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2. Mose Walvoord

Das zweite Buch Mose

GLIEDERUNG


I. Die Befreiung des Volkes Gottes aus Ägypten ( Kap. 1-18 )

     A. Die Unterdrückung Israels in Ägypten ( Kap. 1 )
          1. Die Ausgangslage: Israel in Ägypten ( 1,1-7 )
          2. Die Unterdrückung: Israel unter den Pharaonen ( 1,8-22 )

     B. Der Befreier Israels aus Ägypten ( Kap. 2-4 )
          1. Die Geburt und Bewahrung Moses in Ägypten ( 2,1-10 )
          2. Moses Flucht nach Midian ( 2,11-4,17 )
          3. Die Rückkehr Moses nach Ägypten ( 4,18-31 )

     C. Der Kampf Moses mit dem Pharao von Ägypten ( 5,1-12,36 )
          1. Die Konfrontation Moses mit dem Pharao ( 5,1-7,13 )
          2. Die 10 Gerichte Gottes über Ägypten ( 7,14-12,36 )

     D. Die Befreiung Israels aus Ägypten ( 12,37-18,27 )
          1. Die Flucht in Ägypten bis zum Meer ( 12,37-13,22 )
          2. Der Durchzug durch das Rote (Schilf-) Meer ( Kap. 14 )
          3. Der Lobgesang Moses und Mirjams für die Errettung ( 15,1-21 )
          4. Der Zug zum Berg Sinai ( 15,22-18,27 )

II. Die Offenbarung an Gottes Volk am Sinai ( Kap. 19-40 )

     A. Der Bund Gottes mit seinem Volk ( Kap. 19-31 )
          1. Der Hintergrund für die Offenbarung des Gesetzes ( Kap. 19 )
          2. Die Zehn Gebote ( 20,1-21 )
          3. Das Buch des Bundes ( 20,22-24,11 )
          4. Die Zeremonialbestimmungen ( 24,12-31,18 )

     B. Das Versagen und die Wiederherstellung des Volkes Gottes ( Kap. 32-34 )
          1. Das Brechen des Bundes durch Israel ( 32,1-33,6 )
          2. Die Erneuerung des Bundes durch Gott ( 33,7-34,35 )

     C. Die Errichtung der Stiftshütte ( Kap. 35-40 )
          1. Die Vorbereitung für den Bau ( 35,1-36,7 )
          2. Der Bau der Stiftshütte ( 36,8-39,31 )
          3. Die Vollendung der Stiftshütte ( 39,32-43 )
          4. Die Versammlung bei der Stiftshütte ( 40,1-33 )
          5. Gott wohnt unter seinem Volk ( 40,34-38 )



AUSLEGUNG


Das 2. Buch Mose teilt sich in zwei Abschnitte. Der erste Abschnitt ( 2Mo 1-18 ) handelt von der bedrohlichen Lage und der Befreiung von Jakobs Nachkommenschaft aus der tyrannischen Herrschaft Thutmosis' III. und Amenhoteps II.; der zweite Abschnitt ( 2Mo 19-40 ) handelt vom Gottesdienst der befreiten Nation. Der erste Abschnitt preist Gottes mächtige Befreiung; der zweite schildert die Vorbereitung des Volkes für eine ruhige und gehorsame Unterwerfung im Gottesdienst.

 

I. Die Befreiung des Volkes Gottes aus Ägypten
( 2Mo 1-18 )


Mose beschreibt die Lage Israels in Ägypten, das Aufstehen eines Befreiers (nämlich er selbst) und das Tauziehen um das starrsinnige Herz des Pharao, das schließlich in der wunderbaren Befreiung der Nation Israel durch das Rote Meer hindurch und ihrer sicheren Ankunft am Berg Sinai ein Ende fand.



A. Die Unterdrückung Israels in Ägypten
( 2Mo 1 )


1. Die Ausgangslage: Israel in Ägypten
( 1,1-7 )


2Mo 1,1-5


Diese Verse bilden ein Verbindungsglied zwischen der Periode der Patriarchen in den letzten Kapiteln von 1.Mose und den Geschehnissen in 2.Mose. Nach seinem Plan beschützte Gott die Söhne Jakobs (auch Israel genannt) und vermehrte ihre Nachkommenschaft, so daß aus einer kleinen Gruppe ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung Ägyptens wurde.

Leas sechs Söhne werden in der Reihenfolge ihrer Geburt genannt, und zwar von Ruben bis Sebulon (vgl. 1Mo 35,23 ). Danach folgt Benjamin , der Sohn von Jakobs zweiter Frau Rahel, während Josef , Rahels Erstgeborener, nicht genannt wird, da er bereits in Ägypten war. Dan und Naftali waren die Söhne von Rahels Magd Bilha ( 1Mo 35,25 ), Gad und Asser waren die Söhne von Leas Magd Silpa ( 1Mo 35,26 ). Die Männer, die mit Jakob nach Ägypten kamen, zählten 70 (vgl. 1Mo 46,27; 5Mo 10,22; vgl. die Anmerkung in Apg 7,14 ,wo die Zahl mit 75 angegeben wird).



2Mo 1,6-7


Jakobs Nachkommenschaft wuchs: Die Söhne Israel aber waren fruchtbar und wimmelten und mehrten sich und wurden sehr, sehr stark (d.h. zahlreich) (vgl. Apg 7,17 ). Mehrere Generationen trennten Levi von Mose (vgl. den Kommentar zu 4Mo 26,58-59 ), so daß die Zeit zwischen dem Tod Josefs ( 1Mo 50,26 ) und der in 2Mo 1,7 beschriebenen Ereignisse wahrscheinlich etwas mehr als 100 Jahre betrug. Die Zahl der männlichen Erwachsenen beim späteren Auszug lag bei etwa 600000 (Frauen und Kinder wurden nicht mitgerechnet; 2Mo 12,37 ), so daß die Gesamtbevölkerung Israels zu dieser Zeit bei ungefähr 2 Millionen gelegen haben dürfte. Kein Wunder also, daß das Land (also Goschen, 1Mo 45,10 ,im südöstlichen Delta) von ihnen voll wurde . Gemäß Gottes Verheißung an Abraham ( 1Mo 12,1-3 ) war eine große Nation entstanden. Sie sollten aber noch ein Land ( 1Mo 15,18-21 ) und eine »Verfassung« bekommen (das mosaische Gesetz).

Das zweite Buch Mose

2. Die Unterdrückung Israels unter den Pharaonen
( 1,8-22 )


Mose unterscheidet während der Regierungszeit der 18. Pharaonendynastie zwei Formen der Unterdrückung: die Sklavenarbeit (V. 8-14 ) und die Kindestötung (V. 15-22 ). Gott benutzte diese Umstände, um bei den Kindern Israel den Wunsch nach der Befreiung aus Ägypten zu wecken.



a. Die Sklaverei
( 1,8-14 )


In Vers 8-10 werden die Überlegungen und in den Versen 11-14 die daraufhin erfolgenden politischen Maßnahmen des neuen Königs aufgezeigt.

2Mo 1,8-10


Der neue König kannte Josef nicht . Wer dieser Pharao war, ist nicht genau bekannt, möglicherweise handelt es sich um Ahmose I., den Begründer der 18. Dynastie, wahrscheinlicher aber um Amenhotep I. (1546-1526 v.Chr.) oder Thutmosis I. (1526-1512 v.Chr.; vgl. den Abschnitt »Historischer Hintergrund« in der Einleitung ). Wenn die Aussage, »er kannte Josef nicht (mehr)«, bedeutet, daß er Josefs Charakter oder Errungenschaften nicht zu würdigen wußte, so läßt dies darauf schließen, daß die Amtszeit des neuen Monarchen in die Zeit nach der Unterdrückung durch die Hyksos fiel. Vermutlich begegneten die Ägypter während der Phase des auflebenden ägyptischen Nationalismus allen Semiten, d.h. auch den Hyksos (die sie haßten) und den Israeliten, mit größtem Mißtrauen. Der Pharao nannte für seine Besorgnis zwei Gründe: zum einen das bedrohliche Bevölkerungswachstum der Israeliten , zum anderen die Angst vor ihrem im Kriegsfalle möglichen Umschwung auf die gegnerische Seite. Der Ausdruck um es mit ihren Lastarbeiten zu drücken macht deutlich , worum es ging: Es sollte gleichzeitig ihr Bevölkerungswachstum eingedämmt und ihre Arbeitskraft ausgenutzt werden.



2Mo 1,11-14


Diese erzwungene Arbeitsleistung wurde im Nildeltagebiet zur Erbauung der königlichen Vorratsstädte Pitom und Ramses eingesetzt. Das Wort für bedrückt ( ZAnCh ) ist das gleiche wie in 1Mo 15,13 ,wo der Herr die ägyptische Knechtschaft vorhersagt, (hier wird es mit »unterdrückt« übersetzt). Die Sklaverei in Ägypten wird in 5Mo 4,20 mit dem Aufenthalt in einem »glühenden Ofen« verglichen. Trotz dieser unbarmherzigen Behandlung der Israeliten durch die Ägypter ließ Gott sie zahlenmäßig zunehmen. Dies wiederum löste bei den Ägyptern größere Ängste und demzufolge noch härtere Zwangsarbeit aus.



b. Die Kindestötung
( 1,15-22 )


2Mo 1,15-16


Da die praktische Versklavung als bevölkerungspolitische Maßnahme alleine nicht wirkungsvoll genug war, entschloß sich der Pharao zu einer aggressiveren Vorgehensweise, nämlich zur Kindestötung. Die Erwähnung der beiden Hebammen (wörtlich: »die beim Gebären helfen«) bedeutet nicht, daß Israel nur zwei Hebammen hatte. Bedingt durch seine hohe Bevölkerungszahl benötigte Israel sehr viele Hebammen. Somit ist anzunehmen, daß die beiden erwähnten Frauen die Leitung eines ganzen Stabes von Hebammen hatten. Die Anweisungen des Königs waren unmißverständlich: Alle männlichen Säuglinge sollten getötet, die weiblichen am Leben gelassen werden. Die damals gebräuchliche Gebärweise erfolgte auf zwei Steinen sitzend, wie auf einem sog. »Geburtsstuhl«.

 

2Mo 1,17-19


Die Hebammen fürchteten Gott (vgl. V. 21 ) jedoch mehr als die Vorschriften eines Menschen ( Apg 5,29 ) - auch wenn es sich hier um einen Monarchen handelte - und gehorchten seinen Vorschriften nicht. Aus diesem Grund wurden Schifra und Pua zur Rede gestellt; sie antworteten mit dem Hinweis auf die rasche Entbindung der hebräischen Frauen: Noch ehe die Hebammen eintreffen konnten , hatten sie schon entbunden und - so ist zu schließen - die Neugeborenen versteckt. Schifra und Pua konnten sie also nicht töten. Diese Antwort erscheint eigentlich nicht einleuchtend, aber wahrscheinlich haben sich die Hebammen einfach bei Aufträgen für Hausbesuche sehr viel Zeit gelassen. Vom Pharao wurden sie offensichtlich nicht für ihre Nachlässigkeit bei der Ausführung seiner Anordnungen bestraft.



2Mo 1,20-21


Gott segnete ganz Israel mit verstärkter Fruchtbarkeit und tat den Hebammen Schifra und Pua Gutes. Sein Ziel bei diesem starken Bevölkerungswachstum scheint folgendes gewesen zu sein: Der Zorn und die Angst der Ägypter sollten geschürt werden, damit sie Gottes Volk noch gröber mißhandeln und bei diesen damit den Willen zur Befreiung stärken sollten. Somit bewirkte die unmittelbare Segnung zunächst negative Umstände, um zu einem späteren Zeitpunkt eine umso deutlichere Segnung zu ermöglichen.



2Mo 1,22


Der Pharao verfügte daraufhin eine aggressivere Politik, um das Bevölkerungswachstum der Israeliten einzudämmen. Da der Versuch gescheitert war, die Tötung der männlichen Säuglinge im geheimen durch die hebräischen Hebammen zu bewirken, befahl er nun seinem eigenen Volk, diese Morde auszuführen. Während die Lage des Volkes Israel in der Unterdrückung immer unerträglicher wurde, bereitete Gott seinen Befreier vor.

 

B. Der Befreier Israels aus Ägypten
( 2Mo 2-4 )


1. Die Geburt und Bewahrung Moses in Ägypten
( 2,1-10 )


2Mo 2,1-2


Die Geburt Moses wird nur kurz erwähnt. Sein Leben ist offensichtlich durch die Anordnung des Pharaos ( 2Mo 1,16.22 ) direkt gefährdet. Die Namen seiner Eltern werden hier nicht erwähnt, aber in 2Mo 6,20 erfahren wir einiges: sein Vater war Amram und seine Mutter Jochebed, Amrams Tante. Beide stammten »vom Haus Levi« ab und hatten zwei weitere Kinder: Mirjam ( 2Mo 15,20 ) und Aaron ( 2Mo 6,20 ). Aaron war drei Jahre älter als Mose ( 2Mo 7,7 ). Erfolgte der Auszug aus Ägypten 1446 v.Chr. und war Mose zu dieser Zeit 80 Jahre alt, was aus Kapitel 7,7 hervorgeht, so ergibt sich 1526 v.Chr. als Geburtsjahr Moses. Seine Geburt fiel also in den Beginn der Regierungszeit Thutmosis' I. (1526-1512 v.Chr.) oder in das Ende der Regierungszeit von Amenhotep I. (1546-1526 v.Chr.). Moses Eltern mißachteten die Anordnung des Pharao und versteckten den Säugling (vgl. Apg 7,17-20 ). Seine Namensgebung erfolgte nicht durch die Eltern, sondern durch eine ägyptische Prinzessin ( 2Mo 2,10 ).

Der neugeborene Sohn war schön (V. 2 ), d.h. er war ein gutaussehendes und gesundes Kind. Stephanus ( Apg 7,20 ) und der Schreiber des Hebräerbriefes ( Hebr 11,23 ) beschreiben ihn ebenfalls als »schön vor Gott« und »schön«. Seine Eltern vertrauten für die Lösung ihres schweren Problems auf Gottes Möglichkeiten und versteckten das Kind, ohne sich vor dem königlichen Erlaß zu fürchten. Dennoch war es nach drei Monaten nicht mehr sicher genug, ihn zu Hause zu behalten.


Das zweite Buch Mose

2Mo 2,3-4


In dieser Situation entschied Moses Mutter Jochebed, das Kind in einem Kästchen aus Schilfrohr im dichten Schilf am Nilufer zu verstecken. Dazu machte sie einen Korb aus Schilf und verklebte ihn mit Erdharz und Pech , (vgl. »Pech« auf Noahs Arche, 1Mo 6,14 ), bevor sie ihn in den Sumpf setzte. Auf ironische Weise leistete Jochebed, indem sie ihren Sohn in den Fluß legte, der Anordnung des Pharaos Folge: die Söhne waren »in den Nil zu werfen« ( 2Mo 1,22 ).

Sie beauftragte Mirjam, die Schwester des Kindes, in einiger Entfernung zu wachen. War dies alles eine geplante Sache und hoffte Jochebed, daß jemand das Kind finden und schützen würde? Möglicherweise ja, da Mirjam den Auftrag hatte, dort zu stehen, um zu erfahren, was mit ihm geschehen würde . Ein weiterer Hinweis ist auch ihr bereitwilliger Vorschlag an die Pharaonentochter, sich um eine mütterliche Versorgung für das Kind zu bemühen ( 2Mo 2,7 ).


Das zweite Buch Mose

2Mo 2,5-9


Hier wird Gottes Fürsorge für das Kind ganz deutlich: auf wunderbare Weise kam es zu seinen eigenen Eltern zurück. Wer war nun diese Pharaonentochter? Falls Thutmosis I. der Herrscher war, so muß es sich um seine Tochter Hatschepsut gehandelt haben. Der Text berichtet: die Pharaonentochter sah das Kästchen ; vielleicht war es nicht ganz außer Sichtweite versteckt. Es ist aber auch denkbar, daß ihre Aufmerksamkeit durch das Schreien des Kindes auf das Kästchen gelenkt wurde.

Als sie das Kästchen geöffnet hatte , erregte der Anblick des weinenden Kindes ihr Mitleid , und genau in diesem Moment bot ihr Mirjam ihre Dienste zur Verpflichtung einer hebräischen Amme an. So erhielt Moses Mutter ihr Kind trotz der Anordnungen des Pharaos auf legale Weise nach Hause zurück und wurde dafür sogar noch entlohnt ( 2Mo 2,9 )! Dieses Geschehnis ist ein wunderbares Beipiel für das Wachen Gottes über die Ereignisse. Interessanterweise spielen rund um Moses Geburt viele Frauen eine Rolle: die Hebammen, die in ihrer Gottesfurcht dem Pharao nicht gehorchten, die ebenfalls den Anordnungen zuwiderhandelnde Mutter Moses, die mitleidige Pharaonentocher und Moses eigene Schwester, die im rechten Moment zur Verfügung stand. In den Versen 1-10 werden alle Frauen ohne Namensnennung erwähnt.


Das zweite Buch Mose

2Mo 2,10


Am Ende seiner frühen Kindheit brachte man Mose der Tochter des Pharao zurück, und er wurde ein Mitglied des königlichen Hauses (vgl. Apg 7,21-22 ). Die Prinzessin adoptierte ihn, gab ihm einen Namen, und er wurde ihr zum Sohn . Er »wurde in aller Weisheit der Ägypter gelehrt« und war ein kraftvoller Redner ( Apg 7,22 ). Später verwarf er dieses ägyptische Erbe, er wollte »nicht mehr als Sohn der Tochter des Pharao gelten« ( Hebr 11,24-25 ).

Laut einigen Auslegern stammt der Name Mose ( mOSeh ) aus dem Hebräischen, wobei dies voraussetzt, daß die Ägypter Hebräisch verstanden. Anderen Auslegern zufolge ist »Mose« ein ägyptischer Name: Sie verweisen dabei auf das Vorkommen des Namens in Thutmosis oder Ahmose. Cassuto (in: A Commentary on the Book of Exodus , S.20-21) hält Mose für einen ägyptischen Ausdruck mit der Bedeutung »Sohn« oder »ist geboren«, obwohl der Klang des Wortes mOSeh auf das hebräische Verb mASCh , »herausziehen« ( Ich habe ihn ja aus dem Wasser gezogen ), anspielt.

Wiederum wurden somit die Bemühungen des Pharaos, alle männlichen Kinder der Hebräer zu töten, vereitelt. Das Kind wurde zunächst, als es hilflos im Nil dahintrieb, in einem Schilfkästchen bewahrt, danach war es ausgerechnet Pharaos eigene Tochter, deren spontanes Mitleid Moses Leben rettete. Gott schützte sein Leben durch souveränes Eingreifen vor der Anordnung des Pharao und machte aus ihm sogar ein Mitglied der königlichen Familie!


Das zweite Buch Mose

2. Moses Flucht nach Midian
( 2,11-4,17 )


a. Der Grund seiner Flucht
( 2,11-14 )


2Mo 2,11-14


Die Ereignisse, die in diesen Versen berichtet werden, fanden 40 Jahre nach Moses Geburt statt (vgl. Apg 7,23 ), d.h. im Jahre 1485 v.Chr., während der Regierungszeit von Hatschepsut (vgl. den Abschnitt »Historischer Hintergrund« in der Einleitung ). Mose war bestens ausgebildet ( Apg 7,22 ) und sprach wahrscheinlich fließend Ägyptisch und Hebräisch.

Er verteidigte einen seiner unterdrückten Brüder, indem er einen Ägypter erschlug, wonach er die Leiche im Sand verscharrte. Hierbei hatte er wohl gedacht, sein wohlgemeintes Eingreifen würde beim Volk Israel die Erkenntnis auslösen, er sei sein Befreier ( Apg 7,25 ). Die Tat selbst, so dachte er, sei von niemandem gesehen worden. Scheinbar hatte aber der Israelit, den er verteidigt hatte, die Information weitergegeben, denn am folgenden Tag, als er in den Streit zweier Israeliten eingreifen wollte, wurde sie ihm bereits von einem der beiden vorgehalten ( Apg 7,24-28 ). Daraufhin befürchtete Mose, die Kunde von seinem Mord würde allgemein verbreitet und dem Pharao zugetragen werden.



b. Moses Zufluchtsort
( 2,15 a)


2Mo 2,15 a


Als der Pharao diese Sache hörte, geriet er in Wut ( Hebr 11,27 ) und suchte Mose umzubringen . Dieser Pharao war vermutlich Thutmosis III., der zusammen mit der Königin Hatschepsut regierte. Mose floh vor ihm in östlicher Richtung. Unter den Midianitern, die als Nomaden lebten, begann er seinen nächsten Lebensabschnitt. Die Midianiter waren Nachfahren des Midian , eines Sohnes Keturas, der letzten Frau Abrahams. Abraham hatte Midian und seine Brüder in das Land des Ostens geschickt ( 1Mo 25,1-6 ). Dort bewohnten sie den Südosten der Sinaihalbinsel und den nordwestlichen Teil Arabiens, also die Wüstenregionen zu beiden Seiten des Golfes von Akaba.

 

c. Moses Heirat
( 2,15-22 )


2Mo 2,15-22 (2Mo 2,15b-22)


Als Mose eines Tages in Midian an einem Brunnen saß, machte er die Bekanntschaft der sieben Töchter ReguÙls (an anderer Stelle auch Jitro genannt, 2Mo 3,1; 18,1 ), des Priesters von Midian . Mose beschützte die Töchter, als Hirten sie beim Tränken ihrer Herde vertreiben wollten. Dies war bereits das dritte Mal, daß Mose eingriff, um andere aus Bedrohungen zu befreien (vgl. 2Mo 2,12-13 ). Seine zukünftige Rolle als Befreier der Nation zeichnete sich auf diese Weise schon ab. Die heldenhafte Tat veranlaßte den Vater der Mädchen, ihn, den sie, wohl aufgrund seiner Kleidung, als »ägyptischen Mann« bezeichneten, zum Essen mit der Familie einzuladen. Im Anschluß an diese Begebenheit heiratete Mose ReguÙls Tochter Zippora (der Name bedeutet: »kleiner Vogel«), und sie bekamen einen Sohn, den sie Gerschom nannten. Gerschom bedeutet »Vertreibung« oder »als Fremder dort wohnen«. Es klingt an das hebräische Verb gAraS , »vertreiben« oder »verbannen« (vgl. 2Mo 6,1 ) an. Er war der Sohn der Verbannung Moses, denn er kam zur Welt, während Moses ein Fremder... in einem fremden Land war.

Vierzig Jahre lang ( Apg 7,30 ) führte Mose das mühsame Leben eines Herdenhalters im Sinaigebiet. Während dieser Zeit lernte er die ganze Halbinsel gründlich kennen, was ihm später, als er das Volk Israel durch dieses karge Land zu führen hatte, sehr nützlich war.



d. Moses Berufung
( 2,23-4,17 )


(1) Die Ursache der Berufung:

2Mo 2,23-25


Der verstorbene König (V. 23 ) war aller Wahrscheinlichkeit nach Thutmosis III., der Pharao, der das Volk unterdrückt hatte (1504-1450 v.Chr.). Sein Nachfolger war Amenhotep II. (1450-1425 v.Chr.) Während der vierzig Jahre, die Mose in Midian zugebracht hatte, war das Volk Israel weiter in der leidensvollen Knechtschaft der Ägypter ( 2Mo 2,23 ) gewesen. Als der Herr ihr Stöhnen hörte, dachte er an seinen Bund mit Abraham ( 1Mo 12,1-3; 15,18-21; 17,3-8 ), Isaak ( 1Mo 17,21 ) und Jakob ( 1Mo 35,10-12 ). Mitleidsvoll sah er nach den Söhnen Israel (vgl. 2Mo 3,7 ) und kümmerte sich um sie . Nun beschloß er einzugreifen. Die Verse 24 und 25 bedeuten den Wendepunkt in der Erzählung: bisher ( 2Mo 1,1-2,23 ) waren Unterdrückung, Sklaverei und Tod die dominierenden Themen, ab jetzt geht es schwerpunktmäßig um Befreiung und Triumph. Der Herr war in seiner souveränen Allmacht bereit, seinen Verheißungen gemäß zu handeln und sein Volk zu bewahren.

(2) Moses Berufung ( 2Mo 3,1-4,17 ):

Dieser Abschnitt, der Gottes Ruf an Mose auf dem Berg Horeb erzählt, kann in fünf Teile gegliedert werden: die Beschreibung der Umstände, unter denen die Begebenheit stattfand ( 2Mo 3,1-3 ), die direkte Anrede Moses ( 2Mo 3,4-10 ), seine Bestürzung ( 2Mo 3,11-15 ), die Anweisungen für Mose ( 2Mo 3,16-22 ) und Moses Einwände ( 2Mo 4,1-17 ).



2Mo 3,1-3


Diese Verse beschreiben die Umstände , unter denen Gottes Ruf an Mose erfolgte. Nach 40 Jahren am Hofe des Pharao hatte er die nächsten 40 Jahre als Hirte zugebracht. Er weidete die Herde seines Schwiegervaters, als er sich, auf der Suche nach Weideland, dem Berg Horeb näherte (dies ist ein anderer Name für den Berg Sinai; vgl. 2Mo 19,10-11 mit 5Mo 4,10 ). Warum der Schwiegervater hier Jitro und nicht mehr ReguÙl (vgl. 2Mo 2,16.18 ) genannt wird, ist unsicher. Möglicherweise fühlte sich ReguÙl durch die Heirat seiner Tochter mit Mose, einem Mitglied der ägyptischen Königsfamilie, geehrt, und er veränderte deshalb seinen Namen in Jitro , was Überfluß oder Überlegenheit bedeutet. Die Bezeichnung des Berges Horeb als Berg Gottes (vgl. 2Mo 4,27; 18,5; 24,13 ) rührt von den Ereignissen her, die hier später stattfinden sollten.

Interessanterweise handelt es sich hier nämlich um den gleichen Ort, an dem Mose später die Gesetzestafeln in Empfang nehmen sollte ( 2Mo 19,20; 24,13-18; vgl. 2Mo 3,12 ). Moses Aufmerksamkeit wurde zunächst durch einen brennenden Busch, der aber von den Flammen nicht verzehrt wurde, erregt. Der Engel des HERRN ist der Herr selbst (vgl. Kommentar zu 1Mo 16,9 ). Feuer war ein Symbol der Gegenwart Gottes, was besonders deutlich wurde, als der Herr später »im Feuer« vom Berg Sinai herabstieg ( 2Mo 19,18 ).



2Mo 3,4-10


In der direkten Anrede an Mose gab Gott ihm die Aufgabe, sein Volk aus Ägypten zu befreien (V. 10 ). Mose war sich bewußt, daß es Gott war, der ihn rief, deshalb antwortete er: Hier bin ich . Die gleiche Antwort gaben Abraham ( 1Mo 22,11 ), Jakob ( 1Mo 46,2 ) und Samuel ( 1Sam 3,4 ). Gott befahl Mose als Zeichen seiner Verehrung dieser heiligen Stätte die Schuhe auszuziehen (vgl. Jos 5,15 ), denn der Boden war durch die Gegenwart Gottes heilig . Als der Herr sich Mose zu erkennen gab, bezeichnete er sich als der Gott seiner Väter ( Abrahams... Isaaks... und... Jakobs ; vgl. 2Mo 3,15-16; 4,5 ), und Mose verhüllte sein Gesicht , denn er fürchtete sich davor, Gott anzuschauen (vgl. Kommentar zu 2Mo 33,11; Joh 1,18 ).

Gott teilte Mose nun mit, daß er das Elend seines Volkes gesehen hatte ( 2Mo 3,7.9 ,vgl. 2Mo 2,24 ) und er es aus Ägypten befreien wolle. Sein ganzer Einsatz kommt in den Worten darum bin ich herabgekommen ( 2Mo 3,8 ) zum Ausdruck. Sie stehen für das Eingreifen Gottes. Er wollte sein Volk (a) aus Ägypten befreien und (b) in ein gutes und geräumiges Land , d.h. in ein Land von ganz anderer Beschaffenheit als die karge midianitische Wüste, führen.

Die Formulierung ein Land, das von Milch überfließt , weist darauf hin, daß Kanaan für die Ziegen- und Rinderzucht sehr geeignet war. Bei guter Fütterung auf saftigem Weideland geben Ziegen, Schafe und Kühe viel Milch. Der überfließende Honig , der die emsige Honigproduktion der Bienen umschreibt, ist ein weiterer Hinweis auf den landwirtschaftlichen Reichtum dieses Landes. Es handelt sich hier um die erstmalige Verwendung dieser Formulierung im AT. Ein Land, das von Milch und Honig überfließt kommt jedoch noch an vielen weiteren Stellen im AT vor: Vers 17 ; 3Mo 20,24; 13,27; 14,8; 16,13-14; 5Mo 6,3; 11,9; 26,9.15; 27,3; 31,20; Jos 5,6; Jer 11,5; 32,22; Hes 20,6.15 .

Das verheißene Land war von den Kanaanitern, Hetitern, Amoritern, Perisitern, Hiwitern und Jebusitern besetzt (vgl. 2Mo 3,17; 13,5; 23,23; 33,2;34,11 ).

Abgesehen von den Perisitern werden alle genannten zusammen mit einigen anderen Stämmen in 1Mo 10,15-18 erwähnt. Sie stammen von Kanaan ab, einem Sohn Hams und Enkel Noahs. Beim Bündnisschluß mit Abraham ( 1Mo 15,18-21 ) zählt der Herr neben fünf weiteren (vgl. sieben in 5Mo 7,1 ) auch fünf der sechs hier erwähnten Stämme auf.

Bei dem Begriff »Kanaaniter« handelt es sich um einen Oberbegriff. Die Hetiter waren gleich den Amurru aus dem Norden eingewanderte Volksgruppen, die Amoriter kamen aus dem Norden Mesopotamiens (vgl. 1Mo 14,13-16 ). Die Perisiter waren vielleicht Dorfbewohner oder Nomaden. Von den Hiwitern nimmt man an, daß sie im Norden von Palästina und dahinter lebten ( Jos 11,3; Ri 3,3 ), die Jebusiter im Hügelland ( 4Mo 13,29 ) und in der Umgebung Jebus (später als Jerusalem bekannt, Jos 15,8 ).

Anschließend teilte der Herr Mose mit, wie er die Befreiung seines Volkes vollziehen würde und welche Rolle er dabei spielen sollte. Durch göttliche Befähigung wollte er ihn dazu einsetzen; nicht vergleichbar mit seinem früheren Handeln aus eigener Kraft ( Apg 7,25 ). Gott sagte: Nun aber geh hin, denn ich will dich ... senden . Interessanterweise gab Gott zwar für sein Volk zwei Verheißungen (die Befreiung aus Ägypten und den Eintritt in ein neues Land), Mose jedoch wurde nur mit der Ausführung der ersten von beiden beauftragt. Der Herr wußte schon, daß Mose das verheißene Land niemals betreten würde ( 5Mo 32,48-52 ).



2Mo 3,11-15


Mose machten die Ankündigungen Gottes (V. 7-10 ) sehr betroffen . Er konnte sie kaum fassen und wies, als Einwände gegen den Befehl Gottes, sofort auf seine mangelnde Fähigkeit (V. 11 ) und Autorität (V. 13 ) hin. Er bezweifelte, daß es ihm gelingen würde, den neuen Pharao (Amenhotep II.) zum Freigeben des Volkes Israel zu bewegen. Gott gab zur Entkräftung dieser Einwände zwei Zusagen: die Versicherung seiner persönlichen Gegenwart ( Ich werde mit dir sein , V. 12 ; zu »ich werde sein« vgl. Kommentar zu V. 14 ) und die Verheißung, daß Mose zum Berg Horeb zurückkehren sollte ( Ihr , also Mose und das Volk, werdet an diesem Berg Gott dienen ).

Gott zu dienen war somit das eigentliche Ziel der Befreiung Israels. Dieses Ziel wird in 2.Mose sehr oft erwähnt ( 2Mo 4,23; 7,16.26; 8,16; 9,1.13; 10,3.7-8.11.24.26; 12,31 ). Das hebr. Wort für »dienen« ist gleichbedeutend mit »ein Sklave, ein Knecht sein« ( ZABaD ). Die Israeliten waren Sklaven ( ZXBO-DIm ), lebten in Sklaverei bzw. »Knechtschaft« ( ZXBODCh , 2Mo 2,23 ) in Ägypten, Ägypten war ihr »Sklavenhaus« ( bET ZXBADIm , 2Mo 13,3.14; 20,2 ). Bis jetzt hatte Israel den Ägyptern als Sklaven gedient, nun sollte es dem Herrn dienen und ihn als sein Volk verehren.

Mose hatte als nächstes den Einwand, die Israeliten würden eine Bestätigung seines göttlichen Sendungsauftrages zu ihrer Befreiung fordern. Gott beauftragte ihn daraufhin, ihnen Gott als ich bin, der ich bin ( ?ehyeh ?XSer ?ehyeh , 2Mo 3,14; vgl. »Ich werde... sein«, ?ehyeh , V. 12 ) und Ich bin ( ?ehyeh ) hat mich zu euch gesandt (V. 14 ) auszuweisen. Der eine Gott sagte hier seinem Volk seine Gegenwart in Zeiten der Not und Schwierigkeiten zu. Ehyeh ist wahrscheinlich ein Wortspiel mit Jahwe (Herr) in Vers 15 . Obwohl also eine enge Beziehung zu dem Verb »sein« besteht, steht der Name Jahwe nicht nur für Gottes Existenz, sondern für weit mehr: meist hat er mit seiner Beziehung zu seinem Volk zu tun; als Herr befreite er sie ( 2Mo 6,6 ), war treu ( 2Mo 34,5-7 ) und machte einen Bund mit ihnen ( 1Mo 15,18 ).

Das Wort weiter ( 2Mo 3,15 ) weist auf eine zweite Antwort auf Moses zweite Frage hin. (Die erste Antwort findet sich in Vers 14 .) Der allgegenwärtige Gott hatte sein Wesen den Vätern (Patriarchen; vgl. 2Mo 3,6.16; 4,5 ) gezeigt. Die Bereitschaft, sich liebevoll um sein Volk zu kümmern, gehörte unaufgebbar dazu. Deswegen sollte man sich in Ewigkeit an diesen Namen erinnern . Vielleicht kannte Mose Gott zwar als fernen, allmächtigen Gott, nicht aber als den gegenwärtigen Gott, der sich sorgt und seine Erwählten liebt. Beide Einwände Moses ( 2Mo 3,11.13 ) werden mit einer Lektion über das Wesen Gottes beantwortet.



2Mo 3,16-22


Nachdem Mose das Wesen seiner Aufgabe (V. 7-10 ) und das Wesen Gottes (V. 11-15 ) kennengelernt hatte, erhielt er genauere Anweisungen , wie er seinen Auftrag erfüllen sollte. Die Anweisungen betreffen die Ältesten (V. 16-17 ), den König von Ägypten (V. 18-20 ) und die Israeliten (V. 21-22 ). Mose sollte zu den Ältesten (den Führern und Beratern) von Israel gehen und ihnen von der Erscheinung Gottes im brennenden Dornbusch, von Gottes Botschaft des Erbarmens ( Ich habe... gesehen, was euch... angetan wurde ; V. 16 ; vgl. 2Mo 2,24; 3,7 ) und seinem Plan, sie aus Ägypten heraus in das Land Kanaan hinein zu retten (vgl. V. 8 und den Kommentar dazu), berichten. Er sollte mit den Ältesten zu Amenhotep II. gehen. Die Formulierung 'Der Gott der Hebräer' (V. 18) wurde von Mose später tatsächlich verwendet, als er mit dem Pharao sprach (vgl. 2Mo 5,3; 7,16; 9,1.13; 10,3 ). Es war ein Ausdruck, den auch Polytheisten verstehen konnten.

Mose und die Ältesten sollten einfach um die Erlaubnis bitten, Ägypten aus religiösen Gründen für eine kurze Dreitagesreise verlassen zu dürfen. Sie sagten wohlüberlegt nichts über ihre Rückkehr.

Gott sagte Mose ( 2Mo 3,19-20 ), daß der Pharao auf seine Anfrage nicht eingehen würde, wenn Gott nicht eingriffe. (Gottes mächtige Hand als Hinweis auf seine Festigkeit und Stärke im Handeln wird auch in 2Mo 6,1 (zweimal); 2Mo 13,14.16; 32,11; 5Mo 4,34; 5,15; 6,21; 7,8.19; 9,26; 11,2; 26,8 erwähnt). Gott würde Wunder vollbringen (die zehn Plagen), um den Pharao zu überzeugen, Israel gehen zu lassen.

Die Plagen über Ägypten würden die Ägypter dazu bringen, den Israeliten Gnade vor ihren Augen zu schenken , so daß sie den Frauen (und Männern, die in 2Mo 11,2 erwähnt werden) sogar Silber, Gold und Kleider (vgl. 1Mo 15,14 b; 2Mo 12,35-36 ) mitgeben würden. Gottes Volk sollte nicht mit leeren Händen ausziehen. Vielleicht war das teilweise als Wiedergutmachung für die vierhundert Jahre der Sklaverei gedacht. Später wurde das Gold und Silber zum Bau der Stiftshütte verwendet ( 2Mo 35,5.22 ).


2Mo 4,1-17


Noch einmal äußerte Mose Einwände gegen seine Berufung, weil er sich persönlich ungeeignet fand. Die genauen Anweisungen in 2Mo 3,16-22 vergrößerten Moses Angst vor der neuen Aufgabe. Deswegen brachte er zwei weitere Einwände vor: seine Angst davor, daß die Israeliten seine Autorität ablehnen könnten ( 2Mo 4,1 ) und seine fehlende Beredsamkeit (V. 10 ). Gott ging geduldig und freundlich auf Moses Besorgnis ein. Die Sorge Moses, daß Israel nicht glauben könnte, daß ihm Gott erschienen war, war verständlich, da Gott den Israeliten während der 400jährigen Knechtschaft in Ägypten nicht erschienen war. Die Antwort Gottes für den zweifelnden Befreier war die Macht, drei übernatürliche Aufgaben zu erfüllen, zwei sofort (V. 3-5 und 6-8 ) und eine in der Zukunft (V. 9 ).

Das erste Zeichen war die Verwandlung eines Hirtenstabes in eine Schlange und wieder zurück in einen Stab . Eine Schlange beim Schwanz zu fassen war normalerweise eine sehr gefährliche Sache. Es bedurfte Mut und Glauben, um der Anweisung des Herrn Folge zu leisten. Weil die Schlange bei den Ägyptern Macht und Leben symbolisierte, bewies Gott Mose damit, daß er in der Lage war, die Macht Ägyptens zu überwinden. Dieses Wunder sollte nach der Aussage Gottes die Israeliten zum Glauben führen, daß der Gott der Väter und Patriarchen zu Mose gesprochen hatte.

Als zweites Zeichen wurde Moses Hand aussätzig und wieder gesund. Diese Krankheit war vielleicht nicht genau dieselbe Krankheit, die wir heute als Lepra bezeichnen. Sie war aber in Ägypten weit verbreitet und galt als unheilbar. Mose war aus Angst vor der Schlange fortgelaufen ( 2Mo 4,3 ). Wie erschrocken mußte er nun gewesen sein, als er seine aussätzige Hand aus dem Gewand zog. Dann aber wurde er wohl mit ehrfürchtigem Staunen erfüllt, als er ihre plötzliche Reinigung feststellte. Dieses Zeichen sollte nach der Aussage Gottes bei den Menschen mehr bewirken als das erste (V. 8 ). Damit wurde Moses Sorge, daß niemand seinem göttlichen Auftrag Glauben schenken würde, hinfällig.

Das dritte Zeichen sollte die wunderbare Befähigung sein, Wasser vom Nil in Blut zu verwandeln (V. 9 ). Die Ägypter betrachteten den Nil als Quelle des Lebens und der Fortpflanzung. Wenn Mose dem Volk zeigen konnte, daß er Macht über den Nil hatte, mußte das ein Beweis dafür sein, daß Gott Mose die Kraft gegeben hatte, Ägypten zu überwinden. Später tat Mose diese Wunder vor den Israeliten (V. 29-30 ), und das Volk glaubte (V. 31 ), genau wie Gott es vorhergesagt hatte (V. 5.8 ). Interessanterweise ähnelte die erste Plage dem dritten Wunder: Als Aaron den Nil mit seinem Stock berührte, verwandelte er sich in Blut ( 2Mo 7,17-21 ).

Der vierte Einwand Moses war seine angeblich fehlende Beredsamkeit und Redebegabung ( 2Mo 4,10-17; vgl. 2Mo 6,12.30 ). Eine schwere Zunge bezeichnet die Unfähigkeit zur flüssigen Rede. Mose spielte hier offensichtlich seine Fähigkeiten herunter, denn Stephanus nennt ihn »mächtig in Worten« ( Apg 7,22 ). Gottes erste Reaktion war es, Mose durch eine Reihe von Fragen daran zu erinnern, daß der Herr die Fähigkeiten und Behinderungen eines Menschen festlegt. Anschließend wiederholte er seinen kurzen Auftrag ( Geh jetzt... ; vgl. 2Mo 3,10 ). Auch wenn Mose die Kraft Gottes zugesichert bekam ( Ich werde dir... helfen ; vgl. 2Mo 4,15 ), schreckte ihn doch die Größe und Schwierigkeit der zu haltenden Rede.

Als Mose schließlich vorschlug, ihn zu ersetzen (V. 13 ), wurde Gott zornig (vgl. fünf weitere Hinweise auf Gottes Zornigsein: 2Mo 15,7; 22,23; 32,10-12 ). Warum wurde Gott zornig? Wahrscheinlich ging er davon aus, daß Mose mehr aus Ungehorsam, als aus Sorge redete. Trotzdem sagte er Mose zu, daß er seinen Bruder für ihn reden lassen werde ( 2Mo 4,14-16; vgl. 2Mo 7,1 ). Gerade dieser Sprecher würde eines Tages das goldene Kalb schaffen ( 2Mo 32,1-5 ) und ein lügender Wortführer werden ( 32,22-24 ). Gott teilte ihnen dann noch mit, daß er beiden beim Reden vor dem Pharao und vor dem Volk helfen werde ( 2Mo 4,15-16; vgl. V. 12 ; 2Mo 7,1-2 ). Mose wurde aufgefordert, den Stab , der zur Schlange geworden war ( 2Mo 4,2-4 ), als ein Zeichen für weitere Wunder, die folgen sollten, zu nehmen (vgl. 2Mo 7,9-10 ). In 4,20 wird er »der Stab Gottes« genannt.



3. Die Rückkehr Moses nach Ägypten
( 4,18-31 )


a. Die Vorbereitung auf die Rückkehr
( 4,18-23 )


2Mo 4,18-23


Mose bat Jitro um Erlaubnis, zu seinem Volk nach Ägypten zurückkehren zu dürfen, weil er sich um ihr Ergehen sorgte. Jitro gab seine Einwilligung und entließ ihn mit seinem Segen. Der Herr hatte Mose offenbart, daß während seines 40jährigen Aufenthaltes in Midian alle, die nach seinem Leben getrachtet hatten - zweifellos auch Thutmosis III. - gestorben waren, so daß er keine Vergeltung zu fürchten brauchte. Er nahm seine Frau Zippora ( 2Mo 2,20 ) und seinen Sohn mit. Sein ältester Sohn war Gerschom ( 2Mo 2,22; vgl. 2Mo 18,3 ), sein zweiter Sohn EliÙser, wie wir später erfahren ( 2Mo 18,4 ). EliÙser (»Gott ist Hilfe«) wurde, wie man aus der Namensgebung in 2Mo 18,4 schließen kann, vielleicht geboren, nachdem Gott Mose erschienen ( 2Mo 3,1-17 ) und Mose zu Jitro zurückgekehrt war.

Daraufhin offenbarte Gott Mose seine zukünftige Aufgabe vor dem Pharao ( 2Mo 4,21-23 ). Mose sollte Amenhotep II. Gottes Macht beweisen. Aber es würde zu keinem Ergebnis führen, sagte Gott, weil er das Herz des Pharao verhärten werde, so daß er sich weigern würde, das Volk Gottes ziehen zu lassen . In 2.Mose wird bei zahlreichen Gelegenheiten festgestellt, daß Gott das Herz des Pharao verhärtete. Für einige Leute scheint die Verhärtung durch Gott die Ausübung des eigenen Willens des Pharaos auszuschließen. Aber der Pharao verhärtete auch selbst sein Herz ( 2Mo 7,13 : »wurde verstockt«; 14: »ist hart«; 22: »wurde verstockt«; 2Mo 8,11.28 : »verhärtete«; 2Mo 8,15 : »wurde verstockt«; 2Mo 9,7.35 : »wurde verstockt«; 2Mo 9,34 : »verhärtete«; 2Mo 13,15 : »hartnäckig war« - ein anderes hebr. Wort mit ähnlicher Bedeutung). Die ersten beiden Erwähnungen der Verhärtung durch Gott ( 2Mo 4,21; 7,3 ) sind eigentlich nur Vorhersagen , daß Gott dies in der Zukunft tun wolle. Die nächsten sieben Erwähnungen sprechen davon, daß der Pharao selbst sein Herz verhärtete ( 2Mo 7,13-14.22; 8,11.15.28; 9,7 ). Erst dann ist davon die Rede, daß Gott diesem das Herz verhärtete ( 2Mo 9,12; 10,1.20.27;11,10; 14,4.8 ). Zum ersten Mal verhärtete Gott das Herz des Pharaos nach der sechsten Plage. Der Pharao verhärtete sein Herz sechsmal durch seine Weigerung. Später verhärtete er sein Herz als Reaktion auf die siebte Plage noch einmal. Gott wiederum verhärtete dann jeweils nach der achten bis zehnten Plage dessen Herz. Er bestätigte die hartnäckige und willentliche Weigerung, indem er als Gericht sein Herz verhärtete (vgl. 5Mo 2,30; Jos 11,20 ).

Buße und Umkehr sind ein Geschenk Gottes ( Apg 5,31; 11,18; 2Tim 2,25 ), das er in seiner Gnade einigen zukommen läßt, obwohl er in seiner unendlichen Liebe wünscht, daß alle Menschen gerettet werden ( 1Tim 2,4; 2Pet 3,9 ). Gott gebraucht Menschen, um Teile seines Planes zu erfüllen. So versteht Paulus auch die Weigerung des Pharaos ( Röm 9,17-18 ). Gott brachte den Pharao für diese Gelegenheit an die Macht, damit dieser in seiner Rebellion gegen Gott ein Werkzeug der Verherrlichung Gottes sei. Weil das Herz des Pharao verhärtet bleiben würde, war es letztlich notwendig, ihn durch die letzte Plage, den Tod der Erstgeborenen, zu zwingen. Erstaunlicherweise sagte Mose ihm das schon gleich zu Anfang ( 2Mo 4,22-23 ). Die Ägypter schätzten ihre erstgeborenen Söhne und behandelten sie als etwas Besonderes. Bemerkenswerterweise ist Israel Gottes Sohn (vgl. Hos 11,1 ) und ihm deswegen heilig.

Die Verhärtung des Herzens des Pharaos durch Gott hat noch eine weitere Bedeutung, weil sie einen ägyptischen Glaubensgrundsatz auf den Kopf stellte. Die Ägypter glaubten, daß das Herz einer Person nach ihrem Tod in der Gerichtshalle gewogen werde. War es 'schwer' (dasselbe Wort liegt dem hebräischen 'verhärtet' zugrunde) von Sünde, wurde die Person verurteilt. Ein steinerner Skarabäuskäfer wurde auf das Herz der verstorbenen Person gelegt, um ihren natürlichen Hang zum Bekennen der Sünde, der zur Verurteilung führen mußte, zu unterdrücken. Diese »Verhärtung des Herzens« durch den Skarabäus sollte zur Errettung des Verstorbenen führen.

Gott kehrte im Falle des Pharaos dieses Vorgehen um. Statt nach ägyptischem Brauch sein Herz zu beschweren, damit er über seine Sünde schwieg und so errettet wurde, wurde sein Herz verhärtet. Dies hatte jedoch zur Folge, daß er seine Sünde bekannte ( 2Mo 9,27.34; 10,16-17 ). Für die Ägypter führte die »Verhärtung des Herzens« zur Stille (also dem fehlenden Sündenbekenntnis) und deswegen zur Errettung. Gottes Verhärtung des Herzens des Pharao führte dagegen zur Anerkennung der Sünde und zum Gericht.



b. Die Beschneidung des Sohnes Moses
( 4,24-26 )


2Mo 4,24-26


Die Beschneidung des Sohnes Moses (wohl Gerschom) erscheint befremdlich. In den Jahren in Midian hatte Mose es vernachlässigt, Gottes Geboten gehorchend (vgl. 1Mo 17,10 ), seinen Sohn zu beschneiden. Deswegen wollte Gott ihn töten , vielleicht indem er eine schwere Krankheit verursachte. Zippora beschnitt ihren Sohn mit einem scharfen Stein , und Gott verschonte seinen Propheten. Die Berührung der Scham Moses mit der Vorhaut des Sohnes war möglicherweise ein symbolischer Akt, in dem der Gehorsam den Ungehorsam ersetzte. Zippora nannte Mose einen Blutbräutigam . Die Bedeutung des Wortes ist unbekannt, aber einige meinen, daß er abfällig benutzt wurde, um anzudeuten, daß Zippora diesen Ritus nicht liebte, obwohl sie ihn ausführte, um das Leben ihres Mannes zu retten. Andere nehmen an, daß Zippora in diesem Akt eine Art Erlösung sah, in der das Blut des Sohnes Mose vor dem Herrn wiederherstellte und sie ihn somit als neuen Bräutigam erhielt.

Zu dieser Zeit kehrten Zippora und die Söhne vielleicht zu Jitro zurück ( 2Mo 18,2-3 ). Die plötzliche Erkrankung Moses war eine Warnung, daß er Gott völlig gehorchen und seine Aufgabe erfüllen mußte. Außerdem steht diese Begebenheit direkt nach dem Abschnitt 4,22-23 , der die Bedeutung des Sohnseins unterstreicht (der Sohn des Pharao und Gottes Sohn Israel).



c. Das Zusammentreffen mit Aaron und dem Volk
( 4,27-31 )


2Mo 4,27-31


Wie Gott angedeutet hatte (V. 14-17 ), war das Zusammentreffen mit Aaron sehr herzlich. Sie trafen sich am Berg Horeb (dem Sinai oder Berg Gottes , vgl. 2Mo 3,1; 18,5; 24,13 ), wo Mose den brennenden Dornbusch gesehen hatte. Mose berichtete Aaron über ihre Berufung zu einer neuen Aufgabe ( 2Mo 4,28 ). Um seine Beauftragung unter Beweis zu stellen, tat Mose Wunder vor dem Volk (wie in V. 8-9.28 angedeutet wird) und erklärte Gottes Sorge um ihr Elend (vgl. 2Mo 2,24-25; 3,7.9 ) und seinen Plan, sie aus Ägypten zu retten (vgl. 2Mo 3,8.10.17 ). Als Antwort glaubte das Volk, daß Mose von Gott gesandt war - womit Moses Befürchtungen hinfällig wurden - und betete Gott für sein barmherziges Erbarmen an.



C. Der Kampf Moses mit dem Pharao von Ägypten
( 5,1-12,36 )


In diesem langen Abschnitt berichtet Mose von seinen Versuchen, die Freilassung des Volkes Gottes aus der Herrschaft Amenhoteps II. zu erreichen. Gottes Führer stand nicht nur dem fürchterlichen Zorn des Pharao, sondern auch der Unzufriedenheit und dem Mißtrauen des eigenen Volkes gegenüber. Der Abschnitt hat zwei Teile: (a) Die Konfrontation Moses mit dem Pharao und die Beschreibung der Handlungen der Israeliten ( 2Mo 5,1-7,13 ) und (b) Gottes Gericht über Ägypten, das normalerweise als 'die Plagen' bezeichnet wird ( 2Mo 7,14-12,36 ).

1. Die Konfrontation Moses mit dem Pharao
( 5,1-7,13 )


Mose forderte die Freilassung seines Volkes aus Ägypten bei zwei Gelegenheiten ( 2Mo 5,1-5; 7,10-13 ). Jedesmal verweigerte der Pharao dem Volk die Freiheit, wie Gott es vorhergesagt hatte ( 2Mo 4,21 ).



a. Die anfängliche Konfrontation
( 5,1-6,27 )


Mose sprach mit dem Pharao, der deshalb die Arbeitslast der Israeliten erhöhte ( 2Mo 5,1-14 ). Daraufhin wurde Mose von seinem Volk zum Schweigen gebracht, weil sie davon ausgingen, daß er die Ursache für ihre zusätzliche Unterdrückung war ( 2Mo 5,15-6,9 ).

(1) Die Bitte Moses:



2Mo 5,1-4


Dies muß eine dramatische Begegnung gewesen sein. Mose und Aaron, beide in ihren 80er Jahren, traten als Botschafter Gottes vertrauensvoll dem Pharao gegenüber, den sein Volk für einen Gott hielt. Ihre Bitte findet sich in Vers 1 und wird in Vers 3 ausgeführt. Mose und Aaron baten um die Erlaubnis, für eine Dreitagesreise in die Wüste ziehen zu dürfen, um Gott Opfer zu bringen (vgl. 2Mo 3,18 ).

Der Pharao reagierte auf dreifache Weise: (1) Er verwarf den Gott der Hebräer (vgl. zum Titel den Kommentar zu 2Mo 3,18; vgl. 2Mo 7,16; 9,1.13; 10,3 ), weil er keine Autorität habe ( 2Mo 5,2 ). (2) Ihm war es gleichgültig, ob den Israeliten möglicherweise Schaden zugefügt würde, weil sie ihrem Gott nicht gehorchten (V. 2-3 ). (3) Er war darum besorgt, daß ihm Arbeitsleistung verloren gehen könnte. Der Pharao (wahrscheinlich Amenhotep II.) betrachtete die Israeliten als Ware und ihren Dienst als Wertbesitz, während der frühere Pharao in 2Mo 1,8-10.22 (vielleicht Amose) sie ausrotten wollte.


Das zweite Buch Mose

2Mo 5,5-14


(2) Die zusätzliche Arbeitslast:

Die Härte des Herzens des Pharao beweist sich in den Worten am gleichen Tag . Er sorgte sofort dafür, daß die Last der Israeliten schwerer wurde. Das Argument des Pharao lautete wohl, daß Menschen in der Sklaverei nur dann von der Freiheit träumen, wenn sie zu viel freie Zeit haben und es ihnen gestattet wird, Zeit zu vergeuden ( sie sind faul ; vgl. V. 17 ). Um dieses Problem zu lösen, wies er die Sklaventreiber an, dieselbe Tagesleistung an Ziegeln zu verlangen , aber nicht mehr durch das Anliefern des Strohs zu helfen. Das Stroh wurde nicht als Bindemittel mit Lehm und Sand vermischt, sondern um die Haltbarkeit der Lehmziegel zu erhöhen. Die Anordnungen des Pharao wurden zwar ausgeführt (V. 10-13 ), aber die zusätzliche Arbeit war zuviel und verschlang zuviel Zeit, so daß die Tagesleistung an Ziegeln nicht mehr erfüllt werden konnte. Als Folge davon wurden die Aufseher aus den Reihen der Israeliten von den Sklaventreibern des Pharaos geschlagen , weil sie verlangten, daß die Anweisungen Amenhoteps II. erfüllt werden müßten.



2Mo 5,15-19


(3) Die Bitte der Aufseher:

In Folge dieser Unterdrückung baten die Aufseher der Israeliten um eine Audienz beim Pharao, um sich über die unvernünftigen Forderungen zu beschweren. Aber das Treffen der Aufseher mit dem Pharao führte zu nichts. Dreimal unterstrichen sie die Loyalität der Israeliten mit den Worten deine Diener (V. 15-16 ). Sie brachten vor, daß sie nur deswegen die Tagesleistung an Ziegeln nicht erfüllen könnten, weil sie nun Stroh sammeln müßten, eine Aufgabe, die bisher den Ägyptern zugeteilt worden war. Aber der Pharao bestand darauf, daß sie faul seien (V. 8-9 ). Die Aufseher erkannten, daß der Pharao seine Befehle nicht ändern würde.



2Mo 5,20-21


(4) Die Anklage gegen Mose ( 2Mo 5,20-23 ):

Die Worte der Aufseher gegen Mose und Aaron waren sehr scharf (V. 20-21 ). Ebenso deutlich waren Moses Worte an Gott (V. 22-23 ). Warum Mose und Aaron auf die Aufseher warteten , ist unbekannt, aber um so klarer sind die harten Worte der Aufseher. Das Volk wurde schon vor Moses Rückkehr schwer unterdrückt, aber dieser zusätzliche Druck war einfach zu viel. Der Sinn des Wortes Gestank (V. 21 ) muß übertragen als 'verachten, verdammen' verstanden werden. Zuvor hatte Mose dem König angekündigt, daß Gottes Gericht über die Hebräer kommen könnte, wenn ihnen nicht gestattet würde, in der Wüste anzubeten (V. 3 ), aber hier beschweren sich die Aufseher über das Schwert des Pharao .



2Mo 5,22-23


(4) Die Anklage gegen Mose ( 2Mo 5,20-23 ):

Mose wandte sich mit seiner Trauer umgehend an den HERRN . Er stimmte mit den Aufsehern überein, daß die jüngste Unterdrückung der Israeliten eine Folge seiner Begegnung mit dem Pharao war. Er fragte nun Gott, warum er ihn eigentlich dorthin gesandt hatte. Die Zweifel Moses rührten von seinem schweren Herzen her, nicht aus dem Mißtrauen gegen Gott, auch wenn seine Sprache sehr deutlich ist ( Du hast dein Volk überhaupt nicht befreit ).



2Mo 6,1


(5) Die erneute Bestätigung für Mose ( 2Mo 6,1-9 ):

Mose war traurig, weil die Bitte um Freilassung tragischerweise die Last des Volkes nicht erleichtert, sondern erschwert hatte. Deswegen tröstete der Herr seinen Diener und bestärkte ihn, indem er zweimal mit ihm redete.

Beim ersten Mal (V. 1 ) teilte er Mose erneut mit, was er dem Pharao antun werde. Beim zweiten Mal wiederholte er seine Verheißungen für das Volk (V. 2-8 ). Gott versicherte Mose, daß er sein Volk auf jeden Fall befreien werde. Er bereitete nur die Umstände vor, so daß der Pharao sie schließlich ziehen lassen, ja sogar dazu zwingen werde. All dies würde wegen der mächtigen Hand Gottes (vgl. den Kommentar zu 2Mo 3,19 und den Hinweis zum 'ausgestreckten Arm' in 2Mo 6,6 ) eintreten. Herausführen ist die Übersetzung von y+gArSEm , das ebenso von dem Verb gAaS abgeleitet ist, wie der Name des Sohnes Moses Gerschom ( gErSOm ; vgl. den Kommentar zu 2Mo 2,22 ).



2Mo 6,2-5


Dann erinnerte Gott Mose an sein Wesen, wie er es in seinem Namen 'Jahwe' offenbart hatte (vgl. 2Mo 3,14 ). Die Worte ich bin der HERR erscheinen viermal in 2Mo 6,2-8 . Als der Herr (Jahwe) ist er mit den Seinen und immer vertrauenswürdig und wahrhaftig.

Warum sagte Gott, daß er sich den Patriarchen nicht mit seinem Namen zu erkennen gab? War Gott nicht Abraham, Isaak und Jakob mit seinem Namen Jahwe bekannt? Ja, er war es (z.B. 1Mo 13,4 ). Er erschien ihnen vorwiegend als Gott, der Allmächtige ( ?el Sadday ), der Eine, der alles versorgt und erhält (vgl. den Kommentar zu 1Mo 17,1 ). Er hatte sich den Patriarchen nicht vorwiegend mit dem Namen Jahwe zu erkennen gegeben. In 2Mo 3,14 meint Gott also, daß er sich Mose nicht nur als Erhalter und Versorger offenbart, sondern als der, der seine Verheißungen hält, der Eine, der persönlich zu seinem Volk steht und es befreien wird (vgl. den Kommentar zu 2Mo 3,14-15 ).

 

2Mo 6,6-8




Gott befahl Mose daraufhin, seinen zerbrochenen Geist und seine Gefühle der Unzulänglichkeit beiseite zu lassen und zu seinem Volk zurückzukehren. Siebenmal sagt Gott in diesen drei Versen Ich werde (andere Übersetzungen: ich will), womit er unterstreicht, daß er ein Gott ist, der die Verheißungen einhält.

Die sieben »Ich werde« drehen sich um drei Verheißungen: Befreiung aus Ägypten (V. 6 : Ich werde euch herausbringen... Ich werde euch befreien... Ich werde euch erretten... ), Annahme des Volkes als sein Eigentum (V. 7 ) und das Geschenk des Landes (V. 8 ). Darüberhinaus beginnt und endet der Abschnitt mit derselben Erklärung: Ich bin der HERR . Die Befreiung des Volkes sollte die Grundlage einer Bundesbeziehung sein, die dazu führen sollte, daß das Volk im Land lebte. Diese Verse geben in Kurzform die Geschichte Israels von der Befreiung aus Ägypten bis zur Landnahme unter Josua wieder. Daß Gott Israel mit ausgestrecktem Arm befreien würde, bedeutete, daß er seine Macht beweisen würde (vgl. 5Mo 4,34; 5,15; 7,19; 11,2; Ps 136,12; Hes 20,33 ). Die erhobene Hand war dagegen eine Geste zur Vereidigung, wie sie es noch heute ist (vgl. 1Mo 14,22; 5Mo 32,40; Neh 9,15; Ps 106,26; Hes 20,5-6.15.23.42; 36,7; 44,12; 47,14 ). Der entmutigte Geist Moses wurde durch eine Offenbarung des Wesens und Planes Gottes wieder aufgerichtet.



2Mo 6,9


Mose kehrte mit neuer Kraft und mit Gottes Worten zu seinem Volk zurück. Aber sie hörten wegen der Last ihrer Unterdrückung nicht auf ihn. Sie vergaßen tragischerweise ihre anfänglich positive Antwort an Mose und Aaron ( 2Mo 4,31 ).

(6) Die erneute Sendung Moses zum Pharao:



2Mo 6,10-13


Gott befahl Mose, wiederum zum Pharao zu gehen und die Freilassung der Israeliten zu verlangen. Mose zögerte, weil sein Eifer durch die Reaktion des Volkes (V. 9 ) gedämpft worden war. Wenn er noch nicht einmal die Macht hatte, sein eigenes Volk zu beeinflußen, wie sollte er dann den Pharao überzeugen? Er muß gedacht haben, daß sein ausbleibender Erfolg auf seine fehlenden sprachlichen Fähigkeiten zurückzuführen sei (vgl. 2Mo 4,10 ). Für ungeschickt zum Reden steht eigentlich unbeschnittene Lippen (vgl. 2Mo 6,30 ), was die Unfähigkeit und moralische Unreinheit meint. Dieser Einwand wurde mit Gottes Befehl, das Volk aus Ägypten zu führen, beantwortet, der diesmal an Mose und Aaron erging.

(7) Der Stammbaum von Mose und Aaron:



2Mo 6,14-27


Dieser Abschnitt verwirrt manche Leser, weil er ein unnatürlicher Einschub in die Erzählung zu sein scheint. Der Stammbaum wurde aber hier eingeführt, um Mose und Aaron näher zu identifizieren, weil sie als Repräsentanten Israels vor dem ägyptischen Monarchen eine hervorragende Rolle einnahmen. Die Verse 26-27 , die den Abschnitt abschließen, verbinden den Abschnitt mit Vers 13 und erklären, warum der Stammbaum eingefügt wurde: Dieser Aaron und dieser Mose sind es (V. 26 ; vgl. die Wiederholung in V. 27 ), und diese waren es, die mit dem Pharao sprachen (V. 27 ).

Die Formel: Dies sind die Häupter ihrer Vaterhäuser (V. 14 ) wird mit etwas unterschiedlichen Worten am Ende des Stammbaums wiederholt. Die Geschlechter Rubens und Simeons (V. 14-15 ) werden erwähnt, um zu Levi , Jakobs drittem Sohn und Vorfahre von Mose und Aaron, zu gelangen. Levis Söhne werden in Vers 16 , seine weiteren Nachkommen in den Versen 17-19 genannt. Der Vater von Mose und Aaron, Amram , ihre Onkel und Neffen, sowie die Familie Aarons werden in den Versen 20-25 genannt. Der Amram in Vers 20 ist wahrscheinlich nicht mit dem Amram aus Vers 18 identisch ( Söhne in V. 18 kann auch Nachkommen bedeuten). Vergleiche dazu die Übersicht »Moses Vorfahren seit Abraham« und den Kommentar zu 4Mo 26,58 .Da zwischen dem Umzug Levis zusammen mit seinen Brüdern und seinem Vater Jakob nach Ägypten im Jahr 1876 v.Chr. und dem Auszug aus Ägypten unter Mose im Jahr 1446 v.Chr. 430 Jahre liegen, muß es zwischen Levi und Mose mehr als zwei Generationen gegeben haben. Es stand aber außer Frage, daß Mose und Aaron zum Stamm Levi und darin zum amramitischen Zweig der Sippe Kehat gehörten.

Obwohl die Familie Aarons bis zu seinen Söhnen und seinem Enkel Pinhas ( 2Mo 6,23.25 ) hinabverfolgt wird, wird die Hochzeit von Mose nicht erwähnt. Vielleicht lag das daran, daß seine Frau Zippora keine Hebräerin war. Wie schon gesagt, unterstreichen die Verse 26-27 den Sinn dieses Stammbaumes, nämlich die Abstammung von Mose und Aaron und ihre Autorität, das Volk aus den Fängen des Pharao zu befreien, in den Mittelpunkt zu stellen. In den Versen 20 und 26 wird Aaron vor Mose genannt, weil er der ältere war (vgl. 2Mo 7,7 ). In 6,27 steht dagegen Mose vor Aaron, weil er die Hauptverantwortung für den Auszug aus Ägypten trug.

 

b. Das zweite Aufeinandertreffen
( 6,28-7,13 )


(1) Gottes erneuter Befehl an Mose ( 2Mo 6,28-7,7 ):



2Mo 6,28-30


Die erneute Botschaft Gottes an Mose ähnelt stark der allerersten Aufforderung, mit dem Pharao zu reden. Gott begann mit den Worten: Ich bin der HERR , der immer gegenwärtige Eine, der sich um sein Volk kümmert und seine Verheißungen erfüllt (vgl. 2Mo 3,14-15; 6,2.6-8 ). Mose wandte wiederum ein, daß der Pharao wegen Moses mangelnder Beredsamkeit nicht hören werde (vgl. 2Mo 4,10 und den Kommentar zu 2Mo 6,12 ).


2Mo 7,1-5


Nachdem Gott die Worte Moses über seine Unfähigkeit ( 2Mo 6,30 ) gehört hatte, befahl er ihm erneut, zu gehorchen. Mose sollte für den Pharao wie Gott sein (vgl. 2Mo 4,16 ), wahrscheinlich weil Gott die Plagen durch Mose wunderbar ausführen lassen würde. Aaron sollte sein Prophet sein ( nABI? , eigentlich jemand, der für einen anderen spricht; vgl. 2Mo 4,16 ). Die kurze Botschaft war wieder diesselbe wie bisher ( 2Mo 7,2; 5,1; vgl. 2Mo 3,10.18; 6,11 ). Verschiedene Dinge sollten die Folge darauf sein ( 2Mo 7,3-5 ). Trotz Aarons Beredsamkeit und Moses Befähigung, ihre Autorität durch übernatürliche Zeichen unter Beweis zu stellen, würde Gott das Herz des Pharao verhärten (vgl. den Kommentar zu 2Mo 4,21 ). Die Verhärtung des Herzens des Pharaos sollte zu mächtigen Gerichtshandlungen Gottes (die 10 Plagen) über Ägypten ( 2Mo 7,8-12,36 ), und als Gegenzug zur Befreiung Israels ( 2Mo 7,4 ) und zur Erkenntnis Ägyptens, daß er Jahwe, der Herr, ist (V. 5 ), führen.



2Mo 7,6-7


Mose und Aaron gehorchten dem HERRN. Mose war 80 und Aaron 83 Jahre alt . Im AT wird oft das Alter von wichtigen Personen zum Zeitpunkt eines herausragenden Ereignisses angegeben (vgl. z.B. 1Mo 16,16;17,24-25 ). Nach der 40jährigen Wüstenwanderung starb Mose im Alter von 120 ( 5Mo 34,7 ) und Aaron im Alter von 123 Jahren ( 4Mo 33,38-39 ).

(2) Moses Befehl an den Pharao:



2Mo 7,8-13


Weil Gott wußte, daß der Pharao die Autorität von Mose und Aaron (vgl. 2Mo 5,1-2 ) hinterfragen und sie zum Vorführen von Wundern auffordern würde, wies Gott die beiden an, wie sie ihre Beweise handhaben sollten. Mose sollte Aaron anweisen, seinen Stab vor dem Pharao hinzuwerfen, wobei er zur Schlange werden würde (vgl. 2Mo 4,2-4 ). Als sie dies aber tatsächlich taten, machten die Magier des Pharaos das Wunder durch ihre geheimen Künste nach, bei denen es sich wohl um Wunder durch die Kraft Satans und wohl kaum um Taschenspielertricks handelte. Satan ist in der Lage, alle Arten von Machttaten, Zeichen und Wundern der Lüge ( 2Thes 2,9 ) zu tun, die die Menschen verführen ( 2Thes 2,10; Offb 13,11-15; vgl. Mt 24,24 ). Vielleicht waren zwei dieser Männer Jannes und Jambres, die nach 2Tim 3,8 »Mose widerstanden«.

Die Magier waren auch in der Lage, die Verwandlung des Wassers in Blut ( 2Mo 7,22 ) und das Auftreten der Frösche ( 2Mo 8,3 ), also die ersten beiden Plagen, zu wiederholen. Allerdings verschlang Aarons Stab bzw. Schlange die Schlangen der Magier und bewies damit die übergeordnete Macht Gottes.

Mose und Aaron trafen als Botschafter Gottes auf die Botschafter des Satans, nämlich die Götter Ägyptens und ihre Magier. Jedes der nun folgenden Gerichte zerschmetterte einen Bereich des religiösen Lebens der Ägypter (der Satan gehörte). Der Höhepunkt war der Tod des Götternachkommens, nämlich des erstgeborenen Sohnes von Amenhotep II. Der Gott Israels triumphierte über die Mächte der Finsternis. Wie Gott vorhergesagt hatte ( 2Mo 4,21; 7,3; vgl. V. 22 ; 2Mo 8,11.15 ), konnte das Herz des Pharao die Botschaft nicht erfassen und so auch keine Buße durch das Freilassen des Volkes beweisen ( 2Mo 7,13 ). Gott beweist seine absolute Souveränität über die Menschen, indem er sie gebraucht, wie es ihm gefällt, einige wie Mose, die ihn verehren, andere wie Amenhotep II., die ihn verachten. Beide Gruppen von Menschen verherrlichen Gott auf ihre Art, auch wenn es über unsere begrenzten Fähigkeiten hinausgeht, dies zu verstehen.

 

2. Die 10 Gerichte Gottes über Ägypten
( 7,14-12,36 )





10 Gerichte wurden über Ägypten verhängt. Diese Gerichte, die man allgemein Plagen nennt, können in drei Zyklen von je drei Plagen und einer 10. Plage als Höhepunkt des Gerichtes eingeteilt werden. Die erste, vierte und siebte Plage am Anfang der drei Zyklen werden mit den Worten »morgen früh« ( 2Mo 7,15; 8,16; 9,13 ) eingeleitet.

 

Die ersten drei Gerichte (Blut, Frösche und Mücken) waren ekelerregend, die drei Gerichte des zweiten Zyklus' lästig (Stechfliegen) und schmerzhaft (Viehpest und Geschwüre an Menschen und Tieren), die dritte Reihe von Gerichten waren Naturplagen (Hagel, Heuschrecken und Finsternis). Die dritte Plage endete mit der Niederlage der Zauberer ( 2Mo 8,14 ), die sechste Plage mit ihrer Unfähigkeit, vor Mose zu treten ( 2Mo 9,11 ), und die neunte mit der Trennung von Mose und dem Pharao ( 2Mo 10,28 ).







In den ersten drei Plagen benutzte Aaron seinen Stab ( 2Mo 7,19; 8,1-2.12-13 ), im dritten Plagenzyklus benutzte Mose den seinen ( 2Mo 9,22-23; 10,12-13.21-22; obwohl 2Mo 10,21-22 nur Moses Hand erwähnt, könnte der Stab darin eingeschlossen sein.) In den zweiten drei Plagen wurde von niemandem ein Stab verwendet.

Die zehn Plagen können innerhalb von einem Zeitraum von neun Monaten eingetreten sein. Die erste Plage trat ein, als der Nil anschwoll (Juli/August). Die siebte Plage fand im Januar statt, da die Gerste in Ähren und der Flachs in Blüte stand ( 2Mo 9,31 ). Die vorherrschenden Ostwinde im März oder April ( 2Mo 10,13 ) werden wohl die Heuschrecken herbeigetragen haben. Die zehnte Plage geschah schließlich im Passamonat April ( 2Mo 11-12 ). Durch die Plagen richtete Gott die Götter Ägyptens, deren es viele gab, und bewies damit, daß er ihnen überlegen ist ( 2Mo 12,12; 18,11; 4Mo 33,4 ). Vergleiche dazu die Karte »Die Plagen und die Götter und Göttinnen Ägyptens«.

Die Plagen hatten vielleicht auch die Aufgabe, dem Pharao zu widerstehen und ihm seine Ohnmacht zu beweisen. Das Volk des Pharao hielt ihn für den Gott Horus, Sohn des Hathor. Hathors Vater war der oberste Gott Amon-Re. Die Plagen zeigten dem Pharao und den Ägyptern, daß Gott Herr (Jahwe; 2Mo 7,5.17; 8,6.18; 9,14.16 ) ist, aber bewiesen dies auch den Israeliten ( 2Mo 10,2 ).

Interessant ist die Antwort des Pharaos auf die einzelnen Plagen. Nach der ersten wollte er die Bitte für die Befreiung der Israeliten noch nicht einmal anhören ( 2Mo 7,22-23 ). Während der zweiten Plage erklärte er sich einverstanden, das Volk ziehen zu lassen, wenn die Frösche entfernt würden ( 2Mo 8,4 ). Während der dritten Plage weigerte er sich, auf den Vorschlag der Zauberer zu hören ( 2Mo 8,15 ). Als Antwort auf die vierte Plage schlug er vor, daß die Israeliten im Land opfern sollten ( 2Mo 8,21 ). Später war er bereit, sie ziehen zu lassen, aber nicht zu weit ( 2Mo 8,24 ), zog dann aber sein Versprechen zurück ( 2Mo 8,28 ). Auch nach der fünften und sechsten Plage wies er die Bitte zurück ( 2Mo 9,7.12 ). Nach der siebten Plage versprach er aber, sie gehen zu lassen ( 2Mo 9,28 ), wenn Regen und Hagel aufhören würden, um dann sein Versprechen doch wieder zurückzuziehen ( 2Mo 9,35 ). Während der achten Plage bot er an, die Männer gehen zu lassen ( 2Mo 10,11 ) und gestand sogar seine Sünde ein ( 2Mo 10,16 )! Während der neunten Plage sagte er, daß Männer, Frauen und Kinder ziehen könnten, aber ihre Tiere nicht mitnehmen dürften ( 2Mo 10,24 ). Nach der zehnten Plage drängte er das Volk, zu gehen ( 2Mo 12,31-32 )! In Ps 78,46-51 und Ps 105,28-36 wird auf mehrere Plagen als Beweis für Gottes Macht und Fürsorge hingewiesen.



a.1. Plage: Der Nil wird in Blut verwandelt
( 7,14-25 )


Dieser Abschnitt über die erste Plage kann in drei Teile gegliedert werden: Gottes Anweisungen an Mose und Aaron (V. 14-19 ), die Wunder durch die beiden (V. 20-21 ) und die darauf folgenden Handlungen des Pharao und seines Volkes (V. 22-25 ).



2Mo 7,14-19


Gott wies Mose an, den Pharao zu treffen, während er zum Wasser, also dem Nil , hinausginge. Der Nil galt als Gottheit und wurde als Quelle des Lebens Ägyptens angesehen. Wenn der Nil im Juli und August seine Ufer übertrat, befruchtete er die Böden und ermöglichte es dem Volk, reichlich Feldfrüchte anzubauen. Um diese Zeit amtierte der Pharao in öffentlichen Zeremonien zur Erinnerung an den durch den Fluß erhaltenen Segen. Vielleicht unterbrach Mose den Pharao während einer dieser besonderen Feiern (vgl. 2Mo 7,20 ).

Mose sollte den Pharao über die Gründe für die Gerichte aufklären. (Zu der Gott der Hebräer , 2Mo 7,16 ,vgl. 2Mo 3,18; 5,3; 9,1.13; 10,3 ). Der Pharao hatte den wahren Gott bisher nicht anerkannt ( 2Mo 7,16 ), was das Wesen und die Bestandteile des kommenden Gerichtes erklärte (V. 17-18 ). Das Gericht sollte sich über den Fluß, seine Nebenarme und sogar seine kleinsten Verzweigungen erstrecken (V. 19 ).



2Mo 7,20-21


Als Aaron auf Moses Anweisung hin seinen Stab über den Nil hielt, geschah ein erschreckendes Gericht: das Wasser verwandelte sich in Blut . Einige Ausleger haben vorgeschlagen, daß sich das Wasser nicht wörtlich in Blut verwandelte, sondern lediglich eine rote Farbe annahm. Cassuto vermutet, daß diese rote Farbe durch »winzige Pilze und anderes rotes Pflanzenmaterial oder kleine Insekten mit rötlichem Farbton« verursacht wurde ( A Commentary on the Book of Exodus , S.98). Das ist jedoch keinesfalls sicher und erklärt nicht das plötzliche Auftreten des Wunders und das ungeheure Fischsterben. Auch wenn die chemische Zusammensetzung der roten Substanz unbekannt ist, erschien und schmeckte sie den Ägyptern wie Blut. Die toten Fische brachten den Fluß zum Stinken (V. 18 ; vgl. stinkend in V. 21 ). Da der Nil für die Landwirtschaft und die Wirtschaft allgemein von einer alles beherrschenden Bedeutung war, mußte dieses Wunder alarmierend wirken. Mit dem Nil waren verschiedene ägyptische Gottheiten wie Hapi, Isis und Khnum verbunden (siehe die Übersicht »Die 10 Plagen und die Götter und Göttinnen Ägyptens«). Auch die jährliche Wiedergeburt von Osiris, des Gottes der Erde und der Fruchtbarkeit, symbolisierte die Überflutung des Nils. Weil die Ägypter glaubten, daß der Nil der Blutstrom von Osiris war, ist es auffallend, daß der Nil in Blut verwandelt wurde (Davis, Moses and the Gods of Egypt , S.94).



2Mo 7,22-25


Die Zauberer waren jedoch in der Lage, das Wunder nachzuahmen, was das Herz des Pharao gegen Gott verhärtete.

Woher konnten die Zauberer aber Wasser zur Nachahmung hernehmen, wenn alles Wasser zu Blut geworden war? Die Antwort scheint in Vers 24 zu liegen: das Wasser des Nils, nicht aber die natürlichen Quellen und das Grundwasser, waren ungenießbar. Die Menschen mußten darauf verzichten, Wasser aus dem Nil zu trinken. Die Verschmutzung des Nils hielt sieben Tage an (V. 25 ). Einige Ausleger meinen, daß Vers 25 sieben Tage zwischen der ersten und zweiten Plage meint. Weil jedoch auch sonst die Zeit zwischen den Plagen nicht genannt wird, scheint die Annahme, daß die Plage sieben Tage dauerte, begründeter zu sein.



b.2. Plage: Frösche
( 7,26-8,11 )


2Mo 7,26-29


Gott befahl Mose, mit einem Ultimatum zum Pharao zurückzukehren: Entweder sollte Israel freigelassen werden oder aber ein neues Gericht kommen, und zwar diesmal Frösche. (Wenn du dich aber weigerst findet sich auch in 2Mo 9,2 und 2Mo 10,4 ). Frösche gab es normalerweise reichlich am Nil, wenn sich das Wasser im Dezember zurückzog, aber das Volk erwartete sie nicht im August. Außerdem blieben die Frösche normalerweise nahe am Nil, während sie diesmal den Nil verließen und die Häuser ( 2Mo 7,28 ), Höfe und Felder belästigten ( 2Mo 8,9 ), wahrscheinlich wegen der toten Fische im Nil. Die Ägypter glaubten, daß Frösche göttliche Kräfte hätten. Die Göttin Heqet hatte einen Frauenkörper mit einem Froschkopf. Aus ihrem Nasenloch kam, so glaubte man, der Atem des Lebens, der die Körper lebendig machte, die ihr Mann, der große Gott Khnum, aus dem Staub der Erde geschaffen hatte. Frösche durften deswegen nicht getötet werden.

Gott ließ ihnen damit eine andere ihrer Gottheiten zum Fluch, und nicht zur Hilfe, werden. Diese heiligen Tiere sollten sich vermehren und in die Schlafzimmer der Leute eindringen, was eine Ironie war, da man glaubte, daß die Froschgöttin Heqet Frauen bei der Geburt helfen würde. Die Frösche drangen sogar in die Küchen ein und kletterten an den Menschen empor ( 2Mo 7,28-29 ).


Das zweite Buch Mose

2Mo 8,1-3


Auf Gottes Anweisung hin befahl Mose Aaron, das Gericht zu eröffnen (V. 1 ), was dieser auch tat (V. 2 ). Zu den ersten drei Plagen benutzte Aaron seinen Stab ( 2Mo 7,19-20; 8,1-2; 8,12-13 ), während der sechsten und siebten Plage Mose den seinen ( 2Mo 9,23; 10,13 ). Die ägyptischen Zauberer konnten das Wunder (vgl. 2Mo 7,22 ) nachahmen, wobei sie das Unheil nur vermehrten ( 2Mo 8,3 ).

 

2Mo 8,4-7


An dieser Stelle wendet sich die Erzählung dem Pharao zu, der offensichtlich von seinen Zauberern keine Wiederholung, sondern eine Beseitigung der Plage wollte. Er bat Mose und Aaron um Hilfe, was zeigt, daß seine Kenntnis über den Gott der Hebräer zugenommen hatte (vgl. 2Mo 5,2 ). Er suchte göttliche Hilfe und war so zermürbt, daß er Mose jeden Wunsch erfüllen wollte. Mose gestattete dem König, den Termin für die Befreiung von der Plage selbst festzulegen, aber er wollte, daß der Pharao den Grund dafür kennenlernte: damit er wisse, daß niemand wie der HERR, unser Gott, ist ( 2Mo 8,6 ). Der Pharao bat Mose, für die Befreiung von den Fröschen am nächsten Tag zu bitten.

 

2Mo 8,8-11


Mose betete, und Gott ließ die Plage am nächsten Tag aufhören. Die Haufen von Froschleichen verursachten im ganzen Land einen üblen Gestank. Aber der Pharao zog sein Versprechen zurück.



c.3. Plage: Mücken
( 8,12-15 )


2Mo 8,12-15


Im Gegensatz zu den ersten beiden Plagen kam die dritte ohne Vorwarnung. Dies trifft auch für die sechste und neunte Plage, also jeweils die letzte einer Dreiergruppe, zu. Der Grund könnte in dem falschen Versprechen des Pharaos liegen (V. 4.11 ). Das Gericht kam plötzlich. Aaron schlug den Staub mit seinem Stab , und fliegende und beißende Insekten bedeckten Menschen und Tiere. Das hebräische Wort für Mücken ist kinnIm und kommt nur hier im AT vor. Der Ausdruck der Staub wurde zu Mücken soll vielleicht wiedergeben, daß die Mücken ungewöhnlich zahlreich waren.

Diese Plage könnte ein Angriff auf Set, den Gott der Wüste, sein. Sie könnte sich außerdem gegen die ägyptische Priesterschaft richten. Die Priester waren auf ihre Reinheit stolz, die sie durch regelmäßige Waschungen und Rasuren und durch das Tragen von leinenen Gewändern erlangten. Nun verunreinigte der Herr die religiösen Eiferer mit ekligen Insekten.

Die Zauberer waren nicht in der Lage, das Wunder nachzuahmen, und gestanden zu, daß Gott es tat. ( Dies ist der Finger Gottes ; vgl. 2Mo 31,18; 5Mo 9,10; Ps 8,4; Lk 11,20 ). Wie der HERR zuvor geredet hatte (vgl. 2Mo 7,3 ), blieb das Herz des Pharao verstockt und unbußfertig (vgl. »wie der Herr geredet hatte«: 2Mo 7,13.22; 8,11 ).



d.4. Plage: Fliegen
( 8,16-28 )


2Mo 8,16-20


Mit der vierten Plage beginnt der zweite Zyklus von drei Plagen, wie die Formulierung morgen früh zeigt (V. 16 ; vgl. 2Mo 7,15; 9,13 ). Wie die ersten drei Plagen waren auch diese drei auf die Ägypter beschränkt ( Ich werde das Land Goschen, wo sich mein Volk befindet, anders behandeln , 2Mo 8,18 ). Dies zeigt, daß Gott zwischen den Ägyptern und den Israeliten einen Unterschied machte (vgl. 2Mo 9,4; 11,7 ), wobei die einen für das Gericht, die anderen für die Befreiung ausersehen waren. Dies sollte zusätzlich Gottes Souveränität und Macht beweisen.

Der Herr wies Mose an, noch einmal wegen der Befreiung der Hebräer am Nil vor den Pharao zu treten (vgl. 2Mo 7,15 ). Falls der Pharao sich weigern würde, sollten Fliegenschwärme ( 2Mo 8,17 ) über die Ägypter und ihre Häuser geschickt werden. Die Fliegen sind möglicherweise durch die verwesenden Frösche angezogen worden. Stechfliegen in Mengen (V. 20 ) meint wörtlich einen schweren oder niederdrückenden Schwarm. Es könnte sich bei diesen Fliegen um die Hundefliege handeln, die wegen ihres schmerzhaften Bisses bekannt war. Vielleicht repräsentierten sie Re, eine bedeutende ägyptische Gottheit. Vielleicht handelte es sich aber auch um Ichneumoniden , die den Gott Uatchit darstellten.



2Mo 8,21-28


Unter dem gemeinsamen Gewicht der vier Plagen gab der Pharao nach und war bereit, einen Kompromiß vorzuschlagen. Die Israeliten sollten ihrem Gott Opfer bringen, jedoch in Ägypten und nicht in der Wüste. Diesen Kompromiß konnte Mose nicht annehmen. Er erklärte, daß ein Tieropfer in Ägypten abscheulich sein würde. Dies könnte daran liegen, daß die Ägypter den Stier für heilig hielten, weil er die Götter Apis oder Re darstellte; ebenso die Kuh, die die Göttin Hathor widerspiegelte. Dies würde für die Ägypter Gotteslästerung sein und zur Steinigung der Israeliten führen.

Der zweite Kompromißvorschlag des Pharaos war, das Volk nur eine kurze Strecke in die Wüste gehen zu lassen (V. 24 ). Mose nahm diesen Kompromiß mit der ernsten Warnung an den Pharao an, nicht wieder, wie bereits früher geschehen (V. 4.11 ), zu betrügen. Dies war eine erstaunliche und mutige Feststellung, da der Pharao als Vorbild für Gerechtigkeit und Wahrheit galt.

Mose verließ den Pharao in dem Glauben, daß der Herrscher sich an sein Wort halten werde. Deswegen betete Mose gemäß der Bitte des Pharao um Befreiung von der Plage. Aber der Pharao änderte seine Absicht wieder und weigerte sich, sein Wort zu halten.

 

e.5. Plage: Viehpest (
9,1-7 )


2Mo 9,1-4


Mose forderte erneut die Freilassung der Israeliten. (Zum Gott der Hebräer vgl. 2Mo 3,18; 5,3; 7,16; 9,13;10,3 .) Falls der Pharao sich weigerte, sollte nach den Worten Moses die Hand des HERRN (vgl. 2Mo 3,19; 6,1 ) eine Plage über die Haustiere bringen: Pferde ..., Esel ..., Kamele ..., Rinder ..., Schafe ..., Ziegen ... Da es im ganzen Land tote Frösche gab und dazu Fliegen, die Krankheitserreger übertrugen, könnte es sich um die Infektionskrankheit Anthrax (Milzbrand) gehandelt haben. Die Plage könnte im Januar stattgefunden haben, da dann nach dem Ende der Nilüberschwemmungen das Vieh auf die Weiden geführt wurde. Die Plage mußte verheerende Folgen für die ägyptische Wirtschaft haben. Außerdem waren viele Tiere heilig (vgl. 2Mo 8,22 ), besonders, wie schon oben ausgeführt, der Stier, der die Götter Apis und Re darstellte, und die Kuh, die die Göttin der Liebe, der Schönheit und der Freude, Hathor, repräsentierte. Hathor stellte man sich als eine Frau mit Kuhkopf vor, manchmal auch nur mit Kuhhörnern. Khnum war dagegen eine Widdergottheit. Die Tiere der Israeliten , der Empfänger der göttlichen Barmherzigkeit, sollten von der Plage nicht betroffen werden ( 2Mo 9,4; vgl. 2Mo 8,18-19; 11,7 ).



2Mo 9,5-7


Die Plage trat ein, wie es der Herr vorhergesagt hatte: alles Vieh der Ägypter starb . Der Pharao ließ darauf untersuchen, ob in Goschen irgendein Tier der Israeliten gestorben war. Obwohl er sah, daß Gott tatsächlich einen Unterschied gemacht hatte (V. 4 ), weigerte er sich weiterhin, umzukehren.

Wie kann man jedoch die Existenz weiterer Tiere in Vers 10 und weiteren Viehs in den Versen 20-21 erklären, wenn alles Vieh in dieser Plage umgekommen war? Es sind zwei Erklärungen möglich: (1) Das Wort »alles« in Vers 6 ist ein hyperbolischer (übertreibender) Ausdruck, der als Redewendung eine sehr große Zahl meint, aber nicht alles Vieh umfaßt. (2) Eine bessere Erklärung ist vielleicht, daß die Plage alles Vieh auf dem Feld (V. 3 ), nicht aber in den Ställen tötete.



f.6. Plage: Geschwüre
( 9,8-12 )


2Mo 9,8-12


Wie die dritte und neunte Plage wurde auch diese dem Pharao nicht vorher angekündigt. Sie war die erste, die das menschliche Leben direkt gefährdete. Sie bestand aus offenen Geschwüren ( Geschwüre, die in Blasen aufbrechen , V. 9-10 ) auf den Körpern von Menschen und Tieren . Es mag ein symbolischer Akt gewesen sein, Ofenruß in die Luft zu werfen, ähnlich wie der Gebrauch des Stabes von Aaron bei früheren Plagen. Die Ägypter verehrten aus großer Furcht vor Epidemien die löwenköpfige Göttin Sekhmet, die Kraft über die Krankheiten haben sollte; außerdem Sunu, den Pestgott, und Isis, die Göttin der Heilung. Aber alle diese Götter konnten das Volk und die Tiere nicht von ihren Qualen befreien. Die Zauberer Ägyptens waren wieder hilflos (vgl. 2Mo 8,14 ), da sie selbst betroffen waren ( 2Mo 9,11 ) und feststellten, daß ihre Götter machtlos waren. Doch das Herz des Pharao blieb verstockt (V. 12 ).



g.7. Plage: Hagel
( 9,13-35 )


Dieses Gericht eröffnet den dritten Zyklus der Plagen. Die siebte, achte und neunte Plage waren ernsthafter als die vorhergehenden und werden ausführlicher beschrieben. Die siebte Plage führte zu schweren wirtschaftlichen Nöten. Deutlich wurde wieder die Macht mehrerer ägyptischer Götter in Frage gestellt. Der Himmelsgott Nut konnte den Sturm nicht verhindern, Osiris, der Gott der Fruchtbarkeit der Feldfrüchte, konnte die Feldfrüchte nicht vor dem Hagel bewahren und Set, der Sturmgott, konnte den Sturm nicht zurückhalten.

Der lange Abschnitt, der diese Plage beschreibt, gliedert sich in vier Teile: die Anweisungen Moses (V. 13-19 ), die Zerstörungen durch die Plage (V. 20-26 ), das Gespräch zwischen Mose und dem Pharao (V. 27-32 ) und die Unbußfertigkeit des Pharaos (V. 33-35 ).



2Mo 9,13-19


Mose sollte dem Pharao wieder früh am Morgen begegnen (vgl. 2Mo 7,15; 8,16 ). Der Grund für das bevorstehende Gericht war wiederum die fehlende Bereitschaft des Pharao, das Volk Gottes freizulassen. Der Pharao verkannte die Würde des Gottes der Hebräer (vgl. 2Mo 3,18; 5,3; 7,16; 9,1;10,3 ). Er wollte nicht anerkennen, daß es niemanden wie ihn auf der ganzen Erde gibt. Obwohl Gott so gnädig war, seinen Zorn nicht in voller Schärfe auszuführen ( 9,15 ), sollte diese Plage etwas von seiner Macht zeigen. Er sagte, daß er den Pharao dazu erweckt habe (vgl. Röm 9,17.22 ). Gott wollte seine Macht durch einen Hagelsturm von ungeheuren Außmaßen beweisen, der keine historischen Vorläufer hatte ( 2Mo 9,18; vgl. V. 24 ). Aber in seiner Gnade wies Gott den Pharao an, alles Vieh (vgl. den Kommentar zu V. 5-7 ) und alle Menschen in die Ställe und Häuser zu bringen. Das ägyptische Vieh befand sich normalerweise bis zum Einsetzen der Sommerhitze von Januar bis April auf den Weiden.



2Mo 9,20-26.31-32


Einige Ägypter, die Moses Vorwarnung hörten, glaubten Gottes Wort durch Mose und reagierten entsprechend (V. 20 ). Andere ließen Tiere und Knechte auf dem Feld, obwohl sie schon mehrere Plagen miterlebt hatten (V. 21 ). Ihre Herzen waren so verstockt, wie das des Pharao.

Der Herr brachte, wie angekündigt, Zerstörung über die Ägypter, jedoch fiel der Hagel (mit Regen, V. 33-34 ) nicht auf die Israeliten im Land Goschen (V. 26 ). Menschen und Tiere wurden durch den Hagel getötet, und die Feldfrüchte zerstört. Der Ausdruck alles, was auf dem Feld wuchs (V. 22.25 ) wird jedoch durch die Aussage in den Versen 21-22 genauer beschrieben und eingeschränkt. »Alles« bezieht sich auf die Feldfrüchte, die am Reifen waren, nämlich Flachs, der gebraucht wurde, um Leinen herzustellen, und Gerste. Weizen und Korn (eine minderwertige Weizenart) blieben unberührt. Flachs und Gerste blühen im Januar und werden im März und April geerntet. Weizen und Korn reifen etwa einen Monat später, im April, und werden im Juni und Juli geerntet (vgl. die Übersicht »Der Kalender in Israel« zu 2Mo 12,1 ). Daraus ist zu schließen, daß die Plage im Februar stattfand.



2Mo 9,27-30.33-35


Dieser furchteinflößende Beweis der Allmacht Gottes führte zu einer scheinbaren Umkehr des Pharaos ( ich habe gesündigt , V. 27 ; vgl. 2Mo 10,16 ). Er erkannte an, daß Gott im Recht war, und war bereit, die Israeliten freizulassen ( ich werde euch gehen lassen , V. 28 ). Mose versprach, daß er Gott bitten wolle, die Plage zu beenden, obwohl er wußte, daß die Umkehr des Pharao oberflächlich und selbstsüchtig war (V. 30 ).

Da es in ganz Ägypten mörderischen Hagel regnete, stellt sich die Frage, wie sich Mose so frei bewegen konnte. Die Plage betraf wohl wiederum nur die Felder (vgl. V. 3 ) und zerstörte nur selektiv (Menschen, Tiere, Bäume, Flachs und Gerste). Mose hatte mit seinem Urteil über den Pharao Recht (V. 30 ), aber der wahre Gott war so gnädig, dem Unwetter ein Ende zu bereiten. Der Pharao blieb jedoch rebellisch gegen ihn (V. 34-35 ).



h.8. Plage: Heuschrecken
( 10,1-20 )


Der Bericht über die achte Plage kann in vier Abschnitte eingeteilt werden: Die Anweisungen an Mose (V. 1-6 ), das Gespräch mit dem Pharao (V. 7-11 ), die Zerstörung durch die Heuschrecken (V. 12-15 ) und die Demütigung und Verhärtung des Pharao (V. 16-20 ).



2Mo 10,1-6


Diese Plage offenbart einen weiteren Sinn der Gerichte. Sie sollten nicht nur den Pharao demütigen und Israel Befreiung bringen, sondern Israel auch die Macht Gottes beweisen, von der die Israeliten ihren Kindern und Enkeln erzählen sollten. Aufgrund dieser Zeichen konnte Israel wissen , daß Gott der Herr (Jahwe) ist.

Falls der Pharao sich weigern sollte, sich vor Gott zu demütigen , würde Gott eine schreckliche Heuschreckeninvasion schicken. Heuschrecken können, wenn sie zu Millionen fliegen, Feldfrüchte hektarweise völlig vernichten (vgl. Joe 1,2-7; Am 7,1-3). Sie fressen die Blätter und sogar die Baumrinde. Der größte Teil des Nahrungsmittelbedarfs einer Stadt oder eines Volkes können dabei in Minuten oder Stunden völlig vernichtet werden.

Was die letzte Plage übriggelassen hatte, nämlich Weizen und Korn ( 2Mo 9,32 ), Früchte ( 2Mo 10,15 ) und andere Feldpflanzen ( 2Mo 10,12-15 ), sollte nun verschlungen werden. Wie die Frösche ( 2Mo 7,28-29 ) und die Fliegen ( 2Mo 8,17.20 ) sollten die Heuschrecken in die Häuser der Menschen eindringen. Wie der Hagel ( 2Mo 9,18 ) sollte es in der Geschichte Ägyptens kein derartiges Vorbild dafür geben ( 2Mo 10,6; vgl. V. 14 ).



2Mo 10,7-11


Eine wirtschaftliche Katastrophe von solchem Ausmaß brachte die Hofbeamten des Pharao zu der Einsicht, daß das Zurückhalten der Sklaven einen solchen Preis nicht wert war: Ägypten, so sagten sie, sei ruiniert. Daraufhin beugte sich der Pharao der Hauptbitte Moses und sagte: Geht (V. 8 ). Obwohl Mose nie gesagt hatte, daß er mit dem Volk nicht zurückkehren werde, dachte sich der Pharao, daß das Volk für immer verloren sein würde, wenn alle Familienmitglieder sowie Schafe und Rinder mitzögen (V. 9 ). Das war in seinen Augen böse (V. 10 ). Deswegen schlug er einen neuen Kompromiß vor (vgl. 2Mo 8,21.24 ): Ihr Männer, zieht doch hin (V. 11 ). Mose und Aaron , die nicht bereit waren, auf diesen Kompromiß einzugehen, wurden zum Hof hinausgeworfen ( gAraS ; vgl. den Kommentar zu 2Mo 2,22 und 2Mo 6,1 ).



2Mo 10,12-15


Als Folge des Unglaubens und der Sturheit des Pharao ließ Gott Mose seine Hand ausstrecken (vgl. 2Mo 9,22; 10,21 ), damit die Heuschrecken kämen. Er streckte seinen Stab aus, worauf den ganzen Tag ein Ostwind bließ. Manche meinen, daß mit 'Ostwind' ein Sturmwind gemeint ist, weil der Wind normalerweise immer von Osten über Ägypten bläst. Aber diese Auslegung wird dadurch widerlegt, daß Mose in Vers 19 von einem Westwind spricht, der die Heuschrecken in das Rote Meer (wörtlich: 'Meer des (Papyrus-) Schilfes' oder 'Schilfmeer' , vgl. den Kommentar zu 2Mo 14,2 ) trug.

Die Vernichtung überstieg jegliche Vorstellung. Die Zahl der Heuschrecken war so groß, daß der Boden schwarz war ( 2Mo 10,15 ). Ganz Ägypten war betroffen. So war Ägypten seiner natürlichen Schönheit beraubt, mit allen wirtschaftlichen, sozialen und theologischen Konsequenzen. Nut, der ägyptische Himmelsgott, konnte diese Heuschrecken ebensowenig kontrollieren, wie Osiris, der Gott der Fruchtbarkeit und der Vegetation, die Zerstörung der Feldfrüchte nicht aufhalten konnte.

 

2Mo 10,16-20


Der Pharao tat wieder Buße über seine Sünde (vgl. 2Mo 9,27 ) und bat um Befreiung, aber seine Handlungen offenbarten ein verstocktes Herz. Auf Moses Fürbitte hin beendete Gott das Gericht, und der Pharao widerrief wieder ehrfurchtslos sein Versprechen.



i.9. Plage: Finsternis
( 10,21-29 )


2Mo 10,21-23


Wie auch die dritte und sechste Plage kam die neunte Plage ohne Vorwarnung. Als Mose seine Hand (vgl. 2Mo 9,22; 10,12-13 ) ausstreckte, wurde das Land drei Tage lang von einer tiefen Finsternis bedeckt. Nur im Land Goschen war Licht. Die genaue Ursache für die Finsternis ist unbekannt, aber da das Land Goschen ausgespart wurde, kann es sich nicht um eine Sonnenfinsternis gehandelt haben. Einige verstehen unter der Finsternis, die man fühlen kann ( 2Mo 10,21 ) einen ungeheuren Sandsturm, der mit seiner Finsternis und seiner Hitze die Menschen zwingt, in den Häusern zu bleiben. Da das Land wegen des Hagels und der Heuschrecken ohne Vegetation war, hätte ein Sandsturm, der möglicherweise im März von Süden kam, eine ungeheure Kraft entfaltet.

Diese Plage richtete sich gegen einen der wichtigsten Götter Ägyptens, den Sonnengott Re, den der Pharao repräsentierte. Re war für Sonnenlicht, Wärme und Fruchtbarkeit zuständig. Andere Götter, wie Horus, waren ebenfalls mit der Sonne verbunden. Auch Nut, der Himmelsgott, wurde durch die Plage gedemütigt, genauso wie durch den Hagel und die Heuschrecken.



2Mo 10,24-29


In seinem Unglück rief der Pharao Mose herbei und teilte ihm mit , daß er bereit wäre, das Volk ziehen zu lassen, aber ohne ihre Schafe und Rinder. Das war der vierte Kompromißversuch des Pharao (vgl. 2Mo 8,21.24;10,11 ). Die Tiere hätten, wenn sie zurückgeblieben wären, Ägypten geholfen, seinen durch die fünfte und siebte Plage bedingten Verlust an Tieren zu ersetzen. Aber Mose war nicht im geringsten kompromißbereit ( keine Klaue darf zurückbleiben , V. 26 ). Er bestand darauf, daß das Volk zum Opfer gerufen wurde und deshalb kein einziges der Opfertiere zurücklassen würde.

Ärgerlich befahl der Pharao Mose, sich aus seiner Gegenwart zu entfernen. Mose antwortete ruhig, daß er nie mehr zurückkehren und ihm unter die Augen treten würde (V. 29 ). Dies scheint jedoch der späteren Begegnung von Mose und Aaron mit dem Pharao zu widersprechen ( 2Mo 12,31 ). Man könnte es so erklären, daß Mose in Vers 29 meinte, daß er wegen des Ärgers des Pharaos nie mehr in Gnade mit einem Wort Gottes vor ihn treten würde. Mit anderen Worten, wenn Mose den Pharao wiedersehen würde, dann nur, um ein unwiderrufliches Gericht zu verkündigen oder auf des Pharaos Bitte hin, damit dieser Mose und den Israeliten die Erlaubnis geben könnte, das Land zu verlassen.



j.10. Plage: Tod der Erstgeborenen
( 11,1-12,36 )


Nach den drei Zyklen von je drei Plagen war Ägypten ruiniert. Gott hatte seine große Macht gezeigt, indem er die Ohnmacht der Götter Ägyptens bewies. Indem er die mächtige Nation wirtschaftlich zerstörte, sähte er Furcht in die Herzen der Bevölkerung. Er hatte die Ägypter so weit gebracht, daß sie sehnsüchtig auf die Abwanderung der Israeliten warteten, auch wenn der Pharao selbst noch gedemütigt werden mußte. Die zehnte Plage würde großes Leid in jede ägyptische Familie mit Kindern bringen und schließlich zur Befreiung des Volkes Gottes führen.

(1) Die Ankündigung der letzten Plage ( 2Mo 11 )

2Mo 11,1-3


Nach einer weiteren Plage, sagte Gott, würde der Pharao seine Sklaven ohne irgendwelche Einschränkungen (vgl. dagegen 2Mo 8,21.24; 10,11.24 ) freilassen. Bis dahin hatte Mose nicht gewußt, wieviele Plagen über das ägyptische Volk kommen sollten. Im Hinblick auf ihre baldige Befreiung sollten die Israeliten Silber und Gold von den Ägyptern erbitten, die ihnen wohl günstiger gesonnen waren als der Pharao (vgl. 2Mo 3,21-22; 12,35-36 ). Sogar Mose selbst war beim Volk und bei den Hofbeamten des Pharaos hoch angesehen , wahrscheinlich wegen der Wunder, die sie gesehen hatten. Dies kann eine Erklärung dafür sein, daß die Ägypter den Israeliten einige ihrer wertvollsten Schmuckstücke gaben.



2Mo 11,4-8









Wie die dritte, sechste und neunte Plage kam auch die zehnte ohne Vorwarnung an den Pharao und ohne jede Möglichkeit für ihn, vorher umzukehren. Wahrscheinlich setzen diese Verse die Begegnung zwischen dem Pharao und Mose in 2Mo 10,24-29 fort. Das Gericht wurde sehr detailiert angekündigt: In jeder ägyptischen Familie würde der erstgeborene Sohn um Mitternacht sterben , und zwar von den Ärmsten der Armen ( der erstgeborene Sohn einer Sklavin ) bis zur königlichen Familie ( der erstgeborene Sohn des Pharao ). Ein solches Wehgeschrei , wie über den Verlust der Söhne, sollte noch nie dagewesen sein. - Der Erstgeborene wurde in Ägypten besonders geehrt, und der Sohn des Pharaos als Thronerbe sogar als Gott angesehen.

Warum wollte Gott einen solchen Schmerz über die Ägypter bringen? Gott ist in seinem Handeln an den Menschen souverän. Das Aufblühen von Völkern und das Gericht über sie hängt nicht davon ab, wen er leiden kann und wen nicht. Gott möchte seinen Willen auf der Erde erfüllen. Weil er allein heilig ist, hat er das Recht, Menschen zu gebrauchen und beiseite zu stellen.

Alles, was Gott tut, ist gerecht, weil er Gott ist ( Ps 115,3 ). Außerdem muß man sich vergegenwärtigen, daß die Ägypter Vielgötterei betrieben und vielen Götzenbildern und falschen Göttern dienten. Wer sich weigert, dem wahren Gott zu dienen, kommt unter sein Gericht (vgl. Röm 1,18-23 ).

Die Göttin Isis, die Frau und Schwester von Osiris, sollte angeblich Kinder beschützen.

 

Aber die Plage zeigte, daß sie völlig unfähig zu dem war, woran die Ägypter glaubten.

Die Israeliten sollten durch diese große Plage niemanden verlieren. Um Mitternacht würde noch nicht einmal ein Hund bellen (wörtl.: »kein Hund wird seine Zunge schärfen«). Das heißt, daß kein Hund knurren oder beißen würde, weil dem Volk Gottes nichts zuleide getan würde. Durch diese besondere Behandlung der Hebräer sollte Ägypten erkennen, daß Gott Israel erwählt hatte (vgl. 2Mo 8,18; 9,4 ). Deshalb sollten nun die Beamten des Pharaos, die nach der achten Plage ihren König gedrängt hatten, die Israeliten ziehen zu lassen (vgl. 2Mo 10,7 ), Mose direkt bedrängen, mit seinem Volk fortzuziehen.

In verschiedenen Begegnungen hatte Mose dem Pharao die Befreiung des Volkes als Möglichkeit, die Plagen loszuwerden, angeboten. Diesmal war es anders. Die Plage würde kommen, dann würde der Pharao das Volk ziehen lassen. Die grimmige Ankündigung durch Mose war endgültig. Er würde dem Pharao nie wieder mit dem Angebot zur Umkehr gegenübertreten (vgl. den Kommentar zu 2Mo 10,28-29 ). An den bisherigen Plagen waren Mose und Aaron beteiligt, aber dieses letzte Gericht sollte allein das Werk Gottes sein.



2Mo 11,9-10


Diese Verse fassen noch einmal den widerspenstigen Geist des Pharaos zusammen. Gott hatte ja angekündigt, daß der Pharao sich weigern würde, zu gehorchen (vgl. 2Mo 7,22 ). Diese Weigerung führte zu Gottes Wundern in einem götzendienerischen Land und zur Verhärtung des Herzens des Herrschers durch den Herrn (vgl. den Kommentar zu 2Mo 4,21 ).

(2) Die Feier des ersten Passafestes ( 2Mo 12,1-28 )

Anstatt sich auf die Begegnung zwischen Mose und dem Pharao zu konzentrieren, schwenkt die Erzählung zu Mose und dem Volk Israel über. Der Abschnitt besteht aus zwei Teilen: die Anweisungen des Herrn an Mose bezüglich des Festes (V. 1-20 ) und die erste Feier des Festes (V. 21-28 ).

 

2Mo 12,1-2


Zunächst einmal ordnete Gott Mose und Aaron die Zeit des Passafestes an. Das Fest sollte den Beginn eines neuen Zeitalters in der Geschichte Israels darstellen ( der erste Monat, der erste Monat eures Jahres ). Obwohl die Ereignisse dieses Kapitels im siebten Monat des zivilen Jahres stattfanden, ist dies der erste Monat im religiösen Kalender Israels. Heute liegt er im September/Oktober. Dieser Monat sollte Abib (wörtl.: »frische, junge Ähren«, z.B. von der Gerste) heißen. Er sollte zur Zeit der Gerstenernte liegen (etwa März/April). Mit einem neuen Kalender erhielten die Israeliten eine neue Identität als das geliebte Volk des wahren Gottes.

Nachdem Israel in die babylonische Gefangenschaft geriet, erhielten der 4. und der 12.Monat babylonische Namen. Der April wurde Nisan genannt (vgl. Neh 2,1; Est 3,7 ), was soviel wie »früh« oder »Anfang« bedeutet. (Vgl. die Übersicht »Der Kalender in Israel«).



2Mo 12,3-6


Der Ausdruck »die ganze Gemeinde Israel« (vgl. V. 6 ) wird hier zum ersten Mal im AT auf das Volk angewandt. Das Wort legt einen Neubeginn nahe. Die Feier des Passafestes fand in den Häusern statt. Am 10. Tag des Monats (März/April) sollte jede israelitische Familie ein Lamm oder ein Zicklein auswählen ( Reh wird mit Lamm übersetzt, kann aber sowohl ein junges Schaf als auch eine junge Ziege meinen). Wenn eine Familie zu klein war, um ein ganzes Tier zu essen, konnten Absprachen getroffen werden, um das Mahl mit einer anderen Familie zu teilen. Das Tier mußte ein Jahr alt, männlich und ohne Fehler sein. Vier Tage später (am 14. Tag ) mußte jedes Tier in der Dämmerung (wörtl. »zwischen zwei Abenden«) getötet werden. Dies bedeutete entweder die Zeit zwischen Sonnenuntergang und völliger Dunkelheit oder die Zeit zwischen 3 und 5 Uhr nachmittags. Die letztere Zeitspanne ist vermutlich die richtige, da sie mehr Zeit für das Schlachten und Vorbereiten der Tiere lassen würde, die später nötig war, als viele Opfer gleichzeitig im Heiligtum dargebracht wurden.



2Mo 12,7-11


In diesen Versen folgen Anweisungen, wie das Passa begangen werden soll. Auch wenn das Fest eigentlich im Haus eines jeden Israeliten gefeiert wurde, sollte sie ihr geeinter und gleichzeitiger Gottesdienst zu einer einzigen Gemeinschaft zusammenfügen (vgl. V. 3 ). Das Blut mußte an die Türrahmen des Hauses gestrichen, das Fleisch des Tieres gebraten und vom Volk zusammen mit bitteren Kräutern und ungesäuertem Brot gegessen werden. Das Schlachten der Tiere anstelle der Erstgeborenen der Israeliten (V. 13 ) und das Besprengen mit Blut ist ein Bild für den stellvertretenden Tod Jesu Christi. Er ist unser Passalamm ( 1Kor 5,7 ), ein Lamm ohne Schuld und Fehler ( 1Pet 1,19; vgl. Joh 1,29 ). Sein eigenes Opfer ist der Weg, durch den der einzelne Gläubige dem Schrecken des geistlichen Todes entflieht.

Bittere Kräuter (wahrscheinlich Endivie, Chicorãee und Löwenzahn) symbolisierte Leid und Trauer (vgl. Klgl 3,15 ) für vergangene Sünden oder die bitteren Erfahrungen der Unterdrückung in Ägypten. Das ungesäuerte Brot symbolisierte den hastigen Aufbruch ( 2Mo 12,11.39; 5Mo 16,3 ). Das Fleisch sollte gebraten und nicht roh gegessen werden, wie es einige Heidenvölker taten. Das Volk sollte das gesamte Mahl schnell essen und dabei für die Reise fertig angezogen sein (zu die Lenden gegürtet vgl. den Kommentar zu »Gürte doch wie ein Mann deine Lenden« zu Hi 38,3;40,7 ).

Unter dem Schutz des vergossenen Blutes sollte sich die Gemeinde an die Reinigung von den Sünden (vgl. Hebr 9,22 ) und an die Fremdlingschaft in einem fremden Land erinnern. Es ist das Passa des HERRN meint, daß das Passafest für den Herrn gefeiert wurde (vgl. »ein Fest für den Herrn«, 2Mo 12,14 ).



2Mo 12,12-14


Gott sagte, daß er in derselben Nacht (um Mitternacht, 2Mo 11,4; 12,29 ), nachdem die Israeliten ihr Passalamm mit Kräutern und Brot gegessen hätten, die erstgeborenen Söhne und Tiere in jeder ägyptischen Familie töten würde (vgl. 2Mo 11,5; 12,29-30 ). Der Sinn dieser Plage entsprach dem Sinn der anderen Plagen, nämlich das Gericht über die Götter Ägyptens zu bringen (vgl. 4Mo 33,4 ) und dadurch zu zeigen, daß Gott der Herr ist. Der älteste Sohn und Thronfolger des Pharaos wurde für göttlich gehalten. Min, der ägyptische Gott der Fortpflanzung, und Isis, die Göttin der Liebe, die Frauen bei der Geburt besuchte, wurden durch diese, alle anderen übertreffende Plage und Katastrophe gerichtet.

Das an die Häuser der Israeliten gesprengte Blut schützte vor dem Tod, während Gott die Erstgeburt der Ägypter schlug. Der Name des Festes 'Passa' ( pesaH ) kommt von dem Verb 'vorübergehen' ( pAsaH ). So wie das Blut der Tiere das Mittel war, befreit zu werden und dem Tod zu entkommen, so ist das Blut Christi das Mittel der Erlösung der Gläubigen ( Röm 5,9; Eph 1,7 ).

Das Passa sollte jährlich von allen Nachkommen als ewige Ordnung (vgl. 2Mo 12,17.24; 13,10 ) gefeiert werden. Andere jährliche Ereignisse, Feste und levitische Anordnungen wurden ebenfalls »ewige Ordnung« genannt (z.B. 2Mo 27,21; 28,43; 29,9; 30,21; 3Mo 16,29.31.34; 23,14.21.41 ). Das Passafest war ein Fest für den HERRN (vgl. 2Mo 5,1; 10,9 ).


2Mo 12,15-20


Anschließend gab Gott Anweisungen für das Fest der ungesäuerten Brote als Nationalfest der Befreiung Israels aus Ägypten. Das Passafest und das Fest der ungesäuerten Brote waren so eng miteinander verbunden, daß beide oft als ein Fest angesehen wurden (vgl. Lk 2,41; 22,1; vgl. die Kommentare zu Lk 22,7-38 und Joh 19,14 ). Das Fest der ungesäuerten Brote sollte sieben Tage ( 2Mo 13,6-7 ), vom 15. bis zum 21. des Monats ( 3Mo 23,6; 4Mo 28,17 ), dauern. Beim Passafest durfte auch kein gesäuertes, d.h. mit Hefe durchsetztes, Brot gegessen werden ( 2Mo 12,8 ). Die Häuser sollten von der Hefe gereinigt werden (V. 15-16 ), die ein Bild für die Sünde ist ( 1Kor 5,8 ). Das Fehlen der Hefe zeigt, daß diejenigen, die in der Sicherheit des vergossenen Blutes leben, vor einem heiligen Gott frei von aller Verdorbenheit der Sünde waren. Wenn jemand irgendetwas Gesäuertes während der Festtage aß, sollte er aus Israel ausgerottet werden ( 2Mo 12,19 ), d.h. er sollte aus dem Lager ausgeschlossen werden und alle Bundesrechte verlieren, was wohl zum Tod führte. Außerdem sollte sich das Volk am ersten und am siebten Tag zu einem speziellen Gottesdienst versammeln. Außer der Essenszubereitung war in der ganzen Woche keine Arbeit erlaubt. Wie das Passafest sollte auch das Fest der ungesäuerten Brote eine ewige Ordnung (V. 17 ; vgl. V. 14 ) sein und späteren Generationen Segen bringen. Sowohl das Passafest als auch das Fest der ungesäuerten Brote sollten eine »Ordnung«, der man gehorchen (V. 14.17.24 ), und ein »Brauch«, den man befolgen sollte (V. 25-26 ), sein. Das Passa war ein »Fest« (V. 14 ), das ein »Opfer« einschloß (V. 27 ). Die Verse 19-20 wiederholen die Anweisungen des Verses 15 , um ihn zu betonen.


2Mo 12,21-28


Mose gab nun den Ältesten für das Passafest Anweisungen (V. 21-23 ), die denen entsprachen, die der Herr Mose gegeben hatte (V. 3-11 ). Das Blut sollte mit einem Büschel Ysop , einer verbreiteten, buschigen Pflanze, die auf felsigem Untergrund wächst, an den Türrahmen (V. 7 ) gestrichen werden. Diese Pflanze wurde oft bei israelitischen Reinigungshandlungen verwendet ( 3Mo 14,4.6.49.51-52; 4Mo 19,6.18 ). Der Verderber (vgl. Hebr 11,28 ), der die Erstgeborenen tötete, könnte der 'Engel des Herrn' (Christus vor seiner Fleischwerdung, vgl. den Kommentar zu 1Mo 16,9 ) oder ein Engel gewesen sein.

Anschließend wurde das Volk Gottes ermahnt, das Passafest auf jeden Fall auch in dem Land zu feiern, das Gott ihnen versprochen hatte, und ihren Kindern seine Bedeutung zu erklären ( 2Mo 12,26-27; vgl. 2Mo 13,14-15 ). Das Volk war für die baldige Befreiung aus der jahrhundertelangen Sklaverei dankbar und betete den Herrn an. Dann führten sie seine Gebote aus.

(3) Das Verderben durch die Plage ( 2Mo 12,29-36 )

Die ausführlichen Anweisungen über das Passafest und das Fest der ungesäuerten Brote erhöhen die Spannung, die zu dem Höhepunkt im Gericht über die Erstgeborenen Ägyptens (V. 29-30 ) und der Befreiung der Israeliten (V. 31-36 ) führt.



2Mo 12,29-30


Die zehnte Plage wird mit ihrer Zeit ( Mitternacht ), ihrem Ausmaß (jeder Erstgeborene ; vgl. 2Mo 4,22-23 ) und ihrem Ergebnis ( lautes Geschrei ; vgl. 2Mo 11,6 ) beschrieben. Die Nation wurde von großem Leid ergriffen, als Gott die geliebten Söhne der Familien aller Gesellschaftsschichten, vom König bis zum politischen Gefangenen (vgl. 2Mo 11,5 ) tötete. Dieses Leid ist zugleich eine eindrückliche Erinnerung an den Zorn Gottes gegen die Sünder und den schmerzhaften Preis für die Sünde. Offensichtlich hatte »eine mächtige Hand«, nämlich die Gottes, den Pharao gezwungen, Gottes Volk ziehen zu lassen ( 2Mo 3,19 )!



2Mo 12,31-33


Als Antwort auf die Tragödie entließ der Pharao die Israeliten in derselben Nacht ohne irgendwelche Einschränkungen. Er befahl ihnen sogar, zu gehen. Gott hatte verheißen: »Er wird euch ziehen lassen« ( 2Mo 3,20; 6,1 ). Der Pharao, der als Gott angesehen wurde, war nun so gedemütigt, daß er Mose und Aaron bat, für ihn um Segen zu beten (vgl. 2Mo 8,28 ). Er wollte unter dem Segen Jahwes sein, nicht unter dem Fluch der Plage. Auch das ägyptische Volk drängte die Israeliten, fortzuziehen, weil sie fürchteten, daß sie alle sterben müßten.



2Mo 12,34-36


Der Auszug geschah so plötzlich, daß das Volk den ungesäuerten Teig roh mitnahm, weil es keine Zeit mehr hatte, Brot daraus zu machen (V. 39 ). Die Plage bewies Gottes Macht und verschaffte den Israeliten solche Gunst bei den Ägyptern , daß diese bereit waren, ihnen alles zu geben, um den Auszug zu beschleunigen. Sie gaben ihnen sogar ihren wertvollen Schmuck und Kleidung (vgl. 2Mo 3,21-22; 11,3 ). So erfüllte sich Gottes Verheißung an Abraham über die Gefangenschaft seiner Nachkommen ( 1Mo 15,13-14 ): »Aber ich will das Volk richten, dem sie dienen müssen. Danach sollen sie ausziehen mit großem Gut«. Sie erhielten damit einigen »Lohn« für die 400 Jahre des Sklavendienstes.



D. Die Befreiung Israels aus Ägypten
( 12,37-18,27 )


Dieser Abschnitt berichtet den Auszug der Hebräer von dem Moment an, als sie Ramses verließen bis zur ihrer Ankunft am Berg Sinai drei Monate später. Durch das Besprengen mit Blut war das Volk vom Tod befreit worden ( 2Mo 12,13 ); jetzt wurden sie von der Knechtschaft befreit, und ihr Blick sollte sich auf ein Leben in Heiligkeit und Gottesdienst richten.



1. Die Flucht in Ägypten bis zum Meer
( 12,37-13,22 )


2Mo 12,37-42


Von Ramses aus , wo das Volk offensichtlich konzentriert war (vgl. 2Mo 1,11 ), reisten sie nach Sukkot, dem heutigen Tell el-Maskhutah in der Nähe des Sees Timsah. Die Zahl der israelitischen Männer betrug etwa 600000 ( 2Mo 38,26 und 4Mo 1,46 gibt die genaue Zahl 603550 an). Mit Frauen und Kindern dürfte die Gesamtzahl etwa zwei Millionen betragen haben. Mit ihnen zogen Nichtisraeliten von unbestimmter Zahl, offensichtlich eine zusammengewürfelte Gruppe (in 4Mo 11,4 Pöbel genannt). In der Wüste veranlaßten sie die Israeliten gegen Mose aufzubegehren ( 4Mo 11,4 ).

Auf dem Weg buk das Volk ungesäuertes Brot (vgl. 2Mo 12,34 ). Mose schloß diesen Abschnitt über den Beginn des Auszuges mit einem historischen Hinweis, einer Erinnerung an Gottes Treue und einem Aufruf zum Gedenken in der Zukunft. Die Zeit, die die Israeliten in Ägypten verbrachten, wird hier mit 430 Jahren (vgl. Gal 3,17 ) angegeben, während andere Abschnitte von 400 Jahren ( 1Mo 15,13.16; Apg 7,6 ) oder »etwa 450 Jahren« ( Apg 13,20; vgl. den Kommentar dort) sprechen. Offensichtlich betrug die gesamte Zeit in Ägypten tatsächlich 430 Jahre (von 1876 v.Chr. bis 1446 v.Chr.; vgl. die Kommentare zu Apg 7,6 und Gal 3,17 ). Die Tatsache, daß Gott in der Nacht des Auszuges über seinem Volk gewacht hatte, sollte in Erinnerung bleiben. Weil der Herr über sie wachte , sollten sie darüber wachen , ihm zu dienen und ihn zu verehren. Sie sollten wachsam sein, weil er es auch ist.



2Mo 12,43-51


In Sukkot erhielten Mose und Aaron Anweisungen über das Feiern des Passafestes (V. 43-51 ) und über die Heiligung der Erstgeburt ( 2Mo 13,1-16 ). Die verschiedenen Anweisungen wurden offensichtlich wegen der Nichtisraeliten notwendig, die sich dem Auszug und der Religion der Hebräer anschlossen. Wenn sich jemand nicht durch den Beschneidungsritus mit den Bundesverheißungen einsmachte, konnte er das Passafest nicht feiern ( 2Mo 12,44.48-49 ). Das Fest sollte sich auf die Häuser konzentrieren, aber von der ganzen Gemeinde ausgeführt werden.



2Mo 13,1-16


Nach einer einführenden Erklärung über die Erstgeborenen der Israeliten (V. 1-2 ), die dem Dienst des Herrn geweiht werden sollten (denn sie waren in der zehnten Plage verschont worden), sprach Mose wieder zum Volk über das Passafest und das Fest der ungesäuerten Brote (V. 3-10 ) und kehrte dann zum Thema des Erstgeborenen zurück (V. 11-16 ).

Wieder erinnerte Mose das Volk an die Bedeutung des Tages ihrer Errettung (vgl. 2Mo 12,24-27 ) aus dem Land der Sklaverei (wörtl. »Sklavenhaus«) in das Land der Verheißung durch Gottes mächtige Hand (vgl. den Kommentar zu 2Mo 3,19 ). (Zu den Kanaanitern und anderen Gruppen, die in 2Mo 13,5 erwähnt werden, vgl. den Kommentar zu 2Mo 3,17; zu dem Land, in dem Milch und Honig fließt , vgl. den Kommentar zu 2Mo 3,8 ). An dieses siegreiche Ereignis sollte man sich jährlich bei der Zeremonie des siebentägigen Festes der ungesäuerten Brote erinnern.

So wie das Passa ( 2Mo 12,26-27 ) hatte auch das Fest der ungesäuerten Brote zu Hause großen erzieherischen Wert ( 2Mo 13,8-9 ). Das Fest war wie ein Zeichen auf ihrer Hand oder Stirn , d.h. es war eine ständige Erinnerung an Gottes mächtige Errettung aus Ägypten. Manche orthodoxe Juden legen heute diese Passage (und 5Mo 6,8; 11,18 ) wörtlich aus und binden Abschnitte des Gesetzes (nämlich 2Mo 13,2-10; 5Mo 6,4-9; 11,18-21 ) in kleinen Beuteln, sogenannten Phylakterien, auf Arm und Stirn, obwohl dies wahrscheinlich nicht Gottes Absicht gewesen war.

Wenn sie einmal im Land der Verheißung waren ( 2Mo 13,11 ), sollte die Erstgeburt der Söhne und männlichen Tiere dem Herrn geweiht werden (vgl. V. 2 ; 4Mo 18,15 ). Die Tiere waren miteingeschlossen, weil »sie auch von der Erlösung«, die Gott in der 10. Plage geschenkt hatte, »ihren Vorteil hatten« (Davis, Moses and the Gods of Egypt , S.154). Weil Esel für die Feste als unrein galten konnten sie nicht geopfert, jedoch durch Lämmer, die an ihrer Stelle geopfert wurden, ausgelöst werden ( pADCh , »für einen Preis zurückkaufen«). Da Menschenopfer aber natürlich unannehmbar waren, wurden die hebräischen Söhne ebenfalls »ausgelöst«. Auch das hatte in den Häusern Lehrwert (vgl. 2Mo 12,26-27; 13,8 ). Die ägyptischen Erstgeborenen waren im Gericht getötet worden, die israelitischen »Erstgeborenen« dagegen wurden entweder als stellvertretendes Opfer getötet (die Tiere) oder ausgelöst (die Söhne). So wie das Fest der ungesäuerten Brote (V. 7-9 ) war die Hingabe des Erstgeborenen ein Zeichen und Symbol, eine Erinnerung an Gottes mächtige Errettung (V. 16 ). Beide waren Erinnerungen an Gottes gnädige Errettung aus dem Land der Sklaverei.



2Mo 13,17-22


Der kürzeste Weg in das Land Kanaan führte durch das Gebiet der Philister in Richtung auf Beerscheba und den Negev. Er ging am Mittelmeer entlang, der Militärstraße der Ägypter. Aber die von Gott ausgesuchte Route ging nach Südosten in Richtung auf den Sinai zu, um eine mögliche militärische Auseinandersetzung mit den ägyptischen Wachen zu vermeiden, die das Volk hätten ermuntern können, nach Ägypten zurückzukehren . Die genaue örtliche Festlegung der Wüstenroute ist unsicher, aber möglicherweise führte sie zu den Bitteren Seen (vgl. die Karte »Mögliche Route des Auszugs aus Ägypten« bei 4Mo 33,1-5 ). Bewaffnet für den Kampf heißt möglicherweise eher organisiert für den Marsch, als mit Waffen, Pfeilen und Bogen für den Krieg ausgerüstet.

Mose hatte von Josefs Bitte gehört, seine Gebeine aus Ägypten mitzunehmen (vgl. 1Mo 50,25 ), und so achtete er diese Bitte. Später wurden die Gebeine Josefs in Sichem begraben ( Jos 24,32 ). Stephanus wies darauf hin, daß die Überreste der anderen Söhne Jakobs ebenfalls dorthin gebracht worden waren ( Apg 7,15-16; vgl. den Kommentar dort).

Nach einiger Zeit in Sukkot zogen die Israeliten nach Etam (vgl. die Karte »Mögliche Route des Auszugs aus Ägypten« bei 4Mo 33,1-5 ). Die Israeliten, die auf übernatürliche Weise tagsüber durch eine Wolkensäule , nachts durch eine Feuersäule geführt wurden, zogen offensichtlich jeden Tag ein Stück weiter. Die Wolke symbolisierte darüber hinaus, daß sie führte, auch die Gegenwart Gottes und versicherte den Israeliten seine Güte und Treue. (Es war nur eine Wolke, keine zwei; vgl. 2Mo 14,24 .) Das Volk wurde zum Rand der Wüste gebracht (vgl. 4Mo 33,6 ).



2. Der Durchzug durch das Rote (Schilf-) Meer
( 2Mo 14 )


a. Das Lager beim Roten (Schilf-) Meer
( 14,1-4 )


2Mo 14,1-4


Nachdem die Israeliten einige Tage lang auf südöstlichem Wege gereist waren, und sich eine Zeit bei Etam gelagert hatten, befahl der Herr Mose, das Volk anzuweisen, daß es nach Pi-Hahirot zwischen Migdol und dem Meer und gegenüber Baal-Zefon umkehre (vgl. 4Mo 33,7 ). Diese Städte lagen östlich von Ramses. Dieser Richtungswechsel würde den Pharao denken lassen, daß die Israeliten in Verwirrung waren. Als ein Ergebnis der Verhärtung seines Herzens durch Gott (vgl. den Kommentar zu 2Mo 4,21 ) würde er versuchen, das Volk wieder zu versklaven. Dann würde Gott seine furchteinflößende Macht durch ein weiteres großes Gericht deutlich machen.

Das Schilfmeer wird in 2Mo 10,19; 13,18; 15,4.22 Rotes Meer genannt. »Rotes Meer« ( yAm sUP ) heißt wörtlich »Schilf- (Papyrus) Meer«. Mehrere Gründe weisen darauf hin, daß es weiter nördlich als die nördliche Spitze des Golfes von Suez lag (der nordwestliche »Finger« des Roten Meeres zwischen Ägypten und der Sinai-Halbinsel): (1) Der Golf von Suez weist kein Schilf auf. (2) Die nördlichste Spitze des Golfes von Suez liegt viel weiter südlich als Pi-Hahirot und Migdol. (3) Das Gebiet, in dem sich die Israeliten lagerten, war sumpfig. Das gilt jedoch nicht für das Land westlich vom Golf von Suez. (4) Von »dem Meer« aus zogen die Israeliten in östlicher oder südöstlicher Richtung in die Wüste Schur ( 2Mo 15,22 ), die auch Wüste Etam genannt wird ( 4Mo 33,8 ), im nordwestlichen Teil der Sinai-Halbinsel. Möglicherweise war also das Meer, das der Herr für die Israeliten austrocknen ließ, der See Bala (vgl. die Karte »Mögliche Route des Auszugs aus Ägypten« bei 4Mo 33,1-5 ).



b. Die Verfolgung durch die Ägypter
( 14,5-9 )


2Mo 14,5-9


Als dem Pharao und seinen Großen die Konsequenzen der Freilassung der Hebräer bewußt wurden ( wir haben ihre Dienste verloren ; vgl. 2Mo 1,14 ), waren sie fest entschlossen, die Flucht zu verhindern. Obwohl die israelitischen Männer über 600000 an der Zahl waren, wurde der Pharao durch die Tatsache, daß die Israeliten scheinbar unentschlossen zu sein schienen, und durch seine eigene, überragende militärische Tüchtigkeit ermutigt. Möglicherweise war der Pharao von dem Wegzug der Israeliten von Ramses unmittelbar am 15. Tag des Monats unterrichtet worden. Aber ohne Zweifel reagierte er nicht augenblicklich, denn die Ägypter waren damit beschäftigt, ihre Toten zu begraben und zu betrauern (vgl. 4Mo 33,3-4 ) und weil Mose wiederholt von einer »Dreitagesreise« gesprochen hatte ( 2Mo 3,18; 5,3; 8,23 ). Als sich der Pharao später darüber klar wurde, daß der Wegzug der Israeliten nicht nur vorübergehender Natur war, brachte er 600 Streitwagen , Wagenlenker und Truppen zusammen und holte die Israeliten bei Pi-Hahirot ein.



c. Das Schreien des Volkes und der Glaube Moses
( 14,10-14 )


2Mo 14,10-14


Als die Wagenlenker und bewaffneten Truppen des Pharaos herankamen, ergriff das ganze Lager Angst. Die Israeliten waren zwischen dem Roten Meer (wörtl. »Schilf- [Papyrus-] Meer«; vgl. den Kommentar zu V. 2 ) vor und einem schweren Gegner hinter sich wie in einer Falle gefangen. Die Reaktion der Israeliten war hier dieselbe, wie durch das ganze Buch hindurch (vgl. 2Mo 5,21 ) in Zeiten von Zwang und Ängsten. Obwohl sie zum Herrn schrien , hatten sie kein Vertrauen, daß er ihnen helfen könnte. Schnell war die Vergangenheit vergessen, und sie klagten Mose voll Bitterkeit an, daß er sie betrogen habe, indem er sie in die Wüste führte, damit sie dort sterben sollten. Haben wir nicht in Ägypten gesagt: Laß uns in Ruhe, und laß uns den Ägyptern dienen? Mose erkannte, daß die Angst ihr Gedächtnis verwirrt hatte und Zorn gegen ihn entstehen ließ. So trachtete er danach, ihnen zu versichern, daß der Herr sie erretten würde, indem er für sie stritte (vgl. 2Mo 15,3; Ps 35,1 ), während sie beständig im Vertrauen bleiben sollten. Es ist überraschend, daß das Volk Gottes voller Mißtrauen und Angst war, als der größte Augenblick ihrer Erlösung herannahte.



d. Die Teilung des Roten (Schilf-) Meeres
( 14,15-22 )


Gott teilte Mose seine Absichten mit (V. 15-18 ). Der Engel Gottes beschützte die Israeliten (V. 19-20 ), und sie zogen auf trockenem Land hindurch (V. 21-22 ).

2Mo 14,15-18


Gott übermittelte Mose, daß er das Volk auf wunderbare Weise durch das Meer hindurchretten würde. Mose brauchte nur seinen Stab über das Meer auszustrecken , und das Wasser sollte sich teilen , und der Grund des Meers würde trockener Boden sein. Die Wagenlenker des Pharaos würden in ihrer Torheit den Israeliten in das Meer folgen. Dort würde Gott, so wie bei den Plagen, seine Macht und Herrlichkeit in der Zerstörung des ägyptischen Heeres erweisen. Die Ägypter, so sprach Gott, werden erkennen, daß ich der HERR bin .



2Mo 14,19-22


Ein Engel Gottes , vielleicht eine Gotteserscheinung (vgl. den Kommentar zu 1Mo 16,9 ) oder ein engelgleicher Bote, der vor den Israeliten hergezogen war, stellte sich hinter sie, um sie vor den angreifenden Ägyptern zu schützen. Der Engel wechselte vom Führer zum Wächter. Die ganze Nacht hindurch verursachte die Wolkensäule , die sich ebenfalls nach hinten zwischen die beiden Lager bewegt hatte, eine solche Dunkelheit, daß für die Ägypter ein Vorrücken des Heeres unmöglich war. In dieser Nacht tat Gott ein weiteres Wunder: Er teilte das Meer (vgl. Ps 74,13 ) durch einen starken Ostwind und trocknete den Meeresboden (vgl. Ps 66,6; 106,9 ). Das Meer war tief genug (vgl. 2Mo 15,5 ), daß später die Ägypter darin ertrinken konnten ( 2Mo 14,28 ). Während der Wind den Meeresboden trocken und das Meer geteilt hielt, zogen die Israeliten durch das Meer (vgl. V. 16 ; Ps 78,13 ) hindurch. Der Durchgang war vielleicht sehr breit, um 2 Millionen Menschen und ihren Herden den Durchzug zu ermöglichen. Es war ein wunderbarer Wind.

Gottes Errettung des Volkes Israel aus Ägypten schildert anschaulich seine Gnade, denn er erlöst sein ganzes Volk aus der Sklaverei. In einer machtvollen Entfaltung seiner Kraft befreite er Israel.



e. Die Vernichtung der Ägypter
( 14,23-31 )


2Mo 14,23-28


Als die Ägypter die Israeliten in dem trockenen Meeresbett verfolgten, verlangsamte der HERR bei der Morgenwache (in der Zeit zwischen 3 Uhr morgens und dem Sonnenaufgang) ihr Fortkommen, und sie wurden von Panik ergriffen. Nach Ps 77,16-19 schickte Gott einen heftigen Regenguß, Blitz und Donner sowie ein Erdbeben. Vielleicht tränkte der Regen den Meeresboden schnell, was die Räder der Streitwagen ausbrechen ließ. Hinzu kam das Heulen des Windes, der die Wasser wie eine Wand aufgebaut hatte. Die Ägypter versuchten, zu entkommen und erkannten, daß der Gott der Hebräer (der HERR) für Israel stritt (vgl. 2Mo 14,14 ). Bei Tagesanbruch flossen die Wasser wieder zusammen, und die Ägypter wurden in das Meer gespült (wörtl. »hinuntergeworfen«). Die zusammenbrechenden Wasserwände vernichteten die Ägypter im Meer, so daß nicht ein einziger Soldat überlebte.



2Mo 14,29-31


Gott errettete sein Volk durch trockenes Land hindurch, während er die Ägypter im Meer vernichtete; ihre toten Körper, die an die Küste trieben, waren eine schreckliche Erinnerung an die furchteinflößende Macht Gottes im Gericht. Als Folge davon fürchteten die Israeliten den HERRN und glaubten an ihn. Das Volk schwankte häufig zwischen Vertrauen und Klage, zwischen Glaube und Unglaube ( 2Mo 4,31;5,21; 14,10-12.31; 15,24; 16,2-4; 17,2-3 ).



3. Der Lobgesang Moses und Mirjams für die Errettung
( 15,1-21 )


Das Murren und Klagen der Israeliten ( 2Mo 14,10-12 ) wandelte sich in Anbetung um, in triumphierendes Lob, zu dem sie von Mose ( 2Mo 15,1-18 ) und seiner Schwester Mirjam (V. 19-21 ) angeleitet wurden.



a. Der Lobgesang Moses
( 15,1-18 )


Dieses Lobgedicht besteht aus drei Hauptabschnitten (V. 1-6.7-11.12-16 ) und einem Schluß (V. 17-18 ). Am Ende jedes Abschnittes werden bestimmte Worte wiederholt: »Herr, deine rechte Hand« (V. 6 ); »wer ist dir gleich?« (V. 11 ); »bis dein Volk hindurchzog« (V. 16 ).

2Mo 15,1-6


Im ersten Abschnitt wird das Thema sofort angegeben - die Vernichtung der ägyptischen Armee im Meer (V. 1 ; vgl. V. 4 ). Mose erkannte die große Stärke (V. 2 ; vgl. V. 13 ) und Macht (V. 6 ; vgl. V. 16 ) des einzigen wahren Gottes an, der solch eine furchteinflößende Befreiung ( Errettung ) herbeigeführt hatte. Aus diesem Grund, sagte Mose, brachte Gott ihn zum Jubeln ( er ist mein Lobgesang ).



2Mo 15,7-11


Dieser zweite Abschnitt erläutert die Vernichtung der Ägypter durch Gott in Einzelheiten. Die Verse legen den Akzent auf die großartige Macht Gottes ( deine große Majestät , V. 7 ), der Herr über die Elemente ist und sie zur Vernichtung seiner Feinde gebraucht. Das Schnauben deiner Nase (V. 8 ) bezieht sich auf den Wind, der das Meer teilte, du bliesest mit deinem Atem (V. 10 ) auf den Wind, der die sich türmenden Wasser niederstürzen ließ. Dies sind poetische Anthropomorphismen. Die Ägypter, die auf ihren Sieg vertrauten (V. 9 ), stürmten anmaßend gegen Israel an, aber Gott vernichtete sie völlig mit dem geringsten Kraftaufwand ( sie sanken wie Blei ; vgl. V. 5 , »sie sanken wie Steine«). Die Erkenntnis der mächtigen Werke Gottes führte Mose dazu, die Einzigartigkeit des Herrn zu preisen: Wer ist dir gleich? (vgl. Ps 35,10; 71,19; 77,14; 89,7; 113,5; Mi 7,18 ). Keiner ist in bezug auf Heiligkeit und Herrlichkeit wie er.



2Mo 15,12-18


Darauf beschrieb Mose die Folgen der Errettung Israels durch solch einen großen Gott. Als ein Ergebnis dieses wunderbaren Triumphes durch seine rechte Hand (vgl. V. 6 ) würde Gott in seiner unerschöpflichen Liebe ( HeseD , »treuen Liebe«) sein Eigentum in seine heilige Wohnung im verheißenen Land führen. Eine weitere Folge war, daß andere Völker Israel fürchteten, besonders jene Länder, in die Israel gerade jetzt hineinkommen sollte. Die Macht Ägyptens war ausgelöscht worden, das Land geschändet, sein Volk zog in Trauer fort und und sein Heer war zerstört. Andere Völker, die von der Macht des israelitischen Gottes hörten, duckten sich ängstlich. Das Volk der Philister , das hier zuerst erwähnt wird, gehörte zu den ersten, die von dem Durchzug durch das Rote (Schilf-) Meer hörten. Edom lag südlich und östlich des toten Meeres, Moab unmittelbar nördlich von Edom. Nach dem Bericht Josuas von der Landnahme hatten die Kanaaniter große Furcht vor den Israeliten (vgl. 5Mo 2,25; Jos 2,9-11.24; 5,1 ).

Moses Lied des Triumphes schließt die Versicherung ein ( 2Mo 15,17 ), daß Gott sein Volk in das verheißene Land und nach Jerusalem, dem Berg des Erbes Gottes, bringen werde, wo seine Gegenwart im Heiligtum offensichtlich war. Mose bestätigte auch die Tatsache, daß der Herr für immer über sein Volk herrscht. Gott mußte dafür gepriesen werden, wie er eine mächtige Errettung erwirkte, was er dann tat, um das Land zur Eroberung vorzubereiten, und was er in seiner ewigen Herrschaft noch tun würde.



b. Der Gesang Mirjams
( 15,19-21 )


2Mo 15,19-21


Obwohl Vers 19 auf den ersten Blick in der Erzählung an der falschen Stelle zu stehen scheint, wiederholt er doch ganz mit Absicht die Ursache für ein solches jubelndes Lob - die Vernichtung der ägyptischen Armee im Meer (vgl. V. 1 ) und die Errettung der Israeliten. Dieser Vers besteht aus drei Sätzen, die (im Hebr.) je mit dem Wort Meer enden. Mirjam (vgl. 4Mo 12,1-2 ) ist die erste Frau in der Bibel, die Prophetin genannt wird. Micha weist darauf hin, daß sie zusammen mit Mose und Aaron eine wichtige Führerrolle bei den Wanderungen Israels durch die Wüste innehatte ( Mi 6,4 ).

Da Mose zur Zeit des Auszuges 80 Jahre alt war und Aaron 83 ( 2Mo 7,7 ), war Mirjam möglicherweise in den 90ern, denn sie war bereits ein junges Mädchen, als Mose geboren wurde ( 2Mo 2,4.7-9 ). Sie und die Frauen tanzten zusammen mit Tamburinen (vgl. 1Sam 18,6 ) bei ihrer jubelnden Antwort auf Moses Gesang über Gottes Triumph über die Ägypter (vgl. 2Mo 15,21 mit V. 1 ).



4. Der Zug zum Berg Sinai
( 15,22-18,27 )


Nach der wunderbaren Erlösung aus der Sklaverei war das Volk Gottes voller Lob. Aber nun standen sie der Wildnis gegenüber. Würde die Freude über die Errettung und das Wissen, daß ihr Gott da war, ihnen die innere Stärke verleihen, um die vor ihnen liegenden Prüfungen durchzustehen? Dieser Teil des Buches beschreibt die Wanderungen des Volkes vom Roten (Schilf-) Meer zum Berg Sinai; eine dreimonatige Wanderung ( 2Mo 19,1 ). Der Rest des Buches ( 2Mo 19-40 ) beschreibt Gottes Handeln mit dem Volk während sie sich dort lagerten.



a. Die Versorgung mit Wasser bei Mara
( 15,22-27 )


2Mo 15,22-26


Nachdem die Israeliten das Gebiet um die Seen verlassen hatten, kamen sie in die Wüste von Schur im nördlichen Teil der Sinai-Halbinsel. Diese Wüste wurde auch die Wüste Etam genannt ( 4Mo 33,8 ). Bei ihrem Zug nach Süden wanderten die Israeliten drei Tage ohne Wasser bis sie nach Mara kamen (vielleicht das heutige Ain Hawara). Aber sie konnten das Wasser nicht trinken, denn es war bitter . So klagten sie Mose an. Diese Reaktion ist im Licht ihrer erst kurz zurückliegenden Errettung und ihres triumphierenden Lobgesanges erstaunlich. Sie hatten ein großes Vorrecht gehabt; doch nun veranlaßte sie die Not sehr schnell, Mose anzugreifen (vgl. 2Mo 14,10-12; 16,2; 17,3; 4Mo 14,2; 16,11; 17,6 ).

Der Anblick des nicht trinkbaren Wassers entmutigte das Volk stark, aber Gott antwortete gnädig auf Moses Gebet und verwandelte das Wasser in Trinkwasser ( 2Mo 15,25 ). Das Holz, das Mose in das Wasser warf, hatte keine magische Wirkung auf das Wasser . Es war nur einfach eine symbolische Handlung, mit der Mose am Wirken Gottes, dem Wunder, teilhatte. (In ähnlicher Weise hatte Mose seinen Stab über das Meer emporgehoben, 2Mo 14,16 ).

Darauf gab der Herr dem Volk einen einfachen Grundsatz: Gehorsam bringt Segen, Ungehorsam Gericht. Die Krankheiten (vgl. 5Mo 7,15; 28,60 ) beziehen sich vielleicht auf die Plagen oder, was noch wahrscheinlicher ist, auf Geschwüre (vgl. 5Mo 28,27 ), die in der Deltaregion Ägyptens eine übliche Erscheinung waren. Das Verwandeln des Wassers in süßes Wasser mit Hilfe eines Astes war ein weiteres Wunder Gottes, um sein Volk unversehrt zu bewahren. Heute führt die Oase bei Ain Hawara nur bitteres Wasser.



2Mo 15,27


Von Mara zog das Volk nach Elim , vielleicht das Wadi Gharandel etwa zwölf Kilometer südlich von Mara, wo bis heute reichlich Wasser und Schatten vorhanden sind. In Elim gab es 12 Wasserquellen und siebzig Palmbäume . Es wird nicht genau angegeben, wie lange das Volk dort lagerte. Vielleicht half der Umstand, daß Mose die Gegend gut kannte, Elim ausfindig zu machen.



b. Die Versorgung in der Wüste Sin
( 2Mo 16 )


(1) Die Versorgung mit Brot und Wachteln ( 2Mo 16,1-20 )

2Mo 16,1-12


Von der Wüste Schur aus ( 2Mo 15,22 ) kamen die Israeliten einen Monat später (vgl. 2Mo 12,6 ) in die Wüste Sin zwischen Elim und Sinai . Als das Volk weiterhin in Richtung Sinai zog, versorgte der Herr sie mit mehreren Dingen einschließlich Brot ( 2Mo 16,4 ) und Wachteln (V. 13 ; vgl. V. 8-12 ). Als sich die Wanderung in die Länge zog und Wochen dauerte, erschöpfte sich der Vorrat an Brot schließlich (vgl. 2Mo 12,34 ), weshalb das erlöste Volk wieder gegen Mose murrte (vgl. 2Mo 15,24 ). Der Mangel an Brot ließ das Volk ihre schreckliche Lage in Ägypten vergessen, nur noch an die Nahrung, die sie in Ägypten hatten, denken (vgl. 4Mo 11,5 ) und deswegen die Beweggründe ihrer Führer anfechten. So wie bei der Klage des Volkes in Mara nach Wasser, antwortete der Herr unverzüglich, indem er ihnen Brot aus dem Himmel gab (das sie »Manna« nannten; vgl. den Kommentar zu 2Mo 16,31 ). Das Brot kam früh am Morgen (V. 8.12-13 ) - tatsächlich während der Nacht ( 4Mo 11,9 ) - und schmolz in der Hitze des Tages ( 2Mo 16,21 ). Jeden Tag durfte das Volk nur ausreichend Brot für diesen Tag sammeln . Das bedeutete, daß sie dem Herrn vertrauen mußten, daß er die Nahrung jeden Morgen neu schaffen würde. Am sechsten Tag sollten sie genug für diesen und den nächsten Tag sammeln, denn das Brot kam am siebten Tag nicht (V. 5 ; vgl. V. 26 ). Mose und Aaron rügten das Volk für ihr Murren gegen sie (V. 7 ) und den Herrn (V. 8 ), aber versicherten sie seiner Versorgung. Diese Versorgung ließ die Gemeinschaft wissen, daß er der Herr, ihr Gott (V. 12 ) war.



2Mo 16,13-20


An demselben Abend sorgte Gott, als Antwort auf den Wunsch des Volkes, für Fleisch (V. 3 ; vgl. 4Mo 11,31-32; diese Stelle nimmt auf ein anderes Ereignis Bezug; Ps 78,27-28; 105,40 ). Er sandte auf wunderbare Weise Wachteln . Im Herbst ziehen diese kleinen Jagdvögel, die Fasanen und Schottischen Moorhühnern ähnlich sind, südlich von Palästina und Arabien nach Zentralafrika und kehren im Frühjahr zurück. Die ägyptische Kunst stellt Menschen dar, die diese Vögel in Handnetzen fangen.

Das Brot (vgl. 2Mo 16,4.12 ) kam mit dem Tau. Wenn der Tau fort war, lagen dünne Flocken in der Wüste. Das Volk, das so etwas nie zuvor gesehen hatte, fragte: mAn hU? ; was ist das? (vgl. den Kommentar zu »Manna« bei V. 31 ). Weil es vom Himmel herabgesandt worden war, nannte es der Psalmist Asaf »das Brot der Engel« ( Ps 78,25 ). Gott befahl ihnen, einen Gomer davon pro Person in die Zelte zu nehmen (vgl. die Tabelle »Biblische Maße und Gewichte« vor 1.Mose), was die Israeliten auch gehorsam taten ( 2Mo 16,17 ). Trotzdem hoben einige von ihnen, der Anweisung nicht gehorchend, einiges davon bis zum Morgen auf. Wegen ihres Mangels an Glauben ließ Gott ihr Brot verderben.

(2) Die Einrichtung der Sabbatruhe für das Volk



2Mo 16,21-30


Dies ist die erste Erwähnung des Sabbats in der Bibel. Nach seinem Sechstagewerk der Schöpfung ruhte Gott am siebten Tag aus ( 1Mo 2,2-3 ). Die hebr. Worte für »siebter« und »ruhte« sind einander sehr ähnlich. Später wurde Gottes Gebot an die Israeliten, am Sabbat zu ruhen, Bestandteil des Dekalogs ( 2Mo 20,8-11 ). Der größte Teil des Volkes befolgte die Anordnungen des Herrn ( 2Mo 16,4 ) und sammelte nur ausreichend Brot für den jeweiligen Tag und zweimal soviel am sechsten Tag, weil der siebte ein Ruhetag sein sollte (V. 23 ; vgl. V. 26 ), ein heiliger Sabbat des HERRN (vgl. V. 26 ). An diesem Tag wurde ihnen kein Brot gegeben, aber ein Teil des Brotes des sechsten Tages sollte gebacken oder gekocht werden, um es für den siebten aufbewahren zu können. Etliche vom Volk, die Gottes Anweisungen mißachteten, gingen aber am siebten Tag hinaus, um das Brot zu sammeln . Mangel an Glauben an Gottes Wort ist Ungehorsam. Der Herr fragte sie in seinem Unmut: Wie lange wollt ihr euch weigern, meine Gebote und meine Weisungen zu befolgen?

(3) Die Errichtung eines Gedenksteines für Gottes Gnade in der Wüste

Das zweite Buch Mose


2Mo 16,31-36


Das Volk nannte das Brot Manna ( mAn hU? , »was ist das?« vgl. V. 15 ). Es waren dünne Flocken (V. 14 ), die weiß wie Koriandersamen (ein Gewürz) waren und wie Harz aussahen ( 4Mo 11,7 ,was unter Umständen bedeutete, daß sie eine helle Farbe hatten und/oder klebrig waren). Das Manna schmeckte wie Honigkuchen . Es hatte auch den Geschmack wie etwas, das aus Olivenöl zubereitet wurde ( 4Mo 11,8 ). Verschiedene Ausleger haben behauptet, daß das Manna eine süßschmeckende Ausscheidung war, die Insekten auf den Zweigen der Tamarisken im Juni und Juli zurückgelassen hatten. Allerdings war das Manna das ganze Jahr über vorhanden und lag auf dem Boden, zudem verdirbt die Insektenausscheidung auf den Tamarisken nicht innerhalb von 24 Stunden.

Darauf wies Gott Mose an, einen Gomer Manna, (das ist 1/10 eines Scheffels , 2Mo 16,36; vgl. die Tabelle »Biblische Maße und Gewichte« vor 1.Mose) in einen Krug als Erinnerung an Gottes Güte für die kommenden Generationen zu sammeln. Das Manna sollte vor die Lade des Gesetzes (V. 34 ) gestellt werden. Der Ausdruck »Die Lade des Gesetzes« bezieht sich auf die beiden Tafeln des Gesetzes ( 2Mo 25,16; 31,18; 32,15; 34,29 ), die in der Lade (des Bundes) des Gesetzes lagen ( 2Mo 25,16.21 ), die der heiligste Ort war. Das hebr. Wort (und das entsprechende Wort im Akkadischen) für »die Lade des Gesetzes« war möglicherweise ein Fachausdruck, um die Bundesübereinkünfte zu bezeichnen. Für die Diskussion, ob das Manna in der Lade aufbewahrt wurde, wie das Hebräische in 2Mo 9,4 nahelegt, oder ob es vor der Lade stand, vgl. den Kommentar zu 2Chr 5,10 .

Der Herr sorgte weiterhin für das Manna, bis das Volk nach Gilgal kam, wo es begann, die Erzeugnisse des Landes zu verzehren ( Jos 5,12 ). Das Manna in der Lade war eine ständige Erinnerung an Gottes Treue zu seinem Volk, mit der er für seine Bedürfnisse Sorge trug. Jesus, der auf das Manna der Israeliten Bezug nahm ( Joh 6,31.49.58 ), nannte sich selbst »das wahre (geistliche) Brot vom Himmel« ( Joh 6,32 ), »Gottes Brot... vom Himmel« ( Joh 6,33 ), »das Brot des Lebens« ( Joh 6,35.48 ) und »das lebendige Brot vom... Himmel« ( Joh 6,51 ). Jeder, der an ihn glaubt, so sagte er, wird das ewige Leben haben ( Joh 6,33.51.58 ).

 

c. Die Versorgung bei Refidim
( 2Mo 17 )


Dieses Kapitel berichtet, wie Gott zweimal mehr sein Volk versorgte: mit Wasser (V. 1-7 ) und durch den Sieg im Kampf (V. 8-16 ). Gott machte deutlich, daß er in der Lage war, sein Eigentum zu nähren und zu unterhalten.

2Mo 17,1-7


Nachdem das Volk aus der Wüste Sin hinausgezogen war, lagerten sie sich bei Refidim . (Sie lagerten sich aber auch bei Dofka und Alusch vor Refidim, 4Mo 33,12-14 .) Refidim hielt man schon immer für das heutige Wadi Refayld bei Jebel Musa, die Stelle, die man auch für den Berg Sinai annimmt.

Das Volk, das von der Wanderung ausgedörrt war und kein Wasser in der Oase fand, erhob wiederum Klage gegen Mose nd machte ihm Vorwürfe, weil er es aus Ägypten geführt hatte (vgl. 2Mo 16,3 ). Das war schlimmer als ihr argwöhnisches Murren bei Mara ( 2Mo 15,24 ) oder in der Wüste Sin ( 2Mo 16,2 ), weil sie hier sogar mit Mose haderten ( 2Mo 17,2 ) und ihn fast gesteinigt hätten (V. 4 ). Solches Hadern, sagte Mose, hieß den HERRN versuchen (V. 2 ), d.h. sie forderten den Herrn heraus und versuchten seine Geduld (V. 7 ), anstatt ihm zu vertrauen.

Aber Gott hatte mit seinem ungehorsamen und murrenden Volk Geduld. Er wies Mose an, den Stab zu nehmen, mit dem er den Nil geschlagen hatte ( 2Mo 7,20 ), und an den Felsen am Horeb zu schlagen ( 2Mo 17,6 ). Dieser »Stab Gottes« ( 2Mo 4,20;17,9 ) war ein Symbol der Macht; wenn Mose ihn hielt, so war dies das Zeichen der Abhängigkeit und des Vertrauens auf Gott. Obwohl Horeb ein anderer Name für den Berg Sinai ist, lagerte sich das Volk erst später am Sinai ( 2Mo 19,1 ). Dennoch kann »Horeb« die Region um den Sinai bezeichnen. Refidim war dem Sinai nahe, so daß die Berghänge bis dorthin reichten. Dadurch, daß Mose an den Felsen schlug, sättigte der Herr sein durstiges Volk mit einer überreichen Wassermenge. So sorgte der Herr durch ein weiteres Wunder für sie. Weil das Volk den Herrn hier versucht hatte, gab Mose dem Ort zwei Namen: Massa (»Versuchung«) und Meriba (»Hader«).

 

2Mo 17,8-16


Bei Refidim schenkte der Herr seinem Volk auch einen militärischen Sieg. Die Amalekiter waren Nomaden in der Wüste südlich von Kanaan (vgl. 1Sam 15,7;27,8 ). Sie waren Nachkommen von Esau durch Elifas ( 1Mo 36,12 ). Sie versuchten ganz offensichtlich, die Israeliten von dieser angenehmen Oase zu vertreiben und ihr Territorium vor dem Eindringen anderer zu schützen. Bei dieser Krise rief Mose Josua herbei, der hier zum ersten Mal erwähnt wird. Obwohl sich Josua mit Eifer in den Kampf warf, wurde der Sieg auf einzigartige Weise gesichert, um Gottes Macht zu demonstrieren. Daß Mose den Stab Gottes (vgl. 2Mo 4,20 ) mit beiden Händen über seinen Kopf hielt, symbolisierte die totale Abhängigkeit von der Macht Gottes. Wenn Mose seine Hände sinken ließ, ein Bild für das Fehlen der Abhängigkeit, siegte der Feind. Mit der Hilfe von Aaron und Hur blieben Moses Hände emporgehoben, und ein großer Sieg wurde erreicht. (Hur wird nur hier; 2Mo 17,12 und in 2Mo 24,14; 1Chr 2,19-20 erwähnt; der in 2Mo 31,2; 35,30; 38,22 erwähnte Hur ist möglicherweise eine andere Person; 4Mo 31,8 und Jos 13,21 nehmen noch auf einen anderer Hur Bezug, der ein midianitischer König war.)

Der Sieg über die Amalekiter war ein Geschehen, an das Josua sich nach dem Willen Gottes erinnern sollte. Die Amalekiter blieben ein hartnäckiger, ständig lästiger Feind Israels (vgl. 4Mo 4; 14,45 ; Ri 6,33; 1Sam 14,48; 15,7;27,8 ), bis sie durch König David endgültig vernichtet wurden ( 1Sam 30 ). Mose erinnerte sich an den Sieg in seinen Tagen, indem er einen Altar errichtete, den er »der HERR ist mein Feldzeichen« nannte. Interessant ist, daß 2Mo 17,14 die erste biblische Abfassung einer offiziellen Berichterstattung darstellt, obwohl Mose kein Tagebuch des Aufenthaltes führte ( 4Mo 33,2 ). Gott erwies sich treu darin, sein Volk zu bewahren und zu beschützen.



d. Weiser Rat für Mose
( 2Mo 18 )


Die Geschichte vom Besuch Jitros steht im Gegensatz zu der Auseinandersetzung mit den Amalekitern. Die einen kamen, um zu kämpfen, der andere, um Kenntnis zu erlangen; mit den einen führte man Krieg, mit dem anderen urteilte man gemeinsam und vermittelte Frieden; bei den einen wurde die Hand Moses schwer, bei dem anderen war sein Wirken zu schwer. Das Kapitel besteht aus drei Teilen: der Hintergrund für den Besuch Jitros (V. 1-6 ), das Lob Jitros (V. 7-12 ) und sein Ratschlag (V. 13-27 ).

2Mo 18,1-6


Als Jitro, der Schwiegervater Moses (vgl. 2Mo 4,18; auch als ReguÙl bekannt, 2Mo 2,18 ), von dem Auszug hörte, suchte er Mose auf, als sich Israel bei Refidim beim Sinai (zu Horeb und Sinai vgl. den Kommentar zu 2Mo 17,16 ), dem Berge Gottes ( 2Mo 18,5; vgl. 2Mo 3,1; 4,27; 24,13 ), lagerte.

Jitro hatte die Angelegenheiten seines Schwiegersohnes offensichtlich mit Interesse verfolgt, so daß er, als die Israeliten sich in Refidim lagerten, beschloß, Mose aufzusuchen. Jitro kam auch, um seine Enkel Gerschom (»Verbannung«; vgl. den Kommentar zu 2Mo 2,22 ) und EliÙser (»mein Gott ist Hilfe«) und seine Tochter Zippora wieder mit Mose zu vereinen, weil dieser sie offensichtlich zu Jitro zurückgeschickt hatte, als er nach Ägypten gezogen war. Obwohl der Grund für dieses Handeln nicht angegeben wird, könnte man sich vorstellen, daß Mose sie vor den Schrecken der ägyptischen Sklaverei schützen wollte. So wurde Mose nun einige Monate später wieder mit seiner Familie vereint.



2Mo 18,7-12


Moses Zusammentreffen mit Jitro wurde von Gesten des Respekts ( verneigte sich ) und der Dankbarkeit ( küßte ) gekennzeichnet, mit denen sie sich gegenseitig begrüßten. Mose erzählte die vielen wunderbaren Ereignisse, die seit seiner Rückkehr nach Ägypten geschehen waren, und zwar besonders, wie der Herr sie errettet hatte. Jitro, der wegen dieser wunderbaren Nachrichten hocherfreut war, antwortete: Gepriesen sei der HERR . Darauf gab er das wunderbare Zeugnis, daß er wußte, daß der Herr, der Gott Israels, größer sei als alle anderen Götter . Von der Überlegenheit Jahwes völlig überzeugt, brachte er Opfer dar, um seine Hochachtung gegenüber Gott zu bezeugen. Das Feueropfer wurde von dem Feuer ganz verzehrt, aber Gemeinschaftsopfer ( andere Opfer ) waren Teil eines gemeinsamen Mahles, welches Jitro mit den Führern Israels teilte, vielleicht, um einen Bund oder ein Friedensabkommen zu schließen. Der Vorgang wird von jubelndem Lob und Gemeinschaft gekennzeichnet, aber der wahre geistliche Zustand Jitros wird nicht eigens dargelegt. Er kehrte nach Midian zurück (V. 27 ), entweder als ein zu dem wahren Gott Bekehrter, oder vielleicht weiterhin als Priester der götzendienerischen Midianiter. Seine späteren Worte gegenüber Mose scheinen nahezulegen, daß er Gott nun fürchtete (möge Gott mit dir sein, V. 19 ; wähle Männer aus, die Gott fürchten, V. 21 ; Gott gebietet so, V. 23 ).



2Mo 18,13-23


Jitro beobachtete, daß viel von der Zeit Moses durch Streitschlichtung und Fragenbeantwortung in seiner Funktion als Richter des Volkes beansprucht wurde. Das Volk wollte durch ihn (seinen Propheten, 5Mo 34,10 ) den Willen Gottes erfahren. Wegen dieser Arbeitsüberlastung, die Mose ganz allein zu bewältigen versuchte ( Warum sitzt du allein als Richter? Du kannst das alleine nicht bewältigen , 2Mo 18,14.18 ), warnte Jitro Mose vor der Erschöpfung. Auch das Volk, das darauf wartete, daß es seine Anliegen vorbringen konnte, ermüdete (V. 18 ).

Jitro drängte Mose weise, einige seiner Verantwortungsbereiche anderen zu übertragen. Aber Mose sollte fortfahren, das Volk die Gesetze Gottes zu lehren (vgl. V. 16 ) und es zu unterrichten, wie es vor ihm leben sollte. Mose sollte geistlich und moralisch geeignete Männer als Richter bestimmen, die für das Befolgen der Gesetze sorgen sollten (V. 21-22 ). Sie sollten weise, geachtete Führer in ihren Stämmen sein ( 5Mo 1,13.15 ). Mose sollte das Volk vor Gott vertreten ( 2Mo 18,19 ) und sein Lehrer sein, aber die meisten Gerichtsangelegenheiten sollten an andere weitergegeben werden. Als Oberste über tausend, hundert, fünfzig und zehn (diese Worte wurden von Leuten in militärischen Rängen gebraucht) sollten sie auf verschiedenen Ebenen des Zivilgerichtes dienen und so Fälle von unterschiedlicher Wichtigkeit anhören.



2Mo 18,24-27


Mose, der den Ratschlag seines Schwiegervaters annahm, führte dieses Gerichtsystem offensichtlich ein, nachdem das Gesetz am Berg Sinai gegeben worden war ( 5Mo 1,9-15; vgl. Horeb in 5Mo 1,6 ). Wenn es sich so verhielt, dann war 2Mo 18,24-26 möglicherweise über die spätere Durchführung des Plans hier in der Erzählung eingeschlossen, um die Geschichte von Jitros Ratschlag zu vervollständigen. Bisweilen haben die alttestamentlichen Schreiber ihren Stoff eher nach Themen, als nach strikter chronologischer Abfolge geordnet.

 

II. Die Offenbarung für Gottes Volk am Sinai
( 2Mo 19-40 )


Die Israeliten kamen beim Berg Sinai an, wo sie die restlichen Ereignisse, die in 2Mo 19,1 bis 4Mo 10,10 berichtet werden, erlebten. Am Sinai lagerten sie 11 Monate und 6 Tage - vom 15. Tag des dritten Monats ihres ersten Jahres der Wanderung (vgl. 2Mo 12,2.6 mit 2Mo 19,1 ) bis zum »20. Tag des zweiten Monat des zweiten Jahres« ihrer Wanderung ( 4Mo 10,11 ). Dort erhielt das erlöste Volk von Gott das Gesetz mit seinen zahlreichen Anweisungen für den Gottesdienst.



A. Der Bund Gottes mit seinem Volk
( 2Mo 19-31 )


Gott hatte sein Volk aus Ägypten, dem Land der Sklaverei ( 2Mo 13,3.14; 20,2; vgl. den Kommentar zu 5Mo 5,6 ), durch das Versprengen von Blut ( 2Mo 12 ) und durch die wunderbare Errettung durch das Rote (Schilf-) Meer hindurch ( 2Mo 14 ) erlöst. Nun brachte er die Israeliten zum Sinai, wo er mit ihnen in einen Bund eintrat. Das Gesetz war die »Verfassung« des Volkes für ihren theokratischen Staat unter ihrem großen Gott, Jahwe.



1. Der Hintergrund für die Offenbarung des Gesetzes
( 2Mo 19 )


Der mosaische Bund oder »Vertrag« ist der Form der Lehensverträgen der Könige des Nahen Ostens mit ihren Vasallen sehr ähnlich. Viele Bestandteile aus solchen Verträgen sind im mosaischen Bund Gottes mit seinem Volk enthalten. Offensichtlich handelte es sich um eine übliche literarische Struktur jener Tage. (Vgl. die Übersicht »Vergleich zwischen dem Bund am Sinai und nahöstlichen Lehensverträgen«.) Hier ist Gott der absolute Souverän und sein Volk der Vasall.



a. Die Lagerung vor dem Berg Sinai
( 19,1-2 )


2Mo 19,1-2


Genau drei Monate nach dem Auszug aus Ägypten kamen die Israeliten in die Wüste von Sinai und lagerten sich gegenüber dem Berg Sinai . Der Begriff »Wüste« steht nicht immer für eine trockene Einöde, sondern manchmal auch für unbewohntes Weideland. Die exakte Lage des Berges Sinai ist nicht bekannt, aber man identifizierte ihn von jeher mit Jebel Musa im südlichen Teil der Sinai-Halbinsel. Es ist derselbe Berg wie der 'Berg Gottes' (vgl. 2Mo 3,1; 4,27; 18,5;24,13 ), der auch Horeb genannt wird, auf dem Gott Mose in einem brennenden Busch erschienen war.



b. Die Vorrechte des Bundes
( 19,3-6 )


2Mo 19,3-4


Als sich die Israeliten gegenüber dem Sinai lagerten, ging Mose auf den Berg hinauf. Dort sprach Gott zu ihm über den Bund, den er seinem Volk ( Jakob und Israel waren Synonyme für das Volk) bestätigen wollte.

Gott verglich seine Errettung des Volkes aus Ägypten heraus, durch das Rote (Schilf-) Meer hindurch und bis zum Sinai mit dem Tragen auf Adlersflügeln (vgl. 5Mo 32,10-11 ). Wenn junge Adler das Fliegen lernen, fliegt ihre Mutter unter sie und breitet ihre Flügel aus, um sie aufzufangen.



2Mo 19,5-6


Das von Gott vorgebrachte Angebot ( mein Bund ) gab Israel im Hinblick auf ihre Anerkennung der gerechten Maßstäbe Gottes eine erhöhte Stellung unter den Völkern . Wenn sie die Abmachungen des Bundes annehmen und ihnen gehorchen würden, verhieß Gott ihnen, sie zu seinem geschätzten Eigentum zu machen (vgl. 5Mo 7,6; 14,2; 26,18; Ps 135,4; Mal 3,17 ). Sie würden sein eigenes Volk sein, von ihm wertgeschätzt und mit ihm verwandt. Sie sollten auch ein Königreich von Priestern werden, d.h. jedes Mitglied des Volkes kannte Gott als seinen König, hatte zu ihm Zugang und vermittelte zugunsten einer anderen Person, wie es die Priester taten. Sie sollten auch ein heiliges Volk , ein moralisch reines, dem Dienst für Gott ganz und gar hingegebenes Volk sein. Gott hatte Israel erlöst, so daß es mit ihm in Kontakt kam und für ihn ausgesondert war.



c. Die Vorbereitungen für den Bund
( 19,7-25 )


2Mo 19,7-15


Mose setzte darauf die Ältesten Israels und das Volk über Gottes Bund und seinen Plan, es völlig zu besitzen, in Kenntnis. Das Volk antwortete aufrichtig und versprach, Gottes Gesetzen strikt zu gehorchen. Um am Bund teilzuhaben befahl Gott dem Volk, sich von Unreinheit fernzuhalten und sich Gott zu heiligen . Das Ritual einer dreitägigen Reinigung schloß ein, daß sie ihre Kleidung wuschen und sich des Geschlechtsverkehrs enthielten. Während dieser drei Tage sollte kein Mensch oder Tier den Berg berühren, oder er bzw. es würde getötet werden. Solch eine sorgfältige Vorbereitung unterstreicht die Bedeutung des bevorstehenden Ereignisses. Der Gott des Himmels wollte nun einen Bund mit seinem Volk schließen. Der Gott Israels, der nicht wie die heidnischen Gottheiten (wie man annahm) in den Bergen hauste, stieg vom Himmel ( 1Kö 8,30.49 ) auf die Berge herab, um mit seinem Volk zu sprechen. Erst als das Volk durch den Schall des Widderhorns ( 2Mo 19,16.19 ) gerufen wurde, durfte es sich auf den Berg zubewegen (V. 13 ).



2Mo 19,16-25


Dann, am dritten Tag der Vorbereitung, stieg der Gott des Himmels mit entfalteter Macht und Majestät auf den Sinai hinab. Gott demonstrierte seine Heiligkeit und ehrfurchtgebietende Macht: Kein Wunder, daß das Volk erschrak , als es am Fuß des Berges stand (V. 16 ; vgl. 2Mo 20,18 ). Es hörte grollenden Donner und einen sehr lauten Posaunenschall (vgl. 2Mo 19, 13 ); es sah zuckende Blitze, Feuer und einen dichten, wogenden Rauch wie von einem Schmelzofen ; und es merkte, daß der Berg durch ein mächtiges Erdbeben erbebte. Die schwarze Wolke von Rauch führte Finsternis im Himmel herbei ( 5Mo 4,11; vgl. 2Mo 20,21 ).

Nur Mose ( 2Mo 19,20 ) und Aaron (V. 24 ) war die Anwesenheit auf dem Berg gestattet; die Priester und das Volk mußten davor stehen bleiben. Wenn sie den Herrn aus Neugier sehen wollten, würden sie umkommen (vgl. den Kommentar zu 2Mo 33,11.20; Joh 1,18 ). Obwohl das levitische Priestertum noch nicht eingerichtet worden war, dienten die Ältesten ( 2Mo 3,18 ) oder einige jüngere Männer ( 2Mo 24,5 ) als Priester. Mose erstieg dreimal die Bergspitze und kam wieder zurück ( 2Mo 19,3.7; V. 8-9.20.25 ). Diese Anweisungen waren für das Volk, genauso wie das Wunder der göttlichen Offenbarung, eine lebhafte Erinnerung an den unermeßlichen Abgrund zwischen dem Göttlichen und dem Menschlichen.



2. Die Zehn Gebote
( 20,1-21 )


Eines der großen Ereignisse in der Geschichte Israels und in der Geschichte der gesamten Menschheit ist die Übergabe des Gesetzes. Das Gesetz war nicht dafür gegeben, daß die Israeliten durch seine Befolgung gerecht werden konnten ( Röm 3,20 a; Gal 3,11 ). Eine gerechte Stellung (Rechtfertigung) vor Gott geschah immer nur durch den Glauben (Vertrauen) an ihn ( 1Mo 15,6; Röm 4,3.22; 5,1; Gal 2,16; 3,6.21 ). Das Gesetz hatte die Aufgabe, den Israeliten ihre Sündhaftigkeit im Gegensatz zu Gottes Maßstäben von Heiligkeit und Gerechtigkeit zu zeigen ( Röm 3,19-20 b; Röm 7,7 ) und die Menschheit zu verurteilen. Das mosaische Gesetz in 2.Mose besteht aus drei Teilen: die Zehn Gebote ( 2Mo 20,1-21 ), das Bundesbuch mit den zivilen und religiösen Verordnungen ( 2Mo 20,22-24,11 ) und die Zeremonialgesetze ( 2Mo 24,12-31,18 ).



a. Die Einleitung zu den Zehn Geboten
( 20,1-2 )


2Mo 20,1-2


Die Zehn Gebote (in 2Mo 34,28 wörtlich »Zehn Worte«), der Angelpunkt aller religiösen und zivilen Gesetze Israels, bestehen aus zwei Teilen. Die ersten vier Gebote betreffen die Beziehung der Israeliten zu Gott, die anderen sechs behandeln die gesellschaftlichen Beziehungen innerhalb der Bundesgemeinschaft. Vor der Verkündigung der 10 Klauseln sprach Gott in der Einleitung von seiner einzigartigen Beziehung zu seinem Volk ( Ich bin der HERR, dein Gott , 2Mo 20,2 a), in dem historischen Vorspann faßte er in Kürze das zusammen, was er für sie getan hatte ( habe dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt , V. 2 b; vgl. 2Mo 13,3.14; 5Mo 5,6; 6,12; 7,8; 8,14; 13,6.11 ). Jahrhunderte zuvor hatte Gott Abraham aus Ur herausgeführt ( 1Mo 15,7 ); nun führte er die Nachkommen Abrahams aus Ägypten heraus.

Die Zehn Gebote sind eine ausgezeichnete Zusammenfassung der 10 göttlichen Satzungen zur Leitung der Menschen. Die Grundsätze bestimmen 1. Religion, 2. Gottesdienst, 3. Verehrung, 4. Zeit, 5. Autorität, 6. Leben, 7. Reinheit, 8. Besitz, 9. Reden und 10. Zufriedenheit.



b. Das erste Gebot
( 20,3 )


2Mo 20,3


Das erste der Zehn Gebote besagt, daß Israel den einen wahren Gott anbeten sollte. Falsche Götter zu verehren bedeutete, neben Gott Rivalen aufzustellen ( neben mir könnte bedeuten »mir zuwider« oder auch »in meiner Gegenwart«) und so seine Einzigartigkeit nicht zu beachten (vgl. V. 22-23 ). Leider gehorchte Israel diesem ersten Gebot häufig nicht und verehrte die Götzen anderer Völker. Das führte schließlich dazu, daß das Volk Israel nach Assyrien und Babylonien ins Exil gehen mußte.



c. Das zweite Gebot
( 20,4-6 )


2Mo 20,4-6


Die Verehrung Gottes sollte geistlich geschehen, nicht leiblich. Es war Israel untersagt, Götzen anzubeten (V. 3 ) und auch, sich von Gott ein Bildnis zu machen. Götze heißt pesel , »geschnitztes Holz oder gemeißelter Stein«, von pAsal , »schnitzen, meißeln«. Später ( 2Mo 34,17 ) waren auch »gegossene Götzenbilder« aus geschmolzenem Metall verboten. Weil Gott Geist ist, kann keine materielle Darstellung ihm gerecht werden. Von Gott ein Bild zu machen, oder ein Bildnis von etwas im Himmel (Sonne, Mond, Sterne) oder auf der Erde (Tiere) oder im Wasser (Fische, Krokodile und anderes Leben im Meer) zum Zwecke der Anbetung herzustellen, war untersagt, weil Gott ein eifersüchtiger Gott ist (vgl. 2Mo 34,14; 5Mo 5,9;6,15; 32,16.21; Jos 24,19 ), das heißt, er ist eifrig darauf bedacht, daß er allein verehrt wird. Seine Einzigartigkeit ( 2Mo 20,3 ) erfordert, daß er allein verehrt wird. Das Fehlen solcher Verehrung ist Sünde und wirkt sich auf zukünftige Generationen aus. Diejenigen, die dem Einfluß unterliegen, Gott zu hassen , werden von ihm bestraft werden. Im Gegensatz dazu ist er treu (er zeigt HeseD , »treue Liebe« oder Bundesliebe) gegen jene, die ihn lieben und diese Liebe durch ihren Gehorsam zeigen (vgl. 1Joh 5,3 ).



d. Das dritte Gebot
( 20,7 )


2Mo 20,7


Der Name Gottes sollte geehrt und geschützt werden. Die Israeliten sollten Gottes Namen nicht für irgendeine nichtige, leichtfertige oder unaufrichtige Absicht gebrauchen (so z.B. der Gebrauch seines Namens, wenn sie einen Eid schwuren, ohne die Absicht zu haben, ihn zu erfüllen, 3Mo 19,12 ). Man sollte seinen Namen nicht für eigennützige oder böse Absichten gebrauchen (vgl. Ps 139,20; vgl. auch den Kommentar zu 5Mo 5,11 ), um dadurch zu versuchen, sich seiner Autorität zu bemächtigen.

 

e. Das vierte Gebot
( 20,8-11 )


2Mo 20,8-11


Jede Woche sollte ein Tag der ernsthaften Verehrung Gottes eingehalten werden. Den Sabbat heilig zu halten bedeutet, den siebten Tag von den anderen sechs als einen besonderen Tag dem Herrn abzusondern. Der Mensch sollte sechs Tage arbeiten und am siebten Tag Gott verehren. Dies stand in scharfem Gegensatz zu der Sklaverei der Israeliten in Ägypten, als sie, wie man annehmen kann, keine Unterbrechung in ihrer täglichen Routine hatten. Die Grundlage für dieses Gebot ist Gottes Schöpfung des Universums in sechs Tagen und seine Ruhe am siebten Tag ( 1Mo 2,2-3; 2Mo 16,23 ). Es sollte kein Tag fauler Untätigkeit sein, sondern ein Tag des geistlichen Dienstes durch die religiösen Feiern. Für den Fall der Übertretung dieses Gebotes drohte Gott Israel die Todesstrafe an ( 2Mo 31,15; 4Mo 15,32-36 ). Im Zeitalter der Kirche wurde der Tag der Verehrung Gottes von Samstag auf Sonntag verschoben, weil Jesus am ersten Tag der Woche auferstanden ist (vgl. Apg 20,7; 1Kor 16,2; Offb 1,10 ).



f. Das fünfte Gebot
( 20,12 )


2Mo 20,12


Das fünfte bis zehnte Gebot, der zweite Teil des Gesetzes (V. 12-17 )

behandeln die Beziehungen der Menschen untereinander. Alle Gebote schließen die negative Seite mit ein, ausgenommen das vierte (das letzte in der ersten Gruppe) und das fünfte Gebot (das erste in der zweiten Gruppe). Das fünfte Gebot befiehlt die Hochachtung ( Ehre ) der Eltern. Das schließt Gehorsam und Ergebenheit ein (vgl. Eph 6,1-2 ). Die Verheißung eines langen Lebens, die zu dem Gebot gehört, bezieht sich eher auf die Dauer eines Volkes in der Bundesbeziehung mit Gott ( in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir geben wird ), als auf eine verlängerte Lebensspanne für jeden einzelnen, der gehorsam ist. Seine Eltern zu verfluchen, was der völligen Ablehnung ihrer Autorität gleichkam, war ein schweres Verbrechen ( 2Mo 21,17; 3Mo 20,9; Spr 20,20 ).


g. Das sechste Gebot
( 20,13 )


2Mo 20,13


Um die Gesellschaft zu bewahren und weil der Mensch als Gottes Ebenbild geschaffen ist ( 1Mo 9,6 ), wurde den Israeliten befohlen, keinem anderen Menschen durch Mord das Leben zu nehmen ( rAQaH , »töten, ermorden«).



h. Das siebte Gebot
( 20,14 )


2Mo 20,14


Dieses Gebot ist auf den Schutz der Heiligkeit der Familie ausgerichtet ( Hebr 13,4; vgl. den Kommentar zu 1Mo 2,24; Mt 19,1-12 ), den grundlegenden Baustein der Gesellschaft. Das Ehegelübde ist eine heilige Verpflichtung, die unter keinen Umständen durch sexuelle Untreue verletzt werden darf. Ehebruch ( nA?aP ) bezieht sich auf Untreue entweder seitens des Mannes oder der Frau ( 3Mo 20,10 ).

 

i. Das achte Gebot
( 20,15 )


2Mo 20,15


Dieses Gebot wurde gegeben, um die Achtung vor dem Besitz anderer Menschen zu unterstützen. Auch das ist ein wichtiges Element in einer stabilen Gesellschaft und steht in enger Beziehung zum zehnten Gebot.



j. Das neunte Gebot
( 20,16 )


2Mo 20,16


Dieses Gebot betrifft das falsche Zeugnis gegen einen anderen, das diesen einer ungerechtfertigten Anklage aussetzen würde. Das Halten dieses Gesetzes verhilft dazu, eine Gesellschaft zu stabilisieren, indem der Ruf des einzelnen geschützt wird.



k. Das zehnte Gebot
( 20,17 )


2Mo 20,17


Dies ist eine allgemeine Schutzvorrichtung gegen viele andere Sünden, insbesondere derer des sechsten bis neunten Gebotes. Die Israeliten sollten sich nicht nach dem sehnen, nicht das ernsthaft begehren und nicht nach dem gierig sein, was anderen rechtmäßig gehörte.

Diese Gebote sind die grundlegenden Darlegungen einer guten und gesunden Gesellschaft, so wie sie von dem heiligen und gerechten Gott angeordnet wurden. Obwohl die Gläubigen nicht unter dem Gesetz sind ( Röm 6,15 ), sind sie doch verpflichtet, den heiligen Maßstäben treu zu bleiben, die in den Zehn Geboten dargestellt werden. Neun der Zehn Gebote werden im Neuen Testament wiederholt, welches Festsetzungen neu hinzufügt, die höher liegen, als die in 2Mo 20,3-17 beschriebenen. Das eine Gebot, welches nicht wiederholt wird, ist das Sabbatgebot; dennoch sollte der erste Tag der Woche zur Verehrung Gottes als Erinnerung an die Auferstehung des Retters abgesondert werden.



l. Die Erwiderung des Volkes
( 20,18-21 )


2Mo 20,18-21


Die Antwort des Volkes, das vor dem Berg versammelt war, zeigte seine Angst und Ehrfurcht (vgl. 2Mo 19,16 ). Als sie die große Macht und Majestät Gottes erkannten, wollten sie ihn durch Mose hören - nicht ihn unmittelbar -, damit sie Gott nicht vernichtete. Mose versicherte ihm, daß es die Absicht dieser Vorführung der Macht Gottes und seiner Heiligkeit sei, die Reaktion des Volkes auf ihn zu prüfen . Furcht vor Gott würde dazu verhelfen, seinen Ungehorsam zu zügeln. Es ist tragisch, daß Israel diese Furcht Gottes schon bald verlor ( 2Mo 32 ) - ein häufiges Thema in seiner Geschichte.


Das zweite Buch Mose

3. Das Buch des Bundes
( 20,22-24,11 )


Gott wandte die Zehn Gebote an und führte sie in ihrer zivilen und religiösen Bedeutung für das Volk weiter aus. Dieser Abschnitt wird auf der Grundlage des Ausdrucks in 2Mo 24,7 »das Buch des Bundes« genannt.



a. Gesetze zum Gottesdienst
( 20,22-26 )


2Mo 20,22-26


Gott gab dem Volk Bestimmungen über ihre Verehrung des wahren Gottes und der Errichtung eines Altars . Er war vom Himmel auf den Berg Sinai herabgekommen ( 2Mo 19,20 ), um die Zehn Gebote zu übermitteln. Nun ( 2Mo 20,22-23,19 ) führte er viele dieser Zehn Gebote weiter aus. Das Gebot, nur Gott und keine anderen Gottheiten zu verehren ( 2Mo 20,23 ) und die Warnung davor, geschnitzte oder geschmolzene Götzenbilder von Silber oder Gold zu machen, betont noch einmal das erste und zweite Gebot (V. 3-4 ).

Das Volk sollte auf einem Altar Brandopfer und Dankopfer darbringen, die die Verehrung des Namens Gottes und die Segnung Israels zur Folge haben sollten. Der Bezug auf einen einzelnen Altar macht deutlich, daß es Gottes Absicht war, daß die Verehrung sich an einem Ort konzentrieren sollte. Der Altar sollte schmucklos, ohne Kunstfertigkeiten sein. Er sollte aus Erde (d.h. aus natürlichen Steinen; vgl. 5Mo 27,5-7 ) und ohne Stufen sein, so daß die Priester nicht unanständig entblößt werden konnten. Altäre mit reichhaltiger künstlerischer Gestaltung und erhöhten Plattformen mit Treppen waren für die Verehrung falscher Gottheiten üblich.



b. Gesetze über die Behandlung der Sklaven
( 21,1-11 )


2Mo 21,1-6


Der Gegenstand der Verse 1-11 sind Regelungen, die die Rechte der männlichen (V. 1-6 ) und weiblichen (V. 7-11 ) hebräischen Sklaven bestimmten. Unter den Israeliten konnte man sich selbst und seine Frau wegen Armut oder Schulden in die Sklaverei verkaufen ( 3Mo 25,39; 5Mo 15,12; 2Kö 4,1; Neh 5,5 ), aber die Knechtschaft mußte auf sechs Jahre begrenzt werden ( 2Mo 21,2 ). So war es also ein durch Vertrag geregelter Dienst. Darüber hinaus war ein Herr dazu verpflichtet, für seinen Sklaven bei seiner Freilassung zu sorgen ( 5Mo 15,13-14 ). Wenn ein männlicher Sklave in fortdauernder Knechtschaft bleiben wollte, sollte sein Wunsch von den Richtern rechtswirksam gemacht werden, dann sollte eines seiner Ohren mit einem Pfriem durchbohrt werden, um seinen freiwilligen Dienst zu symbolisieren. Eine Sklavin konnte dasselbe tun ( 5Mo 15,17 ).



2Mo 21,7-11


Sklavinnen wurden unterschiedlich behandelt. Häufig waren Sklavinnen Konkubinen oder Nebenfrauen (vgl. 1Mo 16,3; 22,24; 30,3.9; 36,12; Ri 8,31; 9,18 ). Mancher hebräische Vater hielt es für seine Töchter für vorteilhafter, Konkubinen bei einem wohlhabenden Nachbarn, als Ehefrau eines Mannes ihrer eigenen gesellschaftlichen Schicht zu werden. Wenn eine Tochter , die zur Sklavin wurde, ihrem Herrn nicht gefiel, sollte sie von einem nahen Verwandten losgekauft (vgl. 3Mo 25,47-54 ), aber niemals an einen Fremden verkauft werden ( 2Mo 21,8 ). Sie konnte sich auch selbst loskaufen. Wenn sie den Sohn ihres Herrn heiratete, mußte ihr die Familienzugehörigkeit eingeräumt werden (V. 9 ). Wenn der Herr eine andere heiratete, wurde von ihm verlangt, daß er seine Sklavin mit drei lebenswichtigen Dingen ausstattete: Nahrung, Kleidung und Zuflucht ( eheliche Rechte bedeutete möglicherweise Unterkunft, keine sexuellen Vorrechte).



c. Gesetze über Kapitalverbrechen
( 21,12-17 )


2Mo 21,12-17


Diese Verse zählen vier Verbrechen auf, welche die Todesstrafe erforderlich machten: Vorsätzlicher Mord (V. 12.14 ; vgl. das sechste Gebot in 2Mo 20,13 und 1Mo 9,6 ); körperliche Gewalt gegen die Eltern ( 2Mo 21,15; vgl. das fünfte Gebot in 2Mo 20,12; vgl. 3Mo 20,9 ); Menschenraub (V. 16 ; vgl. 5Mo 24,7 ). Es wurde berücksichtigt, wenn der Tod unbeabsichtigt eintrat ( 2Mo 21,13 ). Ein Schuldiger konnte in eine der sechs Freistädte fliehen, nachdem Israel im Land war ( 4Mo 35,6-34; 5Mo 19,1-13; Jos 20 ). Wegen der Bedeutung des Hauses wurde seine Heiligkeit bewahrt, die Eltern geschützt und die Kinder in Schranken gehalten; Rebellion wurde wie Mord behandelt.



d. Gesetze über Körperverletzung
( 21,18-27 )


Es werden hier Verordnungen über verschiedene zivile Übertretungen gegeben, die für die Verhängung der Todesstrafe nicht ernst genug waren.

2Mo 21,18-19


In einem Streit sollte die verletzte Partei, egal, ob die Verletzung vorsätzlich geschah oder unabsichtlich, Schadenersatz für den Verlust an Arbeitszeit (während er draußen an seinem Stab herumgeht ) und für Ausgaben, die die Heilung betrafen, erhalten.



2Mo 21,20-21


Sklaven sollten von ihren Herren nicht grausam behandelt werden, obwohl sie als Besitz betrachtet wurden. Wenn ein Herr seinen Sklaven schlug und der Sklave starb , sollte der Herr bestraft werden (wahrscheinlich aber nicht mit dem Tod). Wie auch immer, wenn der Sklave bald wieder genas, sollte keine Strafe verhängt werden (denn offensichtlich war keine Tötung beabsichtigt); der Verlust der Arbeitskraft des Sklaven war der Verlust des Herrn.



2Mo 21,22-25


Wenn eine schwangere Frau ihr Kind infolge eines Stoßes vorzeitig zur Welt brachte, aber beide sonst unverletzt blieben, so sollte der schuldige Teil die Entschädigung bezahlen, die der Ehemann der Frau und das Gericht festlegten. Aber wenn bei der schwangeren Frau oder ihrem Kind eine Verletzung entstanden war, dann sollte der Angreifer im Verhältnis zur Art der Verletzung bestraft werden. Während der unbeabsichtigte Totschlag normalerweise kein Kapitalverbrechen war (vgl. V. 12-13 ), so ist er es hier eindeutig. Der ungeborene Fötus wird in dieser Passage als menschliches Wesen so wie seine Mutter betrachtet; die so herbeigeführte Fehlgeburt eines Fötusses wurde als Mord betrachtet. Der Verlust eines Körperteils beim Menschen durch Verletzung sollte durch einen gleichwertigen Verlust beim Übeltäter bestraft werden (V. 24-25 ). Dies ist das Gesetz der Vergeltung (vgl. 3Mo 24,19-20; 5Mo 19,21 ). Dieses Gesetz war dazu bestimmt, die Durchführung der Bestrafung auf das gerechte Maß zu beschränken und wurde nur bei Mord wörtlich angewandt, sonst aber durch eine entsprechende Zahlung ersetzt.

 

2Mo 21,26-27


Das Gesetz der Vergeltung wurde jedoch nicht auf einen Herrn angewandt, der seinen Sklaven verletzte. Jede auf Dauer zurückbleibende Verstümmelung eines Sklaven hatte seine gesetzmäßige Freilassung zur Folge (der Herr mußte seinen Sklaven freilassen ).



e. Gesetze über strafbare Unterlassungen
( 21,28-36 )


2Mo 21,28-36


Hier werden Verordnungen für Fälle gegeben, in denen durch Fahrlässigkeit Verletzungen entstanden. Zuerst gab Gott Verordnungen, die durch Tiere zugefügte Verletzungen (V. 28-32 ) betrafen. Wenn ein Rind jemanden zu Tode stieß, sollte das Tier getötet werden. Wenn aber das Tier auch sonst Menschen heftig angriff und der Besitzer tat nichts, um das zu verhindern, und ein Mensch wurde getötet, sollte der Besitzer (so wie auch das Rind) getötet werden. Er konnte die Todesstrafe umgehen, wenn er finanziell für den Schaden aufkommen konnte, der von den Verwandten des Toten gefordert wurde. Wenn ein Sklave von einem Rind getötet worden war, sollte der Besitzer des Tieres den Besitzer des Sklaven durch die Zahlung von 30 Schekeln Silber (vgl. Mt 26,14-15 ) entschädigen, offensichtlich der Preis des Sklaven.

Im Falle des Verlustes eines Tieres, der auf Fahrlässigkeit zurückging (z.B., indem man eine Grube nicht abdeckte - vielleicht um Regenwasser zu sammeln - und so nicht verhinderte, daß ein Tier in die Grube stürzte), wurde von der schuldigen Partei gefordert, vollen Ersatz für den Verlust des Tieres zu leisten ( 2Mo 21,33-34 ). Diese Verordnung war wichtig, weil Tiere einen wesentlichen Besitz der Israeliten ausmachten.

Wenn ein Rind das Rind eines anderen tötete, sollte der Verlust zu gleichen Teilen zwischen den Besitzern ausgeglichen werden, das lebende Rind sollte verkauft und das Geld geteilt werden (V. 35 ). Wenn ein Mann aber vorsätzlich unterließ, sein stoßendes Rind einzusperren, sollte er für das tote Rind bezahlen .



f. Gesetze über den Diebstahl
( 21,37-22,3 )


2Mo 21,37-22,3


Diese Verordnungen drehten sich um den Diebstahl von Tieren. Die Verse entwickeln sich aus dem achten Gebot ( 2Mo 20,15 ). Wenn jemand gestohlen und dann das Rind oder Schaf desjenigen getötet oder verkauft hatte, mußte er für den Verlust aufkommen ( zurückzahlen , SAlEm , »eine gesetzmäßige Verpflichtung zurückerstatten«; vgl. 2Kö 4,7; Joe 2,25 ), indem er als Strafe dieselbe Tierart zurückgab. Aber für den Verlust eines Rindes sollten fünf Rinder bezahlt werden und vier Schafe für den Verlust eines Schafes. Ohne Zweifel schreckte diese schwere Entschädigung wirksam vom Diebstahl der Tiere ab. Wenn das gestohlene Tier jedoch noch lebte, war die Entschädigung geringer, aber noch immer recht teuer ( 2Mo 22,3 ).

Wenn ein Dieb in der Nacht stahl und von dem Besitzer des Hauses getötet wurde, war der Angeklagte nicht des Mordes schuldig, dies war er nur, wenn der Dieb zur Tageszeit getötet wurde. (Anscheinend konnte der Dieb am Tag gesehen werden, und man konnte leichter Hilfe bekommen.) Das mosaische Gesetzbuch trachtete danach, menschliches Leben zu schützen, auch das von Verbrechern. Der Dieb sollte entweder für das Verbrechen mit seinem eigenen materiellen Besitz Entschädigung leisten oder in die Sklaverei verkauft werden.



g. Gesetze über die Zerstörung von Eigentum
( 22,4-5 )


2Mo 22,4-5


Wenn die Weiderechte eines Bauern von den Herden eines anderen Mannes verletzt wurden oder wenn ein Feuer die Ernte eines anderen zerstörte, so sollte der Übeltäter von seinen eigenen Feldern Ersatz leisten. Dornbüsche brannten häufig sehr leicht und trugen so dazu dabei, daß die Feuer der Felder sich schnell ausbreiteten. Das mosaische Gesetzbuch bejahte energisch das Recht auf Leben und Besitz.



h. Gesetze über sichere Aufbewahrung
( 22,6-12 )


2Mo 22,6-12


Im Alten Orient gab es keine Banken, so daß persönlicher Besitz bisweilen einem Nachbarn zur Aufbewahrung übergeben wurde. Derjenige, der die Wertgegenstände eines anderen ( Güter , Kleidung oder Tiere) zur Aufbewahrung erhielt, war für sie verantwortlich. Wenn persönliche Wertgegenstände verloren und kein Dieb gefunden wurde, mußte derjenige, der die Güter aufbewahrt hatte, vor den Richtern beweisen, daß er sie nicht gestohlen hatte. Andernfalls mußte er Schadenersatz leisten, indem er das Doppelte bezahlte (V. 6-8 ). Wenn ein Tier bei der Verwahrung verletzt wurde oder verloren ging, mußte derjenige, der auf das Tier aufgepaßt hatte, den Beweis liefern, daß er nicht unachtsam gewesen war. Andernfalls mußte er für den Verlust bezahlen (V. 9-12 ).



i. Gesetze über das Entleihen
( 22,13-14 )


2Mo 22,13-14


Wenn ein Tier entliehen wurde, war der Entleiher für seine sichere Verwahrung verantwortlich. Wenn der Besitzer nicht anwesend war, wenn das Tier verletzt wurde oder starb, mußte der Entleiher für den Verlust bezahlen. Aber wenn der Besitzer dabei war, so war der Entleiher nicht schuldig. Wenn ein Tier verliehen wurde und es sich verletzte, so war das Mietgeld auf die Entschädigung für den Besitzer anzurechnen.



j. Gesetze über sexuelle Verführung
( 22,15-16 )


2Mo 22,15-16


Diese Gesetze führen das siebte Gebot ( 2Mo 20,14 ) aus. Unverheiratete, unverlobte Töchter wurden in Israel als Eigentum ihrer Familie betrachtet. Es war also folgerichtig, daß der Verlust der Jungfräulichkeit der Tochter ihren Wert herabsetzte. Daher gebührte dem Vater eine Entschädigung. Die Verführung eines Mädchens, das verlobt war, hatte die Steinigung beider Parteien zur Folge ( 5Mo 22,23-24 ). Wenn eine nicht verlobte Jungfrau sich der Verführung ergab, sollte der Mann den Brautpreis bezahlen und sie heiraten. Im Normalfall bezahlte man den Eltern des Mädchens zur Zeit der Verlobung eine gewisse Summe, die den Verlobungsvertrag gültig machte (vgl. 1Mo 34,12; 1Sam 18,25 ). Wenn ihr Vater nicht wollte, daß seine Tochter den Mann heiratete, war der Mann trotzdem verpflichtet, das Brautgeld zu bezahlen.



k. Gesetze über den Götzendienst
( 22,17-19 )


2Mo 22,17-19


Die drei in diesen Versen erwähnten Sünden verdienten die Todesstrafe. Sie nahmen den Kampf Israels gegen die Verehrung der Götzen vorweg. Die erste Sünde drehte sich um Frauen, die Zauberei praktizierten (indem sie die Zukunft vorhersagten oder andere durch dämonische Mächte überwachten; vgl. den Kommentar zu 5Mo 18,9-12 und zu Dan 2,2 ); die zweite Sünde war die Sodomie (vgl. 3Mo 20,16; 5Mo 27,21 ), die in der kanaanitischen Baalverehrung markant hervorstach (vgl. 3Mo 18,23-24 ); die dritte dreht sich um das Opfern für irgendeinen anderen als den wahren einen, den Herrn (vgl. 3Mo 20,3-5 ).



l. Gesetze über die Fürsorge am Bedürftigen
( 22,20-26 )


2Mo 22,20-26


Es wurden verschiedene Gesetze zum Schutz der Schlechtergestellten mit aufgenommen, weil Gott für sie sorgte: ( ich bin voll Mitleid , V. 26 ). Fremde sollten wohlwollend behandelt werden, weil die Israeliten selbst Fremdlinge in Ägypten gewesen waren (V. 20 ; vgl. 2Mo 23,9 ). Sie sollten auch die Menschen ohne Väter oder Ehemänner nicht ausnutzen, weil sie bereits ohne Schutz dastanden ( 2Mo 22,21-23 ). Ihre schlechte Behandlung ließ Gottes Zorn aufsteigen, und die schuldigen Parteien verloren das Leben.

Für Witwen und Waisen sollte während der Ernte Getreide auf den Feldern gelassen werden ( 5Mo 24,19-21 ), einschließlich der Ränder der Felder ( 3Mo 19,9-10 ). Den Helfern sollte bei Festlichkeiten besondere Gastfreundlichkeit zuteil werden ( 5Mo 16,11-14 ), sie sollten jedes dritte Jahr einen besonderen Zehnten erhalten ( 5Mo 14,28-29 ), und es sollte ihnen gestattet sein, während des Sabbatjahres ihre Feldfrüchte auf den Feldern der anderen anzubauen ( 2Mo 23,11 ).

Israeliten in Not sollten zinsfreie Kredite gewährt werden ( 2Mo 22,24-26; vgl. 3Mo 25,35-38; 5Mo 15,7-11; 23,19-20 ). Wenn ein Armer einen Kredit erhielt, wurde von ihm ein Besitzstück von Wert, normalerweise ein Mantel , dem Kreditgeber als Pfand für die Zurückzahlung übergeben. Aber sein Mantel sollte ihm zum Sonnenuntergang zurückgegeben werden, um ihm in der Nacht Behaglichkeit zuzusichern (vgl. 5Mo 24,10-13; Hi 22,6 ).



m. Gesetze über die Ehrfurcht vor Gott
( 22,27-30 )


2Mo 22,27-30


In den vorhergehenden Versen 20-26 wurden die Bedürfnisse der Menschen der unteren sozialen Schicht erörtert. Dieser Abschnitt (V. 27-30 ) behandelt die Verordnungen für die Menschen der oberen Schichten. Weder dem Namen Gottes, des obersten Herrschers, noch dem Namen der Obrigkeit sollte geflucht werden. Israel sollte sich immer daran erinnern, daß der Erstgeborene ihrer Söhne und Tiere Gott gehörte (vgl. 2Mo 13,2.12 ). Die Söhne sollten im Alter von acht Tagen Gott geweiht, und dabei ein Lösegeld bezahlt werden ( 2Mo 13,13 ). Das Erstgeborene der Rinder und Schafe sollte geopfert werden.

Tiere, die von fleischfressenden Bestien getötet wurden, sollten von Israel nicht verzehrt werden, weil das Blut nicht aus dem Tier ausgeflossen war und sie dadurch, zwar nur auf indirektem Wege, mit der unreinen Bestie, die das Tier getötet hatte, in Kontakt kamen. Israels inwendige Heiligkeit sollte mit ihrer physischen Abtrennung von jeder Form der Unreinheit einhergehen.



n. Gesetze über die Gerechtigkeit vor Gericht
( 23,1-9 )


2Mo 23,1-9


Diese Ermahnungen, die das neunte Gebot ( 2Mo 20,16 ) entwickelten, drehten sich um die Notwendigkeit unparteiischer Gerechtigkeit bei einem Gerichtsverfahren. Die Israeliten sollten in Gerichtsangelegenheiten ein wahres Zeugnis ablegen. Sie sollten die Gerechtigkeit nicht dadurch verkehren, daß sie von der Menge oder sogar von der Begünstigung des Armen beeinflußt wurden. Die Worte Feind ( 2Mo 23,4 ) und Widersacher (V. 5 ) bedeuten möglicherweise »Gegner im Gericht«; ein Israelit sollte sogar zu den Tieren desjenigen freundlich sein, mit dem er im gerichtlichen Streit lag. Dem Armen die Gerechtigkeit aufgrund seiner gesellschaftlichen Stellung zu versagen (V. 6 ; vgl. V. 3 ), vor Gericht falsches Zeugnis zu geben, das zum Tod eines Unschuldigen führte (V. 7 ), ein Bestechungsgeschenk anzunehmen (d.h. eine Bezahlung für eine Bevorzugung vor Gericht, V. 8 ; vgl. 5Mo 16,19;- das war im Nahen Osten ein übliches Problem), und den Fremdling zu unterdrücken (vgl. 2Mo 22,20; vielleicht bezieht sich 2Mo 23,9 auf Fälle vor Gericht), war verboten.



o. Gesetze über den Sabbat
( 23,10-13 )


2Mo 23,10-13


Darauf gab der Herr Israel Anordnungen zum Sabbatjahr (V. 10-11 ) und zum Sabbattag (V. 12-13 ), die das vierte Gebot weiterentwickelten ( 2Mo 20,8-11 ). Das Sabbatjahr erinnerte Israel daran, daß Gott das Land besaß und ihnen lediglich zur Verwaltung gegeben hatte ( 3Mo 24,23 ). Das Sabbatjahr versorgte darüber hinaus die Armen, die von den Feldern sammeln konnten.

Durch die Ruhe am siebten Tag konnten Menschen und Tiere für die nächsten sechs Arbeitstage erquickt werden . Dieser Abschnitt ( 2Mo 23,13 ) endet mit einer allgemeinen Ermahnung, Gottes Geboten zu gehorchen, und einer Warnung, die Namen anderer Götter nicht anzurufen, oder auch nur zu erwähnen.



p. Gesetze über jährliche Feste
( 23,14-19 )


2Mo 23,14-19


Hier gab Gott die Anweisung, jedes Jahr drei landwirtschaftliche Feste zu feiern: a) das Fest der ungesäuerten Brote im Monat Abib (März/April), etwa in der Zeit der Gerstenernte; b) das Fest der Ernte im Frühjahr zu Beginn der Weizenernte (vgl. 2Mo 34,22 ), wenn die Erstlingsfrüchte dem Herrn gegeben werden sollten und c) das Fest des Einsammelns im Frühherbst (September/Oktober; vgl. die Tabelle »Der Kalender in Israel« bei 2Mo 12,1 ).

Das erste dieser großen Agrarfeste war ein Andenken an den überstürzten Auszug aus Ägypten (vgl. 2Mo 12,15-20 ). Das zweite Fest, an dem dem Herrn zwei Brotlaibe aus neuem Korn dargebracht wurden ( 3Mo 23,15-21 ), wurde auch Wochenfest genannt ( 2Mo 34,22 ), weil es sieben Wochen (50 Tage) nach dem Fest der ungesäuerten Brote gefeiert wurde. Im NT ( Apg 2,1; Apg 20,16; 1Kor 16,8 ) wird es dann Pfingsttag genannt. Das dritte Fest, das Fest des Einsammelns, am Ende des landwirtschaftlichen oder bürgerlichen Jahres wurde auch das Laubhüttenfest genannt ( 3Mo 23,33-36; 5Mo 16,13-15; 31,10 ).

Diese Feste dienten Israel als ständige Erinnerungen daran, wie Gott sein Volk versorgt hatte. So sollte dreimal im Jahr ( 2Mo 23,14.17; 34,23 ) alles , was in Israel erwachsen und männlich war, mit Korn und Tieropfern zur Stiftshütte (oder später zum Tempel) kommen. Wenn ein Opfer auf dem Altar verzehrt wurde, sollte es ohne Sauerteig sein. Nur das Beste der Erstlingsfrüchte sollte dem Herrn dargebracht werden.

Das Verbot, ein Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter zu kochen ( 2Mo 23,19; vgl. 2Mo 34,26; 5Mo 14,21 ), könnte sich aus religiösen Praktiken erklären, wonach die Kanaaniter in einem Fruchtbarkeitsritus Ziegen in der Milch ihrer Mutter gekocht haben. Gott wollte nicht, daß sein Volk an irgendetwas teilnahm, das mit der Verehrung von Götzen in Beziehung stand. Das Verbot könnte sich aber auch gegen die unmenschliche Behandlung junger Ziegen richten. Beim Fest des Einsammelns ( 2Mo 23,16 b) waren die Israeliten möglicherweise in Versuchung, der üblichen Praxis der Beduinen zu folgen und das Fleisch einer jungen Ziege in Ziegenmilch zu kochen, obwohl doch die jungen Ziegen bei ihrer Mutter gelassen werden sollten. Mit anderen Worten: Das Verbot bedeutete unter Umständen, daß die Israeliten nicht das, was dazu gedacht war, das Leben (Ziegenmilch) zu fördern, dazu benutzen sollten, das Leben zu zerstören. Diese Klausel könnte die Grundlage des gegenwärtigen jüdischen Brauches sein, Milchprodukte und Fleisch nicht miteinander in Berührung zu bringen.



q. Schlussrede: Die Verheissung für die Eroberung des Landes
( 23,20-33 )


Der Abschnitt über die Verordnungen (der in 2Mo 20,22 beginnt) beinhaltet auch die trostgebende Verheißung, daß Gott sein Volk in das verheißene Land, wo die Gesetze, die gerade aufgezählt wurden, in die Praxis umgesetzt werden sollten, führen würde. Der Abschnitt enthält die Verheißungen der Verfluchung für Ungehorsam und des Segens für Gehorsam, die den Ankündigungen im 3.Mose und 5.Mose ähnlich sind.

2Mo 23,20-26


Zuerst betonte der Herr die Notwendigkeit des Gehorsams. Der Engel (V. 20.23 ) könnte vielleicht ein besonderer Wächterengel für Israel gewesen sein (vielleicht Michael; Dan 12,1 ) oder, was noch wahrscheinlicher ist, der Herr selbst oder, wegen seiner Fähigkeit, zu vergeben, der noch nicht fleischgewordene Christus (vgl. 2Mo 23,20 mit 1Mo 24,27; vgl. den Kommentar zu 1Mo 16,9 ). Gott hatte verheißen, sein Volk in den vor ihnen liegenden Tagen zu führen. Die Führung erfolgte natürlich in besonderer Weise durch Mose und Aaron. Als das Volk in Kanaan ankam, verhieß Gott ihnen, daß er ihre Feinde vertilgen würde (zu den in 2Mo 23,23 genannten Völkern vgl. den Kommentar zu 2Mo 3,8 ). Die Israeliten sollten die Götzenbilder und heiligen Steine (vgl. 2Mo 34, 13 ; 5Mo 7,5; 12,3 ) der Kanaaniter zerstören. Möglicherweise waren diese Steine männliche Fruchtbarkeitssymbole. Gott zu verehren und ihm zu gehorchen hatte Gesundheit, langes Leben und Belohnung zur Folge.

 

2Mo 23,27-30


Gott verhieß auch, daß er den Israeliten das Land allmählich geben würde. Ihre Feinde sollten, von Gott in Schrecken versetzt, verwirrt werden und sich zurückziehen. So als ob sie laufen würden, um dem Stachel einer Hornisse zu entkommen, würden sie in Angst und Schrecken fliehen (vgl. 2Mo 15,15; 4Mo 22,3; Jos 2,9-11.24; 5,1; 9,24 ). Manche Bibelleser nehmen dennoch den Bezug auf »die Hornisse« wörtlich. Andere sind der Meinung, daß sich der Ausdruck auf die ägyptische Armee bezieht.

Die Eroberung sollte länger als ein Jahr dauern; tatsächlich dauerte die Eroberung Josuas, bei der nicht alle Feinde vertilgt wurden, sieben Jahre (1406- 1399 v.Chr.). Wenn Gott ihnen das ganze Land auf einmal gegeben hätte, anstatt nach und nach (vgl. Ri 1 ), wäre das Land wüst und von wilden Tieren überschwemmt worden, bevor Israel sich darin ansiedeln und es bebauen konnte.



2Mo 23,31-33


Dann schrieb der Herr die Grenzen des verheißenen Landes vor. Das Rote Meer ist in diesem Falle der Teil des Roten Meeres, der heute als Golf von Aqaba bekannt ist (vielleicht, um die südöstliche Grenze des Volkes zu bilden). Das Philistermeer (das Mittelmeer) sollte die Grenze im Westen sein, die Wüste die südliche Grenze und der Euphratstrom die nördliche (oder nordöstliche). Dieses Territorium wurde in der Zeit Salomos besetzt ( 1Kö 5,1 ), obwohl ein großer Teil davon Israel nicht völlig unterstand. Enklaven des Feindes bestanden im Land als Vasallen Israels noch immer fort (vgl. 5Mo 11,24 ,und siehe den Kommentar zu 5Mo 1,7 ). Die Gegenwart dieser Feinde im Land war für Israel eine ständige Bedrohung, so wie es Gott vorhergesagt hatte. Jos 9,13-15 berichtet die Verletzung des Gebotes Gottes, keinen Bund (vgl. 2Mo 34,12 ) mit einem der fremden Völker im Land Kanaan zu schließen. Wenn Israel es unterließe, die Feinde auszustoßen ( 2Mo 23,31 ), würde das zur Folge haben, daß sie Israel dazu bringen würden, zu sündigen, und zwar in erster Linie durch ihren Götzendienst. Die spätere Geschichte Israels hat mit Sicherheit bewiesen, daß das der Wahrheit entsprach.

 

r. Die Bestätigung des Bundes
( 24,1-11 )


Die Übereinkünfte des Bundes wurden - einschließlich der Zehn Gebote und der Zeremonien -, durch welche das Volk Israel als das Volk des wahren Gottes gelenkt werden sollte nun übermittelt. Dem Volk blieb nur noch übrig, den Vertrag zu bestätigen.

2Mo 24,1-4 a


Gott ließ Mose mit Aaron, seinen zwei ältesten Söhnen Nadab und Abihu (vgl. 3Mo 10 ) und 70 der Ältesten (Führer) des Volkes vor ihn kommen. Allerdings sollten alle 73 Männer, ausgenommen Mose, aus Achtung der Majestät und Heiligkeit Gottes vor dem HERRN Abstand bewahren (vgl. 2Mo 19,12-13.24 ). Mose stieg auf den Gipfel des Berges, die übrigen 73 Männer waren zwar auf dem Berg, aber nicht auf der Spitze, und das Volk war noch darunter, am Fuß des Berges.

Gott war nun bereit, den mosaischen Bund mit seinem Volk zu bestätigen. Mose wiederholte vor dem Volk alle Worte und Gesetze des HERRN ( 2Mo 20,22-23,33 ), die »das Buch des Bundes« genannt wurden ( 2Mo 24,7 ). Nachdem das Volk diese Gesetze gehört hatte, äußerte es sich ganz untergeben, ihnen gehorchen zu wollen (vgl. 2Mo 19,8 ), und Mose schrieb Gottes Gebote nieder .



2Mo 24,4-8 (2Mo 24,4b-8)


Dann bereitete Mose das Volk auf die Bestätigung des Gesetzes vor. Zuerst baute er einen Altar am Fuß des Berges Sinai und errichtete 12 Steinmale , um die 12 Stämme Israels darzustellen. Weil es die levitische Priesterschaft noch nicht gab, dienten die jungen israelitischen Männer (vielleicht die geweihten Erstgeborenen, 2Mo 13,1-16 ) und Mose als Priester und brachten dem HERRN Brand- und Dankopfer dar . In der feierlichen Bestätigung sprengte Mose Blut an den Altar ( 2Mo 24,6 ) und auf das Volk (V. 8 ), das gehört hatte, wie Mose das Buch des Bundes verlas. Sie hatten noch einmal versprochen, dem Gesetz zu gehorchen (V. 7 ; vgl. V. 3 ). Dies ist das einzige Mal im AT, daß Menschen mit Blut besprengt wurden. Möglicherweise wurde das Volk in dem Sinne besprengt, daß die Steine, die es repräsentierten (V. 4 ), besprengt wurden. (Über die Beziehung zwischen Gehorsam und dem Besprengen mit Blut vgl. den Kommentar zu 1Pet 1,2 .) Das versprengte Blut symbolisierte so die rechtsgültige Abwicklung des Vertrages zwischen Gott (der durch den Altar dargestellt wurde, 2Mo 24,6 ) und dem Volk (das durch die Steine dargestellt wurde). Israel war auf diese Weise durch das Blut ( das Blut des Bundes ) als das Volk des wahren Gottes feierlich ausgesondert worden. Später wurde der Neue Bund, der durch Jesus aufgerichtet wurde, auch durch Blut, nämlich sein eigenes Blut, bestätigt ( Lk 22,20; 1Kor 11,25-26 ).



2Mo 24,9-11





Mose, Aaron, die beiden ältesten Söhne Aarons und die 70 Ältesten stiegen auf den Berg hinauf, um den Bund vor Gott zu bekräftigen und zu bestätigen. Weil niemand Gott sehen und dann noch leben kann (vgl. den Kommentar zu 2Mo 33,11.20; Joh 1,18 ), sahen sie möglicherweise den Gott Israels in dem Sinne, daß sie von ihm ein Gesicht hatten, in dem sie erkannten, wer er ist. Offenbar war der Anblick so wunderbar und ehrfurchteinflößend, daß ihre Augen nur unter seine Füße sahen. Der helle Glanz Gottes sah aus wie Saphir (vgl. den Saphirthron in Hes 1,26 ). Dann verzehrten sie vor Gott ein Mahl. Es war durchaus üblich, die Bestätigung eines Bundes mit einem Mahl zu symbolisieren (vgl. 1Mo 26,30; 31,54; Lk 22,15-20 ).

 

4. Die Zeremonialgesetzgebung
( 24,12-31,18 )


Der mosaische Bund war bestätigt worden ( 2Mo 24,1-11 ), und Israel war nun eine Theokratie, ein Staat oder ein Gemeinwesen, das Gott unterstellt war. Nachdem das Volk Gottes von Gott aus der Sklaverei erlöst worden war, und nun in einem Bund unter seinem Gesetz stand, wurde es jetzt über den angemessenen Weg der Gottesverehrung belehrt. Mose wurde in die Gegenwart Gottes gerufen, um die Zehn Gebote in Stein, zusammen mit anderen Geboten zu erhalten ( 2Mo 24,12 ). 40 Tage später kehrte er zurück ( 2Mo 31,18; 34,28 ). In diesem Zeitabschnitt übermittelte Gott Mose die Form der Gottesverehrung für Israel. Die Stiftshütte sollte der Mittelpunkt der Gottesverehrung Israels werden. Dieser ausgedehnte Abschnitt ( 2Mo 24,12-31,18 ) dreht sich um die Verordnungen, die sich auf den Dienst im Heiligtum und den Priesterdienst beziehen - Zeremonialgesetze, die den Bund umgeben.



a. Die Geschichte der Offenbarung des Zeremonialgesetzes
( 24,12-18 )


2Mo 24,12-18


Mose sollte auf den Berg vor Gott kommen, um die Steintafeln mit dem Gesetz (den Zehn Geboten, 2Mo 20,2-17; vgl. 2Mo 34,28 ) und die Gebote über die Verehrung für Israel zu erhalten. Gott hatte Mose die Zehn Gebote schon früher gegeben, aber nun wurden sie in Stein eingeschrieben.

Die Führung des Volkes wurde für eine Zeitlang an Aaron und Hur übergeben (vgl. 2Mo 17,10.12 ), während Mose mit Josua auf den Sinai, den Berg Gottes stieg (vgl. 2Mo 3,1; 4,27; 18,5 ). Josua, der zum ersten Mal in 2Mo 17,9 erwähnt wird, wurde zunehmend zur führenden Persönlichkeit (vgl. 2Mo 33,11 ). Möglicherweise bestieg Josua den Berg nur bis zu einer gewissen Höhe.

Eine Wolke , die Gottes Herrlichkeit darstellte (vgl. 2Mo 19,16 ), verkündigte das Herannahen Gottes, um Mose zu treffen. Gottes Herrlichkeit bedeckte den Berg . Dort sprach Gott nach sechs Tagen mit Mose aus der Wolke. Für das Volk unten sah die Herrlichkeit Gottes wie ein verzehrendes Feuer aus ( 2Mo 19, 18 ). Während der 40 Tage aß und trank Mose nichts (vgl. 5Mo 9,9 ).


Das zweite Buch Mose

b. Die Anweisungen für die Stiftshütte
( 2Mo 25-27 )


Die Stiftshütte war für das öffentliche Leben Israels wichtig; sie symbolisierte das Wohnen Gottes unter seinem Volk ( 2Mo 25,8; 29,45 ), und war der Ort, an dem Gott den Verantwortlichen des Volkes ( 2Mo 29,42 ) und dem Volk ( 2Mo 29,43 ) begegnete. Gottes Herrlichkeit offenbarte sich in der Stiftshütte ( 2Mo 40,35 ). Sie war darüber hinaus das sichtbare Zentrum der neu errichteten Theokratie zur Verehrung Gottes. Die Stiftshütte war eine vorlaufende Darstellung Christi, von dem es heißt, daß er unter seinem Volk wohnte ( Joh 1,14 ).

Auf die Stiftshütte ( 2Mo 25,9 ) wurde mit verschiedenen Namen Bezug genommen: 'Heiligtum' , was soviel bedeutete wie heiliger Ort ( 2Mo 25,8 ); 'Zelt' ( 2Mo 26,7.11-14.36 ) wegen ihres zeltähnlichen Aufbaus; 'das Zelt der Zusammenkunft' ( 2Mo 27,21 ), was ihren Aufbau und ihre Funktion andeutete; 'Wohnung des Gesetzes' ( 2Mo 38,21; vgl. Apg 7,44 ) und 'Hütte des Gesetzes' ( 4Mo 9,15 ), womit der Ort, wo die beiden Gesetzestafeln (das »Gesetz«; vgl. 2Mo 31,18 und vgl. den Kommentar zu 2Mo 16,34 ) aufbewahrt wurden (nämlich in der Bundeslade im Allerheiligsten; vgl. 2Mo 25,16.21 ) bezeichnet wurde. Vgl. dazu auch die Skizze »Grundriß der Stiftshütte«. Manche Ausleger nehmen an, daß die Stiftshütte wie ein Zelt mit einer Firststange und einem schrägen Dach wie ein V aussah. Wie dem auch sei, die Heilige Schrift erwähnt keine Firststange. Auch ein Giebeldach würde die Maße des Daches über die Höhe von zehn Ellen hinausgehen lassen, so daß die über das Dach und die Seiten gelegten Zeltdecken die goldbedeckten Bretter nicht in angemessener Weise bedeckt hätte. Daher sollte man wohl der üblichen Ansicht von einer Stiftshütte mit einem Flachdach den Vorzug geben.

(1) Das Sammeln des Materials

2Mo 25,1-9


Der Herr beschrieb Mose die Materialien, die für den Bau der Stiftshütte zusammengetragen werden sollten. Die Israeliten sollten ein freiwilliges Opfer bringen; jeder, dessen Herz ihn trieb, etwas zu geben.

Die Metalle, die beim Bau benutzt werden sollten, waren Gold, Silber und Kupfer . Das Gold wird vielleicht zuerst genannt, weil es am wertvollsten ist. Nach den drei Metallen werden vier weitere Materialien aufgezählt: Garn in drei Farben und Leinen. Feines Leinen ist die Übersetzung von SES , ein ägyptisches Wort. »Ägypten zeichnete sich in der Herstellung von Leinen, besonders von doppeltem Leinen aus, bei dem jeder Faden aus vielen Fäden zusammengedreht wurde. Die hebräischen Sklaven mußten viele ägyptische Kunsthandwerke... während ihres Aufenthaltes in Ägypten erlernt haben.« (R. Alan Cole, Exodus, An Introduction and Commentary , S.189). Als nächstes werden Ziegenhaar, Widderfelle und Felle von Seekühen (in anderen Übersetzungen: Dachsfelle) genannt. »Die Seekuh ( dugong dugong ) ist ein pflanzenfressendes Säugetier, das im Roten Meer und im Golf von Aqaba beheimatet ist. Bis heute stellen die Beduinen aus ihren Häuten Sandalen her« (Ronald F. Youngblood, Exodus , S.114; vgl. auch Hes 16,10 ,wo das Wort »Leder« dasselbe ist wie dasjenige für »Seekuh« in 2.Mose).

Das Holz der Akazienbäume, die auf der Sinai-Halbinsel häufig vorkommen, eignet sich ausgezeichnet für Bauten. Andere Gegenstände, die herbeigebracht werden sollten, waren Olivenöl, Gewürze und wunderschöne Steine. Gold, Silber und Leinen stammten möglicherweise von den Ägyptern (vgl. 2Mo 12,35-36 ). Einige der anderen Materialien könnten aus der Beute eines Sieges der Israeliten über die Amalekiter stammen ( 2Mo 17,8-16 ) oder aus dem Handel mit den Beduinen.

(2) Die Lade und der Sühnedeckel ( 2Mo 25,10-22 )

Der vorausgegangene Abschnitt (V. 1-9 ) schloß mit Gottes ausdrücklichem Befehl an Mose, die Stiftshütte und ihre Ausstattung gemäß seinen Anweisungen aufzubauen. ( 2Mo 35-40 berichten von Moses sorgfältiger Ausführung dieser Pläne.) 2Mo 25,10-27,21; 30,1-6 beschreiben die Details dieser Anweisungen (vgl. Hebr 9,23-24 ).

Mehrere Einrichtungsgegenstände der Stiftshütte werden zuerst beschrieben ( 2Mo 25,10-40 ), bevor, aufgrund ihrer Bedeutung, die Beschreibung der Stiftshütte selbst folgt ( 2Mo 26 ). Die Stiftshütte diente dazu, die Gegenstände zu schützen. Der wichtigste Gegenstand der Stiftshütte überhaupt wird zuerst beschrieben. Es war das einzige Stück in der zweiten Abteilung der Stiftshütte, dem Allerheiligsten.



2Mo 25,10-16


Die Bundeslade wurde Kasten (Lade) , »die Lade mit dem Gesetz« (V. 22 ) und »Lade des Bundes des Herrn« ( 4Mo 10,33; 5Mo 10,8; 31,9.26 ) genannt. Sie wurde »mit dem Namen« Gottes genannt (vgl. den Kommentar zu 1Chr 13,6 ). Die Lade sollte ein rechteckiger Kasten (zweieinhalb Ellen lang, anderthalb Ellen breit und anderthalb Ellen hoch) aus Akazienholz und innen und außen mit Gold überzogen sein. Die Lade sollte auf vier Füße gestellt werden und vier Ringe für zwei goldüberzogene Stangen haben, mit denen die Lade getragen werden konnte. In die Lade sollte Mose die beiden Steintafeln mit den Zehn Geboten (oder das Gesetz ), die auf die Tafeln geschrieben worden waren und die er auf dem Berg erhalten hatte ( 2Mo 31,18 ), legen ( 2Mo 25,16.21 ). Gemäß Hebr 9,4-5 enthielt die Lade außerdem einen Krug mit Manna (vgl. 2Mo 16,33 und den Kommentar zu 2Chr 5,10 ) und den Stab Aarons (vgl. den Kommentar zu 4Mo 17,25 ).



2Mo 25,17-22


Ein Deckel (»Gnadenthron«) sollte auf der goldenen Lade angebracht werden. Der Deckel der Lade (zweieinhalb Ellen mal anderthalb Ellen) mit zwei Cherubim (Pl. von »Cherub«), die sich auf dem Deckel gegenüberstanden , sollte aus einem gediegenen Stück von reinem Gold sein. Offenbar sollten diese goldenen Cherubim den geflügelten Engeln in der Gegenwart Gottes gleichen (vgl. 1Sam 4,4; Ps 80,2; 99,1; Jes 37,16 ). Auch in die Vorhänge, die die Stiftshütte selbst bedeckten, waren Cherubim eingewebt ( 2Mo 26,1-6 ), ebenso in die Vorhänge zwischen dem Heiligtum und dem Allerheiligsten ( 2Mo 26,31-33 ).

Von besonderer Wichtigkeit ist hier, daß über dem Sühnedeckel zwischen den beiden Cherubim Gott seinem Volk begegnen sollte. Hier sprengte der Hohepriester am großen Versöhnungstag ( 3Mo 16,1-20 ) das Blut auf den Deckel ( kappOreT , »Deckel«). Das Blut bedeckte ( kAPar , »bedecken«, »Sühne erwirken für«; vgl. 2Mo 30,10 ) so die Sünde Israels. Der Sühnedeckel symbolisierte für Israel das, was später durch Christus erfüllt wurde, der, als das Lamm Gottes ( Joh 1,29 ) durch sein vergossenes Blut ( Eph 1,7; 1Pet 1,18-19 ), Versöhnung für die Sünden erwirkte ( Röm 3,25; Hebr 9,11-14 ).

(3) Der Tisch für die Schaubrote



2Mo 25,23-30


Der Tisch mit zwei Ellen Länge und einer Elle Breite sollte aus Akazienholz (wie die Lade, V. 10 ) gemacht, mit Gold überzogen und mit goldüberzogenen Stangen in der selben Weise wie die Lade getragen werden. Eine Leiste von einer Handbreit Höhe um die Ecken des Tisches sollte die Dinge auf dem Tisch vor dem Herabfallen bewahren. Auf dem Tisch, der an der Nordseite des Heiligtums aufgestellt werden sollte ( 2Mo 26,35; 40,22 ), sollten 12 Brotlaibe in zwei Reihen zu je 6 aufgestellt und an jedem Sabbat ersetzt werden ( 3Mo 24,5-9 ). Auf dem Tisch sollten auch goldene Schüsseln (vielleicht um die Brotlaibe zu tragen) und Schalen, Kannen und Becher für Trankopfer aufgestellt werden. Die Brote wurden Brote des Angesichts ( Schaubrote ) genannt, weil sie in der Gegenwart Gottes ( vor mir ) lagen. Dieser Tisch mit seinen 12 Brotlaiben, die möglicherweise die 12 Stämme Israels darstellten, war ein Bild für die Gemeinschaft Gottes mit seinem Volk. Wenn die Priester die Brote aßen ( 3Mo 24,9 ), wurde damit deutlich, daß geistliche Gemeinschaft das geistliches Leben stärkte.

(4) Der goldene Leuchter



2Mo 25,31-40


Der Leuchter ( m+nOrCh , daher das deutsche Wort »Menora« für einen jüdischen Kandelaber) sollte das am meisten verzierte Stück der Einrichtung der Stiftshütte sein. Seine dekorativen Kelche, Knäufe und Blüten wurden aus einem gediegenen Stück Gold (V. 31.36 ) gearbeitet. An jeder Seite eines Schaftes sollten drei Arme nach oben gehen (V. 32 ). Jeder Arm hatte drei Kelche in Form von Mandelblüten (V. 33 ), der Schaft in der Mitte vier (V. 34 ). Oben auf dem Schaft in der Mitte und auf jedem der sechs Arme befand sich eine Lampe (V. 37 ). Die sieben Lampen in dem Lampenständer gaben in dem Zelt Licht (V. 37 ).

Der Leuchter , der ununterbrochen brennen sollte, wurde morgens und bei Sonnenuntergang von den Priestern versorgt ( 2Mo 27,20-21; 3Mo 24,3-4 ). Die für dieses Ausstattungsstück und sein Zubehör - Dochtscheren und Feuerbecken (vielleicht für das Öl) - erforderliche Menge an Gold betrug ein Talent , was etwa 75 Pfund entsprach. So wie der Leuchter für die Aufgaben der Priester vor Gott Licht spendete, so ist Christus heute das Licht der Welt ( Joh 8,12 ), der den Weg zu Gott zeigt ( Joh 14,6.9 ).

(5) Die Zeltdecken der Stiftshütte ( 2Mo 26,1-14 )



2Mo 26,1-6


Kapitel 26 legt den Schwerpunkt auf die Stiftshütte , die die drei Gegenstände darin schützte (und darüber hinaus den Räucheraltar, der in 2Mo 30,1-10 beschrieben wird). Das tragbare Zelt war 10 Ellen mal 30 Ellen groß (vgl. die Skizze »Grundriß der Stiftshütte«), mit einem hölzernen Rahmen an den Seiten, oben und an der Rückseite. Über das Dach und die Rückseite der Hütte wurden 10 Zeltdecken gelegt, die als großes Zelt fungierten. Die Stiftshütte mit ihrem sich darüberwölbenden Zelt wurde von einem großen Vorhof umgeben ( 2Mo 27,9-19 ).

Die 10 Zeltdecken (Teppiche) waren aus Leinen hergestellt und hatten wunderbare Farben ( blau, rotes Purpur und Scharlach ) (vgl. 2Mo 25,4 ). Sie waren mit Cherubim bestickt (vgl. den Kommentar zu 2Mo 25,18 ). Die Teppiche waren jeder 28 Ellen lang und 4 Ellen breit.

Wenn die langen Ecken der 5 Zeltdecken zusammengefügt wurden, maß die so neu gebildete Zeltdecke 20 mal 28 Ellen. Mit den nächsten 5 Zeltdecken zusammen maßen die 10 Decken (die durch 50 goldene Haken an den Ecken der beiden jeweils zusammengefügten Stücke befestigt wurden) 40 mal 28 Ellen.

Die 40 Ellen Länge (10 Decken zu je 4 Ellen Länge) ermöglichten es, daß die Decken das Dach der Stiftshütte (mit 30 Ellen Länge) und die Rückseite (10 Ellen Höhe) völlig bedeckten. Die 28 Ellen (die Länge jeden Teppichs) gingen über das Dach der Stiftshütte (mit 10 Ellen Höhe) hinaus und hingen an jeder Seite bis zu einer Elle auf den Erdboden herunter.



2Mo 26,7-13


Über den farbigen Zeltdecken, die innerhalb der Stiftshütte aufgehängt wurden (V. 1-6 ) und die Wände, Decke und Rückfront mit auserlesenen Wandteppichen bildeten, hingen noch weitere Decken. Diese 11 Decken waren aus Ziegenhaar, einem schwarzen, wetterbeständigen Material, das noch heute von Beduinen bei der Zeltherstellung benutzt wird. Diese Zeltdecken waren länger als die inneren Vorhänge (eher 30 Ellen als 28 Ellen), so daß sie auf den Seiten der Stiftshütte den Boden berührten (V. 13 ). Dadurch wurden die wunderbaren Farben der inneren Zeltdecken und die kostbaren Geräte in der Stiftshütte vor den Blicken verborgen.



2Mo 26,14


Fünf der Ziegenhaardecken, und auf dieselbe Weise die anderen sechs Ziegenhaardecken, sollten wie die inneren Zeltdecken zusammengefügt werden. Wenn die beiden Teile zusammengefügt wurden (durch Kupferhaken, V. 11 ), betrug die Länge 44 Ellen. So wurde die Länge der Stiftshütte (30 Ellen) und ihre Rückfront (von 10 Ellen Höhe) ausgelegt. Von den verbleibenden 6 Decken wurden drei doppelt über die Vorderseite gelegt (V. 9 ) und drei an der Rückseite befestigt (V. 12 ). Über die Ziegenhaardecken wurden zwei weitere Decken gebreitet: rotgefärbte Widderfelle und die Häute von Seekühen (vgl. den Kommentar zu 2Mo 25,5 ). Für diese Decken werden keine Maße angegeben. Möglicherweise wurden sie über die Ziegenhaardecken gelegt, wie dies bei einigen Beduinenstämmen bis heute Brauch ist.

(6) Das Gerüst für die Stiftshütte



2Mo 26,15-30


Offenbar waren die Wände der Stiftshütte nicht massiv, sondern bestanden aus Brettern, die ein Gitterwerk bildeten, über das die Zeltdecken angeordnet wurden. Wenn die Wände massiv gewesen wären, hätte man die farbigen Zeltdecken nicht im Innern der Stiftshütte sehen können. Jedes Brett hatte eine Höhe von 10 Ellen, die die Höhe der Stiftshütte andeuteten, und eine Breite von anderthalb Ellen.

Die Breite jedes Gerüstteils erstreckte sich offenbar von der Innenseite der Stiftshütte nach draußen. Josephus schreibt, daß die Gerüstteile eine halbe Elle Durchmesser hatten ( Jüdische Altertümer , 3.6.3). Wenn das so war, dann waren die aufrechten Gerüstteile etwa eineindrittel Ellen voneinander entfernt.

Die beiden Vorsprünge an jedem Gerüstteil waren wie Zapfen, die in die silbernen Füße paßten. Alles in allem wurden 48 Gerüstteile gebraucht. 20 für die Südseite, 20 für die Nordseite, 6 für die Westseite (Rückseite) und darüberhinaus zwei Gerüstteile zur zusätzlichen Verstärkung. Die Bretter wurden noch durch eine Reihe von 15 Riegeln abgesichert (5 auf den beiden Seiten und 5 auf der Rückseite), die mit goldenen Ringen horizontal (V. 26-30 ) angefügt wurden. Diese Stangen sollten mit Gold überzogen werden. Die mittlere Stange auf jeder Seite sollte sich über die volle Länge erstrecken; die anderen Stangen waren offenbar kürzer.

(7) Die inneren und äußeren Zeltdecken ( 2Mo 26,31-37 )

Zwei Vorhänge sollten hergestellt werden: Einer, der das Heilige vom Allerheiligsten abtrennte (V. 31-35 ), und einer beim Eingang in die Stiftshütte (V. 36-37 ).



2Mo 26,31-35


Der innere Vorhang sollte aus prächtig gefärbtem Garn und Leinen, so wie die 10 Vorhänge über der Stiftshütte mit einer reichen Stickerei mit Cherubim, hergestellt werden. Der Vorhang, der an vier Stangen an goldenen Haken hing (mit Gold überzogen und mit silbernen Füßen ; vgl. V. 18-21 ), teilte die Stiftshütte in zwei Abteilungen. Im inneren Hof, dem Allerheiligsten , war die Bundeslade und ihr Deckel (vgl. 2Mo 25,10-22 ) aufgestellt. Im äußeren Teil, dem Heiligtum , stand der Tisch (mit den Schaubroten; vgl. 2Mo 25, 23-30 ) und der Leuchter (vgl. 2Mo 25,31-39 ). Im Heiligtum befand sich auch der noch später erwähnte Räucheraltar ( 2Mo 30,1-10 ).



2Mo 26,36-37


Der Vorhang bei dem Eingang des Zeltes sollte aus denselben Materialien wie der innere Vorhang sein, aber offenbar ohne die Stickerei mit den Cherubim. Die Füße der goldenen Säulen sollten ebenfalls aus Kupfer, nicht aus Silber sein (vgl. V. 32 ), weil dieser Vorhang ein Teil des Äußeren sein würde, das überall Kupfer zeigte. Dieser Vorhang wurde von fünf Säulen gestützt, nicht von vier wie der innere Vorhang (vgl. V. 32 ). Da sich mehr Säulen in derselben Weite von 10 Ellen befanden, war der Raum, um die Stiftshütte selbst zu betreten, enger als der Raum zwischen den vier Säulen beim Eingang in das Allerheiligste.

(8) Der Brandopferaltar

 

2Mo 27,1-8


In den Anweisungen über die Stiftshütte ging Gott von innen (der Lade und dem Sühnedeckel) nach außen zum Vorhof außerhalb der Stiftshütte vor.

In dem Vorhof befand sich ein Altar, der »Brandopferaltar« ( 2Mo 30,28; 3Mo 4,7.10.18 ) oder auch »Altar« ( 2Mo 38,30 ) genannt wurde. Im Gegensatz zum Räucheraltar ( 2Mo 30,1-10 ) war dies ein Altar für Tieropfer. Er sollte aus Akazienholz gemacht werden und fünf mal fünf Ellen lang und drei Ellen hoch sein, und Hörner (wie ein Tierhorn) an allen vier Ecken haben, die mit Kupfer überzogen waren. Die Geräte des Altars sollten ebenfalls aus Kupfer sein ( 2Mo 27,3 ). Die Hörner sollten bei der Opferung durch die Priester ( 2Mo 29,1.10-12; 3Mo 8,14-15; 9,9 ) und am großen Versöhnungstag ( 3Mo 16,18 ) mit Blut benetzt werden.

Das Gitterwerk oder kupferne Netz, das auf einer Leiste um den Altar herum bis zur Mitte desselben angebracht wurde, stützte den Altar. Möglicherweise wurde dort das Fleisch der Tiere gegart. Die Stangen sollten ebenfalls mit Kupfer überzogen werden und in kupferne Ringe an den Ecken des Altars gesteckt werden, um den Altar zu transportieren. Die untere Hälfte des Altars sollte hohl sein, doch später hat man ihn vielleicht mit kleinen Steinen gefüllt, nicht mit Erde, wie einige vermutet haben, um das Feuer dort zu entfachen. Der genaue Standort dieses Altars wird nicht angegeben, er befand sich aber am Eingang zur Stiftshütte ( 2Mo 40,29 ). Das Becken war zwischen dem Altar und der Stiftshütte ( 2Mo 30,18 ). Dieser Altar veranschaulicht die Tatsache, daß der Mensch nur durch Opfer zu Gott gelangen kann; nur durch Opfer wird Sünde gesühnt. Auf diesem Altar - dem ersten Gegenstand, den man beim Betreten des Vorhofes der Stiftshütte sah, wenn man sich zur Anbetung näherte, - wurden beständig Opfer für die Sünden dargebracht. Das letzte Opfer war Jesus Christus ( Hebr 10,1-18 ).

(9) Der Vorhof


2Mo 27,9-19


Die ganze Anlage der Stiftshütte war rechteckig (50 Ellen mal 100 Ellen, V. 9.13.18 ) mit einer äußeren Wand aus leinenen Decken, die von 20 Säulen an der südlichen Seite, 20 an der nördlichen und 10 an der westlichen gestützt wurde. Diese steckten alle in kupfernen Füßen und hatten silberne Haken (um die Decken aufzuhängen) in Ringbändern (V. 10-11.17 ). Die Säulen standen fast fünf Ellen voneinander entfernt, die Decken wurden durch kupferne Zeltpflöcke (V. 19 ) festgehalten.

Der Eingang im Osten war 20 Ellen breit, da die Decken an jeder Seite des Eingangs 15 Ellen Raum einnahmen (50 Ellen15 Ellen15 Ellen = 20 Ellen). Drei Säulen stützten die Vorhänge auf den Seiten des Eingangs. Diese Säulen waren etwa 5 Ellen voneinander entfernt.

So wie die Vorhänge beim Eingang zum Heiligtum ( 2Mo 26,36 ) und zum Allerheiligsten ( 2Mo 26,31-33 ) sollten die Vorhänge beim Eingang zum Vorhof ebenfalls aus farbigen Garnen und feinem Leinen sein. Der Vorhang zum Heiligen sollte an fünf Säulen hängen ( 26,36-37 ), aber dieser Vorhang hier sollte an vier Säulen aufgehängt werden ( 2Mo 27,16 ). Die Höhe der umgebenden Wand aus Decken betrug 5 Ellen ( 27,18 ). Das war hoch genug, um Blicke von außen abzuhalten; die Decken waren aber nur halb so hoch wie die Stiftshütte selbst es war, so daß diese sichtbar blieb.

(10) Das Öl für den Leuchter



2Mo 27,20-21


Um in der Stiftshütte für Licht zu sorgen, benötigte der Leuchter mit seinen sieben Lampen (vgl. 2Mo 25,31-39 ) eine ständige Versorgung mit Olivenöl. Die Israeliten sollten für dieses Öl sorgen, so daß die Priester den Leuchter als eine ewige Ordnung beständig brennen lassen konnten (vgl. den Kommentar zu 2Mo 12,14 ). Wie wir bereits festgestellt haben, bezieht sich das Gesetz auf die Zehn Gebote auf Stein, die in der Bundeslade aufbewahrt wurden. Der Leuchter, der sich im Heiligtum befand, stand also vor der Lade, obgleich ein Vorhang die beiden Abteilungen der Stiftshütte voneinander trennte.



c. Die Anweisungen über die Priesterschaft
( 2Mo 28-29 )


Nach der Beschreibung der Stiftshütte und ihrer Ausstattungsgegenstände gab der Herr Mose Anweisungen über die Priesterschaft, die die Führer des religiösen Lebens des Volkes waren. Die Priester sollten in dem Bezirk der Stiftshütte auf verschiedene Art und Weise ihren Dienst tun: Sie sollten zweimal täglich auf dem goldenen Altar ein Räucheropfer darbringen, den Leuchter und den Tisch mit den Schaubroten unterhalten, auf dem Brandopferaltar regelmäßig Opfer bringen und das Volk segnen. Zusätzlich führten sie zivile Gerichtsangelegenheiten durch (z.B. 4Mo 5,5-31; 5Mo 19,17; 2Mo 21,5 ), unterwiesen das Volk im Gesetz ( 5Mo 17,9.11; 33,8.10 ) und ermunterten es in Kriegszeiten ( 5Mo 20,2-4 ).

(1) Die Kleidung der Priester ( 2Mo 28 )

2Mo 28,1








Die Priester , die den Dienst in der Stiftshütte tun sollten, waren Aaron und seine vier Söhne . Später starben Nadab und Abihu unter Gottes Gericht ( 3Mo 10,1-2 ), so daß die aaronitische Priesterschaft durch die beiden jüngeren Söhne Aarons Eleasar , der der Nachfolger seines Vaters als Hoherpriester wurde ( 4Mo 3,4 ), und Itamar fortgesetzt wurde.



2Mo 28,2-5


Die Kleidung für den Hohenpriester wurde von der gewöhnlichen Kleidung abgehoben, damit seine Funktion eine besondere Stellung erhielt ( ihm zur Ehre und zum Schmuck ; vgl. V. 40 ) und damit sie eine fortwährende Erinnerung an Gottes Heiligkeit sei. Die Kleider, die nur getragen werden sollten, wenn die Priester in der Stiftshütte ihren Dienst taten ( 2Mo 35,19 ), sollten von geschickten Kunsthandwerkern hergestellt werden ( 2Mo 28,3 ). Sie sollten aus demselben Material sein ( Garn und feines Leinen ) wie die Vorhänge der Stiftshütte (vgl. V. 6.8.15.33.39.42 ), mit Gold (V. 5 ; vgl. V. 6.8.22.24 und V. 26-27.36 ) und kostbaren Edelsteinen (V. 17-20 ). Die sechs Kleidungsstücke des Priesters, die in Vers 4 aufgezählt werden, werden im Rest des Kapitels in ihren Einzelheiten beschrieben.

 

2Mo 28,6-14


Das Efod (Luther: Schurz) war möglicherweise ein ärmelloses Überkleid, das den Oberkörper des Priesters bedeckte. Offenbar bestand es aus zwei Teilen, einem Vorder- und einem Rückenteil, die an zwei Schulterteilen mit Riemen ( geflochtenen Schnüren aus Gold ) zusammengefügt waren und eingefaßte Onyxsteine trugen (V. 9 ). Das Ganze wurde mit einem Gürtel um die Taille am Körper gehalten (V. 8 ). Auf den beiden Onyxsteinen sollten die Namen der 12 Stämme Israels eingraviert werden (6 auf jedem Stein, V. 10 ), so daß, wenn Aaron die Stiftshütte betrat, er die Namen Israels vor Gott trug (V. 12 ).

 

2Mo 28,15-21


Die Brusttasche des Hohenpriesters sollte aus demselben Stoff wie das Efod sein (vgl. V. 6 ). Sie sollte eine Spanne lang und eine Spanne breit (eine Spanne ist eine halbe Elle) und mit 12 kostbaren Steinen in Gold besetzt sein, die in vier Reihen zu je 3 Steinen angeordnet werden sollten. Auf jedem Stein sollte der Name eines der Stämme Israels eingraviert sein, möglicherweise in derselben Folge wie die Namen auf den gravierten Onyxsteinen (V. 9-10 ).



2Mo 28,22-28


Die Brusttasche sollte durch vier goldene Ketten eng über dem Efod befestigt werden. Zwei der Ketten sollten an den oberen Ecken der Brusttasche durch goldene Ringe gezogen und an den Schulterstücken des Efods befestigt werden. Die anderen beiden goldenen Ketten wurden an den unteren Ecken der Brusttasche durch goldene Ringe gezogen, an den Seitennähten des Efods angebracht und mit einer blauen Schnur am Bund befestigt.



2Mo 28,29-30


Die Brusttasche (über dem Herzen Aarons) , die in diesen Versen zweimal auftaucht), sollte dazu dienen, eine beständige Erinnerung vor dem HERRN zu sein . Ein weiterer Zweck der Tasche wird in der Bezeichnung Urim und Tummim (Lose) angedeutet. Diese waren die Mittel, mit welchen die Priester für die Israeliten Entscheidungen herbeiführten (vgl. V. 15 ). Die Brusttasche war »doppelt gelegt« (V. 16 ), um so eine Art Tasche für die Urim und die Tummim zu bilden.

In 4Mo 27,21; 1Sam 30,7-8 (das »Efod« deutet auf die Urim und die Tummim hin); Esr 2,63; Neh 7,65 wird auf die »Urim« und »Tummim«, die »Licht« und »Recht« bedeuten, Bezug genommen.

Sie waren Mittel, um durch die Priester von Gott auf Fragen und Probleme über die menschliche Erkenntnis hinaus Antworten zu erhalten.

Offenbar waren die Urim und Tummim zwei Steine. Wie sie benutzt wurden, um Gottes Willen festzustellen, ist unbekannt, aber man hat angenommen, daß die Urim für eine negative, die Tummim für eine positive Antwort standen. Es wäre möglich, daß diese Sicht dadurch angedeutet wird, daß Urim ( ?UrIm ) mit dem ersten Buchstaben des hebräischen Alphabetes beginnt und Tummim ( tUmmIm ) mit dem letzten. Von anderer Seite hat man angenommen, daß die Gegenstände lediglich die Autorität des Hohepriesters symbolisierten, Gott zu befragen oder eine Versicherung dafür waren, daß der Priester eine Erleuchtung (»Licht«) und vollkommenes Wissen (»Recht«) von Gott erhielt.



2Mo 28,31-35


Unter dem Efod (Schurz) sollte der Hohepriester ein blaues ärmelloses Obergewand tragen, das bis unter seine Knie hinabreichte und am Kragen verstärkt war. Es sollte keine Naht haben und Granatäpfel tragen (entweder sollten sie wie Glocken am Saum hängen, oder sie waren auf dem Gewand eingestickt), dazu goldene Schellen am Saum. Die klingelnden Schellen ermöglichten dem Volk, den Hohepriester zu hören, wenn er im Heiligtum diente. Der Klang der Schellen versicherte dem Volk die Gnade Gottes, die es einem Priester gestattete, in ihrem Namen zu dienen. Nur ein angemessen gekleideter Priester konnte das Heiligtum betreten. Diese Anweisungen zu mißachten bedeutete den Tod.



2Mo 28,36-38


Der Kopfbund des Priesters sollte aus Leinen hergestellt werden (V. 39 ). Das augenfälligste Merkmal des Kopfbundes war ein Stirnblatt aus reinem Gold, auf die die Worte Heilig dem HERRN eingraviert waren. Dieser Ausdruck, der Israels Bedürfnis nach Reinheit vor Gott Ausdruck verlieh, wurde mit einer blauen Schnur vorn am Kopfbund befestigt (über Aarons Stirn). Die Gravur war ein heiliges Diadem ( 2Mo 29,6; 39,30; 3Mo 8,9 ). Als Stellvertreter des Volkes trug er ihre Schuld, wenn er dessen Gaben dem Herrn darbrachte.



2Mo 28,39-42


Das Untergewand aus feinem Leinen war ein langes, weißes Gewand, das unter dem Obergewand des Efods getragen wurde ( 3Mo 8,7 ). (Zum Kopfbund, der ebenfalls aus feinem Leinen hergestellt war, vgl. den Kommentar zu 2Mo 28,36-38 .) Die Schärpe war ein breiter Gürtel, den der Priester um die Taille trug und dessen Enden herabhingen. Auch diese Gegenstände trugen zur Ehre und zum Schmuck (vgl. V. 2 ) des Priesters bei und halfen damit, daß die Wertschätzung des Volkes für die Priester und für Gott zunahm. Nachdem die Priester vollständig angekleidet waren, sollten sie geweiht werden (vgl. 2Mo 29 ).



2Mo 28,43


Weil Gott heilig ist, mußten sich die Priester ihm mit Würde und Vorsicht nähern. Im anderen Fall luden sie Schuld auf sich und starben (vgl. V. 35 ). Aaron und seine Söhne sollten sich angemessen kleiden, wenn sie die Stiftshütte ( das Zelt der Zusammenkunft ) betraten oder sich dem Altar näherten (wahrscheinlich dem Räucheraltar), um vor dem Herrn zu dienen.

(2) Die Weihe der Priesterschaft ( 2Mo 29 )

Die Verse von 2Mo 29,1-37 ,die in 3Mo 8 wiederholt werden, beinhalten Gottes Anweisungen an Mose, wie dieser die Priester zum Dienst einsetzen sollte.



2Mo 29,1-9


Gott befahl Mose, einen jungen Stier, zwei Widder, Brot, Kuchen und Fladen zu nehmen, den Bezirk der Stiftshütte zu betreten, und dort Aaron und seinen vier Söhnen zu begegnen. Nach den zeremoniellen Waschungen des Priesters (V. 4 ) sollte Mose Aaron die hohepriesterliche Kleidung (die in 2Mo 28 beschrieben wurde) anziehen. Auch Aaron sollte mit auf seinem Haupt mit Öl gesalbt werden (vgl. 2Mo 30,22-33 ), was seine Berufung vor Gott für einen besonderen Dienst symbolisierte. Die Söhne Aarons sollten nicht mit Öl gesalbt, aber mit den priesterlichen Gewändern bekleidet werden, was Untergewänder, Kopfbänder und Schärpen miteinschloß (vgl. 2Mo 28,40 ).



2Mo 29,10-14


Nach der Weihung Aarons und seiner Söhne wurden eine Vielzahl von Opfern gebracht, wobei die Tiere und Dinge benutzt wurden, die Mose befohlen worden waren, daß er sie herbeibrächte (V. 1-2 ). Mit jedem der drei Tieropfer wurde auf unterschiedliche Weise verfahren. Zuerst wurde ein Stier (V. 10 ) als Sündopfer geopfert (V. 14 ). Wenn man seine Hände auf den Kopf des Tieres legte (V. 10 ; vgl. V. 15.19 ), so bedeutete das die Identifikation mit dem Tier. Die Priester machten sich mit den Tieren eins, die an ihrer Stelle starben. Auf diese Weise erkannten die Priester ihre eigene Sündhaftigkeit und ihre eigene Bedürftigkeit zur Reinigung an (vgl. 3Mo 17,11; Hebr 9,22 ).

Von dem Blut wurde etwas auf die Hörner des Brandopferaltars gesprengt. Das übrige Blut wurde an seinem Fuß ausgegossen. Die inneren Organe des Stieres sollten auf dem Altar, der Rest des Tieres außerhalb des Lagers verbrannt werden.



2Mo 29,15-21


Das zweite Opfer, das Opfer der beiden Widder, sollte ein Brandopfer sein (V. 18 ). Das Brandopfer sollte im Gegensatz zu den Opfern, die von demjenigen, der Gott verehrte, und den Priestern verzehrt wurden, vom Feuer völlig auf dem Altar verzehrt werden. Das Blut der Widder wurde nach allen Seiten des Altars versprengt, und der Widder sollte in Stücke geschnitten und gewaschen werden.

Das dritte Tier, das geopfert werden sollte, war der andere Widder. Sein Blut sollte an das rechte Ohr, den rechten Daumen und die rechte große Zehe Aarons und seiner Söhne als Zeichen dafür gestrichen werden, daß sie gereinigt und Gott geweiht worden waren. Das Blut am Ohr könnte die Weihe zum Hören auf Gottes Wort symbolisieren, das Blut am Daumen vielleicht die Heiligkeit beim Tun der Werke Gottes versinnbildlichen, und das Blut an der Zehe erinnerte möglicherweise daran, im Dienst für Gott umsichtig zu wandeln. Der Rest des Blutes des zweiten Widders sollte an die Seiten des Altars und auf die Priester und ihre Kleider zusammen mit dem Salböl gesprengt werden.

 

2Mo 29,22-28


Mehrere der inneren Organe des Widders, ein Laib Brot, ein Kuchen und ein Fladen sollten Aaron und seinen Söhnen als Schwingopfer vor dem HERRN gegeben werden. Das Schwingopfer wurde geschwungen, und zwar nicht von rechts nach links, sondern vor und zurück in Richtung auf den Altar und den Priester, um so zu symbolisieren, daß das Opfer Gott dargebracht worden war. Dann sollten diese Dinge auf dem Altar verbrannt werden. Die Brust des Widders sollte ein Schwingopfer sein, das von Aaron und seinen Söhnen verzehrt wurde (V. 26 ). Wenn jemand ein Dankopfer darbrachte, wurden die Brust und die Schenkel des Tieres immer von den Priestern verzehrt. Auf diese Weise trugen die Israeliten zu dem Werk des Herrn bei.

 

2Mo 29,29-30


Bei einem siebentägigen Weihegottesdienst sollte Aarons hohepriesterliche Kleidung an den unter seinen Söhnen weitergegeben werde, der sein Nachfolger werden sollte. So sollte sie jeweils an die nachfolgende Generation weitergereicht werden. Nur für den Hohenpriester sollte eine solch ausführliche Feier durchgeführt werden.

 

2Mo 29,31-34


Die Anweisungen für die Teile des Widders der Einsetzung (des zweiten Widders; vgl. V. 22 ), die am Eingang der Stiftshütte gegessen werden sollten, wurden noch einmal wiederholt. Der Widder und das Brot waren in diesem Fall ein Gemeinschaftsmahl, das so heilig war, daß jegliche Reste verbrannt werden sollten.



2Mo 29,35-37


Der Weihegottesdienst für die Priester dauerte sieben Tage, wobei jeden Tag ein Stier als Sündopfer geopfert werden sollte. (Es wird hier nicht von der Wiederholung der Widderopfer gesprochen.) Sieben Tage lang sollte der Altar für den heiligen Dienst des Opfers entsündigt und geweiht werden.



2Mo 29,38-41


Nur kurz wird hier auf das tägliche Feueropfer beim Dienst in der Stiftshütte und nicht auf den Einsetzungsgottesdienst des Priesters Bezug genommen. Zwei Schafe zusammen mit einem Mehl- ( Mehl und Öl ) und einem Trankopfer ( Wein ) wurden dargebracht (eins am Morgen, und eins am Abend). So enthielten die täglichen Opfer grundlegende Bestandteile der täglichen Nahrung des Volkes: Fleisch, Mehl, Öl und Wein. Diese täglichen Opfer (so wie das Weiheopfer der beiden Widder, V. 18-25 ) waren dem HERRN ein Wohlgeruch . Ganz ähnlich war das Opfer Christi am Kreuz ein Wohlgeruch und Opfer für Gott ( Eph 5,2 ).



2Mo 29,42-46


Der Abschnitt endet mit einer Bestätigung der Wichtigkeit des täglichen Brandopfers im täglichen Leben Israels. Dort hatte Gott versprochen, seinem Volk zu begegnen. Gemeinschaft mit Gott geschieht auf der Grundlage des Blutvergießens für die Sünden. Bei der Weihung der Preister, die dem Herrn dienten, wohnte Gott unter ihm, und es erkannte, daß er der Herr, sein Gott, war. Gottes Herablassung, in einem Zelt zu wohnen, spricht von der Tiefe seiner Beziehung zu seinem Volk.



d. Die Anweisungen über den Dienst in der Stiftshütte
( 2Mo 30-31 )


(1) Der Räucheraltar

2Mo 30,1-10


Möglicherweise wird dieser Ausstattungsgegenstand der Stiftshütte wegen der Verbindung des Räucheraltars ( 2Mo 30,1-6 ) mit den Ritualen, die auf ihm durchgeführt werden sollten (V. 7-10 ), erst hier und nicht schon in Kapitel 25 beschrieben. Das grundlegende Material für diesen Altar war dasselbe wie für die übrige Ausstattung innerhalb der Stiftshütte: mit Gold überzogenes Akazienholz. Der Altar war vergleichsweise klein (eine Elle lang, eine Elle breit und zwei Ellen hoch). Wie der Brandopferaltar ( 2Mo 27,1-2 ) hatte er Hörner, d.h. überstehende Ecken. Wie der Brandopferaltar, der Tisch für die Schaubrote und die Bundeslade hatte er Stangen in goldenen Ringen, um ihn tragen zu können.

Der Altar wurde vor den Vorhang gestellt, der zum Allerheiligsten führte, in dem die Lade des Gesetzes (vgl. den Kommentar zu 2Mo 25,22 ) stand. In Hebr 9,3-4 wird der Räucheraltar als Teil des Allerheiligsten betrachtet. Offenbar geschah dies, weil am Tag der Versöhnung der Hohepriester Räucheropfer von diesem Altar in das Allerheiligste hineintrug ( 3Mo 16,12-13 ).

Aaron wurde angewiesen, auf diesem Altar zweimal täglich Räucheropfer zu verbrennen, wenn er sich um die Lampen auf dem Lampenständer kümmerte. Die Bestandteile für das Räucheropfer werden in 2Mo 30,34-38 beschrieben. Das Räucheropfer kann ein Symbol für das Gebet sein ( Ps 141,2; Lk 1,10; Offb 5,8; 8,3-4 ). Aaron sollte auf diesem Altar kein anderes Opfer darbringen. Einmal im Jahr, am Tag der Versöhnung, sollte er den Altar entsühnen (d.h. den Altar reinigen und neu weihen), indem er das Blut eines Stieres und einer Ziege auf die Hörner des Altars sprengte ( 3Mo 16,18-19; sowie auf den Sühnedeckel, 3Mo 16,14-17 ).

(2) Das Opfer des halben Schekels

 

2Mo 30,11-16


Bei jeder Zählung (z.B. 4Mo 1 ) sollte jeder Israelit, der 20 Jahre alt und älter war , eine Abgabe bezahlen, um damit die Stiftshütte und den Dienst in der Stiftshütte zu erhalten. Diese Abgabe wurde Sühnegeld genannt ( 2Mo 30,12 ), weil ihre Bezahlung den Schutz vor Plagen sicherstellte. Dadurch wurde alles, was männlich war, dazu angeregt, das Geld zu bezahlen. Es wurde auch als Sühne, als Bedeckung für die Sünden, betrachtet.

Bei der Zählung sollte jeder männliche Erwachsene, sowohl Reiche als auch Arme (V. 15 ), einen halben Schekel bezahlen. Ein »Gera« war ein babylonisches Gewicht. Der Schekel war von Silber (vgl. 2Mo 38,25-26 und den Kommentar dort). Diese Praxis wurde die Grundlage der später eingeführten Tempelsteuer ( Neh 10,33; allerdings wurde der Betrag dann auf ein Drittel eines Schekels reduziert), die zu einer jährlichen Steuer zur Zeit Christi wurde ( Mt 17,24 ).

(3) Das Becken

 

2Mo 30,17-21


Das Becken , das letzte Stück der Ausstattung der Stiftshütte, wird hier wohl eher wegen der Bedeutung seines Gebrauches als wegen seiner Konstruktion beschrieben. Es sollte aus Kupfer sein, nicht aus Silber oder Gold, weil es in den Vorhof des Heiligtums zwischen den kupfernen Brandopferaltar und den Eingang zum Zelt gehörte (vgl. 2Mo 40,30 ). Beim Dienst im Zelt oder vor dem Altar sollten die Priester ihre Hände und Füße waschen. Wenn sie das unterließen, würden sie sterben. Auch sollte dies eine ewige Ordnung sein (vgl. den Kommentar zu 2Mo 12,14 ).

Das Becken symbolisierte die Notwendigkeit der Reinheit. Obwohl es vor dem Altar eine rituelle Reinigung gab, benötigten die Priester darüber hinaus eine Reinigung von den tatsächlichen Verunreinigungen. Der Altar spricht von der Errettung durch ein Sühneopfer; das Becken spricht von der Heiligung, die fortlaufend und andauernd geschieht.

(4) Die Salbung mit Öl



2Mo 30,22-33


Nun gab Gott Mose die Anweisung, Salböl herzustellen (V. 22-25 ), um die Stiftshütte, ihre Ausstattungsgegenstände (V. 26-29 ) und die Priester (V. 30 ) zu salben. Sein Rezept war so einzigartig, weil das Erzeugnis heilig war: etwa 500 Lot Myrrhe, 250 Lot Zimt, 250 Lot Kalmus, 500 Lot Kassia (aus duftender Baumrinde) und eine Kanne Olivenöl. Nach der Vermengung dieser Bestandteile entstand daraus eine wohlriechende Mischung. Der Gebrauch von Öl bei der Weihe der Priester wurde in 2Mo 29,7 erwähnt. Weil dieses Salböl heilig war, sollte es für keinen anderen Zweck, als den in 2Mo 30,26-30 bestimmten benutzt werden.

(5) Das Räucherwerk

 

2Mo 30,34-38


Besonderes Räucherwerk sollte durch die Mischung gleicher Anteile dreier Gewürze (welche das genau waren, ist uns nicht bekannt) und Weihrauch (ein klares Harz vom Weihrauchbaum) zubereitet werden. Salz sollte zur Erzeugung eines weißen Rauches und des Wohlgeruches zu der Mischung hinzugefügt werden. Salz sollte in der Tat allen Opfern beigefügt werden ( 3Mo 2,13 ). Das Räucherwerk sollte vor die Lade gestellt werden. Möglicherweise bedeutete dies, daß das Räucherwerk auf dem Räucheraltar verbrannt werden sollte ( 2Mo 30,1-10 ), der vor dem Vorhang zum Allerheiligsten stand. Das Räucherwerk sollte, wie das Salböl, ausschließlich für die Stiftshütte verwendet werden (vgl. V. 32-33 ).

(6) Die Berufung der Kunsthandwerker

 

2Mo 31,1-11


Der Herr, der Mose für den Bau des Heiligtums und für den Dienst in ihr Anweisungen gegeben hatte ( 2Mo 25-30 ), berief nun die Kunsthandwerker, die den Bau ausführen sollten. Bezalel wurde von Gott dazu berufen, die allgemeine Aufsicht über das Vorhaben zu führen, und Oholiab ( 2Mo 31,6 ) sollte sein Helfer sein. Einer war aus dem Stamm Juda , und der andere aus dem Stamm Dan . Beide waren durch die Gabe Gottes geschickte Kunsthandwerker (V. 3.6 ), was für alle Kunsthandwerker galt, die zu dem Vorhaben berufen wurden. Bezalel hatte zahlreiche Fähigkeiten; er konnte mit wertvollen Metallen arbeiten und auch Steinmetz- und Holzarbeiten ausführen.

In den Versen 7-9 werden die Gegenstände aufgezählt, die von den Kunsthandwerkern hergestellt werden sollten. In Vers 10 werden gewirkte Kleidungsstücke, die vorher nicht erwähnt wurden, zusammen mit den anderen heiligen Kleidern genannt. Man hat vermutet, daß diese gewirkten Kleidungsstücke Unterkleider für den Winter waren. Die Kunsthandwerker sollten auch das Öl ( 2Mo 30,22-33 ) und das Räucherwerk ( 2Mo 30,34-38 ) herstellen.

(7) Das Gedenken des Sabbats



2Mo 31,12-18


Inmitten der Anweisungen für die Arbeiten, die ausgeführt werden sollten, erinnerte Gott Mose daran, daß auch der Gehorsam eine religiöse Pflicht sei. Der Sabbat war das Zeichen (V. 13.17 ) des Bundes, der Israel zu einer Theokratie machte. Es war eine Prüfung für die Hingabe des Volkes an Gott; das Versäumnis, den Sabbat heilig zu halten, hatte den Tod zur Folge (d.h. die Trennung von der Gemeinschaft, was möglicherweise den Tod zur Folge hatte). Dieses Gebot, so wie es in den Zehn Geboten festgelegt wurde ( 2Mo 20,8 ), hatte seine Grundlage in Gottes Ruhe nach dem sechstägigen Schöpfungswerk ( 2Mo 31,17 ). Weil das Volk in einer Bundesbeziehung mit Gott stand, sollte es so handeln, wie er es getan hatte. Der Sabbat zeichnete Israel als Gottes Volk aus. Das Halten des Sabbats zeigte, daß die Israeliten für Gott ausgesondert (d.h. heilig) waren.

Nun waren die Anweisungen Gottes an Mose, die auf dem Berg Sinai über die Stiftshütte und den priesterlichen Dienst gegeben worden waren ( 2Mo 24,12 ), vollständig. Die Zehn Gebote (die auch das Gesetz genannt wurden, weil sie Gottes Maßstäbe bezeugten) wurden von Gott auf zwei Steintafeln geschrieben. Der Ausdruck »Gottes Finger« (vgl. 2Mo 8,15; 5Mo 9,10; Ps 8,4; Lk 11,20 ) läßt vermuten, daß es wirklich Gottes Handeln war.

Gemäß dem Bericht Moses in 5Mo 9,12-16 sagte ihm der Herr, daß das Volk »halsstarrig« geworden war, weil sie ein Götzenbild, das wie ein Kalb aussah, gegossen hatten. Innerhalb von 40 Tagen warfen sie ihre Verpflichtung über Bord, das zu halten, was Gott bereits befohlen hatte ( 2Mo 20,4 ).

 

B. Das Versagen und die Wiederherstellung des Volkes Gottes
( 2Mo 32-34 )


1. Das Brechen des Bundes durch Israel
( 32,1-33,6 )


a. Der Götzendienst des Volkes
( 32,1-6 )


2Mo 32,1


Während Mose einen geistlichen Sieg erlebte, sank das Volk Gottes auf einen geistlichen Tiefpunkt. Gott hatte wiederholt seine Macht und sein Erbarmen bekundet, aber das war schnell vergessen. In 2.Mose reagierten die Israeliten immer wieder mit Unempfänglichkeit und Rebellion auf Gottes wunderbares Entfalten seiner Güte.

Das Volk bekam wegen des Ausbleibens Moses Angst (er war 40 Tage auf dem Berg, 2Mo 24,18 ), so daß es zu Aaron ging, der für diese Zeit sein Führer war ( 2Mo 24,14 ). Es nahm an, daß Mose nicht zurückkehren würde, um es zu führen und ihm neu Mut zuzusprechen ( wir wissen nicht, was ihm widerfahren ist ). So fragte es nach einem Ersatz oder Stellvertreter, der vor ihm hergehe . Es nahm an, daß Aaron ihm Götter machen würde und fragte deshalb nicht nach Göttern, um sie an die Stelle Jahwes zu stellen, sondern nach einem sichtbaren, greifbaren Gegenstand, um diesem zu folgen.


Das zweite Buch Mose

2Mo 32,2-4


Aaron erfüllte ihre Bitte und empfahl dem Volk, ihm seine goldenen Ohrringe (die es möglicherweise am Tag seines Auszugs von den Ägyptern bekommen hatten, 2Mo 12,35-36 ) zu geben, die er darauf zu einem Götzenbild in der Form eines gegossenen Kalbes einschmolz. Manche Ausleger haben angenommen, daß dieses Kalb den ägyptischen Stiergott Apis darstellte, aber das scheint unwahrscheinlich, weil Apis nicht als Bild verehrt wurde. Allerdings symbolisierte der Stier Fruchtbarkeit und sexuelle Kraft. Das verstieß jedoch explizit gegen das zweite Gebot ( 2Mo 20,4-6; vgl. 2Mo 20,23 ), das das Volk bereits von Gott durch Mose mündlich erhalten hatte.

Vielleicht hielt das Volk das Götzenbild für ein Bild von Gott. Da es nur ein Götzenbild machte, könnte sich der Begriff Götter ( 2Mo 32,1.4.8.23.31 ) sowohl auf das Götzenbild als auch auf Gott beziehen, den es vermeintlich repräsentierte. Es scheint unwahrscheinlich zu sein, daß Aaron den Auszug irgendjemand anderem als dem wahren Gott zuschrieb.

 

2Mo 32,5-6


Darauf errichtete Aaron einen Altar, und am folgenden Tag opferte das Volk in einem Fest für den HERRN Brand- und Dankopfer . Doch dann artete ihr Handeln in eine Orgie aus (vgl. 1Kor 10,7; QAHaq deutet auf unmoralisches Verhalten hin). Dadurch wurde das siebte Gebot verletzt ( 2Mo 20,14 ). Man sang und tanzte ( 2Mo 32,18-19 ); die Israeliten waren »zuchtlos« geworden (V. 25 ). Unmoral geht mit Götzendienst häufig Hand in Hand ( Röm 1,22-24 ). Trotzdem waren sie der Meinung, daß sie den wahren Gott anbeteten!



b. Die Fürsprache Moses
( 32,7-14 )


2Mo 32,7-10


Während Mose noch auf dem Berg war, sagte Gott ihm, daß das Volk verderbt (schändlich) (V. 7 ) und halsstarrig (V. 9 ) geworden war, d.h. widerspenstig und unempfänglich (vgl. 2Mo 33,3.5; 34,9; 5Mo 9,6.13; 10,16;31,27 ). In seinem Zorn wollte Gott das Volk nicht mehr sein eigenes Volk nennen, noch in Anspruch nehmen, daß er es aus Ägypten errettet hatte ( dein Volk, das du aus Ägypten geführt hast , 2Mo 32,7; vgl. dieses Volk , V. 9 ). Nachdem Gott Mose mitgeteilt hatte, was es getan hatte (V. 8 ), sagte er, daß er dessen Auflehnung mit Vernichtung strafen und ein neues Volk mit Mose erstehen lassen würde ( ich will dich zu einem großen Volk machen , V. 10 ).

 

2Mo 32,11-14


Mose verkehrte die Rache Gottes an Israel als seinem Volk ins Gegenteil (V. 7 ) und nannte es dein Volk (vgl. 2Mo 33,13 ). Dann bat Mose aufgrund von zwei Dingen um Gnade: Das Zeugnis für die Ägypter ( 2Mo 32,12 ), und die Verheißungen Gottes an die Patriarchen (V. 13 ). Solch eine Vernichtung würde den Pharao und die Götter Ägyptens bestätigen und die Ägypter dazu führen, über den wahren Gott zu spotten. Darüber hinaus würde man Gott für jemanden halten, der seine Versprechen bricht. Er hatte gesagt, daß er die Nachkommen Abrahams, Isaaks und Israels (Jakobs) unzählbar machen ( 1Mo 15,5; 22,17 a; 1Mo 26,4 a; 1Mo 28,14; 32,13 ) und sie in das verheißene Land bringen würde ( 1Mo 15,18-21; 22,17 b; 1Mo 26,4 b; 1Mo 28,13 ). Mose erkannte an, daß das Volk gesündigt hatte. Er versuchte also nicht, dessen Handeln zu rechtfertigen. Das Ergebnis war, daß es Gott reute und er von seinem angedrohten Gericht Abstand nahm. Der Begriff »es gereute ihn« bedeutet nicht, daß Gott seine Meinung geändert hatte, sondern daß er auf andere Weise vorging. Das hebr. Wort nAHam legt die Bedeutung von Fürsorge oder Mitleid über ein eigentlich geplantes Handeln nahe. Gott ist nicht unerbittlich. Er gibt auf die Bedürfnisse, die Haltung und die Handlungen der einzelnen Menschen Antwort.



c. Moses Zorn
( 32,15-29 )


2Mo 32,15-18


Als Mose den Berg mit den beiden Tafeln der Zehn Gebote (vgl. 2Mo 31,18 ) hinabstieg, traf er wieder mit Josua zusammen, der offenbar nur einen Teil des Berges hinaufgestiegen war (vgl. den Kommentar zu 2Mo 24,13 ), und der sich nicht darüber im klaren war, was die Israeliten gerade taten. Josua war der Meinung, daß das Lager angegriffen worden war. Aber Mose wußte aus dem, was Gott ihm gesagt hatte, daß das Volk sang und in Trunkenheit und Unmoral schwelgte.


2Mo 32,19-20


Im Zorn tat Mose am Fuß des Berges vier Dinge: Erstens zerschmetterte er die Gesetzestafeln, wodurch der Bundesbruch des Volkes symbolisiert wurde. Zweitens verbrannte er das Götzenbild, zermalmte es zu Staub, verstreute den Staub auf dem Wasser (einen Gebirgsbach, 5Mo 9,21 ) und ließ es das Volk trinken. Dadurch demonstrierte er sowohl die Machtlosigkeit des Götzenbildes als auch den Zorn Gottes. Da das Verbrennen allein das goldene Götzenbild nicht zerstört hätte, wurde es in kleine Stücke zerhauen. Daß das Volk dieses Wasser trank, symbolisierte, daß sie die Folgen ihrer Sünde tragen mußten.



2Mo 32,21-24


Drittens forderte Mose Aaron auf, ihm einen Bericht darüber zu geben, was sich zugetragen hatte. Aarons Entschuldigung war so lächerlich wie das Handeln des Volkes. Er gab dem Volk die Schuld (V. 22-23 ), und log dann noch, daß das Götzenbild »geworden« war. Ich warf es (das Gold) ins Feuer, und es wurde ein Kalb daraus . Aaron hatte das Götzenbild jedoch selbst geformt (V. 4 ). Gott war über Aaron so zornig, daß er ihn töten wollte ( 5Mo 9,20 ).

 

2Mo 32,25-29


Viertens richtete Mose die Uneinsichtigen. Er versammelte vor dem Lager alle, die bei der Verehrung des Kalbes nicht mitgemacht hatten. Die Leviten gaben geschlossen Antwort. Sie erhielten den Befehl, durch das Lager zu gehen und alle zu töten, die im Götzendienst verharrten. Dreitausend Israeliten wurden durch das Schwert getötet. Andere starben später durch eine Plage (V. 35 ). Nach dieser grausigen Aufgabe wurden die Leviten dem HERRN ausgesondert . Später wurde ihnen die Verantwortung für den Transport der Stiftshütte übertragen ( 4Mo 1,50-53 ).



d. Mose legt erneut Fürsprache für das Volk ein
( 32,30-35 )


2Mo 32,30-35


Obwohl die Hauptanstifter der Sünde durch das Schwert umgekommen waren (ausgenommen Aaron, für den Mose gebeten hatte, 5Mo 9,20 ), erkannte Mose, daß das Volk als ganzes an der Schuld teilhatte. Deshalb flehte er den Herrn erneut um Vergebung ihrer Sünde an. Mose sagte zu Gott, daß wenn er seinem Volk nicht vergeben wollte, er seinen eigenen Namen aus dem Buch, das Gott geschrieben hatte ( 2Mo 32,32 ), ausgelöscht haben wollte. Mancher ist der Ansicht, daß es sich dabei um das Buch des Lebens handelte ( Offb 20,15; 21,27 ), das die Namen der Gläubigen aufzählt. Es ist jedoch wahrscheinlicher, daß es sich dabei um die Volkszählung handelt. Moses Ausspruch machte möglicherweise deutlich, daß er bereit war, vorzeitig zu sterben (aber nicht ewige Pein in der Hölle zu leiden). Er wollte nicht mit einem sündigen Volk verbunden sein, dem nicht verziehen worden war. Gott wies Moses Anerbieten zurück und versprach, die Sünder (durch einen vorzeitigen Tod) zu bestrafen. Manche starben an einer Plage ( 2Mo 32,35 ), alle kämpfenden Männer (ausgenommen Josua und Kaleb) starben später in der Wüste ( 5Mo 1,35-36; 2,14 ). Dennoch sagte Gott Mose zu, daß er das Volk (die jüngere Generation) in das ihnen verheißene Land führen werde ( 2Mo 32,34 ). (Über den Engel Gottes vgl. 2Mo 33,2 .)

 

e. Die Demütigung des Volkes
( 33,1-6 )


2Mo 33,1-6


Gott sagte dann zu Mose, daß er und das Volk in das verheißene Land hinaufziehen sollten. Das war die Antwort auf Moses Gebet ( 2Mo 32,13 ). Mit einem Engel (vgl. 2Mo 32,34 und den Kommentar zu 2Mo 23,23 ) würde Gott ihre Feinde schlagen (vgl. den Kommentar zu diesen Gruppen bei 2Mo 3,8 ), und sie würden in das Land, in dem Milch und Honig fließt (vgl. den Kommentar zu 2Mo 3,8 ) kommen. Das Volk war darüber bekümmert, daß Gott gesagt hatte: Ich werde nicht mit euch ziehen . Sein Schutz und seine Leitung waren ihm durch einen Engel zugesichert worden, nicht jedoch seine persönliche Gegenwart. Im anderen Falle könnte er es leicht vernichten. Dennoch war Gott aufgrund von Moses Gebet in 2Mo 33,12-16 bereit, mit seinem Volk zu ziehen (V. 17 ). In seiner Reue trug das Volk keinen Schmuck (Ringe, Halsketten, Armbänder, Fußspangen usw.).