1_u2_u3_Johannesbrief



Johannes, Der erste Brief des – Bibel-Lexikon

Dieser Brief wurde zweifellos nach den Briefen des Petrus und Paulus geschrieben. Moralisch gesehen haben Johannes‘ Schriften dort ihren Platz, wo die Kirche als Zeugnis gefehlt hat und die „letzten Tage" angebrochen sind. Die drei Briefe stehen zwischen dem Johannes-Evangelium und der Offenbarung. Das wahre Heilmittel aller Übel, von denen gesprochen wird, ist das Kommen des Herrn als der treue Zeuge.

Zum Ende des ersten Jahrhunderts hin war die Irrlehre aufgekommen, dass Christus keinen wirklichen Leib besessen habe - dass er nicht im Fleisch gekommen wäre. Diese Lehre wird in diesem Brief verurteilt. Andere behaupteten, dass in den bestehenden Lehren lediglich der Keim des Christentums zu finden sei, so dass eine Weiterentwicklung angestrebt werden müsse (ein Irrtum, der auch heute noch verbreitet ist). Der Apostel begegnet diesen Auffassungen, indem er auf dem beharrt, „was von Anfang an war" - die Offenbarung des Lebens in Christus selbst.

Die Hauptwahrheit dieses Briefs ist, dass das ewige Leben in der Person Christi vom Vater herab gekommen ist. Der Brief wurde geschrieben, damit

  1. die Freude der Gläubigen vollendet wird, und zwar durch die Gemeinschaft mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus mittels der inspirierten und apostolischen Offenbarungen (1. Joh 1,3-4). Er erhält diesen Zustand als der Sachwalter aufrecht.
  2. die Gläubigen nicht sündigen (1. Joh 2,1).
  3. die Gläubigen wissen, dass sie ewiges Leben besitzen, das in dem Sohn ist (1. Joh 5,13).

Der Brief zeigt die Dinge weitgehend in ihrem eigenen angemessenen Charakter und berührt nur ein wenig das, was in der Praxis davon abweichen mag. Dadurch enthält er Prüfsteine des Bekenntnisses.

Kapitel 1

Kapitel 1 zeigt das, was die Apostel gehört, gesehen und betrachtet hatten, „betreffend des Wort des Lebens", das in der Person des Sohnes Mensch geworden war. Es wurde in einem Menschen dargestellt. Das was beim Vater war, nämlich das ewige Leben, wurde auf diese Weise den Aposteln gezeigt, die den Gläubigen das, was sie gesehen und gehört hatten, berichteten, damit diese Gemeinschaft mit ihnen haben konnten und damit ihre Freude völlig wäre. Die Gemeinschaft der Apostel war mit dem Vater und seinem Sohn Jesus Christus. Aber sie kann nur im Licht genossen werden, dort wo auch die christliche Gemeinschaft untereinander genossen wird. Das Blut Christi ist hierbei die Grundlage von allem.

Kapitel 2

In Kapitel 2 wird erwähnt, was in Übereinstimmung mit dem Licht ist und was nicht. Das führt zu der Entfaltung der Sachwalterschaft des Herrn „Jesus, de[s] Gerechten" beim Vater und zu deren Auswirkungen in dem Fall, dass jemand gesündigt hat. Der Test, ob jemand Gott erkannt hat, ist das Halten seiner Gebote; die Liebe Gottes ist vollendet in dem, der Sein Wort hält. Aber dieses Gebot der Liebe ist kein neues Gebot; neu daran ist, dass es wahr in ihm und in seinen Jüngern ist. Sie befinden sich nun im Licht, weil Gott vollständig geoffenbart ist und sie in dem Licht dieser Offenbarung stehen. Derjenige, der seinen Bruder hasst, ist in der Finsternis.

Nun wird von verschiedenen Stufen des Wachstums bei Christen gesprochen, und zwar von Vätern, Jünglingen und Kindern. Das Charakteristische dieser Gruppen wird vorgestellt, zusammen mit gewissen, häufig vorherrschenden Gefahren, vor denen die Jünglinge und Kinder gewarnt werden. In 1. Johannes 2,12.28 bezieht sich der allgemeine Ausdruck „Kinder" auf alle Christen. Es sollte erwähnt werden, dass selbst die Kinder den Heiligen Geist besitzen, „die Salbung von dem Heiligen".

Kapitel 3

Kapitel 3 zeigt die Natur der christlichen Stellung und der Segnungen, welche die Liebe des Vaters gegeben hat. Darüber hinaus werden die gegenwärtigen Ergebnisse der Tatsache, dass man aus Gott geboren ist, aufgezeigt, nämlich die Anwendung von Gerechtigkeit und die Liebe zueinander. In diesen Dingen offenbaren sich die Kinder Gottes, während sich die Kinder des Teufels durch ihren Wandel in Sünde und durch Hass gegenüber ihren Brüdern davon unterscheiden. In Johannes‘ Briefen werden die Menschen in absoluter Weise gesehen, als entweder zur einen oder zur anderen Gruppe gehörend.

Jesus Christus wird sowohl bezüglich der Gerechtigkeit als auch im Hinblick auf die Liebe als das vollkommene Beispiel vorgestellt. Er wird hier als wahrhaftiger Gott gesehen, als der Eine, der kam, um die Werke des Teufels zu zerstören, und er hat auch für uns „sein Leben hingegeben". Er hat die Rechte Gottes, die durch die Sünde beeinträchtigt waren, völlig verteidigt, und er hat sogar bis zum Tod geliebt.

Kurz gesagt beschreibt dieses Kapitel einerseits, was die Gläubigen in der gegenwärtigen Beziehung vor Gott sind, wobei Christus selbst die Vollendung und der Maßstab all ihrer Segnungen ist. Andererseits wird eine Möglichkeit angegeben, wie überprüft werden kann, ob Christus in einem Menschen wohnt. In diesem Fall müsste sein Wesen in einem solchen Menschen zum Vorschein kommen.

In dem abschließenden Vers wird der Geist eingeführt in Verbindung mit dem sicheren Wissen, das die Gläubigen haben, dass Gott in ihnen bleibt. Sie wissen es nämlich durch den Geist.

Kapitel 4

Kapitel 4 bietet einen Test, um die Geister zu unterscheiden; und zwar besteht der Test in dem Bekenntnis von Jesus Christus als im Fleisch gekommen, ein Bekenntnis, das nur durch den Geist Gottes gegeben werden konnte. Es gab solche, die diese große Glaubensgrundlage leugneten und nach dem Geist der Welt redeten und dabei die Zustimmung der Welt besaßen. Aber Christen sind befähigt zu unterscheiden, was ihnen dargeboten wird. Danach wird gezeigt, dass diejenigen, die Gottes Liebe in so reichem Maße erfahren durften, sich auch untereinander lieben sollten. Die moralischen Wesenszüge Gottes, die in Christus gesehen wurden, werden jetzt in denen gesehen, die die Gegenstände seiner Liebe sind. Sie werden in dieser Welt sogar mit Christus gleichgesetzt, wie er ist, von dem sie in ihrer neuen Natur alles ableiten. Wer nicht liebt, kennt Gott nicht. Durch die gegenseitige Liebe erweisen sich die Gläubigen vor dieser Welt als Jünger Christi. In diesem Kapitel wird gesagt, dass wir wissen, „dass wir in ihm bleiben" (1. Joh 4,13), nicht bloß, dass er in uns bleibt (vgl. 1. Joh 3,24).

Kapitel 5

Kapitel 5 gibt einen Test an, durch den die Gläubigen wissen können, dass sie die Kinder Gottes lieben, nämlich dann, wenn sie Gott lieben und seine Gebote halten. Solche, die aus Gott geboren sind, erlangen den Sieg über die Welt; das sind solche, die glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist. Die Herrlichkeit der Person Christi drängt alles das, was dem natürlichen Menschen gefällt, in den Hintergrund. Dadurch sind sie von dem Einfluss der Welt befreit. Das führt den Apostel dazu, von dem ewigen Leben zu sprechen, das, wie er gezeigt hat, nicht in dem ersten Menschen, sondern in Gottes Sohn ist. „Wer den Sohn hat, hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, hat das Leben nicht." Das Wasser und das Blut zeigen, dass all dies mit Reinigung verbunden sein muss - Reinigung von allem, was moralisch gesehen dem ersten Menschen angehört. Der Geist beweist, dass das Leben nun in einem anderen Menschen ist. Hier ist der Geist „die Wahrheit", er bringt nämlich die Glaubenden in das Bewusstsein des ewigen Lebens, das in der Person des Sohnes Gottes objektiv dargestellt wurde. Die Christen werden durch den Geist - unter Anwendung des Todes auf den alten Menschen - in den gegenwärtigen Genuss des ewigen Lebens gebracht; er führt ihre Herzen in die himmlischen Dinge ein, in die der Sohn Gottes, der Mensch Jesus Christus, bereits eingegangen ist.

Der Brief schließt mit einer Art Zusammenfassung des christlichen Wissens gemäß der besonderen Sichtweise dieses Briefes. Die Christen kennen zunächst das Wesen des Eingeborenen Gottes. Dann wissen sie, dass sie aus Gott sind, und dass dagegen die ganze Welt „in dem Bösen" liegt, was moralisch gesehen den Unterschied zwischen Christen und der Welt darstellt. Schließlich wissen sie, dass der Sohn Gottes gekommen ist und ihnen Verständnis gegeben hat, ihn zu erkennen, in dem Gott sich völlig geoffenbart hat. Sie wissen außerdem, dass sie in dem Sohn Gottes, Jesus Christus, sind, welcher „der wahrhaftige Gott und das ewige Leben" ist. Kein anderer Gegenstand sollte ihr Herz beherrschen: „Kinder, hütet euch vor den Götzen!"