Das Evangelium Marci.

 

Kapitel 1.

 

1 Anfang des Evangeliums Jesu Christi, Sohnes Gottes;

2 wie geschrieben steht in Jesaias, dem Propheten: "Siehe, Ich sende Meinen Boten vor Deinem Angesichte her, der Deinen Weg bereiten wird.

3 Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet richtig Seine Steige!"

4 Johannes kam, taufend in der Wüste, und predigend die Taufe der Buße zur Vergebung der Sünden.

5 Und es ging zu ihm hinaus das ganze judäische Land und die von Jerusalem, und Alle wurden von ihm in dem Fluß Jordan getauft, ihre Sünden bekennend.

6 Johannes aber war bekleidet mit Kamelhaaren und einem ledernen Gürtel um seine Lenden; und er aß Heuschrecken und wilden Honig.

7 Und er predigte, sagend: Der stärker ist als ich, kommt nach mir, vor Dem ich nicht würdig bin, mich zu bücken, um Ihm die Riemen Seiner Sandalen aufzubinden.

8 Ich habe euch mit Wasser getauft; Er aber wird euch mit dem Heiligen Geiste taufen.

9 Und es geschah in jenen Tagen, daß Jesus von Nazareth in Galiläa kam und von Johannes an dem Jordan getauft ward.

10 Und alsbald von dem Wasser heraufsteigend, sah Er die Himmel sich teilen, und den Geist, wie eine Taube, auf Ihn herniederfahren.

11 Und eine Stimme geschah aus den Himmeln: "Du bist Mein geliebter Sohn, an welchem Ich Wohlgefallen gefunden habe."

12 Und alsbald treibt der Geist Ihn hinaus in die Wüste.

13 Und Er war daselbst in der Wüste vierzig Tage versucht vom Satan, und Er war unter den wilden Tieren; und die Engel dienten Ihm.

14 Nachdem aber Johannes überliefert war, kam Jesus nach Galiläa, predigend das Evangelium des Reiches Gottes

15 und sagend: Die Zeit ist erfüllt, und das Reich Gottes ist nahe gekommen. Tut Buße und glaubet dem Evangelium!

16 Als Er aber an dem Galiläischen See wandelte, sah Er Simon und Andreas, seinen Bruder, ein Netz in den See umherwerfend; denn sie waren Fischer.

17 Und Jesus sprach zu ihnen: Kommet her, Mir nach! und Ich werde machen, daß ihr Fischer von Menschen werdet.

18 Und alsbald ihre Netze verlassend, folgten sie Ihm nach.

19 Und als Er von da etwas weiter ging, sah Er Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, auch in einem Schiffe, die Netze ausbessernd.

20 Und alsbald rief Er sie; und ihren Vater Zebedäus mit den Taglöhnern in dem Schiffe lassend, gingen sie weg Ihm nach.

21 Und sie treten in Kapernaum hinein. Und alsbald an dem Sabbath ging Er in die Synagoge und lehrte.

22 Und sie waren sehr erstaunt über Seine Lehre; denn Er lehrte sie, wie Gewalt habend, und nicht wie die Schriftgelehrten.

23 Und es war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem unreinen Geist; und der schrie auf,

24 sagend: Laß ab! was haben wir mit einander, Jesu, Nazarener? Bist Du gekommen, uns zu verderben? Ich kenne Dich, wer Du bist, der Heilige Gottes!

25 Und Jesus bedrohte ihn, sagend: Verstumme, und fahre aus von ihm!

26 Und es zerrte ihn der unreine Geist und rief mit lauter Stimme und fuhr aus von ihm.

27 Und sie entsetzten sich Alle, so daß sie sich unter einander befragten, sagend: Was ist Dieses? Was ist dieses für eine neue Lehre? Denn mit Gewalt gebietet Er selbst den unreinen Geistern, und sie gehorchen Ihm.

28 Und alsbald ging das Gerücht von Ihm aus in die ganze Umgegend von Galiläa.

29 Und alsbald aus der Synagoge gehend, kamen sie in das Haus des Simon und Andreas, mit Jakobus und Johannes.

30 Die Schwiegermutter des Simon aber lag am Fieber darnieder; und alsbald sagen sie Ihm von ihr.

31 Und Er trat hinzu und richtete sie auf, ihre Hand ergreifend, und das Fieber verließ sie alsbald; und sie diente ihnen.

32 Als es aber Abend geworden war, als die Sonne unterging, brachten sie zu Ihm alle die Siechen und die besessen waren.

33 Und die ganze Stadt war an der Tür versammelt.

34 Und Er heilte Viele, die sich an allerlei Krankheiten übel befanden; und trieb viele Teufel aus, und erlaubte den Teufeln nicht, zu reden, weil sie Ihn kannten.

35 Und des Morgens früh, als es noch sehr Nacht war, stand Er auf und ging aus, und ging hin an einen wüsten Ort und betete daselbst.

36 Und Simon und die bei Ihm waren, folgten Ihm.

37 Und als sie Ihn gefunden, sagen sie zu Ihm: Alle suchen Dich.

38 Und Er spricht zu ihnen: Laßt uns in die nächsten Flecken gehen, daß ich auch daselbst predige; denn dazu bin Ich ausgegangen.

39 Und Er predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa, und trieb die Teufel aus.

40 Und es kommt zu Ihm ein Aussätziger, Ihn bittend, und vor Ihm niederknieend, und zu Ihm sagend. Wenn Du willst, kannst Du mich reinigen!

41 Jesus aber, innerlich bewegt, streckte die Hand aus, rührte ihn an und spricht zu ihm: Ich will, sei gereinigt!

42 Und während Er redete, ging der Aussatz alsbald von ihm, und er war gereinigt.

43 Und Er bedrohte ihn und schickte ihn alsbald fort,

44 und spricht zu ihm: Siehe zu, daß du Niemandem etwas sagest; gehe aber hin, zeige dich dem Priester, und opfere für deine Reinigung, was Moses geboten, ihnen zu einem Zeugnis.

45 Er aber, als er weggegangen war, fing an, es viel kund zu machen und die Sache auszubreiten, so daß Er nicht mehr öffentlich in die Stadt hineingehen konnte, sondern Er war draußen in wüsten Örtern; und sie kamen von allen Seiten zu Ihm.

 

 

Kapitel 2.

 

1 Und wiederum ging Er nach etlichen Tagen in Kapernaum hinein, und es ward ruchbar, daß Er im Hause sei.

2 Und alsbald versammelten sich Viele, so daß selbst an der Tür nicht mehr Raum war; und Er redete zu ihnen das Wort.

3 Und sie kommen zu Ihm, bringend einen Gichtbrüchigen, von Vieren getragen.

4 Und da sie wegen der Volksmenge nicht nahe zu Ihm kommen konnten, deckten sie das Dach ab, wo Er war; und als sie es durchgegraben, ließen sie das Ruhebett hinab, worauf der Gichtbrüchige lag.

5 Jesus aber, ihren Glauben sehend, spricht zu dem Gichtbrüchigen: Kind! Deine Sünden sind dir vergeben!

6 Etliche aber von den Schriftgelehrten saßen daselbst, und gedachten in ihren Herzen:

7 Warum redet dieser also Lästerungen? Wer kann Sünden vergeben, als nur Einer, Gott?

8 Und alsbald erkannte Jesus in Seinem Geiste, daß sie also bei sich gedachten, und sprach zu ihnen: Warum gedenket ihr Dieses in euren Herzen?

9 Was ist leichter, zu dem Gichtbrüchigen zu sagen: "Dir sind deine Sünden vergeben!" oder zu sagen: "Stehe auf! nimm dein Ruhebett und wandle?"

10 Damit ihr aber wisset, daß der Sohn des Menschen Gewalt hat, auf der Erde Sünden zu vergeben - (spricht Er zu dem Gichtbrüchigen):

11 Ich sage dir: Stehe auf, nimm dein Ruhebett und gehe nach deinem Hause! –

12 Und er stand alsbald auf, nahm das Ruhebett und ging hinaus vor Allen, so daß sie Alle außer sich waren und Gott verherrlichten, sagend: Niemals haben wir es also gesehen!

13 Und Er ging wiederum an dem See hin, und die ganze Volksmenge kam zu Ihm, und Er lehrte sie.

14 Und vorübergehend, sah Er den Levi, den Sohn des Alphäus, am Zollhause sitzen, und spricht zu ihm: Folge Mir nach! - Und er stand auf und folgte Ihm nach.

15 Und es begab sich, als Er in seinem Hause zu Tische lag, daß sich auch viele Zöllner und Sünder mit Jesu und Seinen Jüngern zu Tische legten; denn es waren ihrer Viele, und sie folgten Ihm nach.

16 Und als die Schriftgelehrten und die Pharisäer Ihn mit den Zöllnern und Sündern essen sahen, sprachen sie zu Seinen Jüngern: Warum ißt und trinkt Er mit den Zöllnern und Sündern?

17 Und als es Jesus hörte, spricht Er zu ihnen: Die Starken bedürfen nicht eines Arztes, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder.

18 Und die Jünger Johannis und die Pharisäer fasteten; und sie kommen und sagen zu Ihm: Warum fasten die Jünger Johannis und die der Pharisäer; Deine Jünger aber fasten nicht? –

19 Und Jesus sprach zu ihnen: Können die Söhne des Brautgemachs fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? So lange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten.

20 Es werden aber Tage kommen, wo der Bräutigam von ihnen weggenommen sein wird, und dann an jenem Tage werden sie fasten.

21 Niemand näht einen Flicklappen von ungewalktem Tuch auf ein altes Kleid; sonst reißt der neue hineingesetzte Lappen vom alten ab, und der Riß wird schlimmer.

22 Auch fasset Niemand jungen Wein in alte Schläuche; sonst zerreißt der junge Wein die Schläuche, und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche kommen um; sondern jungen Wein muß man in neue Schläuche fassen.

23 Und es geschah, daß Er an dem Sabbath durch die Saaten ging, und Seine Jünger fingen an, im Gehen die Ähren abzupflücken.

24 Und die Pharisäer sprachen zu Ihm: Siehe! warum tun sie an dem Sabbath, was nicht erlaubt ist?

25 Und Er sprach zu ihnen. Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Not hatte und ihn hungerte und die bei ihm waren;

26 wie er hineinging in das Haus Gottes, "in Abjathar des Hohenpriesters", und die Schaubrote aß (welche zu essen nicht erlaubt sind, als nur den Priestern), und gab auch denen, die mit ihm waren?

27 Und Er sprach zu ihnen: Der Sabbath ward um des Menschen willen, nicht der Mensch um des Sabbaths willen.

28 Also ist der Sohn des Menschen Herr auch des Sabbaths.

 

Kapitel 3.

 

1 Und Er ging wiederum in die Synagoge. Und es war daselbst ein Mensch, der hatte eine verdorrte Hand;

2 und sie lauerten auf Ihn, ob Er ihn auf den Sabbath heilen würde, damit sie Ihn verklagen möchten.

3 Und Er sagt zu dem Menschen, der die verdorrte Hand hatte: Tritt hervor in die Mitte!

4 Und Er spricht zu ihnen: Ist es erlaubt, am Sabbath Gutes zu tun, oder Böses zu tun; das Leben zu retten, oder zu töten? - Sie aber schwiegen.

5 Und Er blickte auf sie umher mit Zorn, betrübt über die Verstockung ihres Herzens, und sagt zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! - Und er streckte sie aus, und seine Hand war wieder hergestellt.

6 Und die Pharisäer gingen alsbald hinaus und hielten Rat mit den Herodianern wider Ihn, wie sie Ihn umbrächten.

7 Und Jesus entwich mit Seinen Jüngern nach dem See; und eine große Menge folgte Ihm von Galiläa und von Judäa

8 und von Jerusalem und von Idumäa und von jenseit des Jordans, und Die aus der Gegend von Tyrus und Sidon, - eine große Menge, als sie gehört, welche Dinge Er tat, kam zu Ihm.

9 Und Er sagte zu Seinen Jüngern, daß ein kleines Schiff für ihn in Bereitschaft bleiben sollte wegen der Volksmenge, damit sie Ihn nicht drängten.

10 Denn Viele heilte Er, so daß sie Ihn überfielen, um Ihn anzurühren, Alle, welche Plagen hatten.

11 Und die unreinen Geister, wenn sie Ihn sahen, fielen vor Ihm nieder und riefen, sagend: Du bist der Sohn Gottes!

12 Und Er bedrohte sie sehr, daß sie Ihn nicht offenbar machten.

13 Und Er steigt auf den Berg und ruft zu Sich, welche Er wollte; und sie kamen zu Ihm.

14 Und Er bestellte Zwölfe, auf daß sie bei Ihm seien, und auf daß Er sie aussende, zu predigen,

15 und Gewalt zu haben, die Krankheiten zu heilen und die Teufel auszutreiben;

16 und Er gab dem Simon den Beinamen Petrus;

17 und Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, den Bruder des Jakobus, und Er gab ihnen den Beinamen Boanerges, das ist, Söhne des Donners;

18 und Andreas, und Philippus, und Bartholomäus, und Matthäus, und Thaddäus, und Simon, den Kananiter,

19 und Judas, den Iskariot, der Ihn auch überlieferte.

20 Und sie kommen nach Hause. Und wiederum kommt eine Volksmenge zusammen, so daß sie selbst nicht das Brot essen konnten.

21 Und als Seine Angehörigen es hörten, gingen sie hinaus, um Ihn zu fassen, denn sie sagten: Er ist außer sich.

22 Und die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten: Er hat den Beelzebub! und: durch den Obersten der Teufel treibt Er die Teufel aus.

23 Und er rief sie zu Sich und sprach in Gleichnissen zu ihnen: Wie kann Satan Satan austreiben?

24 Und wenn ein Reich wider sich selbst entzweit ist, so kann jenes Reich nicht bestehen.

25 Und wenn ein Haus wider sich selbst entzweit ist, so kann jenes Haus nicht bestehen.

26 Und wenn der Satan wider sich selbst aufsteht und entzweit ist, so kann er nicht bestehen, sondern hat ein Ende.

27 Niemand kann in das Haus eines Starken hineingehen und den Hausrat rauben, wenn er nicht zuvor den Starken bindet; und dann wird er sein Haus berauben.

28 Wahrlich, Ich sage euch: Alle Sünden werden den Söhnen der Menschen vergeben, und alle Lästerungen, womit sie auch lästern mögen.

29 Jedweder aber, der wider den Heiligen Geist lästert, hat keine Vergebung in Ewigkeit, sondern ist ewigem Gericht verfallen; -

30 weil sie sagten: Er hat einen unreinen Geist.

31 Es kommen nun Seine Mutter und Seine Brüder; und draußen stehend, schickten sie zu Ihm und riefen Ihn.

32 Und die Volksmenge saß um Ihn herum; - sie sagten aber zu Ihm: Siehe! Deine Mutter und Deine Brüder draußen suchen Dich.

33 Und Er antwortete ihnen sagend: Wer ist Meine Mutter oder Meine Brüder? –

34 Und im Kreise umherblickend auf sie, welche um Ihn herum saßen, spricht Er: Siehe, Meine Mutter und Meine Brüder!

35 Denn Jedweder, der den Willen Gottes tut, dieser ist Mein Bruder, Meine Schwester und Meine Mutter.

 

Kapitel 4.

 

1 Und wiederum fing Er am See an zu lehren. Und es versammelte sich eine große Volksmenge zu Ihm, so daß Er in das Schiff hineinstieg, um auf dem See zu sitzen; und die ganze Volksmenge war am See auf dem Lande.

2 Und Er lehrte sie Vieles in Gleichnissen, und Er sprach zu Ihnen in Seiner Lehre:

3 Höret! Siehe, der Sämann ging aus zu säen.

4 Und es geschah beim Säen, fiel Etliches neben den Weg; und es kamen die Vögel und fraßen es auf.

5 Anderes aber fiel auf das Steinige, wo es nicht viel Erde hatte und es schoß sogleich auf, weil es nicht tiefe Erde hatte.

6 Als aber die Sonne aufging, ward es verbrannt, und, weil es nicht Wurzel hatte, verdorrte es.

7 Und Anderes fiel unter die Dornen; und es gingen die Dornen auf und erstickten es, und es gab keine Frucht.

8 Und Anderes fiel auf die gute Erde und gab Frucht, die aufging und wuchs; und es trug eins dreißig-, und eins sechzig-, und eins hundertfältig.

9 Und Er sagte: Wer Ohren hat zu hören, - höre! –

10 Als Er aber allein war, fragten Ihn, die um Ihn waren, mit den Zwölfen um das Gleichnis.

11 Und Er sagte zu ihnen: Euch ist gegeben, das Gleichnis des Reiches Gottes zu wissen. Jenen aber draußen geschieht Alles in Gleichnissen,

12 damit sie sehend sehen und nicht vernehmen, und hörend hören und nicht verstehen, daß sie sich nicht zu irgend einer Zeit bekehren, und ihnen die Sünden vergeben werden."

13 Und Er spricht zu ihnen: Fasset ihr dieses Gleichnis nicht? Und wie werdet ihr alle die Gleichnisse verstehen?

14 Der Sämann sät das Wort.

15 Diese aber sind es, die neben dem Wege sind, wo das Wort gesät wird, und alsbald, wenn sie es hören, der Satan kommt und das Wort wegnimmt, das in ihren Herzen gesät worden.

16 Und Diese sind es gleicherweise, die auf das Steinige gesät sind; die, wenn sie das Wort hören, es alsbald mit Freuden aufnehmen.

17 Und sie haben nicht Wurzel in sich selbst, sondern sind für eine Zeit; darnach, wenn Trübsal oder Verfolgung um des Wortes willen entsteht, so ärgern sie sich alsbald.

18 Und Diese sind es, die unter die Dornen gesät werden; Diese sind es die das Wort hören,

19 und die Sorgen dieses Zeitlaufs und der Betrug des Reichtums und die Begierden nach den übrigen Dingen dringen ein und ersticken das Wort, und es kommt nicht zur Frucht.

20 Und Diese sind es, die auf die gute Erde gesät sind; die das Wort hören und aufnehmen, und sie bringen Frucht; eins dreißig-, und eins sechzig-, und eins hundertfältig.

21 Und Er sprach zu ihnen: Kommt die Lampe, daß sie unter den Scheffel oder unter das Bett gestellt werde? Ist es nicht, daß sie auf das Lampengestell gesetzt werde?

22 Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird; es ist auch nichts versteckt, sondern daß es an den Tag komme.

23 Wer Ohren hat zu hören, - höre!

24 Und Er sprach zu ihnen: Sehet zu, was ihr höret! Mit welchem Maß ihr messet, wird euch gemessen werden; und es wird euch, den Hörenden, hinzugefügt werden.

25 Denn Jedweder, der hat, dem wird gegeben werden; und wer nicht hat, von dem wird auch das, was er hat, genommen werden.

26 Und Er sprach: Also ist das Reich Gottes, wie wenn ein Mensch den Samen auf das Land wirft,

27 und schläft und steht auf Nacht und Tag, und der Same sprießt hervor und wächst, er weiß nicht wie.

28 Denn die Erde bringt von sich selbst Frucht hervor; zuerst das Gras, dann die Ähre, dann den vollen Weizen in der Ähre.

29 Wenn aber die Frucht sich darbietet, so schickt er alsbald die Sichel; denn die Ernte ist da.

30 Und Er sprach: Welchem sollen wir das Reich Gottes vergleichen? oder in welchem Gleichnis sollen wir es darstellen?

31 Es ist gleichwie ein Senfkorn, welches, wenn es auf die Erde gesät wird, kleiner ist, als alle Samen auf der Erde;

32 und wenn es gesät ist, aufgeht und größer wird, als alle Kräuter, und große Zweige macht, so daß unter seinem Schatten die Vögel des Himmels sich niederlassen können. –

33 Und in vielen solchen Gleichnissen redete Er zu ihnen das Wort, je nachdem sie es hören konnten.

34 Ohne Gleichnis aber redete Er nicht zu ihnen; aber Seinen Jüngern erklärte Er Alles besonders.

35 Und an jenem Tage, als es Abend geworden, spricht Er zu ihnen: Laßt uns an das jenseitige Ufer fahren.

36 Und die Volksmenge entlassend, nehmen sie Ihn, wie Er war, mit in das Schiff. Aber auch andere kleine Schiffe waren mit Ihm.

37 Und es erhebt sich ein heftiger Sturmwind, und die Wellen schlugen in das Schiff, so daß es schon voll war.

38 Und Er war im Hinterteil des Schiffes auf einem Kopfkissen eingeschlafen; und sie wecken Ihn auf und sagen zu Ihm: Lehrer! liegt Dir nichts daran, daß wir umkommen?

39 Und Er stand auf, bedrohte den Wind und sprach zu dem See: Schweig! verstumme! - Und der Wind legte sich, und es entstand eine große Stille.

40 Und Er sprach zu ihnen: Warum seid ihr so furchtsam? Wie habt ihr keinen Glauben? –

41 Und sie fürchteten sich mit großer Furcht und sprachen untereinander: Was für Einer ist Dieser, daß der Wind und der See Ihm gehorchen! -

 

Kapitel 5.

 

1 Und sie kamen an das jenseitige Ufer des See´s in die Gegend der Gadarener.

2 Und als Er aus dem Schiff heraus stieg, begegnete Ihm alsbald aus den Gräbern ein Mensch mit einem unreinen Geist,

3 welcher seine Wohnung in den Grabmälern hatte; und selbst mit Ketten vermochte Keiner ihn zu binden.

4 Denn oft war er mit Fußfesseln und mit Ketten gebunden gewesen, und es waren die Ketten von ihm in Stücke gezogen und die Fesseln zerrieben worden; und Niemand konnte ihn bändigen.

5 Und allezeit, Nacht und Tag, war er in den Grabmälern und auf den Bergen, schreiend und sich mit Steinen zerschlagend.

6 Als er aber Jesum von ferne sah, lief er und huldigte Ihm.

7 Und er rief mit lauter Stimme und sprach: Was haben wir mit einander, Jesu, Sohn Gottes, des Höchsten? Ich beschwöre Dich bei Gott, daß Du mich nicht quälest! –

8 Denn Er sagte ihm: Fahre aus, du unreiner Geist, aus dem Menschen! –

9 Und Er fragte ihn: Was ist dein Name? - Und er spricht zu Ihm: Legion ist mein Name; denn unser sind Viele. –

10 Und Er bat ihn sehr, Er möge sie nicht aus der Gegend fortschicken.

11 Es war aber daselbst, neben dem Gebirge weidend, eine große Herde Schweine.

12 Und es baten Ihn die Teufel, sagend: Schicke uns in die Schweine, daß wir in sie hineinfahren! –

13 Und Jesus erlaubte es ihnen sofort. - Und die unreinen Geister fuhren aus und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinab in den See. - Es waren aber bei zwei Tausend, und sie ersoffen in dem See.

14 Die aber, welche sie weideten, flohen, und erzählten es in der Stadt und auf dem Lande; und sie kamen heraus, um zu sehen, was geschehen war.

15 Und sie kommen zu Jesu und sehen den Besessenen, den, der die Legion gehabt hatte, sitzen, bekleidet und vernünftig; und sie fürchteten sich.

16 Und die, welche es gesehen hatten, erzählten ihnen, wie es dem Besessenen ergangen war, und das, was die Schweine betraf.

17 Und sie fingen an, Ihm zuzureden, Er möge von ihren Grenzen weggehen.

18 Und als Er in das Schiff stieg, bat Ihn der Besessene, daß er bei Ihm bleiben dürfe.

19 Und Er ließ es ihm nicht zu, sondern sagt zu ihm: Gehe nach deinem Hause zu den Deinen, und verkündige ihnen, welche Dinge der Herr an dir getan und sich deiner erbarmet hat.

20 Und er ging weg und fing an, in der Gegend von Dekapolis zu verkündigen, was Jesus an ihm getan hatte. - Und Alle verwunderten sich.

21 Und als Jesus wiederum in dem Schiff an das jenseitige Ufer übergefahren war, versammelte sich eine große Volksmenge zu Ihm; und Er war an dem See.

22 Und siehe! Es kommt einer der Vorsteher der Synagogen, mit Namen Jairus; und als er Ihn sieht, fällt er zu Seinen Füßen.

23 Und er bat ihn sehr, sagend: Mein Töchterlein liegt in den letzten Zügen; ich bitte Dich, daß Du kommest und legest die Hände auf sie, daß sie geheilt werde; und sie wird leben.

24 Und Er ging mit ihm. Und es folgte Ihm eine große Volksmenge, und sie drängte Ihn.

25 Und ein gewisses Weib, welches zwölf Jahr den Blutfluß gehabt,

26 und von vielen Ärzten viel erlitten, und all´ ihre Habe verwendet, und keinen Nutzen davon gehabt hatte, sondern vielmehr schlimmer geworden war,

27 kam, als sie von Jesu hörte, in der Volksmenge von hinten, und rührte Sein Kleid an.

28 Denn sie sagte: Wenn ich auch nur Seine Kleider anrühre, so werde ich geheilt werden.

29 Und alsbald vertrocknete der Quell ihres Blutes, und sie wußte an ihrem Leibe, daß sie von der Plage geheilt war.

30 Und alsbald, da Jesus in Sich Selbst erkannte, daß die Kraft von Ihm ausging, wandte Er Sich in der Volksmenge um und sprach: Wer hat Meine Kleider angerührt? –

31 Und Seine Jünger sagten zu Ihm: Du siehst, wie die Volksmenge Dich drängt, und Du sagst: Wer hat Mich angerührt? –

32 Und Er blickte um Sich her, um sie zu sehen, welche dieses getan hatte.

33 Das Weib aber, voll Furcht und Zittern, wissend, was ihr geschehen war, kam und fiel vor Ihm nieder und sagte Ihm die ganze Wahrheit.

34 Er aber sprach zu ihr: Tochter! dein Glaube hat dich geheilt; gehe hin in Frieden, und sei gesund von deiner Plage! –

35 Als Er noch redete, kommen sie von dem Vorsteher der Synagoge, sagend: Deine Tochter ist gestorben; was bemühst du den Lehrer noch?

36 Jesus aber, als Er das Wort reden hörte, spricht alsbald zu dem Obersten der Synagoge: Fürchte dich nicht! Glaube nur! –

37 Und Er erlaubte Niemandem, Ihm zu folgen, als dem Petrus und Jakobus und Johannes, dem Bruder Jakobi. –

38 Und Er kommt in das Haus des Vorstehers der Synagoge und sieht das Getümmel, und die, welche sehr weinen und heulen.

39 Und als Er hineingetreten, spricht Er zu ihnen: Warum lärmt und weinet ihr? Das Kind ist nicht gestorben, sondern es schläft. –

40 Und sie verlachten Ihn. Als Er aber Alle hinausgetrieben, nimmt Er den Vater und die Mutter des Kindes und die mit Ihm waren, und geht hinein, wo das Kind lag.

41 Und des Kindleins Hand ergreifend, spricht er zu ihr: Talitha kumi! das ist verdolmetscht: Mädchen, (Ich sage dir) stehe auf! –

42 Und alsbald stand das Mädchen auf und wandelte; denn es war zwölf Jahre alt. Und sie entsetzten sich über die Maßen.

43 Und Er befahl ihnen dringend, daß dieses Niemand erführe; und sagte, man solle ihr zu essen geben.

 

Kapitel 6.

 

1 Und Er ging aus von dannen und kam in Sein Land; und Seine Jünger folgten Ihm nach.

2 Und als es Sabbath war, fing Er an, in der Synagoge zu lehren, und Viele, welche zuhörten, erstaunten, sagend: Woher Diesem Solches? und was ist das für eine Weisheit, die Ihm gegeben ist, daß auch solche Wunderwerke durch Seine Hände geschehen?

3 ist Dieser nicht der Zimmermann, der Sohn der Maria, und der Bruder des Jakobus und Joses und Judas und Simon? und sind nicht Seine Schwestern hier bei uns? - Und sie ärgerten sich an Ihm. –

4 Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, als nur in seinem Lande und unter seinen Verwandten und in seinem Hause.

5 Und Er konnte daselbst kein Wunderwerk tun, als nur, daß Er einigen Schwachen die Hände auflegte und sie heilte.

6 Und Er verwunderte Sich über ihren Unglauben. Und Er ging durch die Dörfer ringsum und lehrte.

7 Und Er ruft die Zwölfe zu Sich und fing an, sie je zwei und zwei auszusenden, und gab ihnen Gewalt über die unreinen Geister.

8 Und Er gebot ihnen, nichts auf den Weg mitzunehmen, als allein einen Stab; keine Tasche, kein Brot, keine Münze in dem Gürtel;

9 sondern sie sollten Sandalen untergebunden haben; und nicht zwei Röcke anziehen.

10 Und Er sprach zu ihnen: Wenn ihr irgendwo in ein Haus hineingehet, bleibet daselbst, bis ihr von dannen weggehet.

11 Und so Viele euch nicht aufnehmen, noch euch hören werden, von dannen gehet heraus, und schüttelt ihnen zum Zeugnis den Staub ab, der unter euren Füßen ist. Wahrlich Ich sage euch: Es wird Sodom oder Gomorra erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als jener Stadt.

12 Und sie gingen aus und predigten, daß man Buße tun solle.

13 Und sie trieben viele Teufel aus, und salbten viele Schwache mit Öl und heilten sie.

14 Und der König Herodes hörte davon - denn es war Sein Name offenbar geworden - und sagte: Johannes der Täufer ist aus den Toten auferstanden, und deshalb werden die Wunderwerke von Ihm gewirkt.

15 Andere sagten: Er ist Elias! Andere aber sagten: Er ist ein Prophet, wie einer von den Propheten! –

16 Herodes aber hörte es und sagte: Es ist Johannes, den ich enthauptet habe; dieser ist aus den Toten auferstanden.

17 Denn Herodes selbst hatte hingesandt und den Johannes gegriffen, und ihn in dem Gefängnis gebunden, um der Herodias willen, des Weibes seines Bruders Philippus; denn er hatte sie geheiratet.

18 Denn Johannes sagte dem Herodes: Es ist dir nicht erlaubt, das Weib deines Bruders zu haben.

19 Die Herodias aber hegte einen Groll wider ihn, und sie wollte ihn töten und konnte nicht.

20 Denn Herodes fürchtete den Johannes, weil er ihn als einen gerechten und heiligen Mann kannte. Und er achtete auf ihn; und wenn er ihn hörte, tat er Vieles, und hörte ihn gern.

21 Und als ein passender Tag kam, wo Herodes an seinem Geburtstage seinen Großen und Obersten über Tausend und den Ersten von Galiläa ein Abendmahl machte,

22 und die Tochter dieser Herodias hereinkam und tanzte, und dem Herodes und den Gästen gefiel, - sprach der König zu dem Mädchen: Bitte von mir, was du willst, und ich werde es dir geben! –

23 Und er schwur ihr: Was du auch von mir bitten wirst, ich werde es dir geben bis zur Hälfte meines Reichs.

24 Sie aber ging hinaus und sagte zu ihrer Mutter: Was soll ich bitten? Diese aber sagte: Den Kopf Johannis des Täufers. –

25 Und sie ging alsbald mit Eile zu dem Könige hinein und bat, sagend: Ich will, daß du mir sofort auf einer Schüssel den Kopf Johannis des Täufers gebest. –

26 Und obgleich der König sehr betrübt war, wollte er sie um der Eidschwüre und um der Tischgäste willen nicht zurückweisen.

27 Und alsbald schickte der König einen Trabanten und befahl, seinen Kopf herzubringen.

28 Der aber ging hin und enthauptete ihn im Gefängnis. Und er brachte seinen Kopf auf einer Schüssel und gab ihn dem Mädchen; und das Mädchen gab ihn ihrer Mutter.

29 Und als es seine Jünger hörten, kamen sie, trugen seinen Leib weg, und legten ihn in ein Grab.

30 Und es versammelten sich die Apostel zu Jesu, und sie erzählten Ihm Alles, sowohl was sie getan, als auch was sie gelehrt hatten.

31 Und Er sprach zu ihnen: Kommt ihr selbst an einen wüsten Ort besonders und ruhet ein wenig aus! - Denn es waren Viele, welche kamen und fortgingen, und sie fanden nicht einmal Muße, um zu essen.

32 Und sie gingen hin an einen wüsten Ort in einem Schiffe besonders,

33 und sie sahen Ihn wegfahren, und Viele erkannten Ihn, und liefen zu Fuß von allen Städten zusammen dort hin, und kamen ihnen zuvor und versammelten sich zu Ihm.

34 Und als Jesus heraustrat, sah Er eine große Volksmenge, und wurde innerlich bewegt über sie; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben; und Er fing an, sie Vieles zu lehren.

35 Und als es schon spät an der Zeit war, traten Seine Jünger zu Ihm und sagen: Der Ort ist wüste, und es ist schon spät an der Zeit;

36 entlaß sie, damit sie hingehen in die Felder und Dörfer ringsum, und sich Brote kaufen; denn sie haben nichts zu essen.

37 Er aber antwortete und sagte zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu essen! Und sie sagen zu Ihm: Sollen wir hingehen, damit wir für zweihundert Denare Brote kaufen und ihnen zu essen geben?

38 Er aber spricht zu ihnen: Wie viele Brote habt ihr? Gehet hin und sehet! - Und als sie es wußten, sagen sie: Fünf, und zwei Fische.

39 Und Er befahl ihnen, daß sie sich Alle niedersetzen sollten, eine Gruppe neben der andern, auf das grüne Gras.

40 Und sie lagerten sich in Abteilungen von je hundert und je fünfzig.

41 Und Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf gen Himmel, segnete, und brach die Brote, und gab sie Seinen Jüngern, auf daß sie ihnen vorlegten; und die zwei Fische teilte Er unter Alle aus.

42 Und sie aßen Alle und wurden gesättigt.

43 Und sie hoben auf von Brocken zwölf Körbe voll, und von den Fischen.

44 Und die, welche von den Broten gegessen hatten, waren fünf tausend Männer.

45 Und alsbald nötigte Er Seine Jünger, in das Schiff zu steigen und auf das jenseitige Ufer nach Bethsaida vorzugehen, bis Er die Volksmenge entlassen haben würde.

46 Und als Er sie verabschiedet hatte, ging Er hin auf den Berg, um zu beten.

47 Und als es Abend geworden, war das Schiff mitten im See und Er allein auf dem Lande.

48 Und Er sah sie beim Rudern Not leiden; denn der Wind war ihnen entgegen. Und um die vierte Nachtwache kommt Er zu ihnen, wandelnd auf dem See; und Er wollte an ihnen vorbeigehen.

49 Sie aber, als sie Ihn auf dem See wandeln sahen, meinten, es sei ein Gespenst und schrieen auf;

50 denn sie sahen Ihn Alle und waren bestürzt. Und alsbald redete Er mit ihnen und spricht zu ihnen: Seid gutes Mutes! ICH BIN, fürchtet euch nicht!

51 Und Er stieg zu ihnen in das Schiff und der Wind legte sich. Und sie erstaunten sehr über die Maßen bei sich selbst und verwunderten sich;

52 denn sie waren durch die Brote nicht verständig geworden, denn ihr Herz war verhärtet.

53 Und als sie hinüber gefahren waren, kamen sie in das Land Genezareth und legten an.

54 Und als sie aus dem Schiffe gestiegen waren, erkannten sie Ihn alsbald,

55 und liefen in jener ganzen Umgegend umher und fingen an, die Siechen auf den Ruhebetten umher zu tragen, wo sie hörten, daß Er daselbst sei.

56 Und wo Er irgend in Dörfer, oder Städte, oder Felder eintrat, legten sie auf den Marktplätzen die Kranken hin und baten Ihn, daß sie wenigstens den Zipfel Seines Kleides anrühren dürften. - Und wie Viele Ihn anrührten, wurden geheilt.

 

7.

 

1 Und es versammelten sich zu Ihm die Pharisäer und Etliche der Schriftgelehrten, die von Jerusalem gekommen waren.

2 Und als sie Etliche Seiner Jünger mit unreinen, das ist ungewaschenen Händen, Brote essen sahen, -

3 (denn die Pharisäer und alle Juden essen nicht, wenn sie nicht oftmals die Hände waschen, weil sie die Satzung der Ältesten halten.

4 Und wenn sie vom Markte kommen, essen sie nicht, es sei denn, daß sie sich waschen. Und viel Anderes ist, was sie zu halten überkommen haben: Waschungen der Becher und Krüge und ehernen Gefäße und der Tischlager;) –

5 da fragen Ihn die Pharisäer und die Schriftgelehrten: Warum wandeln Deine Jünger nicht nach der Überlieferung der Ältesten, sondern essen das Brot mit ungewaschenen Händen? –

6 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wohl hat Jesaias von euch Heuchlern geweissagt, wie geschrieben steht: "Dieses Volk ehret Mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist weit entfernt von Mir;

7 vergeblich aber verehren sie Mich, lehrend als Lehren Menschengebote."

8 Denn das Gebot Gottes lassend, haltet ihr die Überlieferung der Menschen: Waschungen von Krügen und Bechern; - und viele andere solcher ähnlichen Dinge tut ihr.

9 Und Er sprach zu ihnen: Wohl hebet ihr das Gebot Gottes auf, auf daß ihr eure Überlieferung haltet.

10 Denn Moses hat gesagt: Ehre deinen Vater und deine Mutter; und: "Wer Vater und Mutter flucht, soll des Todes sterben."

11 Ihr aber sagt: Wenn Jemand zu dem Vater oder zu der Mutter sagt: Es ist "Korban", - das heißt Gabe, - Alles, wodurch du von mir Nutzen haben könntest;

12 und ihr lasset ihn nichts mehr für seinen Vater oder seine Mutter tun,

13 und machet das Wort Gottes ungültig durch eure Überlieferung, die ihr überliefert habt. Und dergleichen ähnliche Dinge tut ihr viel.

14 Und als Er die ganze Volksmenge herzu gerufen hatte, sprach Er zu ihnen. Höret Mich Alle und verstehet!

15 Es ist nichts, was von außerhalb des Menschen in denselben hineingeht, das ihn verunreinigen kann, sondern was von ihm herausgeht, dieses ist es, das den Menschen verunreinigt.

16 Wer Ohren hat zu hören, - höre!

17 Und als Er von der Volksmenge weg nach Hause kam, fragten Ihn Seine Jünger um das Gleichnis.

18 Und Er spricht zu ihnen: Seid auch ihr also unverständig? Begreift ihr nicht, daß Alles, was von Außen in den Menschen hineingeht, ihn nicht unrein machen kann?

19 Denn es geht nicht in sein Herz, sondern in den Bauch, und es geht heraus in den heimlichen Ort, reinigend alle Speisen.

20 Er sagte aber: Das, was aus dem Menschen herausgeht, das verunreinigt den Menschen.

21 Denn von Innen aus dem Herzen der Menschen gehen die bösen Gedanken hervor: Ehebruch, Hurerei, Mord,

22 Dieberei, Geiz, Bosheiten, List, Ausschweifung, Schalksauge, Lästerung, Hochmut, Leichtfertigkeit.

23 Alle diese bösen Dinge gehen von Innen heraus und verunreinigen den Menschen.

24 Und Er machte sich von da auf und ging an die Grenzen von Tyrus und Sidon; und als Er in ein Haus trat, wollte Er, daß es Niemand wüßte; und Er konnte nicht verborgen sein.

25 Denn ein Weib hatte von Ihm gehört, deren Töchterlein einen unreinen Geist hatte, und sie kam und fiel Ihm zu Füßen; -

26 (das Weib aber war eine Griechin, eine Syro-Phönizierin von Geburt) - und bat Ihn, daß Er den Teufel von ihrer Tochter austreibe.

27 Jesus aber sagte zu ihr: Laß zuerst die Kinder gesättigt werden; denn es ziemt sich nicht, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden hinzuwerfen.

28 Sie aber antwortete und spricht zu Ihm: Ja, Herr! denn es essen ja auch die Hunde unter dem Tische von den Brosamen der Kinder.

29 Und Er sagte zu ihr: Um dieses Wortes willen gehe hin; der Teufel ist von deiner Tochter ausgefahren.

30 Und nach ihrem Hause hingehend, fand sie den Teufel ausgefahren, und die Tochter auf dem Bette liegen.

31 Und von den Grenzen von Tyrus und Sidon wieder weggehend, kam Er an den Galiläischen See durch die Mitte der Grenzen von Dekapolis.

32 Und sie bringen einen Tauben zu ihm, der schwer redete, und bitten Ihn, daß Er ihm die Hand auflege.

33 Und Er nahm ihn von der Volksmenge hinweg besonders, und legte Seine Finger in seine Ohren, und Er spützte und rührte seine Zunge an;

34 und, gen Himmel blickend, seufzte Er und spricht zu Ihm: Ephphatha! das ist: Sei geöffnet!

35 Und alsbald waren seine Ohren geöffnet und das Band seiner Zunge war gelöst, und er redete recht.

36 Und Er gebot ihnen, daß sie es Niemandem sagten; wie viel Er es ihnen aber gebot, desto mehr verkündeten sie es übermäßig.

37 Und überaus erstaunten sie, sagend: Er hat Alles wohlgetan; Er macht beides, die Tauben hörend, und die Stummen redend.

 

Kapitel 8.

 

1 In jenen Tagen, als eine sehr große Volksmenge da war und nichts zu essen hatte, rief Er Seine Jünger zu Sich und spricht zu ihnen:

2 Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge; denn schon drei Tage verweilen sie bei Mir und haben nichts zu essen.

3 Und wenn Ich sie ohne Essen nach Hause entlasse, so werden sie auf dem Wege verschmachten; denn Etliche von ihnen sind weit hergekommen.

4 Und Seine Jünger antworteten Ihm: Woher wird Jemand hier in der Wüstenei diese mit Broten sättigen können?

5 Und Er fragte sie: wie viel Brote habt ihr? - Sie aber sagten: Sieben. –

6 Und Er befahl der Volksmenge, sich auf die Erde zu lagern. Und Er nahm die sieben Brote, dankte, und brach sie und gab sie Seinen Jüngern, auf daß sie vorlegten; - und sie legten sie der Volksmenge vor.

7 Auch hatten sie einige kleine Fische; und als Er gesegnet hatte, sagte Er, auch diese vorzulegen. –

8 Sie aßen aber und wurden gesättigt, und sie hoben auf, was an Brocken übrig blieb - sieben Körbe.

9 Die aber aßen, waren bei viertausend. Und Er entließ sie.

10 Und alsbald stieg Er mit Seinen Jüngern in das Schiff und kam in die Gegenden von Dalmanutha.

11 Und die Pharisäer gingen hinaus und fingen an, sich mit Ihm zu befragen; und Ihn versuchend, begehrten sie von Ihm ein Zeichen vom Himmel.

12 Und tief in Seinem Geist seufzend, spricht Er: Warum verlangt dieses Geschlecht ein Zeichen? Wahrlich, Ich sage euch, es wird diesem Geschlechte kein Zeichen gegeben werden. –

13 Und Er ließ sie, stieg wieder in das Schiff und fuhr an das jenseitige Ufer.

14 Und sie hatten vergessen, Brote mitzunehmen, und hatten nichts mit sich auf dem Schiffe, als nur ein Brot.

15 Und Er ermahnte sie eindringlich, sagend: Sehet zu, hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und dem Sauerteig Herodis! –

16 Und sie überlegten untereinander, sagend: weil wir keine Brote haben.

17 Und Jesus, es wissend, spricht zu ihnen: Warum überlegt ihr, weil ihr keine Brote habt? Nehmt ihr noch nichts wahr, und versteht auch nichts? Habt ihr noch euer Herz verhärtet?

18 Augen habend, sehet ihr nicht? und Ohren habend, höret ihr nicht? Und erinnert ihr euch nicht?

19 Als Ich die fünf Brote unter die fünftausend brach, wie viel Körbe voll Brocken hobt ihr auf? - Sie sagen zu Ihm: Zwölf:

20 Als aber die Sieben unter die viertausend, wie viel Körbe, mit Brocken gefüllt, hobt ihr auf? - Sie aber sagten: Sieben.

21 Und Er sprach zu ihnen: Wie verstehet ihr nicht?

22 Und Er kommt nach Bethsaida, und sie bringen Ihm einen Blinden, und bitten Ihn, daß Er ihn anrühre.

23 Und Er nahm den Blinden bei der Hand und führte ihn hinaus, außerhalb des Dorfes; und in seine Augen spützend, legte Er ihm die Hände auf und fragte ihn, ob er etwas sehe?

24 Und aufblickend sprach er: Ich sehe die Menschen wie Bäume wandeln.

25 Darauf legte Er wiederum die Hände auf seine Augen, und ließ ihn aufblicken, - und er war wieder hergestellt und sah alle Dinge deutlich.

26 Und Er schickte ihn nach seinem Hause, sagend: Gehe nicht in das Dorf hinein, sage es auch Niemandem in dem Dorfe.

27 Und Jesus ging hinaus und Seine Jünger nach den Dörfern bei Cäsarea Philippi. Und auf dem Wege fragte Er Seine Jünger, zu ihnen sagend: Wer sagen die Menschen, daß Ich sei?

28 Sie aber antworteten: Johannes, der Täufer; - Andere: Elias; - Andere aber: Einer von den Propheten. –

29 Und Er spricht zu ihnen: Wer sagt aber ihr, daß Ich sei? - Petrus aber antwortete und spricht zu Ihm: Du bist der Christus. –

30 Und Er bedräuete sie, daß sie Niemandem von Ihm sagen sollten.

31 Und Er fing an, sie zu lehren, daß der Sohn des Menschen Vieles leiden müsse, und von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten verworfen und getötet werden, und nach drei Tagen auferstehen. –

32 Und Er redete dieses Wort öffentlich. Und Petrus nahm Ihn zu sich und fing an, Ihn zu strafen.

33 Er aber, Sich umwendend, und Seine Jünger ansehend, strafte den Petrus und spricht: Gehe hinter Mich, Satanas! denn du sinnest nicht auf das, was Gottes ist, sondern auf das, was der Menschen ist. –

34 Und als Er die Volksmenge samt Seinen Jüngern zu Sich gerufen hatte, sprach Er zu ihnen: Wer Mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge Mir nach.

35 Denn Jedweder, der sein Leben retten will, wird es verlieren; Jedweder aber, der sein eigenes Leben um Meinet- und des Evangeliums willen verliert, wird es erretten.

36 Denn was wird es einem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewönne und seine Seele einbüßte?

37 Oder, was wird ein Mensch für seine Seele als Lösegeld geben?

38 Denn Jedweder, der sich Meiner und Meiner Worte unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlechte schämt, dessen wird sich auch der Sohn des Menschen schämen, wenn Er in der Herrlichkeit Seines Vaters mit den heiligen Engeln kommen wird.

 

Kapitel 9.

 

1 Und Er sprach zu ihnen: Wahrlich, Ich sage euch: Unter denen, die hier stehen, sind Etliche, welche den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes gesehen haben, gekommen in Macht.

2 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus den Petrus und den Jakobus und den Johannes mit Sich und führt sie besonders auf einen hohen Berg allein. Und Er ward vor ihnen umgestaltet;

3 und Seine Kleider wurden glänzend, sehr licht, wie Schnee, wie kein Walker auf der Erde weiß machen kann.

4 Und ihnen erschien Elias mit Moses, und sie besprachen sich mit Jesu. –

5 Und Petrus antwortete und sagt zu Jesu: Rabbi! Gut ist, daß wir hier sind! und laß uns drei Hütten machen; Dir eine, und dem Moses eine, und dem Elias eine. –

6 Denn Er wußte nicht, was er sagen sollte, denn sie waren voll Furcht. –

7 Und es ward eine Wolke, die sie überschattete, und eine Stimme kam aus der Wolke: Dieser ist Mein geliebter Sohn; Ihn höret!

8 Und plötzlich sich umblickend, sahen sie Niemanden mehr, sondern Jesum allein bei ihnen.

9 Indem sie aber vom Berge hinabstiegen, gebot Er ihnen, sie sollten, was sie gesehen, Niemandem erzählen, bis daß der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden wäre. –

10 Und sie behielten das Wort für sich und befragten sich unter einander: Was ist das Auferstehen aus den Toten? –

11 Und sie fragten Ihn, sagend: Warum sagen die Schriftgelehrten, daß Elias zuerst kommen muß? –

12 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Elias zwar kommt zuerst und stellt alle Dinge wieder her; und wie über den Sohn des Menschen geschrieben steht, "daß Er Vieles leiden und ganz verachtet werden soll."

13 Aber Ich sage euch: Elias ist gekommen, und sie haben mit ihm getan, was sie wollten, wie es über ihn geschrieben steht.

14 Und als Er zu den Jüngern kam, sah Er eine große Volksmenge um sie herum, und Schriftgelehrte, die sich mit ihnen befragten.

15 Und alsbald, als die ganze Volksmenge Ihn sah, waren sie sehr erstaunt; und sie liefen herzu und begrüßen Ihn.

16 Und Er fragte die Schriftgelehrten: Was befragt ihr euch mit ihnen? –

17 Und es antwortete einer aus der Volksmenge und sprach: Lehrer! Ich habe meinen Sohn zu Dir gebracht, der einen stummen Geist hat;

18 und überall, wo er ihn ergreift, reißt er ihn hin; und er schäumt, und knirscht mit seinen Zähnen, und dörrt aus. Und ich sprach zu Deinen Jüngern, daß sie ihn austrieben; und sie vermochten es nicht. –

19 Er aber antwortete ihnen und spricht: O ungläubiges Geschlecht! Wie lange soll Ich bei euch sein? Wie lange soll Ich euch ertragen? Bringt ihn zu Mir! –

20 Und sie brachten ihn zu Ihm; und als er Ihn sah, alsbald zerrte ihn der Geist und er fiel zur Erde und wälzte sich schäumend.

21 Und Er fragte seinen Vater: Wie lange ist es her, daß ihm dieses widerfahren ist? Er aber sprach: Von Kindheit an;

22 und öfters hat er ihn sowohl in´s Feuer als in´s Wasser geworfen, um ihn umzubringen, aber wenn Du etwas kannst, so erbarme Dich unser und hilf uns! –

23 Jesus aber sprach zu ihm: Das "wenn Du kannst" ist, wenn Du glauben kannst! Dem Glaubenden ist Alles möglich! –

24 Und alsbald rief der Vater des Knäbleins, und sagte mit Tränen: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! –

25 Als aber Jesus sah, daß eine Volksmenge zusammen läuft, bedräuete Er den unreinen Geist, zu ihm sagend: Stummer und tauber Geist, Ich gebiete dir, Fahre von ihm aus, und fahre nicht mehr in ihn hinein! –

26 Und schreiend und ihn sehr zerrend fuhr er aus. Und er ward wie tot, so daß Viele sagten: Er ist gestorben. –

27 Jesus aber nahm ihn bei der Hand und richtete ihn empor, und er stand auf.

28 Und als Er nach Hause gekommen war, fragten Ihn Seine Jünger besonders: Warum haben wir ihn nicht austreiben können? –

29 Und Er sprach zu ihnen: Diese Art kann in keinem andern Wege ausfahren, als allein durch Gebet und Fasten.

30 Und sie gingen von dannen hinweg und zogen durch Galiläa; und Er wollte nicht, daß es Jemand wüßte.

31 Denn Er lehrte Seine Jünger und sagte zu ihnen: Der Sohn des Menschen wird in die Hände der Menschen überliefert, und sie werden Ihn töten; und wenn Er getötet worden, wird Er am dritten Tage auferstehen. –

32 Sie aber verstanden diese Rede nicht, und fürchteten sich, Ihn zu fragen.

33 Und Er kam nach Kapernaum. Und als Er im Hause war, fragte Er sie: Was habt ihr auf dem Wege unter einander verhandelt? –

34 Sie aber schwiegen; denn sie hatten sich auf dem Wege unter einander besprochen, wer der Größte sei? –

35 Und Sich niedersetzend, rief Er die Zwölfe und sagt zu ihnen: Wenn Jemand der Erste sein will, so soll er von Allen der Letzte und Aller Diener sein. –

36 Und er nahm ein Kind und stellte es in ihre Mitte; und als Er es in Seine Arme genommen, sprach Er zu ihnen:

37 Wer immer eins von solchen Kindlein um Meines Namens willen aufnimmt, - nimmt Mich auf; und wer immer Mich aufnimmt, nimmt nicht Mich auf, sondern Den, der Mich gesandt hat.

38 Johannes aber antwortete Ihm, sagend: Lehrer! Wir haben Jemand durch Deinen Namen Teufel austreiben sehen, der uns nicht nachfolgt; und wir haben es ihm gewehrt, weil er uns nicht nachfolgt. –

39 Jesus aber sprach: Wehrt es ihm nicht! Denn es ist Niemand, der ein Wunderwerk in Meinem Namen tun, und bald übel von Mir sprechen können wird.

40 Denn wer nicht wider euch ist, ist für euch;

41 denn wer immer euch mit einem Becher Wasser um des Namens willen tränken wird, weil ihr Christi seid, - wahrlich, Ich sage euch: er wird seinen Lohn nicht verlieren;

42 und wer immer einen der Kleinen, die an Mich glauben, ärgert, - dem ist es besser, wenn ihm ein Mühlstein am Halse hängt, und er in das Meer geworfen wird.

43 Und wenn dich deine Hand ärgert, so haue sie ab; - es ist dir besser, als Krüppel in das Leben einzugehen, als, die zwei Hände habend, in die Hölle hinabzufahren, in das unauslöschliche Feuer,

44 wo ihr Wurm nicht stirbt, und das Feuer nicht verlischt.

45 Und wenn dein Fuß dich ärgert, so haue ihn ab; - es ist dir besser, lahm in das Leben einzugehen, als, die zwei Füße habend, in die Hölle geworfen zu werden, in das unauslöschliche Feuer,

46 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlischt.

47 Und wenn dein Auge dich ärgert, so wirf es weg; - es ist dir besser, einäugig in das Reich Gottes einzugehen, als, zwei Augen habend, in die Hölle des Feuers geworfen zu werden,

48 wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht verlischt.

49 Denn Jeder wird mit Feuer gesalzen werden, und jedes Opfer wird mit Salz gesalzen werden.

50 Das Salz ist gut. Wenn aber das Salz unsalzig geworden, womit wollt ihr es würzen? - Habt Salz in euch selbst und seid in Frieden unter einander.

 

Kapitel 10.

 

1 Und Er machte Sich von dannen auf und kommt durch das Jenseitige des Jordan an die Grenze von Judäa; und die Volksmenge kommt wiederum zusammen zu Ihm, und wie Er gewohnt war, lehrte Er sie wieder.

2 Und es traten die Pharisäer herzu und fragten, Ihn versuchend: Ist es einem Manne erlaubt, sein Weib zu entlassen? –

3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Moses geboten? –

4 Sie aber sagten: Moses hat gestattet, einen Scheidebrief zu geben, und sie zu entlassen. –

5 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Um eures Herzens Hartnäckigkeit willen schrieb er euch dieses Gebot;

6 aber von Anfang der Schöpfung hat sie Gott männlich und weiblich gemacht.

7 "Um deswillen soll ein Mensch seinen Vater und Mutter verlassen, und seinem Weibe anhangen;

8 und werden die Zwei zu Einem Fleische werden." - Und so sind sie nicht mehr Zwei, sondern Ein Fleisch.

9 Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden. –

10 Und in dem Hause fragten Ihn Seine Jünger wiederum über dasselbe;

11 und Er spricht zu ihnen: Jedweder, der sein Weib entläßt und eine andere heiratet, der bricht die Ehe gegen sie;

12 und wenn ein Weib sich von ihrem Manne scheidet und einen andern heiratet, so bricht sie die Ehe.

13 Und sie brachten Kindlein zu Ihm, daß Er sie anrührte. Die Jünger aber bedräueten die, welche sie hinzu brachten.

14 Als es aber Jesus sah, ward Er unwillig und sagte zu ihnen: Lasset die Kindlein zu Mir kommen, und wehret ihnen nicht; denn solcher ist das Reich Gottes.

15 Wahrlich, Ich sage euch: Jedweder, der das Reich Gottes nicht aufnimmt, als ein Kindlein, wird nicht in dasselbe eingehen. –

16 Und Er nahm sie in Seine Arme, legte die Hände auf sie und segnete sie.

17 Und als Er hinaus auf den Weg gegangen war, lief Einer zu Ihm, kniete vor Ihm und fragte Ihn: Guter Lehrer! Was soll ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe? –

18 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennest du Mich gut? Niemand ist gut, als nur Einer, Gott.

19 Die Gebote weißt du: "Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht töten; du sollst nicht falsches Zeugnis reden; du sollst nichts vorenthalten; ehre deinen Vater und deine Mutter!" –

20 Er aber antwortete und sprach zu Ihm: Lehrer! Alles Dieses habe ich von meiner Jugend auf beobachtet. –

21 Jesus aber, ihn anblickend, liebte ihn und sprach zu ihm: Eins fehlt dir! Gehe hin, verkaufe Alles, was du hast, und gib den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; - und komm, folge Mir nach, das Kreuz aufnehmend! –

22 Er aber, betrübt über das Wort, ging traurig weg; denn er hatte viele Güter.

23 Und Jesus blickte umher und spricht zu Seinen Jüngern: Wie schwerlich werden die, welche Güter haben, in das Reich Gottes eingehen!

24 Die Jünger aber erstaunten sehr über Seine Worte. Jesus aber antwortete wiederum und sagte zu ihnen: Kinder! Wie schwer ist es, daß die, welche sich auf Güter verlassen, in das Reich Gottes eingehen!

25 Leichter ist es, daß ein Kamel durch das Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes eingehe.

26 Sie aber entsetzten sich über die Maßen, sagend zu sich selbst: Und wer kann dann errettet werden? –

27 Jesus aber sah sie an und spricht: Bei Menschen ist es unmöglich, aber nicht bei Gott! Denn bei Gott sind alle Dinge möglich.

28 Petrus fing an, zu Ihm zu sagen: Siehe, wir haben Alles verlassen, und sind Dir nachgefolgt!

29 Jesus aber antwortete und sprach: Wahrlich, Ich sage euch: Es ist Niemand, der Haus, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Äcker um Meinet- und um des Evangeliums willen verlassen hat,

30 der nicht hundertfältig jetzt in dieser Zeit Häuser, und Brüder, und Schwestern, und Mütter, und Kinder, und Äcker, mit Verfolgungen, und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben empfange.

31 Aber viele Erste werden Letzte, und viele Letzte Erste sein.

32 Sie waren aber auf dem Wege, nach Jerusalem hinaufgehend; und Jesus ging vor ihnen her; und sie waren bestürzt und fürchteten sich, indem sie Ihm nachfolgten. Und Er nahm wiederum die Zwölfe zu Sich und fing an, ihnen zu sagen, was Ihm widerfahren sollte:

33 Siehe! Wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten überliefert werden, und sie werden Ihn zum Tode verurteilen und Ihn den Nationen überliefern;

34 und sie werden Ihn verspotten und geißeln, und Ihn verspeien und Ihn töten; - und am dritten Tage wird Er auferstehen.

35 Und es treten Jakobus und Johannes, die Söhne Zebedäi zu Ihm, sagend: Lehrer! Wir wollen, daß Du uns das tust, um was irgend wir bitten werden. –

36 Er aber sagte zu ihnen: Was wollt ihr, daß Ich euch tue? –

37 Sie aber sagten zu Ihm: Gib uns, daß wir in Deiner Herrlichkeit, Einer zu Deiner Rechten und Einer zu Deiner Linken, sitzen. –

38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wißt nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den Ich trinke, und mit der Taufe getauft werden, womit Ich getauft werde? –

39 Sie aber sprachen zu Ihm: Wir können es. - Jesus aber sprach zu ihnen: Den Kelch, den Ich trinke, werdet ihr trinken, und mit der Taufe, womit ich getauft werde, werdet ihr getauft werden;

40 aber das Sitzen zu Meiner Rechten und Linken, steht nicht bei Mir zu geben, sondern denen, für welche es bereitet ist. –

41 Und als das die Zehn hörten, fingen sie an, über Jakobus und Johannes unwillig zu werden.

42 Jesus aber, als Er sie zu Sich gerufen hatte, sagt zu ihnen: Ihr wisset, daß die, welche für die Regenten der Nationen gehalten sind, über diese herrschen, und ihre Großen Gewalt über sie ausüben.

43 Aber also soll es nicht unter euch sein; sondern Jedweder, der unter euch groß sein will, - er soll euer Diener sein;

44 und Jedweder, der von euch der Erste sein will, - er soll Aller Knecht sein.

45 Denn auch der Sohn des Menschen ist nicht gekommen, um bedient zu werden, sondern um zu dienen, und sein Leben als Lösegeld für Viele zu geben.

46 Und sie kommen nach Jericho. Und als Er aus Jericho herausging und Seine Jünger und eine zahlreiche Volksmenge, saß Timäi Sohn, Bartimäus, der Blinde, bettelnd am Wege.

47 Und als er hörte, es sei Jesus, der Nazarener, fing er an zu rufen und zu sagen: O, Sohn Davids, Jesu, erbarme Dich meiner ! –

48 Und Viele bedräueten Ihn, daß er schweigen sollte; er aber rief viel mehr: Sohn Davids, erbarme Dich meiner! –

49 Und Jesus blieb stehen und sagte, daß er gerufen werden sollte. Und sie rufen den Blinden, ihm sagend: Sei gutes Mutes! Stehe auf, Er rufet dich! –

50 Er aber warf sein Gewand ab, stand auf und kam zu Jesu. –

51 Und Jesus antwortete und sagt zu ihm: Was willst du, daß Ich dir tun soll? - Der Blinde aber sprach zu Ihm: Rabbuni, daß ich sehe!

52 Jesus aber sprach zu ihm: Gehe hin, dein Glaube hat dich geheilt! - Und alsbald ward er sehend und folgte Jesu auf dem Wege nach.

 

11.

 

1 Und als sie nahe zu Jerusalem kommen, nach Bethphage und Bethanien hin, an den Ölberg, sendet Er zwei Seiner Jünger

2 und sagt zu ihnen: Gehet hin in das Dorf, das euch gegenüber liegt; und alsbald, wenn ihr da hineinkommt, werdet ihr ein Füllen angebunden finden, auf welchem Keiner der Menschen gesessen; - löset es und bringet es her!

3 Und wenn Jemand zu euch sagen wird: Warum tut ihr Dieses? - so sollt ihr sagen: Der Herr bedarf sein! - Und alsbald schickt er es hierher. –

4 Sie aber gingen hin, und fanden ein Füllen an der Tür draußen auf dem Kreuzwege angebunden; und sie lösen es.

5 Und Etliche von Denen, die da standen, sprachen zu ihnen: Was tut ihr, daß ihr das Füllen löset? –

6 Sie aber sprachen zu ihnen, wie Jesus befohlen hatte. Und sie ließen sie gehen. –

7 Und sie führten das Füllen zu Jesu und legten ihre Kleider darauf, und Er setzte Sich darauf.

8 Viele aber breiteten ihre Kleider aus auf den Weg; Andere hieben Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg;

9 und die, welche vorgingen und nachfolgten, riefen, sagend: Hosanna, gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn!

10 Gesegnet, das kommende Reich unsers Vaters David! Hosanna in der Höhe! –

11 Und Jesus ging in Jerusalem und in den Tempel hinein, und blickte über Alles umher und ging, da es schon in der Abendstunde war, mit den Zwölfen hinaus nach Bethanien.

12 Und als sie am folgenden Tage aus Bethanien herausgingen, hungerte Ihn.

13 Und als Er von fern einen Feigenbaum sah, der Blätter hatte, trat Er hinzu, ob Er vielleicht Etwas daran fände; und als Er hinzukam, fand Er nichts als nur Blätter; denn es war nicht die Zeit der Feigen. –

14 Und Er antwortete und sprach zu demselben: Hinfort esse von dir in Ewigkeit Niemand mehr Frucht! - Und Seine Jünger hörten es.

15 Und sie kommen nach Jerusalem. Und Er, in den Tempel hinein gehend, fing an, die Verkaufenden und Kaufenden im Tempel auszutreiben; und die Tische der Wechsler und die Sitze der Taubenkrämer warft Er um.

16 Und Er erlaubte nicht, daß Jemand ein Gefäß durch den Tempel trug.

17 Und Er lehrte, zu ihnen sagend: Steht nicht geschrieben: "Mein Haus soll allen Nationen ein Bethaus genannt werden?" "Ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht." –

18 Und die Schriftgelehrten und die Hohenpriester hörten es, und suchten, wie sie Ihn umbrächten; denn sie fürchteten Ihn, weil die ganze Volksmenge über Seine Lehre sehr erstaunt war.

19 Und als es Abend geworden, ging Er zur Stadt hinaus.

20 Und als sie frühmorgens vorbeigingen, sahen sie den Feigenbaum von den Wurzeln an verdorrt.

21 Und Petrus gedachte daran und spricht zu Ihm: Rabbi! Siehe, der Feigenbaum, den Du verflucht hast, ist verdorrt. –

22 Und Jesus antwortete und sagt zu ihnen: Habt Glauben an Gott!

23 Denn wahrlich Ich sage euch: Jedweder, der zu diesem Berge sagen wird: Sei aufgehoben und in das Meer geworfen! und in seinem Herzen nicht zweifeln, sondern glauben wird, daß das, was er sagt, geschieht, dem wird geschehen, was er irgend sagen wird.

24 Deswegen sage Ich euch: Alles, was ihr irgend im Gebet bittet, - glaubet, daß ihr es empfanget, - und es wird euch werden.

25 Und wenn ihr im Gebet dastehet, so vergebet, wenn ihr wider Jemand Etwas habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe.

26 Wenn ihr aber nicht vergebet, so wird euer Vater, der in den Himmeln ist, auch eure Übertretungen nicht vergeben.

27 Und sie kommen wiederum nach Jerusalem. Und als Er im Tempel umher wandelt, kommen die Hohenpriester und die Schriftgelehrten und die Ältesten zu Ihm

28 und sagen zu Ihm: In welchem Recht tust Du Dieses, und wer hat Dir dieses Recht gegeben, daß Du Dieses tust? –

29 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich werde euch auch eine Sache fragen, und antwortet Mir, und Ich werde euch sagen, in welchem Recht Ich Dieses tue.

30 Die Taufe Johannis, - war sie vom Himmel oder von Menschen? Antwortet Mir. –

31 Und sie überlegten bei sich selbst und sagten: Wenn wir sagen: Vom Himmel, - so wird Er sagen: Warum glaubtet ihr ihm denn nicht?

32 Doch wenn wir sagen: Von Menschen.... - Sie fürchteten das Volk; denn Alle hielten von Johannes, daß er wirklich ein Prophet war. –

33 Und sie antworteten und sagen zu Jesu: Wir wissen es nicht. Und Jesus antwortete und sagt zu ihnen: So sage Ich euch auch nicht, in welchem Recht Ich Dieses tue. -

 

Kapitel 12.

 

1 Und Er fing an in Gleichnissen zu ihnen zu reden: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg, und setzte einen Zaun darum, und grub eine Kelter, und baute einen Turm, und tat ihn an Ackerbauer aus und reiste außer Landes.

2 Und zur Zeit sandte er einen Knecht zu den Ackerbauern, damit er von den Ackerbauern von der Frucht des Weinbergs empfinge.

3 Sie aber nahmen ihn, schlugen ihn und schickten ihn leer fort.

4 Und wiederum schickte er einen andern Knecht zu ihnen, und diesen verwundeten sie durch Steinwürfe am Kopf, und schickten ihn entehrt fort.

5 Und wiederum schickte er einen Andern, und diesen töteten sie; und viele Andere; - die Einen schlugen sie, die Andern töteten sie.

6 Da er nun noch einen Sohn, seinen Geliebten, hatte, schickte er auch ihn, den letzten, zu ihnen, sagend: Sie werden sich vor meinem Sohne scheuen.

7 Jene aber, die Ackerbauer, sprachen unter einander: Dieser ist der Erbe! Kommt, laßt uns ihn töten, und das Erbe wird unser sein! –

8 Und sie nahmen ihn, töteten ihn und warfen ihn zum Weinberge hinaus.

9 Was wird nun der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Ackerbauer umbringen und den Weinberg Andern geben.

10 Habt ihr nicht auch diese Schrift gelesen: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden;

11 dieses ist vom Herrn geschehen und ist wunderbar in unsern Augen?" –

12 Und sie suchten Ihn zu greifen, und sie fürchteten sich vor der Volksmenge; denn sie wußten, daß Er das Gleichnis auf sie gesprochen hatte. Und sie ließen Ihn und gingen weg.

13 Und sie schickten Etliche der Pharisäer und der Herodianer zu Ihm, damit sie Ihn in der Rede fingen.

14 Als sie aber kamen, sagen sie zu Ihm: Lehrer! Wir wissen, daß Du wahrhaftig bist und nach Niemandem fragst; denn Du achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern lehrest den Weg Gottes in Wahrheit. Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder nicht? Sollen wir geben oder nicht geben? –

15 Er aber, ihre Heuchelei kennend, sagte zu ihnen: warum versuchet ihr Mich? Bringet Mir einen Denar, daß Ich ihn besehe! –

16 Und sie brachten einen. - Und Er spricht zu ihnen: Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift? - Und sie sagten zu Ihm: Des Kaisers. –

17 Und Jesus antwortete und sagte zu ihnen: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! - und sie verwunderten sich über Ihn.

18 Und es kommen Sadducäer zu Ihm, welche sagen, es gebe keine Auferstehung; - und sie fragen Ihn, sagend:

19 Lehrer! Moses hat uns geschrieben, daß, wenn Jemandes Bruder gestorben ist, und hinterläßt ein Weib und läßt keine Kinder nach, daß sein Bruder das Weib nehme, und seinem Bruder Samen erwecke.

20 Es waren sieben Brüder; und der Erste nahm ein Weib; und da er starb, ließ er keinen Samen nach;

21 und der Zweite nahm sie, und ist gestorben, und auch er hinterließ keinen Samen; und der Dritte desgleichen.

22 Und die sieben nahmen sie und hinterließen keinen Samen; die Letzte von Allen starb auch das Weib.

23 In der Auferstehung nun, wenn sie auferstehen, wessen Weib von ihnen wird sie sein? denn die sieben haben sie zum Weibe gehabt. –

24 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Irret ihr nicht darum, weil ihr die Schriften nicht kennet, noch die Kraft Gottes?

25 Denn wenn sie aus den Toten auferstehen, heiraten sie weder, noch werden sie verheiratet, sondern sie sind wie Engel in den Himmeln.

26 Was aber die Toten betrifft, daß sie auferstehen, - habt ihr nicht in dem Buche Mosis gelesen "in dem Busch", wie Gott zu ihm redete, sagend: "Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?"

27 Nicht der Toten Gott ist Er, sondern der Lebendigen. Ihr irret also sehr!

28 Und einer der Schriftgelehrten, der gehört hatte, wie sie sich befragten, und wahrgenommen, daß Er ihnen gut geantwortet hatte, trat zu Ihm und fragte ihn: Welches ist das erste Gebot von allen? –

29 Jesus aber antwortete ihm: Das Erste von allen Geboten ist: "Höre Israel! Der Herr unser Gott ist ein einiger Herr.

30 Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben, von deinem ganzen Herzen und von deiner ganzen Seele und von deinem ganzen Verstande und von ganzer Kraft." Dies ist das erste Gebot.

31 Und das zweite ist gleich, - dieses: "Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst!" Kein anderes Gebot ist größer als diese. –

32 Und der Schriftgelehrte sprach zu Ihm: Recht, Lehrer! Du hast nach der Wahrheit gesprochen; denn Er ist ein Einiger und ist kein Anderer, als Er!

33 Und Ihn lieben von ganzem Herzen und von ganzem Verständnis und von ganzer Seele und von ganzer Kraft, und den Nächsten wie sich selbst lieben, - das ist mehr, als alle Brandopfer und Schlachtopfer. –

34 Und als Jesus sah, daß er verständig antwortete, sprach Er zu ihm: Du bist nicht fern vom Reiche Gottes! - Und hinfort wagte Niemand, Ihn zu fragen.

35 Und Jesus, im Tempel lehrend, antwortete und sprach: Wie sagen die Schriftgelehrten, daß der Christus Davids Sohn sei?

36 Denn David selbst hat im Heiligen Geiste gesagt: "Der Herr hat zu meinem Herrn gesagt. Setze Dich zu Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde zum Schemel Deiner Füße lege."

37 David selbst also nennt Ihn "Herr"; - und woher ist Er sein Sohn? - Und die Masse des Volks hörte Ihn gern.

38 Und Er sprach zu ihnen in Seiner Lehre: Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die da lieben in langen Gewändern zu wandeln, und die Grüße auf den Märkten,

39 und die ersten Sitze in den Synagogen und die ersten Plätze bei den Mählern;

40 die die Häuser der Witwen verschlingen und zum Vorwand lange Gebete halten; - diese werden ein schwereres Urteil empfangen.

41 Und Jesus saß dem Schatzkasten gegenüber und sah, wie die Volksmenge Münze in den Schatzkasten wirft; - und viele Reiche warfen viel ein.

42 Und eine arme Witwe kam und warf zwei Pfennige, das ist ein halber Kreuzer, ein.

43 Und Er rief Seine Jünger herbei und sagt zu ihnen: Wahrlich Ich sage euch: Diese arme Witwe hat mehr eingeworfen, denn Alle in den Schatzkasten geworfen haben;

44 denn Alle haben von ihrem Überfluß eingeworfen; diese aber hat von ihrem Mangel, Alles, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt eingeworfen.

 

Kapitel 13.

 

1 Und als Er aus dem Tempel hinausging, sagt Einer Seiner Jünger zu Ihm: Lehrer! Siehe, welche Steine und welche Gebäude! –

2 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Siehst du diese großen Gebäude? Nicht ein Stein wird auf dem andern gelassen werden, der nicht abgebrochen wird! –

3 Und als Er am Ölberg, gegenüber dem Tempel, saß, fragten Ihn Petrus und Jakobus und Johannes und Andreas besonders:

4 Sage uns, wann wird Dieses geschehen, und welches ist das Zeichen, wann dieses Alles vollendet werden soll? –

5 Jesus aber antwortete ihnen und fing an zu reden: Sehet zu, daß euch Niemand verführe!

6 Denn Viele werden unter Meinem Namen kommen, sagend: Ich bin es! Und sie werden Viele verführen.

7 Wenn ihr aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören werdet, - seid nicht bestürzt; den Dieses muß geschehen; aber das Ende ist noch nicht da.

8 Denn es wird sich Nation wider Nation und Königreich wider Königreich erheben; und an verschiedenen Orten werden Erdbeben geschehen; und werden Hungersnot und Unruhen sein.

9 Dieses sind die Anfänge der Wehen. Sehet ihr aber auf euch selbst; denn sie werden euch an die Synedrien überliefern; und ihr werdet in den Synagogen geschlagen und vor Statthalter und Könige um Meinetwillen gestellt werden, ihnen zu einem Zeugnis;

10 und allen Nationen muß zuvor das Evangelium verkündigt werden.

11 Wenn sie euch aber hinführen und überliefern, so sorgt nicht zuvor, was ihr reden sollt; bereitet euch auch nicht vor, sondern was immer in jener Stunde euch gegeben wird, das redet. Denn ihr seid es nicht, welche reden, sondern der Heilige Geist. –

12 Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode überliefern, und der Vater das Kind; und Kinder werden wider ihre Eltern aufstehen und sie töten.

13 Und ihr werdet von Allen um Meines Namens willen gehaßt sein; wer aber bis an´s Ende ausharrt, wird errettet werden. –

14 Wenn ihr aber den "Gräuel der Verwüstung", wovon durch den Propheten Daniel geredet ist, stehen sehet, wo er nicht sollte; - (wer es lieset, beachte es;) - daß alsdann, die in Judäa sind, auf die Berge fliehen;

15 und wer auf dem Hause ist, nicht in das Haus hernieder steige, noch hinein gehe, um etwas aus seinem Hause zu holen,

16 und wer auf dem Felde ist, nicht umkehre, sein Gewand hinter sich zu holen.

17 Wehe aber den Schwangern und den Säugenden in jenen Tagen.

18 Betet aber, daß eure Flucht nicht im Winter geschehe;

19 denn jene Tage werden Trübsal sein, solche, dergleichen von Anfang der Schöpfung, welche Gott schuf, bis jetzt hin nicht gewesen ist und nicht mehr sein wird.

20 Und wenn der Herr die Tage nicht verkürzt hätte, es würde kein Fleisch gerettet; aber um der Auserwählten willen, welche Er auserwählt, hat Er die Tage verkürzt.

21 Und wenn alsdann Jemand zu euch sagt: Siehe, hier ist der Christus! oder: siehe, dort! - glaubet es nicht.

22 Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen, und werden Zeichen und Wunder geben, um, - wenn möglich - auch die Auserwählten zu verführen.

23 Ihr aber sehet zu! Siehe, Ich habe euch Alles zuvor gesagt! –

24 Aber in denselben Tagen nach jener Trübsal wird die Sonne verfinstert werden und der Mond seinen Schein nicht geben;

25 und die Sterne des Himmels werden herabfallen, und die Kräfte in den Himmel werden erschüttert werden.

26 Und alsdann werden sie den Sohn des Menschen sehen, kommend in den Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit;

27 und dann wird Er Seine Engel aussenden und Seine Auserwählten aus den vier Winden versammeln, vom äußersten Ende der Erde, bis zum äußersten Ende des Himmels.

28 Von dem Feigenbaum aber lernet das Gleichnis. Wenn sein Zweig schon weich geworden ist, und die Blätter treibt, wisset ihr, daß der Sommer nahe ist.

29 Also auch ihr, wenn ihr diese Dinge geschehen sehet, wisset, daß es nahe an der Tür ist.

30 Wahrlich, Ich sage euch, daß dies Geschlecht nicht vergehen wird, bis alles Dieses geschehen sein wird.

31 Der Himmel und die Erde werden vergehen; aber Meine Worte vergehen nicht. –

32 Von jenen Tagen aber oder der Stunde weiß Niemand, selbst nicht die Engel, die im Himmel sind, noch der Sohn, sondern allein der Vater.

33 Sehet zu, wachet und betet, denn ihr wisset nicht, wann die Zeit ist. –

34 Gleichwie ein Mensch, der außer Landes reiste, sein Haus verließ und seinen Knechten die Gewalt gab, und Jedem sein Werk, und dem Türhüter einschärfte, daß er wache.

35 Wachet denn! - Denn ihr wisset nicht, wenn der Herr des Hauses kommt, des Abends, oder um Mitternacht, oder um den Hahenschrei, oder des Morgens; -

36 damit er nicht, plötzlich kommend, euch schlafend finde. –

37 Was Ich euch aber sage, - sage Ich Allen. Wachet!

 

Kapitel 14.

 

1 Es war aber nach zwei Tagen Passah und das Fest der ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie Ihn mit List griffen und töteten.

2 Sie sagten aber: Nicht auf dem Feste, damit nicht ein Aufruhr des Volks werde.

3 Und als Er zu Bethanien in dem Hause Simons des Aussätzigen war, kam, während Er zu Tische lag, ein Weib, die ein Alabaster-Fläschchen mit Salbe von echter, kostbarer Narde hatte; und das Fläschchen zerbrechend, goß sie es auf Sein Haupt aus.

4 Es waren aber Etliche bei sich unwillig und sagten: Wozu ist dieser Verlust der Salbe geschehen?

5 Es konnte diese Salbe für mehr als dreihundert Denare verkauft und den Armen gegeben werden; und sie murrten über sie.

6 Jesus aber sprach: Lasset sie, was machet ihr ihr Mühe? Sie hat ein gutes Werk an Mir getan.

7 Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen wohltun; Mich aber habt ihr nicht allezeit.

8 Sie hat getan, was sie vermochte; sie hat es zuvor übernommen, Meinen Leib zum Begräbnis zu salben.

9 Wahrlich, Ich sage euch, wo irgend dies Evangelium in der ganzen Welt gepredigt wird, da wird auch zu ihrem Gedächtnis erzählt werden, was sie getan hat.

10 Und Judas der Iskariot, Einer der Zwölfe, ging hin zu den Hohenpriestern, um Ihn denselben zu überliefern.

11 Sie aber, als sie es hörten, freuten sich, und versprachen ihm Geld zu geben; und er suchte, wie er Ihn zu gelegener Zeit überliefern könnte.

12 Und am ersten Tage der ungesäuerten Brote, als man das Passah schlachtete, sagen Seine jünger zu Ihm: Wo willst Du, daß wir hingehen und zubereiten, damit Du das Passah essest?

13 Und Er schickt zwei Seiner Jünger und spricht zu ihnen: Gehet hin in die Stadt; und es wird euch ein Mensch begegnen, einen Wasserkrug tragend; folget ihm.

14 Und wo er irgend hineingehet, sprechet zu dem Hausherrn: Der Lehrer sagt: Wo ist das Gastzimmer, wo Ich mit Meinen Jüngern das Passah esse?

15 Und er wird euch einen großen Speisesaal zeigen, fertig, mit Polstern belegt; daselbst bereitet für uns.

16 Und Seine Jünger gingen aus und kamen in die Stadt, und fanden es, so wie Er ihnen gesagt; und sie bereiteten das Passah.

17 Und als es Abend geworden, kommt Er mit den Zwölfen.

18 Und während sie zu Tische lagen und aßen sprach Jesus: Wahrlich, Ich sage euch, daß Einer von euch, der mit Mir isset, Mich überliefern wird.

19 Sie aber fingen an, betrübt zu werden, und Einer nach dem Andern zu Ihm zu sagen: Bin ich´s? und ein Anderer: Bin ich´s?

20 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Einer von den Zwölfen, der mit Mir in die Schüssel eintaucht.

21 Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie es über Ihn geschrieben steht; aber wehe jenem Menschen, durch welchen der Sohn des Menschen überliefert wird! Es wäre ihm gut, wenn jener Mensch nicht geboren wäre.

22 Und während sie aßen, nahm Jesus Brot, segnete, und brach und gab es ihnen und sprach: Nehmet; dieses ist Mein Leib!

23 Und Er nahm den Kelch, dankte, und gab ihnen denselben; und sie tranken Alle daraus.

24 Und Er sprach zu ihnen: Dieses ist Mein Blut, das des neuen Bundes, welches für Viele vergossen wird.

25 Wahrlich Ich sage euch, daß Ich hinfort nicht mehr von dem Gewächs des Weinstocks trinken werde, bis an jenem Tage, wo Ich es neu trinken werde in dem Reiche Gottes.

26 Und als sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

27 Und Jesus spricht zu ihnen: In dieser Nacht werdet ihr euch Alle an mir ärgern; denn es steht geschrieben: "Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe werden zerstreut werden."

28 Aber nachdem Ich auferweckt bin, werde Ich vor euch hingehen nach Galiläa.

29 Petrus aber sagte zu Ihm: Und wenn sich auch Alle ärgern werden; - ich aber nicht. –

30 Und Jesus spricht zu ihm: Wahrlich, Ich sage dir, daß du heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, Mich dreimal verleugnen wirst.

31 Er aber sagte noch viel mehr: Wenn ich mit Dir sterben müßte, werde ich Dich nicht verleugnen! Gleicherweise aber sprachen auch Alle.

32 Und sie kommen an einen Ort, mit Namen Gethsemane. Und Er spricht zu Seinen Jüngern: Sitzet hier, bis Ich gebetet habe!

33 Und Er nimmt den Petrus und Jakobus und Johannes mit Sich; und fing an sehr bestürzt und beängstigt zu werden.

34 Und Er spricht zu ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt bis zum Tode; bleibet hier und wachet!

35 Und ein wenig weiter gehend, fiel Er auf die Erde, und betete, daß, wenn es möglich wäre, die Stunde an Ihm vorbeigehe.

36 Und Er sprach. Abba, Vater! Alles ist Dir möglich; nimm diesen Kelch von Mir weg! Doch nicht, was Ich will, sondern was Du willst!

37 Und Er kommt und findet sie schlafend; und spricht zu Petrus: Simon, schläfst du? Vermochtest du nicht eine Stunde zu wachen?

38 Wachet und betet, auf daß ihr nicht in die Versuchung hineingeht; der Geist ist zwar willig, das Fleisch aber ist schwach.

39 Und Er ging wieder weg, betete und sagte dasselbe Wort.

40 Und Er kam zurück und fand sie wieder schlafend; denn ihre Augen waren beschwert; und sie wußten nicht, was sie Ihm antworten sollten.

41 Und Er kommt zum dritten Male und spricht zu ihnen: Schlaft nur fort und ruhet aus! Es ist genug; die Stunde ist gekommen; siehe! der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder überliefert.

42 Stehet auf, lasset uns gehen! Siehe, der Mich überliefert, ist nahe gekommen!

43 Und alsbald, während Er noch redete, kommt Judas, der Einer der Zwölfe war, hinzu; und mit ihm eine große Volksmenge von den Hohenpriestern, den Schriftgelehrten und den Ältesten, mit Schwertern und Stöcken.

44 Der Ihn aber überlieferte, gab ihnen ein Zeichen, sagend: Welchen ich küssen werde, der ist es; Ihn greifet und führet Ihn sicher fort.

45 Und als Er kam, trat er alsbald zu Ihm und spricht: Rabbi, Rabbi! und küßte Ihn viel.

46 Sie aber legten ihre Hände an Ihn und griffen Ihn. –

47 Es war aber Einer von denen, die dabei standen, der zog das Schwert, schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das Ohr ab.

48 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Seid ihr wie gegen einen Räuber ausgezogen, mit Schwertern und Stöcken, Mich zu fangen?

49 Täglich war ich bei euch, lehrend im Tempel, und ihr habt Mich nicht gegriffen. Aber - auf daß die Schriften erfüllet würden! –

50 Und alle, Ihn verlassend, entflohen.

51 Und ein gewisser Jüngling folgte Ihm, und hatte eine feine Leinwand auf den bloßen Leib umgeworfen; und die Jünglinge greifen ihn.

52 Er aber ließ die Leinwand und entfloh nackend von ihnen.

53 Und sie führten Jesum zu dem Hohenpriester hin, und alle die Hohenpriester und die Ältesten und die Schriftgelehrten versammeln sich zu ihm.

54 Und Petrus folgte Ihm von ferne bis inwendig in den Hof des Hohenpriesters, und er saß bei den Dienern und wärmte sich an dem Feuer.

55 Die Hohenpriester aber und das ganze Synedrium suchten Zeugnis wider Jesum, um Ihn zu töten, - und fanden keins.

56 Denn Viele gaben falsches Zeugnis wider Ihn; und die Zeugnisse waren nicht übereinstimmend.

57 Und Etliche standen auf und gaben falsches Zeugnis wider Ihn ab, sagend:

58 Wir haben Ihn sagen hören: "Ich werde diesen Tempel, der mit Händen gemacht ist, abbrechen, und binnen drei Tagen werde Ich einen andern, der nicht mit Händen gemacht ist, aufbauen"; -

59 und auch so war ihr Zeugnis nicht übereinstimmend.

60 Und der Hohenpriester stand auf in der Mitte und fragte Jesum, sagend: Antwortest Du nichts? Was zeugen Diese wider Dich?

61 Er aber schwieg und antwortete nichts. Wiederum fragte Ihn der Hohepriester und spricht zu Ihm: Bist Du der Christus, der Sohn des Gesegneten?

62 Jesus aber sagte: ICH BIN! Und ihr werdet den Sohn des Menschen zur Rechten der Macht sitzend, und mit den Wolken des Himmels kommend sehen.

63 Der Hohepriester aber zerriß seine Kleider und spricht. Was bedürfen wir weiter Zeugen?

64 Ihr habt die Lästerung gehört. Was dünket euch? Sie Alle aber verurteilten Ihn, daß Er des Todes schuldig sei.

65 Und Etliche fingen an, Ihn anzuspeien, und Sein Angesicht zu verhüllen, und Ihn zu mißhandeln, und zu Ihm zu sagen: Weissage! - Und die Diener gaben Ihm Backenstreiche.

66 Und als Petrus unten in dem Hofe war, kommt eine von den Mägden des Hohenpriesters.

67 Und als sie Petrus sich wärmen sah, blickte sie ihn an und spricht. Du warst auch mit dem Nazarener Jesus!

68 Er aber leugnete, sagend: Ich weiß nicht, noch verstehe ich, was du sagst. Und er ging draußen in den Vorhof hinaus. Und der Hahn krähte.

69 Und die Magd sah ihn und fing wiederum an, zu den Dabeistehenden zu sagen: Dieser ist von ihnen.

70 Er aber leugnete abermals. Und wiederum nach einiger Zeit sagten die Dabeistehenden zu dem Petrus: Wahrhaftig, du bist von ihnen! denn du bist auch ein Galiläer und deine Sprache gleichet.

71 Er aber fing an zu fluchen und zu schwören: Ich kenne diesen Menschen nicht, wovon ihr redet.

72 Und das zweite mal krähte der Hahn. Und Petrus erinnerte sich an das Wort, welches Jesus ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du Mich dreimal verleugnen. - Und als er daran gedachte, weinte er.

 

Kapitel 15.

 

1 Und alsbald am frühen Morgen hielten die Hohenpriester samt den Ältesten und Schriftgelehrten und dem ganzen Synedrium einen Rat. Und nachdem sie Jesum gebunden, brachten sie Ihn weg und überlieferten Ihn dem Pilatus.

2 Und Pilatus fragte Ihn: Du bist der König der Juden? Er aber antwortete und sprach zu ihm: Du sagst es.

3 Und über viele Dinge klagten Ihn die Hohenpriester an.

4 Pilatus aber fragte Ihn wiederum, fragend: Antwortest Du nichts? Siehe, wie Vieles sie wider Dich vorbringen!

5 Jesus aber antwortete noch immer nichts, so daß Pilatus sich verwunderte.

6 An jenem Feste aber gab er ihnen einen Gefangenen los, um welchen sie baten.

7 Es war aber Einer mit Namen Barabbas, gebunden mit den Aufrührern, welche in dem Aufstand einen Mord begangen hatten.

8 Und die Volksmenge erhob ein Geschrei und fing an zu begehren, daß er ihnen wie allezeit täte.

9 Pilatus aber antwortete ihnen, sagend: Wollt ihr, daß ich euch den König der Juden losgebe?

10 (Denn er wußte, daß die Hohenpriester Ihn aus Neid überliefert hatten.)

11 Die Hohenpriester aber erregten die Volksmenge, daß er ihnen lieber den Barabbas losgebe.

12 Pilatus aber antwortete und sprach wiederum zu ihnen: Was wollt ihr denn, daß ich mit Dem tue, den ihr "König der Juden" heißt?

13 Sie aber schrieen wiederum: Kreuzige Ihn!

14 Pilatus aber sprach zu ihnen: Was hat Er denn Böses getan? Sie aber schrieen übermäßig: Kreuzige Ihn!

15 Pilatus aber, weil er die Volksmenge befriedigen wollte, gab ihnen den Barabbas los, und überlieferte Jesum, nachdem er Ihn gegeißelt hatte, auf daß Er gekreuzigt würde.

16 Die Kriegsknechte aber führten Ihn in den Hof hinein, das ist das Prätorium, und rufen die ganze Schar zusammen;

17 und legen Ihm einen Purpur an, und flochten eine Dornenkrone und setzen sie Ihm auf;

18 und fingen an, Ihn zu grüßen: Sei gegrüßet, König der Juden!

19 Und schlugen Ihn mit einem Rohr auf das Haupt, und spieen Ihn an, und beugten die Kniee und huldigten Ihm.

20 Und als sie Ihn verspottet hatten, zogen sie Ihm den Purpur aus und zogen Ihm Seine eigenen Kleider an; und sie führen Ihn hinaus, um Ihn zu kreuzigen.

21 Und sie nötigen einen Vorbeigehenden, der vom Felde kam, Simon von Cyrene, den Vater des Alexander und Rufus, Sein Kreuz zu tragen.

22 Und sie bringen Ihn nach der Stätte Golgatha, was verdolmetscht ist: Schädel-Stätte.

23 Und sie gaben Ihm Wein, vermischt mit Myrrhen, zu trinken; Er aber nahm es nicht.

24 Und als sie Ihn gekreuzigt hatten, teilen sie Seine Kleider und warfen das Los darüber, was Jeder nehmen sollte.

25 Es war aber die dritte Stunde, und sie kreuzigten Ihn.

26 Und die Überschrift Seiner Beschuldigung war übergeschrieben: Der König der Juden.

27 Und sie kreuzigen mit Ihm zwei Räuber: einen zu Seiner Rechten und einen zu Seiner Linken.

28 Und es ist die Schrift erfüllet worden, welche sagt: "Und Er ist unter Gesetzlose gerechnet worden."

29 Und die Vorübergehenden lästerten Ihn, schüttelten ihre Köpfe und sagten: Pfui, der Du den Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbauest!

30 Rette Dich Selbst und steig vom Kreuze herab!

31 Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester unter einander mit den Schriftgelehrten und sagten: Andere hat Er gerettet, Sich Selbst kann Er nicht retten.

32 Der Christus, der König Israels, steige jetzt vom Kreuz herab, auf daß wir sehen und glauben. Auch die, welche mit Ihm gekreuzigt waren, schmähten Ihn. –

33 Als es aber die sechste Stunde war, ward eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.

34 Und zu der neunten Stunde schrie Jesus mit großer Stimme: Eloi! Eloi! lamma sabachthani! was verdolmetscht ist: Mein Gott! mein Gott! warum hast Du Mich verlassen?

35 Und Etliche von denen, die dabei standen, hörten es und sagten: Siehe, Er ruft den Elias!

36 Es lief aber Einer und füllte einen Schwamm mit Essig und steckte ihn an ein Rohr und tränkte Ihn, sagend: Lasset es! wir wollen sehen, ob Elias kommt, Ihn herabzunehmen.

37 Jesus aber gab einen starken Schrei von Sich und hauchte Sein Leben aus.

38 Und der Vorhang des Tempels riß in zwei Stücke, von oben an bis unten hin.

39 Als aber der Hauptmann, der Ihm nahe gegenüberstand, sah, daß Er also schrie und aushauchte, sprach er: Wahrlich, Dieser Mensch war Gottes Sohn.

40 Es waren aber auch Weiber, welche von ferne zusahen; unter welchen auch war Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jakobi, des Kleinen, und Josis, und Salome,

41 welche auch, als Er in Galiläa war, Ihm nachfolgten und Ihm dienten; und viele andere Weiber, die mit Ihm nach Jerusalem hinaufgekommen waren.

42 Und als es schon Abend geworden war, (denn es war Rüsttag, welches der Vorsabbath ist),

43 kam Joseph von Arimathia, ein ehrbarer Ratsherr, der auch selbst das Reich Gottes erwartete und ging kühn zu Pilatus hinein und bat um den Leib Jesu.

44 Pilatus aber verwunderte sich, daß Er schon gestorben war; und er berief den Hauptmann zu sich und fragte ihn, ob Er schon lange gestorben sei.

45 Und als er es von dem Hauptmann erfahren hatte, schenkte er den Leib dem Joseph.

46 Und er kaufte eine feine Leinwand, nahm ihn herab und wickelte ihn in die feine Leinwand; und er legte ihn in eine Gruft, welche aus einem Felsen gehauen war, und wälzte einen Stein vor die Tür der Gruft. –

47 Aber Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jose, sahen zu, wo er hingelegt ward.

 

Kapitel 16.

 

1 Und als der Sabbath vergangen war, kauften Maria Magdalena und Maria, die Mutter Jakobi und Salome wohlriechende Spezereien, auf daß sie kämen und ihn salbten.

2 Und sehr früh am ersten Wochentage kommen sie zur Gruft, als die Sonne aufging.

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wird uns den Stein von der Tür der Gruft abwälzen?

4 (Und als sie aufblickten, sehen sie, daß der Stein abgewälzt ist); denn er war sehr groß.

5 Und als sie in die Gruft hineingegangen waren, sahen sie einen Jüngling zur Rechten sitzen, mit weißem Gewande angetan, und sie entsetzten sich.

6 Er aber spricht zu ihnen: Entsetzet euch nicht! Ihr suchet Jesum, den Nazarener, den Gekreuzigten; Er ist auferweckt; Er ist nicht hier. Siehe! die Stelle, wo sie Ihn hinlegten.

7 Aber gehet hin, saget Seinen Jüngern und dem Petrus, daß Er vor euch nach Galiläa hingeht; da werdet ihr Ihn sehen, wie Er euch gesagt hat.

8 Und sie gingen hinaus und flohen von der Gruft. Es ergriff sie aber Zittern und Bestürzung, und sie sagten Niemanden etwas, denn sie fürchteten sich.

9 Als Er aber frühe am ersten Wochentage auferstanden war, erschien Er zuerst der Maria Magdalena, von welcher Er sieben Teufel ausgetrieben hatte.

10 Diese ging hin und verkündigte es denen, die mit Ihm gewesen waren, welche trauerten und weinten.

11 Und als sie nun hörten, daß Er lebe, und daß Er von ihr gesehen worden sei, glaubten sie es nicht.

12 Darnach aber offenbarte Er sich Zweien von ihnen, die auf dem Wege waren, als sie auf das Land gingen, in einer andern Gestalt.

13 Und diese gingen hin, verkündigten es den Übrigen, aber auch ihnen glaubten sie nicht.

14 Nachher, als sie zu Tische waren, offenbarte Er sich den Elfen, und schalt ihren Unglauben und ihre Herzenshärte, daß sie denen nicht geglaubt, die Ihn auferweckt gesehen hatten.

15 Und Er sprach zu ihnen: Gehet hin in die ganze Welt, predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung.

16 Wer glaubt und getauft worden ist, wird errettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.

17 Diese Zeichen aber werden denen folgen, welche glauben: In Meinem Namen werden sie Teufel austreiben; sie werden mit neuen Zungen reden;

18 sie werden Schlangen aufnehmen, und wenn sie etwas Tödliches trinken, es wird ihnen nicht schaden; sie werden auf Kranke die Hände legen, und sie werden gesund werden.

19 Der Herr nun, nachdem Er mit ihnen geredet, ward in den Himmel aufgenommen, und setzte sich zur Rechten Gottes.

20 Jene aber gingen aus und predigten allenthalben und der Herr wirkte mit und bestätigte das Wort durch die mitfolgenden Zeichen.