Lehrer! Welches ist das große Gebot in dem Gesetz? Jesus aber sprach zu ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand." Dieses ist das erste und das große Gebot. Das zweite aber, ihm gleich, ist: "Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst." An diesen zwei Geboten hangen das ganze Gesetz und die Propheten. Als aber die Pharisäer zusammen waren, fragte sie Jesus, sagend: Was denket ihr über den Christus? wessen Sohn ist Er? - Sie sagen zu Ihm: Des David. Spricht Er zu ihnen: Wie nennt David Ihn denn im Geiste "Herr", sagend: "Der Herr sprach zu Meinem Herrn: Setze Dich zu Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde zum Schemel Deiner Füße lege?" Wenn also David Ihn "Herr" nennt, wie ist Er Sein Sohn? Und Niemand konnte Ihm ein Wort antworten; noch wagte Jemand von jenem Tage an, Ihn ferner zu befragen.


23.


Zu der Zeit redete Jesus zu der Volksmenge und zu Seinen Jüngern, sagend: Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf den Stuhl Mosis gesetzt. Alles nun, was sie euch irgendwie sagen zu halten, das haltet und tut. Nach ihren Werken aber tut nicht; denn sie sagen, und tun es nicht. Denn sie binden schwere und schwer zu tragende Lasten, und legen sie auf die Schultern der Menschen; aber mit ihrem eigenen Finger wollen sie dieselben nicht bewegen. Alle ihre Werke aber tun sie, um sich vor den Menschen sehen zu lassen. Sie machen aber ihre Denkzettel breit, und die Säume ihrer Kleider groß; und sie lieben den ersten Platz bei den Mahlzeiten, und die ersten Sitze in den Synagogen, und die Grüße auf den Märkten, und von den Menschen "Rabbi, Rabbi" genannt zu werden. Ihr aber, lasset ihr euch nicht "Rabbi" nennen; denn Einer ist euer Lehrmeister, der Christus; ihr Alle aber seid Brüder. Ihr sollt auch niemand auf der Erde euren Vater nennen; denn Einer ist euer Vater, der in den Himmeln ist. Werdet auch nicht Lehrmeister genannt, denn Einer ist euer Lehrmeister: der Christus. Der Größere unter euch soll euer Diener sein. Jeder aber, der sich selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und Jeder, der sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! weil ihr das Königreich der Himmel vor den Menschen verschließet; denn ihr gehet nicht ein, noch lasset ihr die Eingehenden eingehen. Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! denn ihr verschlinget die Häuser der Witwen und haltet zum Vorwand lange Gebete; deswegen werdet ihr schwereres Gericht empfangen. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! denn ihr umziehet das Meer und das Trockene, um Einen Proselyten zu machen; und wenn er es geworden, macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, zwiefältig mehr, als ihr seid. Wehe euch, blinde Leiter! die ihr saget: Jedweder, welcher bei dem Tempel schwört, das ist nichts; Jedweder aber, welcher bei dem Golde des Tempels schwört, der ist schuldig. Narren und Blinde! Denn was ist größer, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt? Und: Jedweder, der bei dem Altar schwört, das ist nichts; Jedweder aber, der bei der Gabe schwört, welche darauf ist, der ist schuldig. Narren und Blinde! Denn was ist größer, die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiligt? Wer nun bei dem Altar schwört, der schwört bei demselben und bei Allem, was darauf ist. Und wer bei dem Tempel schwört, der schwört bei demselben und bei Dem, der darinnen wohnt. Und wer bei dem Himmel schwört, der schwört bei dem Throne Gottes, und bei Dem, der darauf sitzt. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Krausemünze und den Anis und den Kümmel, und lasset die wichtigern Dinge des Gesetzes dahinten: das Gericht, und die Barmherzigkeit, und den Glauben. Dieses sollte man tun und Jenes nicht lassen. Blinde Leiter! die ihr die Mücke seiget, das Kamel aber verschlucket. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr reiniget das Äußere des Bechers und der Schüssel, inwendig aber sind sie voll von Raub und Ungerechtigkeit. Blinder Pharisäer! Reinige zuerst das Inwendige des Bechers und der Schüssel, damit auch das Auswendige derselben rein werde. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleichet übertünchten Gräbern, die zwar von außen schön aussehen, inwendig aber sind sie voll Totengebeine und aller Unreinigkeit. Also scheinet auch ihr von außen zwar vor den Menschen gerecht; von innen aber seid ihr voll Heuchelei und Gesetzlosigkeit. Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr bauet die Gräber der Propheten und schmücket die Grabmäler der Gerechten, und saget: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, so wären wir an dem Blute der Propheten nicht ihre Teilhaber gewesen. Und so gebt ihr euch selbst Zeugnis, daß ihr Söhne Derer seid, welche die Propheten ermordet haben. Und ihr, erfüllet das Maß eurer Väter! Schlangen, Otternbrut! wie mögt ihr vor dem Gericht der Hölle entfliehen? Deswegen siehe! Ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und Etliche von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und Etliche von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln und werdet sie von Stadt zu Stadt verfolgen; daß alles gerechte Blut, vergossen auf der Erde, auf euch komme, von dem Blute Abels, des Gerechten, an, bis zum Blut des Zacharia, des Sohnes Barachiä, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet habt. Wahrlich, Ich sage euch: Alles Dieses wird auf dieses Geschlecht kommen. Jerusalem, Jerusalem! die du die Propheten tötest und Die, welche zu dir gesandt sind, steinigst, wie oft habe Ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel versammelt, und ihr habt nicht gewollt. Siehe! es wird euch euer Haus wüste gelassen. Denn Ich sage euch: Ihr werdet Mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sagt: "Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn!"


24.


Und Jesus trat heraus und ging von dem Tempel weg; und Seine Jünger traten herzu, um Ihm die Gebäude des Tempels zu zeigen. Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet ihr nicht alle diese Dinge? Wahrlich, Ich sage euch: es wird hier nicht ein Stein auf dem andern gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird. Als Er aber auf dem Ölberge saß, traten Seine Jünger zu Ihm besonders, sagend: Sage uns, wann dies geschehen wird? und was das Zeichen Deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters sein wird? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch Niemand verführe! Denn Viele werden unter Meinem Namen kommen, sagend: Ich bin der Christus! - und sie werden Viele verführen. Ihr werdet von Kriegen und Kriegsgerüchten hören; sehet, daß ihr nicht verstört werdet; denn dies Alles muß geschehen; aber das Ende ist noch nicht da. Denn es wird sich Nation wider Nation, und Königreich wider Königreich erheben, und es werden Hungersnot und Seuchen und Erdbeben an verschiedenen Orten sein. Dieses Alles aber ist der Anfang der Wehen. Dann werden sie euch in Drangsal über liefern und euch töten, und ihr werdet von allen Nationen gehasset werden um Meines Namens willen. Und dann werden Viele geärgert werden, und werden einander überliefern, und werden einander hassen. Und viele falsche Propheten werden aufstehen und Viele verführen. Und wegen des Überhandnehmens der Gesetzlosigkeit wird die Liebe Vieler erkalten. Wer aber bis an´s Ende ausharrt, - dieser wird errettet werden. Und dieses Evangelium des Reiches wird auf dem ganzen Erdkreise gepredigt werden allen Nationen zu einem Zeugnisse; - und dann wird das Ende kommen. Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, wovon durch Daniel, den Propheten, geredet ist, sehen werdet, stehend an heiligem Orte, (wer es lieset, der beachte es,) daß alsdann die, welche in Judäa sind, auf das Gebirge fliehen, wer auf dem Hause ist, nicht herab steige, um die Dinge aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Felde ist, nicht zurück kehre, um seine Kleider zu holen. Wehe aber den Schwangeren und den Säugenden in jenen Tagen. Betet aber, auf daß eure Flucht nicht im Winter, noch am Sabbath geschehe; denn alsdann wird eine große Drangsal sein, wie sie von Anfang der Welt, bis jetzt nicht gewesen ist, und auch nicht werden wird. Und würden jene Tage nicht verkürzt werden, so würde kein Fleisch gerettet werden; doch um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden. Wenn alsdann Jemand zu euch sagen möchte: Siehe, hier der Christus! oder: Hier! - glaubet nicht. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen, und werden große Zeichen geben und Wunder, so daß sie, wenn möglich, selbst die Auserwählten verführen würden. Siehe, Ich habe es euch zuvor gesagt! Wenn sie also zu euch sagen: "Siehe! Er ist in der Wüste!" - gehet nicht hinaus; - "siehe! in den Gemächern!" - glaubet nicht. Denn gleich wie der Blitz ausfährt vom Aufgang und scheinet bis zum Niedergang, also wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Denn wo irgend das Aas ist, da werden die Adler versammelt werden. Alsdann aber, nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden. Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen in dem Himmel erscheinen; und dann werden alle Stämme des Landes wehklagen, und sie werden den Sohn des Menschen sehen, kommend auf den Wolken des Himmels mit Macht und vieler Herrlichkeit. Und Er wird Seine Engel senden mit großem Posaunenschall, und sie werden versammeln Seine Auserwählten von den vier Winden, von den äußersten Enden der Himmel, bis zu ihren äußersten Enden. Lernet aber vom Feigenbaume das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden und das Laub hervor treibt, so wisset ihr, daß der Sommer nahe ist. Also auch ihr; wenn ihr alles Dieses sehet, wisset, daß es nahe an den Türen ist. Wahrlich, Ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles Dieses geschehen ist. Der Himmel und die Erde werden vergehen; Meine Worte aber vergehen nicht. Von jenem Tage aber und jener Stunde weiß Niemand, selbst nicht die Engel der Himmel, sondern Mein Vater allein. Aber gleichwie die Tage Noahs, also wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Denn gleichwie sie in den Tagen vor der Sündfluth waren: essend und trinkend, heiratend und verheiratend, bis an den Tag, wo Noah in den Kasten einging; und sie es nicht erkannten, bis die Sündfluth kam, und sie Alle hinwegnahm, - so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein. Dann werden zwei in dem Felde sein; - der Eine wird genommen, und der Andere gelassen. Zwei werden in der Mühle mahlen; - die Eine wird genommen, die Andere gelassen. Wachet also, denn ihr wisset nicht, zu welcher Stunde euer Herr kommt. Jenes aber erkennet: daß, wenn der Hausherr gewußt hätte, in welcher Wache der Dieb komme, so würde er wohl gewacht und nicht erlaubt haben, daß sein Haus durchgegraben würde. Deshalb auch ihr, seid bereit! Denn zu einer Stunde, die ihr nicht meinet, kommt der Sohn des Menschen. Wer ist nun der getreue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen zu rechter Zeit die Speise zu geben? Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, also tuend finden wird. Wahrlich, Ich sage euch: er wird ihn über seine ganze Habe setzen. Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verzieht zu kommen! - und wird anfangen, seine Mitknechte zu schlagen, und wird essen und trinken mit den Trunkenen, - so wird der Herr jenes Knechts an einem Tage kommen, wo er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn zerschneiden und ihm seinen Teil setzen mit den Heuchlern, da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.


25.


Zu der Zeit wird das Königreich der Himmel verglichen werden zehn Jungfrauen, welche ihre Lampen nahmen und ausgingen dem Bräutigam entgegen. Fünf aber von ihnen waren klug und fünf töricht. Die, welche töricht waren, nahmen ihre Lampen, und nahmen kein Öl mit sich. Die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen mit ihren Lampen. Als aber der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein. Um Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus ihm entgegen! Da standen jene Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen. Die Törichten aber sprachen zu den Klugen: Gebet uns von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen. Die Klugen aber antworteten, sagend: Nein, weil es für uns und euch nicht ausreichen möchte; gehet vielmehr zu den Krämern hin und kaufet für euch selbst. Als sie aber weggingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die, welche bereit waren, gingen mit ihm ein zu der Hochzeit; und die Tür ward verschlossen. Später aber kommen auch die andern Jungfrauen, sagend: Herr, Herr! Tue uns auf! Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht! Wachet also! denn ihr wisset weder den Tag, noch die Stunde. Denn gleichwie ein Mensch, der außer Landes reiste, seine eigenen Knechte rief, und ihnen seine Habe übergab. Und Einem gab er fünf Talente, Einem aber zwei, Einem aber eins; einem Jeglichen nach seiner eigenen Fähigkeit. Und er reiste alsbald außer Landes. Der aber, welcher die fünf Talente empfangen hatte, ging hin und handelte damit, und erwarb andere fünf Talente. Desgleichen auch, der die zwei hatte; auch er gewann andere zwei. Der aber das eine empfangen hatte, ging weg, grub in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn. Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte und hält Rechnung mit ihnen. Und es trat der herzu, welcher die fünf Talente empfangen hatte, und brachte fünf andere Talente, sagend: Herr! Fünf Talente hast du mir übergeben; siehe! fünf andere Talente habe ich dazu gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Wohl, du guter und treuer Knecht! Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen; gehe ein in die Freude deines Herrn! es trat aber auch herzu, der die zwei Talente empfangen hatte, und sprach: Herr! Zwei Talente hast du mir übergeben; siehe! andere zwei Talente habe ich dazu gewonnen. Sein Herr sprach zu ihm: Wohl, du guter und treuer Knecht! Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen; gehe ein in die Freude deines Herrn! Es trat aber auch der herzu, welcher das eine Talent empfangen hatte, und sprach: Herr! Ich kannte dich, daß du ein harter Mann bist, der du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast; und ich fürchtete mich, und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde. Siehe! Du hast das Deine. Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Du wußtest, daß ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe? So solltest du denn mein Geld den Wechslern gegeben haben; und wenn ich kam, hätte ich das Meine mit Wucher erhalten. Nehmet nun das Talent von ihm, und gebet es dem, der die zehn Talente hat; denn Jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird Überfluß haben; von Dem aber, der nicht hat, von ihm wird selbst, was er hat, genommen werden. Und den unnützen Knecht werfet hinaus in die äußere Finsternis; da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein. Wenn aber der Sohn des Menschen kommt in Seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit Ihm, dann wird Er auf dem Throne Seiner Herrlichkeit sitzen; und alle Nationen werden vor Ihm versammelt werden, und Er wird sie von einander scheiden, gleichwie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet. Und Er wird die Schafe zu Seiner Rechten stellen; die Böcke aber zu Seiner Linken. Dann wird der König denen zu Seiner Rechten sagen: Kommet her, Gesegnete Meines Vaters; ererbet das Reich, das euch von Gründung der Welt an bereitet ist! Denn ich hungerte, und ihr gabt Mir zu essen; Ich dürstete, und Ihr tränktet Mich; Ich war fremd, und ihr nahmt Mich auf, nackt, und ihr bekleidetet Mich; Ich war krank, und Ihr besuchtet Mich; Ich war im Gefängnis, und ihr kamet zu Mir. Dann werden Ihm die Gerechten antworten, sagend: Herr! Wann sahen wir Dich hungernd, und speisten Dich? oder dürstend, und tränkten Dich? Wann aber sahen wir Dich fremd, und nahmen Dich auf? oder nackt, und bekleideten Dich? Wann aber sahen wir Dich krank, oder im Gefängnis, und kamen zu Dir? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, Ich sage euch: Insofern ihr dieses einem der Geringsten dieser Meiner Brüder getan habt, habt ihr es Mir getan. Dann wird Er auch denen zu seiner Linken sagen: Gehet von Mir, Verfluchte! in das ewige Feuer, bereitet dem Teufel und seinen Engeln. Denn Ich hungerte, und ihr gabt Mir nichts zu essen; Ich dürstete, und ihr tränktet Mich nicht; Ich war fremd, und ihr nahmet Mich nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet Mich nicht; krank, und im Gefängnis, und ihr besuchtet Mich nicht. Dann werden auch sie Ihm antworten, sagend: Herr! Wann sahen wir Dich hungernd, oder dürstend, oder fremd, oder nackt, oder krank, oder im Gefängnis, und haben Dich nicht bedient? Dann wird Er ihnen antworten, sagend: Wahrlich, Ich sage euch: Insofern ihr es einem dieser Geringsten nicht getan, habt ihr es auch Mir nicht getan. Und diese werden hingehen in die ewige Pein; die Gerechten aber in das ewige Leben.


26.


Und es begab sich, als Jesus alle diese Reden vollendet hatte, sprach Er zu Seinen Jüngern: Ihr wißt, daß nach zwei Tagen das Passah ist; und der Sohn des Menschen wird überliefert, um gekreuzigt zu werden. Da versammelten sich die Hohenpriester und die Schriftgelehrten und die Ältesten des Volks an den Hof des Hohenpriesters, der Kajaphas hieß. Und sie hielten Rat, auf daß sie Jesum mit List griffen und Ihn töteten. Sie sagten aber: Nicht auf dem Feste, damit nicht ein Aufruhr unter dem Volke entstehe. Als aber Jesus zu Bethanien im Hause Simons, des Aussätzigen, war, trat ein Weib zu Ihm, die ein Alabaster-Fläschchen mit sehr kostbarer Salbe hatte, und sie goß es, als Er zu Tische lag, auf Sein Haupt aus. Als es aber Seine Jünger sahen, wurden sie unwillig, sagend: Wozu diese Verschwendung? Denn Dieses hätte um Vieles verkauft und den Armen gegeben werden können. Aber Jesus es wissend, sprach zu ihnen: Was macht ihr dem Weibe Mühe? denn sie hat ein gutes Werk an Mir getan; denn die Armen habt ihr allezeit bei euch; Mich aber habt ihr nicht allezeit. Denn indem sie diese Salbe über Meinen Leib geschüttet, hat sie es zu Meinem Begräbnis getan. Wahrlich, Ich sage euch, wo irgend in der ganzen Welt dieses Evangelium gepredigt wird, wird auch zu ihrem Andenken gesagt werden, was diese getan hat. Da ging Einer von den Zwölfen, genannt Judas, der Iskariot, hin zu den Hohenpriestern und sprach: Was wollt ihr mir geben, und ich werde Ihn euch überliefern? Sie aber stellten ihm dreißig Silberlinge fest. Und von da an suchte er Gelegenheit, um Ihn zu überliefern. An dem ersten Tage der ungesäuerten Brote aber traten die Jünger zu Jesu, zu Ihm sagend: Wo willst Du, daß wir Dir das Passah zu essen bereiten? Er aber sprach: Gehet in die Stadt zu Dem und Dem, und saget zu ihm: Der Lehrer sagt: Meine Zeit ist nahe; bei dir halte Ich mit Meinen Jüngern das Passah. Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen, und bereiteten das Passah. Als es aber Abend geworden war, legte Er Sich mit den Zwölfen zu Tische. Und während sie aßen, sprach Er: Wahrlich, Ich sage euch: Einer von euch wird Mich überliefern. Und sie wurden sehr betrübt, und fingen ein Jeder von ihnen an, zu Ihm zu sagen: Herr! Bin ich´s? Er aber antwortete und sprach: Der mit Mir die Hand in die Schüssel eintaucht, Dieser wird Mich überliefern. Der Sohn des Menschen geht zwar hin, wie von Ihm geschrieben ist; wehe aber jenem Menschen, durch welchen der Sohn des Menschen überliefert wird. Gut wäre es ihm, wenn jener Mensch nicht geboren wäre. Judas aber, der Ihn überlieferte, antwortete und sprach: Bin ich´s Rabbi? Er spricht zu ihm: Du hast es gesagt! Während sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, segnete, brach und gab es den Jüngern, und sprach: Nehmet, esset! Dies ist Mein Leib. Und Er nahm den Kelch und dankte, und gab ihnen denselben, sagend: Trinket Alle daraus! Denn dies ist Mein Blut des neuen Bundes, das für Viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. Ich sage euch aber: Ich werde von jetzt an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken, bis an jenem Tage, wann Ich es neu trinken werde mit euch in dem Reiche Meines Vaters. Und als sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus nach dem Ölberg. Da spricht Jesus zu ihnen: Ihr werdet euch Alle in dieser Nacht an Mir ärgern; denn es steht geschrieben: "Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden zerstreut werden." Nachdem Ich aber auferstanden sein werde, will Ich vor euch nach Galiläa gehen. Petrus aber antwortete und sprach zu Ihm: Wenn sich Alle an Dir ärgern, ich werde mich niemals ärgern. Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, Ich sage dir, daß du in dieser Nacht, ehe der Hahn krähet, Mich dreimal verleugnen wirst. Spricht Petrus zu Ihm: Selbst wenn ich mit Dir sterben müßte, werde ich Dich nicht verleugnen. Desgleichen sprachen auch alle Jünger. Da kommt Jesus mit ihnen an einen Ort, genannt Gethsemane, und spricht zu den Jüngern: Setzet euch hier, bis Ich hingehe und dort bete. Und Er nahm mit Sich den Petrus, und die zwei Söhne Zebedäi, und fing an betrübt und beängstigt zu sein. Dann spricht Er zu ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt bis zum Tode; bleibet hier und wachet mit Mir! Und Er ging ein wenig weiter und fiel auf Sein Angesicht, betend und sagend: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an Mir vorüber; doch nicht, wie Ich will, sondern wie Du. - Und Er kommt zu den Jüngern und findet sie schlafend, und spricht zu dem Petrus. Also nicht eine Stunde vermöget ihr mit Mir zu wachen? Wachet und betet, damit ihr nicht in die Versuchung hineingehet; der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Wiederum, zum zweiten Male ging Er hin und betete, sagend: Mein Vater, wenn dieser Kelch nicht von Mir vorübergehen kann, ohne daß Ich ihn trinke, so geschehe Dein Wille! Und als Er kommt, findet Er sie wiederum schlafend; denn ihre Augen waren beschwert. Und Er ließ sie, ging wiederum hin, betete zum dritten Male und sprach dasselbe Wort. Dann kommt Er zu Seinen Jüngern und spricht zu ihnen: So schlafet denn fort und ruhet aus! Siehe! die Stunde ist nahe gekommen, und der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder überliefert. Stehet auf, lasset und gehen; siehe! er ist nahe gekommen, der Mich überliefert. Und als Er noch redete, siehe! da kam Judas, Einer der Zwölfe, und mit ihm eine große Volksmenge von den Hohenpriestern und Ältesten des Volks mit Schwertern und Stöcken. Der aber, welcher Ihn überlieferte, gab ihnen ein Zeichen, sagend: Welchen ich küssen werde, der ist´s; Ihn greifet. Und alsbald trat er zu Jesu und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi! und küßte Ihn viel. Jesus aber sagte zu ihm: Freund, wozu bist du gekommen? Dann traten sie herzu und legten die Hände an Jesum und griffen Ihn. Und siehe! Einer von denen, die mit Jesu waren, streckte die Hand aus, zog sein Schwert, und schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das Ohr ab. Da spricht Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort; denn Alle, die das Schwert nehmen, werden durch´s Schwert umkommen. Meinest du, daß Ich nicht jetzt Meinen Vater bitten kann, und Er mir mehr als zwölf Legionen Engel stellen wird? Wie sollten denn die Schriften erfüllt werden, welche sagen, daß es also geschehen muß? Zu jener Stunde sprach Jesus zu der Volksmenge: Seid ihr wie gegen einen Räuber ausgezogen, mit Schwertern und Stöcken, Mich zu fangen? Täglich saß Ich bei euch, lehrend im Tempel, und ihr griffet Mich nicht. Dieses Alles aber ist geschehen, damit die Schriften der Propheten erfüllet würden. Da verließen Ihn die Jünger Alle und flohen. Die aber Jesum gegriffen hatten, führten Ihn weg zu Kajaphas, dem Hohenpriester, wo die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt waren. Petrus aber folgte Ihm von ferne bis an den Hof des Hohenpriesters; und in das Innere hineingehend, setzte er sich mit den Dienern, um das Ende zu sehen. Die Hohenpriester aber und die Ältesten und das ganze Synedrium suchten falsches Zeugnis wider Jesum, um Ihn zu töten. Und sie fanden keins. Und obschon viele falsche Zeugen herzukamen, fanden sie keins. Zuletzt aber traten zwei falsche Zeugen herzu und sprachen: Dieser sagte: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in dreien Tagen ihn aufbauen. Und der Hohenpriester stand auf und sagte zu Ihm: Antwortest Du nichts? Was zeugen Diese wider Dich? Jesus aber schwieg. Und es antwortete der Hohenpriester und sprach zu Ihm: Ich beschwöre Dich bei dem lebendigen Gott, daß Du uns sagest: ob Du der Christus seiest, der Sohn Gottes! Spricht Jesus zu ihm: Du hast es gesagt. Doch sage Ich euch: Von jetzt an werdet ihr den Sohn des Menschen sehen, sitzend zur Rechten der Macht und kommend auf den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohepriester seine Kleider, sagend: Er hat gelästert! Was bedürfen wir noch Zeugen! Siehe, jetzt habt ihr Seine Lästerung gehört. Was dünket euch? Sie aber antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig! Dann spieen sie Ihm in Sein Angesicht und gaben Ihm Faustschläge. Etliche aber gaben Ihm Backenstreiche, sagend: Weissage uns, Christe! wer ist es, der Dich schlug? Petrus aber saß draußen in dem Hofe; und es trat eine Magd zu ihm, sagend: Auch du warst mit Jesu, dem Galiläer. Er aber leugnete vor Allen, sagend: Ich weiß nicht, was du sagst. Als er aber in das Tor hinausging, sah ihn eine andere, und sie sagt zu denen, die da waren: Auch dieser war mit Jesu, dem Nazaräer. Und wiederum leugnete er mit einem Schwur: Ich kenne den Menschen nicht! Kurz nachher aber traten die Dastehenden hinzu und sagten zu dem Petrus: Wahrhaftig, auch du bist von ihnen, denn selbst deine Sprache macht dich offenbar. Da fing er an zu fluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht! - Und alsbald krähte der Hahn. Und Petrus erinnerte sich der Rede Jesu, als Er zu ihm sagte: Bevor der Hahn kräht, wirst du Mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.


27.


Als es aber Morgen geworden, hielten alle Hohenpriester und die Ältesten des Volks einen Rat wider Jesum, um Ihn zu töten. Und nachdem sie Ihn gebunden hatten, führten sie Ihn weg und überlieferten Ihn dem Pontius Pilatus, dem Landpfleger. Als nun Judas, der Ihn überliefert hatte, sah, daß Er verurteilt ward, da gereute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten zurück, sagend: Ich habe gesündigt, daß ich schuldloses Blut überliefert habe. Sie aber sagten: Was geht das uns an? siehe du zu. Und er warf die Silberlinge in dem Tempel nieder und machte sich davon, und er ging hin und erhenkte sich. Die Hohenpriester aber nahmen die Silberlinge und sprachen: Es ist nicht erlaubt, sie in den Korban zu werfen, denn es ist Blutgeld. Sie hielten aber einen Rat, und kauften dafür den Acker des Töpfers zu einer Begräbnisstätte für Fremde. Deswegen ist jener Acker "Blutacker" geheißen, bis auf den heutigen Tag. Da ist erfüllt worden, was durch den Propheten Jeremias geredet ist, sagend: "Und ich nahm die dreißig Silberlinge, den Preis des Geschätzten, wofür die von den Kindern Israel Ihn schätzten; und sie gaben sie für den Acker des Töpfers, wie mir der Herr befohlen hat." Jesus aber stand vor dem Landpfleger. Und der Landpfleger fragte Ihn, sagend: Bist Du der König der Juden? Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst es. Und als Er vor den Hohenpriestern und Ältesten beschuldigt ward, antwortete Er nichts. Da sagt Pilatus zu Ihm: Hörest Du nicht, wie Vieles sie wider Dich zeugen? Und Er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort, so daß der Landpfleger sich sehr verwunderte. Auf dem Fest aber war der Landpfleger gewohnt, der Volksmenge einen Gefangenen frei zu geben, welchen sie wollte. Sie hatten aber damals einen berüchtigten Gegangenen, Namens Barabbas. Als sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Wen wollt ihr, daß ich euch losgeben soll? Barabbas oder Jesum, genannt Christus? denn er wußte, daß sie Ihn aus Neid überliefert hatten. Während er aber auf dem Richterstuhl saß, sandte sein Weib zu ihm, sagend: Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten; denn ich habe heute viel im Traume um Seinetwillen gelitten. Die Hohenpriester aber und die Ältesten überredeten die Volksmenge, daß sie um den Barabbas bäten, Jesum aber umbrächten. Der Landpfleger aber antwortete und sprach zu ihnen: Welchen von den Beiden wollt ihr, daß ich euch losgebe? Sie aber sagten: Den Barabbas. Spricht Pilatus zu ihnen: Was soll ich denn mit Jesu, genannt Christus, tun? Sie sagen Alle zu ihm: Er werde gekreuzigt! Der Landpfleger aber sagte: Was hat Er denn Böses getan? Sie aber schrieen übermäßig, sagend: Er werde gekreuzigt. Als aber Pilatus sah, daß er nichts ausrichtete, sondern vielmehr ein Tumult entsteht, nahm er Wasser, wusch seine Hände vor dem Volke, sagend: Ich bin schuldlos an dem Blute dieses Gerechten, sehet ihr zu. Und das ganze Volk antwortete und sprach: Sein Blut über uns und über unsere Kinder! Da gab er ihnen den Barabbas los, Jesum aber ließ er geißeln, und überlieferte Ihn, auf daß Er gekreuzigt würde. Dann nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesum mit sich zum Prätorium, und versammelten über Ihn die ganze Schar. Und sie zogen Ihn aus und legten Ihm einen Purpurmantel um. Und sie flochten eine Krone von Dornen und setzten sie Ihm auf Sein Haupt, und ein Rohr in Seine Rechte. Und sie fielen vor Ihm auf die Kniee und verspotteten Ihn, sagend: Sei gegrüßt, König der Juden! Und sie spieen Ihn an, nahmen das Rohr und schlugen auf Sein Haupt. Und als sie Ihn verspottet hatten, zogen sie Ihm den Mantel aus und zogen Ihm Seine eigenen Kleider an, und sie führten Ihn weg, um Ihn zu kreuzigen. Als sie aber hinausgingen, fanden sie einen Menschen von Cyrene, Namens Simon; diesen zwangen sie, daß er Sein Kreuz trug. Und als sie kamen an den Ort, genannt Golgatha, das ist genannt Schädelstätte, gaben sie Ihm Essig mit Galle vermischt zu trinken, und als Er es schmeckte, wollte Er nicht trinken. Als sie Ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie Seine Kleider, das Los werfend. Und sie saßen und bewachten Ihn daselbst. Und sie hefteten oben über Seinem Haupte Seine Beschuldigung, geschrieben: Dieser ist Jesus, der König der Juden. Dann werden zwei Räuber mit Ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken. Die aber, welche vorüber gingen, lästerten Ihn; schüttelten ihre Köpfe und sagten: Der Du den Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbauest, rette Dich selbst! Wenn Du Gottes Sohn bist, so steige vom Kreuze herab. Desgleichen aber verspotteten Ihn auch die Hohenpriester, samt den Schriftgelehrten und Ältesten, und sagten: Andere hat Er gerettet, Sich Selbst kann Er nicht retten. Wenn Er Israels König ist, so steige Er jetzt vom Kreuze herab, und wir wollen Ihm glauben. Er vertraute auf Gott, der rette Ihn jetzt, wenn Er ihn will; denn Er sagte: Ich bin Gottes Sohn. Auf dieselbe Weise schmähten Ihn auch die Räuber, die mit Ihm gekreuzigt waren. Aber von der sechsten Stunde an ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde. Aber um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme, sagend: "Eli, Eli, Lama, Sabachthani? - Das ist: Mein Gott! Mein Gott! warum hast Du Mich verlassen?" Als Etliche aber von denen, die da standen, es hörten, sagten sie: Dieser ruft den Elias! Und alsbald lief Einer von ihnen und nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und tränkte Ihn. Die Übrigen aber sagten: Halt, laßt uns sehen, ob Elias kommt, Ihn zu retten. Jesus aber schrie abermals mit lauter Stimme und gab den Geist auf. - Und siehe! Der Vorhang des Tempels zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen, und die Gräber wurden aufgetan, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt, und sie gingen nach Seiner Auferweckung aus den Gräbern, und gingen in die heilige Stadt und erschienen Vielen. Als aber der Hauptmann und die, welche mit ihm Jesum bewachten, das Erdbeben sahen und das, was geschah, fürchteten sie sich sehr, sagend: Wahrlich, Dieser war Gottes Sohn! Es waren daselbst viele Weiber, die von ferne zusahen, welche Jesu von Galiläa gefolgt waren und Ihm gedient hatten; unter welchen war Maria Magdalena, und Maria, die Mutter Jakobi und Josis, und die Mutter der Söhne Zebedäi. Als es aber Abend geworden war, kam ein reicher Mann von Arimathia, Namens Joseph, welcher auch ein Jünger Jesu war. Dieser ging hin zu dem Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, daß der Leib übergeben würde. Und Joseph nahm den Leib und wickelte ihn in reine Leinwand. Und er legte ihn in seine neue Gruft, welche er in dem Felsen ausgehauen hatte; und er wälzte einen großen Stein vor die Tür der Gruft, und ging weg. Es waren aber daselbst Maria Magdalena und die andere Maria, dem Grabe gegenüber sitzend. Aber an dem folgenden Tage, welcher nach dem Rüsttag ist, kamen die Hohenpriester und Pharisäer zusammen zu Pilatus, sagend: Herr! wir haben uns erinnert, daß Jener Verführer, als Er noch lebte, sagte: Nach drei Tagen stehe Ich auf! So befiehl nun, daß das Grab bis zum dritten Tage gesichert werde, damit nicht Seine Jünger kommen, Ihn stehlen, und dem Volke sagen: Er ist von den Toten auferstanden, - und die letzte Verführung ärger sein wird, als die erste. Pilatus aber sprach zu ihnen: Ihr habt eine Wache; gehet hin, sichert es, wie ihr wisset. Sie aber gingen hin, sicherten das Grab, indem sie den Stein versiegelten und eine Wache setzten.


28.


Aber spät am Ende des Sabbaths, in der Dämmerung des ersten Wochentages, kam Maria Magdalena und die andere Maria, um das Grab zu sehen. Und siehe! da geschah ein großes Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam aus dem Himmel hernieder, trat hinzu, wälzte den Stein von der Türe und setzte sich oben darauf. Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Kleid weiß wie Schnee. Aber aus Furcht vor ihm bebten die Hüter und wurden wie tot. Es antwortete aber der Engel und sprach zu den Weibern: Fürchtet ihr euch nicht! denn ich weiß, daß ihr Jesum, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier, denn Er ist auferstanden, wie Er sagte; kommet her, sehet die Stätte, wo der Herr lag; und gehet eilend hin und saget Seinen Jüngern, daß Er von den Toten auferweckt ist. Und siehe! Er gehet vor euch hin nach Galiläa; daselbst werdet ihr Ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt! - Und sie gingen schnell von der Gruft weg mit Furcht und großer Freude, und liefen, um es Seinen Jüngern zu erzählen. Als sie aber hingingen, um es Seinen Jüngern zu erzählen, siehe! da kam auch Jesus ihnen entgegen, sagend: Seid gegrüßt! Sie aber traten herzu, umfaßten Seine Füße und huldigten Ihm. Da spricht Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! gehet hin, verkündiget Meinen Brüdern, daß sie hingehen nach Galiläa, und daselbst werden sie Mich sehen. Als sie aber hingingen, siehe! da kamen Etliche von der Wache in die Stadt und berichteten den Hohenpriestern Alles, was geschehen war. Und sie versammelten sich mit den Ältesten und hielten einen Rat, und gaben den Soldaten viel Geld, sagend: Sprechet: Seine Jünger sind bei der Nacht gekommen und stahlen Ihn, während wir schliefen. Und wenn dieses dem Landpfleger zu Ohren kommt, werden wir ihn überreden, und machen, daß ihr ohne Sorge seid. - Sie aber nahmen das Geld und taten, wie sie unterrichtet waren. Und diese Rede ist bei den Juden durchs Gerücht verbreitet worden bis auf den heutigen Tag. Die elf Jünger aber gingen hin nach Galiläa an den Berg, wohin sie Jesus beschieden hatte. Und als sie Ihn sahen, huldigten sie Ihm; Einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, und redete mit ihnen, sagend: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf der Erde. Gehet also hin und machet alle die Nationen zu Jüngern, sie taufend auf den Namen des Vaters, und des Sohnes und des heiligen Geistes; sie lehrend, zu bewahren Alles, was ich euch geboten habe. Und siehe! ICH BIN bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters. Amen.



Das Evangelium Marci.


1.


Anfang des Evangeliums Jesu Christi, Sohnes Gottes; wie geschrieben steht in Jesaias, dem Propheten: "Siehe, Ich sende Meinen Boten vor Deinem Angesichte her, der Deinen Weg bereiten wird. Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet richtig Seine Steige!" Johannes kam, taufend in der Wüste, und predigend die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden. Und es ging zu ihm hinaus das ganze judäische Land und die von Jerusalem, und Alle wurden von ihm in dem Fluß Jordan getauft, ihre Sünden bekennend. Johannes aber war bekleidet mit Kamelhaaren und einem ledernen Gürtel um seine Lenden; und er aß Heuschrecken und wilden Honig. Und er predigte, sagend: Der stärker ist als ich, kommt nach mir, vor Dem ich nicht würdig bin, mich zu bücken, um Ihm die Riemen Seiner Sandalen aufzubinden. Ich habe euch mit Wasser getauft; Er aber wird euch mit dem Heiligen Geiste taufen. Und es geschah in jenen Tagen, daß Jesus von Nazareth in Galiläa kam und von Johannes an dem Jordan getauft ward. Und alsbald von dem Wasser heraufsteigend, sah Er die Himmel sich teilen, und den Geist, wie eine Taube, auf Ihn herniederfahren. Und eine Stimme geschah aus den Himmeln: "Du bist Mein geliebter Sohn, an welchem Ich Wohlgefallen gefunden habe." Und alsbald treibt der Geist Ihn hinaus in die Wüste. Und Er war daselbst in der Wüste vierzig Tage versucht vom Satan, und Er war unter den wilden Tieren; und die Engel dienten Ihm. Nachdem aber Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa, predigend das Evangelium des Reiches Gottes und sagend: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubet dem Evangelium! Als Er aber an dem Galiläischen See wandelte, sah Er Simon und Andreas, seinen Bruder, ein Netz in den See umherwerfend; denn sie waren Fischer. Und Jesus sprach zu ihnen: Kommet her, Mir nach! und Ich werde machen, daß ihr Fischer von Menschen werdet. Und alsbald ihre Netze verlassend, folgten sie Ihm nach. Und als Er von da etwas weiter ging, sah Er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, auch in einem Schiffe, die Netze ausbessernd. Und alsbald rief Er sie; und ihren Vater Zebedäus mit den Taglöhnern in dem Schiffe lassend, gingen sie weg Ihm nach. Und sie treten in Kapernaum hinein. Und alsbald an dem Sabbath ging Er in die Synagoge und lehrte. Und sie waren sehr erstaunt über Seine Lehre; denn Er lehrte sie, wie Gewalt habend, und nicht wie die Schriftgelehrten. Und es war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem unreinen Geist; und der schrie auf, sagend: Laß ab! was haben wir mit einander, Jesu, Nazarener? Bist Du gekommen, uns zu verderben? Ich kenne Dich, wer Du bist, der Heilige Gottes! Und Jesus bedrohte ihn, sagend: Verstumme, und fahre aus von ihm! Und es zerrte ihn der unreine Geist und rief mit lauter Stimme und fuhr aus von ihm. Und sie entsetzten sich Alle, so daß sie sich unter einander befragten, sagend: Was ist Dieses? Was ist dieses für eine neue Lehre? Denn mit Gewalt gebietet Er selbst den unreinen Geistern, und sie gehorchen Ihm. Und alsbald ging das Gerücht von Ihm aus in die ganze Umgegend von Galiläa. Und alsbald aus der Synagoge gehend, kamen sie in das Haus des Simon und Andreas, mit Jakobus und Johannes. Die Schwiegermutter des Simon aber lag am Fieber darnieder; und alsbald sagen sie Ihm von ihr. Und Er trat hinzu und richtete sie auf, ihre Hand ergreifend, und das Fieber verließ sie alsbald; und sie diente ihnen. Als es aber Abend geworden war, als die Sonne unterging, brachten sie zu Ihm alle die Siechen und die besessen waren. Und die ganze Stadt war an der Tür versammelt. Und Er heilte Viele, die sich an allerlei Krankheiten übel befanden; und trieb viele Teufel aus, und erlaubte den Teufeln nicht, zu reden, weil sie Ihn kannten. Und des Morgens früh, als es noch sehr Nacht war, stand Er auf und ging aus, und ging hin an einen wüsten Ort und betete daselbst. Und Simon und die bei Ihm waren, folgten Ihm. Und als sie Ihn gefunden, sagen sie zu Ihm: Alle suchen Dich. Und Er spricht zu ihnen: Laßt uns in die nächsten Flecken gehen, daß ich auch daselbst predige; denn dazu bin Ich ausgegangen. Und Er predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa, und trieb die Teufel aus. Und es kommt zu Ihm ein Aussätziger, Ihn bittend, und vor Ihm niederknieend, und zu Ihm sagend. Wenn Du willst, kannst Du mich reinigen! Jesus aber, innerlich bewegt, streckte die Hand aus, rührte ihn an und spricht zu ihm: Ich will, sei gereinigt! Und während Er redete, ging der Aussatz alsbald von ihm, und er war gereinigt. Und Er bedrohte ihn und schickte ihn alsbald fort, und spricht zu ihm: Siehe zu, daß du Niemandem etwas sagest; gehe aber hin, zeige dich dem Priester, und opfere für deine Reinigung, was Moses geboten, ihnen zu einem Zeugnis. Er aber, als er weggegangen war, fing an, es viel kund zu machen und die Sache auszubreiten, so daß Er nicht mehr öffentlich in die Stadt hineingehen konnte, sondern Er war draußen in wüsten Örtern; und sie kamen von allen Seiten zu Ihm.


2.


Und wiederum ging Er nach etlichen Tagen in Kapernaum hinein, und es ward ruchbar, daß Er im Hause sei. Und alsbald versammelten sich Viele, so daß selbst an der Tür nicht mehr Raum war; und Er redete zu ihnen das Wort. Und sie kommen zu Ihm, bringend einen Gichtbrüchigen, von Vieren getragen. Und da sie wegen der Volksmenge nicht nahe zu Ihm kommen konnten, deckten sie das Dach ab, wo Er war; und als sie es durchgegraben, ließen sie das Ruhebett hinab, worauf der Gichtbrüchige lag. Jesus aber, ihren Glauben sehend, spricht zu dem Gichtbrüchigen: Kind! Deine Sünden sind dir vergeben! Etliche aber von den Schriftgelehrten saßen daselbst, und gedachten in ihren Herzen: Warum redet dieser also Lästerungen? Wer kann Sünden vergeben, als nur Einer, Gott? Und alsbald erkannte Jesus in Seinem Geiste, daß sie also bei sich gedachten, und sprach zu ihnen: Warum gedenket ihr Dieses in euren Herzen? Was ist leichter, zu dem Gichtbrüchigen zu sagen: "Dir sind deine Sünden vergeben!" oder zu sagen: "Stehe auf! nimm dein Ruhebett und wandle?" Damit ihr aber wisset, daß der Sohn des Menschen Gewalt hat, auf der Erde Sünden zu vergeben - (spricht Er zu dem Gichtbrüchigen): Ich sage dir: Stehe auf, nimm dein Ruhebett und gehe nach deinem Hause! - Und er stand alsbald auf, nahm das Ruhebett und ging hinaus vor Allen, so daß sie Alle außer sich waren und Gott verherrlichten, sagend: Niemals haben wir es also gesehen! Und Er ging wiederum an dem See hin, und die ganze Volksmenge kam zu Ihm, und Er lehrte sie. Und vorübergehend, sah Er den Levi, den Sohn des Alphäus, am Zollhause sitzen, und spricht zu ihm: Folge Mir nach! - Und er stand auf und folgte Ihm nach. Und es begab sich, als Er in seinem Hause zu Tische lag, daß sich auch viele Zöllner und Sünder mit Jesu und Seinen Jüngern zu Tische legten; denn es waren ihrer Viele, und sie folgten Ihm nach. Und als die Schriftgelehrten und die Pharisäer Ihn mit den Zöllnern und Sündern essen sahen, sprachen sie zu Seinen Jüngern: Warum ißt und trinkt Er mit den Zöllnern und Sündern? Und als es Jesus hörte, spricht Er zu ihnen: Die Starken bedürfen nicht eines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder. Und die Jünger Johannis und die Pharisäer fasteten; und sie kommen und sagen zu Ihm: Warum fasten die Jünger Johannis und die der Pharisäer; Deine Jünger aber fasten nicht? - Und Jesus sprach zu ihnen: Können die Söhne des Brautgemachs fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? So lange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten. Es werden aber Tage kommen, wo der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann an jenem Tage werden sie fasten. Niemand näht einen Flicklappen von ungewalktem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt der neue hineingesetzte Lappen vom alten ab, und der Riß wird schlimmer. Auch fasset Niemand jungen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der junge Wein die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche kommen um; sondern jungen Wein muß man in neue Schläuche fassen. Und es geschah, daß Er an dem Sabbath durch die Saaten ging, und Seine Jünger fingen an, im Gehen die Ähren abzupflücken. Und die Pharisäer sprachen zu Ihm: Siehe! warum tun sie an dem Sabbath, was nicht erlaubt ist? Und Er sprach zu ihnen. Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Not hatte und ihn hungerte und die bei ihm waren; wie er hineinging in das Haus Gottes, "in Abjathar des Hohenpriesters", und die Schaubrote aß (welche zu essen nicht erlaubt sind, als nur den Priestern), und gab auch denen, die mit ihm waren? Und Er sprach zu ihnen: Der Sabbath ward um des Menschen willen, nicht der Mensch um des Sabbaths willen. Also ist der Sohn des Menschen Herr auch des Sabbaths.


3.


Und Er ging wiederum in die Synagoge. Und es war daselbst ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand; und sie lauerten auf Ihn, ob Er ihn auf den Sabbath heilen würde, damit sie Ihn verklagen möchten. Und Er sagt zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Tritt hervor in die Mitte! Und Er spricht zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbath Gutes zu tun, oder Böses zu tun; das Leben zu retten, oder zu töten? - Sie aber schwiegen. Und Er blickte auf sie umher mit Zorn, betrübt über die Verstockung ihres Herzens, und sagt zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! - Und er streckte sie aus, und seine Hand war wieder hergestellt. Und die Pharisäer gingen alsbald hinaus und hielten Rat mit den Herodianern wider Ihn, wie sie Ihn umbrächten. Und Jesus entwich mit Seinen Jüngern nach dem See; und eine große Menge folgte Ihm von Galiläa und von Judäa und von Jerusalem und von Idumäa und von jenseit des Jordans, und Die aus der Gegend von Tyrus und Sidon, - eine große Menge, als sie gehört, welche Dinge Er tat, kam zu Ihm. Und Er sagte zu Seinen Jüngern, daß ein kleines Schiff für ihn in Bereitschaft bleiben sollte wegen der Volksmenge, damit sie Ihn nicht drängten. Denn Viele heilte Er, so daß sie Ihn überfielen, um Ihn anzurühren, Alle, welche Plagen hatten. Und die unreinen Geister, wenn sie Ihn sahen, fielen vor Ihm nieder und riefen, sagend: Du bist der Sohn Gottes! Und Er bedrohte sie sehr, daß sie Ihn nicht offenbar machten. Und Er steigt auf den Berg und ruft zu Sich, welche Er wollte; und sie kamen zu Ihm. Und Er bestellte Zwölfe, auf daß sie bei Ihm seien, und auf daß Er sie aussende, zu predigen, und Gewalt zu haben, die Krankheiten zu heilen und die Teufel auszutreiben; und Er gab dem Simon den Beinamen Petrus; und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, und Er gab ihnen den Beinamen Boanerges, das ist, Söhne des Donners; und Andreas, und Philippus, und Bartholomäus, und Matthäus, und Thaddäus, und Simon, den Kananiter, und Judas, den Iskariot, der Ihn auch überlieferte. Und sie kommen nach Hause. Und wiederum kommt eine Volksmenge zusammen, so daß sie selbst nicht das Brot essen konnten. Und als Seine Angehörigen es hörten, gingen sie hinaus, um Ihn zu fassen, denn sie sagten: Er ist außer sich. Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er hat den Beelzebub! und: durch den Obersten der Teufel treibt Er die Teufel aus. Und er rief sie zu Sich und sprach in Gleichnissen zu ihnen: Wie kann Satan Satan austreiben? Und wenn ein Reich wider sich selbst entzweit ist, so kann jenes Reich nicht bestehen. Und wenn ein Haus wider sich selbst entzweit ist, so kann jenes Haus nicht bestehen. Und wenn der Satan wider sich selbst aufsteht und entzweit ist, so kann er nicht bestehen, sondern hat ein Ende. Niemand kann in das Haus eines Starken hineingehen und den Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken bindet; und dann wird er sein Haus berauben. Wahrlich, Ich sage euch: Alle Sünden werden den Söhnen der Menschen vergeben, und alle Lästerungen, womit sie auch lästern mögen. Jedweder aber, der wider den Heiligen Geist lästert, hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewigem Gericht verfallen; - weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist. Es kommen nun Seine Mutter und Seine Brüder; und draußen stehend, schickten sie zu Ihm und riefen Ihn. Und die Volksmenge saß um Ihn herum; - sie sagten aber zu Ihm: Siehe! Deine Mutter und Deine Brüder draußen suchen Dich. Und Er antwortete ihnen sagen: Wer ist Meine Mutter oder Meine Brüder? - Und im Kreise umherblickend auf sie, welche um Ihn herum saßen, spricht Er: Siehe, Meine Mutter und Meine Brüder! Denn Jedweder, der den Willen Gottes tut, dieser ist Mein Bruder, Meine Schwester und Meine Mutter.


4.


Und wiederum fing Er am See an zu lehren. Und es versammelte sich eine große Volksmenge zu Ihm, so daß Er in das Schiff hineinstieg, um auf dem See zu sitzen; und die ganze Volksmenge war am See auf dem Lande. Und Er lehrte sie Vieles in Gleichnissen, und Er sprach zu Ihnen in Seiner Lehre: Höret! Siehe, der Sämann ging aus zu säen. Und es geschah beim Säen, fiel Etliches neben den Weg; und es kamen die Vögel und fraßen es auf. Anderes aber fiel auf das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte und es schoß sogleich auf, weil es nicht tiefe Erde hatte. Als aber die Sonne aufging, ward es verbrannt, und, weil es nicht Wurzel hatte, verdorrte es. Und Anderes fiel unter die Dornen; und es gingen die Dornen auf und erstickten es, und es gab keine Frucht. Und Anderes fiel auf die gute Erde und gab Frucht, die aufging und wuchs; und es trug eins dreißig-, und eins sechzig-, und eins hundertfältig. Und Er sagte: Wer Ohren hat zu hören, - höre! - Als Er aber allein war, fragten Ihn, die um Ihn waren, mit den Zwölfen um das Gleichnis. Und Er sagte zu ihnen: Euch ist gegeben, das Gleichnis des Reiches Gottes zu wissen. Jenen aber draußen geschieht Alles in Gleichnissen, damit sie sehend sehen und nicht vernehmen, und hörend hören und nicht verstehen, daß sie sich nicht zu irgend einer Zeit bekehren, und ihnen die Sünden vergeben werden." Und Er spricht zu ihnen: Fasset ihr dieses Gleichnis nicht? Und wie werdet ihr alle die Gleichnisse verstehen? Der Sämann sät das Wort. Diese aber sind es, die neben dem Wege sind, wo das Wort gesät wird, und alsbald, wenn sie es hören, der Satan kommt und das Wort wegnimmt, das in ihren Herzen gesät worden. Und Diese sind es gleicherweise, die auf das Steinige gesät sind; die, wenn sie das Wort hören, es alsbald mit Freuden aufnehmen. Und sie haben nicht Wurzel in sich selbst, sondern sind für eine Zeit; darnach, wenn Trübsal oder Verfolgung um des Wortes willen entsteht, so ärgern sie sich alsbald. Und Diese sind es, die unter die Dornen gesät werden; Diese sind es die das Wort hören, und die Sorgen dieses Zeitlaufs und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach den übrigen Dingen dringen ein und ersticken das Wort, und es kommt nicht zur Frucht. Und Diese sind es, die auf die gute Erde gesät sind; die das Wort hören und aufnehmen, und sie bringen Frucht; eins dreißig-, und eins sechzig-, und eins hundertfältig. Und Er sprach zu ihnen: Kommt die Lampe, daß sie unter den Scheffel oder unter das Bett gestellt werde? Ist es nicht, daß sie auf das Lampengestell gesetzt werde? Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird; es ist auch nichts versteckt, sondern daß es an den Tag komme. Wer Ohren hat zu hören, - höre! Und Er sprach zu ihnen: Sehet zu, was ihr höret! Mit welchem Maß ihr messet, wird euch gemessen werden; und es wird euch, den Hörenden, hinzugefügt werden. Denn Jedweder, der hat, dem wird gegeben werden; und wer nicht hat, von dem wird auch das, was er hat, genommen werden. Und Er sprach: Also ist das Reich Gottes, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land wirft, und schläft und steht auf Nacht und Tag, und der Same sprießt hervor und wächst, er weiß nicht wie. Denn die Erde bringt von sich selbst Frucht hervor; zuerst das Gras, dann die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre. Wenn aber die Frucht sich darbietet, so schickt er alsbald die Sichel; denn die Ernte ist da. Und Er sprach: Welchem sollen wir das Reich Gottes vergleichen? oder in welchem Gleichnis sollen wir es darstellen? Es ist gleichwie ein Senfkorn, welches, wenn es auf die Erde gesät wird, kleiner ist, als alle Samen auf der Erde; und wenn es gesät ist, aufgeht und größer wird, als alle Kräuter, und große Zweige macht, so daß unter seinem Schatten die Vögel des Himmels sich niederlassen können. - Und in vielen solchen Gleichnissen redete Er zu ihnen das Wort, je nachdem sie es hören konnten. Ohne Gleichnis aber redete Er nicht zu ihnen; aber Seinen Jüngern erklärte Er Alles besonders. Und an jenem Tage, als es Abend geworden, spricht Er zu ihnen: Laßt uns an das jenseitige Ufer fahren. Und die Volksmenge entlassend, nehmen sie Ihn, wie Er war, mit in das Schiff. Aber auch andere kleine Schiffe waren mit Ihm. Und es erhebt sich ein heftiger Sturmwind, und die Wellen schlugen in das Schiff, so daß es schon voll war. Und Er war im Hinterteil des Schiffes auf einem Kopfkissen eingeschlafen; und sie wecken Ihn auf und sagen zu Ihm: Lehrer! liegt Dir nichts daran, daß wir umkommen? Und Er stand auf, bedrohte den Wind und sprach zu dem See: Schweig! verstumme! - Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille. Und Er sprach zu ihnen: Warum seid ihr so furchtsam? Wie habt ihr keine Glauben? - Und sie fürchteten sich mit großer Furcht und sprachen untereinander: Was für Einer ist Dieser, daß der Wind und der See Ihm gehorchen! -


5.


Und sie kamen an das jenseitige Ufer des See´s in die Gegend der Gadarener. Und als Er aus dem Schiff heraus stieg, begegnete Ihm alsbald aus den Gräbern ein Mensch mit einem unreinen Geist, welcher seine Wohnung in den Grabmälern hatte; und selbst mit Ketten vermochte Keiner ihn zu binden. Denn oft war er mit Fußfesseln und mit Ketten gebunden gewesen, und es waren die Ketten von ihm in Stücke gezogen und die Fesseln zerrieben worden; und Niemand konnte ihn bändigen. Und allezeit, Nacht und Tag, war er in den Grabmälern und auf den Bergen, schreiend und sich mit Steinen zerschlagend. Als er aber Jesum von ferne sah, lief er und huldigte Ihm. Und er rief mit lauter Stimme und sprach: Was haben wir mit einander, Jesu, Sohn Gottes, des Höchsten? Ich beschwöre Dich bei Gott, daß Du mich nicht quälest! - Denn Er sagte ihm: Fahre aus, du unreiner Geist, aus dem Menschen! - Und Er fragte ihn: Was ist dein Name? - Und er spricht zu Ihm: Legion ist mein Name; denn unser sind Viele. - Und Er bat ihn sehr, Er möge sie nicht aus der Gegend fortschicken. Es war aber daselbst, neben dem Gebirge weidend, eine große Herde Schweine. Und es baten Ihn die Teufel, sagend: Schicke uns in die Schweine, daß wir in sie hineinfahren! - Und Jesus erlaubte es ihnen sofort. - Und die unreinen Geister fuhren aus und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See. - Es waren aber bei zwei Tausend, und sie ersoffen in dem See. Die aber, welche sie weideten, flohen, und erzählten es in der Stadt und auf dem Lande; und sie kamen heraus, um zu sehen, was geschehen war. Und sie kommen zu Jesu und sehen den Besessenen, den, der die Legion gehabt hatte, sitzen, bekleidet und vernünftig; und sie fürchteten sich. Und die, welche es gesehen hatten, erzählten ihnen, wie es dem Besessenen ergangen war, und das, was die Schweine betraf. Und sie fingen an, Ihm zuzureden, Er möge von ihren Grenzen weggehen. Und als Er in das Schiff stieg, bat Ihn der Besessene, daß er bei Ihm bleiben dürfe. Und Er ließ es ihm nicht zu, sondern sagt zu ihm: Gehe nach deinem Hause zu den Deinen, und verkündige ihnen, welche Dinge der Herr an dir getan und sich deiner erbarmet hat. Und er ging weg und fing an, in der Gegend von Dekapolis zu verkündigen, was Jesus an ihm getan hatte. - Und Alle verwunderten sich. Und als Jesus wiederum in dem Schiff an das jenseitige Ufer übergefahren war, versammelte sich eine große Volksmenge zu Ihm; und Er war an dem See. Und siehe! Es kommt einer der Vorsteher der Synagogen, mit Namen Jairus; und als er Ihn sieht, fällt er zu Seinen Füßen. Und er bat ihn sehr, sagend: Mein Töchterlein liegt in den letzten Zügen; ich bitte Dich, daß Du kommest und legest die Hände auf sie, daß sie geheilt werde; und sie wird leben. Und Er ging mit ihm. Und es folgte Ihm eine große Volksmenge, und sie drängte Ihn. Und ein gewisses Weib, welches zwölf Jahr den Blutfluß gehabt, und von vielen Ärzten viel erlitten, und all´ ihre Habe verwendet, und keinen Nutzen davon gehabt hatte, sondern vielmehr schlimmer geworden war, kam, als sie von Jesu hörte, in der Volksmenge von hinten, und rührte Sein Kleid an. Denn sie sagte: Wenn ich auch nur Seine Kleider anrühre, so werde ich geheilt werden. Und alsbald vertrocknete der Quell ihres Blutes, und sie wußte an ihrem Leibe, daß sie von der Plage geheilt war. Und alsbald, da Jesus in Sich Selbst erkannte, daß die Kraft von Ihm ausging, wandte Er Sich in der Volksmenge um und sprach: Wer hat Meine Kleider angerührt? - Und Seine Jünger sagten zu Ihm: Du siehst, wie die Volksmenge Dich drängt, und Du sagst: Wer hat Mich angerührt? - Und Er blickte um Sich her, um sie zu sehen, welche dieses getan hatte. Das Weib aber, voll Furcht und Zittern, wissend, was ihr geschehen war, kam und fiel vor Ihm nieder und sagte Ihm die ganze Wahrheit. Er aber sprach zu ihr: Tochter! dein Glaube hat dich geheilt; gehe hin in Frieden, und sei gesund von deiner Plage! - Als Er noch redete, kommen sie von dem Vorsteher der Synagoge, sagend: Deine Tochter ist gestorben; was bemühst du den Lehrer noch? Jesus aber, als Er das Wort reden hörte, spricht alsbald zu dem Obersten der Synagoge: Fürchte dich nicht! Glaube nur! - Und Er erlaubte Niemandem, Ihm zu folgen, als dem Petrus und Jakobus und Johannes, dem Bruder Jakobi. - Und Er kommt in das Haus des Vorstehers der Synagoge und sieht das Getümmel, und die, welche sehr weinen und heulen. Und als Er hineingetreten, spricht Er zu ihnen: Warum lärmt und weinet ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft. - Und sie verlachten Ihn. Als Er aber Alle hinausgetrieben, nimmt Er den Vater und die Mutter des Kindes und die mit Ihm waren, und geht hinein, wo das Kind lag. Und des Kindleins Hand ergreifend, spricht er zu ihr: Talitha kumi! das ist verdolmetscht: Mädchen, (Ich sage dir) stehe auf! - Und alsbald stand das Mädchen auf und wandelte; denn es war zwölf Jahre alt. Und sie entsetzten sich über die Maßen. Und Er befahl ihnen dringend, daß dieses Niemand erführe; und sagte, man solle ihr zu essen geben.


6.


Und Er ging aus von dannen und kam in Sein Land; und Seine Jünger folgten Ihm nach. Und als es Sabbath war, fing Er an, in der Synagoge zu lehren, und Viele, welche zuhörten, erstaunten, sagend: Woher Diesem Solches? und was ist das für eine Weisheit, die Ihm gegeben ist, daß auch solche Wunderwerke durch Seine Hände geschehen? ist Dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria, und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? und sind nicht Seine Schwestern hier bei uns? - Und sie ärgerten sich an Ihm. - Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, als nur in seinem Lande und unter seinen Verwandten und in seinem Hause. Und Er konnte daselbst kein Wunderwerk tun, als nur, daß Er einigen Schwachen die Hände auflegte und sie heilte. Und Er verwunderte Sich über ihren Unglauben. Und Er ging durch die Dörfer ringsum und lehrte. Und Er ruft die Zwölfe zu Sich und fing an, sie je zwei und zwei auszusenden, und gab ihnen Gewalt über die unreinen Geister. Und Er gebot ihnen, nichts auf den Weg mitzunehmen, als allein einen Stab; keine Tasche, kein Brot, keine Münze in dem Gürtel; sondern sie sollten Sandalen untergebunden haben; und nicht zwei Röcke anziehen. Und Er sprach zu ihnen: Wenn ihr irgendwo in ein Haus hineingehet, bleibet daselbst, bis ihr von dannen weggehet. Und so Viele euch nicht aufnehmen, noch euch hören werden, von dannen gehet heraus, und schüttelt ihnen zum Zeugnis den Staub ab, der unter euren Füßen ist. Wahrlich Ich sage euch: Es wird Sodom oder Gomorra erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als jener Stadt. Und sie gingen aus und predigten, daß man Buße tun solle. Und sie trieben viele Teufel aus, und salbten viele Schwache mit Öl und heilten sie. Und der König Herodes hörte davon - denn es war Sein Name offenbar geworden - und sagte: Johannes der Täufer ist aus den Toten auferstanden, und deshalb werden die Wunderwerke von Ihm gewirkt. Andere sagten: Er ist Elias! Andere aber sagten: Er ist ein Prophet, wie einer von den Propheten! - Herodes aber hörte es und sagte: Es ist Johannes, den ich enthauptet habe; dieser ist aus den Toten auferstanden. Denn Herodes selbst hatte hingesandt und den Johannes gegriffen, und ihn in dem Gefängnis gebunden, um der Herodias willen, des Weibes seines Bruders Philippus; denn er hatte sie geheiratet. Denn Johannes sagte dem Herodes: Es ist dir nicht erlaubt, das Weib deines Bruders zu haben. Die Herodias aber hegte einen Groll wider ihn, und sie wollte ihn töten und konnte nicht. Denn Herodes fürchtete den Johannes, weil er ihn als einen gerechten und heiligen Mann kannte. Und er achtete auf ihn; und wenn er ihn hörte, tat er Vieles, und hörte ihn gern. Und als ein passender Tag kam, wo Herodes an seinem Geburtstage seinen Großen und Obersten über Tausend und den Ersten von Galiläa ein Abendmahl machte, und die Tochter dieser Herodias hereinkam und tanzte, und dem Herodes und den Gästen gefiel, - sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, und ich werde es dir geben! - Und er schwur ihr: Was du auch von mir bitten wirst, ich werde es dir geben bis zur Hälfte meines Reichs. Sie aber ging hinaus und sagte zu ihrer Mutter: Was soll ich bitten? Diese aber sagte: Den Kopf Johannis des Täufers. - Und sie ging alsbald mit Eile zu dem Könige hinein und bat, sagend: Ich will, daß du mir sofort auf einer Schüssel den Kopf Johannis des Täufers gebest. - Und obgleich der König sehr betrübt war, wollte er sie um der Eidschwüre und um der Tischgäste willen nicht zurückweisen. Und alsbald schickte der König einen Trabanten und befahl, seinen Kopf herzubringen. Der aber ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis. Und er brachte seinen Kopf auf einer Schüssel und gab ihn dem Mädchen; und das Mädchen gab ihn ihrer Mutter. Und als es seine Jünger hörten, kamen sie, trugen seinen Leib weg, und legten ihn in ein Grab. Und es versammelten sich die Apostel zu Jesu, und sie erzählten Ihm Alles, sowohl was sie getan, als auch was sie gelehrt hatten. Und Er sprach zu ihnen: Kommt ihr selbst an einen wüsten Ort besonders und ruhet ein wenig aus! - Denn es waren Viele, welche kamen und fortgingen, und sie fanden nicht einmal Muße, um zu essen. Und sie gingen hin an einen wüsten Ort in einem Schiffe besonders, und sie sahen Ihn wegfahren, und Viele erkannten Ihn, und liefen zu Fuß von allen Städten zusammen dort hin, und kamen ihnen zuvor und versammelten sich zu Ihm. Und als Jesus heraustrat, sah Er eine große Volksmenge, und wurde innerlich bewegt über sie; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben; und Er fing an, sie Vieles zu lehren. Und als es schon spät an der Zeit war, traten Seine Jünger zu Ihm und sagen: Der Ort ist wüste, und es ist schon spät an der Zeit; entlaß sie, damit sie hingehen in die Felder und Dörfer ringsum, und sich Brote kaufen; denn sie haben nichts zu essen. Er aber antwortete und sagte zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Und sie sagen zu Ihm: Sollen wir hingehen, damit wir für zweihundert Denare Brote kaufen und ihnen zu essen geben? Er aber spricht zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Gehet hin und sehet! - Und als sie es wußten, sagen sie: Fünf, und zwei Fische. Und Er befahl ihnen, daß sie sich Alle niedersetzen sollten, eine Gruppe neben der andern, auf das grüne Gras. Und sie lagerten sich in Abteilungen von je hundert und je fünfzig. Und Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf gen Himmel, segnete, und brach die Brote, und gab sie Seinen Jüngern, auf daß sie ihnen vorlegten; und die zwei Fische teilte Er unter Alle aus. Und sie aßen Alle und wurden gesättigt. Und sie hoben auf von Brocken zwölf Körbe voll, und von den Fischen. Und die, welche von den Broten gegessen hatten, waren fünf tausend Männer. Und alsbald nötigte Er Seine Jünger, in das Schiff zu steigen und auf das jenseitige Ufer nach Bethsaida vorzugehen, bis Er die Volksmenge entlassen haben würde. Und als Er sie verabschiedet hatte, ging Er hin auf den Berg, um zu beten. Und als es Abend geworden, war das Schiff mitten im See und Er allein auf dem Lande. Und Er sah sie beim Rudern Not leiden; denn der Wind war ihnen entgegen. Und um die vierte Nachtwache kommt Er zu ihnen, wandelnd auf dem See; und Er wollte an ihnen vorbeigehen. Sie aber, als sie Ihn auf dem See wandeln sahen, meinten, es sei ein Gespenst und schrieen auf; denn sie sahen Ihn Alle und waren bestürzt. Und alsbald redete Er mit ihnen und spricht zu ihnen: Seid gutes Mutes! ICH BIN, fürchtet euch nicht! Und Er stieg zu ihnen in das Schiff und der Wind legte sich. Und sie erstaunten sehr über die Maßen bei sich selbst und verwunderten sich; denn sie waren durch die Brote nicht verständig geworden, denn ihr Herz war verhärtet. Und als sie hinüber gefahren waren, kamen sie in das Land Genezareth und legten an. Und als sie aus dem Schiffe gestiegen waren, erkannten sie Ihn alsbald, und liefen in jener ganzen Umgegend umher und fingen an, die Siechen auf den Ruhebetten umher zu tragen, wo sie hörten, daß Er daselbst sei. Und wo Er irgend in Dörfer, oder Städte, oder Felder eintrat, legten sie auf den Marktplätzen die Kranken hin und baten Ihn, daß sie wenigstens den Zipfel Seines Kleides anrühren dürften. - Und wie Viele Ihn anrührten, wurden geheilt.


7.


Und es versammelten sich zu Ihm die Pharisäer und Etliche der Schriftgelehrten, die von Jerusalem gekommen waren. Und als sie Etliche Seiner Jünger mit unreinen, das ist ungewaschenen Händen, Brote essen sahen, - (denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie nicht oftmals die Hände waschen, weil sie die Satzung der Ältesten halten. Und wenn sie vom Markte kommen, essen sie nicht, es sei denn, daß sie sich waschen. Und viel Anderes ist, was sie zu halten überkommen haben: Waschungen der Becher und Krüge und ehernen Gefäße und der Tischlager;) - da fragen Ihn die Pharisäer und die Schriftgelehrten: Warum wandeln Deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Ältesten, sondern essen das Brot mit ungewaschenen Händen? - Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wohl hat Jesaias von euch Heuchlern geweissagt, wie geschrieben steht: "Dieses Volk ehret Mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist weit entfernt von Mir; vergeblich aber verehren sie Mich, lehrend als Lehren Menschengebote." Denn das Gebot Gottes lassend, haltet ihr die Überlieferung der Menschen: Waschungen von Krügen und Bechern; - und viele andere solcher ähnlichen Dinge tut ihr. Und Er sprach zu ihnen: Wohl hebet ihr das Gebot Gottes auf, auf daß ihr eure Überlieferung haltet. Denn Moses hat gesagt: Ehre deinen Vater und deine Mutter; und: "Wer Vater und Mutter flucht, soll des Todes sterben." Ihr aber sagt: Wenn Jemand zu dem Vater oder zu der Mutter sagt: Es ist "Korban", - das heißt Gabe, - Alles, wodurch du von mir Nutzen haben könntest; und ihr lasset ihn nichts mehr für seinen Vater oder seine Mutter tun, und machet das Wort Gottes ungültig durch eure Überlieferung, die ihr überliefert habt. Und dergleichen ähnliche Dinge tut ihr viel. Und als Er die ganze Volksmenge herzu gerufen hatte, sprach Er zu ihnen. Höret Mich Alle und verstehet! Es ist nichts, was von außerhalb des Menschen in denselben hineingeht, das ihn verunreinigen kann, sondern was von ihm herausgeht, dieses ist es, das den Menschen verunreinigt. Wer Ohren hat zu hören, - höre! Und als Er von der Volksmenge weg nach Hause kam, fragten Ihn Seine Jünger um das Gleichnis. Und Er spricht zu ihnen: Seid auch ihr also unverständig? Begreift ihr nicht, daß Alles, was von Außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht unrein machen kann? Denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch, und es geht heraus in den heimlichen Ort, reinigend alle Speisen. Er sagte aber: Das, was aus dem Menschen herausgeht, das verunreinigt den Menschen. Denn von Innen aus dem Herzen der Menschen gehen die bösen Gedanken hervor: Ehebruch, Hurerei, Mord, Dieberei, Geiz, Bosheiten, List, Ausschweifung, Schalksauge, Lästerung, Hochmut, Leichtfertigkeit. Alle diese bösen Dinge gehen von Innen heraus und verunreinigen den Menschen. Und Er machte sich von da auf und ging an die Grenzen von Tyrus und Sidon; und als Er in ein Haus trat, wollte Er, daß es Niemand wüßte; und Er konnte nicht verborgen sein. Denn ein Weib hatte von Ihm gehört, deren Töchterlein einen unreinen Geist hatte, und sie kam und fiel Ihm zu Füßen; - (das Weib aber war eine Griechin, eine Syro-Phönizierin von Geburt) - und bat Ihn, daß Er den Teufel von ihrer Tochter austreibe. Jesus aber sagte zu ihr: Laß zuerst die Kinder gesättigt werden; denn es ziemt sich nicht, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen. Sie aber antwortete und spricht zu Ihm: Ja, Herr! denn es essen ja auch die Hunde unter dem Tische von den Brosamen der Kinder. Und Er sagte zu ihr: Um dieses Wortes willen gehe hin; der Teufel ist von deiner Tochter ausgefahren. Und nach ihrem Hause hingehend, fand sie den Teufel ausgefahren, und die Tochter auf dem Bette liegen. Und von den Grenzen von Tyrus und Sidon wieder weggehend, kam Er an den Galiläischen See durch die Mitte der Grenzen von Dekapolis. Und sie bringen einen Tauben zu ihm, der schwer redete, und bitten Ihn, daß Er ihm die Hand auflege. Und Er nahm ihn von der Volksmenge hinweg besonders, und legte Seine Finger in seine Ohren, und Er spützte und rührte seine Zunge an; und, gen Himmel blickend, seufzte Er und spricht zu Ihm: Ephphatha! das ist: Sei geöffnet! Und alsbald waren seine Ohren geöffnet und das Band seiner Zunge war gelöst, und er redete recht. Und Er gebot ihnen, daß sie es Niemandem sagten; wie viel Er es ihnen aber gebot, desto mehr verkündeten sie es übermäßig. Und überaus erstaunten sie, sagend: Er hat Alles wohlgetan; Er macht beides, die Tauben hörend, und die Stummen redend.


8.


In jenen Tagen, als eine sehr große Volksmenge da war und nichts zu essen hatte, rief Er Seine Jünger zu Sich und spricht zu ihnen: Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge; denn schon drei Tage verweilen sie bei Mir und haben nichts zu essen. Und wenn Ich sie ohne Essen nach Hause entlasse, so werden sie auf dem Wege verschmachten; denn Etliche von ihnen sind weit hergekommen. Und Seine Jünger antworteten Ihm: Woher wird Jemand hier in der Wüstenei diese mit Broten sättigen können? Und Er fragte sie: wie viel Brote habt ihr? - Sie aber sagten: Sieben. - Und Er befahl der Volksmenge, sich auf die Erde zu lagern. Und Er nahm die sieben Brote, dankte, und brach sie und gab sie Seinen Jüngern, auf daß sie vorlegten; - und sie legten sie der Volksmenge vor. Auch hatten sie einige kleine Fische; und als Er gesegnet hatte, sagte Er, auch diese vorzulegen. - Sie aßen aber und wurden gesättigt, und sie hoben auf, was an Brocken übrig blieb - sieben Körbe. Die aber aßen, waren bei viertausend. Und Er entließ sie. Und alsbald stieg Er mit Seinen Jüngern in das Schiff und kam in die Gegenden von Dalmanutha. Und die Pharisäer gingen hinaus und fingen an, sich mit Ihm zu befragen; und Ihn versuchend, begehrten sie von Ihm ein Zeichen vom Himmel. Und tief in Seinem Geist seufzend, spricht Er: Warum verlangt dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, Ich sage euch, es wird diesem Geschlechte kein Zeichen gegeben werden. - Und Er ließ sie, stieg wieder in das Schiff und fuhr an das jenseitige Ufer. Und sie hatten vergessen, Brote mitzunehmen, und hatten nichts mit sich auf dem Schiffe, als nur ein Brot. Und Er ermahnte sie eindringlich, sagend: Sehet zu, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig Herodis! - Und sie überlegten untereinander, sagend: weil wir keine Brote haben. Und Jesus, es wissend, spricht zu ihnen: Warum überlegt ihr, weil ihr keine Brote habt? Nehmt ihr noch nichts wahr, und versteht auch nichts? Habt ihr noch euer Herz verhärtet? Augen habend, sehet ihr nicht? und Ohren habend, höret ihr nicht? Und erinnert ihr euch nicht? Als Ich die fünf Brote unter die fünftausend brach, wie viel Körbe voll Brocken hobt ihr auf? - Sie sagen zu Ihm: Zwölf: Als aber die Sieben unter die viertausend, wie viel Körbe, mit Brocken gefüllt, hobt ihr auf? - Sie aber sagten: Sieben. Und Er sprach zu ihnen: Wie verstehet ihr nicht? Und Er kommt nach Bethsaida, und sie bringen Ihm einen Blinden, und bitten Ihn, daß Er ihn anrühre. Und Er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus, außerhalb des Dorfes; und in seine Augen spützend, legte Er ihm die Hände auf und fragte ihn, ob er etwas sehe? Und aufblickend sprach er: Ich sehe die Menschen wie Bäume wandeln. Darauf legte Er wiederum die Hände auf seine Augen, und ließ ihn aufblicken, - und er war wieder hergestellt und sah alle Dinge deutlich. Und Er schickte ihn nach seinem Hause, sagend: Gehe nicht in das Dorf hinein, sage es auch Niemandem in dem Dorfe. Und Jesus ging hinaus und Seine Jünger nach den Dörfern bei Cäsarea Philippi. Und auf dem Wege fragte Er Seine Jünger, zu ihnen sagend: Wer sagen die Menschen, daß Ich sei? Sie aber antworteten: Johannes, der Täufer; - Andere: Elias; - Andere aber: Einer von den Propheten. - Und Er spricht zu ihnen: Wer sagt aber ihr, daß Ich sei? - Petrus aber antwortete und spricht zu Ihm: Du bist der Christus. - Und Er bedräuete sie, daß sie Niemandem von Ihm sagen sollten. Und Er fing an, sie zu lehren, daß der Sohn des Menschen Vieles leiden müsse, und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet werden, und nach drei Tagen auferstehen. - Und Er redete dieses Wort öffentlich. Und Petrus nahm Ihn zu sich und fing an, Ihn zu strafen. Er aber, Sich umwendend, und Seine Jünger ansehend, strafte den Petrus und spricht: Gehe hinter Mich, Satanas! denn du sinnest nicht auf das, was Gottes ist, sondern auf das, was der Menschen ist. - Und als Er die Volksmenge samt Seinen Jüngern zu Sich gerufen hatte, sprach Er zu ihnen: Wer Mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge Mir nach. Denn Jedweder, der sein Leben retten will, wird es verlieren; Jedweder aber, der sein eigenes Leben um Meinet- und des Evangeliums willen verliert, wird es erretten. Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne und seine Seele einbüßte? Oder, was wird ein Mensch für seine Seele als Lösegeld geben? Denn Jedweder, der sich Meiner und Meiner Worte unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlechte schämt, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn Er in der Herrlichkeit Seines Vaters mit den heiligen Engeln kommen wird.


9.


Und Er sprach zu ihnen: Wahrlich, Ich sage euch: Unter denen, die hier stehen, sind Etliche, welche den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes gesehen haben, gekommen in Macht. Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und den Jakobus und den Johannes mit Sich und führt sie besonders auf einen hohen Berg allein. Und Er ward vor ihnen umgestaltet; und Seine Kleider wurden glänzend, sehr licht, wie Schnee, wie kein Walker auf der Erde weiß machen kann. Und ihnen erschien Elias mit Moses, und sie besprachen sich mit Jesu. - Und Petrus antwortete und sagt zu Jesu: Rabbi! Gut ist, daß wir hier sind! und laß uns drei Hütten machen; Dir eine, und dem Moses eine, und dem Elias eine. - Denn Er wußte nicht, was er sagen sollte, denn sie waren voll Furcht. - Und es ward eine Wolke, die sie überschattete, und eine Stimme kam aus der Wolke: Dieser ist Mein geliebter Sohn; Ihn höret! Und plötzlich sich umblickend, sahen sie Niemanden mehr, sondern Jesum allein bei ihnen. Indem sie aber vom Berge hinabstiegen, gebot Er ihnen, sie sollten, was sie gesehen, Niemandem erzählen, bis daß der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden wäre. - Und sie behielten das Wort für sich und befragten sich unter einander: Was ist das Auferstehen aus den Toten? - Und sie fragten Ihn, sagend: Warum sagen die Schriftgelehrten, daß Elias zuerst kommen muß? - Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Elias zwar kommt zuerst und stellt alle Dinge wieder her; und wie über den Sohn des Menschen geschrieben steht, "daß Er Vieles leiden und ganz verachtet werden soll." Aber Ich sage euch: Elias ist gekommen, und sie haben mit ihm getan, was sie wollten, wie es über ihn geschrieben steht. Und als Er zu den Jüngern kam, sah Er eine große Volksmenge um sie herum, und Schriftgelehrte, die sich mit ihnen befragten. Und alsbald, als die ganze Volksmenge Ihn sah, waren sie sehr erstaunt; und sie liefen herzu und begrüßen Ihn. Und Er fragte die Schriftgelehrten: Was befragt ihr euch mit ihnen? - Und es antwortete einer aus der Volksmenge und sprach: Lehrer! Ich habe meinen Sohn zu Dir gebracht, der einen stummen Geist hat; und überall, wo er ihn ergreift, reißt er ihn hin; und er schäumt, und knirscht mit seinen Zähnen, und dörrt aus. Und ich sprach zu Deinen Jüngern, daß sie ihn austrieben; und sie vermochten es nicht. - Er aber antwortete ihnen und spricht: O ungläubiges Geschlecht! Wie lange soll Ich bei euch sein? Wie lange soll Ich euch ertragen? Bringt ihn zu Mir! - Und sie brachten ihn zu Ihm; und als er Ihn sah, alsbald zerrte ihn der Geist und er fiel zur Erde und wälzte sich schäumend. Und Er fragte seinen Vater: Wie lange ist es her, daß ihm dieses widerfahren ist? Er aber sprach: Von Kindheit an; und öfters hat er ihn sowohl in´s Feuer als in´s Wasser geworfen, um ihn umzubringen, aber wenn Du etwas kannst, so erbarme Dich unser und hilf uns! - Jesus aber sprach zu ihm: Das "wenn Du kannst" ist, wenn Du glauben kannst! Dem Glaubenden ist Alles möglich! - Und alsbald rief der Vater des Knäbleins, und sagte mit Tränen: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! - Als aber Jesus sah, daß eine Volksmenge zusammen läuft, bedräuete Er den unreinen Geist, zu ihm sagend: Stummer und tauber Geist, Ich gebiete dir, Fahre von ihm aus, und fahre nicht mehr in ihn hinein! - Und schreiend und ihn sehr zerrend fuhr er aus. Und er ward wie tot, so daß Viele sagten: Er ist gestorben. - Jesus aber nahm ihn bei der Hand und richtete ihn empor, und er stand auf. Und als Er nach Hause gekommen war, fragten Ihn Seine Jünger besonders: Warum haben wir ihn nicht austreiben können? - Und Er sprach zu ihnen: Diese Art kann in keinem andern Wege ausfahren, als allein durch Gebet und Fasten. Und sie gingen von dannen hinweg und zogen durch Galiläa; und Er wollte nicht, daß es Jemand wüßte. Denn Er lehrte Seine Jünger und sagte zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird in die Hände der Menschen überliefert, und sie werden Ihn töten; und wenn Er getötet worden, wird Er am dritten Tage auferstehen. - Sie aber verstanden diese Rede nicht, und fürchteten sich, Ihn zu fragen. Und Er kam nach Kapernaum. Und als Er im Hause war, fragte Er sie: Was habt ihr auf dem Wege unter einander verhandelt? - Sie aber schwiegen; denn sie hatten sich auf dem Wege unter einander besprochen, wer der Größte sei? - Und Sich niedersetzend, rief Er die Zwölfe und sagt zu ihnen: Wenn Jemand der Erste sein will, so soll er von Allen der Letzte und Aller Diener sein. - Und er nahm ein Kind und stellte es in ihre Mitte; und als Er es in Seine Arme genommen, sprach Er zu ihnen: Wer immer eins von solchen Kindlein um Meines Namens willen aufnimmt, - nimmt Mich auf; und wer immer Mich aufnimmt, nimmt nicht Mich auf, sondern Den, der Mich gesandt hat. Johannes aber antwortete Ihm, sagend: Lehrer! Wir haben Jemand durch Deinen Namen Teufel austreiben sehen, der uns nicht nachfolgt; und wir haben es ihm gewehrt, weil er uns nicht nachfolgt. - Jesus aber sprach: Wehrt es ihm nicht! Denn es ist Niemand, der ein Wunderwerk in Meinem Namen tun, und bald übel von Mir sprechen können wird. Denn wer nicht wider euch ist, ist für euch; denn wer immer euch mit einem Becher Wasser um des Namens willen tränken wird, weil ihr Christi seid, - wahrlich, Ich sage euch: er wird seinen Lohn nicht verlieren; und wer immer einen der Kleinen, die an Mich glauben, ärgert, - dem ist es besser, wenn ihm ein Mühlstein am Halse hängt, und er in das Meer geworfen wird. Und wenn dich deine Hand ärgert, so haue sie ab; - es ist dir besser, als Krüppel in das Leben einzugehen, als, die zwei Hände habend, in die Hölle hinabzufahren, in das unauslöschliche Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt, und das Feuer nicht verlischt. Und wenn dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab; - es ist dir besser, lahm in das Leben einzugehen, als, die zwei Füße habend, in die Hölle geworfen zu werden, in das unauslöschliche Feuer, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlischt. Und wenn dein Auge dich ärgert, so wirf es weg; - es ist dir besser, einäugig in das Reich Gottes einzugehen, als, zwei Augen habend, in die Hölle des Feuers geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlischt. Denn Jeder wird mit Feuer gesalzen werden, und jedes Opfer wird mit Salz gesalzen werden. Das Salz ist gut. Wenn aber das Salz unsalzig geworden, womit wollt ihr es würzen? - Habt Salz in euch selbst und seid in Frieden unter einander.


10.


Und Er machte Sich von dannen auf und kommt durch das Jenseitige des Jordan an die Grenze von Judäa; und die Volksmenge kommt wiederum zusammen zu Ihm, und wie Er gewohnt war, lehrte Er sie wieder. Und es traten die Pharisäer herzu und fragten, Ihn versuchend: Ist es einem Manne erlaubt, sein Weib zu entlassen? - Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Moses geboten? - Sie aber sagten: Moses hat gestattet, einen Scheidebrief zu geben, und sie zu entlassen. - Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Um eures Herzens Hartnäckigkeit willen schrieb er euch dieses Gebot; aber von Anfang der Schöpfung hat sie Gott männlich und weiblich gemacht. "Um deswillen soll ein Mensch seinen Vater und Mutter verlassen, und seinem Weibe anhangen; und werden die Zwei zu Einem Fleische werden." - Und so sind sie nicht mehr Zwei, sondern Ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. - Und in dem Hause fragten Ihn Seine Jünger wiederum über dasselbe; und Er spricht zu ihnen: Jedweder, der sein Weib entläßt und eine andere heiratet, der bricht die Ehe gegen sie; und wenn ein Weib sich von ihrem Manne scheidet und einen andern heiratet, so bricht sie die Ehe. Und sie brachten Kindlein zu Ihm, daß Er sie anrührte. Die Jünger aber bedräueten die, welche sie hinzu brachten. Als es aber Jesus sah, ward Er unwillig und sagte zu ihnen: Lasset die Kindlein zu Mir kommen, und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes. Wahrlich, Ich sage euch: Jedweder, der das Reich Gottes nicht aufnimmt, als ein Kindlein, wird nicht in dasselbe eingehen. - Und Er nahm sie in Seine Arme, legte die Hände auf sie und segnete sie. Und als Er hinaus auf den Weg gegangen war, lief Einer zu Ihm, kniete vor Ihm und fragte Ihn: Guter Lehrer! Was soll ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe? - Jesus aber sprach zu ihm: Was nennest du Mich gut? Niemand ist gut, als nur Einer, Gott. Die Gebote weißt du: "Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht töten; du sollst nicht falsches Zeugnis reden; du sollst nichts vorenthalten; ehre deinen Vater und deine Mutter!" - Er aber antwortete und sprach zu Ihm: Lehrer! Alles Dieses habe ich von meiner Jugend auf beobachtet. - Jesus aber, ihn anblickend, liebte ihn und sprach zu ihm: Eins fehlt dir! Gehe hin, verkaufe Alles, was du hast, und gib den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; - und komm, folge Mir nach, das Kreuz aufnehmend! - Er aber, betrübt über das Wort, ging traurig weg; denn er hatte viele Güter. Und Jesus blickte umher und spricht zu Seinen Jüngern: Wie schwerlich werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes eingehen! Die Jünger aber erstaunten sehr über Seine Worte. Jesus aber antwortete wiederum und sagte zu ihnen: Kinder! Wie schwer ist es, daß die, welche sich auf Güter verlassen, in das Reich Gottes eingehen! Leichter ist es, daß ein Kamel durch das Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes eingehe. Sie aber entsetzten sich über die Maßen, sagend zu sich selbst: Und wer kann dann errettet werden? - Jesus aber sah sie an und spricht: Bei Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott! Denn bei Gott sind alle Dinge möglich. Petrus fing an, zu Ihm zu sagen: Siehe, wir haben Alles verlassen, und sind Dir nachgefolgt! Jesus aber antwortete und sprach: Wahrlich, Ich sage euch: Es ist Niemand, der Haus, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Äcker um Meinet- und um des Evangeliums willen verlassen hat, der nicht hundertfältig jetzt in dieser Zeit Häuser, und Brüder, und Schwestern, und Mütter, und Kinder, und Äcker, mit Verfolgungen, und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben empfange. Aber viele Erste werden Letzte, und viele Letzte Erste sein. Sie waren aber auf dem Wege, nach Jerusalem hinaufgehend; und Jesus ging vor ihnen her; und sie waren bestürzt und fürchteten sich, indem sie Ihm nachfolgten. Und Er nahm wiederum die Zwölfe zu Sich und fing an, ihnen zu sagen, was Ihm widerfahren sollte: Siehe! Wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten überliefert werden, und sie werden Ihn zum Tode verurteilen und Ihn den Nationen überliefern; und sie werden Ihn verspotten und geißeln, und Ihn verspeien und Ihn töten; - und am dritten Tage wird Er auferstehen. Und es treten Jakobus und Johannes, die Söhne Zebedäi zu Ihm, sagend: Lehrer! Wir wollen, daß Du uns das tust, um was irgend wir bitten werden. - Er aber sagte zu ihnen: Was wollt ihr, daß Ich euch tue? - Sie aber sagten zu Ihm: Gib uns, daß wir in Deiner Herrlichkeit, Einer zu Deiner Rechten und Einer zu Deiner Linken, sitzen. - Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wißt nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den Ich trinke, und mit der Taufe getauft werden, womit Ich getauft werde? - Sie aber sprachen zu Ihm: Wir können es. - Jesus aber sprach zu ihnen: Den Kelch, den Ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, womit ich getauft werde, werdet ihr getauft werden; aber das Sitzen zu Meiner Rechten und Linken, steht nicht bei Mir zu geben, sondern denen, für welche es bereitet ist. - Und als das die Zehn hörten, fingen sie an, über Jakobus und Johannes unwillig zu werden. Jesus aber, als Er sie zu Sich gerufen hatte, sagt zu ihnen: Ihr wisset, daß die, welche für die Regenten der Nationen gehalten sind, über diese herrschen, und ihre Großen Gewalt über sie ausüben. Aber also soll es nicht unter euch sein; sondern Jedweder, der unter euch groß sein will, - er soll euer Diener sein; und Jedweder, der von euch der Erste sein will, - er soll Aller Knecht sein. Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen, und sein Leben als Lösegeld für Viele zu geben. Und sie kommen nach Jericho. Und als Er aus Jericho herausging und Seine Jünger und eine zahlreiche Volksmenge, saß Timäi Sohn, Bartimäus, der Blinde, bettelnd am Wege. Und als er hörte, es sei Jesus, der Nazarener, fing er an zu rufen und zu sagen: O, Sohn Davids, Jesu, erbarme Dich meiner ! - Und Viele bedräueten Ihn, daß er schweigen sollte; er aber rief viel mehr: Sohn Davids, erbarme Dich meiner! - Und Jesus blieb stehen und sagte, daß er gerufen werden sollte. Und sie rufen den Blinden, ihm sagend: Sei gutes Mutes! Stehe auf, Er rufet dich! - Er aber warf sein Gewand ab, stand auf und kam zu Jesu. - Und Jesus antwortete und sagt zu ihm: Was willst du, daß Ich dir tun soll? - Der Blinde aber sprach zu Ihm: Rabbuni, daß ich sehe! Jesus aber sprach zu ihm: Gehe hin, dein Glaube hat dich geheilt! - Und alsbald ward er sehend und folgte Jesu auf dem Wege nach.


11.


Und als sie nahe zu Jerusalem kommen, nach Bethphage und Bethanien hin, an den Ölberg, sendet Er zwei Seiner Jünger und sagt zu ihnen: Gehet hin in das Dorf, das euch gegenüber liegt; und alsbald, wenn ihr da hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf welchem Keiner der Menschen gesessen; - löset es und bringet es her! Und wenn Jemand zu euch sagen wird: Warum tut ihr Dieses? - so sollt ihr sagen: Der Herr bedarf sein! - Und alsbald schickt er es hierher. - Sie aber gingen hin, und fanden ein Füllen an der Tür draußen auf dem Kreuzwege angebunden; und sie lösen es. Und Etliche von Denen, die da standen, sprachen zu ihnen: Was tut ihr, daß ihr das Füllen löset? - Sie aber sprachen zu ihnen, wie Jesus befohlen hatte. Und sie ließen sie gehen. - Und sie führten das Füllen zu Jesu und legten ihre Kleider darauf, und Er setzte Sich darauf. Viele aber breiteten ihre Kleider aus auf den Weg; Andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg; und die, welche vorgingen und nachfolgten, riefen, sagend: Hosanna, gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn! Gesegnet, das kommende Reich unsers Vaters David! Hosanna in der Höhe! - Und Jesus ging in Jerusalem und in den Tempel hinein, und blickte über Alles umher und ging, da es schon in der Abendstunde war, mit den Zwölfen hinaus nach Bethanien. Und als sie am folgenden Tage aus Bethanien herausgingen, hungerte Ihn. Und als Er von fern einen Feigenbaum sah, der Blätter hatte, trat Er hinzu, ob Er vielleicht Etwas daran fände; und als Er hinzukam, fand Er nichts als nur Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigen. - Und Er antwortete und sprach zu demselben: Hinfort esse von dir in Ewigkeit Niemand mehr Frucht! - Und Seine Jünger hörten es. Und sie kommen nach Jerusalem. Und Er, in den Tempel hinein gehend, fing an, die Verkaufenden und Kaufenden im Tempel auszutreiben; und die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenkrämer warft Er um. Und Er erlaubte nicht, daß Jemand ein Gefäß durch den Tempel trug. Und Er lehrte, zu ihnen sagend: Steht nicht geschrieben: "Mein Haus soll allen Nationen ein Bethaus genannt werden?" "Ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht." - Und die Schriftgelehrten und die Hohenpriester hörten es, und suchten, wie sie Ihn umbrächten; denn sie fürchteten Ihn, weil die ganze Volksmenge über Seine Lehre sehr erstaunt war. Und als es Abend geworden, ging Er zur Stadt hinaus. Und als sie frühmorgens vorbeigingen, sahen sie den Feigenbaum von den Wurzeln an verdorrt. Und Petrus gedachte daran und spricht zu Ihm: Rabbi! Siehe, der Feigenbaum, den Du verflucht hast, ist verdorrt. - Und Jesus antwortete und sagt zu ihnen: Habt Glauben an Gott! Denn wahrlich Ich sage euch: Jedweder, der zu diesem Berge sagen wird: Sei aufgehoben und in das Meer geworfen! und in seinem Herzen nicht zweifeln, sondern glauben wird, daß das, was er sagt, geschieht, dem wird geschehen, was er irgend sagen wird. Deswegen sage Ich euch: Alles, was ihr irgend im Gebet bittet, - glaubet, daß ihr es empfanget, - und es wird euch werden. Und wenn ihr im Gebet dastehet, so vergebet, wenn ihr wider Jemand Etwas habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe. Wenn ihr aber nicht vergebet, so wird euer Vater, der in den Himmeln ist, auch eure Übertretungen nicht vergeben. Und sie kommen wiederum nach Jerusalem. Und als Er im Tempel umher wandelt, kommen die Hohenpriester und die Schriftgelehrten und die Ältesten zu Ihm und sagen zu Ihm: In welchem Recht tust Du Dieses, und wer hat Dir dieses Recht gegeben, daß Du Dieses tust? - Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich werde euch auch eine Sache fragen, und antwortet Mir, und Ich werde euch sagen, in welchem Recht Ich Dieses tue. Die Taufe Johannis, - war sie vom Himmel oder von Menschen? Antwortet Mir. - Und sie überlegten bei sich selbst und sagten: Wenn wir sagen: Vom Himmel, - so wird Er sagen: Warum glaubtet ihr ihm denn nicht? Doch wenn wir sagen: Von Menschen.... - Sie fürchteten das Volk; denn Alle hielten von Johannes, daß er wirklich ein Prophet war. - Und sie antworteten und sagen zu Jesu: Wir wissen es nicht. Und Jesus antwortete und sagt zu ihnen: So sage Ich euch auch nicht, in welchem Recht Ich Dieses tue. -


12.


Und Er fing an in Gleichnissen zu ihnen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg, und setzte einen Zaun darum, und grub eine Kelter, und baute einen Turm, und tat ihn an Ackerbauer aus und reiste außer Landes. Und zur Zeit sandte er einen Knecht zu den Ackerbauern, damit er von den Ackerbauern von der Frucht des Weinbergs empfinge. Sie aber nahmen ihn, schlugen ihn und schickten ihn leer fort. Und wiederum schickte er einen andern Knecht zu ihnen, und diesen verwundeten sie durch Steinwürfe am Kopf, und schickten ihn entehrt fort. Und wiederum schickte er einen Andern, und diesen töteten sie; und viele Andere; - die Einen schlugen sie, die Andern töteten sie. Da er nun noch einen Sohn, seinen Geliebten, hatte, schickte er auch ihn, den letzten, zu ihnen, sagend: Sie werden sich vor meinem Sohne scheuen. Jene aber, die Ackerbauer, sprachen unter einander: Dieser ist der Erbe! Kommt, laßt uns ihn töten, und das Erbe wird unser sein! - Und sie nahmen ihn, töteten ihn und warfen ihn zum Weinberge hinaus. Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Ackerbauer umbringen und den Weinberg Andern geben. Habt ihr nicht auch diese Schrift gelesen: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden; dieses ist vom Herrn geschehen und ist wunderbar in unsern Augen?" - Und sie suchten Ihn zu greifen, und sie fürchteten sich vor der Volksmenge; denn sie wußten, daß Er das Gleichnis auf sie gesprochen hatte. Und sie ließen Ihn und gingen weg. Und sie schickten Etliche der Pharisäer und der Herodianer zu Ihm, damit sie Ihn in der Rede fingen. Als sie aber kamen, sagen sie zu Ihm: Lehrer! Wir wissen, daß Du wahrhaftig bist und nach Niemandem fragst; denn Du achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern lehrest den Weg Gottes in Wahrheit. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder nicht? Sollen wir geben oder nicht geben? - Er aber, ihre Heuchelei kennend, sagte zu ihnen: warum versuchet ihr Mich? Bringet Mir einen Denar, daß Ich ihn besehe! - Und sie brachten einen. - Und Er spricht zu ihnen: Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift? - Und sie sagten zu Ihm: Des Kaisers. - Und Jesus antwortete und sagte zu ihnen: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! - und sie verwunderten sich über Ihn. Und es kommen Sadducäer zu Ihm, welche sagen, es gebe keine Auferstehung; - und sie fragen Ihn, sagend: Lehrer! Moses hat uns geschrieben, daß, wenn Jemandes Bruder gestorben ist, und hinterläßt ein Weib und läßt keine Kinder nach, daß sein Bruder das Weib nehme, und seinem Bruder Samen erwecke. Es waren sieben Brüder; und der Erste nahm ein Weib; und da er starb, ließ er keinen Samen nach; und der Zweite nahm sie, und ist gestorben, und auch er hinterließ keinen Samen; und der Dritte desgleichen. Und die sieben nahmen sie und hinterließen keinen Samen; die Letzte von Allen starb auch das Weib. In der Auferstehung nun, wenn sie auferstehen, wessen Weib von ihnen wird sie sein? denn die sieben haben sie zum Weibe gehabt. - Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Irret ihr nicht darum, weil ihr die Schriften nicht kennet, noch die Kraft Gottes? Denn wenn sie aus den Toten auferstehen, heiraten sie weder, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie Engel in den Himmeln. Was aber die Toten betrifft, daß sie auferstehen, - habt ihr nicht in dem Buche Mosis gelesen "in dem Busch", wie Gott zu ihm redete, sagend: "Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?" Nicht der Toten Gott ist Er, sondern der Lebendigen. Ihr irret also sehr! Und einer der Schriftgelehrten, der gehört hatte, wie sie sich befragten, und wahrgenommen, daß Er ihnen gut geantwortet hatte, trat zu Ihm und fragte ihn: Welches ist das erste Gebot von allen? - Jesus aber antwortete ihm: Das Erste von allen Geboten ist: "Höre Israel! Der Herr unser Gott ist ein einiger Herr. Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, von deinem ganzen Herzen und von deiner ganzen Seele und von deinem ganzen Verstande und von ganzer Kraft." Dies ist das erste Gebot. Und das zweite ist gleich, - dieses: "Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!" Kein anderes Gebot ist größer als diese. - Und der Schriftgelehrte sprach zu Ihm: Recht, Lehrer! Du hast nach der Wahrheit gesprochen; denn Er ist ein Einiger und ist kein Anderer, als Er! Und Ihn lieben von ganzem Herzen und von ganzem Verständnis und von ganzer Seele und von ganzer Kraft, und den Nächsten wie sich selbst lieben, - das ist mehr, als alle Brandopfer und Schlachtopfer. - Und als Jesus sah, daß er verständig antwortete, sprach Er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reiche Gottes! - Und hinfort wagte Niemand, Ihn zu fragen. Und Jesus, im Tempel lehrend, antwortete und sprach: Wie sagen die Schriftgelehrten, daß der Christus Davids Sohn sei? Denn David selbst hat im Heiligen Geiste gesagt: "Der Herr hat zu meinem Herrn gesagt. Setze Dich zu Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde zum Schemel Deiner Füße lege." David selbst also nennt Ihn "Herr"; - und woher ist Er sein Sohn? - Und die Masse des Volks hörte Ihn gern. Und Er sprach zu ihnen in Seiner Lehre: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die da lieben in langen Gewändern zu wandeln, und die Grüße auf den Märkten, und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Mählern; die die Häuser der Witwen verschlingen und zum Vorwand lange Gebete halten; - diese werden ein schwereres Urteil empfangen. Und Jesus saß dem Schatzkasten gegenüber und sah, wie die Volksmenge Münze in den Schatzkasten wirft; - und viele Reiche warfen viel ein. Und eine arme Witwe kam und warf zwei Pfennige, das ist ein halber Kreuzer, ein. Und Er rief Seine Jünger herbei und sagt zu ihnen: Wahrlich Ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr eingeworfen, denn Alle in den Schatzkasten geworfen haben; denn Alle haben von ihrem Überfluß eingeworfen; diese aber hat von ihrem Mangel, Alles, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt eingeworfen.


13.


Und als Er aus dem Tempel hinausging, sagt Einer Seiner Jünger zu Ihm: Lehrer! Siehe, welche Steine und welche Gebäude! - Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Siehst du diese großen Gebäude? Nicht ein Stein wird auf dem andern gelassen werden, der nicht abgebrochen wird! - Und als Er am Ölberg, gegenüber dem Tempel, saß, fragten Ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas besonders: Sage uns, wann wird Dieses geschehen, und welches ist das Zeichen, wann dieses Alles vollendet werden soll? - Jesus aber antwortete ihnen und fing an zu reden: Sehet zu, daß euch Niemand verführe! Denn Viele werden unter Meinem Namen kommen, sagend: Ich bin es! Und sie werden Viele verführen. Wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören werdet, - seid nicht bestürzt; den Dieses muß geschehen; aber das Ende ist noch nicht da. Denn es wird sich Nation wider Nation und Königreich wider Königreich erheben; und an verschiedenen Orten werden Erdbeben geschehen; und werden Hungersnot und Unruhen sein. Dieses sind die Anfänge der Wehen. Sehet ihr aber auf euch selbst; denn sie werden euch an die Synedrien überliefern; und ihr werdet in den Synagogen geschlagen und vor Statthalter und Könige um Meinetwillen gestellt werden, ihnen zu einem Zeugnis; und allen Nationen muß zuvor das Evangelium verkündigt werden. Wenn sie euch aber hinführen und überliefern, so sorgt nicht zuvor, was ihr reden sollt; bereitet euch auch nicht vor, sondern was immer in jener Stunde euch gegeben wird, das redet. Denn ihr seid es nicht, welche reden, sondern der Heilige Geist. - Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode überliefern, und der Vater das Kind; und Kinder werden wider ihre Eltern aufstehen und sie töten. Und ihr werdet von Allen um Meines Namens willen gehaßt sein; wer aber bis an´s Ende ausharrt, wird errettet werden. - Wenn ihr aber den "Gräuel der Verwüstung", wovon durch den Propheten Daniel geredet ist, stehen sehet, wo er nicht sollte; - (wer es lieset, beachte es;) - daß alsdann, die in Judäa sind, auf die Berge fliehen; und wer auf dem Hause ist, nicht in das Haus hernieder steige, noch hinein gehe, um etwas aus seinem Hause zu holen, und wer auf dem Felde ist, nicht umkehre, sein Gewand hinter sich zu holen. Wehe aber den Schwangern und den Säugenden in jenen Tagen. Betet aber, daß eure Flucht nicht im Winter geschehe; denn jene Tage werden Trübsal sein, solche, dergleichen von Anfang der Schöpfung, welche Gott schuf, bis jetzt hin nicht gewesen ist und nicht mehr sein wird. Und wenn der Herr die Tage nicht verkürzt hätte, es würde kein Fleisch gerettet; aber um der Auserwählten willen, welche Er auserwählt, hat Er die Tage verkürzt. Und wenn alsdann Jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus! oder: siehe, dort! - glaubet es nicht. Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen, und werden Zeichen und Wunder geben, um, - wenn möglich - auch die Auserwählten zu verführen. Ihr aber sehet zu! Siehe, Ich habe euch Alles zuvor gesagt! - Aber in denselben Tagen nach jener Trübsal wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben; und die Sterne des Himmels werden herabfallen, und die Kräfte in den Himmel werden erschüttert werden. Und alsdann werden sie den Sohn des Menschen sehen, kommend in den Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit; und dann wird Er Seine Engel aussenden und Seine Auserwählten aus den vier Winden versammeln, vom äußersten Ende der Erde, bis zum äußersten Ende des Himmels. Von dem Feigenbaum aber lernet das Gleichnis. Wenn sein Zweig schon weich geworden ist, und die Blätter treibt, wisset ihr, daß der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr diese Dinge geschehen sehet, wisset, daß es nahe an der Tür ist. Wahrlich, Ich sage euch, daß dies Geschlecht nicht vergehen wird, bis alles Dieses geschehen sein wird. Der Himmel und die Erde werden vergehen; aber Meine Worte vergehen nicht. - Von jenen Tagen aber oder der Stunde weiß Niemand, selbst nicht die Engel, die im Himmel sind, noch der Sohn, sondern allein der Vater. Sehet zu, wachet und betet, denn ihr wisset nicht, wann die Zeit ist. - Gleichwie ein Mensch, der außer Landes reiste, sein Haus verließ und seinen Knechten die Gewalt gab, und Jedem sein Werk, und dem Türhüter einschärfte, daß er wache. Wachet denn! - Denn ihr wisset nicht, wenn der Herr des Hauses kommt, des Abends, oder um Mitternacht, oder um den Hahenschrei, oder des Morgens; - damit er nicht, plötzlich kommend, euch schlafend finde. - Was Ich euch aber sage, - sage Ich Allen. Wachet!


14.


Es war aber nach zwei Tagen Passah und das Fest der ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie Ihn mit List griffen und töteten. Sie sagten aber: Nicht auf dem Feste, damit nicht ein Aufruhr des Volks werde. Und als Er zu Bethanien in dem Hause Simons des Aussätzigen war, kam, während Er zu Tische lag, ein Weib, die ein Alabaster-Fläschchen mit Salbe von echter, kostbarer Narde hatte; und das Fläschchen zerbrechend, goß sie es auf Sein Haupt aus. Es waren aber Etliche bei sich unwillig und sagten: Wozu ist dieser Verlust der Salbe geschehen? Es konnte diese Salbe für mehr als dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben werden; und sie murrten über sie. Jesus aber sprach: Lasset sie, was machet ihr ihr Mühe? Sie hat ein gutes Werk an Mir getan. Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen wohltun; Mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie vermochte; sie hat es zuvor übernommen, Meinen Leib zum Begräbnis zu salben. Wahrlich, Ich sage euch, wo irgend dies Evangelium in der ganzen Welt gepredigt wird, da wird auch zu ihrem Gedächtnis erzählt werden, was sie getan hat. Und Judas der Iskariot, Einer der Zwölfe, ging hin zu den Hohenpriestern, um Ihn denselben zu überliefern. Sie aber, als sie es hörten, freuten sich, und versprachen ihm Geld zu geben; und er suchte, wie er Ihn zu gelegener Zeit überliefern könnte. Und am ersten Tage der ungesäuerten Brote, als man das Passah schlachtete, sagen Seine jünger zu Ihm: Wo willst Du, daß wir hingehen und zubereiten, damit Du das Passah essest? Und Er schickt zwei Seiner Jünger und spricht zu ihnen: Gehet hin in die Stadt; und es wird euch ein Mensch begegnen, einen Wasserkrug tragend; folget ihm. Und wo er irgend hineingehet, sprechet zu dem Hausherrn: Der Lehrer sagt: Wo ist das Gastzimmer, wo Ich mit Meinen Jüngern das Passah esse? Und er wird euch einen großen Speisesaal zeigen, fertig, mit Polstern belegt; daselbst bereitet für uns. Und Seine Jünger gingen aus und kamen in die Stadt, und fanden es, so wie Er ihnen gesagt; und sie bereiteten das Passah. Und als es Abend geworden, kommt Er mit den Zwölfen. Und während sie zu Tische lagen und aßen sprach Jesus: Wahrlich, Ich sage euch, daß Einer von euch, der mit Mir isset, Mich überliefern wird. Sie aber fingen an, betrübt zu werden, und Einer nach dem Andern zu Ihm zu sagen: Bin ich´s? und ein Anderer: Bin ich´s? Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Einer von den Zwölfen, der mit Mir in die Schüssel eintaucht. Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie es über Ihn geschrieben steht; aber wehe jenem Menschen, durch welchen der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre ihm gut, wenn jener Mensch nicht geboren wäre. Und während sie aßen, nahm Jesus Brot, segnete, und brach und gab es ihnen und sprach: Nehmet; dieses ist Mein Leib! Und Er nahm den Kelch, dankte, und gab ihnen denselben; und sie tranken Alle daraus. Und Er sprach zu ihnen: Dieses ist Mein Blut, das des neuen Bundes, welches für Viele vergossen wird. Wahrlich Ich sage euch, daß Ich hinfort nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis an jenem Tage, wo Ich es neu trinken werde in dem Reiche Gottes. Und als sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. Und Jesus spricht zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch Alle an mir ärgern; denn es steht geschrieben: "Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden zerstreut werden." Aber nachdem Ich auferweckt bin, werde Ich vor euch hingehen nach Galiläa. Petrus aber sagte zu Ihm: Und wenn sich auch Alle ärgern werden; - ich aber nicht. - Und Jesus spricht zu ihm: Wahrlich, Ich sage dir, daß du heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, Mich dreimal verleugnen wirst. Er aber sagte noch viel mehr: Wenn ich mit Dir sterben müßte, werde ich Dich nicht verleugnen! Gleicherweise aber sprachen auch Alle. Und sie kommen an einen Ort, mit Namen Gethsemane. Und Er spricht zu Seinen Jüngern: Sitzet hier, bis Ich gebetet habe! Und Er nimmt den Petrus und Jakobus und Johannes mit Sich; und fing an sehr bestürzt und beängstigt zu werden. Und Er spricht zu ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt bis zum Tode; bleibet hier und wachet! Und ein wenig weiter gehend, fiel Er auf die Erde, und betete, daß, wenn es möglich wäre, die Stunde an Ihm vorbeigehe. Und Er sprach. Abba, Vater! Alles ist Dir möglich; nimm diesen Kelch von Mir weg! Doch nicht, was Ich will, sondern was Du willst! Und Er kommt und findet sie schlafend; und spricht zu Petrus: Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht eine Stunde zu wachen? Wachet und betet, auf daß ihr nicht in die Versuchung hineingeht; der Geist ist zwar willig, das Fleisch aber ist schwach. Und Er ging wieder weg, betete und sagte dasselbe Wort. Und Er kam zurück und fand sie wieder schlafend; denn ihre Augen waren beschwert; und sie wußten nicht, was sie Ihm antworten sollten. Und Er kommt zum dritten Male und spricht zu ihnen: Schlaft nur fort und ruhet aus! Es ist genug; die Stunde ist gekommen; siehe! der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder überliefert. Stehet auf, lasset uns gehen! Siehe, der Mich überliefert, ist nahe gekommen! Und alsbald, während Er noch redete, kommt Judas, der Einer der Zwölfe war, hinzu; und mit ihm eine große Volksmenge von den Hohenpriestern, den Schriftgelehrten und den Ältesten, mit Schwertern und Stöcken. Der Ihn aber überlieferte, gab ihnen ein Zeichen, sagend: Welchen ich küssen werde, der ist es; Ihn greifet und führet Ihn sicher fort. Und als Er kam, trat er alsbald zu Ihm und spricht: Rabbi, Rabbi! und küßte Ihn viel. Sie aber legten ihre Hände an Ihn und griffen Ihn. - Es war aber Einer von denen, die dabei standen, der zog das Schwert, schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das Ohr ab. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seid ihr wie gegen einen Räuber ausgezogen, mit Schwertern und Stöcken, Mich zu fangen? Täglich war ich bei euch, lehrend im Tempel, und ihr habt Mich nicht gegriffen. Aber - auf daß die Schriften erfüllet würden! - Und alle, Ihn verlassend, entflohen. Und ein gewisser Jüngling folgte Ihm, und hatte eine feine Leinwand auf den bloßen Leib umgeworfen; und die Jünglinge greifen ihn. Er aber ließ die Leinwand und entfloh nackend von ihnen. Und sie führten Jesum zu dem Hohenpriester hin, und alle die Hohenpriester und die Ältesten und die Schriftgelehrten versammeln sich zu ihm. Und Petrus folgte Ihm von ferne bis inwendig in den Hof des Hohenpriesters, und er saß bei den Dienern und wärmte sich an dem Feuer. Die Hohenpriester aber und das ganze Synedrium suchten Zeugnis wider Jesum, um Ihn zu töten, - und fanden keins. Denn Viele gaben falsches Zeugnis wider Ihn; und die Zeugnisse waren nicht übereinstimmend. Und Etliche standen auf und gaben falsches Zeugnis wider Ihn ab, sagend: Wir haben Ihn sagen hören: "Ich werde diesen Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen, und binnen drei Tagen werde Ich einen andern, der nicht mit Händen gemacht ist, aufbauen"; - und auch so war ihr Zeugnis nicht übereinstimmend. Und der Hohenpriester stand auf in der Mitte und fragte Jesum, sagend: Antwortest Du nichts? Was zeugen Diese wider Dich? Er aber schwieg und antwortete nichts. Wiederum fragte Ihn der Hohepriester und spricht zu Ihm: Bist Du der Christus, der Sohn des Gesegneten? Jesus aber sagte: ICH BIN! Und ihr werdet den Sohn des Menschen zur Rechten der Macht sitzend, und mit den Wolken des Himmels kommend sehen. Der Hohepriester aber zerriß seine Kleider und spricht. Was bedürfen wir weiter Zeugen? Ihr habt die Lästerung gehört. Was dünket euch? Sie Alle aber verurteilten Ihn, daß Er des Todes schuldig sei. Und Etliche fingen an, Ihn anzuspeien, und Sein Angesicht zu verhüllen, und Ihn zu mißhandeln, und zu Ihm zu sagen: Weissage! - Und die Diener gaben Ihm Backenstreiche. Und als Petrus unten in dem Hofe war, kommt eine von den Mägden des Hohenpriesters. Und als sie Petrus sich wärmen sah, blickte sie ihn an und spricht. Du warst auch mit dem Nazarener Jesus! Er aber leugnete, sagend: Ich weiß nicht, noch verstehe ich, was du sagst. Und er ging draußen in den Vorhof hinaus. Und der Hahn krähte. Und die Magd sah ihn und fing wiederum an, zu den Dabeistehenden zu sagen: Dieser ist von ihnen. Er aber leugnete abermals. Und wiederum nach einiger Zeit sagten die Dabeistehenden zu dem Petrus: Wahrhaftig, du bist von ihnen! denn du bist auch ein Galiläer und deine Sprache gleichet. Er aber fing an zu fluchen und zu schwören: Ich kenne diesen Menschen nicht, wovon ihr redet. Und das zweite mal krähte der Hahn. Und Petrus erinnerte sich an das Wort, welches Jesus ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du Mich dreimal verleugnen. - Und als er daran gedachte, weinte er.


15.


Und alsbald am frühen Morgen hielten die Hohenpriester samt den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Synedrium einen Rat. Und nachdem sie Jesum gebunden, brachten sie Ihn weg und überlieferten Ihn dem Pilatus. Und Pilatus fragte Ihn: Du bist der König der Juden? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Du sagst es. Und über viele Dinge klagten Ihn die Hohenpriester an. Pilatus aber fragte Ihn wiederum, fragend: Antwortest Du nichts? Siehe, wie Vieles sie wider Dich vorbringen! Jesus aber antwortete noch immer nichts, so daß Pilatus sich verwunderte. An jenem Feste aber gab er ihnen einen Gefangenen los, um welchen sie baten. Es war aber Einer mit Namen Barabbas, gebunden mit den Aufrührern, welche in dem Aufstand einen Mord begangen hatten. Und die Volksmenge erhob ein Geschrei und fing an zu begehren, daß er ihnen wie allezeit täte. Pilatus aber antwortete ihnen, sagend: Wollt ihr, daß ich euch den König der Juden losgebe? (Denn er wußte, daß die Hohenpriester Ihn aus Neid überliefert hatten.) Die Hohenpriester aber erregten die Volksmenge, daß er ihnen lieber den Barabbas losgebe. Pilatus aber antwortete und sprach wiederum zu ihnen: Was wollt ihr denn, daß ich mit Dem tue, den ihr "König der Juden" heißt? Sie aber schrieen wiederum: Kreuzige Ihn! Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat Er denn Böses getan? Sie aber schrieen übermäßig: Kreuzige Ihn! Pilatus aber, weil er die Volksmenge befriedigen wollte, gab ihnen den Barabbas los, und überlieferte Jesum, nachdem er Ihn gegeißelt hatte, auf daß Er gekreuzigt würde. Die Kriegsknechte aber führten Ihn in den Hof hinein, das ist das Prätorium, und rufen die ganze Schar zusammen; und legen Ihm einen Purpur an, und flochten eine Dornenkrone und setzen sie Ihm auf; und fingen an, Ihn zu grüßen: Sei gegrüßet, König der Juden! Und schlugen Ihn mit einem Rohr auf das Haupt, und spieen Ihn an, und beugten die Kniee und huldigten Ihm. Und als sie Ihn verspottet hatten, zogen sie Ihm den Purpur aus und zogen Ihm Seine eigenen Kleider an; und sie führen Ihn hinaus, um Ihn zu kreuzigen. Und sie nötigen einen Vorbeigehenden, der vom Felde kam, Simon von Cyrene, den Vater des Alexander und Rufus, Sein Kreuz zu tragen. Und sie bringen Ihn nach der Stätte Golgatha, was verdolmetscht ist: Schädel-Stätte. Und sie gaben Ihm Wein, vermischt mit Myrrhen, zu trinken; Er aber nahm es nicht. Und als sie Ihn gekreuzigt hatten, teilen sie Seine Kleider und warfen das Los darüber, was Jeder nehmen sollte. Es war aber die dritte Stunde, und sie kreuzigten Ihn. Und die Überschrift Seiner Beschuldigung war übergeschrieben: Der König der Juden. Und sie kreuzigen mit Ihm zwei Räuber: einen zu Seiner Rechten und einen zu Seiner Linken. Und es ist die Schrift erfüllet worden, welche sagt: "Und Er ist unter Gesetzlose gerechnet worden." Und die Vorübergehenden lästerten Ihn, schüttelten ihre Köpfe und sagten: Pfui, der Du den Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbauest! Rette Dich Selbst und steig vom Kreuze herab! Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester unter einander mit den Schriftgelehrten und sagten: Andere hat Er gerettet, Sich Selbst kann Er nicht retten. Der Christus, der König Israels, steige jetzt vom Kreuz herab, auf daß wir sehen und glauben. Auch die, welche mit Ihm gekreuzigt waren, schmähten Ihn. - Als es aber die sechste Stunde war, ward eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und zu der neunten Stunde schrie Jesus mit großer Stimme: Eloi! Eloi! lamma sabachthani! was verdolmetscht ist: Mein Gott! mein Gott! warum hast Du Mich verlassen? Und Etliche von denen, die dabei standen, hörten es und sagten: Siehe, Er ruft den Elias! Es lief aber Einer und füllte einen Schwamm mit Essig und steckte ihn an ein Rohr und tränkte Ihn, sagend: Lasset es! wir wollen sehen, ob Elias kommt, Ihn herabzunehmen. Jesus aber gab einen starken Schrei von Sich und hauchte Sein Leben aus. Und der Vorhang des Tempels riß in zwei Stücke, von oben an bis unten hin. Als aber der Hauptmann, der Ihm nahe gegenüberstand, sah, daß Er also schrie und aushauchte, sprach er: Wahrlich, Dieser Mensch war Gottes Sohn. Es waren aber auch Weiber, welche von ferne zusahen; unter welchen auch war Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jakobi, des Kleinen, und Josis, und Salome, welche auch, als Er in Galiläa war, Ihm nachfolgten und Ihm dienten; und viele andere Weiber, die mit Ihm nach Jerusalem hinaufgekommen waren. Und als es schon Abend geworden war, (denn es war Rüsttag, welches der Vorsabbath ist), kam Joseph von Arimathia, ein ehrbarer Ratsherr, der auch selbst das Reich Gottes erwartete und ging kühn zu Pilatus hinein und bat um den Leib Jesu. Pilatus aber verwunderte sich, daß Er schon gestorben war; und er berief den Hauptmann zu sich und fragte ihn, ob Er schon lange gestorben sei. Und als er es von dem Hauptmann erfahren hatte, schenkte er den Leib dem Joseph. Und er kaufte eine feine Leinwand, nahm ihn herab und wickelte ihn in die feine Leinwand; und er legte ihn in eine Gruft, welche aus einem Felsen gehauen war, und wälzte einen Stein vor die Tür der Gruft. - Aber Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jose, sahen zu, wo er hingelegt ward.


16.


Und als der Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jakobi und Salome wohlriechende Spezereien, auf daß sie kämen und ihn salbten. Und sehr früh am ersten Wochentage kommen sie zur Gruft, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wird uns den Stein von der Tür der Gruft abwälzen? (Und als sie aufblickten, sehen sie, daß der Stein abgewälzt ist); denn er war sehr groß. Und als sie in die Gruft hineingegangen waren, sahen sie einen Jüngling zur Rechten sitzen, mit weißem Gewande angetan, und sie entsetzten sich. Er aber spricht zu ihnen: Entsetzet euch nicht! Ihr suchet Jesum, den Nazarener, den Gekreuzigten; Er ist auferweckt; Er ist nicht hier. Siehe! die Stelle, wo sie Ihn hinlegten. Aber gehet hin, saget Seinen Jüngern und dem Petrus, daß Er vor euch nach Galiläa hingeht; da werdet ihr Ihn sehen, wie Er euch gesagt hat. Und sie gingen hinaus und flohen von der Gruft. Es ergriff sie aber Zittern und Bestürzung, und sie sagten Niemanden etwas, denn sie fürchteten sich. Als Er aber frühe am ersten Wochentage auferstanden war, erschien Er zuerst der Maria Magdalena, von welcher Er sieben Teufel ausgetrieben hatte. Diese ging hin und verkündigte es denen, die mit Ihm gewesen waren, welche trauerten und weinten. Und als sie nun hörten, daß Er lebe, und daß Er von ihr gesehen worden sei, glaubten sie es nicht. Darnach aber offenbarte Er sich Zweien von ihnen, die auf dem Wege waren, als sie auf das Land gingen, in einer andern Gestalt. Und diese gingen hin, verkündigten es den Übrigen, aber auch ihnen glaubten sie nicht. Nachher, als sie zu Tische waren, offenbarte Er sich den Elfen, und schalt ihren Unglauben und ihre Herzenshärte, daß sie denen nicht geglaubt, die Ihn auferweckt gesehen hatten. Und Er sprach zu ihnen: Gehet hin in die ganze Welt, predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung. Wer glaubt und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden. Diese Zeichen aber werden denen folgen, welche glauben: In Meinem Namen werden sie Teufel austreiben; sie werden mit neuen Zungen reden; sie werden Schlangen aufnehmen, und wenn sie etwas Tödliches trinken, es wird ihnen nicht schaden; sie werden auf Kranke die Hände legen, und sie werden gesund werden. Der Herr nun, nachdem Er mit ihnen geredet, ward in den Himmel aufgenommen, und setzte sich zur Rechten Gottes. Jene aber gingen aus und predigten allenthalben und der Herr wirkte mit und bestätigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.



Das Evangelium Lucä.


1.


Indem es Viele unternommen haben, eine Erzählung von den Dingen, welche unter uns völlig geglaubt sind, ordentlich zu verfassen, sowie es uns die überliefert haben, welche von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind; schien es auch mir gut, der ich von Anfang an Allem genau gefolgt bin, es dir, vortrefflicher Theophilus, ordentlich zu schreiben, damit du die Zuverlässigkeit der Sachen, worin du unterrichtet bist, erkennest. Es war in den Tagen Herodis, des Königs von Judäa, ein gewisser Priester, Namens Zacharias, aus der Ordnung Abiä, und sein Weib aus den Töchtern Aarons, und ihr Name war Elisabeth. Beide aber waren gerecht vor Gott, untadelig in allen Geboten und Satzungen des Herrn wandelnd. Und sie hatten kein Kind, weil Elisabeth unfruchtbar war, und Beide in ihren Tagen weit vorgerückt waren. Es geschah aber, als er in der Reihe seiner Ordnung den priesterlichen Dienst vor Gott erfüllte, traf ihn, nach der Gewohnheit des Priestertums, das Los, in den Tempel des Herrn hineinzugehen, um zu räuchern. Und die ganze Menge des Volks war draußen betend zur Stunde des Räucherns. Und es erschien ihm ein Engel des Herrn, zur rechten Seite des Räucheraltars stehend. Und Zacharias, ihn sehend, ward bestürzt, und Furcht überfiel ihn. Der Engel aber sprach zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias, denn dein Flehen ist erhört, und dein Weib Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen "Johannes" nennen. Und du wirst Freude und Wonne haben, und Viele werden sich über seine Geburt freuen. Denn er wird groß sein vor dem Herrn; weder Wein noch starkes Getränk wird er trinken, und schon von Mutterleibe an mit dem Heiligen Geiste erfüllt werden. Und Viele der Söhne Israels wird er zu dem Herrn, ihrem Gott, bekehren. Und derselbe wird in dem Geist und der Kraft Eliä vor Ihm hergehen, die Herzen der Väter zu den Kindern und Ungehorsame zur Weisheit der Gerechten zu bekehren, um dem Herrn ein zugerüstetes Volk zu bereiten. Und Zacharias sagte zu dem Engel: Woran soll ich dies wissen? denn ich bin alt und mein Weib Elisabeth ist in ihren Tagen vorgerückt. Und der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt, zu dir zu reden, und dir diese gute Botschaft zu verkündigen. Und siehe, du wirst schweigend sein und nicht sprechen können, bis zu dem Tage, da dies geschehen wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, welche zu ihrer Zeit werden erfüllt werden. Und das Volk wartete auf den Zacharias, und sie verwunderten sich darüber, daß er im Tempel verzog. Als er aber hinauskam, konnte er nicht mit ihnen reden, und sie erkannten, daß er in dem Tempel ein Gesicht gesehen hatte. Und er winkte ihnen und blieb stumm. Und es geschah, als die Tage seines Dienstes erfüllt waren, ging er weg nach seinem Hause. Nach diesen Tagen aber ward Elisabeth, sein Weib schwanger, und verbarg sich fünf Monate, sagend: Also hat der Herr mir in den Tagen getan, da Er mich angesehen, meine Schmach unter den Menschen wegzunehmen. Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel von Gott gesandt in eine Stadt von Galiläa, Namens Nazareth, zu einer Jungfrau, verlobt einem Manne, Namens Joseph, aus dem Hause Davids; und der Name der Jungfrau war Maria. Und der Engel trat zu ihr hinein, und sprach: Sei gegrüßt, Begnadigte! der Herr mit dir! Gesegnet bist du unter den Weibern! Sie aber, als sie hinsah, ward über sein Wort bestürzt und überlegte, was dies für ein Gruß sei. Und der Engel sagte zu ihr: Fürchte dich nicht Maria! denn du hast Gnade bei Gott gefunden; und siehe! du wirst im Leibe empfangen und einen Sohn gebären, und sollst Seinen Namen "Jesus" heißen. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden, und der Herr Gott wird Ihm den Thron Seines Vaters David geben; und Er wird über das Haus Jakobs in die Zeitalter herrschen, und Seines Reiches wird kein Ende sein. - Maria aber sagte zu dem Engel: Wie wird dieses sein, da ich keinen Mann kenne? Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, was geboren wird, Gottes Sohn genannt werden. Und siehe! Elisabeth, deine Verwandte, ist auch mit einem Sohne in ihrem Alter schwanger, und dies ist der sechste Monat bei ihr, welche die Unfruchtbare genannt war; denn bei Gott wird kein Ding unmöglich sein. Maria aber sprach: Siehe, die Magd des Herrn! Es geschehe mir nach deinem Worte. - Und der Engel ging von ihr. Maria aber machte sich in diesen Tagen auf und ging in Eile nach dem Gebirge in eine Stadt Juda, und ging hinein in das Haus Zacharias, und begrüßte die Elisabeth. Und es geschah, als Elisabeth den Gruß der Maria hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe; und Elisabeth ward mit dem Heiligen Geist erfüllt, und rief aus mit lauter Stimme und sprach: Gesegnet bist du unter den Weibern! und gesegnet die Frucht deines Leibes! Und woher mir dies, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt. Denn siehe, wie die Stimme deines Grußes in meine Ohren drang, hüpfte vor Freuden das Kind in meinem Leibe. Und glückselig die, welche geglaubt hat! Denn es wird zur Erfüllung kommen, was ihr vom Herrn geredet worden ist. Und Maria sprach: Meine Seele erhebet den Herrn; und mein Geist hat frohlockt in Gott, meinem Heilande; denn Er hat auf die Niedrigkeit Seiner Magd hingeblickt; denn siehe! von nun an sprechen mich alle Geschlechter glückselig. Denn große Dinge hat der Allmächtige an mir getan, und Sein Name ist heilig, und Seine Barmherzigkeit ist von Geschlecht zu Geschlecht über die, welche Ihn fürchten. Er hat mit Seinem Arm Gewalt getan; Er hat die Hochmütigen in der Gesinnung ihres Herzens zerstreut. Mächtige hat Er von den Thronen gestoßen, und hat Niedrige erhöht. Hungernde hat Er mit Gütern erfüllt, und Reiche hat Er leer weggeschickt. Er hat Sich Israels als Seines Knechts angenommen, damit Er der Barmherzigkeit eingedenk sei (wie Er zu unsern Vätern geredet hat) gegen Abraham und seinen Samen bis in Ewigkeit. - Und Maria blieb ungefähr drei Monate bei ihr, und kehrte nach ihrem Hause zurück. Für Elisabeth aber ward die Zeit erfüllt, daß sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn. Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, daß der Herr Seine Barmherzigkeit an ihr groß gemacht, und sie freuten sich mit ihr. Und es geschah am achten Tage, daß sie kamen, das Knäblein zu beschneiden; und sie nannten ihn nach dem Namen seines Vaters, Zacharias. Und seine Mutter antwortete und sprach: Nicht also, sondern er soll Johannes heißen. Und sie sprachen zu ihr: In deiner Verwandtschaft ist Keiner, der mit diesem Namen genannt ist. Sie winkten aber seinem Vater, wie er wolle, daß er genannt werde. Und er forderte ein Schreibtäfelchen und schrieb, sagend: Johannes ist sein Name! Und sie verwunderten sich Alle. Alsbald aber ward sein Mund aufgetan und seine Zunge, und er redete und lobte Gott. Und es kam Furcht über Alle, die um sie her wohnten; und auf dem ganzen Gebirge von Judäa wurde durchgehends über alle diese Dinge gesprochen. Und Alle, die es hörten, nahmen es zu Herzen, sagend: Was wird doch aus diesem Kinde werden? - Und die Hand des Herrn war mit ihm. Und Zacharias, sein Vater, ward mit dem Heiligen Geiste erfüllt; und er weissagte, sagend: Gelobt sei der Herr, der Gott Israels; denn Er hat besucht, - und Seinem Volke eine Erlösung geschafft; und hat für uns ein Horn des Heils, in dem Hause Davids, seines Knechts, aufgerichtet; (gleichwie Er durch den Mund Seiner heiligen Propheten, die von Alters her waren, geredet hat); Heil von unsern Feinden und von der Hand Aller, die uns hassen; um Barmherzigkeit gegen unsere Väter zu vollbringen, und Seines heiligen Bundes zu gedenken, den Eid, den Er Abraham, unserm Vater geschworen, um uns zu geben, daß wir ohne Furcht, gerettet aus der Hand unserer Feinde, Ihm dienen sollen, in Frömmigkeit und Gerechtigkeit vor Ihm alle unsere Tage. - Und du Knäblein wirst ein Prophet des Höchsten genannt werden, denn du wirst vor dem Angesichte des Herrn vorangehen, Seine Wege zu bereiten, um Seinem Volke Erkenntnis des Heils zu geben in Vergebung ihrer Sünden, durch die herzliche Barmherzigkeit unsers Gottes, in welcher uns der Aufgang aus der Höhe besucht hat, um denen zu leuchten, welche in Finsternis und in Schatten des Todes sitzen, um unsere Füße auf den Weg des Friedens zu richten. Das Knäblein aber wuchs und ward gestärkt im Geist, und war in den Wüsteneien, bis zu dem Tage seiner Offenbarung an Israel.


2.


Es geschah aber in jenen Tagen, daß eine Verordnung vom Kaiser Augustus ausging, den ganzen Erdkreis einzuschreiben. Die Einschreibung selbst fand erst statt, als Cyrenius Landpfleger über Syrien war. Und Alle gingen hin, um eingeschrieben zu werden, ein Jeglicher in seine eigene Stadt. Es ging aber auch Joseph von Galiläa, aus der Stadt Nazareth, hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, welche Bethlehem heißt, weil er aus dem Hause und dem Geschlechte Davids war, um mit Maria, seinem angetrauten Weibe, welche schwanger war, eingeschrieben zu werden. Und es geschah, als sie da waren, wurden ihre Tage erfüllt, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren erstgebornen Sohn, und wickelte Ihn in Windeln und legte Ihn in die Krippe nieder, weil in der Herberge kein Raum für sie war. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend unter freiem Himmel, und hielten Nachtwache über ihre Herde. Und siehe! ein Engel des Herrn stand bei ihnen, und die Herrlichkeit des Herrn umleuchtete sie, und sie fürchteten sich mit großer Furcht. Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! denn siehe! ich verkündige euch große Freude, welche für das ganze Volk sein wird; denn euch ist heute in der Stadt Davids ein Erretter geboren, welcher Christus, der Herr ist. Und dieses sei euch das Zeichen: Ihr werdet ein Kindlein in Windeln gewickelt finden, in einer Krippe liegend. Und plötzlich war bei dem Engel eine Menge der himmlischen Heerscharen, Gott lobend und sagend: Herrlichkeit Gott in der Höhe, und Friede auf der Erde, an den Menschen Wohlgefallen. Und es geschah, als die Engel von ihnen in den Himmel fuhren, daß die Hirten unter einander sagten. Laßt uns denn hingehen bis gen Bethlehem, und diese Sache sehen, welche geschehen ist, welche der Herr uns kund getan hat. Und sie kamen eilend und fanden die Maria und den Joseph, und das Kindlein in der Krippe liegend. Und als sie es gesehen, machten sie überall das Wort bekannt, was zu ihnen über dieses Kindlein geredet war. Und Alle, die es hörten, verwunderten sich über das, was zu ihnen von den Hirten gesagt ward. Maria aber bewahrte alle diese Worte, sie in ihrem Herzen erwägend. Und die Hirten kehrten wieder um, Gott verherrlichend und lobend über Alles, was sie gehört und gesehen hatten, so wie es zu ihnen geredet worden war. Und als acht Tage erfüllt waren, daß man Ihn beschneiden sollte, wurde auch Sein Name "Jesus" genannt, der von dem Engel genannt war, ehe Er im Leibe empfangen worden war. Und als die Tage ihrer Reinigung nach dem Gesetzt Mosis erfüllt waren, brachten sie Ihn hinauf nach Jerusalem, um Ihn dem Herrn darzustellen, (gleichwie in dem Gesetz des Herrn geschrieben steht: "Jedes Männliche, das zuerst die Mutter bricht, soll dem Herrn heilig heißen"; und ein Opfer zu geben, nach dem, was im Gesetz des Herrn gesagt ist: ein Paar Turteltauben, oder zwei junge Tauben. Und siehe! es war ein Mensch in Jerusalem mit Namen Simeon; und dieser Mensch war gerecht und gottesfürchtig, auf den Trost Israels wartend; und der Heilige Geist war auf ihm. Und ihm war von dem Heiligen Geiste ein göttlicher Ausspruch geworden: er solle den Tod nicht sehen, bevor er den Christ des Herrn gesehen habe. Und er kam durch den Geist in den Tempel. Und als die Eltern das Knäblein Jesu hineinbrachten, um für Ihn nach der Gewohnheit des Gesetzes zu tun, nahm auch er Ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Nun entlässest Du, o Herr, nach Deinem Worte, Deinen Diener in Frieden; denn meine Augen haben Dein Heil gesehen, welches Du vor dem Angesicht aller Völker bereitet hast: ein Licht zur Offenbarung der Nationen und zur Herrlichkeit Deines Volkes Israel. Und Joseph und Seine Mutter verwunderten sich über das, was von Ihm geredet ward. Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria, Seiner Mutter: Siehe! Dieser liegt zum Fall und Auferstehen Vieler in Israel und als ein widersprochenes Zeichen, (und auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen), daß bei Vielen die Gedanken der Herzen offenbart werden. Und es war eine Prophetin Hanna, Tochter Phanuels, aus dem Stamme Aser. Diese war in ihren Tagen sehr vorgerückt, und hatte mit einem Manne sieben Jahre von ihrer Jungfrauschaft an gelebt, und sie war eine Witwe bei vier und achtzig Jahren, die nicht von dem Tempel wich, Nacht und Tag mit Fasten und Gebet dienend. Und diese trat zu derselben Stunde herzu, lobte den Herrn und redete von Ihm zu Allen, die in Jerusalem auf Erlösung warteten. Und als sie Alles vollendet hatten, das nach dem Gesetz des Herrn zu tun war, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth zurück. Das Knäblein aber wuchs und ward stark am Geiste, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade war auf Ihm. Und Seine Eltern gingen jährlich nach Jerusalem auf das Fest des Passah. Und als Er zwölf Jahre alt war, und sie nach der Gewohnheit des Festes nach Jerusalem hinaufgingen, und sie die Tage vollendet hatten, blieb, als sie zurückkehrten, der Knabe Jesus in Jerusalem zurück; und Joseph und Seine Mutter wußten es nicht. Da sie aber meinten, Er sei unter der Reisegesellschaft, kamen sie eine Tagereise weit und suchten Ihn unter den Verwandten und Bekannten auf. Und als sie Ihn nicht fanden, kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten Ihn. Und es geschah nach drei Tagen, fanden sie Ihn im Tempel, in der Mitte der Lehrer sitzend, sowohl ihnen zuhörend, als sie fragend. Und alle, die Ihn hörten, erstaunten über Sein Verständnis und Seine Antworten. Und als sie Ihn sahen, wurde sie bestürzt, und Seine Mutter sprach zu Ihm: Kind, warum hast Du uns also getan? Siehe! Dein Vater und ich haben Dich mit Schmerzen gesucht. Und Er sprach zu ihnen: Was ist es, daß ihr Mich gesucht habt? Wußtet ihr nicht, daß Ich in Dem, was Meines Vaters ist, sein muß? Und sie verstanden das Wort nicht, was Er zu ihnen redete.Und Er ging mit ihnen und kam nach Nazareth; und er war ihnen untertänig. Und Seine Mutter bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, und an Größe und Gunst bei Gott und den Menschen.


3.


Im fünfzehnten Jahre aber der Regierung des Kaisers Tiberius, als Pontius Pilatus Landpfleger von Judäa, und Herodes, Vierfürst von Galiläa, und sein Bruder Philippus, Vierfürst von Ituräa und der Gegend Trachonitis, und Lysanias, Vierfürst von Abilene war, unter dem Hohenpriester Hannas und Kajaphas, - geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem Sohne des Zacharias, in der Wüste. Und er kam in die ganze Umgegend des Jordans, predigend die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden; wie in dem Buche der Worte Jesaia, des Propheten, geschrieben steht, sagend: "Stimme des Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet richtig Seine Steige! Jedes Tal wird angefüllt werden, und jeder Berg und Hügel wird geniedrigt werden, und das Krumme wird zum geraden Wege und die höckerichten zu ebenen Wegen werden; und alles Fleisch wird das Heil Gottes sehen." Da sagte er zu der Volksmenge, welche hinausging, um von ihm getauft zu werden: Otternbrut! wer hat euch angezeigt, dem kommenden Zorn zu entfliehen? Bringet denn der Buße würdige Früchte, und beginnt nicht bei euch selbst zu sagen: Wir haben den Abraham zum Vater! Denn ich sage euch, Gott kann aus diesen Steinen dem Abraham Kinder erwecken. Schon ist aber auch die Axt an die Wurzel der Bäume gelegt. Ein jeder Baum denn, der nicht gute Früchte bringt, wird abgehauen und in das Feuer geworfen. Und die Volksmenge fragte ihn, sagend: Was sollen wir denn tun? Und er antwortete und sagte zu ihnen: Wer zwei Röcke hat, teile Dem mit, der keinen hat; und wer Speise hat, tue desgleichen. Es kamen aber auch Zöllner, um getauft zu werden, und sprachen zu ihm: Lehrer! Was sollen wir tun? Und er sprach zu ihnen: Fordert nichts mehr, als was euch bestimmt ist. Es fragten ihn aber auch Kriegsleute, sagend: Und wir, was sollen wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tuet Niemandem Gewalt, und klaget Niemanden ohne Ursache an, und begnügt euch mit eurem Solde. - Und als das Volk in Erwartung war, und Alle in ihren Herzen über Johannes gedachten, ob er nicht vielleicht der Christus sei, antwortete Johannes Allen, sagend: Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber Der, welcher stärker ist als ich, dem ich nicht würdig bin, die Riemen Seiner Sandalen aufzubinden; Er wird euch mit dem Heiligen Geiste und mit Feuer taufen. Und Seine Wurfschaufel ist in Seiner Hand, und Er wird Seine Tenne ganz und gar reinigen, und den Weizen auf Seinen Speicher sammeln, die Spreu aber mit unauslöschlichem Feuer verbrennen. Und vieles Andere nun predigte er dem Volke ermahnend. Herodes aber, der Vierfürst, weil er von ihm gestraft ward, wegen Herodias, des Weibes seines Bruders und wegen alles Bösen, welches Herodes getan hatte, fügte Allem auch das hinzu, daß er den Johannes ins Gefängnis einschloß. Es geschah aber, da das ganze Volk getauft wurde, und auch Jesus getauft war und betete, daß der Himmel aufgetan wurde, und der Heilige Geist in leiblicher Gestalt, gleichwie eine Taube, auf Ihn hernieder stieg, und eine Stimme aus dem Himmel geschah, sagend: Du bist Mein geliebter Sohn, an welchem Ich Wohlgefallen gefunden habe. Und Er Selbst, Jesus, begann ungefähr dreißig Jahre alt zu werden, und war, wie man glaubte, Sohn des Joseph, Sohnes des Eli, Sohnes des Mathat, Sohnes des Levi, Sohnes des Melchi, Sohnes des Janna, Sohnes des Joseph, Sohnes des Mattathias, Sohnes des Amos, Sohnes des Nahum, Sohnes des Esli, Sohnes des Naggai, Sohnes des Maath, Sohnes des Mattathias, Sohnes des Semei, Sohnes des Joseph, Sohnes des Juda, Sohnes des Joannas, Sohnes des Resa, Sohnes des Zorobabel, Sohnes des Salathiel, Sohnes des Neri, Sohnes des Melchi, Sohnes des Addi, Sohnes des Kosam, Sohnes des Elmodam, Sohnes des Er, Sohnes des Jose, Sohnes des Elieser, Sohnes des Jorim, Sohnes des Matthat, Sohnes des Levi, Sohnes des Simeon, Sohnes des Juda, Sohnes des Joseph, Sohnes des Jonan, Sohnes des Eljakim, Sohnes des Melea, Sohnes des Mainan, Sohnes des Mattatha, Sohnes des Nathan, Sohnes des David, Sohnes des Jesse, Sohnes des Obed, Sohnes des Boas, Sohnes des Salmon, Sohnes des Nahasson, Sohnes des Aminadab, Sohnes des Aram, Sohnes des Esrom, Sohnes des Phares, Sohnes des Juda, Sohnes des Jakob, Sohnes des Isaak, Sohnes des Abraham, Sohnes des Tharah, Sohnes des Nachor, Sohnes des Seruch, Sohnes des Ragau, Sohnes des Phalek, Sohnes des Eber, Sohnes des Salah, Sohnes des Kainan, Sohnes des Arphaxad, Sohnes des Sem, Sohnes des Noah, Sohnes des Lamech, Sohnes des Methusalah, Sohnes des Enoch, Sohnes des Jared, Sohnes des Malaleel, Sohnes des Kainan, Sohnes des Enos, Sohnes des Seth, Sohnes des Adam, Sohnes Gottes.


4.


Jesus aber, voll des Heiligen Geistes, kehrte vom Jordan zurück, und ward vom Geiste in die Wüste geführt, und ward vierzig Tage vom Teufel versucht. Und Er aß in jenen Tagen nichts, und als sie vollendet waren, hungerte Ihn hernach. Und der Teufel sprach zu ihm: Wenn Du Gottes Sohn bist, so sprich zu diesem Steine, daß er Brot werde. Und Jesus antwortete ihm, sagend: Es steht geschrieben: Nicht durch Brot allein soll der Mensch leben, sondern durch jegliches Wort Gottes. Und der Teufel führte Ihn auf einen hohen Berg und zeigte Ihm in einem Augenblicke alle Reiche der Welt. Und der Teufel sprach zu Ihm: Ich werde Dir alle diese Gewalt und ihre Herrlichkeit geben; denn mir ist sie übergeben, und wem immer ich will, gebe ich sie. Wenn Du denn vor mir anbeten wirst, wird es Alles Dein sein. Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Gehe hinter Mich, Satanas! Es steht geschrieben: "Du sollst den Herrn, deinen Gott anbeten und Ihm allein dienen!" Und er führte Ihn nach Jerusalem und stellte Ihn auf die Zinne des Tempels, und sprach zu Ihm: Wenn Du der Sohn Gottes bist, wirf Dich selbst von hier hinunter! Denn es steht geschrieben: "Er wird Seinen Engeln befehlen über Dir, daß sie Dich bewahren, und sie werden Dich auf den Händen tragen, daß Du Deinen Fuß nicht an einen Stein stößest." Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist gesagt: "Du sollst den Herrn, deinen Gott nicht versuchen." Und als der Teufel jede Versuchung vollendet, wich er für eine Zeit von Ihm. Und Jesus kehrte in der Kraft des Geistes nach Galiläa zurück; und das Gerücht von Ihm ging durch die ganze Umgegend aus. Und Er lehrte in ihren Synagogen, geehrt von Allen. Und Er kam nach Nazareth, wo Er erzogen war, und ging nach Seiner Gewohnheit am Tage des Sabbaths in die Synagoge, und stand auf, um vorzulesen. Und Ihm ward die Rolle des Propheten Jesaias gereicht, und indem Er die Rolle aufwickelte, fand Er die Stelle, wo geschrieben stand: "Der Geist des Herrn ist auf mir, deswegen hat Er mich gesalbt, den Armen das Evangelium zu verkündigen; Er hat mich gesandt, die zerknirschten Herzens sind, zu heilen; den Gefangenen die Befreiung zu verkündigen, und den Blinden das Gesicht; die Zerschlagenen in Freiheit wegzuschicken; das angenehme Jahr des Herrn zu verkündigen." Und als Er die Rolle zugewickelt und dem Diener zurückgegeben, setzte Er Sich; und Aller Augen in der Synagoge waren auf Ihn gerichtet. Er fing aber an zu ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift vor euren Ohren erfüllt. Und Alle gaben Ihm Zeugnis und verwunderten sich über die Worte der Gnade, die von Seinem Munde ausgingen, und sprachen: Ist Dieser nicht der Sohn Josephs? Und Er sprach zu ihnen: Ihr werdet ohne Zweifel dieses Gleichnis zu Mir sagen: Arzt, heile Dich selbst! Alles, wovon wir gehört, daß es in Kapernaum geschehen, tue auch hier in Deinem Lande. Er aber sagte: Wahrlich, Ich sage euch, daß kein Prophet in seinem Lande angenehm ist. In Wahrheit aber sage Ich euch: Viele Witwen waren in den Tagen Elias´ in Israel, als der Himmel drei Jahre und sechs Monate verschlossen, so daß in dem ganzen Lande eine große Hungersnot ward; und zu Keiner von ihnen ward Elias gesandt, als allein nach Sarepta-Sidonis, zu einem Weibe, die Witwe war. Und viele Aussätzige waren zur Zeit Elisa, des Propheten in Israel, und Keiner von ihnen ward gereinigt, als allein Naeman der Syrer. - Und Alle in der Synagoge wurden von Wut erfüllt, als sie dieses hörten. Und sie standen auf und stießen Ihn zur Stadt hinaus, und führten Ihn bis an den Rand des Berges, an welchem ihre Stadt erbaut war, um Ihn hinabzustürzen. Er aber, durch ihre Mitte hingehend, ging hinweg. Und Er kam nach Kapernaum, einer Stadt in Galiläa, und lehrte sie am Sabbath. Und sie erstaunten sehr über Seine Lehre; denn Sein Wort war mit Gewalt. Und in der Synagoge war ein Mensch, der den Geist eines unreinen Teufels hatte, und er schrie auf mit großer Stimme, sagend: Laß ab! was haben wir miteinander, Jesu, Nazarener! Bist Du gekommen, uns zu verderben? Ich kenne Dich, wer Du bist, der Heilige Gottes. Und Jesus bedrohte ihn, sagend: Verstumme, und fahre aus von ihm! Und als der Teufel ihn mitten unter sie geworfen, fuhr er von ihm aus, ohne ihn zu beschädigen. Und Staunen kam über Alle, und sie redeten untereinander, sagend: Was ist dies für ein Wort, daß Er mit Gewalt und Kraft den unreinen Geistern gebietet, und sie ausfahren? Und das Gerücht von Ihm ging in jeden Ort der Umgegend aus. Und Er stand auf und ging aus der Synagoge, und kam in das Haus Simons. Die Schwiegermutter des Simon aber war von einem starken Fieber befallen, und sie baten Ihn für sie. Und Er stand über ihr, bedrohte das Fieber, und es verließ sie; sie aber stand alsbald auf und diente ihnen. Als aber die Sonne unterging, brachten Alle, welche Leidende an verschiedenen Krankheiten hatten, dieselben zu Ihm hin; Er aber legte einem Jeglichen von ihnen die Hände auf und heilte sie. Und auch Teufel fuhren von Vielen aus, rufend und sagend: Du bist der Christus, der Sohn Gottes! Und Er bedrohte sie und ließ sie nicht reden, weil sie wußten, daß Er der Christus war. Als es aber Tag geworden, ging Er aus und begab sich an einen wüsten Ort; und die Volksmenge suchte Ihn, und kam bis zu Ihm; und sie hielten Ihn auf, daß Er nicht von ihnen ginge. Er aber sprach zu ihnen: Ich muß auch den andern Städten die gute Botschaft vom Reiche Gottes verkündigen; denn dazu bin ich gesandt. Und Er predigte in den Synagogen von Galiläa.


5.


Und es geschah, als die Menge Ihn drängte, um das Wort Gottes zu hören, daß Er an dem See Genezareth stand. Und Er sah zwei Schiffe am See stehen; die Fischer aber waren aus denselben getreten und wuschen ihre Netze ab. Er aber stieg in eins der Schiffe, welches dem Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Lande abzufahren; und Sich niedersetzend, lehrte Er das Volk aus dem Schiffe. Als Er aber zu reden aufhörte, sprach Er zu Simon: Fahre auf die Tiefe, und lasset eure Netze zu einem Fang hinab. Und Simon antwortete und sprach zu Ihm: Meister, wir haben uns die ganze Nacht gemüht und nichts gefangen, aber auf Dein Wort will ich das Netz hinablassen. Und als sie dieses getan hatten, umschlossen sie eine große Menge Fische, und ihr Netz riß. Und sie winkten ihre Genossen in dem andern Schiffe, daß sie kämen, ihnen zu helfen; und sie kamen und füllten beide Schiffe, daß sie sanken. Als aber Simon Petrus es sah, fiel er zu den Knieen Jesu hin, sagend: Gehe hinaus von mir, denn ich bin ein sündiger Mensch, Herr! Denn Erstaunen hatte ihn erfaßt, und Alle, die bei ihm waren, über den Fang der Fische, den sie getan hatten. Desgleichen aber auch den Jakobus und den Johannes, Söhne des Zebedäus, welche Genossen von Simon waren. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht, von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und die Schiffe an das Land zurückbringend, und Alles verlassend, folgten sie Ihm nach. Und es geschah, als Er in einer der Städte war, siehe! da war ein Mann voll Aussatzes; und als er Jesum sah, fiel er auf sein Angesicht und bat Ihn, sagend: Herr, wenn Du willst, so kannst Du mich reinigen. Und Er streckte die Hand aus, rührte ihn an, sagend: Ich will; sei gereinigt! Und alsbald wich der Aussatz von ihm. Und Er befahl ihm, es Niemandem zu sagen, sondern gehe hin und zeige dich dem Priester, und opfere für deine Reinigung, wie Moses geboten hat, ihnen zu einem Zeugnis. Aber die Rede über Ihn ging um so mehr aus; und eine große Volksmenge versammelte sich, Ihn zu hören und durch Ihn von ihren Krankheiten geheilt zu werden. Er aber hielt Sich in den Wüsteneien zurück und betete. Und es geschah an einem der Tage, daß Er lehrte; und es saßen daselbst Pharisäer und Gesetzlehrer, welche aus jedem Dorfe in Galiläa und Judäa und von Jerusalem gekommen waren; und die Kraft des Herrn war da, um sie zu heilen. Und siehe! Männer brachten auf einem Bette einen Menschen, der gichtbrüchig war, und sie suchten ihn hineinzubringen und vor Ihn zu legen. Und nicht findend, wie sie ihn durch die Menge hineinbrächten, stiegen sie auf das Haus und ließen ihn mit dem Bettlein durch die Dachziegel in die Mitte vor Jesu hernieder. Und als Er ihren Glauben sah, sprach Er zu ihm: Mensch, deine Sünden sind dir vergeben! Und die Schriftgelehrten und Pharisäer fingen an zu überlegen, sagend: Wer ist dieser, der Lästerungen redet? Wer kann die Sünden vergeben, als nur Gott allein? Jesus aber, ihre Gedanken kennend, antwortete und sprach zu ihnen: Warum überleget ihr in euren Herzen? Was ist leichter, zu sagen: Deine Sünden sind dir vergeben! oder zu sagen: Stehe auf und wandele? Damit ihr aber wisset, daß der Sohn des Menschen Gewalt hat auf der Erde Sünden zu vergeben, (sprach Er zu dem Gichtbrüchigen): Ich sage dir, stehe auf, und nimm dein Bettlein und gehe nach deinem Hause! Und sogleich stand er vor ihnen auf, hob auf, worauf er gelegen, und ging, Gott verherrlichend, weg nach seinem Hause. Und Staunen ergriff sie Alle, und sie verherrlichten Gott, und wurden mit Furcht erfüllt, sagend: Wir haben heute Außerordentliches gesehen! Und nach diesem ging Er weg, und Er sah einen Zöllner mit Namen Levi am Zollhause sitzen, und sagte zu ihm: Folge Mir nach! Und Alles verlassend, stand er auf und folgte Ihm nach. Und Levi machte Ihm ein großes Mahl in seinem Hause; und da war eine große Menge Zöllner und Anderer, die mit ihnen zu Tische lagen. Und die Schriftgelehrten und Pharisäer murrten gegen Seine Jünger, sagend: Warum esset und trinket ihr mit den Zöllnern und Sündern? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße. Sie aber sprachen zu Ihm: Warum fasten die Jünger Johannis oft und beten, desgleichen auch die der Pharisäer; die Deinigen aber essen und trinken? Er aber sprach zu ihnen: Könnt ihr die Söhne des Brautgemachs zum Fasten treiben, während der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, wann auch der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, dann, in jenen Tagen werden sie fasten. Er sprach aber auch ein Gleichnis zu ihnen: Niemand flickt einen Flicklappen von einem neuen Kleide auf ein altes Kleid; sonst macht sowohl das neue einen Riß, als auch der Flicklappen von dem neuen für das alte nicht paßt. Und Niemand faßt jungen Wein in alte Schläuche; sonst wird der junge Wein die Schläuche zerreißen, und er selbst wird verschüttet werden und die Schläuche werden verderben. Sondern jungen Wein muß man in neue Schläuche fassen, und Beide werden zusammen erhalten.Und Niemand, wenn er alten getrunken hat, will alsbald jungen; denn er spricht: der alte ist besser.


6.


Und es geschah am zweit-ersten Sabbath, daß Er durch die Saaten hindurch ging; und Seine Jünger pflückten die Ähren ab und aßen sie, mit den Händen sie zerreibend. Einige aber der Pharisäer sprachen zu ihnen: Warum tut ihr, was auf den Sabbath zu tun nicht erlaubt ist? Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Habt ihr auch dieses nicht gelesen, was David tat, als ihn und die, welche mit ihm waren, hungerte? Wie er in das Haus Gottes hineinging und die Schaubrote nahm und aß, und auch denen gab, die mit ihm waren? welche zu essen doch nicht erlaubt ist, als nur den Priestern. Und Er sprach zu ihnen: Der Sohn des Menschen ist Herr auch des Sabbaths. Und es geschah auch an einem andern Sabbath, daß Er in die Synagoge ging und lehrte. Und es war daselbst ein Mesnch, dessen rechte Hand verdorrt war. Die Schriftgelehrten und Pharisäer aber lauerten auf Ihn, ob Er an dem Sabbath heilen würde, damit sie eine Beschuldigung wider Ihn fänden. Er aber wußte ihre Gedanken, und sprach zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Stehe auf, und stelle dich in die Mitte. Er aber stand auf und stellte sich hin. Jesus sprach nun zu ihnen: Ich will euch fragen: Was ist an den Sabbathen erlaubt? Gutes zu tun oder Böses zu tun? das Leben zu retten oder zu verderben? Und Er sah sie Alle umher an und sprach zu ihm: Strecke deine Hand aus! Und er tat also; und seine Hand ward wieder hergestellt, wie die andere. Sie aber wurden vor Wut ganz unsinnig, und besprachen sich unter einander, was sie mit Jesu tun sollten. Und es geschah in diesen Tagen, daß Er auf den Berg hinausging, um zu beten; und Er verharrte die Nacht im Gebet zu Gott. Und als es Tag ward, rief Er Seine Jünger zu Sich, und Er erwählte aus ihnen Zwölfe, die Er auch Apostel nannte: Simon, den Er auch Petrus nannte, und Andreas, seinen Bruder; Jakobus und Johannes, Philippus und Bartholomäus, Matthäus und Thomas, Jakobus, Sohn des Alphäus und Simon, genannt Zelotes, Judas, den Bruder Jakobi und Judas, den Iskariot, welcher auch der Verräter ward. Und als Er mit ihnen hinabgegangen war, trat Er auf einen ebenen Platz, und die Menge Seiner Jünger und eine große Menge des Volkes von ganz Judäa und Jerusalem und von der Seeküste von Tyrus und Sidon, welche kamen, Ihn zu hören, und von ihren Krankheiten geheilt zu werden, und die von unreinen Geistern geplagt wurden; und sie wurden geheilt. Und die ganze Volksmenge suchte Ihn anzurühren; denn es ging Kraft von Ihm aus und heilte Alle. Und Er hob Seine Augen auf zu Seinen Jüngern und sprach: Glückselig ihr Armen, denn euer ist das Reich Gottes! Glückselig, die ihr jetzt hungert, denn ihr werdet gesättigt werden! Glückselig, die ihr jetzt weinet, denn ihr werdet lachen! Glückselig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen werden, und wenn sie euch absondern und schmähen, und euren Namen als böse verwerfen werden, um des Sohnes des Menschen willen! Freuet euch an demselben Tage, und hüpfet; denn siehe! euer Lohn ist groß im Himmel; denn desgleichen taten ihre Väter den Propheten. Aber wehe euch Reichen; denn ihr habt euren Trost dahin! Wehe euch, die ihr voll seid; denn ihr werdet hungern! Wehe euch, die ihr jetzt lachet; denn ihr werdet trauern und weinen! Wehe euch, wenn alle Menschen gut von euch reden! denn dergleichen taten ihre Väter den falschen Propheten. Aber euch sage Ich, die ihr höret: Liebet eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch fluchen; betet für die, welche euch beleidigen. Dem, der dich auf den Backen schlägt, biete auch den andern; und dem, der dir den Mantel nimmt, dem wehre auch den Rock nicht. Jedem, der dich bittet, gib; und von dem, der dir das Deinige nimmt, fordere es nicht zurück. Und wie ihr wollt, daß euch die Menschen tun, tut auch ihr ihnen desgleichen. Und wenn ihr die liebt, welche euch lieben, was für Dank ist es euch? denn auch die Sünder lieben die, welche sie lieben. Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun, was für Dank ist es euch? denn auch die Sünder tun dasselbe. Und wenn ihr denen leihet, wovon ihr wieder zu empfangen hofft, was für Dank ist es euch? denn auch die Sünder leihen Sündern, um das Gleiche wieder zu empfangen. Doch liebet eure Feinde, und tut Gutes und leihet, nichts wieder hoffend, und es wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Söhne des Höchsten sein; denn Er ist gütig über die Undankbaren und Bösen. Seid also barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist; und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet werden; verurteilt nicht, und ihr werdet nicht verurteilt werden; lasset los, und ihr werdet losgelassen werden; gebet, und es wird euch gegeben werden; ein gutes, gedrücktes, gerütteltes und überlaufendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn mit demselben Maß, damit ihr messet, wird euch wieder gemessen werden. Er sagte aber ein Gleichnis zu ihnen: Kann ein Blinder einen Blinden leiten? Werden sie nicht beide in die Grube fallen? Ein Schüler ist nicht über seinen Lehrer; Jeder aber, der vollkommen ist, wird wie sein Lehrer sein. Warum siehst du aber den Splitter, der in dem Auge deines Bruders ist, den Balken aber, der in deinem eigenen Auge ist, bemerkst du nicht? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen. Bruder! laß mich den Splitter, der in deinem Auge ist, auswerfen, und selbst siehst du den Balken in deinem Auge nicht? Heuchler! wirf zuerst den Balken aus deinem Auge, dann wirst du gut sehen, um den Splitter, der in dem Auge deines Bruders ist, herauszuwerfen. Denn es ist kein guter Baum, der faule Frucht, noch ein fauler Baum, der gute Frucht bringt; denn ein jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht erkannt; denn von Dornen liest man nicht Feigen, noch liest man Trauben von einem Brombeerstrauch. Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz seines Herzens das Gute hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatz seines Herzens das Böse hervor; denn aus der Fülle des Herzens spricht sein Mund. Warum nennt ihr Mich aber: Herr, Herr! und tut nicht, was Ich sage? Jeder, der zu Mir kommt, und Meine Worte hört und sie tut, - Ich werde euch zeigen, wem er gleich ist. Er ist einem Menschen gleich, der ein Haus baute, welcher grub und vertiefte, und das Fundament auf den Felsen legte. Als aber eine Wasserflut kam, schlug der Strom gegen jenes Haus und konnte es nicht erschüttern, denn es war auf den Felsen gegründet. Der aber gehört und nicht getan hat, der ist einem Menschen gleich, der ein Haus auf die Erde ohne Fundament baute; gegen welches der Strom anschlug, und alsbald fiel es, und der Riß jenes Hauses war groß.


7.


Nachdem Er aber alle Seine Worte vor den Ohren des Volks vollendet hatte, ging Er in Kapernaum hinein. Und der Knecht eines gewissen Hauptmanns, der ihm wert war, war krank und lag im Sterben. Und als er von Jesu hörte, sandte er Älteste der Juden zu Ihm, Ihn bittend, daß Er käme, und seinen Knecht gesund mache. Da sie aber zu Jesu kamen, baten sie Ihn dringend, sagend: Er ist würdig, daß Du ihm dies gewährst; denn er hat unser Volk lieb, und die Synagoge hat er uns erbaut. Und Jesus ging mit ihnen hin. Als Er aber nicht ferne von dem Hause war, sandte der Hauptmann schon Freunde zu Ihm, zu Ihm sagend: Herr, bemühe Dich nicht; denn ich bin nicht würdig, daß Du unter mein Dach kommst! Deshalb habe ich mich selbst auch nicht würdig geachtet, zu Dir zu kommen; aber sprich ein Wort, und mein Knecht wird genesen. Denn auch ich bin ein Mensch, unter Gewalt gestellt, und habe Kriegsleute unter mir; und sage zu diesem. Gehe! - und er geht; und zu einem Andern: Komm! und er kommt; und zu meinem Knecht: Tue das! und er tut´s. Als aber Jesus dieses hörte, staunte Er über ihn, und Er wandte sich zu der Volksmenge, die Ihm folgte, und sprach: Ich sage euch, selbst in Israel habe Ich solchen Glauben nicht gefunden; und die, welche gesandt waren, kehrten in das Haus zurück, und fanden den kranken Knecht gesund. Und es geschah am folgenden Tage, daß Er in eine Stadt, genannt Nain, ging, und viele Seiner Jünger und eine große Volksmenge gingen mit Ihm. Als Er aber nahe an das Tor der Stadt kam, siehe! da ward ein Gestorbener herausgetragen, der eingeborne Sohn seiner Mutter, und sie war eine Witwe; und eine zahlreiche Volksmenge aus der Stadt war bei ihr. Und der Herr, sie sehend, ward innerlich bewegt über sie und sprach zu ihr: Weine nicht! Und Er trat hinzu und rührte die Bahre an, (die Träger aber standen still), und sprach: Jüngling, Ich sage dir, stehe auf! Und der Tote setzte sich auf und fing an zu reden; und Er gab ihn seiner Mutter. Alle aber ergriff Furcht, und sie verherrlichten Gott, sagend: Ein großer Prophet ist unter uns aufgestanden, und Gott hat Sein Volk besucht! Und diese Rede über Ihn ging aus in ganz Judäa und in der ganzen Umgegend. Und dem Johannes verkündigten seine Jünger alle diese Dinge. Und Johannes rief zwei seiner Jünger zu sich, und schickte sie zu Jesu, sagend: Bist Du der Kommende, oder sollen wir eines Andern warten? Als aber die Männer zu Ihm gekommen waren, sagten sie: Johannes der Täufer hat uns zu Dir geschickt, sagend: Bist Du der Kommende, oder sollen wir eines Andern warten? In derselben Stunde aber heilte Er Viele von Krankheiten und Plagen und bösen Geistern, und vielen Blinden gab Er das Gesicht. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und verkündigt dem Johannes das, was ihr gesehen und gehört habt, daß Blinde sehen, Lahme wandeln, Aussätzige gereinigt werden, Taube hören, Tote auferstehen, Armen das Evangelium verkündigt wird, und glückselig ist Jedweder, der sich nicht an Mir ärgert. Als aber die Boten des Johannes weggegangen waren, fing Er an, zu der Volksmenge über Johannes zu reden: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste, zu sehen? Ein Rohr, vom Winde hin und her bewegt? Was aber seid ihr hinausgegangen, zu sehen? Einen Menschen, mit weichen Kleidern angetan? Siehe! die in herrlicher Kleidung und in Üppigkeit sind, sind an den königlichen Höfen. Was aber seid ihr hinausgegangen, zu sehen? Einen Propheten? Ja, sage Ich euch, auch viel mehr als ein Prophet. Dieser ist es, von dem geschrieben steht: "Siehe! Ich sende Meinen Boten vor Deinem Angesichte her, welcher Deinen Weg vor Dir bereiten wird"; denn Ich sage euch: Unter denen, die von Weibern geboren sind, ist kein größerer Prophet, als Johannes der Täufer; aber der Kleinste im Reiche Gottes ist größer als er. (Und das ganze Volk, welches zuhörte, und die Zöllner rechtfertigten Gott, indem sie mit der Taufe Johannis getauft worden waren. Die Pharisäer aber und die Gesetzgelehrten machten den Ratschluß Gottes gegen sich selbst wirkungslos, indem sie nicht von ihm getauft worden waren.) Wem soll Ich denn die Menschen dieses Geschlechts vergleichen? und wem sind sie gleich? Sie sind Kindlein gleich, die auf dem Markte sitzen und einander zurufen und sagen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint. Denn Johannes der Täufer ist gekommen, weder Brot essend noch Wein trinkend, und ihr sagt: Er hat einen Teufel. Der Sohn des Menschen ist gekommen, essend und trinkend, und ihr sagt: Siehe! ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder; und die Weisheit ist gerechtfertigt von allen ihren Kindern. Es bat Ihn aber einer der Pharisäer, daß Er mit ihm äße; und Er ging in das Haus des Pharisäers, und legte Sich zu Tische; und siehe! ein Weib in der Stadt, welche eine Sünderin war, wissend, daß Er in dem Hause des Pharisäers zu Tische liege, brachte eine Alabasterflasche mit Salbe; und hinten zu Seinen Füßen stehend und weinend, fing sie an, Seine Füße mit Tränen zu benetzen; und sie trocknete sie mit den Haaren ihres Hauptes, und küßte Seine Füße viel, und salbte sie mit der Salbe. Als aber der Pharisäer, der Ihn eingeladen hatte, es sah, sprach er bei sich selbst, sagend: Dieser, wenn Er ein Prophet wäre, hätte gewußt, wer und welcherlei Art das Weib ist, welche Ihn anrührt; denn sie ist eine Sünderin. - Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon, Ich habe dir etwas zu sagen. - Er aber spricht: Lehrer, sage an. - Ein gewisser Gläubiger hatte zwei Schuldner; der eine war fünfhundert Denare schuldig, der andere aber fünfzig. Da sie aber nicht zu bezahlen hatten, schenkte er es beiden. Wer nun von ihnen, sage, wird ihn am Meisten lieben? - Simon antwortete aber und sprach: Ich denke, der, dem er das Meiste geschenkt hat. Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geurteilt. Und Er wandte Sich zu dem Weibe, und sprach zu Simon: Siehst du dieses Weib? Ich bin in dein Haus gekommen; du hast Mir nicht Wasser auf Meine Füße gegeben; sie aber hat mit Tränen Meine Füße benetzt, und hat sie mit ihren Haaren getrocknet. Du hast Mir keinen Kuß gegeben; diese aber, seitdem ich hereingetreten bin, hat nicht abgelassen, Meine Füße zu küssen. Du hast Mein Haupt mit Öl nicht gesalbt; diese aber hat mit Salbe Meine Füße gesalbt. Deshalb, sage Ich dir, ihre vielen Sünden sind vergeben; denn sie hat viel geliebt. Wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig. - Er aber sprach zu ihr: Deine Sünden sind vergeben! - Und die Tischgenossen fingen an, bei sich selbst zu sagen: Wer ist Dieser, der auch Sünden vergibt? - Er aber sprach zu dem Weibe: Dein Glaube hat dich errettet; gehe hin in Frieden.


8.


Und es geschah darnach, daß Er die einzelnen Städte und Dörfer durchzog, predigend und verkündigend das Evangelium vom Reiche Gottes; und die Zwölfe mit Ihm. Und gewisse Weiber, welche von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, von welcher sieben Teufel ausgefahren waren, und Johanna, das Weib Chusa´s, des Verwalters Herodis, und Susanna, und viele Andere, welche Ihm mit ihrer Habe dienten. - Da sich aber eine große Volksmenge versammelt hatte, und die, welche aus jeder der Städte zu Ihm gekommen waren, sprach Er durch ein Gleichnis: Der Sämann ging aus, seinen Samen zu säen. Und als er säte, fiel ein Teil neben den Weg, und ward zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es auf. Und Anderes fiel auf den Felsen; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und da die Dornen mit aufwuchsen, erstickten sie es. Und Anderes fiel auf die gute Erde, und ging auf und brachte hundertfältige Frucht. - Dieses sagend, rief Er aus: Wer Ohren hat zu hören, - höre! - Seine Jünger aber fragten Ihn, sagend: Was mag dieses Gleichnis sein? - Er aber sprach: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu wissen; den Übrigen aber in Gleichnissen, damit sie sehend nicht sehen, und hörend nicht verstehen. Dies aber ist das Gleichnis: Der Same ist das Wort Gottes. Die aber neben dem Wege, sind die, welche hören: dann kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihrem Herzen weg, damit sie nicht glauben und errettet werden. Die aber auf dem Felsen, sind die, welche, wenn sie hören, das Wort mit Freuden aufnehmen; und diese haben nicht Wurzel; sie glauben für eine Zeit, und in der Zeit der Versuchung fallen sie ab. Was aber unter die Dornen fiel, sind diese, welche gehört haben, und hingehen, und durch die Sorgen und den Reichtum und die Wollüste des Lebens erstickt werden, und bringen keine reife Frucht. Das aber in der guten Erde, sind diese, welche in einem wackern und guten Herzen das Wort, nachdem sie es gehört, aufbewahren und mit Ausdauer Frucht tragen. - Niemand aber, der eine Lampe angezündet hat, bedeckt sie mit einem Gefäß, oder stellt sie unter ein Bett, sondern er stellt sie auf das Lampengestell, damit die, welche hereintreten, das Licht sehen. Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar, noch versteckt, was nicht kund werden wird, und in das Offenbare komme. Sehet nun zu, wie ihr höret; denn Jedweder, der hat, dem wird gegeben werden; und Jedweder, der nicht hat, von dem wird selbst das, was er zu haben scheint, weggenommen werden. Es kamen aber Seine Mutter und Seine Brüder zu Ihm; und sie konnten wegen der Menge nicht zu Ihm kommen. Und es wurde Ihm von Einigen gemeldet, welche sagten: Deine Mutter und Deine Brüder stehen draußen, und wollen Dich sehen. - Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und Meine Brüder sind diese, welche das Wort Gottes hören und es tun. Und es geschah an einem der Tage, daß Er in ein Schiff stieg und Seine Jünger. Und Er sprach zu ihnen: Laßt uns nach dem jenseitigen Ufer des See´s übersetzen. - Und sie stießen vom Lande. Und während sie schifften, schlief Er ein. Und es fiel ein Sturmwind auf den See, und sie wurden mit Wasser gefüllt und waren in Gefahr. Und sie traten hinzu und weckten Ihn auf, sagend: Meister! Meister! Wir kommen um! - Er aber stand auf, bedrohte den Wind und das Wogen des Meeres; und sie hörten auf, und es ward eine Stille. Er aber sprach zu ihnen: Wo ist euer Glauben? - Erschrocken aber erstaunten sie, und sagten unter einander: Wer ist denn Dieser, daß Er auch den Winden und dem Wasser gebietet, und sie Ihm gehorchen? Und sie landeten in der Gegend der Gadarener, welche Galiläa gegenüber ist. Als Er aber auf das Land ausstieg, kam Ihm ein gewisser Mann aus der Stadt entgegen, welcher seit langer Zeit Teufel hatte, keine Kleider anzog, und nicht in einem Hause, sondern in den Gräbern wohnte. Als er aber Jesum sah, schrie er auf und fiel vor Ihm nieder und sprach mit großer Stimme: Was haben wir mit einander, Jesu, Du Sohn Gottes, des Höchsten? Ich bitte Dich, daß du mich nicht quälest! - Denn Er hatte dem unreinen Geiste geboten, er solle von dem Menschen ausfahren; denn öfters hatte er ihn ergriffen. Und er war verwahrt, gebunden mit Ketten und Fußfesseln; und er zerbrach die Bande und ward getrieben von dem Teufel in die Wüsteneien. Jesus fragte ihn aber, sagend: Welches ist dein Name? - Er aber sprach: Legion. - Denn viele Teufel waren in ihn gefahren. Und er bat Ihn, er möge ihnen nicht gebieten, in den Abgrund hinzufahren. - Es war aber daselbst eine Herde von vielen Schweinen, welche auf dem Berge weideten. Und sie baten Ihn, Er möge ihnen erlauben, in jene zu fahren. Und Er erlaubte es ihnen. - Die Teufel aber fuhren von dem Menschen aus und fuhren in die Schweine; und es stürzte sich die Herde den Abhang hinab in den See und erstickte. Als aber die, welche sie weideten, sahen, was geschehen war, flohen sie; und hingehend, verkündigten sie es in der Stadt und auf dem Lande. Sie kamen aber hinaus, zu sehen, was geschehen war; und kamen zu Jesu und fanden den Menschen, von dem die Teufel ausgefahren waren, angekleidet und vernünftig, zu den Füßen Jesu sitzend; - und sie fürchteten sich. Die aber, welche es gesehen hatten, erzählten ihnen auch, wie der Besessene geheilt worden. Und die ganze Menge der Umgegend der Gadarener bat Ihn, von ihnen wegzugehen; denn sie waren von einer großen Furcht ergriffen. Er aber schiffte sich ein und kehrte wieder zurück. - Der Mann aber, von dem die Teufel ausgetrieben waren, flehte Ihn, daß er bei Ihm sein dürfe. Jesus aber entließ ihn, sagend: Kehre in dein Haus zurück und erzähle, welch´ große Dinge Gott an dir getan hat! - Und er ging weg und verkündigte es durch die ganze Stadt, welch´ große Dinge ihm Jesus getan hatte. - Es geschah aber, als Jesus zurückkehrte, nahm Ihn das Volk auf; denn Alle erwarteten Ihn. Und siehe! es kam ein Mann, Namens Jairus; und er war Vorsteher der Synagoge; und er fiel zu den Füßen Jesu, und bat Ihn, in sein Haus zu kommen. Denn er hatte eine eingeborne Tochter von etwa zwölf Jahren, und diese lag im Sterben. Indem Er aber hinging, drängte Ihn die Volksmenge. - Und ein Weib, welche seit zwölf Jahren einen Blutfluß hatte, und ihren ganzen Lebensunterhalt an die Ärzte verwandt hatte, und von Niemand geheilt werden konnte, trat von hinten herzu und rührte den Zipfel Seines Kleides an; und alsbald stand der Fluß ihre Blutes. - Und Jesus sprach: Wer ist es, der Mich angerührt hat? Und als Alle leugneten, sprach Petrus und die mit ihm waren: Meister! Die Menge drängt und drückt Dich, und Du sagst, wer ist es, der Mich angerührt hat? - Jesus aber sprach: Es hat Mich Jemand angerührt, denn ich weiß, daß Kraft von Mir ausgegangen ist. - Das Weib aber, als sie sah, daß sie nicht verborgen blieb, kam zitternd; und vor Ihm niederfallend, verkündigte sie Ihm vor dem ganzen Volke, um welcher Ursache willen sie Ihn angerührt habe, und wie sie alsbald genesen sei. - Er aber sprach zu ihr: Sei gutes Mutes, Tochter! Dein Glaube hat dich geheilt; gehe hin in Frieden! - Als Er noch redete, kommt Einer von dem Vorsteher der Synagoge, zu ihm sagend: Deine Tochter ist gestorben, bemühe den Lehrer nicht. - Als es aber Jesus hörte, antwortete Er ihm, sagend: Fürchte dich nicht; glaube nur, und sie wird gerettet werden! - Als Er aber in das Haus trat, erlaubte Er Niemandem, herein zu kommen, als nur dem Petrus und Johannes und Jakobus, und dem Vater des Kindes, und der Mutter. Alle aber weinten und wehklagten über sie. - Er aber sprach. Weinet nicht! sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft. - Und sie verlachten Ihn, denn sie wußten, daß sie tot war. Er aber trieb sie Alle hinaus, ergriff ihre Hand und rief, sagend: Kind, stehe auf! - Und es kehrte ihr Geist zurück, und sie stand alsbald auf, und Er befahl, ihr zu essen zu geben. Und ihre Eltern entsetzten sich. Er gebot ihnen aber, Niemandem zu sagen, was geschehen war.


9.


Und Er rief Seine zwölf Jünger zusammen und gab ihnen Kraft und Gewalt über alle Teufel, und Krankheiten zu heilen, und sandte sie, das Reich Gottes zu predigen, und die Kranken gesund zu machen. Und Er sprach zu ihnen: Nehmt nichts mit auf den Weg; weder Stab, noch Beutel, noch Brot, noch Geld; noch soll Jemand zwei Röcke haben. Und in jedwedes Haus, in welches ihr eingehet, - bleibet daselbst und gehet von da aus. - Und wie Viele euch nicht aufnehmen werden, von jener Stadt gehet aus, und schüttelt auch den Staub von euren Füßen, zu einem Zeugnis wider sie. - Und sie gingen aus und durchzogen die Dörfer nach einander, das Evangelium verkündigend, und überall heilend. Es hörte aber Herodes, der Vierfürst, Alles, was durch Ihn getan war, und war verlegen, weil von Etlichen gesagt war, daß Johannes aus den Toten auferstanden, von Etlichen aber, daß Elias erschienen, von andern aber, daß Einer von den alten Propheten auferstanden sei. Und Herodes sprach: Johannes habe ich enthauptet; wer ist aber Dieser, von welchem ich solche Dinge höre? - Und er suchte Ihn zu sehen. Und als die Apostel zurückkehrten, erzählten sie Ihm Alles, was sie getan hatten; und Er nahm sie zu Sich und entwich besonders in einen wüsten Ort einer Stadt Namens Bethsaida. Aber die Volksmenge wußte es und folgte Ihm nach, und Er nahm sie auf und redete zu ihnen vom Reiche Gottes, und die, welche der Heilung bedurften, machte Er gesund. Der Tag aber begann sich zu neigen, und die Zwölfe hinzutretend, sprachen zu Ihm: Entlaß die Volksmenge, damit sie in die Dörfer und Felder rings umher hingehe, um Herberge und Speise zu finden; denn hier sind wir an einem wüsten Orte. - Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! - Sie aber sprachen: Wir haben nicht mehr, als fünf Brote und zwei Fische; es sei denn, daß wir hingehen und für dieses ganze Volk Speise kaufen sollen. Denn es waren bei fünf Tausend Männer. - Er sprach aber zu Seinen Jüngern: Laßt sie sich reihenweise zu je fünfzig niederlagern. - Und sie taten also, und ließen Alle sich lagern. Und Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf gen Himmel, segnete sie und brach und gab sie den Jüngern, um sie der Volksmenge vorzulegen. Und sie aßen und wurden alle gesättigt; und es wurde aufgehoben, was ihnen an Brocken übrig geblieben war, - zwölf Körbe. Und es geschah, als Er allein betete, waren die Jünger bei Ihm; und Er fragte sie, sagend: Wer sagt die Volksmenge, daß ich sei? - Sie aber antworteten und sprachen: Johannes der Täufer; Andere aber: Elias; Andere aber, daß Einer von den alten Propheten auferstanden sei. - Er aber sprach zu ihnen: Ihr aber, wer sagt ihr, daß Ich sei? - Petrus aber antwortete und sprach: Der Christus Gottes! - Er aber bedrohete sie und gebot ihnen, daß sie dieses Niemandem sagten. Und Er sprach: Der Sohn des Menschen muß Vieles leiden, und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten verworfen, und getötet werden, und am dritten Tage auferstehen. Er sprach aber zu Allen: Wenn Einer hinter Mir hergehen will, der verleugne sich selbst und nehme täglich sein Kreuz auf und folge Mir nach. Denn Jedweder, der sein Leben retten will, wird es verlieren; Jedweder aber, der sein Leben um Meinetwillen verlieren wird, dieser wird es erretten. Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne, sich selbst aber verlöre oder einbüßte? Denn Jedweder, der sich Meiner und Meiner Worte schämt, dessen wird sich der Sohn des Menschen schämen, wenn Er in Seiner Herrlichkeit und der des Vaters und der heiligen Engel kommt. Ich sage euch aber in Wahrheit: Es gibt Etliche unter denen, die hier stehen, welche den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes gesehen haben. Es geschah aber bei acht Tagen nach diesen Worten, daß Er den Petrus und Johannes und Jakobus mit Sich nahm, und auf den Berg ging, um zu beten. Und es wurde, während Er betete, die Gestalt Seines Angesichts anders, und Seine Kleidung ward weiß und strahlend. Und siehe! zwei Männer redeten mit Ihm, welche Moses und Elias waren. Diese erschienen in Herrlichkeit und besprachen Seinen Ausgang, den Er in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus aber, und die, welche mit ihm waren, waren beschwert von Schlaf. Als sie aber aufgewacht waren, sahen sie Seine Herrlichkeit, und die zwei Männer, die bei Ihm standen. Und es geschah, als sie von Ihm schieden, sprach Petrus zu Jesu: Meister! Es ist gut, daß wir hier sind; und laß uns drei Hütten machen, Dir eine, und dem Moses eine, und dem Elias eine, - nicht wissend, was er sage. Als er aber dieses sagte, entstand eine Wolke und überschattete sie. Sie fürchteten sich aber, als jene in die Wolke eintraten. Und es geschah eine Stimme aus der Wolke, sagend: Dieser ist mein geliebter Sohn, Ihn höret! - Und als die Stimme geschah, wurde Jesus allein gefunden. Und sie schwiegen und erzählten in jenen Tagen Niemandem etwas davon, was sie gesehen hatten. Es geschah aber an dem Tage darnach, als sie von dem Berge gestiegen, kam Ihm eine große Volksmenge entgegen. Und siehe! ein Mann aus der Volksmenge rief laut, sagend: Lehrer! ich bitte Dich; blicke auf meinen Sohn hin; denn er ist mein eingeborner. Und siehe! ein Geist ergreift ihn, und plötzlich schreit er und reißt ihn, so daß er schäumt; und mit Mühe weicht er, ihn aufreibend, von ihm. Und ich bat Deine Jünger, daß sie ihn austrieben, und sie konnten es nicht. - Jesus aber antwortete und sprach: O du ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Wie lange soll ich bei euch sein und euch ertragen? Bringe deinen Sohn hierher! - Während er aber noch hinzutrat, riß ihn der Teufel und zerrte ihn. Jesus aber bedräuete den unreinen Geist, und heilte den Knaben und gab ihn seinem Vater zurück. Sie erstaunten aber Alle sehr über die herrliche Größe Gottes. Während sich aber Alle über Alles, was Jesus tat, verwunderten, sprach Er zu Seinen Jüngern: Fasset diese Worte in eure Ohren; denn der Sohn des Menschen soll in die Hände der Menschen überliefert werden. - Sie aber verstanden dieses Wort nicht, und es war vor ihnen verhüllt, daß sie es nicht vernahmen; und sie fürchteten sich, Ihn wegen dieses Wortes zu fragen. Es entstand aber unter ihnen eine Streitrede, nämlich: wer wohl der Größte unter ihnen sei? - Jesus aber, als Er den Gedanken ihres Herzens sah, nahm ein Kind, und stellte es neben Sich, und sprach zu ihnen: Jedweder, der dieses Kind in Meinem Namen aufnehmen wird, er nimmt Mich auf; und Jedweder, der Mich aufnehmen wird, er nimmt Den auf, der Mich gesandt hat. Denn wer unter euch Allen der Kleinste ist, der wird groß sein. - Johannes aber antwortete und sprach: Meister! wir sahen Einen, der auf Deinen Namen Teufel austrieb, und wir wehrten ihm, weil er uns nicht nachfolgt. - Und Jesus sprach zu ihm: Wehret nicht; denn wer nicht wieder euch ist, der ist für euch. Es geschah aber, als sich die Tage Seiner Aufnehmung erfüllten, daß Er Sein Angesicht feststellte, gen Jerusalem zu gehen. Und Er sandte Boten vor Seinem Angesicht her, und sie gingen hin und kamen nach einem Dorf der Samaritaner, um für Ihn zuzubereiten. Und sie nahmen Ihn nicht auf, weil Sein Angesicht auf Jerusalem gerichtet war. Als aber Seine Jünger, Jakobus und Johannes, es sahen, sprachen sie: Herr! willst Du, daß wir sagen, daß Feuer vom Himmel herabfalle und sie verderbe, wie auch Elias tat? - Er aber wandte sich um, strafte sie und sprach: Ihr wisset nicht, wes Geistes ihr seid. - Und sie gingen nach einem andern Dorfe. Es geschah aber, während sie auf dem Wege gingen, sprach Einer zu ihm: Ich werde Dir nachfolgen, wo Du auch hingehst, Herr! - Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Löcher, und die Vögel des Himmels Nester, aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo Er Sein Haupt hinlege. - Er aber sprach zu einem Andern: Folge Mir nach! - Der aber sprach: Herr, erlaube mir, daß ich zuerst hingehe, meinen Vater zu begraben. - Jesus aber sprach zu ihm: Laß die Toten ihre eigenen Toten begraben. Du aber, gehe hin, verkündige das Reich Gottes! Es sprach aber auch ein Anderer: Ich werde Dir nachfolgen, Herr! Zuerst aber erlaube mir, daß ich von denen, die in meinem Hause sind, Abschied nehme. - Jesus aber sprach zu ihm: Keiner, der seine Hand an den Pflug gelegt hat und zurückblickt, ist zum Reich Gottes geschickt.


10.


Darnach aber bestellte der Herr auch andere Siebenzig und sandte sie, je zwei und zwei vor Seinem Angesicht her in jede Stadt und in jeden Ort, wo Er Selbst hinkommen würde. Er sprach dann zu ihnen: Die Ernte ist freilich groß; der Arbeiter aber sind wenige; so bittet nun den Herrn der Ernte, daß Er Arbeiter in Seine Ernte aussende. Gehet hin, siehe Ich sende euch wie Schafe inmitten der Wölfe. Traget keine Börse, noch Tasche, noch Sandalen, und grüßet Niemanden unterwegs. In jedem Hause, in welches ihr hineingeht, da sagt zuerst: Friede diesem Hause! Und wenn daselbst ein Sohn des Friedens ist, so wird euer Friede auf ihm ruhen; wenn aber nicht, so wird er zu euch zurückkehren. In demselben Hause aber bleibet, essend und trinkend, was sie haben; denn der Arbeiter ist seines Lohnes wert. Gehet nicht von Haus zu Haus. Und in jedweder Stadt, in welche ihr hineingehet und sie euch aufnehmen, - esset daselbst, was euch vorgesetzt wird, und heilet die Kranken darin, und sprechet zu ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen. In jedweder Stadt, in welche ihr aber hineingehet, und sie euch nicht aufnehmen, - gehet heraus auf ihre Straßen und sprechet: Auch den Staub, der uns aus eurer Stadt anhängt, schütteln wir gegen euch ab. Doch dieses wisset, daß das Reich Gottes nahe zu euch gekommen ist. Ich sage euch aber, daß es Sodom an jenem Tage erträglicher sein wird, als jener Stadt. Wehe dir, Chorazin! Wehe dir, Bethsaida! Denn wenn in Tyrus und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie, in Sack und Asche sitzend, Buße getan. Jedoch Tyrus und Sidon wird es im Gericht erträglicher sein, als euch. Und du Kapernaum, die du bis zum Himmel erhöht bist, bis zum Hades wirst du hinuntergestürzt werden! - Der, welcher euch höret, höret Mich; und der, welcher euch verwirft, verwirft Den, der Mich gesandt hat. Die Siebenzig aber kehrten mit Freuden zurück, sagend; Herr! auch die Teufel sind uns in Deinem Namen untertan! - Er aber sprach zu ihnen: Ich schaute den Satanas wie einen Blitz vom Himmel fallen. Siehe! Ich gebe euch die Gewalt, auf Schlangen und Skorpionen zu treten, und über die ganze Kraft des Feindes, und nichts soll euch irgendwie beschädigen. Doch darin freuet euch nicht, daß euch die Geister unterworfen sind; freuet euch aber, daß eure Namen in den Himmeln geschrieben stehen. - In dieser Stunde frohlockte Jesus im Geiste und sprach. Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß Du diese Dinge den Weisen und Verständigen verborgen hast, und hast sie Unmündigen offenbart. Ja, Vater, so war es wohlgefällig vor Dir. Alle Dinge sind mir von Meinem Vater übergeben worden, und Niemand erkennt, wer der Sohn ist, als nur der Vater; - und wer der Vater ist, als nur der Sohn, und wem immer der Sohn Ihn offenbaren will. - Und Er wandte Sich zu den Jüngern besonders und sprach: Glückselig die Augen, welche sehen, was ihr sehet. Denn Ich sage euch, daß viele Propheten und Könige haben sehen wollen, was ihr sehet, und haben es nicht gesehen, und hören, was ihr höret, und haben es nicht gehört. Und siehe! ein gewisser Gesetzgelehrter stand auf, Ihn versuchend und sagend: Lehrer! was muß ich getan haben, daß ich das ewige Leben ererbe? - Er aber sprach zu ihm: Was steht in dem Gesetz geschrieben? wie liesest du? - Er aber antwortete und sprach: "Du sollst lieben den Herrn deinen Gott von deinem ganzen Herzen und von deiner ganzen Seele und von deiner ganzen Kraft und von deinem ganzen Verstande, und deinen Nächsten, wie dich selbst." - Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tue dieses, und du wirst leben. - Er aber, sich selbst rechtfertigen wollend, sprach zu Jesu: Und wer ist mein Nächster? - Und Jesus erwiderte und sagte: Ein gewisser Mensch ging hinab von Jerusalem nach Jericho, und fiel unter Räuber; welche, als sie ihn ausgezogen und ihm Schläge beigebracht hatten, weggingen, und ihn halbtot liegen ließen. Zufällig aber ging ein gewisser Priester desselben Weges hinab; und er sah ihn und ging vorüber. Desgleichen aber auch ein Levit, da er an den Ort hingelangte, kam und sah ihn und ging vorüber. Aber ein gewisser Samariter, kam auf seiner Reise nach ihm, und als er ihn sah, ward er innerlich bewegt; und er trat hinzu, und verband seine Wunden, und goß Öl und Wein hinein, und er setzte ihn auf sein eigenes Tier, und führte ihn in eine Herberge und verpflegte ihn. Und am Morgen, als er fortreiste, nahm er zwei Denare und gab sie dem Gastwirt und sprach zu ihm: Verpflege ihn; und was du noch irgendwie verwenden wirst, werde ich dir, wenn ich zurückkomme, bezahlen. Welcher nun von diesen Dreien dünkt dich der Nächste desjenigen gewesen zu sein, der unter die Räuber gefallen war? - Er aber sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. - Da sprach Jesus zu ihm: Gehe hin und tue desgleichen! Es geschah aber, während sie gingen, daß Er in ein Dorf kam; und ein gewisses Weib, Namens Martha, nahm Ihn in ihr Haus auf. Und diese hatte eine Schwester Maria, welche auch, sitzend zu den Füßen Jesu, Sein Wort hörte. Martha aber war sehr beschäftigt mit vielem Dienen; und sie trat hinzu und sprach: Herr! kümmert es Dich nicht, daß mich meine Schwester allein dienen läßt? Sage ihr denn, daß sie mir helfe. - Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: Martha! Martha! Du sorgst und beunruhigst dich um viele Dinge; Eins aber ist not! Maria aber hat sich das gute Teil erwählt, welches nicht von ihr weggenommen werden wird. -


11.


Und es geschah, als Er an einem gewissen Orte betete, daß, als Er aufgehört hatte, Einer Seiner Jünger zu Ihm sprach: Herr, lehre und beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte. - Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, sprechet: Unser Vater in den Himmeln! Geheiligt sei Dein Name; Dein Reich komme; Dein Wille geschehe, wie im Himmel, also auch auf der Erde; gib uns für heute unser tägliches Brot; und vergib und unsere Sünden, denn auch wir vergeben Jedem, der uns schuldig ist; und führe und nicht in Versuchung. Und Er sprach zu ihnen: Wer von euch wird einen Freund haben, und um Mitternacht zu ihm kommen und zu ihm sagen: Freund! leihe mir drei Brote; denn mein Freund ist zu mir von der Reise eingekehrt, und ich habe nicht, was ich ihm vorsetzen soll. Und Jener würde von innen antworten und sagen: Mache mir keine Mühe! die Türe ist schon geschlossen und meine Kinder sind mit mir zu Bette; ich kann nicht aufstehen und dir geben. Ich sage euch, auch wenn er nicht aufstehen und ihm geben wird, weil er sein Freund ist, so wird er um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf. Und Ich sage euch: Bittet! und es wird euch gegeben werden; suchet! und ihr werdet finden; klopfet an! und es wird euch aufgetan werden. Den jeder Bittende empfängt; und der Suchende findet; und dem Anklopfenden wird aufgetan werden. Welcher Vater aber ist unter euch, den der Sohn um Brot bittet, der ihm einen Stein geben wird? oder auch um einen Fisch, der ihm anstatt des Fisches eine Schlange geben wird? oder auch wenn er ihn um ein Ei bittet, der ihm einen Skorpion geben wird? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisset; wie viel mehr wird der Vater, der vom Himmel ist, denen den Heiligen Geist geben, die Ihn bitten. Und Er trieb einen Teufel aus, und derselbe war stumm. Es geschah aber, als der Teufel ausgetrieben war, redete der Stumme, und die Volksmenge verwunderte sich. Einige aber von ihnen sagten: Er treibt die Teufel aus durch Beelzebub, den Obersten der Teufel. Andere aber forderten, versuchend, von Ihm ein Zeichen aus dem Himmel. Er aber, ihre Gedanken wissend, sprach zu ihnen: Jedes Reich, entzweit wider sich selbst, wird verwüstet; und Haus wider Haus entzweit, fällt. Wenn aber auch der Satanas wider sich selbst entzweit ist, wie wird sein Reich bestehen? - denn ihr sagt, daß Ich durch Beelzebub die Teufel austreibe. Wenn aber Ich durch Beelzebub die Teufel austreibe, durch wen treiben sie eure Söhne aus? Deshalb werden sie eure Richter sein. Wenn Ich aber durch den Finger Gottes die Teufel austreibe, so ist dann wirklich das Reich Gottes zu euch hingekommen. Wenn aber ein Starker, bewaffnet, seinen Hof bewahrt, so ist seine Habe in Frieden. Wenn aber Einer, der stärker als er ist, über ihn kommt, und ihn besiegt, nimmt er seine ganze Waffenrüstung, auf die er vertraute, weg; und seine Beute teilt er aus. Wer nicht mit Mir ist, der ist wider Mich; und wer nicht mit Mir sammelt, der zerstreut. Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchzieht er dürre Örter und suchet Ruhe; und sie nicht findend, spricht er: Ich will in mein Haus, von wo ich ausgegangen bin, zurückkehren; und kommend, findet er es ausgekehrt und geschmückt. Dann geht er hin, und nimmt sieben andere Geister, böser, als er selbst, zu sich; und sie gehen hinein und wohnen daselbst; - und das Letzte jenes Menschen wird schlimmer, als das Erste. - Es geschah aber, während Er dieses sagte, erhob ein gewisses Weib aus der Volksmenge ihre Stimme und sprach zu Ihm: Glückselig der Leib, der Dich getragen hat, und die Brüste, die Du gesogen hast. - Er aber sprach: Ja vielmehr glückselig die, welche das Wort Gottes hören und dasselbe bewahren. - Als aber die Volksmenge sich dicht zusammen drängte, fing Er an zu sagen: Dieses Geschlecht ist böse; es sucht ein Zeichen, und es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, als nur das Zeichen Jona, des Propheten. Denn gleichwie Jonas den Niniviten ein Zeichen war, so wird es auch der Sohn des Menschen diesem Geschlechte werden. Die Königin des Südens wird im Gericht mit den Männern dieses Geschlechts aufstehen und sie verdammen; denn sie kam von den Enden der Erde, die Weisheit Salomo´s zu hören; und siehe! mehr als Salomo ist hier! Die Männer von Ninive werden im Gericht mit diesem Geschlecht aufstehen und es verdammen; denn auf die Predigt Jona taten sie Buße; - und siehe! mehr als Jonas ist hier! - Niemand aber, der eine Lampe angezündet, setzt sie in das Verborgene, noch unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, damit die Hineinkommenden den Schein sehen. Die Lampe des Leibes ist das Auge. Wenn dein Auge einfältig ist, so ist auch dein ganzer Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster. Siehe nun zu, daß das Licht, das in dir ist, nicht Finsternis sei. Wenn nun dein ganzer Leib licht ist, und keinen finstern Teil hat, so wird er ganz licht sein, wie wenn die Lampe mit dem Scheine dich erleuchtete. Während Er aber redete, bat Ihn ein gewisser Pharisäer, Er möge bei ihm essen. Er ging aber hinein und legte Sich zu Tische. Der Pharisäer aber verwunderte sich, als er sah, daß Er Sich nicht erst vor dem Essen gewaschen hatte. Aber der Herr sprach zu ihm: Nun, ihr Pharisäer, reiniget das Äußere des Bechers und der Schüssel; euer Inneres aber ist voller Raub und Bosheit. Toren! Hat Der, der das Äußere gemacht, nicht auch das Innere gemacht? Gebet aber nach Vermögen Almosen; und siehe! Alles ist euch rein. Aber wehe euch, den Pharisäern! denn ihr verzehntet Krausemünze und Raute und alles Kraut, und übergeht das rechte Gericht, und die Liebe Gottes. Dieses sollte man tun, und Jenes nicht lassen. Wehe euch, den Pharisäern! denn ihr liebet die ersten Sitze in den Synagogen, und die Grüße auf den Märkten. Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr seid wie Gräber, die nicht offenbar sind; und die Menschen, die darüber wandeln, wissen es nicht. - Aber Einer der Gesetzgelehrten spricht zu Ihm: Lehrer, indem Du Dieses sagst, schmähest Du auch uns. Er aber sprach: Auch euch, den Gesetzgelehrten, wehe! denn ihr belastet die Menschen mit schwer zu tragenden Lasten; und rühret selbst nicht mit einem eurer Finger die Lasten an. - Wehe euch! denn ihr bauet die Grabmäler der Propheten; eure Väter aber haben sie getötet. Nun gebt ihr Zeugnis, daß ihr an den Werken eurer Väter Wohlgefallen habt; denn sie haben sie getötet; ihr aber bauet deren Grabmäler. Deshalb hat auch die Weisheit Gottes gesagt: Ich werde Propheten und Apostel zu ihnen senden, und von ihnen werden sie Etliche töten und verfolgen; damit das Blut all der Propheten, welches vergossen ist seit Grundlegung der Welt, von diesem Geschlecht gefordert werde, von dem Blute Abels bis zu dem Blute Zachariä, welcher zwischen dem Altar und dem Hause umkam. Ja, Ich sage euch, es wird von diesem Geschlecht gefordert werden. Wehe euch, den Gesetzgelehrten! denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die Hineingehenden habt ihr gehindert. Als Er aber dieses zu ihnen sagte, fingen die Schriftgelehrten und Pharisäer an, hart auf Ihn einzudringen und Ihn über Mehreres auszufragen; und sie lauerten auf Ihn, etwas aus Seinem Munde zu erjagen suchend, damit sie Ihn beschuldigen könnten.


12.


Als unterdessen eine Volksmenge von vielen Tausenden zusammen gekommen war, so daß sie sich unter einander traten, fing Er an zuerst zu Seinen Jüngern zu sagen: Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer, welcher Heuchelei ist! Es ist aber nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt, und nichts verborgen, was nicht gekannt werden wird. Deswegen, soviel ihr in der Finsternis gesprochen haben werdet, wird im Lichte gehört werden; und was ihr in das Ohr in den Kammern gesprochen haben werdet, das wird auf den Dächern ausgerufen werden. Ich aber sage euch, Meinen Freunden: Fürchtet euch nicht vor Denen, die den Leib töten und darnach nichts mehr zu tun haben. Ich will euch aber zeigen, wen ihr fürchten sollt: Fürchtet Den, der nach dem Töten Macht hat, in die Hölle hineinzuwerfen; ja, Ich sage euch, Den fürchtet. Werden nicht fünf Sperlinge für zwei Pfennige gekauft? - Und nicht ein Einziger von ihnen ist vor Gott vergessen. Ja, selbst die Haare eures Hauptes sind alle gezählt. So fürchtet euch nun nicht; ihr seid vorzüglicher, als viele Sperlinge. Ich sage euch aber: Jedweder, der Mich vor den Menschen bekennen wird, den wird auch der Sohn des Menschen vor den Engeln Gottes bekennen. Wer aber Mich vor den Menschen verleugnet haben wird, der wird vor den Engeln Gottes verleugnet werden. Und Jeder, der ein Wort wider den Sohn des Menschen sagen wird, es wird ihm vergeben werden; dem aber, der wider den Heiligen Geist lästert, wird es nicht vergeben werden. Wenn sie euch aber vor die Synagogen und die Obrigkeiten und Gewalten führen, sorget nicht, wie oder was ihr antworten, oder was ihr sagen sollt; denn der Heilige Geist wird euch in derselben Stunde lehren, was ihr sagen sollt. Ein Gewisser aber aus der Volksmenge sprach zu Ihm: Lehrer! Sage meinem Bruder, daß er das Erbe mit mir teile. Er aber sagte zu ihm: Mensch! wer hat Mich zu einem Richter oder Teiler über euch gesetzt? Er sprach aber zu ihnen: Sehet zu, und hütet euch vor der Habsucht; denn nicht darin, daß Jemand Überfluß hat, besteht sein Leben von seiner Habe. Er sprach aber ein Gleichnis zu ihnen, sagend: Das Land eines reichen Menschen trug viel ein. Und er dachte bei sich selbst, sagend: Was soll ich tun? denn ich habe nicht, wo ich meine Früchte aufspeichere. Und er sprach: Dies will ich tun: ich will meine Scheunen niederreißen und größere bauen, und darin all mein Gewächs und meine Güter zusammen bringen, und ich will zu meiner Seele sagen: Seele! Du hast viele Güter auf viele Jahre daliegen; ruhe aus, iß, trink, ergötze dich! - Gott aber sprach zu ihm: Narr! in dieser Nacht wird deine Seele von dir gefordert werden; - was du aber bereitet hast, für wen wird es sein? - Also ist der, der für sich Schätze sammelt, und ist nicht reich in Bezug auf Gott. - Er aber sprach zu Seinen Jüngern: Deshalb sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen, noch für den Leib, was ihr anziehen sollt. Das Leben ist mehr, als die Nahrung, und der Leib mehr, als die Kleidung. Betrachtet die Raben, daß sie nicht säen, noch ernten, welche weder Vorratskammer noch Scheune haben; und Gott ernährt sie; um wie viel vorzüglicher seid ihr als die Vögel. Wer aber von euch kann mit seinen Sorgen eine Elle seiner Größe hinzusetzen? Wenn ihr nun auch das Geringste nicht vermögt, warum sorgt ihr für das Übrige? Betrachtet die Lilien, wie sie wachsen; sie bemühen sich nicht und spinnen auch nicht. Ich sage euch aber, daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht bekleidet war, wie dieser eine. Wenn aber Gott das Gras auf dem Felde, was heute ist und morgen in den Ofen geworfen wird, also kleidet, wie viel mehr euch, Kleingläubige! Auch ihr, fraget nicht darnach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und seid nicht in Unruhe, denn darnach fragen alle Nationen der Welt. Euer Vater aber weiß, daß ihr diese Dinge bedürft.Trachtet aber nach dem Reich Gottes, und alle diese Dinge werden euch zugegeben werden. Fürchte dich nicht, kleine Herde! denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben. Verkauft, was ihr besitzt, und gebt Almosen; macht euch Säckel, die nicht veralten; einen Schatz, unvergänglich, in den Himmeln, wo kein Dieb nahet und keine Motte verderbet. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein. Es seien eure Lenden umgürtet und eure Lampen brennend. Und ihr, seid gleich den Menschen, die ihren Herrn erwarten, wenn er irgend von der Hochzeit aufbrechen wird, damit, wenn Er kommt und anklopft, sie Ihm alsbald aufmachen. Glückselig jene Knechte, welche der Herr, wenn Er kommt, wachend finden wird. Wahrlich, Ich sage euch: Er wird sich umgürten und sie sich zu Tische legen lassen, und wird hinzutreten und sie bedienen. Und wenn Er in der zweiten Wache kommt, und in der dritten Wache kommt, und findet sie also; - glückselig sind jene Knechte. Das aber wisset, wenn der Hausherr gewußt hätte, um welche Stunde der Dieb kommen würde, so hätte er gewacht und nicht erlaubt, sein Haus zu durchgraben. Also seid auch ihr bereit; denn in der Stunde, wo ihr es nicht denket, kommt der Sohn des Menschen. Petrus aber sprach zu Ihm: Herr! Sagst Du dies Gleichnis zu uns, oder auch zu Allen? Der Herr aber sprach: Wer ist nun der treue und weise Verwalter, den der Herr über sein Gesinde setzen wird, um die zugemessene Speise zur rechten Zeit zu geben? Glückselig jener Knecht, welchen sein Herr, wenn er kommt, also tuend finden wird. Wahrlich, Ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Habe setzen. Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verzögert zu kommen! - und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen, zu essen und zu trinken und sich zu berauschen, so wird der Herr jenes Knechts an einem Tage kommen, wo er ihn nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht weiß, und wird ihn in zwei Stücke zerteilen, und ihm seinen Teil mit den Untreuen setzen. Jener Knecht aber, der den Willen seines Herrn gewußt und sich nicht bereitet, noch nach seinem Willen getan hat, wird viel geschlagen werden. Wer ihn aber nicht gewußt, aber getan hat, was der Schläge wert ist, wird wenig geschlagen werden. Jedem aber, dem viel gegeben ist, bei dem wird viel gesucht werden; und dem man viel vertrauet hat, von dem wird man desto mehr fordern. Ich bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen, und was will ich, wenn es schon angezündet ist! Ich habe aber eine Taufe, womit Ich getauft werden muß, und wie bin Ich beengt, bis sie vollbracht ist! Denkt ihr, daß Ich hergekommen bin, Frieden auf der Erde zu geben? - Nein, sage Ich euch, sondern Trennung. Denn es werden von jetzt an Fünf in Einem Hause entzweit sein; Drei gegen Zwei und Zwei gegen Drei. Es wird der Vater wider den Sohn, und der Sohn wider den Vater; die Mutter wider die Tochter, und die Tochter wider die Mutter; die Schwiegermutter wider ihre Schwiegertochter, und die Schwiegertochter wider ihre Schwiegermutter entzweit sein. Er sprach aber auch zu der Volksmenge: Wenn ihr die Wolke von Westen aufsteigen seht, so sagt ihr alsbald: Ein Regenguß kommt! und es geschieht also. Und wenn ihr den Südwind wehen sehet, so sagt ihr: Es wird Hitze sein! und es geschieht. Heuchler! das Angesicht der Erde und des Himmels wißt ihr zu beurteilen; wie aber beurteilt ihr diese Zeit nicht? Warum aber richtet ihr auch von selber nicht, was gerecht ist? Denn wenn du mit deiner Gegenpartei vor die Obrigkeit gehst, so gib Dir auf dem Wege Mühe, von ihr los zu kommen, damit sie dich nicht etwa zu dem Richter hinziehe, und der Richter dich dem Gerichtsdiener überliefere, und der Gerichtsdiener dich in das Gefängnis werfe. Ich sage dir: du wirst von da nicht herauskommen, bis du auch den letzten Heller zurück erstattet hast.


13.


Zu derselben Zeit waren aber Einige anwesend, die Ihm von den Galiläern erzählten, deren Blut Pilatus mit ihren Opfern vermischt hatte. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Meinet ihr, daß diese Galiläer mehr Sünder gewesen seien, als alle Galiläer, daß sie Solches erlitten? Nein, sage Ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, wo werdet ihr Alle auf dieselbe Weise umkommen. Oder jene Achtzehn, auch welche der Turm in Siloam fiel und sie tötete; - meinet ihr, daß sie mehr schuldig gewesen seien, als alle Menschen, die zu Jerusalem wohnen? Nein, sage Ich euch, sondern wenn ihr nicht Buße tut, so werdet ihr Alle in gleicher Weise umkommen. - Er sagte aber dieses Gleichnis: Es hatte Jemand einen Feigenbaum in seinem Weinberg gepflanzt, und er kam und suchte Frucht an ihm, und fand keine. Er aber sprach zu dem Weingärtner: Siehe! drei Jahre komme ich und suche Frucht an diesem Feigenbaum, und finde sie nicht; haue ihn ab! weshalb macht er auch noch das Land unnütz? Er aber antwortete und spricht zu ihm: Herr, laß ihn auch dieses Jahr noch, bis ich um ihn gegraben und gedüngt habe; und wenn er dann Frucht bringt, gut; wenn aber nicht, so magst du ihn hernach abhauen. Er lehrte aber am Sabbath in einer der Synagogen. Und siehe! es war ein Weib, die hatte einen Geist der Schwachheit, achtzehn Jahre; und sie war zusammen gekrümmt, und konnte sich ganz und gar nicht aufrichten. Als aber Jesus sie sah, rief Er ihr zu und sprach zu ihr: Weib, du bist losgebunden von deiner Schwachheit! Und Er legte ihr die Hände auf, und alsbald ward sie gerade, und verherrlichte Gott. - Der Vorsteher der Synagoge aber, unwillig, daß Jesus am Sabbath heilte, antwortete und spricht zu der Volksmenge: Sechs Tage sind, an denen man arbeiten soll; an diesen kommt und laßt euch heilen, und nicht am Tage des Sabbaths. - Der Herr aber antwortete ihm uns sprach: Heuchler! macht nicht ein Jeder von euch am Sabbath seinen Ochsen oder Esel von der Krippe los, und führt ihn weg, und tränkt ihn? Diese aber, die eine Tochter Abrahams ist, und welche der Satan gebunden hat, siehe! achtzehn Jahre; - sie sollte von diesem Bande am Tage des Sabbaths nicht los gemacht werden? Und als er dieses sagte, waren alle seine Widersacher beschämt, und die ganze Volksmenge freute sich über alle die herrlichen Dinge, die durch Ihn geschahen. - Er aber sprach: Wem ist das Reich Gottes gleich, und womit soll Ich es vergleichen? Es ist einem Senfkorn gleich, welches ein Mensch nahm und in seinen Garten warf; und es wuchs, und ward zu einem großen Baume, und die Vögel des Himmels wohnten unter seinen Zweigen. - Und wiederum sprach Er: Womit soll Ich das Reich Gottes vergleichen? Es ist Sauerteig gleich, den ein Weib nahm, und ihn unter drei Scheffel Mehl verbarg, bis Alles gesäuert war. Und Er ging nacheinander durch die Städte und Dörfer, lehrend und reisend nach Jerusalem. Es sprach aber Jemand zu Ihm: Herr! sind Derer wenig, die errettet werden sollen? - Er aber sprach zu ihnen: Ringet ihr darnach, daß ihr durch die enge Pforte eingehet; denn Viele, sage ich euch, werden einzugehen suchen, und werden nicht können. Von da an, wenn der Hausherr aufgestanden ist und die Tür verschlossen hat, und ihr anfangen werdet, draußen zu stehen und an die Tür zu klopfen, sagend: Herr! Herr! mache uns auf! - wird Er antworten und zu euch sagen: Ich kenne euch nicht, wo ihr her seid. - Alsdann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir haben vor Dir gegessen und getrunken, und auf unsern Straßen hast Du gelehrt. - Und Er wird sagen: Ich sage euch, Ich kenne euch nicht, wo ihr her seid; weichet von Mir all´ ihr Wirker der Ungerechtigkeit! - Da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein, wenn ihr Abraham und Isaak und Jakob und die Propheten alle im Reiche Gottes sehen werdet, euch aber draußen hinausgestoßen. Und sie werden von Aufgang und Niedergang, und vom Norden und vom Süden kommen, und im Reiche Gottes zu Tische liegen. Und siehe! es sind Letzte, welche Erste sein werden, und sind Erste, welche Letzte sein werden. An demselben Tage traten Einige der Pharisäer herzu, zu Ihm sagend: Gehe fort und ziehe von dannen, denn Herodes will Dich töten. - Und Er sprach zu ihnen: Gehet hin und saget diesem Fuchs: Siehe! Ich treibe Teufel aus, und vollbringe Heilungen heute und morgen, und am dritten Tage bin Ich vollkommen gemacht. Aber Ich muß heute und morgen und an dem folgenden Tage wandeln; denn es geht nicht an, daß ein Prophet außerhalb Jerusalem umkomme. Jerusalem! Jerusalem! die du tötest die Propheten, und steinigst, die zu dir gesandt sind; wie oft habe Ich deine Kinder, wie eine Henne ihre eigene Brut unter die Flügel, versammeln wollen; und ihr habt nicht gewollt! - Siehe! euer Haus wird euch verlassen. Ich sage euch aber, ihr werdet Mich nicht sehen, bis daß die Zeit komme, wann ihr sagen werdet: Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn!


14.


Und es geschah, daß Er am Sabbath in das Haus eines der Obersten der Pharisäer kam, um Brot zu essen, - und sie lauerten auf Ihn. Und siehe! ein gewisser wassersüchtiger Mensch war vor Ihm. Und Jesus antwortete und sprach zu den Gesetzgelehrten und Pharisäern, sagend: Ist es erlaubt, am Sabbath zu heilen? Sie aber schwiegen. Und Er nahm und heilte ihn und entließ ihn. Und Er antwortete ihnen und sprach: Wer ist unter euch, dessen Ochse und Esel in den Brunnen fällt, und der ihn nicht alsbald am Tage des Sabbaths herauszieht? - Und sie vermochten nicht, Ihm darauf zu entgegnen. Er aber sprach zu den Eingeladenen ein Gleichnis, indem Er bemerkte, wie sie die ersten Sitze auswählten, zu ihnen sagend. Wenn du von Jemandem zur Hochzeit geladen wirst, setze dich nicht auf den ersten Sitz, daß nicht etwa Einer, der mehr geehrt ist, als du, von ihm geladen sei, und Der, welcher dich und ihn geladen hat, komme und zu dir sage: Gib Diesem den Platz! - und dann wirst du anfangen, mit Schande den letzten Platz einzunehmen. Sondern wenn du geladen wirst, so gehe hin und setze dich auf den letzten Platz, damit, wenn Der kommt, der dich geladen hat, er zu dir sage: Freund rücke höher hinauf! - Dann wirst du Ehre haben vor Denen, die mit dir zu Tische liegen. Denn Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden; und der sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden. - Er sprach aber auch zu Dem, der Ihn geladen hatte: Wenn du ein Frühstück oder ein Abendmahl machst, so lade nicht deine Freunde, noch deine Brüder, noch deine Verwandten, noch reiche Nachbarn, damit nicht auch sie dich wieder laden, und dir Vergeltung geschehe; sondern wenn du eine Mahlzeit machst, so lade Arme, Krüppel, Lahme, Blinde. Und glückselig wirst du sein, weil sie nicht haben, dir zu vergelten; denn es wird dir in der Auferstehung der Gerechten vergolten werden. Als aber einer der Tischgäste dies hörte, sprach er zu Ihm: Glückselig, wer Brot isset im Reiche Gottes! - Er aber sprach zu ihm: Ein gewisser Mensch machte ein großes Abendmahl und lud Viele. Und er sandte seinen Knecht zur Stunde des Abendmahls, um den Geladenen zu sagen: Kommt! denn schon ist Alles bereit! - Und sie fingen Alle ohne Ausnahme an, sich zu entschuldigen. Der Erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft, und muß notwendig ausgehen und ihn sehen; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. - Und ein Anderer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft, und ich gehe hin, sie zu versuchen; ich bitte dich, halte mich für entschuldigt. Und ein Anderer sprach: Ich habe ein Weib geheiratet, und deshalb kann ich nicht kommen. - Und als jener Knecht zurückgekehrt war, meldete er dies seinem Herrn. Da ward der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Gehe eilend hinaus auf die Gassen und Straßen der Stadt, und bringe hier herein die Armen und Krüppel und Lahme und Blinde. Und der Knecht sprach: Herr! es ist geschehen, wie du befohlen hast; und es ist noch Raum da. - Und es sprach der Herr zu dem Knechte: Gehe hinaus an die Wege und Zäune, und nötige sie, herein zu kommen, damit mein Haus voll werde. Denn ich sage euch: Von jenen Männern, die geladen waren, soll Keiner mein Mahl schmecken. Es ging aber eine große Volksmenge mit Ihm, und Er wandte Sich und sprach zu ihnen: Wenn Jemand zu Mir kommt und hasset nicht seinen eigenen Vater und Mutter und Weib und Kinder und Brüder und Schwestern, dazu aber auch sein eigenes Leben, der kann nicht Mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, kann nicht Mein Jünger sein. Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht erst nieder und berechnet die Kosten, ob er das Nötige habe, um zu vollenden, auf daß nicht, wenn er den Grund gelegt hat, und nicht zu vollenden vermag, Alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten, sagend: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen, und vermochte nicht zu vollenden? - Oder welcher König, der auszieht, sich mit einem andern Könige in Krieg einzulassen, setzt sich nicht erst hin und ratschlagt, ob er im Stande ist, Dem mit Zehntausend entgegen zu treten, der mit Zwanzigtausend wider ihn kommt? Wenn aber nicht, so sendet er, wenn Jener noch ferne ist, eine Gesandtschaft und bittet um die Bedingungen des Friedens. Also denn ein Jeder unter euch: Wer nicht Allem entsagt, was er hat, kann nicht Mein Jünger sein. Das Salz ist gut; wenn aber das Salz dumm wird, womit soll es gewürzt werden? Weder für das Land, noch für den Dünger ist es tauglich; man wirft es hinaus. Wer Ohren hat zu hören, höre! -


15.


Und es nahten zu Ihm alle die Zöllner und Sünder, Ihn zu hören. Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten, sagend: Dieser nimmt die Sünder auf und isset mit ihnen. - Er sprach aber zu ihnen dieses Gleichnis, sagend: Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat, und eins von ihnen verloren hat, läßt nicht die neun und neuzig in der Wüste und geht dem verlornen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, legt er es mit Freuden auf seine Schultern; und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen, zu ihnen sagend: Freuet euch mit mir, denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. - Ich sage euch: Also wird Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr, als über neun und neunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen. Oder welches Weib, die zehn Drachmen hat, zündet nicht, wenn sie eine Drachme verliert, eine Lampe an, und kehrt das Haus aus, und sucht sorgfältig, bis sie sie findet? Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen, sagend: Freuet euch mit mir; denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren habe. - Also, sage Ich euch, ist Freude vor den Engel Gottes über einen Sünder, der Buße tut. Er sprach aber: Ein gewisser Mensch hatte zwei Söhne. Und der Jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Vater! gib mir das Teil des Vermögens, das mir zukommt! - Und er teilte ihnen die Habe. Und nicht viel Tage darnach, brachte der jüngere Sohn Alles zusammen, und reiste weg in ein fernes Land, und vergeudete daselbst sein Vermögen, indem er ausschweifend lebte. Als er aber Alles verzehrt hatte, ward eine gewaltige Hungersnot in jenem Lande; und er selbst fing an, Mangel zu leiden. Und er ging hin und hängte sich an einen der Bürger jenes Landes; und der schickte ihn auf seine Äcker, die Schweine zu hüten. Und er begehrte seinen Bauch von den Träbern zu füllen, welche die Schweine aßen; und Niemand gab ihm. Er aber kam zu sich selbst und sprach. Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Überfluß an Brot; ich aber komme hier vor Hunger um. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen, und zu ihm sagen: Vater! ich habe gesündigt wider den Himmel und vor dir, ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen; mache mich wie einen deiner Tagelöhner. - Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. - Als er aber noch von ferne war, sah ihn sein Vater, und ward innerlich bewegt, und lief hin und fiel ihm um seinen Hals, und küßte ihn viel. - Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater! ich habe gesündigt wider den Himmel und vor dir, und bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen. Der Vater aber sprach zu seinen Knechten: Bringet das vornehmste Kleid her und zieht es ihm an, und gebt einen Ring an seine Hand und Sandalen an seine Füße; und bringet das gemästete Kalb her und schlachtet es; und laßt uns essen und fröhlich sein; denn dieser, mein Sohn, war tot und ist wieder lebendig geworden, und war verloren und ist gefunden. - Und sie fingen an fröhlich zu sein. - Es war aber sein älterer Sohn auf dem Felde; und als er kam und sich dem Hause nahte, hörte er die Musik und den Reigen. Und er rief einen der Knechte zu sich und erkundigte sich, was das wäre. Der aber sprach zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wieder erhalten hat. Er aber ward zornig, und wollte nicht hinein gehen. - Sein Vater nun ging hinaus und bat ihn. - Er aber antwortete und sprach zu dem Vater: Siehe! so viele Jahre diene ich dir; und niemals habe ich dein Gebot übertreten; und mir hast du niemals ein Böcklein gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich wäre. Als aber dieser, dein Sohn, gekommen ist, der dein Vermögen mit Huren verschlungen hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet. Er aber sprach zu ihm: Kind! du bist allezeit bei mir, und all´ das Meinige ist dein. Es ziemte sich aber, fröhlich zu sein und sich zu freuen; denn dieser, dein Bruder, war tot, und ist wieder lebendig geworden; und er war verloren, und ist gefunden.


16.


Er sprach aber auch zu Seinen Jüngern: Es war ein gewisser reicher Mann, welcher einen Verwalter hatte, und dieser war bei ihm angeschuldigt, daß er sein Vermögen verschwende. Und er rief ihn und sprach zu ihm: Wie höre ich dieses von dir? Lege Rechnung ab von deiner Verwaltung, denn du wirst nicht mehr Verwalter sein können. Der Verwalter aber sprach bei sich: Was soll ich tun? denn mein Herr nimmt mir die Verwaltung ab. Graben kann ich nicht; zu betteln schäme ich mich. Ich weiß, was ich tun werde, auf daß, wenn ich von der Verwaltung abgesetzt bin, sie mich in ihre Häuser aufnehmen. Und er rief einen jeglichen der Schuldner seines Herrn zu sich und sprach zu dem Ersten. Wie viel bist du meinem Herrn schuldig? Der aber sprach: Hundert Bath Öl. Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief, und setze dich flugs hin und schreibe fünfzig. Darauf sprach er zu einem Andern: Du aber, wie viel bist du schuldig? Der aber sprach: Hundert Kor Weizen. - Und er spricht zu ihm: Nimm deinen Schuldbrief und schreibe achtzig. Und der Herr lobte den ungerechten Verwalter, weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder dieses Zeitlaufs sind in Bezug auf ihr Geschlecht klüger, als die Kinder des Lichts. - Und ich sage euch. Machet euch Freunde von dem ungerechten Mammon, damit ihr, wenn es mit euch zu Ende ist, aufgenommen werdet in die ewigen Hütten. Wer im Geringsten treu ist, ist auch in Vielem treu, und wer im Geringsten ungerecht ist, ist auch in Vielem ungerecht. Wenn ihr denn in dem ungerechten Mammon nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Wahrhaftige anvertrauen? Und wenn ihr in dem Fremden nicht treu gewesen seid, wer wird euch das Eurige geben? Kein Hausknecht kann zweien Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen, und den andern lieben, oder er wird dem einen anhangen, und den andern gering achten; ihr könnt nicht Gott und dem Mammon dienen. Dieses Alles aber hörten auch die Pharisäer, welche geldgierig waren; und sie spotteten über Ihn. Und Er sprach zu ihnen: Ihr seid es, die ihr euch selbst rechtfertigt vor den Menschen; Gott aber kennt eure Herzen; denn was unter den Menschen hoch ist, ist ein Greuel vor Gott. Das Gesetz und die Propheten waren bis auf Johannes. Von da an wird das Reich Gottes verkündigt, und Jeder tut ihm Gewalt an. Es ist aber leichter, daß Himmel und Erde vergehen, als daß von dem Gesetz ein Strichlein wegfalle. Jeder, der sein Weib entläßt und heiratet eine andere, bricht die Ehe; und Jeder, der die von einem Manne Entlassene heiratet, bricht die Ehe. Es war aber ein gewisser reicher Mann, und er war gekleidet in Purpur und Leinwand, und frohlockte alle Tage in Prunk. Es war aber ein gewisser Armer, mit Namen Lazarus, der voller Geschwüre an dessen Pforte lag. Und er begehrte sich von den Brosamen zu sättigen, die von dem Tische des Reichen fielen. Aber auch die Hunde kamen und leckten seine Geschwüre. - Es geschah aber, daß der Arme starb; und er ward hingetragen von den Engeln in Abrahams Schoß. - Es starb aber auch der Reiche und ward begraben. Und in dem Hades seine Augen aufschlagend, als er in den Qualen war, sieht er den Abraham von Weitem, und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief und sprach. Vater Abraham! erbarme dich meiner, und schicke Lazarus, daß er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge kühle; denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Kind! gedenke, daß du dein Gutes in deinem Leben empfangen hast, und Lazarus desgleichen das Böse; nun aber wird er getröstet, du aber leidest Pein. Und zu dem Allen ist zwischen uns und euch eine große Kluft befestigt, so daß die, welche von hier zu euch hinüber gehen wollen, es nicht vermögen, noch auch die, welche von dort zu uns herüber kommen wollen. Er aber sprach: Ich bitte dich denn, Vater! daß du ihn in das Haus meines Vaters sendest; denn ich habe fünf Brüder, damit er ihnen ernstlich bezeuge, auf daß sie nicht auch an diesen Ort der Qual kommen. - Abraham spricht zu ihm: Sie haben Moses und die Propheten; laß sie Die hören. Er aber sprach: Nicht doch, Vater Abraham, sondern wenn Einer von den Toten zu ihnen hingeht, werden sie Buße tun. - Er aber sprach zu ihm: Wenn sie Moses und die Propheten nicht hören, werden sie auch, wenn Einer aus den Toten aufersteht, nicht überzeugt werden.


17.


Er sprach aber zu den Jüngern: Es ist unmöglich, daß nicht Ärgernisse kommen; wehe aber Dem, durch welchen sie kommen! Es wäre ihm nützlicher, wenn ein Mühlstein an seinen Hals getan, und er in das Meer geworfen würde, als daß er einen dieser Kleinen ärgere. Gebt Acht auf euch selbst. Wenn aber dein Bruder an dir sündigt, so verweise es ihm, und wenn er Buße tut, so vergib es ihm. Und wenn er sieben Mal des Tages an dir sündigt, und sieben Mal des Tages zu dir umkehrt, sagend: Ich bereue es, so sollst du es ihm vergeben. - Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Vermehre uns den Glauben! Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet, wie ein Senfkorn, würdet ihr zu diesem wilden Feigenbaum sagen: Sei entwurzelt und in das Meer gepflanzt! und er würde euch gehorchen. Wer aber von euch, der einen Knecht hat, pflügend oder weidend, wird wohl, wenn derselbe vom Felde zurückkommt, sofort zu ihm sagen: Gehe hin und setze dich zu Tische? Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Richte zu, was ich zu Abend essen soll; und gürte dich und diene mir, bis ich esse und trinke, und darnach sollst du essen und trinken? Dankt er auch jenem Knechte, weil er getan hat, was er ihm befohlen hat? Ich meine es nicht. - So auch ihr, wenn ihr Alles getan habt, was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze Knechte, denn wir haben getan, was wir zu tun schuldig waren. Und es geschah, als Er nach Jerusalem reiste, daß Er mitten durch Samaria und Galiläa ging. Und als Er in ein gewisses Dorf trat, begegneten Ihm zehn aussätzige Männer, die standen von ferne. Und sie erhoben ihre Stimme, sagend: Jesu, Meister, erbarme Dich unser! Und als Er sie sah, sprach Er zu ihnen: Gehet hin und zeiget euch den Priestern. Und es geschah, indem sie hingingen, wurden sie gereinigt. - Einer aber von ihnen, als er sah, daß er geheilt war, kehrte um, mit lauter Stimme Gott verherrlichend. Und er fiel nieder auf sein Angesicht zu Seinen Füßen, Ihm dankend; - und er war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die Zehn gereinigt worden? Wo sind aber die Neun? Sind Keine gefunden, welche zurückkehren, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremdling? - Und Er sprach zu ihm: Stehe auf und gehe hin! dein Glaube hat dich gerettet. Und als Er von den Pharisäern befragt wurde, wann das Reich Gottes komme, antwortete Er ihnen und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so, daß es sich beobachten läßt. Sie werden nicht sagen: Siehe hier! oder Siehe dort! Denn siehe! das Reich Gottes ist unter euch. Er sprach aber zu den Jüngern: Es werden Tage kommen, wo ihr begehren werdet, einen der Tage des Sohnes des Menschen zu sehen, und ihr werdet nicht sehen. Und sie werden zu euch sagen: Siehe hier, oder siehe dort! - gehet nicht hin, und folget auch nicht nach. Denn wie der Blitz, welcher blitzend leuchtet von einem Ende unter dem Himmel bis zum andern Ende unter dem Himmel, also wird auch der Sohn des Menschen an Seinem Tage sein. Zuvor aber muß Er Vieles leiden und von diesem Geschlecht verworfen werden. Und gleichwie es in den Tagen Noahs geschah, also wird es auch in den Tagen des Sohnes des Menschen sein: - sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie wurden verheiratet, bis zu dem Tage, wo Noah in die Arche hineinging, und die Sündfluth kam und sie Alle umbrachte. Desgleichen auch, wie es in den Tagen Lot´s geschah; sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften, sie pflanzten, sie bauten. An demselben Tage aber, wo Lot aus Sodom herausging, regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und brachte sie Alle um. Demgemäß wird es an dem Tage sein, wo der Sohn des Menschen offenbart wird. An jenem Tage, wer auf dem Hause sein wird und sein Gerät im Hause hat, der steige nicht herunter, um es zu holen; und wer auf dem Felde sein wird, der kehre desgleichen nicht um zu dem, was hinter ihm ist. Erinnert euch an Lot´s Weib! - Jedweder, der sein Leben zu retten suchen wird, der wird es verlieren; und Jedweder, der es verlieren wird, der wird es erhalten. Ich sage euch: In jener Nacht werden Zwei auf einem Bette sein; Einer wird genommen, der Andere gelassen werden. Zwei werden zusammen mahlen; die Eine wird genommen, und die Andere gelassen werden. Zwei werden auf dem Felde sein; der Eine wird genommen, und der Andere gelassen werden. - Und sie antworten und sagen zu Ihm: Wo, Herr? Er aber sprach zu ihnen: Wo das Aas ist, da werden die Adler versammelt werden. -


18.


Er sagte aber auch ein Gleichnis zu ihnen, wie man jederzeit beten und nicht nachlassen sollte, sagend: Es war ein gewisser Richter in einer Stadt, welcher Gott nicht fürchtete und sich vor keinem Menschen scheute. Es war aber eine Witwe in jener Stadt; und sie kam zu ihm, sagend: Schaffe mir Recht von meinem Widersacher! Und eine Zeitlang wollte er nicht. Darnach aber sprach er bei sich selbst: Obgleich ich auch Gott nicht fürchte, und mich vor keinem Menschen scheue, will ich doch, weil diese Witwe mir Mühe macht, ihr Recht verschaffen, damit sie nicht unaufhörlich komme und mich quäle. Der Herr aber sprach: Höret, was der ungerechte Richter sagt! Gott aber, wird Er nicht das Recht Seiner Auserwählten, welche Tag und Nacht zu Ihm rufen, ausführen, wenn Er in Betreff ihrer auch langsam ist? Ich sage euch, daß Er ihr Recht schnell ausführen wird. - Doch wird wohl der Sohn des Menschen, wenn Er nun kommt, den Glauben auf Erden finden? - Er sprach aber auch zu Etlichen, welche auf sich selbst vertrauten, daß sie gerecht seien, und welche die Übrigen verachteten, dieses Gleichnis: Zwei Menschen gingen in den Tempel zu beten, der Eine ein Pharisäer, und der Andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst also: O Gott, ich danke Dir, daß ich nicht bin, wie die Übrigen der Menschen: Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner! Ich faste zwei Mal in der Woche; ich verzehnte alle Dinge, welche ich besitze. - Und der Zöllner von ferne stehend, wollte sogar die Augen nicht aufheben gen Himmel. Er schlug aber an seine Brust, sagend: O Gott, begnadige mich, den Sünder! - Ich sage euch: Dieser ging mehr gerechtfertigt hinab in sein Haus, als Jener; denn Jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden. Sie brachten aber auch die Kindlein zu Ihm, daß Er sie anrühren möchte. Da es aber die Jünger sahen, bedrohten sie dieselben. Jesus aber rief sie zu sich und sprach: Lasset die Kinder zu Mir kommen, und wehret ihnen nicht; denn Solcher ist das Reich Gottes. Wahrlich, Ich sage euch: Jedweder, der das Reich Gottes nicht als ein Kind empfängt, wird nicht in dasselbe eingehen. Und es fragte Ihn ein gewisser Oberster, sagend: Guter Lehrer, was muß ich getan haben, damit ich das ewige Leben ererbe? Jesus aber sprach zu ihm: Was heißest du Mich gut? Niemand ist gut, als nur Einer, - Gott. Du kennst die Gebote: "Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis geben; ehre deinen Vater und deine Mutter." - Er aber sprach: Alles dieses habe ich von meiner Jugend an beobachtet. - Als aber Jesus dieses hörte, sprach Er zu ihm: Noch Eins fehlt dir: Alles, was du irgendwie hast, verkaufe und gibt es den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge Mir nach. Als er aber dieses hörte, ward er sehr traurig; denn er war sehr reich. - Als aber Jesus sah, daß er sehr traurig geworden, sprach Er: Wie schwerlich werden Die, welche Güter haben, in das Reich Gottes eingehen! Denn es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr eingehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes eingehe. - Es sprachen aber, die es hörten: Wer kann dann errettet werden? Er aber sprach: Die Dinge, welche bei Menschen unmöglich sind, sind bei Gott möglich. - Petrus aber sprach: Siehe! wir haben Alles verlassen und sind Dir nachgefolgt. Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, Ich sage euch. Es ist Niemand, der Haus, oder Eltern, oder Brüder, oder Weib, oder Kinder, um des Reiches Gottes willen verlassen hat, der nicht Vielfältiges in dieser Zeit, und ewiges Leben in dem kommenden Zeitalter empfangen wird. Er nahm aber die Zwölfe zu Sich und sprach zu ihnen: Siehe, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wir Alles vollendet werden, was durch die Propheten auf den Sohn des Menschen geschrieben ist; denn Er wird den Nationen überliefert werden, und wird verspottet und geschmäht und verspeiet werden. Und wenn sie Ihn gegeißelt haben, werden sie ihn töten, und am dritten Tage wird Er auferstehen. - Und sie verstanden nichts davon; und es war dieses Wort vor ihnen verborgen, und sie wußten nicht, was gesagt wurde. Es geschah aber, als Er Jericho nahte, daß ein gewisser Blinder am Wege saß und bettelte. Als er aber eine Volksmenge vorbeigehen hörte, erkundigte er sich, was dieses wäre. Sie verkündigten ihm aber, daß Jesus, der Nazaräer, vorbei gehe. - Und er rief, sagend: Jesu, Sohn Davids! erbarme Dich meiner! Und die, welche vorbei gingen, bedrohten ihn, daß er schweigen solle. Er aber rief noch viel mehr: Sohn Davids, erbarme Dich meiner! Jesus aber stand still und befahl, daß er zu Ihm gebracht würde. Als er aber nahte, fragte Er ihn, sagend: Was willst du, daß Ich dir tun soll? Er aber sprach: Herr! daß ich sehen möge! Und Jesus sprach zu ihm: Werde sehend! Dein Glaube hat dich geheilt! Und alsbald sah er und folgte Ihm nach, Gott verherrlichend. Und das ganze Volk,welches zusah, gab Gott Lob.


19.


Und Er trat in Jericho ein, und ging hindurch. - Und siehe! ein Mann, mit Namen Zachäus genannt, - und derselbe war ein Ober-Zöllner, und war reich. Und er suchte Jesum zu sehen, wer Er wäre, und er vermochte es nicht vor der Volksmenge; denn er war klein von Person. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeer-Feigenbaum, damit er Ihn sehen möge; denn Er sollte jenes Weges vorbeikommen. - Und als Jesus an den Ort kam, sah Er hinauf und erblickte ihn, und sprach zu ihm: Zachäus! steige eilend hernieder; denn heute muß Ich in deinem Hause bleiben. Und er stieg eilend hernieder und nahm Ihn mit Freuden auf. Und Alle, als sie es sahen, murrten, sagend: Er ist zu einem sündigen Manne eingekehrt, um Gast zu sein. Zachäus aber stand und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr! die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich Jemanden fälschlich angeklagt habe, so erstatte ich es vierfältig. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, sintemal auch er ein Sohn Abrahams ist. Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu erretten, was verloren ist. - Als sie aber dieses hörten, fügte Er hinzu und sagte ein Gleichnis, weil Er nahe bei Jerusalem war, und weil sie meinten, das Reich Gottes sollte sogleich erscheinen. Er sagte nun: Ein gewisser Edelmann ging hin in ein fernes Land, um ein Reich für sich zu empfangen, und wieder zu kommen. Er berief aber zehn seiner Knechte und gab ihnen zehn Pfunde und sprach zu ihnen: Handelt damit, bis ich komme. Seine Bürger aber haßten ihn und schickten einen Gesandten hinter ihm her, sagend: Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche! - Und es geschah, als er, nachdem er das Reich empfangen hatte, zurückkam, daß er sagte, daß diese Knechte, denen er das Geld gegeben hatte, zu ihm gerufen werden sollten, damit er wüßte, was Jeder erhandelt hätte. - Und der Erste kam, sagend: Herr! Dein Pfund hat zehn Pfunde dazu gewonnen. - Und er sprach zu ihm: Wohl, guter Knecht! Weil du im Geringsten treu gewesen bist, so sei gewalthabend über zehn Städte. - Und es kam der Zweite, sagend: Herr! Dein Pfund hat fünf Pfunde gemacht. Und er sprach auch zu diesem: Und du, sei über fünf Städte! - Und ein Anderer kam, sagend: Herr, siehe! dein Pfund, welches ich in einem Schweißtuche verwahrt hielt; denn ich fürchtete dich, weil du ein strenger Mann bist; du nimmst, was du nicht hingelegt, und du erntest, was du nicht gesät hast. Er aber spricht zu ihm: Aus deinem Munde werde ich dich richten, du böser Knecht! Du wußtest, daß ich ein strenger Mann bin, nehmend, was ich nicht hingelegt, und erntend, was ich nicht gesät habe, und warum hast du mein Geld nicht in die Wechselbank gegeben, und kommend, hätte ich es mit Zinsen wieder gefordert. - Und zu denen, die dabei standen, sprach er: Nehmt das Pfund von ihm, und gebt es dem, der die zehn Pfunde hat. (Und sie sprachen zu ihm: Herr! er hat zehn Pfunde!) - Denn Ich sage euch: Jedem, der hat, wird gegeben werden; von Dem aber, der nicht hat, von Dem wird auch das, was er hat, weggenommen werden. Doch Jene, meine Feinde, die nicht wollten, daß ich über sie herrschen sollte, bringet her und erwürget sie vor mir. Und als Er dieses gesagt hatte, zog Er voran, und ging hinauf nach Jerusalem. Und es geschah, als Er gen Bethphage und Bethanien kam, an den Berg, welcher Ölberg heißt, sandte Er zwei Seiner Jünger, sprechend: Gehet hin in das Dorf gegenüber; und wenn ihr hinein kommt, werdet ihr daselbst ein Füllen angebunden finden, auf welchem niemals ein Mensch gesessen hat; - bindet es los und bringet es her! Und wenn euch Jemand fragt: Warum bindet ihr es los? so sollt ihr also zu ihm sagen. Der Herr bedarf sein! - Und die, welche ausgesandt waren, gingen weg, und fanden es, wie Er ihnen gesagt hatte. Indem sie aber das Füllen losbanden, sprachen dessen Herren zu ihnen: Warum bindet ihr das Füllen los? Sie aber sprachen: Der Herr bedarf sein. - Und sie brachten es zu Jesu hin, und warfen ihre Kleider auf das Füllen, und setzten Jesum darauf. Als Er aber hinzog, breiteten sie ihre Kleider unter auf den Weg. Als Er aber nahte, und schon da war, wo man den Ölberg hinabgeht, fing die ganze Menge Seiner Jünger an, mit lauter Stimme freudig Gott zu loben über all´ die Wunderwerke, die sie gesehen hatten, sagend: "Gesegnet der König, der da kommt im Namen des Herrn!" Friede im Himmel und Herrlichkeit in der Höhe! - Und einige der Pharisäer aus der Volksmenge sprachen zu Ihm: Lehrer! verweise es Deinen Jüngern! - Und Er antwortete und sprach zu ihnen: Ich sage euch: Wenn diese schweigen würden, so würden sofort die Steine schreien. - Und als Er nahe kam und die Stadt sah, weinte Er über sie, sagend: Wenn auch du erkannt hättest, und selbst an diesem deinem Tage, was zu deinem Frieden gehört! Nun aber ist es vor deinen Augen verborgen; denn es werden Tage über dich kommen, daß deine Feinde einen Wall um dich aufschütten, und dich umzingeln und von allen Seiten einengen werden. Und sie werden dich und deine Kinder in dir auf den Boden werfen, und sie werden in dir nicht einen Stein auf dem andern lassen, darum, daß du nicht die Zeit deiner Heimsuchung erkannt hast. Und Er ging in den Tempel hinein und fing an auszutreiben, die darin kauften und verkauften, zu ihnen sagend: Es steht geschrieben. "Mein Haus ist ein Bethaus," "ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht." Und Er lehrte täglich im Tempel; die Hohenpriester aber und die Schriftgelehrten und die Vornehmsten des Volkes suchten Ihn umzubringen. Und sie fanden nicht, was sie tun sollten; denn das ganze Volk hing Ihm an, Ihn hörend.


20.


Und es geschah an einem jener Tage, als Er das Volk im Tempel lehrte und das Evangelium verkündigte, daß die Hohenpriester und Schriftgelehrten mit den Ältesten dazu kamen und zu Ihm sprachen, sagend: Sage uns, in welchem Recht tust Du Dieses? oder wer ist es, der Dir dieses Recht gegeben hat? - Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich will euch auch ein Wort fragen: und sagt Mir: Die Taufe Johannis, war sie vom Himmel oder von Menschen? Sie aber überlegten bei sich selbst, sprechend: Wenn wir sagen: Vom Himmel, - so wird Er sagen: Warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt? Wenn wir aber sagen: Von Menschen, - so wird das ganze Volk uns steinigen; denn es ist überzeugt, daß Johannes ein Prophet ist. Und sie antworteten, daß sie nicht wüßten, woher. - Und Jesus sprach zu ihnen: So sage Ich euch auch nicht, in welchem Recht Ich Dieses tue. Er fing aber an, zu dem Volke dieses Gleichnis zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg, und tat ihn an Ackerbauer aus, und reiste außer Landes lange Zeit. Und zu seiner Zeit sandte er einen Knecht zu den Ackerbauern, auf daß sie ihm von der Frucht des Weinbergs gäben. Die Ackerbauer aber schlugen ihn und schickten ihn leer weg. Und wiederum sandte er einen andern Knecht. Diesen aber schlugen sie auch, und behandelten ihn verächtlich, und schickten ihn leer fort. Und wiederum schickte er einen dritten. Sie aber verwundeten auch diesen, und stießen ihn hinaus. - Der Herr des Weinbergs aber sprach: Was soll ich tun? Ich will meinen geliebten Sohn senden, vielleicht, wenn sie diesen sehen, werden sie sich scheuen. - Als ihn aber die Ackerbauer sahen, überlegten sie bei sich selbst, sagend: Dieser ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten, damit das Erbe unser werde! Und sie warfen ihn zum Weinberg hinaus und töteten ihn. Was wird ihnen nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und diese Ackerbauer umbringen, und er wird den Weinberg Andern geben. - Er aber sah sie an und sprach: Was ist denn das, was geschrieben steht: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden." Jeder, der auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; Jeden aber, auf welchen er fallen wird, den wird er zermalmen! - Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten zu derselben Stunde die Hände an Ihn zu legen, und sie fürchteten sich vor dem Volke; denn sie sahen ein, daß Er dies Gleichnis auf sie gesagt hatte. Und sie beobachteten Ihn und sandten Auflaurer aus, welche sich verstellten, als ob sie gerecht wären, damit sie Ihn in Seiner Rede fingen, um Ihn der Obrigkeit und Gewalt des Landpflegers zu überliefern. Und sie fragten Ihn, sagend: Lehrer! wir wissen, daß Du recht redest und lehrest, und die Personen nicht ansiehst, sondern den Weg Gottes nach der Wahrheit lehrest. Ist es uns erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder nicht? - Er aber, ihre Arglist wahrnehmend, sprach zu ihnen: Was versucht ihr Mich? Zeigt Mir einen Denar! Wessen Bild und Aufschrift hat er? Sie aber antworteten und sprachen: Des Kaisers. Er aber sprach zu ihnen: So gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist. - Und sie vermochten nicht, Ihn in Seiner Rede vor dem Volk zu fassen; und sich verwundernd über Seine Antwort, schwiegen sie. Es traten aber Etliche der Sadducäer hinzu, welche widersprechen, daß es eine Auferstehung gebe, und fragten Ihn, sagend: Lehrer! Moses hat uns geschrieben, daß, wenn Jemandes Bruder stirbt, der ein Weib hat, und dieser kinderlos stirbt, sein Bruder das Weib nehmen und seinem Bruder Samen erwecken soll. Es waren nun sieben Brüder; und der erste nahm ein Weib und starb kinderlos. Und der zweite nahm das Weib; - auch dieser starb kinderlos. Und der dritte nahm sie, desgleichen aber auch die Sieben; - sie hinterließen keine Kinder und starben. Am letzten aber von Allen starb auch das Weib. In der Auferstehung nun, wessen Weib von ihnen ist sie? Denn die Sieben haben sie zum Weibe gehabt. Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Kinder dieses Zeitlaufs heiraten und werden verheiratet. Die aber für würdig gehalten sein werden, jenes Zeitlaufs und der Auferstehung aus den Toten teilhaftig zu sein, werden weder heiraten, noch verheiratet werden. Denn sie können auch nicht mehr sterben; denn sie sind Engeln gleich, und sind Söhne Gottes, weil sie Söhne der Auferstehung sind. Daß aber die Toten auferstehen, hat auch Moses angedeutet, "in dem Busch", als er den Herrn "den Gott Abrahams und den Gott Isaaks und den Gott Jakobs" nennt. Er aber ist nicht ein Gott der Toten, sondern der Lebendigen; denn für Ihn sind Alle lebend. - Einige aber der Schriftgelehrten antworteten und sprachen: Lehrer ! Du hast wohl gesprochen. - Sie wagten aber nicht mehr, Ihn etwas zu fragen. Er sprach aber zu ihnen. Wie sagen sie, daß der Christus der Sohn Davids ist? Und er selbst, David, sagt im Buch der Psalmen: "Der Herr hat zu meinem Herrn gesagt: Setze Dich zu Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde zum Schemel Deiner Füße lege." David also nennt Ihn "Herr", und wie ist Er sein Sohn? Während aber das ganze Volk zuhörte, sprach Er zu Seinen Jüngern: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die sich darin gefallen, in langen Gewändern umher zu gehen, und Grüße auf den Märkten, und die ersten Sitze in den Synagogen, und die ersten Plätze bei den Gastmählern lieben, welche die Häuser der Witwen verschlingen, und zum Schein lange Gebete halten. Diese werden ein schwereres Gericht empfangen.


21.


Und aufstehend sah Er die Reichen, ihre Gaben in den Schatzkasten werfend. Er sah aber auch eine gewisse arme Witwe, welche zwei Pfennige daselbst einwarf. Und Er sprach: Wahrlich, Ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr, als Alle eingeworfen; denn diese Alle haben aus ihrem Überfluß zu den Gaben Gottes eingeworfen; diese aber hat aus ihrem Mangel den ganzen Lebensunterhalt, welchen sie hatte, eingeworfen. - Und als Einige von dem Tempel sagten, daß er mit schönen Steinen und Weihgeschenken geschmückt sei, sprach Er: Diese Dinge, die ihr sehet, - es werden Tage kommen, in welchem kein Stein auf dem andern gelassen wird, welcher nicht abgebrochen werden wird. Sie fragten Ihn aber, sagend: Lehrer! wann wird dies denn geschehen, und was ist das Zeichen, wann dieses geschehen soll? - Er aber sprach: Sehet zu, daß ihr nicht verführt werdet; denn Viele werden unter Meinem Namen kommen, sagend: Ich bin es! und: Die Zeit ist nahe gekommen! Gehet ihnen nicht nach. Wenn ihr aber von Kriegen und Empörungen hören werdet, so seid nicht bestürzt; denn dies muß zuvor geschehen; aber das Ende ist nicht alsbald da. Dann sprach Er zu ihnen: Es wird sich Nation wider Nation, und Königreich wider Königreich erheben; und große Erdbeben werden in verschiedenen Orten sein, und Hungersnot und Seuchen; auch Schreckenerregendes und große Zeichen werden vom Himmel geschehen. Vor diesem Allen aber werden sie ihre Hände an euch legen und euch verfolgen, indem sie euch an Synagogen und Gefängnisse überliefern; und ihr werdet vor Könige und Landpfleger um Meines Namens willen geführt werden. Es wird euch aber zu einem Zeugnis ausschlagen. Nehmt es dann in eure Herzen, vorher nicht zu sorgen, euch zu verantworten; denn Ich werde euch Mund und Weisheit geben, der alle eure Widersacher nicht werden widersprechen noch widerstehen können. Ihr werdet aber sogar von Eltern und Brüdern und Verwandten und Freunden überliefert werden, und sie werden Etliche von euch töten; und ihr werdet von Allen um Meines Namens willen gehaßt sein; aber es soll kein Haar von eurem Haupte umkommen. Fasset eure Seelen durch euer Ausharren. Wenn ihr aber Jerusalem von Heerscharen umzingelt sehen werdet, dann wisset, daß ihre Verwüstung nahe gekommen ist; - daß alsdann, die in Judäa sind, auf die Berge fliehen, und die in seiner Mitte sind, daraus entweichen; und die in den Ländern, nicht daselbst hinein gehen. Denn dieses sind Tage der Rache, daß Alles, was geschrieben steht, erfüllt werde. Wehe aber den Schwangern und den Säugenden in jenen Tagen; denn große Not wird in dem Lande sein, und Zorn über dieses Volk; und sie werden durch die Schärfe des Schwertes fallen, und unter alle Völker gefangen geführt werden; und Jerusalem wird von den Nationen zertreten werden, bis daß die Zeiten der Nationen erfüllt werden. Und es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, und auf der Erde Bedrängnis der Völker in Ratlosigkeit, bei brausendem Meer und Wasserwogen; - die Menschen verschmachtend vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen; denn die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden; - und dann werden sie sehen den Sohn des Menschen, in einer Wolke kommend mit Macht und großer Herrlichkeit. Wenn aber diese Dinge zu geschehen anfangen, so richtet euch auf und hebt eure Häupter empor, denn eure Erlösung naht sich. - Und Er sprach ein Gleichnis zu ihnen: Sehet den Feigenbaum und alle Bäume! Wenn sie schon ausschlagen, so wisset ihr, es sehend, von selbst, daß der Sommer schon nahe ist. So auch ihr, wenn ihr sehet, daß diese Dinge geschehen, so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, Ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis daß Alles geschehen ist. Der Himmel und die Erde werden vergehen; Meine Worte aber werden nicht vergehen. Hütet euch aber, daß eure Herzen nicht durch Völlerei und Trunkenheit und Lebenssorgen beschwert werden, und jener Tag plötzlich über euch hereinbreche. Denn wie ein Fallstrick wird er über Alle kommen, die auf dem Boden des ganzen Landes ansässig sind. Wachet nun, zu jeder Zeit betend, auf daß ihr würdig gehalten werdet, allem Diesem, was geschehen soll, zu entgehen, und vor dem Sohne des Menschen zu stehen. Er lehrte aber des Tages in dem Tempel, und des Nachts ging Er hinaus und übernachtete auf dem Berge, welcher der Ölberg genannt wird. Und das ganze Volk kam morgens früh zu Ihm in den Tempel, Ihn zu hören.


22.


Es nahte aber das Fest der ungesäuerten Brote, Passah genannt. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie Ihn umbrächten; denn sie fürchteten das Volk. Aber der Satanas fuhr in Judas, mit dem Zunamen, der Iskariot, welcher aus der Zahl der Zwölfe war. Und er ging hin und besprach sich mit den Hohenpriestern und Hauptleuten, wie er ihnen Denselben überliefere. Und sie freuten sich und kamen überein, ihm Geld zu geben. Und er versprach es, und suchte eine Gelegenheit, um ihnen Denselben ohne Volksauflauf zu überliefern. Es kam aber der Tag der ungesäuerten Brote, an welchem das Passah geschlachtet werden mußte. Und Er sandte den Petrus und Johannes, sagend: Gehet hin und bereitet uns das Passah, auf daß wir essen. Sie aber sprachen zu Ihm: Wo willst Du, daß wir es bereiten? Er aber sprach zu ihnen: Siehe! wenn ihr in die Stadt hineintretet, wird euch ein Mensch begegnen, einen Wasserkrug tragend; folgt ihm in das Haus, wo er hinein geht. Und ihr sollt dem Hausherrn sagen: Der Lehrer sagt dir: Wo ist das Gastzimmer, wo Ich mit meinen Jüngern das Passah essen werde? Und Jener wird euch einen großen, mit Polstern belegten Obersaal zeigen; dort bereitet. - Als sie aber weggingen, fanden sie es, wie Er ihnen gesagt hatte, und sie bereiteten das Passah. Und als die Stunde gekommen war, legte Er Sich zu Tische, und die zwölf Apostel mit Ihm. Und Er sprach zu ihnen: Mit Sehnsucht habe Ich Mich gesehnt, dieses Passah mit euch zu essen, ehe daß Ich leide. Denn Ich sage euch, daß Ich nicht mehr davon essen werde, bis es erfüllt sein wird im Reiche Gottes. Und Er nahm den Kelch und dankte und sprach: Nehmt diesen und teilt ihn unter euch. Denn Ich sage euch: Ich werde nicht von dem Gewächs des Weinstocks trinken, bis daß das Reich Gottes komme. Und Er nahm Brot und dankte und brach und gab es ihnen, sagend: Dies ist Mein Leib, für euch gegeben; dieses tut zu Meinem Gedächtnis! Desgleichen auch der Kelch, nachdem sie gegessen hatten, sagend: Dieser Kelch ist der neue Bund in Meinem Blut, für euch vergossen. Doch siehe! die Hand Dessen, der Mich überliefert, ist mit Mir am Tische. Und der Sohn des Menschen geht dahin, wie es beschlossen ist; doch wehe jenem Menschen, durch den Er überliefert wird! Und sie fingen an, sich untereinander zu befragen, wer es wohl unter ihnen sein möchte, der dies tun sollte. Es ward aber auch ein Streit unter ihnen, wer von ihnen für den Größten zu halten sei. Er aber sprach zu ihnen: Die Könige der Nationen herrschen über sie, und ihre Gewalthaber werden Wohltäter genannt. Ihr aber nicht also; sondern der Größte unter euch sei wie der Jüngere, und der Oberste wie der Dienende. Denn wer ist größer, der, welcher zu Tische liegt, oder der Dienende? Ist es nicht der, welcher zu Tische liegt? Ich aber bin in eurer Mitte als der Dienende. Ihr aber seid es, die in Meinen Versuchungen mit Mir ausgeharrt haben; und Ich verordne euch ein Reich, gleichwie es Mir Mein Vater verordnet hat, damit ihr esset und trinket an Meinem Tische in Meinem Reich, und auf Thronen sitzet, richtend die zwölf Stämme Israels. Es sprach aber der Herr: Simon, Simon, siehe! der Satanas hat eurer begehrt, euch zu sichten, wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, auf daß dein Glaube nicht aufhöre; und bist du einst zurückgekehrt, so stärke deine Brüder! - Er aber sprach zu ihm: Herr! Mit Dir bin ich bereit, auch in Gefängnis und Tod zu gehen! Er aber sprach: Ich sage dir, Petrus: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet hast, daß du Mich kennest. Und Er sprach zu ihnen: Wann Ich euch ohne Börse und Tasche und Sandalen sandte, - mangelte euch etwas? Sie aber sagten: Nichts. Da sprach Er zu ihnen: Aber jetzt, wer eine Börse hat, der nehme sie, und desgleichen eine Tasche; und wer nicht hat, verkaufe sein Kleid, und kaufe ein Schwert. Denn Ich sage euch: Auch noch Dieses, was geschrieben steht, muß an Mir erfüllt werden: "Und Er ist unter die Gesetzlosen gerechnet worden." Denn auch die Dinge, Mich betreffend, haben eine Vollendung. Sie aber sprachen: Herr! siehe, hier sind zwei Schwerter! Er aber sprach zu ihnen: Es ist genug! Und Er ging hinaus, und begab Sich der Gewohnheit nach an den Ölberg; Ihm folgten aber auch Seine Jünger. Und als Er an den Ort gekommen war, sprach Er zu ihnen: Betet, daß ihr nicht in Versuchung hineingehet! - Und Er hatte Sich ungefähr einen Steinwurf weit von ihnen zurückgezogen, und niederknieend betete Er, sagend: Vater! Wenn Du diesen Kelch von Mir vorüberführen willst, - doch nicht Mein Wille, sondern der Deine geschehe! - Es erschien Ihm aber ein Engel vom Himmel, Ihn stärkend; und als Er in ringendem Kampfe war, betete Er heftiger. Es ward aber Sein Schweiß wie Tropfen Bluts, welche auf die Erde herabfielen. Und Er stand auf vom Gebet, kam zu Seinen Jüngern und fand sie vor Traurigkeit eingeschlafen. Und Er sprach zu ihnen: Was schlafet ihr? Stehet auf und betet, daß ihr nicht in Versuchung hineingehet. Als Er aber noch redete, siehe! eine Volksmenge; - und der, welcher Judas genannt war, Einer der Zwölfe, ging vor ihnen her und nahte sich Jesu, Ihn zu küssen. Jesus aber sprach zu ihm: Judas! Überlieferst du den Sohn des Menschen mit einem Kuß? - Als aber die, welche um Ihn waren, sahen, was es werden würde, sprachen sie zu Ihm: Herr! sollen wir mit dem Schwerte schlagen? - Und Einer aus ihnen schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Jesus aber antwortete und sprach: Laß es so weit sein! Und Er rührte sein Ohr an und heilte ihn. Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern und Hauptleuten des Tempels und Ältesten, die wider Ihn kamen: Seid ihr ausgezogen wie zu einem Räuber mit Schwertern und Stöcken? Als Ich täglich unter euch in dem Tempel war, habt ihr die Hände nicht gegen mich ausgestreckt. Aber dies ist eure Stunde und die Gewalt der Finsternis. Sie nahmen Ihn aber und führten Ihn, und brachten Ihn in das Haus des Hohenpriesters. Petrus aber folgte von ferne. Als sie aber mitten in dem Hofe ein Feuer angezündet und sich zusammen gesetzt hatten, setzte sich Petrus in ihre Mitte. Und eine Magd sah ihn bei dem Feuer sitzen, und sie heftete ihr Auge auf ihn, sagend: Auch Dieser war mit Ihm! Er aber verleugnete Ihn, sagend: Weib! Ich kenne Ihn nicht! Und kurz darauf sah ihn ein Anderer und sprach. Auch du bist von ihnen! Petrus aber sprach: Mensch, ich bin es nicht! Und etwa nach Verlauf einer Stunde behauptete es ein Anderer, sagend: In Wahrheit, auch Dieser war mit Ihm, denn auch er ist ein Galiläer! Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht, was du sagst! - Und alsbald, während er noch redete, krähte der Hahn. - Und der Herr, Sich umwendend, blickte Petrus an; und es gedachte Petrus an das Wort des Herrn, wie Er zu ihm sagte: Bevor der Hahn kräht, wirst du Mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging von da hinaus und weinte bitterlich. Und die Männer, die Jesum festhielten, verspotteten und schlugen Ihn. Und als sie Ihn bedeckt hatten, schlugen sie Ihn in´s Angesicht, und fragten Ihn, sagend: Weissage, wer ist es, der Dich schlug? - Und viele andere Dinge sagten sie lästernd gegen Ihn. Und als es Tag ward, versammelten sich die Ältesten des Volks, die Hohenpriester und Schriftgelehrten, und führten ihn in ihr Synedrium, sagend: Wenn Du der Christus bist, sag´ es uns! Er aber sprach zu ihnen: Wenn Ich es euch sage, so werdet ihr nicht glauben; wenn Ich aber auch fragen werde, so werdet ihr Mir nicht antworten oder Mich loslassen. Von jetzt an wird der Sohn des Menschen zur Rechten der Kraft Gottes sitzen! - Sie sprachen aber Alle: Bist Du denn der Sohn Gottes? - Er aber sprach zu ihnen: Ihr sagt es, daß ICH BIN! - Sie aber sprachen: Was haben wir noch Zeugnisse nötig? denn wir selbst haben es aus Seinem Munde gehört.


23.


Und die ganze Menge von ihnen stand auf, und sie führten Ihn hin zu Pilatus. Sie fingen aber an, Ihn zu beschuldigen, sagend: Wir haben Diesen gefunden, daß Er das Volk verführt, und dem Kaiser die Steuer zu geben wehrt, sagend: daß Er selbst Christus, ein König, sei. - Pilatus aber fragte Ihn, sagend: Du bist der König der Juden? - Er aber antwortete zu ihm und sprach: Du sagst es! - Pilatus aber sprach zu den Hohenpriestern und der Volksmenge: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen. - Sie aber drangen stärken an, sagend: Er erregt das Volk, lehrend durch ganz Judäa, anfangend von Galiläa bis hierher. - Als aber Pilatus von Galiläa hörte, fragte er, ob der Mann ein Galiläer sei. - Und als er erfahren, daß Er aus dem Gebiet des Herodes sei, sandte Er Ihn zu Herodes, der auch selbst in diesen Tagen in Jerusalem war. - Und als Herodes Jesum sah, freute er sich sehr; denn seit langer Zeit wünschte er Ihn zu sehen, weil er Vieles von Ihm gehört hatte; und er hoffte, irgend ein Zeichen zu sehen, was durch Ihn geschehen würde. - Und er befragte Ihn mit vielen Worten. - Er aber antwortete ihm nichts. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten standen aber auf und beschuldigten Ihn heftig. Aber Herodes mit seinen Kriegsleuten behandelte Ihn verächtlich und verspottete Ihn, warf Ihm ein glänzendes Gewand um, und sandte Ihn zu Pilatus zurück. Pilatus und Herodes wurden aber an demselben Tage Freunde mit einander; denn früher waren sie in Feindschaft gegen einander. Als Pilatus aber die Hohenpriester und die Obersten und das Volk zusammen gerufen hatte, sprach er zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen zu mir gebracht als Einen, der das Volk abwendig macht; und siehe! ich habe Ihn in eurer Gegenwart verhört, und ich habe keine Schuld an diesem Menschen gefunden in Betreff dessen, worüber ihr Ihn anklagt; Herodes aber auch nicht, denn ich habe euch zu ihm hingeschickt, und siehe! nichts Todeswürdiges ist von Ihm getan. So will ich Ihn den züchtigen und loslassen. - Er aber mußte ihnen notwendig auf dem Feste Einen losgeben. Die ganze Menge aber schrie zusammen, sagend: Hinweg mit Diesem! Laß uns aber den Barabbas los! - Der war um eines Aufruhrs, der in der Stadt geschehen war, und um eines Mordes willen ins Gefängnis geworfen. Pilatus rief ihnen nun wiederum zu, indem er Jesum loslassen wollte. - Sie aber schrieen entgegen, sagend: Kreuzige, kreuzige Ihn! - Er aber sprach zum dritten Male zu ihnen: Was hat Dieser denn Böses getan? Ich habe nichts, was des Todes wert ist, an Ihm gefunden; ich werde ihn denn züchtigen und loslassen. - Sie aber lagen ihm an mit großem Geschrei, fordernd, daß Er gekreuzigt würde. - Und ihr und der Hohenpriester Geschrei behielt die Oberhand. Und Pilatus urteilte, daß ihre Forderung geschehe. - Er ließ ihnen aber den los, der um Aufruhrs und Mordes willen ins Gefängnis geworfen war, welchen sie forderten, - Jesum aber übergab er ihrem Willen. Und als sie Ihn wegführten, ergriffen sie einen gewissen Simon von Cyrene, der vom Felde kam, und legten das Kreuz auf ihn, um es hinter Jesu her zu tragen. Es folgte Ihm aber eine große Menge Volkes nach, und Weiber, welche Ihn auch beklagten und bejammerten. Jesus aber, Sich zu ihnen wendend, sprach: Töchter Jerusalems, weinet nicht über Mich, sondern weinet über euch selbst und über eure Kinder! Denn siehe! es kommen Tage, an welchem sie sagen werden: Glückselig die Unfruchtbaren und die Leiber, die nicht geboren, und die Brüste, die nicht gesäugt haben! Dann werden sie anheben, zu den Bergen zu sagen. Fallet über uns! und zu den Hügeln: Bedeckt uns! - Denn wenn sie dieses an dem grünen Baum tun, was soll es an dem dürren werden? - Es wurden aber auch zwei Andere hingeführt, Missetäter, um mit Ihm hingerichtet zu werden. Und als sie an die Stätte gelangten, genannt Schädelstätte, kreuzigten sie Ihn und die Missetäter daselbst, den Einen zur Rechten, den Andern zur Linken. - Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. - Sie verteilten aber Seine Kleider, und warfen das Los; und das Volk stand und sah ihnen zu. Mit ihnen höhnten aber auch die Obersten, sagend: Andere hat Er gerettet; Er rette sich selbst, wenn Dieser der Christus ist; der Auserwählte Gottes! Aber auch die Kriegsknechte verspotteten Ihn, herzutretend und Ihm Essig reichend und sagend: Wenn Du der König der Juden bist, rette Dich selbst! - Es war aber auch eine Aufschrift über Ihn geschrieben, in griechischen, und römischen, und hebräischen Buchstaben. Dieser ist der König der Juden! Einer aber der gehängten Missetäter verlästerte ihn, sagend: Wenn Du der Christus bist, so rette Dich selbst und uns! - Der Andere aber antwortete und strafte ihn, sagend: Auch du fürchtest Gott nicht, da du doch in demselben Gerichte bist? Und wir zwar mit Recht; denn wir empfangen was unsere Taten wert sind; Dieser aber hat nichts Ungeziemendes getan. - Und er sprach zu Jesu: Gedenke meiner, Herr, wenn Du in Deinem Reiche kommst! - Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, Ich sage dir: Heute wirst du mit Mir im Paradiese sein. Es war aber um die sechste Stunde; und es ward eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde. Und die Sonne ward verfinstert, und der Vorhang des Tempels ward mitten entzwei gerissen. Und Jesus, rufend mit großer Stimme, sprach. Vater, in Deine Hände will Ich Meinen Geist übergeben. - Und als Er dieses gesagt hatte, hauchte Er Sein Leben aus. Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, verherrlichte er Gott, sagend: Wirklich, dieser Mensch war gerecht! - Und die ganze Volksmenge, welche zu diesem Schauspiel zusammengekommen war, als sie sahen, was geschehen war, schlugen an ihre Brust und kehrten zurück. - Aber alle Seine Bekannten standen von ferne, und Weiber, welche Ihm von Galiläa nachgefolgt waren, und sahen dem zu. Und siehe! ein Mann, mit Namen Joseph, der ein Ratsherr war, ein guter und gerechter Mann - (dieser hatte nicht in ihren Rat und in ihre Tat eingewilligt) - von Arimathia, einer Stadt der Juden, welcher auch selbst wartete auf das Reich Gottes; dieser ging zu Pilatus hin, und bat um den Leib Jesu. Und als er ihn abgenommen hatte, wickelte er ihn in Leinwand und legte ihn in eine in Felsen gehauene Gruft, in welcher noch nie Jemand gelegt war. Und es war Rüsttag und die Dämmerung des Sabbaths. Es folgten aber auch die Weiber nach, welche mit Ihm aus Galiläa gekommen waren; sie besahen die Gruft und wie Sein Leib gelegt war. Als sie aber zurückgekehrt waren, bereiteten sie Spezereien und Salben; und den Sabbath über ruhten sie nach dem Gebot.


24.


An dem ersten Wochentage aber in der Frühe kamen sie zu der Gruft, und brachten die Spezereien, die sie bereitet hatten, - und Einige mit ihnen. Sie fanden aber den Stein von der Gruft abgewälzt. Und als sie hineintraten, fanden sie den Leib des Herrn Jesu nicht. Und es geschah, als sie darüber ganz verlegen waren, - und siehe! - zwei Männer in strahlenden Kleidern standen bei ihnen. Als sie aber erschreckt wurden und das Angesicht zur Erde neigten, sprachen jene zu ihnen: Was suchet ihr den Lebendigen unter den Toten. Er ist nicht hier, sondern Er ist auferweckt. Gedenket, wie Er zu euch geredet, als Er noch in Galiläa war, sagend: "Der Sohn des Menschen muß in sündiger Menschen Hände überliefert und gekreuzigt werden, und am dritten Tage auferstehen. Und sie gedachten an Seine Worte; und sie kehrten von der Gruft zurück, und berichteten dies Alles den Elfen und den übrigen Allen. Es waren aber die Maria Magdalena und Johanna und Maria, die Mutter Jakobi und die übrigen Weiber mit ihnen, welche dies den Aposteln sagten. Und ihre Reden schienen vor ihnen wie Märchen, und sie glaubten ihnen nicht. Petrus aber stand auf und lief zu der Gruft; und als er sich hineingebückt, sieht er die Leinen allein liegen, und er ging weg, sich bei sich selbst über Das verwundernd, was da geschehen war. Und siehe! zwei von ihnen gingen an demselben Tage nach einem Dorfe, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt liegt, welches Emmaus heißt. Und sie unterhielten sich zusammen über alles Dieses, welches sich zugetragen hatte. Und es geschah, als sie sich unterhielten und sich einander befragten, daß Jesus selbst nahte und mit ihnen ging. Ihre Augen aber wurden gehalten, Ihn nicht zu erkennen. Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr, wandelnd, mit einander wechselt, und seid niedergeschlagen? - Einer aber, mit Namen Kleophas, antwortete und sprach zu Ihm: Weilest Du als Fremdling allein in Jerusalem, daß Du die Dinge nicht weißt, welche in diesen Tagen in ihr geschehen sind? - Und Er sprach zu ihnen: Welche? - Sie aber sprachen zu Ihm: Die von Jesu, dem Nazaräer, welcher ein Prophet war, mächtig im Werk und Wort vor Gott und dem ganzen Volk; und daß Ihn unsere Hohenpriester und Obersten zum Urteil des Todes überlieferten und Ihn kreuzigten. Wir aber hofften, daß Er Der sei, der Israel erlösen sollte. Doch auch bei alle dem ist es heute der dritte Tag, seit diese Dinge geschehen sind. Aber auch einige Weiber der Unseren haben uns außer uns gebracht, welche am frühen Morgen zur Gruft gewesen sind; und als sie Seinen Leib nicht fanden, kamen sie, sagend: daß sie ein Gesicht von Engeln gesehen hätten, welche sagen, daß Er lebe. Und Einige der Unseren gingen nach der Gruft und fanden es so, wie es auch die Weiber gesagt hatten; Ihn aber fanden sie nicht. - Und Er sprach zu ihnen: O ihr Unverständigen und von Herzen träge, zu glauben an Alles, was die Propheten geredet haben! Mußte nicht der Christus dieses leiden, und in Seine Herrlichkeit eingehen? Und von Mose und von allen Propheten anfangend, erklärte Er ihnen in allen den Schriften das, was Ihn betraf. - Und sie nahten dem Dorfe, wohin sie gingen; und Er stellte Sich, als wollte Er weiter gehen. Und sie nötigten Ihn, sagend: Bleibe bei uns; denn es ist gegen Abend, und der Tag hat sich geneigt. Und Er ging hinein, um bei ihnen zu bleiben. - Und es geschah, als Er mit ihnen zu Tische lag, nahm Er Brot und segnete; und brechend reichte Er es ihnen. Ihre Augen aber wurden aufgetan, und sie erkannten Ihn; aber Er ward ihnen unsichtbar. Und sie sprachen zu einander: War unser Herz nicht brennend in uns, als Er auf dem Wege zu uns redete, und als Er uns die Schriften auftat? - Und sie standen zur selbigen Stunde auf und kehrten nach Jerusalem zurück, und fanden die Elfe versammelt und die, welche mit ihnen waren, sagend: Der Herr ist wirklich auferstanden und dem Simon erschienen! - Und sie erzählten, was auf dem Wege geschehen war, und wie Er von ihnen an dem Brechen des Brotes erkannt worden sei. Als sie aber dieses redeten, stand Jesus selbst in ihrer Mitte, und spricht zu ihnen: Friede euch! - Sie aber waren erschreckt und in Furcht gesetzt, und meinten, sie sähen einen Geist. - Und Er sprach zu ihnen: Was seid ihr bestürzt, und warum steigen in euren Herzen Gedanken auf? Sehet Meine Hände und Meine Füße, daß Ich es selbst bin; betastet mich und sehet, denn ein Geist hat nicht Fleisch und Bein, wie ihr sehet, daß Ich habe. - Und als Er dieses sagte, zeigte Er ihnen die Hände und Füße. Da sie aber noch vor Freude nicht glaubten und sich verwunderten, sprach Er zu ihnen: Habt ihr hier etwas Eßbares? - Sie aber reichten Ihm ein Stück gebratenen Fisch und von einer Honigscheibe. Und Er nahm und aß vor ihnen. Und Er sprach zu ihnen: Dies sind die Worte, die Ich zu euch geredet habe, als Ich noch bei euch war; "daß Alles, was von Mir im Gesetze Mosis und in den Propheten und Psalmen geschrieben steht, erfüllt werden muß." - Da eröffnete Er ihnen das Verständnis, daß sie die Schriften verstanden. Und Er sprach zu ihnen: Also steht geschrieben, und also mußte der Christus leiden und am dritten Tage aus den Toten auferstehen, und in Seinem Namen Buße und Vergebung der Sünden an alle die Nationen verkündigt werden, anfangend von Jerusalem. Ihr aber seid Zeugen hiervon; und siehe! Ich sende die Verheißung Meines Vaters auf euch. Ihr aber verbleibet in der Stadt Jerusalem, bis ihr mit Kraft aus der Höhe angetan werdet. Er führte sie aber hinaus bis gen Bethanien, und hob Seine Hände auf und segnete sie. Und es geschah, indem Er sie segnete, schied Er von ihnen, und ward hinaufgetragen in den Himmel. Und sie huldigten Ihm, und kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren alle Tage im Tempel, Gott lobend und preisend.



Das Evangelium Johannis.


1.


Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Dieses war im Anfang bei Gott. Alles ward durch Dasselbe, und ohne Dasselbe ward nicht Eins, was geworden ist. In Ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfaßt. Es ward ein Mensch, gesandt von Gott; sein Name: Johannes. Dieser kam zum Zeugnis, auf daß er von dem Licht zeugte, damit Alle durch ihn glaubten. Jener war nicht das Licht, sondern daß er zeugte von dem Lichte. Das war das wahrhaftige Licht, welches, kommend in die Welt, jeden Menschen erleuchtet. Er war in der Welt, und die Welt ward durch Ihn, und die Welt kannte Ihn nicht. Er kam in Sein Eigentum, und die Seinigen nahmen Ihn nicht auf; so Viele Ihn aber annahmen, denen gab Er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an Seinen Namen glauben, welche nicht aus Geblüt, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind. Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns - (und wir haben Seine Herrlichkeit angeschaut, eine Herrlichkeit als eines Eingebornen von Seinem Vater) - voller Gnade und Wahrheit; - Johannes zeugt von Ihm und rief, sagend: Dieser war es, von Dem ich sagte: Der hinter mir Kommende ist mir vor; denn Er war vor mir; - und aus Seiner Fülle haben wir Alle Gnade um Gnade empfangen. Denn das Gesetz war durch Moses gegeben; die Gnade und die Wahrheit sind durch Jesum Christum geworden. Niemand hat Gott je gesehen; der eingeborne Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat Ihn kundgemacht. Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden aus Jerusalem Priester und Leviten sandten, daß sie Ihn fragen sollten: Wer bist du? - Und er bekannte und leugnete nicht, und bekannte: Ich bin nicht der Christus! Und sie fragten ihn: Was denn? - Bist du Elias? - Und er sagt: Ich bin es nicht! - Bist du der Prophet? - und er antwortete: Nein! - Da sagten sie zu ihm: Wer bist du? damit wir Denen, die uns gesandt haben, Antwort geben; was sagst du von dir selbst? Er sprach: Ich bin die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Machet gerade den Weg des Herrn, wie Jesaias, der Prophet, gesagt hat. Und die Gesandten waren von den Pharisäern. Und sie fragten ihn und sprachen zu ihm: Warum taufst du denn, wenn du nicht der Christus, noch Elias, noch der Prophet bist? Johannes antwortete ihnen, sagend: Ich taufe mit Wasser; aber mitten unter euch steht, den ihr nicht kennt; Er ist es, der hinter mir Kommende, der Mir vor ist, dessen Sandalen aufzulösen ich nicht würdig bin. - Dies geschah zu Bethania, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte. Am folgenden Tage sieht er Jesum zu sich kommen und spricht: Siehe, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnimmt! Dieser ist es, von welchem ich sagte. Hinter mir kommt ein Mann, der mir vor ist; denn Er war vor mir. Und ich kannte Ihn nicht. Aber damit Er Israel offenbar werden möchte, deswegen bin ich gekommen, mit dem Wasser taufend. Und Johannes zeugte, sagend: Ich schaute den Geist, wie eine Taube aus dem Himmel herabfahrend; und Er blieb auf Ihm. Und ich kannte Ihn nicht; aber der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, der sagte zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf Ihm bleiben, Dieser ist es, der mit dem Heiligen Geiste tauft. Und ich habe gesehen und ich habe gezeugt, daß Dieser der Sohn Gottes ist. Des folgenden Tages stand wiederum Johannes und zwei von seinen Jüngern, und hinblickend auf Jesum, der da wandelte, spricht er: Siehe, das Lamm Gottes! - Und ihn hörten die zwei Jünger reden und folgten Jesu. Aber Jesus, sich umwendend und sie folgen sehend, spricht zu ihnen: Was suchet ihr? - Sie aber sagten zu Ihm: Rabbi! (was verdolmetscht heißt: Lehrer!) Wo hältst Du Dich auf? Er spricht zu ihnen: Kommt und sehet! - Sie kamen und sahen, wo Er sich aufhielt, und blieben jenen Tag bei Ihm. Es war um die zehnte Stunde. - Andreas, der Bruder Simonis Petri, war Einer von den Zweien, die von Johannes gehört hatten und Ihm nachgefolgt waren. Dieser findet zuerst seinen eigenen Bruder Simon und spricht zu ihm: Wir haben den Messias gefunden (was verdolmetscht ist: Christus). Und er führte ihn zu Jesu. Jesus, ihn anblickend, sagte: Du bist Simon, der Sohn Jona; du wirst Kephas heißen (was verdolmetscht ist: Stein). Am folgenden Tage wollte Jesus nach Galiläa ausgehen und findet Philippus und spricht zu ihm: Folge Mir nach! - Philippus war aber von Bethsaida, aus der Stadt Andreä und Petri. - Philippus findet den Nathanael und spricht zu ihm: Wir haben Den gefunden, von welchem Moses und die Propheten in dem Gesetz geschrieben haben, Jesum, den Sohn Josephs, den von Nazareth. Und Nathanael spricht zu ihm: Kann aus Nazareth etwas Gutes sein? - Philippus sprach zu ihm: Komm und siehe! Jesus sah den Nathanael auf Ihn zukommen, und sagt von ihm: Siehe! wahrhaftig ein Israelit, in welchem kein Trug ist! Nathanael spricht zu Ihm: Woher kennst Du mich? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Ehe Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, sah Ich dich! Nathanael antwortete und spricht zu Ihm: Rabbi! Du bist der Sohn Gottes; Du bist der König Israels! Jesus antwortete und sprach zu ihm: Weil Ich dir sagte: Ich sah dich unter dem Feigenbaum, glaubst du? - du wirst größere Dinge, als diese, sehen. Und Er spricht zu ihm: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Von nun an werdet ihr den Himmel geöffnet sehen, und die Engel Gottes auf den Sohn des Menschen auf- und niederfahren.


2.


Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und es war die Mutter Jesu daselbst. Es war aber auch Jesus auf die Hochzeit geladen und Seine Jünger. Und als es an Wein gebrach, sagt die Mutter Jesu zu Ihm: Sie haben keinen Wein. - Jesus spricht zu ihr: Was haben wir mit einander, Weib? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. - Seine Mutter sagt zu den Dienern. Was Er euch irgend sagt, das tut. - Es waren aber daselbst sechs steinerne Wasserkrüge, aufgestellt nach der Reinigung der Juden, je zwei oder drei Maß fassend. - Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Krüge mit Wasser! - Und sie füllten sie bis oben an. - Und Er spricht zu ihnen: Schöpfet nun und bringt es dem Speisemeister! - Und sie brachten es. - Als aber der Speisemeister das Wasser kostete, welches Wein geworden war - (und wußte nicht, woher es sei; die Diener aber, die das Wasser schöpften, wußten es) - ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie wohl getrunken haben, dann den geringern; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. - Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa, und offenbarte Seine Herrlichkeit, und Seine Jünger glaubten an Ihn. Darnach ging Er hinab nach Kapernaum, Er und Seine Mutter und Seine Brüder und Seine Jünger; und daselbst blieben sie nicht viele Tage. Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem, und fand im Tempel die Ochsen- und Schafe- und Tauben-Verkäufer, und die Wechsler dasitzen. Und Er machte eine Geißel aus Stricken, und trieb sie Alle aus dem Tempel hinaus, und die Schafe und die Ochsen; und die Münze der Wechsler schüttete Er aus, und die Tische warf Er um. Und zu den Taubenkrämern sprach Er: Nehmt dieses von hier weg! Macht nicht das Haus Meines Vaters zu einem Handelshause. Seine Jünger aber erinnerten sich daran, daß geschrieben steht: "Der Eifer um Dein Haus frißt Mich!" Da antworteten die Juden und sprachen zu Ihm: Welches Zeichen zeigest Du uns, daß Du dieses tust? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brechet diesen Tempel ab und in drei Tagen werde Ich ihn aufrichten. Da sprachen die Juden: Sechs und vierzig Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und Du willst ihn in drei Tagen aufrichten? - Er aber sprach von dem Tempel Seines Leibes. Als Er nun aus den Toten auferweckt war, erinnerten sich Seine Jünger, daß Er dieses zu ihnen gesagt; und sie glaubten der Schrift und dem Worte, welches Jesus gesprochen hatte. Als Er aber zu Jerusalem am Passah auf dem Feste war, glaubten Viele an Seinen Namen, als sie Seine Zeichen sahen, die Er tat. Jesus selbst aber vertraute Sich ihnen nicht, weil Er Alle kannte, und nicht bedurfte, daß Jemand Zeugnis von dem Menschen gäbe; denn Er wußte, was in dem Menschen war.


3


Es war aber ein Mensch von den Pharisäern; sein Name war: Nikodemus, ein Oberster der Juden. Dieser kam zu Ihm bei Nacht und sprach zu Ihm: Rabbi! Wir wissen, daß Du, ein Lehrer, von Gott gekommen bist; denn Niemand kann diese Zeichen tun, die Du tust, es sei den Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich Ich sage dir: Es sei denn, daß Jemand von Neuem geboren worden sei, so kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus spricht zu Ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er in den Leib seiner Mutter zum zweiten Mal hinein gehen und geboren werden? Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich Ich sage Dir! Es sei denn, daß Jemand aus Wasser und Geist geboren worden sei, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen. Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. Verwundere dich nicht, daß ich dir sagte: Ihr müßt von Neuem geboren werden. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; also ist Jeder, der aus dem Geiste geboren ist. Nikodemus antwortete und sprach zu Ihm: Wie kann dieses geschehen? - Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer von Israel, und weißt dieses nicht? Wahrlich, wahrlich Ich sage dir: Wir reden, was Wir wissen, und zeugen, was Wir gesehen haben; und Unser Zeugnis nehmt ihr nicht an. Wenn Ich euch das Irdische gesagt habe und ihr glaubet nicht; wie werdet ihr glauben, wenn Ich euch das Himmlische sage? Und Niemand ist in den Himmel aufgefahren, es sei denn, der aus dem Himmel niedergefahren ist, der Sohn des Menschen, der in dem Himmel ist. Und gleichwie Moses in der Wüste die Schlange erhöhte, also muß der Sohn des Menschen erhöht werden, auf daß Jeder, der an Ihn glaubt, nicht verloren sei, sondern ewiges Leben habe. Denn also hat Gott die Welt geliebt, daß er Seinen eingebornen Sohn gegeben hat, auf daß Jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren sei, sondern ewiges Leben habe. Denn Gott hat Seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, daß Er die Welt richte, sondern daß die Welt durch Ihn gerettet werde. Wer an Ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingebornen Sohnes Gottes geglaubt hat. Dieses aber ist das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt, als das Licht; denn ihre Werke waren böse. Denn Jeder, der Böses tut, hasset das Licht, und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloß gestellt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Licht, damit seine Werke offenbar werden, daß sie in Gott gewirkt sind. Darnach kam Jesus und Seine Jünger in das Land Judäa; und daselbst verweilte Er mit ihnen und taufte. Aber auch Johannes taufte zu Ainon, nahe bei Salim, weil viele Wasser daselbst waren; - und sie kamen dahin und wurden getauft. Da entstand eine Frage von einigen der Jünger Johannis mit einem Juden über die Reinigung. Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Rabbi! Der jenseits des Jordan bei dir war, dem du Zeugnis gegeben, siehe! Dieser tauft, und Alle kommen zu Ihm. - Johannes antwortete und sprach: Es kann ein Mensch sich nichts verschaffen, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben. Ihr selbst gebet mir Zeugnis, daß ich sagte: Ich bin nicht der Christus, sondern daß ich vor Ihm her gesandt bin. Der die Braut hat, ist der Bräutigam; aber der Freund des Bräutigams, welcher steht und Ihn hört, ist hoch erfreut über die Stimme des Bräutigams. Diese meine Freude ist denn erfüllt. Er muß wachsen; ich aber geringer werden. Der von oben kommt, ist über Alles; der von der Erde ist, ist von der Erde, und redet von der Erde; der vom Himmel kommt ist über Alle. Und was Er gesehen und gehört hat, dieses bezeugt Er, und Sein Zeugnis nimmt Niemand an. Wer Sein Zeugnis angenommen hat, der hat versiegelt, daß Gott wahrhaftig ist. Denn welchen Gott gesandt hat, der redet die Worte Gottes; denn Gott gibt den Geist nicht nach Maß. Der Vater liebt den Sohn, und hat Alles in Seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.


4.


Als nun der Herr erkannte, daß die Pharisäer gehört hatten, daß Jesus mehr Jünger mache und taufe, als Johannes, (wiewohl Jesus selbst nicht taufte, sondern Seine Jünger) verließ Er Judäa, und ging von da wiederum nach Galiläa. Er mußte aber durch Samaria gehen. Er kommt nun in eine Stadt Samariens, genannt Sichar, nahe bei dem Felde, welches Jakob seinem Sohne Joseph gab. - Es war aber daselbst ein Brunnen Jakobs. Jesus nun, ermüdet von der Reise, setzte Sich also an den Brunnen nieder. Es war um die sechste Stunde. Es kommt ein Weib aus Samaria, um Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib Mir zu trinken! (Denn Seine Jünger waren weggegangen in die Stadt, um Speise zu kaufen.) Da spricht das samaritische Weib zu Ihm: Wie bittest Du, der Du ein Jude bist, von mir zu trinken, die ich ein samaritisches Weib bin? - (Denn die Juden verkehren nicht mit den Samaritern). Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes känntest, und wer Der ist, der zu dir sagt: "Gib Mir zu trinken," - du würdest Ihn gebeten haben, und Er hätte dir lebendiges Wasser gegeben. - Das Weib spricht zu Ihm: Herr! Du hast kein Schöpfgefäß und der Brunnen ist tief; woher hast Du denn das lebendige Wasser? Bist Du größer, als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gab? Und er selbst trank aus demselben, und seine Söhne und sein Vieh. - Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeder, der von diesem Wasser trinket, wird wiederum dürsten; Jedweder aber, der von dem Wasser trinken wird, welches Ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit, sondern das Wasser, welches Ich ihm geben werde, wird in ihm ein Quell Wassers werden, welches in das ewige Leben quillt. - Das Weib spricht zu Ihm: Herr! Gib mir dieses Wasser, damit ich nicht dürste und nicht hierherkomme, um zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gehe hin, rufe deinen Mann, und komme hierher! Das Weib antwortete und sprach: Ich habe keinen Mann! Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: ich habe keinen Mann; denn fünf Männer hast du gehabt, und den du jetzt hast, der ist nicht dein Mann; dies hast du wahr geredet. Das Weib spricht zu Ihm: Herr! ich sehe, daß Du ein Prophet bist. Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr sagt, zu Jerusalem sei der Ort, wo man anbeten soll. Jesus spricht zu ihr: Weib, glaube Mir: es kommt die Stunde, da ihr weder auf diesem Berge, noch zu Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an, was ihr nicht wisset; wir beten an, was wir wissen; denn das Heil ist aus den Juden. Es kommt aber die Stunde, und ist jetzt, wo die wahrhaftigen Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn der Vater sucht auch solche, die Ihn anbeten. Gott ist ein Geist, und die Ihn anbeten, müssen Ihn in Geist und Wahrheit anbeten. - Das Weib spricht zu Ihm: Ich weiß, daß Messias kommt, (der Christus genannt ist). Wenn Er gekommen ist, wird Er uns Alles kund machen. - Jesus spricht zu ihr: Ich bins, der Ich zu dir rede! - Und über dem kamen Seine Jünger und verwunderten sich, daß Er mit einem Weibe redete. Dennoch sagte Niemand: Was suchst Du? oder: Was redest Du mit ihr? Das Weib aber ließ ihren Wasserkrug stehen und ging weg nach der Stadt und sagt zu den Leuten: Kommt, sehet einen Mesnchen, der mir Alles gesagt hat, was ich getan habe; ist dieser nicht der Christus? Sie gingen zu der Stadt hinaus und kamen zu Ihm. In der Zwischenzeit aber baten Ihn die Jünger, sagend: Rabbi, iß! - Er aber sagte zu ihnen: Ich habe Speise zu essen, die ihr nicht kennet. - Da sprachen die Jünger zu einander: Hat Ihm Jemand zu essen gebracht? - Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist, daß Ich den Willen Dessen tue, der Mich gesandt hat, und Sein Werk vollbringe. Saget ihr nicht: Es sind noch vier Monate, und die Ernte kommt? Siehe! Ich sage euch: Hebet eure Augen auf und schauet die Felder an; denn sie sind schon weiß zur Ernte. Und der, welcher erntet, empfängt Lohn und sammelt Frucht zum ewigen Leben, damit beide, der Sämann und der Schnitter, sich zugleich freuen. Denn hierin ist der Spruch wahr: Ein Anderer ist´s, der sät, und ein Anderer, der erntet. Ich habe euch gesandt, zu ernten, was ihr nicht bearbeitet habt; Andere haben gearbeitet und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten. - Aber aus jener Stadt glaubten Viele von den Samaritern, um des Wortes des Weibes willen, an Ihn, welche bezeugte: Er sagte mir Alles, was ich getan habe. - Als nun die Samariter zu Ihm kamen, baten sie Ihn, bei ihnen zu bleiben; und Er blieb daselbst zwei Tage. Und viel mehr glaubten um Seines Wortes willen. Und zu dem Weibe sagten sie: Nicht mehr um deines Redens willen glauben wir, denn wir selbst haben gehört und wissen, daß Dieser ist wahrhaftig der Heiland der Welt, der Christus. Nach den zwei Tagen aber ging Er von da weg und begab Sich nach Galiläa. Denn Er Selbst, Jesus, bezeugte, daß ein Prophet in dem eigenen Vaterlande keine Ehre hat. - Als Er nun nach Galiläa kam, nahmen Ihn die Galiläer auf, da sie Alles gesehen, was Er zu Jerusalem auf dem Fest getan hatte; denn auch sie kamen auf das Fest. Jesus kam nun wiederum nach Kana in Galiläa, wo Er das Wasser zu Wein gemacht hatte; und es war ein gewisser königlicher Diener, dessen Sohn war krank in Kapernaum. Als dieser hörte, daß Jesus aus Judäa nach Galiläa komme, ging er zu Ihm hin und bat Ihn, daß Er herab komme und seinen Sohn heile; denn er lag im Sterben. Da sprach Jesus zu ihm: Es sei denn, daß ihr Zeichen und Wunder sehet, so werdet ihr nicht glauben. - Der königliche Diener spricht zu Ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt. - Jesus spricht zu Ihm: Gehe hin, dein Sohn lebt! - Und der Mensch glaubte dem Worte, welches Jesus ihm sagte, und er ging hin. Aber schon während er hinging, begegneten ihm seine Knechte, und meldeten ihm, sagend: Dein Knabe lebt! - Da erforschte er von ihnen die Stunde, in welcher es mit ihm besser geworden war, und sie sagten zu ihm: Gestern in der siebenten Stunde verließ ihn das Fieber. - Da erkannte der Vater, daß es in jener Stunde war, in welcher Jesus zu ihm sagte: Dein Sohn lebt! - und er selbst glaubte, und sein ganzes Haus. - Dieses zweite Zeichen tat Jesus wiederum, als Er aus Judäa nach Galiläa gekommen war.


5.


Nach diesem war ein Fest der Juden; und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Es ist aber zu Jerusalem bei dem Schaftor ein Teich, der auf Hebräisch den Zunamen hat: Bethesda, welcher fünf Säulenhallen hat. In diesen lag eine große Menge der Kranken: Blinde, Lahme, Dürre, auf die Bewegung des Wassers wartend. Denn zu Zeiten stieg ein Engel in den Teich hinab und bewegte das Wasser. Wer nun nach der Bewegung des Wassers zuerst hineinstieg, ward gesund, mit welcher Krankheit er irgend behaftet war. Es war aber ein gewisser Mensch daselbst, der acht und dreißig Jahre mit einer Krankheit behaftet war. Jesus, diesen liegen sehend, und wissend, daß er schon lange Zeit also war, spricht zu ihm: Willst du gesund werden? Der Kranke antwortete Ihm: Herr! ich habe keinen Menschen, der mich, wenn das Wasser bewegt ist, in den Teich werfe; während ich aber gehe, steigt ein Anderer vor mir hinab. Jesus spricht zu ihm: Stehe auf, nimm dein Bett und wandele! - Und alsbald war der Mensch gesund; und er hob sein Bett auf und wandelte. Es war aber an jenem Tage Sabbath. Da sprachen die Juden zu dem Geheilten: Es ist Sabbath, es ist dir nicht erlaubt, dein Bett zu tragen. Er antwortete ihnen: Der mich gesund machte, der sagte zu mir: Nimm dein Bett auf und wandele! Da fragten sie ihn: Wer ist der Mensch, der zu dir sagte: Nimm dein Bett auf und wandele! Der Geheilte aber wußte nicht, wer Er war; denn Jesus war entwichen, weil eine Volksmenge an dem Orte war. Darnach findet ihn Jesus im Tempel; und Er sprach zu ihm: Siehe! du bist gesund geworden; sündige nicht mehr, damit dir nichts Ärgeres widerfahre. - Der Mensch ging weg und verkündigte den Juden, es sei Jesus, der ihn gesund gemacht habe. Und um deswillen verfolgten die Juden Jesum und suchten Ihn zu töten, weil Er dies am Sabbath tat. - Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirket bis jetzt, und Ich wirke. - Um deswillen suchten die Juden noch mehr, Ihn zu töten, weil Er nicht allein den Sabbath brach, sondern auch Gott Seinen eigenen Vater nannte, Sich Selbst Gott gleich machend. Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Der Sohn kann nichts von Sich Selbst tun; es sei denn, was Er den Vater tun sieht; denn was Dieser irgend tut, das tut auch der Sohn gleicherweise. Denn der Vater hat den Sohn lieb, und Alles zeigt Er Ihm, was Er tut, und Er wird Ihm größere Werke als diese zeigen, auf daß ihr euch verwundert. Denn gleichwie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, also macht auch der Sohn lebendig, welche Er will. Denn auch der Vater richtet Niemanden, sondern das ganze Gericht hat Er dem Sohne gegeben, auf daß Alle den Sohn ehren, wie sie den Vater ehren. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt den Vater nicht, der Ihn gesandt hat. Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, daß die Stunde kommt und ist jetzt, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben. Denn gleich wie der Vater das Leben in Sich Selbst hat, also hat Er auch dem Sohne gegeben, das Leben in Sich Selbst zu haben. Und Er hat Ihm Gewalt gegeben, auch Gericht zu halten, weil Er des Menschen Sohn ist. Wundert euch darüber nicht; denn es kommt die Stunde, in welcher Alle, die in den Gräbern sind, Seine Stimme hören werden, und es werden hervorkommen, die, welche Gutes getan haben, zur Auferstehung des Lebens, die aber, welche Böses getan haben, zur Auferstehung des Gerichts. Ich kann Nichts von Mir Selbst tun; so wie Ich höre, richte Ich; und Mein Gericht ist gerecht; denn Ich suche nicht Meinen Willen, sondern den Willen Dessen, der Mich gesandt hat. Wenn Ich von Mir Selbst zeuge, ist Mein Zeugnis nicht wahr; ein Anderer ist es, der von Mir zeugt, und Ich weiß, daß das Zeugnis wahr ist, welches Er von Mir zeugt. Ihr schicktet zu dem Johannes, und er hat der Wahrheit Zeugnis gegeben. Ich aber nehme nicht Zeugnis von Menschen, sondern dieses sage Ich, auf daß ihr selig werdet. Jener war die brennende und scheinende Lampe, ihr aber wolltet gern für eine Zeit in seinem Lichte fröhlich sein. Ich aber habe das Zeugnis, das größer ist, als das des Johannes; denn die Werke, welche Mir der Vater gegeben hat, auf daß Ich sie vollbringe, die Werke selbst, welche Ich tue, zeugen von Mir, daß der Vater mich gesandt hat. Und der Vater, der Mich gesandt hat, hat Selbst von Mir Zeugnis gegeben; ihr habt weder jemals Seine Stimme gehört, noch Seine Gestalt gesehen; auch Sein Wort habt ihr nicht bleibend in euch; denn Dem, welchen Er gesandt hat, Diesem glaubet ihr nicht. Erforschet die Schriften, denn ihr meinet in ihnen das ewige Leben zu haben, und sie sind es, die von Mir zeugen, und ihr wollt nicht zu Mir kommen, auf daß ihr das Leben habet. Ich nehme nicht Ehre von den Menschen; aber Ich kenne euch, daß ihr die Liebe Gottes nicht in euch habet. Ich bin in dem Namen Meines Vaters gekommen und ihr nehmet Mich nicht auf; wenn ein Anderer in seinem eigenen Namen kommt, den werdet ihr aufnehmen. Wie könnt ihr glauben, die ihr Ehre von einander nehmt, und die Ehre von Gott allein nicht suchet? Wähnet nicht, daß Ich euch bei dem Vater verklagen werde; - es ist Einer, der euch verklagt, - Moses, auf welchen ihr eure Hoffnung gesetzt habt. Denn wenn ihr Moses glaubtet, so würdet ihr Mir geglaubt haben; denn von Mir hat er geschrieben. Wenn ihr aber seinen Schriften nicht glaubet, wie werdet ihr Meinen Worten glauben?


6.


Darnach ging Jesus über den See von Galiläa, den von Tiberias; und es folgte Ihm eine große Volksmenge, weil sie Seine Zeichen sahen, welche Er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf den Berg, und daselbst saß Er mit Seinen Jüngern. Es war aber nahe das Passah, das Fest der Juden. Jesus nun, die Augen aufhebend und sehend, daß ein großer Haufe zu Ihm kommt, spricht zu Philippus: Woher sollen wir Brote kaufen, auf daß diese essen? - Dieses sagte Er aber, ihn versuchend; denn Er Selbst wußte, was Er tun wollte. - Philippus antwortete Ihm: Für zweihundert Denare Brote reichen nicht hin für sie, auf daß Jeglicher von ihnen etwas Weniges bekomme. Einer von Seinen Jüngern, Andreas, der Bruder Simonis Petri, spricht zu Ihm: Es ist ein kleiner Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; aber was ist dies unter so Viele? Jesus aber sprach: Machet, daß die Menschen sich lagern. - Es war aber viel Gras an dem Orte; da lagerten sich die Männer an Zahl bei fünftausend. Jesus aber nahm die Brote, und als Er Dank gesagt hatte, teilte Er sie unter die Jünger; die Jünger aber unter die, welche da lagerten. Ebenso auch von den Fischen, so viel sie wollten. Als sie aber gesättigt waren, spricht Er zu Seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, damit nichts verloren gehe. Sie sammelten sie denn und füllten von den fünf Gerstenbroten zwölf Körbe mit Brocken, welche denen übrig blieben, die gegessen hatten. Die Leute nun, als sie das Zeichen sahen, welches Jesus tat, sprachen: Dieser ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll! - Jesus nun, wissend, daß sie kommen und Ihn mit Gewalt nehmen wollten, damit sie Ihn zum König machten, entwich wiederum auf den Berg, Er Selbst allein. Als es aber Abend geworden war, gingen Seine Jünger hinab an den See. Und in das Schiff steigend, gingen sie über den See gen Kapernaum. Und es war schon finster geworden, und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen. Und der See erhob sich, weil ein starker Wind wehte. Als sie nun etwa fünfundzwanzig bis dreißig Stadien gerudert waren, sehen sie Jesum auf dem See wandeln und nahe an das Schiff herankommen; - und sie fürchteten sich. Er aber spricht zu ihnen: Ich bin´s, fürchtet euch nicht! Da wollten sie Ihn in das Schiff nehmen, - und alsbald kam das Schiff an das Land, wohin sie fuhren. Am folgenden Tage, als die Volksmenge, die jenseit des See´s stand, sah, daß daselbst ein anderes Schifflein war, als jenes eine, in welches Seine Jünger gestiegen waren, und daß Jesus nicht mit Seinen Jüngern in das Schiff gestiegen war, sondern daß Seine Jünger allein weggefahren waren; - (es kamen aber andere Schifflein aus Tiberias nahe an den Ort, wo sie das Brot gegessen, nachdem der Herr Dank gesagt hatte;) - da nun die Volksmenge sah, daß Jesus nicht da sei, noch Seine Jünger, stiegen sie selbst in die Schiffe und kamen nach Kapernaum, Jesum suchend. Und als sie Ihn jenseit des See´s gefunden, sprachen sie zu Ihm: Rabbi! wann bist Du hierher gekommen? Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch. Ihr sucht Mich, nicht weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen und gesättigt worden seid. Wirket nicht für die Speise, die vergänglich ist, sondern für die Speise, welche in das ewige Leben bleibt, welche der Sohn des Menschen euch geben wird; denn Diesen hat Gott der Vater versiegelt. Da sprachen sie zu Ihm: Was sollen wir tun, auf daß wir die Werke Gottes wirken? - Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes, daß ihr an Den glaubet, welchen Er gesandt hat. - Da sagten sie zu Ihm: Was tust Du denn für ein Zeichen, auf daß wir sehen und Dir glauben; was wirkest Du? Unsere Väter aßen das Manna in der Wüste; wie geschrieben steht: Brot aus dem Himmel gab er ihnen zu essen. Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Nicht Moses hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben, sondern Mein Vater gibt euch das wahrhaftige Brot aus dem Himmel. Denn das Brot Gottes ist Der, welcher aus dem Himmel hernieder kommt und der Welt das Leben gibt. Da sprachen sie zu Ihm: Herr! gib uns allezeit dieses Brot. Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu Mir kommt, wird nicht hungern; und wer an Mich glaubt, wird nicht dürsten. Aber ich sage euch, daß ihr Mich gesehen habt und nicht glaubet. Alles, was Mir der Vater gibt, wird zu Mir kommen, und Den, der zu Mir kommt, werde Ich nicht hinauswerfen; denn Ich bin aus dem Himmel hernieder gekommen, nicht, auf daß Ich Meinen Willen tue, sondern den Willen Dessen, der Mich gesandt hat. Dieses aber ist der Wille des Vaters, der Mich gesandt hat, daß Ich von Allem, was Er Mir gegeben hat, nichts davon verlieren soll, sondern, daß Ich es auferwecke an dem letzten Tage. Dieses aber ist der Wille Dessen, der Mich gesandt hat, daß Jeder, der den Sohn siehet und glaubet an Ihn, das ewige Leben haben soll; und Ich werde ihn auferwecken an dem letzten Tage. Da murrten die Juden über Ihn, weil Er sagte: Ich bin das Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist, - und sagten: Ist Dieser nicht Jesus, der Sohn Josephs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie sagt denn Dieser: Ich bin aus dem Himmel herniedergekommen? - Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Murret nicht unter einander! Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, daß der Vater, der mich gesandt hat, ihn ziehe; und Ich werde ihn am letzten Tage auferwecken. Es steht in den Propheten geschrieben: "Und sie werden Alle von Gott gelehrt sein"; Jeder, der es von dem Vater gehört und gelernet hat, der kommt zu Mir. Nicht daß Jemand den Vater gesehen habe, als Der, welcher von Gott ist; Dieser hat den Vater gesehen. Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Der an mich glaubt, hat das ewige Leben. Ich bin das Brot des Lebens! Eure Väter haben das Manna in der Wüste gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herniederkommt, auf daß man davon esse und nicht sterbe. Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist. Wenn Jemand von diesem Brote isset, so wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber auch, welches Ich geben werde, ist Mein Fleisch, welches Ich für das Leben der Welt geben werde. - Da stritten die Juden mit einander, sagend: Wie kann Dieser uns das Fleisch zu essen geben? - Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Es sei denn, ihr esset das Fleisch des Sohnes des Menschen, und trinket Sein Blut, so habt ihr kein Leben in euch selbst. Wer Mein Fleisch isset und Mein Blut trinket, hat das ewige Leben; und Ich werde ihn am letzten Tage auferwecken. Denn Mein Fleisch ist wahrhaftig Speise, und Mein Blut ist wahrhaftig Trank; wer Mein Fleisch isset und Mein Blut trinket, bleibet in Mir und Ich in Ihm. Gleichwie Mich der lebendige Vater gesandt hat und Ich lebe des Vaters wegen; so wird auch, wer Mich isset, leben Meinetwegen. Dieses ist das Brot, das aus dem Himmel herabgekommen ist. Nicht, wie eure Väter das Manna aßen und starben; wer dieses Brot isset, wird leben in Ewigkeit. - Dies redete Er, lehrend in der Synagoge zu Kapernaum. Viele nun von Seinen Jüngern, die es gehört hatten, sprachen: Diese Rede ist hart; wer kann sie hören? Da aber Jesus bei Sich Selbst wußte, daß Seine Jünger hierüber murren, sprach Er zu ihnen: Ärgert euch dies? Wenn ihr denn den Sohn des Menschen auffahren sehen werdet, wo er zuvor war? - Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts; die Worte, welche Ich zu euch rede, sind Geist und sind Leben. Aber es sind Einige unter euch, die nicht glauben. Denn Jesus wußte von Anfang, welche es seien, die nicht glaubten, und wer es sei, der ihn überliefern würde. Und Er sprach: Deswegen sagte Ich zu euch, daß Niemand zu Mir kommen kann, es sei ihm denn von meinem Vater gegeben. - Von da an gingen viele Seiner Jünger zurück und wandelten nicht mehr mit Ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr auch weggehen? Simon Petrus antwortete Ihm: Herr! Zu Wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens; und wir glauben und wissen, daß Du der Christus, der Sohn Gottes bist! - Jesus antwortete ihnen: Habe Ich nicht euch, die Zwölfe auserwählt? - und Einer von euch ist ein Teufel. Er meinte aber den Judas, Sohn Simons, den Iskariot; denn dieser war es, der Ihn später überlieferte, und war Einer von den Zwölfen.


7.


Und darnach wandelte Jesus in Galiläa; denn Er wollte nicht in Judäa wandeln, weil die Juden Ihn zu töten suchten. Es war aber das Fest der Juden, die Laubhütten, nahe. Da sprachen Seine Brüder zu Ihm: Ziehe von hinnen, und gehe nach Judäa, damit auch Deine Jünger Deine Werke sehen, welche Du tust. Denn Niemand tut etwas im Verborgenen und sucht selbst offenbar zu sein. Wenn Du diese Dinge tust, zeige Dich der Welt. - Denn auch Seine Brüder glaubten nicht an Ihn. - Da spricht Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist stets bereit. Euch kann die Welt nicht hassen, Mich aber hasset sie, weil Ich von ihr zeuge, daß ihre Werke böse sind. Gehet ihr hinauf zu diesem Fest. Ich gehe nicht hinauf zu diesem Fest; denn Meine Zeit ist noch nicht erfüllt. - Als Er dieses zu ihnen sagte, blieb Er in Galiläa. Wie aber Seine Brüder hingegangen waren, da ging auf Er hin auf das Fest, nicht offenbarlich, sondern wie im Verborgenen. Da suchten Ihn die Juden auf dem Fest und sprachen: Wo ist Jener? - Und viel Murrens war über Ihn unter der Volksmenge; die Einen sagten: Er ist gut! - Andere aber sagten: Nein, sondern Er verführt die Volksmenge. Doch sprach Niemand öffentlich von Ihm, aus Furcht vor den Juden. Als es aber schon in der Mitte des Festes war, ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte. Und die Juden verwunderten sich, sagend: Wie besitzt Dieser Gelehrsamkeit, da Er nicht gelernt hat? - Da antwortete ihnen Jesus und sprach: Meine Lehre ist nicht Mein, sondern Dessen, der Mich gesandt hat. Wenn Jemand will Seinen Willen tun, der wird von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist, oder ob Ich von Mir Selber rede. Wer von sich selber redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre Dessen sucht, der Ihn gesandt hat, Dieser ist wahrhaftig und ist keine Ungerechtigkeit in Ihm. Hat euch nicht Moses das Gesetz gegeben? - und Keiner von euch tut das Gesetz. Was sucht ihr Mich zu töten? Die Volksmenge antwortete und sprach: Du hast einen Teufel; wer sucht Dich zu töten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ein Werk habe Ich getan und Alle verwundert ihr euch. Deswegen gab Moses euch die Beschneidung; (nicht als ob sie von Moses her sei, sondern von den Vätern,) und am Sabbath beschneidet ihr einen Menschen. Wenn ein Mensch die Beschneidung am Sabbath empfängt, damit das Gesetz Mosis nicht gebrochen werde, zürnet ihr Mir, daß Ich den ganzen Menschen am Sabbath gesund gemacht habe? Richtet nicht nach der äußern Erscheinung, sondern richtet das gerechte Gericht. - Da sprachen Etliche von denen, die aus Jerusalem waren: Ist das nicht Dieser, den sie zu töten suchen? Und siehe! Er redet öffentlich, und sie sagen Ihm nichts. Haben denn die Obersten in Wahrheit erkannt, daß Dieser der Christus ist? Diesen aber kennen wir, woher Er ist; wann aber der Christus kommen wird, weiß Niemand, woher Er ist. Daher rief Jesus, in dem Tempel lehrend und sagend: Ihr kennet Mich und wißt auch, woher Ich bin; und Ich bin nicht von Mir Selbst gekommen, sondern der Mich gesandt hat ist wahrhaftig, und Den kennt ihr nicht. Ich kenne Ihn, weil Ich von Ihm bin, und Er Mich gesandt hat. - Da suchten sie Ihn zu greifen, und Niemand legte die Hand an Ihn; denn Seine Stunde war noch nicht gekommen. - Viele aber aus der Volksmenge glaubten an Ihn und sprachen: Wenn der Christus kommt, wird Er mehr Zeichen tun, als diese, welche Dieser getan hat? Die Pharisäer hörten die Volksmenge also über Ihn murren, und die Pharisäer und die Hohenpriester sandten Diener, auf daß sie Ihn griffen. Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit bin Ich bei euch, und gehe hin zu Dem, der Mich gesandt hat. Ihr werdet Mich suchen und nicht finden, und wo Ich bin, könnt ihr nicht hinkommen. - Da sprachen die Juden bei sich selbst: Wohin will Dieser gehen, daß wir Ihn nicht finden sollen? Will Er in die Zerstreuung der Griechen gehen und die Griechen lehren? Was ist das für eine Rede, die Er gesagt: Ihr werdet Mich suchen und nicht finden, - und: Wo Ich bin, dahin könnt ihr nicht kommen? Aber am letzten, dem großen Tage des Festes, stand Jesus und rief, sagend: Wenn Jemand dürstet, der komme zu Mir und trinke. Wer an Mich glaubt, gleichwie die Schrift gesagt hat, von dessen Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen. - Dieses aber sagte Er von dem Geiste, welchen die an Ihn Glaubenden empfangen sollten; denn der Heilige Geist war noch nicht, weil Jesus noch nicht verherrlicht worden war. Viele nun aus der Volksmenge, als sie diese Rede hörten, sagten: Dieser ist wahrhaftig ein Prophet! Andere sagten: Dieser ist der Christus! Andere aber sagten: Kommt der Christus denn aus Galiläa? Hat nicht die Schrift gesagt: daß der Christus aus dem Samen Davids und aus Bethlehem, dem Dorfe, wo David war, kommt? - Da ward Seinetwegen eine Spaltung in der Volksmenge. Etliche aber von ihnen wollten Ihn greifen; aber Keiner legte die Hände an Ihn. Da kamen die Diener zu den Hohenpriestern und Pharisäern, und diese sprachen zu ihnen: Warum habt ihr Ihn nicht gebracht? Die Diener antworteten: Niemals hat also ein Mensch geredet, wie dieser Mensch. - Da antworteten ihnen die Pharisäer: Seid ihr auch verführt? Hat Jemand von den Obersten an ihn geglaubt oder von den Pharisäern? Diese Volksmenge aber, welche das Gesetz nicht kennt, ist verflucht. - Spricht Nikodemus zu ihnen, der bei Nacht zu Ihm kam, und Einer von ihnen war: Richtet unser Gesetz den Menschen, wenn es nicht zuvor ihn anhört und weiß, was er tut? - Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du auch aus Galiläa? Forsche und siehe! aus Galiläa steht kein Prophet auf. - Und ein Jeglicher ging nach seinem Hause.


8.


Jesus aber ging nach dem Ölberg. Früh Morgens aber kam Er wieder in den Tempel, und das ganze Volk kam zu Ihm, und Er setzte sich und lehrte sie. Die Schriftgelehrten und die Pharisäer aber führen ein Weib zu Ihm, ergriffen im Ehebruch, und stellten sie in die Mitte, und sprechen zu Ihm: Lehrer! dieses Weib ist im Ehebruch auf der Tat ergriffen worden. In dem Gesetze aber hat Moses uns geboten, daß Solche gesteinigt werden; Du nun, was sagst Du? - Dieses aber sagten sie, Ihn versuchend, auf daß sie etwas hätten, um Ihn zu verklagen. - Jesus aber bückte sich nieder und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie aber fortfuhren, Ihn zu fragen, richtete Er Sich auf und sprach zu ihnen. Wer von euch nicht gesündigt hat, der werfe zuerst den Stein auf sie! Und wiederum bückte Er Sich nieder und schrieb auf die Erde. Sie aber, als sie es hörten, und von dem Gewissen überführt wurden, gingen Einer nach dem Andern einzeln hinaus, anfangend von den Ältesten bis zu den Letzten; und Jesus war allein gelassen, und das Weib in der Mitte stehend. Jesus aber richtete Sich auf; und als Er Niemand sah, ausgenommen das Weib, sprach Er zu ihr: Weib! wo sind Jene, deine Verkläger? Hat dich Niemand verurteilt? - Sie aber sprach: Niemand, Herr! Jesus aber sprach zu ihr: So verurteile Ich dich auch nicht. Gehe hin und sündige nicht mehr. Wiederum nun redete Jesus zu ihnen, sagend: Ich bin das Licht der Welt. Wer Mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis wandeln, sondern er wird das Licht des Lebens haben. - Da sprachen zu Ihm die Pharisäer: Du zeugst von Dir Selbst; Dein Zeugnis ist nicht wahr. - Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Wenn Ich auch von Mir Selbst zeuge, ist Mein Zeugnis wahr; denn Ich weiß, woher Ich gekommen bin, und wohin Ich gehe; ihr aber wisset nicht, woher Ich komme, und wohin Ich gehe. Ihr richtet nach dem Fleische; Ich richte Niemanden. Wenn ich aber auch richte, ist mein Gericht wahr; denn Ich bin nicht allein, sondern Ich und der Vater, der Mich gesandt hat. Aber auch in eurem Gesetz steht geschrieben, "daß das Zeugnis von zweien Menschen wahr ist". - Ich bin, der von Mir Selbst zeugt; und der Vater, der Mich gesandt hat, gibt Zeugnis von Mir. Da sprachen sie zu Ihm: Wo ist Dein Vater? Jesus antwortete: Ihr kennt weder Mich noch Meinen Vater; wenn ihr Mich gekannt hättet, so hättet ihr auch Meinen Vater gekannt. Diese Worte redete Jesus in der Schatzkammer, lehrend in dem Tempel; und Niemand griff Ihn, denn Seine Stunde war noch nicht gekommen. Da sprach Jesus wiederum zu ihnen: Ich gehe hin und ihr werdet Mich suchen, und werdet in eurer Sünde sterben; wohin Ich gehe, könnt ihr nicht kommen. Daher sprachen die Juden: Will Er Sich Selbst töten, daß Er sagt: Wohin Ich gehe, könnt ihr nicht kommen? - Und Er sprach zu ihnen: Ich seid von Dem, was unten ist; Ich bin von Dem, was oben ist; ihr seid von dieser Welt; Ich bin nicht von dieser Welt. Darum sagte Ich euch, daß ihr in euren Sünden sterben werdet; denn wenn ihr nicht glauben werdet, daß ICH BIN, werdet ihr in euren Sünden sterben. Da sprachen sie zu Ihm: Wer bist Du? - Und Jesus sprach zu ihnen: Durchaus das, was Ich zu euch rede. Vieles habe Ich von euch zu reden und zu richten; aber der Mich gesandt hat, ist wahrhaftig, und Ich, was Ich von Ihm gehört habe, dies sage Ich zu der Welt. - Sie erkannten nicht, daß Er von dem Vater zu ihnen sprach. - Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn ihr den Sohn des Menschen werdet erhöhet haben, dann werdet ihr erkennen, daß ICH BIN, und daß Ich von Mir Selbst nichts tue, sondern dies rede, so wie Mich Mein Vater gelehrt hat. Und der Mich gesandt hat, der ist mit Mir; der Vater hat Mich nicht allein gelassen, denn Ich tue allezeit, was Ihm wohlgefällig ist. - Da Er dies redete, glaubten Viele an Ihn. Da sprach Jesus zu den Juden, die an Ihn glaubten: Wenn ihr in Meinem Worte bleibt, so seid ihr wahrhaft Meine Jünger, und ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. - Sie antworteten Ihm: Wie sind Abrahams Same, und nie sind wir Jemandes Knechte gewesen; wie sagst Du: Ihr sollt frei werden? - Jesus antwortete ihnen: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Jeder, der die Sünde tut, ist der Sünde Knecht. Der Knecht aber bleibet nicht für immer in dem Hause; der Sohn bleibet für immer. Wenn denn der Sohn euch frei machen wird, werdet ihr wirklich frei sein. Ich weiß, daß ihr Abrahams Same seid; aber ihr suchet Mich zu töten, denn Mein Wort findet nicht Raum in euch. Ich rede, was Ich bei Meinem Vater gesehen habe, und ihr tut denn, was ihr bei eurem Vater gesehen habt. - Sie antworteten und sprachen zu Ihm: Unser Vater ist Abraham. Jesus spricht zu ihnen: Wenn ihr Kinder Abrahams wäret, würdet ihr wohl die Werke Abrahams tun; nun aber suchet ihr Mich zu töten, einen Menschen, der Ich euch die Wahrheit geredet, welche Ich von Gott gehört habe; - dies hat Abraham nicht getan. Ihr tut die Werke eures Vaters. - Da sprachen sie zu Ihm: Wie sind nicht durch Hurerei geboren; wir haben Einen Vater, Gott. - Da sprach Jesus zu ihnen: Wenn Gott euer Vater wäre, so würdet ihr Mich lieben, denn Ich bin aus Gott ausgegangen und gekommen; denn Ich bin auch nicht von Mir Selbst gekommen, sondern Er hat Mich gesandt. Warum versteht ihr Meine Sprache nicht? Weil ihr Meine Rede nicht hören könnt. Ihr seid von dem Vater, dem Teufel, und die Begierden eures Vaters wollt ihr tun; jener war ein Menschenmörder von Anfang, und ist in der Wahrheit nicht bestanden, weil in ihm keine Wahrheit ist. Wenn er die Lüge redet, redet er aus seinem Eigenen; denn er ist Lügner und der Vater desselben. Weil Ich aber die Wahrheit sage, glaubet ihr Mir nicht. Wer von euch überführt Mich der Sünde? Wenn Ich Wahrheit sage, warum glaubet ihr Mir nicht? Der, welcher aus Gott ist, höret die Worte Gottes. Deswegen höret ihr nicht, weil ihr nicht aus Gott seid. - Da antworteten die Juden und sprachen zu Ihm: Sagen wir nicht recht, daß Du ein Samariter bist und einen Teufel hast? - Jesus antwortete: Ich habe keinen Teufel, sondern Ich ehre Meinen Vater; es ist Einer, der suchet und richtet. Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn Jemand Mein Wort bewahren wird, der wird den Tod nicht sehen ewiglich. - Da sprachen die Juden zu Ihm: Jetzt erkennen wir, daß Du einen Teufel hast. Abraham ist gestorben und die Propheten, und Du sagst: Wenn Einer Mein Wort bewahren wird, der wird den Tod nicht schmecken ewiglich. Bist Du größer, als unser Vater Abraham, der gestorben ist? und die Propheten sind gestorben; was machst Du aus Dir Selbst? - Jesus antwortete: Wenn Ich Mich Selbst ehre, ist Meine Ehre nichts; Mein Vater ist es, der Mich ehret, von welchem ihr saget: Er sei euer Gott! - und ihr kennet Ihn nicht. Ich aber kenne Ihn, und wenn Ich sagte, daß Ich Ihn nicht kenne, würde Ich euch gleich sein - ein Lügner. Aber Ich kenne Ihn, und Sein Wort bewahre Ich. Abraham, euer Vater, frohlockte, daß er Meinen Tag sehen sollte, und er sah ihn und freute sich. - Da sprachen die Juden zu Ihm: Du hast noch nicht fünfzig Jahre, - und hast Abraham gesehen? - Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Ehe Abraham ward, ICH BIN. - Da hoben sie Steine auf, daß sie auf Ihn würfen. Jesus aber verbarg Sich und ging aus dem Tempel, durch ihre Mitte hindurch gehend, und ging also vorbei.


9.


Und vorbeigehend, sah Er einen Menschen, blind von Geburt. Und Seine Jünger fragten Ihn, sagend: Rabbi! wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, daß er blind geboren ist? - Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt, noch seine Eltern, sondern daß die Werke Gottes an ihm offenbar würden. Ich muß die Werke Dessen wirken, der Mich gesandt hat, während es Tag ist; - die Nacht kommt, wo Niemand wirken kann. So lange Ich in der Welt bin, bin Ich ein Licht der Welt. - Als Er dies gesagt, spützte Er auf die Erde, und machte Koth aus dem Speichel, und strich den Koth wie Salbe auf die Augen des Blinden und sprach zu ihm: Gehe hin, wasche dich in dem Teich des Siloah, (was verdolmetscht wird: "gesandt"). Er ging nun hin und wusch sich, und kam sehend. - Die Nachbarn nun, und die ihn früher sahen, daß er Bettler war, sagten: Ist dieser nicht der, welcher saß und bettelte? - Einige sagten: Er ist es! - Andere aber: Er ist ihm ähnlich. - Er sagte: Ich bin es. - Da sagten sie zu ihm: Wie sind deine Augen geöffnet worden? - Er antwortete und sprach: Ein Mensch, genannt Jesus, machte Koth und strich es wie Salbe auf meine Augen und sprach zu mir: Gehe hin nach dem Teich des Siloah und wasche dich. - Ich aber ging hin und wusch mich, und ich ward sehend. - Da sprachen sie zu ihm: Wo ist Er? - Er sagt: Ich weiß es nicht. Sie führen ihn, den früheren Blinden, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbath, als Jesus den Koth machte und seine Augen öffnete. Wiederum dann fragten ihn auch die Pharisäer, wie er sehend geworden. - Er aber sagte zu ihnen: Er legte Koth auf meine Augen, und ich wusch mich, und ich sehe. - Da sprachen Etliche von den Pharisäern: Dieser Mensch ist nicht von Gott, denn Er hält den Sabbath nicht. - Andere sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? - Und es war Zwiespalt unter ihnen. - Wiederum sagen sie zu dem Blinden: Du, was sagst du von Ihm, daß Er deine Augen aufgetan hat? - Er aber sagte: Daß Er ein Prophet ist. - Da glaubten die Juden nicht von ihm, daß er blind war und sehend geworden, bis daß sie die Eltern dessen riefen, der sehend geworden war. Und sie fragten sie, sagend: Ist dieser euer Sohn, von dem ihr sagt, er sei blind geboren? Wie ist er denn jetzt sehend? - Seine Eltern antworteten ihnen und sprachen: Wir wissen, daß dieser unser Sohn ist, und daß er blind geboren ist; wie er aber jetzt siehet, wissen wir nicht, oder wer seine Augen geöffnet hat, - wir wissen es nicht. Er ist mündig; fraget ihn, er wird selbst von sich sprechen. - Dies sagten seine Eltern, weil sie die Juden fürchteten; denn die Juden waren schon übereingekommen, daß wenn Jemand Ihn als Christum bekennen würde, er aus der Synagoge gestoßen werden sollte. Deswegen sagten seine Eltern: Er ist mündig, fragt ihn selbst. Sie riefen dann zum zweiten Mal den Menschen, der blind war, und sprachen zu ihm: Gib Gott Ehre! wir wissen, daß dieser Mensch ein Sünder ist. - Da antwortete er und sprach: Ob Er ein Sünder ist, weiß ich nicht; Eins weiß ich, daß ich blind war, und jetzt sehe. - Und sie sprachen abermals zu ihm: Was hat Er dir getan? wie hat Er deine Augen geöffnet? - Er antwortete ihnen: Ich habe es euch schon gesagt, und ihr habt nicht gehört; warum wollt ihr es nochmals hören? wollt ihr auch Seine Jünger werden? - Sie schimpften ihn und sprachen: Du bist Jenes Jünger; wir aber sind Mosis Jünger. Wir wissen, daß Gott zu Mose geredet hat; von Diesem aber wissen wir nicht, woher Er ist. - Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Es ist hierbei doch wunderbar, daß ihr nicht wisset, woher Er ist, und Er hat meine Augen geöffnet. Wir wissen aber, daß Gott Sünder nicht höret, sondern wenn Jemand gottesfürchtig ist und Seinen Willen tut, den höret Er. Von Ewigkeit her ist es nicht erhört, daß Jemand die Augen eines Blindgebornen geöffnet habe. Wenn dieser nicht von Gott wäre, Er könnte nichts tun. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren, und du lehrest uns! - Und sie warfen ihn hinaus. Jesus hörte, daß sie ihn hinausgeworfen hatten, und da Er ihn fand, sprach Er zu ihm: Glaubst du an den Sohn Gottes? - Er antwortete und sprach: Und wer ist es, Herr, auf daß ich an Ihn glaube? - Jesus aber sprach zu ihm: Du hast Ihn gesehen, und Der mit dir redet, Der ist es. Er aber sprach: Ich glaube, Herr! - und er huldigte Ihm. - Und Jesus sprach: Ich bin zum Gericht in diese Welt gekommen, auf daß die, welche nicht sehen, sehen, und die Sehenden blind werden. - Und Etliche von den Pharisäern, die bei Ihm waren, hörten dieses und sprachen zu Ihm: Sind wir denn auch blind? - Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wäret, würdet ihr nicht Sünde haben, nun aber sagt ihr: wir sehen! - so bleibt denn eure Sünde.


10.


Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wer nicht durch die Tür in den Schafhof gehet, sondern anderswoher hinübersteigt, der ist ein Dieb und ein Räuber. Wer aber durch die Türe eingeht, ist Hirte der Schafe. Diesem tut der Türhüter auf, und die Schafe hören seine Stimme, und seine eigenen Schafe rufet er mit Namen und führet sie aus. Und wenn er seine eigenen Schafe ausgelassen hat, geht er vor ihnen her, und die Schafe folgen ihm, denn sie kennen seine Stimme. Einem Fremden aber werden sie nicht folgen, sondern sie werden vor ihm fliehen, denn sie kennen die Stimme der Fremden nicht. - Dieses Gleichnis sprach Jesus zu ihnen; sie aber wußten nicht, was das war, welches Er zu ihnen redete. Wiederum sprach dann Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, daß Ich die Tür der Schafe bin. Alle, so Viele ihrer vor Mir gekommen sind, sind Diebe und Räuber; aber die Schafe hörten sie nicht. Ich bin die Tür; wenn Jemand durch Mich eingeht, der wird errettet werden, und wird ein- und ausgehen, und Weide finden. Der Dieb kommt nicht, es sei denn, daß er stehle und schlachte und verderbe. Ich bin gekommen, auf daß sie Leben haben, und daß sie es in Überfluß haben. Ich bin der gute Hirte; der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, und der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen, und verläßt die Schafe und flieht; und der Wolf ergreift sie, und zerstreut die Schafe. Der Mietling aber flieht, weil er ein Mietling ist, und sich um die Schafe nicht kümmert. Ich bin der gute Hirte und erkenne die Meinen, und bin gekannt von den Meinen, wie Mich der Vater kennt und Ich den Vater kenne; und Ich lasse Mein Leben für die Schafe. Und Ich habe andere Schafe, welche nicht aus diesem Hofe sind; - auch diese muß Ich bringen, und sie werden Meine Stimme hören, und es wird eine Herde, ein Hirte sein. Darum liebt Mich der Vater, weil Ich Mein Leben lasse, auf daß Ich es wiedernehme. Niemand nimmt es von Mir, sondern Ich lasse es von Mir Selbst. Ich habe Macht, es zu lassen, und habe Macht, es wieder zu nehmen. Dieses Gebot habe Ich von Meinem Vater empfangen. - Da ward dieser Worte wegen wiederum ein Zwiespalt unter den Juden. Viele aber von ihnen sagten: Er hat einen Teufel und ist unsinnig; - was hört ihr Ihm zu? Andere sagten: Dies sind nicht Worte eines Besessenen; - kann ein Teufel der Blinden Augen auftun? Es war aber zu Jerusalem das Fest der Tempelweihe, und es war Winter. Und Jesus wandelte in dem Tempel in der Säulenhalle Salomon´s. Da umringten Ihn die Juden und sprachen zu Ihm: Bis wann hältst Du unsere Seele hin? Wenn Du der Christus bist, so sage es uns frei heraus. - Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubet nicht. Die Werke, welche Ich im Namen meines Vaters tue, diese zeugen von Mir. Aber ihr glaubet nicht; denn ihr seid nicht von Meinen Schafen, so wie Ich euch gesagt habe. Meine Schafe hören Meine Stimme, und Ich kenne sie, und sie folgen Mir, und Ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie gehen nicht verloren ewiglich, und Niemand wird sie aus Meiner Hand reißen. Mein Vater, der sie Mir gegeben hat, ist größer als Alles, und Niemand kann sie aus der Hand Meines Vaters reißen. Ich und der Vater sind Eins. - Da hoben die Juden wiederum Steine auf, damit sie Ihn steinigten. Jesus antwortete ihnen: Viele gute Werke habe Ich euch von Meinem Vater gezeigt; wegen welches Werkes unter ihnen steinigt ihr Mich? - Die Juden antworteten Ihm, sagend: Wegen eines guten Werks steinigen wir Dich nicht, sondern wegen Lästerung, und weil Du, der Du ein Mensch bist, Dich Selbst zu Gott machst. - Jesus antwortete ihnen: Ist es nicht in eurem Gesetz geschrieben: "Ich habe gesagt: Ihr seid Götter?" Wenn Er jene Götter genannt hat, zu welchen das Wort Gottes kam, (und die Schrift kann doch nicht aufgehoben werden,) saget ihr zu Dem, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat: Du lästerst! - weil Ich gesagt habe: Ich bin Gottes Sohn? Wenn Ich nicht die Werke Meines Vaters tue, so glaubet Mir nicht; wenn Ich sie aber tue, so glaubet den Werken, wenn ihr auch Mir nicht glaubet, auf daß ihr erkennet und glaubet, daß der Vater in Mir ist, und Ich in Ihm. Da suchten sie wieder Ihn zu greifen, und Er entging ihrer Hand. Und Er ging wieder weg jenseit des Jordans nach dem Orte, wo Johannes zuerst taufte, und blieb daselbst. Und Viele kamen zu Ihm und sagten: Johannes tat zwar kein Zeichen, Alles aber, was irgend Johannes von Diesem gesagt hat, war wahr. Und Viele daselbst glaubten an Ihn.


11.


Es war aber ein gewisser Mensch krank, Lazarus von Bethanien, aus dem Dorf der Maria und Martha, ihrer Schwester. (Maria aber war es, die den Herrn mit Salbe salbte, und Seine Füße mit ihren Haaren abtrocknete; deren Bruder, Lazarus, war krank.) Da sandten die Schwestern zu Ihm, sagend: Herr, siehe! den Du lieb hast, ist krank. - Als es aber Jesus hörte, sprach Er: Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern um der Herrlichkeit Gottes willen, auf daß durch dieselbe der Sohn Gottes verherrlicht werde. - Jesus aber liebte die Martha und ihre Schwester und Lazarus. Als Er nun hörte, daß er krank sei, da blieb Er zwei Tage an dem Orte, wo Er war. Darnach sagt Er dann zu den Jüngern: Laßt und wiederum nach Judäa ziehen. - Die Jünger sprechen zu Ihm: Rabbi! So eben suchten die Juden Dich zu steinigen, und wiederum gehst Du dahin? - Jesus antwortete: Sind nicht zwölf Stunden des Tages? Wenn Jemand am Tage wandelt, stößt er nicht an; denn er sieht das Licht dieser Welt. Wenn aber Jemand in der Nacht wandelt, stößt er an; denn das Licht ist nicht in ihm. - Dieses sprach Er, und darnach sagt Er zu ihnen: Lazarus, unser Freund, schläft; aber Ich gehe hin, daß Ich ihn wieder aufwecke. - Da sagten Seine Jünger: Herr! wenn er schläft, wird er geheilt werden. - Jesus aber redete von seinem Tode; sie aber meinten, Er rede von der Ruhe des Schlafs. Darnach nun sagte ihnen Jesus gerade heraus: Lazarus ist gestorben; und Ich bin froh um euretwillen, daß Ich nicht da war, auf daß ihr glaubet; - aber laßt uns zu ihm gehen. - Da sprach Thomas, genannt Zwilling, zu seinen Mit-Jüngern: Laßt auch uns gehen, auf daß wir mit Ihm sterben! Als nun Jesus kam, fand Er ihn, daß er schon vier Tage in der Gruft war. Bethanien aber war nahe bei Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien weit. Und Viele von den Juden waren zu Martha und Maria gekommen, um sie über ihren Bruder zu trösten. Martha nun, als sie hörte, daß Jesus komme, ging Ihm entgegen. Maria aber saß im Hause. Da sprach Martha zu Jesu: Herr, wärest Du hier gewesen, so wäre mein Bruder nicht gestorben. Aber auch jetzt weiß ich, daß, was Du irgendwie von Gott bittest, Gott Dir geben wird. - Spricht Jesus zu ihr: Dein Bruder wird auferstehen. - Martha spricht zu Ihm: Ich weiß, daß er in der Auferstehung am letzten Tage auferstehen wird. - Jesus sprach zu ihr: Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an Mich glaubt, wird leben, wenn er auch gestorben ist; und Jeder, der lebt und an Mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben. Glaubst du dies? - Sie spricht zu Ihm: Ja, Herr, ich glaube, daß Du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt Kommende. - Und als sie dies gesagt, ging sie weg und rief heimlich ihre Schwester Maria, sagend: Der Lehrer ist gekommen, und rufet dich. - Jene, als sie es gehört, steht schnell auf und geht zu Ihm. Jesus war aber noch nicht in das Dorf gekommen, sondern war an dem Orte, wo Martha Ihm begegnete. Die Juden nun, die bei ihr im Hause waren und sie trösteten, als sie sahen, daß Maria schnell aufstand und wegging, folgten ihr nach, sagend: Sie geht zur Gruft, um daselbst zu weinen. - Als nun Maria dahin kam, wo Jesus war, und Ihn sah, fiel sie zu Seinen Füßen, zu Ihm sagend: Herr! Wenn Du hier gewesen wärest, so wäre mein Bruder nicht gestorben. - Jesus nun, als Er sie weinen sah, und die Juden weinen, die mit ihr gekommen waren, seufzte tief im Geiste und erschütterte Sich Selbst, und sprach: Wo habt ihr ihn hingelegt? Sie sagen zu Ihm: Herr, komm und sieh! - Jesus vergoß Tränen. Da sprachen die Juden: Siehe! wie liebte Er ihn. - Etliche aber von ihnen sagten: Konnte Dieser, der die Augen des Blinden auftat, nicht machen, daß auch Dieser nicht gestorben wäre? - Jesus, nun, wiederum tief in Sich Selbst seufzend, kommt zu der Gruft. Es war aber eine Höhle, und ein Stein lag darauf. Jesus sagt: Nehmt den Stein weg. - Die Schwester des Verstorbenen, Martha, spricht zu Ihm: Herr! er stinkt schon, denn er ist schon vier Tage gestorben. - Jesus spricht zu ihr: Habe Ich dir nicht gesagt: Wenn du glauben würdest, so würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen? - Da nahmen sie den Stein weg. Jesus aber hob die Augen auf nach oben und sprach: Vater, Ich danke Dir, daß Du Mich erhört hast. Ich aber wußte, daß Du Mich allezeit erhörst; doch um der Volksmenge willen, die umhersteht, habe Ich es gesagt, auf daß sie glauben, daß Du Mich gesandt hast. - Und da Er dieses gesagt hatte, rief Er mit lauter Stimme: Lazarus, komm heraus! - Und der Verstorbene kam heraus, an Füßen und Händen mit Grabtüchern gebunden; und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch umbunden. Jesus spricht zu ihnen: Macht ihn los und laßt ihn gehen. Da glaubten viele von den Juden an Ihn, welche zu Maria gekommen waren, und gesehen hatten, was Er tat. Etliche aber von ihnen gingen weg zu den Pharisäern und sagten ihnen, was Jesus getan hatte. Da versammelten die Hohenpriester und Pharisäer einen Rat und sprachen. Was tun wir? denn dieser Mensch tut viele Zeichen. Wenn wir Ihn also lassen, werden Alle an Ihn glauben, und die Römer werden kommen und sowohl unsern Ort als unser Volk wegnehmen. - Ein Gewisser aber aus ihnen, Kajaphas, der jenes Jahr Hoherpriester war, sprach zu ihnen: Ihr wisset gar nichts; und ihr überleget auch nicht, daß es uns nützlich ist, daß ein Mensch für das Volk sterbe, und nicht das ganze Volk umkomme. - Dieses aber sagte er nicht aus sich selbst, sondern da er jenes Jahr Hoherpriester war, weissagte er, daß Jesus für das Volk sterben sollte; und nicht für das Volk allein, sondern auf daß Er auch die zerstreuten Kinder Gottes in Eins versammelte. Von jenem Tage nun ratschlagten sie miteinander, daß sie Ihn töteten. Jesus ging nun nicht mehr frei öffentlich unter den Juden, sondern ging von da weg in die Gegend nahe bei der Wüste in eine Stadt, genannt Ephraim, und verweilte daselbst mit Seinen Jüngern. Es war aber das Passah der Juden nahe, und Viele aus dem Lande gingen vor dem Passah nach Jerusalem hinauf, auf daß sie sich reinigten. Da suchten sie Jesum und sprachen, im Tempel stehend, untereinander: Was dünket euch, daß Er nicht auf das Fest kommt? - Es hatten aber sowohl die Hohenpriester als die Pharisäer Befehl gegeben, daß, wenn Jemand wisse, wo Er sei, er es anzeige, auf daß sie Ihn griffen.


12.


Jesus nun, als es sechs Tage vor dem Passah war, kam nach Bethanien, wo Lazarus, der Gestorbene, war, den Er aus Toten erweckt hatte. Sie machten Ihm nun daselbst ein Abendbrot, und die Martha diente. Lazarus aber war einer von denen, die mit Ihm zu Tische lagen. Da nahm Maria ein Pfund Salbe von unverfälschter, kostbarer Narde, und salbte die Füße Jesu, und trocknete Seine Füße mit ihren Haaren. Das Haus aber ward von dem Geruch der Salbe erfüllt. Da spricht einer von Seinen Jüngern, Judas, Sohn Simonis, der Iskariot, derselbe, welcher Ihn überliefern sollte: Warum ist diese Salbe nicht für dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben worden? - Er sagte dies aber, nicht, weil er für die Armen besorgt war, sondern weil er ein Dieb war und die Kasse hatte, und trug, was hinein gelegt ward. - Da sprach Jesus: Laß sie; sie hat es auf den Tag Meines Begräbnisses aufbewahrt. Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch; Mich aber habt ihr nicht allezeit. Eine große Volksmenge aus den Juden wußte nun, daß Er daselbst sei; und sie kamen nicht bloß um Jesu willen, sondern auf daß sie auch den Lazarus sähen, den Er aus Toten erweckt hatte. Die Hohenpriester aber beratschlagten, auf daß sie auch den Lazarus töteten, weil Viele von den Juden um seinetwillen hingingen, und an Jesum glaubten. Am folgenden Tage, als eine große Volksmenge, die zu dem Fest gekommen war, hörte, daß Jesus nach Jerusalem komme, nahmen sie die Zweige der Palmbäume und gingen heraus, Ihm entgegen, und riefen: Hosanna! Gesegnet der Kommende im Namen des Herrn, der König Israels! - Jesus aber fand einen jungen Esel, setzte Sich darauf, wie geschrieben steht: "Fürchte dich nicht, Tochter Zion! siehe! dein König kommt, sitzend auf dem Füllen einer Eselin." - Dieses aber verstanden Seine Jünger zuerst nicht. Aber als Jesus verherrlicht war, da erinnerten sie sich, daß dies von Ihm geschrieben war, und daß sie Ihm dies taten. Da bezeugte die Volksmenge, die mit Ihm war, daß Er den Lazarus aus dem Grabe gerufen und ihn aus den Toten erweckt habe. Deshalb ging Ihm auch die Volksmenge entgegen, weil sie hörten, daß Er dieses Zeichen getan hatte. Da sprachen die Pharisäer zu einander: Seht ihr, daß ihr nichts ausrichtet? Siehe! alle Welt ist Ihm nachgegangen. Es waren aber etliche Griechen unter denen, die hinauf gegangen waren, auf daß sie auf dem Fest anbeteten. Diese nun kamen zu dem Philippus, der von Bethsaida in Galiläa war, und baten ihn, sagend: Herr! wir wollen den Jesus sehen. - Philippus kommt und sagt es dem Andreas, und wiederum Andreas und Philippus sagen es Jesu. Jesus aber antwortete ihnen, sagend: Die Stunde ist gekommen, daß der Sohn des Menschen soll verherrlicht werden. Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so bleibt es allein; wenn es aber stirbt, so bringt es viele Frucht. Wer sein Leben liebt, wird es verlieren; und wer sein Leben in dieser Welt haßt, wird es zum ewigen Leben bewahren. Wenn Mir Jemand dient, der folge Mir, und wo Ich bin, da wird auch Mein Diener sein. Wenn mir Jemand dient, ihn wird der Vater ehren. Jetzt ist Meine Seele bestürzt; und was soll Ich sagen? Vater! rette Mich aus dieser Stunde! Doch darum bin Ich in diese Stunde gekommen. Vater! verherrliche Deinen Namen! - Da kam eine Stimme aus dem Himmel: Ich habe Ihn verherrlicht und will Ihn wiederum verherrlichen. - Die Volksmenge nun, welche dabei stand und zuhörte, sagte, daß ein Donnerschlag geschehen wäre. Andere sagten: Ein Engel hat mit Ihm geredet. - Jesus antwortete und sprach: Nicht um Meinetwillen ist diese Stimme geschehen, sondern um euretwillen. Jetzt ist das Gericht dieser Welt; jetzt wird der Fürst dieser Welt ausgeworfen werden; und Ich, wenn Ich von der Erde erhöht bin, werde Alle zu Mir ziehen. - (Dieses aber sagte Er, andeutend, welches Todes Er sterben sollte.) Das Volk antwortete Ihm: Wir haben aus dem Gesetz gehört, daß der Christus in Ewigkeit bleibe, und wie sagst Du: Der Sohn des Menschen muß erhöht werden? - wer ist dieser Sohn des Menschen? - Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit ist das Licht unter euch; wandelt, so lange ihr das Licht habt, damit nicht Finsternis euch ergreife. Und wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht. So lange ihr das Licht habt, glaubet an das Licht; damit ihr Söhne des Lichts seid. - Dieses redete Jesus, und ging weg, und verbarg sich vor ihnen. Wiewohl Er aber so viele Zeichen vor ihnen getan, glaubten sie nicht an Ihn; auf daß das Wort Jesaia, des Propheten, erfüllt würde, welches er sprach: "Herr! wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm des Herrn offenbart worden?" - Darum konnten sie nicht glauben, weil wiederum Jesaias gesagt hat: "Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, auf daß sie nicht mit den Augen sehen und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und Ich sie heile." - Dies sagte Jesaias, als er Seine Herrlichkeit sah und von Ihm redete. Dennoch glaubten auch von den Obersten Viele an Ihn. Doch um der Pharisäer willen bekannten sie Ihn nicht, damit sie nicht aus der Synagoge gestoßen werden möchten; denn sie liebten die Ehre von Menschen mehr, als die Ehre von Gott. Jesus aber rief und sprach: Wer an Mich glaubt, glaubt nicht an Mich, sondern an Den, der Mich gesandt hat. Und wer Mich sieht, sieht Den, der Mich gesandt hat. Ich bin in die Welt gekommen, ein Licht, auf daß Jeder, der an Mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe; und wenn Jemand Meine Worte hört und nicht glaubt, - Ich richte ihn nicht; denn Ich bin nicht gekommen, daß Ich die Welt richte, sondern daß Ich die Welt errette. Wer Mich verwirft und nicht Meine Worte annimmt, hat Den, der ihn richtet. Das Wort, welches Ich geredet habe, dasselbe wird ihn am letzten Tage richten. Denn Ich habe nicht aus Mir Selber geredet, sondern der Vater, der Mich gesandt hat, Er hat Mir ein Gebot gegeben, was ich sagen und was Ich reden soll; und Ich weiß, daß Sein Gebot das ewige Leben ist. Was Ich denn rede, das rede Ich also, wie der Vater Mir gesagt hat.


13.


Vor dem Fest des Passah aber, als Jesus wußte, daß Seine Stunde gekommen war, daß Er aus dieser Welt zu dem Vater hingehen sollte, - da Er die Seinigen in der Welt geliebt hatte, liebte Er sie bis an das Ende. Und während des Abendessens, als der Teufel schon in das Herz des Judas, Sohn Simons des Iskariot, gegeben, daß er Ihn überliefere, - steht Jesus, - wissend, daß der Vater Ihm Alles in die Hände gegeben hatte, und daß Er von Gott ausgegangen war, und zu Gott hingehe, - von dem Abendessen auf, und legt die Oberkleider ab, und nahm ein Leintuch und umgürtete Sich. Darauf gießt Er Wasser in das Waschbecken und fing an, die Füße der Jünger zu waschen und mit dem Leintuch, womit Er umgürtet war, abzutrocknen. Da kommt Er zu Simon Petrus, und dieser spricht zu Ihm: Herr! Du wäschest meine Füße? - Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was Ich tue, weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach verstehen. - Spricht Petrus zu Ihm: Du sollst in Ewigkeit nicht meine Füße waschen! - Jesus antwortete ihm: Werde Ich dich nicht waschen, so hast du keinen Teil mit Mir. - Simon Petrus spricht zu Ihm: Herr, nicht meine Füße allein, sondern beides, die Hände und das Haupt. - Jesus spricht zu ihm: Wer gebadet ist, hat nicht nötig, als sich die Füße zu waschen, sondern ist ganz rein; - und ihr seid rein; aber nicht Alle. - Denn er kannte Den, der Ihn überliefern sollte; deswegen sagte Er: Ihr seid nicht Alle rein! - Als Er nun ihre Füße gewaschen und Seine Oberkleider genommen hatte, setzte Er Sich wiederum nieder und sprach zu ihnen: Wisset ihr, was Ich euch getan habe? Ihr heißt Mich Lehrer und Herr, und ihr saget recht; denn Ich bin es. Wenn nun Ich, der Herr und der Lehrer, eure Füße gewaschen habe, so seid auch ihr schuldig, einander die Füße zu waschen. Denn Ich habe euch ein Beispiel gegeben, auf daß, gleichwie Ich euch getan habe, auch ihr tut. Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer, als sein Herr, noch der Gesandte größer, als der ihn gesandt hat. Wenn ihr dieses wisset, glückselig seid ihr, wenn ihr es tut. Ich rede nicht von euch Allen; Ich weiß, welche Ich auserwählt habe. Aber auf daß die Schrift erfüllet werde: "Der mit Mir das Brot isset, hat seine Ferse wider Mich aufgehoben." - Schon jetzt sage Ich es euch, ehe es geschieht, auf daß ihr, wenn es geschieht, glaubet, daß ICH BIN. Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Wer den aufnimmt, den Ich irgend senden werde, der nimmt Mich auf; wer aber Mich aufnimmt, nimmt Den auf, der Mich gesandt hat. Als Jesus dieses gesagt hatte, ward Er sehr erschüttert im Geist und zeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Einer von euch wird Mich überliefern. Da blickten die Jünger sich einander an, zweifelnd, von wem Er spreche. Es war aber einer von Seinen Jüngern, welchen Jesus liebte, der lag in dem Schoße Jesu. Diesem nun winket Simon Petrus, damit er forschen möchte, wer es wohl wäre, von welchem Er rede. Jener aber, sich an die Brust Jesu lehnend, spricht zu Ihm: Herr! wer ist es? - Jesus antwortet: Jener ist es, welchem Ich den Bissen, wenn Ich ihn eingetunkt habe, geben werde. - Und als Er den Bissen eingetunkt, gibt Er ihn dem Judas Iskariot, dem Sohne Simonis. Und nach dem Bissen fuhr dann der Satanas in ihn. Jesus spricht nun zu ihm: Was du tust, tue schnell! - Niemand aber von denen, welche zu Tische lagen, verstand, wozu Er ihm dieses sagte. Denn Etliche meinten, weil Judas die Kasse hatte, daß Jesus zu ihm sagt: Kaufe, was wir für das Fest bedürfen, oder - daß er den Armen etwas geben sollte. Als nun Jener den Bissen genommen, ging er alsbald hinaus. Es war aber Nacht. Als er hinaus gegangen war, spricht Jesus: Jetzt ist der Sohn der Menschen verherrlicht, und Gott ist in Ihm verherrlicht. Wenn Gott in Ihm verherrlicht ist, so wird auch Gott Ihn in Sich Selber verherrlichen, und alsbald wir Er Ihn verherrlichen. Kinder! noch ein wenig bin Ich bei euch; ihr werdet Mich suchen; und so wie Ich den Juden sagte: Wo Ich hingehe, könnt ihr nicht hinkommen, - so sage Ich jetzt auch euch. Ein neues Gebot gebe Ich euch, daß ihr einander liebet, auf daß, gleichwie Ich euch geliebt habe, auch ihr einander liebet. Daran werden Alle erkennen, daß ihr Meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt. - Simon Petrus spricht zu Ihm: Herr, wohin gehst Du? - Jesus antwortete ihm: Wo Ich hingehe, kannst Du Mir jetzt nicht folgen; du wirst Mir aber nachher folgen. - Petrus spricht zu Ihm: Herr! warum kann ich Dir jetzt nicht folgen? Mein Leben werde ich für Dich lassen. - Jesus antwortete ihm: Du wirst dein Leben für Mich lassen? Wahrlich, wahrlich, Ich sage Dir: Der Hahn wird nicht krähen, bis du Mich dreimal verleugnet hast.


14.


Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubet an Gott, glaubet an Mich. Im Hause Meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es aber nicht so wäre, so würde Ich es euch gesagt haben. Ich gehe hin für euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn Ich hingegangen bin und euch eine Stätte bereitet habe, komme Ich wieder und werde euch zu Mir nehmen, auf daß, wo Ich bin, auch ihr seid. Und wo Ich hingehe, wisset ihr, und den Weg wisset ihr. - Thomas spricht zu Ihm: Herr! wir wissen nicht, wo Du hingehst, und wie können wir den Weg wissen? - Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, es sei denn durch Mich. Wenn ihr Mich erkannt hättet, so würdet ihr auch Meinen Vater erkannt haben; und von jetzt an erkennt ihr Ihn und habt Ihn gesehen. - Philippus spricht zu Ihm: Herr! zeige uns den Vater und es genügt uns. - Jesus spricht zu ihm: So lange bin Ich bei euch und du hast Mich nicht erkannt, Philippus? Wer Mich gesehen, der hat den Vater gesehen; und wie, sagst du: Zeige uns den Vater?! Glaubst du nicht, daß Ich in dem Vater bin und der Vater in Mir ist? Die Worte, welche Ich zu euch rede, rede Ich nicht aus Mir selber; der Vater aber, welcher in Mir wohnt, Er tut die Werke. Glaubet Mir, daß Ich in dem Vater bin, und der Vater in Mir; wenn aber nicht, so glaubet Mir selbst um der Werke willen. Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Der an Mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die Ich tue, und wird größere, als diese tun, weil Ich zu Meinem Vater gehe. Und was immer ihr, in Meinem Namen bitten werdet, das werde Ich tun, auf daß der Vater in dem Sohne verherrlicht werde. Wenn ihr etwas in Meinem Namen bitten werdet, Ich werde es tun. Wenn ihr Mich liebet, so haltet Meine Gebote; und Ich werde den Vater bitten, und Er wird euch einen andern Sachwalter geben, daß Er bei euch bleibe in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie Ihn nicht sieht, noch Ihn kennt. Ihr aber kennt Ihn; denn Er bleibet bei euch und wird in euch sein. Ich werde euch nicht als Waisen lassen; Ich komme zu euch: Noch ein wenig, und die Welt sieht Mich nicht mehr. Ihr aber sehet Mich; weil Ich lebe, werdet auch ihr leben. An jenem Tage werdet ihr erkennen, daß Ich in Meinem Vater bin, und ihr in Mir und Ich in euch. Wer Meine Gebote hat und sie hält, Jener ist es, der Mich liebet; wer aber Mich liebet, der wird von Meinem Vater geliebt werden; und Ich werde Ihn lieben und Mich ihm offenbar machen. Spricht zu Ihm Judas, nicht der Iskariot: Und was ist es Herr, daß Du Dich uns offenbar machen willst und nicht der Welt? - Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn Jemand Mich liebet, wird er Mein Wort halten, und Mein Vater wird ihn lieben, und Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer Mich nicht liebet, hält Meine Worte nicht, und das Wort, welches ihr höret, ist nicht Mein, sondern des Vaters, der Mich gesandt hat. Dies habe Ich zu euch geredet, während Ich bei euch blieb. Der Sachwalter aber, der Heilige Geist, welchen der Vater in Meinem Namen senden wird, Jener wird euch Alles lehren und wird euch an Alles, was Ich euch gesagt habe, erinnern. Frieden lasse Ich euch; Meinen Frieden gebe Ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe Ich euch. Euer Herz sei nicht bestürzt, auch nicht furchtsam. Ihr habt gehört, daß Ich euch sagte: Ich gehe hin und komme zu euch. Wenn ihr Mich liebtet, so hättet ihr euch gefreut, daß Ich zum Vater gehe; denn Mein Vater ist größer, als Ich. Und jetzt habe Ich es euch gesagt, ehe es geschieht, auf daß ihr, wenn es geschieht, glaubt. Ich werde nicht mehr Vieles mit euch reden; denn der Fürst der Welt kommt und hat nichts in Mir, sondern auf daß die Welt erkenne, daß Ich den Vater liebe, und daß Ich also tue, wie Mir der Vater geboten hat. Stehet auf und lasset uns von hier gehen.


15.


Ich bin der wahre Weinstock, und Mein Vater ist der Ackersmann. Jede Rebe in Mir, welche nicht Frucht bringt, die nimmt Er weg; und jede, welche Frucht bringt, die reinigt Er, damit sie mehr Frucht bringe. Ihr seid schon rein um des Wortes willen, welches Ich zu euch geredet habe. Bleibet in Mir und Ich in euch. Gleichwie die Rebe nicht von sich selber Frucht bringen kann, sie bleibe denn in dem Weinstock, also auch ihr nicht, ihr bleibet denn in Mir. Ich bin der Weinstock; ihr die Reben. Wer in Mir bleibet und Ich in ihm, dieser bringt viel Frucht, denn außer Mir könnt ihr nichts tun. Wenn Jemand nicht in Mir bleibet, der wird hinausgeworfen, wie die Rebe, und verdorrt, und man sammelt dieselben und wirft sie in das Feuer und sie verbrennen. Wenn ihr in Mir bleibet und Meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, was ihr wollt und es wird euch geschehen. Hierin wird Mein Vater verherrlicht, daß ihr viel Frucht bringet, und ihr werdet Mir Jünger sein. Gleichwie mich der Vater geliebt hat, habe auch Ich euch geliebt; bleibet in Meiner Liebe. Wenn ihr Meine Gebote haltet, werdet ihr in Meiner Liebe bleiben, gleichwie Ich die Gebote Meines Vaters gehalten habe, und in Seiner Liebe bleibe. Dies habe Ich zu euch gesagt, auf daß Meine Freude in euch bleibe, und eure Freude erfüllt werde. Dieses ist Mein Gebot, daß ihr einander liebet, gleichwie Ich euch geliebt habe. Größere Liebe hat Niemand, als diese, daß Jemand sein Leben für seine Freunde läßt. Ihr seid Meine Freunde, wenn ihr Alles tut, was Ich euch gebiete. Nicht mehr nenne Ich euch Knechte, denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut, sondern Ich habe Euch Freunde genannt, weil Ich Alles, was Ich von Meinem Vater gehört, euch kund gemacht habe. Ihr habt nicht Mich auserwählt, sondern Ich habe euch auserwählt, und euch gesetzt, daß ihr hingehet und Frucht traget, und eure Frucht bleibe, auf daß, was ihr auch immer den Vater in Meinem Namen bitten werdet, Er euch gebe. Dies gebiete Ich euch, daß ihr einander liebet. Wenn euch die Welt hasset, so wisset ihr, daß sie Mich vor euch gehaßt hat. Wenn ihr von der Welt wäret, so würde die Welt das Ihre lieben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern Ich euch aus der Welt auserwählt habe, deswegen hasset euch die Welt. Erinnert euch des Wortes, welches Ich euch gesagt habe: Der Knecht ist nicht größer, als sein Herr. Wenn sie Mich verfolgt haben, werden sie auch euch verfolgen; wenn sie Mein Wort gehalten haben, werden sie auch das eure halten. Aber dies Alles werden sie euch um Meines Namens willen tun, weil sie Den nicht kennen, der Mich gesandt hat. Wenn Ich nicht gekommen wäre, und nicht zu ihnen geredet hätte, so hätten sie keine Sünde. Wer Mich hasset, hasset auch Meinen Vater. Wenn Ich nicht die Werke unter ihnen getan hätte, welche kein Anderer getan hat, hätten sie nicht Sünde. Jetzt aber haben sie beide, Mich und Meinen Vater, gesehen und gehaßt. Aber auf daß das Wort erfüllt würde, was in ihrem Gesetz geschrieben steht: "Sie haben Mich ohne Ursache gehaßt". - Wenn aber der Sachwalter gekommen ist, welchen Ich euch von dem Vater senden werde, der Geist der Wahrheit, der von dem Vater ausgehet, Er wird von Mir zeugen. Aber auch ihr zeugt, weil ihr von Anfang an bei Mir seid.


16.


Dieses habe Ich zu euch geredet, auf daß ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch von der Synagoge ausschließen. Es kommt aber die Stunde, daß Jeder, der euch tötet, meinen wird, daß er Gott einen Dienst darbringe. Und dieses werden sie tun, weil sie weder den Vater, noch Mich erkannt haben. Dieses aber habe Ich zu euch geredet, auf daß, wenn die Stunde gekommen, ihr daran gedenket, daß Ich es euch gesagt habe. Dies habe Ich euch aber von Anfang nicht gesagt, weil Ich bei euch war. Jetzt aber gehe Ich zu Dem hin, der Mich gesandt hat, und Niemand von euch fragt Mich: Wohin gehst Du? - Aber weil ich dieses zu euch geredet habe, hat die Traurigkeit euer Herz erfüllt. Doch Ich sage euch die Wahrheit: es ist euch nützlich, daß Ich hingehe. Denn wenn ich nicht hingehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen. Wenn Ich aber hingehe, werde Ich Ihn zu euch senden. Und wenn Er kommt, wird Er die Welt von der Sünde und von der Gerechtigkeit und von dem Gericht überführen. Von der Sünde, - weil sie nicht an Mich glauben; - von der Gerechtigkeit, - weil Ich zu Meinem Vater gehe, und ihr Mich nicht mehr sehet, von dem Gericht, - weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Noch Vieles habe Ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen sein wird, wird Er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn Er wird nicht aus Sich Selber reden, sondern Alles, was Er immer hören wird, wird Er reden, und das Kommende wird Er euch verkündigen. Er wird Mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird Er empfangen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, ist Mein; deswegen sagte Ich, daß Er es von dem Meinen empfängt und euch verkündigen wird. Noch ein wenig, und ihr schauet Mich nicht; und wiederum ein wenig, und ihr werdet Mich sehen, weil Ich zum Vater hingehe. - Da sprachen Etliche von Seinen Jüngern untereinander: Was ist Dieses, was Er uns sagt: "Noch ein wenig, und ihr schauet Mich nicht, und wiederum ein wenig, und ihr werdet Mich sehen," - und: "weil Ich zum Vater gehe?" - Da sagten sie: Was ist Dieses, was Er sagt: "Noch ein wenig?" Wir wissen nicht, was Er sagt. - Da vernahm Jesus, daß sie Ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Deswegen forschet ihr miteinander, daß Ich sagte: "Noch ein wenig, und ihr schauet Mich nicht, und wiederum ein wenig, und ihr werdet Mich sehen?" Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch, daß ihr weinen und wehklagen werdet; die Welt aber wird frohlocken; ihr werdet traurig sein, aber eure Traurigkeit wird zur Freude werden. Das Weib, wenn sie gebiert, hat Traurigkeit, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn aber das Kind geboren ist, so denkt sie nicht mehr an die Trübsal, um der Freude willen, daß ein Mensch zur Welt geboren ist. Ihr habet denn auch jetzt Traurigkeit; aber Ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird frohlocken, und Niemand wird eure Freude von euch nehmen. Und an jenem Tage werdet ihr Mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, Ich sage euch: Alles, was ihr irgend in meinem Namen von dem Vater bitten werdet, wird Er euch geben. Bis jetzt habt ihr nichts in Meinem Namen gebeten. Bittet, und ihr werdet empfangen, auf daß eure Freude völlig sei. Dieses habe Ich in Gleichnissen zu euch geredet; es kommt die Stunde, wo Ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch reden, sondern euch offen von dem Vater verkündigen werde. An jenem Tage werdet ihr in Meinem Namen bitten, und Ich sage euch nicht, daß Ich den Vater für euch bitten werde. Denn der Vater Selbst liebt euch, weil ihr Mich geliebt und geglaubt habt, daß Ich von Gott ausgegangen bin. Ich ging von dem Vater aus und bin in die Welt gekommen; wiederum verlasse Ich die Welt und gehe zum Vater. Seine Jünger sprachen zu Ihm: Siehe! jetzt sprichst Du offen und redest kein Gleichnis; jetzt wissen wir, daß Du Alles weißt und nicht nötig hast, daß Dich Jemand frage; - darum glauben wir, daß Du von Gott ausgegangen bist. - Jesus antwortete ihnen: Glaubet ihr jetzt? Siehe! es kommt die Stunde und ist jetzt gekommen, daß ihr werdet zerstreut sein ein Jeglicher in das Seinige, und Mich allein lassen werdet; - und Ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei Mir. Dieses habe Ich zu euch geredet, auf daß ihr in Mir Frieden habet; in der Welt habt ihr Trübsal; aber seid gutes Mutes! Ich habe die Welt überwunden.


17.


Dieses redete Jesus, und hob Seine Augen auf gen Himmel und sprach: Vater! die Stunde ist gekommen; verherrliche Deinen Sohn, auf daß auch Dein Sohn Dich verherrliche! Gleichwie Du Ihm Gewalt über alles Fleisch gegeben hast, auf daß Alles, was Du Ihm gegeben, - Er ihnen das ewige Leben gebe. Dieses aber ist das ewige Leben, daß sie Dich, den allein wahren Gott, und Den, welchen Du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen. Ich habe Dich auf der Erde verherrlicht; das Werk habe Ich vollbracht, welches Du Mir gegeben hast, daß Ich es tun sollte. Und jetzt verherrliche Du Mich, Vater, bei Dir Selbst mit der Herrlichkeit, die Ich bei Dir hatte, ehe die Welt war. Ich habe Deinen Namen den Menschen geoffenbart, welche Du Mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren Dein und Du hast sie Mir gegeben, und sie haben Dein Wort bewahrt. Jetzt haben sie erkannt, daß alle Dinge, welche Du Mir gegeben hast, von Dir sind. Denn die Worte, welche Du Mir gegeben, habe Ich ihnen gegeben; und sie haben empfangen und wahrhaftig erkannt, daß Ich von Dir ausgegangen bin, und haben geglaubt, daß Du Mich gesandt hast. Ich bitte für sie; nicht bitte Ich für die Welt, sondern für sie, die Du Mir gegeben hast, weil sie Dein sind, (und Alles das Meinige ist Dein, und das Deinige Mein), und Ich bin in ihnen verherrlicht. Und Ich bin nicht mehr in der Welt; und diese sind in der Welt, und Ich komme zu Dir. Heiliger Vater! bewahre sie in Deinem Namen, in welchem Du sie Mir gegeben hast, auf daß sie Eins seien, gleichwie Wir. Als Ich bei ihnen in der Welt war, bewahrte Ich sie in Deinem Namen. Die Du Mir gegeben hast, habe Ich behütet, und Keiner von ihnen ist verloren, es sei denn der Sohn des Verderbens, auf daß die Schrift erfüllet werde. Jetzt aber komme Ich zu Dir, und rede dieses in der Welt, damit sie Meine Freude völlig in sich haben. Ich habe ihnen Dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehaßt, denn sie sind nicht von der Welt, gleichwie Ich nicht von der Welt bin. Ich bitte nicht, daß Du sie von der Welt wegnehmest, sondern daß Du sie vor dem Bösen bewahrest. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie Ich nicht von der Welt bin. Heilige sie durch Deine Wahrheit; Dein Wort ist Wahrheit. Gleichwie Du Mich in die Welt gesandt hast, habe auch Ich sie in die Welt gesandt, und Ich heilige Mich Selbst für sie, auf daß auch sie Geheiligte seien in Wahrheit. Aber nicht für diese allein bitte Ich, sondern auch für die, durch ihr Wort an Mich Glaubenden, auf daß Alle Eins seien, gleichwie Du, Vater, in Mir, und Ich in Dir, auf daß auch sie in Uns Eins seien, auf daß die Welt glaube, daß Du Mich gesandt hast. Und Ich habe ihnen gegeben die Herrlichkeit, welche Du Mir gegeben hast, auf daß sie Eins seien, gleichwie wir Eins sind. Ich in Ihnen und Du in Mir, auf daß sie in Eins vollendet seien, und auf daß die Welt erkenne, daß Du Mich gesandt und sie geliebt hast, gleichwie Du Mich geliebt hast. Vater! Ich will, daß die Du Mir gegeben hast, auch bei Mir seien, wo Ich bin, auf daß sie Meine Herrlichkeit schauen, welche Du Mir gegeben hast; denn Du hast Mich geliebet vor Grundlegung der Welt. Gerechter Vater! und die Welt hat Dich nicht erkannt; - Ich aber habe Dich erkannt, und Diese haben erkannt, daß Du Mich gesandt hast. Und Ich habe ihnen Deinen Namen kundgetan und werde kundtun, auf daß die Liebe, womit Du Mich geliebet hast, sei in ihnen und Ich in ihnen.


18.


Als Jesus dieses geredet hatte, ging Er mit Seinen Jüngern jenseit des Baches Kedron hinaus, wo ein Garten war, in welchen Er hineinging und Seine Jünger. Aber auch Judas, Sein Überlieferer, kannte den Ort, weil Jesus daselbst Sich oft mit Seinen Jüngern versammelte. Da nimmt Judas die Schar und Diener von den Hohenpriestern und Pharisäern und kommt dahin mit Leuchten, Fackeln und Waffen. Jesus nun, Alles wissend, was über Ihn kommen würde, ging hinaus und sprach zu ihnen: Wen suchet ihr? - Sie antworteten Ihm: Jesum, den Nazaräer! - Spricht Jesus zu ihnen: ICH BIN! - Aber auch Judas, der Ihn überlieferte, stand bei ihnen. - Als Er nun zu ihnen sagte: "ICH BIN!" traten sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte Er sie wiederum: Wen suchet ihr? - Sie aber sprachen: Jesum, den Nazaräer. - Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, daß ICH BIN; wenn ihr denn Mich suchet, so lasset Diese gehen; auf daß das Wort erfüllet würde, welches Er sagte: "Die Du Mir gegeben hast, - von ihnen habe Ich Keinen verloren." - Simon Petrus nun, welcher ein Schwert hatte, zog es aus und schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb sein rechtes Ohr ab. Der Name aber des Knechts war Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Stecke das Schwert in die Scheide! Den Kelch, welchen Mir der Vater gegeben, soll Ich den nicht trinken? Da nahmen die Schar, und der Hauptmann über Tausend, und die Amts-Diener der Juden Jesum, und banden Ihn. Und sie führten Ihn zuerst zu Annas, denn er war Schwiegervater des Kajaphas, welcher jenes Jahr Hoherpriester war. Kajaphas aber war es, der den Juden den Rat gegeben hatte, es sei nützlich, daß Ein Mensch für das Volk umkomme. - Simon Petrus aber folgte Jesu nach und der andere Jünger. Dieser Jünger aber war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesu in den Hof des Hohenpriesters hinein. Petrus aber stand an dem Tor draußen. Da ging der andere Jünger, welcher dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und sprach mit der Türhüterin und führte Petrus hinein. Da spricht die Magd, die Türhüterin, zu Petrus: Bist du auch Einer von den Jüngern Dieses Menschen? Er sagt: Ich bin es nicht. Es standen aber die Knechte und die Diener, welche ein Kohlenfeuer angemacht hatten, weil es kalt war, und wärmten sich; Petrus aber stand bei ihnen und wärmte sich. Da fragte der Hohepriester Jesum über Seine Jünger und über Seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe öffentlich zu der Welt geredet; Ich habe stets in der Synagoge und im Tempel, wo alle Juden zusammen kommen, gelehrt; und nichts habe Ich im Verborgenen geredet; was fragst du Mich? Frage Die, welche gehört haben, was Ich zu ihnen geredet; siehe! Diese wissen, was Ich gesagt habe. - Als Er aber dieses gesagt hatte, gab einer der Diener, der dabei stand, Jesu einen Backenstreich, sagend: Antwortest Du also dem Hohenpriester? - Jesus antwortete ihm: Habe Ich übel geredet, gib Zeugnis von dem Übel; wenn aber recht, was schlägst du Mich? - Annas sandte Ihn gebunden zu Kajaphas, dem Hohenpriester. Simon Petrus aber stand und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: Bist du auch von Seinen Jüngern? - Er leugnete und sprach: Ich bin es nicht. - Spricht einer von den Knechten des Hohenpriesters, der ein Verwandter Dessen war, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte: Sah ich dich nicht in dem Garten bei Ihm? - Da leugnete Petrus wiederum, - und alsbald krähte der Hahn. Da führen sie Jesum von Kajaphas in das Prätorium; - es war aber früh morgens. Und sie selbst gingen nicht in das Prätorium hinein, damit sie sich nicht verunreinigten, sondern daß sie das Passah essen möchten. - Da ging Pilatus zu ihnen hinaus und sprach: Welche Anklage bringt ihr wider diesen Menschen? - Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wenn Dieser nicht ein Übeltäter wäre, so würden wir Ihn dir nicht überliefert haben. - Da sprach Pilatus zu ihnen: Nehmt ihr Ihn und richtet Ihn nach eurem Gesetz. - Da sprachen die Juden zu ihm: Es ist uns nicht erlaubt, Jemanden zu töten. - Auf daß das Wort Jesu erfüllt würde, welches Er sprach, anzeigend, welches Todes Er sterben sollte. - Da ging Pilatus wiederum in das Prätorium, und rief Jesum und sprach zu Ihm: Bist Du der König der Juden? - Jesus antwortete ihm: Sagst du dieses aus dir selber, oder haben Andere dir von Mir gesagt? - Pilatus antwortete: Bin ich ein Jude? Dein Volk und die Hohenpriester haben Dich mir überliefert; - was hast Du getan? - Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn Mein Reich von dieser Welt wäre, so hätten Meine Diener gekämpft, auf daß Ich den Juden nicht überliefert würde; jetzt aber ist Mein Reich nicht von hier. - Da sprach Pilatus zu Ihm: Bist Du also nicht ein König? - Jesus antwortete: Du sagst es, daß Ich ein König bin; Ich bin hierzu geboren und hierzu in die Welt gekommen, auf daß Ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört Meine Stimme. - Pilatus spricht zu Ihm: Was ist Wahrheit? - Und als er dies gesagt, ging er wiederum zu den Juden hinaus und spricht zu ihnen: Ich finde keine Schuld an Ihm; ihr habt aber eine Gewohnheit, daß ich euch Einen an dem Passah losgebe. Wollt ihr nun, daß ich euch den König der Juden losgebe? Da riefen wiederum Alle, sagend: Nicht Diesen, sondern den Barabbas! - Barabbas aber war ein Räuber.


19.


Da nahm nun Pilatus Jesum und geißelte Ihn. Und die Kriegsknechte flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf Sein Haupt, und warfen Ihm ein Purpurkleid um und sagten: Sei gegrüßt, König der Juden! - und sie gaben Ihm Backenstreiche. Da ging Pilatus wieder hinaus und spricht zu ihnen: Siehe! ich führe Ihn euch heraus, damit ihr wisset, daß ich keine Schuld an Ihm finde, - (da ging Jesus hinaus, tragend die Dornenkrone und das Purpurkleid) - und er spricht zu ihnen: Siehe! der Mensch! - Als Ihn nun die Hohenpriester und die Diener sahen, riefen sie, sagend: Kreuzige, kreuzige Ihn! - Pilatus spricht zu ihnen: Nehmt ihr Ihn hin und kreuzigt Ihn; denn ich finde keine Schuld an Ihm. - Die Juden antworteten ihm: Wir haben ein Gesetz, und nach unserem Gesetz muß Er sterben, weil Er Sich Selbst zu Gottes Sohn gemacht hat. Als nun Pilatus diese Worte hörte, fürchtete er sich noch mehr, und er ging wieder in das Prätorium und spricht zu Jesu: Wo bist Du her? - Jesus aber gab ihm keine Antwort. Spricht nun Pilatus zu Ihm: Redest Du nicht mit mir? Weißt Du nicht, daß ich Gewalt habe, Dich zu kreuzigen, und Gewalt habe, Dich loszugeben? - Jesus antwortete: Du hättest keine Gewalt wider Mich, wenn sie dir nicht von Oben gegeben wäre; deswegen hat der, welcher Mich dir überliefert hat, größere Sünde. - Von da an suchte Pilatus, Ihn loszugeben. Die Juden aber riefen, sagend: Wenn du Diesen losgibst, bist du des Kaisers Freund nicht. Jeder, der sich selber zum König macht, spricht wider den Kaiser. Als Pilatus nun dies Wort hörte, führte er Jesum hinaus, und setzte sich auf den Richtstuhl an einen Ort, genannt Steinpflaster, auf hebräisch aber Gabbatha. - Es war aber Rüsttag des Passah und um die sechste Stunde. Und er spricht zu den Juden: Siehe! euer König! - Sie aber riefen: Weg, weg mit Ihm! Kreuzige Ihn! - Pilatus spricht zu ihnen: Euern König soll ich kreuzigen? - Die Hohenpriester antworteten: Wir haben keinen König, als den Kaiser. - Da überlieferte er Ihn ihnen, auf daß Er gekreuzigt würde. Sie aber nahmen Jesum hin und führten Ihn weg. Und Sein Kreuz tragend, ging Er hinaus nach der Stätte, genannt Schädelstätte, die auf hebräisch heißt: Golgatha, wo sie Ihn kreuzigten, und mit Ihm zwei Andere, auf dieser und auf jener Seite; in der Mitte aber Jesum. Pilatus schrieb aber auch einen Titel und setzte ihn auf das Kreuz. Es war aber geschrieben: Jesus, der Nazaräer, der König der Juden. - Diesen Titel nun lasen viele von den Juden; denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt; und es war geschrieben auf Hebräisch, Griechisch, Römisch. - Da sagten die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreibe nicht: Der König der Juden, sondern daß Jener gesagt hat: Ich bin König der Juden! - Pilatus antwortete: Was ich geschrieben, habe ich geschrieben. - Die Kriegsknechte nun, als sie Jesum gekreuzigt hatten, nahmen Seine Kleider (und machten vier Teile, einem jeglichen Kriegsknechte ein Teil) und den Leibrock. Es war aber der Leibrock ohne Naht, von oben an ganz gewebt. Da sprachen sie unter einander: Laßt uns ihn nicht zerteilen, sondern um ihn losen, wessen er sein wird. Auf daß die Schrift erfüllt würde, welche spricht: "Sie haben Meine Kleider unter sich verteilt, und um Meinen Rock haben sie das Los geworfen." - Dies haben nun die Kriegsknechte getan. Es standen aber bei dem Kreuze Jesu Seine Mutter und die Schwester Seiner Mutter, Maria, des Kleopas Weib, und Maria Magdalena. Als nun Jesus die Mutter sah, und den Jünger dabei stehen, welchen Er liebte, spricht Er zu Seiner Mutter: Weib, siehe, dein Sohn! - Sodann spricht Er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! - Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich. - Darnach spricht Jesus, wissend, daß Alles bereits vollbracht war, auf daß die Schrift vollendet würde: Mich dürstet! - Es stand nun ein Gefäß voll Essig daselbst. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig, und legten ihn um einen Ysop, und brachten ihn an Seinen Mund. Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach Er: Es ist vollbracht! Und Er neigte das Haupt und übergab den Geist. Die Juden nun, damit die Leiber nicht am Sabbath am Kreuze blieben, weil es Rüsttag war, (denn der Tag jenes Sabbaths war groß), baten den Pilatus, daß ihre Beine gebrochen, und daß sie weggenommen werden möchten. Da kamen die Kriegsknechte, und brachen die Beine des Ersten, und des Andern, der mit Ihm gekreuzigt worden war. Als sie aber, zu Jesu kommend, sahen, daß Er schon gestorben war, zerbrachen sie Seine Beine nicht, sondern einer der Kriegsknechte durchbohrte mit einem Speer Seine Seite; und alsbald kam Blut und Wasser hervor. Und der, welcher es gesehen hat, hat es bezeugt; und sein Zeugnis ist wahr, und er weiß, daß Er sagt, was wahr ist, auf daß auch ihr glaubet. Denn dieses geschah, auf daß die Schrift erfüllt würde: "Kein Bein von Ihm wird gebrochen werden." Und wiederum sagt eine andere Schrift: "Sie werden Den anschauen, in welchen sie gestochen haben." Darnach aber bat Joseph von Arimathia, welcher ein Jünger Jesu war, aber aus Furcht vor den Juden ein verborgener, den Pilatus, daß er den Leib Jesu abnehmen dürfe. Und Pilatus erlaubte es. Er kam denn und nahm den Leib Jesu weg. Es kam aber auch Nikodemus, - welcher zuerst bei Nacht zu Jesu gekommen war, - bringend eine Mischung von Myrrhen und Aloe, bei hundert Pfund. Sie nahmen nun den Leib Jesu, wie es bei den Juden Sitte ist, zu begraben. Es war aber an dem Orte, wo Er gekreuzigt wurde, ein Garten, und in dem Garten eine neue Gruft, in welche noch nie Jemand gelegt worden war. Dorthin denn, wegen des Rüsttages der Juden, weil das Grab nahe war, legten sie Jesum.


20.


An dem ersten Wochentage aber kommt Maria Magdalena früh, als es noch finster war, zur Gruft, uns sieht, daß der Stein von der Gruft weggenommen ist. Da läuft sie und kommt zu Simon Petrus und zu dem andern Jünger, welchen Jesus liebte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn aus der Gruft weggenommen, und wir wissen nicht, wo sie Ihn hingelegt haben. Da ging Petrus hinaus, und der andere Jünger, und sie gingen zu der Gruft. Die Beiden aber liefen zusammen, und der andere Jünger lief vor, schneller als Petrus, und kam zuerst zu der Gruft. Und sich vornüberbückend, sieht er die Leintücher liegen; jedoch ging er nicht hinein. Da kommt Simon Petrus, ihm nachfolgend, und ging in die Gruft hinein und sieht die Leintücher liegen, und das Schweißtuch, welches um Sein Haupt war, nicht bei den Leintüchern liegen, sondern eingewickelt besonders an einem Orte. Da ging nun auch der andere Jünger hinein, der zuerst zu der Gruft kam, und sah und glaubte. Denn sie wußten die Schrift noch nicht, daß Er aus den Toten auferstehen mußte. Da gingen die Jünger wieder weg nach Hause. Maria aber stand bei der Gruft und weinte draußen. Als sie nun weinte, bückte sie sich vornüber in die Gruft. Und sie sieht zwei Engel in weißen Kleidern sitzen, Einen zu dem Haupte und Einen zu den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. Und Jene sagen zu ihr: Weib, warum weinest du? - Sie spricht zu ihnen: Weil sie meinen Herrn weggenommen haben, und ich nicht weiß, wo sie Ihn hingelegt haben. - Als sie dieses gesagt hatte, wandte sie sich zurück und sieht Jesum stehen; und sie wußte nicht, daß es Jesus sei. Spricht Jesus zu ihr: Weib, warum weinest du? Wen suchest du? - Sie, meinend, es sei der Gärtner, spricht zu Ihm: Herr, hast du Ihn weggetragen, so sage mir, wo du Ihn hingelegt hast, und ich werde Ihn wegholen. - Jesus spricht zu ihr: Maria! - Sie wendet sich um und spricht zu Ihm: Rabbuni! das heißt: Lehrer! - Jesus spricht zu ihr: Rühre Mich nicht an; denn Ich bin noch nicht aufgefahren zu Meinem Vater. Gehe aber zu Meinen Brüdern hin, und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu Meinem Vater und eurem Vater, zu Meinem Gott und eurem Gott! - Maria Magdalena kommt und verkündigt den Jüngern, daß sie den Herrn gesehen, und daß Er dies zu ihr gesagt habe. Als es nun Abend war an jenem Tage, dem ersten der Woche, und die Türen verschlossen waren, wo die Jünger versammelt waren, aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und stand in der Mitte und spricht zu ihnen: Friede euch! - Und als Er dieses gesagt hatte, zeigte Er ihnen Seine Hände und Seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Da sprach wiederum Jesus zu ihnen: Friede euch! Gleichwie Mich der Vater gesandt hat, sende Ich auch euch. - Und als Er dieses gesagt hatte, hauchte Er sie an und spricht zu ihnen: Empfanget den Heiligen Geist. Welchen ihr irgend die Sünden vergebet, denen sind sie vergeben, und welchen ihr irgend sie behaltet, sind sie behalten. - Thomas aber, Einer von den Zwölfen, genannt Zwilling, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die andern Jünger zu ihm. Wir haben den Herrn gesehen! - Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, ich sehe in Seinen Händen die Nägelmale, und lege meinen Finger in die Nägelmale, und lege meine Hand in Seine Seite, werde ich nicht glauben. - Und nach acht Tagen waren Seine Jünger wiederum drinnen und Thomas mit ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und stand in der Mitte und sprach: Friede euch! - Dann spricht Er zu Thomas: Reiche deinen Finger her, und besiehe Meine Hände, und reiche deine Hand und lege sie in Meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. - Thomas antwortete und sprach zu Ihm: Mein Herr und mein Gott! - Spricht Jesus zu ihm: Weil du Mich gesehen hast, hast du geglaubt. Glückselig Die, welche nicht gesehen, und geglaubt haben! Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor Seinen Jüngern getan, welche nicht in diesem Buche geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, auf daß ihr glaubet, daß Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und daß ihr glaubend das Leben habet in Seinem Namen.


21.


Darnach offenbarte Sich Jesus wiederum den Jüngern am See Tiberias. Er offenbarte Sich aber also: Es waren Simon Petrus und Thomas, genannt Zwilling, und Nathanael, der aus Kana von Galiläa, und die Söhne Zebedäi, und andere zwei von Seinen Jüngern zusammen. - Simon Petrus spricht zu ihnen: Ich gehe hin fischen. - Sie sprechen zu ihm: Auch wir gehen mit dir. - Sie gingen weg und stiegen alsbald in das Schiff, und in jener Nacht fingen sie nichts. Als es aber schon frühmorgens geworden war, stand Jesus am Ufer. Doch wußten die Jünger nicht, daß es Jesus sei. Da spricht Jesus zu ihnen: Kindlein, habt ihr etwas zu essen? - Sie antworteten Ihm: Nein. - Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz auf die rechte Seite des Schiffes aus, und ihr werdet finden. - Da warfen sie aus, und konnten es vor der Menge der Fische nicht mehr ziehen. - Da sagt jener Jünger, welchen Jesus liebte, zu dem Petrus: Es ist der Herr! - Simon Petrus denn, als er hörte, daß es der Herr sei, umgürtete sich mit dem Oberkleide, - denn er war nackend, - und warf sich in den See. Die andern Jünger aber kamen in dem Schifflein, - (denn sie waren nicht weit von dem Lande, sondern bei zweihundert Ellen), - das Netz mit den Fischen nachziehend. - Als sie nun ans Land ausstiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer liegen und Fisch darauf, und Brot. - Spricht Jesus zu ihnen: Bringt her von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt. - Simon Petrus ging hinauf und zog das Netz voll großer Fische, - hundert drei und fünfzig, - auf das Land; und wiewohl ihrer soviel waren, zerriß das Netz nicht. - Jesus spricht zu ihnen: Kommt her, frühstückt! - Keiner aber von den Jüngern wagte Ihn zu fragen: Wer bist Du? denn sie wußten, daß es der Herr sei. Jesus kommt nun und nimmt das Brot und gibt ihnen, und gleicherweise Fisch. - Dieses ist schon das dritte Mal, daß sich Jesus Seinen Jüngern offenbarte, nachdem Er aus den Toten auferweckt war. Als sie nun gefrühstückt hatten, spricht Jesus zu Simon Petrus: Simon Jona, liebst du Mich mehr, als diese? - Er spricht zu Ihm: Ja, Herr, Du weißt, daß ich Dich lieb habe. - Spricht Er zu ihm: Weide Meine Lämmlein. - Wiederum spricht Er zum zweitenmal zu ihm: Simon Jona, liebst du Mich? - Er spricht zu Ihm: Ja, Herr, Du weißt, daß ich Dich lieb habe. - Spricht Er zu ihm: Hüte Meine Schafe. - Spricht er zum drittenmal zu ihm: Simon Jona! Hast du Mich lieb? - Petrus ward traurig, daß Er zum drittenmal zu ihm sagte: "Hast du Mich lieb", - und sprach zu Ihm: Herr, Du weißt Alles; Du erkennest, daß ich Dich lieb habe. - Jesus spricht zu ihm: Weide Meine Schafe! Wahrlich, wahrlich, Ich sage dir: Als du jünger warst, gürtetest du dich selbst, und wandeltest, wohin du wolltest; wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein Anderer wird dich gürten und hinbringen, wo du nicht hin willst. - Dieses aber sagte Er, andeutend, mit welchem Tode er Gott verherrlichen sollte. - Und als Er dieses gesagt, spricht Er zu ihm: Folge Mir nach! - Petrus aber wandte sich um und sieht den Jünger nachfolgen, welchen Jesus liebte, welcher sich auch bei dem Mahle an Seine Brust lehnte und sagte: "Herr, wer ist es, der Dich überliefert." - Als diesen Petrus sah, spricht er zu Jesu: Herr! was aber Dieser? - Jesus spricht zu ihm: Wenn Ich will, daß er bleibe, bis Ich komme, was geht es dich an! Du folge Mir nach! - Da ging dieses Wort unter die Brüder aus: Jener Jünger stirbt nicht. - Und Jesus sagte nicht zu ihm, daß er nicht sterbe, sondern: "Wenn Ich will, daß er bleibe, bis Ich komme, was geht es dich an!" Dieser ist der Jünger, der von diesen Dingen zeugt, und der dieses geschrieben hat; und wir wissen, daß sein Zeugnis wahr ist. Es gibt aber auch viele andere Dinge, welche Jesus getan hat; und wenn sie, jedes einzeln geschrieben würden, so würde, dünkt mich, selbst die Welt die geschriebenen Bücher nicht fassen.



Die Apostelgeschichte.


1.


Die erste Schrift habe ich verfaßt, o Theophilus, von Allem, was Jesus anfing, beides, zu tun und zu lehren, bis zu dem Tage, daß Er aufgenommen ward, nachdem Er den Aposteln, die Er sich auserwählt, durch den Heiligen Geist Befehl gegeben hatte; welchen Er sich auch nach Seinem Leiden lebendig dargestellt hat in vielen sichern Kennzeichen, - vierzig Tage von ihnen gesehen worden, und redend über die Dinge des Reiches Gottes. Und als Er mit ihnen versammelt war, befahl Er ihnen, daß sie sich von Jerusalem nicht entfernen sollten, sondern die Verheißung des Vaters erwarten, - welche ihr von Mir gehört habt. Denn Johannes taufte wohl mit Wasser; ihr aber werdet nach nicht vielen Tagen mit dem Heiligen Geiste getauft werden. - Sie nun, als sie zusammen gekommen waren, fragten Ihn, sagend: Herr! stellst Du in dieser Zeit das Reich dem Israel wieder her? - Er aber sprach zu ihnen: Es ist nicht eure Sache, Zeit oder Zeiten zu wissen, welche der Vater in Seiner eigenen Gewalt gesetzt hat. Aber ihr werdet Kraft empfangen, indem der Heilige Geist auf euch kommt; und ihr werdet Mir Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria, und bis an das Ende der Erde. - Und als Er dieses gesagt hatte, ward Er, indem sie zusahen, aufgehoben, und eine Wolke nahm Ihn vor ihren Augen auf. Und wie sie unverwandt gen Himmel hinschauten, als Er auffuhr, - siehe! da traten zwei Männer in weißem Kleide zu ihnen, welche auch sprachen: Ihr Männer von Galiläa, was stehet ihr, hinauf gen Himmel blickend? Dieser Jesus, der von euch in den Himmel aufgenommen ist, wird also kommen, wir ihr Ihn gen Himmel habt auffahren sehen. Da kehrten sie nach Jerusalem zurück von dem Berge, genannt Ölberg, der nahe bei Jerusalem ist, einen Sabbather Weg entfernt. Und als sie hineingekommen waren, stiegen sie auf den Obersaal, wo sie blieben. Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas, Philippus und Thomas, Bartholomäus und Matthäus, Jakobus, Sohn Alphäi, und Simon der Eiferer und Judas, Bruder Jakobi. Diese Alle hielten sich einmütig am Gebet und am Flehen mit den Weibern und mit Maria, der Mutter Jesu und mit Seinen Brüdern. Und in diesen Tagen stand Petrus in der Mitte der Jünger auf, und sprach (es war aber die Menge der Namen zusammen an hundert und zwanzig): Männer! Brüder! Diese Schrift mußte erfüllt werden, welche der Heilige Geist durch den Mund Davids über Judas, der Denen, die Jesum gegriffen haben, ein Wegweiser geworden ist, zuvor gesagt hat. Denn er war unter uns gezählt, und hat das Los dieses Dienstes empfangen. (Dieser nun hat sich zwar von dem Lohn der Ungerechtigkeit einen Acker erworben, und ist, kopfüber gestürzt, mitten entzwei geborsten, und alle seine Eingeweide sind ausgeschüttet. Und es ist allen Einwohnern zu Jerusalem kund geworden, so daß jener Acker in ihrer eigenen Mundart genannt worden ist: Akeldama, das ist: Blutacker). Denn es steht in dem Buch der Psalmen geschrieben: "Seine Wohnung sei wüste und Niemand wohne darin", und: "Sein Aufseher-Amt empfange ein Anderer." Von den Männern denn, die mit uns zusammen gegangen sind in all´ der Zeit, in welcher der Herr Jesus bei uns ein- und ausging, anfangend von der Taufe Johannis bis zu dem Tage, wo Er von uns aufgenommen worden ist, - von Denen muß Einer ein Zeuge Seiner Auferstehung mit uns werden. Und sie stellten zwei dar: Joseph, genannt Barsabas, mit Zunamen "der Gerechte", und Matthias. Und nachdem sie gebetet, sprachen sie: Du Herr, Herzenskündiger von Allen! zeige uns von diesen beiden den Einen an, welchen Du auserwählt hast, um das Los dieses Dienstes und Apostelamtes zu empfangen, von welchem Judas abgewichen ist, um an seinen Ort zu gehen. Und sie gaben ihre Lose ab, und das Los fiel auf Matthias, und er ward zu den elf Aposteln gezählt.


2.


Und als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie Alle einmütig zusammen. Und plötzlich kam aus dem Himmel ein Brausen, wie eines rauschenden, gewaltigen Windes, und erfüllte das ganze Haus, wo sie saßen. Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und Es setzte sich auf einen Jeglichen von ihnen. Und sie wurden Alle von dem Heiligen Geiste erfüllt, und fingen an, in fremden Sprachen zu reden, wie der Geist es ihnen auszusprechen gab. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, gottesfürchtige Männer, von allem Volk derer, die unter dem Himmel sind. Als aber diese Stimme geschah, kam die Menge zusammen und ward bestürzt; denn die hörten sie, ein Jeglicher in seiner eigenen Mundart, reden. Sie erstaunten aber Alle und verwunderten sich, zu einander sagend: Siehe! sind nicht alle Diese, welche reden, Galiläer? Und wie hören wir, Jeglicher in unserer eigenen Mundart, in der wir geboren sind: Parther und Meder, und Elamiter und die Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadocien, Pontus und Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und von den Gegenden von Libyen, gegen Kyrene, und die hier verweilenden Römer, Juden und auch Proselyten, Kreter und Araber; wie hören wir sie die großen Taten Gottes in unsern Sprachen reden? Sie kamen aber Alle außer sich und wurden ungewiß, - Einer zum Andern sagend: Was will dies werden? Andere aber sagten spottend: Sie sind voll von süßem Wein. Petrus aber, mit den Elfen aufstehend, erhob seine Stimme und redete feierlich ernst zu ihnen: Jüdische Männer, und ihr Alle, die ihr zu Jerusalem wohnt! Dieses sei euch kund, und nehmt zu Ohren meine Worte! Denn diese sind nicht trunken, wie ihr meint, denn es ist erst die dritte Stunde des Tages; sondern dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist: "Und es wird in den letzten Tagen geschehen, spricht Gott, Ich werde von Meinem Geist auf alles Fleisch ausgießen, und eure Söhne und eure Töchter werden weissagen, und eure Jünglinge werden Gesichte sehen, und eure Ältesten werden Träume träumen; und sogar auf Meine Knechte und auf Meine Mägde werde Ich in jenen Tagen von Meinem Geist ausgießen, und sie werden weissagen. Und Ich werde Wunder geben in dem Himmel oben, und Zeichen auf der Erde unten, Blut und Feuer und Rauchdampf. Die Sonne wird in Finsternis, und der Mond in Blut verwandelt werden, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt. Und es wird sein, Jedweder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden." Männer von Israel, höret diese Worte: Jesus, den Nazaräer, einen Mann, von Gott an euch erwiesen durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen, welche Gott durch Ihn in eurer Mitte tat, wie ihr auch selbst wißt, - Diesen, nach dem bestimmten Ratschluß und Vorkenntnis Gottes übergeben, habt ihr genommen und durch gesetzlose Hände angeheftet und umgebracht. Den hat Gott, als Er die Wehen des Todes aufgelöst hatte, auferweckt, wie es denn nicht möglich war, daß Er von demselben behalten würde. Denn David sagt über Ihn: "Ich sah den Herrn allezeit vor Mir; denn Er ist zu Meiner Rechten, daß Ich nicht wanke; deswegen ist Mein Herz freudig gewesen; und Meine Zunge hat frohlockt; ja auch Mein Fleisch wird in Hoffnung ruhen; denn Du wirst Meine Seele nicht in dem Hades zurücklassen, noch Deinen Frommen hingeben Verwesung zu sehen. Du hast Mir Wege des Lebens kund getan, Du wirst Mich mich mit Freude erfüllen mit Deinem Angesicht." Männer! Brüder! Es sei erlaubt, mit Freimütigkeit von dem Patriarchen David zu euch zu reden, daß er sowohl gestorben als begraben ist, und sein Grab ist bis auf diesen Tag unter uns. Da er nun ein Prophet war und wußte, daß Gott ihm mit einem Eide geschworen, aus der Frucht seiner Lende, was Fleisch betrifft, den Christus zu erwecken, um Ihn auf Seinen Thron zu setzen, hat er, voraussehend, von der Auferstehung Christi geredet, daß Seine Seele nicht in dem Hades zurückgelassen war, noch Sein Fleisch Verwesung gesehen hat. Diesen Jesum hat Gott auferweckt, wovon wir Alle Zeugen sind. Indem Er daher zur Rechten Gottes erhöht ist und die Verheißung des Heiligen Geistes von dem Vater empfangen hat, hat Er ausgegossen Dieses, was ihr jetzt sehet und höret. Denn nicht David ist in die Himmel aufgefahren, sondern er sagt selbst: "Der Herr hat zu meinem Herrn gesagt: Setze Dich zu Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde zum Schemel Deiner Füße lege." Das ganze Haus Israel wisse denn zuverlässig, daß Gott diesen Jesum, den ihr gekreuzigt habt, sowohl zum Herrn als auch zum Christus gemacht hat. Als sie aber dies hörten, schnitt es ihnen durch´s Herz, und sie sprachen zu dem Petrus und den andern Aposteln: Was sollen wir tun, Männer, Brüder? - Petrus aber sprach zu ihnen: Tut Buße, und Jeder von euch werde getauft auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung der Sünden; und ihr werdet die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Denn euch ist die Verheißung und euren Kindern, und Allen in der Ferne, so Viele der Herr unser Gott herzurufen wird. - Und mit mehreren andern Worten bezeugte und ermahnte er, sagend: Rettet euch von diesem verkehrten Geschlecht. - Die nun bereitwillig sein Wort annahmen, wurden getauft, und wurden an jenem Tage bei drei tausend Seelen hinzugetan. Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel, und in der Gemeinschaft, und in dem Brechen des Brotes, und in den Gebeten. - Es kam aber jede Seele Furcht an; und es geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel. Die Gläubigen Alle aber waren zusammen und hatten Alles gemein. Und sie verkauften die Habe und die Güter, und verteilten sie an Alle, wie Jeder Bedürfnis hatte. Und täglich einmütig im Tempel verharrend, und zu Hause das Brot brechend, nahmen sie Speise mit Frohlocken und Einfalt des Herzens, und lobten Gott und hatten Gunst bei dem ganzen Volk. Der Herr aber tat täglich zu der Versammlung hinzu, die gerettet werden sollten.


3.


Um die Stunde des Gebets aber, die neunte, gingen Petrus und Johannes zusammen hinauf in den Tempel. Und ein gewisser Mann, der von seiner Mutter Leibe an lahm war, ward getragen, welchen sie täglich an die Pforte des Tempels, die die Schöne heißt, setzten, um von Denen, die in den Tempel eingingen, ein Almosen zu bitten. Dieser, Petrus und Johannes sehend, wie sie in den Tempel eintreten wollten, bat, daß er ein Almosen bekäme. Petrus aber, unverwandt mit Johannes auf ihn hinsehend, sprach: Sieh uns an! - Er aber gab Acht auf sie, in der Erwartung, etwas von ihnen zu bekommen. - Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir: In dem Namen Jesu Christi, des Nazaräers, stehe auf und wandele. - Und er griff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf; und auf der Stelle wurden seine Füße und seine Knöchel fest. Und aufspringend, stand er und wandelte und ging mit ihnen in den Tempel, wandelnd und springend und Gott lobend. Und das ganze Volk sah ihn wandeln und Gott loben; und sie erkannten ihn, daß er Der war, welcher um das Almosen an der "schönen" Pforte des Tempels saß; und sie waren mit Bewunderung und Entsetzen über das erfüllt, was sich mit ihm ereignet hatte. Da er sich aber zu dem Petrus und Johannes hielt, lief das ganze Volk voll Erstaunen zu ihnen in der Säulenhalle zusammen, welche Salomons genannt wird. Petrus aber, es sehend, antwortete dem Volke: Männer von Israel! Was verwundert ihr euch hierüber, oder was sehet ihr unverwandt auf uns, als hätten wir aus eigener Kraft oder Frömmigkeit ihn wandeln gemacht? Der Gott Abrahams und Isaaks und Jakobs, der Gott unserer Väter, hat Seinen Knecht Jesum verherrlicht, welchen ihr zwar überliefert und Angesichts des Pilatus, als er Ihn loszugeben urteilte, verleugnet habt. Ihr aber habt den Heiligen und Gerechten verleugnet und gebeten, daß euch ein Mörder geschenkt würde; den Fürsten des Lebens aber habt ihr getötet; welchen Gott aus den Toten auferweckt hat, wovon wir Zeugen sind. Und durch den Glauben an Seinen Namen, hat Sein Name diesen, den ihr sehet und kennet, stark gemacht; und der Glaube, welcher durch Ihn ist, hat ihm vor euch Allen diese vollkommene Gesundheit gegeben. Und jetzt, Brüder! ich weiß, daß ihr in Unwissenheit gehandelt habt, gleichwie auch eure Obersten. Gott aber hat, was Er durch den Mund aller Seiner Propheten zuvor verkündigt hat, daß der Christus leiden sollte, also erfüllt. So tut nun Buße und bekehret euch, daß eure Sünden ausgetilgt werden, daß Zeiten der Erquickung von dem Angesicht des Herrn kommen möchten, und daß Er euch den zuvor verordneten Jesum Christum senden möchte; welchen freilich der Himmel empfangen muß bis zu den Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge, wovon Gott von je her durch den Mund Seiner heiligen Propheten geredet hat. Moses hat wohl zu den Vätern gesagt: "Einen Propheten wie mich, wird euch der Herr euer Gott aus euren Brüdern erwecken; Ihn sollt ihr hören in Allem, was Er irgend zu euch reden wird. Es wird aber sein: jede Seele, die jenen Propheten nicht hören wird, wird aus dem Volk ausgerottet werden." Aber auch die Propheten alle, von Samuel an und der Reihe nach, so Viele ihrer geredet, haben auch diese Tage verkündigt. Ihr seid die Söhne der Propheten und des Bundes, welchen Gott unsern Vätern verordnet hat, zu Abraham sagend: "Und in deinem Samen werden alle Geschlechter der Erde gesegnet werden. Euch zuerst hat Gott, als Er Seinen Knecht erweckte, Ihn gesandt, euch segnend, indem Er euch, einen Jeglichen von euren Bosheiten abwendet.


4.


Während sie aber zu dem Volke redeten, kamen die Priester und der Hauptmann des Tempels und die Sadducäer auf sie zu, welche es verdroß, daß sie das Volk lehrten und in Jesu die Auferstehung aus den Toten verkündigten. Und sie legten die Hände an sie, und setzten sie bis auf den Morgen in Gewahrsam; denn es war schon Abend. Viele aber Derer, die das Wort gehört hatten, wurden gläubig; und die Zahl der Männer ward bei fünftausend. Es geschah aber des andern Tages, daß ihre Obersten und Ältesten und Schriftgelehrten zu Jerusalem versammelt waren, und Annas, der Hohepriester, und Kajaphas und Johannes und Alexander, und so Viele ihrer vom hohenpriesterlichen Geschlecht waren; und als sie sie in ihre Mitte gestellt hatten, fragten sie: Durch welche Macht oder durch welchen Namen habt ihr Dies getan? - Da sprach Petrus, erfüllt von dem Heiligen Geiste, zu ihnen: Oberste des Volks und Älteste von Israel! Wenn wir heute über die Wohltat an einem kranken Menschen verhört werden, wodurch dieser geheilt worden ist, so sei euch allen und dem ganzen Volke Israel kund, daß in dem Namen Jesu Christi, des Nazaräers, welchen ihr gekreuzigt habt, welchen Gott aus den Toten auferweckt hat, in Ihm dieser gesund vor euch steht. Dieser ist der Stein, der von euch, den Bauleuten, für nichts geachtet, der zum Eckstein geworden ist. Und es ist in keinem Andern das Heil; denn es ist auch kein anderer Name unter dem Himmel unter den Menschen gegeben, in welchem wir errettet werden müssen. Als sie aber die Freimütigkeit des Petrus und des Johannes sahen und vernahmen, daß es ungelehrte und unkundige Leute seien, verwunderten sie sich; und sie erkannten sie, daß sie mit dem Jesu waren. Den Menschen aber, der geheilt war, bei ihnen stehen sehend, hatten sie nichts dawider zu sagen. Als sie ihnen aber befohlen hatten, aus dem Synedrium zu gehen, überlegten sie miteinander, sagend: Was sollen wir diesen Menschen tun? Denn daß ein kundbares Zeichen durch sie geschehen, ist Allen, die zu Jerusalem wohnen, offenbar, und wir können es nicht leugnen. Aber auf daß es nicht weiter unter dem Volk ausgebreitet werde, laßt uns sie ernstlich bedrohen, daß sie nicht mehr zu Keinem der Menschen in Diesem Namen reden. - Und als sie sie gerufen hatten, geboten sie ihnen, ganz und gar nicht in dem Namen Jesu zu reden, noch zu lehren. Petrus aber und Johannes antworteten ihnen und sprachen: Urteilt, ob es vor Gott recht ist, auf euch mehr zu hören, als auf Gott; denn wir können nichts anders, als reden, was wir gesehen und gehört haben. Sie aber fügten noch Drohungen hinzu und entließen sie, nichts findend, wie sie dieselben strafen möchten, um des Volkes willen; denn Alle verherrlichten Gott über Das, was geschehen war. Denn der Mensch war mehr als vierzig Jahre, an dem dieses Zeichen der Heilung geschehen war. Als sie aber entlassen waren, kamen sie zu den Ihrigen und verkündigten, was die Hohenpriester und die Ältesten zu ihnen gesagt hatten. Als diese es aber hörten, erhoben sie einmütig die Stimme zu Gott, und sagten. Herrscher! Du bist der Gott, der Du den Himmel und die Erde und das Meer und Alles, was darinnen ist, gemacht hast; der Du durch den Mund Davids, Deines Knechtes, gesagt hast: "Warum tobten die Nationen, und trieben Eitles die Völker? Die Könige der Erde standen auf, und die Obersten sammelten sich wider den Herrn und wider Seinen Christus." Denn in dieser Stadt sind in Wahrheit wider Deinen heiligen Knecht Jesum, den Du gesalbt hast, versammelt, - Herodes und Pontius Pilatus, mit den Nationen und den Völkern Israels, um Alles zu tun, was Deine Hand und Dein Ratschluß zuvor bestimmt hat, daß es geschehen solle. Und nun, Herr, siehe an ihre Drohungen, und gib Deinen Knechten, Dein Wort mit aller Freimütigkeit zu reden, indem Du Deine Hand zur Heilung ausstreckst, und daß Zeichen und Wunder durch den Namen Deines heiligen Knechtes Jesu geschehen. - Und als sie gebetet hatten, bewegte sich die Stätte, wo sie versammelt waren; und sie wurden Alle von dem Heiligen Geiste erfüllt, und redeten das Wort Gottes mit Freimütigkeit. Die Menge aber Derer, die gläubig geworden waren, war Ein Herz und Eine Seele; und auch nicht Einer sagte, daß Etwas von seiner Habe sein eigen wäre, sondern sie hatten alle Dinge gemein. Und mit großer Kraft gaben die Apostel Zeugnis von der Auferstehung des Herrn Jesu; und große Gnade war über ihnen Allen. Denn es war auch Keiner dürftig unter ihnen; denn wie Viele unter ihnen Besitzer von Äckern oder Häusern waren, die verkauften und brachten den Preis des Verkauften, und legten es zu den Füßen der Apostel; - und es wurde Jeglichem ausgeteilt, je nachdem er es bedurfte. Joses aber, der von den Aposteln Barnabas zubenannt wurde, (was, verdolmetscht, ist: Sohn des Trostes,) ein Levit, ein Cyprier von Geburt, der einen Acker besaß, verkaufte ihn und brachte das Geld, und legte es zu den Füßen der Apostel.


5.


Ein gewisser Mann aber, Namens Ananias, mit Sapphira, seinem Weibe, verkaufte ein Gut, und schaffte von dem Kaufpreis bei Seite, - wovon auch sein Weib wußte, - und brachte einen gewissen Teil, und legte es zu den Füßen der Apostel. Petrus aber sprach: Ananias! warum hat Satan dein Herz erfüllt, daß du den Heiligen Geist belogen und von dem Kaufpreis des Gutes bei Seite geschafft hast? Blieb es nicht, wenn es so blieb, dein? und war es nicht, als es verkauft war, in deiner Gewalt? Warum hast du in deinem Herzen diese Tat vorgenommen? Nicht Menschen, sondern Gott hast du gelogen. Als aber Ananias diese Worte hörte, fiel er hin und hauchte sein Leben aus. Und es kam eine große Furcht auf Alle, welche dies hörten. Die Jünglinge aber standen auf, bereiteten ihn zum Begräbnis, und trugen ihn hinaus und begruben ihn. Es geschah aber, nach Verlauf von etwa drei Stunden, daß auch sein Weib hereintrat, nicht wissend, was geschehen war. Petrus aber antwortete ihr: Sage mir, habt ihr für so viel den Acker hingegeben? - Sie aber sprach: Ja, für so viel. - Petrus aber sprach zu ihr: Was ist es, daß ihr übereingekommen seid, den Geist des Herrn zu versuchen? Siehe! die Füße Derer, die deinen Mann begraben haben, sind an der Tür, und werden auch dich hinaustragen. Sie fiel aber auf der Stelle zu seinen Füßen hin, und hauchte ihr Leben aus. Die Jünglinge aber, hereinkommend, fanden sie tot, und trugen sie fort, und begruben sie bei ihrem Manne. - Und es kam eine große Furcht auf die ganze Versammlung und auf Alle, die dies hörten. Aber durch die Hände der Apostel geschahen viele Zeichen und Wunder unter dem Volk; und sie waren Alle einmütig in der Säulenhalle Salomons. Von den Übrigen aber wagte es Keiner, sich ihnen anzuschließen, sondern das Volk erhob sie. Aber immer mehr Gläubige wurden dem Herrn hinzugetan, eine Menge, sowohl Männer als Weiber, so daß sie die Kranken auf die Straßen hinaustrugen, und auf Betten und Lager legten, auf daß, wenn Petrus käme, auch nur sein Schatten einen von ihnen überschatten möchte. Es kam aber auch die Volksmenge der umliegenden Städte nach Jerusalem zusammen, und brachten Kranke, und die von unreinen Geistern geplagt waren; - welche Alle geheilt wurden. Der Hohepriester aber stand auf, und Alle, die zu ihm hielten, - das ist die Sekte der Sadducäer, - und wurden von Eifer erfüllt; und sie legten ihre Hände an die Apostel und setzten sie in öffentlichen Gewahrsam. - Aber ein Engel des Herrn öffnete des Nachts die Türen des Gefängnisses, und, sie hinausführend, sprach er: Gehet hin und stehet und redet in dem Tempel zu dem Volke alle Worte dieses Lebens! - Als sie es aber gehört hatten, gingen sie des Morgens früh in den Tempel und lehrten. Der Hohepriester aber kam herzu, und die mit ihm waren, und sie beriefen das Synedrium und alle Ältesten der Söhne Israels zusammen, und schickten nach dem Gefängnis, daß sie herbeigeführt würden. Als aber die Diener hinkamen, fanden sie sie nicht in dem Gefängnis, und sie kehrten zurück und erzählten, sagend: Wir fanden das Gefängnis zwar mit aller Sicherheit verschlossen und die Wachen draußen vor den Türen stehend, als wir aber aufgemacht hatten, fanden wir Niemand darinnen. Als aber der Priester und der Hauptmann des Tempels und die Hohenpriester diese Worte hörten, waren sie über sie in Verlegenheit, was dies doch werden möchte. Es kam aber einer hinzu, und verkündigte ihnen: Siehe! die Männer, welche ihr in´s Gefängnis gesetzt habt, sind im Tempel stehend und das Volk lehrend. Da ging der Hauptmann mit den Dienern hin und führte sie herbei, nicht mit Gewalt, (denn sie fürchteten das Volk), auf daß sie nicht gesteinigt würden. Sie führten sie aber herbei und stellten sie in das Synedrium; und der Hohepriester befragte sie, sagend: Haben wir euch nicht strenge geboten, in Diesem Namen nicht zu lehren? Und siehe! ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt, und wollt das Blut dieses Menschen auf uns bringen. - Petrus und die Apostel aber antworteten und sprachen: Man muß Gott mehr gehorchen, als Menschen. Der Gott unserer Väter hat Jesum auferweckt, den ihr ermordet, da ihr Ihn an einem Holze aufgehängt habt. Diesen hat Gott zum Führer und Heiland zu Seiner Rechten erhöht, Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben. Und wir sind Seine Zeugen von diesen Dingen; aber auch der Heilige Geist, welchen Gott denen gegeben hat, die Ihm gehorsam sind. Sie aber, als sie es hörten, wurden durchbohrt, und ratschlagten, sie zu töten. Es stand aber in dem Synedrium ein gewisser Pharisäer, Namens Gamaliel, auf, ein Gesetzgelehrter, angesehen beim ganzen Volk, und befahl, die Apostel eine kurze Zeit hinauszutun. Und er sprach zu ihnen. Männer, Israeliten! Sehet euch vor mit diesen Menschen, was ihr tun wollt. Denn vor diesen Tagen stand Theudas auf, sagend: er selbst sei etwas, dem eine Zahl von beinahe vierhundert Männern anhing. Der ist getötet worden, und Alle, so Viele ihm Gehör gaben, sind zerstreut und zunichte geworden. Nach diesem stand Judas, der Galiläer, in den Tagen der Schatzung auf, und machte viel Volks abfällig sich nach; auch er kam um, und Alle, wie Viele ihm Gehör gaben, wurden zerstreut. Und jetzt sage ich euch: Stehet von diesen Menschen ab, und laßt sie; denn ist dieser Ratschluß oder dieses Werk aus Menschen, so wird es zu Grunde gehen; wenn es aber aus Gott ist, so könnt ihr es nicht zu Grunde richten, - auf daß ihr nicht als solche erfunden werdet, die wider Gott streiten. Sie ließen sich aber von ihm überreden; und als sie die Apostel zu sich gerufen und sie geschlagen hatten, geboten sie ihnen, nicht in dem Namen Jesu zu reden, und entließen sie. Sie nun gingen von dem Angesicht des Synedriums, sich freuend, daß sie um des Namens willen Schmach zu leiden gewürdigt worden waren; und jeden Tag hörten sie nicht auf, in dem Tempel und zu Hause zu lehren, und Jesum als den Christus zu verkündigen.


6.


In diesen Tagen aber, als die Jünger sich vermehrten, entstand ein Murren der Hellenisten gegen die Hebräer, weil ihre Witwen in dem täglichen Dienst übersehen wurden. Die Zwölfe aber beriefen die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht gut, daß wir das Wort Gottes verlassen und den Tischen dienen. So sehet euch nun, Brüder, nach sieben Männern aus euch um, von gutem Zeugnis, voll des Heiligen Geistes und Weisheit, welche wir zu dieser Angelegenheit anstellen. Wir aber werden im Gebet und im Dienste des Wortes verharren. - Und die Rede gefiel der ganzen Menge; und sie erwählten den Stephanus, einen Mann voll Glaubens und des Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Rikanos und Timon und Parmenas und Nikolaus, einen Proselyten von Antiochia. Und sie stellten sie vor die Apostel, und als sie gebetet hatten, legten sie ihnen die Hände auf. Und das Wort Gottes wuchs, und die Zahl der Jünger vermehrte sich in Jerusalem sehr; und eine große Menge der Priester ward dem Glauben gehorsam. Stephanus aber, voll Gnade und Kraft, tat große Zeichen und Wunder unter dem Volk. Etliche aber aus der Synagoge, genannt die der Libertiner und Cyrenäer und Alexandriner, und Derer von Cilicien und Asien standen auf und stritten mit Stephanus. Und sie vermochten nicht, der Weisheit und dem Geiste zu widerstehen, mit welchem er redete. Da schoben sie listig Männer vor, welche sagten: Wir haben ihn lästerliche Worte wider Moses und Gott reden hören. - Und sie erregten das Volk und die Ältesten und die Schriftgelehrten, und überfielen ihn und rissen ihn mit sich fort und führten ihn vor das Synedrium. Und sie stellten falsche Zeugen auf, welche sagten: Dieser Mensch hört nicht auf, Worte wider die heilige Stätte und das Gesetz zu reden; denn wir haben ihn sagen hören, daß Jesus, dieser Nazaräer, diese Stätte zerstören und die Gebräuche verändern werde, welche und Moses überliefert hat. Und Alle, die in dem Synedrium saßen, richteten ihre Augen unverwandt auf ihn, und sahen sein Angesicht wie eines Engels Angesicht.


7.


Der Hohepriester aber sprach: Ist dieses in der Tat also? - Er aber sprach: Männer, Brüder und Väter, höret zu! - Der Gott der Herrlichkeit erschien unserm Vater Abraham, als er in Mesopotamien war, ehe er in Haran wohnte, und sprach zu ihm: "Gehe aus aus deinem Lande und aus deiner Verwandtschaft, und komm in ein Land, daß Ich dir zeigen werde." Da ging er aus dem Lande der Chaldäer und wohnte in Haran; und von da übersiedelte Er ihn; nachdem sein Vater gestorben war, in dieses Land, welches ihr jetzt bewohnt. Und Er gab ihm kein Erbe darinnen, auch nicht einen Fuß breit; und Er verhieß, daß Er es ihm zum Besitztum geben würde und seinem Samen nach ihm, als er kein Kind hatte. Gott aber sprach also: daß sein Same ein Fremdling in fremdem Lande sein würde, und sie denselben zu Knechten machen und mißhandeln würden vierhundert Jahre. "Und das Volk, welchem sie dienen werden, werde Ich richten, - sprach Gott, - und darnach werden sie ausziehen und Mir an diesem Orte dienen." Und er gab ihm den Bund der Beschneidung, und also zeugte er den Isaak und beschnitt ihn am achten Tage; und Isaak den Jakob, und Jakob die zwölf Patriarchen; und die Patriarchen, neidisch auf den Joseph geworden, verkauften ihn nach Ägypten. - Und Gott war mit ihm und errettete ihn aus allen seinen Drangsalen, und gab ihm Gunst und Weisheit vor Pharao, dem Könige von Ägypten, und Er setzte ihn zum Verwalter über Ägypten und sein ganzes Haus. Es kam aber eine Hungersnot über das ganze Land Ägypten und Kanaan, und eine große Drangsal; und unsere Väter fanden keine Speise. Als aber Jakob hörte, daß in Ägypten Getreide sei, sandte er unsere Väter aus zum ersten Male. Und beim zweiten Male wurde Joseph von seinen Brüdern erkannt, und dem Pharao ward das Geschlecht des Joseph offenbar. Joseph aber sandte hin und ließ seinen Vater Jakob und seine ganze Verwandtschaft holen, fünf und siebenzig Seelen. Jakob aber ging hinab nach Ägypten, und starb; er und unsere Väter. Und sie wurden hinüber nach Sichem gebracht und in die Gruft gelegt, welche Abraham um eine Summe Geldes von den Söhnen Hemor´s, des Vaters Sichem´s kaufte. Als aber die Zeit der Verheißung nahte, welche Gott dem Abraham geschworen, wuchs das Volk und vermehrte sich in Ägypten, bis daß ein anderer König aufstand, der den Joseph nicht kannte. Der handelte mit List gegen unser Geschlecht, und mißhandelte unsere Väter und machte, daß ihre Kinder ausgesetzt wurden, damit sie nicht lebendig blieben. Zu dieser Zeit ward Moses geboren, und er war ausnehmend schön. Dieser ward drei Monate in dem Hause des Vaters aufgezogen. Als er aber ausgesetzt war, nahm ihn die Tochter Pharao zu sich und erzog ihn für sich selbst zum Sohne. Und Moses ward in aller Weisheit der Ägypter unterwiesen; er war aber mächtig in seinen Worten und Werken. Als ihm aber eine Zeit von vierzig Jahren erfüllt war, kam es in seinem Herzen auf, seine Brüder, die Söhne Israels, zu besuchen. Und als er Einen Unrecht leiden sah, verteidigte er ihn, und rächte den Unterdrückten, und erschlug den Ägypter. Er meinte aber, daß seine Brüder verstehen würden, daß Gott ihnen durch seine Hand Rettung gebe; - sie aber verstanden es nicht. Und am folgenden Tage zeigte er sich ihnen, als sie sich stritten, und trieb sie zum Frieden, sagend: Männer! ihr seid Brüder; warum tut ihr einander Unrecht? - Der aber, welcher dem Nächsten Unrecht tat, stieß ihn weg, sagend: Wer hat dich zum Obersten und Richter über uns gestellt? Willst du mich töten, wie du gestern den Ägypter getötet hast? - Moses aber entfloh bei diesem Worte, und ward Fremdling im Lande Midiam, wo er zwei Söhne zeugte. Und als vierzig Jahre erfüllt waren, erschien ihm in der Wüste des Berges Sinai ein Engel des Herrn in einer Feuerflamme eines Busches. Als aber Moses es sah, verwunderte er sich des Gesichts; als er aber hinzutrat, es zu betrachten, geschah eine Stimme des Herrn zu ihm: "Ich bin der Gott deiner Väter, der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs." - Moses aber, zitternd geworden, wagte nicht, es zu betrachten. Der Herr aber sprach zu ihm: "Löse die Sandalen von deinen Füßen; denn die Stätte, worauf du stehest, ist heiliges Land." "Sehend habe Ich gesehen die Mißhandlung Meines Volkes in Ägypten, und habe ihr Seufzen gehört, und bin herabgekommen, sie heraus zu reißen; - und nun komm´, Ich werde dich nach Ägypten senden." Diesen Moses, den sie verleugneten, sagend: "Wer hat dich zum Obersten und Richter gestellt?" - diesen hat Gott zum Obersten und Retter gesandt durch die Hand des Engels, der ihm in dem Busche erschien. Dieser führte sie heraus, Wunder und Zeichen tuend im Lande Ägypten, und im roten Meer, und in der Wüste vierzig Jahre. Dieser ist der Moses, der zu den Söhnen Israels sagte: "Einen Propheten wie mich wird euch der Herr Gott aus euren Brüdern erwecken; Ihn sollt ihr hören!" Dieser ist es, der in der Versammlung in der Wüste mit dem Engel, der zu ihm auf dem Berge Sinai redete, und mit unsern Vätern gewesen ist, der die lebendigen Aussprüche empfing, um sie uns zu geben; welchem unsere Väter nicht gehorsam sein wollten, sondern sie stießen ihn von sich, und wandten sich in ihren Herzen nach Ägypten, zu Aaron sagend: "Mache uns Götter, die vor uns hergehen; denn dieser Moses, der uns aus dem Lande Ägypten geführt hat, - wir wissen nicht, was aus ihm geworden ist." Und sie machten ein Kalb in jenen Tagen, und brachten ein Schlachtopfer dem Götzenbilde, und ergötzten sich an den Werken ihrer Hände. Gott aber wandte sich und gab sie dahin, dem Heere des Himmels zu dienen, wie in dem Buche der Propheten geschrieben steht: "Habt ihr Mir Schlachtopfer und Opfer dargebracht vierzig Jahre in der Wüste, du Haus Israel? Auch nahmt ihr die Hütte des Moloch auf, und das Gestirn eures Gottes Remphan, die Bilder, die ihr gemacht hattet, um sie anzubeten; und Ich werde euch jenseits Babylon verpflanzen." Die Hütte des Zeugnisses war unter unsern Vätern, in der Wüste, wie es Der angeordnet hatte, Der zu Mose redete, daß er sie nach dem Muster machen sollte, welches er gesehen hatte, welche auch unsere Väter überkamen und mit Josua einführten in das Besitztum der Nationen, welche Gott vor dem Angesicht unserer Väter ausstieß, bis zu den Tagen Davids, welcher Gnade vor Gott fand, und eine Wohnstätte für den Gott Jakobs zu finden begehrte. Salomo aber baute Ihm ein Haus. Aber der Höchste wohnt nicht in Wohnungen von Händen gemacht, wie der Prophet spricht: "Der Himmel ist Mein Thron; die Erde aber der Schemel Meiner Füße. Was für ein Haus wollt ihr Mir bauen, spricht der Herr? Oder welches ist der Ort Meiner Ruhe? Hat nicht Meine Hand alle diese Dinge gemacht?" Halsstarrige und Unbeschnittene an dem Herzen und an den Ohren! immerdar widerstreitet ihr dem Heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr. Welchen der Propheten habe eure Väter nicht verfolgt? Und sie haben getötet die, welche zuvor die Ankunft des Gerechten verkündigten, dessen Überlieferer und Mörder ihr jetzt geworden seid; die ihr das Gesetz durch die Verordnung der Engel empfangen und es nicht beobachtet habt! Als sie aber dies hörten, wurden ihre Herzen durchbohrt; und sie knirschten mit den Zähnen gegen ihn. Als er aber, voll des Heiligen Geistes, unverwandt gen Himmel schaute, sah er die Herrlichkeit Gottes, und Jesum zur Rechten Gottes stehend, und sprach: Siehe! ich sehe die Himmel geöffnet, und den Sohn des Menschen stehend zur Rechten Gottes. Sie schrieen aber mit großer Stimme, hielten ihre Ohren zu und stürzten einhellig auf ihn los. - Und als sie ihn aus der Stadt hinausgestoßen hatten, steinigten sie ihn. Und die Zeugen legten ihre Kleider zu den Füßen eines Jünglings, mit Namen Saulus. Und sie steinigten den Stephanus, der anrufend sprach: Herr Jesu! nimm meinen Geist auf! Er kniete aber nieder und rief mit lauter Stimme: Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu! - Und als er dieses gesagt hatte, entschlief er.


8.


Saulus aber willigte in seine Tötung mit ein. Es entstand aber an jenem Tage eine große Verfolgung über die Versammlung in Jerusalem, und Alle, ausgenommen die Apostel, wurden in die Gegenden von Judäa und Samaria zerstreut. Gottesfürchtige Männer aber bestatteten zusammen den Stephanus, und stellten eine große Klage über ihn an. Saulus aber, überall in die Häuser gehend, verwüstete die Versammlung, und schleppte heraus, beide, Männer und Weiber, und überlieferte sie in´s Gefängnis. Die nun, welche zerstreut waren, gingen umher und verkündigten das Wort. Philippus aber ging hinab in eine Stadt von Samaria, und predigte ihnen den Christus. Und die Volksmenge achtete einmütig auf das, was von dem Philippus geredet ward, indem sie die Zeichen hörten und sahen, welche er tat. Denn von Vielen, die unreine Geister hatten, fuhren sie aus, mit großer Stimme schreiend; und viele Gichtbrüchige und Lahme wurden geheilt. Und eine große Freude entstand in jener Stadt. Aber ein gewisser Mann, mit Namen Simon, war vorher in der Stadt, welcher Zauberei trieb, und das samaritische Volk außer sich brachte, von sich selbst sagend, daß er etwas Großes wäre. Zu welchem sich Alle, vom Kleinen bis zum Großen, hielten, sagend: Dieser ist die Macht Gottes, genannt die große. Sie hielten sich aber zu ihm, weil er sie lange Zeit mit den Zaubereien außer sich gebracht hatte. Als sie aber dem Philippus glaubten, der ihnen die Dinge des Reiches Gottes und des Namens Jesu Christi verkündigte, wurden sie getauft, sowohl Männer als Weiber. Aber auch Simon selbst glaubte und wurde getauft, und hielt sich bei Philippus; und als er die Zeichen und großen Wunder sah, geriet er außer sich. Als aber die Apostel, die in Jerusalem waren, hörten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie den Petrus und Johannes zu ihnen, welche, als sie hinab gekommen waren, für sie beteten, daß sie den Heiligen Geist empfangen möchten. (Denn Er war noch nicht auf Einen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein auf den Namen des Herrn Jesu getauft). Da legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist. Als aber Simon sah, daß durch das Auflegen der Hände der Apostel der Heilige Geist gegeben wurde, bot er ihnen Geld an, sagend: Gebet auch mir diese Gewalt, daß Jedweder, dem ich die Hände auflege, den Heiligen Geist empfange. Petrus aber sprach zu ihm: Dein Geld fahre samt dir in´s Verderben, weil du gemeint hast, daß die Gabe Gottes durch Geld zu erlangen sei! Du hast weder Teil noch Los an dieser Sache; denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. Tue denn Buße über diese deine Bosheit, und flehe zu Gott, ob dir etwa der Anschlag deines Herzens vergeben werde; denn ich sehe, daß du in Galle der Bitterkeit und in Banden der Ungerechtigkeit bist. Simon aber antwortete und sprach: Flehet ihr für mich zu dem Herrn, damit nichts von dem, wovon ihr geredet habt, über mich komme. - Da sie nun bezeugt und das Wort des Herrn geredet hatten, kehrten sie nach Jerusalem zurück; und sie brachten die gute Botschaft in viele Dörfer der Samariter. Ein Engel aber des Herrn, sprach zu Philippus, sagend: Stehe auf und gehe gegen Mittag, auf den Weg, der von Jerusalem nach Gaza hinabführt; dieser ist öde. - Und er stand auf und ging hin. Und siehe! ein äthiopischer Mann, ein Eunuch, ein Gewaltiger der Kandace, der Königin der Äthiopier, welcher über ihren ganzen Schatz war, der nach Jerusalem gekommen war, anzubeten, war auf der Rückkehr, und saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaias. Der Geist aber sprach zu dem Philippus: Tritt hinzu und schließe dich an diesen Wagen an. - Philippus aber, hinzulaufend, hörte ihn den Propheten Jesaias lesen und sprach: Verstehst du wohl, was du liesest? - Er aber sprach: Wie könnte ich denn, wenn mich nicht Jemand anleitet? Und er bat den Philippus, daß er aussteige und bei ihm sitze. Die Stelle aber der Schrift, welche er las, war diese: "Er ward geführt wie ein Schaf zur Schlachtung, und wie ein Lamm, stumm vor seinem Scherer, ebenso tut Er Seinen Mund nicht auf. In Seiner Erniedrigung ist Sein Gericht weggenommen; - wer aber wird Sein Geschlecht beschreiben? Denn Sein Leben wird von der Erde weggenommen." - Der Eunuch antwortete dem Philippus und sprach: Ich bitte dich, von Wem sagt dieses der Prophet? von sich selbst oder von einem Andern? - Philippus aber tat seinen Mund auf, und, anfangend von dieser Schrift, verkündigte er ihm Jesum. Als sie aber auf dem Wege fortzogen, kamen sie an ein Wasser. Und der Eunuch spricht: Siehe da, Wasser! Was hindert mich, getauft zu werden? - Und er hieß den Wagen halten, und sie stiegen beide in das Wasser hinab, Philippus und der Eunuch, und er taufte ihn. Als sie aber aus dem Wasser heraufstiegen, entrückte der Geist des Herrn den Philippus, und der Eunuch sah ihn nicht mehr; denn er zog seinen Weg mit Freuden. - Philippus aber ward zu Asdod gefunden; und durchziehend, verkündigte er das Evangelium in allen Städten, bis er nach Cäsarea kam.


9.


Saulus aber, noch Drohung und Mord wider die Jünger des Herrn schnaubend, ging zu dem Hohenpriester, und erbat sich von ihm Briefe nach Damaskus an die Synagogen, daß, wenn er Etliche von "dem Wege", sowohl Männer als Weiber, fände, er sie gebunden nach Jerusalem führe. Als er aber hinzog, geschah es, daß er Damaskus nahte; und plötzlich umstrahlte ihn ein Licht vom Himmel. Und auf die Erde fallend, hörte er eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul! Saul! was verfolgst du Mich? - Er aber sprach: Wer bist Du, Herr? - Der Herr aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst... Stehe aber auf und gehe in die Stadt hinein, und es wird dir gesagt werden, was du tun sollst. - Die Männer aber, die mit ihm des Weges zogen, standen sprachlos, wohl die Stimme hörend, aber Niemanden sehend. Saulus aber richtete sich von der Erde auf. Als er aber seine Augen auftat, sah er Niemanden; und ihn bei der Hand leitend, führten sie ihn nach Damaskus. Und er war drei Tage nicht sehend, und er aß weder, noch trank er. - Es war aber ein gewisser Jünger in Damaskus, Namens Ananias; und zu dem sprach der Herr in einem Gesicht: Ananias! - Er aber sprach: Siehe, hier bin ich, Herr! - Der Herr aber sprach zu ihm: Stehe auf und gehe zu der Straße, genannt: die Gerade; und frage in dem Hause Juda nach Einem, Namens Saulus, von Tarsus; denn siehe, er betet. Und er hat im Gesicht einen Mann gesehen, Namens Ananias, hereinkommend und ihm die Hand auflegend, daß er wieder sehend werde. Ananias aber antwortete: Herr! Ich habe von Vielen von diesem Manne gehört, wie viel Böses er Deinen Heiligen in Jerusalem getan hat. Und hier hat er Gewalt von den Hohenpriestern, Alle, die Deinen Namen anrufen, zu binden. Der Herr aber sprach zu ihm: Gehe hin, denn ein auserwähltes Gefäß ist Mir Dieser, Meinen Namen vor Nationen und Könige und Söhne Israels zu tragen. Denn Ich werde ihm zeigen, wie Vieles er um Meines Namens willen leiden muß. - Ananias aber ging weg und kam in das Haus; und ihm die Hände auflegend, sprach er: Bruder Saul! Der Herr Jesus, der dir auf dem Wege, den du kamst, erschien, hat mich gesandt, damit du wieder sehend und von dem Heiligen Geiste erfüllt werdest. - Und alsbald fiel es wie Schuppen von seinen Augen, und auf der Stelle sah er und stand auf und wurde getauft. Und als er Speise genommen hatte, ward er gestärkt. Er war aber etliche Tage bei den Jüngern in Damaskus. Und er predigte alsbald in den Synagogen Jesum, daß Dieser der Sohn Gottes ist. - Alle aber, die es hörten, erstaunten und sagten: Ist dies nicht Derselbe, der in Jerusalem die Anrufer dieses Namens zerstörte, und er ist dazu hierher gekommen, daß er sie gebunden zu den Hohenpriestern führe? - Saulus aber erstarkte mehr und mehr, und brachte die Juden, die zu Damaskus wohnten, in Verwirrung, indem er bewies, daß Dieser der Christus sei. - Als aber viele Tage verflossen waren, beratschlagten die Juden, ihn zu töten. Dem Saulus aber ward ihr Anschlag bekannt; und sie bewachten Tag und Nacht die Tore, daß sie ihn töteten. Die Jünger aber nahmen ihn bei der Nacht und ließen ihn durch die Mauer hinab, indem sie ihn in einem Korbe herunterließen. - Als er aber nach Jerusalem hinkam, versuchte er, sich an die Jünger anzuschließen; und alle fürchteten sich vor ihm, weil sie nicht glaubten, daß er ein Jünger sei. Barnabas aber nahm ihn zu sich, brachte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie er auf dem Wege den Herrn gesehen, und daß Er mit ihm geredet, und wie er in Damaskus freimütig in dem Namen Jesu gesprochen habe. - Und er war in Jerusalem, mit ihnen ein- und ausgehend; und freimütig sprechend in dem Namen des Herrn Jesu, redete er zu den Hellenisten und stritt mit ihnen. Die aber trachteten ihn zu töten. Die Brüder aber, es erkennend, geleiteten ihn nach Cäsarea, und entsandten ihn nach Tarsus. So hatten denn die Versammlungen durch ganz Judäa und Galiläa und Samaria hin Frieden, wurden erbaut, und, wandelnd in der Furcht des Herrn und in dem Trost des Heiligen Geistes, wurden sie vermehrt. Es geschah aber, daß Petrus, da er allenthalben hindurchzog, auch zu den Heiligen kam, die zu Lydda wohnten. Daselbst aber fand er einen Menschen, Namens Äneas, seit acht Jahren auf dem Bette darniederliegend; der war gichtbrüchig. Und Petrus sprach zu ihm: Äneas! Jesus, der Christus, heilet dich; stehe auf und bette dir selber! - Und alsbald stand er auf. Und es sahen ihn alle, die zu Lydda und Saron wohnten, und bekehrten sich zu dem Herrn. Zu Joppe aber war eine gewisse Jüngerin, Namens Tabitha, (was, verdolmetscht, heißt: Dorkas); diese war voll guter Werke und Almosen, die sie tat. Es geschah aber in jenen Tagen, daß sie krank ward und starb. Und als sie dieselbe gewaschen hatten, legten sie sie auf den Obersaal. Da aber Lydda nahe bei Joppe war, und die Jünger gehört hatten, daß Petrus daselbst sei, sandten sie zwei Männer zu ihm, ihn zu bitten, er möge nicht zögern, bis zu ihnen hinabzukommen. Petrus aber stand auf und ging mit ihnen, und als er angekommen war, führten sie ihn auf den Obersaal. Und zu ihm traten all die Witwen, weinend und Röcke und Kleider vorzeigend, welche alle die Dorkas, als sie bei ihnen war, gemacht hatte. Petrus aber trieb Alle hinaus, und niederknieend, betete er. Und er wandte sich zu dem Leichnam und sprach: Tabitha, stehe auf! - Sie aber schlug ihre Augen auf; und als sie Petrus sah, setzte sie sich auf. Er aber gab ihr die Hand und richtete sie auf; und rief die Heiligen und Witwen, und stellte sie lebend dar. Es ward aber durch ganz Joppe hin kund; und Viele glaubten an den Herrn. Es geschah aber, daß er viele Tage in Joppe bei einem gewissen Simon, einem Gerber, blieb.


10.


Es war aber ein Mann zu Cäsarea, Namens Cornelius, ein Hauptmann von der Schar, genannt: die Italische; fromm und gottesfürchtig mit seinem ganzen Hause, welcher auch dem Volke viele Almosen gab und immerdar zu Gott betete. Er sah in einem Gesicht, um die neunte Stunde des Tages, offenbarlich einen Engel Gottes zu ihm hereinkommen und zu ihm sagen: Cornelius! - Er aber sah ihn unverwandt an und ward erschrocken und sagte: Was ist, Herr! - Er aber sprach zu ihm: Deine Gebete und deine Almosen sind in das Gedächtnis vor Gott hinausgestiegen. Und jetzt schicke Männer nach Joppe und laß Simon, welcher Petrus zubenamt wird, holen; dieser ist zur Herberge bei einem gewissen Simon, einem Gerber, dessen Haus am Meere ist. - Als aber der Engel, der mit ihm redete, weggegangen war, rief er zwei seiner Hausknechte und einen frommen Kriegsknecht von denen, die beständig bei ihm waren. Und als er ihnen Alles erzählt hatte, schickte er sie nach Joppe. An dem folgenden Tage aber, während Jene reisten und sich der Stadt nahten, stieg Petrus um die sechste Stunde auf das Haus, um zu beten. Er ward aber sehr hungrig und wollte essen. Während sie ihm aber bereiteten, kam eine Entzückung über ihn. Und er sieht den Himmel aufgetan, und ein gewisses Gefäß, wie ein großes Leinentuch, auf ihn herniederkommen, an den vier Zipfeln zusammengebunden und auf die Erde herabgelassen, in welchem allerlei vierfüßige Tiere der Erde, und die wilden Tiere, und die kriechenden Tiere, und das Gevögel des Himmels waren. Und eine Stimme geschah zu ihm: Stehe auf, Petrus, schlachte und iß! - Petrus aber sprach: Keineswegs, Herr! Denn niemals habe ich etwas Gemeines oder Unreines gegessen. - Und wiederum geschah eine Stimme zum zweitenmal zu ihm: Was Gott gereinigt hat, mache du nicht gemein! - Dieses aber geschah zu dreien Malen; und wiederum ward das Gefäß in den Himmel hinaufgenommen. Als aber Petrus in sich selbst zweifelhaft war, was doch das Gesicht, welches er gesehen hatte, sein möge, - siehe! da standen die Männer, die von Cornelius gesandt waren, vor der Tür, nachdem sie Simons Haus erfragt hatten. Und als sie gerufen hatten, fragten sie, ob Simon, mit dem Zunamen Petrus, daselbst zur Herberge sei? - Während aber Petrus über das Gesicht nachsann, sprach zu ihm der Geist: Siehe! drei Männer suchen dich. Stehe aber auf und gehe hinunter, und ziehe mit ihnen, nicht zweifelnd, denn Ich habe sie gesandt. - Petrus aber, zu den Männern hinuntergehend, sprach: Siehe! ich bin es, den ihr suchet. Was ist die Ursache, warum ihr kommt? - Sie aber sprachen: Der Hauptmann Cornelius, ein gerechter und gottesfürchtiger Mann, und der ein gutes Zeugnis von dem ganzen Volke der Juden hat, ist von einem heiligen Engel göttlich gewiesen worden, dich in sein Haus holen zu lassen, und Worte von dir zu hören. - Da rief er sie herein und beherbergte sie. Am andern Tage aber machte er sich mit ihnen auf und ging mit ihnen weg; und Etliche der Brüder von Joppe gingen mit ihm; und am folgenden Tage kamen sie nach Cäsarea. Cornelius aber, der seine Verwandten und nächsten Freunde zusammengerufen hatte, erwartete sie. Wie es aber geschah, daß Petrus hereintrat, ging ihm Cornelius entgegen, fiel zu seinen Füßen und huldigte ihm. Petrus aber hob ihn auf, sagend: Stehe auf! auch ich selbst bin ein Mensch. - Und sich mit ihm unterhaltend, ging er hinein, und findet Viele, die zusammengekommen waren. Und er sprach zu ihnen: Ihr wisset, wie es für einen jüdischen Mann unerlaubt ist, sich einem Fremdling anzuschließen, oder sich zu ihm zu begeben; und mir hat Gott gezeigt, keinen Menschen gemein oder unrein zu heißen. Deswegen bin ich auch, als ich geholt worden bin, ohne Widerrede gekommen. So frage ich denn: Um welcher Sache willen habt ihr mich holen lassen? - Und Cornelius sprach: Vor vier Tagen fastete ich bis zu dieser Stunde, und um die neunte Stunde betete ich in meinem Hause; und siehe! ein Mann stand vor mir in glänzendem Kleide und spricht: Cornelius! Dein Gebet ist erhört und deiner Almosen ist vor Gott gedacht worden; schicke nun nach Joppe und laß Simon, welcher Petrus zubenamt wird, holen; dieser ist zur Herberge in dem Hause Simons, eines Gerbers, am Meere, der wird, wenn er zu dir gekommen ist, mit dir reden. - Da habe ich denn auf der Stelle zu dir gesandt, und du hast wohlgetan, daß du gekommen bist. Jetzt also sind wir Alle vor Gott gegenwärtig, um Alles zu hören, was dir von Gott befohlen ist. Petrus aber tat den Mund auf und sprach: In Wahrheit begreife ich, daß Gott die Person nicht ansieht, sondern unter jeder Nation, wer Ihn fürchtet und Gerechtigkeit wirket, der ist Ihm angenehm. Das Wort, welches Er den Söhnen Israels gesandt hat, Frieden verkündigend durch Jesum Christum, (Dieser ist Aller Herr,) kennt ihr - die Sache, welche anfangend von Galiläa durch ganz Judäa hin, nach der Taufe, welche Johannes predigte, geschehen ist, betreffend den Jesus von Nazareth, wie Ihn Gott mit dem Heiligen Geiste und Kraft gesalbt hat, welcher umher ging, wohltuend und Alle heilend, die von dem Teufel überwältigt waren; - denn Gott war mit Ihm. Und wir sind Zeugen alles Dessen, was Er getan hat, sowohl im Lande der Juden, als zu Jerusalem; welchen sie auch getötet haben, indem sie Ihn an ein Holz aufhängten. Diesen hat Gott am dritten Tage auferweckt, und Ihm gegeben, daß Er offenbar würde, nicht dem ganzen Volke, sondern den von Gott zuvor erwählten Zeugen, uns, die wir mit Ihm, nachdem Er aus den Toten auferstanden war, gegessen und getrunken haben. Und Er hat uns befohlen, dem Volke zu predigen und zu bezeugen, daß Er Der ist, welcher von Gott zum Richter der Lebendigen und Toten verordnet ist. Diesem geben alle Propheten Zeugnis, daß Jeder, der an Ihn glaubt, durch Seinen Namen Vergebung der Sünden empfangen wird. Als Petrus noch diese Worte redete, fiel der Heilige Geist auf Alle, die das Wort hörten. Und die Gläubigen aus der Beschneidung, so Viele ihrer mit Petrus gekommen waren, gerieten außer sich, daß auch auf die aus den Nationen die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde; denn sie hörten sie mit Sprachen reden und Gott erheben. Da antwortete Petrus: Kann auch Jemand das Wasser verwehren, daß diese, welche, gleichwie auch wir, den Heiligen Geist empfangen haben, nicht getauft werden? Und er befahl, daß sie im Namen des Herrn getauft würden. Da baten sie ihn, daß er etliche Tage bleiben möchte.


11.


Die Apostel aber und die Brüder, welche in Judäa waren, hörten, daß auch die Heiden das Wort Gottes angenommen hatten; und, als Petrus nach Jerusalem hinaufkam, stritten die aus der Beschneidung mit ihm, sagend: Du bist zu Männern eingegangen, die Vorhaut haben, und hast mit ihnen gegessen. - Petrus aber fing an und setzte es ihnen der Reihe nach auseinander, sagend: Ich war in der Stadt Joppe betend, und ich sah in einer Entzückung ein Gesicht: ein gewisses Gefäß, wie ein großes Leintuch, an vier Zipfeln herabgelassen, aus dem Himmel herniederkommend, und es kam bis zu mir. Und es unverwandt anschauend, bemerkte und sah ich die vierfüßigen Tiere der Erde, und die wilden Tiere, und die kriechenden Tiere, und das Gevögel des Himmels. Ich hörte aber eine Stimme, welche zu mir sagte: Stehe auf, Petrus, schlachte und iß! - Ich aber sagte: Keineswegs, Herr! Denn niemals ist etwas Gemeines oder Unreines in meinen Mund gekommen. Eine Stimme aber antwortete mir zum zweiten Mal aus dem Himmel: Was Gott gereinigt hat, mache du nicht gemein! - Dies aber geschah zu dreien Malen; und wiederum ward Alles in den Himmel hinaufgezogen. Und siehe! alsbald standen vor dem Hause, in welchem ich war, drei Männer, die von Cäsarea zu mir gesandt waren. Der Geist aber sprach zu mir, ich solle, ohne zu zweifeln, mit ihnen gehen. Es gingen aber auch diese sechs Brüder mit mir, und wir gingen in das Haus des Mannes ein. Und er erzählte uns, wie er den Engel gesehen habe, in seinem Hause stehend und zu ihm sagend: Sende Männer nach Joppe, und laß Simon holen, der den Zunamen Petrus hat, der wird zu dir Worte reden, durch welche du errettet werden wirst und dein ganzes Haus. Als ich aber zu reden begann, fiel der Heilige Geist auf sie, wie auch auf uns im Anfang. Ich gedachte aber an das Wort des Herrn, wie Er sagte: Johannes taufte wohl mit Wasser, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geiste getauft werden. Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat, wie auch uns, die wir an den Herrn Jesum Christum geglaubt haben; - war denn ich Einer, der Gott wehren konnte? - Als sie aber dies gehört hatten, gaben sie sich zufrieden und verherrlichten Gott, sagend: Dann hat Gott wirklich auch den Nationen die Buße zum Leben gegeben. Die also nun zerstreut waren durch die Trübsal, die wegen Stephanus geschah, zogen durch bis zu Phönicien hin, und Cypern und Antiochia, zu Niemandem das Wort redend, als allein zu den Juden. Es waren aber unter ihnen etliche Männer von Cypern und Cyrene, die, als sie nach Antiochien kamen, zu den Griechen redeten, und ihnen die gute Botschaft von dem Herrn Jesu brachten; und die Hand des Herrn war mit ihnen; und eine große Zahl glaubte und bekehrte sich zu dem Herrn. Es kam aber die Rede von ihnen zu den Ohren der Versammlung, die zu Jerusalem war; und sie entsandten Barnabas, um bis zu Antiochia zu gehen. Als Dieser hinkam und die Gnade Gottes sah, freute er sich und ermahnte Alle, mit Herzens-Entschluß bei dem Herrn zu verharren. Denn er war ein guter Mann und voll Heiligen Geistes und Glaubens, und eine zahlreiche Menge ward dem Herrn hinzugetan. - Barnabas aber zog aus nach Tarsus, um Saulus aufzusuchen; und als er ihn gefunden, brachte er ihn nach Antiochia. Es geschah aber, daß sie ein ganzes Jahr in der Versammlung waren und eine zahlreiche Menge lehrten, und daß zuerst in Antiochia die Jünger den Namen "Christen" bekamen. In diesen Tagen aber kamen Propheten von Jerusalem nach Antiochia. Einer aber von ihnen, Namens Agabus, stand auf und zeigte durch den Geist eine große Hungersnot an, welche über den ganzen Erdkreis kommen sollte, welche auch unter dem Kaiser Claudius geschah. Die Jünger aber, je nachdem einer von ihnen begütert war, beschlossen, jeder von ihnen, zum Dienste den Brüdern zu senden, die in Judäa wohnten, welches sie auch taten und es an die Ältesten durch die Hand des Barnabas und Saulus sandten.


12.


Um jene Zeit aber legte Herodes, der König, Hand an, um Etliche von der Versammlung zu mißhandeln. Er tötete aber den Jakobus, den Bruder des Johannes, mit dem Schwerte; und als er sah, daß es den Juden gefiel, fuhr er fort und griff auch den Petrus, - (es waren aber die Tage der ungesäuerten Brote) - welchen er, als er ihn gegriffen, in´s Gefängnis setzte, ihn an vier Wachen von je vier Kriegsknechten zur Verwahrung überliefernd, und war willens, ihn nach dem Passah dem Volke vorzuführen. Petrus nun wurde in dem Gefängnis verwahrt; aber von der Versammlung geschah für ihn ein unaufhörliches Gebet zu Gott. Als aber Herodes ihn vorführen sollte, schlief Petrus in jener Nacht mitten zwischen zwei Kriegsknechten, gebunden an zwei Ketten; und vor der Tür hüteten Wachen das Gefängnis. Und siehe! ein Engel des Herrn stand da, und ein Licht leuchtete in dem Gebäude; und Petrus an die Seite schlagend, weckte er ihn auf, sagend: Stehe schnell auf! - Und seine Ketten fielen ihm von den Händen. Und der Engel sprach zu ihm: Umgürte dich und binde deine Sandalen unter! - Er aber tat also. Und er spricht zu ihm: Wirf dein Oberkleid um und folge mir! - Und hinausgehend, folgte er ihm, und wußte nicht, daß es Wirklichkeit sei, was durch den Engel geschah, sondern meinte, ein Gesicht zu sehen. Sie gingen aber durch die erste Wache und die zweite, und kamen an das eiserne Tor, welches in die Stadt führt, und welches ihnen von selbst geöffnet ward; und sie traten heraus und gingen eine Straße voran. Und alsbald schied der Engel von ihm. Und als Petrus zu sich kam, sprach er: Nun weiß ich in Wahrheit, daß der Herr Seinen Engel gesandt und mich gerettet hat von der Hand Herodis und all´ der Erwartung des Volkes der Juden. - Und als er sich bedachte, kam er in das Haus der Maria, der Mutter Johannis, mit dem Zunamen Markus, wo Viele versammelt waren und beteten. Als er aber an die Türe des Tores klopfte, kam eine Magd herzu, Namens Rhode, um zu horchen. Und als sie die Stimme Petri erkannte, öffnete sie vor Freude das Tor nicht, sondern lief hinein und verkündigte, Petrus stehe vor dem Tore. Sie aber sagten zu ihr: Du bist von Sinnen. - Sie aber beteuerte, daß es also sei. - Sie aber sagten: Es ist sein Engel. - Petrus aber blieb am Klopfen. Als sie aber aufgetan hatten, sahen sie ihn und waren außer sich. Er aber winkte ihnen mit der Hand zu schweigen und erzählte ihnen, wie der Herr ihn aus dem Gefängnis herausgeführt; und sprach: Verkündiget dies dem Jakobus und den Brüdern. - Und er ging weg und ging an einen andern Ort. Als es aber Tag geworden, war eine nicht geringe Bestürzung unter den Kriegsknechten, was doch mit Petrus geschehen sei. Als aber Herodes ihn suchte und nicht fand, zog er die Hüter zur Untersuchung und ließ sie zum Tode abführen; und von Judäa nach Cäsarea hinabgehend, verweilte er daselbst. Er war aber voll Wut gegen die Tyrer und Sidonier. Einmütig aber kamen diese zu ihm und überredeten den Blastus, den Kämmerer des Königs, und baten um Frieden, weil ihr Land von dem königlichen ernährt wurde. An einem bestimmten Tage aber hielt Herodes, nachdem er königliche Kleider angelegt, und sich auf den Thron gesetzt hatte, eine öffentliche Rede an sie. Das Volk aber rief: Gottes Stimme, und nicht eines Menschen! - Auf der Stelle aber schlug ihn ein Engel des Herrn, darum, daß er nicht Gott die Ehre gegeben hatte. Und er ward von Würmern gefressen und hauchte sein Leben aus. Das Wort Gottes aber wuchs und mehrte sich. - Barnabas aber und Saulus kehrten, nachdem sie den Dienst erfüllt hatten, von Jerusalem zurück und nahmen auch den Johannes, zubenamt Markus, mit.


13.


Es waren aber in Antiochia in der Versammlung, die dort war, etliche Propheten und Lehrer: Barnabas und Simeon, genannt Niger, und Lucius von Cyrene, und Manaen, der mit Herodes, dem Vierfürsten, auferzogen war, und Saulus. Als sie aber dem Herrn dienten, und fasteten, sprach der Heilige Geist: Sondert Mir nun den Barnabas und den Saulus zu dem Werke aus, wozu Ich sie berufen habe. Da fasteten und beteten sie; und als sie ihnen die Hände aufgelegt hatten, entließen sie sie. Diese nun, ausgesandt von dem Heiligen Geiste, kamen hinab nach Seleucia, und von dort segelten sie ab nach Cypern. Und als sie in Salamis waren, verkündigten sie das Wort Gottes in den Synagogen der Juden. Sie hatten aber auch den Johannes zum Diener. Als sie aber die ganze Insel bis Paphos durchzogen hatten, fanden sie einen gewissen Magier, einen falschen Propheten, einen Juden mit Namen Bar-Jesus, der bei dem Prokonsul Sergius Paulus, einem verständigen Manne, war. Dieser rief den Barnabas und Saulus, und begehrte, das Wort Gottes zu hören. Elymas aber, der Zauberer, (denn so wird sein Name verdolmetscht), widerstand ihnen, suchend den Prokonsul von dem Glauben abwendig zu machen. Saulus aber, (der auch Paulus heißt), erfüllt von dem Heiligen Geist, und unverwandt auf ihn hinblickend, sprach: O du, voll aller List und aller Bosheit, Sohn des Teufels, Feind aller Gerechtigkeit! willst du nicht aufhören, die geraden Wege des Herrn zu verdrehen? Und jetzt siehe! die Hand des Herrn über dich! und du wirst blind sein, die Sonne eine Zeitlang nicht sehend. - Und auf der Stelle fiel auf ihn Dunkel und Finsternis; und umhertappend, suchte er die, welche ihn bei der Hand leiteten. Als aber der Prokonsul sah, was geschehen war, glaubte er, erstaunt über die Lehre des Herrn. Als aber Paulus und seine Begleiter von Paphos abgesegelt waren, kamen sie nach Perge in Pamphylien. Johannes aber sonderte sich von ihnen ab und kehrte nach Jerusalem zurück. Sie aber, von Perge aus durchziehend, kamen nach Antiochia in Pisidien; und als sie am Tage des Sabbaths in die Synagoge gingen, setzten sie sich. Aber nach der Vorlesung des Gesetzes und der Propheten sandten die Vorsteher der Synagoge zu ihnen, sagend: Männer, Brüder! Wenn in euch ein Wort der Ermahnung an das Volk ist, so redet. - Paulus aber stand auf, winkte mit der Hand und sprach: Männer von Israel, und die ihr Gott fürchtet, höret! Der Gott dieses Volkes hat sich unsere Väter auserwählt; und Er hat das Volk erhöht, als es im Lande Ägypten als Fremde wohnte; und mit erhobenem Arm hat Er sie von da ausgeführt. Und an vierzig Jahre lang hat Er sie in der Wüste gepflegt. Und nachdem Er sieben Nationen im Lande Kanaan vertilgt hatte, ließ Er sie deren Land erben. Und darnach, etwa vierhundert und fünfzig Jahre lang, gab Er Richter bis auf Samuel, den Propheten. Und von da an begehrten sie einen König; und Gott gab ihnen den Saul, Sohn des Kis, einen Mann aus dem Stamme Benjamin, vierzig Jahre lang. Und nachdem Er ihn weggetan hatte, erweckte Er ihnen den David zum König, welchem Er auch Zeugnis gab, und sprach: "Ich habe den David, den Sohn Jesse, gefunden, einen Mann nach Meinem Herzen, welcher Meinen ganzen Willen tun wird." Von dessen Samen hat Gott nach Verheißung dem Israel Jesum als Erretter erweckt, nachdem Johannes, Angesichts Seines Eintritts, die Taufe der Buße dem ganzen Volke Israel verkündigt hatte. Als aber Johannes seinen Lauf erfüllte, sprach er: Wer meinet ihr, daß ich bin?... Nicht ich bin es; aber siehe! Er kommt nach mir, dessen Sandalen loszubinden ich nicht würdig bin. Männer, Brüder, Söhne des Geschlechts Abrahams, und die unter euch, welche Gott fürchten! euch ist das Wort dieses Heils gesandt. Denn die, welche zu Jerusalem wohnen, und ihre Obersten, Ihn nicht anerkennend, noch die Stimmen der Propheten, welche jeden Sabbath gelesen werden, haben diese dadurch, daß sie Ihn richteten, erfüllt. Und obschon sie keine Ursache des Todes fanden, baten sie den Pilatus, daß er getötet würde. Als sie aber Alles erfüllt hatten, was über Ihn geschrieben ist, nahmen sie Ihn von dem Holze ab und legten Ihn in eine Gruft. Gott aber hat Ihn aus den Toten auferweckt, welcher mehrere Tage lang Denen erschienen ist, die mit Ihm von Galiläa nach Jerusalem hinaufgezogen waren, welche Seine Zeugen an das Volk sind. Und wir verkündigen euch die gute Botschaft, die Verheißung, die zu unsern Vätern geschehen ist, und zwar daß Gott diese uns, ihren Kindern, vollständig erfüllt hat, indem Er Jesum auferweckt hat, wie auch in dem zweiten Psalme geschrieben steht: "Du bist Mein Sohn, heute habe Ich Dich gezeugt." - Daß Er Ihn aber aus den Toten auferweckt hat, um nicht mehr zur Verderbnis zurückzukehren, hat Er also gesagt: "Ich werde euch die treue Gnade Davids geben." Deshalb sagt Er auch an einer andern Stelle. "Du wirst Deinen Frommen nicht hingeben, Verwesung zu sehen." - Denn David freilich, als er zu seiner Zeit dem Willen Gottes gedient, entschlief, und ist zu seinen Vätern beigesetzt, und hat die Verwesung gesehen. Der aber, den Gott auferweckt hat, sah die Verwesung nicht. So sei es euch denn kund, Männer, Brüder! daß durch Diesen euch die Vergebung der Sünden verkündigt wird. Und von Allem, worin ihr in dem Gesetze Mosis nicht gerechtfertigt werden konntet, ist in Diesem jeder Glaubende gerechtfertigt. Sehet denn zu, daß nicht auf euch komme, was in den Propheten gesagt ist: Sehet, ihr Verächter! und verwundert euch und verschwindet; denn Ich wirke ein Werk in euren Tagen, ein Werk, woran ihr gar nicht glauben werdet, wenn es euch von Jemand verkündigt wird." Als sie aber hinaus gingen, baten sie, daß ihnen auf den folgenden Sabbath diese Worte geredet würden. Als aber die Synagoge aus war, folgten viele der Juden und der anbetenden Proselyten dem Paulus und dem Barnabas, welche zu ihnen sprachen und sie beredeten, in der Gnade Gottes zu verharren. An dem folgenden Sabbath versammelte sich fast die ganze Stadt, um das Wort Gottes zu hören. Als aber die Juden die Volksmenge sahen, wurden sie voller Neid, und widersprachen Dem, was von Paulus geredet ward, - widersprechend und lästernd. Paulus aber und Barnabas gebrauchten Freimütigkeit und sprachen: Zu euch mußte notwendig das Wort Gottes zuerst geredet werden; weil ihr es aber von euch stoßet, und euch selbst des ewigen Lebens nicht würdig achtet, siehe! so wenden wir uns zu den Nationen. Denn also hat uns der Herr geboten: "Ich habe Dich zum Licht der Nationen gesetzt, daß Du bis an´s Ende der Erde zum Heile werdest." - Als aber die von den Nationen es hörten, wurden sie froh und verherrlichten das Wort des Herrn; und es glaubten so Viele, als zum ewigen Leben verordnet waren. - Das Wort des Herrn aber wurde durch die ganze Gegend ausgebreitet. Die Juden aber erregten die vornehmen und anbetenden Weiber, und die Ersten der Stadt, und erweckten eine Verfolgung wider den Paulus und Barnabas, und trieben sie von ihren Grenzen fort. Sie aber, als sie den Staub von ihren Füßen wider sie abgeschüttelt hatten, kamen nach Ikonium. Die Jünger aber waren mit Freude und dem Heiligen Geiste erfüllt.


14.


Es geschah aber zu Ikonium, daß sie zusammen in die Synagoge der Juden gingen und also redeten, daß sowohl von den Juden als auch von den Griechen eine große Menge glaubte. Die ungläubigen Juden aber reizten und erbitterten die Seelen derer von den Nationen wider die Brüder. Daher verweilten sie lange Zeit, freimütig sprechend in dem Herrn, welcher dem Worte Seiner Gnade Zeugnis gab, und Zeichen und Wunder durch ihre Hände geschehen ließ. Die Menge der Stadt aber war entzweit; und die Einen waren mit den Juden, die Andern aber mit den Aposteln. Als aber ein ungestümer Angriff geschah, sowohl von denen der Nationen, als von den Juden, samt ihren Obersten, um sie zu beschimpfen und zu steinigen, entflohen sie, als sie es inne geworden, in die Städte von Lykaonien: Lystra und Derbe, und die Umgegend, und verkündigten daselbst das Evangelium. Und ein gewisser Mann zu Lystra saß kraftlos an den Füßen, lahm von Mutterleibe an, welcher niemals gewandelt hatte. Dieser hörte Paulus reden; welcher, unverwandt auf ihn hinblickend, und sehend, daß er Glauben habe, geheilt zu werden, mit lauter Stimme sprach: Stehe gerade auf deine Füße! - Und er sprang auf und wandelte. Die Volksmenge aber, als sie sah, was Paulus tat, erhob ihre Stimme, auf lykaonisch sagend: Die Götter sind den Menschen gleich geworden, und sind zu uns herabgekommen. - Und sie nannten den Barnabas Zeus, den Paulus aber Hermes, weil er besonders das Wort führte: Der Priester aber des Zeus, welcher vor ihrer Stadt war, brachte Stiere und Kränze vor die Tore und wollte mit der Volksmenge opfern. Als aber die Apostel Barnabas und Paulus es hörten, zerrissen sie ihre Kleider, sprangen hervor unter die Volksmenge, rufend und sagend: Männer! warum tut ihr Dieses? Auch wir sind Menschen von gleichen Empfindungen, wie ihr; und wir verkündigen euch, daß ihr euch von diesen eitlen Dingen zu dem lebendigen Gott bekehren sollt, welcher den Himmel und die Erde und das Meer und Alles was darinnen ist, gemacht hat, der in den vergangenen Geschlechtern alle die Nationen in ihren eigenen Wegen gehen ließ. Wiewohl Er sich doch nicht unbezeugt gelassen hat, indem Er Gutes tat, euch vom Himmel Regen und fruchtbare Jahreszeiten gebend und eure Herzen mit Freude und Fröhlichkeit erfüllend. - Und als sie dies sagten, hielten sie die Volksmenge kaum ab, daß sie ihnen nicht opferten. Aus Antiochia und Ikonium kamen aber Juden herbei und überredeten die Volksmenge; und nachdem sie den Paulus gesteinigt hatten, schleiften sie ihn zur Stadt hinaus, meinend, er sei gestorben. Als ihn aber die Jünger umringten, stand er auf und ging in die Stadt hinein; und am folgenden Tage zog er aus mit Barnabas nach Derbe. Und als sie jener Stadt das Evangelium verkündigt und eine beträchtliche Anzahl Jünger gemacht hatten, kehrten sie nach Lystra und Ikonium und Antiochia zurück. Und sie befestigten die Seelen der Jünger, indem sie sie ermahnten, in dem Glauben zu bleiben, und daß wir durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen müssen. Als sie ihnen aber in jede Versammlung Älteste gewählt hatten, beteten sie mit Fasten und befahlen sie dem Herrn, an welchen sie geglaubt hatten. Und als sie Pisidien durchzogen hatten, kamen sie nach Pamphylien; und sie gingen, als sie zu Perge das Wort geredet hatten, hinab nach Attalia, und segelten von dort ab nach Antiochia, von wo sie der Gnade Gottes befohlen worden waren für das Werk, welches sie erfüllt hatten. Als sie aber angekommen waren, und die Versammlung zusammengerufen hatten, erzählten sie Alles, was Gott mit ihnen getan hatte, und daß Er den Nationen die Türe des Glaubens geöffnet habe. Sie verweilten aber eine nicht geringe Zeit mit den Jüngern.


15.


Und Etliche kamen von Judäa herab und lehrten die Brüder: Wenn ihr nicht beschnitten werdet nach der Weise Mosis, so könnt ihr nicht selig werden: Da es nun für Paulus und Barnabas wider sie einen Streit und nicht geringen Wortwechsel gab, ordneten sie an, daß Paulus und Barnabas und einige Andere von ihnen hinauf nach Jerusalem zu den Aposteln und Ältesten gehen sollten wegen dieser Streitfrage. Da sie nun von der Versammlung das Geleit erhalten hatten, durchzogen sie Phönizien und Samarien, und machten die Bekehrung der Nationen kund; - und machten allen Brüdern große Freude. Als sie aber nach Jerusalem kamen, wurden sie von der Versammlung und den Aposteln und Ältesten empfangen, und verkündigten Alles, was Gott mit ihnen getan hatte. Etliche aber derer von der Sekte der Pharisäer, welche glaubten, traten auf, sagend: Man muß sie beschneiden und gebieten, daß sie das Gesetz Mosis halten. Die Apostel aber und die Ältesten versammelten sich, um diese Angelegenheit zu besehen. Als aber viel Wortwechsel gewesen war, stand Petrus auf und sprach zu ihnen: Männer, Brüder! Ihr wißt, daß Gott vor längerer Zeit unter uns auserwählt hat, daß durch meinen Mund die Nationen das Wort des Evangeliums hören und glauben sollten. Und der Gott, der die Herzen kennt, hat ihnen Zeugnis gegeben, indem Er ihnen den Heiligen Geist gegeben hat, wie auch uns. Und hat keinen Unterschied zwischen uns und ihnen gemacht, da Er durch den Glauben ihre Herzen gereinigt hat. Nun denn, was versuchet ihr Gott, um ein Joch auf den Hals der Jünger zu legen, welches weder unsere Väter noch wir zu tragen vermochten? sondern wir glauben, durch die Gnade des Herrn Jesu in derselben Weise, wie auch Jene, selig zu werden. - Die ganze Menge aber schwieg und hörten dem Barnabas und Paulus zu, die erzählten, welche Zeichen und Wunder Gott unter den Nationen durch sie getan habe. Nachdem sie aber geschwiegen hatten, antwortete Jakobus, sagend: Männer, Brüder, höret mich! Simon hat erzählt, wie Gott zuerst die Nationen besucht hat, um aus ihnen ein Volk für Seinen Namen zu nehmen. Und hiermit stimmen die Worte der Propheten überein, wie geschrieben steht: "Darnach will Ich zurück kehren, und die verfallene Hütte Davids wieder aufbauen; und ihre Ruinen will Ich wieder bauen, und werde sie wieder aufrichten, damit die Übrigen der Menschen und alle die Nationen, über welche Mein Name angerufen ist, den Herrn aufsuchen," spricht der Herr, der Dieses, von Ewigkeit her bekannt, tut. - Deshalb urteile ich, daß man diejenigen, die von den Nationen zu Gott bekehrt sind, nicht mit Nebendingen beunruhige, sondern ihnen schreibe, daß sie sich von den Verunreinigungen der Götzen, und von der Hurerei, und von dem Erstickten, und von dem Blut enthalten. Denn Moses, jeden Sabbath in den Synagogen vorgelesen, hat von alten Zeiten her in jeder Stadt solche, die ihn predigen. Da däuchte es den Aposteln und den Ältesten mit der ganzen Versammlung gut, Männer aus sich auszuwählen und sie mit dem Paulus und Barnabas nach Antiochia zu senden: den Judas, mit dem Zunamen Barsabas, und Silas, - Männer, die Führer unter den Brüdern waren. Und sie schrieben und sandten durch ihre Hand Dieses: "Die Apostel und die Ältesten und die Brüder, den Brüdern aus den Nationen, zu Antiochia, und in Syrien und Cilicien ihren Gruß. Dieweil wir gehört haben, daß Etliche, die aus unserer Mitte ausgegangen sind, euch mit Worten beunruhigt haben, indem sie eure Seelen verstörend, sagen: ihr müßtet beschnitten werden, und das Gesetz halten - denen wir keine Befehle gegeben haben -, däuchte es uns einstimmig gut, auserwählte Männer, mit unsern Geliebten, dem Barnabas und Paulus zu euch zu senden, - Männer, die ihr Leben für den Namen unsers Herrn Jesu Christi hingegeben haben. So haben wir denn Judas und Silas gesandt, und die werden auch mündlich dasselbe verkündigen. Denn es hat dem Heiligen Geiste und uns gut geschienen, keine größere Last auf euch zu legen, als nur diese nötigen Stücke: euch von Götzenopfern, und Blut, und Ersticktem, und Hurerei zu enthalten. Wenn ihr euch davor bewahret, tut ihr recht. Lebet wohl!" Diese nun, nachdem sie entlassen waren, kamen nach Antiochia und versammelten die Menge und übergaben den Brief. Sie aber, als sie ihn gelesen, freuten sich über den Trost. Judas aber und Silas, welche auch selbst Propheten waren, ermunterten die Brüder mit vielen Worten und stärkten sie. Als sie sich aber eine Zeitlang aufgehalten hatten, wurden sie mit Frieden von den Brüdern zu denen entlassen, welche sie gesandt hatten. Dem Silas däuchte es aber gut, da zu bleiben. Paulus aber und Barnabas blieben in Antiochia, mit noch vielen Andern das Wort des Herrn lehrend und verkündigend. Nach etlichen Tagen aber sprach Paulus zu Barnabas: Laß uns denn zurückkehren und die Brüder in jeder Stadt besuchen, in welcher wir das Wort des Herrn verkündigt haben, - wie es ihnen geht. Barnabas aber war gesonnen, den Johannes, genannt Markus, mitzunehmen. Paulus aber hielt es für gut, den nicht mitzunehmen, der sich von ihnen von Pamphylien getrennt hatte, und nicht mit ihnen zum Werke gegangen war. Da kamen sie scharf aneinander, so daß sie sich voneinander trennten, und daß Barnabas den Markus mitnahm und nach Cypern schiffte. Paulus aber nahm den Silas zu sich, und zog aus, der Gnade Gottes von den Brüdern befohlen. Und er durchzog Syrien und Cilicien, und befestigte die Versammlungen.


16.


Er traf aber in Derbe und Lystra ein. Und siehe! daselbst war ein gewisser Jünger, mit Namen Timotheus, Sohn eines gläubigen jüdischen Weibes, aber von einem griechischen Vater. Der hatte ein gutes Zeugnis von den Brüdern zu Lystra und Ikonium. Paulus wollte, daß dieser mit ihm ausgehe, und er nahm und beschnitt ihn um der Juden willen, die in jenen Orten waren; denn sie kannten alle seinen Vater, daß er ein Grieche war. Als sie aber die Städte durchzogen, teilten sie ihnen zur Beobachtung die Beschlüsse mit, die von den Aposteln und Ältesten in Jerusalem festgesetzt waren. So wurden die Versammlungen im Glauben befestigt, und vermehrten sich täglich an Zahl. Als sie aber Phrygien und die Landschaft von Galatien durchzogen hatten, und von dem Heiligen Geiste verhindert wurden, das Wort in Asien zu reden, kamen sie nach Mysien, und versuchten nach Bithynien zu reisen; und der Geist Jesu erlaubte es ihnen nicht. Sie zogen aber an Mysien vorbei und gingen nach Troas hinab. Und in der Nacht erschien dem Paulus ein Gesicht: Ein gewisser Mann von Macedonien stand und bat ihn und sprach: Komme herüber nach Macedonien und hilf uns! - Als er aber das Gesicht gesehen hatte, suchten wir alsbald nach Macedonien abzureisen, indem wir schlossen, daß uns der Herr gerufen hatte, ihnen das Evangelium zu verkündigen. Wir fuhren also von Troas ab, und liefen gerade in Samothrace ein, und am folgenden Tage nach Neapolis; und von da nach Philippi, welche die erste Stadt jenes Teiles in Macedonien ist, eine Kolonie. In dieser Stadt aber verweilten wir einige Tage. Und am Tage des Sabbaths gingen wir hinaus vor die Stadt an einen Fluß, wo es gebräuchlich war, das Gebet zu tun. Und wir setzten uns, und redeten mit den Weibern, die da zusammengekommen waren. Und ein gewisses Weib, Namens Lydia, eine Purpurkrämerin aus der Stadt Thyatira, welche Gott anbetete, hörte zu; und dieser tat der Herr das Herz auf, so daß sie Acht gab auf das, was von Paulus geredet ward. Als sie aber und ihr Haus getauft war, bat sie, sagend: Wenn ihr mich für treu dem Herrn haltet, so kehrt in mein Haus ein und bleibet. Und sie nötigte uns. Es begab sich aber, als wir zum Gebet gingen, daß uns eine gewisse Magd begegnete, welche einen Wahrsagergeist hatte; und diese brachte ihren Herren vielen Gewinn mit ihrem Wahrsagen. Diese folgte dem Paulus und uns nach, und rief, sagend: Diese Menschen sind Knechte des höchsten Gottes, die euch den Weg des Heils verkündigen. Dieses aber tat sie viele Tage. Paulus aber ward ganz betrübt, und wandte sich und sprach zu dem Geiste: Ich gebiete dir in dem Namen Jesu Christi von ihr auszufahren! - Und er fuhr zu derselben Stunde aus. Als aber ihre Herren sahen, daß die Hoffnung ihres Gewinnes dahin war, griffen sie den Paulus und den Silas, und schleppten sie auf den Markt zu den Vorstehern. Und sie führten sie zu den Hauptleuten und sprachen: Diese Menschen, welche Juden sind, verwirren ganz und gar unsere Stadt; und sie verkündigen Sitten, welche uns nicht erlaubt sind anzunehmen noch zu tun, da wir Römer sind. Und die Volksmenge erhob sich sogleich wider sie, und die Hauptleute rissen ihnen die Kleider ab, und befahlen, sie mit Ruten zu schlagen. Und als sie ihnen viele Schläge beigebracht hatten, warfen sie sie in´s Gefängnis und befahlen dem Kerkermeister, sie sicher zu bewahren. Als der solchen Befehl empfangen hatte, warf er sie in das innerste Gefängnis und schloß ihre Füße in den Stock. Aber um Mitternacht beteten Paulus und Silas und lobsangen Gott; es hörten sie aber die Gefangenen. Plötzlich aber geschah ein großes Erdbeben, so daß die Grundfesten des Gefängnisses erschüttert wurden, und sich auf der Stelle alle Türen öffneten, und Aller Bande gelöst wurden. Der Kerkermeister aber, aus dem Schlaf wach gemacht, und die Türen des Gefängnisses geöffnet sehend, zog das Schwert und wollte sich selbst töten, glaubend, daß die Gefangenen entflohen seien. Paulus aber rief mit lauter Stimme, sagend: Tue dir nichts zu Leide, denn wir sind Alle hier. Er aber forderte Licht und sprang hinein, und zitternd geworden, fiel er vor Paulus und Silas hin. Und als er sie herausgeführt hatte, sprach er: Ihr Herren, was muß ich tun, daß ich selig werde? - Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesum Christum, und du wirst selig werden und dein Haus. Und sie redeten zu ihm und zu Allen, die in seinem Hause waren, das Wort des Herrn. Und er nahm sie in jener Stunde der Nacht zu sich und wusch ihnen die Striemen ab; und er ward getauft, und alle die Seinigen alsbald. Und er führte sie in sein Haus und setzte ihnen einen Tisch vor; und an Gott glaubend, frohlockte er mit seinem ganzen Hause. Als es aber Tag geworden war, sandten die Hauptleute die Rutenträger, sagend: Laß jene Menschen los. Der Kerkermeister aber machte diese Worte dem Paulus kund: Die Hauptleute haben geschickt, daß ihr losgelassen würdet; so gehet denn jetzt weg, und ziehet hin in Frieden! - Paulus aber sprach zu ihnen: Öffentlich haben sie uns, die wir Römer sind, unverurteilt geschlagen, und haben uns in´s Gefängnis geworfen; und jetzt stoßen sie uns heimlich aus? Nicht doch, sondern laß sie selbst kommen und uns herausführen. Die Rutenträger aber meldeten diese Worte den Hauptleuten; und sie fürchteten sich, als sie hörten, daß sie Römer seien. Und sie kamen und redeten ihnen zu, und führten sie heraus und baten sie, daß sie aus der Stadt gingen. Als sie aber aus dem Gefängnis herausgegangen waren, gingen sie zu der Lydia; und als sie die Brüder gesehen hatten, trösteten sie sie und gingen weg.


17.


Als sie aber durch Amphipolis und Apollonia reisten, kamen sie nach Thessalonich, wo die Synagoge der Juden war. Nach seiner Gewohnheit aber ging Paulus zu ihnen hinein, und redete drei Sabbather nach einander zu ihnen aus den Schriften; und eröffnete und legte ihnen dar, daß der Christus leiden und aus den Toten auferstehen mußte, und daß dieser Jesus, den ich euch verkündige, der Christus ist. Und Etliche aus ihnen glaubten und gesellten sich zu Paulus und Silas; und der anbetenden Griechen eine große Menge, und der vornehmsten Weiber nicht wenige. Die ungläubigen Juden aber, voll Neid, nahmen etliche böse Männer vom Gassenpöbel zu sich, machten einen Volksauflauf und brachten die Stadt in Verwirrung; und sie traten vor das Haus des Jason und trachteten sie unter das Volk zu führen. Als sie sie aber nicht fanden, schleppten sie den Jason und etliche Brüder vor die Obersten der Stadt, rufend: Die, welche den Erdkreis aufgewiegelt haben, diese sind auch hierher gekommen, welche Jason beherbergt hat; und diese Alle handeln wider die Verordnungen des Kaisers, sagend, daß ein anderer König sei, Jesus. Sie beunruhigten aber die Volksmenge und die Obersten des Volks, welche dies hörten. Und als sie Bürgschaft von Jason und von den Übrigen genommen hatten, ließen sie sie gehen. Die Brüder aber sandten alsbald in der Nacht den Paulus und den Silas nach Beröa, welche, als sie angekommen waren, in die Synagoge der Juden gingen. Diese aber waren edler als die zu Thessalonich; sie nahmen mit aller Bereitwilligkeit das Wort auf, indem sie täglich die Schriften untersuchten, ob dies sich also verhielte. Darum glaubten Viele von ihnen, und von den griechischen vornehmen Weibern und Männern nicht wenige. Als aber die Juden von Thessalonich erfuhren, daß auch in Beröa das Wort Gottes von Paulus verkündigt würde, kamen sie auch dorthin, und erregten die Volksmenge. Da schickten aber die Brüder alsbald den Paulus weg, um bis zum Meere zu gehen. Silas aber und Timotheus blieben da. Die aber den Paulus hinbrachten, geleiteten ihn bis Athen; und als sie für den Silas und Timotheus den Befehl empfangen hatten, daß sie so bald als möglich zu ihm kommen sollten, reisen sie ab. Während aber Paulus sie in Athen erwartete, ward sein Geist in ihm bewegt, als er sah, daß die Stadt voll von Götzenbildern war. Er redete nun in der Synagoge mit den Juden und mit den Anbetern, und auf dem Markte an jedem Tage mit denen, die gerade da waren. Etliche aber der epikuräischen und stoischen Philosophen griffen ihn an, und Etliche sagten: Was will doch dieser Schwätzer sagen? - Andere aber: Er scheint ein Verkündiger fremder Götter zu sein? - weil er ihnen Jesum und die Auferstehung predigte. Und sie faßten ihn an und führten ihn zum Areopag, sagend: Können wir erfahren, was dies für eine neue Lehre ist, wovon du sprichst? Denn du bringst etwas Fremdes vor unsere Ohren; so wollen wir denn wissen, was das sein mag. (Alle Athener aber und die Fremden, die sich da aufhielten, brachten ihre Zeit mit nichts Anderem zu, als etwas Neues zu sagen oder zu hören.) Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Männer, Athener! Ich sehe, daß ihr in jeder Beziehung den Götzen ergeben seid. Denn als ich umherging und die Gegenstände eurer Verehrung betrachtete, fand ich auch einen Altar, auf welchem die Aufschrift war: Dem unbekannten Gott! - welchen ihr denn, ohne Ihn zu kennen, anbetet; - Diesen verkündige ich euch. Der Gott, der die Welt gemacht hat, und Alles, was drinnen ist. - Dieser, indem Er der Herr des Himmels und der Erde ist, wohnt nicht in Tempeln mit Händen gemacht, noch wird Er von Menschenhänden bedient, als der Etwas bedürfte, weil Er selbst Allen Leben und Odem und Alles gibt. Und er hat jede Nation der Menschen von einem Blute gemacht, auf daß sie über den ganzen Erdboden wohnen, indem Er die verordneten Zeiten und Grenzen ihrer Wohnung bestimmt hat; daß sie Gott suchen, ob sie vielleicht ihn tastend fühlen und finden möchten, obgleich Er nicht ferne von einem Jeglichen von uns ist. Denn in Ihm leben und bewegen wir uns, und sind wir; wie auch Etliche eurer Dichter gesagt haben: "Denn wir sind auch Sein Geschlecht." Da wir denn Gottes Geschlecht sind, sollen wir nicht meinen, daß die Gottheit dem Golde, oder Silber, oder Stein, einem Gebilde der Kunst und der Erfindung des Menschen gleich sei. Nachdem denn Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet Er jetzt allenthalben allen Menschen Buße zu tun. Denn Er hat einen Tag festgesetzt, an welchem Er den Erdkreis in Gerechtigkeit durch den Mann richten wird, den Er dazu bestimmt hat, welches zu glauben Er allen Menschen Grund gegeben, als Er Ihn aus den Toten auferweckt hat. Als sie aber von Auferstehung der Toten hörten, spotteten die Einen; Andere aber sagten: Wir wollen dich weiter hierüber hören. - Und so ging Paulus aus ihrer Mitte weg. Etliche Männer aber hielten sich zu ihm und glaubten; - unter ihnen auch Dionysius, der Areopagit, und ein Weib, mit Namen Damaris, und Andere mit ihnen.


18.


Darnach aber schied Paulus von Athen, und ging nach Corinth. Und als er einen Juden, Namens Aquila, aus Pontus gebürtig, fand, der kürzlich aus Italien gekommen war, und Priscilla, sein Weib, - (weil Claudius befohlen hatte, daß sich alle Juden aus Rom fortbegeben sollten) - ging er zu ihnen; und er bliebt, weil er von gleichem Handwerk war, bei ihnen und arbeitete; denn sie waren Zeltmacher ihres Handwerks. Er redete aber in der Synagoge an jedem Sabbath, und bewegte sowohl Juden als Griechen zum Glauben. Als aber Silas und Timotheus von Macedonien angekommen waren, fühlte sich Paulus durch die Kraft des Wortes gedrungen, und gab den Juden Zeugnis, daß Jesus der Christus sei. Als sie aber widerstrebten und lästerten, schüttelte er seine Kleider aus und sprach zu ihnen: Euer Blut auf euern Kopf! Ich bin rein; von jetzt an werde ich zu den Nationen gehen. - Und von dannen fortgehend, kam er in das Haus eines gewissen Mannes mit Namen Justus, welcher Gott anbetete; - dessen Wohnung stieß an die Synagoge. Krispus aber, der Vorsteher der Synagoge, glaubte an den Herrn mit seinem ganzen Hause; und viele der Corinther, die das Evangelium hörten, glaubten und wurden getauft. Der Herr aber sprach in einem Gesicht in der Nacht zu Paulus: "Fürchte dich nicht, sondern rede, und schweige nicht! Denn Ich bin mit dir, und Niemand soll dich angreifen, dir Übels zu tun; denn Ich habe ein großes Volk in dieser Stadt." - Und er hielt sich ein Jahr und sechs Monate auf, das Wort Gottes unter ihnen lehrend. Als aber Gallion Prokonsul von Achaja war, traten die Juden einmütig gegen Paulus auf und führten ihn vor den Richterstuhl, sagend: Dieser überredet die Menschen, Gott anzubeten gegen das Gesetz. Als aber Paulus den Mund auftun wollte, sagte Gallion zu den Juden: Wenn es wirklich eine Ungerechtigkeit oder eine böse Handlung wäre, o Juden, würde ich euch billigerweise vertragen. Wenn es aber eine Frage von Wort und Namen und Gesetz, welches ihr habt, ist, so seht ihr selbst zu! Denn ich will nicht Richter darüber sein. Und er trieb sie vom Richterstuhle weg. Die Griechen aber alle ergriffen Sosthenes, den Vorsteher der Synagoge, und schlugen ihn vor dem Richterstuhl; und Gallion kümmerte sich nicht um dies Alles. Paulus aber, als er noch viele Tage daselbst geblieben war, nahm Abschied von den Brüdern und segelte nach Syrien, und mit ihm Priscilla und Aquila, nachdem er zu Kenchrea das Haupt geschoren; denn er hatte ein Gelübde. Er kam aber nach Ephesus, und ließ Jene daselbst; er selbst aber ging in die Synagoge und redete mit den Juden. Als sie ihn aber baten, er möchte längere Zeit bei ihnen bleiben, bewilligte er es nicht, sondern nahm Abschied von ihnen, sagend: Ich muß durchaus das zukünftige Fest in Jerusalem halten; ich werde aber, wenn Gott will, zu euch zurückkehren. - Und er fuhr von Ephesus weg; und er kam nach Cäsarea, ging hinauf und grüßte die Versammlung, und zog hinab nach Antiochia. Und als er einige Zeit daselbst zugebracht hatte, reiste er ab, durchzog der Reihe nach die galatische Landschaft und Phrygien, alle die Jünger befestigend. Ein gewisser Jude aber, Namens Apollos, aus Alexandria gebürtig, ein beredter Mann, kam nach Ephesus; und er war mächtig in den Schriften. Dieser war in dem Wege des Herrn unterwiesen; und brünstig im Geist, redete und lehrte er sorgfältig die Sache des Herrn, allein die Taufe Johannis wissend. Und dieser fing an, in der Synagoge freimütig zu sprechen. Als aber Aquila und Priscilla ihn hörten, nahmen sie ihn zu sich, und legten ihm noch genauer den Weg Gottes aus. Als er aber nach Achaja reisen wollte, schrieben die Brüder den Jüngern, sie ermahnend, ihn aufzunehmen; - welcher, als er hinkam, denen, welche durch die Gnade geglaubt hatten, sehr behilflich war, - denn kräftig widerlegte er öffentlich die Juden, durch die Schriften beweisend, daß Jesus der Christus ist. -


19.


Es geschah aber, während Apollos zu Corinth war, daß Paulus, nachdem er die oberen Gegenden durchzogen hatte, nach Ephesus kam; und er fand daselbst etliche Jünger und sprach zu ihnen: Habt ihr den Heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden? - Sie aber sagten zu ihm: Wie haben nicht einmal gehört, ob der Heilige Geist ist. - Und er sprach zu ihnen: Wozu seid ihr denn getauft worden? - Sie aber sagten: Mit der Taufe Johannis. - Paulus aber sprach: Johannes hat mir der Taufe der Buße getauft, dem Volke sagend, daß sie an Den, der nach ihm käme, glauben sollten, das ist an Jesum Christum. Als sie es aber gehört hatten, wurden sie auf den Namen des Herrn Jesu getauft und als Paulus ihnen die Hände aufgelegt hatte, kam der Heilige Geist auf sie; und sie redeten in Sprachen und weissagten. Es waren aber der Männer in Allem bei zwölf. Und er ging in die Synagoge und sprach freimütig, und redete drei Monate lang, und legte ihnen die Sache des Reiches Gottes an´s Herz. Als aber Etliche verhärtet waren und nicht glaubten, und vor der Menge von dem Wege übel redeten, begab er sich von ihnen weg, und sonderte die Jünger ab, und redete täglich in der Schule eines gewissen Tyrannus. Dies aber geschah zwei Jahre lang, so daß Alle, die in Asien wohnten, beides, Juden und Griechen das Wort des Herrn hörten. Und nicht gemeine Wunder tat Gott durch die Hände des Paulus, so daß man sogar Schweißtücher oder Schürzen von seinem Leibe auf die Kranken legte, und die Krankheiten von ihnen wichen und die bösen Geister ausfuhren. Etliche aber von den sich herumtreibenden jüdischen Beschwörern unternahmen es, über Diejenigen, welche die bösen Geister hatten, den Namen des Herrn Jesu anzurufen, sagend. Ich beschwöre euch bei dem Jesu, den Paulus predigt! - Es waren aber etliche Söhne eines Juden und Hohenpriesters, Skeva, ihrer Sieben, welche dieses taten. Der böse Geist aber antwortete und sprach: Den Jesus kenne ich, und von dem Paulus weiß ich wohl; - aber ihr, wer seid ihr? Und der Mensch, in welchem der böse Geist war, sprang auf sie und bemeisterte sich ihrer und überwältigte sie, so daß sie nackt und verwundet aus jenem Hause entflohen. Dies aber ward Allen bekannt, beiden, Juden und Griechen, die zu Ephesus wohnten; und Furcht fiel auf sie Alle, und der Name des Herrn Jesu ward erhoben. Viele aber von Denen, die gläubig geworden waren, kamen und bekannten und verkündigten ihre Taten. Manche aber von Denen, welche die vorwitzigen Künste getrieben hatten, trugen die Bücher zusammen und verbrannten sie vor Allen; und sie berechneten den Wert derselben, und fanden ihn zu fünfzigtausend Stück Silber. - Also wuchs mit Macht das Wort des Herrn und machte seine Kraft geltend. Als Dieses aber erfüllt war, setzte sich Paulus, nachdem er Macedonien und Achaja durchzogen hatte, in seinem Geiste vor, nach Jerusalem zu reisen, sagend: Wenn ich daselbst gewesen bin, muß ich auch Rom sehen. - Er sandte aber nach Macedonien zwei von Denen, die ihm dienten, Timotheus und Erastus, und er selbst verweilte eine Zeit lang in Asien. - Es entstand aber um jene Zeit ein nicht geringer Lärm über "den Weg". Denn ein Gewisser, Namens Demetrius, ein Silberschmied, der silberne Tempel der Artemis machte, verschaffte den Künstlern einen nicht geringen Erwerb; welche er, so wie auch die Arbeiter solcher Sachen, versammelte und sprach: Männer! Ihr wißt, daß aus diesem Erwerb unser Wohlstand ist; und ihr seht und hört, daß dieser Paulus nicht allein zu Ephesus, sondern beinahe in ganz Asien eine große Volksmenge überredet und abgewandt hat, sagend: daß dies keine Götter seien, die mit Händen gemacht werden; und nicht allein läuft uns dieses Gewerbe Gefahr, in Verachtung zu kommen, sondern auch der Tempel der großen Göttin Artemis, für nichts geachtet zu werden, und auch ihre Majestät, welche ganz Asien und der Erdkreis anbetet, wird vernichtet werden. Als sie aber dies hörten und voll Wut wurden, schrieen sie, sagend: Groß ist die Artemis der Epheser! - Und die ganze Stadt war voll Verwirrung; und sie stürmten einhellig nach dem Theater, indem sie den Gajus und Aristarchus aus Macedonien, die Reisegefährten Pauli, mit fortrissen. Als aber Paulus unter das Volk gehen wollte, ließen es ihm die Jünger nicht zu. Und etliche der Asiarchen, die seine Freunde waren, sandten zu ihm und baten ihn, sich nicht nach dem Theater zu begeben. Die Einen nun schrieen Dies, die Andern Das; denn die Versammlung war im Wirrwarr, und die Meisten wußten nicht, weshalb sie zusammen gekommen waren. Sie zogen aber Alexander aus der Volksmenge hervor, indem die Juden ihn hervorstießen. Alexander aber winkte mit der Hand, und wollte sich vor dem Volk verantworten. Als sie aber erkannten, daß er ein Jude sei, erhob sich Eine Stimme von Allen, die bei zwei Stunden schrieen: Groß die Artemis der Epheser! - Als aber der Stadtschreiber die Volksmenge beruhigt hatte, spricht er: Männer von Ephesus! Wo ist doch ein Mensch, der nicht wisse, daß die Stadt der Epheser eine Tempelpflegerin der großen Artemis und des von Zeus herniedergefallenen Bildes ist? Weil denn dieses unwidersprechlich ist, so solltet ihr beruhigt sein und nichts Übereiltes tun. Denn ihr habt diese Männer hergeführt, die doch weder Tempelräuber noch Lästerer eurer Göttin sind. Wenn denn nun Demetrius und mit ihm die Künstler wider Jemanden eine Sache haben, so werden Gerichtstage gehalten, und es sind Statthalter da; lasset sie sich einander verklagen. Wenn ihr aber wegen anderer Dinge ein Gesuch habt, so wird es in einer gesetzmäßigen Versammlung erledigt werden. Denn wir sind auch in Gefahr wegen heute des Aufruhrs angeklagt zu werden, indem es keine Ursache gibt, weswegen wir uns über diesen Auflauf werden verantworten können. - Und als er das gesagt hatte, löste er die Versammlung auf.


20.


Nachdem aber der Tumult aufgehört hatte, rief Paulus die Jünger zu sich, und als er sie gegrüßt hatte, ging er fort, um nach Macedonien zu reisen. Als er aber jene Gegenden durchzogen und sie mit vielen Worten ermahnt hatte, kam er nach Griechenland. Und nachdem er sich drei Monate aufgehalten hatte und ein Anschlag von den Juden gegen ihn gemacht wurde, als er nach Syrien fahren wollte, ward er des Sinnes durch Macedonien zurückzukehren. Es begleitete ihn aber bis nach Asien Sopater von Beröa, Sohn des Pyrhus; von den Thessalonichern aber Aristarchus und Sekundus und Gajus, und Timotheus von Derbe, und Tychikus und Trophimus aus Asien. Diese gingen voraus und warteten auf uns in Troas. Wir aber segelten nach den Tagen der ungesäuerten Brote von Philippi ab und kamen zu ihnen nach Troas in fünf Tagen, wo wir sieben Tage verweilten. Aber an dem ersten Tage der Woche, als wir versammelt waren, um Brot zu brechen, redete Paulus zu ihnen, indem er vorhatte, am folgenden Tage abzureisen; - und er verzog das Wort bis Mitternacht. Es waren aber viele Fackeln in dem Obersaal, wo wir versammelt waren. Ein gewisser Jüngling aber, Namens Eutychus, saß am Fenster in einen tiefen Schlaf versunken, während Paulus seine Rede in die Länge zog; und von dem Schlaf überwältigt, fiel er vom dritten Stock hinab, und ward tot aufgehoben. Paulus aber ging hinab und fiel auf ihn; und ihn umfassend, sagte er: Machet keinen Lärm, denn seine Seele ist in ihm. Und als er hinaufgestiegen war und das Brot gebrochen und etwas genossen hatte, und lange bis zum Anbruch des Tages gesprochen hatte, reiste er also ab. Sie brachten aber den Knaben lebend und wurden nicht wenig getröstet. Wir aber gingen vor auf das Schiff und fuhren gen Assos, und daselbst sollten wir Paulus aufnehmen; denn so hatte er es angeordnet, da er selbst vorhatte, zu Fuß zu gehen. Als er aber mit uns in Assos zusammentraf, nahmen wir ihn auf und kamen nach Mitylene. Und als wir von da abgesegelt waren, gelangten wir am folgenden Tage Chios gegenüber an; am andern Tage aber kamen wir nach Samos und blieben in Trogyllion und kamen am folgenden Tage nach Milet; denn Paulus hatte beschlossen, an Ephesus vorbeizufahren, damit es ihm nicht geschehe, daß er in Asien die Zeit versäume; denn er eilte, um am Pfingsttage (wenn es ihm möglich wäre), in Jerusalem zu sein. Von Milet aber sandte er nach Ephesus und ließ die Ältesten der Versammlung dahin rufen. Als sie aber zu ihm hinkamen, sprach er zu ihnen: Ihr wißt, von dem ersten Tage an, seit ich nach Asien gekommen, wie ich die ganze Zeit bei euch gewesen bin, - dem Herrn dienend mit aller Demut und mit Tränen und Versuchungen, die mir durch die Nachstellungen der Juden widerfahren sind; wie ich nichts vorenthalten habe, von dem was nützlich ist, das ich euch nicht verkündigt und euch gelehrt hätte, öffentlich und in den Häusern; bezeugend beiden, Juden und Griechen, die Buße zu Gott und den Glauben an unsern Herrn Jesum Christum. Und nun siehe! ich, gebunden in meinem Geiste, gehe hin nach Jerusalem, nicht wissend, was mir daselbst begegnen wird, es sei denn, daß der Heilige Geist Stadt für Stadt bezeugt und sagt, daß Bande und Trübsale meiner warten. Aber ich achte nichts, noch halte ich mein Leben für mich selbst teuer, auf daß ich meinen Lauf und den Dienst, welchen ich von dem Herrn Jesu empfangen habe, das Evangelium von der Gnade Gottes zu bezeugen, mit Freuden vollende. Und nun siehe! Ich weiß, daß ihr Alle, unter welchen ich, das Reich Gottes predigend, umhergegangen bin, nicht mehr mein Angesicht sehen werdet. Deshalb bezeuge ich euch an dem heutigen Tage, daß ich von dem Blute Aller rein bin. Denn ich habe nichts vorenthalten, daß ich euch nicht den ganzen Rat Gottes verkündigt hätte. So habt denn Acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher euch der Heilige Geist als Aufseher gesetzt hat, die Versammlung Gottes zu hüten, welche Er sich erworben hat durch das Blut Seines Eigenen. Denn ich weiß Dieses, daß nach meinem Abschied verderbliche Wölfe zu euch hereinkommen werden, die der Herde nicht schonen. Und aus eurer eigenen Mitte werden Männer aufstehen, die verkehrte Dinge reden, um die Jünger abzuziehen hinter sich her. Deshalb wachet und gedenket, daß ich drei Jahre lang Nacht und Tag nicht aufgehört habe, einen Jeglichen von euch mit Tränen zu ermahnen. Und nun befehle ich euch, Brüder, Gott und dem Wort Seiner Gnade, welches vermag, aufzuerbauen und euch ein Erbe unter allen Geheiligten zu geben. Ich habe Niemandes Silber, oder Gold, oder Kleider begehrt. Ihr selbst wisset, daß meinen Bedürfnissen, und Denen, die bei mir waren, diese Hände gedient haben. Ich habe euch Alles gezeigt, daß ihr, also euch bemühend, euch der Schwachen annehmen und der Worte des Herrn Jesu gedenken sollt, welcher gesagt hat: Geben ist seliger, als nehmen. - Und als er dies gesagt hatte, kniete er nieder, und betete mit ihnen Allen. Es ward aber viel Weinens bei Allen; und sie fielen Paulus um den Hals und küßten ihn viel; am allermeisten betrübt über das Wort, was er gesagt hatte, sie würden sein Angesicht nicht mehr schauen. - Sie geleiteten ihn aber auf das Schiff.


21.


Als es aber geschah, daß wir, nachdem wir von ihnen getrennt waren, dahin fuhren, kamen wir gerades Weges nach Kos; am folgenden Tage aber nach Rhodus und von da nach Patara. Und als wir ein Schiff fanden, welches nach Phönicien übersetzte, stiegen wir ein und fuhren hin. Als wir aber Cyperns ansichtig wurden und es links liegen ließen, segelten wir nach Syrien und legten zu Tyrus an; denn dorthin hatte das Schiff die Ladung abzuliefern. Und als wir die Jünger gefunden hatten, blieben wir daselbst sieben Tage, und diese sagten dem Paulus durch den Geist, daß er nicht nach Jerusalem hinaufziehen solle. Als es aber geschah, daß wir die Tage vollendet hatten, gingen wir aus und reisten weiter; und sie Alle geleiteten uns mit Weibern und Kindern bis außerhalb der Stadt; und am Ufer niederknieend, beteten wir. Und als wir Abschied voneinander genommen hatten, gingen wir zu Schiffe; Jene aber kehrten nach Hause zurück. Als wir aber die Fahrt von Tyrus vollbracht hatten, gelangten wir nach Ptolemais, und grüßten die Brüder und blieben einen Tag bei ihnen. Am folgenden Tage aber zogen wir aus und kamen nach Cäsarea; und wir gingen in das Haus Philippi, des Evangelisten - (der einer von den Sieben war) - und blieben bei ihm. Dieser aber hatte vier Töchter, Jungfrauen, welche weissagten. Als wir aber mehrere Tage blieben, kam ein gewisser Prophet, Namens Agabus, aus Judäa herab. Und er kam zu uns und nahm den Gürtel des Paulus und band seine Hände und Füße und sprach: Das sagt der Heilige Geist: Den Mann, des dieser Gürtel ist, werden die Juden in Jerusalem also binden und in die Hände der Nationen überliefern. - Als wir aber dieses hörten, baten ihn sowohl wir, als die daselbst Wohnenden, daß er nicht nach Jerusalem hinaufginge. Paulus aber antwortete: Was machet ihr doch, daß ihr weinet und mir das Herz brechet? Denn ich bin nicht allein bereit, gebunden zu werden, sondern auch in Jerusalem für den Namen des Herrn Jesu zu sterben. Als er sich aber nicht überreden ließ, schwiegen wir und sagten: Der Wille des Herrn geschehe! Nach diesen Tagen aber machten wir unsere Sachen bereit und gingen hinauf nach Jerusalem. Es gingen aber auch etliche von den Jüngern aus Cäsarea mit uns und führten mit sich einen Cyprier, Mnason, einen alten Jünger, bei dem wir herbergen sollten. Als wir aber in Jerusalem angekommen waren, nahmen uns die Brüder freudig auf. Am folgenden Tage aber ging Paulus mit uns zu Jakobus, und alle Ältesten kamen dahin. Und als er sie begrüßt, erzählte er ihnen, Eins nach dem Andern, was Gott unter den Nationen durch seinen Dienst getan habe. Sie aber, als sie es gehört hatten, erhoben den Herrn, und sprachen zu ihm: Bruder! Du siehst, wie viel Tausend Juden es gibt, welche glauben, und Alle sind Eiferer des Gesetzes. Sie sind aber über dich berichtet, daß du alle Juden, die unter den Nationen wohnen, Abfall von Mose lehrest, und sagest, sie sollen die Kinder nicht beschneiden, noch in den Gebräuchen wandeln. Was ist es denn? Auf jeden Fall muß die Menge zusammenkommen; denn sie werden hören, daß du gekommen bist. Tue nun Dieses, was wir dir sagen: Wir haben vier Männer, die haben ein Gelübde auf sich. Diese nimm zu dir und reinige dich mit ihnen und trage die Kosten mit ihnen, daß sie das Haupt scheren lassen; und Alle werden erkennen, daß es nichts ist, wessen sie über dich berichtet sind, sondern daß du selbst auch in der Beobachtung des Gesetzes wandelst. Was aber die Gläubigen von den Nationen betrifft, so haben wir geschrieben und verfügt, daß sie nichts dergleichen halten sollten, es sei denn, daß sie sich von Götzenopfer und Blut und Ersticktem und Hurerei bewahren. - Da nahm Paulus die Männer zu sich; und als er sich am folgenden Tage mit ihnen gereinigt hatte, ging er in den Tempel und verkündigte die Erfüllung der Tage der Reinigung, bis daß für jeden Einzelnen von ihnen das Opfer dargebracht worden wäre. Als aber beinahe die sieben Tage vollendet waren, sahen ihn die Juden aus Asien im Tempel, und brachten die ganze Volksmenge in Aufregung und legten die Hände an ihn, schreiend: Männer von Israel, helfet! Dieser ist der Mensch, der wider das Volk und das Gesetz und diese Stätte Alle allenthalben lehrt; und obendrein hat er auch Griechen in den Tempel hineingebracht und hat diese heilige Stätte verunreinigt. (Denn sie hatten vorher den Trophimus, den Epheser, mit ihm in der Stadt gesehen, von welchem sie meinten, daß Paulus ihn in den Tempel hineingebracht habe.) - Und die ganze Stadt war bewegt, und es entstand ein Zusammenlauf des Volks; und sie griffen Paulus und schleppten ihn aus dem Tempel; und die Türen wurden alsbald geschlossen. Als sie ihn aber zu töten suchten, kam an den Obersten über Tausend, der über die Schar war, die Nachricht, ganz Jerusalem sei in Unordnung. Der nahm auf der Stelle Kriegsknechte und Hauptleute mit, und lief zu ihnen hinab. Als sie aber den Obersten über Tausend und die Kriegsknechte sahen, hörten sie auf, den Paulus zu schlagen. Da nahte der Oberste über Tausend, griff ihn, und befahl, ihn mit zwei Ketten zu binden, und erkundigte sich, wer er denn sei und was er getan habe. Aber unter der Volksmenge riefen die Einen Dies, die Andern Das. Doch als er nichts Gewisses wegen des Tumults erfahren konnte, befahl er, ihn in das Lager zu führen. Als er aber an die Stufen kam, ereignete es sich, daß er von den Kriegsknechten wegen der Gewalt des Volkes getragen wurde. Denn es folgte die Menge des Volks nach, schreiend: Weg mit ihm! - Und als Paulus eben in das Lager hinein gebracht werden sollte, spricht er zu dem Obersten über Tausend: Ist es mir erlaubt, dir etwas zu sagen? - Er aber sprach: Verstehst du griechisch? Bist du nicht der Ägypter, der vor diesen Tagen eine Empörung gemacht und die Viertausend Mann Meuchelmörder in die Wüste hinausgeführt hat? - Paulus aber sprach: Ich bin ein jüdischer Mann aus Tarsus in Cilicien, Bürger einer nicht unberühmten Stadt; ich bitte dich aber, erlaube mir, zu dem Volke zu reden. - Als er es aber erlaubt hatte, stand Paulus auf den Stufen und winkte dem Volke mit der Hand; als aber eine große Stille stattfand, redete er in hebräischer Mundart, sagend:


22.


Männer, Brüder und Väter, höret jetzt meine Verantwortung an euch! - Als sie aber hörten, daß er sie in der hebräischen Mundart anredete, beobachteten sie desto mehr Stille. Und er spricht: Ich bin ein jüdischer Mann, geboren zu Tarsus in Cilicien; aber auferzogen in dieser Stadt zu den Füßen Gamaliels, auf´s genaueste unterwiesen im väterlichen Gesetz, war ich, wie ihr Alle heutiges Tages seid, ein Eiferer um Gott; der ich diesen Weg bis zum Tode verfolgt habe, indem ich beide, Männer und Weiber, band, und in die Gefängnisse überlieferte, wie auch der Hohepriester mir Zeugnis gibt und alle die Ältesten, von welchen ich auch Briefe an die Brüder nahm und nach Damaskus reiste, um auch Diejenigen, die dort wohnten, gebunden nach Jerusalem zu führen, auf daß sie gestraft würden. Es begegnete mir aber, als ich reiste und Damaskus nahte, daß um Mittag plötzlich ein großes Licht aus dem Himmel mich umstrahlte. Und ich fiel zu Boden und hörte eine Stimme, zu mir sagend: Saul! Saul! was verfolgst du Mich? - Ich aber antwortete: Wer bist Du, Herr? - Und Er sprach zu mir: Ich bin Jesus, der Nazaräer, den du verfolgst. - Die aber mit mir waren, sahen wohl das Licht und wurden voll Furcht; die Stimme aber Des, der mit mir redete, hörten sie nicht. Ich sagte aber: Was soll ich tun, Herr? - Der Herr aber sprach zu mir: Steh´ auf und gehe nach Damaskus; und dort wird über Alles zu dir geredet werden, was dir zu tun verordnet ist. Als ich aber vor der Herrlichkeit des Lichts nicht sehen konnte, wurde ich an der Hand Derer geleitet, die bei mir waren, und kam nach Damaskus. - Ein gewisser Ananias aber, ein frommer Mann nach dem Gesetz, ein gutes Zeugnis von allen daselbst wohnenden Juden habend, kam zu mir; und bei mir stehend, sprach er zu mir: Saul, Bruder, sei sehend! - Und ich blickte ihn zur selbigen Stunde an. Er aber sprach: Der Gott unserer Väter hat dich zuvor verordnet, Seinen Willen zu erkennen, und den Gerechten zu sehen und eine Stimme aus Seinem Munde zu hören. Denn du wirst Ihm an alle Menschen ein Zeuge dessen sein, was du gesehen und gehöret hast. Und nun, was zögerst du? Stehe auf, laß dich taufen und deine Sünden abwaschen, Seinen Namen anrufend. - Es begegnete mir aber, als ich nach Jerusalem zurückkehrte und in dem Tempel betete, daß ich in Entzückung war, und Ihn sah, zu mir sagend: Eile! und gehe eilend aus Jerusalem; denn sie werden dein Zeugnis von Mir nicht annehmen. - Und ich sprach: Herr! Sie selbst wissen, daß ich die an Dich Glaubenden in´s Gefängnis warf und in den Synagogen schlug; und als das Blut Stephani, Deines Zeugen vergossen ward, da stand auch ich dabei und willigte ein und verwahrte die Kleider Derer, die ihn töteten. - Und er sprach zu mir: Gehe hin; denn Ich werde dich fern zu den Nationen aussenden. Sie hörten ihm aber bis zu diesem Worte zu und erhoben ihre Stimme und sagten: Weg von der Erde mit einem Solchen, denn es geziemt sich nicht, daß er lebe! - Als sie aber schrieen und die Kleider wegschleuderten und Staub in die Luft warfen, befahl der Oberste über Tausend, daß er in das Lager gebracht würde und sagte, man solle ihn mit Geißelhieben ausforschen; damit er erführe, um welcher Ursache willen sie also über ihn schrieen. Als sie ihn aber mit den Riemen ausspannten, sprach Paulus zu dem dabeistehenden Hauptmann: Ist es euch erlaubt, einen Menschen, der Römer ist, und zwar unverurteilt, zu geißeln? - Als es aber der Hauptmann hörte, ging er hin und meldete es dem Obersten über Tausend, sagend: Was hast du vor zu tun? denn dieser Mensch ist ein Römer. - Der Oberste über Tausend aber trat hinzu und sprach zu ihm: Sage mir, bist du ein Römer? - Er aber sagte: Ja. - Und der Oberste über Tausend antwortete: Ich habe für eine große Summe dieses Bürgerrecht erworben. - Paulus aber sagte: Ich aber bin sogar also geboren. - Da standen alsbald Die, welche ihn ausforschen sollten, von ihm ab; auch der Oberste über Tausend fürchtete sich, als er erkannte, daß er ein Römer sei, und weil er ihn gebunden hatte. Am folgenden Tage aber, da er mit Sicherheit wissen wollte, weshalb er von den Juden angeklagt sei, machte er ihn los und befahl, daß die Hohenpriester und ihr ganzes Synedrium zusammenkommen sollten; - und er führte Paulus hinab und stellte ihn vor sie.


23.


Paulus aber richtete die Augen fest auf das Synedrium, und sprach: Männer, Brüder! Ich habe bis auf diesen Tag mit allem guten Gewissen vor Gott gewandelt. - Der Hohepriester Ananias aber befahl Denen, die bei ihm standen, ihn auf den Mund zu schlagen. Da sprach Paulus zu ihm: Gott wird dich schlagen, getünchte Wand! Und sitzest du da, mich nach dem Gesetz richtend, und, wider das Gesetz handelnd, befiehlst du mich zu schlagen? - Die Dabeistehenden aber sprachen: Schmähest du den Hohenpriester Gottes? - Und Paulus sprach: Ich wußte es nicht, Brüder, daß es der Hohepriester ist; denn es steht geschrieben: "Den Obersten deines Volks sollst du nicht lästern." - Da aber Paulus wußte, daß der eine Teil von den Sadducäern, der andere aber von den Pharisäern war, schrie er in dem Synedrium: Männer, Brüder! ich bin ein Pharisäer, eines Pharisäers Sohn; über der Hoffnung und der Auferstehung der Toten werde ich vor Gericht gezogen. - Als er aber Dieses gesagt hatte, entstand ein Streit zwischen den Pharisäern und den Sadducäern, und die Menge geriet in Zwiespalt. Denn die Sadducäer sagen, es gebe keine Auferstehung, noch Engel, noch Geist; die Pharisäer aber bekennen beides. Es entstand aber großes Geschrei und die Schriftgelehrten von der Partei der Pharisäer standen auf und stritten, sagend: Wir finden an diesem Menschen nichts Böses; wenn aber ein Geist oder ein Engel zu ihm geredet hat.... Als aber der Streit groß ward, fürchtete der Oberste über Tausend, Paulus möchte von ihnen zerrissen werden, und befahl, daß das Kriegsvolk hinabgehe, ihn aus ihrer Mitte wegreiße und in das Lager führe. In der darauf folgenden Nacht aber stand der Herr bei ihm und sprach: Sei wohlgemut! Denn wie du von Mir in Jerusalem gezeugt hast, so mußt du auch in Rom zeugen. - Als es aber Tag geworden war, rotteten sich die Juden zusammen und verfluchten sich, sagend, daß sie weder essen noch trinken würden, bis sie den Paulus töteten. Es waren aber mehr als Vierzig, die diese Verschwörung gemacht hatten; welche, zu den Hohenpriestern und den Ältesten kommend, sagten: Mit einem Fluch haben wir uns verflucht, nichts zu kosten, bis wir den Paulus töten. Zeiget ihr denn nun mit dem Synedrium dem Obersten über Tausend an, daß er ihn morgen zu euch herabführe, als wolltet ihr seine Sache genauer erkennen; wir aber sind, ehe er nahe kommt, bereit, ihn zu töten. - Als aber der Sohn der Schwester des Paulus von der Nachstellung gehört hatte, kam er hin, und ging in das Lager und berichtete es dem Paulus. Paulus aber rief einen von den Hauptleuten zu sich und sagte: Führe diesen Jüngling zu dem Obersten über Tausend; denn er hat ihm etwas zu melden. Der nun nahm ihn zu sich, und führte ihn zu dem Obersten über Tausend und sagt: Der gefangene Paulus rief mich zu sich und bat mich, diesen Jüngling, der dir etwas zu sagen habe, zu dir zu bringen. - Der Oberste über Tausend aber nahm ihn bei der Hand und zog sich mit ihm besonders zurück und fragte: Was ist es, das du mir zu melden hast? - Er aber sagte: Die Juden sind übereingekommen, dich zu bitten, daß du morgen den Paulus vor das Synedrium hinunter bringest, als ob sie Etwas über ihn genauer erforschen wollten. Du nun gehorche ihnen nicht; denn mehr als vierzig Männer von ihnen stellen ihm nach, die sich verflucht haben, weder zu essen noch zu trinken, bis sie ihn getötet haben; und jetzt sind sie bereit und erwarten die Zusage von dir. - Der Oberste über Tausend nun entließ den Jüngling, ihm befehlend: Sage zu Niemandem, daß du mir Dieses angezeigt hast. - Und als er zwei von den Hauptleuten herzugerufen hatte, sagte er: Machet zweihundert Kriegsleute fertig, daß sie bis Cäsarea ziehen, und siebenzig Reiter und zweihundert Lanzenträger, von der dritten Stunde der Nacht an. - Und die Tiere solle man fertig halten, auf daß sie den Paulus aufsetzten und in Sicherheit zu Felix, dem Landpfleger, brächten. Und er schrieb einen Brief folgenden Inhalts: "Claudius Lysias, dem vortrefflichsten Landpfleger Felix: Gruß! Diesen Mann, der von den Juden gegriffen war und von ihnen getötet werden sollte, habe ich, mit dem Kriegsvolk einschreitend, entrissen, da ich erfuhr, daß er ein Römer sei. Da ich aber die Ursache wissen wollte, weshalb sie ihn anklagten, führte ich ihn vor ihr Synedrium. Da fand ich, daß sie ihn wegen Fragen ihres Gesetzes anklagten; daß aber keine Anklage vorlag, die des Todes oder der Banden wert war. Da mir aber ein Anschlag hinterbracht wurde, den die Juden wider den Mann vorhatten, habe ich auf der Stelle zu Dir gesandt und auch den Verklägern befohlen, Das, was sie wider ihn hätten, bei dir vorzubringen. Lebe wohl!" Die Kriegsknechte nun nahmen, wie ihnen befohlen war, den Paulus, und führten ihn während der Nacht bis Antipatris. Am folgenden Tage aber ließen sie die Reiter mit ihm fortziehen, und kehrten nach dem Lager zurück: Und diese gingen in Cäsarea hinein und übergaben den Brief dem Landpfleger, und stellten ihm auch den Paulus dar. Als er ihn aber gelesen, und gefragt hatte, aus welcher Provinz er sei, und erfahren, daß er aus Cilicien sei, sagte er: Ich werde dich anhören, wenn deine Verkläger auch zugegen sind. - Und er befahl, daß er in dem Prätorium des Herodes verwahrt werde.


24.


Nach fünf Tagen aber zog der Hohepriester Ananias hinab mit den Ältesten und einem gewissen Redner Tertullus, welche bei dem Landpfleger wider Paulus erschienen. Als er aber gerufen war, begann Tertullus die Anklage, sagend: Daß wir großen Frieden durch dich genießen, und für dieses Volk erfolgreiche Maßregeln durch deine Fürsorge getroffen sind, das nehmen wir allewege und allenthalben, vortrefflichster Felix, mit aller Danksagung an. Damit ich dich aber nicht länger aufhalte, so bitte ich dich, du wollest uns kürzlich nach deiner Billigkeit anhören. Denn wir haben diesen Mann als eine Pest und als Einen befunden, der unter allen Juden, die auf dem Erdkreis wohnen, Aufruhr erregt, und als einen Hauptanführer der Sekte der Nazaräer, der auch den Tempel zu entheiligen versucht hat, welchen wir auch gegriffen haben, und ihn nach unserm Gesetz richten wollten. Lysias aber, der Oberste über Tausend, kam dazwischen, und führte ihn mit großer Gewalt aus unsern Händen weg, und befahl seinen Anklägern, zu dir zu kommen, von welchem du, wenn du selbst untersucht hast, über alles Dieses, weshalb wir ihn verklagen, Gewißheit erhalten kannst. - Und auch die Juden stimmten in die Klage mit ein und sagten, daß Dieses also wäre. Paulus aber, nachdem ihm der Landpfleger zu reden gewinkt hatte, antwortete: Indem ich weiß, daß du seit vielen Jahren Richter über dieses Volk bist, so antworte ich auf das mich Betreffende um so getroster. Denn du kannst erkennen, daß es nicht mehr als zwölf Tage sind, seitdem ich nach Jerusalem hinaufging, anzubeten. Und sie haben mich weder in dem Tempel zu Jemandem redend, noch einen Auflauf der Volksmenge machend, gefunden, weder in den Synagogen, noch in der Stadt; auch können sie Das nicht dartun, worüber sie mich jetzt anklagen. Aber Dies bekenne ich dir, daß ich nach dem Wege, den sie Sekte nennen, also dem Gott meiner Väter diene, Allem glaubend, was nach dem Gesetz ist, und was in den Propheten geschrieben steht; indem ich die Hoffnung zu Gott habe, welche auch selbst Diese annehmen, daß eine Auferstehung der Toten, sowohl der Gerechten als auch der Ungerechten, sein wird. In Diesem aber übe ich mich, allezeit ein Gewissen ohne Anstoß vor Gott und den Menschen zu haben. Nach vielen Jahren aber kam ich her, Almosen für mein Volk, und Opfer darzubringen. Dabei fanden mich aber einige Juden von Asien, gereinigt im Tempel, weder mit Auflauf noch Tumult, welche hier vor dir sein und Klage führen sollten, wenn sie etwas wider mich hätten. Oder laß Diese hier selbst sagen, welche Ungerechtigkeit sie bei mir gefunden haben, als ich vor dem Synedrium stand, es sei denn wegen dieses einen Ausrufs, den ich, als ich unter ihnen stand, rief: Ich werde heute wegen der Auferstehung der Toten von euch gerichtet. - Felix aber, da er in Betreff "des Weges" genauere Kenntnis hatte, beschied sie auf´s Weitere, sagend: Wenn Lysias, der Oberste über Tausend, herabkommt, so will ich volle Kenntnis von eurer Sache nehmen. - Und er befahl dem Hauptmann, ihn zu verwahren, und ihm Bequemlichkeit zu geben, und Niemandem von den Seinen zu wehren, ihm zu dienen, oder zu ihm zu kommen. Nach etlichen Tagen aber, als Felix nebst Drusilla, seinem Weibe, die eine Jüdin war, kam, ließ er den Paulus holen, und hörte ihn über den Glauben an Christum. Als er aber über Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit, und das kommende Gericht redete, geriet Felix in Furcht und antwortete: Für jetzt gehe nur hin; wenn ich aber gelegene Zeit habe, werde ich dich rufen lassen. - Zugleich hoffte er auch, es würde ihm von dem Paulus Geld gegeben werden, damit er ihn los ließe; deshalb ließ er ihn auch mehrmals vorfordern, und unterhielt sich mit ihm. Als aber zwei Jahre um waren, bekam Felix zum Nachfolger den Porcius Festus; und da Felix sich bei den Juden in Gunst setzen wollte, hinterließ er den Paulus gefangen.


25.


Als nun Festus in die Provinz gekommen war, ging er nach drei Tagen von Cäsarea nach Jerusalem hinauf. Und die Hohenpriester und die Vornehmsten der Juden erschienen vor ihm wider den Paulus, und baten ihn, und verlangten als eine Gunst wider denselben, daß er ihn nach Jerusalem holen ließe; und bereiteten eine Nachstellung, ihn unterwegs zu töten. Festus nun antwortete, daß Paulus in Cäsarea behalten werde; er selbst aber wolle in Kürze abreisen. - Die denn unter euch können, - sagte er, - mögen mit hinabreisen und, wenn etwas an diesem Manne ist, ihn verklagen. - Nachdem er aber unter ihnen etliche Tage, nicht mehr als acht oder zehn, verweilt hatte, ging er hinab nach Cäsarea; und am folgenden Tage setzte er sich auf den Richterstuhl und befahl, daß Paulus vorgeführt werde. Als er aber angekommen war, stellten sich die Juden, die von Jerusalem herabgekommen waren, umher, und brachten viele und schwere Beschuldigungen wider Paulus vor, die sie nicht zu beweisen vermochten; indem er sich verantwortete: Ich habe weder gegen das Gesetz der Juden, noch gegen den Tempel, noch gegen den Kaiser etwas gesündigt. - Festus aber, der sich bei den Juden in Gunst setzen wollte, antwortete dem Paulus und sagte: Willst du nach Jerusalem hinaufgehen, und dort dieserhalb vor mir gerichtet werden? - Paulus aber sprach: Ich stehe vor dem Richterstuhl des Kaisers, wo ich gerichtet werden muß; den Juden habe ich kein Unrecht getan, wie auch du sehr wohl weißt. Denn wenn ich im Unrecht bin, und etwas Todeswürdiges begangen habe, so weigere ich mich nicht, zu sterben; wenn aber nichts daran ist, wessen diese mich beschuldigen, so kann mich Niemand, ihnen zu Gefallen, hingeben. Ich berufe mich auf den Kaiser. - Da besprach sich Festus mit dem Rat und antwortete: Auf den Kaiser hast du dich berufen, zum Kaiser sollst du gehen. Als aber etliche Tage vorübergegangen waren, kamen der König Agrippas und Bernice nach Cäsarea, den Festus zu begrüßen. Als sie aber daselbst mehrere Tage zubrachten, legte Festus dem Könige die Sache des Paulus vor, sagend: Ein gewisser Mann ist von Felix gefangen zurückgelassen worden, um welches willen die Hohenpriester und die Ältesten der Juden, als ich in Jerusalem war, erschienen und ein Urteil gegen ihn verlangten; welchen ich antwortete, daß es bei Römern nicht Sitte sei, irgend einen Menschen Jemandem zum Verderben hinzugeben, ehe der Angeschuldigte seine Ankläger persönlich vor sich habe, und Gelegenheit bekommen, sich wegen der Anklage zu verantworten. Als sie nun hierher gekommen waren, habe ich keinen Aufschub gemacht; ich setzte mich Tags darauf auf den Richterstuhl und befahl, daß der Mann vorgeführt würde; wider welchen, als die Verkläger auftraten, sie keine Beschuldigung von Dem vorbrachten, was ich vermutete. Sie hatten aber etliche Fragen wider ihn wegen ihres eigentümlichen Gottesdienstes und wegen eines gewissen Jesu, der gestorben war, wovon Paulus sagte, er lebe. Da ich aber ohne Ausweg in Betreff der Frage hierüber war, sagte ich, ob er wohl nach Jerusalem gehen, und daselbst dieserhalb gerichtet werden wolle. Als aber Paulus sich berief, zum Erkenntnis des Augustus aufbehalten zu werden, befahl ich, daß er verwahrt werden sollte, bis ich ihn zum Kaiser senden würde. Agrippas aber sprach zum Festus: Ich möchte selbst auch den Menschen hören. - Er aber sagte: Morgen sollst du ihn hören. - Als nun am folgenden Tage Agrippas und Bernice mit großer Pracht kamen, und als sie in den Verhörsaal eingetreten waren, mit den Obersten über Tausend und den vornehmsten Männern der Stadt, ward Paulus auf Befehl des Festus vorgeführt. Und Festus spricht: König Agrippa, und ihr Männer alle, die ihr mit uns zugegen seid, ihr seht Diesen, um welchen die ganze Menge der Juden, sowohl in Jerusalem, als auch hier, mich angegangen hat, schreiend: er dürfe nicht mehr leben. Ich aber, da ich erkannte, daß er nichts Todeswürdiges begangen, Dieser selbst aber sich auch auf den Augustus berufen hat, habe beschlossen, ihn zu senden; von welchem ich nichts Sicheres dem Herrn zu schreiben habe. Deshalb habe ich ihn auch vor euch geführt, und besonders vor dich, König Agrippa, damit ich, wenn die Untersuchung erfolgt ist, etwas zu schreiben habe. - Denn es scheint mir ungereimt, einen Gefangenen zu senden, und nicht auch die wider ihn vorliegenden Beschuldigungen anzuzeigen.


26.


Agrippas aber sprach zu Paulus: Es ist dir erlaubt, für dich zu reden. - Da verantwortete sich Paulus, die Hand ausstreckend: Ich schätze mich glücklich, König Agrippa, daß ich wegen alles Dessen, weshalb ich von den Juden angeklagt bin, mich heute vor dir verantworten soll; besonders, weil du von allen Sitten und Fragen, die unter den Juden sind, Kenntnis hast; - deswegen bitte ich dich, mich langmütig anzuhören. Meinen Lebenswandel nun von Jugend auf, wie er von Anfang unter meinem Volk in Jerusalem gewesen ist, kennen alle die Juden; und sie kennen mich von der ersten Zeit her (wenn sie Zeugnis geben wollen), daß ich nach der schärfsten Sekte unseres Gottesdienstes gelebt habe, als Pharisäer. Und nun stehe ich wegen der Hoffnung auf die Verheißung, welche von Gott zu den Vätern geschehen ist, vor Gericht; zu welcher unser zwölfstämmiges Volk, unablässig Nacht und Tag Gott dienend, hinzugelangen hofft, - wegen welcher Hoffnung, König Agrippa, ich von den Juden angeklagt werde. Warum wird es bei euch für etwas Unglaubliches gehalten, wenn Gott Tote erweckt? Ich zwar nun meinte bei mir selbst, dem Namen Jesu, des Nazaräers, Vieles zuwider tun zu müssen, was ich auch zu Jerusalem getan habe. Und viele der Heiligen habe ich in Gefängnisse eingeschlossen, indem ich von den Hohenpriestern die Gewalt empfangen hatte; und wenn sie getötet wurden, gab ich meine Stimme dafür. Und in allen Synagogen sie oftmals strafend, zwang ich sie, zu lästern; und über die Maßen gegen sie rasend, verfolgte ich sie sogar bis in die ausländischen Städte, mit welchem beschäftigt, ich auch mit Gewalt und Auftrag von den Hohenpriestern nach Damaskus reiste. Da, mitten am Tage, sah ich auf dem Wege, o König, vom Himmel hernieder, ein Licht, den Glanz der Sonne übertreffend, welches mich und die mit mir reisten, umstrahlte. Als wir aber Alle zur Erde niedergefallen waren, hörte ich eine Stimme zu mir reden und in hebräischer Mundart sagen: Saul, Saul! was verfolgst du Mich? Hart ist es dir, wider den Stachel auszuschlagen. - Ich aber sprach: Wer bist Du, Herr? - Er aber sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Aber richte dich auf, und stehe auf deinen Füßen; denn dazu bin Ich dir erschienen, dich zu einem Diener und Zeugen zu verordnen, sowohl Dessen, was du gesehen hast, als auch Dessen, worin Ich dir erscheinen werde, dich herausnehmend aus dem Volk und den Nationen, zu welchen Ich dich jetzt sende, ihre Augen aufzutun, daß sie sich von der Finsternis zum Licht, und von der Gewalt Satans zu Gott bekehren, auf daß sie Vergebung der Sünden, und ein Erbe unter den Geheiligten empfangen durch den Glauben an Mich. - Und daher, König Agrippa, ward ich dem himmlischen Gesicht nicht ungehorsam, sondern verkündigte Denen zu Damaskus zuerst, und zu Jerusalem, und in der ganzen Gegend von Judäa, und den Nationen, Buße zu tun, und sich zu Gott zu bekehren, und der Buße würdige Werke zu tun. Dieserhalb haben mich die Juden in dem Tempel gegriffen, und versuchten, mich zu ermorden. Da mir nun der Beistand von Gott zu Teil wurde, so stehe ich da bis zu diesem Tage, und bezeuge beiden, Geringen und Großen, nichts sagend außer Dem, was die Propheten und Moses gesagt haben, daß es geschehen sollte, nämlich daß, wenn der Christus gelitten habe, und der Erste von der Auferstehung der Toten geworden sei, Er dem Volke und den Nationen Licht verkündigen sollte. Da er aber Dieses zur Verantwortung aussprach, sagte Festus mit lauter Stimme: Paulus, du rasest! Die große Gelehrsamkeit bringt dich zur Raserei. - Er aber sagte: Ich rase nicht, vortrefflichster Festus, sondern ich rede Worte der Wahrheit und Besonnenheit. Denn der König hat Kenntnis von diesen Dingen, zu welchem ich auch mit Freimütigkeit rede; denn ich bin überzeugt, daß ihm nichts hiervon verborgen ist; denn Dieses ist nicht in einem Winkel geschehen. Glaubst du, König Agrippa, den Propheten? Ich weiß, daß du glaubst. - Agrippas aber sprach zum Paulus: Beinahe überredest du mich, ein Christ zu werden. - Paulus aber sagte. Wollte Gott, daß beinahe und ganz, nicht allein du, sondern auch Alle, die mich heute hören, Solche würden, wie ich bin, ausgenommen diese Bande. Und der König stand auf, und der Landpfleger und Bernice, und die mit ihnen saßen. Und als sie sich zurückgezogen hatten, redeten sie miteinander, sagend: Dieser Mensch tut nichts, was des Todes oder der Bande würdig ist. - Agrippas aber sagte zu Festus: Dieser Mensch hätte losgelassen werden können, wenn er sich nicht auf den Kaiser berufen hätte.


27.


Als es aber entschieden war, daß wir nach Italien absegeln sollten, überlieferten sie den Paulus und etliche andere Gefangene einem Hauptmann, Namens Julius, von der Schar des Augustus. Als wir aber in ein Adramytisches Schiff gestiegen waren, und die Orte längs der asiatischen Küste zu befahren vorhatten, fuhren wir hin; und es war mit uns der Macedonier, Aristarchus aus Thessalonich. Und am folgenden Tage liefen wir zu Sidon ein. Und Julius behandelte den Paulus sehr wohlwollend und erlaubte ihm, zu den Freunden zu gehen, um sich versorgen zu lassen. Und von da fuhren wir ab und segelten unter Cypern hin, weil die Winde entgegen waren. Und wir durchsegelten das Meer gegen Cilicien und Pamphylien hin und kamen nach Myra in Lycien; und als der Hauptmann daselbst ein nach Italien segelndes Alexandrinisches Schiff fand, brachte er uns darauf. Da wir aber in vielen Tagen langsam segelten, und kaum gen Knidus gekommen waren, so segelten wir, da uns der Wind nicht zuließ, unter Kreta gegen Salmone hin. Und als wir kaum an ihr vorbei gefahren waren, kamen wir an einen Ort, Namens Schönhafen, in dessen Nähe die Stadt Lasea lag. Da aber eine geraume Zeit verstrichen, und die Fahrt schon unsicher war, weil auch die Fasten schon vorüber waren, ermahnte Paulus, zu ihnen sagend: Ihr Männer, ich sehe, daß die Fahrt mit Ungemach und großem Schaden, nicht bloß der Ladung und des Schiffs, sondern auch unsers Lebens, geschehen wird. - Der Hauptmann aber traute dem Steuermann und dem Schiffsherrn mehr, als Dem, was Paulus sagte. Da aber der Hafen zum Überwintern unpassend war, stimmten die Meisten dafür, von da wegzufahren, ob sie etwa nach Phönix zu gelangen und da zu überwintern vermöchten, einem Hafen von Kreta, welcher gegen Südwest und gegen Nordwest liegt. Als aber ein Südwind sanft wehte, meinten sie ihren Vorsatz erreicht zu haben, lichteten die Anker und fuhren dicht an Kreta vorüber. Aber nicht lange darnach erhob sich wider denselben ein Sturmwind, genannt Euroklydon. Als aber das Schiff mit fortgerissen wurde, und nicht gegen den Wind widerstreben konnte, gaben wir uns preis und trieben dahin. Da wir aber unter einer kleinen Insel, Namens Klauda hinliefen, vermochten wir kaum des Bootes Herr zu werden. Dieses zogen sie herauf und bedienten sich der Hülse und umgürteten das Schiff; und da sie fürchteten, daß sie auf die Syrtis anstoßen möchten, ließen sie das Tauwerk nieder, und trieben also dahin. Indem wir aber sehr vom Sturme litten, machten sie am folgenden Tage einen Auswurf; und wir warfen am dritten Tage mit eigenen Händen das Schiffsgerät fort. Da aber viele Tage lang weder Sonne noch Sterne schienen, und ein nicht geringes Unwetter auf uns lag, so war zuletzt alle Hoffnung unserer Errettung weggenommen. Als man aber lange Zeit ohne Speise geblieben war, da stand Paulus in ihrer Mitte auf uns sprach: O Männer! Freilich hätte man mir gehorchen und nicht von Kreta abfahren und dieses Ungemach und den Schaden nicht ernten sollen. Und nunmehr ermahne ich euch, gutes Mutes zu sein; denn kein Leben von euch wird verloren gehen, sondern allein das Schiff. Denn es stand in dieser Nacht bei mir ein Engel des Gottes, des ich bin, dem ich auch diene, sagend: "Fürchte dich nicht, Paulus! Du mußt vor den Kaiser gestellt werden; und siehe! Gott hat dir Alle geschenkt, die mit dir fahren." - Darum seid gutes Mutes, ihr Männer! Denn ich vertraue Gott, daß es so sein wird, gleichwie mir gesagt worden ist. Wir müssen aber auf eine gewissen Insel geworfen werden. - Als aber die vierzehnte Nacht heran kam, und wir im Adriatischen Meer umhertrieben, meinten gegen Mitternacht die Matrosen, daß sich ihnen ein Land nahe. Und als sie das Senkblei ausgeworfen hatten, fanden sie zwanzig Klafter; als sie aber ein wenig fortgefahren waren und wiederum ausgeworfen hatten, fanden sie fünfzehn Klafter. Und indem sie fürchteten, daß wir auf Klippen geworfen werden möchten, warfen sie vom Hinterteil vier Anker aus und wünschten, daß es Tag würde. Als aber die Matrosen aus dem Schiff zu fliehen versuchten und das Boot unter dem Vorwand, als wollten sie vom Vorderteil Ankertaue ausspannen, in das Meer hinabließen, sprach Paulus zu dem Hauptmann und zu den Kriegsleuten: Wenn diese nicht im Schiff bleiben, könnt ihr nicht gerettet werden. - Da hieben die Kriegsleute die Seile des Bootes ab und ließen es herabfallen. Als es aber Tag werden wollte, ermahnte Paulus Alle, Speise zu nehmen, sagend: Heute ist es der vierzehnte Tag, daß ihr abgewartet habt und ohne Essen geblieben seid, und habt nichts zu euch genommen. Deshalb ermahne ich euch, Speise zu nehmen; denn dies gehört zu eurer Erhaltung; denn Niemandem von euch wird ein Haar des Hauptes umkommen. - Und als er das gesagt und Brot genommen hatte, dankte er Gott vor Allen; und als er es gebrochen, begann er zu essen. Alle aber, gutes Muts geworden, nahmen auch selbst Speise. Wir waren aber in dem Schiff, alle Seelen zusammen, zweihundertsechsundsiebenzig. Als sie sich aber mit Speise gesättigt hatten, erleichterten sie das Schiff, den Weizen in das Meer werfend. Als es aber Tag ward, erkannten sie das Land nicht; aber sie bemerkten einen gewissen Meerbusen, der einen Strand hatte, in welchen sie, wenn sie könnten, das Schiff einzutreiben gesonnen waren. Und als sie die Anker losgemacht hatten, ließen sie sie in das Meer gehen und machten zugleich die Bande der Ruder los; und sie zogen das Schönfahrsegel nach der Windseite auf und hielten auf den Strand hin. Da sie aber an eine Stelle gerieten, wo zwei Strömungen zusammenliefen, ließen sie das Schiff stranden; und das Vorderteil saß fest und blieb unbeweglich; das Hinterteil aber zerschellte von der Gewalt der Wellen. Der Rat der Kriegsleute aber war, daß die Gefangenen getötet würden, damit nicht Jemand fortschwimmen und entfliehen möchte. Der Hauptmann aber, der den Paulus retten wollte, hinderte sie in ihrem Vorhaben und befahl, daß Die, welche schwimmen könnten, sich zuerst herausmachen und an das Land gehen sollten, und die Übrigen teils auf Brettern, teils auf Stücken vom Schiff. Und also geschah es, daß Alle an das Land gerettet wurden.


28.


Und als sie gerettet waren, da erfuhren sie, daß die Insel Melite heiße. - Die Barbaren aber erzeigten uns eine nicht gewöhnliche Freundlichkeit; denn sie zündeten ein Feuer an und nahmen uns alle wegen des Regens, der über uns kam, und der Kälte wegen zu sich. Als aber Paulus eine Menge Reiser zusammenraffte und an das Feuer legte, kam eine Otter durch die Hitze heraus und hängte sich an seine Hand. Als aber die Barbaren das Tier an seiner Hand hangen sahen, sagten sie untereinander: Gewiß, dieser Mensch ist ein Mörder, den, obschon er aus dem Meere gerettet ist, Dike nicht leben läßt. Er aber schüttelte das Tier in das Feuer ab, und erlitt nichts Schlimmes. Sie aber erwarteten, er würde aufschwellen, oder plötzlich tot hinfallen. Als sie aber lange warteten und sahen, daß ihm kein Ungemach widerfuhr, änderten sie ihre Meinung und sagten, daß er ein Gott sei. In der Umgebung jenes Ortes aber lag ein Landgut, welches dem Vornehmsten der Insel, Namens Publius, gehörte; der nahm uns auf, und beherbergte uns drei Tage freundlich. Und es geschah, daß der Vater des Publius von Fieberanfällen und der Ruhr darniederlag. Zu dem ging Paulus ein; und als er gebetet hatte, legte er ihm die Hände auf und heilte ihn. Als dies nun geschehen war, kamen auch die Übrigen auf der Insel, die Krankheiten hatten, herzu und wurden geheilt. Sie ehrten uns auch mit vielen Ehren; und als wir abfuhren, luden sie uns auf, was uns nötig war. Nach drei Monaten aber segelten wir in einem Alexandrinischen Schiff ab, welches auf der Insel überwintert hatte, mit dem Abzeichen der Dioskuren. Und als wir in Syrakus gelandet waren, blieben wir drei Tage. Von da fuhren wir herum, und kamen nach Rhegium; und nach einem Tage, da sich ein Südwind erhob, kamen wir den zweiten Tag darauf nach Puteoli. Als wir daselbst Brüder fanden, wurden wir gebeten, sieben Tage bei ihnen zu bleiben; und so kamen wir nach Rom. Und von da aus kamen die Brüder, als sie unsere Umstände gehört hatten, uns bis Forum Appii und Tres-Tabernä entgegen, und Paulus, sie sehend, dankte Gott, und faßte Mut. Als wir aber nach Rom gekommen waren, überlieferte der Hauptmann die Gefangenen dem Oberbefehlshaber. Dem Paulus aber ward erlaubt, mit dem Kriegsknechte, der ihn bewachte, für sich zu bleiben. - Es geschah aber nach drei Tagen, daß er die, welche unter den Juden die Vornehmsten waren, zusammenberief. Als sie sich aber versammelt hatten, sprach er zu ihnen: Männer, Brüder ! Ich, der ich nichts wider das Volk oder die väterlichen Gebräuche getan habe, bin gebunden aus Jerusalem in die Hände der Römer überliefert worden. Und diese, als sie mich untersucht hatten, wollten mich loslassen, weil keine Ursache des Todes an mir war. Als aber die Juden widersprachen, war ich gezwungen, mich auf den Kaiser zu berufen; nicht als hätte ich etwas wider mein Volk anzuklagen. Aus diesem Grunde also habe ich gebeten, euch zu sehen, und mit euch zu reden; denn um der Hoffnung Israels willen bin ich mit dieser Kette gebunden. - Sie aber sagten zu ihm: Wir haben über dich weder Briefe von Judäa empfangen, noch ist Jemand von den Brüdern hergekommen, und hat uns von dir etwas Böses gemeldet oder gesagt. Aber wir wollen gern von dir hören, welche Gesinnung du hast; denn was diese Sekte betrifft, so ist uns bekannt, daß ihr allenthalben widersprochen wird. Als sie ihm aber einen Tag bestimmt hatten, kamen Mehrere zu ihm in das Quartier, welchen er von früh Morgens bis an den Abend das Reich Gottes auslegte und bezeugte, und zu ihnen redete, um sie von der Lehre in Betreff Jesu zu überzeugen, sowohl aus dem Gesetz Mosis, als auch aus den Propheten. Und Einige glaubten dem, was gesagt ward; Andere aber glaubten nicht. Als sie aber unter sich uneins waren, gingen sie auseinander, als Paulus ein Wort redete: Wohl fein hat der Heilige Geist durch Jesaias, den Propheten, zu unsern Vätern geredet, sagend: "Gehe hin zu diesem Volk und sprich: Mit Gehör werdet ihr hören und nicht verstehen; und sehend werdet ihr sehen und nicht wahrnehmen. Denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie zugetan, daß sie nicht mit den Augen sehen und mit den Ohren hören, und nicht mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und Ich sie heile." So sei es euch denn kund, daß den Nationen das Heil Gottes gesandt ist; und sie werden hören. - Und als er dies gesagt hatte, gingen die Juden weg, und hatten unter sich viel Wortwechsel. Er blieb aber ganze zwei Jahre in seinem eigenen gemieteten Hause, und empfing Alle, die zu ihm hinkamen, predigend das Reich Gottes, und lehrend von dem Herrn Jesu Christo mit aller Freimütigkeit, ungehindert.



Die Epistel des Apostels Paulus an die Römer.


1.


Paulus, Knecht Jesu Christi, berufener Apostel, abgesondert zum Evangelium Gottes, (welches Er zuvor durch Seine Propheten in heiligen Schriften verheißen hat), über Seinen Sohn - (der dem Fleische nach aus dem Samen Davids geworden ist, dem Geiste der Heiligkeit nach, als Sohn Gottes in Kraft erwiesen durch Toten-Auferstehung), - Jesum Christum, unsern Herrn; - (durch welchen wir Gnade und Apostelamt zum Glaubens-Gehorsam unter allen Nationen für Seinen Namen empfangen haben. Unter welchen auch ihr seid, Berufene Jesu Christi); - allen Geliebten Gottes, berufenen Heiligen, die zu Rom sind: Gnade euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo. - Auf´s Erste danke ich meinem Gott durch Jesum Christum euer Aller halben, daß euer Glaube in der ganzen Welt verkündigt wird. Denn Gott ist mein Zeuge, welchem ich in meinem Geiste diene in dem Evangelium Seines Sohnes, wie unablässig ich eurer erwähne; allezeit in meinen Gebeten flehend, ob mir endlich einmal durch den Willen Gottes ein guter Weg gebahnt werde, zu euch zu kommen. Denn mich verlangt, euch zu sehen, auf daß ich euch etwas geistlicher Gnadengabe mitteile, damit ihr fest gegründet werdet; - das ist aber, daß ich samt euch in eurer Mitte durch euren und meinen Glauben, den wir untereinander haben, getröstet werde. Ich will aber, daß euch nicht unbekannt sei, Brüder, daß ich mir oft vorgesetzt habe, zu euch zu kommen, - und bisher verhindert bin, - auf daß ich auch unter euch einige Frucht haben möchte, gleichwie auch unter den übrigen Nationen. Ich bin Schuldner, sowohl den Griechen als den Barbaren, sowohl den Weisen als den Unverständigen. Ebenso bin ich, so viel an mir ist, bereitwillig, auch euch zu Rom das Evangelium zu predigen. Denn ich schäme mich des Evangeliums nicht; denn es ist die Kraft Gottes zum Heil jeglichem Glaubenden, - erst dem Juden, und auch dem Griechen. Denn Gottes Gerechtigkeit wird darin offenbart aus Glauben zu Glauben; wie denn geschrieben steht: "Der Gerechte aber wird aus Glauben leben." - Denn es wird offenbart Gottes Zorn vom Himmel über alle Gottlosigkeit, - und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit in Ungerechtigkeit besitzen; weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist; denn Gott hat es ihnen offenbart; - (denn die unsichtbaren Dinge von Ihm, das ist, Seine ewige Kraft und Gottheit, von der Schöpfung der Welt an in den gemachten wahrgenommen, werden geschaut), - also daß sie keine Entschuldigung haben; - weil sie, Gott kennend, Ihn als Gott weder verherrlicht, noch Ihm Danksagung dargebracht haben, sondern in ihrem Dichten eitel geworden sind, und ihr unverständiges Herz verfinstert ward; sich für weise ausgebend, sind sie zu Narren geworden, und habe die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes in die Gleichheit eines Bildes des verweslichen Menschen, und der Vögel, und der vierfüßigen und kriechenden Tiere verwandelt. Darum hat sie Gott auch dahingegeben in den Begierden ihrer Herzen zur Unreinigkeit, ihre Leiber unter sich selbst zu schänden; welche die Wahrheit Gottes in die Lüge verwandelt und dem Geschöpf mehr Ehre und Dienst geleistet haben, als dem Schöpfer, welcher gesegnet ist in die Zeitalter. Amen. Deswegen hat sie Gott zu schändlichen Leidenschaften dahingegeben. Denn ihre Weiber haben den natürlichen Gebrauch in den unnatürlichen verwandelt; und desgleichen die Männer, den natürlichen Gebrauch des Weibes verlassend, sind in ihrer Wollust zueinander entbrannt, - Männer mit Männern Schande treibend, und den gebührenden Lohn ihres Irrtums an sich selbst empfangend. Und gleichwie sie es nicht für gut fanden, Gott in Erkenntnis zu haben, hat Gott sie zu einem unverständigen Sinn dahingegeben, zu tun, was sich nicht geziemt; erfüllt von aller Ungerechtigkeit, Hurerei, Bosheit, Geiz, Schlechtigkeit, voll von Neid, Mord, Streit, List, Tücke; Ohrenbläser, Verleumder, Gotteshasser, Schmäher, Hochmütige, Prahler, Erfinder böser Dinge, Eltern Ungehorsame, Unverständige, Treulose, ohne natürliche Liebe, Unversöhnliche, Unbarmherzige, die - wiewohl Gottes Urteil wissend, daß die, welches solches tun, des Todes würdig sind - es nicht allein tun, sondern auch Wohlgefallen an Denen haben, welche es tun.


2.


Darum bist du nicht zu entschuldigen, o Mensch, wer du auch seiest, der da richtet. Denn worinnen du den Andern richtest, verdammest du dich selbst; denn du, der du richtest, tust dasselbe. Wir wissen aber, daß das Gericht Gottes nach der Wahrheit über die ist, welche Solches tun. - Denkst du dieses aber, o Mensch, der du Die richtest, welche Solches tun, und tust dasselbe, daß du dem Urteil Gottes entkommen werdest? Oder verachtest du den Reichtum Seiner Gütigkeit und Geduld und Langmut, nicht wissend, daß dich die Güte Gottes zur Buße leitet; häufest dir aber selber nach deiner Störrigkeit und deinem unbußfertigen Herzen Zorn für den Tag des Zorns und der Offenbarung des gerechten Gerichts Gottes? Welcher Jeglichem nach seinen Werken vergelten wird: Denen, die mit Ausharren in gutem Werke Herrlichkeit und Ehre und Unverweslichkeit suchen, - ewiges Leben; Denen aber, die streitsüchtig und der Wahrheit ungehorsam, der Ungerechtigkeit aber gehorsam sind - Grimm und Zorn. Trübsal und Bedrängnis über jede Seele des Menschen, der das Böse wirkt, sowohl zuerst des Juden, als auch des Griechen; - Herrlichkeit aber und Ehre und Frieden Jedem, der das Gute wirkt, sowohl zuerst dem Juden, als auch dem Griechen; denn es ist kein Ansehen der Person bei Gott. Denn so Viele ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz umkommen; und so Viele unter Gesetz gesündigt haben, werden durch Gesetz gerichtet werden, - (denn nicht die Hörer des Gesetzes werden gerechtfertigt werden. Denn wenn die Nationen, welche kein Gesetz haben, von Natur die Dinge des Gesetzes tun, - diese, die kein Gesetz haben, sind sich selbst ein Gesetz; als welche des Gesetzes Werk, geschrieben in ihren Herzen, zeigen, indem ihr Gewissen mitzeugt, und ihre Gedanken sich untereinander anklagen oder auch entschuldigen;) - an dem Tage, da Gott das Verborgene der Menschen durch Jesum Christum richten wird nach meinem Evangelium. Wenn du dich aber Jude nennst, und dich auf das Gesetz verlässest, und dich Gottes rühmst, und den Willen kennst, und das Vorzüglichere unterscheidest, indem du aus dem Gesetz unterrichtet bist, und überredest dich selbst, ein Leiter der Blinden, ein Licht Derer, die in der Finsternis sind, ein Züchtiger der Törichten, ein Lehrer der Unmündigen zu sein, der die Form der Erkenntnis und der Wahrheit im Gesetz habe; - Der du denn einen Andern lehrst, - du lehrst dich selbst nicht? Der du predigst, nicht zu stehlen, - du stiehlst? Der du sagst, nicht zu ehebrechen, - du brichst die Ehe? Der du die Götzenbilder für Greuel hältst, - du begehst Tempelraub? Der du dich Gesetzes rühmst, - du entehrst Gott durch Übertretung des Gesetzes? - Denn eurethalben wird Gottes Name unter den Nationen gelästert, wie geschrieben steht. Denn Beschneidung ist wohl nütze, wenn du das Gesetz tust; wenn du aber ein Gesetzes-Übertreter bis, so ist deine Beschneidung Vorhaut geworden. Wenn nun die Vorhaut die Rechte des Gesetzes hält, wird nicht seine Vorhaut für Beschneidung gerechnet werden? Und die Vorhaut von Natur, die das Gesetz erfüllt, wird dich richten, der du mit Buchstaben und Beschneidung ein Gesetzes-Übertreter bist. Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, noch die äußerliche Beschneidung im Fleisch - Beschneidung; sondern der ist ein Jude, der es im Verborgenen ist, und die wahre Beschneidung ist die des Herzens im Geist, nicht im Buchstaben, dessen Lob nicht von Menschen, sondern von Gott ist.


3.


Was ist denn nun der Vorzug des Juden? oder was ist der Nutzen der Beschneidung? - Viel, auf alle Weise. Denn zuerst sind ihnen die Aussprüche Gottes anvertraut. Denn wie, wenn Etliche nicht geglaubt haben, - sollte ihr Unglaube Gottes Treue aufheben? - Das sei ferne! Gott aber sei wahrhaftig, jeder Mensch aber Lügner; wie geschrieben steht: "Daß du gerechtfertigt seiest in Deinen Worten, und überwindest, wenn Du gerichtet wirst." Wenn aber unsere Ungerechtigkeit Gottes Gerechtigkeit erweist, was wollen wir sagen? Ist Gott ungerecht, daß Er Zorn verhängt? (Ich rede nach Menschen-Weise). Das sei ferne! Wie könnte sonst Gott die Welt richten? Denn wenn die Wahrheit Gottes durch meine Lüge überströmender wird zu Seiner Herrlichkeit, - warum werde ich auch noch als Sünder gerichtet? und nicht, (wie wir gelästert werden, und wie Einige sagen, daß wir sprechen): Laßt uns Übels tun, auf daß Gutes komme; - welcher Urteil ganz recht ist. Wie nun? Haben wir einen Vorzug? - In keiner Weise; denn wir haben droben bewiesen, daß sowohl Juden als Griechen alle unter der Sünde sind; wie geschrieben steht: "Da ist nicht ein Gerechter, auch nicht Einer; da ist nicht, der verständig ist; da ist nicht, der Gott sucht. Sie sind Alle abgewichen und allesamt untauglich geworden; da ist nicht, der Gutes tut, auch nicht Einer." "Ihr Schlund ist ein offenes Grab; mit ihren Zungen haben sie trüglich gehandelt." "Basiliskengift ist unter ihren Lippen." "Ihr Mund ist voll Fluchens und Bitterkeit." "Ihre Füße sind schnell, Blut zu vergießen; in ihren Wegen ist Verwüstung und Elend, und den Weg des Friedens haben sie nicht gekannt." "Es ist keine Furcht Gottes vor ihren Augen." Wir aber wissen, daß Alles, was das Gesetz sagt, es denen sagt, die unter dem Gesetz sind; auf daß jeder Mund verstopft werde, und die ganze Welt Gott schuldig sei. Darum kann kein Fleisch vor Ihm aus Gesetzes Werken gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde. Nun aber ist ohne Gesetz Gottes Gerechtigkeit offenbart worden, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten, nämlich Gottes Gerechtigkeit durch Glauben an Jesum Christum zu Allen hin, und auf Alle, welche glauben. Denn es ist kein Unterschied; denn Alle haben gesündigt, und erreichen nicht die Herrlichkeit Gottes, und werden aus freier Gabe durch Seine Gnade gerechtfertigt, durch die Erlösung, die in Christo Jesu ist; welchen Gott vorgestellt hat zu einem Sühnmittel, durch den Glauben an Sein Blut, zur Erweisung Seiner Gerechtigkeit wegen des Hingehenlassens der früher geschehenen Sünden unter der Nachsicht Gottes; zur Erweisung Seiner Gerechtigkeit in der jetzigen Zeit, daß Er gerecht sei, und Den rechtfertige, der des Glaubens an Jesum ist. Wo ist denn der Ruhm? - Er ist ausgeschlossen. - Durch welches Gesetz? Der Werke? - Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens. Denn wir urteilen, daß ein Mensch durch den Glauben gerechtfertigt wird, ohne Gesetzes Werke. Ist Gott der Gott der Juden allein? Nicht auch der Nationen? - Ja freilich, auch der Nationen; indem es ein Einiger Gott ist, der die Beschneidung aus Glauben, und die Vorhaut durch den Glauben rechtfertigen wird. Heben wir denn nun Gesetz durch den Glauben auf? - Das sei ferne! sondern wir bestätigen Gesetz.


4.


Was wollen wir denn sagen, daß unser Vater Abraham nach dem Fleische gefunden habe? Denn wenn Abraham aus Werken gerechtfertigt ward, so hat er wohl Ruhm, aber nicht vor Gott. Denn was sagt die Schrift? - "Abraham aber glaubte Gott, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit gerechnet." Dem aber, der wirkt, wird der Lohn nicht nach Gnade gerechnet, sondern nach Schuldigkeit; Dem aber, der nicht wirkt, aber an Den glaubt, der den Gottlosen rechtfertigt, wird sein Glaube zur Gerechtigkeit gerechnet. Gleichwie auch David von der Glückseligkeit des Menschen spricht, welchem Gott Gerechtigkeit ohne Werke zurechnet: "Glückselig sind, denen ihre Gesetzlosigkeiten vergeben, und deren Sünden bedeckt sind! Glückselig ist der Mann, welchem der Herr die Sünde nicht zurechnen wird!" Diese Glückseligkeit nun, geht sie auf die Beschneidung oder auf die Vorhaut? Denn wir sagen, daß der Glaube dem Abraham zur Gerechtigkeit gerechnet worden ist. Wie ward er ihm denn zugerechnet? Da er in Beschneidung, oder in Vorhaut war? - Nicht in Beschneidung, sondern in Vorhaut; und er empfing das Zeichen der Beschneidung zum Siegel der Gerechtigkeit des Glaubens, welchen er in der Vorhaut hatte, daß er Vater Aller sein sollte, die in Vorhaut glauben, auf daß auch ihnen die Gerechtigkeit zugerechnet würde; und Vater der Beschneidung, nicht allein derer, die von der Beschneidung sind, sondern auch derer, die in den Fußstapfen des Glaubens, den unser Vater Abraham in der Vorhat hatte, wandeln. Denn nicht durch Gesetz ward dem Abraham oder seinem Samen die Verheißung, daß er der Welt Erbe sein sollte, sondern durch Glaubens-Gerechtigkeit. Denn wenn Die vom Gesetz Erben sind, so ist der Glaube zunichte gemacht, und die Verheißung aufgehoben. Denn das Gesetz wirkt Zorn; denn wo kein Gesetz ist, da ist auch keine Übertretung. Deshalb ist es aus Glauben, auf daß es nach der Gnade sei, daß die Verheißung dem ganzen Samen fest sei, - nicht allein dem, der vom Gesetz ist, sondern auch dem, der des Glaubens Abrahams ist, welcher unser Aller Vater ist (wie geschrieben steht: "Ich habe dich zum Vater vieler Nationen gesetzt;" vor Gott, dem er geglaubt hat, der die Toten lebendig macht, und das nicht Seiende ruft, als seiend; welcher wider Hoffnung auf Hoffnung geglaubt hat, so daß er ein Vater vieler Nationen wurde; wie gesagt ist: "Also soll dein Same sein." - Und nicht schwach im Glauben, sah er nicht an seinen eigenen Leib, welcher schon erstorben war, weil er fast hundert Jahre hatte; auch nicht den erstorbenen Mutterleib der Sarah; und zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern ward stark im Glauben, Gott die Ehre gebend; und war der vollen Gewißheit, daß Er, was Er verheißen hat, auch zu tun vermöge. Darum ist es ihm auch zur Gerechtigkeit gerechnet. Es ist aber nicht allein um seinetwillen geschrieben, daß es ihm zugerechnet wurde, sondern auch um unsertwillen, welchen es zugerechnet werden soll, die wir an Den glauben, der Jesum, unsern Herrn, von den Toten auferweckt hat; welcher unserer Übertretungen wegen dahingegeben, und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt ist.


5.


Gerechtfertigt also aus Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum, durch welchen wir mittelst des Glaubens auch Zugang haben zu dieser Gnade, in welcher wir stehen, und rühmen uns in Hoffnung der Herrlichkeit Gottes. Und nicht allein das, sondern wir rühmen uns auch der Trübsale, wissend, daß die Trübsal Ausharren wirkt; das Ausharren aber Erfahrung; die Erfahrung aber Hoffnung; die Hoffnung aber läßt nicht beschämt werden; denn die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist, welcher uns gegeben ist. Denn Christus, da wir noch schwach waren, ist zu seiner Zeit für Gottlose gestorben. Denn kaum wird Jemand für einen Gerechten sterben; (denn für einen Gütigen möchte vielleicht Jemand zu sterben wagen.) Gott aber erweist Seine eigene Liebe gegen uns, indem Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist. Vielmehr denn, da wir jetzt durch Sein Blut gerechtfertigt sind, werden wir durch Ihn von dem Zorn errettet werden. Denn wenn wir, da wir Feinde waren, Gott durch den Tod Seines Sohnes versöhnt wurden, vielmehr werden wir, da wir versöhnt sind, durch Sein Leben errettet werden. Und nicht allein das, sondern wir rühmen uns auch Gottes durch unsern Herrn Jesum Christum, durch welchen wir nun die Versöhnung empfangen haben. Deshalb, wie durch Einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist, und durch die Sünde der Tod, und also der Tod zu allen Menschen durchgedrungen ist, indem sie alle gesündigt haben. - (Denn bis zu dem Gesetz war die Sünde in der Welt; - wo aber kein Gesetz ist, da wird die Sünde nicht zugerechnet. Aber der Tod herrschte von Adam an bis auf Moses, selbst über die, welche nicht gesündigt hatten in der Gleichheit der Übertretung Adams, welcher ein Vorbild des Zukünftigen ist. Nicht aber wie die Übertretung, also auch die Gnadengabe; denn wenn durch des Einen Übertretung die Vielen gestorben sind, so ist vielmehr die Gnade Gottes und die Gabe in Gnade, welche Eines Menschen, Jesu Christi, ist, gegen die Vielen überströmend geworden. Und nicht wie durch Einen, der gesündigt hat, also auch die Gabe; denn das Urteil ist aus Einem zur Verdammnis gekommen; die Gnadengabe aus vielen Übertretungen zur Gerechtigkeit. Denn wenn durch die Übertretung des Einen der Tod durch den Einen geherrscht hat; vielmehr werden Die, welche die Überschwänglichkeit der Gnade und der freien Gabe der Gerechtigkeit empfangen, im Leben herrschen durch den Einen, Jesum Christum). - Wie denn nun durch die Eine Übertretung die Verdammnis gegen alle Menschen gerichtet ist, also auch durch Eine Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens gegen alle Menschen. Denn wie durch des Einen Menschen Ungehorsam die Vielen in die Stellung von Sündern gesetzt sind, also sind auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen in die Stellung von Gerechten gesetzt. Gesetz aber ist neben eingekommen, auf daß die Übertretung überströmend sei. Wo aber die Sünde überströmend geworden ist, da ist die Gnade viel überschwänglicher geworden; auf daß, gleichwie die Sünde im Tode geherrscht hat, also auch die Gnade herrsche durch die Gerechtigkeit zu ewigem Leben durch Jesum Christum, unsern Herrn.


6.


Was sollen wir denn sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, auf daß die Gnade überströme? - Das sei ferne! Die wir der Sünde gestorben sind, wie sollen wir noch in derselben leben? Wisset ihr nicht, daß wir, so viele auf Jesum Christum getauft worden, auf Seinen Tod getauft worden sind? So sind wir denn mit Ihm begraben worden durch die Taufe auf den Tod, auf daß, gleichwie Christus aus den Toten auferweckt worden ist durch die Herrlichkeit des Vaters, also auch wir in Neuheit des Lebens wandeln sollen. Denn wenn wir zu der Gleichheit Seines Todes mitgepflanzt worden sind, so werden wir es auch freillich zu der Seiner Auferstehung sein; dieses wissend, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt ist, auf daß der Leib der Sünde abgetan sei, so daß wir der Sünde nicht mehr dienen. Denn der gestorben ist, ist von der Sünde freigesprochen. Wenn wir aber mit Christo gestorben sind, so glauben wir, daß wir auch mit Ihm leben werden, wissend, daß Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; - der Tod herrscht nicht mehr über Ihn. Denn daß Er gestorben ist, - Er ist Ein für allemal der Sünde gestorben; daß Er aber lebt - Er lebt Gott. Also auch ihr, haltet euch der Sünde für tot, Gott aber lebend in Christo Jesu. So herrsche denn nicht die Sünde in eurem sterblichen Leibe, in seinen Lüsten ihr zu gehorchen; noch begebet eure Glieder der Sünde als Werkzeuge der Ungerechtigkeit, sondern begebet euch selbst Gott als Lebende aus Toten, und eure Glieder Gott als Werkzeuge der Gerechtigkeit. Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen; denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade. Wie nun? Sollen wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? - Das sei ferne! Wisset ihr nicht, daß, welchem ihr euch als Sklaven zum Gehorsam begebt, ihr dessen Sklaven seid, welchem ihr gehorcht? entweder der Sünde zum Tode, oder des Gehorsams zur Gerechtigkeit? Gott aber sei Dank, daß ihr Sklaven der Sünde waret, aber von Herzen gehorsam geworden dem Bilde der Lehre, in welchem ihr unterrichtet seid. Freigemacht aber von der Sünde, seid ihr Sklaven der Gerechtigkeit geworden. Ich rede menschlich, wegen der Schwachheit eures Fleisches. Denn gleichwie ihr eure Glieder begeben habt zu Sklaven der Unreinigkeit und der Gesetzlosigkeit zur Gesetzlosigkeit; also begebet nun eure Glieder zu Sklaven der Gerechtigkeit zur Heiligkeit. Denn da ihr der Sünde Sklaven waret, da waret ihr Freie von der Gerechtigkeit. Welche Frucht hattet ihr denn damals von den Dingen, welcher ihr euch jetzt schämet? denn das Ende derselben ist der Tod. Nun aber, von der Sünde freigemacht, und Gottes Sklaven geworden, habt ihr eure Frucht zur Heiligkeit; das Ende aber ewiges Leben. Denn der Lohn der Sünde ist - Tod; aber die Gnadengabe Gottes - ewiges Leben in Christo Jesu, unserm Herrn.


7.


Wisset ihr nicht Brüder, (denn ich rede mit Denen, welche Gesetz kennen), daß ein Gesetz über den Menschen herrscht, so lange Zeit er lebt? Denn das Weib, das unter dem Manne ist, ist an den lebenden Mann gesetzlich gebunden; wenn aber der Mann gestorben ist, so ist sie von dem Gesetz des Mannes losgemacht. So lange denn der Mann lebt, wird sie, wenn sie bei einem andern Manne ist, eine Ehebrecherin geheißen werden; wenn aber der Mann gestorben, so ist sie frei von dem Gesetz, so daß sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie bei einem andern Manne ist. Also seid auch ihr, meine Brüder, dem Gesetz gestorben durch den Leib des Christus, daß ihr eines Anderen, des aus den Toten Auferweckten, werdet, auf daß wir Gott Frucht tragen. Denn als wir im Fleische waren, wirkten die Leidenschaften der Sünden, die durch das Gesetz sind, in unsern Gliedern, dem Tode Frucht zu bringen. Nun aber sind wir von dem Gesetze los, weil wir dem gestorben sind, in welchem wir festgehalten waren, so daß wir in dem Neuen des Geistes, und nicht in dem Alten des Buchstabens dienen. Was sollen wir nun sagen? Ist das Gesetz Sünde? - Das sei ferne! Aber die Sünde erkannte ich nicht, als nur durch Gesetz. Denn auch die Lust kannte ich nicht, wenn nicht das Gesetz gesagt hätte: "Laß dich nicht gelüsten." Die Sünde aber, durch das Gebot Anlaß nehmend, wirkte jegliche Lust in mir; denn ohne Gesetz ist die Sünde tot. Ich aber lebte einst ohne Gesetz; - als aber das Gebot kam, lebte die Sünde auf. Ich aber starb, und das Gebot, dasselbe, welches zum Leben dargestellt war, erwies sich für mich zum Tode. Denn die Sünde, durch das Gebot Anlaß nehmend, hat mich getäuscht, und durch dasselbe getötet. So ist denn das Gesetz heilig, und das Gebot heilig und gerecht und gut. Ist denn das Gute mir zum Tode geworden? - Das sei ferne! Aber die Sünde, auf daß sie als Sünde offenbar würde, wirkte mir durch das Gute den Tod, auf daß die Sünde durch das Gebot überaus sündig würde. Denn wir wissen, daß das Gesetz geistlich ist, ich aber bin fleischlich, unter die Sünde verkauft; denn was ich wirke, erkenne ich nicht; denn was ich will, das tue ich nicht, sondern was ich hasse, das übe ich aus. Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so stimme ich dem Gesetz bei, daß es recht sei. Nun aber wirke nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde. Denn ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnet; denn das Wollen ist wohl bei mir, aber das Wirken dessen, was recht ist, finde ich nicht. Denn das Gute, was ich will, übe ich nicht aus, sondern das Böse, was ich nicht will, das tue ich. Wenn ich aber das, was ich nicht will, ausübe, so wirke nicht mehr ich dasselbe, sondern die in mir wohnende Sünde. So finde ich denn für mich, der ich das Rechte tun will, das Gesetz, daß das Böse bei mir ist. Denn ich habe Wohlgefallen am Gesetz Gottes nach dem Innen-Menschen; aber ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, welches wider das Gesetz meines Sinnes streitet, und mich dem Gesetz der Sünde, welches in meinen Gliedern ist, gefangen nimmt. Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes? Ich danke Gott durch Jesum Christum, unsern Herrn. So denn diene ich selbst mit dem Sinn Gottes Gesetz; mit dem Fleische aber der Sünde Gesetz.


8.


So ist denn nun keine Verdammnis für Die, welche in Christo Jesu sind. Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christo Jesu hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes. Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem Er Seinen eigenen Sohn in der Gleichheit des Fleisches der Sünde und als Opfer für die Sünde sendend, die Sünde im Fleische verurteilte; auf daß das Recht des Gesetzes in uns, die nicht nach Fleisch, sondern nach Geist wandeln, erfüllt würde. Denn Die, welche nach dem Fleische sind, richten ihren Sinn nach Dem, was des Fleisches ist; Die aber, welche nach dem Geist sind, nach Dem, was des Geistes ist. Denn die Gesinnung des Fleisches ist Tod; die Gesinnung aber des Geistes - Leben und Frieden; weil die Gesinnung des Fleisches Feindschaft gegen Gott ist. Denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht. Die aber, welche in dem Fleisch sind, können Gott nicht gefallen. Ihr aber seid nicht in dem Fleisch, sondern in dem Geist, wenn anders der Geist Gottes in euch wohnet. Wenn aber Jemand den Geist Christi nicht hat, dieser ist nicht Sein. Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot, der Sünde wegen; der Geist aber Leben, der Gerechtigkeit wegen. Wenn aber der Geist Dessen, der Jesum aus den Toten auferweckte, in euch wohnt, so wird Der, welcher den Christus aus den Toten auferweckte, auch eure sterblichen Leiber lebendig machen wegen Seines in euch wohnenden Geistes. So denn, Brüder, sind wir Schuldner nicht dem Fleische, um nach dem Fleische zu leben; denn wenn ihr nach dem Fleische lebet, werdet ihr sterben; aber wenn ihr durch den Geist die Handlungen des Leibes tötet, so werdet ihr leben. Denn so Viele von dem Geist Gottes geleitet werden, diese sind Söhne Gottes. Denn ihr habt nicht den Geist der Knechtschaft, wiederum zur Furcht, empfangen, sondern ihr habt den Geist der Kindschaft empfangen, in welchem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist Selbst zeugt mit unserm Geist, daß wir Kinder Gottes sind. Wenn aber Kinder, so auch Erben, - Erben Gottes und Miterben Christi, wenn wir anders mit Ihm leiden, auf daß wir auch mit Ihm verherrlicht werden. Denn ich halte dafür, daß die Leiden der Jetztzeit nicht wert sind, verglichen zu werden mit der Herrlichkeit, welche an uns offenbart werden wird. Denn das sehnsüchtige Harren der Kreatur wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. Denn die Kreatur ist der Eitelkeit unterworfen (nicht mit Willen, sondern um deswillen, der sie unterworfen hat) auf Hoffnung; daß auch selbst die Kreatur von der Knechtschaft des Verderbnisses zu der Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes frei gemacht werden wird. Denn wir wissen, daß die ganze Kreatur zusammen seufzet, und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt. Und nicht allein sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlinge des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst, erwartend die Kindschaft - die Erlösung unsers Leibes. Denn wir sind selig in Hoffnung. Hoffnung aber, die gesehen wird, ist keine Hoffnung. Denn was Einer sieht, was hofft er es auch? Wenn wir aber Das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir mit Ausharren. Desgleichen aber nimmt auch der Geist sich unserer Schwachheiten an; denn wir wissen nicht, was wir, wie sich´s gebührt, beten sollen, sondern der Geist selbst bittet für uns in nicht auszusprechenden Seufzern. Der aber, welcher die Herzen erforscht, weiß, was der Sinn des Geistes ist; denn Er bittet für die Heiligen Gott gemäß. Wir wissen aber, daß für Die, welche Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, Denen, die nach Vorsatz berufen sind. Denn welche Er zuvor gekannt hat, die hat Er auch zuvor bestimmt, dem Bilde Seines Sohnes gleichförmig zu sein; damit Er der Erstgeborne unter vielen Brüdern sei. Welche Er aber zuvor bestimmt hat, diese hat Er auch berufen; und welche Er berufen hat, diese hat Er auch gerechtfertigt; welche Er aber gerechtfertigt hat, diese hat Er auch verherrlicht. Was sollen wir nun hierzu sagen? - Wenn Gott für uns ist, wer mag wider uns sein? Der doch Seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern Ihn für uns Alle hingegeben hat; wie wird Er uns mit Ihm nicht auch Alles schenken? Wer wird wider die Auserwählten Gottes Anklage erheben? - Gott ist es, welcher rechtfertigt. Wer ist, der verdamme? - Christus ist es, der gestorben, ja noch mehr, der auch auferweckt, der auch zur Rechten Gottes ist, der auch für uns bittet. Wer wird uns scheiden von der Liebe des Christus? Trübsal, oder Angst, oder Verfolgung, oder Hungersnot, oder Blöße, oder Gefahr, oder Schwert? Wie geschrieben steht: "Um Deinetwillen werden wir den ganzen Tag getötet; wie Schlachtschafe sind wir gerechnet worden." Aber in diesem Allen sind wir mehr als Überwinder, durch Den, der uns geliebt hat. Denn ich bin überzeugt, daß weder Tod, noch Leben, noch Engel, noch Fürstentümer, noch Gegenwärtiges, noch Zukünftiges, noch Gewalten, noch Hohes, noch Tiefes, noch irgend eine andere Kreatur uns zu scheiden vermögen wird von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu, unserm Herrn, ist.


9.


Ich sage die Wahrheit in Christo, ich lüge nicht, und mein Gewissen gibt mit mir Zeugnis in dem Heiligen Geist, daß ich große Traurigkeit und unaufhörlichen Schmerz in meinem Herzen habe, (denn ich selbst, ich habe gewünscht, durch einen Fluch von Christo entfernt zu sein), für meine Brüder, meine Verwandte nach dem Fleisch, welche Israeliten sind, denen die Kindschaft, und die Herrlichkeit, und die Bündnisse, und die Gesetzgebung, und der Dienst, und die Verheißungen gehören, deren die Väter sind, und aus welchen der Christus dem Fleische nach herkommt, welcher Gott ist über Alles, gesegnet in die Zeitalter. Amen. Nicht aber als ob das Wort Gottes sein Ziel verfehlt hätte, - denn nicht Alle, die aus Israel sind, diese sind, diese sind Israel, noch sind sie alle Kinder, weil sie Abrahams Samen sind, sondern: "In Isaak wird dir Samen berufen werden." Das heißt: nicht die Kinder des Fleisches, - diese sind Kinder Gottes, sondern die Kinder der Verheißung werden für Samen gerechnet. Denn dieses Wort ist ein Verheißungswort: "Nach dieser Zeit will Ich kommen, und Sarah wird einen Sohn haben." - Nicht aber allein das, sondern auch Rebekka, als sie von Einem, das ist, von Isaak, unserm Vater, schwanger war, - selbst als die Kinder noch nicht geboren waren, und weder Gutes noch Böses getan hatten, (auf daß der Vorsatz Gottes nach Auswahl bestände, - nicht aus Werken, sondern aus dem Berufenden) ward zu ihr gesagt: "Der Größere wird dem Geringern dienen." Wie geschrieben steht: "Den Jakob habe Ich geliebt; aber den Esau habe Ich gehaßt." Was sollen wir denn sagen? Ist Ungerechtigkeit bei Gott? - Das sei ferne! Denn Er sagt zu Mose: "Ich werde begnadigen, den Ich begnadige, und Mich erbarmen, über den Ich Mich erbarme." - Also liegt es denn nicht an dem Wollenden, noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott. Denn die Schrift sagt zu Pharao: "Eben dazu habe Ich dich erweckt, daß Ich an dir Meine Macht erzeige, und daß Mein Name auf der ganze Erde verkündigt werde." So denn: wen Er will, begnadigt Er, und: wen Er will, verhärtet Er. Du wirst nun zu mir sagen. Warum tadelt Er noch? Denn wer hat Seinem Willen widerstanden? - Ja, o Mensch, wer bist du, der du das Wort nimmst wider Gott? Wird das Geformte zu dem Former sagen: Warum hast du mich also gemacht? Hat der Töpfer nicht Macht über den Ton, aus demselben Klumpen ein Gefäß zur Ehre, und ein anderes zur Unehre zu machen? Wenn aber Gott, willens, Seinen Zorn zu erzeigen, und Seine Macht kund zu machen, die Gefäße des Zorns, zubereitet zum Verderben, mit vieler Langmut ertragen hat, - und auf daß Er kund machte den Reichtum Seiner Herrlichkeit an den Gefäßen der Begnadigung, die Er zur Herrlichkeit zuvor bereitet hat...? welche Er auch berufen hat, uns, nicht allein aus den Juden, sondern auch aus den Nationen. Wie Er auch in Hosea sagt: "Ich werde das, was nicht Mein Volk war, Mein Volk nennen, und die Nicht-Geliebte - Geliebte." "Und es wird sein, an dem Orte, wo zu ihnen gesagt ward: "Ihr seid nicht Mein Volk", da sollen sie Söhne des lebendigen Gottes genannt werden." Jesaias aber ruft über Israel: "Wäre die Zahl der Söhne Israels wie der Sand des Meeres, der Überrest wird errettet werden. Denn Er vollbringt und kürzt die Sache ab in Gerechtigkeit; denn der Herr wird eine abgekürzte Sache auf der Erde machen." Und wie Jesaias zurvor gesagt hat: "Wenn der Herr Zebaoth uns nicht Samen übrig gelassen hätte, wären wir wie Sodom geworden, und Gomorrha gleich gemacht worden." Was sollen wir denn sagen? - Daß die Nationen, welche nicht nach der Gerechtigkeit strebten, die Gerechtigkeit erlangt haben, - die Gerechtigkeit aber, welche aus Glauben ist; Israel aber, dem Gesetz der Gerechtigkeit nachstrebend, nicht zu dem Gesetz der Gerechtigkeit gelangt ist. Warum? Weil sie dieselbe nicht aus Glauben, sondern als aus Gesetzes Werken suchten; denn sie haben sich gestoßen an dem Stein des Anstoßes. Gleichwie geschrieben steht: "Siehe, Ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels der Ärgernis; und Jeder, der an Ihn glaubt, wird nicht beschämt werden."


10.


Brüder, das Wohlgefallen meines Herzens und mein Flehen zu Gott für sie ist zum Heil. Denn ich gebe ihnen Zeugnis, daß sie Eifer für Gott haben, aber nicht nach Erkenntnis. Denn die Gerechtigkeit Gottes nicht erkennend, und ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten trachtend, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen. Denn Christus ist Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit. Denn Moses beschreibt die Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz ist: "Der Mensch, der dasselbe getan hat, wird dadurch leben." Die Gerechtigkeit aber aus Glauben sagt also: Sprich nicht in deinem Herzen: "Wer wird hinauf in den Himmel steigen"? das heißt Christum herunter führen. Oder: "Wer wird hinab in den Abgrund steigen"? das heißt Christum aus den Toten herauf führen. Aber was sagt sie? - "Nahe ist dir das Wort in deinem Munde und in deinem Herzen." - Das ist das Wort des Glaubens, welches wir verkündigen, daß, wenn du mit deinem Munde den Herrn Jesum bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, daß Gott Ihn aus den Toten auferweckt hat, du selig werden wirst. Denn mit dem Herzen wird geglaubt zur Gerechtigkeit, und mit dem Munde wird bekannt zum Heil. Denn die Schrift sagt: "Jeder, der an Ihn glaubt, wird nicht beschämt werden." Denn es ist kein Unterschied zwischen Jude und Grieche; denn derselbe Herr von Allen ist reich für Alle, die Ihn anrufen; "denn Jeder, der den Namen des Herrn anrufen wird, wird errettet werden". Wie werden sie nun Den anrufen, an welchen sie nicht geglaubt haben? Wie aber werden sie an Den glauben, von welchem sie nicht gehört haben? Wie aber werden sie hören ohne einen Prediger? Wie aber werden sie predigen, wenn sie nicht gesandt sind? - Wie geschrieben steht: "Wie lieblich die Füße Derer, welche die gute Botschaft des Friedens verkündigen, welche die gute Botschaft der Güter verkündigen." Aber nicht Alle haben dem Evangelium gehorcht. Denn Jesaias sagt: "Herr! wer hat dem von uns Gehörten geglaubt?" So ist denn der Glaube aus dem Hören; das Hören aber durch Gottes Wort. Ich sage aber: Haben sie nicht gehört? - Ja gewiß. "Ihr Schall ist ausgegangen zu der ganzen Erde, und ihre Reden zu den Grenzen des Erdkreises." Ich sage aber: Hat Israel es nicht erkannt? Erst sagt Moses: "Ich will euch eifersüchtig machen über das, was nicht ein Volk ist; über ein unverständiges Volk will Ich euch erbittern." Jesaias aber erkühnt sich und sagt: "Ich bin gefunden von Denen, die Mich nicht suchen; Ich bin offenbar geworden Denen, die nicht nach Mir fragen." Von Israel aber sagt Er: "Den ganzen Tag habe Ich Meine Hände zu einem ungehorsamen und widersprechenden Volke ausgestreckt."


11.


Ich sage denn: Hat Gott Sein Volk verstoßen? - Das sei ferne! Denn auch ich bin ein Israelit, von dem Samen Abrahams, des Stammes Benjamin. Gott hat Sein Volk, welches Er zuvorgekannt hat, nicht verstoßen. Wisset ihr nicht, was die Schrift in Elias sagt, wie er vor Gott wider Israel tritt? : "Herr! Sie haben Deine Propheten getötet, und haben Deine Altäre umgegraben; und ich allein bin übrig geblieben, und sie suchen mein Leben." Aber was sagt ihm der göttliche Ausspruch? "Ich habe Mir siebentausend Mann übrig bleiben lassen, die das Knie vor dem Bilde Baals nicht gebeugt haben." - Also ist denn in der Jetztzeit ein Überrest nach Gnaden-Wahl. Wenn aber durch Gnade, so nicht mehr aus Werken, sonst ist die Gnade nicht mehr Gnade. Was denn? - Was Israel sucht, das hat es nicht erlangt; aber die Auswahl hat es erlangt; die Übrigen aber sind verstockt - (wie geschrieben steht: "Gott hat ihnen einen Geist der Schlafsucht gegeben; Augen, um nicht zu sehen, und Ohren, um nicht zu hören", - bis auf den heutigen Tag. Und David sagt: "Laß ihnen ihren Tisch zur Schlinge und zum Fallstrick und zum Anstoß und zur Vergeltung werden. Verfinstert seien ihre Augen, um nicht zu sehen, und ihre Rücken beuge allezeit." - Ich sage denn: Haben sie denn angestoßen, damit sie fallen? - Das sei ferne! Sondern durch ihren Fall ist den Nationen das Heil gekommen, um sie zur Eifersucht zu reizen. Wenn aber ihr Fall der Reichtum der Welt ist, und ihre Verminderung der Reichtum der Nationen, wie viel mehr ihre Fülle! Denn euch aus den Nationen sage ich: Da ich nun der Nationen Apostel bin, ehre ich meinen Dienst; ob ich auf irgend eine Weise mein Fleisch zur Eifersucht reize, und Etliche aus ihnen errette. Denn wenn ihre Verstoßung die Versöhnung der Welt ist, was wird ihre Annahme anders sein, als Leben aus den Toten? Wenn aber die Erstlinge heilig sind, so auch die Masse; und wenn wenn die Wurzel heilig ist, so auch die Zweige. Wenn aber einige der Zweige herausgebrochen sind, und du, ein wilder Ölbaum seiend, unter sie eingepfropft worden, und der Wurzel und der Fettigkeit des Ölbaums mitteilhaftig geworden bist, so rühme dich nicht wider die Zweige. Wenn du dich aber wider sie rühmest, - du trägst nicht die Wurzel, sondern die Wurzel dich. Du wirst nun sagen: Die Zweige sind herausgebrochen, auf daß ich eingepfropft sei. - Recht; - sie sind durch den Unglauben herausgebrochen worden; du aber stehest durch den Glauben. Sei nicht hochmütig, sondern fürchte dich; denn wenn Gott die natürlichen Zweige nicht verschont hat, fürchte dich, daß Er auch dich nicht verschonen werde. Siehe denn die Güte und die Strenge Gottes; an denen, die gefallen sind, Strenge; an dir aber Güte, wenn du an der Güte bleibest; sonst wirst auch du ausgeschnitten werden; und jene, wenn sie nicht in dem Unglauben bleiben, werden eingepfropft werden; - denn Gott vermag sie wiederum einzupfropfen. Denn wenn du von dem nach der Natur wilden Ölbaume ausgeschnitten, und wider die Natur in den guten Ölbaum eingepfropft worden bist; - wie vielmehr werden diese, die natürlichen, in ihren eigenen Ölbaum eingepfropft werden! Denn ich will nicht, Brüder, daß euch dieses Geheimnis unbekannt sei (auf daß ihr euch nicht selbst klug dünket): Verstockung ist Israel zum Teil widerfahren, bis daß die Fülle der Nationen eingekommen sein wird; und also wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: "Es wird aus Zion der Erretter kommen, und wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden; und Dies ist für sie der Bund von Mir, wenn Ich ihre Sünden wegnehme." - In Betreff des Evangeliums sind sie zwar Feinde um euretwillen, was aber die Auswahl betrifft, Geliebte um der Väter willen. Denn die Gnadengaben und die Berufung Gottes sind unbereubar. Denn gleicher Weise, wie auch ihr weiland Gott nicht geglaubt habt, nun aber durch den Unglauben Dieser begnadigt worden seid, also haben auch jetzt Diese nicht an eure Begnadigung geglaubt, auf daß auch sie unter die Begnadigung kommen. Denn Gott hat Alle in den Unglauben eingeschlossen, auf daß Er Alle begnadige. - O Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie unausforschlich sind Seine Gerichte, und unausspürbar Seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt? Oder wer ist Sein Mitberater gewesen? Oder wer hat Ihm zuvor gegeben? und es wird Ihm vergolten werden. Denn von Ihm, und durch Ihn, und zu Ihm sind alle Dinge. Ihm sei Herrlichkeit in die Zeitalter! Amen.


12.


Ich ermahne euch denn, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer darzustellen, als euren vernünftigen Dienst, und handelt nicht dieser Welt gemäß, sondern werdet durch die Erneuerung eures Sinnes verwandelt, daß ihr prüfet, welches der gute, der wohlgefällige und vollkommene Gotteswille sei. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, einem Jeden unter euch, nicht höher von sich zu halten, als sich´s zu halten gebührt, sondern von sich also zu denken, daß er mäßig gesinnt sei, wie Gott einem Jeglichen das Maß des Glaubens zugeteilt hat. Denn gleicher Weise, als wir in Einem Leibe viele Glieder haben, aber alle Glieder nicht dasselbe Geschäft haben, also sind wir Viele Ein Leib in Christo, aber je Einer des Andern Glieder, aber Gnadengaben haben, verschieden nach der Gnade, die uns gegeben ist: Es sei Weissagung, so übe er sie aus nach dem Maß des Glaubens; es sei Dienst, so bleibe er in dem Dienst; es sei der Lehrer, - in der Lehre; es sei der Ermahner, - in der Ermahnung; der Mitteilende, - in Einfalt; der Vorstehende, - in Fleiß; der Barmherzigkeit Übende, - in Freudigkeit. Die Liebe sei ohne Heuchelei. Hasset das Böse; haltet fest am Guten. In der Bruderliebe gegen einander herzlich. In Ehrerbietung übertreffet einander. Im Geschäft nicht säumig; brünstig im Geist; dem Herrn dienend; in der Hoffnung euch erfreuend; in der Trübsal ausharrend; im Gebet anhaltend; an den Bedürfnissen der Heiligen teilnehmend; nach Gastfreundschaft trachtend. Segnet, die euch verfolgen; segnet, und fluchet nicht. Sich freuen mit den sich Freuenden, und weinen mit den Weinenden; gegen einander gleichgesinnt; nicht auf hohe Dinge sinnend, sondern euch zu den Niedrigen haltend. Seid nicht weise bei euch selbst. Niemandem Böses mit Bösem vergeltend. Traget Sorge für Alles, was vor allen Menschen ehrbar ist. Wenn möglich, so viel an euch ist, wandelt mit allen Menschen in Frieden. Nie euch selbst rächend, Geliebte; sondern gebet Raum dem Zorn; denn es steht geschrieben: "Die Rache ist Mein; Ich will vergelten, spricht der Herr." Wenn nun deinen Feind hungert, so speise ihn; wenn ihn dürstet, so tränke ihn; denn dieses tuend, wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Laß dich nicht von dem Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten.


13.


Jedermann sei den obrigkeitlichen Gewalten untertan. Denn es ist keine Gewalt, als nur von Gott; sondern die, welche sind, sind von Gott verordnet. Daher widersteht der, welcher sich der Obrigkeit widersetzt, Gottes Anordnung; die aber, welche widerstehen, werden ein Urteil über sich bringen. Denn die Gewalthabenden sind nicht den guten Werken, sondern den bösen zur Furcht. Willst du dich aber vor der Obrigkeit nicht fürchten, so übe das Gute, und du wirst Lob von ihr haben. Denn sie ist Gottes Dienerin, dir zu gut. Wenn du aber das Böse übst, fürchte dich; denn sie trägt das Schwert nicht umsonst; denn sie ist Gottes Dienerin, eine Rächerin zum Zorn Dem, der das Böse tut. Darum ist nötig, untertan zu sein; nicht allein des Zornes wegen, sondern auch des Gewissens wegen. Denn deshalb entrichtet ihr auch Steuern; denn sie sind Gottes Beamte, die eben dazu beschäftigt sind. So gebet nun Allen, was ihr schuldig seid; die Steuer, dem ihr die Steuer; den Zoll, dem ihr den Zoll; die Furcht, dem ihr die Furcht; die Ehre, dem ihr die Ehre schuldig seid. Seid Niemand irgend etwas schuldig, als einander zu lieben; denn wer den Andern liebt, erfüllt das Gesetz. Denn das "Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; dich soll nicht gelüsten," - und wenn ein anderes Gebot ist, ist in diesem Worte zusammengefaßt, in dem. "Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst." Die Liebe tut dem Nächsten kein Übels. So ist die Liebe die Fülle des Gesetzes. Und dieses noch: - die Zeit erkennend, daß die Stunde da ist, daß wir schon von dem Schlaf aufwachen sollen; (denn unsere Seligkeit ist jetzt näher, als da, wo wir geglaubt haben). Die Nacht ist weit vorgerückt, der Tag aber ist nahe. So lasset uns denn die Werke der Finsternis ablegen, und die Waffen des Lichts anziehen. So lasset uns anständig wandeln, wie am Tage: nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Streit und Neid, sondern ziehet an den Herrn Jesum Christum, und treibet nicht Vorsorge des Fleisches für dessen Lüste.


14.


Den Schwachen im Glauben aber nehmet auf; doch nicht zur Unterscheidung in zweifelhaften Fragen. Einer glaubt, er möge Alles essen; der Schwache aber isset Gemüse. Wer isset, verachte Den nicht, der nicht isset; und wer nicht isset, der richte Den nicht, der isset; denn Gott hat ihn angenommen. Wer bist du, der du den Hausknecht eines Andern richtest? Er steht oder fällt seinem eigenen Herrn. Er wird aber aufrecht gehalten werden; denn Gott vermag ihn aufrecht zu halten. Der Eine hält einen Tag vor dem andern; der Andere aber hält jeden Tag gleich. Ein Jeglicher aber sei in seinem eigenen Sinn völlig überzeugt. Wer den Tag achtet, dem Herrn achtet er ihn; und wer den Tag nicht achtet, dem Herrn achtet er ihn nicht. Wer isset, dem Herrn isset er; denn er danksagt Gott; und wer nicht isset, dem Herrn isset er nicht und danksagt Gott. Denn Keiner von uns lebt sich selber, und Keiner stirbt sich selber. Denn sei es, daß wir leben, dem Herrn leben wir; sei es, daß wir sterben, dem Herrn sterben wir. Sei es denn, daß wir leben, sei es, daß wir sterben, wir sind des Herrn. Denn hierzu starb und lebte Christus, auf daß Er herrsche sowohl über Tote als Lebende. Du aber, warum richtest du deinen Bruder? Oder auch du, warum verachtest du deinen Bruder? Denn wir werden Alle vor dem Richterstuhle Christi dargestellt werden. Denn es steht geschrieben: "Ich lebe, spricht der Herr, Mir wird sich jedes Knie beugen, und jede Zunge wird Gott bekennen." - So denn wird ein Jeglicher von uns für sich selbst Gott Rechenschaft geben. Lasset uns denn nicht mehr einander richten; sondern Dieses richtet vielmehr: dem Bruder keinen Anstoß oder Ärgernis zu setzen. Ich weiß und bin überzeugt in dem Herrn Jesu, daß nichts an sich selbst gemein ist, es sei denn Dem, der etwas für gemein rechnet; demjenigen ist es gemein. Wenn aber dein Bruder durch eine Speise betrübt wird, so wandelst du nicht mehr nach der Liebe. Verdirb nicht mit deiner Speise Den, für welchen Christus gestorben ist. Lasset denn euer Gut nicht verlästert werden. Denn das Reich Gottes ist nicht Speise und Trank, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist. Denn wer in diesen Dingen Christo dienet, ist Gott wohlgefällig und den Menschen bewährt. So denn lasset uns dem, was des Friedens ist, nachstreben, und dem, was zur gegenseitigen Erbauung ist. Zerstöre nicht wegen einer Speise das Werk Gottes. Alle Dinge sind zwar rein, aber dem Menschen ist es böse, der mit Anstoß isset. Es ist gut, nicht Fleisch zu essen, noch Wein zu trinken, noch Etwas, woran dein Bruder sich stößt oder ärgert oder schwach ist. Hast du Glauben? habe ihn für dich selbst vor Gott. Glückselig der Mensch, der sich selbst in dem nicht richtet, was er sich erlaubt. Wer aber zweifelt, wenn er isset, ist verurteilt, weil er es nicht aus Glauben tut. Alles aber, was nicht aus Glauben ist, ist Sünde.


15.


Wir aber, die Starken, sind schuldig, die Schwachheiten der Schwachen zu tragen, und nicht uns selbst zu gefallen. Jeglicher von uns gefalle Seinem Nächsten zum Guten, zur Erbauung. Denn auch Christus hat nicht Sich selbst gefallen, sondern wie geschrieben steht: "Die Schmähungen Derer, die Dich schmähen, sind auf Mich gefallen." Denn Alles, was zuvor geschrieben ist, ist zu unserer Belehrung zuvorgeschrieben, auf daß wir durch Ausharren und Ermunterung der Schriften Hoffnung haben. Der Gott aber des Ausharrens und der Ermunterung gebe euch, gleichgesinnt untereinander zu sein, Christo Jesu gemäß, auf daß ihr einmütig mit einem Munde den Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi verherrlicht. Darum nehmet euch untereinander an, gleichwie auch der Christus euch angenommen hat, zu Gottes Herrlichkeit. Ich sage aber, daß Jesus Christus Diener der Beschneidung geworden sei um der Wahrheit Gottes willen, die Verheißungen der Väter zu bestätigen; daß aber die Nationen Gott verherrlichen um Seiner Begnadigung willen; wie geschrieben steht: "Darum werde Ich Dich unter den Nationen bekennen, und Deinem Namen lobsingen!" - Und wiederum sagt Er: "Frohlocket, ihr Nationen, mit Seinem Volk!" - Und wiederum: "Lobet den Herrn, alle Nationen, und preiset Ihn, alle Völker!" - Und wiederum sagt Jesaias: "Es wird sein die Wurzel Jesse, und der aufsteht, über die Nationen zu herrschen; auf Den werden die Nationen hoffen!" - Der Gott aber der Hoffnung erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, so daß ihr überreich werdet in Hoffnung, durch die Kraft des Heiligen Geistes. Ich bin aber, meine Brüder, auch selbst von euch überzeugt, daß auch ihr voll Gütigkeit seid, erfüllt mit aller Erkenntnis, fähig, euch einander zu ermahnen. Ich habe aber teilweise euch etwas freimütiger geschrieben, Brüder, als euch erinnernd, der Gnade wegen, welche mir von Gott gegeben ist; daß ich ein Beamter Jesu Christi für die Nationen sein soll, priesterlich zu wirken an dem Evangelium Gottes, auf daß das Opfer der Nationen angenehm würde, geheiligt durch den Heiligen Geist. Ich habe also Grund, was die Sache Gottes betrifft, mich in Christo Jesu zu rühmen. Denn ich werde nicht wagen, etwas von Dingen zu reden, welche Christus nicht durch mich durch Wort und Werk gewirkt hat zum Gehorsam der Nationen; in der Kraft der Zeichen und Wunder, in der Kraft des Geistes Gottes, so daß ich von Jerusalem und umher bis nach Illyrikum das Evangelium des Christus erfüllt habe, und mich also sonderlich beflissen, das Evangelium da zu predigen, wo Christi Name nicht genannt war, auf daß ich nicht auf einen fremden Grund baue; sondern wie geschrieben steht: "Welchen nicht von Ihm verkündigt ist, die sollen sehen; und welche nicht gehört haben, die sollen verstehen." - Darum bin ich auch oft verhindert gewesen, zu euch zu kommen. Nun ich aber in diesen Gegenden nicht mehr Raum habend, und seit vielen Jahren großes Verlangen habe, zu euch zu kommen, so hoffe ich, wenn ich nach Spanien gehe, auf der Durchreise euch zu sehen, und von euch dorthin geleitet zu werden, wenn ich zuvor euch etwas genossen habe. Jetzt aber reise ich nach Jerusalem, den Heiligen dienend. Denn es hat Macedonien und Achaja wohlgefallen, den Dürftigen unter den Heiligen in Jerusalem Etwas mitzuteilen. Es hat ihnen zwar wohlgefallen; auch sind sie ihre Schuldner. Denn wenn die Nationen ihrer geistlichen Güter teilhaftig geworden sind, sind sie schuldig, auch in den leiblichen ihnen zu dienen. Wenn ich dieses nun vollbracht und ihnen diese Frucht versiegelt habe, will ich durch euch nach Spanien ziehen. Ich weiß aber, daß, zu euch kommend, ich in der Fülle des Segens Christi kommen werde. Ich bitte euch aber, Brüder, durch unsern Herrn Jesum Christum, und durch die Liebe des Geistes, mit mir zu kämpfen in den Gebeten für mich zu Gott; auf daß ich von den Ungläubigen in Judäa errettet, und auf daß mein Dienst, den ich zu Jerusalem tue, den Heiligen angenehm werde; auf daß ich durch den Willen Gottes mit Freuden zu euch komme, und mich mit euch erquicke. Der Gott aber des Friedens sei mit euch Allen! Amen.


16.


Ich empfehle euch aber unsere Schwester Phöbe, welche eine Dienerin der Versammlung in Kenchrea ist, daß ihr sie in dem Herrn aufnehmet, wie es sich für die Heiligen geziemt, und ihr in allem Geschäfte, darin sie eurer bedarf, beistehet. Denn auch sie hat Vielen Beistand geleistet, auch mir selbst. Grüßet die Prisca und den Aquila, meine Mitarbeiter in Christo Jesu, - (welche für mein Leben ihren Hals dargegeben haben, welchen nicht allein ich danke, sondern auch alle Versammlungen unter den Nationen), - und die Versammlung in ihrem Hause. Grüßet den Epänetus, meinen Geliebten, welcher der Erstling Asiens ist für Christum. Grüßet die Maria, welche sich sehr für uns gemüht hat. Grüßet den Andronikus und den Junias, meine Verwandten und meine Mitgefangenen, welche unter den Aposteln ausgezeichnet sind, die auch vor mir in Christo gewesen sind. Grüßet den Amplias, meinen Geliebten in dem Herrn. Grüßet den Urbanus, unsern Mitarbeiter in Christo, und den Stachys, meinen Geliebten. Grüßet den Apelles, den Bewährten in Christo. Grüßet die von Aristobulos Hausgesinde. Grüßet den Herodion, meinen Verwandten. Grüßet die von Narcissus Hausgesinde, welche in dem Herrn sind. Grüßet die Tryphäna und die Tryphosa, welche sich in dem Herrn mühen. Grüßet die Persis, die Geliebte, welche sich viel in dem Herrn gemüht hat. Grüßet den Rufus, den Auserwählten in dem Herrn, und seine und meine Mutter. Grüßet den Asynkritus, Phlegon, Hermas, Patrobas, Hermes und die Brüder, die bei ihnen sind. Grüßet den Philologus, und die Julia, den Nereus und seine Schwester, und den Olympas und alle die Heiligen, die bei ihnen sind. Grüßet einander mit heiligem Kuß. Es grüßen euch alle Versammlungen des Christus. Ich ermahne euch aber, Brüder, daß ihr auf die Acht habt, welche Zwiespalt und Ärgernisse, entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, anrichten; und wendet euch von ihnen ab. Denn solche dienen nicht unserm Herrn Christo, sondern ihrem eigenen Bauch; und durch süße Worte und schöne Reden verführen sie die Herzen der Arglosen. Denn euer Gehorsam ist zu Allen hingekommen. Deshalb, was euch betrifft, freue ich mich. Ich aber will, daß ihr weise zum Guten, und einfältig zum Bösen seid. Der Gott des Friedens aber wird in Kurzem den Satan unter eure Füße zertreten. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch! Es grüßen euch Timotheus, mein Mitarbeiter, und Lucius und Jason und Sosipater, meine Verwandten. Ich, Tertius, der ich die Epistel geschrieben habe, grüße euch in dem Herrn. Es grüßet euch Gajus, mein und der ganzen Versammlung Wirt. Es grüßen euch Erastus, der Stadt Rentmeister und Quartus, der Bruder. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch Allen! Amen. Dem aber, der euch zu befestigen vermag, nach meinem Evangelium und der Predigt von Jesu Christo, nach der Offenbarung des Geheimnisses, welches in den Zeiten der Zeitalter verschwiegen ist, nun aber erschienen, und durch prophetische Schriften, nach Befehl des ewigen Gottes, zum Gehorsam des Glaubens an alle Nationen kund gemacht, - dem allein weisen Gott durch Jesum Christum, Ihm sei die Herrlichkeit in die Zeitalter! Amen!



Die erste Epistel des Apostels Paulus an die Corinther.


1.


Paulus, berufener Apostel Jesu Christi, durch den Willen Gottes, und Sosthenes, der Bruder, - der Versammlung Gottes, welche in Corinth ist, den Geheiligten in Christo Jesu, den berufenen Heiligen, samt Allen, die an allen Orten den Namen unsers Herrn Jesu Christi, ihres und unsers, anrufen. Gnade euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo! Ich danke meinem Gott allezeit eurethalben, für die Gnade Gottes, die euch in Christo Jesu gegeben ist, daß ihr in Ihm in Allem bereichert worden seid, in aller Rede und aller Erkenntnis, - wie das Zeugnis des Christus unter euch bestätigt worden ist, - so daß ihr in keiner Gnadengabe zurück seid, die Offenbarung unsers Herrn Jesu Christi erwartend; - welcher euch auch bis an´s Ende befestigen wird, daß ihr an dem Tage unsers Herrn Jesu Christi tadellos seid. Gott ist treu, durch welchen ihr in die Gemeinschaft Seines Sohnes Jesu Christi, unsers Herrn, berufen worden seid. Ich bitte euch aber, Brüder, durch den Namen unsers Herrn Jesu Christi, daß ihr alle Dasselbe redet, und daß nicht Spaltungen unter euch seien, sondern daß ihr in demselben Sinn und in derselben Meinung völlig zusammengefügt seid. Denn mir ist von Denen im Hause der Chloe über euch kund getan worden, meine Brüder, daß Streitigkeiten unter euch sind. Ich sage aber Dieses, daß ein Jeglicher von euch sagt: Ich bin des Paulus, und ich des Apollos, und ich des Kephas, und ich Christi. Ist denn der Christus zerteilt? Ist Paulus für euch gekreuzigt worden? Oder seid ihr auf den Namen Pauli getauft? - Ich danke Gott, daß ich Niemand von euch getauft habe, als Crispum und Gajum; auf daß nicht Jemand sage, daß ich auf meinen Namen getauft habe. Ich habe aber auch das Haus Stephanas getauft; sonst weiß ich nicht, ob ich Jemand Anders getauft habe. Denn Christus hat mich nicht zu taufen gesandt, sondern das Evangelium zu verkündigen; nicht in Redeweisheit, auf daß nicht das Kreuz Christi zunichte gemacht werde. Denn das Wort vom Kreuz ist Denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir selig werden, ist es Gotteskraft. Denn es steht geschrieben: "Ich will die Weisheit der Weisen zerstören, und den Verstand der Verständigen will Ich wegtun." Wo ist der Weise? Wo der Schriftgelehrte? Wo der Schulstreiter dieses Zeitlaufs? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? Denn weil der Weisheit Gottes nach, die Welt durch die Weisheit Gott nicht erkannt hat, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt die Glaubenden selig zu machen; sintemal die Juden Zeichen fordern, und die Griechen Weisheit suchen; wir aber predigen Christum, den Gekreuzigten, den Juden ein Anstoß, und den Nationen eine Torheit; den Berufenen selbst aber, sowohl Juden als Griechen, Christum, Gottes Kraft und Gottes Weisheit; denn das Törichte Gottes ist weiser als die Menschen, und das Schwache Gottes ist stärker als die Menschen. Denn ihr sehet eure Berufung, Brüder, daß nicht viele Weise nach dem Fleische, nicht viele Mächtige, nicht viele Edle sind, sondern Gott hat das Törichte der Welt auserwählt, auf daß Er die Weisen zu Schanden mache; und das Schwache der Welt hat Gott auserwählt, auf daß Er das Starke zu Schanden mache; und das Unedle der Welt und das Verachtete hat Gott auserwählt, und Das, was nicht ist, auf daß Er das, was ist, zunichte mache, daß sich vor Gott kein Fleisch rühme. Aus Ihm aber seid ihr in Christo Jesu, der uns Weisheit von Gott, und Gerechtigkeit und Heiligkeit und Erlösung geworden ist; auf daß, wie geschrieben steht, "wer sich rühmet, der rühme sich im Herrn."


2.


Und ich, da ich zu euch kam, Brüder, kam ich nicht nach Vortrefflichkeit der Rede oder Weisheit, euch das Zeugnis Gottes verkündigend. Denn ich hielt nicht für gut, etwas unter euch zu wissen, als nur Jesum Christum, und Ihn als Gekreuzigten. Und ich bin bei euch gewesen in Schwachheit und in Furcht und in vielem Zittern; und meine Rede und meine Predigt war nicht in überredenden Worten der Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft; auf daß euer Glaube nicht in Weisheit der Menschen, sondern in der Kraft Gottes sei. Wir reden aber Weisheit unter den Vollkommenen, Weisheit aber nicht dieses Zeitlaufs, noch der Fürsten dieses Zeitlaufs, die zunichte werden, - sondern wir reden Gottes Weisheit in einem Geheimnis, die verborgene, welche Gott vor den Zeitaltern zu unserer Herrlichkeit zuvor bestimmt hat, welche keiner von den Fürsten dieses Zeitlaufs erkannt hat; denn wenn sie diese erkannt hätten, so würden sie wohl den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt haben; sondern wie geschrieben steht: "Was kein Auge gesehen, und kein Ohr gehört hat, und in keines Menschen Herz gekommen ist, war Gott Denen bereitet hat, die Ihn lieben." Uns aber hat es Gott durch Seinen Geist offenbart; denn der Geist erforschet alle Dinge, selbst die Tiefen Gottes. Denn wer von den Menschen weiß die Dinge des Menschen, als der Geist des Menschen, der in ihm ist? Also weiß auch Niemand die Dinge Gottes, als der Geist Gottes. Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott ist, auf daß wir die Dinge wissen, die uns von Gott aus Gnaden gegeben sind; welche wir auch reden, nicht in Worten, gelehrt durch menschliche Weisheit, sondern in Worten, gelehrt von dem Geiste; mitteilend geistliche Dinge durch geistliche Mittel. Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist; denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen; denn es wird geistlich beurteilt; der Geistliche aber beurteilt alle Dinge; er selbst aber wird von Niemandem beurteilt; denn wer hat den Sinn des Herrn erkannt, der Ihn unterweise? Wir aber haben Christi Sinn.


3.


Und ich, Brüder, konnte nicht zu euch reden, als zu Geistlichen, sondern als zu Fleischlichen, als zu Unmündigen in Christo. Milch habe ich euch zu trinken gegeben, und nicht Speise; denn ihr vermochtet es noch nicht, aber auch jetzt vermöget ihr es noch nicht; denn ihr seid noch fleischlich. Denn da Eifer und Streit und Zwietracht unter euch ist; - seid ihr nicht fleischlich, und wandelt nach Menschenweise? Denn wenn Einer sagt: Ich bin des Paulus; der Andere aber: Ich des Apollos; - seid ihr nicht fleischlich? Wer ist denn Paulus? Und wer Apollos? - Diener, durch welche ihr geglaubt habt; und zwar wie der Herr einem Jeglichen gegeben hat. Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen; - Gott aber hat das Wachstum gegeben. So ist nun weder Der etwas, welcher pflanzt, noch Der, welcher begießt, sondern Gott, der das Wachstum gibt. Der aber pflanzt und der da begießt, sind Eins; Jeglicher aber wird seinen eigenen Lohn nach seiner eigenen Mühe empfangen. Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; Gottes Ackerfeld, Gottes Gebäu seid ihr. Nach der Gnade Gottes, die mir gegeben ist, habe ich als ein weiser Baumeister den Grund gelegt; ein Anderer aber bauet darauf; Jeder aber sehe zu, wie er darauf bauet. Denn einen andern Grund kann Niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Wenn aber Jemand auf diesen Grund bauet Gold, Silber, köstliche Steine, Holz, Heu, Stroh, so wird das Werk eines Jeglichen offenbar werden; denn der Tag wird es klar machen, weil es durch Feuer offenbar wird; und das Feuer wird bewähren, welcherlei das Werk eines Jeglichen ist. Wenn das Werk Jemandes bleiben wird, welches er aufgebauet hat, so wird er Lohn empfangen; wenn das Werk Jemandes verbrennen wird, so wird er Schaden leiden; er aber wird errettet werden, doch also wie durch Feuer. Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und daß der Geist Gottes in euch wohnet? Wenn Jemand den Tempel Gottes verdirbt, diesen wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, welcher ihr seid. Niemand betrüge sich selbst. Wenn Jemand unter euch den Anschein hat, weise zu sein, der werde ein Narr in diesem Zeitlauf, auf daß er weise werde. Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott; denn es steht geschrieben. "Die Weisen erhascht Er in ihrer Klugheit." Und abermals: "Der Herr kennt die Überlegungen der Weisen, daß sie eitel sind." So rühme sich denn Niemand der Menschen; denn Alles ist euer; - es sei Paulus, oder Apollos, oder Kephas; es sei Welt, oder Leben, oder Tod, oder Gegenwärtiges, oder Zukünftiges; - Alles ist euer; ihr aber Christi, Christus aber Gottes.


4.


Also schätze man uns - als Diener Christi und Verwalter der Geheimnisse Gottes. Übrigens aber sucht man an den Verwaltern, daß einer treu erfunden werde. Mir aber ist es das Geringste, daß ich von euch beurteilt werde, oder von einem menschlichen Gerichte; ich beurteile mich aber auch selbst nicht. Denn ich bin mir selbst nichts bewußt; aber dadurch bin ich nicht gerechtfertigt. Der mich aber beurteilt, ist der Herr. So urteilt nun nicht etwas vor der Zeit, bis der Herr komme, welcher auch das Verborgene der Finsternis an´s Licht stellen, und die Ratschläge der Herzen offenbaren wird; und dann wird Jedem das Lob von Gott werden. Dieses aber, Brüder, habe ich auf mich und Apollos gedeutet um euretwillen, damit ihr an uns lernet, nicht über das hinaus zu denken, was geschrieben ist; auf daß Niemand sich aufblähen möge für den Einen, wider den Andern. Denn wer unterscheidet dich? Was aber hast du, das du nicht empfangen hast? Wenn du es aber auch empfangen hast, was rühmest du dich, als nicht empfangen habend? Schon seid ihr satt geworden, schon seid ihr reich geworden; ohne uns habt ihr geherrscht; und ich wollte wohl, daß ihr herrschtet, auf daß auch wir mit euch herrschen möchten. Denn ich denke, daß Gott uns, die Apostel, als die Letzten dargestellt hat, als zum Tode hingegeben; weil wir der Welt, und Engeln, und Menschen ein Schauspiel geworden sind. Wir sind Narren um Christi willen; ihr aber seid klug in Christo; - wir schwach, ihr aber stark; - ihr herrlich, wir aber verachtet. Bis auf die jetzige Stunde leiden wir sowohl Hunger als Durst, und sind nackt, und leiden Backenstreiche, und haben keine bestimmte Wohnung, und bemühen uns, mit eigenen Händen arbeitend. Werden wir geschmäht, - wir segnen; verfolgt, - wir dulden; gelästert, - wir bitten. Wir sind wie Auskehricht der Welt geworden, ein Auswurf Aller bis jetzt. Nicht, euch zu beschämen, schreibe ich dieses; sondern ich ermahne euch als meine geliebten Kinder. Denn wenn ihr zehntausend Zuchtmeister in Christo hättet, so doch nicht viele Väter; denn in Christo Jesu habe ich euch gezeugt durch das Evangelium. Darum bitte ich euch, seid meine Nachahmer. Darum habe ich euch Timotheus gesandt, welcher mein geliebtes und treues Kind in dem Herrn ist; der wird euch meiner Wege, die in Christo sind, erinnern, gleichwie ich überall in jeder Versammlung lehre. Einige sind aufgeblasen geworden, als wenn ich nicht zu euch käme. Ich werde aber bald zu euch kommen, wenn der Herr will, und werde wissen, nicht die Worte der Aufgeblasenen, sondern die Kraft; denn das Reich Gottes besteht nicht in Worten, sondern in Kraft. Was wollt ihr? Soll ich mit der Rute zu euch kommen, oder in Liebe und im Geiste der Sanftmut?


5.


Es ist überall das Gerücht, daß es Hurerei unter euch gebe, und eine solche Hurerei, die selbst unter den Nationen nicht stattfindet: daß einer seines Vaters Weib habe. Und ihr seid aufgeblasen, und habt nicht vielmehr Leid getragen, auf daß Der, welcher diese Tat getan hat, aus eurer Mitte weggeschafft würde. Denn ich, zwar dem Leibe nach als abwesend, aber im Geist gegenwärtig, habe, wie gegenwärtig, schon über Den geurteilt, der Dieses also getan hat: Im Namen unsers Herrn Jesu Christi, wenn ihr und mein Geist mit der Macht unsers Herrn Jesu Christi versammelt seid, Solchen dem Satan zu überliefern, zum Verderben des Fleisches, auf daß der Geist am Tage des Herrn Jesu des Heils teilhaftig werde. - Euer Ruhm ist nicht gut. Wisset ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig die ganze Masse durchsäuert? Darum feget den alten Sauerteig aus, auf daß ihr eine neue Masse werdet, gleichwie ihr ungesäuert seid. Denn auch unser Passah, Christus, ist für uns geschlachtet. Darum laßt uns Festfeier halten, nicht mit altem Sauerteig, noch mit Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, sondern mit ungesäuertem Brot der Lauterkeit und Wahrheit. Ich habe euch im Briefe geschrieben, nicht mit Hurern Verkehr zu haben. Ich meine nicht überhaupt mit Hurern dieser Welt, oder den Geizigen, oder Räubern, oder Götzendienern; - denn dann müßtet ihr aus der Welt gehen. Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen Verkehr zu haben, wenn Jemand, der Bruder genannt wird, ein Hurer, oder Geiziger, oder Götzendiener, oder Lästerer, oder Trunkenbold, oder Räuber ist, - mit einem Solchen selbst nicht zu essen. Denn was habe ich Die, welche draußen sind, zu richten? Ihr, richtet ihr nicht, die drinnen sind? Die aber draußen sind, wird Gott richten; tut den Bösen aus eurer Mitte.


6.


Darf Jemand unter euch, der eine Sache wider den Andern hat, rechten vor den Ungerechten, und nicht vor den Heiligen? Wisset ihr nicht, daß die Heiligen die Welt richten werden? Und wenn die Welt durch euch gerichtet wird, seid ihr für die geringsten Rechtssachen unfähig? Wisset ihr nicht, daß wir Engel richten werden? - Und nicht die Sachen des täglichen Lebens? Wenn ihr nun Rechtssachen dieses Lebens habt, so setzet dazu die gering Geachteten in der Versammlung. Euch zur Beschämung sage ich dies. Ist so gar kein Weiser unter euch? auch nicht Einer, der da fähig sei, zwischen Bruder und Bruder zu urteilen; sondern es rechtet Bruder mit Bruder, und dieses vor Ungläubigen? Es ist schon überhaupt ein Fehler an euch, daß ihr miteinander rechtet. Warum lasset ihr euch nicht viel lieber Unrecht tun? Warum lasset ihr euch nicht lieber übervorteilen? Aber ihr, ihr tut Unrecht und übervorteilt, und dieses an Brüdern. Wisset ihr nicht, daß die Ungerechten das Reich Gottes nicht ererben werden? Irret euch nicht. Weder Hurer, noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Weichlinge, noch Knabenschänder, noch Diebe, noch Geizige, noch Trunkenbolde, noch Lästerer, noch Räuber werden das Reich Gottes ererben. Und solche sind eurer Etliche gewesen; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt in dem Namen unsers Herrn Jesu, und durch den Geist unsers Gottes. Alles steht mir frei; aber nicht Alles ist nützlich. Alles steht mir frei, aber ich werde mich von Keinem überwältigen lassen. Die Speisen dem Bauch, und der Bauch den Speisen; - Gott aber wird diesen und jene vernichten. Der Leib aber nicht der Hurerei, sondern dem Herrn, und der Herr dem Leibe. Gott aber hat den Herrn auferweckt, und wird uns auferwecken durch Seine Macht. Wisset ihr nicht, daß eure Leiber Glieder Christi sind? Soll ich nun die Glieder Christi nehmen, und sie zu Gliedern einer Hure machen? - Das sei ferne! - Wisset ihr nicht, daß der, welcher der Hure anhanget, ein Leib mit ihr ist? "Denn es werden", spricht Er, "die Zwei zu Einem Fleisch sein." Wer aber dem Herrn anhanget, ist Ein Geist mit Ihm. Fliehet der Hurerei! Jede Sünde, die ein Mensch tun mag, ist außer dem Leibe; wer aber huret, der sündigt wider seinen eigenen Leib. Wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist, welchen ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euer selbst seid? Denn ihr seid um einen Preis erkauft. So verherrlicht nun Gott an eurem Leibe.


7.


In Betreff dessen, was ihr mir geschrieben habt, ist es gut für einen Menschen, daß er kein Weib berühre. Aber um der Hurerei willen habe ein Jeglicher sei eigenes Weib, und eine Jegliche habe ihren eigenen Mann. Der Mann leiste dem Weibe die schuldige Pflicht, desgleichen auch das Weib dem Manne. Das Weib hat nicht Macht über ihren eigenen Leib, sondern der Mann; und desgleichen hat auch der Mann nicht Macht über seinen eigenen leib, sondern das Weib. Entziehet euch einander nicht, es sei denn aus Beider Bewilligung eine Zeitlang; auf daß ihr zum Beten Muße habet; und kommt wiederum zusammen, auf daß Satan euch nicht wegen eurer Unenthaltsamkeit versuche. Dieses sage ich aber aus Nachsicht, und nicht aus Gebot; denn ich wollte, daß alle Menschen so seien, wie auch ich selbst; aber Jeder hat seine eigene Gnadengabe von Gott, der Eine so, der Andere so. Ich sage aber den Ledigen und Witwen: Es ist ihnen gut, wenn sie bleiben, wie auch ich. Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so lasset sie heiraten; denn es ist besser heiraten, als Brunst leiden. Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, daß das Weib nicht von dem Manne geschieden werde. (Wenn sie aber geschieden ist, so bleibe sie ledig, oder versöhne sich mit dem Manne, - und daß der Mann das Weib nicht von sich lasse. Den Übrigen aber sage ich, nicht der Herr: Wenn ein Bruder ein ungläubiges Weib hat, und es ist ihr wohlgefällig, bei ihm zu wohnen, so lasse er sie nicht von sich. Und ein Weib, die einen ungläubigen Mann hat, und es ist ihm wohlgefällig, bei ihr zu wohnen, verlasse ihn nicht. Denn der ungläubige Mann ist geheiligt durch das Weib, und das ungläubige Weib ist geheiligt durch den Mann; sonst wären eure Kinder unrein; nun aber sind sie heilig. Wenn aber der Ungläubige sich trennt, so trenne er sich. Der Bruder oder die Schwester ist in solchen Fällen nicht gebunden; in Frieden aber hat uns Gott berufen. Denn was weißt du, Weib, ob du den Mann erretten wirst? Oder was weißt du, Mann, ob du das Weib erretten wirst? Doch wie der Herr einem Jeglichen ausgeteilt hat, wie Gott einen Jeglichen berufen hat, also wandle er; und also verordne ich in allen den Versammlungen. Ist Jemand beschnitten berufen worden, so ziehe er keine Vorhaut; ist Jemand in der Vorhaut berufen worden, so werde er nicht beschnitten. Die Beschneidung ist nichts, und die Vorhaut ist nichts; sondern das Halten der Gebote Gottes. Jeglicher bleibe in dem Beruf, in welchem er berufen worden ist. Bist du als Sklave berufen worden, so laß es dir kein Kummer sein; - wenn du aber auch frei werden kannst, so bediene dich dessen um so lieber. Denn der im Herrn berufene Sklave ist ein Gefreiter des Herrn; desgleichen auch der berufene Freie ist ein Sklave Christi. Ihr seid um einen Preis erkauft; - werdet nicht der Menschen Sklaven. Ein Jeglicher, Brüder, worin er berufen worden ist, darin bleibe er bei Gott. Was aber die Jungfrauen betrifft, so habe ich kein Gebot des Herrn, aber eine Weisung gebe ich, als begnadigt von dem Herrn, getreu zu sein. Ich meine nun dieses, daß es gut sei, um der gegenwärtigen Not willen, daß es dem Menschen gut sei, also zu sein. Bist du an ein Weib gebunden, so suche nicht los zu werden; bist du aber los vom Weibe, so suche kein Weib. Wenn du aber auch heiratest, so hast du nicht gesündigt; und wenn die Jungfrau heiratet, so hat sie nicht gesündigt; aber solche werden Trübsal im Fleisch haben; ich verschone euch aber. Dieses aber sage ich, Brüder: die Zeit ist gedrängt; - übrigens, daß auch die, welche Weiber haben, seien, als hätten sie keine; und die Weinenden, als nicht Weinende, und die sich Freuenden, als sich nicht Freuende, und die Kaufenden, als nicht Besitzende, und die dieser Welt Gebrauchenden, als ihrer nicht als Eigentum Gebrauchenden; denn die Gestaltung dieser Welt vergeht. Ich will aber, daß ihr ohne Sorge seid. Der Unverheiratete ist für die Dinge des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefallen soll; der Verheiratete aber ist für die Dinge der Welt besorgt, wie er dem Weibe gefallen soll. Es ist ein Unterschied zwischen dem Weibe und der Jungfrau. Die Unverheiratete ist für die Dinge des Herrn besorgt, auf daß sie heilig sei sowohl an Leib als Geist; die Verheiratete aber ist für die Dinge der Welt besorgt, wie sie dem Manne gefallen soll. Dieses aber sage ich zu eurem eigenen Nutzen, nicht daß ich euch eine Schlinge umwerfe, sondern zur Anständigkeit und zur ungeteilten Anhaltsamkeit an dem Herrn. Wenn aber Jemand denkt, daß er mit seiner Jüngling- oder Jungfrauschaft nicht anständig handle, wenn diese über die Jahre der Blüte hinausgeht, und daß es also sein muß, - so tue er, was er will; er sündigt nicht; - sie mögen heiraten. Wer aber im Herzen feststeht, und keine Not, aber Macht über seinen eigenen Willen hat, und dieses in seinem Herzen beschlossen hat, seine Jüngling- oder Jungfrauschaft zu bewahren, der tut wohl. Also, wer sich verheiratet, tut wohl, und wer nicht heiratet, tut besser. Das Weib ist gebunden, so lange ihr Mann lebt; wenn aber ihr Mann entschlafen ist, so ist sie frei, zu heiraten, welchen sie will, doch aber im Herrn. Glückseliger ist sie aber, wenn sie also bleibt, meiner Meinung nach; - ich denke aber, daß auch ich Gottes Geist habe.


8.


Was aber die Götzenopfer betrifft, so wissen wir, weil wir Alle Erkenntnis haben, - (Die Erkenntnis blähet auf, die Liebe aber erbauet. Wenn aber Jemand sich dünkt, etwas zu wissen, der hat noch nichts erkannt, wie man erkennen soll. Wenn aber Jemand Gott liebt, der ist von Ihm erkannt.) - was nun das Essen der Götzenopfer betrifft, so wissen wir, daß ein Götzenbild nichts ist in der Welt, und daß kein anderer Gott ist, als Einer. Denn wiewohl auch sind, welche Götter genannt werden, sei es im Himmel oder auf der Erde; (wie es viele Götter und viele Herren gibt) für uns aber ist Ein Gott, der Vater, aus welchem alle Dinge sind, und wir zu Ihm, und Ein Herr, Jesus Christus, durch welchen alle Dinge sind, und wir durch Ihn. Die Erkenntnis aber ist nicht in Allen; sondern Etliche essen bis jetzt mit Gewissen hinsichtlich des Götzenbildes, als ob es etwas sei, als von Götzenopfern, und ihr Gewissen, weil es schwach ist, wird befleckt. Speise aber empfiehlt uns vor Gott nicht; denn weder, wenn wir essen, sind wir vorzüglicher, noch wenn wir nicht essen, sind wir geringer. Sehet aber, daß diese eure Freiheit in keiner Weise den Schwachen zum Anstoß werde. Denn wenn Jemand dich, der du Erkenntnis hast, in dem Götzentempel am Tische liegen sähe; wird nicht sein Gewissen, weil er schwach ist, bestärkt werden, von den Götzenopfern zu essen? Und über deiner Erkenntnis geht der schwache Bruder verloren, um welches willen Christus gestorben ist. Also aber wider die Brüder sündigend, und ihr schwaches Gewissen verletzend, sündigt ihr wider Christum. Darum, wenn die Speise meinem Bruder Anstoß gibt, will ich in Ewigkeit kein Fleisch essen, damit ich meinem Bruder nicht Anstoß gebe.


9.


Bin ich nicht frei? Bin ich nicht ein Apostel? Habe ich nicht Jesum Christum, unsern Herrn, gesehen? Seid ihr nicht mein Werk im Herrn? Wenn ich nicht ein Apostel für Andere bin, so bin ich es doch für euch; denn das Siegel meines Apostelamts seid ihr in dem Herrn. Dies ist meine Verantwortung an Die, welche mich zur Untersuchung ziehen. Haben wir nicht das Recht zu essen und zu trinken? Haben wir nicht das Recht, eine Schwester zum Weibe umher zu führen, wie auch die übrigen Apostel, und die Brüder des Herrn, und Kephas? Oder haben allein ich und Barnabas nicht das Recht, nicht zu arbeiten? - Wer tut jemals Kriegsdienste auf eigenen Sold? Wer pflanzt einen Weinberg, und isset nicht von dessen Frucht? Oder wer weidet eine Herde, und isset nicht von der Milch der Herde? - Rede ich Dieses auf Menschenweise, oder sagt nicht auch das Gesetz Dieses? Denn in dem Gesetz Mosis steht geschrieben. "Du sollst dem Ochsen, der da drischt, nicht das Maul verbinden!" Ist Gott für die Ochsen besorgt? Oder spricht Er es nicht überhaupt um unsertwillen? Ist es ja um unsertwillen geschrieben, daß der, welcher pflügt, auf Hoffnung pflügen soll, und der, welcher drischt, auf Hoffnung, dessen teilhaftig zu werden. Wenn wir euch das Geistliche gesät haben; - ist es was Großes, wenn wir euer Leibliches ernten? Wenn Andere dieses Rechtes an euch teilhaftig sind, - nicht vielmehr wir? Wir haben aber dieses Recht nicht gebraucht, sondern wir ertragen Alles, auf daß wir dem Evangelium des Christus kein Hindernis geben. Wisset ihr nicht, daß Die, welche mit den heiligen Dingen beschäftigt sind, aus dem Tempel essen, daß die welche des Altars warten, mit dem Altar Teil haben? So auch hat der Herr Denen, die das Evangelium verkündigen, verordnet, daß sie vom Evangelium leben. Ich aber gebrauche keins dieser Dinge; ich habe Dieses aber nicht geschrieben, auf daß es also mit mir geschehe; denn es wäre mir besser zu sterben, als daß Jemand meinen Ruhm zunichte machte. Denn wenn ich das Evangelium verkündige, so ist es mir kein Ruhm, weil mir eine Notwendigkeit aufliegt. Denn wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündige! Denn wenn ich dies freiwillig tue, so habe ich Lohn, wenn aber nicht freiwillig, - so bin ich mit einer Verwaltung betraut. Was ist denn nun mein Lohn? - Daß ich, das Evangelium verkündigend, das Evangelium des Christus kostenfrei mache, daß ich mein Recht am Evangelium nicht gebrauche. Denn von Allen frei seiend, habe ich mich Allen zum Sklaven gemacht, auf daß ich um so viel mehr gewinne; und bin den Juden wie ein Jude geworden, auf daß ich die Juden gewinne; Denen, die unter Gesetz sind, wie unter Gesetz, (obwohl selbst nicht unter Gesetz seiend,) auf daß ich Die, welche unter Gesetz sind, gewinne; Denen, die ohne Gesetz sind, wie ohne Gesetz, (wiewohl nicht gesetzlos vor Gott seiend, sondern Christo gesetzmäßig unterworfen,) auf daß ich Die, so ohne Gesetz sind, gewinne; den Schwachen bin ich wie ein Schwacher geworden, auf daß ich die Schwachen gewinne. Ich bin Allen Alles geworden, auf daß ich auf alle Weise Einige rette. Dieses aber tue ich um des Evangeliums willen, auf daß ich sein teilhaftig werde. Wisset ihr nicht, daß die, welche in den Schranken laufen, zwar Alle laufen, aber Einer den Kampfpreis erlangt? Laufet also, daß ihr ihn erlangt. Jeder aber, welcher kämpft, ist enthaltsam in allen Dingen; Jene freilich, auf daß sie eine verwesliche Krone empfangen; wir aber eine unverwesliche. So laufe ich nun also, nicht als auf´s Ungewisse; also treibe ich Faustkampf, nicht als Einer, der die Luft schlägt; sondern ich zerschlage meinen Leib, und führe ihn in Knechtschaft, daß ich, nachdem ich Andern gepredigt habe, nicht selbst verwerflich werde.


10.


Ich will aber nicht, daß euch unbekannt sei, Brüder, daß unsere Väter Alle unter der Wolke waren, und Alle durch das Meer gegangen sind. Und Alle sind in der Wolke und in dem Meer auf Moses getauft; und Alle haben denselben geistlichen Trank getrunken. (Denn sie tranken aus dem geistlichen Fels, welcher folgte. Der Fels aber war der Christus.) An Vielen derselben aber hatte Gott nicht Wohlgefallen; denn sie sind in der Wüste niedergestreckt worden. Diese Dinge aber sind unsere Vorbilder geworden, daß wir nicht nach bösen Dingen gelüsten, gleichwie auch Jene gelüsteten. Werdet auch nicht Götzendiener, gleichwie Etliche von ihnen, wie geschrieben steht: "Das Volk setzte sich nieder, zu essen und zu trinken, und stand auf, zu spielen." Auch lasset uns nicht Hurerei treiben, wie Etliche von ihnen Hurerei trieben, und an Einem Tage dreiundzwanzig Tausend fielen. Lasset uns auch den Christus nicht versuchen, gleichwie auch Etliche von ihnen Ihn versuchten, und von den Schlangen umgebracht wurden. Murret auch nicht, gleichwie auch Etliche von ihnen murrten, und von dem Verderber umgebracht wurden. Alle diese Dinge aber widerfuhren Jenen als Vorbilder; aber zu unserer Ermahnung sind sie geschrieben, auf welche die Vollendung der Zeitalter gekommen ist. Darum, wer zu stehen sich dünkt, sehe zu, daß er nicht falle. Keine Versuchung hat euch ergriffen, als nur eine menschliche. Gott aber ist treu, der nicht zulassen wird, daß ihr über euer Vermögen versucht werdet, sondern mit der Versuchung auch den Ausgang verschaffen wird, um es ertragen zu können. Darum, meine Geliebten, fliehet den Götzendienst. Als zu Verständigen rede ich; beurteilt ihr, was ich sage. Der Kelch der Segnung, welchen wir segnen, - ist er nicht die Gemeinschaft des Blutes des Christus? Das Brot, welches wir brechen, - ist es nicht die Gemeinschaft des Leibes des Christus? Denn Ein Brot - Ein Leib sind wir, die Vielen; denn wir Alle sind des Einen Brotes teilhaftig. - Sehet an das Israel nach dem Fleisch! Sind nicht Die, welche die Opfer essen, Teilnehmer am Altar? Was sage ich denn? Daß ein Götzenbild etwas sei? Oder daß ein Götzenopfer etwas sei? Sondern daß Das, was die Nationen opfern, sie den Teufeln opfern, und nicht Gott. Ich will aber nicht, daß ihr in der Gemeinschaft der Teufel seid. Ihr könnt nicht des Herrn Kelch und der Teufel Kelch trinken; ihr könnt nicht des Herrn Tisches und des Tisches der Teufel teilhaftig sein. Reizen wir den Herrn zum Eifer? Sind wir stärker, als Er? Alle Dinge stehen mir frei, aber nicht alle Dinge erbauen. Niemand suche das Seine, sondern ein Jeglicher, was des Andern ist. Esset Alles, was auf dem Fleischmarkte verkauft wird, ohne zu untersuchen, um des Gewissens willen. Denn die Erde und ihre Fülle ist des Herrn. Wenn aber Jemand von den Ungläubigen euch einladet, und ihr wollt hingehen, so esset Alles, was euch vorgesetzt wird, ohne zu untersuchen, um des Gewissens willen. Wenn aber Jemand zu euch sagt: Dies ist Götzenopfer; - so esset nicht, um Jenes willen, der es anzeigt, und um des Gewissens willen; - des Gewissens, sage ich, nicht deines eigenen, sondern des des Andern. Denn warum wird meine Freiheit von einem andern Gewissen beurteilt? Wenn ich mit Danksagung Teil habe, - warum werde ich über Das gelästert, wofür ich danksage? Sei es nun, daß ihr esset, oder trinket, oder was ihr tut, - tut Alles zur Ehre Gottes. Seid nicht anstößig, weder den Juden, noch den Griechen, noch der Versammlung Gottes; gleichwie auch ich mich in allen Dingen Allen gefällig mache, nicht meinen Vorteil, sondern den der Vielen suchend, auf daß sie selig werden.


11.


Seid meine Nachahmer, gleich wie auch ich Christi. Ich lobe euch aber, Brüder, daß ihr euch meiner in allen Dingen erinnert, und die Überlieferungen festhaltet, wie ich sie euch überliefert habe. Ich will aber, daß ihr wisset, daß der Christus das Haupt jedes Mannes ist; des Weibes Haupt aber der Mann, Christi Haupt aber - Gott ist. Jeder Mann, betend oder weissagend, der etwas auf seinem Haupt hat, entehrt sein Haupt. Jedes Weib aber, betend oder weissagend mit unbedecktem Haupt, entehrt ihr Haupt; denn es ist eben so viel, als wäre sie beschoren. Denn wenn das Weib nicht bedeckt ist, so werde auch ihr Haar verschnitten; wenn es aber für ein Weib schändlich ist, daß ihr Haar verschnitten, oder sie beschoren werde, so lasset sie sich bedecken. Denn ein Mann freilich soll nicht das Haupt bedecken, weil er Gottes Bild und Herrlichkeit ist; das Weib aber ist des Mannes Herrlichkeit. Denn der Mann ist nicht aus dem Weibe, sondern das Weib aus dem Manne; denn der Mann ward auch nicht um des Weibes willen geschaffen, sondern das Weib um des Mannes willen. Darum soll das Weib Macht auf dem Haupte haben, um der Engel willen. Dennoch ist weder das Weib ohne den Mann, noch der Mann ohne das Weib in dem Herrn. Denn gleichwie das Weib aus dem Manne, also ist auch der Mann durch das Weib; Alles aber ist aus Gott. Urteilt bei euch selbst: Ist es anständig, daß ein Weib unbedeckt zu Gott bete? Oder lehret euch nicht selbst die Natur, daß, wenn ein Mann lange Haare hat, es ihm eine Schande sei? - Wenn aber ein Weib langes Haar hat, es ihr eine Ehre sei? weil das Haar ihr anstatt eines Schleiers gegeben ist. Wenn es aber Jemand gut dünkt streitsüchtig zu sein, so haben wir solche Gewohnheit nicht, noch die Versammlungen Gottes. Indem ich aber Dieses vorstelle, lobe ich nicht, daß ihr nicht zum Bessern, sondern zum Schlimmern zusammenkommt. Denn zuerst höre ich, wenn ihr in der Versammlung zusammenkommt, es seien Spaltungen unter euch; und zum Teil glaube ich es. Denn es müssen auch Parteiungen unter euch sein, auf daß die Bewährten unter euch offenbar werden. Wenn ihr aber an einem Ort zusammenkommt, so ist das nicht das Abendmahl des Herrn essen. Denn Jeder, wenn er ißt, nimmt erst sein eigenes Abendmahl vorab, und Einer ist hungrig, der Andere trinkt sich satt. Habt ihr denn nicht Häuser, um zu essen und zu trinken? Oder verachtet ihr die Versammlung Gottes, und beschämt Die, welche keine haben? Was soll ich euch sagen? Soll ich euch hierin loben? - Ich lobe nicht. - Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch auch überliefert habe, daß der Herr Jesus in der Nacht, da er überliefert ward, Brot nahm und, als Er gedankt hatte, es brach und sagte: Dieses ist Mein Leib, der für euch ist; Dieses tut zu Meinem Gedächtnis. - Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl, sagend: Dieser Kelch ist der neue Bund in Meinem Blut; Dieses tut, so oft ihr trinket, zu Meinem Gedächtnis. Denn so oft ihr dieses Brot esset, und diesen Kelch trinket, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis Er kommt. Wer also auf unwürdige Art das Brot ißt, oder den Kelch des Herrn trinkt, der wird des Leibes und Blutes des Herrn schuldig sein. Der Mensch aber prüfe sich selbst, und also esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch. Denn wer auf unwürdige Art ißt und trinkt, der ißt und trinkt sich selber Gericht, weil er nicht den Leib des Herrn unterscheidet. Deshalb sind Viele unter euch schwächlich und kränklich, und nicht Wenige entschlafen. Denn wenn wir uns selbst beurteilten, so würden wir nicht gerichtet. Wenn wir aber gerichtet werden, so werden wir von dem Herrn gezüchtigt, auf daß wir nicht mit der Welt verdammt werden. Daher, meine Brüder, wenn ihr zu essen zusammenkommt, so wartet aufeinander. Wenn Jemand hungert, der esse daheim; auf daß ihr nicht zum Gericht zusammenkommt. Das Übrige aber will ich ordnen, wenn ich komme.


12.


Was aber die geistlichen Zeichen betrifft, Brüder, so will ich nicht, daß ihr unwissend seid. Ihr wisset, daß ihr Nationen gewesen, und zu den stummen Götzenbildern hingegangen seid, wie ihr geführt wurdet. Darum tue ich euch kund, daß Niemand, in dem Geist Gottes redend, sagt: Verflucht sei Jesus! - und Niemand sagen kann: Herr Jesus! - als nur in dem Heiligen Geist. Es sind aber Verschiedenheiten von Gnadengaben; aber derselbe Geist; und es sind Verschiedenheiten von Diensten, aber derselbe Herr; und es sind Verschiedenheiten von Wirkungen, aber es ist derselbe Gott, der Alles in Allen wirkt. Jeglichem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben. Denn Einem wird durch den Geist die Rede der Weisheit gegeben, und einem Andern die Rede der Erkenntnis nach demselben Geist, und einem Andern Glauben in der Kraft desselben Geistes, und einem Andern Gnadengaben der Heilungen in der Kraft desselben Geistes, und einem Andern Wirkungen der Wunderwerke, und einem Andern Prophezeiung, und einem Andern Unterscheidungen der Geister, und einem Andern verschiedene Arten Sprachen, und einem Andern Auslegung der Sprachen. Alle diese Dinge aber wirket ein und derselbe Geist, Jeglichem in´s Besondere austeilend, wie Er will. Denn gleich wie der Leib Einer ist, und viele Glieder hat, alle die Glieder des Einen Leibes aber, obgleich viele, Ein Leib sind; also ist auch der Christus. Denn auch durch Einen Geist sind wir Alle zu Einem Leibe getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie; und sind Alle in Einen Geist getränkt. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele. Wenn der Fuß sagte: Weil ich nicht Hand bin, so bin ich nicht von dem Leibe; - ist er deswegen nicht von dem Leibe? - Und wenn das Ohr sagte: Weil ich nicht Auge bin, so bin ich nicht von dem Leibe; - ist es deswegen nicht von dem Leibe? - Wenn der ganze Leib Auge wäre, wo wäre das Gehör? Wenn der ganze Leib Gehör wäre, wo wäre der Geruch? Nun aber hat Gott die Glieder gesetzt, ein jegliches derselben am Leibe, wie Er gewollt hat. Wenn aber Alle Ein Glied wären, wo wäre der Leib? Nun sind aber der Glieder viele, der Leib aber Einer. Das Auge kann nicht zu der Hand sagen: Ich habe dich nicht nötig; - oder wiederum das Haupt zu den Füßen: Ich habe euch nicht nötig. Vielmehr aber sind die Glieder des Leibes, welche schwächer zu sein scheinen, notwendig; und welche uns die unehrbaren des Leibes zu sein dünken, diese umgeben wir mit reichlicherer Ehre; und unsere unanständigen empfangen desto reichlichere Wohlanständigkeit. Unsere wohlanständigen aber bedürfen es nicht. Aber Gott hat den Leib passend zusammenverbunden, indem Er dem mangelhaften reichlichere Ehre gegeben hat; auf daß nicht eine Trennung an dem Leibe sei, sondern die Glieder dieselbe Sorge für einander haben. Und sei es, daß ein Glied leide, so leiden alle Glieder mit; sei es, daß ein Glied verherrlicht werde, so freuen sich alle Glieder mit. Ihr aber seid der Leib Christi, und Glieder insonderheit. Und Gott hat Etliche in der Versammlung gesetzt, erstens Apostel, zweitens Propheten, drittens Lehrer, darnach Wunderkräfte, dann Gnadengaben von Heilungen, Hilfsleistungen, Regierungen, verschiedene Arten von Sprachen. Sind Alle Apostel? Sind Alle Propheten? Sind Alle Lehrer? Sind Alle Wundertäter? Haben Alle Gnadengaben von Heilungen? Reden Alle in Sprachen? Legen Alle aus? - Strebet aber nach den bessern Gnadengaben. Und einen noch vortrefflicheren Weg zeige ich euch.


13.


Wenn ich mit den Sprachen der Menschen und Engel rede, aber nicht Liebe habe, bin ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich Prophezeiung habe, und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis weiß, und allen Glauben habe, also daß ich Berge versetze, aber nicht Liebe habe, bin ich nichts. Und wenn ich alle meine Habe austeilen werde, und wenn ich meinen Leib hingebe, auf daß ich verbrannt werde, - habe aber nicht Liebe, so ist es mir nichts nütze. Die Liebe ist langmütig, ist gütig; die Liebe eifert nicht; die Liebe tut nicht groß; sie blähet sich nicht auf; sie gebärdet sich nicht unanständig; sie suchet nicht das Ihre; sie läßt sich nicht erbittern; sie denkt nichts Böses, sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sondern sie freuet sich mit der Wahrheit; sie deckt Alles zu; sie glaubt Alles, sie hofft Alles, sie erduldet Alles. Die Liebe vergeht nimmer. Seien es aber Prophezeiungen, sie werden weggetan werden; seien es Sprachen, sie werden aufhören; sei es Erkenntnis, sie wird weggetan werden. Denn wir erkennen stückweise, und wir prophezeien stückweise; - wenn aber das Vollkommene gekommen sein wird, dann wird Das, was stückweise ist, weggetan werden. Als ich ein Kind war, sprach ich wie ein Kind, war gesinnt wie ein Kind, urteilte wie ein Kind. Als ich aber ein Mann wurde, tat ich weg, was kindisch war. Denn jetzt sehen wir mittelst eines Spiegels im Rätsel; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt worden bin. Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; - die Größte aber von Diesen ist die Liebe.


14.


Strebet nach der Liebe; eifert aber um die geistlichen Gaben, allermeist aber, daß ihr weissaget. Denn wer in einer Sprache redet, redet nicht den Menschen, sondern Gott. Denn Niemand versteht es; im Geist aber redet er Geheimnisse. Wer aber weissagt, redet den Menschen Erbauendes, Ermahnendes und Tröstendes. Wer in einer Sprache redet, erbauet sich selbst; wer aber weissagt, erbauet die Versammlung. Ich wollte aber, daß ihr Alle in Sprachen redetet; vielmehr aber, daß ihr weissagtet. Denn der, welcher weissagt, ist mehr, als der in Sprachen redet, es sei denn, daß er es auch auslege, auf daß die Versammlung Erbauung empfange. Nun aber, Brüder, wenn ich zu euch komme, in Sprachen redend - was werde ich euch nützen, wenn ich zu euch nicht entweder in Offenbarung, oder in Erkenntnis, oder in Weissagung, oder in Lehre redete? Geben doch die leblosen Dinge einen Ton von sich, es sei eine Pfeife oder eine Harfe; wenn sie nicht einen Unterschied in den Tönen geben, wie wird man wissen, was gepfiffen oder geharfet ist? Denn wenn auch eine Posaune einen undeutlichen Ton gibt, - wer wird sich zum Kampf rüsten? Also auch ihr, wenn ihr nicht durch die Sprache eine verständliche Rede gebet, - wie kann man wissen, was geredet wird? Denn ihr werdet in die Luft reden. Es gibt vielleicht so viele Arten von Stimmen in der Welt, und keine derselben ist tonlos. Wenn ich denn nicht die Kraft des Tones erkenne, so werde ich Dem, welcher redet, ein Barbar sein; und Der, welcher redet, wird mir ein Barbar sein. Also auch ihr, weil ihr ja Eiferer um Geister seid, so eifert, daß ihr zur Erbauung der Versammlung reichlich begabt seid. Darum, wer in Sprachen redet, bete, auf daß er´s auslege. Denn wenn ich in einer Sprache bete, so betet mein Geist, aber mein Verstand ist fruchtleer. Was ist es denn? Ich will im Geist beten, und ich will auch mit dem Verstand beten; ich will im Geist lobsingen und will auch mit dem Verstand lobsingen. Sonst, wenn du im Geist segnen wirst, wie soll Der, welcher die Stelle des Unkundigen einnimmt, das Amen auf deine Danksagung sprechen; da er nicht weiß, was du sagst? Denn du danksagst freilich wohl; aber der Andere wird nicht erbaut. Ich danke Gott, weil ich mehr, als ihr Alle in Sprachen rede. Aber ich wollte in der Versammlung lieber fünf Worte durch meinen Verstand reden, auf daß ich auch Andere unterweise, als zehntausend Worte in einer Sprache. Brüder! seid nicht Kinder am Verständnis, sondern an der Bosheit seid Kinder; am Verständnis aber seid vollkommen. Es steht in dem Gesetz geschrieben: "Ich werde in fremden Sprachen und mit fremden Lippen zu diesem Volke reden, und auch also werden sie Mich nicht hören, spricht der Herr." - So sind denn die Sprachen zu einem Zeichen, nicht den Gläubigen, sondern den Ungläubigen; die Weissagung aber nicht den Ungläubigen, sondern den Gläubigen. Wenn denn die ganze Versammlung an einem Ort zusammen gekommen ist, und Alle in Sprachen reden, und Unkundige oder Ungläubige hereintreten, - werden sie nicht sagen, daß ihr von Sinnen seid? Wenn aber Alle weissagen, und ein Ungläubiger oder ein Unkundiger tritt herein, so wird er von Allen überführt, von Allen beurteilt. Die verborgenen Dinge seines Herzens werden offenbar, und also, fallend auf sein Angesicht, wird er Gott anbeten, verkündigend, daß Gott wirklich unter euch ist. Was ist es denn, Brüder? Wenn ihr zusammen kommt, so hat Jeder von euch einen Psalm, hat Lehre, hat Sprache, hat Offenbarung, hat Auslegung. Alles geschehe zur Erbauung. Es sei, daß Jemand in einer Sprache redet, so geschehe es zu Zwei, oder höchstens zu Drei und nacheinander; und Einer lege es aus. Wenn aber kein Ausleger da ist, so schweige er in der Versammlung, rede aber sich selbst und Gott. Propheten aber lasset zu Zwei oder Drei reden, und die Andern urteilen. Wenn aber einem Andern, der da sitzt, etwas offenbart wird, so schweige der Erste. Denn ihr könnt Alle einzeln weissagen, auf daß Alle lernen und Alle getröstet werden. Und die Geister der Propheten sind den Propheten untertan. Denn Gott ist nicht ein Gott der Unordnung, sondern des Friedens, wie in allen Versammlungen der Heiligen. Lasset eure Weiber schweigen in den Versammlungen; denn es ist ihnen nicht zu reden erlaubt, sondern geboten, unterworfen zu sein, wie auch das Gesetz sagt. Wenn sie aber etwas lernen wollen, so lasset sie daheim ihre eigenen Männer fragen; denn es ist schändlich für Weiber, in der Versammlung zu reden. Ist das Wort Gottes von euch ausgegangen? Oder ist es allein zu euch gelangt? Wenn sich Jemand dünkt, er sei Prophet oder geistlich, der erkenne, was ich euch schreibe, daß es Gebote des Herrn sind. Ist aber Jemand unwissend, so sei er unwissend. Also Brüder, eifert um die Weissagung, und wehret nicht, in Sprachen zu reden. Lasset aber Alles anständig und in Ordnung geschehen.


15.


Ich tue euch aber kund, Brüder, das Evangelium, welches ich euch verkündigt habe, welches ihr auch angenommen habt, in welchem ihr auch stehet, durch welches ihr auch das Heil besitzet, wenn ihr an dem Worte fest haltet, welches ich euch verkündigt habe, es sei denn, daß ihr umsonst geglaubt habt. Denn ich habe euch zuerst überliefert, was ich auch empfangen habe: daß Christus für unsere Sünden gestorben ist, nach den Schriften; und daß Er begraben worden, und daß Er am dritten Tage auferstanden ist, nach den Schriften; und daß Er von Kephas gesehen worden ist, darnach von den Zwölfen. Darnach ist Er von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal gesehen worden, von welchen die Meisten bis jetzt übrig geblieben, Etliche aber auch entschlafen sind. Darnach ist Er von Jakobus gesehen worden, darnach von allen den Aposteln; am letzten aber nach Allen, ist Er auch von mir, als einer unzeitigen Geburt, gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht würdig bin, ein Apostel genannt zu werden, weil ich die Versammlung Gottes verfolgt habe. Durch die Gnade Gottes aber bin ich, was ich bin; und Seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet, als sie Alle; - nicht aber ich, sondern die Gnade Gottes, die mit mir war. Es sei denn ich, es seien Jene, also predigen wir, und also habt ihr geglaubt. Wenn aber Christus gepredigt wird, daß Er aus den Toten auferweckt ist; - wie sagen Etliche unter euch, daß es keine Auferstehung der Toten gebe? Wenn es aber keine Auferstehung der Toten gibt, so ist auch Christus nicht auferweckt. Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist denn unsere Predigt vergeblich; aber auch euer Glaube ist vergeblich. Wir werden aber auch sogar als falsche Zeugen Gottes erfunden, weil wir von Gott gezeugt haben, daß Er den Christus auferweckt hat, welchen Er nicht auferweckt hat, wenn wirklich die Toten nicht auferweckt werden. Denn wenn die Toten nicht auferweckt werden, so ist auch Christus nicht auferweckt worden. Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist, so ist euer Glaube eitel; ihr seid noch in euren Sünden. So sind denn auch Die, welche in Christo entschlafen sind, verloren. Wenn wir allein in diesem Leben auf Christum hoffen, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. - (Nun aber ist Christus, als Erstling der Entschlafenen, aus den Toten auferweckt worden; denn weil durch den Menschen der Tod gekommen ist, so auch durch den Menschen die Auferstehung der Toten. Denn gleichwie in dem Adam Alle sterben, also werden auch in dem Christus Alle lebendig gemacht werden. Jeglicher aber in seiner eigenen Ordnung. Christus - Erstling. Darnach Die, welche des Christus sind bei Seiner Ankunft. Dann das Ende, wenn Er das Reich dem Gott und Vater überliefert, wenn Er alles Fürstentum und alle Gewalt und Macht weggetan haben wird. Denn Er muß herrschen, bis daß Er alle Feinde unter Seine Füße gelegt hat. Der letzte Feind, der weggetan wird, ist der Tod. "Denn Er hat Alles Seinen Füßen untergeordnet." Wenn Er aber sagt, daß Alles untergeordnet ist, so ist es klar, daß es mit Ausnahme Dessen ist, welcher Ihm Alles untergeordnet hat. Wenn Ihm aber Alles untergeordnet ist, dann wird auch der Sohn selbst Dem untergeordnet sein, der Ihm Alles untergeordnet hat, auf daß Gott Alles in Allem sei.) - Was werden sonst Die tun, die für die Toten getauft werden, wenn überhaupt Tote nicht auferweckt werden? Warum werden sie auch für sie getauft? Warum sind auch wir jede Stunde in Gefahr? Täglich sterbe ich, bei eurem Rühmen, welches ich in Christo Jesu, unserm Herrn, habe. Wenn ich nach Menschenweise einen Tierkampf in Ephesus bestanden habe, - was nützt es mir, wenn Tote nicht auferweckt werden? "Lasset und essen und trinken; denn morgen sind wir tot." - Laßt euch nicht verführen. Böser Verkehr verdirbt gute Sitten. Werdet nüchtern in Gerechtigkeit, und sündiget nicht; denn Etliche kennen Gott nicht; ich sage es euch zur Schande. Es wird aber Jemand sagen: Wie werden die Toten auferweckt? und mit welchem Leibe kommen sie? - Du Narr! Was du säst, wird nicht lebendig, es sterbe denn. Und was du säst, du säst nicht den Körper, der werden soll, sondern ein nacktes Korn, es mag sein von Weizen, oder von einem der andern Samen. Gott aber gibt ihm einen Körper, wie Er gewollt hat, und Jeglichem von den Samen seinen eigenen Körper. Nicht ist jedes Fleisch dasselbe Fleisch; sondern ein anderes ist das der Menschen, ein anderes Fleisch ist das des Viehes, ein anderes das der Fische, ein anderes das der Vögel. Und es sind himmlische Körper, - und irdische Körper. Aber eine andere ist die Herrlichkeit der himmlischen, - eine andere die der irdischen; eine andere Herrlichkeit der Sonne, - und eine andere Herrlichkeit des Mondes, - und eine andere Herrlichkeit der Sterne; denn es unterscheidet sich Stern von Stern an Herrlichkeit. Also ist auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät in Verwesung; es wird auferweckt in Herrlichkeit; es wird gesät in Schwachheit; es wird auferweckt in Kraft; es wird gesät ein natürlicher Leib; es wird auferweckt ein geistiger Leib. Es gibt einen natürlichen Leib, - und es gibt einen geistigen Leib. Also steht auch geschrieben: "Der erste Mann, Adam, ist geworden zu einer lebendigen Seele;" - der letzte Adam zu einem lebendig machenden Geist. Aber das Geistige war nicht zuerst, sondern das Natürliche, darnach das Geistige. Der erste Mensch ist von der Erde, von Staub; der zweite Mensch - der Herr vom Himmel. Wie Der von Staub ist, so sind auch Die, welche von Staub sind; und wie der Himmlische ist, so sind auch die Himmlischen. Und wie wir das Bild Dessen von Staub getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen. Dieses aber sage ich, Brüder: daß Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch die Verwesung nicht die Unverweslichkeit erbt. Siehe! ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht Alle entschlafen, wir werden aber Alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune. Denn posaunen wird es, und die Toten werden unverweslich auferweckt werden, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muß Unverweslichkeit anziehen, und dies Sterbliche Unsterblichkeit anziehen. Wenn aber dies Verwesliche Unverweslichkeit anziehen wird, und dies Sterbliche Unsterblichkeit anziehen wird, dann wird das Wort erfüllt werden, welches geschrieben steht: "Verschlungen ist der Tod in Sieg." "Wo ist, o Tod, dein Stachel? Wo ist, o Hades, dein Sieg?" Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde - das Gesetz. Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesum Christum. So denn, meine geliebten Brüder, werdet fest, unbeweglich, allezeit überreich fleißig in dem Werke des Herrn, wissend, daß eure Mühe in dem Herrn nicht vergeblich ist.


16.


Was aber die Collekte für die Heiligen betrifft, so tut auch ihr also, wie ich den Versammlungen von Galatien verordnet habe. An jedem erste Wochentage lege Jeder von euch bei sich zurück, und mache etwas zusammen, nach dem Gedeihen seines Erwerbes, auf daß nicht dann, wenn ich komme, die Collekten geschehen. Wenn ich aber gekommen bin, will ich Die, welche ihr irgendwie für tüchtig ansehet, mit Briefen senden, daß sie eure Wohltat nach Jerusalem hinbringen. Wenn es aber gut ist, daß auch ich hinreise, sollen sie mit mir reisen. Ich werde aber zu euch kommen, wenn ich Macedonien durchzogen habe; denn ich ziehe durch Macedonien. Vielleicht aber werde ich bei euch bleiben, oder auch überwintern, auf daß ihr mich hingeleitet, wohin irgend ich gehen möge. Denn ich will euch jetzt bei der Durchreise nicht sehen; denn ich hoffe, einige Zeit bei euch zu bleiben, wenn es der Herr erlaubt. Ich werde aber bis Pfingsten zu Ephesus bleiben; denn eine große und wirkungsvolle Tür steht mir offen, und der Widersacher sind Viele. Wenn aber Timotheus kommt, so sehet zu, daß er ohne Furcht bei euch sei; denn er treibt das Werk des Herrn, wie auch ich. Es verachte ihn denn Niemand. Geleitet ihn aber in Frieden, auf daß er zu mir komme; denn ich erwarte ihn mit den Brüdern. Was aber den Bruder Apollos betrifft, so habe ich ihm viel zugeredet, daß er mit den Brüdern zu euch komme; und es war überhaupt nicht sein Wille, daß er jetzt käme; er wird aber kommen, wenn er gelegene Zeit findet. - Wachet, stehet im Glauben, seid männlich, seid stark. Alles lasset bei euch in Liebe geschehen. Ich ermahne euch aber, Brüder: Ihr kennet das Haus des Stephanas, daß es die Erstlinge von Achaja sind, und daß sie sich selbst den Heiligen zum Dienst verordnet haben; auf daß auch ihr Solchen und Jedem, der mitwirkt und sich bemüht, untertan seid. Ich freue mich aber über die Ankunft des Stephanas und des Fortunatus und des Achaikus; denn was eurerseits mangelte, haben Diese erstattet. Denn sie haben meinen Geist erquickt, und den euren. Erkennt also Solche an. Es grüßen euch die Versammlungen Asiens. Es grüßen euch viel in dem Herrn Aquila und Priscilla, samt der Versammlung in ihrem Hause. Es grüßen euch alle Brüder. Grüßet einander mit heiligem Kuß. Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Wenn Jemand den Herrn Jesum Christum nicht lieb hat, der sei Anathema; Maran Atha! - Die Gnade des Herrn Jesu Christi sei mit euch. Meine Liebe sei mit euch Allen in Christo Jesu! Amen.



Die zweite Epistel des Apostels Paulus an die Corinther.


1.


Paulus, Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, und Timotheus, der Bruder, der Versammlung Gottes, welche zu Corinth ist, samt allen Heiligen, die in ganz Achaja sind: Gnade euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo! Gepriesen sei der Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, der Vater der Erbarmungen und Gott alles Trostes, der uns tröstet in aller unserer Drangsal, so daß wir Die trösten können, welche in allerlei Trübsal sind, durch den Trost, womit wir selbst von Gott getröstet worden sind; weil, gleichwie die Leiden des Christus überschwänglich an uns sind, also auch unser Trost durch den Christus überschwänglich ist. Es sei aber, wir werden bedrängt, es ist um eures Trostes und Heiles willen, welches in dem Ausharren derselben Leiden, die auch wir leiden in Kraft bewirkt wird; - es sei, wir werden getröstet, es ist um eures Trostes und Heiles willen. Auch steht unsre Hoffnung über euch fest, wissend, daß, gleichwie ihr Teilhaber der Leiden seid, also auch des Trostes. Denn wir wollen nicht, daß ihr unwissend seid, Brüder, was unsere Drangsal betrifft, die uns in Asien widerfahren ist; denn übermäßig über unser Vermögen sind wir beschwert worden, also daß wir sogar am Leben verzweifelten. Wir selbst aber hatten das Urteil des Todes in uns selbst, auf daß unser Vertrauen nicht auf uns selbst wäre, sondern auf Gott, der die Toten auferweckt, welcher uns von so großem Tode gerettet hat und errettet; auf welchen wir hoffen, daß Er uns auch ferner erretten werde; indem auch ihr im Flehen für uns mitwirkt, auf daß über die, mittelst vieler Personen uns verliehene Gnadengabe durch Viele für uns Danksagung dargebracht werde. Denn dies ist unser Rühmen, das Zeugnis unsers Gewissens, daß wir in Einfalt und göttlicher Lauterkeit, nicht in fleischlicher Weisheit, sondern in der Gnade Gottes unsern Verkehr in der Welt gehabt haben, besonders aber bei euch. Denn wir schreiben euch nichts Anders, als was ihr leset, oder auch anerkennt; ich hoffe aber, daß ihr es auch bis an´s Ende anerkennen werdet, wir ihr auch uns teilweise anerkannt habt, daß wir euer Ruhm sind, gleichwie auch ihr an dem Tage des Herrn Jesu der unsrige seid. Und in diesem Vertrauen wollte ich erst zu euch kommen, auf daß ihr eine doppelte Gnade hättet, und bei euch nach Macedonien durchreisen, und wiederum von Macedonien zu euch kommen, und von euch nach Judäa geleitet werden. Habe ich denn, dieses wollend, mich einer Leichtfertigkeit bedient? Oder nehme ich das, was ich mir vornehme, nach dem Fleische mir vor, so daß bei mir ja ja, und nein nein wäre? - Gott aber ist getreu, daß unser Wort zu euch nicht Ja und Nein gewesen ist. Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns gepredigt worden ist, durch mich und Silvanus und Timotheus, - ist nicht Ja und Nein gewesen, sondern es ist Ja in Ihm geworden. Denn so viel der Verheißungen Gottes sind, - in Ihm ist das Ja und in Ihm das Amen, Gott zur Herrlichkeit durch uns. Gott aber ist es, der uns samt euch befestigt in Christum, und uns gesalbt hat; der uns auch versiegelt hat, und das Pfand des Geistes in unsere Herzen gegeben. Ich aber rufe Gott zum Zeugen auf meine Seele an, daß ich, weil ich euch verschonte, noch nicht nach Corinth gekommen bin. Nicht daß wir herrschen über euren Glauben, sondern daß wir Mitarbeiter eurer Freude sind; denn ihr stehet durch den Glauben.


2.


Ich beschloß aber Dieses bei mir selbst, nicht wieder in Traurigkeit zu euch zu kommen. Denn wenn ich euch traurig mache, - wer ist es doch, der mich fröhlich macht, als Der, welcher durch mich traurig gemacht wird? Und Dasselbige habe ich euch geschrieben, auf daß ich, kommend, nicht Traurigkeit habe von Denen, über welche ich mich erfreuen sollte; euch Allen vertrauend, daß meine Freude die eurer Aller ist. Denn aus vieler Drangsal und Herzensangst habe ich euch mit vielen Tränen geschrieben, nicht daß ihr traurig gemacht werden solltet, sondern daß ihr die Liebe erkenntet, welche ich überschwänglicher zu euch habe. Wenn aber Jemand Traurigkeit verursacht hat, der hat nicht mich traurig gemacht, sondern teilweise (damit ich nicht beschwere) euch Alle. Genügend ist Solchem diese Strafe, die von den Vielen ist, so daß ihr im Gegenteil lieber vergeben und ermuntern solltet, damit Solcher durch übermäßige Traurigkeit nicht verschlungen werde. Darum bitte ich euch, Liebe an ihm zu betätigen. Denn dazu habe ich auch geschrieben, damit ich eure Bewährung kennen lerne, ob ihr in allen Dingen gehorsam seid. Welchem ihr aber etwas vergebt, - auch ich; denn auch ich, was ich vergeben habe, wenn ich etwas vergeben habe, habe ich um euretwillen in der Person Christi vergeben, auf daß wir nicht vom Satan übervorteilt werden; denn seine Gesinnungen sind uns nicht unbekannt. Da ich aber nach Troas für das Evangelium des Christus kam, und mir eine Tür in dem Herrn aufgetan ward, hatte ich keine Ruhe in meinem Geist, weil ich Titus, meinen Bruder, nicht fand; sondern Abschied von ihnen nehmend, reiste ich nach Macedonien ab. Gott aber sei Dank, der uns allezeit im Triumphzuge in Christo umherführt, und den Wohlgeruch Seiner Erkenntnis durch uns an jedem Orte offenbart, weil wir Gott der süße Geruch Christi sind in Betreff Derer, die errettet werden, und in Betreff Derer, die verloren gehen; den Einen ein Wohlgeruch des Todes zum Tode, den Andern aber ein Wohlgeruch des Lebens zum Leben. Und wer ist dazu fähig? Denn wir verfälschen nicht, wie so Viele, das Wort Gottes, sondern als aus Lauterkeit, sondern als aus Gott, vor Gott, reden wir in Christo.


3.


Fangen wir an, uns wiederum selbst zu empfehlen? Oder haben wir, wie Etliche, Empfehlungsbriefe an Euch, oder Empfehlungsbriefe von Euch nötig? - Unser Brief seid ihr, in unsern Herzen eingeschrieben, gekannt und gelesen von allen Menschen; die ihr offenbart seid, daß ihr ein Brief Christi seid, von uns im Dienst angefertigt, geschrieben nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes; - nicht in steinerne Tafeln, sondern in fleischerne Tafeln des Herzens. Solches Vertrauen aber haben wir durch Christum zu Gott. Nicht, daß wir fähig sind, von uns selbst etwas zu denken, als aus uns selbst, sondern unsre Fähigkeit ist aus Gott, der auch uns fähig gemacht hat, als Diener des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. (Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. Wenn aber der Dienst des Todes in Buchstaben, eingegraben in Steine, in Herrlichkeit ward, so daß die Söhne Israels das Angesicht Mosis wegen der Herrlichkeit seines Angesichts, die weggetan werden sollte nicht unverrückt ansehen konnten; wie vielmehr wird nicht der Dienst des Geistes in Herrlichkeit sein! Denn wenn der Dienst der Verdammnis Herrlichkeit ist, viel mehr ist der Dienst der Gerechtigkeit überschwänglich in Herrlichkeit. Denn auch Das, was verherrlicht worden ist, ist nicht in diesem Teil verherrlicht worden, wegen der übertreffenden Herrlichkeit. Denn wenn Das, was weggetan werden sollte, mit Herrlichkeit geschehen ist, wie vielmehr soll das Bleibende in Herrlichkeit bestehen. Eine solche Hoffnung nun habend, gebrauchen wir große Freimütigkeit, und nicht, gleichwie Moses eine Decke über sein Angesicht legte, auf daß die Söhne Israels das Ende Dessen nicht anschauten, das weggetan werden sollte. Aber ihr Sinn ist verstockt worden; denn bis auf den heutigen Tag bleibt bei der Vorlesung des alten Bundes dieselbige Decke unaufgedeckt, welche in Christo weggetan wird. Aber bis auf den heutigen Tag, wenn Moses vorgelesen wird, liegt die Decke über ihrem Herzen. Wenn es aber zu dem Herrn umkehrt, wird die Decke weggenommen werden.) - Der Herr aber ist der Geist. Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Wir aber Alle, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herr anschauend, werden in dasselbige Bild verwandelt von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist.


4.


Deshalb, diesen Dienst habend, wie wir begnadigt worden sind, ermatten wir nicht, sondern haben uns von dem versteckten Wege der Schande losgesagt, nicht wandelnd in Arglist; auch nicht das Wort Gottes verfälschend, sondern durch Offenbarung der Wahrheit uns selbst jedem Gewissen der Menschen im Angesicht Gottes empfehlend. Wenn aber auch unser Evangelium verdeckt ist, so ist es denen verdeckt, welche verloren gehen, in welchen der Gott dieses Zeitlaufs den Sinn der Ungläubigen verblendet hat, damit der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus, welcher das Bild Gottes ist, nicht ausstrahle. Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christum Jesum, den Herrn; uns selbst aber als eure Knechte um Jesu willen. Denn der Gott, der das Licht aus der Finsternis leuchten ließ, ist es, der in unsern Herzen geleuchtet hat zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi. Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, auf daß die Überschwänglichkeit der Macht sei Gottes, und nicht aus uns. Allenthalben bedrängt, aber nicht verengt; keinen Ausweg sehend, aber doch nicht ohne Ausweg; verfolgt, aber nicht verlassen; niedergeworfen, aber nicht umkommend. Allezeit das Sterben des Jesus am Leibe umhertragend, auf daß auch das Leben des Jesus an unserm Leibe offenbart werde. Denn wir, die Lebenden, werden allezeit um Jesu willen dem Tode überliefert, auf daß auch das Leben des Jesus an unserm sterblichen Fleische offenbart werde. So denn wirkt der Tod in uns, das Leben aber in euch. Denselbigen Geist des Glaubens aber habend, (nach dem, was geschrieben steht: "Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet;" glauben auch wir; darum reden wir auch, wissend, daß Der, welcher den Herrn Jesum auferweckt hat, auch uns durch Jesum auferwecken und mit euch darstellen wird; denn Alles ist um euretwillen, damit die überreichlich gewordene Gnade durch Viele die Danksagung zur Herrlichkeit Gottes überströmen lasse. Deshalb ermatten wir nicht, sondern, wenn auch unser äußerlicher Mensch verfällt, so wird doch der innerliche von Tag zu Tag erneuert. Denn das schnell vorübergehende Leichte unserer Drangsal bewirkt uns ein überreichlich überschwängliches, ewiges Gewicht von Herrlichkeit, indem wir nicht die Dinge anschauen, welche man sieht, sondern die Dinge, welche man nicht sieht; denn die Dinge, welche man sieht, sind zeitlich; die Dinge aber, welche man nicht sieht, ewig.


5.


Denn wir wissen, daß, wenn unser irdisches Haus dieser Hütte zerstört wird, wir einen Bau aus Gott haben, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist in den Himmeln. Denn in diesem freilich seufzen wir, uns sehnend, mit unserer Behausung, die aus dem Himmel ist, überkleidet zu werden; so wir anders, wenn wir auch bekleidet sind, nicht nackt erfunden werden. Denn wir freilich, die in der Hütte sind, seufzen beschwert; wiewohl wir nicht entkleidet, sondern überkleidet sein wollen, damit das Sterbliche vom Leben verschlungen werde. Der uns aber eben hierzu gebildet hat, ist Gott, der uns auch das Pfand des Geistes gegeben hat. Daher sind wir allezeit gutes Mutes und wissen, daß wir, weil einheimisch in dem Leibe, von dem Herrn abwesend sind; denn wir wandeln kraft des Glaubens, und nicht des Schauens. Wir sind aber gutes Mutes, und möchten lieber ausheimisch von dem Leibe, und einheimisch bei dem Herrn sein. Darum beeifern wir uns auch, ob einheimisch oder ausheimisch, Ihm wohlgefällig zu sein. Denn wir müssen Alle vor dem Richterstuhl des Christus offenbart werden, auf daß Jeglicher empfange, was er durch den Leib getan, nach dem er gehandelt hat, es sei Gutes oder Böses. Das Schrecken des Herrn also kennend, überreden wir die Menschen, und sind Gott offenbart; ich hoffe aber auch in eurem Gewissen offenbart zu sein. Denn wir empfehlen uns selbst euch nicht wiederum, sondern wir geben euch Anlaß zum Rühmen über uns, auf daß ihr etwas für Die habet, die sich nach dem äußern Schein, und nicht nach dem Herzen rühmen. Denn wenn wir außer uns sind, so sind wir es Gott; wenn wir vernünftig sind, so sind wir es euch. Denn die Liebe des Christus dringt uns, also urteilend: daß, wenn Einer für Alle gestorben ist, so denn Alle gestorben sind. Und Er ist für Alle gestorben, auf daß die Lebenden nicht mehr sich selbst leben, sondern Dem, der für sie gestorben und auferweckt ist. So denn kennen wir von nun an Niemand nach dem Fleisch; wenn wir aber auch Christum nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir Ihn doch jetzt nicht mehr. Also, wenn Jemand in Christo ist, - eine neue Schöpfung. Das Alte ist vergangen; siehe! Alles ist neu geworden. Alles aber aus Gott, der uns mit Sich Selber durch Jesum Christum versöhnt hat, und uns den Dienst der Versöhnung gegeben, nämlich: daß Gott in Christo war, die Welt mit Ihm Selber versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend, und in uns das Wort der Versöhnung legend. So verrichten wir denn eine Gesandtschaft für Christum, als ob Gott durch uns ermahnte. Wir bitten an Christi Statt: Lasset euch versöhnen mit Gott! - Denn Er hat Den, der Sünde nicht kannte, für uns zur Sünde gemacht, auf daß wir in Ihm die Gerechtigkeit Gottes würden.


6.


Wir aber auch, mitarbeitend, - ermahnen euch, daß ihr die Gnade Gottes nicht vergeblich empfangen haben möget; (denn Er spricht: "Ich habe Dich in angenehmer Zeit erhört, und am Tage des Heils habe Ich Dir geholfen." Siehe, jetzt ist die wohlangenehme Zeit, siehe, jetzt ist der Tag des Heils!) - in keiner Sache irgend einen Anstoß gebend, auf daß der Dienst nicht verlästert werde, sondern in Allem uns erweisend als Gottes Diener in vieler Geduld, in Trübsalen, in Nöten, in Drangsalen, in Streichen, in Gefängnissen, in Empörungen, in Mühen, in Wachen, in Fasten; - in Reinheit, in Erkenntnis, in Langmut, in Gütigkeit, in Heiligem Geiste, in ungeheuchelter Liebe; - im Worte der Wahrheit, in der Kraft Gottes, durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken; durch Ehre und Unehre; durch böse Gerüchte und gute Gerüchte; als Verführer und Wahrhaftige; als Unbekannte und Wohlbekannte; als Sterbende, und siehe! wir leben; als gezüchtigt, und nicht getötet; als traurig, aber allezeit uns freuend; als arm, aber Viele bereichernd; als nichts habend, und Alles besitzend. Unser Mund ist zu euch aufgetan, ihr Corinther; unser Herz ist weit geworden; ihr seid nicht verengt in uns, sondern ihr seid in euren Herzen verengt. Zur gleichen Vergeltung aber (ich rede als zu den Kindern,) werdet auch ihr weit. - Seid nicht in einem ungleichen Joch mit den Ungläubigen! Denn welche Genossenschaft hat Gerechtigkeit und Gesetzlosigkeit? Und welche Gemeinschaft hat Licht mit Finsternis? Und welche Übereinstimmung hat Christus mit Belial? Oder welches Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? Und welchen Zusammenhang hat der Tempel Gottes mit Götzenbildern? Denn ihr seid der Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: "Ich will unter ihnen wohnen und wandeln, und Ich werde ihr Gott sein, und sie sollen Mein Volk sein." Darum gehet aus ihrer Mitte und sondert euch ab, spricht der Herr, und rühret nicht Unreines an, - und Ich werde euch aufnehmen; und Ich werde euch zum Vater sein, und ihr werdet Mir zu Söhnen und Töchtern sein, spricht der Herr, der Allmächtige. -


7.


Da wir nun diese Verheißungen haben, Geliebte, laßt uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen, die Heiligkeit in der Furcht Gottes vollendend. Nehmt uns auf! Wir haben Niemand Unrecht getan; wir haben Niemand verderbt; wir haben Niemand übervorteilt. Nicht zur Verurteilung rede ich; denn ich habe vorhin gesagt, daß ihr in unserm Herzen seid, um mit zu sterben und mit zu leben. Groß ist meine Freimütigkeit gegen euch; groß mein Rühmen von euch; ich bin mit Trost erfüllt; ich bin von Freuden ganz überströmend bei aller unserer Trübsal. Denn auch als wir nach Macedonien kamen, hatte unser Fleisch keine Ruhe, sondern allenthalben waren wir bedrängt; von außen Kampf, von innen Furcht. Aber der Gott, der die Niedrigen tröstet, tröstete uns durch die Ankunft des Titus. Nicht allein aber durch seine Ankunft, sondern auch durch den Trost, womit er über euch getröstet ward, indem er uns euer Verlangen, eure Trauer, euren Eifer um mich kund tat, so daß ich mich desto mehr freute. Denn wenn ich auch durch den Brief euch betrübt habe, so reuet es mich nicht, wenn es mich auch gereuet hat; (denn ich sehe, daß jener Brief, wenn auch für kurze Zeit, euch betrübt hat.) Jetzt freue ich mich, nicht, daß ihr betrübt worden, sondern daß ihr zur Buße betrübt worden seid; denn ihr seid Gott gemäß betrübt worden, damit ihr in nichts von uns beschädigt würdet. Denn die Betrübnis Gott gemäß, bewirkt die unbereubare Buße zum Heil; aber die Betrübnis der Welt bewirkt den Tod. Denn siehe, eben dieses, daß ihr Gott gemäß betrübt worden seid, - welchen Fleiß hat es bei euch bewirkt! - sogar Verantwortung, sogar Unwillen, sogar Furcht, sogar Verlangen, sogar Eifer, sogar Ahndung! - Ihr habt euch in Allem dargestellt, daß ihr an der Sache rein seid. So denn, wenn ich euch auch geschrieben habe, so tat ich es nicht um deswillen, der beleidigt hat, noch um deswillen, der beleidigt worden ist, sondern um deswillen, damit unser Fleiß für euch bei euch offenbart würde im Angesichte Gottes. Deshalb sind wir getröstet worden über euren Trost; und noch überschwänglicher haben wir uns an der Freude des Titus erfreut, weil sein Geist an euch Allen erquickt worden ist. Denn wenn ich ihm etwas über euch gerühmt habe, bin ich nicht zu Schanden geworden; sondern wie wir Alles in Wahrheit zu euch geredet haben, also ist auch unser Rühmen bei Titus Wahrheit geworden; und sein Herz ist überströmender von Gefühlen gegen euch, indem er sich des Gehorsams eurer Aller erinnert, wie ihr ihn mit Furcht und Zittern empfangen habt. Ich freue mich, daß ich in Allem Zuversicht zu euch habe.


8.


Wir tun euch aber kund, Brüder, die Gnade Gottes, welche in den Versammlungen Macedoniens gegeben ist. Denn bei großer Prüfung der Drangsal ist die Überströmung ihrer Freude und ihre tiefe Armut in den Reichtum ihrer Freigebigkeit übergeströmt. Denn - ich gebe Zeugnis - nach Vermögen und selbst über Vermögen waren sie aus eigenem Antrieb willig, uns mit vielem Zureden bittend, die Gabe und die Mitteilung des Dienstes an die Heiligen anzunehmen. Und nicht, wie wir gehofft, sondern sie haben sich selbst zuerst dem Herrn, und uns durch Gottes Willen gegeben; so daß wir dem Titus zugeredet haben, daß er, wie er zuvor angefangen, also auch diese Gabe unter euch auch vollbrächte; gleichwie ihr aber reich seid in Allem: in Glauben und Wort und Erkenntnis und allem Fleiß, und eurer Liebe zu uns, daß ihr auch in dieser Gabe reich sein möget. Nicht befehlsweise sage ich das, sondern um des Fleißes der Andern willen, und die Echtheit eurer Liebe prüfend. Denn ihr wisset die Gnade unsers Herrn Jesu Christi, daß Er, reich seiend, um euretwillen arm wurde, auf daß ihr durch Seine Armut reich würdet. Und ich gebe hierin einen Rat, denn dies ist euch nützlich, die ihr nicht allein das Tun, sondern auch das Wollen vorher seit vorigem Jahre angefangen habt. Nun aber vollbringet auch das Tun, daß, gleichwie die Geneigtheit des Wollens da war, also auch das Vollbringen von Dem, was ihr habt, da sei. Denn wenn die Geneigtheit vorliegt, so ist sie annehmlich, nach dem Jemand hat, und nicht, nach dem er nicht hat. Denn nicht damit Andere Ruhe haben, ihr aber Beschwerde, sondern auf dem Grundsatz der Gleichheit sage ich das: daß in der jetzigen Zeit euer Überfluß für den Mangel Jener, auf daß auch Jener Überfluß für euren Mangel dienlich würde, daß Gleichheit da sei; wie geschrieben steht: "Der viel sammelte, hatte nicht Überfluß, und der wenig sammelte, hatte nicht Mangel." Gott aber sei Dank, der eben solchen Fleiß für euch in das Herz des Titus gegeben hat, daß er das Zureden annahm, doch, sehr fleißig seiend, ist er aus eignem Antrieb zu euch gegangen. Wir haben aber den Bruder mit ihm gesandt, dessen Lob am Evangelium in allen Versammlungen ist. Aber nicht das allein, sondern er ist auch von den Versammlungen gewählt worden zu unserm Reisegefährten mit dieser Gnade, welche durch uns zur Herrlichkeit des Herrn selbst, und als Beweis unserer Geneigtheit bedient wird; indem wir dieses vermeiden, daß uns Niemand, was diese reiche Gabe betrifft, die von uns bedient wird, tadeln möge; denn wir sind vorsorglich für das, was ehrbar ist, nicht allein vor dem Herrn, sondern auch vor Menschen. Wir haben aber unsern Bruder mit ihnen gesandt, den wir oft in vielen Stücken als fleißig erprobt haben, nun aber noch viel fleißiger durch große Zuversicht zu euch. Sei es nun, was Titus betrifft - er ist mein Genosse und Mitarbeiter bei euch - sei es, unsere Brüder - sie sind Gesandte der Versammlungen, die Herrlichkeit Christi. Gebet ihnen denn vor den Versammlungen den Beweis eurer Liebe und unsers Rühmens über euch. -


9.


Denn was den Dienst für die Heiligen betrifft, so ist es für mich überflüssig, daß ich euch schreibe. Denn ich kenne eure Geneigtheit, derer ich euch bei den Macedoniern rühme, daß Achaja seit vorigem Jahre bereit war, und euer Eifer Viele gereizt hat. Ich habe aber die Brüder gesandt, daß unser Rühmen über euch in dieser Beziehung nicht zunichte würde, auf daß ihr, wie ich gesagt habe, bereit seid; damit nicht, wenn die Macedonier mit mir kommen, und euch nicht bereit finden, wir - auf daß wir nicht sagen, ihr - in dieser Zuversicht zu Schanden würden. Ich hielt es daher für nötig, die Brüder zu bitten, daß sie zu euch voran zögen, und diesen euren im Voraus angekündigten Segen vorbereiteten, daß er also als Segen, und nicht als Geiz bereit sei. - Ich sage aber Dieses: Wer sparsam sät, wird auch sparsam ernten; und wer reichlich sät, wird reichlich ernten. Jeglicher, wie er sich in seinem Herzen vorsetzt, nicht mit Verdruß, oder aus Zwang; denn einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber ist mächtig, alle Gnade auf euch überströmen zu lassen, auf daß ihr in Allem, allezeit genug habend, zu allem guten Werk überströmend seid. Wie geschrieben steht: "Er hat ausgestreut, Er hat den Armen gegeben; Seine Gerechtigkeit bleibt in Ewigkeit." Der aber Samen verleiht dem, der sät, der wird auch Brot zur Speise darreichen, und eure Saat vermehren und den Ertrag eurer Gerechtigkeit vergrößern; so daß ihr an Allem reich werdet zu aller Freigebigkeit, welche durch uns Gott Danksagung bewirkt. Denn die Ausrichtung dieses Dienstes ist nicht allein eine Erfüllung des Mangels der Heiligen, sondern ist auch durch viele Danksagungen zu Gott überströmend; indem sie durch die Erfahrung dieses Dienstes Gott verherrlichen über der Unterwürfigkeit eures Bekenntnisses unter das Evangelium des Christus, und über der Freigebigkeit der Mitteilung an sie und an Alle, und durch ihr Gebet für euch, die sich nach euch sehnen, wegen der überschwänglichen Gnade Gottes an euch. Gott aber sei Dank für Seine unaussprechliche Gabe.


10.


Ich selbst aber, Paulus, ermahne euch durch die Sanftmut und Gelindigkeit des Christus; der ich persönlich unter euch gering, abwesend aber kühn gegen euch bin. Ich flehe aber, daß ich anwesend nicht kühn sein möge, mit der Zuversicht, womit ich gedenke, gegen Gewisse dreist zu handeln, die uns, als nach dem Fleisch wandelnd, schätzen. Denn obwohl wir in Fleisch wandeln, kämpfen wir nicht nach dem Fleische; - (denn die Waffen unseres Kampfes sind nicht fleischlich, sondern mächtig Gott gemäß, zur Zerstörung der Festungen); - zerstörend die Vernunftschlüsse und alle Höhe, die sich wider die Erkenntnis Gottes erhebt, und jeden Gedanken unter den Gehorsam des Christus gefangen nehmend; und uns in Bereitschaft haltend, jeden Ungehorsam zu vergelten, wenn euer Gehorsam erfüllt sein wird. Sehet ihr das an, was vor Augen ist? Wenn Jemand in sich selbst Zuversicht hat, daß er Christi sei, der denke dieses wiederum bei sich selbst, daß gleichwie er Christi ist, also auch wir. Denn wenn ich auch etwas mehr über unsere Gewalt rühmen wollte, welche uns der Herr zur Erbauung und nicht zu eurer Zerstörung gegeben hat, so werde ich nicht zu Schanden werden; auf daß ich euch nicht durch Briefe zu schrecken scheine. Denn die Briefe, sagt man, sind gewichtig und kräftig; aber die Gegenwart des Leibes ist schwach, und die Rede verächtlich. - Ein Solcher denke dieses, daß, wie wir abwesend im Wort durch Briefe sind, solche auch anwesend in der Tat sein werden. Denn wir wagen nicht, etlichen Derer, die sich selbst empfehlen, uns selbst beizuzählen oder zu vergleichen; aber sie, sich selbst an sich selbst messend, und sich selbst mit sich selbst vergleichend, sind nicht verständig. Wir aber werden uns nicht über das Maß hinaus rühmen, sondern nach dem Maß der Regel, welche der Gott des Maßes uns zugeteilt hat, um auch bis zu euch zu kommen. Denn wir strecken uns selbst nicht zu weit aus, als wären wir nicht bis zu euch gelangt; denn wir sind in dem Evangelium des Christus auch bis zu euch gekommen. Nicht uns rühmend über das Maß hinaus in fremden Arbeiten; aber Hoffnung habend, wenn euer Glaube gewachsen sein wird, unter euch reichlich vergrößert zu werden nach unserm Wirkungskreis; das Evangelium von euch weiter hinaus zu verkündigen, nicht mich dessen zu rühmen, was im Wirkungskreis der Andern bereit ist. "Wer sich aber rühmet, rühme sich des Herrn." Denn nicht, der sich selbst empfiehlt, der ist bewährt, sondern den der Herr empfiehlt.


11.


Ich wollte, ihr möchtet mich ein wenig in der Torheit ertragen; ja ertraget mich auch. Denn ich eifere über euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch Einem Manne verlobt, um euch als keusche Jungfrau dem Christus darzustellen. Ich fürchte aber, daß, wie die Schlange Eva durch ihre List verführte, also auch euer Sinn verdorben und verrückt werde von der Einfalt gegen Christum. Denn wenn der, welcher kommt, einen andern Jesus predigt, welchen wir nicht gepredigt haben, oder wenn ihr einen andern Geist empfanget, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, was ihr nicht überkommen habt, so trüget ihr´s mit Recht. Denn ich meine, ich habe in nichts den noch so großen Aposteln nachgestanden. Wenn ich aber auch unkundig in der Rede bin, so bin ich es doch nicht in der Erkenntnis; sondern in jeder Weise sind wir in allen Stücken bei euch offenbar geworden. Habe ich eine Sünde getan, mich selbst erniedrigend, auf daß ihr erhöht würdet, weil ich euch das Evangelium Gottes umsonst verkündigt habe? Ich habe andere Versammlungen beraubt, - Lohn empfangen, zu eurer Bedienung. Und als ich anwesend unter euch war, und Mangel hatte, war ich Niemandem lästig; - denn meinen Mangel erstatteten die Brüder, welche aus Macedonien kamen; - und ich habe mich in allen Stücken euch unbeschwerlich gehalten, und werde mich also halten. So gewiß als die Wahrheit Christi in mir ist, soll mir dieses Rühmen in den Gegenden Achaja´s nicht genommen werden. Warum das? Weil ich euch nicht liebe? - Gott weiß es. Was ich aber tue, das werde ich auch tun, damit ich denen den Anlaß abschneide, welche den Anlaß wollen, damit sie, worin sie sich rühmen, wie auch wir erfunden würden. Denn solche sind falsche Apostel, betrügliche Arbeiter, welche die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. Und kein Wunder; denn Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichts an; darum ist es nicht ein Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt als Diener der Gerechtigkeit annehmen, deren Ende nach ihren Werken sein wird. Wiederum sage ich: Niemand halte mich für töricht; wo aber nicht, so nehmt mich als einen Törichten an, auf daß auch ich mich ein wenig rühme. Was ich sage, sage ich nicht nach dem Herrn, sondern als in Torheit, bei dieser Zuversicht des Rühmens. Weil Viele sich nach dem Fleisch rühmen, will auch ich mich rühmen. Denn ihr ertragt, wenn euch Jemand zu Knechten macht, wenn euch Jemand aufzehrt, wenn euch Jemand nimmt, wenn sich Jemand überhebt, wenn euch Jemand in das Angesicht schlägt. Ich rede in Bezug auf die Unehre, - als wenn wir schwach gewesen wären. Worin aber Jemand dreist ist (ich rede in Torheit), bin auch ich dreist. Sind sie Hebräer? - ich auch. Sind sie Israeliten? - ich auch. Sind sie Abrahams Samen? - ich auch. Sind sie Diener Christi? - (ich rede als von Sinnen) - ich bin mehr. In Mühen überschwänglicher, in Schlägen übermäßig, in Gefängnissen sehr viel, in Toden oft. Von den Juden habe ich fünfmal vierzig Streiche, weniger einen, empfangen. Ich bin dreimal mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden, dreimal habe ich Schiffbruch erlitten, einen Tag und eine Nacht habe ich in der Tiefe zugebracht; oft auf Reisen, in Gefahren auf Flüssen, in Gefahren von Räubern, in Gefahren von meinem Geschlecht, in Gefahren von denen aus den Nationen, in Gefahren in der Stadt, in Gefahren in der Wüste, in Gefahren auf dem Meer, in Gefahren unter falschen Brüdern; in Mühe und Mühsal, in Wachen oft, in Hunger und Durst, in Fasten oft, in Kälte und Blöße; ohne Das, was von Außen ist, noch der tägliche Anlauf an mich, die Sorge für alle Versammlungen. Wer ist schwach, und ich bin nicht schwach? Wer wird geärgert, und ich brenne nicht? - Wenn es gerühmt sein soll, will ich mich meiner Schwachheit rühmen. - Der Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, der in die Zeitalter gesegnet ist, weiß, daß ich nicht lüge. - Zu Damaskus verwahrte der Landpfleger des Königs Aretas die Stadt der Damascener, und wollte mich greifen. Und ich ward in einem Korbe zum Fenster an der Mauer herniedergelassen, und entkam seinen Händen.


12.


Zu rühmen nützt mir wahrlich nicht; denn ich werde auf Gesichte und Offenbarungen des Herrn kommen. Ich kenne einen Mann in Christo, - vor vierzehn Jahren; - (sei es im Leibe, ich weiß es nicht; sei es außer dem Leibe, ich weiß es nicht; Gott weiß es); - derselbige ward entrückt bis in den dritten Himmel. Und ich kenne einen solchen Menschen, - (sei es im Leibe, sei es außer dem Leibe; ich weiß es nicht; Gott weiß es); - daß er in das Paradies entrückt ward, und unaussprechliche Worte hörte, welche der Mensch nicht sagen darf. Von Solchem werde ich mich rühmen; über mich selbst aber werde ich mich nicht rühmen, es sei denn meiner Schwachheiten. Denn wenn ich mich rühmen will, werde ich nicht töricht sein; denn ich werde die Wahrheit sagen. Ich enthalte mich aber dessen, auf daß Niemand mich höher achte, als was er an mir sieht, oder was er über mich hört. Und auf daß ich mich nicht der Überschwänglichkeit der Offenbarungen überhebe, ist mir ein Dorn in´s Fleisch gegeben, ein Engel des Satans, auf daß er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe. Für dieses habe ich dreimal zum Herrn gefleht, daß er von mir abstände. Und Er hat zu mir gesagt: Meine Gnade ist dir genug; denn Meine Kraft wird in der Schwachheit vollbracht. - Daher will ich mich denn vielmehr am allerliebsten meiner Schwachheiten rühmen, auf daß die Kraft des Christus mir einwohne. Deshalb habe ich Wohlgefallen an Schwachheiten, an Schmähungen, an Nöten, an Verfolgungen, an Drangsalen, für Christum. Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich mächtig. Ich bin ein Tor geworden; ihr habt mich gezwungen. Denn ich sollte von euch empfohlen werden; denn ich habe in nichts den noch so großen Aposteln nachgestanden, wenn ich auch nichts bin. Die Zeichen des Apostels sind ja unter euch gewirkt worden, in aller Geduld, in Zeichen, und Wundern, und Kräften. Denn worin ist es, daß ihr gegen die andern Versammlungen verkürzt worden seid, es sei denn, daß ich selbst euch nicht lästig geworden bin? Verzeiht mir dieses Unrecht. Siehe, dieses dritte Mal bin ich in Bereitschaft, zu euch zu kommen, und will euch nicht lästig sein; denn ich suche nicht das Eure, sondern euch. Denn die Kinder sollen nicht für die Eltern Schätze sammeln, sondern die Eltern für die Kinder. Ich will aber sehr gerne für eure Seelen Alles verwenden, und verwendet werden, wenn ich auch, jemehr ich euch liebe, um so weniger geliebt werdet. Sei es aber, daß ich euch nicht beschwerlich bin; - sondern weil ich listig bin, habe ich euch mit Hinterlist gefangen. Habe ich euch übervorteilt, durch Einen von denen, die ich zu euch gesandt habe? Ich habe Titus gebeten, und den Bruder mit ihm gesandt. Hat euch Titus übervorteilt? Haben wir nicht in demselben Geist gewandelt? Nicht in denselben Fußstapfen? Noch einmal: Glaubt ihr, daß wir uns vor euch verantworten? Wir reden vor dem Angesicht Gottes in Christo, Alles aber, Geliebte, für eure Erbauung. Denn ich fürchte, daß ich, wenn ich komme, euch nicht als Solche finde, wie ich will, und daß ich für euch als Solcher erfunden werde, wie ihr nicht wollt; daß Streitigkeiten, Eifer, Zorn, Zwietracht, Verleumdung, Ohrenbläsereien, Aufblähungen, Empörungen da seien; und daß, wenn ich wiederkomme, mein Gott mich unter euch demütige, und ich über Viele trauern müsse, die zuvor gesündigt, und über die Unreinigkeit und Hurerei und Unzucht, die sie getrieben, nicht Buße getan haben.


13.


Ich komme dies dritte Mal zu euch; auf zweier oder dreier Zeugen Mund wird jede Sache bestätigt werden. Ich habe es zuvor gesagt, und ich sage es zuvor, als wie zum zweiten Mal anwesend, und jetzt abwesend, denen, die zuvor gesündigt haben, und den andern Allen: daß ich, wenn ich abermal komme, nicht schonen werde. Weil ihr einen Beweis sucht, daß Christus in mir spreche, - (der gegen euch nicht schwach ist, sondern mächtig in euch; denn wiewohl Er in Schwachheit gekreuzigt worden ist, lebt Er doch durch die Kraft Gottes; denn auch wir sind schwach in Ihm, aber wir werden mit Ihm leben durch die Kraft Gottes an euch), - so prüfet euch selbst, ob ihr in dem Glauben seid; untersuchet euch selbst. Oder erkennet ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist? es sei denn, daß ihr unbewährt seid. Ich hoffe aber, daß ihr erkennen werdet, daß wir nicht unbewährt sind. Ich bitte aber Gott, daß ihr nichts Übels tut; nicht auf daß wir bewährt erscheinen, sondern damit ihr recht tut, wir aber wie Unbewährte seien. Denn wir können nichts wider die Wahrheit, sondern für die Wahrheit. Denn wir freuen uns, wenn wir schwach sind, ihr aber mächtig seid; dies aber auch, wir wünschen - eure Vervollkommnung. Deswegen schreibe ich Dieses abwesend, auf daß ich anwesend nicht Strenge brauche, nach der Macht, die der Herr mir gegeben hat zur Erbauung, und nicht zur Zerstörung. Übrigens, Brüder, freuet euch, seid vollkommen, seid getrost, seid gleichgesinnt, wandelt in Frieden; und der Gott der Liebe und des Friedens wird mit euch sein. Grüßet einander mit heiligem Kuß. Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade des Herrn Jesu Christi, und die Liebe Gottes, und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch Allen!



Die Epistel des Apostels Paulus an die Galater.


1.


Paulus, Apostel, nicht von Menschen, noch durch einen Menschen, sondern durch Jesum Christum, und Gott, den Vater, der Ihn aus den Toten auferweckt hat, und alle die Brüder bei mir, - den Versammlungen von Galatien: Gnade euch und Friede von Gott, dem Vater, und unserm Herrn Jesu Christo, der Sich Selbst für unsere Sünden gegeben hat, auf daß Er uns aus dem gegenwärtigen bösen Zeitlauf herausnähme, nach dem Willen unsers Gottes und Vaters, welchem sei die Herrlichkeit in die Zeitalter der Zeitalter! Amen. Ich wundere mich, daß ihr so schnell von Dem, der euch in der Gnade Christi berufen hat, zu einem andern Evangelium umgewandt seid, welches kein anderes ist; nur, daß es Etliche gibt, die euch verwirren, und das Evangelium des Christus verkehren wollen. Aber wenn auch wir, oder ein Engel aus dem Himmel euch Etwas als Evangelium verkündigte, außer dem, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht. Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt nochmals: Wenn Jemand euch Etwas als Evangelium verkündigt, außer dem, was ihr empfangen habt, der sei verflucht. Denn stelle ich jetzt Menschen zufrieden, oder Gott? Oder suche ich Menschen zu gefallen? Denn wenn ich noch Menschen gefiele, dann wäre ich nicht Christi Knecht. Ich tue euch aber kund, Brüder, daß das von mir verkündigte Evangelium nicht nach Menschen ist. Denn ich habe es weder von einem Menschen empfangen, noch bin ich belehrt worden, sondern ich habe es durch Offenbarung Jesu Christi. Denn ihr habt von meinem ehemaligen Wandel in dem Judentum gehört, daß ich über die Maßen die Versammlung Gottes verfolgte, und sie verstörte. Und ich nahm in dem Judentum über Viele meines Alters in meinem Geschlecht zu, indem ich übermäßig ein Eiferer für die Überlieferungen meiner Väter war. Als es aber dem Gott, der mich von meiner Mutter Leibe abgesondert, und durch Seine Gnade berufen hat, wohlgefiel, Seinen Sohn in mir zu offenbaren, damit ich Ihn unter den Nationen verkündigte, ging ich alsbald nicht mit Fleisch und Blut zu Rate, ging auch nicht nach Jerusalem zu denen, die vor mir Apostel waren, sondern ich zog hin nach Arabien, und kehrte wiederum nach Damaskus zurück. Dann, nach drei Jahren, ging ich nach Jerusalem, um den Petrus persönlich kennen zu lernen, und blieb fünfzehn Tage bei ihm. Ich sah aber keinen andern der Apostel, als nur Jakobus, den Bruder des Herrn. Was ich euch aber schreibe, siehe, vor Gott! ich lüge nicht. Dann kam ich in die Gegenden von Syrien und Cilicien. Ich war aber von Angesicht den Versammlungen von Judäa, die in Christo sind, unbekannt; und sie hatten bloß gehört: Der uns einst verfolgte, verkündigt jetzt den Glauben, den er einst verstörte. - Und sie verherrlichten Gott über mir.


2.


Dann, nach vierzehn Jahren, ging ich wiederum nach Jerusalem mit Barnabas, und nahm auch Titus mit. Ich ging aber hin gemäß einer Offenbarung, und legte ihnen das Evangelium vor, welches ich unter den Nationen verkündige; insonderheit aber den Angesehenen, damit ich nicht vergeblich laufe, oder gelaufen wäre; - (aber auch Titus, der bei mir war, wurde, wiewohl ein Grieche, nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen,) - und zwar wegen der eingeschlichenen falschen Brüder, welche nebenher hineingekommen waren, um unsere Freiheit, welche wir in Christo Jesu haben, auszukundschaften, auf daß sie uns unter das Joch bringen möchten; welchen wir auch nicht eine Stunde in Unterwürfigkeit nachgegeben haben, auf daß die Wahrheit des Evangeliums bei euch verbliebe. Von denen aber, die das Ansehen hatten, Etwas zu sein, - wer sie auch irgend waren, das geht mich nichts an; Gott nimmt keines Menschen Person an; - denn mir haben die Angesehenen nichts hinzugefügt, sondern im Gegenteil, als sie sahen, daß ich mit dem Evangelium der Vorhaut betraut bin, wie Petrus mit dem der Beschneidung, - (denn der in dem Petrus für das Apostelamt der Beschneidung gewirkt hat, hat auch in mir unter den Nationen gewirkt) - und da sie die Gnade erkannten, die mir gegeben ist, gaben Jakobus und Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen waren, mir und Barnabas die Rechte der Gemeinschaft, daß wir unter die Nationen, sie aber unter die Beschneidung gingen; nur daß wir der Armen gedächten, welches ich auch zu tun beflissen gewesen bin. Als aber Petrus nach Antiochien kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, weil er dem Urteil verfallen war. Denn bevor Etliche von Jakobus kamen, hatte er mit denen aus den Nationen gegessen; als sie aber kamen, zog er sich zurück uns sonderte sich ab, weil er sich vor denen aus der Beschneidung fürchtete. Und mit ihm heuchelten auch die übrigen Juden, so daß selbst Barnabas durch ihre Heuchelei mit verführt wurde. Als ich aber sah, daß sie in Betreff der Wahrheit des Evangeliums nicht den geraden Weg gingen, sagte ich vor Allen zum dem Petrus: Wenn du, der du ein Jude bist, nach der Weise der Nationen, und nicht nach der Weise der Juden lebst, - wie zwingst du denn die Nationen, nach der Weise der Juden zu wandeln? Wir, die wir von Natur Juden, und nicht Sünder aus den Nationen sind, die wir aber wissen, daß der Mensch nicht aus Gesetzes Werken, sondern allein durch den Glauben an Jesum Christum gerechtfertigt wird, auch wir haben an Christum Jesum geglaubt; damit wir aus Glauben an Christum, und nicht aus Gesetzes Werken gerechtfertigt wären; weil aus Gesetzes Werken kein Fleisch gerechtfertigt werden wird. Wenn aber, indem wir in Christo gerechtfertigt zu sein suchen, auch wir selbst als Sünder erfunden worden sind, dann ist Christus ein Diener der Sünde. - Das sei ferne! Denn wenn ich dasselbe, was ich abgebrochen habe, wiederum aufbaue, so stelle ich mich selbst als Übertreter dar. Denn ich bin durch Gesetz dem Gesetz gestorben, auf daß ich Gott lebe; ich bin mit Christo gekreuzigt, ich lebe aber, - nicht mehr ich, sondern Christus lebt in mir. Was ich aber jetzt im Fleische lebe, das lebe ich durch Glauben, nämlich durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt, und Sich Selbst für mich hingegeben hat. Ich mache die Gnade Gottes nicht ungültig; denn wenn die Gerechtigkeit durch Gesetz ist, dann freilich ist Christus umsonst gestorben.


3.


O, unverständige Galater! Wer hat euch bezaubert, euch, denen Jesus Christus, als unter euch gekreuzigt, vor Augen gestellt wurde? - Dies allein will ich von euch lernen: Habt ihr aus Gesetzes Werken den Geist empfangen oder aus der Kunde des Glaubens? Seid ihr so unverständig? Die ihr im Geist angefangen habt, - wollt ihr nun im Fleisch vollenden? Habt ihr so Vieles vergeblich gelitten? wenn es ja vergeblich ist. Der euch nun den Geist darreicht, und Wunderwerke unter euch wirkt, - ist es aus Gesetzes Werken, - oder aus der Kunde des Glaubens? Gleichwie Abraham Gott geglaubt hat, und es ihm zu Gerechtigkeit gerechnet worden ist. Erkennet also, daß "Die aus Glauben", Abrahams Söhne sind. Die Schrift aber, voraussehend, daß Gott aus Glauben die Nationen rechtfertigen würde, verkündigte dem Abraham zuvor das Evangelium: "In dir werden alle die Nationen gesegnet werden!" Also sind Die, "welche aus Glauben sind", mit dem gläubigen Abraham gesegnet. Denn so Viele aus Gesetzes Werken sind, sind unter Fluch; denn es steht geschrieben: "Verflucht Jeder, der nicht in Allem bleibt, was im Buch des Gesetzes geschrieben ist, es zu tun." Daß aber durch Gesetz Niemand vor Gott gerechtfertigt wird, ist offenbar, denn: "Der Gerechte wird aus Glauben leben." Das Gesetz aber ist nicht aus Glauben, sondern: "Wer dieselben getan hat, wird dadurch leben." - Christus hat uns vom Fluche des Gesetzes losgekauft, indem Er für uns zum Fluch geworden ist; - (denn es steht geschrieben: "Verflucht Jeder, der am Holze hängt;") - auf daß der Segen Abrahams in Christo Jesu zu den Nationen käme, auf daß wir die Verheißung des Geistes durch den Glauben empfingen. - Brüder! Nach Menschen Weise rede ich: Niemand hebt einen beständigen Bund, selbst eines Menschen, auf, oder fügt hinzu. Dem Abraham aber sind die Verheißungen zugesagt, und seinem Samen. Er sagt nicht: Und den Samen, wie von Vielen, sondern wie von Einem, "und deinem Samen", welcher Christus ist. Dieses aber sage ich, daß einen Bund, der vorher von Gott auf Christum bestätigt ist, das vierhundert und dreißig Jahre darnach entstandene Gesetz nicht ungültig macht, um die Verheißung aufzuheben. Denn wenn die Erbschaft aus Gesetz ist, dann nicht mehr aus Verheißung. Dem Abraham aber hat sie Gott durch Verheißung geschenkt. Warum denn das Gesetz? - Um der Übertretungen willen ist es gegeben worden, bis der Same gekommen wäre, dem die Verheißung gegeben ist, - angeordnet durch Engel, in der Hand eines Mittlers. Der Mittler aber ist nicht von Einem; Gott aber ist Einer. Ist nun das Gesetz wider die Verheißungen Gottes? - Das sei ferne! Denn wenn ein Gesetz gegeben wäre, welches lebendig machen könnte, dann wäre wirklich die Gerechtigkeit aus Gesetz. Die Schrift aber hat Alles zusammen unter Sünde verschlossen, damit die Verheißung aus Glauben an Jesum Christum den Glaubenden gegeben sei. Bevor aber der Glaube kam, waren wir unter Gesetz verwahrt, verschlossen auf den Glauben, welcher offenbart werden sollte. - Also ist das Gesetz unser Zuchtmeister auf Christum hin geworden, damit wir aus Glauben gerechtfertigt würden. Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. Denn ihr Alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christum Jesum. Denn Alle, die ihr auf Christum getauft seid, ihr habt Christum angezogen. Da ist weder Jude, noch Grieche; da ist weder Knecht, noch Freier; da ist nicht Männliches noch Weibliches; denn ihr Alle seid Einer in Christo Jesu. Wenn ihr aber Christi seid, so seid ihr denn Abrahams Same, und nach Verheißung Erben.


4.


Ich sage aber: So lange der Erbe unmündig ist, so unterscheidet er sich in nichts von einem Knechte, wiewohl er Herr von Allem ist; aber er ist unter Vormündern und Verwaltern, bis zu der vom Vater bestimmten Zeit. Also auch wir; als wir unmündig waren, waren wir unter die Elemente der Welt geknechtet. Als aber die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott Seinen Sohn, geboren von einem Weibe, geboren unter Gesetz; auf daß Er die, welche unter Gesetz waren, loskaufte, auf daß wir die Kindschaft empfingen. Weil ihr aber Söhne seid, so sandte Gott den Geist Seines Sohnes aus in unsere Herzen, welcher "Abba, Vater!" ruft. Also bist du nicht mehr Knecht, sondern Sohn; - wenn aber Sohn, auch Erbe Gottes durch Christum. Damals aber freilich, als ihr Gott nicht kanntet, dientet ihr Denen, die von Natur nicht Götter sind; jetzt aber, wo ihr Gott erkannt habt, vielmehr aber von Gott erkannt worden seid, - wie wendet ihr wieder zu den schwachen und armseligen Elementen um, welchen ihr wieder von Neuem dienen wollt? Ihr beobachtet Tage und Monate und Zeiten und Jahre. Ich fürchte um euch, ob ich nicht vergeblich an euch gearbeitet habe. Werdet wie ich; denn auch ich bin, wie ihr, Brüder, ich bitte euch; - ihr habt mir nichts zu Leide getan. Ihr wißt aber, daß ich in Schwachheit des Fleisches euch ehedem das Evangelium verkündigt habe; und meine Versuchung, die in meinem Fleische war, habt ihr nicht verachtet noch verabscheut, sondern wie einen Engel Gottes mich aufgenommen, wie Christum Jesum. Was war denn eure Glückseligkeit? Denn ich bezeuge euch, daß ihr, wenn möglich, eure Augen ausgerissen und mir gegeben haben würdet. Bin ich nun euer Feind geworden, weil ich euch die Wahrheit sage? Sie eifern um euch nicht wohl; aber sie wollen euch ausschließen, auf daß ihr um sie eifert. Es ist aber gut, daß man im Guten allezeit eifert, und nicht allein, wenn ich bei euch gegenwärtig bin. Meine Kinder, um die ich abermals Geburtswehen habe, bis Christus in euch gestaltet worden sei; ich möchte aber jetzt bei euch gegenwärtig sein, und meine Stimme umwenden; denn ich bin um euch in Verlegenheit. Sagt mir, die ihr unter Gesetz sein wollt, höret ihr das Gesetz nicht? - Denn es steht geschrieben, daß Abraham zwei Söhne hatte, einen von der Magd, und einen von der Freien; aber der von der Magd ist nach dem Fleisch geboren, und der von der Freien durch die Verheißung, welches eine bildliche Bedeutung hat. Denn diese sind zwei Bündnisse; eines vom Berge Sinai, zur Knechtschaft gebärend, welches Hagar ist. Denn "Hagar" ist der Berg Sinai in Arabien, entspricht aber dem jetzigen Jerusalem; denn sie ist mit ihren Kindern in Knechtschaft; aber das Jerusalem droben ist frei, welche unsere Mutter ist. Denn es steht geschrieben: "Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst; brich aus und schreie, die du keine Geburtswehen hast! Denn die Kinder der Einsamen sind zahlreicher, als derer, die den Mann hat." Wir aber, Brüder, sind, wie Isaak war, Kinder der Verheißung. Aber so wie damals der nach Fleisch Geborne den nach dem Geist Gebornen verfolgte, also auch jetzt. Aber was sagt die Schrift? "Stoß hinaus die Magd und ihren Sohn; denn der Sohn der Magd soll nicht mit dem Sohn der Freien erben". - Also nun, Brüder, sind wir nicht Kinder der Magd, sondern der Freien.


5.


Stehet denn fest in der Freiheit, womit Christus uns frei gemacht hat, und laßt euch nicht wiederum im Joch der Knechtschaft halten. Siehe, ich Paulus sage euch: Wenn ihr beschnitten werdet, so wird euch Christus nichts nützen. Wiederum aber bezeuge ich jedem Menschen, der beschnitten wird, daß er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. Ihr habt den Christus für euch selbst abgeschafft, die ihr im Gesetze gerechtfertigt werdet; ihr seid aus der Gnade gefallen; denn wir erwarten durch den Geist aus Glauben die Hoffnung der Gerechtigkeit. Denn in Christo Jesu vermag weder Beschneidung noch Vorhaut etwas, sondern der Glaube, welcher durch die Liebe wirkt. Ihr liefet gut. Wer hat euch verhindert, daß ihr der Wahrheit nicht gehorchet? Diese Überredung ist nicht von dem, der euch berufen hat. Ein wenig Sauerteig versäuert den ganzen Teig. Ich habe Vertrauen zu euch im Herrn, daß ihr nicht anders gesinnt sein werdet; der euch aber verwirrt, wird das Urteil tragen, wer er auch sei. Ich aber, Brüder, wenn ich noch Beschneidung predige, warum werde ich noch verfolgt? Dann wäre ja das Ärgernis des Kreuzes abgeschafft. Ich wünsche, daß sie auch abgeschnitten würden, die euch beunruhigen. Denn ihr seid zur Freiheit berufen, Brüder; allein gebraucht die Freiheit nicht als Anlaß für das Fleisch; sondern durch die Liebe dienet einander! Denn das ganze Gesetz wird in einem Wort erfüllt, in dem: "Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst." Wenn ihr aber einander beißet und fresset, so sehet zu, daß ihr nicht voneinander verzehrt werdet. Ich sage aber: Wandelt im Geist, und die Lust des Fleisches sollt ihr nicht vollbringen. Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; diese aber sind einander entgegengesetzt, auf daß ihr, was ihr auch wollen möget, nicht tuet. Wenn ihr aber von dem Geiste geleitet werdet, so seid ihr nicht unter Gesetz. Offenbar aber sind die Werke des Fleisches, welche sind: Hurerei, Unreinigkeit, Ausschweifung, Götzendienst, Zaubermittel, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Parteiungen, Sekten, Neid, Totschlag, Trunktenheit, Gelage und dergleichen; wovon ich euch voraussage, wie ich auch zuvor gesprochen habe, daß, die dergleichen treiben, Gottes Reich nicht ererben werden. Die Frucht des Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Langmut, Gütigkeit, Wohltätigkeit, Glaube, Sanftmut, Enthaltsamkeit. Wider Solche gibt es kein Gesetz. Die aber, welche dem Christus angehören, haben das Fleisch samt den Leidenschaften und Lüsten gekreuzigt. Wenn wir im Geiste leben, so laßt uns auch im Geiste wandeln. Laßt uns nicht eitler Ehre nachgehen, einander herausfordernd, einander beneidend.


6.


Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt würde, so bringet ihr, die Geistlichen, einen Solchen im Geiste der Sanftmut zurecht, dich selbst beschauend, ob nicht etwa auch du versucht werden möchtest. Traget Einer des Andern Lasten, und erfüllt also das Gesetz des Christus. Denn wenn Jemand meint, daß er etwas sei, wo er doch nichts ist, der täuscht sich selbst in seinem Sinn. Ein Jeder aber prüfe sein eigenes Werk und dann wird er von sich allein, und nicht von dem Andern Ruhm haben; denn jeglicher wird seine eigene Last tragen. Der aber, welcher im Worte unterwiesen wird, teile in allerlei Gutem dem mit, der ihn unterweiset. Irret euch nicht; Gott läßt sich nicht spotten! Denn was irgend ein Mensch sät, das wird er auch ernten. Denn wer für sein eigenes Fleisch sät, wird von dem Fleische Verderben ernten; wer aber für den Geist sät, wird von dem Geiste ewiges Leben ernten. Laßt uns aber im Gutestun nicht müde werden; denn seiner Zeit werden wir ernten, wenn wir nicht ermatten. Also denn, wie wir Gelegenheit haben, laßt uns gegen Alle das Gute wirken; am meisten aber gegen die Hausgenossen des Glaubens. Seht, mit wie großen Buchstaben habe ich euch mit eigener Hand geschrieben! Alle, die im Fleisch gut angesehen sein wollen, die nötigen euch, sich beschneiden zu lassen, bloß damit sie nicht um des Kreuzes des Christus willen verfolgt werden. Denn auch sie selbst, die beschnitten sind, beobachten das Gesetz nicht; sondern sie wollen, daß ihr euch beschneiden lasset, damit sie sich in eurem Fleische rühmen. Mir aber sei es ferne, mich zu rühmen, es sei denn in dem Kreuze unsers Herrn Jesu Christi, wodurch mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt. Denn in Christo Jesu ist weder Beschneidung, noch Vorhaut etwas, sondern eine neue Schöpfung; und so Viele nach dieser Regel wandeln werden, - Friede über sie und Erbarmen, und über das Israel Gottes! Im Übrigen mache mir Keiner Mühe; denn ich trage die Malzeichen des Herrn Jesu an meinem Leibe. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi mit eurem Geiste, Brüder! Amen.



Die Epistel des Apostels Paulus an die Epheser.


1.


Paulus, Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen, den Heiligen und Treuen in Christo Jesu, die zu Ephesus sind: Gnade euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo. Gepriesen sei der Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns mit aller geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christo gesegnet, so wie Er uns vor Grundlegung der Welt in Ihm auserwählt hat, daß wir heilig und tadellos vor Ihm in Liebe sein sollten; und uns zuvor zur Kindschaft durch Jesum Christum, für Sich Selbst nach dem Wohlgefallen Seines Willens verordnet hat, zum Lobe der Herrlichkeit Seiner Gnade, in welcher Er uns begnadigt hat in dem Geliebten, in welchem wir die Erlösung durch Sein Blut, die Vergebung der Vergehungen haben nach dem Reichtum Seiner Gnade, welche Er gegen uns hat überströmen lassen, in aller Weisheit und Einsicht, indem Er uns das Geheimnis Seines Willens nach Seinem Wohlgefallen, welches Er Sich in Sich Selbst vorgesetzt, kund getan hat, für die Verwaltung der Fülle der Zeiten, nämlich alle Dinge, die in den Himmeln, und die auf der Erde, unter Ein Haupt in dem Christus zusammen zu bringen, in Ihm, in welchem wir auch zu Erben gemacht sind, als die, welche zuvor nach dem Vorsatz Dessen verordnet sind, der Alles nach dem Rate Seines Willens wirkt; damit wir zum Lobe Seiner Herrlichkeit sein möchten, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben; auf welchen auch ihr gehofft, als ihr das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, gehört habt, und, nachdem ihr in Ihm gläubig geworden, mit dem Heiligen Geiste der Verheißung versiegelt worden seid, welcher das Pfand unsers Erbes ist, bis zur Erlösung des erworbenen Besitzes, zum Lobe Seiner Herrlichkeit. Weshalb auch ich, nachdem ich den Glauben an den Herrn Jesum, der bei euch ist, und die Liebe zu allen Heiligen vernommen habe, nicht aufhöre, für euch zu danken, eurer erwähnend in meinen Gebeten, auf daß der Gott unsers Herrn Jesu Christi, der Vater der Herrlichkeit, euch den Geist der Weisheit und der Offenbarung durch die Erkenntnis Seiner Selbst gebe, damit ihr, erleuchtet an den Augen eures Herzens, wisset, welches die Hoffnung Seiner Berufung ist, und welcher der Reichtum der Herrlichkeit Seines Erbes in den Heiligen, und welche die überschwängliche Größe Seiner Macht an uns, den Glaubenden, nach der Wirkung der Kraft Seiner Stärke, welche Er in dem Christus gewirkt hat, da Er Ihn aus den Toten auferweckt, und Ihn zu Seiner Rechten in den himmlischen Örtern gesetzt hat, über alle Fürstentümer und Gewalt und Macht und Herrschaft und jeglichen Namen, der genannt wird, nicht allein in diesem, sondern auch in dem zukünftigen Zeitalter, und Alles unter Seine Füße unterworfen, und Ihn als Haupt über Alles der Versammlung gegeben hat, welche Sein Leib ist - die Fülle Dessen, der Alles in Allem erfüllt; -


2.


auch euch, als ihr in den Vergehungen und in den Sünden tot waret, in welchen ihr einst wandeltet nach dem Zeitlauf dieser Welt, nach dem Fürsten der Gewalt der Luft, des Geistes, der jetzt in den Söhnen des Ungehorsams wirksam ist; unter welchen auch wir einst Alle unsern Verkehr in den Lüsten unsers Fleisches hatten, indem wir den Willen des Fleisches und der Sinnen taten, und von Natur, wie auch die Übrigen, Kinder des Zornes waren; Gott aber, weil Er reich an Barmherzigkeit ist, hat wegen Seiner vielen Liebe, womit Er uns geliebt hat, als auch wir in den Vergehungen tot waren, uns mit dem Christus lebendig gemacht, - durch die Gnade seid ihr errettet; - und hat uns mitauferweckt, und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christo Jesu, damit Er in den kommenden Zeitaltern den überschwänglichen Reichtum Seiner Gnade durch Seine Güte an uns in Christo Jesu erwiese. Denn durch die Gnade seid ihr errettet mittelst des Glaubens, und zwar nicht aus euch, - Gottes Gabe ist es; - nicht aus Werken, damit nicht Jemand sich rühme. Denn wir sind Sein Werk, geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken, welche Gott zuvor bereitet hat, auf daß wir darinnen wandeln. Deshalb gedenket, daß ihr, - einst Nationen im Fleische, von der sogenannten Beschneidung, welche im Fleisch mit Händen geschieht, die Vorhaut genannt, - daß ihr zu jener Zeit ohne Christum waret, entfremdet dem Bürgerrecht Israels, und Fremdlinge in Betreff der Bündnisse der Verheißung, keine Hoffnung habend, und ohne Gott in der Welt. Jetzt aber, in Christo Jesu, seid ihr, die ihr einst ferne waret, in dem Blute des Christus nahe geworden. Denn Er ist unser Friede, der die Beiden Eins gemacht, und die Zwischenwand der Umzäunung abgebrochen hat, da Er in Seinem Fleische die Feindschaft, das Gesetz der Gebote in Satzungen, abgeschafft hat; auf daß Er die Zwei, Frieden stiftend, in Sich Selbst zu Einem neuen Menschen schüfe; und daß Er die Beiden in Einem Leibe Gott durch das Kreuz versöhnte, nachdem Er durch dasselbe die Feindschaft getötet hatte. Und Er kam und verkündigte Frieden, euch, die ferne, und Denen, die nahe waren. Denn durch Ihn haben wir den Zugang, Beide, in Einem Geist zu dem Vater. So seid ihr nun nicht mehr Fremdlinge und ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen, und Hausgenossen Gottes, auferbaut auf die Grundlage der Apostel und Propheten, wo Jesus Christus Selbst Eckstein ist, in welchem der ganze Bau, wohl zusammengefügt, zu einem heiligen Tempel im Herrn wächst, in welchem auch ihr zu einer Behausung Gottes im Geist auferbaut werdet.


3.


Dieserhalb ich Paulus, der Gefangene Jesu Christi für euch, die Nationen, - (wenn ihr anders die Verwaltung der Gnade Gottes, welche mir an euch gegeben ist, vernommen habt, daß mir durch Offenbarung das Geheimnis kund getan worden ist, (wie ich es zuvor in Kurzem beschrieben habe; woran ihr im Lesen mein Verständnis in dem Geheimnis des Christus merken könnt) welches in andern Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kund gemacht worden, wie es jetzt Seinen heiligen Aposteln und Propheten durch den Geist offenbart worden ist, daß nämlich die Nationen Miterben und ein Teil ein und desselben Leibes, und mitteilhaftig Seiner Verheißung in dem Christus durch das Evangelium sein sollten, dessen Diener ich nach der Gabe der Gnade Gottes geworden bin, welche mir nach der Wirkung Seiner Macht gegeben ist. Mir, dem allergeringsten von allen Heiligen ist diese Gnade gegeben worden, unter den Nationen den unausforschlichen Reichtum des Christus zu verkündigen, und Alle zu erleuchten, welche die Verwaltung des Geheimnisses sei, welches von den Zeitaltern her verborgen war in Gott, der alle Dinge geschaffen hat; auf daß nun den Fürstentümern und Gewalten in den himmlischen Örtern durch die Versammlung die mannigfaltige Weisheit Gottes kund gemacht sei, nach dem Vorsatz von den Zeitaltern her, welchen Er gefaßt hat in Christo Jesu, unserm Herrn, in welchem wir die Freimütigkeit und den Zugang in Zuversicht durch den Glauben an Ihn haben. Darum bitte ich, daß ihr durch meine Drangsale für euch, welche eure Ehre sind, den Mut nicht verlieret. Dieserhalb beuge ich meine Knie zu dem Vater unsers Herrn Jesu Christi, von welchem jede Familie in den Himmeln und auf der Erde den Namen hat; daß Er euch nach dem Reichtum Seiner Herrlichkeit gebe, mit Macht gekräftigt zu werden durch Seinen Geist an dem inwendigen Menschen, daß der Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne; und ihr in Liebe gewurzelt und gegründet seid, auf daß ihr vermöget, mit allen Heiligen zu erfassen, welches die Breite und Länge und Tiefe und Höhe sei, und zu erkennen die die Erkenntnis weit übersteigende Liebe des Christus, damit ihr zu der ganzen Fülle Gottes erfüllet seid. Dem aber, der weit über das Maß, über Alles hinaus, was wir erbitten oder erdenken, nach der Macht, die in uns wirkt, zu tun vermag, Ihm sei die Herrlichkeit in der Versammlung in Christo Jesu, in alle Geschlechter des Zeitalters der Zeitalter! Amen.) -


4.


Ich ermahne euch denn, ich, der Gefangene im Herrn, daß ihr würdig wandelt der Berufung, womit ihr berufen seid: mit aller Demut und Sanftmut, mit Langmut, einander in Liebe vertragend, fleißig, die Einheit des Geistes in dem Bande des Friedens zu bewahren. Ein Leib, und Ein Geist, wie ihr auch in Einer Hoffnung eurer Berufung berufen seid: Ein Herr, Ein Glaube, Eine Taufe, Ein Gott und Vater Aller, die über Alle, und durch Alle, und in uns Allen ist. Einem Jeglichen von uns aber ist die Gnade nach dem Maß der Gabe des Christus gegeben. Darum sagt Er: Er ist in die Höhe hinaufgestiegen, und hat die Gefangenschaft gefangen geführt, und hat den Menschen Gaben gegeben. Das aber: "Er ist hinaufgestiegen", was ist es anders, als daß Er auch in die untern Teile der Erde hinabgestiegen ist? Der, der hinabgestiegen ist, ist Derselbe, der über alle Himmel hinaufgestiegen ist, auf daß Er Alles erfüllte. Und Er hat die Einen als Apostel gegeben, die Andern als Propheten, die Andern als Evangelisten, die Andern als Hirten und Lehrer, zur Vollendung der Heiligen; - für das Werk des Dienstes, für die Auferbauung des Leibes des Christus, bis wir Alle hingelangen werden zu der Einheit des Glaubens, und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu einem vollkommenen Manne, zu dem Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus; auf daß wir nicht mehr Unmündige seien, hin und her geworfen, und umher getrieben von jeglichem Wind der Lehre, durch das Würfelspiel der Menschen in Verschlagenheit zur List der Verführung; aber wahrhaftig in Liebe lasset uns wachsen in Allem, zu Ihm hin, der das Haupt ist - der Christus, aus welchem der ganze Leib, wohl zusammengefügt und zusammenbefestigt, durch jedes Gelenk der Darreichung, nach der Wirksamkeit in dem Maße eines jeglichen Teiles, das Wachstum des Leibes zu seiner selbst Auferbauung in Liebe schafft. Dieses nun sage und bezeuge ich im Herrn, daß ihr nicht mehr wandelt, wie auch die übrigen Nationen wandeln, in Eitelkeit ihres Sinnes, verfinstert am Verstande, weil sie wegen der Unwissenheit, die in ihnen ist, wegen der Verstockung ihres Herzens von dem Leben Gottes entfremdet sind, welche, weil sie alle Empfindlichkeit verloren, sich der Ausschweifung hingegeben haben, alle Unreinigkeit gierig auszuüben. Ihr aber habt nicht also den Christus gelernt, wenn ihr Ihn Anders gehört habt, und in Ihm gelehrt worden seid, - wie die Wahrheit in dem Jesus ist: daß ihr, was den frühern Lebenswandel betrifft, den alten Menschen, der nach den Lüsten des Betrugs verdorben ist, ablegt; in dem Geiste eurer Gesinnung aber erneuert werdet, und den neuen Menschen anziehet, der nach Gott geschaffen ist in Gerechtigkeit und wahrhaftiger Frömmigkeit. Deshalb leget die Lüge ab und redet Wahrheit, ein Jeglicher mit seinem Nächsten; denn wir sind unter einander Glieder. Zürnet und sündiget nicht. Lasset die Sonne über eurem Zorn nicht untergehen; und gebet nicht dem Teufel Raum. Der Dieb stehle nicht mehr; vielmehr aber arbeite er, eine ehrliche Handthierung treibend, damit er dem Dürftigen etwas mitzuteilen habe. Keine faule Rede gehe aus eurem Munde, sondern welche irgend zur nützlichen Erbauung gut ist, damit es Denen, die hören, Gnade darreiche. Und betrübet nicht den Heiligen Geist Gottes, mit welchem ihr auf den Tag der Erlösung versiegelt seid. Alle Bitterkeit und Wut und Zorn und Geschrei und Lästerung sei von euch weggetan, samt aller Bosheit. Werdet aber gegen einander gütig, mitleidig, einander vergebend, wie auch Gott in Christo euch vergeben hat.


5.


Werdet denn Nachahmer Gottes, als geliebte Kinder; und wandelt in Liebe, gleichwie auch der Christus uns geliebt, und Sich Selbst für uns als Darbringung und Opfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch, hingegeben hat. Hurerei aber, und jegliche Unreinigkeit oder Habsucht werde nicht unter euch genannt, so wie es den Heiligen ziemt; auch Schändlichkeit und albernes Geschwätz oder Witzelei, welche sich nicht ziemen, sondern vielmehr Danksagung. Denn dies wisset ihr, daß kein Hurer, oder Unreiner, oder Habsüchtiger, welcher ein Götzendiener ist, Erbteil in dem Reiche Christi und Gottes hat. Niemand verführe euch mit eitlen Worten; denn dieser Dinge halben kommt der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams. So werdet nun nicht deren Mitgenossen. Denn einst waret ihr Finsternis, jetzt aber Licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichts, - (denn die Frucht des Lichtes besteht in aller Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit) - prüfend, was dem Herrn wohlgefällig sei. Und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; vielmehr aber überführt sie auch. Denn was heimlich von ihnen geschieht, ist schändlich selbst zu sagen. Alles aber, was überführt wird, wird von dem Lichte offenbar gemacht; denn es ist das Licht welches Alles offenbar macht. Deswegen sagt Er: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf aus den Toten, und der Christus wird dir leuchten! - So sehet nun, wie ihr sorgfältig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise; die Gelegenheit benutzend, denn die Tage sind böse. Darum werdet nicht töricht, sondern verständig, was der Wille des Herrn ist; und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern seid mit dem Geist erfüllt, in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern miteinander redend, dem Herrn in eurem Herzen singend und spielend, danksagend dem Gott und Vater allezeit für Alles, im Namen unsers Herrn Jesu Christi, einander unterwürfig in der Furcht Christi. Ihr Weiber, seid euren eigenen Männern unterwürfig, als dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt des Weibes, wie auch der Christus das Haupt der Versammlung ist; Er ist des Leibes Heiland. Aber gleichwie die Versammlung dem Christus unterworfen ist, also auch die Weiber ihren eignen Männern in Allem. Ihr Männer, liebet eure Weiber, gleichwie auch der Christus die Versammlung geliebt, und Sich Selbst für sie hingegeben hat; auf daß Er sie heiligte, indem Er sie durch die Waschung mit Wasser durch das Wort reinigte, auf daß Er Sich Selbst die Versammlung verherrlicht darstellte, die weder Flecken noch Runzel, noch etwas dergleichen habe, sondern daß sie heilig und tadellos wäre. Also sind die Männer schuldig, ihre Weiber wie ihre eigenen Leiber zu lieben. Wer sein Weib liebt, liebt sich selbst. Denn Niemand hat jemals sein eigenes Fleisch gehaßt, sondern er nährt und pflegt es, gleichwie der Christus auch die Versammlung. Denn wir sind Seines Leibes Glieder, von Seinem Fleisch, und von Seinem Bein. Deshalb soll ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen, und seinem Weibe anhangen, und es werden die Beiden zu Einem Fleische werden. Dies Geheimnis ist groß; ich sage es aber auf Christum und auf die Versammlung. Doch auch ihr Alle insonderheit, ein Jeglicher soll sein Weib also lieben, wie sich selbst; das Weib aber, daß sie den Mann fürchte.


6.


Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern im Herrn; denn das ist recht. Ehre deinen Vater und Mutter, (welches das erste Gebot mit Verheißung ist) damit es dir wohlgehe, und du lange lebest auf der Erde. Und ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zum Zorn, sondern ziehet sie auf in Zucht und Ermahnung des Herrn. - Ihr Knechte, gehorchet Denen, die dem Fleische nach eure Herren sind, mit Furcht und Zittern, in Einfalt eures Herzens, als dem Christus; nicht mit Augendienst, als Menschengefällige, sondern als Knechte Christi, die den Willen Gottes von Herzen tun, die mit Wohlwollen als dem Herrn, und nicht Menschen dienen, wissend, daß, was ein Jeglicher irgend Gutes tun wird, es dieses von dem Herrn wieder empfangen wird, er sei Knecht oder Freier. Und ihr Herren, tut dasselbe gegen sie und lasset das Drohen, wissend, daß auch ihr einen Herrn in den Himmeln habt, und daß bei ihm kein Ansehen der Person ist. Übrigens, meine Brüder, seid stark in dem Herrn, und in der Kraft Seiner Stärke. Ziehet an die Waffenrüstung Gottes, damit ihr wider die Listen des Teufels bestehen könnt. Denn unser Kampf ist nicht wider Fleisch und Blut, sondern wider die Fürstentümer, wider die Gewalten, wider die Weltbeherrscher dieser Finsternis, wider die geistlichen Mächte der Bosheit in den himmlischen Örtern. Deshalb nehmet die Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tage widerstehen, und, nachdem ihr Alles überwunden habt, stehet. So stehet nun, umgürtet an euren Lenden mit Wahrheit, und angetan mit dem Brustharnisch der Gerechtigkeit, und beschuht an den Füßen mit der Zubereitung des Evangeliums des Friedens; und zu alle dem den Schild des Glaubens ergreifend, durch welchen ihr alle die feurigen Pfeile des Bösen auszulöschen vermögen werdet; nehmet auch den Helm des Heils, und das Schwert des Geistes, welches Gottes Wort ist; zu jeder Zeit mit allem Gebet und Flehen in dem Geiste betend, und eben hierzu wachend in allem Anhalten und Flehen für alle Heiligen; auch für mich, daß mir im Auftun meines Mundes die Rede in Freimütigkeit gegeben werde, um das Geheimnis des Evangeliums kund zu machen, für welches ich Gesandter in Ketten bin, damit ich darin freimütig rede, wie ich reden soll. Auf daß aber auch ihr meine Umstände erfahret, was ich mache, wird euch Tychikus, der geliebte Bruder und treue Diener im Herrn, Alles kund tun, welchen ich eben hierzu zu euch gesandt habe, damit ihr unsere Umstände wisset, und auf daß er eure Herzen tröste. Friede den Brüdern, und Liebe mit Glauben von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesu Christo. Die Gnade mit allen Denen, die unsern Herrn Jesum Christum in Unverderblichkeit lieben.



Die Epistel des Apostels Paulus an die Philipper.


1.


Paulus und Timotheus, Knechte Jesu Christi, Allen den Heiligen in Christo Jesu, die zu Philippi sind, mit den Aufsehern und Dienern: Gnade euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo! Ich danke meinem Gott jedesmal, wenn ich eurer gedenke - (da ich allezeit in jedem meiner Gebet für euch Alle das Gebet mit Freuden tue) - um eurer Teilnahme willen an dem Evangelium von dem ersten Tage an bis jetzt, indem ich eben hiervon versichert bin, daß Der, welcher in euch ein gutes Werk angefangen hat, es bis auf den Tag Jesu Christi vollführen wird. Wie es recht ist, daß ich diese Gesinnung in Betreff eurer Aller habe, weil ihr mich im Herzen habt, die ihr Alle, sowohl in meinen Banden, wie in der Verantwortung und Bestätigung des Evangeliums, meine Mitteilnehmer der Gnade seid. Denn Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch Allen sehne mit dem Herzen Jesu Christi. Und um dieses bete ich: daß eure Liebe noch mehr und mehr in Erkenntnis und aller Einsicht reich werde, damit ihr prüfet, was das Vorzüglichere sei, auf daß ihr untadelig und unanstößig auf den Tag Christi seid, erfüllt mit der Frucht der Gerechtigkeit, welche durch Jesum Christum zur Herrlichkeit und zum Lobe Gottes ist. Ich will aber, daß ihr wisset, Brüder, daß meine Umstände mehr zur Förderung des Evangeliums geraten sind, so daß meine Bande in Christo an dem ganzen Prätorium und den Übrigen Allen offenbar geworden sind, und daß mehrere der Brüder im Herrn, indem sie durch meine Bande Vertrauen gewonnen haben, viel kühner sind, furchtlos das Wort zu reden. Etliche freilich predigen Christum auch aus Neid und Streit; Etliche aber auch aus gutem Willen. Die Einen aus Liebe, weil sie wissen, daß ich zur Verantwortung des Evangeliums gestellt bin; die Andern aber aus Eifersucht, verkündigen Christum nicht lauter, indem sie meinen Banden Trübsal zuzufügen gedenken. Was denn? Wird doch auf alle Weise, sei es aus Vorwand, sei es in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich; ja ich werde mich auch freuen; denn ich weiß, daß dieses mir durch euer Gebet und durch Darreichung des Geistes Jesu Christi zur Seligkeit ausschlagen wird, nach meiner sehnlichen Erwartung und Hoffnung, daß ich in nichts werde zu Schanden werden, sondern mit aller Freimütigkeit, wie allezeit, so auch jetzt, Christus an meinem Leibe hocherhoben werden wird, sei es durch Leben, sei es durch Tod. Denn zu leben ist für mich Christus, und zu sterben Gewinn. Soll es aber sein, daß ich im Fleische leben bleibe, so ist es für mich der Mühe wert; und was ich erwählen soll, weiß ich nicht. Beides aber liegt mir hart an, indem ich Lust habe, abzuscheiden, und bei Christo zu sein; denn es ist weit besser. Das Bleiben aber in dem Fleische ist nötiger um euretwillen; und in dieser Zuversicht weiß ich, daß ich bleiben, und zu eurer Förderung und Freude des Glaubens bei und mit euch Allen bleiben werde, auf daß euer Ruhm in Christo Jesu über mir durch meine Wiederkunft zu euch reich sei. Wandelt nur würdig des Evangeliums des Christus, damit ich, sei es, daß ich komme und euch sehe, sei es, daß ich abwesend bin, von euch höre, daß ihr in Einem Geiste feststehet, in Einer Seele mitkämpfend mit dem Glauben des Evangeliums, und in nichts euch von den Widersachern erschrecken lassend; was für sie ein Beweis des Verderbens, für euch aber des Heils ist, und dieses von Gott. Denn euch ist es in Bezug auf Christum gegeben, nicht allein an Ihn zu glauben, sondern auch um Seinetwillen zu leiden, da ihr denselben Kampf habt, welchen ihr an mir gesehen, und jetzt in Betreff meiner höret.


2.


Wenn es nun Ermunterung in Christo gibt, wenn Trost der Liebe, wenn Gemeinschaft des Geistes, wenn innerliche Gefühle und Erbarmung, so erfüllet meine Freude, daß ihr einerlei gesinnt seid, dieselbe Liebe habend, einmütig, Eines Sinnes, nichts aus Parteisucht oder eitlem Ruhm tuend, sondern in der Demut Einer den Andern besser haltend, als sich selbst; ein Jeglicher nicht auf das Seinige sehend, sondern auch um das der Andern. Denn diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christo Jesu war, welcher, da Er in Gestalt Gottes war, es nicht für eine Beute hielt, Gott gleich zu sein, sondern Sich Selbst zu nichts machte, und Knechtsgestalt annahm, indem Er in Gleichheit der Menschen geworden ist, und in Seiner Stellung wie ein Mensch erfunden, Sich Selbst erniedrigt hat und bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz gehorsam ward. Deswegen hat Ihn Gott auch hoch erhoben, und Ihm einen Namen gegeben, der über jeden Namen ist, auf daß vor dem Namen Jesu sich jedes Knie der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen beuge, und auf daß jede Zunge bekenne, daß Jesus Christus "Herr" ist, zur Verherrlichung Gottes, des Vaters. Also denn, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein als in meiner Gegenwart, sondern jetzt vielmehr in meiner Abwesenheit, bewirkt mit Furcht und Zittern eure eigene Seligkeit. Denn Gott ist es, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Wirken, nach Seinem Wohlgefallen. Tut Alles ohne Murren und Wortstreit, auf daß ihr tadellos und lauter seid, Kinder Gottes, unbescholten inmitten eines verdrehten und verkehrten Geschlechts, unter welchem ihr wie Lichter in der Welt scheinet, - das Wort des Lebens darstellend -, mir zum Ruhme auf den Tag Christi, daß ich nicht vergeblich gelaufen bin, noch auch vergeblich mich gemüht habe. Wenn ich aber auch wie ein Trankopfer über das Opfer und den Dienst eures Glaubens gesprengt werde, so freue ich mich, und freue mich mit euch Allen. Gleicherweise aber freuet auch ihr euch, und freuet euch mit mir. Ich hoffe aber in dem Herrn Jesu, den Timotheus bald zu euch zu senden, damit auch ich gutes Mutes sei, wenn ich eure Umstände weiß. Denn ich habe Niemanden gleichgesinnt, der von Herzen für das Eure sorgen wird; denn Alle suchen das Ihre, nicht das, was Jesu Christi ist. Ihr wisset aber seine Bewährung, daß er wie ein Kind mit dem Vater, mit mir dem Evangelium gedient hat. Diesen nun hoffe ich alsbald zu senden, wenn ich einmal sehe, wie es um mich steht. Ich vertraue aber im Herrn, daß ich auch selbst bald kommen werde. Ich habe es aber für nötig erachtet, den Epaphroditus, meinen Bruder und Mitarbeiter und Mitkämpfer, und euren Abgesandten und Diener meiner Notdurft, zu euch zu senden; denn er sehnte sich nach euch Allen, und war sehr betrübt, weil ihr gehört hattet, daß er krank war. Denn er ist auch krank gewesen, dem Tode nahe; aber Gott hat sich über ihn erbarmt; nicht aber über ihn allein, sondern auch über mich, auf daß ich nicht Traurigkeit auf Traurigkeit hätte. Darum war ich desto eifriger, ihn zu senden, damit ihr, wenn ihr ihn sehet, wieder froh werdet, und ich weniger betrübt sei. So nehmt ihn denn auf im Herrn mit aller Freude, und haltet Solche in Ehren. Denn um des Werkes des Christus willen ist er dem Tode nahe gekommen, da er sich in Lebensgefahr begeben hat, damit er den Mangel eures Dienstes gegen mich ausfüllte.


3.


Übrigens, meine Brüder, freuet euch in dem Herrn! Euch dasselbe zu schreiben, ist mir nicht verdrießlich, aber für euch sicher. Sehet auf die Hunde, sehet auf die bösen Arbeiter, sehet auf die Zerschneidung! Denn wir sind die Beschneidung, die wir im Geiste Gott dienen, und uns Christi Jesu rühmen, und kein Vertrauen auf Fleisch haben; ob ich schon habe, auch auf Fleisch zu vertrauen. Wenn irgend ein Anderer meint, daß er habe, auf Fleisch zu vertrauen - ich noch mehr. Beschnitten am achten Tage, vom Geschlecht Israel, vom Stamme Benjamin, Hebräer von Hebräern; was Gesetz betrifft, ein Pharisäer; was den Eifer betrifft, ein Verfolger der Versammlung; was die Gerechtigkeit im Gesetz betrifft - tadellos. Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten; ja wahrlich, ich halte auch Alles für Verlust wegen der Vortrefflichkeit der Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn, weshalb ich Alles eingebüßt habe, und es für Dreck halte, auf daß ich Christum gewinne, und in Ihm erfunden werde, nicht meine Gerechtigkeit habend, die aus dem Gesetz, sondern die durch den Glauben an Christum ist - die Gerechtigkeit, welche aus Gott ist, durch den Glauben; um Ihn zu kennen, und die Kraft Seiner Auferstehung und die Gemeinschaft Seiner Leiden, indem ich Seinem Tode gleichgestaltet werde; ob ich auf irgend eine Weise zur Auferstehung aus den Toten hingelangen möge. Nicht daß ich es schon ergriffen habe, oder schon vollendet sei; ich strebe aber darnach, ob ich es auch ergreifen möge, wozu ich auch von Christo Jesu ergriffen bin. Brüder! ich halte mich selbst nicht dafür, es ergriffen zu haben; eins aber tue ich: Das, was hinter mir liegt, vergessend, und nach Dem, was vor mir liegt, mich ausstreckend, strebe ich, das vorgesteckte Ziel immer anschauend, hin zu dem Kampfpreis der Berufung Gottes nach oben in Christo Jesu. So Viele nun vollkommen sind, - laßt uns also gesinnet sein; und wenn ihr etwas anders gesinnt seid, so wird euch Gott auch dieses offenbaren. Doch wohin wir gelangt sind, laßt uns nach derselben Regel wandeln, gleich gesinnet sein. Werdet zusammen meine Nachfolger, Brüder, und sehet auf Die, welche so wandeln, wie ihr uns zum Vorbilde habt. Denn Viele wandeln, von denen ich euch öfters gesprochen habe, aber nun auch weinend spreche, daß sie die Feinde des Kreuzes Christi sind, deren Ende Verderben, deren Gott der Bauch, und die Ehre in ihrer Schande ist, die nach dem Irdischen trachten. Denn unser Wandel ist in den Himmeln, woher wir auch als Heiland den Herrn Jesum Christum erwarten, der den Leib unserer Niedrigkeit umgestalten wird, daß er dem Leibe Seiner Herrlichkeit gleichförmig sei, nach der Wirkung, womit Er vermag, auch alle Dinge Sich untertänig zu machen.


4.


So denn, meine geliebten und ersehnten Brüder, meine Freude und Krone, stehet also fest im Herrn, Geliebte. Die Evodia ermahne ich, und die Syntyche ermahne ich, gleichgesinnt zu sein im Herrn. Und auch dich bitte ich, mein treuer Mitknecht, hilf diesen Frauen, die in dem Evangelium mit mir gekämpft haben, und mit Clemens und mit meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens sind. Freuet euch in dem Herrn allezeit; wiederum sage ich: Freuet euch! Eure Billigkeit laßt allen Menschen kund werden; der Herr ist nahe! Sorget um nichts; sondern in Allem lasset durch Gebet und Flehen mit Danksagung euer Begehren vor Gott kund werden; und der Friede Gottes, der jede Vernunft übersteigt, wird eure Herzen und eure Sinne in Christo Jesu bewahren. Im Übrigen, Brüder, Alles, was wahrhaftig, was würdig, was gerecht, was keusch, was liebreich, was wohllautend ist; - ist es eine Tugend, ist es ein Lob, - dieses erwäget. Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört, und an mir gesehen habt, dieses tut, und der Gott des Friedens wird mit euch sein. Ich habe mich aber sehr gefreut in dem Herrn, daß ihr einmal wieder aufgelebt seid, an mich zu denken; wiewohl ihr auch früher meiner gedachtet, aber keine Gelegenheit hattet. Ich sage das nicht in Betreff des Mangels, denn ich habe gelernt, worin ich bin, mich zu begnügen. Ich weiß niedrig zu sein, ich weiß auch Überfluß zu haben; in Jedem und in Allem bin ich unterwiesen; sowohl gesättigt zu sein, als Hunger zu leiden, sowohl Überfluß, als Mangel zu haben; - Alles vermag ich in Dem, der mich kräftigt. Doch habt ihr wohlgetan, daß ihr an meiner Trübsal Teil genommen habt. Ihr wißt aber auch, ihr Philipper, daß zu Anfang des Evangeliums, als ich von Macedonien wegging, mir keine Versammlung mitgeteilt hat, in Betreff des Gebens und des Empfangens, als ihr allein. Denn auch in Thessalonich habt ihr einmal und abermal etwas zu meiner Notdurft geschickt. Nicht daß ich die Gabe suche, sondern ich suche, daß die Frucht reichlich sei, die euch zugerechnet werde. Ich aber habe Alles in der Fülle, und habe Überfluß; ich bin erfüllt, indem ich von Epaphroditus das, was von euch gesandt ist, empfangen habe, ein duftender Wohlgeruch, ein angenehmes Opfer, Gott wohlgefällig. Mein Gott aber wird alle eure Notdurft nach Seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christo Jesu erfüllen. Unserm Gott und Vater aber sei die Herrlichkeit in die Zeitalter der Zeitalter! Amen. Grüßet jeden Heiligen in Christo Jesu. Es grüßen euch die Brüder, die bei mir sind. Es grüßen euch die Heiligen alle, besonders die aus des Kaisers Hause. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch Allen! Amen.



Die Epistel des Apostels Paulus an die Colosser.


1.


Paulus, Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, und der Bruder Timotheus, den heiligen und treuen Brüdern in Christo, welche in Colssä sind: Gnade euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo! Wir danken dem Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, allezeit für euch betend, nachdem wir gehört haben von eurem Glauben in Christo Jesu, und der Liebe, die ihr zu allen Heiligen habt, wegen der Hoffnung, welche für euch in den Himmeln aufbewahrt ist, wovon ihr zuvor in dem Worte der Wahrheit des Evangeliums gehört habt, welches zu euch gekommen ist, gleichwie auch in die ganze Welt, und fruchtbringend und wachsend ist, wie auch in euch von dem Tage an, da ihr die Gnade Gottes in Wahrheit gehört und erkannt habt; so wie ihr auch von Epaphras, unserm geliebten Mitknecht, gelernt, welcher ein getreuer Diener des Christus für euch ist, welcher uns auch eure Liebe im Geiste kund getan hat. Deshalb hören auch wir von dem Tage an, da wir es gehört haben, nicht auf, für euch zu beten und zu bitten, daß ihr mit der Erkenntnis Seines Willens in aller Weisheit und geistlichem Verständnis erfüllt sein möget, um des Herrn würdig zu allem Wohlgefallen zu wandeln, in allem guten Werke fruchtbringend und wachsend durch die Erkenntnis Gottes, gekräftigt mit aller Kraft nach der Stärke Seiner Herrlichkeit zu allem Ausharren und aller Langmut mit Freuden, danksagend dem Vater, der uns zu dem Anteil des Erbes der Heiligen in dem Lichte fähig gemacht hat, der uns aus der Gewalt der Finsternis errettet, und in das Reich des Sohnes Seiner Liebe versetzt hat, in welchem wir die Erlösung haben, - die Vergebung der Sünden; welcher das Bild des unsichtbaren Gottes ist, Erstgeborner aller Schöpfung. Denn durch Ihn sind alle Dinge geschaffen, die in den Himmeln und die auf der Erde sind, die sichtbaren und die unsichtbaren; es seien Throne oder Herrschaften oder Fürstentümer oder Gewalten; - alle Dinge sind durch Ihn und für Ihn geschaffen. Und Er ist vor allen, und alle Dinge bestehen durch Ihn. Und Er ist das Haupt des Leibes, der Versammlung, welcher ist der Anfang, der Erstgeborne aus den Toten, auf daß Er unter allen Dingen den Vorgang habe. Denn es war das Wohlgefallen der ganzen Fülle, in Ihm zu wohnen, und durch Ihn alle Dinge mit Sich zu versöhnen, - da Er durch das Blut Seines Kreuzes Frieden gemacht hat, - durch Ihn, es seien die Dinge auf der Erde, oder die Dinge in den Himmeln. Auch euch, die ihr einst entfremdet und Feinde nach der Gesinnung in den bösen Werken waret, hat Er aber nun versöhnt in dem Leibe Seines Fleisches durch den Tod, um euch heilig und untadelig und unsträflich vor Sich hinzustellen, wenn ihr anders in dem Glauben gegründet und fest bleibet, und von der Hoffnung des Evangeliums nicht abbewegt werdet, welches ihr gehört habt, und welches in der ganzen Schöpfung unter dem Himmel gepredigt worden ist, von welchem ich, Paulus, ein Diener geworden bin. Jetzt freue ich mich in den Leiden für euch, und erfülle meinerseits in meinem Fleische, was von den Trübsalen des Christus für Seinen Leib, das ist die Versammlung, noch rückständig ist; welcher Diener ich geworden bin, nach der Verwaltung Gottes, welche mir an euch, um das Wort Gottes zu vollenden, gegeben ist, nämlich das Geheimnis, welches von den Zeitaltern und von den Geschlechtern her verborgen war, jetzt aber Seinen Heiligen offenbart worden ist; denen Gott hat kund machen wollen, welcher der Reichtum der Herrlichkeit dieses Geheimnisses unter den Nationen ist, welches ist Christus in euch, die Hoffnung der Herrlichkeit; den wir verkündigen, ermahnend jeden Menschen, und lehrend jeden Menschen in aller Weisheit, auf daß wir jeden Menschen vollkommen in Christo darstellen; wozu ich mich auch bemühe, und kämpfend ringe nach Seiner Wirkung, welche in mir mit Kraft wirkt.


2.


Denn ich will, daß ihr wißt, welch einen Kampf ich für euch und Die zu Laodicäa habe, und so Viele mein Angesicht im Fleische nicht gesehen haben; auf daß ihre Herzen getröstet seien, zusammen befestigt in Liebe, sogar bis zu allem Reichtum der vollen Gewißheit des Verständnisses, zur Erkenntnis des Geheimnisses Gottes, in welchem alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind. Dieses sage ich aber, auf daß euch Niemand durch falsche Schlüsse mit einnehmender Rede verführe. Denn wenn ich auch dem Fleische nach abwesend bin, so bin ich doch im Geiste bei euch, mich erfreuend, und eure Ordnung und die Festigkeit eures Glaubens an Christum sehend. Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in Ihm, eingewurzelt und auferbauet in Ihm, und befestigt in dem Glauben, wie ihr gelehrt worden, reich seiend in demselben mit Danksagung. Sehet zu, daß euch Niemand zur Beute mache durch die Philosophie und eitlen Betrug, nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt, und nicht nach Christo. Denn in Ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig. Und ihr seid in Ihm vollendet, welcher das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt ist, in welchem ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung, nicht mit Händen geschehen, durch die Ausziehung des Leibes des Fleisches, durch die Beschneidung des Christus, mit Ihm begraben in der Taufe; in welchem ihr auch mit auferweckt worden seid durch den Glauben an die Wirkung Gottes, der Ihn aus den Toten auferweckt hat. Auch euch, als ihr in den Vergehungen und in der Vorhaut eures Fleisches tot waret, euch hat Er mit lebendig gemacht, mit Ihm, und hat euch alle Vergehungen vergeben, und die uns entgegen stehende Handschrift in Satzungen, welche wider uns war, austilgend, nahm Er sie aus der Mitte, da Er sie an das Kreuz nagelte; und als Er die Fürstentümer und die Gewaltigen ausgezogen hatte, stellte Er sie öffentlich zur Schau, da Er an demselben über sie einen Triumph hielt. Daß euch denn Niemand über Speise oder Trank, oder in Betreff eines Festes, oder Neumondes oder der Sabbathe richte, welches Schatten der zukünftigen Dinge sind; der Körper aber ist Christi. Niemand bringe euch um den Kampfpreis, eigenwillig in Niedriggesinntheit und Dienst der Engel, in Dinge eintretend, welche er nicht gesehen hat, von dem Sinne seines Fleisches eitler Weise aufgeblasen, und nicht festhaltend das Haupt, von welchem der ganze Leib, durch die Gelenke und Bande Darreichung empfangend und zusammengefügt, das Wachstum Gottes wächst. Wenn ihr mit Christo den Elementen der Welt abgestorben seid, - was unterwerft ihr euch den Satzungen, als wäret ihr noch am Leben in der Welt? - ("Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht, Dinge, welche alle durch den Gebrauch zu verderben sind") - nach den Geboten und Lehren der Menschen, welche zwar einen Schein der

Weisheit haben, in eigenwilligem Dienst, und in Niedriggesinntheit, und im Nichtverschonen des Leibes, und nicht in irgend welcher Ehre zur Befriedigung des Fleisches.


3.


Wenn ihr denn mit dem Christus auferweckt seid, so suchet, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach Dem, was droben ist, nicht nach Dem, was auf der Erde ist. Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit dem Christus in Gott verborgen. Wann der Christus, unser Leben, offenbart sein wird, dann werdet auch ihr mit Ihm in Herrlichkeit offenbart werden. So tötet denn eure Glieder, die auf der Erde sind: Hurerei, Unreinigkeit, Leidenschaft, böse Lust, und den Geiz, welcher Götzendienst ist, um welcher willen der Zorn Gottes über die Söhne des Ungehorsams kommt; in welchen auch ihr einst gewandelt habt, als ihr darinnen lebtet. Aber jetzt legt auch ihr das Alles ab: Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, Schandreden aus eurem Munde. Belüget euch einander nicht, indem ihr den alten Menschen mit seinen Handlungen ausgezogen und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis nach dem Bilde Dessen, der ihn geschaffen hat, wo nicht ist Grieche und Jude, Beschneidung und Vorhaut, Barbar, Scythe, Sklave, Freier, sondern Alles und in Allen - Christus. Ziehet denn an, als Auserwählte Gottes, Heilige und Geliebte, - herzliches Erbarmen, Güte, Niedriggesinntheit, Milde, Langmut, einander vertragend und einander vergebend, wenn Einer wider den Andern Klage hat; wie auch der Christus euch vergeben hat, also auch ihr; - zu diesem Allem aber die Liebe, welche das Band der Vollkommenheit ist. Und der Friede des Christus herrsche in euren Herzen, wozu ihr auch in Einem Leibe berufen seid - und seid dankbar. Das Wort des Christus wohne in euch reichlich in aller Weisheit; euch lehrend und ermahnend mit Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern, Gott singend in euren Herzen mit Gnade. Und Alles, was ihr irgend tut, in Wort oder im Werk, Alles tut im Namen des Herrn Jesu, danksagend dem Gott und Vater durch Ihn. Ihr Weiber, seid euren Männern unterworfen, wie es ziemt, im Herrn. Ihr Männer, liebt eure Weiber und seid nicht bitter gegen sie. Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in Allem, denn dies ist wohlgefällig in dem Herrn. Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht, daß sie nicht mutlos werden. Ihr Knechte, gehorcht in Allem Denen, die eure Herren nach dem Fleische sind, nicht in Augendienst als menschengefällig, sondern in Einfalt des Herzens, den Herrn fürchtend. Und Alles, was ihr irgend tut, arbeitet von Herzen, als dem Herrn und nicht den Menschen, wissend, daß ihr vom Herrn die Vergeltung des Erbes empfangen werdet, denn ihr dienet dem Herrn Christo. Wer aber Unrecht tut, wird empfangen das Unrecht, das er getan hat, und da ist kein Ansehen der Person.


4.


Ihr Herren, das Recht und die Gleichheit gewährt euren Knechten, wissend, daß auch ihr einen Herrn in den Himmeln habt. Beharret im Gebet, darin mit Danksagung wachend. Betet auch zugleich für uns, daß Gott uns eine Tür des Wortes auftue, um das Geheimnis des Christus zu reden, um welches willen ich auch gebunden bin, damit ich es offenbare, wie ich reden soll. Wandelt in Weisheit gegen Die, welche draußen sind, die Gelegenheit benutzend. Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt, um zu wissen, wie ihr einem Jeden antworten sollt. Was mich betrifft, wird euch Alles Tychikus, der geliebte Bruder und treue Diener und Mitknecht in dem Herrn, kund tun; welchen ich eben hierzu zu euch geschickt habe, daß er eure Umstände wisse, und daß er eure Herzen tröste, mit Onesimus, dem treuen und geliebten Bruder, welcher von euch ist; - sie werden euch Alles kund tun, wie es hier ist. Es grüßt euch Aristarchus, mein Mitgefangener, und Markus, der Neffe des Barnabas, in Betreff dessen ihr Befehle erhalten habt; (wenn er zu euch kommt, nehmt ihn auf) und Jesus, genannt Justus, welche aus der Beschneidung sind. Diese allein sind meine Mitarbeiter am Reiche Gottes, welche mir zum Troste gewesen sind. Es grüßen euch Epaphras, der von euch ist, ein Knecht Christi, allezeit ringend für euch in Gebeten, auf daß ihr stehet vollkommen und vollendet in allem Willen Gottes. Denn ich gebe ihm Zeugnis, daß er große Mühe um euch, und um die zu Laodicäa, und um die zu Hierapolis hat. Es grüßet euch Lucas, der geliebte Arzt, und Demas. Grüßet die Brüder zu Laodicäa, und Nymphas, und die Versammlung in seinem Hause. Und wenn der Brief bei euch gelesen ist, so macht, daß er auch in der Versammlung der Laodicäer gelesen werde, und daß auch ihr den aus Laodicäa leset; und saget dem Archippus: Siehe auf den Dienst, den du im Herrn empfangen hast, daß du ihn erfüllest! - Der Gruß mit meiner, des Paulus, Hand. Gedenket meiner Bande. Die Gnade mit euch!



Die erste Epistel des Apostels Paulus an die Thessalonicher.


1.


Paulus und Silvanus und Timotheus der Versammlung der Thessalonicher in Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesu Christo: Gnade euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo! Wir danken Gott allezeit für euch Alle, indem wir eurer in unsern Gebeten erwähnen, unaufhörlich gedenkend eures Werks des Glaubens, und eurer Bemühung der Liebe, und eures Ausharrens der Hoffnung unsers Herrn Jesu Christi, vor unserm Gott und Vater, wissend, von Gott geliebte Brüder, eure Auserwählung. Denn unser Evangelium kam nicht allein im Wort zu euch, sondern auch in Kraft und in dem Heiligen Geist, und in großer Gewißheit, wie ihr wißt, was wir um euretwillen unter euch waren, und ihr seid unsere Nachahmer geworden, und des Herrn, indem ihr das Wort in vieler Bedrängnis mit Freude des Heiligen Geistes empfangen habt, so daß ihr allen den Gläubigen in Macedonien und Achaja Vorbilder geworden seid. Denn von euch ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Macedonien und Achaja, sondern euer Glaube an Gott ist auch in jedem Ort ausgebreitet worden, so daß wir nicht nötig haben, etwas zu sagen. Denn sie selbst verkündigen von uns, welchen Eingang wir zu euch hatten, und wie ihr euch von den Götzenbildern zu Gott bekehrt habt, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott, und Seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, welchen Er aus den Toten auferweckt hat, - Jesum, der uns von dem kommenden Zorn errettet.


2.


Denn ihr selbst wißt, Brüder, unsern Eingang zu euch, daß er nicht erfolglos war, sondern wir waren, da wir zu Philippi, wie ihr wißt, zuvor gelitten hatten, und geschmäht worden waren, voll Mut in unserm Gott, zu euch das Evangelium Gottes mit großem Kampf zu reden. Denn unsere Ermahnung war weder aus Irrtum, noch aus Unreinigkeit, noch in Betrug, sondern wie wir von Gott bewährt sind, mit dem Evangelium betraut zu werden, also reden wir, nicht als den Menschen, sondern Gott zu gefallen, der unsere Herzen prüft. Denn nie sind wir, wie ihr wißt, weder mit einschmeichelnden Worten, noch mit Vorwand des Geizes umgegangen, - Gott ist Zeuge. - Auch suchten wir nicht Ehre von Menschen, weder von euch, noch von Andern, wiewohl wir als Christi Apostel euch zur Last sein konnten. Wir sind aber in eurer Mitte zart gewesen, wie eine nährende Mutter ihre eigenen Kinder pflegt. Weil wir also zu euch ein sehnliches Verlangen haben, gefiel es uns wohl, euch nicht allein das Evangelium Gottes, sondern auch, weil ihr uns lieb waret, unser eigenes Leben mitzuteilen. Denn, Brüder, ihr erinnert euch unserer Mühe und Beschwerde; Nacht und Tag arbeitend, um Niemandem unter euch lästig zu werden, haben wir euch das Evangelium Gottes verkündigt. Ihr seid Zeugen und Gott, wie göttlich und gerecht und untadelig wir gegen euch, die Glaubenden waren, wie ihr wißt, in welcher Weise wir einen Jeglichen unter euch, wie ein Vater seine eigenen Kinder, ermahnet und getröstet und bezeugt haben, daß ihr würdig wandeltet des Gottes, der euch zu Seinem eignen Reich und Herrlichkeit beruft. Deshalb danken wir auch Gott unaufhörlich, daß, als ihr von uns das Wort der Kunde Gottes empfinget, ihr es nicht als Menschenwort, sondern (wie es wahrhaftig ist) als Wort Gottes aufnahmet, welches auch in euch, den Glaubenden, wirkt. Denn, Brüder, ihr seid Nachahmer der Versammlungen Gottes geworden, welche in Judäa sind, in Christo Jesu, weil auch ihr dasselbe von euren eigenen Landsleuten erlitten habt, wie auch jene von den Juden, welche sowohl den Herrn Jesum, als auch die Propheten getötet, und uns verfolgt haben, und welche Gott nicht gefallen, und welche allen Menschen entgegen sind, und uns wehren, zu den Nationen zu reden, auf daß sie errettet werden, damit sie ihre Sünden allenthalben erfüllen; - aber der Zorn Gottes ist völlig über sie gekommen. Wir aber, Brüder, da wir eurer für kurze Zeit, dem Angesichte, nicht dem Herzen nach, beraubt sind, haben wir um so mehr Fleiß angewandt, euer Angesicht zu sehen, mit großer Begierde. Darum wollten wir zu euch kommen; (ich, Paulus) ein- und noch ein andermal, und der Satanas hat uns verhindert. Denn wer ist unsere Hoffnung, oder Freude, oder Krone des Ruhms? Nicht auch ihr, vor unserm Herrn Jesu Christo bei Seiner Ankunft? Denn ihr seid unsere Herrlichkeit und unsere Freude.


3.


Deswegen, es nicht länger aushaltend, gefiel es uns, zu Athen allein gelassen zu werden, und haben Timotheus, unsern Bruder, und Gottes Diener, und unsern Mitarbeiter in dem Evangelium des Christus, gesandt, um euch in Betreff eures Glaubens zu befestigen und zu trösten, auf daß Niemand in diesen Trübsalen wankend werde; denn ihr selbst wißt, daß wir dazu gesetzt sind. Denn als wir bei euch waren, sagten wir es euch auch zuvor, daß wir Trübsale habe würden, wie es auch geschehen ist und ihr wisset. Deswegen auch, da ich es nicht mehr aushalten konnte, sandte ich, um euren Glauben zu wissen, ob nicht etwa der Versucher euch versucht habe, und unsere Mühe erfolglos gewesen sei. Da aber jetzt Timotheus von euch zu uns gekommen ist, und uns die gute Botschaft von eurem Glauben und eurer Liebe verkündigt hat, und daß ihr uns allezeit in gutem Andenken habt, sehr verlangend, uns zu sehen, wie wir auch euch; deswegen, Brüder, sind wir über euch in all unserer Trübsal und Not durch euren Glabuen getröstet. Denn jetzt leben wir, wenn ihr im Herrn feststehet. Denn was für Dank können wir Gott für euch vergelten über all der Freude, womit wir uns euretwegen vor unserm Gott freuen? Nacht und Tag über die Maßen flehend, euer Angesicht zu sehen, und, was noch an eurem Glauben fehlt, zu vollenden. Unser Gott und Vater selbst aber, und unser Herr Jesus Christus bahne unsern Weg zu euch! Euch aber mache der Herr völlig und überströmend in der Liebe zu einander und zu Allen (gleichwie auch wir zu euch), um eure Herzen tadellos in Heiligkeit zu befestigen vor unserm Gott und Vater, in der Ankunft unsers Herrn Jesu Christi mit allen Seinen Heiligen.


4.


Übrigens denn, Brüder, bitten und ermahnen wir euch im Herrn Jesu, wie ihr von uns empfangen habt, in welcher Weise ihr wandeln und Gott gefallen sollt, daß ihr darin immer reichlicher zunehmet. Denn ihr wißt, welche Gebote wir euch durch den Herrn Jesum gegeben haben. Denn dies ist der Wille Gottes, eure Heiligkeit, daß ihr euch von der Hurerei enthaltet, daß Jeglicher von euch sein eigenes Gefäß in Heiligkeit und Ehrbarkeit zu besitzen wisse; nicht in Leidenschaft der Lust, wie auch die von den Nationen, die Gott nicht kennen; daß er seinen Bruder in der Sache nicht übersehe noch hintergehe, weil der Herr Rächer über dies Alles ist, wie wir euch auch zuvor gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht zur Unreinigkeit, sondern zur Heiligkeit berufen. So denn, welcher verachtet, der verachtet nicht einen Menschen, sondern Gott, der auch Seinen Heiligen Geist uns gegeben hat. Was die Bruderliebe betrifft, habt ihr nicht nötig, daß man euch schreibe; denn ihr seid selbst von Gott gelehrt, euch einander zu lieben; denn ihr tut es auch gegen alle die Brüder, welche in ganz Macedonien sind. Wir ermahnen euch aber, Brüder, immer reichlicher zuzunehmen; und daß ihr euch befleißiget, stille zu sein, und eure eigenen Geschäfte zu tun, und mit euren eigenen Händen zu arbeiten, wie wir euch befohlen haben, auf daß ihr ehrbarlich gegen die wandelt, welche draußen sind, und nichts bedürfet. Wir wollen aber nicht, Brüder, daß ihr, was die Entschlafenen betrifft, unwissend seid, auf daß ihr euch nicht betrübt, wie auch die Übrigen, welche keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, daß Jesus gestorben und auferstanden ist, also wird auch Gott die Entschlafenen durch Jesum mit Ihm bringen. Denn dies sagen wir euch im Worte des Herrn, daß wir, die Lebenden, die bis zur Ankunft des Herrn übrig bleiben, den Entschlafenen nicht zuvor kommen werden. Denn der Herr Selbst wird mit gebietendem Zuruf, mit der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes vom Himmel herabsteigen; und die Toten in Christo werden zuerst auferstehen. Darnach werden wir, die übrig gebliebenen Lebenden, zugleich mit ihnen in den Wolken dem Herrn entgegen gerückt werden in die Luft, und also allezeit bei dem Herrn sein. - So ermuntert nun einander mit diesen Worten.


5.


Was aber, Brüder, Zeit und Zeiten betrifft, so habt ihr nicht nötig, daß man euch schreibe. Denn ihr selbst wißt genau, daß der Tag des Herrn also kommt wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen werden: Friede und Sicherheit! - dann kommt ein plötzliches Verderben auf sie, wie die Geburtswehe auf die Schwangere, und sie werden nicht entfliehen. Ihr aber, Brüder, seid nicht in Finsternis, daß euch der Tag wie ein Dieb ergreife; denn ihr seid Alle Söhne des Lichts und Söhne des Tages; wir sind nicht von der Nacht, noch von der Finsternis. So laßt uns denn nicht schlafen, wie auch die Übrigen, sondern wachen und nüchtern sein. Denn die, welche schlafen, schlafen des Nachts, und die, welche trunken sind, sind des Nachts trunken. Wir aber, die von dem Tage sind, laßt uns nüchtern sein, angetan mit dem Brustharnisch des Glaubens und der Liebe und mit dem Helm der Hoffnung der Seligkeit. Denn Gott hat uns nicht zum Zorn gestellt, sondern zur Erlangung der Seligkeit, durch unsern Herrn Jesum Christum, der für uns gestorben ist, auf daß wir, sei es, daß wir wachen oder schlafen, zusammen mit Ihm leben. Deshalb ermuntert einander und ein Jeder erbaue den Andern, wie ihr auch tut. Wir bitten euch aber, Brüder, daß ihr die kennet, die sich unter euch bemühen und euch im Herrn vorstehen und euch ermahnen; und daß ihr sie über die Maßen in Liebe, um ihres Werks willen, achtet, und unter einander in Frieden seid. Wir ermahnen euch aber, Brüder: Warnet die Unordentlichen, tröstet die Kleinmütigen, nehmt euch der Schwachen an, seid langmütig gegen Alle. Sehet zu, daß Niemand Böses mit Bösem Jemandem vergelte, sondern strebet allezeit für einander und für Alle dem Guten nach. Freuet euch allezeit. Betet unaufhörlich. In Allem danksaget; denn dieses ist der Wille Gottes in Christo Jesu an euch. Den Geist dämpfet nicht. Weissagungen verachtet nicht. Prüfet aber Alles, das Gute haltet fest. Haltet euch fern von aller Art des Bösen. Er Selbst aber, der Gott des Friedens, heilige euch vollkommen, und euer Geist und Seele und Leib werde ganz und gar untadelig bewahrt bei der Ankunft unsers Herrn Jesu Christi. Treu ist Er, der euch ruft; der wird es auch tun. Brüder, betet für uns. Grüßet alle die Brüder mit heiligem Kuß. Ich beschwöre euch beim Herrn, daß der Brief vor allen heiligen Brüdern gelesen werde. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi sei mit euch!



Die zweite Epistel des Apostels Paulus an die Thessalonicher.


1.


Paulus und Silvanus und Timotheus der Versammlung der Thessalonicher in Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo: Gnade euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo. Wir sind schuldig, Brüder, Gott allezeit für euch zu danken, wie es sich geziemt; weil euer Glaube sehr wächst, und die Liebe eines Jeglichen von euch Allen zueinander überströmend ist, so daß wir selbst uns eurer rühmen in den Versammlungen Gottes, wegen eures Ausharrens und eures Glaubens in allen euren Verfolgungen und Trübsalen, welche ihr erduldet; ein Beweis des gerechten Gerichts Gottes, daß ihr des Reiches Gottes würdig geachtet werdet, für welches ihr auch leidet; sintemal es bei Gott gerecht ist, Drangsal Denen zu vergelten, die euch bedrängen, und euch, die ihr bedrängt werdet, - Ruhe mit uns in der Offenbarung des Herrn Jesu vom Himmel mit den Engeln Seiner Macht, in einer Feuerflamme, um Denen Vergeltung zu geben, die Gott nicht kennen, und Denen, die nicht dem Evangelium unsers Herrn Jesu Christi gehorchen; welche Strafe leiden werden, ewiges Verderben von dem Angesicht des Herrn und von der Herrlichkeit Seiner Stärke; wenn Er kommen wird, verherrlicht zu werden in Seinen Heiligen, und bewundert in allen Denen, die geglaubt haben - (denn unser Zeugnis bei euch ist geglaubt worden) - an jenem Tage. Weshalb wir auch allezeit für euch beten, daß unser Gott euch der Berufung würdig achten, und alles Wohlgefallen der Gütigkeit und das Werk des Glaubens in Macht erfüllen möge, daß der Name unsers Herrn Jesu Christi in euch verherrlicht werde, und ihr in Ihm, nach der Gnade unsers Gottes und Herrn Jesu Christi.


2.


Wir bitten euch aber, Brüder, um der Ankunft unsers Herrn Jesu Christi willen, und unserer Versammlung zu Ihm, daß ihr nicht schnell in eurer Gesinnung erschüttert noch bestürzt werdet, weder durch Geist, noch durch Wort, noch durch Brief als von uns, ob der Tag des Herrn da sei. Lasset euch von Niemandem auf irgend eine Weise verführen, weil er nicht kommt, es sei denn, daß zuerst der Abfall komme, und der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens, offenbart sei, welcher widersteht, und sich selbst über Alles, was Gott heißt, oder ein Gegenstand der Verehrung ist, erhöht, so daß er sich in den Tempel Gottes setzt, und sich selber darstellt, als sei er Gott. Erinnert ihr euch nicht, daß ich dies zu euch sagte, als ich noch bei euch war? Und nun, was zurückhält, wisset ihr, daß er zu seiner Zeit offenbart werde. Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur ist jetzt der, welcher zurückhält, vorhanden, bis er aus dem Wege ist; und dann wird der Gesetzlose offenbart werden, welchen der Herr Jesus mit dem Hauch Seines Mundes verzehren, und durch die Erscheinung Seiner Ankunft vernichten wird; ihn, dessen Ankunft nach der Wirkung des Satans ist, in aller Kraft und Zeichen und Wundern der Lüge und in allem Betrug der Ungerechtigkeit in Denen, die verloren gehen; weil sie die Liebe der Wahrheit nicht angenommen haben, damit sie errettet würden. Und deshalb wird ihnen Gott die Wirkung des Irrtums schicken, daß sie der Lüge glauben, auf daß Alle, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen an der Ungerechtigkeit gefunden haben, gerichtet werden. Wir aber sind schuldig, Gott allezeit für euch, vom Herrn geliebte Brüder, zu danken, weil Gott euch von Anfang zur Seligkeit erwählt hat, in Heiligkeit des Geistes und im Glauben an die Wahrheit, wozu Er euch durch unser Evangelium berufen hat, zur Erlangung der Herrlichkeit unsers Herrn Jesu Christi. - So stehet denn nun fest, Brüder, und haltet die Überlieferungen, worin ihr entweder durch Wort, oder durch Brief von uns belehrt worden seid. Unser Herr Jesus Christus Selbst aber, und unser Gott und Vater, der uns geliebt, und ewigen Trost und gute Hoffnung durch die Gnade gegeben hat, tröste eure Herzen, und befestige euch in allem guten Wort und Werke.


3.


Übrigens, Brüder, betet für uns, auf daß das Wort des Herrn laufe und verherrlicht werde, wie auch bei euch; und daß wir von den unvernünftigen und bösen Leuten errettet werden; denn der Glaube ist nicht Aller Sache. Der Herr aber ist treu, welcher euch befestigen und vor dem Bösen bewahren wird. Wir vertrauen euch aber im Herrn, daß ihr, was wir euch befehlen, tut und tun werdet. Der Herr aber richte eure Herzen zu der Liebe Gottes, und zu dem Ausharren des Christus! - Wir befehlen euch aber, Brüder, im Namen unsers Herrn Jesu Christi, daß ihr euch von jedem Bruder entziehet, der unordentlich wandelt, und nicht nach der Überlieferung, die er von uns empfangen hat. Denn ihr selbst wißt, wie man uns nachahmen soll; denn wir haben nicht unordentlich unter euch gewandelt, noch haben wir das Brot von Jemandem umsonst gegessen, sondern mit Mühe und Arbeit Nacht und Tag arbeitend, um nicht einem von euch beschwerlich zu fallen. Nicht daß wir dazu kein Recht hätten, sondern auf daß wir uns selbst euch zum Muster gäben, um uns nachzuahmen. Denn auch, als wir bei euch waren, befahlen wir euch dieses: daß, wenn Jemand nicht arbeiten will, er auch nicht esse. Denn wir hören, daß Etliche unter euch unordentlich wandeln, indem sie nichts arbeiten, sondern fremde Dinge treiben. Solchen aber gebieten wir, und ermahnen sie durch unsern Herrn Jesum Christum, daß sie, in der Stille arbeitend, ihr eigenes Brot essen. Ihr aber, Brüder, ermattet nicht im Gutestun. Wenn aber Jemand unserm Worte durch den Brief nicht gehorcht, diesen zeichnet an, und habt keinen Umgang mit ihm, auf daß er beschämt werde, und haltet ihn nicht als Feind, sondern ermahnet ihn als Bruder. Er Selbst aber, der Herr des Friedens, gebe euch den Frieden immerdar auf allerlei Weise. Der Herr sei mit euch Allen! Der Gruß mit meiner, des Paulus Hand, welches das Zeichen in jedem Briefe ist; - also schreibe ich. - Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi mit euch Allen! Amen.



Die erste Epistel des Apostels Paulus an Timotheus.


1.


Paulus, Apostel Jesu Christi nach Befehl Gottes, unsers Heilandes, und Christi Jesu, unserer Hoffnung, - dem Timotheus, meinem echten Kinde im Glauben: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, unserm Vater, und Christo Jesu, unserm Herrn. So wie ich dich, als ich nach Macedonien reiste, bat, in Ephesus zu bleiben, auf daß du Etlichen gebötest, nicht fremde Lehren zu lehren, noch mit Fabeln und endlosen Geschlechtsregistern sich abzugeben, welche mehr Streitfragen hervorbringen, als Erbauung Gottes, die durch den Glauben ist. (Das Endziel aber des Gebotes ist: Liebe aus reinem Herzen, und gutem Gewissen, und ungeheucheltem Glauben; von welchem Etliche abgewichen sind, und sich zu eitlem Geschwätz gewandt haben; welche Gesetzlehrer sein wollen, und nicht verstehen, weder was sie sagen, noch worüber sie etwas behaupten. Wir wissen aber, daß das Gesetz gut ist, wenn es Jemand gesetzmäßig gebraucht; dieses wissend, daß für den Gerechten Gesetz nicht gestellt ist, sondern für Gesetzlose und Zügellose, für Gottlose und Sünder, für Heillose und Ruchlose, Vatermörder und Muttermörder, Menschenmörder, Hurer, Knabenschänder, Menschenräuber, Lügner, Meineidige, und wenn etwas anders der gesunden Lehre zuwider ist, nach dem Evangelium der Herrlichkeit des seligen Gottes, womit ich betraut bin. Und ich danke Christo Jesu, unserm Herrn, der mich tüchtig gemacht hat, weil Er mich treu achtete, und mich in den Dienst stellte, - mich, der ich früher ein Lästerer und Verfolger und Schmäher war; aber ich habe Barmherzigkeit empfangen, weil ich es unwissend in Unglauben tat. Über die Maßen aber ist die Gnade unsers Herrn mit Glauben und Liebe, welche in Christo Jesu ist, überströmend geworden. Das Wort ist treu, und aller Annahme wert, daß Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu retten, von welchen ich der vornehmste bin. Deswegen aber habe ich Barmherzigkeit empfangen, auf daß an mir zuerst Jesus Christus die ganze Langmut erzeige, um ein Exempel Denen darzustellen, die an Ihn zum ewigen Leben glauben würden. Dem Könige aber der Zeitalter, dem unverweslichen, unsichtbaren, einigen Gott - Ehre und Herrlichkeit in die Zeitalter der Zeitalter! Amen.) Dieses Gebot vertraue ich dir, mein Kind Timotheus, nach den Weissagungen, die vorher über dich ergangen sind, auf daß du durch dieselben den guten Kampf kämpfest, indem du den Glauben und ein gutes Gewissen bewahrest, welches Etliche von sich gestoßen und, was den Glauben betrifft, Schiffbruch gelitten haben, unter welchen Hymenäus und Alexander sind, die ich dem Satan überliefert habe, auf daß sie zurecht gewiesen würden, um nicht zu lästern.


2.


Ich ermahne nun vor allen Dingen, daß Flehen, Gebete, Fürbitten, Danksagungen für alle Menschen getan werden, für Könige und alle Hochgestellte, auf daß wir ein stilles und ruhiges Leben in aller Gottseligkeit und Ehrbarkeit führen mögen. Denn dies ist gut und angenehm vor unserm Heilande Gott, welcher will, daß alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Denn Einer ist Gott, Einer auch der Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, der Sich Selbst als Lösegeld für Alle gegeben hat, ein Zeugnis zu seiner Zeit, wozu ich als Herold und Apostel bestellt worden bin - (ich sage die Wahrheit, ich lüge nicht) - ein Lehrer der Nationen, in Glauben und Wahrheit. Ich will nun, daß die Männer an jedem Orte beten, heilige Hände aufhebend, ohne Zorn und zweifelnde Überlegung. Gleicherweise, daß auch die Weiber in bescheidenem Äußern, mit Schamhaftigkeit und Sittsamkeit sich schmücken, nicht mit Haarflechten, oder Gold, oder Perlen, oder kostbarer Kleidung, sondern, was den Weibern, die sich zur Gottseligkeit bekennen, ziemt - durch gute Werke. Das Weib lerne in der Stille in aller Unterwürfigkeit. Ich erlaube aber einem Weibe nicht, zu lehren, auch nicht den Mann zu beherrschen, sondern stille zu sein. Denn Adam ist zuerst gebildet worden, darnach Eva; und Adam ward nicht betrogen, sondern das Weib ward betrogen, und war in Übertretung. Sie wird aber in Kindesnöten gerettet werden, wenn sie in Glauben und Liebe und Heiligkeit mit Sittsamkeit bleiben.


3.


Das Wort ist treu: Wenn Jemand nach einem Aufseher-Dienst trachtet, so begehrt er ein schönes Werk. Der Aufseher nun muß untadelig sein, Eines Weibes Mann, nüchtern, mäßig, sittsam, gastfrei, lehrfähig; nicht dem Wein ergeben, kein Schläger, sondern milde, verträglich, ohne Geiz; der seinem eigenen Hause wohl vorstehet; der seine Kinder mit allem würdigen Ernst in Unterwürfigkeit hält, - (wenn aber Jemand seinem eigenen Hause nicht vorzustehen weiß, wie wird er Gottes Versammlung besorgen?) - nicht ein Neuling, damit er nicht, aufgebläht, in dasselbe Urteil wie der Teufel falle. Er muß aber auch ein gutes Zeugnis von Denen haben, die draußen sind, auf daß er nicht in Schmach verfalle, und in den Fallstrick des Teufels. Gleicherweise die Diener, würdig ernst, nicht doppelzüngig, nicht vielem Wein ergeben, nicht schändlichem Gewinn nachgehend; die das Geheimnis des Glaubens in reinem Gewissen halten. Diese sollen aber auch zuerst geprüft werden; darnach, wenn sie tadellos sind, laß sie dienen. Die Weiber desgleichen würdig ernst, nicht verleumderisch, nüchtern, treu in allen Dingen. Die Diener seien Eines Weibes Mann, die ihren Kindern und ihren eigenen Häusern wohl vorstehen; denn die, welche wohl dienen, erwerben sich eine schöne Stufe, und viele Freimütigkeit im Glauben, der in Christo Jesu ist. - Dies schreibe ich dir in der Hoffnung, bald zu dir zu kommen; wenn ich aber zögere, damit du wissest, wie man in dem Hause Gottes wandeln soll; welches die Versammlung des lebendigen Gottes ist, ein Pfeiler und eine Stütze der Wahrheit. Und unwidersprechlich groß ist das Geheimnis der Gottseligkeit: Gott ist offenbart worden im Fleische, gerechtfertigt im Geiste, gesehen von den Engeln, gepredigt unter den Nationen, geglaubt in der Welt, aufgenommen in Herrlichkeit.


4.


Der Geist aber sagt ausdrücklich, daß in den letzten Zeiten Etliche von dem Glauben abfallen werden, Acht habend auf Geister des Irrtums und Lehren der Teufel, die in Heuchelei Lügen reden und, was ihr eigenes Gewissen betrifft, wie mit einem Brenneisen gehärtet sind, verbietend zu heiraten, und gebietend sich von Speisen zu enthalten, welche Gott für Die, welche glauben und die Wahrheit erkennen, zur Annahme mit Danksagung geschaffen hat. Denn jede Kreatur Gottes ist gut, und nichts ist verwerflich, wenn es mit Danksagung genommen wird; denn es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch Gebet. Wenn du dieses den Brüdern vorstellst, wirst du ein guter Diener Jesu Christi sein, auferzogen durch die Worte des Glaubens und der guten Lehre, in welcher du unterwiesen bist. Die heillosen und altweibischen Fabeln aber weise zurück; übe dich aber zur Gottseligkeit. Denn die leibliche Übung ist zu Wenigem nütze; die Gottseligkeit aber ist zu Allem nütze, weil sie die Verheißung des jetzigen und des zukünftigen Lebens hat. Das Wort ist treu und Aller Annahme wert. Denn hierzu auch bemühen wir uns, und werden geschmäht, weil wir auf den lebendigen Gott hoffen, welcher ein Erhalter aller Menschen, besonders der Gläubigen ist. Dieses gebiete und lehre! Niemand verachte deine Jugend; sondern sei ein Muster der Gläubigen im Wort, im Wandel, in Liebe, im Glauben, in Keuschheit. Bis ich komme, halte an mit Vorlesen, mit Ermahnung, mit Lehren. Vernachlässige nicht die Gnadengabe, welche in dir ist, welche dir durch Weissagung mit Auflegung der Hände der Ältesten gegeben ist. Bedenke Dieses sorgfältig; darin lebe, auf daß deine Fortschritte unter Allen offenbar seien. Achte auf dich selbst, und auf die Lehre; beharre darin. Denn wenn du dieses tust, so wirst du sowohl dich selbst, als Die, welche dich hören, erretten.


5.


Einen ältern Mann strafe nicht, sondern bitte ihn wie einen Vater, jüngere wie Brüder; ältere Frauen wie Mütter, jüngere wie Schwestern, in aller Keuschheit. Ehre die Witwen, welche wirklich Witwen sind. Wenn aber eine Witwe Kinder oder Enkel hat, so laß dieselben zuerst lernen, gegen ihr eigenes Haus fromm zu sein, und den Eltern Gleiches zu vergelten; denn dies ist vor Gott angenehm. Die aber wirklich Witwe und einsam ist, hofft auf Gott, und harret aus mit Flehen und Gebeten Nacht und Tag. Die aber, welche in Wollust lebt, ist lebendig tot. Und dieses gebiete, auf daß sie unsträflich seien. Wenn aber Jemand für seine Angehörigen, und besonders die Hausgenossen, nicht sorgt, der hat den Glauben verleugnet, und ist schlechter, als ein Ungläubiger. Eine Witwe werde angenommen, wenn sie nicht weniger als sechzig Jahre hat, und eines Mannes Weib gewesen ist, ein gutes Zeugnis durch gute Werke hat; wenn sie Kinder auferzogen, wenn sie Fremde beherbergt, wenn sie der Heiligen Füße gewaschen, wenn sie Bedrängten aufgeholfen hat, wenn sie jedem guten Werk gefolgt ist. Jüngere Witwen aber weise ab; denn wenn sie wider Christum üppig geworden sind, so wollen sie heiraten, und fallen dem Urteil anheim, weil sie den ersten Glauben verworfen haben. Zugleich aber lernen sie auch müßig sein, durch die Häuser umher laufend; sie sind aber nicht allein müßig, sondern auch geschwätzig, und gerne mit fremden Dingen umgehend, redend, was nicht taugt. Ich will also, daß jüngere Witwen heiraten, Kinder gebären, Haushaltung führen, und dem Widersacher der Lästerung wegen keinen Anlaß geben, denn schon sind Etliche abgewandt, dem Satan nach. Wenn ein Gläubiger oder eine Gläubige Witwen hat, so helfe er ihnen aus, und die Versammlung werde nicht beschwert, auf daß sie denen aushelfe, die wirklich Witwen sind. Die Ältesten, welche wohl vorstehen, sind doppelter Ehre würdig zu achten, besonders die, welche sich im Wort und in der Lehre bemühen. Denn die Schrift sagt: "Dem dreschenden Ochsen sollst du das Maul nicht verbinden." Und der Arbeiter ist seines Lohnes wert. - Wider einen Ältesten nimm keine Klage an, ausgenommen bei zwei oder drei Zeugen. Die, welche sündigen, überführe vor Allen, damit auch die Übrigen Furcht haben. Ich bezeuge dir vor Gott, und dem Herrn Jesu Christo, und den auserwählten Engeln, daß du diese Dinge beobachtest, ohne Jemanden vorzuziehen, nichts nach Zuneigung tuend. Die Hände lege Niemandem schnell auf, und habe nicht Teil an fremden Sünden! Dich selbst bewahre keusch! - Trinke nicht mehr Wasser, sondern gebrauche ein wenig Wein, um deines Magens und deines häufigen Unwohlseins willen. - Von Etlichen Menschen sind die Sünden offenbar, und gehen voran zum Gericht; Etlichen aber folgen sie auch nach. Gleicherweise sind auch die guten Werke offenbar, und die, welche anders sind, können nicht verborgen bleiben.


6.


Alle, welche Knechte unter dem Joch sind, sollen ihre Herren aller Ehre würdig achten, auf daß nicht der Name Gottes und die Lehre verlästert werde. Lasset aber die, welche gläubige Herren haben, dieselbigen nicht verachten, weil sie Brüder sind, sondern vielmehr dienen, weil sie Gläubige und Geliebte sind, welche die Wohltat empfangen haben. - Dieses lehre und ermahne! Wenn Jemand anders lehret, und den gesunden Worten, die von unserm Herrn Jesu Christo sind, und der Lehre, die nach der Gottseligkeit ist, nicht beitritt, der ist aufgeblasen, und weiß nichts, sondern ist krank an Streitfragen und Wortgezänken, aus welchen entsteht: Neid, Hader, Lästerungen, böser Verdacht, feindliche Reibungen von Menschen, die an Gesinnung verderbt und von der Wahrheit entblößt sind, welche meinen, die Gottseligkeit sei ein Mittel zum Gewinn. Entferne dich von solchen! Die Gottseligkeit aber mit Genügsamkeit ist ein großer Gewinn; denn wir haben Nichts in die Welt hineingebracht, offenbar ist es, daß wir auch Nichts hinausbringen können. Wenn wir aber Nahrung und Kleidung haben, so lasset uns damit begnügen. Die aber reich werden wollen, fallen in Versuchung und Fallstrick, und in viele unvernünftige und schädliche Lüste, welche die Menschen in Verderben und Untergang versenken. Denn die Habsucht ist eine Wurzel alles Bösen, welcher Etliche nachtrachtend, von dem Glauben abgeirrt sind, und sich selbst mit vielen Schmerzen durchbohrt haben. Du aber, o Mensch Gottes, fliehe diese Dinge! Strebe aber nach der Gerechtigkeit, Gottseligkeit, Glauben, Liebe, Ausharren, Sanftmut. Kämpfe den guten Kampf des Glaubens; ergreife das ewige Leben, wozu du berufen bist, und auch das gute Bekenntnis vor vielen Zeugen bekannt hast. Ich befehle dir vor Gott, der alle Dinge lebendig macht, und vor Jesu Christo, der vor dem Pontius Pilatus das gute Bekenntnis bezeugt hat, daß du das Gebot unbefleckt, unsträflich bewahrest, bis zur Erscheinung unsers Herrn Jesu Christi, welche zu seiner Zeit zeigen wird der selige und alleinige Machthaber, der König der Könige und Herr der Herrn, der allein Unsterblichkeit hat; der ein unzugängliches Licht bewohnt; den Niemand von den Menschen gesehen hat, noch sehen kann, welchem sei Ehre und ewige Kraft! Amen. Den Reichen in diesem Zeitlauf gebiete, daß sie nicht hochmütig seien, noch auf die Ungewißheit des Reichtums hoffen, sondern auf den lebendigen Gott, der uns Alles reichlich zum Genuß darreicht, wohlzutun, reich in guten Werken zu sein, freigebig, mitteilend, für sich selbst eine gute Grundlage auf die Zukunft sammelnd, auf daß sie das wirkliche Leben ergreifen. O Timotheus, bewahre, was dir anvertraut ist, die heillosen, eitlen Reden und Widersprüche der falschgenannten Kenntnis vermeidend, welche Etliche vorgebend, das Ziel in Betreff des Glaubens verfehlt haben. Die Gnade mit dir!



Die zweite Epistel des Apostels Paulus an Timotheus.


1.


Paulus, Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, nach der Verheißung des Lebens, welches in Christo Jesu ist, Timotheus, dem geliebten Kinde: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und Christo Jesu, unserm Herrn! Ich danke Gott, dem ich von meinen Voreltern her mit reinem Gewissen diene, daß ich unablässig deiner in meinen Gebeten Nacht und Tag gedenke, voll Sehnsucht, dich zu sehen, indem ich deiner Tränen eingedenk bin, auf daß ich mit Freude erfüllt sei, wenn ich mir den ungeheuchelten Glauben, der in dir ist, in´s Gedächtnis rufe, welcher zuerst in deiner Großmutter Lois und in deiner Mutter Eunike wohnte; ich bin aber überzeugt, daß auch in dir. Um welcher Ursache willen ich dich erinnere, daß du die Gnadengabe Gottes anfachest, welche durch die Auflegung meiner Hände in dir ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit gegeben. Schäme dich denn nicht des Zeugnisses unseres Herrn, noch meiner, Seines Gebundenen, sondern leide Trübsal mit dem Evangelium, nach der Kraft Gottes, der uns errettet und mit heiligem Rufe berufen hat, nicht nach unsern Werken, sondern nach Seinem eigenen Vorsatz und nach der Gnade, welche uns in Christo Jesu vor den Zeiten der Zeitalter gegeben ist; aber jetzt durch die Erscheinung unsers Erretters, Jesu Christi, offenbart ist, welcher den Tod abgeschafft, und Leben und Unverweslichkeit durch das Evangelium an das Licht gebracht hat, wozu ich, als Herold und Apostel und Lehrer der Nationen, bestellt bin; um welcher Ursache willen ich dieses auch leide, aber ich schäme mich nicht. Denn ich weiß, an wen ich geglaubt habe, und bin überzeugt, daß Er Das, was ich Ihm anvertraut habe, bis auf jenen Tag zu verwahren vermag. Das Bild gesunder Worte, welche du von mir gehört hast, halte fest im Glauben und in der Liebe, die in Christo Jesu ist. Das dir anvertraute Gut bewahre durch den Heiligen Geist, der in uns wohnt. Du weißt dieses: daß sich Alle, die in Asien sind, von mir abgewandt haben, unter welchen ist Phygellus und Hermogenes. Der Herr gebe dem Hause des Onesiphorus Barmherzigkeit, denn er hat mich oft erquickt, und sich meiner Kette nicht geschämt, sondern suchte mich, als er in Rom war, sehr fleißig auf, und fand mich. Der Herr gebe ihm, daß er bei dem Herrn Erbarmen finde an jenem Tage! Und wie sehr er mir zu Ephesus diente, weißt du sehr wohl.


2.


Du nun, mein Kind, sei mächtig in der Gnade, die in Christo Jesu ist, und was du von mir durch viele Zeugen gehört hast, dieses vertraue treuen Männern, welche tüchtig sein werden, auch Andere zu lehren. Du denn leide Trübsal, als ein guter Kriegsmann Jesu Christi. Niemand, der Kriegsdienste tut, verwickelt sich in Beschäftigungen des Lebens, auf daß er Dem, der ihn angeworben, gefalle. Wenn aber auch Jemand im Wettkampf streitet, so wird er nicht gekrönt, wenn er nicht gesetzmäßig streitet. Der Ackerbauer muß, um der Früchte zu genießen, zuerst arbeiten. Bedenke, was ich sage! Es gebe dir denn der Herr in allen Dingen Verstand! Halte im Gedächtnis Jesum Christum, auferweckt aus den Toten, von dem Samen Davids, nach meinem Evangelium, in welchem ich Trübsal bis zu Banden, wie ein Missetäter, leide; aber das Wort Gottes ist nicht gebunden. Deswegen erdulde ich Alles um der Auserwählten willen, auf daß auch sie die Seligkeit, die in Christo Jesu ist, erlangen, mit ewiger Herrlichkeit. Das Wort ist treu. Denn wenn wir mitgestorben sind, so werden wir auch mitleben; wenn wir ausharren, werden wir auch mitherrschen; wenn wir verleugnen, wird auch Er uns verleugnen. Wenn wir untreu sind, - Er bleibt treu; Er kann Sich Selbst nicht verleugnen. Dieses bringe in Erinnerung und bezeuge vor dem Herrn: daß sie nicht Wortstreit führen, welches zu nichts nützet, sondern zum Verderben der Zuhörer ist. Sei beflissen, dich selbst Gott als einen Arbeiter darzustellen, der nicht beschämt wird, der das Wort der Wahrheit recht teilt. Die heillosen, eitlen Reden aber vermeide, denn sie werden zu weiterer Gottlosigkeit fortschreiten, und ihr Wort wird wie ein Krebs um sich fressen; unter welchen Hymenäus und Philetus ist, welche in Betreff der Wahrheit sich verirrt haben, sagend, daß die Auferstehung schon geschehen sei, und Etlicher Glauben verkehren. Doch der feste Grund Gottes steht, und hat dieses Siegel: "Der Herr kennt Die, welche Sein sind", und: "Jeder, der den Namen des Herrn nennt, stehe ab von der Ungerechtigkeit." - In einem großen Hause aber sind nicht allein goldene und silberne Gefäße, sondern auch hölzerne und irdene; und zwar die einen zur Ehre, andere aber zur Unehre. Wenn sich nun Jemand von diesen reinigt, der wird ein Gefäß zur Ehre sein, geheiligt und nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werk bereitet. Die jugendlichen Lüste aber fliehe! Strebe aber nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe, Frieden, mit Denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen. Aber die törichten und ungeschickten Streitfragen vermeide, wissend, daß sie Streit erzeugen. Ein Knecht des Herrn aber soll nicht streiten, sondern gegen Alle milde sein, lehrhaftig, der Böses ertragen kann. Die Widersacher unterweise in Sanftmut, ob ihnen Gott etwa zur Erkenntnis der Wahrheit Buße geben möge, und daß sie aus dem Fallstrick des Teufels wiederum nüchtern werden, die von ihm für seinen Willen gefangen sind.


3.


Dieses aber wisse, daß in den letzten Tagen schwere Zeiten entstehen werden. Denn die Menschen werden sein eigenliebig, geldgierig, prahlerisch, hochmütig, Lästerer, den Eltern ungehorsam, undankbar, heillos, gefühllos, unversöhnlich, verleumderisch, unenthaltsam, grausam, das Gute nicht liebend, verräterisch, verwegen, aufgeblasen, mehr Freunde der Wollust als Gottes, welche die Form der Gottseligkeit haben, ihre Kraft aber verleugnen. Und von Diesen halte dich fern! Denn von Diesen sind, die sich in die Häuser einschleichen, und nehmen gefangen die Weiblein, welche, mit Sünden beladen, von mancherlei Begierden getrieben werden, welche immer lernend, niemals zur Erkenntnis der Wahrheit kommen können. Gleicherweise aber, wie Jannes und Jambres Mose widerstanden, also widerstehen auch Diese der Wahrheit, Menschen, verderbt in der Gesinnung, und unbewährt in Betreff des Glaubens. Sie werden aber nicht weiter fortschreiten, denn ihr Unverstand wird Allen offenbar werden, wie auch der von Jenen es geworden ist. Du aber hast genau erkannt meine Lehre, meine Lebensweise, meinen Vorsatz, meinen Glauben, meine Geduld, meine Liebe, mein Ausharren, meine Verfolgungen, meine Leiden, welche mir zu Antiochia, zu Ikonium, zu Lystra widerfahren sind; welche Verfolgungen ich erduldet habe, - und aus allen hat mich der Herr gerettet. Alle aber auch, die gottselig in Christo Jesu leben wollen, werden verfolgt werden. Böse Menschen aber und Betrüger werden im Bösen fortschreiten, verführend und verführt werdend. Du aber bleibe in Dem, was du gelernt hast, und wovon du überzeugt bist, da du weißt, von wem du gelernt hast; und weil du von Kind auf die heiligen Schriften kennst, die vermögend sind, dich zur Seligkeit durch den Glauben, der in Christo Jesu ist, weise zu machen. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nütze zur Lehre, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Unterweisung, die nach der Gerechtigkeit ist, damit der Mensch Gottes vollkommen sei, zu jedem guten Werke vollkommen zubereitet.


4.


So bezeuge ich vor Gott und Jesu Christo, der Lebendige und Tote bei Seiner Erscheinung und Seinem Reiche richten wird: Predige das Wort; halte darauf in gelegener oder ungelegener Zeit; überführe, strafe, ermahne mit aller Langmut und Lehre! Denn die Zeit wird sein, wo sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Lüsten sich Lehrer anhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren; sie werden aber zu den Fabeln hingewendet werden. Du aber, wache in allen Dingen, leide Trübsal, tue das Werk eines Evangelisten, deinen Dienst vollführe! Denn ich werde schon zum Opfer gesprengt, und die Zeit meines Abscheidens ist vorhanden. Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt; fortan ist mir beigelegt die Krone der Gerechtigkeit, welche mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tage zur Vergeltung geben wird; nicht aber mir allein, sondern auch Allen, die Seine Erscheinung lieben. Beeile dich, bald zu mir zu kommen. Denn Demas hat mich verlassen, weil er den jetzigen Zeitlauf liebgewonnen hatte, und ist nach Thessalonich gegangen; Crescenz nach Galatien; Titus nach Dalmatien. Lucas ist allein bei mir. Nimm Markus und bringe ihn mit dir; denn er ist mir zur Bedienung nützlich. Den Tychikus aber habe ich nach Ephesus geschickt. Den Mantel, den ich in Troas bei Karpus zurückließ, bringe mit, wenn du kommst, und die Bücher, besonders die Pergamente. Alexander, der Kupferschmied, hat mir viel Böses erwiesen; der Herr vergelte ihm nach seinen Werken! Vor diesem hüte du dich auch, denn er hat unsern Worten sehr widerstanden. Bei meiner ersten Verantwortung war Niemand mit mir zugegen, sondern Alle verließen mich; es werde ihnen nicht zugerechnet! Der Herr aber stand mir bei und stärkte mich, auf daß durch mich die Predigt vollbracht würde, und alle die aus den Nationen hören möchten; und ich bin gerettet aus dem Rachen des Löwen. Auch wird der Herr mich von allem bösen Werke retten und zu Seinem himmlischen Reich bewahren, Welchem sei Herrlichkeit in die Zeitalter der Zeitalter! Amen. Grüße die Priska und den Aquila und das Haus des Onesiphorus. Erastus blieb zu Korinth; Trophimus aber habe ich in Milet krank zurückgelassen. Beeile dich, vor dem Winter zu kommen. Es grüßt dich Eubulus und Pudens und Linus und Klaudia und die Brüder alle. Der Herr Jesus Christus mit deinem Geiste! Die Gnade mit euch!



Die Epistel des Apostel Paulus an Titus.


1.


Paulus, Knecht Gottes, aber Apostel Jesu Christi, nach dem Glauben der Auserwählten Gottes und nach der Erkenntnis der Wahrheit, welche nach der Gottseligkeit ist, in Hoffnung des ewigen Lebens, welches der Gott, der nicht lügen kann, vor den Zeiten der Zeitalter verheißen, aber zu seiner Zeit Sein Wort durch die Predigt, welche mir auf Befehl unsers Heilandes Gottes anvertraut ist, offenbart hat; - Titus, meinem echten Kinde, nach dem gemeinsamen Glauben: Gnade, Barmherzigkeit, Friede von Gott, dem Vater, und dem Herrn Jesu Christo, unserm Heilande! Deswegen ließ ich dich in Kreta, auf daß du das Übrige in Ordnung bringen, und in jeder Stadt Älteste anstellen solltest, wie ich es dir anbefohlen: Wenn Jemand untadelig ist, Eines Weibes Mann, der treue Kinder hat, die nicht im Rufe eines ausschweifenden Lebens stehen oder zügellos sind. Denn der Aufseher muß untadelig sein als Gottes Verwalter, nicht eigenwillig, nicht zornhaftig, nicht dem Wein ergeben, nicht ein Schläger, nicht schändlichem Gewinn ergeben, sondern gastfrei, das Gute liebend, besonnen, gerecht, fromm, enthaltsam, dem treuen Worte, welches der Lehre gemäß ist, anhangend, auf daß er fähig sei, sowohl mit der gesunden Lehre zu ermahnen, als auch die Widersacher zu überführen. Denn es gibt Viele, sowohl zügellose Schwätzer als auch Betrüger, besonders die aus der Beschneidung, welchen man das Maul stopfen muß; welche ganze Häuser verkehren, um schändlichen Gewinnes willen lehrend, was sich nicht geziemt. Einer aus ihnen selbst, ihr eigener Prophet, sagte: "Kreter sind immer Lügner, böse wilde Tiere, faule Bäuche!" - Dieses Zeugnis ist wahr; um welcher Ursache willen überweise sie scharf, auf daß sie gesund im Glauben seien, nicht haltend an den jüdischen Fabeln und Geboten der Menschen, die sich von der Wahrheit abkehren. Den Reinen ist Alles rein; den Befleckten aber und Ungläubigen ist Nichts rein, sondern beides, ihre Gesinnung und ihr Gewissen, ist befleckt. Sie geben vor, Gott zu kennen; mit den Werken aber verleugnen sie Ihn, und sind gräulich und ungehorsam und zu jedem guten Werke unbewährt.


2.


Du aber rede, was der gesunden Lehre ziemt: daß die alten Männer nüchtern seien, würdig, ernst besonnen, gesund im Glauben, in der Liebe, in der Geduld. Gleicherweise die alten Frauen in ihrem Benehmen, wie es dem heiligen Stande geziemt, nicht verleumderisch, nicht Sklavinnen von vielem Wein, Lehrerinnen des Guten, auf daß sie die jungen Frauen unterweisen, ihre Männer zu lieben, ihre Kinder zu lieben, besonnen, keusch, haushälterisch, gütig, ihren eigenen Männern unterwürfig zu sein, auf daß das Wort Gottes nicht verlästert werde. Die Jünglinge ermahne gleicherweise besonnen zu sein, in allen Dingen dich selbst als Muster guter Werke darstellend; in der Lehre Unverdorbenheit, würdigen Ernst, gesunde, nicht zu verurteilende Rede, auf daß der von der Gegenpartei sich schäme, weil er über euch nichts Böses zu sagen hat. Die Knechte ermahne, ihren eigenen Herren unterwürfig zu sein, in allen Dingen wohlgefällig, nicht widersprechend; nichts zu unterschlagen, sondern alle gute Treue zu erweisen, auf daß sie in allen Dingen die Lehre unsers Heilandes Gottes zieren. Denn die heilbringende Gnade Gottes ist allen Menschen erschienen und unterweiset uns, daß wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Lüste verleugnend, nüchtern und gerecht und gottselig in dem jetzigen Zeitlauf leben, erwartend die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unsers großen Gottes und Heilandes Jesu Christi, der Sich Selbst für uns gegeben hat, auf daß Er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufte und Sich Selbst ein Volk, eifrig in guten Werken als Eigentum reinigte. Dies rede und ermahne, und überführe sie, als völlig Macht habend zu befehlen. Laß dich Niemand verachten.


3.


Erinnere sie, den Obrigkeiten und Gewalten untertan, gehorsam zu sein und zu allem guten Werk bereit; Niemand zu lästern, nicht streitsüchtig zu sein, gelinde, alle Sanftmut gegen alle Menschen erweisend. Denn einst waren auch wir unverständig, ungehorsam, verirrt, dienend den Lüsten und mancherlei Wollüsten, unser Leben führend in Bosheit und Neid, hassenswürdig, einander hassend. Als aber die Güte und die Menschenliebe unsers Heilandes Gottes erschien, errettete Er uns, nicht aus Werken, die wir in Gerechtigkeit getan hatten, sondern nach Seiner Barmherzigkeit, durch das Waschen der Wiedergeburt und Erneuerung des Heiligen Geistes, welchen Er auf uns reichlich durch Jesum Christum, unsern Heiland, ausgegossen hat, auf daß wir, gerechtfertigt durch Seine Gnade, nach der Hoffnung des ewigen Lebens Erben würden. Das Wort ist treu; und ich will, daß du diese Dinge behauptest, auf daß sie, die Gott glauben, sorgfältig seien, gute Werke zu betreiben; - dieses ist den Menschen gut und nützlich. Törichte Streitfragen aber und Geschlechtsregister und Zänkerei und Streitigkeiten über das Gesetz vermeide; denn sie sind unnütz und eitel. Einen in der Lehre sektiererischen Menschen weise nach einer ein- und zweimaligen Ermahnung ab, und wisse, daß ein solcher Mensch verkehrt ist und sündigt, und von sich selbst verurteilt ist. Wenn ich den Artemas oder Tychikus zu dir schicken werde, so beeile dich, nach Nikopolis zu mir zu kommen, denn ich habe beschlossen, daselbst zu überwintern. Geleite Zenas, den Gesetzgelehrten, und den Apollos mit Sorgfalt, auf daß ihnen nichts mangele. Laß aber auch die Unsern lernen für die notwendigen Bedürfnisse gute Werke zu betreiben, auf daß sie nicht unfruchtbar seien. Es grüßen dich Alle, die mit mir sind. Güße, die uns lieben in dem Glauben. Die Gnade sei mit euch Allen!



Die Epistel des Apostels Paulus an Philemon.


1.


Paulus, Gebundener Christi Jesu, und Timotheus, der Bruder, - Philemon, dem Geliebten und unserm Mitarbeiter, und Aphia, der Geliebten, und dem Archippus, unserm Mitkämpfer, und der Versammlung in deinem Hause: Gnade euch und Friede von Gott, unserm Vater, und dem Herrn Jesu Christo. Ich danke meinem Gott, indem ich allezeit deiner in meinen Gebeten erwähne, da ich von deiner Liebe und von deinem Glauben höre, welchen du zu dem Herrn Jesu und zu allen Heiligen hast; daß die Gemeinschaft deines Glaubens wirksam sei in der Anerkennung jedes Guten, welches, was Christum Jesum betrifft, in uns ist. Denn wir haben viel Freude und Trost über deine Liebe, daß die Herzen der Heiligen durch dich, Bruder, erquickt worden sind. Darum, obgleich ich viele Freimütigkeit in Christo habe, dir zu befehlen, was sich ziemt, so bitte ich doch vielmehr um der Liebe willen, da ich nun solcher bin, wie der alte Paulus, jetzt aber auch ein Gebundener Jesu Christi. Ich bitte dich für mein Kind, welches ich in meinen Banden gezeugt habe, den Onesimus, der dir einst unnütz, jetzt aber dir und mir nützlich ist, den ich zurück geschickt habe. Du aber nimm ihn, das ist, mich selbst, auf, welchen ich bei mir behalten wollte, damit er an deiner Statt mir in den Banden des Evangeliums diente. Ohne deine Zustimmung aber wollte ich nichts tun, auf daß deine Güte nicht wie gezwungen, sondern freiwillig sei. Denn vielleicht ist er deswegen für eine Zeit von dir abgesondert gewesen, auf daß du ihn für immer erhaltest, nicht mehr als Sklave, sondern mehr als Sklave, - als geliebten Bruder, besonders für mich, wie viel mehr aber für dich, sowohl im Fleische als im Herrn. Wenn du mich nun als Mitgenossen hältst, so nimm ihn wie mich auf. Wenn er dir aber etwas Unrechtes getan hat, oder etwas schuldig ist, so rechne dieses mir an. Ich Paulus habe es mit meiner Hand geschrieben, ich will bezahlen; um dir nicht zu sagen, daß du auch dich selbst mir schuldig bist. Ja, Bruder, ich möchte gern Nutzen an dir haben im Herrn; erquicke mein Herz in Christo! Da ich deinem Gehorsam vertraue, so habe ich dir geschrieben, wissend, daß du auch mehr tun wirst, als ich sage. Zugleich aber auch bereite mir eine Herberge, denn ich hoffe, daß ich euch durch eure Gebete werde geschenkt werden. Es grüßet dich Epaphras, mein Mitgefangener in Christo Jesu, Markus, Aristarchus, Demas, Lucas, meine Mitarbeiter. Die Gnade unsers Herrn Jesu Christi mit eurem Geiste!



Die Epistel an die Hebräer.


1.


Nachdem Gott vielfältig und auf mancherlei Weise vormals zu den Vätern in den Propheten geredet, hat Er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohne, den Er zum Erben aller Dinge gesetzt hat, durch Den Er auch die Welten gemacht hat; welcher, - der Abglanz Seiner Herrlichkeit und der Abdruck Seines Wesens seiend, und alle Dinge durch das Wort Seiner Macht tragend, nachdem Er durch Sich Selbst die Reinigung unserer Sünden gemacht, - Sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt hat, um so viel besser, als die Engel geworden, als Er einen vorzüglicheren Namen vor ihnen ererbt hat. Denn zu welchem der Engel hat Er je gesagt: "Du bist Mein Sohn; Ich habe Dich heute gezeugt"? Und wiederum: "Ich werde Ihm zum Vater, und Er wird Mir zum Sohne sein"? Und wiederum: wenn Er den Erstgebornen in den Erdkreis einführt, sagt Er: "Und alle Engel Gottes sollen Ihn anbeten." Und zu den Engeln zwar sagt Er: "Der Seine Engel zu Geistern macht, und Seine Diener zu Feuerflammen." In Bezug auf den Sohn aber: "Dein Thron, o Gott, ist in das Zeitalter des Zeitalters; ein Zepter der Aufrichtigkeit ist das Zepter Deines Reichs; Du hast Gerechtigkeit geliebt, und Gesetzlosigkeit gehaßt; deswegen hat Dich, Gott, Dein Gott mit Öl des Frohlockens über Deine Genossen gesalbt." Und: "Du, Herr, hast im Anfang die Erde gegründet, und die Himmel sind Werke Deiner Hände; sie werden verderben, Du aber bleibst; und Alle werden wie ein Kleid veraltet werden, und Du wirst sie wie ein Gewand zusammenwickeln, und sie werden verwandelt werden. Du aber bis Derselbe, und Deine Jahre werden nicht vergehen." Zu welchem Engel aber hat Er je gesagt: "Sitze zu Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde zum Schemel Deiner Füße lege?" - Sind Sie nicht Alle dienstbare Geister, zum Dienste gesandt um derer willen, welche die Seligkeit ererben sollen?


2.


Deshalb sollen wir um so mehr an dem halten, was wir gehört haben, daß wir nie abweichen. Denn wenn das durch Engel geredete Wort fest geworden ist, und jede Übertretung und jeder Ungehorsam gerechte Vergeltung empfangen hat, - wie werden wir entfliehen, wenn wir eine so große Errettung vernachlässigen? welche den Anfang der Verkündigung durch den Herrn empfing, und welche von Denen, die es gehört, und bestätigt worden ist, indem Gott durch Zeichen und Wunder und mancherlei Wunderwerke, und Austeilung des Heiligen Geistes nach Seinem Willen mitzeugte. Denn nicht Engeln hat Er den zukünftigen Erdkreis, von welchem wir reden, unterworfen. Es hat aber irgendwo Jemand bezeugt, sagend: "Was ist der Mensch, daß Du seiner gedenkst, oder des Menschen Sohn, daß Du auf Ihn siehst? Du hast Ihn ein wenig unter die Engel erniedrigt; mit Herrlichkeit und Ehre hast Du Ihn gekrönt. Alles hast Du Seinen Füßen unterworfen." - Denn indem Er Ihm Alles unterworfen hat, hat Er nichts gelassen, was Ihm nicht unterworfen ist; jetzt aber sehen wir Ihm noch nicht Alles unterworfen. Wir sehen aber Den, der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, Jesum, wegen des Leidens des Todes mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt, daß Er durch Gottes Gnade für Alles den Tod schmeckte. Denn es ziemte Ihm, um deswillen alle Dinge, und durch Den alle Dinge sind, indem Er viele Söhne zur Herrlichkeit brachte, den Anführer ihrer Errettung durch Leiden zur Vollkommenheit zu bringen. Denn sowohl Der, welcher heiligt, als auch die, welche geheiligt werden, sind alle aus Einem; um welcher Ursache willen Er sich nicht schämt, sie Brüder zu nennen, sagend: "Ich werde Deinen Namen Meinen Brüdern kund tun; inmitten der Versammlung werde Ich Dir lobsingen." Und wiederum: "Ich werde Mein Vertrauen auf Ihn setzen." Und wiederum: "Siehe, - Ich und die Kinder, welche Mir Gott gegeben hat." Weil nun die Kinder Fleisches und Blutes teilhaftig sind, hat auch Er gleicherweise an denselben Teil genommen, auf daß Er durch den Tod den zunichte machte, der die Kraft des Todes hat, das ist, den Teufel, und alle Diese befreite, welche durch die Furcht des Todes während des ganzen Lebens der Knechtschaft verfallen waren. Denn Er nimmt fürwahr sich nicht der Engel an, sondern des Samens Abrahams nimmt Er sich an. Und deswegen sollte Er in Allem den Brüdern gleich werden, auf daß Er in den Sachen mit Gott ein barmherziger und treuer Hoherpriester werden möchte, um die Sünden des Volkes zu versöhnen. Denn in Dem Er Selbst gelitten hat, da Er versucht ward, vermag Er Denen zu helfen, die versucht werden.


3.


Daher, heilige Brüder, die ihr der himmlischen Berufung teilhaftig seid, denket nach über den Apostel und Hohenpriester unsers Bekenntnisses, Jesum, den Getreuen gegen Den, der Ihn gesetzt hat, wie es auch Moses in Seinem ganzen Hause war. Denn Dieser ist vor Moses größerer Herrlichkeit würdig geachtet, in dem Maße größerer Ehre, als das Haus Der hat, der es bereitet hat. Denn jedes Haus wird von Jemandem bereitet; der aber Alles bereitet hat, ist Gott. Und Moses zwar war treu in Seinem ganzen Hause, als Diener, zum Zeugnis der Dinge, welche geredet werden sollten; Christus aber als Sohn über Sein eigenes Haus, dessen Haus wir sind, wenn wir anders die Freimütigkeit und den Ruhm der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten. Deshalb, wie der Heilige Geist sagt: "Heute, wenn ihr Seine Stimme hören werdet, so verhärtet eure Herzen nicht, wie in der Erbitterung an dem Tage der Versuchung in der Wüste, wo Mich eure Väter versuchten, Mich prüften, und Meine Werke vierzig Jahre sahen. Deswegen ward Ich über jenes Geschlecht erzürnt, und sprach: Sie irren immerdar mit dem Herzen, und sie haben Meine Wege nicht erkannt; so schwur Ich in Meinem Zorn, daß sie nicht in Meine Ruhe eingehen sollten. Sehet zu, Brüder, daß nicht in Jemandem von euch ein böses Herz des Unglaubens sei, in dem Abfallen von dem lebendigen Gott, sondern ermahnet einander jeden Tag, so lange es "Heute" heißt, daß nicht Jemand von euch durch Trug der Sünde verhärtet werde. Denn wir sind des Christus teilhaftig geworden, wenn wir anders den Anfang der Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten, indem gesagt wird: "Heute, wenn ihr Seine Stimme hören werdet, so verstocket eure Herzen nicht, wie in der Erbitterung." - Denn Welche, als sie gehört hatten, haben Ihn erbittert? sind es denn nicht Alle, die von Ägypten durch Moses ausgegangen sind? Über Welche aber ward Er vierzig Jahre erzürnt? War es nicht über Die, welche gesündigt haben, deren Gebeine in der Wüste gefallen sind? - Welchen aber schwur Er, daß sie nicht in Seine Ruhe hineingehen sollten, wenn nicht denen, welche ungläubig gewesen waren? Und wir sehen, daß sie wegen Unglauben nicht eingehen konnten.


4.


Fürchten wir uns also, daß, wiewohl eine Verheißung, in Seine Ruhe einzugehen, hinterlassen ist, nicht Jemand von euch zurückzubleiben scheine. Denn auch wir haben eine gute Botschaft empfangen, gleichwie auch Jene; aber das Wort der Verkündigung nützte Jenen nicht, weil es bei den Hörenden nicht mit dem Glauben vermischt war. Denn wir, die wir geglaubt haben, kommen in die Ruhe ein, wie Er gesagt hat: "So schwur Ich in Meinem Zorn: sie sollen nicht in Meine Ruhe einkommen!" - wiewohl die Werke von Grundlegung der Welt an geworden waren. Denn Er hat irgendwo von dem siebenten Tage also gesprochen: "Und Gott ruhte am siebenten Tage von allen Seinen Werken." Und an dieser Stelle wiederum: "Sie sollen nicht in Meine Ruhe einkommen!" Weil also übrig bleibt, daß Etliche in dieselbe eingehen und die, welche zuerst die gute Botschaft empfangen haben, des Unglaubens wegen nicht eingegangen sind, - so bestimmt Er wiederum einen gewissen Tag: "Heute" in David nach so langer Zeit sagend, wie gesagt ist: "Heute, wenn ihr Seine Stimme hören werdet, so verhärtet eure Herzen nicht!" - Denn wenn sie Josua in die Ruhe gebracht hätte, so würde Er darnach nicht von einem andern Tage reden. Es bleibt also noch eine Sabbatruhe für das Volk Gottes. Denn Der, welcher in seine Ruhe eingegangen ist, der ruht auch von seinen Werken, wie Gott von Seinen Eigenen. - So laßt uns denn Fleiß tun, in jene Ruhe einzugehen; damit nicht Jemand nach demselben Beispiele des Unglaubens falle. Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam, und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und durchdringend bis zur Zerteilung der Seele und des Geistes, der Gelenke und des Markes, und ist ein Urteiler der Überlegungen und Gesinnungen des Herzens. Und kein Geschöpft ist vor Ihm verborgen, sondern Alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Dessen, mit Dem wir zu tun haben. Da wir denn einen großen Hohenpriester haben, der durch die Himmel gegangen ist, Jesum, den Sohn Gottes, so laßt uns das Bekenntnis festhalten. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht mit unsern Schwachheiten Mitleid haben kann, sondern der in Allem gleichwie wir versucht worden ist, ausgenommen die Sünde. Laßt uns denn mit Freimütigkeit zu dem Thron der Gnade hinzutreten, auf daß wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zur rechtzeitigen Hilfe.


5.


Denn jeder Hohepriester, der aus Menschen genommen wird, wird für Menschen in den Sachen mit Gott bestellt, auf daß er Gaben und Sündopfer für die Sünden darbringe, der mit den Unwissenden und Irrenden Nachsicht zu haben vermag, da auch er selbst mit Schwachheit umgeben ist; und um dieserwillen muß er, wie für das Volk, so auch für sich selbst für die Sünden opfern. Und es nimmt nicht Jemand diese Ehre sich selbst, sondern wer von Gott berufen wird, gleichwie auch Aaron. Also hat auch der Christus Sich Selbst nicht verherrlicht, um Hoherpriester zu werden, sondern Der, welcher zu Ihm geredet hat: "Du bist Mein Sohn, heute habe Ich Dich gezeugt." Wie Er auch an einer andern Stelle sagt: "Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks." Welcher in den Tagen Seines Fleisches, da Er Bitten und Flehen zu Dem, der Ihn aus dem Tode zu retten vermochte, mit starkem Geschrei und Tränen geopfert hat, und um Seiner Furcht willen erhört ward, obgleich Er Sohn war, an dem, was Er litt, den Gehorsam lernte, und vollendet, Allen, die Ihm gehorchen, der Urheber ewigen Heils ward, von Gott begrüßt als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks; über welchen wir viel zu sagen haben, und was in Betreff der Auslegung schwer zu sagen ist, weil ihr im Hören träge geworden seid. Denn da ihr, was die Zeit betrifft, sogar Lehrer sein solltet, bedürft ihr wiederum, daß man euch lehre, welches die Elemente des Anfangs der Aussprüche Gottes sind; und ihr seid solche geworden, welche der Milch und nicht der festen Speise bedürfen. Denn Jeder, der der Milch teilhaftig wird, ist in dem Worte der Gerechtigkeit unerfahren, denn er ist unmündig. Den Vollkommenen aber gehört die feste Speise, denen, welche durch den Gebrauch geübte Sinne zur Unterscheidung des Guten und des Bösen haben.


6.


Deshalb, das Wort von dem Anfang des Christus lassend, laßt uns zu der ausgewachsenen Statur fortfahren, und nicht wiederum den Grund der Buße von toten Werken legen, und des Glaubens an Gott, der Lehre von Waschungen und der Auflegung der Hände und der Auferstehung der Toten und des ewigen Gerichts. Und Dieses werden wir tun, wenn es Gott anders erlaubt. Denn es ist unmöglich, - Diejenigen, welche einmal erleuchtet waren, und die himmlische Gabe geschmeckt haben, und des Heiligen Geistes teilhaftig geworden sind, und das gute Wort Gottes und die Wunderwerke des zukünftigen Zeitalters geschmeckt haben, und abfallen, - wiederum zur Buße zu erneuern, indem sie den Sohn Gottes sich selbst kreuzigen und zur Schau stellen. Denn das Land, welches den häufig über dasselbe kommenden Regen trinkt und Kraut hervorbringt, Denen geeignet, um welcher willen es auch bebaut ist, empfängt Segen von Gott; welches aber Dornen und Disteln hervorbringt, ist unbewährt und dem Fluche nahe, dessen Ende zur Verbrennung ist. Wir aber sind, was euch, Geliebte, betrifft, von besseren, mit der Seligkeit zusammenhangenden Dingen überzeugt, wenn wir auch also reden. Denn Gott ist nicht ungerecht, eures Werks und der Liebe zu vergessen, die ihr, da ihr den Heiligen gedient habt und dienet, für Seinen Namen bezeugt habt. Wir begehren aber, daß Jeder von euch denselben Fleiß zu vollen Sicherheit der Hoffnung bis an das Ende bezeige, daß ihr nicht träge werdet, sondern Nachahmer Derer Seid, die durch Glauben und Beharrlichkeit die Verheißungen ererbten. Denn als Gott dem Abraham verhieß, schwur Er, weil Er bei keinem Größeren zu schwören hatte, bei Sich Selbst, sagend: "Wahrlich, segnend werde Ich dich segnen, und mehrend werde Ich dich mehren." Und also ausharrend erlangte er die Verheißung. Denn die Menschen schwören bei einem Größeren, und der Eidschwur ist für sie ein Ende alles Streits zur Befestigung; - weshalb Gott, da Er den Erben der Verheißung reichlicher die Unveränderlichkeit Seines Ratschlusses zeigen wollte, mit einem Eidschwur in´s Mittel getreten ist, damit wir durch zwei unveränderliche Dinge, wobei es unmöglich ist, daß Gott lügen könnte, einen kräftigen Trost hätten, die wir zum Ergreifen der vorliegenden Hoffnung Zuflucht genommen haben, welche wir als einen festen und sichern Anker der Seele haben, der auch in das Inwendige des Vorhangs hineingeht, wo Jesus für uns als Vorläufer eingegangen ist, geworden ein Hoherpriester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks.


7.


Denn dieser Melchisedek, - König von Salem, Priester Gottes des Höchsten, welcher Abraham begegnete, als er von der Niederlage der Könige zurückkehrte, und ihn segnete, welchem auch Abraham den Zehnten von Allem austeilte, der zuerst verdolmetscht: König der Gerechtigkeit ist, darnach aber auch König von Salem, das ist: König des Friedens; ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, weder Anfang der Tage, noch Ende des Lebens habend, aber dem Sohne Gottes verglichen, - bleibt fortdauernd Priester. Schauet aber an, wie groß Dieser ist, dem auch Abraham, der Patriarch, den Zehnten von der Beute gab! Und die von den Söhnen Levi, die das Priestertum überkommen, haben ein Gebot, das Volk, das ist ihre Brüder, nach dem Gesetz zu zehnten, wiewohl sie aus der Lende Abrahams kommen. Er aber, der sein Geschlecht nicht von ihnen ableitete, zehntete den Abraham, und segnete Den, der die Verheißungen hatte. Außer allem Widerspruch aber wird das Geringere von dem Bessern gesegnet. Und hier empfangen sterbliche Menschen den Zehnten, dort aber, von welchem bezeugt ist, daß er lebe. Und, daß ich so rede, durch Abraham ist auch Levi, der den Zehnten empfängt, gezehntet worden. Denn er war noch in der Lende des Vaters, als ihm Melchisedek begegnete. Wenn nun die Vollkommenheit durch das levitische Priestertum war, (denn das Volk hat in Verbindung mit demselben das Gesetz empfangen), welches Bedürfnis war noch da, daß ein anderer Priester nach der Ordnung Melchisedeks aufstehe, und nicht nach der Ordnung Aarons genannt werde? Denn wenn das Priestertum verändert wird, so findet notwendig auch eine Veränderung des Gesetzes statt. Denn Der, von welchem Dieses gesagt ist, gehört zu einem andern Stamme, aus welchem Niemand dem Altar nahte. Denn es ist offenbar, daß aus Juda unser Herr entsprossen ist, über welchen Stamm Moses nichts vom Priestertum gesprochen hat. Und es ist noch viel offenbarer, wenn, nach der Gleichheit Melchisedeks, ein anderer Priester aufsteht, der es nicht nach dem Gesetz eines fleischlichen Gebots, sondern nach der Kraft eines unauflöslichen Lebens geworden ist. Denn Er bezeugt: "Du bist Priester in Ewigkeit, nach der Ordnung Melchisedeks." Denn es ist eine Abschaffung des vorhergehenden Gebotes wegen seiner Schwachheit und Nutzlosigkeit, (denn das Gesetz hat nichts zur Vollendung gebracht,) und die Einführung einer bessern Hoffnung, durch welche wir Gott nahen. Und insofern Er nicht ohne Eidschwur zum Priester gemacht ist; (denn Jene sind ohne Eidschwur Priester geworden.) Dieser aber mit Eidschwur durch Den, der zu Ihm gesagt hat: "Der Herr schwur, und es wird Ihn nicht gereuen: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks,") insofern ist Jesus eines bessern Bundes Bürge geworden. Und Jener sind Viele Priester geworden, weil sie durch den Tod verhindert waren, zu bleiben. Dieser aber, weil Er in Ewigkeit bleibt, hat ein unübertragbares Priestertum. Darum vermag Er auch Die, welche durch Ihn zu Gott kommen, völlig zu erretten; indem Er immerdar lebt, um für sie zu bitten. Denn ein solcher Hoherpriester ziemte uns: heilig, unschuldig, unbefleckt, abgesondert von den Sünden, und höher als die Himmel geworden, der nicht, wie die Hohenpriester, Tag für Tag nötig hat, zuerst für Seine eigenen Sünden Opfer darzubringen, darnach für die des Volkes; denn dieses hat Er Ein für allemal getan, als Er Sich Selbst geopfert hat. Denn das Gesetz bestellt Menschen, welche Schwachheit haben, zu Hohenpriestern; das Wort aber des Eidschwurs, welches nach dem Gesetz kommt, den Sohn, vollendet in Ewigkeit.


8.


Die Hauptsumme aber des Gesagten ist: Wir haben einen solchen Hohenpriester, der zur Rechten des Thrones der Majestät in den Himmeln sitzt, ein Diener des Heiligtums und der wahrhaftigen Hütte, welche der Herr und nicht der Mensch aufgerichtet hat. Denn ein jeder Hohepriester wird bestellt, um sowohl Gaben als Opfer darzubringen, und darum war es nötig, daß auch Dieser Etwas hatte, was Er darbringen möchte. Freilich nun, wenn Er auf Erden wäre, so wäre Er nicht Priester, weil die Priester da sind, welche nach dem Gesetz die Gaben darbringen, welche dem Vorbild und Schatten der himmlischen Dinge dienen, gleichwie es zu Moses ausgesprochen wurde, als er die Hütte aufrichten sollte; denn: "Siehe" - spricht Er, - "daß du Alles nach dem Muster machest, welches dir auf dem Berge gezeigt worden ist." Jetzt aber hat Er einen vortrefflicheren Dienst erlangt, insofern Er auch Mittler eines bessern Bundes ist, welcher auf Grund von bessern Verheißungen gestiftet ist. Denn wenn jener erste Bund tadellos gewesen wäre, so wäre kein Raum für einen zweiten gesucht worden. Denn tadelnd spricht Er zu ihnen: "Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, und Ich werde mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund stiften; nicht nach dem Bunde, welchen Ich mit ihren Vätern an dem Tage machte, wo Ich sie bei ihrer Hand nahm, um sie aus dem Lande Ägypten auszuführen, denn sie sind nicht in Meinem Bunde geblieben und auch Ich habe Mich nicht um sie bekümmert, spricht der Herr. Denn dies ist der Bund, den Ich mit dem Hause Israel nach jenen Tagen stiften werde, spricht der Herr: Indem Ich Meine Gesetze in ihren Sinn gebe, werde Ich sie auch auf ihre Herzen einschreiben; und Ich werde ihnen zum Gott, und sie werden Mir zum Volke sein. Und sie sollen nicht, ein Jeglicher seinen Mitbürger und ein Jeglicher seinen Bruder lehren, sagend: "Erkenne den Herrn! denn Alle werden Mich erkennen, von ihrem Kleinsten bis zu ihrem Größten. Denn Ich werde ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein, und ihrer Sünden und Gesetzlosigkeiten werde Ich nicht mehr gedenken." - Indem Er sagt: "einen neuen", hat Er den ersten alt gemacht. Was aber alt gemacht und veraltet ist, ist dem Verschwinden nahe.


9.


Es hatte nun zwar auch der erste Bund Satzungen des Dienstes und das weltliche Heiligtum. Denn eine Hütte war zugerichtet; - die vordere, in welcher der Leuchter war, und der Tisch, und die Ausstellung der Brote, welche das "Heilige" genannt wird; hinter dem zweiten Vorhang aber die Hütte, welche das "Allerheiligste" genannt wird, das goldne Rauchfaß habend, und die allenthalben mit Gold überdeckte Bundeslade, in welcher der goldne Krug war, das Manna habend, und der Stab Aarons, der gesproßt hatte, und die Tafeln des Bundes; über derselben aber die Cherubim der Herrlichkeit, den Sühndeckel überschattend, von welchen Dingen jetzt nicht einzeln zu reden ist. Da diese Dinge aber also zugerichtet, gehen in die vordere Hütte stets die Priester hinein, um den Dienst zu vollbringen; in die zweite aber einmal des Jahres allein der Hohepriester; nicht ohne Blut, welches er für sich selbst und des Volkes Verirrungen darbringt; wodurch der Heilige Geist dies anzeigt, daß der Weg zum Heiligtum noch nicht offenbart sei, so lange die erste Hütte noch ihre Stellung habe, ein Gleichnis für die gegenwärtige Zeit, während welcher sowohl Gaben als Schlachtopfer dargebracht werden, die dem Gewissen nach Den nicht vollkommen machen können, der den Gottesdienst tut, bestehend allein in Speisen und Getränken und verschiedenen Waschungen, welche Satzungen des Fleisches sind, die bis auf die Zeit der Zurechtbringung als Pflichten oblagen. Christus aber, - gekommen als Hoherpriester der zukünftigen Güter, in Verbindung mit der größern und vollkommeneren Hütte, die nicht mit Händen gemacht, das heißt, nicht von dieser Schöpfung ist, auch nicht durch Blut von Böcken und Kälbern, sondern durch Sein Eigenes Blut, ist Ein für allemal in das Heiligtum eingegangen, als Er eine ewige Erlösung erfunden hatte. Denn wenn das Blut von Stieren und Böcken, und die Asche einer jungen Kuh, auf die Unreinen gesprengt, zur Reinigung des Fleisches heiligt, wie vielmehr wird das Blut des Christus, der durch den ewigen Geist Sich Selbst ohne Flecken Gott geopfert hat, euer Gewissen von toten Werken reinigen, um dem lebendigen Gott zu dienen! Und deswegen ist Er des neuen Bundes Mittler, damit, da der Tod zur Erlösung der unter dem ersten Bunde geschehenen Übertretungen eingeführt ist, die Berufenen die Verheißung des ewigen Erbes empfingen; - (Denn wo ein Testament ist, da ist nötig, daß der Tod Dessen, der das Testament gemacht hat, stattfinde. Denn ein Testament ist gültig, wenn man gestorben ist, anders hat es, so lange Der lebt, der das Testament gemacht hat, noch keine Kraft;) - weshalb auch der erste Bund nicht ohne Blut eingeweiht worden ist. Denn als jedes Gebot, dem Gesetze gemäß, von Mose zu dem ganzen Volke geredet war, nahm er das Blut der Kälber und der Böcke mit Wasser und Purpurwolle und Ysop, und besprengte sowohl das Buch selbst als auch das ganze Volk, sagend: "Dies ist das Blut des Bundes, welchen Gott für euch geboten hat." Er besprengte aber auch desgleichen die Hütte und alle die Gefäße des Dienstes mit Blut; und fast alle Dinge werden nach dem Gesetz mit Blut gereinigt, und ohne Blutvergießung ist keine Vergebung. Es war also nötig, das die Vorbilder der Dinge in den Himmeln hierdurch gereinigt wurden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Schlachtopfer als diese. Denn der Christus ist nicht in das von Händen gemachte Heiligtum, ein Gegenbild des wahrhaftigen, eingegangen, sondern in den Himmel selbst, um jetzt vor dem Angesichte Gottes für uns zu erscheinen; auch nicht, daß Er Sich Selbst oftmals opferte, gleichwie der Hohepriester in das Heiligtum jährlich mit fremdem Blute hineingeht, (denn sonst hätte Er seit Grundlegung der Welt oftmals leiden müssen), nun aber ist Er in der Vollendung der Zeitalter Einmal offenbart zum Wegtun der Sünde durch das Schlachtopfer Seiner Selbst. Und gleich wie es den Menschen obliegt, Einmal zu sterben, darnach aber das Gericht, also wird auch der Christus, Einmal geopfert, um Vieler Sünden zu tragen, zum zweiten Mal ohne Sünde Denen, die Ihn erwarten, zur Seligkeit erscheinen.


10.


Denn da das Gesetz einen Schatten der zukünftigen Güter, nicht der Dinge Ebenbild selbst hat, so kann es nimmer mit denselben Opfern, welche sie jährlich ununterbrochen darbringen, die Hinzutretenden vollkommen machen. Denn würden sie sonst nicht aufgehört haben, dargebracht zu werden, weil Die, welche den Gottesdienst tun, Einmal gereinigt, kein Gewissen mehr von Sünden gehabt hätten? Aber in jenen Opfern ist jährlich ein Erinnern der Sünden. Denn es ist unmöglich, daß Stier- und Bocksblut Sünden wegnehme. Deshalb, als Er in die Welt kommt, spricht Er: "Opfer und Schlachtopfer hast Du nicht gewollt, einen Leib aber hast Du Mir zubereitet; an Brandopfern und Sündopfern hast Du kein Wohlgefallen. Da sprach Ich: Siehe, Ich komme (in der Rolle des Buchs steht von Mir geschrieben,) Deinen Willen, o Gott, zu tun." Indem Er zuvor gesagt: Schlachtopfer und Speisopfer und Brandopfer und Sündopfer hast Du nicht gewollt, noch Wohlgefallen daran gefunden (welche nach dem Gesetz dargebracht werden), da sprach Er: "Siehe, Ich komme, um Deinen Willen zu tun." Er nimmt das Erste weg, auf daß Er das Zweite aufrichte; durch welchen Willen wir geheiligt sind, durch das Ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi. - Und jeder Priester steht da, täglich den Dienst verrichtend und oft dieselben Schlachtopfer darbringend, welche niemals Sünden wegnehmen können, - Er aber, nachdem Er Ein Opfer für Sünden dargebracht, hat Sich für immerdar zur Rechten Gottes gesetzt, fortan wartend, bis Seine Feinde zum Schemel Seiner Füße gelegt sind. Denn durch ein Opfer hat Er auf immerdar Die, welche geheiligt werden, vollkommen gemacht. Dasselbe bezeugt uns aber auch der Heilige Geist; denn nachdem Er zuvor gesagt: "Dies ist der Bund, welchen Ich für sie nach jenen Tagen errichten werde, spricht der Herr", sagt Er: "Meine Gesetze in ihre Herzen gebend, werde Ich sie auch auf ihre Sinnen schreiben, und ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde Ich nicht mehr gedenken." Wo aber eine Vergebung derselben ist, da ist nicht mehr ein Opfer für die Sünde. Da wir denn, Brüder, zum Eintritt in das Heiligtum Freimütigkeit haben, durch das Blut Jesu, auf einem neuen und lebendigen Wege, welchen Er uns eingeweiht hat, durch den Vorhang, das ist Sein Fleisch, und einen großen Priester über das Haus Gottes, so laßt uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen, in voller Gewißheit des Glaubens, besprengt an den Herzen und also gereinigt vom bösen Gewissen, und gewaschen am Leibe mit reinem Wasser. Laßt uns das Bekenntnis der Hoffnung unbeweglich festhalten, denn treu ist Er, der die Verheißung gegeben hat, und laßt uns aufeinander Acht haben zur Reizung der Liebe und guter Werke und unser Zusammenkommen nicht versäumen, wie es bei einigen Sitte ist, sondern einander ermahnen, und um so mehr, je mehr ihr den Tag herannahen seht. Denn wenn wir mit Willen sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, so bleibt nicht mehr ein Opfer für die Sünden, sondern ein gewisses furchtvolles Erwarten des Gerichts, und ein Feuereifer, welcher die Widersacher verschlingen wird. Jemand, der das Gesetz Moses verworfen hat, stirbt ohne Barmherzigkeit auf die Aussage zweier oder dreier Zeugen; wie viel mehr, denkt ihr, schlimmerer Strafe wird Der wert geachtet werden, der den Sohn Gottes mit Füßen getreten und das Blut des Bundes, durch welches er geheiligt war, für gemein geachtet hat, und den Geist der Gnade geschmäht hat? Denn wir kennen Den, der gesagt hat: "Mein ist die Rache, Ich will vergelten, spricht der Herr." Und wiederum: "Der Herr wird Sein Volk richten." Furchtbar ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen! Erinnert euch aber der vorigen Tage, in welchen ihr, erleuchtet geworden, einen großen Kampf der Leiden ausgehalten habt; teils, daß ihr durch Schmach und Drangsal zur Schau gestellt wurdet, teils, daß ihr Genossen Derer geworden seid, die in solchen Umständen waren. Denn auch an den Leiden der Gebundenen habt ihr Teil genommen, und den Raub eurer Habe mit Freuden aufgenommen, wissend, daß für euch selbst eine bessere und bleibende Habe in den Himmeln liegt. Also verwerfet nicht eure Zuversicht, welche eine große Belohnung hat. Denn ihr bedürft des Ausharrens, auf daß ihr, nachdem ihr den Willen Gottes getan habt, die Verheißung erlangt. Denn noch um ein gar Kleines, und der Kommende wird kommen und nicht verzögern. "Der Gerechte aber wird aus Glauben leben"; und: "Wenn Jemand sich zurückzieht, so wird Meine Seele an ihm keinen Gefallen haben". Wir aber sind nicht von denen, welche sich zurückziehen zum Verderben, sondern von denen, welche glauben zur Erlangung der Seligkeit der Seele.


11.


Der Glaube aber ist die Verwirklichung Dessen, was man hofft, und die Überzeugung Dessen, was man nicht sieht. Denn durch diesen haben die Alten ein Zeugnis erlangt. Durch den Glauben verstehen wir, daß die Welten durch Gottes Wort bereitet sind, so daß Das, was man sieht, nicht aus dem Erscheinenden geworden ist. Durch den Glauben brachte Abel Gott ein besseres Opfer dar, als Kain, durch welches er Zeugnis erlangt hat, daß er gerecht war, indem Gott Zeugnis gab zu seinen Gaben; und durch diesen, obgleich er gestorben ist, redet Er noch. Durch den Glauben ist Henoch entrückt worden, damit er den Tod nicht sehen sollte, und ward nicht gefunden, weil Gott ihn entrückt hatte; denn vor seiner Entrückung hat er das Zeugnis gehabt, daß er Gott wohlgefallen habe. Ohne Glauben aber ist es unmöglich Ihm wohlzugefallen; denn der welcher Gott naht, muß glauben, daß Er ist, und Denen, die Ihn suchen, ein Belohner wird. Durch den Glauben hat Noah, da er einen göttlichen Ausspruch von Dem, was noch nicht zu sehen war, empfangen hatte, von Furcht bewegt, eine Arche zur Rettung seines Hauses bereitet, durch welche er die Welt verurteilte, und Erbe der Gerechtigkeit nach dem Glauben ward. Durch den Glauben gehorchte Abraham, als er gerufen ward, so daß er ausging an den Ort, den er zum Erbteil empfangen sollte; und er ging aus, nicht wissend, wohin er gehe. Durch den Glauben hielt er sich in dem Lande der Verheißung, wie in einem fremden, auf, und wohnte in Hütten, mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung; denn er erwartete die Stadt, welche Grundlagen hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist. Durch den Glauben empfing auch selbst Sarah Kraft, einen Samen zu gründen, und zwar über die Zeit ihres Alters, weil sie Den für treu hielt, der es verheißen hatte. Deshalb sind auch von Einem, und zwar Gestorbenen, geboren, wie die Sterne des Himmels an Zahl, und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählig ist. Diese Alle sind im Glauben gestorben und trugen die Verheißungen nicht davon, sondern sahen sie von ferne und begrüßten sie, und bekannten, daß sie Fremdlinge und ohne Bürgerschaft auf der Erde seien. Denn die solches sagen, zeigen deutlich, daß sie ein Vaterland suchen. Und freilich wenn sie sich jenes erinnert hätten, von welchem sie ausgegangen waren, so hatten sie wohl Zeit zurückzukehren. Jetzt aber begehren sie ein besseres, das ist ein himmlisches. Deshalb schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott zu heißen; denn Er hat ihnen eine Stadt bereitet. Durch den Glauben opferte Abraham, als er versucht ward, den Isaak; und Der, welcher die Verheißungen empfangen hatte, brachte den Eingebornen dar, über welchen gesagt war: "In Isaak wird die dein Same genannt werden"; weil er urteilte, daß Gott auch aus den Toten zu erwecken vermöge, woher er ihn auch in einem Gleichnisse empfing. Durch den Glauben segnete Isaak, in Beziehung auf zukünftige Dinge, den Jakob und den Esau. Durch den Glauben segnete Jakob sterbend jeden der Söhne Josephs und betete an auf der Spitze seines Stabes. Durch den Glauben brachte Joseph, als er verschied, den Auszug der Kinder Israel in Erinnerung und gab Befehl in Betreff seiner Gebeine. Durch den Glauben ward Moses, als er geboren war, drei Monate von seinen Eltern verborgen, weil sie sahen, daß das Kind schön war; und sie fürchteten sich nicht vor dem Gebot des Königs. Durch den Glauben verweigerte Moses, als er groß geworden war, Sohn der Tochter Pharaos zu heißen, lieber wählend, mit dem Volke Gottes Ungemach zu leiden, als die zeitliche Ergötzung der Sünde zu haben, indem er die Schmach Christi für größern Reichtum hielt, als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung hin. Durch den Glauben verließ er Ägypten und fürchtete nicht die Wut des Königs; denn er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren. Durch den Glauben hielt er das Passah und die Besprengung des Blutes, auf daß Der, welcher die Erstgeburt zerstörte, sie nicht antastete. Durch den Glauben gingen sie durch das rote Meer, wie durchs Trockne, welches die Ägypter versuchten und wurden verschlungen. Durch den Glauben fielen die Mauern Jericho´s, nachdem sie sieben Tage umzogen waren. Durch den Glauben kam Rahab, die Hure, nicht mit Denen um, welche nicht glaubten, weil sie die Kundschafter in Frieden aufnahm. Und was sage ich noch? Denn die Zeit wird mir fehlen, wenn ich von Gideon, Barak und Simson, und Jephta, und David und Samuel und den Propheten erzählen soll, welche durch Glauben Königreiche erkämpften, Gerechtigkeit wirkten, Verheißungen erlangten, Löwenrachen stopften, des Feuers Kraft auslöschten, des Schwertes Schärfe entgingen, aus der Schwachheit gekräftigt, im Kriege stark wurden, die Heerlager der Feinde zurücktrieben. Weiber empfingen ihre Toten durch Auferstehung; Andere aber wurden mißhandelt und nahmen die Erlösung nicht an, auf daß sie eine bessere Auferstehung erlangten. Andere aber wurden durch Schimpf und Geißel versucht, und noch dazu durch Banden und Gefängnis. Sie wurden gesteinigt, durchsägt, versucht, starben durch den Tod des Schwertes; sie gingen umher in Schafpelzen, in Ziegenfellen, hatten Mangel, Drangsal, Ungemach, (deren die Welt nicht würdig war;) umherirrend in Wüsten und Gebirgen und Klüften und den Höhlen der Erde. Und diese Alle empfingen ein Zeugnis durch den Glauben, trugen aber nicht die Verheißung davon, da Gott für uns etwas Besseres vorgesehen hat, auf daß sie nicht ohne uns vollkommen gemacht würden.


12.


Deswegen lasset auch uns, weil wir von einer so großen Wolke von Zeugen umgeben sind, jede Bürde und die so leicht umstrickende Sünde ablegen, und den uns vorliegenden Wettlauf mit Ausharren laufen, von Allem absehend auf Jesum, den Anfänger und Vollender des Glaubens, welcher für die Ihm vorliegende Freude das Kreuz erduldete, und der Schande nicht achtete, und sitzt zur Rechten auf dem Throne Gottes. Denn betrachtet Den, der so vielen Widerspruch von den Sündern gegen Sich erduldet hat, auf daß ihr nicht ermüdet, indem ihr in euren Seelen ermattet. Noch habt ihr nicht, wider die Sünde ankämpfend, bis auf´s Blut widerstanden, und ihr habt des Zuspruchs vergessen, welcher zu euch, als zu Söhnen, spricht: "Mein Sohn, achte nicht gering des Herrn Züchtigung, noch ermatte, wenn du von Ihm gestraft wirst." Denn wen der Herr liebt, den züchtigt Er, "und geißelt jeden Sohn, den Er aufnimmt." Wenn ihr die Züchtigung erduldet, so handelt Gott mit euch als mit Söhnen, - denn wo ist der Sohn, den der Vater nicht züchtigt? Wenn ihr aber ohne Züchtigung seid, welcher Alle teilhaftig geworden sind, so seid ihr denn Bastarde und nicht Söhne. Dazu haben wir auch unsere Väter nach dem Fleisch zu Züchtigern gehabt, und uns vor ihnen gescheut; sollen wir nicht vielmehr dem Vater der Geister unterworfen sein, und leben? Denn Jene freilich züchtigten uns auf wenige Tage nach ihrem Gutdünken; Er aber zum Nutzen, daß wir Seiner Heiligkeit teilhaftig werden. Jede Züchtigung aber scheint für die Gegenwart nicht Freude, sondern Traurigkeit zu sein, nachher aber gibt sie die friedsame Frucht der Gerechtigkeit Denen, die durch sie geübt sind. Darum: "Richtet auf die ermatteten Hände und die entkräfteten Kniee, und macht gerade Bahn für eure Füße!", "auf daß, was lahm ist, nicht verrenkt, sondern vielmehr geheilt werde." Strebet dem Frieden nach mit Allen, und der Heiligkeit, ohne welche Niemand den Herrn schauen wird; und sehet zu, daß Niemand von der Gnade Gottes zurückbleibe, daß keine Wurzel von Bitterkeit ausschlagend euch beunruhige und Viele durch diese befleckt werden. Daß kein Hurer oder ein Heilloser wie Esau sei, der für eine Speise sein Erstgeburtsrecht verkaufte. Denn ihr wißt, daß er auch hernach, als er den Segen erben wollte, verworfen worden ist; denn er fand keinen Platz für die Buße, obgleich er sie sehr mit Tränen suchte. Denn ihr seid nicht gekommen zu dem betastbaren und mit Feuer brennenden Berge und Dunkel und Finsternis und Sturm, und zu dem Posaunenschall und zu der Stimme der Worte, deren Hörer baten, daß das Wort nicht mehr an sie gerichtet werden möge, (denn sie ertrugen nicht, was geboten ward: "Sogar, wenn ein Tier den Berg anrührt, soll es gesteinigt werden." Und, so furchtbar war die Erscheinung, daß Moses sagte: Ich bin voll Schrecken und voll Zittern, sondern ihr seid gekommen zu dem Berge Zion, - und zu der Stadt des lebendigen Gottes, zu dem himmlischen Jerusalem, - und zu Myriaden Engeln, der Festversammlung, - und zu der Versammlung der Erstgebornen, die in den Himmeln angeschrieben sind, - und zu Gott dem Richter Aller, - und zu den Geistern der vollendeten Gerechten, - und zu Jesu, dem Mittler des neuen Bundes, - und zu dem Blute der Besprengung, welches Besseres redet als Abel. Sehet zu, daß ihr Den nicht abweiset, welcher redet! Denn wenn Jene nicht entgingen, die Den, der auf der Erde Aussprüche gab, abwiesen; wie vielmehr wir, wenn wir uns von Dem, der von den Himmeln redet, abwenden? Dessen Stimme damals die Erde erschütterte; jetzt aber hat Er verheißen, sagend: "Noch einmal bewege ich nicht allein die Erde, sondern auch den Himmel. Aber dieses "noch einmal" offenbart die Verwandlung der Dinge, welche erschüttert werden, weil sie gemacht sind, auf daß die, welche nicht erschüttert werden, bleiben. Deshalb, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, so laßt uns die Gnade festhalten, durch welche wir Gott wohlgefällig dienen mit Ehrfurcht und Frömmigkeit. "Denn unser Gott ist ja ein verzehrendes Feuer."


13.


Die Bruderliebe dauere fort. Der Gastfreundschaft vergesset nicht; denn durch diese haben Einige, ohne daß sie es ahnten, Engel beherbergt. Gedenket der Gefangenen, wie Mitgefangene, und Derer, die Ungemach leiden, als die ihr selbst auch im Leibe seid. Die Ehe ist ehrbar in Allem, und das Bett unbefleckt; Hurer aber und Ehebrecher wird Gott richten. Der Wandel sei ohne Geldgier. Begnüget euch mit Dem, was da ist; denn Er hat gesagt: "Ich werde dich nicht versäumen, noch dich verlassen"; so daß wir kühn sagen dürfen: "Der Herr ist mein Helfer, und ich will mich nicht vor dem fürchten, was mir ein Mensch tun wird". Erinnert euch eurer Führer, welche euch das Wort Gottes geredet haben, und schauet den Ausgang ihres Wandels an, und ahmet ihrem Glauben nach! Jesus Christus ist gestern und heute und in die Zeitalter derselbe. Laßt euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren fortreißen; denn es ist gut, daß das Herz durch die Gnade befestigt werde, und nicht durch Speisen, welche Denen nichts genützt haben, die darin wandelten. Wir haben einen Altar, von welchem die, welche der Hütte dienen, kein Recht haben zu essen. Denn von den Tieren, deren Blut für Sünde durch den Hohenpriester in das Heiligtum gebracht wird, werden die Leiber außerhalb des Lagers verbrannt. Deshalb litt auch Jesus, auf daß Er durch Sein Eigenes Blut das Volk heiligte, außerhalb des Tores. Darum laßt uns zu Ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers, Seine Schmach tragend. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern wir suchen die zukünftige. Durch Ihn laßt uns denn Gott stets das Opfer des Lobes, das ist, die Frucht der Lippen, die Seinen Namen bekennen, darbringen. Des Wohltuns aber und des Mitteilens vergesset nicht; denn an solchen Opfern hat Gott Wohlgefallen. Gehorchet euren Führern und gebet nach; denn sie wachen zum Besten eurer Seelen, als die da Rechenschaft zu geben haben, auf daß sie dies mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn dies ist euch nicht nützlich. Betet für uns, denn wir sind der Zuversicht, daß wir ein gutes Gewissen haben, indem wir willens sind, in Allem ehrbar zu wandeln. Ich bitte euch aber um so mehr, dieses zu tun, auf daß ich euch eher wiedergegeben werde. Der Gott aber des Friedens, der den großen Hirten der Schafe, unsern Herrn Jesum, in dem Blute des ewigen Bundes aus den Toten wiederbrachte, vollende euch in jedem guten Werk, um Seinen Willen zu tun, in euch schaffend, was vor Ihm wohlgefällig ist, durch Jesum Christum, welchem sei Herrlichkeit in die Zeitalter der Zeitalter! Amen. Ich bitte euch aber, Brüder, ertraget das Wort der Ermahnung; denn freilich habe ich euch in der Kürze geschrieben. Wisset, daß der Bruder Timotheus freigelassen ist, mit welchem ich, wenn er bald kommt, euch sehen werde. Grüßet alle eure Führer und alle die Heiligen. Es grüßen euch die von Italien. Die Gnade mit euch Allen! Amen.



Die Epistel des Apostels Jakobus.


1.


Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesu Christi, den zwölf Stämmen, die in der Zerstreuung sind, seinen Gruß. Haltet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mannigfache Versuchung geratet, wissend, daß die Bewährung eures Glaubens Ausharren bewirkt. Lasset aber das Ausharren sein vollkommenes Werk haben, auf daß ihr vollkommen und ganz vollendet, in nichts mangelhaft seid. Wenn aber Jemanden von euch Weisheit mangelt, so bitte er von Gott, welcher Allen willig gibt und nichts vorwirft; und es wird ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben, ohne zu zweifeln; denn der Zweifler ist der Meeres-Woge gleich, die vom Winde bewegt und hin und her getrieben wird. Denn jener Mensch denke nicht, daß er etwas von dem Herrn empfangen werde. Ein doppelherziger Mann ist unstet in allen seinen Wegen. - Der niedrige Bruder aber rühme sich in seiner Hoheit; der reiche aber in seiner Erniedrigung; denn wie des Grases Blume wird er vergehen. Denn die Sonne ist mit der Glut aufgegangen, und hat das Gras gedörrt, und seine Blume ist abgefallen, und die Zierde seines Ansehens ist verloren; also wird auch der Reiche in seinen Wegen verwelken. Glückselig der Mann, welcher in der Versuchung aushält! Denn wenn er bewährt ist, wird er die Krone des Lebens empfangen, welche der Herr Denen, die Ihn lieben, verheißen hat. Niemand, wenn er versucht wird, sage: Ich werde von Gott versucht; denn Gott ist vom Bösen unversuchbar, und Selbst versucht Er Niemanden. Jeglicher aber wird versucht, wenn er von seiner eigenen Lust fortgezogen und gelockt wird. Darnach, wenn die Lust empfangen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie vollendet ist, gebiert den Tod. Irret euch nicht, meine geliebten Brüder. Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk ist von oben, und kommt herab von dem Vater der Lichter, bei welchem keine Veränderung noch Schatten von Wechsel ist. Nach seinem eigenen Willen hat Er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt, auf daß wir in etwa Erstlinge Seiner Schöpfung seien. Also sei denn, meine geliebten Brüder, ein jeder Mensch schnell zu hören, langsam zu reden, langsam zum Zorn. Denn der Zorn eines Mannes wirkt die Gerechtigkeit Gottes nicht. Deshalb leget alle Unsauberkeit und alles Übermaß von Schlechtigkeit ab, und empfanget mit Sanftmut das eingepflanzte Wort, welches eure Seelen zu erretten vermag. Seid aber Täter des Wortes, und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen. Denn wenn Jemand ein Hörer des Wortes und nicht ein Täter ist, der ist einem Manne gleich, welcher sein leibliches Angesicht im Spiegel beschaut. Denn er hat sich selbst beschaut und ist weggegangen, und er hat alsbald vergessen, wie er war. Wer aber in das vollkommene Gesetz, in das der Freiheit, nahe hineingeschaut hat, und darin geblieben ist, dieser, indem er nicht ein vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter des Werkes ist, dieser wird glückselig sein in seinem Tun. - Wenn Jemand meint, Einer zu sein, der Gott dient, und seine Zunge nicht zügelt, sondern sein eigenes Herz verführt, dessen Gottesdienst ist eitel. Der eine und unbefleckte Gottesdienst vor Gott und dem Vater ist dieser: die Waisen und Witwen in ihrer Drangsal zu besuchen, sich selbst von der Welt unbefleckt zu bewahren.


2.


Meine Brüder, habet nicht den Glauben unsers Herrn Jesu Christi, Herrn der Herrlichkeit, mit Ansehen der Person. Denn wenn in eure Synagoge ein Mann mit Gold-Ringen an den Fingern, in prächtiger Kleidung kommt, es kommt aber auch ein armer in schmutziger Kleidung hinein, und ihr auf Den, der die prächtige Kleidung trägt, sehen und zu ihm sagen werdet: Du, setze Dich bequem hierher! - und ihr zu dem Armen sagen werdet: Du, stehe dort, oder setze dich hier unten an meinen Fußschemel! - Habt ihr denn nicht parteiisch unter euch geurteilt, und seid Richter von bösen Gedanken geworden? Höret, meine geliebten Brüder! Hat nicht Gott die Armen der Welt zu Reichen im Glauben und zu Erben des Reichs, welches Er Denen, die Ihn lieben, verheißen hat, auserwählt? Ihr aber habt den Armen gering geschätzt. Unterdrücken euch nicht die Reichen, und ziehen sie euch nicht vor die Gerichte? Verlästern sie nicht den guten Namen, der über euch angerufen ist? Wenn ihr wirklich das königliche Gesetz, nach der Schrift: "Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst" - vollführt, so tut ihr wohl. Wenn ihr aber die Personen anseht, so tut ihr Sünde, indem ihr von dem Gesetze als Übertreter überführt werdet. Denn Jeder, der das ganze Gesetz halten, aber in einem einzigen Punkt verstoßen wird, ist in Allem schuldig geworden. Denn der gesagt hat: "Du sollst nicht ehebrechen", der hat auch gesagt: "Du sollst nicht töten". Wenn du aber nicht ehebrechen, aber töten wirst, so bist du ein Übertreter des Gesetzes geworden. Also redet und also tut, als die durch das Gesetz der Freiheit gerichtet werden sollen. Denn das Gericht ist Dem unbarmherzig, der nicht Barmherzigkeit getan hat; und Barmherzigkeit rühmet sich wider das Gericht. Was nützet es, meine Brüder, wenn Jemand sagt, er habe Glauben, aber er hat nicht Werke? Kann der Glaube ihn erretten? Wenn aber ein Bruder oder Schwester nackend ist und der täglichen Nahrung entbehrt, und Jemand von euch zu ihnen sagen würde: Gehet hin in Frieden! werdet gewärmt und werdet gesättigt! - ihr ihnen aber nicht die Notdurft des Leibes gebet, was nützt es? - Also ist auch der Glaube, wenn er keine Werke hat, tot an sich selbst. Es wird aber Jemand sagen: Du hast den Glauben und ich habe die Werke, zeige mir deinen Glauben ohne Werke, und ich werde dir aus meinen Werken meinen Glauben zeigen! - Du glaubst, daß Gott ein Einiger ist, du tust wohl; auch die Teufel glauben, und schaudern. Willst du aber wissen, o eitler Mensch! daß der Glaube ohne die Werke tot ist? - Abraham, unser Vater, - ist er nicht aus Werken gerechtfertigt worden, da er Isaak, seinen Sohn auf dem Altare opferte? Siehst du, daß der Glaube mit seinen Werken mitgewirkt hat, und aus den Werken der Glaube vollendet worden ist? Und die Schrift ist erfüllt worden, welche sagt: "Abraham aber glaubte Gott, und es ward ihm zur Gerechtigkeit gerechnet, und er wurde Freund Gottes genannt." So sehet ihr, daß ein Mensch aus Werken, und nicht allein aus dem Glauben gerechtfertigt wird. Ist aber gleicherweise nicht auch Rahab, die Hure, aus Werken gerechtfertigt worden, da sie die Boten aufnahm, und sie auf einem andern Wege hinausließ? Denn gleichwie der Leib ohne den Geist tot ist, also ist auch der Glaube ohne die Werke tot.


3.


Werdet nicht viele Lehrer, meine Brüder, wissend, daß wir ein schwereres Urteil empfangen werden. Denn wir straucheln Alle mannigfaltig. Wenn Jemand nicht im Worte strauchelt, dieser ist ein vollkommener Mann, vermögend, auch den ganzen Leib zu zügeln. Siehe, den Pferden legen wir ein Gebiß in´s Maul, daß sie uns gehorchen, und ihren ganzen Leib wenden wir um. Siehe, auch die Schiffe, welche so groß sind, und von heftigen Winden getrieben werden, werden durch ein sehr kleines Steuerruder umgewandt, wohin immer der Wille des Steuermanns will. Also ist auch die Zunge ein kleines Glied und rühmet sich großer Dinge. Siehe, ein kleines Feuer, welch einen großen Haufen zündet es an! Auch die Zunge unter unsern Gliedern, sie, die den ganzen Leib befleckt und den Lauf unseres Wesens anzündet, und von der Hölle angezündet wird. Denn jede Natur, sowohl der Tiere und der Vögel, als auch der kriechenden und der Meer-Tiere, wird gezähmt und ist gezähmt worden durch die menschliche Natur. Die Zunge aber kann Niemand der Menschen zähmen; sie ist ein unaufhaltsames Übel voll tödlichen Giftes! Mit ihr loben wir Gott und den Vater, und mit ihr fluchen wir den Menschen, die nach dem Bilde Gottes geworden sind. Aus demselben Munde gehet Segen und Fluch hervor. Dieses, meine Brüder, sollte nicht also sein. Sprudelt die Quelle aus demselben Loche das Süße und das Bittere? Kann, meine Brüder, der Feigenbaum Oliven, oder der Weinstock Feigen hervorbringen? Also kann auch keine Quelle salziges und süßes Wasser geben. Wer ist weise und verständig unter euch? Er zeige aus dem guten Wandel seine Werke in Sanftmut der Weisheit. Wenn ihr aber bittern Eifer und Parteisucht in eurem Herzen habt, so rühmt euch nicht und lügt nicht wider die Wahrheit! Diese Weisheit ist nicht von oben herniedergekommen, sondern sie ist irdisch, sinnlich, teuflisch. Denn wo Eifer und Parteisucht ist, da ist Aufruhr und jede schlechte Tat. Die Weisheit aber von oben ist auf´s erste rein, dann friedsam, nachgiebig, folgsam, voll Barmherzigkeit und guter Früchte, nicht parteiisch urteilend, und nicht heuchlerisch. Die Frucht der Gerechtigkeit aber wird in Frieden gesät Denen, die Frieden machen.


4.


Woher sind Kriege und Kämpfe unter euch? Kommen sie nicht daher, aus euren Wollüsten, die in euren Gliedern streiten? Ihr begehret, und habt nichts; ihr tötet und eifert, und könnt nichts erlangen; ihr streitet und krieget, ihr habt nichts, weil ihr nicht bittet; ihr bittet, und empfanget nichts, weil ihr übel bittet, damit ihr es in euren Wollüsten verzehret. Ihr Ehebrecher und Ehebrecherinnen, wisset ihr nicht, daß die Freundschaft der Welt Feindschaft wider Gott ist? Wer irgend nun ein Freund der Welt sein will, stellt sich als Feind Gottes dar. Oder meinet ihr, daß die Schrift vergeblich sagt: "Der Geist, der in uns wohnt, begehrt mit Neid?" Er gibt aber größere Gnade; deshalb sagt Er: "Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt Er Gnade." Unterwerft euch denn Gott. Widerstehet dem Teufel, und er wird von euch fliehen! Nahet euch Gott, und Er wird sich euch nahen! Säubert die Hände, ihr Sünder, und reinigt die Herzen, ihr Doppelherzigen! Seid niedergeschlagen, und trauert und weint! euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit, und eure Freude in Niedergeschlagenheit! Demütigt euch vor dem Herrn, und Er wird euch erhöhen! Redet nicht übel wider einander, Brüder! Wer von dem Bruder übel redet und seinen Bruder richtet, redet von dem Gesetz übel und richtet das Gesetz. Wenn du aber das Gesetz richtest, so bist du nicht ein Täter des Gesetzes, sondern ein Richter. Es ist Ein Gesetzgeber und Richter, der zu erretten und zu verderben vermag. Wer aber bist du, der du den Andern richtest? Wohlan denn, die ihr saget: Heute oder morgen werden wir in die und die Stadt gehen, und daselbst ein Jahr zubringen und Handel treiben, und Gewinn machen; - (die ihr nicht wisset, was der morgende Tag bringt. Denn was ist euer Leben? Ein Dampf ist es, der für kurze Zeit gesehen wird, dann aber verschwindet.) - anstatt zu sagen: Wenn der Herr will, und wir leben, so werden wir dies oder jenes tun! - Nun aber rühmet ihr euch in euren Prahlereien. Alles solches Rühmen ist böse. Wer nun Gutes zu tun weiß, und es nicht tut, dem ist es Sünde.


5.


Wohlan denn, ihr Reichen! Weinet und heulet über euer Elend, das über euch kommt! Euer Reichtum ist verfault, und eure Kleider sind mottenfressig geworden. Euer Gold und Silber ist verrostet, und ihr Rost wird wider euch zu einem Zeugnis sein, und euer Fleisch wie Feuer fressen; ihr habt in den letzten Tagen Schätze gesammelt. Siehe der Lohn der Arbeiter, die eure Felder gemähet haben, welcher von euch vorenthalten ist, schreit, und das Geschrei der Schnitter ist in die Ohren des Herrn Zebaoth gedrungen. Ihr habt auf Erden üppig gelebt und geschwelgt; ihr habt eure Herzen wie an einem Schlachttage gepflegt. Ihr habt den Gerechten verurteilt und getötet; - er widersteht euch nicht. So habt denn Geduld, Brüder, bis zu der Ankunft des Herrn! Siehe, der Ackersmann wartet auf die köstliche Frucht der Erde, und hat Geduld über derselben, bis sie den Frühregen und den Spätregen empfange. Habt auch ihr Geduld, befestigt eure Herzen; denn die Ankunft des Herrn ist nahe gekommen! Seufzet nicht wider einander, Brüder, auf daß ihr nicht gerichtet werdet! Siehe, der Richter steht vor den Türen. Nehmt, meine Brüder, die Propheten, welche im Namen des Herrn geredet haben, zum Beispiel des Leidens und der Geduld. Siehe, wir preisen Die selig, welche ausharren. Von dem Ausharren Hiobs habt ihr gehört, und das Ende des Herrn habt ihr gesehen, daß der Herr sehr barmherzig und mitleidig ist. Vor Allem aber, meine Brüder, schwöret nicht, weder bei dem Himmel noch bei der Erde, noch einen andern Eid! Es sei euer Ja - Ja, und euer Nein - Nein, auf daß ihr nicht dem Gericht verfallet. Leidet Jemand unter euch? - er bete. Ist Jemand wohlgemut? - er singe Psalmen. Ist Jemand krank unter euch? - er rufe die Ältesten der Versammlung zu sich, und sie sollen über ihn beten und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufstehen lassen; wenn er auch Sünden getan hat, so wird es ihm vergeben werden. Bekennet einander die Vergehungen und betet füreinander, auf daß ihr geheilt werdet; das innerlich kräftige Gebet eines Gerechten vermag viel. - Elias war ein Mensch von gleicher Beschaffenheit wie wir; und er betete mit Gebet, daß es nicht regnen möchte, und drei Jahre und sechs Monate regnete es nicht auf der Erde. Und wiederum betete er, und der Himmel gab Regen, und die Erde brachte ihre Frucht hervor. Brüder, wenn Jemand unter euch von der Wahrheit abgeirrt ist, und es wird ihn Jemand wieder zurückführen, der wisse, daß der, welcher einen Sünder von dem Irrtum seines Weges zurückgeführt hat, eine Seele aus dem Tode erretten und eine Menge von Sünden zudecken wird.



Die erste Epistel des Apostels Petrus.


1.


Petrus, Apostel Jesu Christi, den auserwählten Fremdlingen von der Zerstreuung in Pontus, Galatien, Kapadocien, Asien und Bithynien, nach Vorkenntnis Gottes des Vaters, in Heiligkeit des Geistes, zum Gehorsam und zur Blutbesprengung Jesu Christi: Gnade und Friede sei euch vermehrt. Gepriesen sei der Gott und Vater unsers Herrn Jesu Christi, der uns nach Seiner Großen Barmherzigkeit wiedergezeugt hat zu lebendiger Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten, zu einem unverweslichen und unbefleckten Erbteil, welches in den Himmeln für euch aufbewahrt ist, die ihr durch Gottes Macht durch Glauben bewahrt werdet zum Heile, welches bereit ist, in der letzten Zeit offenbart zu werden, in welcher ihr frohlockt, die ihr jetzt eine kurze Zeit (wenn es nötig ist) durch mannigfache Versuchungen traurig seid; damit die Bewährung eures Glaubens viel köstlicher, als die des Goldes (welches vergänglich ist, aber durch Feuer erprobt wird) erfunden werde zu Lob und Ehre und Herrlichkeit in der Offenbarung Jesu Christi, welchen ihr, obgleich ihr Ihn nicht gesehen habt, liebt, an welchen glaubend, obgleich ihr Ihn jetzt nicht sehet, ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude frohlockt, indem ihr das Ende eures Glaubens, die Errettung der Seelen davontraget; über welche Errettung die Propheten nachgesucht und nachgeforscht haben, die von der für euch bestimmten Gnade geweissagt haben, forschend, auf welche oder welcherlei Zeit der Geist Christi, der in ihnen war, hindeutete, als Er von den Leiden, die auf Christum kommen sollten und von den Herrlichkeiten darnach zuvorzeugte; welchen es offenbart wurde, daß sie nicht für sich selbst, sondern für euch die Dinge bedienten, welche euch jetzt durch die verkündigt worden sind, welche euch das Evangelium mit dem vom Himmel gesandten Heiligen Geiste gepredigt haben, in welches die Engel hineinzuschauen begehren. Deshalb umgürtet die Lenden eurer Gesinnung, seid nüchtern, und hoffet völlig auf die Gnade, welche euch in der Offenbarung Jesu Christi gebracht wird. Als Kinder des Gehorsames euch nicht nach den Lüsten, welche früher in eurer Unwissenheit euch beherrschten, bildend, sondern dem Heiligen gemäß, der euch berufen hat, seid auch ihr selbst im ganzen Wandel heilig! Sintemal geschrieben steht: "Seid heilig, denn ich bin heilig!" Und wenn ihr als Vater Den anrufet, der ohne Ansehen der Person nach eines Jeglichen Werk richtet, so bringet die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht zu, wissend, daß ihr nicht mit verweslichen Dingen, Silber oder Gold, von eurem eitlen, von den Vätern überlieferten Wandel, erlöst worden seid, sondern mit dem kostbaren Blute Christi, als eines Lammes ohne Fehl und ohne Flecken; welcher zwar von Grundlegung der Welt zuvorerkannt, aber in den letzten Zeiten offenbart ist um euretwillen, die ihr durch Ihn an Gott glaubet, der Ihn aus den Toten auferweckt und Ihm Herrlichkeit gegeben hat, daß euer Glaube und eure Hoffnung auf Gott sei. - Da ihr eure Seelen durch den Gehorsam der Wahrheit durch den Geist zu ungeheuchelter Bruderliebe gereinigt habt, so liebet einander mit Inbrunst aus reinem Herzen, die ihr nicht aus verweslichem, sondern aus unverweslichem Samen, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes neugeboren seid; sintemal "alles Fleisch wie Gras und alle seine Herrlichkeit wie die Blume des Grases ist. Das Gras ist verdorrt, und seine Blume ist abgefallen. Das Wort aber es Herrn bleibt in Ewigkeit." Dies ist aber das Wort, das euch verkündigt ist.


2.


Leget denn ab alle Bosheit und allen Betrug und Heuchelei und Neid und alles üble Nachreden, und sehnet euch wie neu geborne Kindlein, nach der vernünftigen, unverfälschten Milch, auf daß ihr dadurch zur Seligkeit wachset, wenn ihr anders geschmeckt habt, daß der Herr gütig ist. Zu welchem kommend, als zu einem lebendigen Steine, von Menschen zwar verworfen, vor Gott aber auserwählt, kostbar, seid auch ihr als lebendige Steine auferbaut, ein geistliches Haus, ein heiliges Priestertum, um geistliche Opfer, Gott wohlannehmlich durch Jesum Christum darzubringen. Darum ist in der Schrift enthalten: "Siehe, Ich lege in Zion einen Eckstein, einen auserwählten, kostbaren; und wer an Ihn glaubt, wird nicht beschämt werden." Für euch nun, die ihr glaubet, ist die Kostbarkeit; den Ungläubigen aber, "der Stein, den die Bauleute verworfen haben, - dieser ist zum Eckstein geworden; und, "ein Stein des Anstoßes und ein Fels der Ärgernis", denen nämlich, welche, nicht glaubend, sich an dem Worte stoßen, wozu sie auch gesetzt sind. Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, eine heilige Nation, ein Volk zum Besitztum, damit ihr die Tugenden Dessen verkündigt, der euch aus der Finsternis in Sein wunderbares Licht berufen hat, die ihr einst "nicht ein Volk" waret, nun aber ein Volk Gottes seid; die ihr "nicht Barmherzigkeit empfangen hattet", nun aber Barmherzigkeit empfangen habt. Geliebte, ich ermahne euch als Fremdlinge, und als die ihr ohne Bürgerschaft seid, daß ihr euch von den fleischlichen Lüsten enthaltet, welche wider die Seele streiten; euren Wandel unter denen von den Nationen ehrbar führend, auf daß sie, worin sie wider euch als Übeltäter sprechen, aus den guten Werken, welche sie gesehen haben, Gott am Tage der Heimsuchung verherrlichen mögen. Unterwerfet euch denn jeder menschlichen Einrichtung, um des Herrn willen: sei es dem Könige, als dem, der die höchste Gewalt hat, oder den Statthaltern, als denen, die von ihm gesandt werden, zur Strafe der Übeltäter, aber zum Lobe Derer, die Gutes tun. Denn also ist der Wille Gottes, daß ihr mit Gutestun die Unwissenheit der unverständigen Menschen zum Schweigen bringt, als Freie, und nicht die Freiheit zum Schleier der Bosheit habend, sondern als Knechte Gottes. Haltet Alle in Ehren. Liebet die Brüderschaft. Fürchtet Gott. Ehret den König. Ihr Diener, seid den Herren in aller Furcht untertan, nicht allein den guten und milden, sondern auch den verkehrten. Denn dieses ist Gnade, wenn Jemand um des Gewissens vor Gott willen Beschwerden aushält, indem er ungerecht leidet. Denn was ist das für ein Ruhm, wenn ihr euch vergehet und deshalb geschlagen werdet und es aushaltet? Wenn ihr aber Gutes tut und leidet und es aushaltet, dieses ist wohlgefällig vor Gott. Denn hierzu seid ihr berufen, weil auch Christus für uns gelitten hat, euch ein Exempel hinterlassend, auf daß ihr Seinen Fußstapfen nachfolgt; welcher keine Sünde tat, und in dessen Munde kein Betrug erfunden ward, der, gescholten, nicht wieder schalt, leidend, nicht drohte, sondern sich Dem befahl, der recht richtet; welcher Selbst an Seinem Eigenen Leibe unsere Sünden an dem Holz getragen hat, auf daß wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben, durch dessen Striemen ihr heil geworden seid. Denn ihr waret wie Schafe in der Irre; seid aber nun wieder zu dem Hirten und Aufseher eurer Seelen zurückgekehrt.


3.


Gleicherweise, ihr Weiber, seid euren eigenen Männern unterwürfig, auf daß, wenn auch Etliche dem Worte nicht gehorchen, sie durch den Wandel der Weiber ohne Wort gewonnen werden; indem sie euren in Furcht keuschen Wandel gesehen haben; deren Schmuck nicht der auswendige sei in Haarflechten, und Umhängen von Goldgeschmeide, oder Anziehen von Kleidern, sondern der verborgene Mensch des Herzens in dem Unverweslichen des sanften und stillen Geistes, welcher vor Gott sehr köstlich ist. Denn also haben einst auch die heiligen Weiber, die auf Gott hofften, sich geschmückt, den eigenen Männern unterworfen; wie Sarah dem Abraham gehorchte, ihn "Herr" nennend, deren Kinder ihr geworden seid, wenn anders ihr Gutes tut und keinen Schrecken fürchtet. - Ihr Männer gleicherweise, wohnet mit Einsicht bei ihnen, - dem weiblichen, als dem schwächern Gefäße Ehre gebend, - als die auch Miterben der Gnade des Lebens sind, auf daß eure Gebete nicht verhindert werden. Endlich aber seid Alle gleichgesinnt, mitleidig, voll Bruderliebe, zärtlich, demütig, nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort vergeltend, sondern im Gegenteil segnend, wissend, daß ihr hierzu berufen seid, daß ihr Erben des Segens werdet. Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der enthalte seine Zunge vom Bösen, und seine Lippen, daß sie keinen Trug reden; er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und strebe darnach. Denn die Augen des Herrn sind über den Gerechten, und Seine Ohren zu ihrem Gebet; das Angesicht aber des Herrn ist wider Die, welche Böses tun. Und wer ist der, welcher euch Böses tun wird, wenn ihr Nachahmer des Guten seid? Aber wenn ihr auch um der Gerechtigkeit willen leidet, so seid ihr glückselig! Fürchtet euch aber nicht mit ihrer Furcht, noch seid bestürzt; sondern heiligt Gott den Herrn in euren Herzen! Seid aber jederzeit zur Verantwortung bereit Jedem, der von euch Rechenschaft von der Hoffnung fordert, die in euch ist, mit Sanftmut und Furcht, ein gutes Gewissen bewahrend, auf daß die, welche euren guten Wandel in Christo verleumden, worin sie wider euch, als Übeltäter, reden, beschämt werden. Denn es ist besser, daß ihr, wenn es der Wille Gottes so will, Gutes tuend, als Böse tuend, leidet. Denn freilich hat Christus einmal für Sünden gelitten, der Gerechte für die Ungerechten, auf daß Er uns zu Gott führe, getötet nach dem Fleische, aber lebendig gemacht nach dem Geiste; in welchem Er auch ging und den Geistern, die im Gefängnis sind, predigte, welche einst nicht glaubten, als die Langmut Gottes in den Tagen Noah´s wartete, während die Arche zugerichtet wurde, in welcher wenige, das ist acht, Seelen durch Wasser hindurch gerettet wurden, welches Gegenbild, die Taufe, auch uns jetzt rettet, (nicht ein Ablegen der Unreinigkeit des Fleisches, sondern die Befragung eines guten Gewissens vor Gott) durch die Auferstehung Jesu Christi, welcher zu Rechten Gottes ist, da er zum Himmel gefahren, und Engel und Gewalten und Mächte Ihm untertan worden sind.


4.


Da nun Christus für uns im Fleische gelitten hat, so wappnet auch ihr euch mit demselben Sinn; denn wer am Fleische gelitten hat, ruhet von Sünde, um die im Fleische noch übrige Zeit nicht mehr den Lüsten der Menschen, sondern dem Willen Gottes zu leben. Denn die vergangene Zeit des Lebens ist uns genug, den Willen der Nationen getan zu haben, als wir in allerlei Ausschweifungen, Lüsten, Trunkenheit, Festgelagen, Trinkgelagen und frevelhaften Götzendienereien wandelten; welches sie befremdet, indem ihr nicht in dasselbe Treiben der Ausgelassenheit der Schwelgerei mit lauft, und lästern; welche Dem Rechenschaft geben werden, der bereit ist, die Lebendigen und die Toten zu richten. Denn dazu ist auch den Toten eine frohe Botschaft gepredigt worden, auf daß sie dem Menschen gemäß in Betreff des Fleisches gerichtet werden, aber Gott gemäß in Betreff des Geistes leben. Es ist aber das Ende aller Dinge nahe gekommen. Seid denn besonnen und nüchtern zum Gebet. Vor allen Dingen aber habt untereinander eine inbrünstige Liebe; denn die Liebe wird eine Menge Sünden bedecken. Seid gastfrei gegen einander ohne Murren; je nachdem Jeder eine Gnadengabe empfangen hat, dienet einander damit, als gute Verwalter der mannigfaltigen Gnade Gottes. Wenn Jemand redet, so rede er als Aussprüche Gottes; wenn Jemand dienet, so sei es als aus der Kraft, welche Gott darreicht, auf daß in Allem Gott durch Jesum Christum verherrlicht werde, welchem ist die Herrlichkeit und die Stärke in die Zeitalter der Zeitalter. Amen. Geliebte, laßt euch die feurige Prüfung unter euch, welche euch zur Versuchung geschieht, nicht befremden, als begegne euch etwas Fremdes, sondern weil ihr der Leiden des Christus teilhaftig seid, so freuet euch, auf daß ihr auch in der Offenbarung Seiner Herrlichkeit mit Frohlocken euch freuet. Glückselig seid ihr, wenn ihr im Namen Christi geschmäht werdet! Denn der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes ruht auf euch; - bei ihnen freilich wird Er verlästert, bei euch aber wird Er verherrlicht. Daß doch Niemand unter euch als ein Mörder, oder Dieb, oder Übeltäter, oder als der sich in fremde Sachen mischt, leide; wenn aber als Christ, so schäme er sich nicht, sondern verherrliche Gott in dieser Beziehung. Denn es ist die Zeit, daß das Gericht am Hause Gottes anfange. Wenn aber zuerst an uns, was wird das Ende Derer sein, die dem Evangelium Gottes nicht glauben. Und "wenn der Gerechte mit Not gerettet wird, wo will der Gottlose und Sünder erscheinen?" Daher sollen auch Die, welche nach dem Willen Gottes leiden, Ihm, als treuem Schöpfer, ihre Seelen befehlen im Gutestun.


5.


Die Ältesten unter euch ermahne ich, der Mit-Älteste und Zeuge der Leiden des Christus, und auch Teilnehmer der Herrlichkeit, die offenbart werden soll: Hütet die Herde Gottes, welche unter euch ist, die Aufsicht nicht aus Zwang, sondern freiwillig führend, auch nicht um schändlichen Gewinn, sondern bereitwillig, noch als herrschend über die Erbgüter, sondern Muster der Herde werdend. Und wenn der Erzhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen. Desgleichen ihr Jüngern, seid den Ältesten untertan. Alle aber einander untertänig, seid stets mit Demut bekleidet; denn "Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade." So demütigt euch denn unter die mächtige Hand Gottes, damit Er euch zu seiner Zeit erhöhe. Alle eure Sorge werfet auf Ihn, denn Er sorgt für euch. Seid nüchtern, wachet; euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher, suchend, welchen er verschlinge. Dem widersteht standhaft durch den Glauben, wissend, daß dieselben Leiden an eurer Brüderschaft, die in der Welt ist, vollbracht werden. Der Gott aber aller Gnade, der uns zu Seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu berufen hat, Er selbst, nachdem ihr eine kurze Zeit gelitten habt, mache euch vollkommen, befestige, kräftige, gründe euch. Ihm sei die Herrlichkeit und die Stärke in die Zeitalter der Zeitalter. Amen. Durch Silvanum, den getreuen Bruder für euch, wie ich dafür halte, habe ich euch mit Wenigem geschrieben, ermahnend und bezeugend, daß dies die wahrhaftige Gnade Gottes ist, in welcher ihr stehet. Es grüßet euch die Miterwählte in Babylon, und Markus, mein Sohn. Grüßet einander mit dem Kuß der Liebe. Friede sei mit euch Allen, die in Christo Jesu sind.



Die zweite Epistel des Apostels Petrus.


1.


Simon Petrus, Knecht und Apostel Jesu Christi, denen, die einen gleich kostbaren Glauben mit uns durch die Gerechtigkeit unsers Gottes und Heilandes Jesu Christi empfangen haben: Gnade und Friede sei euch vermehrt in der Erkenntnis Gottes und Jesu, unsers Herrn. Da Alles Seiner göttlichen Kraft, in Betreff des Lebens und der Frömmigkeit, und durch die Erkenntnis Dessen, der uns durch Herrlichkeit und Tugend gerufen hat, gegeben ist, durch welche uns die größten und kostbaren Verheißungen gegeben sind, damit ihr durch diese Teilnehmer der göttlichen Natur werdet, indem ihr dem Verderben, welches in der Welt durch die Lust ist, entfliehet; und eben deshalb fügt aber auch, allen Fleiß erweisend, zu eurem Glauben die Tugend, zu der Tugend aber die Kenntnis, zu der Kenntnis aber die Enthaltsamkeit, zu der Enthaltsamkeint aber das Ausharren, zu dem Ausharren aber die Gottseligkeit, zu der Gottseligkeit aber die Bruderliebe, zu der Bruderliebe aber die Liebe. Denn wenn diese Dinge bei euch sind und reichlich vorhanden, so stellen sie euch nicht träge, noch fruchtleer in der Erkenntnis unsers Herrn Jesu Christi hin. Denn bei welchem diese Dinge nicht sind, der ist blind, kurzsichtig und hat die Reinigung seiner frühern Sünden vergessen. Deshalb vielmehr, Brüder, befleißiget euch, eure Berufung und Auserwählung fest zu machen, denn wenn ihr dieses tut, werdet ihr niemals straucheln. Denn also wird der Eingang in das ewige Reich unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi euch reichlich dargereicht werden. Deshalb werde ich nicht versäumen, euch immer hieran zu erinnern, wiewohl ihr es wisset und in der gegenwärtigen Wahrheit befestigt seid. Ich halte es aber für recht, so lange ich in dieser Hütte bin, euch durch Erinnerung zu erwecken, wissend, daß die Ablegung meiner Hütte bald geschieht, wie mir auch unser Herr Jesus Christus offenbart hat. Ich werde mich aber auch befleißigen, daß ihr nach meinem Abschied immer im Stande seid, euch dieses in Erinnerung zu rufen. Denn nicht künstlich erdichteten Fabeln sind wir nachgefolgt, als wir euch die Macht und die Ankunft unsers Herrn Jesu Christi kundtaten, sondern als die da Augenzeugen Seiner Majestät gewesen sind, als Er nämlich von Gott dem Vater Ehre und Herrlichkeit empfing, und die prachtvolle Herrlichkeit eine solche Stimme an Ihn gelangen ließ: "Dieser ist Mein geliebter Sohn, in welchem Ich Wohlgefallen gefunden habe." Und diese Stimme hörten wir vom Himmel erlassen, als wir mit Ihm auf dem heiligen Berge waren. Und wir besitzen das prophetische Wort befestigt, auf welches zu achten ihr wohltut, (als auf eine Lampe, welche in einem dunkeln Ort leuchtet), bis der Tag anbreche, und der Morgenstern in euren Herzen aufgehe; dieses zuerst wissend, daß keine Weissagung der Schrift von eigener Auslegung ist. Denn die Weissagung ward ehemals nicht durch den Willen des Menschen hervorgebracht, sondern getrieben vom Heiligen Geiste, redeten die heiligen Männer Gottes.


2.


Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volke, wie auch unter euch falsche Lehrer sein werden, welche Sekten des Verderbens neben einführen werden, und den Gebieter, der sie erkauft hat, verleugnen, sich selbst schnelles Verderben zuziehend. Und Viele werden ihren Ausschweifungen nachfolgen, wegen welcher der Weg der Wahrheit verlästert werden wird. Und durch Habsucht werden sie euch mit erkünstelten Worten verhandeln; denen das Gericht von lange her nicht zögert, und ihr Verderben nicht schlummert. Denn wenn Gott Engel, welche sündigten, nicht verschonte, sondern sie mit Ketten der Finsternis in den Abgrund lieferte, und sie hingab, um für das Gericht aufbewahrt zu werden; und der alten Welt nicht schonte, aber selbacht den Noah, den Prediger der Gerechtigkeit erhielt, und eine Überschwemmung über die Welt von Gottlosen herbeiführte; und die Städte Sodom und Gomorrha einäscherte und durch Zerstörung verurteilte, und sie Denen, welche später sündigen würden, zum Exempel hin stellte; und den gerechten Lot, der von den Ausschweifungen des Wandels der Ruchlosen gequält ward, rettete; (denn der unter ihnen wohnende Gerechte quälte durch Das, was er sah und hörte, Tag für Tag seine gerechte Seele mit ihren gesetzlosen Werken). Der Herr weiß die Gottseligen aus der Versuchung zu retten, die Ungerechten aber auf den Tag des Gerichts, um bestraft zu werden, aufzubewahren; besonders aber, die dem Fleische nach in der Lust der Befleckung wandeln und Herrschaft verachten; verwegene Menschen, voll Eigendünkel, die nicht davor erzittern, Herrlichkeiten zu lästern; wo doch die Engel, welche an Stärke und Macht größer sind, wider sie beim Herrn ein lästerndes Urteil nicht vorbringen. Diese aber, wie unvernünftige, natürliche Tiere, geschaffen zum Einfangen und Verderben, lästernd über Das, was sie nicht wissen, werden in ihrem Verderben verdorben werden, den Lohn der Ungerechtigkeit empfangend, welche die bei Tage getriebene Schwelgerei für ein Vergnügen halten, - Flecken und Fehler sind sie, schwelgend in ihren eigenen Betrügereien, feiernd mit euch die Liebesmähler; Augen habend voll Ehebruch, die von der Sünde nicht ablassen; unbefestigte Seelen fangend, ein Herz, geübt in Habsucht, habend, - Kinder des Fluchs, die, da sie den geraden Weg verlassen haben, verirrt, und nachgefolgt sind dem Wege des Balaam, des Sohnes Bosors, welcher den Lohn der Ungerechtigkeit liebte, hatte aber eine Strafe seiner eigenen Verkehrtheit: ein sprachloses Lasttier, mit Menschenstimme laut redend, wehrte dem Wahnsinn des Propheten. Diese sind Brunnen ohne Wasser, Wolken vom Sturmwind getrieben, welchen das Dunkel der Finsternis in Ewigkeit aufbewahrt ist. Denn einen Wortschwall in Eitelkeit aussprechend, ködern sie mit fleischlichen Lüsten, mit Ausschweifungen Die, welche seit Kurzem Denen entflohen sind, die im Irrtum wandeln; ihnen Freiheit versprechend, sind sie selbst Sklaven des Verderbens; denn wovon Jemand überwältigt ist, dem ist er auch als Sklave untertan. Denn wenn sie, entflohen den Befleckungen der Welt durch die Erkenntnis des Herrn und Heilandes Jesu Christi, aber wiederum in diese verwickelt und überwältigt werden, so ist mit ihnen das Letzte ärger geworden als das Erste. Denn es wäre ihnen besser, den Weg der Gerechtigkeit nicht erkannt zu haben, als, nachdem sie ihn erkannt, von dem ihnen überlieferten heiligen Gebote umzukehren. Es ist ihnen aber nach dem wahren Sprichwort geschehen: "Der Hund wendet sich zu seinem eigenen Gespei," - und: "die gewaschene Sau zu dem Wälzort im Kot."


3.


Diesen zweiten Brief schreibe ich euch bereits, Geliebte, in welchen beiden ich durch Erinnerung eure lautere Gesinnung aufwecke, daß ihr der von den heiligen Propheten zuvor gesprochenen Worte, und des Gebotes von uns, den Aposteln des Herrn und Heilandes, gedenkt; zuerst dies wissend, daß am Ende der Tage Spötter kommen werden mit Spötterei, nach ihren eigenen Lüsten wandelnd und sagend: "Wo ist die Verheißung Seiner Ankunft? denn seitdem die Väter entschlafen sind, bleibt Alles so von Anfang der Schöpfung an." Denn mit Willen ist es ihnen unbekannt, daß durch das Wort Gottes vor Zeiten Himmel waren und eine Erde, aus dem Wasser und durch Wasser entstehend; durch welche die damalige Welt, vom Wasser überschwemmt, unterging. Die jetzigen Himmel aber und die Erde sind durch Sein Wort aufbewahrt, für das Feuer behalten bis zum Tage des Gerichts und des Verderbens der gottlosen Menschen. Dieses Eine aber sei euch nicht unbekannt, Geliebte, daß Ein Tag bei dem Herrn ist wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie Ein Tag. Der Herr verzieht nicht die Verheißung, wie es Etliche für einen Verzug achten, sondern Er ist langmütig gegen uns, weil Er nicht will, daß irgend welche umkommen, sondern daß Alle zur Buße kommen. Es wird aber der Tag des Herrn wie ein Dieb kommen, an welchem die Himmel mit gewaltigem Geräusch vergehen, die Elemente aber durch Brennen der Hitze aufgelöst, und die Erde und die Werke auf ihr verbrennen werden. Weil den dieses Alles vergeht, welche sollt ihr denn sein in allerlei heiligem Wandel und Gottseligkeit! erwartend und beschleunigend die Ankunft des Tages Gottes, an welchem die Himmel, in Feuer geraten, werden aufgelöst werden, und die Elemente durch Brennen der Hitze zerschmelzen. Wir erwarten aber nach Seiner Verheißung neue Himmel und eine neue Erde, in welchen die Gerechtigkeit wohnt. Deshalb, Geliebte, weil ihr dieses erwartet, so befleißigt euch, ohne Flecken und tadellos vor Ihm in Frieden erfunden zu werden. Und die Langmut unsers Herrn haltet für Errettung, wie auch unser geliebter Bruder Paulus, nach der ihm gegebenen Weisheit, euch geschrieben hat, wie auch in allein seinen Briefen, worin er von diesen Dingen spricht, von welchen etliche schwer zu verstehen sind, welche, wie auch die übrigen Schriften, die Unwissenden und Unbefestigten zu ihrem eigenen Verderben verdrehen. Ihr nun, Geliebte, es vorher wissend, hütet euch, daß ihr nicht, von dem Irrtum der Ruchlosen mit fortgerissen, von eurer eigenen Festigkeit abfallet. Wachset aber in der Gnade und Erkenntnis unsers Herrn und Heilandes Jesu Christi. Ihm sei die Herrlichkeit, sowohl jetzt, als auch auf den Tag der Ewigkeit. Amen.



Die erste Epistel des Apostel Johannes.


1.


Was von Anfang war, was wir gehört, was wir mit unsern Augen gesehen, was wir betrachtet, und unsere Hände betastet haben von dem Worte des Lebens, - (und das Leben ist offenbart worden, und wir haben gesehen, und zeugen und verkündigen euch das ewige Leben, welches bei dem Vater war und uns offenbart worden ist;) - was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir euch, auf daß auch ihr mit uns Gemeinschaft habet; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit Seinem Sohne Jesu Christo. Und dieses schreiben wir euch, auf daß eure Freude völlig sei. Und dies ist die Botschaft, die wir von Ihm gehört haben und euch verkündigen: daß Gott Licht ist und ist in Ihm keine Finsternis. Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit Ihm haben, und in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit. Wenn wir aber in dem Lichte wandeln, wie Er in dem Lichte ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, Seines Sohnes, reinigt und von aller Sünde. Wenn wir sagen, daß wir nicht Sünde haben, so betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir unsere Sünden bekennen, so ist Er treu und gerecht, daß Er uns die Sünden vergibt, und uns von aller Ungerechtigkeit reinigt. Wenn wir sagen, daß wir nicht gesündigt haben, so machen wir Ihn zum Lügner, und Sein Wort ist nicht in uns.


2.


Meine Kinder, ich schreibe euch dieses, auf daß ihr nicht sündigt; und wenn Jemand sündigt, so haben wir einen Sachwalter bei dem Vater, Jesum Christum, den Gerechten. Und Er ist die Versöhnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt. Und hieran wissen wir, daß wir Ihn kennen, wenn wir Seine Gebote halten. Der, welcher sagt: Ich kenne Ihn, - und hält Seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in Diesem ist die Wahrheit nicht. Wer aber Sein Wort hält, in Diesem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollendet. Hieran wissen wir, daß wir in Ihm sind. Wer da sagt, daß er in Ihm bleibe, der ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie Er gewandelt hat. Geliebte! nicht ein neues Gebot schreibe ich euch, sondern ein altes Gebot, welches ihr von Anfang hattet. Das alte Gebot ist das Wort, welches ihr von Anfang gehört habt. Wiederum ein neues Gebot schreibe ich euch, welches in Ihm und in euch wahr ist, weil die Finsternis vergeht und das wahrhaftige Licht schon leuchtet. Wer da sagt, daß er in dem Lichte sei, und seinen Bruder hasset, der ist bis jetzt in der Finsternis. Wer seinen Bruder liebt, bleibt in dem Lichte, und kein Ärgernis ist in ihm. Wer aber seinen Bruder hasset, der ist in der Finsternis, und wandelt in der Finsternis, und weiß nicht, wohin er geht, weil die Finsternis seine Augen verblendet hat. Ich schreibe euch, Kinder, weil euch die Sünden um Seines Namens willen vergeben sind. Ich schreibe euch, Väter, weil ihr Den, der von Anfang ist, erkannt habt. Ich schreibe euch, Jünglinge, weil ihr den Bösen überwunden habt. Ich schreibe euch, Kindlein, weil ihr den Vater erkannt habt. Ich habe euch, Väter, geschrieben, weil ihr Den, Der von Anfang ist, erkannt habt. Ich habe euch, Jünglinge, geschrieben, weil ihr stark seid, und das Wort Gottes in euch bleibt, und ihr den Bösen überwunden habt. Liebt nicht die Welt, noch was in der Welt ist. Wenn Jemand die Welt liebt, so ist nicht die Liebe des Vaters in ihm; denn Alles, was in der Welt ist, - die Lust des Fleisches, und die Lust der Augen, und der Hochmut des Lebens, - ist nicht aus dem Vater, sondern aus der Welt. Und die Welt vergeht, und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit. Kindlein! Es ist die letzte Stunde, und, wie ihr gehört habt, daß der Antichrist kommt, so sind auch jetzt viele Antichristen geworden; daher wissen wir, daß es die letzte Stunde ist. Sie sind von uns ausgegangen; aber sie waren nicht von uns; denn wenn sie von uns wären, so würden sie bei uns geblieben sein; aber auf daß sie offenbar würden, daß sie nicht Alle von uns sind. Und ihr habt die Salbung von dem Heiligen, und wisset Alles. Ich habe euch nicht geschrieben, weil ihr die Wahrheit nicht wisset, sondern weil ihr sie wisset, und daß keine Lüge aus der Wahrheit ist. Wer ist der Lügner, wenn nicht Der, der da leugnet, daß Jesus der Christus ist? Dieser ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet. Jeder, der den Sohn leugnet, der hat auch den Vater nicht; wer den Sohn bekennt, der hat auch den Vater. Ihr nun, - was ihr von Anfang gehört habt, bleibe in euch. Wenn das, was ihr von Anfang gehört habt, in euch bleibt, so werdet auch ihr in dem Sohne und in dem Vater bleiben. Und dies ist die Verheißung, welche Er uns verheißen hat: das ewige Leben. Dies habe ich euch von Denen, die euch verführen, geschrieben. Und ihr, - die Salbung, welche ihr von Ihm empfangen habt, bleibt in euch, und ihr bedürft nicht, daß euch Jemand lehre; sondern wie dieselbe Salbung euch über alle Dinge lehrt, und wahr ist, und keine Lüge ist, und wie sie euch gelehrt hat, so werdet ihr in Ihm bleiben. Und nun, Kinder, bleibet in Ihm, auf daß wir, wenn Er offenbart ist, Freimütigkeit haben, und nicht von Ihm hinweg bei Seiner Ankunft beschämt werden. Wenn ihr wisset, daß Er gerecht ist, so erkennet ihr, daß Jeder, der die Gerechtigkeit tut, aus Ihm geboren ist.


3.


Sehet, welch´ eine Liebe hat uns der Vater gegeben, daß wir Gottes Kinder heißen sollen. Deswegen erkennt uns die Welt nicht, weil sie Ihn nicht erkannt hat. Geliebte! Jetzt sind wir Gottes Kinder, und es ist noch nicht offenbart worden, was wir sein werden; wir wissen aber, daß, wenn Er offenbart ist, wir Ihm gleich sein werden, denn wir werden Ihn sehen, wie Er ist. Und Jeder, der diese Hoffnung auf Ihn hat, der reinigt sich selbst, gleich wie Er rein ist. Jeder, der die Sünde tut, tut auch die Gesetzlosigkeit; und die Sünde ist die Gesetzlosigkeit. Und ihr wisset, daß Er offenbart worden ist, auf daß Er unsere Sünden wegnehme; und in Ihm ist keine Sünde. Jeder, der in Ihm bleibt, sündigt nicht; Jeder, der sündigt, hat Ihn nicht gesehen noch erkannt. Kinder! Daß Niemand euch verführe! Wer die Gerechtigkeit tut, der ist gerecht, gleichwie Er gerecht ist. Wer die Sünde tut, ist aus dem Teufel; denn der Teufel sündigt von Anfang. - Hierzu ist der Sohn Gottes offenbart worden, auf daß Er die Werke des Teufels vernichte. Jeder, der aus Gott geboren ist, tut nicht Sünde, denn Sein Same bleibt in ihm, und er kann nicht sündigen, weil er aus Gott geboren ist. Hieran sind die Kinder Gottes, und die Kinder des Teufels offenbar: Jeder, der nicht Gerechtigkeit tut, ist nicht aus Gott, und wer nicht seinen Bruder liebt. Denn dies ist die Botschaft, die ihr von Anfang gehört habt, daß wir einander lieben sollen. Nicht wie Kain aus dem Bösen war, und seinen Bruder ermordete; - und weshalb ermordete er ihn? - Weil seine Werke böse, die seines Bruders aber gerecht waren. Wundert euch nicht, meine Brüder, wenn euch die Welt haßt. Wir wissen, daß wir aus dem Tode in das Leben hinüber gegangen sind, weil wir die Brüder lieben; wer den Bruder nicht liebt, bleibt in dem Tode. Jeder, der seinen Bruder haßt, ist ein Mörder; und ihr wisset, daß kein Mörder das ewige Leben in ihm bleibend hat. Hieran erkennen wir die Liebe, daß Er für uns sein Leben dargelegt hat; auch wir sind schuldig, für die Brüder das Leben darzulegen. Wer aber dieser Welt Güter hat, und seinen Bruder Mangel leiden sieht, und sein Herz vor ihm verschließt, - wie bleibt die Liebe Gottes in ihm? Meine Kinder! Lasset uns nicht mit Worten, noch mit der Zunge lieben, sondern in Tat und Wahrheit. Und hieran wissen wir, daß wir von der Wahrheit sind, und vor Ihm unsere Herzen versichern werden, daß, wenn uns unser Herz verurteilt, Gott größer ist, als unser Herz, und Alles kennt. Geliebte! Wenn unser Herz uns nicht verurteilt, so haben wir Freimütigkeit zu Gott; und was wir irgend bitten, bekommen wir von Ihm, weil wir Seine Gebote halten, und das von Ihm Gefällige tun. Und dies ist Sein Gebot, daß wir an den Namen Seines Sohnes Jesu Christi glauben, und daß wir einander lieben, wie Er uns ein Gebot gegeben hat. Und wer Seine Gebote hält, bleibt in Ihm und Er in ihm, und hieran wissen wir, daß Er in uns bleibt: an dem Geiste, den Er uns gegeben hat.


4.


Geliebte! Glaubet nicht jeglichem Geiste, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt ausgegangen. Hieran erkennt ihr den Geist Gottes: Jeder Geist, welcher Jesum Christum im Fleische gekommen bekennt, ist aus Gott; und jeder Geist, der nicht Jesum im Fleische gekommen bekennt, ist nicht aus Gott; und dies ist der Geist des Antichrists, von welchem ihr gehört habt, daß er kommt; und er ist jetzt schon in der Welt. Ihr seid von Gott, Kinder, und habt sie überwunden, weil Der, welcher in euch, größer ist als der, welcher in der Welt ist. Sie sind von der Welt; deswegen reden sie aus der Welt, und die Welt höret sie. Wir sind aus Gott; wer Gott kennt, höret uns; wer nicht aus Gott ist, höret uns nicht. Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums. Geliebte! Laßt uns einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott; und Jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und kennt Gott. Wer nicht liebt, kennt Gott nicht; denn Gott ist Liebe. Hierin ist die Liebe Gottes unter uns offenbart worden, daß Gott Seinen Eingebornen Sohn in die Welt gesandt hat, auf daß wir durch Ihn leben. Hierin ist die Liebe: nicht, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß Er uns geliebt, und Seinen Sohn als eine Versöhnung für unsere Sünden gesandt hat. Geliebte! Wenn Gott uns also geliebt hat, so sind auch wir schuldig, einander zu lieben. Niemand hat Gott je gesehen. Wenn wir einander lieben, so bleibt Gott in uns und Seine Liebe ist vollendet in uns. Hieran wissen wir, daß wir in Ihm bleiben und Er in uns, daß Er uns von Seinem Geist gegeben hat. Und wir haben gesehen und zeugen, daß der Vater den Sohn, als Heiland der Welt, gesandt hat. Wer irgend bekennt, daß Jesus der Sohn Gottes ist, - in ihm bleibt Gott und er in Gott. Und wir haben die Liebe, welche Gott zu uns hat, erkannt und geglaubt. Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott in ihm. Hierin ist die Liebe mit uns vollendet, auf daß wir an dem Tage des Gerichts Freimütigkeit haben; daß, wie Er ist, auch wir in dieser Welt sind. In der Liebe ist keine Furcht, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht hat Pein. Wer sich aber fürchtet, ist in der Liebe nicht vollendet. Wir lieben Ihn, weil Er uns zuerst geliebt hat. Wenn Jemand sagt: Ich liebe Gott! - und seinen Bruder haßt, so ist er ein Lügner. Denn wer seinen Bruder, den er gesehen hat, nicht liebt, wie kann der Gott lieben, den er nicht gesehen hat? Und dieses Gebot haben wir von Ihm, daß, wer Gott liebt, auch seinen Bruder liebt.


5.


Jeder, welcher glaubt, daß Jesus der Christus ist, der ist aus Gott geboren; und Jeder, welcher Den liebt, der geboren hat, liebt auch den, der aus ihm geboren ist. Hieran wissen wir, daß wir die Kinder Gottes lieben, wenn wir Gott lieben, und Seine Gebote halten. Denn dieses ist die Liebe Gottes, daß wir Seine Gebote halten, und Seine Gebote sind nicht schwer. Denn Alles, was aus Gott geboren ist, überwindet die Welt; und dieses ist der Sieg, der die Welt überwunden hat: unser Glaube. Wer ist, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der da glaubt, daß Jesus der Sohn Gottes ist? - Dieser ist es, der mit Wasser und Blut gekommen ist, Jesus der Christus; nicht in Wasser allein, sondern in Wasser und in Blut. Und der Geist ist es, der da zeugt; weil der Geist die Wahrheit ist. Denn Drei sind, die da zeugen: der Geist, und das Wasser, und das Blut; und die Drei sind einstimmig. Wenn wir das Zeugnis der Menschen annehmen, so ist das Zeugnis Gottes größer; denn dies ist das Zeugnis Gottes, welches Er über Seinen Sohn gezeugt hat. Wer an den Sohn Gottes glaubt, hat das Zeugnis in sich selbst; wer Gott nicht glaubt, hat Ihn zum Lügner gemacht, weil er nicht an das Zeugnis, welches Gott über Seinen Sohn gezeugt, geglaubt hat. Und dies ist das Zeugnis: daß Gott uns das ewige Leben gegeben hat; und dieses Leben ist in Seinem Sohne. Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht. Dies habe ich euch geschrieben, auf daß ihr wisset, daß ihr, die ihr an den Namen des Sohnes Gottes glaubt, das ewige Leben habt. Und dies ist die Zuversicht, welche wir zu Ihm haben, daß, wenn wir etwas nach Seinem Willen bitten, Er uns hört. Und wenn wir wissen, daß Er, was wir auch erbitten, uns hört, so wissen wir, daß wir die Bitten haben, welche wir von Ihm gebeten haben. Wenn Jemand seinen Bruder sündigen sieht, eine Sünde, die nicht zum Tode ist, so soll er bitten und Gott wird ihm das Leben schenken, - denen, welche nicht zum Tode sündigen. Es gibt Sünde zum Tode; für diese sage ich nicht, daß er bitten solle. Jede Ungerechtigkeit ist Sünde; und es gibt Sünde, die nicht zum Tode ist. Wir wissen, daß Jeder, der aus Gott geboren ist, nicht sündigt, sondern der aus Gott Geborne bewahrt sich, und der Böse tastet ihn nicht an. Wir wissen, daß wir aus Gott sind, und die ganze Welt liegt in dem Bösen. Und wir wissen, daß der Sohn Gottes gekommen ist, und uns Verständnis gegeben hat, auf daß wir den Wahrhaftigen kennen; und wir sind in dem Wahrhaftigen, in Seinem Sohne Jesu Christo. Dieser ist der wahrhaftige Gott und das ewige Leben. Kinder! Hütet euch vor den Götzen!



Die zweite Epistel des Apostels Johannes.


1.


Der Älteste, der auserwählten Frau und ihren Kindern, welche ich liebe in der Wahrheit; und nicht allein ich, sondern auch alle, welche die Wahrheit erkennen; um der Wahrheit willen, welche in uns bleibt und mit uns sein wird in Ewigkeit: Es wird mit euch sein Gnade, Erbarmen, Friede von Gott dem Vater und von dem Herrn Jesu Christo, dem Sohne des Vaters in Wahrheit und Liebe. Ich habe mich sehr gefreut, daß ich einige von deinen Kindern in der Wahrheit wandeln fand, wie wir ein Gebot von dem Vater empfangen haben. Und nun bitte ich dich, Frau, nicht als ob ich ein neues Gebot dir schriebe, sondern das, welches wir von Anfang gehabt haben: daß wir einander lieben. Und dies ist die Liebe, daß wir nach Seinen Geboten wandeln. Dies ist das Gebot, wie ihr von Anfang gehört habt, daß ihr in demselben wandelt. Denn viele Verführer sind in die Welt gegangen, welche nicht Jesum Christum im Fleische kommend bekennen; dieses ist der Verführer und der Antichrist. Sehet auf euch selbst, daß wir nicht verlieren, was wir erarbeitet haben, sondern daß wir vollen Lohn empfangen. Jeder, der übertritt und nicht in der Lehre des Christus bleibt, hat Gott nicht; der in der Lehre des Christus bleibt, dieser hat sowohl den Vater als auch den Sohn. Wenn Jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, so nehmt ihn nicht in´s Haus auf und sagt ihm keinen Gruß. Denn wer ihm einen Gruß sagt, nimmt Teil an seinen bösen Werken. Ich habe euch viel zu schreiben, wollte es aber nicht mit Papier und Tinte; denn ich hoffe zu euch zu kommen, und mündlich mit euch zu reden, auf daß unsere Freude völlig sei. Es grüßen dich die Kinder deiner auserwählten Schwester.



Die dritte Epistel des Apostels Johannes.


1.


Der Älteste, dem geliebten Gajus, welchen ich liebe in der Wahrheit. Geliebter! Vor allen Dinge wünsche ich, daß es dir wohl gehe, und du gesund seiest, so wie es deiner Seele wohlgeht. Denn ich erfreute mich sehr, als Brüder kamen, und deiner Wahrheit ein gutes Zeugnis gaben, wie du in der Wahrheit wandelst. Ich habe keine größere Freude, als dies, daß ich höre, daß meine Kinder in der Wahrheit wandeln. Geliebter! Du tust Alles treulich, was du für die Brüder und für die Fremden tust, welche von deiner Liebe vor der Versammlung Zeugnis gegeben haben, und du wirst wohl tun, wenn du sie auf eine gotteswürdige Weise geleitest. Denn um des Namens willen sind sie ausgegangen, nichts von denen aus den Nationen nehmend. Wir sind also schuldig, Solche aufzunehmen, auf daß wir Mitarbeiter der Wahrheit werden. Ich schrieb der Versammlung, aber Diotrephes, der gern unter ihnen der Erste sein will, nimmt uns nicht an. Deshalb, wenn ich komme, will ich seiner Werke gedenken, die er tut, mit bösen Worten wider uns schwatzend; und sich hiermit nicht begnügend, nimmt er selbst die Brüder nicht auf, und verhindert Die, welche es wollen, und stößt sie aus der Versammlung. Geliebter! Ahme nicht das Böse, sondern das Gute nach. Wer Gutes tut, ist aus Gott, wer Böses tut, hat Gott nicht gesehen. Dem Demetrius ist ein gutes Zeugnis von Allen und von der Wahrheit selbst gegeben; aber auch wir geben ein gutes Zeugnis, und ihr wisset, daß unser Zeugnis wahr ist. Vieles hatte ich zu schreiben; aber ich will dir nicht mit Tinte und Feder schreiben. Ich hoffe dich aber bald zu sehen, und dann werden wir uns mündlich sprechen. Friede dir! Es grüßen dich die Freunde. Grüße die Freunde mit Namen.



Die Epistel des Apostels Judas.


Judas, Knecht Jesu Christi, Bruder aber des Jakobus, den in Gott dem Vater geheiligten, und in Jesu Christo bewahrten Berufenen: Barmherzigkeit und Friede und Liebe seien euch vermehrt! Geliebte! Als ich allen Fleiß tat, euch über das gemeinsame Heil zu schreiben, befand ich mich in der Notwendigkeit, euch zu schreiben und zu ermahnen, für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen. Denn gewisse Menschen sind nebeneingeschlichen, die schon vorlängst zu diesem Gericht angeschrieben sind, Gottlose, welche die Gnade unsers Gottes in Ausschweifung verwandeln, und unsern alleinigen Herrscher und Herrn Jesum Christum verleugnen. Ich will euch aber, die ihr einmal dies gewußt habt, erinnern, daß der Herr, als Er das Volk aus dem Lande Ägypten gerettet hatte, nachher Die, welche nicht glaubten umbrachte; und die Engel, welche ihren ersten Zustand nicht bewahrten, sondern ihre eigene Behausung verließen, zum Gericht des großen Tages mit ewigen Ketten unter der Finsternis verwahrt hält. Wie Sodom und Gomorrha, und die umliegenden Städte, welche sich, auf gleiche Weise wie diese, der Hurerei ergaben, und anderm Fleische nachgingen, als ein Exempel vorliegen, indem sie des ewigen Feuers Strafe tragen. Gleicherweise beflecken auch diese Träumer das Fleisch, und verachten die Herrschaft und lästern Herrlichkeiten. Michael aber, der Erzengel, als er, mit dem Teufel streitend, über den Leib Moses Wortwechsel hatte, wagte nicht ein Urteil der Lästerung zu fällen, sondern sprach: "Der Herr bestrafe dich!" Diese aber lästern über das, was sie nicht kennen; was sie aber von Natur wie die unvernünftigen Tiere wissen, darin verderben sie sich. Wehe ihnen! denn sie sind den Weg Kains gegangen, und haben sich für Lohn dem Irrtum Balaam´s überliefert, und sind in dem Widerspruch Korah´s umgekommen. Diese sind Flecken bei euren Liebesmahlen, mit euch Festessen haltend, sich selbst ohne Furcht weidend; wasserleere Wolken, von Winden getrieben; Bäume, von welchen die Frucht verwelkend abfällt, unfruchtbar, zweimal erstorben, entwurzelt; wilde Meereswogen, die ihre eigenen Schändlichkeiten aufschäumen lassen; Irrsterne, welchen das Dunkel der Finsternis für die Ewigkeit aufbewahrt ist. Es hat aber auch von Diesen der Siebente von Adam, Henoch, geweissagt, sagend: "Siehe, der Herr kommt mit Seinen heiligen Tausenden, Gericht wider Alle auszuführen, und alle ihre Gottlosen von all´ ihren Werken der Gottlosigkeit, in welchen sie gottlos getan haben, und von all´ den harten Worten, welche gottloser Sünder wider Ihn geredet haben, völlig zu überführen." Diese sind Murrköpfe, Menschen, die stets ihr Schicksal beklagen, und nach ihren Lüsten wandeln; und ihr Mund redet Wortschwall, die Personen, Vorteils halber, bewundernd. Ihr aber, Geliebte, gedenkt an die Worte, welche euch von den Aposteln unsers Herrn Jesu Christi zuvor gesagt sind, daß sie euch sagten, daß zur letzten Zeit Spötter kommen würden, nach ihren eigenen Lüsten der Gottlosigkeiten wandelnd. Diese sind es, die sich selbst absondern; natürliche Menschen, die den Geist nicht haben. Ihr aber, Geliebte, euch erbauend auf euren allerheiligsten Glauben, betend in dem Heiligen Geiste, erhaltet euch in der Liebe Gottes, erwartend das Erbarmen unsers Herrn Jesu Christi zum ewigen Leben. Und der Einen erbarmt euch, einen Unterschied machend, die Andern rettet mit Furcht, sie aus dem Feuer reißend, sogar das von dem Fleisch befleckte Kleid hassend. Dem aber, der euch ohne Anstoß zu bewahren, und euch vor Seiner Herrlichkeit tadellos mit Frohlocken darzustellen vermag, dem alleinigen Gott, unserm Heilande, durch Jesum Christum, unsern Herrn, sei Ehre und Majestät, Kraft und Gewalt vor aller Zeit und jetzt und in alle Zeitalter! Amen.



Die Offenbarung Jesu Christi


1.


Offenbarung Jesu Christi, welche ihm Gott gab, um Seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muß; und Er hat gesandt, und sie durch Seinen Engel Seinem Knechte Johannes gedeutet, der das Wort Gottes und das Zeugnis Jesu Christi - Alles, was er sah, - bezeugt hat. Glückselig, wer da liest und die da hören die Worte der Weissagung, und die behalten, was darin geschrieben ist; denn die Zeit ist nahe! Johannes den sieben Versammlungen, die in Asien sind: Gnade euch und Friede von Dem, der ist, und der war, und der kommt, und von den sieben Geistern, welche vor Seinem Throne sind; und von Jesu Christo, welcher der getreue Zeuge, der Erstgeborne aus den Toten, und der Fürst der Könige der Erde ist, Dem, der uns geliebt und uns von unsern Sünden in Seinem Blut gewaschen hat, und uns zu einem Königtum, zu Priestern Seinem Gott und Vater gemacht hat; Ihm sei die Herrlichkeit und die Stärke in die Zeitalter der Zeitalter! Amen. Siehe! Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird Ihn schauen, auch Die, welche Ihn gestochen haben; und alle die Stämme des Landes werden über Ihn wehklagen. Ja, Amen. Ich bin das Alpha und das Omega, Anfang und Ende! - spricht der Herr Gott, der ist, der war, und der kommt, - der Allmächtige. Ich, Johannes, euer Bruder und Mitgenosse in der Drangsal und in dem Königtum und in dem Ausharren Jesu Christi, war auf der Insel, genannt Patmos, um des Wortes Gottes und des Zeugnisses Jesu Christi willen. Ich war im Geiste an dem Tage des Herrn, und ich hörte hinter mir eine große Stimme wie einer Posaune, sagend: Was du siehest, schreibe in ein Buch und sende es den sieben Versammlungen zu Ephesus, und zu Smyrna, und zu Pergamus, und zu Thyatira, und zu Sardes, und zu Philadelphia, und zu Laodicäa. Und ich wandte mich um, die Stimme, die mit mir redete, zu sehen; und als ich mich umgewandt hatte, sah ich sieben goldene Leuchter, und inmitten der sieben Leuchter einen gleich dem Sohne des Menschen, angetan mit einem Gewand, das bis zu den Füßen reichte und an der Brust mit einem goldenen Gürtel umgürtet. Sein Haupt aber und Seine Haare waren weiß, wie weiße Wolle, wie Schnee, und Seine Augen wie eine Feuerflamme, und Seine Füße gleich glänzendem Kupfer, als glühten sie im Ofen, und Seine Stimme wie die Stimme vieler Wasser. Und Er hatte sieben Sterne in Seiner rechten Hand, und aus Seinem Munde ging ein scharfes zweischneidiges Schwert hervor, und Sein Angesicht war, wie die Sonne leuchtet in ihrer Kraft. Und als ich Ihn sah, fiel ich wie tot zu Seinen Füßen. Und Er legte Seine rechte Hand auf mich, sagend: Fürchte dich nicht! Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige; und Ich war tot, und siehe! Ich lebe in die Zeitalter der Zeitalter; und habe die Schlüssel des Todes und des Hades. Schreibe nun, was du gesehen hast, und was ist, und was nach diesen Dingen geschehen wird: das Geheimnis der sieben Sterne, welche du in Meiner Rechten sahest, und die sieben goldenen Leuchter: Die sieben Sterne sind Engel der sieben Versammlungen, und die sieben Leuchter sind sieben Versammlungen.


2.


Dem Engel der Versammlung zu Ephesus schreibe: Dieses sagt, der die sieben Sterne in Seiner Rechten hält, der inmitten der sieben goldenen Leuchter wandelt: Ich kenne deine Werke, und deine Mühe, und dein Ausharren, und daß du die Bösen nicht ertragen kannst; und du hast geprüft, die, welche sagen, sie seien Apostel und es nicht sind, und hast sie Lügner erfunden; und hast Ausharren und hast um meines Namens willen getragen, und bist nicht ermüdet. Aber Ich habe wider dich, daß du deine erste Liebe verlassen hast. Gedenke nun, wovon du gefallen bist, und tue Buße, und tue die ersten Werke! Wenn aber nicht, so komme Ich dir bald, und Ich werde, wenn du nicht Buße tust, deinen Leuchter aus seiner Stelle wegtun. Aber Dieses hast du, daß du die Werke der Nikolaiten hassest, welche auch Ich hasse. Wer Ohr hat, der höre, was der Geist zu den Versammlungen sagt: Dem, der überwindet, dem will Ich von dem Baume des Lebens, welcher in dem Paradiese Meines Gottes ist, zu essen geben. Und dem Engel der Versammlung zu Smyrna schreibe: Dieses sagt der Erste und der Letzte, der tot war und lebt: Ich kenne deine Werke und deine Drangsal und Armut; - aber du bist reich, - und die Lästerung von Denen, welche sagen, sie seien Juden und es nicht sind, sondern eine Synagoge des Satans. Fürchte nichts von dem, was du leiden wirst. Siehe! der Teufel wird