Das Evangelium Matthäi

1 Das Buch des Geschlechtes Jesu Christi, Sohnes Davids, Sohnes Abrahams.

2 Abraham zeugte Isaak; Isaak aber zeugte Jakob; Jakob aber zeugte Juda und seine Brüder.

3 Juda aber zeugte Pharez und Sarah von der Thamar; Pharez aber zeugte Hezron; Hezron aber zeugte Aram.

4 Aram aber zeugte Aminadab; Aminadab aber zeugte Nahasson; Nahasson aber zeugte Salmon.

5 Salmon aber zeugte Boas von der Rahab; Boas aber zeugte Obed von der Ruth; Obed aber zeugte Jesse.

6 Jesse aber zeugte David, den König; David, der König aber zeugte Salomon von dem Weibe Uria.

7 Salomon aber zeugte Roboam; Roboam aber zeugte Abia; Abia aber zeugte Asa.

8 Asa aber zeugte Josaphat; Josaphat aber zeugte Joram; Joram aber zeugte Osia.

9 Osia aber zeugte Jotham; Jotham aber zeugte Achas; Achas aber zeugte Ezekia.

10 Ezekia aber zeugte Manasse; Manasse aber zeugte Amon;

11 Amon aber zeugte Josia. Josia aber zeugte Jechonia und seine Brüder um die Zeit der Wegführung nach Babylon.

12 Nach der Wegführung nach Babylon aber zeugte Jechonia Salathiel; Salathiel aber zeugte Zorobabel. Zorobabel aber zeugte Abiud;

13 Abiud aber zeugte Eliakim; Eliakim aber zeugte Asor.

14 Asor aber zeugte Zadok; Zadok aber zeugte Achim; Achim aber zeugte Eliud.

15 Eliud aber zeugte Eleasar; Eleasar aber zeugte Mathan; Mathan aber zeugte Jakob.

16 Jakob aber zeugte Joseph, den Mann Mariä, von welcher Jesus geboren ist, der genannt ist Christus. -

17 So sind denn alle Geschlechtsglieder von Abraham bis David vierzehn Geschlechtsglieder; und von David bis auf die Wegführung nach Babylon vierzehn Geschlechtsglieder; und von der Wegführung nach Babylon bis auf den Christus vierzehn Geschlechtsglieder.

18 Die Geburt Jesu Christi war aber also: Als nämlich Maria, Seine Mutter, dem Joseph verlobt war, ward sie erfunden, ehe sie zusammen kamen, schwanger von dem Heiligen Geiste.

19 Joseph aber, ihr Mann, indem er gerecht war, und sie nicht öffentlich zur Schau stellen wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen.

20 Indem er aber solches bei sich überlegte, siehe! da erschien ihm ein Engel des Herrn in einem Traume, sagend: Joseph, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Mariam dein Weib zu dir zu nehmen; denn was in ihr gezeuget ist, ist von dem Heiligen Geiste.

21 Und sie wird einen Sohn gebären, und du sollst Seinen Namen Jesus nennen; denn Er wird Sein Volk von ihren Sünden erretten.

22 Alles dieses aber ist geschehen, auf daß erfüllt würde, was von dem Herrn durch den Propheten geredet ist, sagend:

23 "Siehe! die Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden Seinen Namen nennen: Emmanuel, was verdolmetscht heißt: Gott mit uns!"

24 Joseph aber, vom Schlafe erwacht, tat, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm sein Weib zu sich;

25 und erkannte sie nicht, bis sie ihren erstgeborenen Sohn geboren hatte; und er nannte Seinen Namen Jesus.

Kapitel 2

1 Nachdem nun Jesus zu Bethlehem in Judäa, in den Tagen Herodis des Königs, geboren worden war, siehe! da kamen Magier aus dem Morgenlande nach Jerusalem, sagend:

2 Wo ist der, der geboren ist, der König der Juden? Denn wir haben Seinen Stern im Morgenlande gesehen, und sind gekommen, Ihm zu huldigen.-

3 Als es aber der König Herodes hörte, ward er bestürzt, und ganz Jerusalem mit ihm;

4 und alle die Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes versammelnd, erfragte er von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.

5 Sie aber sagten ihm: Zu Bethlehem in Judäa. Denn also steht geschrieben durch den Propheten:

6 "Und du, Bethlehem, Land Juda; keineswegs bist du die geringste unter den Fürsten Juda; denn aus dir wird ein Fürst kommen, der Mein Volk Israel weiden wird."

7 Dann berief Herodes die Magier heimlich und erforschte genau von ihnen die Zeit der Erscheinung des Sternes.

8 Und er sandte sie nach Bethlehem und sprach: Ziehet hin und forschet genau nach dem Kindlein; wenn ihr es aber gefunden habt, verkündiget es mir, daß ich auch komme und Ihm huldige.

9 Sie aber, als sie den König gehört hatten, zogen hin. Und siehe! der Stern, den sie im Morgenlande gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er kam und stand oben über, wo das Kindlein war.

10 Als sie aber den Stern sahen, freuten sie sich mit überschwänglich großer Freude.

11 Und als sie hinein in das Haus kamen, sahen sie das Kind mit Maria, Seiner Mutter, und niederfallend, huldigten sie ihm. Und als sie ihre Schätze aufgetan, opferten sie Ihm Gaben: Gold und Weihrauch und Myrrhen.

12 Und als sie im Traum eine göttliche Weisung empfangen hatten, nicht wieder nach Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem andern Wege hin in ihr Land.

13 Als sie aber hingezogen waren, siehe! da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traume, sagend: Stehe auf, nimm das Kindlein und Seine Mutter zu dir, und fliehe nach Ägypten und sei da, bis ich es dir sage; denn Herodes wird das Kindlein suchen, um es umzubringen.

14 Er aber aufstehend, nahm das Kindlein und Seine Mutter bei der Nacht zu sich und zog nach Ägypten.

15 Und er war daselbst bis zum Tode Herodes, auf daß erfüllt würde, was von dem Herrn durch den Propheten geredet ist, sagend: "Aus Ägypten habe Ich Meinen Sohn gerufen."

16 Da ward Herodes, als er sah, daß er von den Magiern hintergangen worden war, sehr ergrimmt, und sandte hin und tötete alle Knaben, welche in Bethlehem und in allen seinen Grenzen waren, von zwei Jahren und darunter, nach der Zeit, die er von den Magiern genau erkundet hatte.

17 Da ward erfüllt, was von Jeremias, dem Propheten, geredet ist, sagend:

18 "Eine Stimme ist in Rama gehört worden, Trauer und Heulen und viel Wehklagen: Rahel, ihre Kinder beweinend, - und sie wollte nicht getröstet werden, weil sie nicht sind."

19 Als aber Herodes gestorben war, siehe! da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph im Traume in Ägypten, sagend:

20 Stehe auf, nimm das Kindlein und Seine Mutter zu dir und ziehe in das Land Israel; denn sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben standen.

21 Und er stand auf und nahm das Kindlein und Seine Mutter zu sich, und kam in das Land Israel.

22 Als er aber hörte, daß Archelaus über das Land Juda herrsche, anstatt Herodes, seines Vaters, fürchtete er sich, dahin zu gehen; und eine Weisung von Gott im Traum empfangend, zog er in die Gegenden von Galiläa.

23 Und er kam und wohnte in einer Stadt, genannt Nazareth, daß erfüllt würde, was durch die Propheten geredet ist: "Er wird Nazaräer genannt werden."

Kapitel 3

1 In jenen Tagen aber kommt Johannes der Täufer, predigend in der Wüste von Judäa, und sagend:

2 Tut Buße! denn das Königreich der Himmel ist nahe gekommen!

3 Denn Dieser ist Der, von welchem Jesaias, der Prophet, geredet hat, sagend: "Stimme eines Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn, machet richtig Seine Steige!" -

4 Er aber, Johannes, hatte seine Kleidung von Kamelhaaren und einen ledernen Gürtel um seine Lenden; seine Speise aber war Heuschrecken und wilder Honig.

5 Da ging zu ihm hinaus Jerusalem und ganz Judäa und die ganze Umgegend des Jordans;

6  und wurden von ihm am Jordan getauft, bekennend ihre Sünden.

7 Als er nun viele der Pharisäer und Sadducäer zu seiner Taufe kommen sah, sprach er zu ihnen: Otternbrut! wer hat euch angewiesen, dem kommenden Zorne zu entrinnen?

8 Bringet denn der Buße würdige Frucht,

9 und denket nicht bei euch selbst zu sagen: Wir haben Abraham zum Vater; denn ich sage euch. daß Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen Kinder zu erwecken.

10 Schon aber ist auch die Axt an der Wurzel der Bäume gelegt. Jeder Baum denn, der nicht gute Frucht bringet, wird abgehauen und in das Feuer geworfen.

11 Ich freilich taufe euch mit Wasser zur Buße; der hinter mir Kommende aber ist mächtiger als ich, des Sandalen zu tragen ich nicht würdig bin; Er wird euch mit dem Heiligen Geist und Feuer taufen;

12 Dessen Worfschaufel in Seiner Hand ist; und Er wird Seine Tenne ganz und gar reinigen, und Seinen Weizen auf den Speicher sammeln; aber die Spreu wird Er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer.

13 Zu der Zeit kommt Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes, um von ihm getauft zu werden.

14 Johannes aber wehrete Ihm, sagend: Ich habe nötig von Dir getauft zu werden, und Du kommst zu mir?

15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Laß jetzt, denn also gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da läßt er es Ihm zu.

16 Und als Jesus getauft war, stieg Er alsbald von dem Wasser herauf, und siehe! die Himmel wurden Ihm aufgetan, und Er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahrend und auf Ihn kommend.

17 Und siehe! eine Stimme von den Himmeln, sagend: Dieser ist Mein geliebter Sohn, an dem Ich Wohlgefallen gefunden habe.

Kapitel 4

1 Da wurde Jesus von dem Geiste in die Wüste hinaufgeführt,

2 um von dem Teufel versucht zu werden. Und als Er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, hungerte Ihn zuletzt.

3 Und der Versucher zu Ihm hintretend, sagte: Wenn Du der Sohn Gottes bist, so sprich, daß diese Steine Brote werden.

4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben: "Nicht durch Brot allein soll der Mensch leben, sondern durch jedes Wort, das durch den Mund Gottes ausgeht."

5 Da nimmt Ihn der Teufel mit sich in die heilige Stadt und stellt Ihn auf die Zinne des Tempels,

6 und sagt zu Ihm: Wenn Du Gottes Sohn bist, wirf Dich Selbst hinab; denn es steht geschrieben: "Er wird Seinen Engeln über Dir Befehl geben, und sie werden Dich auf den Händen tragen, so daß Du Deinen Fuß nie an einen Stein stoßest."

7 Jesus sprach zu ihm: Wiederum steht geschrieben: "Du sollst den Herrn, Deinen Gott, nicht versuchen!"

8 Wiederum nimmt Ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg, und zeigt Ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit,

9 und sagt zu Ihm: Alle diese Dinge werde ich Dir geben, wenn Du niederfallend mir huldigen wirst.

10 Da sagt Jesus zu ihm: Gehe hinter Mich Satanas! denn es steht geschrieben: "Du sollst dem Herrn, Deinem Gott, huldigen und Ihm allein dienen."

11 Da verläßt Ihn der Teufel, und siehe! Engel kamen zu Ihm und dienten Ihm.

12 Als aber Jesus hörte, daß Johannes überliefert worden war, entwich Er nach Galiläa.

13 Und Nazareth verlassend, kam Er und wohnte in Kapernaum, welches am See liegt, in den Grenzen Zabulon und Naphtalim;

14 damit erfüllet würde, was durch Jesaias, den Propheten, geredet ist, sagend:

15 "Land Zabulon und Land Naphtalim, am Wege des Sees, jenseit des Jordans, Galiläa der Nationen!

16 Das Volk, das in Finsternis saß, hat ein großes Licht gesehen, und denen, die da saßen in dem Lande und im Schatten des Todes. - Licht ist ihnen aufgegangen." -

17 Von da an fing Jesus an zu predigen und zu sagen: Tut Buße! denn das Königreich der Himmel ist nahe gekommen.

18 Wandelnd aber am See von Galiläa, sah Er zwei Brüder: Simon, genannt Petrus, und Andreas, seinen Bruder, ein Netz in den See werfend; denn sie waren Fischer;

19 und sagt ihnen: Kommt her, Mir nach! und Ich werde euch zu Fischern von Menschen machen. -

20 Sie aber, alsbald die Netze verlassend, folgten Ihm. -

21 Und von da weiter ziehend, sahe Er zwei andere Brüder: Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und Johannes, seinen Bruder, im Schiffe mit Zebedäus, ihrem Vater, ihre Netze ausbessernd. Und Er rief sie.

22 Sie aber, alsbald das Schiff und ihren Vater verlassend, folgten Ihm.

23 Und Jesus zog in ganz Galiläa umher, lehrend in ihren Synagogen, und verkündigend das Evangelium des Reichs, und heilend jede Krankheit und jedes Gebrechen in dem Volke.

24 Und Sein Ruf ging aus in das ganze Syrien; und sie brachten zu Ihm alle die Siechen, die mit vielerlei Krankheiten und Qualen behaftet waren, und Besessene, und Mondsüchtige, und Gichtbrüchige; und Er heilte sie.

25 Und es folgte Ihm eine große Volksmenge von Galiläa, und Dekapolis, und Jerusalem, und Judäa und von jenseit des Jordans.

Kapitel 5

1 Als Er aber die Volksmenge sah, stieg Er auf den Berg. Und als Er Sich gesetzt hatte, traten Seine Jünger zu Ihm.

2 Und Er tat Seinen Mund auf und lehrte sie, sagend:

3 Glückselig die Armen im Geiste; denn ihrer ist das Königreich der Himmel!

4 Glückselig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden!

5 Glückselig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben!

6 Glückselig die nach der Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden; denn sie werden gesättigt werden!

7 Glückselig die Barmherzigen; denn ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren!

8 Glückselig die Reinen im Herzen; denn sie werden Gott schauen!

9 Glückselig die Friedensstifter; denn sie werden Söhne Gottes heißen!

10 Glückselig die um Gerechtigkeit willen Verfolgten; denn ihrer ist das Königreich der Himmel!

11 Glückselig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen werden, und wenn sie jedes böse Wort wider euch reden, lügnerisch, um Meinetwillen.

12 Freuet euch und frohlocket; denn euer Lohn ist groß in den Himmeln! denn also haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren.

13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz dumm geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als draußen hingeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.

14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, oben auf einem Berge liegend, kann nicht verborgen sein.

15 Man zündet auch nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf das Lampengestell, und sie leuchtet Allen, die im Hause sind.

16 So lasset euer Licht leuchten vor den Menschen, daß sie eure guten Werke sehen, und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.

17 Wähnet nicht, daß Ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; Ich bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen.

18 Denn wahrlich Ich sage euch: Bis daß der Himmel und die Erde vergehe, wird kein Jota und kein Strichlein von dem Gesetz vergehen, bis es Alles geschehen ist.

19 Wer denn nun Eins dieser geringsten Gebote auflöset und also die Menschen lehret, der wird der Geringste heißen im Königreich der Himmel; wer sie aber tut und lehrt, dieser wird groß heißen im Königreich der Himmel.

20 Denn Ich sage euch: Es sei denn eure Gerechtigkeit vorzüglicher, als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht hineinkommen in das Königreich der Himmel.

21 Ihr habt gehört, daß zu den Alten geredet ist: "Du sollst nicht töten! Jedweder aber, der töten wird, der wird dem Gericht verfallen."

22 Ich aber sage euch, daß Jeder, der seinem Bruder ohne Ursache zürnt, dem Gericht verfallen wird; Jedweder aber, der zu seinem Bruder sagt: Raka! - dem Synedrium verfallen wird; Jedweder aber, der da sagt: Du Narr! - der Hölle des Feuers verfallen wird.

23 Wenn du nun deine Gabe zu dem Altar darbringest, und dich daselbst erinnerst, daß dein Bruder etwas wider dich habe, -

24 laß deine Gabe daselbst vor dem Altar, und gehe hin und werde zuerst mit deinem Bruder versöhnt, und dann komm und bringe deine Gabe dar.

25 Willfahre deiner Gegenpartei schnell, während du mit ihr auf dem Wege bist; damit nicht die Gegenpartei dich dem Richter überliefere, und der Richter überliefere dich dem Diener und du ins Gefängnis geworfen werdest.

26 Wahrlich Ich sage dir: Du wirst nicht von da herauskommen, bis du den letzten Pfennig bezahlt hast.

27 Ihr habt gehört, daß geredet ist: "Du sollst nicht ehebrechen!"

28 Ich aber sage euch, daß Jeder, der ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, schon mit ihr die Ehe gebrochen hat in seinem Herzen.

29 Wenn aber dein rechtes Auge dich ärgert, reiß es aus und wirf es von dir. Denn es ist dir nützlich, daß eins deiner Glieder umkomme, und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde.

30 Und wenn deine rechte Hand dich ärgert, haue sie ab, und wirf sie von dir. Denn es ist dir nützlich, daß eins deiner Glieder umkomme, und nicht dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde.

31 Es ist aber geredet, daß Jeder, der sein Weib entlassen wird, ihr einen Scheidebrief gebe.

32 Ich aber sage euch: Jedweder, der sein Weib entlassen wird, ausgenommen auf Grund der Hurerei, macht, daß sie die Ehe bricht; und Jedweder, der eine Entlassene heiratet, bricht die Ehe.

33 Wiederum habt ihr gehört, daß zu den Alten geredet ist: "Du sollst nicht fälschlich schwören, du sollst aber dem Herrn deine Eidschwüre erfüllen."

34 Ich aber sage euch, daß ihr überhaupt nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron;

35 noch bei der Erde, denn sie ist Seiner Füße Schemel; noch bei Jerusalem, denn sie ist des großen Königs Stadt;

36 noch sollst du schwören bei deinem Haupt; denn du vermagst nicht ein Haar weiß oder schwarz zu machen.

37 Es sei aber eure Rede: Ja, ja; nein, nein; was aber mehr ist, als diese, ist aus dem Bösen.

38 Ihr habt gehört, daß geredet ist: "Auge um Auge und Zahn um Zahn!"

39 Ich aber sage euch, dem Übel nicht zu widerstehen; sondern Jedweder, der dich auf deinen rechten Backen schlagen wird, biete ihm auch den andern.

40 Und Dem, der mit dir vor Gericht gehen und deinen Rock nehmen will, laß ihm auch den Mantel.

41 Und Jedweder, der dich zwingen wird, eine Meile zu gehen, gehe zwei mit ihm.

42 Gib Dem, der dich bittet, und weise Den nicht ab, der von dir borgen will.

43 Ihr habt gehört, daß geredet ist: "Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen."

44 Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen, und betet für die, die euch beeinträchtigen und verfolgen,

45 daß ihr Söhne eures Vaters in den Himmeln seid; denn Er läßt Seine Sonne aufgehen über Böse und Gute, und läßt regnen auf Gerechte und Ungerechte.

46 Denn wenn ihr lieben werdet, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe?

47 Und wenn ihr allein eure Brüder grüßet, was tut ihr Vorzügliches? Tun nicht auch die Zöllner also?

48 Seid denn vollkommen, gleichwie euer Vater, der in den Himmeln, vollkommen ist.

Kapitel 6

1 Habt Acht, daß ihr euer Almosen nicht vor den Menschen gebet, um von ihnen gesehen zu werden, wenn aber nicht, so habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist.

2 Wenn du nun ein Almosen gibst, sollst du nicht vor dir her posaunen lassen, wie die Heuchler tun in den Synagogen und in den Straßen, damit sie von den Menschen geehrt werden möchten. Wahrlich Ich sage euch: sie haben ihren Lohn dahin.

3 Du aber, wenn du Almosen gibst, so wisse deine Linke nicht, was deine Rechte tut,

4 daß dein Almosen sei im Verborgenen, und dein Vater, der im Verborgenen sieht, Er wird dir vergelten öffentlich.

5 Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben, in den Synagogen und auf den Ecken der Straßen stehend, zu beten, daß sie vor den Menschen scheinen. Wahrlich, Ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin.

6 Du aber, wenn du betest, gehe hinein in deine Kammer, und nachdem du deine Tür geschlossen, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten öffentlich.

7 Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern, wie die heidnischen Völker, denn sie meinen, daß sie um ihrer vielen Worte willen werden erhört werden.

8 Seid denn ihnen nicht gleich; denn euer Vater weiß, was ihr bedürfet, ehe ihr Ihn bittet.

9 Betet ihr nun also: Unser Vater, der Du bist in den Himmeln; geheiliget sei Dein Name;

10 es komme Dein Reich, es geschehe Dein Wille, wie im Himmel, so auch auf der Erde.

11 Unser tägliches Brot gib uns heute;

12 und vergib uns unsere Schulden, wie auch wir vergeben unsern Schuldnern,

13 und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns von dem Bösen.

14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Übertretungen vergebet, so wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben.

15 Wenn ihr aber den Menschen ihre Übertretungen nicht vergebet, so wird euer Vater eure Übertretungen auch nicht vergeben.

16 Wenn ihr aber fastet, so sehet nicht düster aus, wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Angesichter, daß sie vor den Menschen wie Fastende scheinen. Wahrlich Ich sage euch: sie haben ihren Lohn dahin.

17 Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht,

18 daß du vor den Menschen nicht wie ein Fastender scheinest, sondern vor deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird dir vergelten.

19 Sammelt euch nicht Schätze an auf der Erde, da wo Motte und Rost entstellet, und wo Diebe durchgraben und stehlen.

20 Sammelt euch aber Schätze an im Himmel, wo weder Motte noch Rost entstellet, und wo Diebe nicht durchgraben noch stehlen.

21 Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.

22 Das Auge ist des Leibes Lampe. Wenn nun dein Auge einfältig ist, wird dein ganzer Leib licht sein;

23 wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist die Finsternis!

24 Keiner kann zweien Herren dienen; denn entweder wird er den Einen hassen und den Andern lieben, oder dem Einen wird er anhangen und den Andern verachten; ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

25 Deswegen sage ich euch: Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr, als die Speise, und der Leib, als die Kleidung?

26 Sehet hin auf die Vögel des Himmels; sie säen nicht, ernten auch nicht, und sammeln auch nicht auf die Speicher, und euer himmlischer Vater nähret sie; seid ihr nicht viel vorzüglicher als sie?

27 Aber wer unter euch vermag mit Sorgen seiner Größe eine Elle zuzusetzen?

28 Und warum sorget ihr um Kleidung? Lernet von den Lilien des Feldes, wie sie wachsen; sie mühen sich nicht und spinnen auch nicht.

29 Ich sage euch aber, daß auch selbst Salomo in all´ seiner Herrlichkeit nicht bekleidet war, wie eine von diesen.

30 Wenn aber Gott das Gras des Feldes, was heute ist, und morgen in den Ofen geworfen wird, also bekleidet; - nicht viel mehr euch, Kleingläubige?

31 Sorget denn nicht, sagend: Was sollen wir essen, oder was sollen wir trinken, oder was sollen wir anziehen?

32 Denn nach allem diesem trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, daß ihr alle diese Dinge bedürfet.

33 Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, und alle diese Dinge werden euch dazu gegeben werden.

34 Sorget denn nicht für den morgenden Tag, denn der morgende Tag wird für seine eigenen Dinge sorgen. Es ist dem Tage sein Übel genug.

Kapitel 7

1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet;

2 denn mit welchem Gericht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messet, wird euch gemessen werden.

3 Was aber siehest du den Splitter, der in dem Auge deines Bruders ist; - den Balken aber in deinem Auge bedenkst du nicht?

4 Oder wie wirst du zu deinem Bruder sagen: Laß mich! ich werde den Splitter aus deinem Auge wegnehmen, und siehe! der Balken ist in deinem Auge?

5 Heuchler! nimm zuerst den Balken aus deinem Auge weg und dann wirst du gut sehen, den Splitter aus deines Bruders Auge wegzunehmen.

6 Gebt nicht das Heilige den Hunden; werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, damit sie sie nicht mit ihren Füßen zertreten und sich wendend euch zerreißen.

7 Bittet, und es wird euch gegeben werden; suchet, und ihr werdet finden; klopfet an, und es wird euch aufgetan werden.

8 Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden.

9 Oder welcher Mensch ist unter euch, den etwa sein Sohn um Brot bitten würde, - wird er ihm einen Stein geben?

10 Und wenn er ihn um einen Fisch bitten würde, - wird er ihm eine Schlange geben?

11 Wenn nun ihr, böse seiend, wisset, euren Kindern gute Gaben zu geben; wie vielmehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben Denen, die Ihn bitten?

12 Alles nun, was ihr immer wollt, daß euch die Menschen tun, ebenso tut auch ihr ihnen. Denn dieses ist das Gesetz und die Propheten.

13 Gehet ein durch die enge Pforte; denn weit ist die Pforte und breit ist der Weg, der da ins Verderben führt und Viele sind Derer, die durch dieselbe eingehen.

14 Wie enge ist die Pforte und schmal der Weg, der zu dem Leben führt! - und Wenige sind, die ihn finden.

15 Hütet euch aber vor den falschen Propheten, welche in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.

16 An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Lieset man die Weintraube von Dornen, oder Feigen von Disteln?

17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber der faule Baum bringt schlechte Früchte.

18 Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen, auch kann ein fauler Baum nicht gute Früchte bringen.

19 Jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.

20 Also an ihren Früchten werdet ihr sie kennen lernen.

21 Nicht Jeder, der zu Mir sagt: Herr, Herr! wird in das Königreich der Himmel eingehen, sondern der den Willen tut Meines Vaters, der in den Himmeln ist.

22 Viele werden an jenem Tage zu Mir sagen: Herr, Herr! haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt und in Deinem Namen Teufel ausgetrieben und in Deinem Namen viele Wunderwerke getan?

23 Und dann werde Ich ihnen bekennen: Niemals habe Ich euch gekannt. Weichet von Mir, ihr Wirker des Bösen!

24 Darum ein Jeder, der diese Meine Worte hört und sie tut, - den werde Ich einem verständigen Manne vergleichen, welcher sein Haus auf den Felsen gebaut hat.

25 Und der Platzregen fiel hernieder, und die Ströme kamen, und die Winde wehten, und sie stießen an jenes Haus, und es fiel nicht; denn es war auf den Felsen gegründet.

26 Und Jeder, der diese Meine Worte hört und sie nicht tut, der wird einem törichten Manne verglichen werden, welcher sein Haus auf den Sand gebaut hat.

27 Und der Platzregen fiel hernieder, und die Ströme kamen, und die Winde wehten, und sie stießen an jenes Haus, und es fiel, und sein Fall war groß.

28 Und es begab sich, als Jesus diese Worte vollendet hatte, erstaunte die Volksmenge sehr über seine Lehre.

29 Denn Er lehrte sie, wie Einer, der Gewalt hat, und nicht wie die Schriftgelehrten.

Kapitel 8.

1 Als Er aber von dem Berge herabgestiegen, folgte Ihm eine große Volksmenge.

2 Und siehe! ein Aussätziger kam und huldigte Ihm, sagend: Herr, wenn Du willst, kannst Du mich reinigen!

3 Und Jesus, Seine Hand ausstreckend, rührte ihn an, sagend: Ich will, sei gereinigt! - Und alsbald war sein Aussatz gereinigt.

4 Und Jesus sagt zu ihm: Siehe! sage es Niemand; aber gehe hin, zeige dich dem Priester und bringe die Gabe dar, welche Moses angeordnet hat, ihnen zu einem Zeugnis.

5 Als Er aber in Kapernaum einging, trat zu Ihm ein Hauptmann, Ihn bittend

6 und sagend: Herr, mein Knecht liegt zu Hause gichtbrüchig und wird schrecklich gequält.

7 Und Jesus sagt zu ihm: Ich werde kommen und ihn heilen.

8 Und der Hauptmann antwortete und sprach: Herr! ich bin nicht würdig daß Du unter mein Dach eingehest; aber sprich bloß ein Wort, und mein Knecht wird gesund werden.

9 Denn auch ich bin ein Mensch unter Gewalt, Kriegsknechte unter mir habend; und ich sage zu diesem: Gehe hin! und er geht hin; und zu dem andern: Komm! und er kommt; und zu meinem Knechte: Tue dieses! und er tut es.

10 Als es aber Jesus hörte, wunderte Er Sich und sprach zu denen, die folgten: Wahrlich, Ich sage euch: selbst nicht in Israel habe Ich solchen Glauben gefunden.

11 Ich sage euch aber: Viele werden von Aufgang und von Niedergang kommen, und werden mit Abraham und Isaak und Jakob zu Tische liegen in dem Königreiche der Himmel;

12 die Söhne aber des Reichs werden hinausgeworfen werden in die Finsternis draußen; da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

13 Und Jesus sagte zu dem Hauptmann: Gehe hin, und dir geschehe, wie du geglaubt hast. - Und sein Knecht ward gesund in jener Stunde. –

14 Und als Jesus in das Haus Petri kam, sah er dessen Schwiegermutter liegend und fieberkrank.

15 Und Er rührte ihre Hand an und das Fieber verließ sie; und sie stand auf und diente ihnen.

16 Als es aber Abend geworden, brachten sie viele Besessene zu Ihm; und Er trieb die Geister aus durch Sein Wort, und Er heilte alle die Siechen,

17 daß erfüllet würde, was durch Jesaiam, den Propheten, geredet ist, sagend: "Er Selbst hat unsere Schwachheiten genommen und unsere Krankheiten getragen."

18 Als aber Jesus eine große Volksmenge um Sich sah, befahl Er, hinwegzufahren an das jenseitige Ufer.

19 Und ein Schriftgelehrter trat herzu und sprach zu Ihm: Lehrer! ich werde Dir folgen, wo Du auch hingehest.

20 Und Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Löcher, und die Vögel des Himmels Nester; aber der Sohn des Menschen hat nicht, wo Er das Haupt hinlege.

21 Ein Anderer aber Seiner Jünger sprach zu Ihm: Herr! erlaube mir, zuerst hinzugehen, und meinen Vater zu begraben.

22 Jesus aber sagte zu ihm: Folge Mir nach, und laß die Toten ihre eigenen Toten begraben.

23 Und als Er ins Schiff stieg, folgten Ihm Seine Jünger.

24 Und siehe! es erhob sich ein großes Ungestüm im See, so daß das Schiff von den Wellen bedeckt wurde. Er aber schlief.

25 Und Seine Jünger traten herzu, weckten Ihn, sagend: Herr! rette uns, wir gehen unter!

26 Und Er sagt zu ihnen: Was seid ihr furchtsam, Kleingläubige? Dann stand Er auf, bedräuete die Winde und den See, und es ward eine große Stille.

27 Die Menschen aber verwunderten sich, sagend: Was für Einer ist Dieser, daß auch die Winde und der See Ihm gehorchen?

28 Und als Er auf das jenseitige Ufer kam, in die Gegend der Gergesener, begegneten Ihm zwei Besessene, aus den Grüften hervorkommend, sehr wütend, daß Niemand jenes Weges vorbeigehen konnte.

29 Und siehe! sie riefen, sagend: Was haben wir und Du miteinander, Jesu, Sohn Gottes? Bist Du hierher gekommen, uns vor der Zeit zu quälen?

30 Aber ferne von ihnen war eine Herde von vielen Schweinen, weidend.

31 Die Teufel aber baten Ihn, sagend: Wenn Du uns austreibst, erlaube uns, in die Herde Schweine zu fahren.

32 Und Er sprach zu ihnen: Gehet hin! sie aber gingen aus und fuhren in die Herde Schweine. Und siehe! die ganze Herde Schweine stürzte sich den Abhang hinab in den See, und sie starben in dem Gewässer.

33 Die Hirten aber entflohen; und sie gingen in die Stadt und berichteten alles, und das, was mit den Besessenen geschehen war.

34 Und siehe! die ganze Stadt kam heraus, Jesu entgegen; und als sie Ihn sahen, baten sie Ihn, Er möge von ihren Grenzen weggehen.

Kapitel 9.

1 Und Er stieg in das Schiff, setzte über und kam in Seine eigene Stadt.

2 Und siehe! sie brachten zu Ihm einen Gichtbrüchigen, auf einem Bette liegend. Und als Jesus ihren Glauben sah, sprach Er zu dem Gichtbrüchigen: Sei gutes Mutes, Kind! deine Sünden sind dir vergeben.

3 Und siehe! Etliche von den Schriftgelehrten sagten bei sich selbst: Dieser lästert.

4 Und Jesus, ihre Gedanken sehend, sprach: Warum denkt ihr Arges in euren Herzen?

5 Denn was ist leichter, zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Stehe auf und wandele?

6 Damit ihr aber wisset, daß der Sohn des Menschen Gewalt hat auf der Erde Sünden zu vergeben (dann sagt Er zu dem Gichtbrüchigen): Stehe auf, und nimm dein Bett, und gehe nach deinem Hause.

7 Und aufstehend, ging er nach seinem Hause.

8 Als es aber die Volksmenge sah, verwunderte sie sich, und verherrlichte Gott, der solche Gewalt den Menschen gab.

9 Und Jesus, von da weiter gehend, sah einen Menschen an dem Zollhause sitzen, genant Matthäus; und Er sagt zu ihm: Folge Mir nach! Und er stand auf und folgte Ihm nach.

10 Und es begab sich, als Er in dem Haus zu Tische lag; und siehe! viele Zöllner und Sünder kamen und lagen am Tische mit Jesu und Seinen Jüngern.

11 Und als es die Pharisäer sahen, sprachen sie zu Seinen Jüngern: Warum isset euer Lehrer mit den Zöllnern und Sündern?

12 Jesus aber, es hörend, sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.

13 Gehet aber hin und lernet, was das sei: "Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer!" denn Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße.

14 Da kommen die Jünger Johannis zu Ihm: sagend: Warum fasten wir und die Pharisäer oft, aber Deine Jünger fasten nicht?

15 Und Jesus sprach zu ihnen: Können die Söhne des Brautgemachs trauern, so lange der Bräutigam bei ihnen ist? Es werden aber Tage kommen, wo der Bräutigam von ihnen genommen wird, und dann werden sie fasten.

16 Niemand aber flickt einen Flicklappen von ungewalktem Tuch auf ein altes Kleid; denn der eingesetzte Lappen reißt vom Kleide ab, und der Riß wird schlimmer.

17 Auch faßt man nicht jungen Wein in alte Schläuche; sonst reißen die Schläuche und der Wein wird verschüttet, und die Schläuche verderben; sondern man faßt jungen Wein in neue Schläuche, und beide zusammen werden erhalten.

18 Während Er dieses zu ihnen redete, siehe! da kam ein Vorsteher und huldigte Ihm, sagend: Meine Tochter ist eben jetzt verschieden; aber komm´, lege Deine Hand auf sie, und sie wird leben.

19 Und Jesus stand auf und folgte ihm, und Seine Jünger. –

20 Und siehe! ein Weib, welches zwölf Jahre blutflüssig war, trat von hinten herzu und rührte den Zipfel Seines Kleides an.

21 Denn sie sprach bei sich selbst: Wenn ich nur Sein Kleid anrühre, so werde ich geheilt werden.

22 Jesus aber Sich umwendend und sie sehend, sprach: Sei gutes Mutes, Tochter, dein Glaube hat dich geheilt! - Und das Weib ward geheilt von jener Stunde an. –

23 Und als Jesus in das Haus des Vorstehers kam, und sah die Pfeifer und den lärmenden Haufen,

24 sagt Er zu ihnen: Weichet zurück! denn das Mädchen ist nicht gestorben, sondern es schläft. Und sie verlachten Ihn.

25 Als aber die Volksmenge hinausgetrieben war, ging Er hinein und ergriff ihre Hand; und das Mädchen richtete sich auf.

26 Und dieses Gerücht ging aus in jenes ganze Land.

27 Und als Jesus von dannen weiter ging, folgten Ihm zwei Blinde, schreiend und sagend: Erbarme Dich unser, Sohn Davids!

28 Als Er aber in das Haus kam, traten die Blinden zu Ihm, und Jesus sagt zu ihnen: Glaubet ihr, daß Ich dieses tun kann? Sie sagten zu Ihm: Ja, Herr!

29 Dann rührete Er ihre Augen an, sagend: Nach eurem Glauben geschehe euch!

30 Und ihre Augen wurden aufgetan. Und Jesus bedräuete sie, sagend: Sehet zu, daß es Niemand erfahre.

31 Sie aber gingen aus und machten Ihn ruchbar in jenem ganzen Lande.

32 Als sie aber weggingen, siehe! da brachten sie zu Ihm einen Menschen, stumm, besessen.

33 Und als der Teufel ausgetrieben war, redete der Stumme. Und es verwunderte sich die Volksmenge, sagend: Es ward niemals also in Israel gesehen.

34 Die Pharisäer aber sagten: Er treibt die Teufel aus durch den Obersten der Teufel.

35 Und Jesus ging umher durch alle Städte und Dörfer, lehrend in ihren Synagogen, und verkündigend das Evangelium des Reichs, und heilend jede Krankheit und jedes Gebrechen.

36 Als Er aber die Volksmenge sah, ward Er innerlich bewegt über sie, weil sie abgemattet und zerstreut waren, wie Schafe, die keinen Hirten haben.

37 Dann sagt Er zu Seinen Jüngern: die Ernte ist groß, aber der Arbeiter wenige.

38 Flehet denn den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter aussende in Seine Ernte.

Kapitel 10.

1 Und als Er Seine zwölf Jünger zu Sich gerufen hatte, gab Er ihnen Gewalt über unreine Geister, dieselben auszutreiben, und jede Krankheit und jedes Gebrechen zu heilen.

2 Die Namen aber der zwölf Apostel sind diese: Zuerst Simon, genannt Petrus und Andreas, sein Bruder, Jakobus, der Sohn des Zebedäus und Johannes, sein Bruder;

3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus, der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Lebbäus, zubenamt Thaddäus;

4 Simon, der Kananiter und Judas, der Iskariot, der Ihn auch überliefert hat.

5 Diese Zwölf sandte Jesus aus, und befahl ihnen, sagend:

6 Gehet auf keinen Weg der Nationen und gehet in keine Stadt der Samariter hinein. Gehet aber vielmehr zu den verlorenen Schafen vom Hause Israel.

7 Ziehet aber hin und prediget, sagend: Das Königreich der Himmel ist nahe gekommen.

8 Schwache heilet, Aussätzige reiniget, Tote wecket auf, Teufel treibet aus. Umsonst habt ihr empfangen, umsonst gebet.

9 Verschaffet euch weder Gold noch Silber, noch Kupfer in eure Gürtel;

10 weder Beutel auf den Weg, noch zwei Röcke, noch Sandalen, noch Stäbe. Denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert.

11 In welche Stadt aber, oder in welches Dorf ihr irgendwie kommt, erforschet, wer darin würdig ist; und daselbst bleibet, bis ihr weggehet.

12 Wenn ihr aber in das Haus eintretet, so grüßet es.

13 Und wenn das Haus würdig ist, so komme euer Friede auf dasselbe; wenn es aber nicht würdig ist, so wende sich euer Friede auf euch zurück.

14 Und Jedweder, der euch nicht aufnehmen, noch eure Worte hören wird, - gehet heraus aus jenem Hause oder jener Stadt und schüttelt den Staub von euren Füßen.

15 Wahrlich, Ich sage euch: es wird dem Lande der Sodomer und der Gomorrer erträglicher ergehen am Gerichtstage, als jener Stadt.

16 Siehe! ich sende euch wie Schafe inmitten der Wölfe. Seid denn klug, wie die Schlangen, und einfältig, wie die Tauben.

17 Hütet euch aber vor den Menschen; denn sie werden euch Synedrien überliefern, und in ihren Synagogen werden sie euch geißeln;

8 und auch vor Statthalter und Könige werdet ihr geführt werden um Meinetwillen, ihnen und den Nationen zu einem Zeugnis.

19 Wann sie euch aber überliefern, sorget nicht, wie oder was ihr reden sollet; denn es wird euch zu jener Stunde gegeben werden, was ihr reden sollt.

20 Denn nicht ihr seid es, welche reden, sondern der Geist eures Vaters, der in euch redet.

21 Es wird aber der Bruder den Bruder zum Tode überliefern, und der Vater das Kind, und es werden Kinder gegen Eltern aufstehen und sie töten.

22 Und ihr werdet von Allen gehasset werden um Meines Namens willen; wer aber ausgeharrt haben wird bis an´s Ende, dieser wird errettet werden.

23 Wann sie euch aber verfolgen in dieser Stadt, entfliehet in die andere. Denn wahrlich, Ich sage euch: ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu Ende sein, bis der Sohn des Menschen kommen wird.

24 Der Jünger ist nicht über den Lehrer, und der Knecht nicht über seinen Herrn.

25 Es ist dem Jünger genug, daß er sei wie sein Lehrer, und der Knecht, wie sein Herr. Wenn sie den Hausherrn Beelzebub genannt haben, wie vielmehr seine Hausgenossen!

26 Fürchtet euch denn nicht vor ihnen. Denn es ist nichts verdeckt, was nicht aufgedeckt werden wird, und verborgen, was nicht kund werden wird.

27 Was Ich euch sage in der Finsternis, redet in dem Lichte; und was ihr höret ins Ohr, predigt auf den Häusern.

28 Und fürchtet euch nicht vor Denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht zu töten vermögen; fürchtet euch aber vielmehr vor Dem, der beides, Seele und Leib zu verderben vermag in der Hölle.

29 Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Pfennig? und nicht einer von ihnen fällt auf die Erde ohne euren Vater.

30 An euch aber sind selbst die Haare des Hauptes alles gezählt.

31 Fürchtet euch denn nicht; ihr seid vorzüglicher als viele Sperlinge.

32 Jeder nun, welcher Mich vor den Menschen bekennen wird, den werde auch Ich vor Meinem Vater, der in den Himmeln ist, bekennen.

33 Jedweder aber, der Mich vor Meinem Vater, der in den Himmeln ist, verleugnen wird, auch Ich werde ihn vor Meinem Vater, der in den Himmeln ist, verleugnen.

34 Wähnet nicht, daß Ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu bringen; Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.

35 Denn Ich bin gekommen den Menschen zu entzweien mit seinem Vater, und die Tochter mit ihrer Mutter, und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.

36 Und die Feinde des Menschen werden seine eigenen Hausgenossen sein.

37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht würdig; und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als Mich, ist Meiner nicht würdig.

38 Und wer nicht sein Kreuz aufnimmt, und Mir nachfolgt, ist Meiner nicht würdig.

39 Wer sein Leben findet, wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um Meinetwillen, wird es finden:

40 Wer euch aufnimmt, nimmt Mich auf, und wer Mich aufnimmt, nimmt Den auf, der Mich gesandt hat.

41 Wer einen Propheten aufnimmt im Namen eines Propheten, wird den Lohn eines Propheten empfangen; und wer einen Gerechten aufnimmt im Namen eines Gerechten, wird den Lohn eines Gerechten empfangen.

42 Und Jedweder, der einen dieser Kleinen bloß mit einem Becher kalten Wassers im Namen eines Jüngers tränken wird; wahrlich, Ich sage euch: er wird seinen Lohn nicht verlieren.

Kapitel 11.

1 Und es begab sich, als Jesus Seine Befehle an Seine zwölf Jünger vollendet hatte, begab Er Sich von dannen hinweg, um zu lehren und zu predigen in ihren Städten. –

2 Als aber Johannes in dem Gefängnisse die Werke des Christus hörte, sandte er zwei seiner Jünger,

3 und sprach zu ihm: Bist Du der Kommende, oder sollen wir einen Andern erwarten?

4 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Gehet hin und berichtet dem Johannes die Dinge, die ihr höret und sehet:

5 Blinde sehen und Lahme wandeln; Aussätzige werden gereinigt und Taube hören; Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium verkündigt.

6 Und glückselig ist Jeder, der sich nicht an Mir ärgern wird.

7 Als diese aber hingingen, fing Jesus an zu der Volksmenge zu sprechen über Johannes: Was seid ihr ausgegangen in die Wüste zu sehen? Ein Rohr vom Winde bewegt?

8 Was aber seid ihr ausgegangen zu sehen? Einen Menschen mit weichen Kleidern bekleidet? Siehe! die die weichen Kleider tragen, sind in den Häusern der Könige.

9 Was aber seid ihr hinausgegangen zu sehen? Einen Propheten? Ja, Ich sage euch, auch viel mehr als einen Propheten.

10 Denn dieser ist es, von dem geschrieben steht: "Siehe, Ich sende Meinen Boten vor Deinem Angesichte her, welcher Deinen Weg vor Dir bereiten wird."

11 Wahrlich, Ich sage euch: Unter denen, die von Weibern geboren sind, ist nicht aufgestanden, der größer ist, als Johannes der Täufer; der Geringste aber in dem Königreiche der Himmel ist größer als er.

12 Aber von den Tagen Johannis des Täufers an bis jetzt wird dem Königreich der Himmel Gewalt getan, und Gewalttuende reißen es an sich.

13 Denn alle die Propheten und das Gesetz haben bis auf Johannes geweissagt.

14 Und wenn ihr es annehmen wollt, so ist er Elias, der kommen soll.

15 Wer Ohren hat zu hören, der höre.

16 Wem aber soll Ich dieses Geschlecht vergleichen? Es ist Kindern gleich, welche auf den Märkten sitzen und ihren Gespielen zurufen

17 und sagen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr habt nicht getanzt; wir haben euch Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht gewehklagt.

18 Denn es ist Johannes gekommen, weder essend noch trinkend, und sie sagen: Er hat einen Teufel.

19 Es ist der Sohn des Menschen gekommen, essend und trinkend, und sie sagen: Siehe! ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder; und die Weisheit ist gerechtfertigt von ihren Kindern.

20 Zu der Zeit fing Er an, die Städte zu schelten, in welchen Seine meisten Wunderwerke geschehen waren, weil sie nicht Buße taten.

21 Wehe dir Chorazin, wehe dir Bethsaida! Denn wenn zu Tyrus und Sidon die Wunderwerke geschehen wären, die unter euch geschehen sind, längst hätten sie in Sack und Asche Buße getan.

22 Doch Ich sage euch: Tyrus und Sidon wird es erträglicher sein am Gerichtstage, als euch.

23 Und du Kapernaum, die du bis an den Himmel erhöht bist, bis zum Hades wirst du hinabgestoßen werden. Denn wenn in Sodom die Wunderwerke geschehen wären, die in dir geschehen sind, sie wäre bis an den heutigen Tag geblieben.

24 Doch Ich sage euch: dem Sodomer Lande wird es erträglicher sein am Gerichtstage, als dir.

25 Zu jener Zeit antwortete Jesus und sprach: Ich preise Dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, daß Du diese Dinge vor Weisen und Verständigen verborgen hast, und hast sie Unmündigen offenbart.

26 Ja, Vater; denn also war es wohlgefällig vor Dir!

27 Alle Dinge sind Mir von Meinem Vater übergeben; und Niemand erkennet den Sohn, es sei denn der Vater; und Niemand erkennet den Vater, es sei denn der Sohn, und wem Ihn der Sohn offenbaren will.

28 Kommet her zu Mir, alle Mühselige und Beladene! und Ich werde euch Ruhe geben.

29 Nehmet auf euch Mein Joch, und lernet von Mir, denn Ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, und Ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.

30 Denn Mein Joch ist sanft und Meine Last ist leicht.

Kapitel 12.

1 Zu jener Zeit ging Jesus am Sabbath durch die Saaten. Es hungerte aber Seine Jünger und sie fingen an, Ähren abzupflücken und zu essen.

2 Als es aber die Pharisäer sahen, sprachen sie zu Ihm: Siehe, Deine Jünger tun, was am Sabbath zu tun nicht erlaubt ist.

3 Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, was David tat, als ihn und die, welche mit ihm waren, hungerte?

4 wie er hineintrat in das Haus Gottes und die Schaubrote aß, welche zu essen ihm nicht erlaubt war, noch denen, welche mit ihm waren, sondern allein den Priestern?

5 Oder habt ihr nicht in dem Gesetz gelesen, daß an den Sabbathen die Priester in dem Tempel den Sabbath entheiligen und schuldlos sind?

6 Ich aber sage euch. Einer, der größer ist als der Tempel, ist hier.

7 Hättet ihr aber gewußt, was es ist: "Ich will Barmherzigkeit und nicht Opfer!" ihr hättet die Schuldlosen nicht verurteilt.

8 Denn der Sohn des Menschen ist Herr des Sabbaths.

9 Und Er begab Sich von da, und kam in ihre Synagoge.

10 Und siehe! da war ein Mensch, der hatte die Hand dürre. Und sie fragten Ihn, sagend: Ist es erlaubt an dem Sabbath zu heilen? - damit sie Ihn beschuldigen möchten.

11 Er aber sprach zu ihnen: Welcher Mensch wird unter Euch sein, der ein Schaf haben wird, und der, wenn dies an dem Sabbath in eine Grube gefallen ist, es nicht greifen und herausheben wird?

12 Um wie viel mehr denn ist ein Mensch vorzüglicher, als ein Schaf! Also ist es erlaubt an dem Sabbath Gutes zu tun.

13 Da sagt Er zu dem Menschen: Strecke deine Hand aus! Und er streckte sie aus und sie ward wieder gesund, wie die andere.

14 Die Pharisäer aber gingen aus und hielten einen Rat wider Ihn, um Ihn umzubringen.

15 Jesus aber, es wissend, entwich von dannen; und es folgte Ihm eine große Volksmenge, und Er heilte sie Alle.

16 Und Er bedräuete sie, daß sie Ihn nicht offenbar machten;

17 daß erfüllet würde, was durch Jesaias, den Propheten, geredet ist, sagend:

18 "Siehe, Mein Knecht, den Ich erwählt habe, Mein Geliebter, an welchem Meine Seele Wohlgefallen gefunden hat; Ich werde Meinen Geist auf Ihn legen und Er wird den Nationen das Gericht ankündigen.

19 Er wird nicht streiten und nicht schreien; auch wird Niemand Seine Stimme auf den Straßen hören.

20 Ein zerstoßenes Rohr wird Er nicht zerbrechen und einen rauchenden Flachs wird Er nicht auslöschen, bis daß Er das Gericht zum Siege hinausführe.

21 Und auf Seinen Namen werden die Nationen hoffen."

22 Da ward zu Ihm gebracht ein Besessener, blind und stumm; und Er heilte ihn, so daß der Blinde und Stumme sowohl redete als sah.

23 Und es verwunderte sich die ganze Volksmenge und sagte: Dieser ist doch nicht der Sohn Davids?

24 Die Pharisäer aber, als sie es hörten, sagten: Dieser treibt die Teufel nicht aus, es sei denn durch Beelzebub, den Obersten der Teufel.

25 Jesus aber, wissend ihre Gedanken, sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst in Zwiespalt gekommen ist, wird wüste; und jede Stadt oder jedes Haus, das mit sich selbst in Zwiespalt gekommen ist, wird nicht bestehen.

26 Und wenn Satan Satan austreibt, ist er mit sich selbst in Zwiespalt; wie wird denn Sein Reich bestehen?

27 Und wenn Ich durch Beelzebub die Teufel austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Deswegen werden sie eure Richter sein.

28 Wenn ich aber in der Kraft des Geistes Gottes die Teufel austreibe, so ist das Reich Gottes wirklich zu euch hingekommen.

29 Oder wie kann Jemand eindringen in das Haus des Starken, und seinen Hausrat rauben, es sei denn, daß er zuerst den Starken binde, und dann wird er sein Haus berauben?

30 Wer nicht mit Mir ist, der ist wider Mich; und wer nicht mit Mir sammelt, der zerstreut.

31 Deshalb sage Ich euch: Jede Sünde und Lästerung wird den Menschen vergeben werden; aber die Lästerung des Geistes wird den Menschen nicht vergeben werden.

32 Und wer ein Wort wider den Sohn des Menschen reden wird, es wird ihm vergeben werden; wer aber wider den Heiligen Geist reden wird, es wird ihm nicht vergeben werden, weder in diesem Zeitlauf, noch in dem zukünftigen.

33 Entweder machet den Baum gut, und seine Frucht gut, oder machet den Baum faul, und seine Frucht faul; denn der Baum wird aus der Frucht erkannt.

34 Otternbrut! wie könnet ihr Gutes reden, da ihr böse seid? Denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund.

35 Der gute Mensch bringt aus dem guten Schatz gute Dinge hervor, und der böse Mensch bringt aus dem bösen Schatz böse Dinge hervor.

36 Ich sage euch aber: Für jedes unnütze Wort, welches die Menschen reden werden, davon werden sie Rechenschaft geben am Gerichtstage.

37 Denn aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.

38 Da antworteten Etliche der Schriftgelehrten und Pharisäer, sagend: Lehrer! Wir möchten von Dir ein Zeichen sehen.

39 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht verlangt nach einem Zeichen; und ein Zeichen wird ihm nicht gegeben werden, es sei denn das Zeichen Jona, des Propheten.

40 Denn gleich wie Jonas drei Tage und drei Nächte in dem Bauche des Meerungeheuers war, so wird der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte in dem Herzen der Erde sein.

41 Die Männer von Ninive werden mit diesem Geschlecht im Gericht aufstehen, und werden es verdammen; denn sie haben auf die Predigt Jona Buße getan; und siehe! mehr als Jonas ist hier.

42 Die Königin des Südens wird mit diesem Geschlecht im Gericht aufstehen, und wird es verdammen; denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe! mehr als Salomo ist hier.

43 Wenn aber der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, durchwandert er dürre Örter, Ruhe suchend, und er findet sie nicht.

44 Dann spricht er: Ich will umkehren in mein Haus, wovon ich ausgegangen bin. Und wenn er kommt, findet er es müßig, gekehrt und geschmückt.

45 Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben andere Geister, böser als er selbst, und hineingehend, wohnen sie daselbst; und es wird das Letzte jenes Menschen übler, als das Erste. Also wird es auch diesem bösen Geschlecht ergehen.

46 Da Er aber noch zu der Volksmenge redete, siehe! da standen Seine Mutter und Seine Brüder draußen, und suchten Ihn zu sprechen.

47 Und es sprach Einer zu Ihm: Siehe! Deine Mutter und Deine Brüder stehen draußen, und suchen Dich zu sprechen.

48 Er aber antwortete und sprach zu dem, der Ihm das sagte: Wer ist Meine Mutter? und wer sind Meine Brüder?

49 Und Er streckte Seine Hand über Seine Jünger aus und sprach: Siehe da, Meine Mutter und Meine Brüder.

50 Denn Jedweder, der den Willen Meines Vaters, der in den Himmeln ist, tun wird, derselbe ist Mein Bruder und Schwester und Mutter.

Kapitel 13.

1 An jenem Tage aber ging Jesus aus von dem Hause und setzte sich hin an den See.

2 Und es versammelte sich eine große Volksmenge zu Ihm, so daß Er in das Schiff einstieg und Sich setzte; und die ganze Volksmenge stand am Ufer.

3 Und Er redete viele Dinge zu ihnen in Gleichnissen, sagend: Siehe! Es ging der Sämann aus zu säen.

4 Und während er säte, fiel Etliches neben den Weg; und es kamen die Vögel und fraßen es auf.

5 Anderes aber fiel auf das Steinige, wo es nicht tiefe Erde hatte; alsbald schoss es auf, weil es nicht tiefe Erde hatte.

6 Als aber die Sonne aufging, ward es verbrannt, und weil es nicht Wurzel hatte, verdorrte es.

7 Anderes aber fiel unter die Dornen, und die Dornen gingen auf und erstickten es.

8 Anderes aber fiel auf die gute Erde und gab Frucht; das eine hundert-, das andere sechzig-, das andere dreißigfältig.

9 Wer Ohren hat zu hören, höre!

10 Und die Jünger traten herzu und sprachen zu Ihm: Warum redest Du in Gleichnissen zu ihnen?

11 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Weil euch gegeben ist die Geheimnisse des Königreiches der Himmel zu verstehen; Jenen aber ist es nicht gegeben.

12 Denn wer da hat, dem wird gegeben werden, und er wird Überfluß haben; wer aber nicht hat, von dem wird selbst das, was er hat, genommen werden.

13 Darum rede Ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehend nicht sehen, und hörend nicht hören noch verstehen.

14 Und es wird die Weissagung des Jesaias an ihnen erfüllt, welche sagt: "Mit Gehör werdet ihr hören, und nicht verstehen; und sehend werdet ihr sehen und nicht wahrnehmen.

15 Denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden; und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht irgendwie mit den Augen sehen, und mit den Ohren hören, und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und daß Ich sie heile."

16 Glückselig aber eure Augen, daß sie sehen, und eure Ohren, daß sie hören.

17 Denn wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben begehrt zu sehen, was ihr anschauet, und haben es nicht gesehen; und zu hören, was ihr höret, und haben es nicht gehört.

18 So höret denn ihr das Gleichnis des Sämanns.

19 Wenn Jemand das Wort des Reiches hört und es nicht versteht, kommt der Böse, und reißt weg, was in seinem Herzen gesät war. Das ist der, welcher neben den Weg gesät ist.

20 Der aber auf das Steinige gesät ist: das ist der, der das Wort höret und es alsbald mit Freuden aufnimmt.

21 Er hat aber keine Wurzel in sich, sondern er ist nur für eine Zeit; wenn aber Trübsal oder Verfolgung entsteht, um des Wortes willen, alsbald ärgert er sich.

22 Der aber unter die Dornen gesät ist, das ist der, der das Wort höret, und die Sorge dieses Zeitlaufs und der Betrug des Reichtums ersticken das Wort, und er bringt keine Frucht.

23 Der aber auf die gute Erde gesät ist, das ist der, der das Wort hört und versteht, der bringt wirklich Frucht; und der eine trägt hundert-, der andere sechzig-, der andere dreißigfältig.

24 Ein anderes Gleichnis legte Er ihnen vor, sagend: Das Königreich der Himmel ist verglichen worden mit einem Menschen, der guten Samen auf sein Feld säte.

25 Während aber die Menschen schliefen, kam sein Feind und säte Unkraut mitten unter den Weizen, und ging weg.

26 Als aber die Saat aufging und Frucht gab, da erschien auch das Unkraut.

27 Es kamen aber die Knechte des Hausherrn hinzu und sprachen zu ihm: Herr! hast du nicht guten Samen auf dein Feld gesät? Woher hat es denn Unkraut?

28 Er aber sprach zu ihnen: Ein feindseliger Mensch hat dies getan. Die Knechte aber sprachen zu ihm: Willst du denn, daß wir hingehen und es zusammenlesen?

29 Er aber sprach: Nein; damit ihr beim Zusammenlesen des Unkrauts mit demselben nicht zugleich den Weizen ausreißet.

30 Laßt es Beides zusammen wachsen, bis zur Ernte; und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen. Leset zuerst das Unkraut zusammen und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber sammelt auf meinen Speicher.

31 Ein anderes Gleichnis legte Er ihnen vor, sagend: Das Königreich der Himmel ist gleich einem Senfkorn, welches ein Mensch nahm und auf sein Feld säte.

32 Dies ist freilich das kleinste unter allen Samen-Arten; wenn es aber gewachsen, ist es größer als die Gemüse, und wird ein Baum, so daß die Vögel des Himmels kommen und wohnen in seinen Zweigen.

33 Ein anderes Gleichnis redete Er zu ihnen: Das Königreich der Himmel ist gleich dem Sauerteig, welchen ein Weib nahm und unter drei Scheffel Mehl verbarg, bis Alles gesäuert ward.

34 Alle diese Dinge redete Jesus in Gleichnissen zu der Volksmenge, und ohne Gleichnis redete Er nicht zu ihnen;

35 daß erfüllet würde, was durch den Propheten geredet ist, sagend: "Ich werde Meinen Mund auftun in Gleichnissen; Ich werde aussprechen, was von der Gründung der Welt an verborgen war."

36 Dann entließ Jesus die Volksmenge und kam in das Haus, und Seine Jünger traten zu Ihm, sagend: Deute uns das Gleichnis vom Unkraut des Feldes.

37 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Der den guten Samen sät, das ist der Sohn des Menschen.

38 Das Feld aber ist die Welt. Der gute Same aber, das sind die Söhne des Reichs. Das Unkraut aber sind die Söhne des Bösen.

39 Der Feind aber, der es gesät hat, ist der Teufel. Die Ernte aber ist die Vollendung des Zeitalters. Die Schnitter aber sind Engel.

40 Gleichwie nun das Unkraut zusammengelesen und im Feuer verbrannt wird, also wird es in der Vollendung dieses Zeitalters sein.

41 Der Sohn des Menschen wird Seine Engel senden, und sie werden aus Seinem Reiche zusammenlesen alle Ärgernisse, und welche das Gesetzlose tun;

42 und sie werden sie in den Ofen des Feuers werfen; da wird sein das Weinen und das Zähneknirschen.

43 Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne im Reiche ihres Vaters. Wer Ohren hat zu hören, höre!

44 Wiederum ist das Königreich der Himmel gleich einem in dem Felde verborgenen Schatz, den ein Mensch fand und verbarg; und vor Freuden geht er hin und verkauft Alles, was er irgendwie hat, und kauft jenes Feld.

45 Wiederum ist das Königreich der Himmel gleich einem Kaufmann, der schöne Perlen sucht.

46 Als er aber eine sehr köstliche Perle gefunden, ging er hin und verkaufte Alles, was er irgendwie hatte, und kaufte sie.

47 Wiederum ist das Königreich der Himmel gleich einem Netze, welches ins Meer geworfen ward, und von jeder Gattung zusammengebracht hatte,

48 welches sie, als es voll war, an das Ufer aufzogen; und sie setzten sich nieder und lasen die Guten in Gefäße zusammen; aber die Faulen warfen sie aus.

49 Also wird es in der Vollendung des Zeitalters sein; es werden die Engel ausgehen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern;

50 und sie werden sie in den Ofen des Feuers werfen; da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

51 Jesus spricht zu ihnen: Habt ihr dieses Alles verstanden? Sie sagen zu Ihm: Ja, Herr!

52 Er aber sprach zu ihnen: Deshalb ist jeder Schriftgelehrte, der in dem Königreiche der Himmel unterrichtet ist, einem Hausherrn gleich, welcher aus seinem Schatz Neues und Altes hervorbringt.

53 Und es begab sich, als Jesus diese Gleichnisse vollendet hatte, ging Er von dannen hinweg.

54 Und Er kam in Sein Land, und lehrte sie in ihrer Synagoge, so daß sie sehr erstaunten und sagten: Woher Diesem diese Weisheit und die Wunderwerke?

55 Ist Dieser nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt nicht Seine Mutter Maria, und Seine Brüder Jakobus und Joses und Simon und Judas?

56 Und sind nicht Seine Schwestern alle bei uns? Woher denn Diesem alles Dieses?

57 Und sie ärgerten sich an Ihm. Jesus aber sprach zu ihnen: Ein Prophet ist nicht ohne Ehre, es sei denn in seinem Lande und in seinem Hause.

58 Und Er tat daselbst nicht viele Wunderwerke wegen ihres Unglaubens.

Kapitel 14.

1 Zu jener Zeit hörte Herodes der Vierfürst das Gerücht von Jesu.

2 Und er sprach zu seinen Knechten: Dieser ist Johannes, der Täufer; er ist von den Toten auferweckt, und deshalb werden die Wunderwerke von Ihm gewirkt.

3 Denn Herodes hatte Johannes gegriffen, ihn gebunden und ins Gefängnis gesetzt, um der Herodias willen, des Weibes Philippi, seines Bruders.

4 Denn Johannes hatte ihm gesagt: Es ist dir nicht erlaubt, sie zu haben.

5 Und als er ihn töten wollte, fürchtete er die Volksmenge, weil sie ihn für einen Propheten hielten.

6 Als aber der Jahrestag des Herodes stattfand, tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen, und sie gefiel dem Herodes;

7 weshalb er mit einem Eidschwur erklärte, ihr zu geben, was immer sie fordern würde.

8 Sie aber, von ihrer Mutter zuvor unterrichtet, sagt: Gib mir hier auf einer Schüssel das Haupt Johannis, des Täufers.

9 Und es ward der König traurig; aber um der Eide willen und derer, die mit ihm zu Tische lagen, befahl er, daß es ihr gegeben werde.

10 Und er sandte hin und enthauptete den Johannes im Gefängnis.

11 Und es ward sein Haupt auf einer Schüssel gebracht und dem Mädchen gegeben; und sie brachte es ihrer Mutter.

12 Und seine Jünger kamen herzu, nahmen den Leib und begruben ihn. Und sie kamen und berichteten es Jesu.

13 Und als es Jesus hörte, entwich Er von dannen in einem Schiff an einen wüsten Ort allein. Und als es die Volksmenge hörte, folgte sie Ihm zu Fuß aus den Städten.

14 Und als Jesus herausging, sah Er viel Volks, und ward innerlich bewegt über sie, und heilte ihre Kranken.

15 Als es aber Abend geworden war, traten Seine Jünger zu Ihm, sagend: Der Ort ist wüst, und die Tageszeit ist schon vorbei; entlaß die Volksmenge, damit sie hingehen in die Dörfer, und sich Speise kaufen.

16 Jesus aber sprach zu ihnen: Sie haben nicht nötig, wegzugehen; gebt ihr ihnen zu essen.

17 Sie aber sagen zu Ihm: Wir haben nichts hier als fünf Brote und zwei Fische.

18 Er aber sprach: Bringet sie Mir her.

19 Und Er befahl, daß sich die Volksmenge auf das Gras niedersetze; und Er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte auf gen Himmel und segnete, und brach und gab Seinen Jüngern die Brote, und die Jünger der Volksmenge.

20 Und sie aßen Alle, und wurden gesättigt, und hoben auf, was an Brocken überblieb, - zwölf Körbe voll.

21 Die aber gegessen hatten, waren an fünftausend Männer, ohne Weiber und Kinder.

22 Und alsbald nötigte Er die Jünger, in das Schiff zu steigen, und vor Ihm an das jenseitige Ufer zu fahren, bis Er die Volksmenge entlassen habe.

23 Und als Er die Volksmenge entlassen, stieg Er auf den Berg allein, um zu beten. Als es aber Abend geworden war, war Er daselbst allein.

24 Das Schiff aber war schon mitten im See, und litt Not von den Wellen; denn der Wind war entgegen.

25 Aber in der vierten Nachtwache kam Er zu ihnen, wandelnd auf dem See.

26 Und als die Jünger Ihn, auf dem See wandelnd, sahen, wurden sie bestürzt, sagend: Es ist ein Gespenst! Und sie schrieen vor Furcht.

27 Alsbald aber redete Jesus zu ihnen, sagend: Seid guten Mutes! Ich bin’s; fürchtet euch nicht!

28 Petrus aber antwortete Ihm und sprach: Herr, wenn Du es bist, so befiehl mir, zu Dir zu kommen auf dem Gewässer.

29 Er aber sprach: Komm! Und Petrus, aus dem Schiffe steigend, wandelte auf dem Gewässer, um zu Jesu zu kommen.

30 Als er aber den starken Wind sah, fürchtete er sich; und als er anfing zu sinken, schrie er, sagend: Herr! rette mich!

31 Alsbald aber streckte Jesus die Hand aus, griff ihn und spricht zu ihm: Kleingläubiger, warum zweifeltest du?

32 Und als sie in das Schiff gestiegen, legte sich der Wind.

33 Die aber in dem Schiffe waren, kamen und huldigten Ihm, sagend: Wahrlich, Du bist Gottes Sohn!

34 Und als sie hinübergefahren waren, kamen sie in das Land Genezareth.

35 Und als Ihn die Männer jenes Ortes erkannten, schickten sie in jene ganze Umgegend, und brachten zu Ihm alle die Siechen;

36 und baten Ihn, daß sie nur den Zipfel Seines Kleides anrühren dürften. Und wie Viele anrührten, wurden geheilt.

Kapitel 15.

1 Zu der Zeit kommen Schriftgelehrte und Pharisäer, die von Jerusalem waren, zu Jesu, sagend:

2 Warum übertreten Deine Jünger die Überlieferung der Ältesten? denn sie waschen ihre Hände nicht, wenn sie Brot essen.

3 Er aber antwortete und sagte zu ihnen: Warum übertretet auch ihr das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen?

4 denn Gott hat geboten, sagend: "Ehre Vater und Mutter!" - und: "Wer Vater oder Mutter flucht, soll des Todes sterben!"

5 Ihr aber sagt: Wer irgendwie zu dem Vater oder der Mutter sagt: Es sei eine Gabe, Alles, wodurch du von mir Nutzen haben könntest - und er wird keineswegs seinen Vater oder seine Mutter ehren,...

6 und ihr habt das Gebot Gottes um eurer Überlieferung willen ungültig gemacht.

7 Heuchler! Wohl recht hat von euch Jesaias geweissagt, sagend:

8 "Dieses Volk nahet sich Mir mit ihrem Munde und ehret Mich mit den Lippen; aber ihr Herz ist weit entfernt von Mir.

9 Vergeblich aber verehren sie Mich, lehrend als Lehren Menschengebote."

10 Und Er rief die Volksmenge zu Sich und sprach zu ihnen: Höret und verstehet!

11 Nicht, was in den Mund eingeht, verunreinigt den Menschen; sondern was aus dem Munde ausgeht, das verunreinigt den Menschen.

12 Da traten Seine Jünger herzu und sprachen zu Ihm: Weißt Du, daß die Pharisäer, als sie das Wort hörten, sich ärgerten?

13 Er aber antwortete und sprach: Jegliche Pflanze, welche Mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat, wird ausgerottet werden.

14 Lasset sie; sie sind blinde Leiter der Blinden! Wenn aber ein Blinder einen Blinden leitet, werden beiden in die Grube fallen.

15 Petrus aber antwortete und sprach zu Ihm: Deute uns dieses Gleichnis.

16 Jesus aber sprach: Seid auch ihr noch unverständig?

17 Vernehmet ihr noch nicht, daß Alles, was in den Mund eingehet, gehet in den Bauch, und wird in einem heimlichen Ort ausgeworfen?

18 Was aber aus dem Munde ausgehet, kommt aus dem Herzen, und dieses Dinge verunreinigen den Menschen.

19 Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Hurerei, Dieberei, falsche Zeugnisse, Lästerungen.

20 Diese Dinge sind es, welche den Menschen verunreinigen; aber mit ungewaschenen Händen essen, verunreinigt den Menschen nicht.

21 Und Jesus ging aus von dannen und entwich in die Gegenden von Tyrus und Sidon.

22 Und siehe! ein kananäisches Weib, die von jenen Grenzen herkam, rief zu Ihm, sagend: Erbarme Dich meiner, Herr, Sohn Davids! Meine Tochter ist übel besessen.

23 Er aber antwortete ihr nicht ein Wort. Und Seine Jünger traten zu Ihm, und baten Ihn, sagend: Entlaß sie! denn sie ruft hinter uns her.

24 Er aber antwortete und sprach: Ich bin nicht gesandt, es sei denn zu den verlorenen Schafen vom Hause Israel.

25 Sie aber kam und huldigte Ihm, sagend: Herr! hilf mir!

26 Er aber antwortete und sprach: Es ziemt sich nicht, das Brot der Kinder zu nehmen, und es den Hunden hinzuwerfen.

27 Sie aber sprach: Ja, Herr! denn es essen ja auch die Hunde von den Brosamen, welchen von dem Tische ihrer Herren fallen.

28 Da antwortete Jesus uns sprach zu ihr: O Weib, dein Glaube ist groß; dir geschehe, wie du willst! Und von jener Stunde an war ihre Tochter geheilt.

29 Und Jesus ging von da weg und kam an den Galiläischen See; und auf den Berg steigend, setzte Er Sich daselbst.

30 Und eine große Volksmenge kam zu Ihm, und hatte bei sich Lahme, Blinde, Stumme, Krüppel und viele Andere; und sie warfen sie hin zu den Füßen Jesu, und Er heilte sie,

31 so daß sich die Volksmenge verwunderte, als sie sah Stumme reden, Krüppel gesund werden, Lahme wandeln, und Blinde sehen; und sie verherrlichten den Gott Israels.

32 Als Jesus aber Seine Jünger zu Sich gerufen hatte, sprach Er: Ich bin innerlich bewegt über die Volksmenge; denn schon drei Tage verweilen sie bei Mir, und sie haben nichts zu essen; und Ich will sie nicht ohne Essen entlassen, damit sie nicht verschmachten auf dem Wege.

33 Und Seine Jünger sagen zu Ihm: Woher sollten wir so viele Brote in der Wüste haben, um eine so große Volksmenge zu sättigen?

34 Und Jesus spricht zu ihnen: Wie viel Brote habt ihr? Sie aber sagten: Sieben, und wenige kleine Fische.

35 Und Er hieß die Volksmenge sich auf die Erde lagern.

36 Und Er nahm die sieben Brote und die Fische; und nachdem Er die Danksagung gesprochen hatte, brach Er und gab sie Seinen Jüngern, und die Jünger der Volksmenge.

37 Und sie aßen Alle und wurden gesättigt; und hoben auf, was an Brocken überblieb, - sieben Körbe voll.

38 Die aber, welche gegessen hatten, waren viertausend Männer, ohne Weiber und Kinder.

39 Und als Er die Volksmenge entlassen hatte, stieg Er in das Schiff und kam in die Grenzen von Magdala.

Kapitel 16.

1 Und die Pharisäer und Sadducäer kamen herzu, und, Ihn versuchend, baten sie, Er möge ihnen ein Zeichen aus dem Himmel zeigen.

2 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Wenn es Abend geworden ist, sagt ihr: Es gibt heiteres Wetter; denn der Himmel ist feuerrot!

3 Und früh Morgens: Heute stürmisches Wetter; denn der Himmel ist feuerrot und trübe! Heuchler! Das Aussehen des Himmels wisset ihr zu beurteilen; aber die Zeichen der Zeiten, - könnt ihr die nicht beurteilen?

4 Ein böses und ehebrecherisches Geschlecht begehrt ein Zeichen, und ein Zeichen wird ihm nicht gegeben werden, es sei denn das Zeichen Jona des Propheten. Und Er verließ sie und ging weg.

5 Und als Seine Jünger an das jenseitige Ufer kamen, hatten sie vergessen, Brote mitzunehmen.

6 Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet zu und hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadducäer.

7 Sie aber überlegten bei sich selbst, sagend: weil wir keine Brote mitgenommen haben.

8 Als es aber Jesus wahrnahm, sprach Er: Was überlegt ihr bei euch, Kleingläubige, weil ihr keine Brote mitgenommen habt?

9 Verstehet ihr noch nicht, und erinnert ihr euch auch nicht an die fünf Brote der Fünftausend, und wie viel Körbe ihr aufhobet?

10 noch an die sieben Brote der Viertausend, und wie viel Körbe ihr aufhobet?

11 Wie verstehet ihr nicht, daß Ich euch nicht von Brot sagte, - euch zu hüten vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadducäer?

12 Da verstanden sie, daß Er nicht sagte, sich zu hüten vor dem Sauerteig des Brotes, sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadducäer.

13 Als aber Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi kam, fragte Er Seine Jünger, sagend: Wer sagen die Menschen, daß ich, der Sohn des Menschen, sei?

14 Sie aber sagten: Die Einen: Johannes der Täufer; - Andere aber: Elias; - Andere aber: Jeremias, oder einer der Propheten.

15 Spricht Er zu ihnen: Ihr aber, wer sagt ihr, daß Ich sei?

16 Simon Petrus aber antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!

17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Glückselig bist du, Simon, Bar Jona! denn Fleisch und Blut haben es dir nicht offenbart, sondern Mein Vater, der in den Himmeln ist.

18 Aber auch Ich sage dir, daß du bist Petrus, und auf diesen Felsen will Ich Meine Versammlung bauen, und die Pforten des Hades werden sie nicht überwältigen.

19 Und Ich werde dir die Schlüssel des Königreichs der Himmel geben, und was irgend du auf der Erde binden wirst, wird in den Himmeln gebunden sein; und was irgend du auf der Erde lösen wirst, wird in den Himmeln gelöst sein.

20 Dann gebot Er Seinen Jüngern, daß sie es Niemandem sagten, daß Er der Christus sei.

21 Von der Zeit an begann Jesus Seinen Jüngern zu zeigen, daß Er müsse nach Jerusalem hingehen, und Vieles leiden von den Ältesten und Hohenpriestern und Schriftgelehrten, und getötet, und am dritten Tage auferweckt werden.

22 Und Petrus nahm Ihn zu sich und fing an, Ihn zu strafen, sagend: Ei, behüte, Herr! - Dieses wird Dir nicht widerfahren.

23 Er aber wandte sich, und sprach zu Petrus: Weiche hinter Mich, Satan! du bist mir ein Ärgernis; denn du sinnest nicht auf das, was Gottes, sondern auf das, was der Menschen ist! –

24 Da sprach Jesus zu Seinen Jüngern: Wenn Jemand Mir nachfolgen will, der verleugne sich selbst, und nehme sein Kreuz auf sich, und folge Mir nach.

25 Denn wer irgend sein Leben retten will, der wird es verlieren; wer aber irgend sein Leben verlieren wird um Meinetwillen, der wird es finden.

26 Denn was wird es dem Menschen nützen, wenn er die ganze Welt gewinnen würde, aber seine Seele einbüßte? Oder, was wird ein Mensch als Lösegeld für seine Seele geben?

27 Denn der Sohn des Menschen wird in der Herrlichkeit Seines Vaters mit Seinen Engeln kommen, und dann wird Er einem Jeglichen nach seinem Tun vergelten.

28 Wahrlich, Ich sage euch: Es sind Einige von denen, die hier stehen, welche den Tod nicht schmecken werden, bis sie gesehen den Sohn des Menschen kommend in Seinem Reich.

Kapitel 17.

1 Und nach sechs Tagen nimmt Jesus zu Sich den Petrus und Jakobus und Johannes, seinen Bruder; und Er führt sie besonders auf einen hohen Berg allein.

2 Und Er ward umgestaltet vor ihnen, und Sein Angesicht leuchtete wie die Sonne; Seine Kleider aber wurden weiß, wie das Licht.

3 Und siehe! Moses und Elias erschienen ihnen, sich mit Ihm unterredend.

4. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesu: Herr! Es ist gut für uns, hier zu sein! Wenn Du willst, laß uns hier drei Hütten machen; Dir eine, und dem Moses eine, und dem Elias eine.

5 Während Er noch redete, siehe! eine lichte Wolke überschattete sie; und siehe! eine Stimme aus der Wolke, sagend: Dieser ist Mein geliebter Sohn, an welchem Ich Wohlgefallen gefunden habe, Ihn höret!

6 Und als die Jünger es hörten, fielen sie auf Ihr Angesicht und fürchteten sich sehr.

7 Und Jesus trat herzu, rührte sie an und sprach: Stehet auf, und fürchtet euch nicht!

8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie Niemanden, als Jesum allein.

9 Und als sie von dem Berge herabstiegen, gebot ihnen Jesus und sprach: Saget Niemandem das Gesicht, bis der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden ist.

10 Und Seine Jünger fragten Ihn, sagend: Warum sagen denn die Schriftgelehrten, Elias müsse zuerst kommen?

11 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Elias zwar kommt zuerst, und wird alle Dinge wieder herstellen.

12 Ich sage euch aber, daß Elias schon gekommen ist, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern an ihm getan Alles, was sie wollten. Eben so wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden.

13 Da verstanden die Jünger, daß Er von Johannes, dem Täufer, zu ihnen sprach.

14 Und da sie zu der Volksmenge kamen, trat ein Mensch zu Ihm, vor Ihm auf die Kniee fallend

15 und sagend: Herr, erbarme Dich meines Sohnes! denn er ist mondsüchtig und leidet schwer; denn oft fällt er ins Feuer und oft ins Wasser.

16 Und ich brachte ihn zu Deinen Jüngern, und sie konnten ihn nicht heilen.

17 Jesus aber antwortete und sprach: O, ungläubiges und verkehrtes Geschlecht! Wie lange soll Ich bei euch sein? Wie lange soll Ich euch ertragen? Bringet ihn her zu Mir!

18 Und Jesus bedräuete ihn, und der Teufel fuhr von ihm aus, und von jener Stunde an war der Knabe geheilt.

19 Da traten die Jünger zu Jesu besonders, und sagten: Warum konnten wir ihn nicht austreiben?

20 Jesus aber sagte zu ihnen: wegen eures Unglaubens. Denn wahrlich, Ich sage euch: wenn ihr Glauben habet, wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berge sagen: Versetze dich von hier dorthin, und er wird versetzt werden; und Nichts wird für euch unmöglich sein.

21 Diese Art aber fährt nicht aus, es sei denn durch Gebet und Fasten.

22 Als sie aber in Galiläa umherzogen, sprach Jesus zu ihnen: Es wird der Sohn des Menschen in die Hände der Menschen überliefert werden;

23 und sie werden Ihn töten, und am dritten Tage wird Er auferweckt werden! Und sie wurden sehr betrübt.

24 Als sie aber nach Kapernaum kamen, traten die Einnehmer der Doppeldrachme zu Petrus und sprachen: Zahlt euer Lehrer nicht die Doppeldrachme?

25 Er sagt: Ja. Und als sie ins Haus hineingingen, kam ihm Jesus zuvor, sagend: Was dünket dich, Simon? Von welchen erheben die Könige der Erde Zoll oder Steuer, von ihren Söhnen, oder von den Fremden?

26 Petrus sagt zu Ihm. Von den Fremden. Sprach Jesus zu ihm: Also sind denn die Söhne frei.

27 Damit wir ihnen aber kein Ärgernis geben, so gehe an den See, wirf den Angelhaken aus, und nimm den ersten Fisch, der herauskommt, tue seinen Mund auf, und du wirst einen Stater finden; den nimm und gib ihnen für Mich und dich.

Kapitel 18.

1 Zu jener Stunde traten die Jünger zu Jesu, sagend: Wer ist doch der größte im Königreiche der Himmel?

2 Und als Jesus ein Kind zu Sich gerufen hatte, stellte Er es in ihre Mitte,

3 und sprach: Wahrlich, Ich sage euch, wenn ihr nicht bekehrt werdet, und werdet wie die Kindlein, so werdet ihr nicht in das Königreich der Himmel hineinkommen.

4 Darum, wer sich selbst erniedrigen wird, wie dieses Kindlein, dieser ist der Größte im Königreiche der Himmel;

5 und wer immer ein Einziges solches Kindlein aufnehmen wird um Meines Namens willen, er nimmt Mich auf.

6 Wer immer aber Einen dieser Kleinen, die an Mich glauben, ärgern wird, dem wäre besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt, und er in der Tiefe des Meeres ersäuft würde.

7 Wehe der Welt der Ärgernisse wegen! - Denn es ist notwendig, daß Ärgernisse kommen; doch wehe jenem Menschen, durch welchen das Ärgernis kommt.

8 Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich ärgert, haue sie ab und wirf sie von dir. Besser ist es für dich, lahm oder als Krüppel in das Leben einzugehen, als, zwei Hände oder zwei Füße habend, in das ewige Feuer geworfen zu werden.

9 Und wenn dein Auge dich ärgert, reiß es aus, und wirf es von dir. Besser ist es dir, einäugig in das Leben einzugehen, als, zwei Augen habend, in die Hölle des Feuers geworfen zu werden.

10 Sehet zu, daß ihr nicht Einen dieser Kleinen verachtet! Denn Ich sage euch, daß ihre Engel in den Himmeln immerdar das Angesicht meines Vaters, der in den Himmeln ist, schauen.

11 Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorne zu erretten. –

12 Was dünket euch? Wenn ein Mensch hundert Schafe hat, und wenn Eins von ihnen sich verirrt hätte, läßt er nicht die neun und neunzig auf den Bergen, und geht hin und sucht das Irrende?

13 Und wenn es geschieht, daß er es findet, wahrlich, Ich sage euch, daß er sich mehr über dieses freuet, als über die neun und neunzig, die nicht verirret sind.

14 Eben so ist es nicht der Wille vor eurem Vater, der in den Himmeln ist, daß Einer von diesen Kleinen umkomme.

15 Wenn aber dein Bruder wider dich sündigt, gehe hin und überführe ihn zwischen dir und ihm allein;

16 wenn er auf dich hören wird, so hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hören wird, nimm hinzu mit dir noch Einen oder Zwei, damit aus dem Munde zweier oder dreier Zeugen jede Sache bestätigt sei.

17 Wenn er aber nicht auf sie hören wird, sage es der Versammlung; wenn er aber auch auf die Versammlung nicht hören wird, so sei er dir, wie der Heide und der Zöllner.

18 Wahrlich, Ich sage euch: Alles, was ihr auf der Erde binden werdet, wird im Himmel gebunden sein; und Alles, was ihr auf der Erde lösen werdet, wird im Himmel gelöst sein.

19 Wiederum sage Ich euch: daß, wenn zwei von euch auf der Erde in irgend einer Sache, um welche sie bitten, einstimmig sein werden, sie ihnen von Meinem Vater, der in den Himmeln ist, widerfahren wird.

20 Denn wo zwei oder drei versammelt sind in Meinem Namen, da bin Ich in ihrer Mitte.

21 Zu der Zeit trat Petrus zu Ihm und sagte: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder, der wider mich sündiget, vergeben?

22 Spricht Jesus zu ihm: Nicht sage Ich dir: bis siebenmal, sondern bis siebenzig mal sieben.

23 Deswegen ist das Königreich der Himmel verglichen worden mit einem Könige, welcher mit seinen Knechten abrechnen wollte.

24 Als er aber anfing abzurechnen, ward Einer zu ihm gebracht, der zehntausend Talente schuldete;

25 da er aber nicht zu bezahlen hatte, befahl sein Herr, ihn zu verkaufen und sein Weib und die Kinder und Alles, was er hatte, und zu bezahlen.

26 Der Knecht nun fiel nieder, huldigte ihm, sagend: Herr, habe Geduld mit mir, und ich will dir Alles bezahlen!

27 Der Herr jenes Knechts aber, innerlich bewegt, ließ ihn los, und erließ ihm die Schuld.

28 Jener Knecht aber ging aus, und fand einen seiner Mitknechte, der ihm hundert Denare schuldig war. Und er ergriff und würgte ihn und sprach: Bezahle mir, was du mir schuldig bist!

29 Sein Mitknecht nun fiel nieder und bat ihn, sagend: Habe Geduld mit mir, und ich will dir Alles bezahlen!

30 Der aber wollte nicht; sondern er ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er die Schuld bezahlt habe.

31 Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurde sie sehr betrübt, gingen und berichteten ihrem Herrn Alles, was geschehen war.

32 Da rief ihn sein Herr zu sich und spricht zu ihm: Böser Knecht! jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest;

33 solltest nicht auch du dich deines Mitknechts erbarmen, wie auch ich mich deiner erbarmet habe?

34 Und sein Herr ward zornig und überlieferte ihn den Peinigern, bis er ihm die ganze Schuld bezahlt habe.

35 Also auch wird Mein himmlischer Vater euch tun, wenn ihr nicht, ein Jeder seinem Bruder von Herzen seine Übertretungen vergebet.

Kapitel 19.

1 Und es geschah, als Jesus diese Reden vollendet hatte, ging er von Galiläa weg; und kam in die Grenzen von Judäa, jenseit des Jordans.

2 Und es folgte Ihm eine große Volksmenge, und Er heilte sie daselbst.

3 Und die Pharisäer traten zu Ihm, Ihn versuchend und zu Ihm sagend: Ist es einem Menschen erlaubt, aus jedem Grunde sein Weib zu entlassen?

4 Er aber antwortete und sagte zu ihnen: Habt ihr nicht gelesen, daß Der, welcher sie schuf, sie von Anfang männlich und weiblich schuf,

5 und sagte: "Deswegen soll ein Mensch Vater und Mutter verlassen, und seinem Weibe anhangen, und werden die zwei zu Einem Fleische sein?"

6 und so sind sie nicht mehr Zwei, sondern Ein Fleisch. Was also Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.

7 Sprechen sie zu Ihm: Weshalb hat denn Moses geboten, einen Scheidebrief zu geben, und sie zu entlassen?

8 Er spricht zu ihnen: Moses hat wegen eurer Herzenshärtigkeit euch gestattet, eure Weiber zu entlassen; von Anfang aber war es nicht so.

9 Ich sage euch aber, daß Jeder, der sein Weib entlassen wird, es sei denn wegen der Hurerei, und eine andere heiraten wird, der bricht die Ehe;

10 Seine Jünger sagen zu Ihm: Wenn also die Sache des Mannes mit dem Weibe steht, so ist es nicht gut zu heiraten.

11 Er aber sagte zu ihnen: Nicht Alle fassen dieses Wort, sondern die, denen es gegeben ist.

12 Denn es sind Verschnittene, welche also von Mutterleibe geboren sind; und es sind Verschnittene, welche von den Menschen verschnitten worden sind; und es sind Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben, um des Königreichs der Himmel willen. Wer es zu fassen vermag, der fasse es.

13 Da wurden Kindlein zu Ihm gebracht, auf daß Er ihnen die Hände auflegte und betete. Die Jünger aber bedroheten sie.

14 Jesus aber sagte: Lasset die Kindlein; und wehret ihnen nicht, zu Mir zu kommen; denn solcher ist das Königreich der Himmel.

15 Und Er legte ihnen die Hände auf, und ging von dannen weg.

16 Und siehe! Einer trat herzu und sprach zu Ihm: Guter Lehrer, was soll ich Gutes tun, auf daß ich das ewige Leben habe? Er aber sagte zu ihm:

17 Was heißest du Mich gut? Niemand ist gut, als nur Einer, Gott. Wenn du aber zu dem Leben eingehen willst, so halte die Gebote!

18 Er spricht zu Ihm: Welche? Jesus aber sagte: Diese: Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsches Zeugnis geben;

19 ehre Vater und Mutter, und: Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.

20 Der Jüngling spricht zu Ihm: Alle diese Dinge habe ich beobachtet von meiner Jugend auf. Worin bin ich noch zurück?

21 Jesus sprach zu ihm: Wenn du vollkommen sein willst, so gehe hin, verkaufe deine Habe, und gib sie den Armen, und du wirst einen Schatz im Himmel haben; und komm her, folge Mir nach!

22 Als aber der Jüngling das Wort hörte, ging er betrübt weg; denn er hatte ein großes Vermögen.

23 Jesus aber sprach zu Seinen Jüngern: Wahrlich, Ich sage euch: Schwerlich wird ein Reicher in das Königreich der Himmel eingehen.

24 Wiederum aber sage Ich euch: Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich Gottes eingehe.

25 Als aber Seine Jünger es hörten, waren sie sehr erstaunt und sagten: Wer kann dann selig werden?

26 Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen: Bei Menschen ist dies unmöglich, bei Gott aber sind alle Dinge möglich.

27 Da antwortete Petrus und sprach zu Ihm: Siehe! wir haben Alles verlassen und sind Dir gefolgt; was wird uns denn werden?

28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, Ich sage euch, daß ihr, die ihr Mir seid nachgefolgt, in der Wiedergeburt, wann der Sohn des Menschen auf dem Throne Seiner Herrlichkeit sitzen wird, - daß auch ihr auf zwölf Thronen sitzen werdet, richtend die zwölf Stämme Israels.

29 Und ein Jeglicher, der Häuser, oder Brüder, oder Schwestern, oder Vater, oder Mutter, oder Weib, oder Kinder, oder Äcker um Meines Namens willen verlassen hat, der wird hundertfältig empfangen, und das ewige Leben erben.

30 Aber viele Erste werden Letzte, und viele Letzte Erste sein.

Kapitel 20.

1 Denn das Königreich der Himmel ist gleich einem Hausherrn, welcher des Morgens früh ausging, um Arbeiter in seinen Weinberg zu dingen.

2 Nachdem er aber mit den Arbeitern um einen Denar den Tag übereingekommen war, sandte er sie in seinen Weinberg.

3 Und um die dritte Stunde ausgehend, sah er Andere auf dem Markte müßig stehen,

4 und sagte zu Diesen: Gehet auch ihr hin in den Weinberg, und was recht ist, werde ich euch geben.

5 Sie aber gingen hin. Wiederum ging er aus um die sechste und neunte Stunde, und tat gleich also.

6 Als er aber um die elfte Stunde ausging, fand er Andere, die müßig standen; und er spricht zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig?

7 Sie sprechen zu ihm: Weil uns Niemand gedungen hat. Er spricht zu ihnen: Gehet auch ihr hin in den Weinberg, und was dann recht ist, werdet ihr bekommen.

8 Als es aber Abend geworden, spricht der Herr des Weinbergs zu seinem Verwalter: Rufe die Arbeiter und zahle ihnen den Lohn, anfangend von den Letzten bis zu den Ersten.

9 Und als die von der elften Stunde kamen, bekamen sie je einen Denar.

10 Als aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und auch sie bekamen je einen Denar.

11 Als sie aber den bekamen, murreten sie wider den Hausherrn,

12 sagend: Diese Letzten haben eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleich gemacht, die wir die Last des Tages und die Hitze getragen haben.

13 Er aber antwortete und sprach zu Einem von ihnen: Freund, ich tue dir nicht Unrecht. Bist du nicht um einen Denar mit mir übereingekommen?

14 Nimm das Deine, und gehe hin! Ich will aber diesem Letzten geben, wie auch dir.

15 Steht es mir nicht frei, mit dem Meinigen zu tun, was ich will? Ist dein Auge böse, weil ich gütig bin?

16 Also werden die Letzten Erste, und die Ersten Letzte sein. Denn Viele sind Berufene; aber Wenige sind Auserwählte.

17 Und als Jesus nach Jerusalem hinaufging, nahm Er auf dem Wege die zwölf Jünger besonders und sprach zu ihnen:

18 Siehe! wir gehen hinauf nach Jerusalem, und der Sohn des Menschen wird den Hohenpriestern und Schriftgelehrten überliefert werden; und sie werden Ihn zum Tode verurteilen,

19 und werden Ihn den Nationen überliefern, um Ihn zu verspotten und zu geißeln und zu kreuzigen; und am dritten Tage wird Er auferstehen.

20 Zu der Zeit trat zu Ihm die Mutter der Söhne Zebedäi mit ihren Söhnen, huldigte Ihm, und begehrte Etwas von Ihm.

21 Er aber sprach zu ihr: Was willst du? Sie sagt zu Ihm: Sprich, daß diese meine zwei Söhne, einer zu Deiner Rechten und einer zu Deiner Linken in Deinem Reich sitzen mögen.

22 Jesus aber antwortete und sprach: Ihr wisset nicht, was ihr begehret; könnt ihr den Kelch trinken, den Ich trinken werde, oder mit der Taufe getauft werden, womit Ich getauft werde? Sie sagen zu Ihm: Wir können es.

23 Und Er spricht zu ihnen: Meinen Kelch werdet ihr zwar trinken, und mit der Taufe, womit ich getauft werde, werdet ihr getauft werden; das Sitzen aber zu Meiner Rechten und zu Meiner Linken, steht nicht bei Mir zu geben, sondern denen, für welche es von Meinem Vater bereitet ist.

24 Und als es die Zehn hörten, wurden sie unwillig über die zwei Brüder.

25 Jesus aber rief sie zu Sich und sprach: Ihr wisset, daß die Obersten der Nationen über diese herrschen, und die Großen Gewalt über sie üben.

26 Unter euch soll es nicht also sein; sondern wer irgend unter euch groß werden will, sei euer Diener;

27 und wer irgend unter euch der Erste sein will, sei euer Knecht;

28 gleichwie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, sondern daß Er diene, und Sein Leben zu einem Lösegeld für Viele gebe.

29 Und als sie von Jericho ausgingen, folgte Ihm eine große Volksmenge.

30 Und siehe! zwei Blinde, als sie, am Wege sitzend, hörten, daß Jesus vorbeigehe, riefen, sagend: Erbarme Dich unser, Herr, Sohn Davids!

31 Die Volksmenge aber bedräuete sie, daß sie schweigen sollten. Sie aber riefen noch mehr, sagend: Erbarme Dich unser, Herr, Sohn Davids!

32 Und Jesus blieb stehen und rief ihnen, und sprach: Was wollt ihr, daß ich euch tun soll?

33 Sie sagen zu Ihm: Herr, daß unsere Augen aufgetan werden!

34 Jesus aber, innerlich bewegt, rührte ihre Augen an; und alsbald sahen ihre Augen, und sie folgten Ihm nach.

Kapitel 21.

1 Und als sie Jerusalem naheten und nach Bethphage an den Ölberg kamen, da sandte Jesus zwei Jünger,

2 zu ihnen sagend: Gehet hin in das Dorf, welches euch gegenüber liegt, und alsbald werdet ihr eine Eselin angebunden, und ein Füllen bei ihr finden; löset sie und führet sie zu Mir.

3 Und wenn Jemand zu euch etwas sagen wird, so sollt ihr sprechen. Der Herr hat dieselben nötig, - alsbald schickt er sie.

4 Dieses Alles aber ist geschehen, damit erfüllt würde, was durch den Propheten geredet ist, sagend:

5 "Sprechet zu der Tochter Zion: Siehe! dein König kommt zu dir, sanftmütig, und sitzend auf einer Eselin und auf einem Füllen, des Lasttiers Jungen". –

6 Als aber die Jünger hingegangen waren, und getan hatten, wie es ihnen Jesus aufgetragen,

7 brachten sie die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider auf dieselben, und Er setzte sich darauf.

8 Und eine sehr große Volksmenge breitete ihre Kleider auf den Weg; Andere aber schnitten Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg.

9 Die Volksmenge aber, welche vorging und nachfolgte, rief, sagend: Hosanna, dem Sohne Davids! Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosanna in der Höhe!

10 Und als Er in Jerusalem hineingekommen war, ward die ganze Stadt bewegt, sagend: Wer ist Dieser?

11 Die Volksmenge aber sagte: Dieser ist Jesus, der Prophet, der von Nazareth in Galiläa.

12 Und Jesus trat ein in den Tempel Gottes, und trieb alle die Verkaufenden und Kaufenden im Tempel hinaus, und die Tische der Wechsler und die Stühle derer, welche die Tauben verkauften, stieß Er um.

13 Und Er spricht zu ihnen: Es steht geschrieben. "Mein Haus wird ein Bethaus genannt werden; ihr aber habt es zu einer Räuberhöhle gemacht."

14 Und es traten Blinde und Lahme zu Ihm in den Tempel, und Er heilte sie.

15 Als aber die Hohenpriester und die Schriftgelehrten die wunderbaren Dinge sahen, die Er tat, und die Kinder, welche im Tempel riefen und sagten: Hosanna, dem Sohne Davids! - wurden sie unwillig

16 und sagten zu Ihm: Hörst Du, was diese sagen? Jesus aber spricht zu ihnen: Ja, habt ihr nie gelesen: "Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast Du Lob zugerichtet?"

17 Und sie verlassend, ging Er hinaus, außerhalb der Stadt, nach Bethanien, und übernachtete daselbst.

18 Des Morgens früh aber, als Er nach der Stadt zurückkehrte, hungerte Ihn.

19 Und als Er einen Feigenbaum auf dem Wege sah, ging Er darauf zu, und fand nichts darauf, als allein Blätter. Und Er spricht zu ihm: Nimmermehr komme von dir Frucht in Ewigkeit! Und auf der Stelle verdorrte der Feigenbaum.

20 Und als es die Jünger sahen, verwunderten sie sich, sagend: Wie ist der Feigenbaum so auf der Stelle verdorrt!

21 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Wahrlich, Ich sage euch, wenn ihr Glauben habet und nicht zweifelt, werdet ihr nicht allein das mit dem Feigenbaum tun, sondern, wenn ihr auch zu diesem Berge sagen werdet: "Sei aufgehoben und in das Meer geworfen!" – so wird es geschehen. 22 Und Alles, was ihr irgendwie im Gebet glaubend fordert, werdet ihr empfangen.

23 Und als Er in den Tempel kam, traten, während Er lehrte, die Hohenpriester und die Ältesten des Volks zu Ihm, sagend: In welchem Recht tust Du Dieses? und wer hat Dir dieses Recht gegeben?

24 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Auch ich will euch eine Sache fragen, und wenn ihr es Mir saget, so will Ich euch auch sagen, in welchem Recht Ich Dieses tue.

25 Die Taufe Johannis, woher war sie? vom Himmel oder von Menschen? Sie aber überlegten bei sich, sagend: Wenn wir sagen: Vom Himmel, - so wird Er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm denn nicht geglaubt?

26 Wenn wir aber sagen. Von Menschen, - wir fürchten die Volksmenge; denn Alle halten den Johannes für einen Propheten.

27 Und sie antworteten Jesu und sagten: Wir wissen es nicht. da sagte auch Er zu ihnen: So sage Ich euch auch nicht, in welchem Recht Ich Dieses tue.

28 Was dünkt euch aber? Ein Mensch hatte zwei Kinder. Und er trat hin zu dem ersten und sprach: Kind, gehe hin, arbeite heute in meinem Weinberge.

29 Er aber antwortete und sprach: Ich will nicht! Darnach aber gereute es ihn und er ging hin.

30 Und er trat hin zu dem zweiten und sprach gleich also. Der aber antwortete und sprach: Ich gehe, Herr! Und er ging nicht.

31 Welcher von den Beiden hat den Willen des Vaters getan? Sie sagen zu Ihm: Der Erste. Jesus sagt zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch, die Zöllner und die Huren gehen euch vor in das Reich Gottes.

32 Denn Johannes ist im Wege der Gerechtigkeit zu euch gekommen, und ihr glaubtet ihm nicht; die Zöllner aber und die Huren glaubten ihm. Ihr aber, - als ihr es sahet, gereute es euch darnach nicht, um ihm zu glauben.

33 Höret ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr, welcher einen Weinberg pflanzte, und einen Zaun darum setzte, und eine Kelter darin grub, und einen Turm baute; und er tat ihn aus an Ackerbauer und reisete außer Landes.

34 Als aber die Zeit der Früchte nahte, schickte er seine Knechte zu den Ackerbauern, um die Früchte desselben zu empfangen.

35 Und die Ackerbauer nahmen seine Knechte; einen schlugen sie, einen andern töteten sie, einen andern steinigten sie.

36 Wiederum schickte er andere Knechte, mehr als die ersten, und sie taten ihnen ebenso.

37 Am letzten aber schickte er seinen Sohn zu ihnen, sagend. Sie werden sich vor meinem Sohne scheuen.

38 Als aber die Ackerbauer den Sohn sahen, sprachen sie unter einander: Dieser ist der Erbe; kommt, laßt uns ihn töten und sein Erbe in Besitz nehmen.

39 Und sie nahmen ihn, warfen ihn aus dem Weinberge und töteten ihn.

40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt, was wird er jenen Ackerbauern tun?

41 Sie sagen zu Ihm: Er wird jene Bösewichter übel verderben, und den Weinberg wird er an andere Ackerbauer austun, die ihm die Früchte zu ihren Zeiten abgeben werden.

42 Spricht Jesus zu ihnen: Habt ihr nie in den Schriften gelesen: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein geworden; dieses ist vom Herrn geschehen, und es ist wunderbar in unsern Augen?"

43 Deswegen sage Ich euch: Das Reich Gottes wird von euch weggenommen und einer Nation gegeben werden, welche dessen Früchte bringen wird.

44 Und wer auf diesen Stein fällt, wird zerschmettert werden; Den aber, auf welchen er fällt, wird er zermalmen.

45 Und als die Hohenpriester und Pharisäer Seine Gleichnisse gehört hatten, erkannten sie, daß Er von ihnen rede.

46 Und sie suchten Ihn zu greifen, fürchteten aber die Volksmenge, denn sie hielt Ihn für einen Propheten. -

Kapitel 22.

1 Und Jesus antwortete und redete wiederum zu ihnen in Gleichnissen, sagend:

2 Das Königreich der Himmel ist verglichen worden einem Könige, der seinem Sohne Hochzeit machte.

3 Und er schickte seine Knechte aus, um die Geladenen zur Hochzeit zu rufen, und sie wollten nicht kommen.

4 Wiederum schickte er andere Knechte aus, sprechend: Saget den Geladenen, siehe! mein Mahl habe ich zugerichtet, meine Ochsen und mein Mastvieh sind geschlachtet, und Alles ist bereit; - kommt zur Hochzeit!

5 Sie aber achteten es nicht und gingen weg; der Eine auf seinen Acker, der Andere an seinen Handel.

6 Die Übrigen aber griffen seine Knechte, beschimpften und töteten sie.

7 Als es aber der König hörte, erzürnte er. Und er sandte seine Heere aus, brachte jene Mörder um, und steckte ihre Stadt in Brand.

8 Dann sagt er zu seinen Knechten: Die Hochzeit ist zwar bereit; aber die Geladenen waren nicht würdig.

9 So gehet denn hin auf die Kreuzwege der Landstraßen, und so Viele ihr immer findet, ladet zur Hochzeit!

10 Und jene Knechte gingen aus auf die Landstraßen, und brachten zusammen Alle, so Viele sie fanden, sowohl Schlechte als auch Gute. - Und die Hochzeit war mit Tischgästen gefüllt.

11 Als aber der König herein kam, die Tischgäste zu besehen, sah er daselbst einen Menschen, nicht bekleidet mit einem Hochzeitskleide.

12 Und er spricht zu ihm: Freund, wie bist du hier hereingekommen, da du doch kein Hochzeitskleid hast? Er aber verstummte.

13 Da sprach der König zu den Dienern: Bindet seine Füße und Hände; nehmt ihn und werft ihn in die äußere Finsternis, da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

14 Denn Viele sind Berufene, aber Wenige Auserwählte.

15 Zu der Zeit gingen die Pharisäer hin und hielten einen Rat, wie sie Ihn in der Rede in eine Falle lockten.

16 Und sie schickten ihre Jünger mit den Herodianern zu ihm, sagend: Lehrer, wir wissen, daß Du wahrhaftig bist, und den Weg Gottes in Wahrheit lehrest, und daß Du Dich um Niemanden kümmerst; denn Du achtest nicht das Ansehen der Menschen.

17 Sage uns nun, was denkest Du? Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder nicht?

18 Jesus aber, ihre Bosheit kennend, sprach: Was versuchet ihr Mich, Heuchler?

19 Zeigt Mir die Münze der Steuer! Sie aber brachten Ihm einen Denar.

20 Und Er sagt zu ihnen: Wessen ist dies Bild und die Aufschrift?

21 Sie sagen zu Ihm: Des Kaisers. Da spricht Er zu ihnen: So bezahlet denn dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!

22 Und als sie das hörten, verwunderten sie sich, und, Ihn verlassend, gingen sie weg.

23 An jenem Tage traten Sadducäer zu Ihm, welche sagen: es sei keine Auferstehung, und fragten Ihn,

24 sagend: Lehrer! Moses hat gesagt: Wenn Jemand stirbt und keine Kinder hat, so soll sein Bruder sein Weib nach dem Rechte der Verwandtschaft heiraten, und er soll seinem Bruder Samen erwecken.

25 Es waren aber bei uns sieben Brüder. Und der Erste verheiratete sich und starb. Und weil er keinen Samen hatte, hinterließ er sein Weib seinem Bruder.

26 Desgleichen auch der Zweite und der Dritte, bis auf den Siebenten.

27 Am letzten aber von Allen starb auch das Weib.

28 In der Auferstehung nun, wessen Weib unter den Sieben wird sie sein? denn Alle hatten sie.

29 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Ihr irret, weil ihr die Schriften nicht kennet, noch die Kraft Gottes;

30 denn in der Auferstehung heiraten sie nicht, noch werden sie verheiratet; sondern wie Engel Gottes sind sie im Himmel.

31 Was aber die Auferstehung der Toten betrifft, habt ihr nicht gelesen, was euch geredet ist von Gott, welcher spricht:

32 "Ich bin der Gott Abrahams und der Gott Isaaks und der Gott Jakobs?" Gott ist nicht der Gott der Toten, sondern der Lebendigen.

33 Und als die Volksmenge dies hörte, erstaunte sie über Seine Lehre.

34 Die Pharisäer aber, als sie hörten, daß Er die Sadducäer zum Schweigen gebracht hatte, versammelten sie sich allesamt.

35 Und Einer aus ihnen, ein Gesetzgelehrter, fragte, Ihn versuchend und sagend:

36 Lehrer! Welches ist das große Gebot in dem Gesetz?

37 Jesus aber sprach zu ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand."

38 Dieses ist das erste und das große Gebot.

39 Das zweite aber, ihm gleich, ist: "Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst."

40 An diesen zwei Geboten hangen das ganze Gesetz und die Propheten.

41 Als aber die Pharisäer zusammen waren, fragte sie Jesus,

42 sagend: Was denket ihr über den Christus? wessen Sohn ist Er? - Sie sagen zu Ihm: Des David.

43 Spricht Er zu ihnen: Wie nennt David Ihn denn im Geiste "Herr", sagend:

44 "Der Herr sprach zu Meinem Herrn: Setze Dich zu Meiner Rechten, bis Ich Deine Feinde zum Schemel Deiner Füße lege?"

45 Wenn also David Ihn "Herr" nennt, wie ist Er Sein Sohn?

46 Und Niemand konnte Ihm ein Wort antworten; noch wagte Jemand von jenem Tage an, Ihn ferner zu befragen.

Kapitel 23.

1 Zu der Zeit redete Jesus zu der Volksmenge und zu Seinen Jüngern,

2 sagend: Die Schriftgelehrten und die Pharisäer haben sich auf den Stuhl Mosis gesetzt.

3 Alles nun, was sie euch irgendwie sagen zu halten, das haltet und tut. Nach ihren Werken aber tut nicht; denn sie sagen, und tun es nicht.

4 Denn sie binden schwere und schwer zu tragende Lasten, und legen sie auf die Schultern der Menschen; aber mit ihrem eigenen Finger wollen sie dieselben nicht bewegen.

5 Alle ihre Werke aber tun sie, um sich vor den Menschen sehen zu lassen. Sie machen aber ihre Denkzettel breit, und die Säume ihrer Kleider groß;

6 und sie lieben den ersten Platz bei den Mahlzeiten, und die ersten Sitze in den Synagogen,

7 und die Grüße auf den Märkten, und von den Menschen "Rabbi, Rabbi" genannt zu werden.

8 Ihr aber, lasset ihr euch nicht "Rabbi" nennen; denn Einer ist euer Lehrmeister, der Christus; ihr Alle aber seid Brüder.

9 Ihr sollt auch niemand auf der Erde euren Vater nennen; denn Einer ist euer Vater, der in den Himmeln ist.

10 Werdet auch nicht Lehrmeister genannt, denn Einer ist euer Lehrmeister: der Christus.

11 Der Größere unter euch soll euer Diener sein.

12 Jeder aber, der sich selbst erhöhen wird, wird erniedrigt werden; und Jeder, der sich selbst erniedrigen wird, wird erhöht werden.

13 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! weil ihr das Königreich der Himmel vor den Menschen verschließet; denn ihr gehet nicht ein, noch lasset ihr die Eingehenden eingehen.

14 Wehe aber euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! denn ihr verschlinget die Häuser der Witwen und haltet zum Vorwand lange Gebete; deswegen werdet ihr schwereres Gericht empfangen.

15 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! denn ihr umziehet das Meer und das Trockene, um Einen Proselyten zu machen; und wenn er es geworden, macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, zwiefältig mehr, als ihr seid.

16 Wehe euch, blinde Leiter! die ihr saget: Jedweder, welcher bei dem Tempel schwört, das ist nichts; Jedweder aber, welcher bei dem Golde des Tempels schwört, der ist schuldig.

17 Narren und Blinde! Denn was ist größer, das Gold oder der Tempel, der das Gold heiligt?

18 Und: Jedweder, der bei dem Altar schwört, das ist nichts; Jedweder aber, der bei der Gabe schwört, welche darauf ist, der ist schuldig.

19 Narren und Blinde! Denn was ist größer, die Gabe oder der Altar, der die Gabe heiligt?

20 Wer nun bei dem Altar schwört, der schwört bei demselben und bei Allem, was darauf ist.

21 Und wer bei dem Tempel schwört, der schwört bei demselben und bei Dem, der darinnen wohnt.

22 Und wer bei dem Himmel schwört, der schwört bei dem Throne Gottes, und bei Dem, der darauf sitzt.

23 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr verzehntet die Krausemünze und den Anis und den Kümmel, und lasset die wichtigern Dinge des Gesetzes dahinten: das Gericht, und die Barmherzigkeit, und den Glauben. Dieses sollte man tun und Jenes nicht lassen.

24 Blinde Leiter! die ihr die Mücke seiget, das Kamel aber verschlucket.

25 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr reiniget das Äußere des Bechers und der Schüssel, inwendig aber sind sie voll von Raub und Ungerechtigkeit.

26 Blinder Pharisäer! Reinige zuerst das Inwendige des Bechers und der Schüssel, damit auch das Auswendige derselben rein werde.

27 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr gleichet übertünchten Gräbern, die zwar von außen schön aussehen, inwendig aber sind sie voll Totengebeine und aller Unreinigkeit.

28 Also scheinet auch ihr von außen zwar vor den Menschen gerecht; von innen aber seid ihr voll Heuchelei und Gesetzlosigkeit.

29 Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! Denn ihr bauet die Gräber der Propheten und schmücket die Grabmäler der Gerechten,

30 und saget: Wären wir in den Tagen unserer Väter gewesen, so wären wir an dem Blute der Propheten nicht ihre Teilhaber gewesen.

31 Und so gebt ihr euch selbst Zeugnis, daß ihr Söhne Derer seid, welche die Propheten ermordet haben.

32 Und ihr, erfüllet das Maß eurer Väter!

33 Schlangen, Otternbrut! wie mögt ihr vor dem Gericht der Hölle entfliehen?

34 Deswegen siehe! Ich sende zu euch Propheten und Weise und Schriftgelehrte; und Etliche von ihnen werdet ihr töten und kreuzigen, und Etliche von ihnen werdet ihr in euren Synagogen geißeln und werdet sie von Stadt zu Stadt verfolgen;

35 daß alles gerechte Blut, vergossen auf der Erde, auf euch komme, von dem Blute Abels, des Gerechten, an, bis zum Blut des Zacharia, des Sohnes Barachiä, den ihr zwischen dem Tempel und dem Altar ermordet habt.

36 Wahrlich, Ich sage euch: Alles Dieses wird auf dieses Geschlecht kommen.

37 Jerusalem, Jerusalem! die du die Propheten tötest und Die, welche zu dir gesandt sind, steinigst, wie oft habe Ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne ihre Küchlein unter ihre Flügel versammelt, und ihr habt nicht gewollt.

38 Siehe! es wird euch euer Haus wüste gelassen.

39 Denn Ich sage euch: Ihr werdet Mich von jetzt an nicht sehen, bis ihr sagt: "Gesegnet, der da kommt im Namen des Herrn!"

Kapitel 24.

1 Und Jesus trat heraus und ging von dem Tempel weg; und Seine Jünger traten herzu, um Ihm die Gebäude des Tempels zu zeigen.

2 Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet ihr nicht alle diese Dinge? Wahrlich, Ich sage euch: es wird hier nicht ein Stein auf dem andern gelassen werden, der nicht abgebrochen werden wird.

3 Als Er aber auf dem Ölberge saß, traten Seine Jünger zu Ihm besonders, sagend: Sage uns, wann dies geschehen wird? und was das Zeichen Deiner Ankunft und der Vollendung des Zeitalters sein wird?

4 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch Niemand verführe!

5 Denn Viele werden unter Meinem Namen kommen, sagend: Ich bin der Christus! - und sie werden Viele verführen.

6 Ihr werdet von Kriegen und Kriegsgerüchten hören; sehet, daß ihr nicht verstört werdet; denn dies Alles muß geschehen; aber das Ende ist noch nicht da.

7 Denn es wird sich Nation wider Nation, und Königreich wider Königreich erheben, und es werden Hungersnot und Seuchen und Erdbeben an verschiedenen Orten sein.

8 Dieses Alles aber ist der Anfang der Wehen.

9 Dann werden sie euch in Drangsal über liefern und euch töten, und ihr werdet von allen Nationen gehasset werden um Meines Namens willen.

10 Und dann werden Viele geärgert werden, und werden einander überliefern, und werden einander hassen.

11 Und viele falsche Propheten werden aufstehen und Viele verführen.

12 Und wegen des Überhandnehmens der Gesetzlosigkeit wird die Liebe Vieler erkalten.

13 Wer aber bis an´s Ende ausharrt, - dieser wird errettet werden.

14 Und dieses Evangelium des Reiches wird auf dem ganzen Erdkreise gepredigt werden allen Nationen zu einem Zeugnisse; - und dann wird das Ende kommen.

15 Wenn ihr nun den Gräuel der Verwüstung, wovon durch Daniel, den Propheten, geredet ist, sehen werdet, stehend an heiligem Orte, (wer es lieset, der beachte es,)

16 daß alsdann die, welche in Judäa sind, auf das Gebirge fliehen,

17 wer auf dem Hause ist, nicht herab steige, um die Dinge aus seinem Hause zu holen;

18 und wer auf dem Felde ist, nicht zurück kehre, um seine Kleider zu holen.

19 Wehe aber den Schwangeren und den Säugenden in jenen Tagen.

20 Betet aber, auf daß eure Flucht nicht im Winter, noch am Sabbath geschehe;

21 denn alsdann wird eine große Drangsal sein, wie sie von Anfang der Welt, bis jetzt nicht gewesen ist, und auch nicht werden wird.

22 Und würden jene Tage nicht verkürzt werden, so würde kein Fleisch gerettet werden; doch um der Auserwählten willen werden jene Tage verkürzt werden.

23 Wenn alsdann Jemand zu euch sagen möchte: Siehe, hier der Christus! oder: Hier! - glaubet nicht.

24 Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen, und werden große Zeichen geben und Wunder, so daß sie, wenn möglich, selbst die Auserwählten verführen würden.

25 Siehe, Ich habe es euch zuvor gesagt!

26 Wenn sie also zu euch sagen: "Siehe! Er ist in der Wüste!" - gehet nicht hinaus; - "siehe! in den Gemächern!" - glaubet nicht.

27 Denn gleich wie der Blitz ausfährt vom Aufgang und scheinet bis zum Niedergang, also wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.

28 Denn wo irgend das Aas ist, da werden die Adler versammelt werden.

29 Alsbald aber, nach der Drangsal jener Tage wird die Sonne verfinstert werden, und der Mond wird seinen Schein nicht geben, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden erschüttert werden.

30 Und dann wird das Zeichen des Sohnes des Menschen in dem Himmel erscheinen; und dann werden alle Stämme des Landes wehklagen, und sie werden den Sohn des Menschen sehen, kommend auf den Wolken des Himmels mit Macht und vieler Herrlichkeit.

31 Und Er wird Seine Engel senden mit großem Posaunenschall, und sie werden versammeln Seine Auserwählten von den vier Winden, von den äußersten Enden der Himmel, bis zu ihren äußersten Enden.

32 Lernet aber vom Feigenbaume das Gleichnis: Wenn sein Zweig schon weich geworden und das Laub hervor treibt, so wisset ihr, daß der Sommer nahe ist.

33 Also auch ihr; wenn ihr alles Dieses sehet, wisset, daß es nahe an den Türen ist.

34 Wahrlich, Ich sage euch: Dieses Geschlecht wird nicht vergehen, bis alles Dieses geschehen ist.

35 Der Himmel und die Erde werden vergehen; Meine Worte aber vergehen nicht.

36 Von jenem Tage aber und jener Stunde weiß Niemand, selbst nicht die Engel der Himmel, sondern Mein Vater allein.

37 Aber gleichwie die Tage Noahs, also wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.

38 Denn gleichwie sie in den Tagen vor der Sündflut waren: essend und trinkend, heiratend und verheiratend, bis an den Tag, wo Noah in den Kasten einging;

39 und sie es nicht erkannten, bis die Sündfluth kam, und sie Alle hinwegnahm, - so wird auch die Ankunft des Sohnes des Menschen sein.

40 Dann werden zwei in dem Felde sein; - der Eine wird genommen, und der Andere gelassen.

41 Zwei werden in der Mühle mahlen; - die Eine wird genommen, die Andere gelassen.

42 Wachet also, denn ihr wisset nicht, zu welcher Stunde euer Herr kommt.

43 Jenes aber erkennet: daß, wenn der Hausherr gewußt hätte, in welcher Wache der Dieb komme, so würde er wohl gewacht und nicht erlaubt haben, daß sein Haus durchgegraben würde.

44 Deshalb auch ihr, seid bereit! Denn zu einer Stunde, die ihr nicht meinet, kommt der Sohn des Menschen.

45 Wer ist nun der getreue und kluge Knecht, den sein Herr über sein Gesinde gesetzt hat, um ihnen zu rechter Zeit die Speise zu geben?

46 Glückselig jener Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, also tuend finden wird.

47 Wahrlich, Ich sage euch: er wird ihn über seine ganze Habe setzen.

48 Wenn aber jener böse Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr verzieht zu kommen! –

49 und wird anfangen, seine Mitknechte zu schlagen, und wird essen und trinken mit den Trunkenen, -

50 so wird der Herr jenes Knechts an einem Tage kommen, wo er es nicht erwartet, und in einer Stunde, die er nicht weiß,

51 und wird ihn zerschneiden und ihm seinen Teil setzen mit den Heuchlern, da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

Kapitel 25.

1 Zu der Zeit wird das Königreich der Himmel verglichen werden zehn Jungfrauen, welche ihre Lampen nahmen und ausgingen dem Bräutigam entgegen.

2 Fünf aber von ihnen waren klug und fünf töricht.

3 Die, welche töricht waren, nahmen ihre Lampen, und nahmen kein Öl mit sich.

4 Die Klugen aber nahmen Öl in ihren Gefäßen mit ihren Lampen.

5 Als aber der Bräutigam verzog, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.

6 Um Mitternacht aber ward ein Geschrei: Siehe, der Bräutigam kommt; gehet aus ihm entgegen!

7 Da standen jene Jungfrauen alle auf und schmückten ihre Lampen.

8 Die Törichten aber sprachen zu den Klugen: Gebet uns von eurem Öl, denn unsere Lampen verlöschen.

9 Die Klugen aber antworteten, sagend: Nein, weil es für uns und euch nicht ausreichen möchte; gehet vielmehr zu den Krämern hin und kaufet für euch selbst.

10 Als sie aber weggingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die, welche bereit waren, gingen mit ihm ein zu der Hochzeit; und die Tür ward verschlossen.

11 Später aber kommen auch die andern Jungfrauen, sagend: Herr, Herr! Tue uns auf!

12 Er aber antwortete und sprach: Wahrlich, ich sage euch, ich kenne euch nicht!

13 Wachet also! denn ihr wisset weder den Tag, noch die Stunde.

14 Denn gleichwie ein Mensch, der außer Landes reiste, seine eigenen Knechte rief, und ihnen seine Habe übergab.

15 Und Einem gab er fünf Talente, Einem aber zwei, Einem aber eins; einem Jeglichen nach seiner eigenen Fähigkeit. Und er reiste alsbald außer Landes.

16 Der aber, welcher die fünf Talente empfangen hatte, ging hin und handelte damit, und erwarb andere fünf Talente.

17 Desgleichen auch, der die zwei hatte; auch er gewann andere zwei.

18 Der aber das eine empfangen hatte, ging weg, grub in die Erde und verbarg das Geld seines Herrn.

19 Nach langer Zeit aber kommt der Herr jener Knechte und hält Rechnung mit ihnen.

20 Und es trat der herzu, welcher die fünf Talente empfangen hatte, und brachte fünf andere Talente, sagend: Herr! Fünf Talente hast du mir übergeben; siehe! fünf andere Talente habe ich dazu gewonnen.

21 Sein Herr sprach zu ihm: Wohl, du guter und treuer Knecht! Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen; gehe ein in die Freude deines Herrn!

22 es trat aber auch herzu, der die zwei Talente empfangen hatte, und sprach: Herr! Zwei Talente hast du mir übergeben; siehe! andere zwei Talente habe ich dazu gewonnen.

23 Sein Herr sprach zu ihm: Wohl, du guter und treuer Knecht! Über Weniges warst du treu, über Vieles werde ich dich setzen; gehe ein in die Freude deines Herrn!

24 Es trat aber auch der herzu, welcher das eine Talent empfangen hatte, und sprach: Herr! Ich kannte dich, daß du ein harter Mann bist, der du erntest, wo du nicht gesät hast, und sammelst, wo du nicht ausgestreut hast;

25 und ich fürchtete mich, und ging hin und verbarg dein Talent in der Erde. Siehe! Du hast das Deine.

26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu ihm: Du böser und fauler Knecht! Du wußtest, daß ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und sammle, wo ich nicht ausgestreut habe?

27 So solltest du denn mein Geld den Wechslern gegeben haben; und wenn ich kam, hätte ich das Meine mit Wucher erhalten.

28 Nehmet nun das Talent von ihm, und gebet es dem, der die zehn Talente hat;

29 denn Jedem, der hat, wird gegeben werden, und er wird Überfluß haben; von Dem aber, der nicht hat, von ihm wird selbst, was er hat, genommen werden.

30 Und den unnützen Knecht werfet hinaus in die äußere Finsternis; da wird das Weinen und das Zähneknirschen sein.

31 Wenn aber der Sohn des Menschen kommt in Seiner Herrlichkeit und alle heiligen Engel mit Ihm, dann wird Er auf dem Throne Seiner Herrlichkeit sitzen;

32 und alle Nationen werden vor Ihm versammelt werden, und Er wird sie von einander scheiden, gleichwie der Hirte die Schafe von den Böcken scheidet.

33 Und Er wird die Schafe zu Seiner Rechten stellen; die Böcke aber zu Seiner Linken.

34 Dann wird der König denen zu Seiner Rechten sagen: Kommet her, Gesegnete Meines Vaters; ererbet das Reich, das euch von Gründung der Welt an bereitet ist!

35 Denn ich hungerte, und ihr gabt Mir zu essen; Ich dürstete, und Ihr tränktet Mich; Ich war fremd, und ihr nahmt Mich auf,

36 nackt, und ihr bekleidetet Mich; Ich war krank, und Ihr besuchtet Mich; Ich war im Gefängnis, und ihr kamet zu Mir.

37 Dann werden Ihm die Gerechten antworten, sagend: Herr! Wann sahen wir Dich hungernd, und speisten Dich? oder dürstend, und tränkten Dich?

38 Wann aber sahen wir Dich fremd, und nahmen Dich auf? oder nackt, und bekleideten Dich?

39 Wann aber sahen wir Dich krank, oder im Gefängnis, und kamen zu Dir?

40 Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, Ich sage euch: Insofern ihr dieses einem der Geringsten dieser Meiner Brüder getan habt, habt ihr es Mir getan.

41 Dann wird Er auch denen zu seiner Linken sagen: Gehet von Mir, Verfluchte! in das ewige Feuer, bereitet dem Teufel und seinen Engeln.

42 Denn Ich hungerte, und ihr gabt Mir nichts zu essen; Ich dürstete, und ihr tränktet Mich nicht;

43 Ich war fremd, und ihr nahmet Mich nicht auf; nackt, und ihr bekleidetet Mich nicht; krank, und im Gefängnis, und ihr besuchtet Mich nicht.

44 Dann werden auch sie Ihm antworten, sagend: Herr! Wann sahen wir Dich hungernd, oder dürstend, oder fremd, oder nackt, oder krank, oder im Gefängnis, und haben Dich nicht bedient?

45 Dann wird Er ihnen antworten, sagend: Wahrlich, Ich sage euch: Insofern ihr es einem dieser Geringsten nicht getan, habt ihr es auch Mir nicht getan.

46 Und diese werden hingehen in die ewige Pein; die Gerechten aber in das ewige Leben.

Kapitel 26.

1 Und es begab sich, als Jesus alle diese Reden vollendet hatte, sprach Er zu Seinen Jüngern:

2 Ihr wißt, daß nach zwei Tagen das Passah ist; und der Sohn des Menschen wird überliefert, um gekreuzigt zu werden.

3 Da versammelten sich die Hohenpriester und die Schriftgelehrten und die Ältesten des Volks an den Hof des Hohenpriesters, der Kajaphas hieß.

4 Und sie hielten Rat, auf daß sie Jesum mit List griffen und Ihn töteten.

5 Sie sagten aber: Nicht auf dem Feste, damit nicht ein Aufruhr unter dem Volke entstehe.

6 Als aber Jesus zu Bethanien im Hause Simons, des Aussätzigen, war,

7 trat ein Weib zu Ihm, die ein Alabaster-Fläschchen mit sehr kostbarer Salbe hatte, und sie goß es, als Er zu Tische lag, auf Sein Haupt aus.

8 Als es aber Seine Jünger sahen, wurden sie unwillig, sagend: Wozu diese Verschwendung?

9 Denn Dieses hätte um Vieles verkauft und den Armen gegeben werden können.

10 Aber Jesus es wissend, sprach zu ihnen: Was macht ihr dem Weibe Mühe? denn sie hat ein gutes Werk an Mir getan;

11 denn die Armen habt ihr allezeit bei euch; Mich aber habt ihr nicht allezeit.

12 Denn indem sie diese Salbe über Meinen Leib geschüttet, hat sie es zu Meinem Begräbnis getan.

13 Wahrlich, Ich sage euch, wo irgend in der ganzen Welt dieses Evangelium gepredigt wird, wird auch zu ihrem Andenken gesagt werden, was diese getan hat.

14 Da ging Einer von den Zwölfen, genannt Judas, der Iskariot, hin zu den Hohenpriestern

15 und sprach: Was wollt ihr mir geben, und ich werde Ihn euch überliefern? Sie aber stellten ihm dreißig Silberlinge fest.

16 Und von da an suchte er Gelegenheit, um Ihn zu überliefern.

17 An dem ersten Tage der ungesäuerten Brote aber traten die Jünger zu Jesu, zu Ihm sagend: Wo willst Du, daß wir Dir das Passah zu essen bereiten?

18 Er aber sprach: Gehet in die Stadt zu Dem und Dem, und saget zu ihm: Der Lehrer sagt: Meine Zeit ist nahe; bei dir halte Ich mit Meinen Jüngern das Passah.

19 Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen, und bereiteten das Passah.

20 Als es aber Abend geworden war, legte Er Sich mit den Zwölfen zu Tische.

21 Und während sie aßen, sprach Er: Wahrlich, Ich sage euch: Einer von euch wird Mich überliefern.

22 Und sie wurden sehr betrübt, und fingen ein Jeder von ihnen an, zu Ihm zu sagen: Herr! Bin ich´s?

23 Er aber antwortete und sprach: Der mit Mir die Hand in die Schüssel eintaucht, Dieser wird Mich überliefern.

24 Der Sohn des Menschen geht zwar hin, wie von Ihm geschrieben ist; wehe aber jenem Menschen, durch welchen der Sohn des Menschen überliefert wird. Gut wäre es ihm, wenn jener Mensch nicht geboren wäre.

25 Judas aber, der Ihn überlieferte, antwortete und sprach: Bin ich´s Rabbi? Er spricht zu ihm: Du hast es gesagt!

26 Während sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, segnete, brach und gab es den Jüngern, und sprach: Nehmet, esset! Dies ist Mein Leib.

27 Und Er nahm den Kelch und dankte, und gab ihnen denselben, sagend: Trinket Alle daraus!

28 Denn dies ist Mein Blut des neuen Bundes, das für Viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.

29 Ich sage euch aber: Ich werde von jetzt an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken, bis an jenem Tage, wann Ich es neu trinken werde mit euch in dem Reiche Meines Vaters.

30 Und als sie ein Loblied gesungen hatten, gingen sie hinaus nach dem Ölberg.

31 Da spricht Jesus zu ihnen: Ihr werdet euch Alle in dieser Nacht an Mir ärgern; denn es steht geschrieben: "Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden zerstreut werden."

32 Nachdem Ich aber auferstanden sein werde, will Ich vor euch nach Galiläa gehen.

33 Petrus aber antwortete und sprach zu Ihm: Wenn sich Alle an Dir ärgern, ich werde mich niemals ärgern.

34 Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, Ich sage dir, daß du in dieser Nacht, ehe der Hahn krähet, Mich dreimal verleugnen wirst.

35 Spricht Petrus zu Ihm: Selbst wenn ich mit Dir sterben müßte, werde ich Dich nicht verleugnen. Desgleichen sprachen auch alle Jünger.

36 Da kommt Jesus mit ihnen an einen Ort, genannt Gethsemane, und spricht zu den Jüngern: Setzet euch hier, bis Ich hingehe und dort bete.

37 Und Er nahm mit Sich den Petrus, und die zwei Söhne Zebedäi, und fing an betrübt und beängstigt zu sein.

38 Dann spricht Er zu ihnen: Meine Seele ist sehr betrübt bis zum Tode; bleibet hier und wachet mit Mir!

39 Und Er ging ein wenig weiter und fiel auf Sein Angesicht, betend und sagend: Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an Mir vorüber; doch nicht, wie Ich will, sondern wie Du. –

40 Und Er kommt zu den Jüngern und findet sie schlafend, und spricht zu dem Petrus. Also nicht eine Stunde vermöget ihr mit Mir zu wachen?

41 Wachet und betet, damit ihr nicht in die Versuchung hineingehet; der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

42 Wiederum, zum zweiten Male ging Er hin und betete, sagend: Mein Vater, wenn dieser Kelch nicht von Mir vorübergehen kann, ohne daß Ich ihn trinke, so geschehe Dein Wille!

43 Und als Er kommt, findet Er sie wiederum schlafend; denn ihre Augen waren beschwert.

44 Und Er ließ sie, ging wiederum hin, betete zum dritten Male und sprach dasselbe Wort.

45 Dann kommt Er zu Seinen Jüngern und spricht zu ihnen: So schlafet denn fort und ruhet aus! Siehe! die Stunde ist nahe gekommen, und der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder überliefert.

46 Stehet auf, lasset und gehen; siehe! er ist nahe gekommen, der Mich überliefert.

47 Und als Er noch redete, siehe! da kam Judas, Einer der Zwölfe, und mit ihm eine große Volksmenge von den Hohenpriestern und Ältesten des Volks mit Schwertern und Stöcken.

48 Der aber, welcher Ihn überlieferte, gab ihnen ein Zeichen, sagend: Welchen ich küssen werde, der ist´s; Ihn greifet.

49 Und alsbald trat er zu Jesu und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi! und küßte Ihn viel.

50 Jesus aber sagte zu ihm: Freund, wozu bist du gekommen? Dann traten sie herzu und legten die Hände an Jesum und griffen Ihn.

51 Und siehe! Einer von denen, die mit Jesu waren, streckte die Hand aus, zog sein Schwert, und schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das Ohr ab.

52 Da spricht Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert wieder an seinen Ort; denn Alle, die das Schwert nehmen, werden durch´s Schwert umkommen.

53 Meinest du, daß Ich nicht jetzt Meinen Vater bitten kann, und Er mir mehr als zwölf Legionen Engel stellen wird?

54 Wie sollten denn die Schriften erfüllt werden, welche sagen, daß es also geschehen muß?

55 Zu jener Stunde sprach Jesus zu der Volksmenge: Seid ihr wie gegen einen Räuber ausgezogen, mit Schwertern und Stöcken, Mich zu fangen? Täglich saß Ich bei euch, lehrend im Tempel, und ihr griffet Mich nicht.

56 Dieses Alles aber ist geschehen, damit die Schriften der Propheten erfüllet würden. Da verließen Ihn die Jünger Alle und flohen.

57 Die aber Jesum gegriffen hatten, führten Ihn weg zu Kajaphas, dem Hohenpriester, wo die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt waren.

58 Petrus aber folgte Ihm von ferne bis an den Hof des Hohenpriesters; und in das Innere hineingehend, setzte er sich mit den Dienern, um das Ende zu sehen.

59 Die Hohenpriester aber und die Ältesten und das ganze Synedrium suchten falsches Zeugnis wider Jesum, um Ihn zu töten.

60 Und sie fanden keins. Und obschon viele falsche Zeugen herzukamen, fanden sie keins. Zuletzt aber traten zwei falsche Zeugen herzu

61 und sprachen: Dieser sagte: Ich kann den Tempel Gottes abbrechen und in dreien Tagen ihn aufbauen.

62 Und der Hohenpriester stand auf und sagte zu Ihm: Antwortest Du nichts? Was zeugen Diese wider Dich?

63 Jesus aber schwieg. Und es antwortete der Hohenpriester und sprach zu Ihm: Ich beschwöre Dich bei dem lebendigen Gott, daß Du uns sagest: ob Du der Christus seiest, der Sohn Gottes!

64 Spricht Jesus zu ihm: Du hast es gesagt. Doch sage Ich euch: Von jetzt an werdet ihr den Sohn des Menschen sehen, sitzend zur Rechten der Macht und kommend auf den Wolken des Himmels.

65 Da zerriß der Hohepriester seine Kleider, sagend: Er hat gelästert! Was bedürfen wir noch Zeugen! Siehe, jetzt habt ihr Seine Lästerung gehört.

66 Was dünket euch? Sie aber antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig!

67 Dann spieen sie Ihm in Sein Angesicht und gaben Ihm Faustschläge. Etliche aber gaben Ihm Backenstreiche,

68 sagend: Weissage uns, Christe! wer ist es, der Dich schlug?

69 Petrus aber saß draußen in dem Hofe; und es trat eine Magd zu ihm, sagend: Auch du warst mit Jesu, dem Galiläer.

70 Er aber leugnete vor Allen, sagend:

71 Ich weiß nicht, was du sagst. Als er aber in das Tor hinausging, sah ihn eine andere, und sie sagt zu denen, die da waren: Auch dieser war mit Jesu, dem Nazaräer.

72 Und wiederum leugnete er mit einem Schwur: Ich kenne den Menschen nicht!

73 Kurz nachher aber traten die Dastehenden hinzu und sagten zu dem Petrus: Wahrhaftig, auch du bist von ihnen, denn selbst deine Sprache macht dich offenbar.

74 Da fing er an zu fluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht! - Und alsbald krähte der Hahn.

75 Und Petrus erinnerte sich der Rede Jesu, als Er zu ihm sagte: Bevor der Hahn kräht, wirst du Mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Kapitel 27.

1 Als es aber Morgen geworden, hielten alle Hohenpriester und die Ältesten des Volks einen Rat wider Jesum, um Ihn zu töten.

2 Und nachdem sie Ihn gebunden hatten, führten sie Ihn weg und überlieferten Ihn dem Pontius Pilatus, dem Landpfleger.

3 Als nun Judas, der Ihn überliefert hatte, sah, daß Er verurteilt ward, da gereute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern und den Ältesten zurück,

4 sagend: Ich habe gesündigt, daß ich schuldloses Blut überliefert habe. Sie aber sagten: Was geht das uns an? siehe du zu.

5 Und er warf die Silberlinge in dem Tempel nieder und machte sich davon, und er ging hin und erhenkte sich.

6 Die Hohenpriester aber nahmen die Silberlinge und sprachen: Es ist nicht erlaubt, sie in den Korban zu werfen, denn es ist Blutgeld.

7 Sie hielten aber einen Rat, und kauften dafür den Acker des Töpfers zu einer Begräbnisstätte für Fremde.

8 Deswegen ist jener Acker "Blutacker" geheißen, bis auf den heutigen Tag.

9 Da ist erfüllt worden, was durch den Propheten Jeremias geredet ist, sagend: "Und ich nahm die dreißig Silberlinge, den Preis des Geschätzten, wofür die von den Kindern Israel Ihn schätzten;

10 und sie gaben sie für den Acker des Töpfers, wie mir der Herr befohlen hat."

11 Jesus aber stand vor dem Landpfleger. Und der Landpfleger fragte Ihn, sagend: Bist Du der König der Juden? Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst es.

12 Und als Er vor den Hohenpriestern und Ältesten beschuldigt ward, antwortete Er nichts.

13 Da sagt Pilatus zu Ihm: Hörest Du nicht, wie Vieles sie wider Dich zeugen?

14 Und Er antwortete ihm auch nicht auf ein einziges Wort, so daß der Landpfleger sich sehr verwunderte.

15 Auf dem Fest aber war der Landpfleger gewohnt, der Volksmenge einen Gefangenen frei zu geben, welchen sie wollte.

16 Sie hatten aber damals einen berüchtigten Gegangenen, Namens Barabbas.

17 Als sie nun versammelt waren, sprach Pilatus zu ihnen: Wen wollt ihr, daß ich euch losgeben soll? Barabbas oder Jesum, genannt Christus?

18 denn er wußte, daß sie Ihn aus Neid überliefert hatten.

19 Während er aber auf dem Richterstuhl saß, sandte sein Weib zu ihm, sagend: Habe du nichts zu schaffen mit jenem Gerechten; denn ich habe heute viel im Traume um Seinetwillen gelitten.

20 Die Hohenpriester aber und die Ältesten überredeten die Volksmenge, daß sie um den Barabbas bäten, Jesum aber umbrächten.

21 Der Landpfleger aber antwortete und sprach zu ihnen: Welchen von den Beiden wollt ihr, daß ich euch losgebe? Sie aber sagten: Den Barabbas.

22 Spricht Pilatus zu ihnen: Was soll ich denn mit Jesu, genannt Christus, tun? Sie sagen Alle zu ihm: Er werde gekreuzigt!

23 Der Landpfleger aber sagte: Was hat Er denn Böses getan? Sie aber schrieen übermäßig, sagend: Er werde gekreuzigt.

24 Als aber Pilatus sah, daß er nichts ausrichtete, sondern vielmehr ein Tumult entsteht, nahm er Wasser, wusch seine Hände vor dem Volke, sagend: Ich bin schuldlos an dem Blute dieses Gerechten, sehet ihr zu.

25 Und das ganze Volk antwortete und sprach: Sein Blut über uns und über unsere Kinder!

26 Da gab er ihnen den Barabbas los, Jesum aber ließ er geißeln, und überlieferte Ihn, auf daß Er gekreuzigt würde.

27 Dann nahmen die Kriegsknechte des Landpflegers Jesum mit sich zum Prätorium, und versammelten über Ihn die ganze Schar.

28 Und sie zogen Ihn aus und legten Ihm einen Purpurmantel um.

29 Und sie flochten eine Krone von Dornen und setzten sie Ihm auf Sein Haupt, und ein Rohr in Seine Rechte. Und sie fielen vor Ihm auf die Kniee und verspotteten Ihn, sagend: Sei gegrüßt, König der Juden!

30 Und sie spieen Ihn an, nahmen das Rohr und schlugen auf Sein Haupt.

31 Und als sie Ihn verspottet hatten, zogen sie Ihm den Mantel aus und zogen Ihm Seine eigenen Kleider an, und sie führten Ihn weg, um Ihn zu kreuzigen.

32 Als sie aber hinausgingen, fanden sie einen Menschen von Cyrene, Namens Simon; diesen zwangen sie, daß er Sein Kreuz trug.

33 Und als sie kamen an den Ort, genannt Golgatha, das ist genannt Schädelstätte,

34 gaben sie Ihm Essig mit Galle vermischt zu trinken, und als Er es schmeckte, wollte Er nicht trinken.

35 Als sie Ihn aber gekreuzigt hatten, verteilten sie Seine Kleider, das Los werfend.

36 Und sie saßen und bewachten Ihn daselbst.

37 Und sie hefteten oben über Seinem Haupte Seine Beschuldigung, geschrieben: Dieser ist Jesus, der König der Juden.

38 Dann werden zwei Räuber mit Ihm gekreuzigt, einer zur Rechten und einer zur Linken.

39 Die aber, welche vorüber gingen, lästerten Ihn; schüttelten ihre Köpfe

40 und sagten: Der Du den Tempel abbrichst und in drei Tagen aufbauest, rette Dich selbst! Wenn Du Gottes Sohn bist, so steige vom Kreuze herab.

41 Desgleichen aber verspotteten Ihn auch die Hohenpriester, samt den Schriftgelehrten und Ältesten, und sagten:

42 Andere hat Er gerettet, Sich Selbst kann Er nicht retten. Wenn Er Israels König ist, so steige Er jetzt vom Kreuze herab, und wir wollen Ihm glauben.

43 Er vertraute auf Gott, der rette Ihn jetzt, wenn Er ihn will; denn Er sagte: Ich bin Gottes Sohn.

44 Auf dieselbe Weise schmähten Ihn auch die Räuber, die mit Ihm gekreuzigt waren.

45 Aber von der sechsten Stunde an ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde.

46 Aber um die neunte Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme, sagend: "Eli, Eli, Lama, Sabachthani? - Das ist: Mein Gott! Mein Gott! warum hast Du Mich verlassen?"

47 Als Etliche aber von denen, die da standen, es hörten, sagten sie: Dieser ruft den Elias!

48 Und alsbald lief Einer von ihnen und nahm einen Schwamm, füllte ihn mit Essig und steckte ihn auf ein Rohr und tränkte Ihn.

49 Die Übrigen aber sagten: Halt, laßt uns sehen, ob Elias kommt, Ihn zu retten.

50 Jesus aber schrie abermals mit lauter Stimme und gab den Geist auf. –

51 Und siehe! Der Vorhang des Tempels zerriß in zwei Stücke, von oben an bis unten aus. Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen,

52 und die Gräber wurden aufgetan, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt,

53 und sie gingen nach Seiner Auferweckung aus den Gräbern, und gingen in die heilige Stadt und erschienen Vielen.

54 Als aber der Hauptmann und die, welche mit ihm Jesum bewachten, das Erdbeben sahen und das, was geschah, fürchteten sie sich sehr, sagend: Wahrlich, Dieser war Gottes Sohn!

55 Es waren daselbst viele Weiber, die von ferne zusahen, welche Jesu von Galiläa gefolgt waren und Ihm gedient hatten;

56 unter welchen war Maria Magdalena, und Maria, die Mutter Jakobi und Josis, und die Mutter der Söhne Zebedäi.

57 Als es aber Abend geworden war, kam ein reicher Mann von Arimathia, Namens Joseph, welcher auch ein Jünger Jesu war.

58 Dieser ging hin zu dem Pilatus und bat um den Leib Jesu. Da befahl Pilatus, daß der Leib übergeben würde.

59 Und Joseph nahm den Leib und wickelte ihn in reine Leinwand.

60 Und er legte ihn in seine neue Gruft, welche er in dem Felsen ausgehauen hatte; und er wälzte einen großen Stein vor die Tür der Gruft, und ging weg.

61 Es waren aber daselbst Maria Magdalena und die andere Maria, dem Grabe gegenüber sitzend.

62 Aber an dem folgenden Tage, welcher nach dem Rüsttag ist, kamen die Hohenpriester und Pharisäer zusammen zu Pilatus,

63 sagend: Herr! wir haben uns erinnert, daß Jener Verführer, als Er noch lebte, sagte: Nach drei Tagen stehe Ich auf!

64 So befiehl nun, daß das Grab bis zum dritten Tage gesichert werde, damit nicht Seine Jünger kommen, Ihn stehlen, und dem Volke sagen: Er ist von den Toten auferstanden, - und die letzte Verführung ärger sein wird, als die erste.

65 Pilatus aber sprach zu ihnen: Ihr habt eine Wache; gehet hin, sichert es, wie ihr wisset.

66 Sie aber gingen hin, sicherten das Grab, indem sie den Stein versiegelten und eine Wache setzten.

Kapitel 28.

1 Aber spät am Ende des Sabbaths, in der Dämmerung des ersten Wochentages, kam Maria Magdalena und die andere Maria, um das Grab zu sehen.

2 Und siehe! da geschah ein großes Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam aus dem Himmel hernieder, trat hinzu, wälzte den Stein von der Türe und setzte sich oben darauf.

3 Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Kleid weiß wie Schnee.

4 Aber aus Furcht vor ihm bebten die Hüter und wurden wie tot.

5 Es antwortete aber der Engel und sprach zu den Weibern: Fürchtet ihr euch nicht! denn ich weiß, daß ihr Jesum, den Gekreuzigten, sucht.

6 Er ist nicht hier, denn Er ist auferstanden, wie Er sagte; kommet her, sehet die Stätte, wo der Herr lag;

7 und gehet eilend hin und saget Seinen Jüngern, daß Er von den Toten auferweckt ist. Und siehe! Er gehet vor euch hin nach Galiläa; daselbst werdet ihr Ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt! –

8 Und sie gingen schnell von der Gruft weg mit Furcht und großer Freude, und liefen, um es Seinen Jüngern zu erzählen.

9 Als sie aber hingingen, um es Seinen Jüngern zu erzählen, siehe! da kam auch Jesus ihnen entgegen, sagend: Seid gegrüßt! Sie aber traten herzu, umfaßten Seine Füße und huldigten Ihm.

10 Da spricht Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! gehet hin, verkündiget Meinen Brüdern, daß sie hingehen nach Galiläa, und daselbst werden sie Mich sehen.

11 Als sie aber hingingen, siehe! da kamen Etliche von der Wache in die Stadt und berichteten den Hohenpriestern Alles, was geschehen war.

12 Und sie versammelten sich mit den Ältesten und hielten einen Rat, und gaben den Soldaten viel Geld,

13 sagend: Sprechet: Seine Jünger sind bei der Nacht gekommen und stahlen Ihn, während wir schliefen.

14 Und wenn dieses dem Landpfleger zu Ohren kommt, werden wir ihn überreden, und machen, daß ihr ohne Sorge seid. –

15 Sie aber nahmen das Geld und taten, wie sie unterrichtet waren. Und diese Rede ist bei den Juden durchs Gerücht verbreitet worden bis auf den heutigen Tag.

16 Die elf Jünger aber gingen hin nach Galiläa an den Berg, wohin sie Jesus beschieden hatte.

17 Und als sie Ihn sahen, huldigten sie Ihm; Einige aber zweifelten.

18 Und Jesus trat herzu, und redete mit ihnen, sagend: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf der Erde.

19 Gehet also hin und machet alle die Nationen zu Jüngern, sie taufend auf den Namen des Vaters, und des Sohnes und des heiligen Geistes;

20 sie lehrend, zu bewahren Alles, was ich euch geboten habe. Und siehe! Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters. Amen.