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5. Mose   Walvoord

Das fünfte Buch Mose (Jack S. Deere)


EINFÜHRUNG


Titel


Der lateinische Titel "Deuteronomium" leitet sich von der falschen Übersetzung von 5Mo 17,18 in der griechischen LXX ab. Die LXX gibt den Ausdruck "diese Wiederholung des Gesetzes" mit deuteronomion , wörtl. "das zweite Gesetz", wieder, was als "Deuteronomium" in die lateinische Vulgataübersetzung übernommen wurde. Der hebr. Titel des Buches lautet nach der hebräischen Gewohnheit, ein Buch nach seinen ersten Worten zu bezeichnen (vgl. 1,1), ?Elleh hadd+BArIm ("dies sind die Worte"). Der hebr. Titel ist zutreffender, da es sich nicht um ein zweites Gesetz handelt, sondern um Predigten Moses über das Gesetz.



Entstehungszeit und Autor


Die mosaische Autorschaft von 5.Mose war unter Juden und Christen bis zum Aufkommen der liberalen Bibelkritik im 19. Jahrhundert unbestritten. Liberale Forscher stimmten nie darin überein, wer denn nun der Autor sei, außer darin, daß es nicht Mose gewesen sein könne. Die meisten Kritiker gehen von einer Entstehung im 7. Jh. v. Chr. aus. Einer ihrer Gründe ist die Auffindung "des Buches des Gesetzes" im Tempel zur Zeit König Josias ( 2Kö 22 ). Viele Kritiker gehen davon aus, daß es sich bei dem "Buch des Gesetzes" um 5.Mose handelte, das zu diesem Zeitpunkt angeblich nicht aufgefunden, sondern unter dem Decknamen Moses erst geschrieben wurde. Der fromme Betrug wurde dann im Tempel versteckt und wiederaufgefunden, um die Reformation Josias zu unterstützen.

Als weiterer Grund für eine späte Entstehung von 5.Mose wird Gottes Befehl an Israel, ein zentrales Heiligtum einzurichten ( 5Mo 12,1-14 ), angeführt. Da die Kritiker davon ausgehen, daß dies eine Polemik gegen die "Höhen"altäre war, aber weder Jerusalem noch diese "Höhen" zur Zeit Moses eine große Rolle spielten, kann dieser Befehl für sie nur aus der Königszeit stammen.

Als dritten Grund führen viele Kritiker an, daß 5.Mose offensichtlich nachmosaisches Material enthalte (z. B. 5Mo 34 mit dem Bericht über den Tod Moses).

Als viertes Argument gegen die mosaische Autorschaft wird darauf hingewiesen, daß 5.Mose mehrere Prophezeiungen der Zerstreuung und anschließenden Sammlung Israels enthält ( 5Mo 4,25-31; 28,20-68; 29,22-28; 30,1-10; 32,23-43 ).

Eine eingehendere Untersuchung zeigt jedoch, daß keines dieser Argumente überzeugend ist. Es ist zum Beispiel unmöglich zu wissen, was "das Buch des Gesetzes", das unter Josia aufgefunden wurde, enthielt. Handelte es sich um die 5 Bücher Mose, um 5.Mose oder um einen Auszug aus denselben? Selbst wenn es sich sicher um 5.Mose gehandelt hätte, ist das noch kein Beweis dafür, daß 5.Mose als frommer Betrug zur Unterstützung der Reformation angefertigt wurde. Es gibt genügend Beispiele aus der Geschichte des Alten Orients, daß Gesetzestexte zwar an heiligen Stätten aufbewahrt, aber vergessen wurden. Es ist durchaus möglich, daß dies auch mit den 5 Büchern Mose oder Teilen davon geschah, ja es ist sogar sehr wahrscheinlich, daß dies unter den beiden Königen Manasse und Amon, den Vorgängern Josias, geschah, da sie ja für den Götzendienst im Tempel eintraten. Nach 2Kö 22 löste das Auffinden des Textes die Reformation erst aus. Folgt man den Bibelkritikern, war nicht nur die Abfassung des Textes Betrug, sondern auch die Reformation und die Buße des Königs Schauspielerei. Übrigens ist das Abfassen von religiösen Texten unter dem Decknamen eines längst verstorbenen Heiligen im Alten Orient unbekannt. Alle dafür angeführten Beispiele stammen aus der viel späteren Zeit der Griechen und Römer.

Zum Gebot eines Zentralheiligtums ist zu sagen, daß nirgendwo im ganzen Buch Jerusalem erwähnt wird. Wenn 5.Mose wirklich eine fromme Fälschung war, die die Zentralisierung des Kultes in Jerusalem gegenüber den "Höhen" im Land durchsetzen helfen sollte, erscheint es undenkbar, daß Jerusalem nicht erwähnt wurde. Außerdem wäre bei einer solchen Fälschung sicher 5Mo 27,1-8 fortgelassen worden, da dieser Abschnitt den Befehl enthält, einen Altar auf dem Berg Ebal zu bauen und dort zu opfern und das Gesetz auf den Stein zu schreiben.

Was die nachmosaischen Zusätze betrifft, so ist es offensichtlich, daß nach dem Tod Moses der Text mit Hinweisen der Herausgeber versehen wurde (vgl. neben 5Mo 34 auch 5Mo 2,10-12.20-23; 3,13-14 , wobei diese Erklärungen aber auch von Mose selbst stammen könnten.) Solche Zusätze widerlegen jedoch nicht, daß das eigentliche Buch von Mose stammt, erst recht nicht, daß das Buch nicht aus der Zeit Moses stammt, und widersprechen auch im übrigen nicht der Inspiration der Bibel durch den Heiligen Geist.

Der Hinweis auf die Prophezeiung der Zerstreuung und Sammlung Israels kann nur auf der Grundlage einer radikalen, atheistischen Sicht der Geschichte gelten, die jede übernatürliche Prophetie ablehnt (selbst jedoch, wie etwa im Marxismus, vor der Vorhersage der Zukunft nicht zurückschreckt).

Es gibt demnach keinen Grund, 5.Mose nicht für das zu halten, was es selbst über sich aussagt, nämlich Predigten Moses an das Volk Israel gegen Ende des 15. Jh. v. Chr. zu sein.



Aufbau


5.Mose folgt dem Aufbau von altorientalischen Lehensverträgen des 2. Jahrtausends v. Chr. Wenn ein souveräner König einen Vertrag mit einem abhängigen Herrscher oder Land aufsetzte, enthielt dieser Vertrag in der Regel sechs Elemente: a) eine Präambel; b) eine historische Einleitung (eine Geschichte des Verhältnisses des Königs zum Untergebenen); c) ein allgemeines Gebot (ein Aufruf zur ungeteilten Allianz mit dem König); d) besondere Gebote (detaillierte Gesetze, wie der Untergebene seiner Allianz mit dem König Ausdruck zu verleihen hatte); e) göttliche Zeugen (Götter, die als Zeugen für den Vertrag angerufen wurden) und f) Segen und Fluch (Folgen von Gehorsam und Ungehorsam gegenüber dem Vertrag und seinen Geboten) (vgl. dazu die Übersicht "Vergleich zwischen dem Bund am Sinai und nahöstlichen Lehensverträgen" zu 2Mo 19 ).

5.Mose lehnt sich an diesen Aufbau an:

a) 5Mo 1,1-4 ist die Präambel; b) 5Mo 1,5-4,43 ist die historische Einleitung; c) 5Mo 4,44-11,32 enthält das allgemeine Gebot; d) Kapitel 12-26 enthält die speziellen Gebote; f) Kapitel 27-28 Segen und Fluch.

Da Jahwe als der einzig wahre Gott natürlich keine anderen Götter zu Zeugen anrufen kann, entfällt Abschnitt e). Der Aufbau des Buches wird im Laufe des Kommentars immer wieder berücksichtigt. Der Aufbau von 5.Mose ist auch ein gewichtiges Argument für das hohe Alter von 5.Mose.

Absicht: Auch wenn 5.Mose in seinem Aufbau dem Lehensvertrag des Alten Orient folgt, hat es zugleich einen starken Predigtcharakter. Mose predigte Israel das Gesetz des Herrn, um ihnen Gottes Wort ins Herz zu senken. Sein Ziel war die Erneuerung des Bundes vom Sinai, also eine erneute Hingabe an den Herrn. Nur durch eine völlige, ungeteilte Hingabe an seinen Gott konnte das Volk Israel Hoffnung haben, das verheißene Land auch wirklich zu erhalten.

Die Tatsache, daß Israel kurz davor stand, das verheißene Land Kanaan einzunehmen, ist aus fast 200 Hinweisen auf das "Land", beginnend mit 5Mo 1,7 ,zu ersehen. Mose ermahnte das Volk wiederholt, das Land in Besitz zu nehmen ( 5Mo 1,8 ), keine Furcht vor dem Gegner zu haben ( 5Mo 1,21 ), zu erkennen, daß ihr Erbe allein vom Herrn kommt ( 5Mo 4,20 ), da Gott es ihnen durch einen Schwur ( 5Mo 4,31 ) als Verheißung an die Väter ( 5Mo 1,35 ) gegeben hat. Die Israeliten sollten sich erinnern ( 5Mo 4,9 ), was Gott bereits für sie getan hatte, ihm gehorchen ( 5Mo 4,30 ), ihn fürchten ( 5Mo 5,29 ), lieben ( 5Mo 6,5 ) und an ihm festhalten ( 5Mo 10,20 ). (Alle diese Begriffe erscheinen häufiger in 5.Mose. Die angegebene Stelle gibt jedoch jeweils an, bei welchem Vers das entsprechende Wort im Kommentar näher behandelt wird.)



GLIEDERUNG


I. Einleitung: Die historische Einordnung der Reden Moses ( 1,1-4 )

     A. Sprecher, Zuhörer und Ort ( 1,1 )
     B. Zeitpunkt ( 1,2-4 )

II. Die erste Rede Moses: Historische Einführung ( 1,5-4,43 )

     A. Ein Rückblick auf Gottes mächtiges Handeln vom Horeb bis Beth-Peor ( 1,5-3,29 )
     B. Ermahnung zum Gehorsam gegenüber dem Gesetz und zum Wiederstand gegen den Götzendienst ( 4,1-43 )

III. Die zweite Rede Moses: Die Bundesbestimmungen ( 4,44-26,19 )

     A. Die Erinnenrung an das Gesetz vom Horeb ( 4,44-5,33 )
     B. Die großen Gebote und Warnungen ( Kap.6-11 )
     C. Einzelne Gesetzesbestimmungen ( 12,1-26,15 )
     D. Eine Erklärung der Hingabe ( 26,16-19 )

IV. Die dritte Rede Moses: Das Gebot der Bundeserneuerung und die Erklärung von Segen und Fluch ( 27,1-28,69 )

     A. Das Gebot der Bundeserneuerung ( Kap.27 )
     B. Segen und Fluch ( 28,1-68 )
     C. Schluß der dritten Rede ( 28,69 )

V. Die vierte Rede Moses: Zusammmenfassung der Bundesbestimmungen ( Kap.29-30 )

     A. Aufruf zum Gehorsam gegenüber dem Bund ( 29,1-28 )
     B. Der verheißene Segen nach der Buße Israels ( 30,1-10 )
     C. Mahnung, das Leben zu wählen ( 30,11-20 )

VI. Der Übergang von Mose zu Josua ( Kap.31-34 )

     A. Die Ernennung Josuas und die Aufbewahrung des Gesetzes ( 31,1-29 )
     B. Das Lied des Mose ( 31,30-32,43 )
     C. Vorbereitungen auf den Tod Moses ( 32,44-52 )
     D. Der Segen Moses ( Kap.33 )
     E. Der Tod Moses ( Kap.34 )

 

AUSLEGUNG


I. Einleitung: Die historische Einordnung der Reden Moses
( 1,1-4 )


A. Sprecher, Zuhörer und Ort
( 1,1 )


5Mo 1,1


Der Hinweis, daß es sich bei 5.Mose um die Worte Moses handelte, erinnerte die Leser daran, daß es sich bei diesem Vertrag der Bundeserneuerung nicht um ein totes juristisches Dokument handelte. "Die Worte, die Mose..." läßt darauf schließen, daß es sich bei 5.Mose um fortlaufend gehaltene Predigten Moses handelte, die er dem wandernden Volk hielt.

Niemand war qualifizierter, diese Predigten zu halten, als er. Er war mehr als nur der menschliche Gesetzgeber Israels. Er war der Gründer der Religion Israels (das zur Zeit der Erzväter noch nicht als Volk existierte) und Mittler des Bundes am Sinai (vgl. den Kommentar zu 5Mo 5 ). Er war der erste Prophet Israels ( 5Mo 34,10 ). (Zwar wird auch Abraham in 1Mo 20,7 "Prophet" genannt, aber zu dieser Zeit existierte das Volk Israel noch nicht.) Durch Mose setzte Gott einen solch hohen Standard für sein Volk, daß alle späteren Propheten in seinem Schatten standen, und ihn bis zum Kommen des Herrn Jesus Christus keiner erreichen konnte (vgl. den Kommentar zu 5Mo 18,15-19; 34,10-12 ). Deswegen ist es nicht erstaunlich, daß das NT keinen Autor des AT häufiger erwähnt als Mose. 5.Mose ist daher eine Predigtserie des größten alttestamentlichen Propheten.

Moses Worte richteten sich an ganz Israel , ein Ausdruck, der mindestens 12 Mal in 5.Mose gebraucht wird. Dies unterstreicht die Einheit des Volkes Israel, das Gott durch die mächtige Befreiung Israels aus Ägypten und durch den Bund am Sinai geschaffen hatte. Es war in einzigartiger Weise Gottes Volk. Es war die einzige Nation der Erde, die als "Verfassung" Gottes Wort hatte.

Außer dem Jordan und der Araba (Luther: "Jordantal") können die geografischen Bezeichnungen in 5Mo 1,1 nicht mit Sicherheit identifiziert werden. Die Araba ist das große, eingeschnittene Tal, das sich vom See Kinneret (später: "Galiläisches Meer") im Norden bis zum Golf von Akaba im Süden erstreckt. Israel war noch nicht im verheißenen Land, sondern stand an dessen Eingang, als es die letzten Anweisungen Moses erhielt.

 

B. Zeitpunkt
( 1,2-4 )


5Mo 1,2


Die Zeitangaben in Vers 2-3 dienen einem doppelten Zweck. Erstens ordnen sie die Offenbarung genau in die Geschichte ein. Zweitens ist der starke Gegensatz zwischen den 11 Tagen (V. 2 ) und den 40 Jahren (V. 3 ) eine eindringliche Mahnung an die Konsequenzen des Ungehorsams gegen Gott. Die Israeliten vertauschten eine elftägige Wanderung vom Horeb (einem anderen Namen des Berges Sinai; vgl. 2Mo 34,2.27 mit 5Mo 5,2 ) nach Kadesch-Barnea, dem Ort, von dem aus Israel ursprünglich das verheißene Land erobern sollte, mit einer 40jährigen Wanderung in der Wüste, bevor sie an einen zweiten Ort kamen, von dem aus sie das Land erobern konnten. Die Entfernung zwischen dem Horeb und Kadesch-Barnea beträgt nur etwa 250 km (vgl. die Karte "Mögliche Route des Auszugs aus Ägypten" zu 4Mo 33,1-5 ).

Die darin eingeschlossene Warnung war deutlich: Zögert diesmal nicht, Gott zu vertrauen. Unglücklicherweise hörte Israel nie völlig auf diese Warnung. Stephanus weist Jahrhunderte später darauf hin, daß Israel immer zögerte, dem Herrn zu vertrauen.



5Mo 1,3


Im 40sten und letzten Jahr der Wüstenwanderung Israels hielt Mose seine Reden, die der HERR (Jahwe) ihm gegeben hatte . Im AT wird der Gottesname Jahwe verwendet, wenn der Schreiber den persönlichen Charakter des Einen betonen will, der einen Bund mit seinem Volk schloß und ihm seinen moralischen Willen mitteilte (vgl. den Kommentar zu 2Mo 3,13-14 ).



5Mo 1,4


Der historische Hintergrund der ersten Rede Moses wird durch den Hinweis auf die Niederlage der beiden Könige Sihon und Og (vgl. 4Mo 21,21-35; 5Mo 2,26-3,11 ) vervollständigt.



II. Die erste Rede Moses: Historische Einführung
( 1,5-4,43 )


Wie die großen Lehensverträge des Alten Orients enthält auch 5.Mose eine historische Einleitung (vgl. die Einleitung zu 5.Mose). In solchen Verträgen wurden die wohlwollenden Handlungen des Königs gegenüber dem abhängigen Fürsten aufgezählt. Dementsprechend werden in 5.Mose Gottes gnädige Machttaten für Israel in Erinnerung gerufen. Wie der König in Lehensverträgen aus seiner Gnade die Ermahnung an den Fürsten ableitete, nicht gegen ihn aufzubegehren, ermahnte auch Gott Israel zu Glauben und Gehorsam ( 5Mo 4,1-40 ).



A. Ein Rückblick auf Gottes mächtiges Handeln vom Horeb bis Beth-Peor
( 1,5-3,29 )


1. Der erste Versuch, in das verheißene Land einzuziehen
( 1,5-46 )


a. Der Beginn am Horeb
( 1,5-18 )


5Mo 1,5


Als Mose diese Rede hielt, lagerte das Volk östlich vom Jordan in Moab. Mose legte das Gesetz aus , d. h. er tat alles, was er konnte, damit die Israeliten Gottes Wort richtig verstanden. Das Wort bA?Er wird nur hier und in 5Mo 27,8 (mit dem Zusatz "sehr deutlich", "sehr verständlich") und in Hab 2,2 ("deutlich machen", "verständlich machen") verwendet. Eigentlich bedeutet das Wort "ausgraben" (z. B. "einen Brunnen ausgraben"; vgl. b+?Er , "der Brunnen").

Im Laufe seiner Rede versucht Mose auf verschiedene Art und Weise, seinen Zuhörern einen gehorsamen Geist zu vermitteln. Er droht mit Gericht, verheißt Lohn und verweist auf die Gnade Gottes, die ihr Ziel erreichen will. Das Wort Gesetz bedeutet wörtlich "Unterweisung" und meint weniger eine Sammlung von Einzelgesetzen, wie im modernen Sinne, sondern die Unterweisung, wie der Mensch mit Gott leben soll.



5Mo 1,6-8


Die ersten Worte dieser Rede der Herr, unser Gott werden im Hebr. besonders betont und geben den Ton der ganzen Rede an. Die Formulierung "Der Herr, unser Gott" wird in 5.Mose fast 50 Mal verwendet. Jahwe ist der souveräne Führer der Geschichte Israels. Nachdem der Bund geschlossen und die Offenbarung am Sinai ( Horeb , vgl. V. 2) vollständig war, schickte der Herr das Volk nach Kanaan. (Zu den Amoritern vgl. den Kommentar zu 1Mo 14,13-16; 2Mo 3,8 ). Die westlichen Hügel in Kanaan lagen zum Mittelmeer hin an der Küste. Der Negev ist das weite Wüstengebiet westlich und südwestlich des Toten Meeres.

Gottes Befehl ( 5Mo 1,8 ), ein so großes Gebiet durch Eroberung in Besitz zu nehmen, mußte die Zuhörer eigentlich nicht erschrecken. Die Verheißung desselben Landes war Abraham in einem Bund Hunderte von Jahren früher gegeben ( 1Mo 15,18-21; 17,7-8 ) und an Isaak und Jakob wiederholt worden ( 1Mo 26,3-5;28,13-15; 35,12 ). Diese drei Erzväter werden in 5.Mose siebenmal erwähnt ( 5Mo 1,8; 6,10; 9,5.27; 29,12;30,20; 34,4 ). Mose läßt keinen Zweifel über den Charakter dieser Verheißung aufkommen. Sie geschah aus Gnade und war auf Dauer angelegt. Wenn der Herr eine Verheißung mit einem Schwur besiegelt (vgl. 5Mo 1,35 ), wird er seinen Plan niemals mehr ändern (vgl. Ps 110,4 ).

Von Abraham bis zur Zeit der Rede Moses mußte deswegen jeder Israelit erkennen, daß er in der Linie einer unverletzlichen Verheißung stand. Der Befehl, das Land in Besitz zu nehmen, der 18 Mal in 5.Mose erwähnt wird ( 5Mo 1,8.21.39; 2,24 usw.), sollte nicht nur die Aufmerksamkeit Israels auf das Land lenken. Er sollte Israel zugleich ermutigen, für das Land zu kämpfen, indem es erkannte, daß ihm das Land durch Gottes Bundestreue bereits längst geschenkt worden war. Die Betonung des "Landes" ist nirgends im AT stärker als in 5.Mose, wo es fast 200 Mal erwähnt wird.

 

5Mo 1,9-18


Wenn das Volk irgendwelche Zweifel daran hatte, ob Gott willens oder in der Lage war, seinen uralten Bund mit Abraham zu erfüllen, brauchte Israel nur seine gegenwärtige Lage anzuschauen. Israel war zahlreich wie die Sterne am Himmel geworden (V. 10 ). Dies war ja eines der Dinge, die Gott Abraham und Isaak versprochen hatte ( 1Mo 15,5; 22,17; 26,4; 2Mo 32,13 ). Gott konnte und wollte also seine Verheißung erfüllen. Mose war auch zuversichtlich, daß Gott Israel weiter mehren ... und segnen werde, da er derselbe Herr war, wie der der Erzväter. Der Gott eurer Väter ist ein häufiger Titel des Herrn in 5.Mose (vgl. 5Mo 1,21; 4,1; 6,3; 12,1; 27,3 ). Die Worte "der Herr, unser Gott" werden über 250 Mal in 5.Mose verwendet. Dadurch wird unterstrichen, daß Gott keine heidnische, tote Gottheit ist, sondern Jahwe, der lebendige Herr, der den Bund mit Israel geschaffen hatte.

Die Erfüllung der Verheißung der Mehrung Israels hatte jedoch ein besonderes Problem mit sich gebracht. Das Volk war zu groß geworden, als daß es von Mose allein hätte wirkungsvoll regiert werden können (V. 9.12 ; vgl. 2Mo 18,13-27 ). Deswegen mußte Mose militärische Führer (Befehlshaber), Verwalter und Richter einsetzen ( 5Mo 1,15-16 ). Der Hinweis auf dieses Ereignis geschieht nicht zufällig oder außerhalb des eigentlichen Themas. Die Wahl fiel auf weise und anerkannte Männer (V. 15 ; vgl. V. 13 ), die den Befehl hatten, gerecht ( richtet gerecht , V. 16 ) und völlig unparteiisch (V. 17 ; vgl. 5Mo 16,19; Spr 18,5; 24,23 ) zu richten. Damit wurde auch deutlich gemacht, daß das Ziel der Eroberung Kanaans die Errichtung von Gerechtigkeit und Heiligkeit im verheißenen Land und letztlich in der ganzen Welt (vgl. 5Mo 28,1.9-10.13 ) war. Es bedurfte des Glaubens Israels, um das Land in Besitz zu nehmen, es bedurfte aber ebenso des Glaubens Israels, Gerechtigkeit im Land auszuüben, da hier ebenfalls ein Feind drohte.

 

b. Das Versagen bei Kadesch-Barnea
( 1,19-46 )


5Mo 1,19-21


Als ersten Schritt auf dem Weg in das verheißene Land hatte Israel durch die leere und trockene Wüste (vgl. 5Mo 8,15; 32,10 ) zu ziehen. Die Strecke vom Horeb nach Kadesch-Barnea beträgt etwa 250 km, davon 180 km am Stück durch ein weitgehend wasserloses Gebiet. Dieser erste Schritt sollte vielleicht einen Hunger nach der Fruchtbarkeit und Schönheit des verheißenen Landes wecken. Außerdem konnte Gott in dieser Situation seine väterliche Liebe und Fürsorge und seine Fähigkeit, Israel zu beschützen, zeigen. Moses Befehl an das Volk, sich nicht zu fürchten (in 5.Mose oft betont: V. 21.29 ; 5Mo 3,2.22; 7,18; 20,1.3; 31,6.8; vgl. Jos 1,9; 8,1 ), zeigt, daß er das Ausmaß der Aufgabe, das Land der Amoriter in Besitz zu nehmen (vgl. 5Mo 1,8 ) erkannte, aber sich ebenso bewußt war, daß Gottes Allmacht dazu ausreichte.


5Mo 1,22-25


Der zweite Schritt war die Aussendung von zwölf Männern, einen ... aus jedem Stamm, als Kundschafter in das Land . Auch wenn dieser Plan aus dem Volk stammte (V. 22-23 ), stimmte der Herr zu ( 4Mo 13,1-2 ). Es war also zunächst kein Schritt des Unglaubens, sondern eine weise Vorbereitung des Kampfes. Als die Kundschafter zurückkehrten, war ein Teil ihres Berichtes ermutigend. Das Land war ungewöhnlich fruchtbar ( 5Mo 1,25; 4Mo 13,23-27 ). Das Tal Eschkol (wörtl. "Menge von Trauben") lag in der Nähe von Hebron (vgl. 4Mo 13,22-23 ) und ist bis heute für seine Weintrauben berühmt. Das Land wurde deswegen gutes Land genannt, ein Ausdruck, der zehnmal in 5.Mose erscheint ( 5Mo 1,25.35; 3,25; 4,21-22; 6,18; 8,7.10; 9,6; 11,17 ), um Israel zur Eroberung zu ermutigen. Mose erwähnt den zweiten Teil des Berichtes der Kundschafter nicht ausdrücklich. Sie beschrieben die Einwohner des Landes als so schrecklich, daß das Volk entmutigt wurde ( 4Mo 13,28-33 ).



5Mo 1,26-33


In ihrer Furcht übertrieben die Israeliten die Größe der kanaanitischen Städte. Der erschreckendste Teil des Berichtes der Kundschafter war aber wohl die Erwähnung der Anakiter (V. 28 ), die normalerweise mit einem alten Riesengeschlecht gleichgesetzt werden (vgl. 4Mo 13,32-33 ). Aus Feigheit widersetzte sich das Volk und murrte gegen den HERRN (vgl. 2Mo 15,24; 16,2; 17,3 ). Dies Beispiel zeigt, wie sehr Sünde unser Bild von Gott beeinflußt. Das Volk behauptete: Der HERR haßt uns , und sagte, er habe sie nur aus Ägypten geholt, um sie durch die Hand der Amoriter zu zerstören . Schon in der Wüste hatten die Israeliten ähnlich argumentiert ( 2Mo 16,3; 17,3 ). Die Beschreibung der Einwohner ( stärker und größer als wir ) offenbart, daß sie ihre Aufgabe für unmöglich für Menschen und für Gott hielten.

Mose, der nicht gegen den Herrn aufbegehrte, hatte auf der anderen Seite dieselben Tatsachen vor Augen, aber legte sie anders aus. Gott haßte sein Volk nicht, sondern liebte es mit der gütigen Liebe eines Vaters für seinen hilflosen kleinen Sohn ( 5Mo 1,31 ). Das Volk brauchte nur in die Vergangenheit zu schauen, wie Gott es wunderbar befreit und auf der Wüstenwanderung bewahrt hatte. Das Volk brauchte sich nicht zu fürchten (V. 29 ; vgl. V. 21 ), da der Herr es nicht zerstören, sondern für es kämpfen wollte (V. 30 ; vgl. 5Mo 2,33; 20,4 ).

Mit einem Schuß Ironie erinnerte Mose das Volk sogar daran, daß Gott in der Säule des Feuers des Nachts und ... der Wolke des Tags (vgl. 2Mo 13,21 ) sogar den Kundschafter für Israel gemacht hatte. Das hebr. Wort tUr ( Ausschau halten ) ist dasselbe Wort, das in 4Mo 13,2-25 für die Aufgabe der Kundschafter verwendet wird. Mose verließ sich im Gegensatz zum Volk auf das Wort Gottes und seine Erfahrungen mit Gott in der Geschichte. In ihrem Licht interpretierte er die Nachricht von den Anakitern.

Die hartnäckige Weigerung des Volkes, sich durch Gottes Handeln in der Geschichte ermutigen zu lassen, macht diesen Abschnitt zu einem beredeten Zeugnis für die Unzuverlässigkeit des menschlichen Herzens. Einige wenige "Experten" (10 von 12 Kundschaftern) waren in der Lage, die Tatsache der unbezweifelbaren Fürsorge Gottes für sein Volk in ihr Gegenteil zu verkehren. Es ist schwer, sich die Dummheit des Unglaubens der Israeliten vorzustellen. Aber auch wir Christen heute sollten uns warnen lassen, denn die hier zur Schau getragene Wankelmütigkeit ist nicht nur typisch für Israel. Jakobus warnt seine christlichen Leser, die seit der Kreuzigung und Auferstehung des Herrn Jesus erst recht keinen Grund mehr haben, an Gottes Liebe und Macht zu zweifeln, nicht mit einem wankelmütigen Geist vor Gott zu treten ( Jak 1,5-8 ).

 

5Mo 1,34-36


Die Einführung des Gerichtes Gottes durch die Wendung als der HERR hörte, was du sagtest weist auf Gottes Allwissenheit hin (weil die Menschen tatsächlich heimlich in ihren Zelten grollten, V. 27 ). Die Erklärung seines verwüstenden Gerichts über diese Generation (V. 35 ) setzt ebenfalls klar seine Allmacht voraus. Er hatte Israels Vorvätern geschworen (bestätigt durch Eid; vgl. 5Mo 4,31 ), den Abrahamsbund zu erfüllen ( 5Mo 1,8 ). Das Wort Vorväter kommt 21 Mal in 5.Mose vor, um Israels Beziehung zu den Bundesverheißungen der drei großen Patriarchen zu betonen. Gott schwor ebenfalls, jeden Krieger (vgl. 5Mo 2,14 ) der rebellischen Generation mit Ausnahme ( 4Mo 14,36-38 ) von Kaleb ( 5Mo 1,36 ) und Josua (V. 38 ) vom verheißenen Land auszuschließen. Die Bundesverheißungen an Abraham wurden durch diesen Gerichtsakt nicht ungültig. Den Nachkommen Abrahams würde immer noch das gute Land gegeben, aber es würde einer gehorsameren Generation gegeben. Der Bund gehört Israel, aber nur ein gehorsames Israel wird sich des Bundes erfreuen. Die Befreiung Josuas und Kalebs vom Gericht illustriert diesen Punkt. Kaleb, zum Beispiel, folgte dem HERRN von ganzem Herzen (vgl. Jos 14,8-9.14 ).



5Mo 1,37-38


Gottes Gericht erstreckte sich auch auf Mose. Gott war empört über Mose und enttäuscht von ihm (was durch die Worte auch mit mir offenbar wird, die im Hebr. betont sind, vgl. 5Mo 3,26; 4,21 ). Als Mose sagte, daß es ihm verboten sei, das verheißene Land wegen euch zu betreten , legte er die letzte Schuld für sein Gericht nicht auf die Menschen. Vielmehr veranlaßte ihn das Grollen der Menschen, ebenfalls zu sündigen. Nun sollte sein Helfer Josua (vgl. 2Mo 24,13; 33,11 ) die Menschen in das Land führen.



5Mo 1,39-40


Die Menschen benutzten ihre Kinder anscheinend als Entschuldigung dafür, daß sie nicht das Land zu betreten versuchten. Vers 39 ist nicht nur wichtig, weil er die verständlichen Folgen des Unglaubens offenbart, sondern auch, weil Gott hier ein sogenanntes "Zeitalter der Rechenschaft" der Kinder anzuerkennen scheint. Anscheinend waren Kinder Gott keine Rechenschaft schuldig bis sie sich des Unterschiedes zwischen Gut und Böse bewußt waren. Allerdings gibt die Bibel nirgendwo an, mit welchem Alter dieses Bewußtsein von Gut und Böse erlangt wird.

Diese Kinder waren nicht für die Feigheit ihrer Eltern verantwortlich. Deswegen wurde ihnen der Landbesitz zugesichert, während die Eltern zurück in die Wüste geschickt wurden (vgl. 5Mo 2,1 ), um zu sterben. Der Autor des Hebräerbriefes weist später auf die mit Leichen dieser Generation übersäte Wüste als eine grimmige Mahnung an die Konsequenzen des Mangels an Vertrauen in Gottes Kraft durch die Gläubigen hin ( Hebr 3,16-19 ).

 

5Mo 1,41-46


Als den Menschen das verwüstende Gericht angekündigt worden war, erkannten sie die enorme Größe ihrer Sünde und antworteten mit einem sofortigen Bekenntnis ( Wir haben gegen den HERRN gesündigt ) und der Bereitschaft, unverzüglich in eine Schlacht zu ziehen. Aber es war schon zu spät, weil Gott bereits geschworen hatte, sie zu richten.

Die Unaufrichtigkeit ihres Bekenntnisses wurde durch einen zweiten Aufstand deutlich. Die Wankelmütigkeit der Menschen wird erneut hervorgehoben. Sie rebellierten beim ersten Mal aus Feigheit und Unglauben an die Fähigkeiten des Herrn, für sie zu kämpfen. Beim zweiten Mal rebellierten sie aus Arroganz (V. 43 ), weil sie dachten, sie könnten die Schlacht ohne seine Hilfe gewinnen. Ihre Niederlage durch die Amoriter, die sie wie einen Bienenschwarm in das Bergland verjagten (vgl. V. 44 b), machte deutlich, daß sie unter dem entschlossenen und unentrinnbaren Gericht ihres Gottes standen (vgl. 4Mo 14,40-45 ). Die genaue Lage der Stadt Horma ist nicht bekannt, aber sie lag im Negev, dem südlichen Teil Kanaans, der später Juda ( Jos 15,30 ) und dann Simeon ( Jos 19,4; vgl. Ri 1,17 ) zugewiesen wurde. Ser ist ein älterer Name für Edom ( 1Mo 32,4; 5Mo 2,4-5.8.12.22.29 ).

Die Menschen weinten über ihre Niederlage, aber Gott änderte seine Meinung nicht und ließ sie das Land nicht betreten.


2. Ein neuer Anfang: Die Reise durch das Transjordanland
( 2,1-25 )


a. Die Reise von Kadesch-Barnea zum Berg Ser
( 2,1-8 )


5Mo 2,1


Die Worte eine lange Zeit kennzeichnen die 40 Jahre der Wanderschaft durch die Wüste (vgl. 5Mo 1,46 ). Trotz des 40jährigen Gerichtes über diese undankbare und rebellische Generation hatte Gott sein Volk nicht aufgegeben, weil Mose noch immer sagen konnte: Der HERR hat mich gesandt . Gott führte das Volk noch immer durch seinen Propheten Mose und hatte seinen Plan, ihnen das Land Kanaan als ihre Heimat zu geben, nicht aufgegeben.

 

5Mo 2,2-7


Gott beauftragte Mose dann, das Bergland (westlich von Seïr bzw. Edom) zu verlassen und durch Seïr , der Heimat von Esaus Nachkommen, zu ziehen (vgl. 1Mo 36,8-9 ). Gott ermahnte Israel, einem Kampf mit ihnen aus dem Weg zu gehen. Diese Gefahr eines Krieges bestand vielleicht wegen der Knappheit an Regen in diesem Land (nur ungefähr 5Mo 12,6 cm jährlich). Eine große Gruppe, die durch Seïr reiste, konnte leicht die edomitischen Wasservorräte aufbrauchen. Deswegen befahl Gott Israel, für alles, was sie essen und trinken würden, zu bezahlen , um Feindseligkeiten zu vermeiden. (Die Edomiter lehnten es tatsächlich ab, den Israeliten das Durchzugsrecht zu gewähren, 4Mo 20,14-21 ).

Diese sorgfältigen Anweisungen zeigen, daß die Israeliten nicht frei von der Versuchung waren, jedes Gebiet, das ihnen gefiel, zu erobern. Aber Gott hatte ihnen ein bestimmtes Land versprochen, und der Krieg, den sie führen würden, um Kanaan zu erobern, hatte einen moralischen Charakter (so haben AT-Gelehrte ihn als "heiligen Krieg" bezeichnet; vgl. den Kommentar zu 5Mo 7 ). Diese Anweisungen zeigen ebenso wie der Satz ich habe Esau das Bergland von Se´r gegeben ( 5Mo 2,5 ), daß der Herr Herrscher über alle Länder und Menschen ist. Diese Herrschaft hätte die Israeliten ermutigen sollen, Kanaan zu betreten und mit Mut zu kämpfen. Wenn Gott vorher das Recht von Edom - und ebenso von Moab (V. 8-9 ) und Ammon (V. 19 ) - anerkannte, ihr Land zu besitzen, wieviel mehr würde er Israels Recht, Kanaan zu besitzen, anerkennen, das ihm durch seinen Bundeseid gegenüber den Patriarchen garantiert war! Die 40jährige (V. 7 ) schützende Fürsorge des Herrn für Israel in der gewaltigen Wüste motivierte sie ebenfalls, seinen folgenden Anweisungen zu gehorchen.



5Mo 2,8


Anstatt durch Ser (Edom) über die arabische Straße zum südlichen Teil Kanaans zu ziehen, wanderten die Israeliten nördlich an der Ostseite Edoms entlang (vgl. den Kommentar zu V. 29 ) hinauf durch Moab (vgl. V. 18 ). (Vgl. die Karte "Mögliche Route des Auszugs aus Ägypten", zu 4Mo 33,1-5 .) Elat ist ein späterer Name für Ezjon-Geber , ein Seehafen am Golf von Akaba.

 

b. Die Reise an Moab und Ammon vorüber
( 2,9-25 )


5Mo 2,9-13


Nach Gottes Befehl, mit den Moabitern (die Stadt Ar lag in Moab), Lots Nachkommen ( 1Mo 19,36-37 ), ebenso vorsichtig umzugehen wie mit den Edomitern ( 5Mo 2,4-6 ), fügte möglicherweise ein nachmosaischer Redaktor eine erklärende Anmerkung ein (V. 10-12 ). Obwohl es unmöglich ist, genau zu bestimmen, wann Vers 10-12 eingefügt worden sind, weist Vers 12 darauf hin, daß es nach der ursprünglichen Eroberung des Landes gewesen ist. Redaktionelle Einfügungen im Pentateuch verletzen nicht die Lehre von der biblischen Inspiration (vgl. den Abschnitt zur Entstehungszeit und zum Autor in der Einführung ). Die Inspiration bezieht sich auf die letzte Gestalt des Textes und nicht auf die Art der Abfassung. Die Originaltexte der Schrift sind "von Gott eingegeben" ( 2Tim 3,16 ) und enthalten deshalb keine Fehler, weil Gott nicht lügen kann ( Tit 1,2 ). Der Heilige Geist überwachte die Arbeit der Redaktoren genauso, wie er es bei den historischen Nachforschungen des Lukas tat ( Lk 1,1-4 ), so daß schließlich die Worte des Textes die von Gott gewollten sind, obwohl sie durch verschiedene Methoden erreicht wurden. Es war letztendlich dieser Text (einschließlich redaktioneller Einfügungen), den Jesus Christus für vollkommen erklärte (z. B. Mt 5,18; Joh 10,35 ).

Über die Anakiter ( 5Mo 2,11 ) vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,28 .Die Refa´ter waren ein fremder Volksstamm. Sie waren für ihre große Gestalt bekannt (ebenso erwähnt in 1Mo 14,5; 15,20; 2,20; 3,11.13; Jos 12,4; 13,12; 17,15; 1Chr 20,4 ). Die Moabiter nannten die Refa´ter Emiter , was "Furchtbare" oder "Furchterregende" bedeutet. Die Horiter sind vielleicht ein nichtsemitisches Hurrian-Volk gewesen, das in verstreuten Gruppen in Palästina, Syrien und Mesopotamien lebte. Sie besetzten Ser, bevor Esau dorthin zog ( 1Mo 14,6; 36,8-9 ) und sie verjagte. Die Tatsache, daß die Moabiter diese starken ... zahlreichen und ... großen Menschen vertreiben konnte, unterstreicht Israels Feigheit und Treulosigkeit, da es sich selbst mit Gottes Hilfe vor denselben Menschen verkroch (vgl. 5Mo 1,28; 4Mo 13,28.33 ). Diese erklärende Anmerkung hinterläßt den Eindruck, daß kein Feind unbesiegbar ist. Wenn die Moabiter die Anakiter (Emiter) vertreiben konnten und wenn Esaus Nachkommen die Horiter hinauswerfen konnten, dann konnte Gott sicherlich auch Kanaan Israel geben. Das stellt Gottes Befehl, das Flußtal Sered in Moab zu überqueren ( 5Mo 2,13 ), in ein neues Licht.



5Mo 2,14-15


Mose erinnerte seine Zuhörerschaft noch einmal an das schreckliche Gericht, das seine eigene, rebellische Generation erleiden mußte ( 5Mo 1,35.39 ). Er machte klar, daß die ganze Generation der wehrfähigen Männer (vgl. 2.16 ) während der vorherigen 38 Jahre in der Wüste keines natürlichen Todes gestorben war. Die Tatsache, daß des HERRN Hand gegen Menschen ist, bedeutet oft, daß er eine zerstörerische Seuche gegen sie schickt (vgl. 2Mo 9,15; 1Sam 5,6-7.9.11; 6,3.5.9; 2Sam 24,17 ). Ebenso sollte der erste Teil von 5Mo 2,15 mit "Des Herrn Hand war gegen sie, um sie in Schrecken zu versetzen (oder zu verwirren)" wiedergegeben werden. Das Verb für "in Schrecken versetzen oder verwirren" ( hAmam ) wird für den göttlich inspirierten Schrecken gebraucht, den Gott auf viele der Feinde Israels schickte, so daß sie zu verwirrt oder erschreckt waren, um geschickt zu kämpfen.

So fand sich in der Tat diese erste Generation von israelitischen Soldaten wegen ihrer Rebellion gegen den Herrn selbst als Objekte von Gottes "heiligem Krieg" wieder. Sie hatten die schützende Fürsorge seiner Hand in ihrer arroganten Rebellion verlassen, nur um diese Hand gegen sich gekehrt zu finden, so daß sie schmerzliche Todesfälle außerhalb des verheißenen Landes hinnehmen mußten. Indem er die Menschen daran erinnerte, sagte Mose tatsächlich, daß Gott in seinen Verheißungen und seinen Drohungen zuverlässig sei und daß er die Kraft habe, beides auszuführen.



5Mo 2,16-19


Gott hatte Israel befohlen, Esaus Nachkommen (V. 4-5 ) oder die Moabiter (V. 9 ) nicht zu belästigen; nun sagte er das gleiche bezüglich der Ammoniter . Israel durfte die Ammoniter nicht angreifen, weil sie, wie die Moabiter, Lots Nachkommen waren (vgl. 1Mo 19,36-38 ).

Das fünfte Buch Mose

5Mo 2,20-23


Diese Verse sind möglicherweise eine weitere redaktionelle Einfügung (vgl. V. 10-12 ). Die amoritische Vernichtung der Refa´ter , genannt Samsummiter , und die Zerschlagung der Horiter durch die Nachkommen Esaus werden letztlich Gott zugeschrieben, so wie Paulus später schrieb, daß er es war und ist, der die Zeiten und Grenzen für alle Völker der Welt festgesetzt hat ( Apg 17,26 ). Sogar die Awiter , die sehr weit westlich bei Gaza lebten, wurden durch andere Völker vernichtet. Kaftoriter ist möglicherweise ein früher Name für die Philister, die aus Kaftor kamen, was ein anderer Name für Kreta ist.



5Mo 2,24-25


Gottes Befehl, Sihon, den Amoriter-König , aus der Stadt Heschbon zu vertreiben, ist eine andere Veranschaulichung von Gottes Herrschaft über alle Völker. Schrecken und Angst brachte Gott über solche Völker; diese stellten für Israel eine bedeutungsvolle "Waffe" in diesem Krieg und bei der Eroberung dar (vgl. 2Mo 15,15; 23,27; 4Mo 22,3; Jos 2,9.11.24; 5,1; 9,24 ).



3. Die Eroberung des Transjordanlandes
( 2,26-3,29 )


a. Sihons Niederlage
( 2,26-37 )


Dieser Abschnitt (vgl. 4Mo 21,21-35 ) beschreibt den Anfang der Eroberung des Landes durch Israel, ein Krieg, der 40 Jahre hinausgezögert worden war.



5Mo 2,26-29


Mose rief sich sein friedliches Angebot an Sihon in Erinnerung, ein Angebot, das sich dem Amoriter-König aus verschiedenen Gründen empfahl. Mose versprach, daß sie die Hauptstraße nicht verlassen würden, und daß deshalb kein Erntediebstahl befürchtet werden brauchte. Die Israeliten waren schon ohne Kämpfe durch die Gebiete von Edom und Moab marschiert (V. 29 ). Die Edomiter hatten den Israeliten das Durchgangsrecht verweigert ( 4Mo 20,18-21 ). Wahrscheinlich hatten die Edomiter Israel erlaubt, an ihrer östlichen Seite vorüberzugehen, obwohl sie sich weigerten, sie durch die Mittes ihres Gebietes ziehen zu lassen. Mose sagte Sihon ebenfalls, daß Israels Ziel nicht das Gebiet von Sihon, sondern auf der anderen Seite des Jordan das ihnen vom HERRN gegebene Land sei.



5Mo 2,30-37


Sihon lehnte das friedliche Angebot ab. Die hebr. Verben, die verwendet werden, um die "Härte" von Sihons Meinung und Willen ( Herz ) zu beschreiben, können bedeuten, daß der Herr "bestätigte", was schon in Sihons Herz war, also seine Arroganz gegen den Herrn und sein Volk Israel (vgl. den Kommentar zu 2Mo 4,21 über die Herzenshärte des Pharaos). Sihons arrogante Weigerung war ein sicheres Zeichen, daß er soeben seine einzige Überlebenschance fortgeworfen hatte. Da Gott die ganze Geschichte bestimmt, konnte Mose sagen, daß der Herr, unser Gott, ihn uns ausgeliefert hat.

Er zerstörte vollkommen ( 5Mo 2,34 ) ist die Übersetzung von HAram , "(dem Herrn) übergeben, oft unter totaler Zerstörung" (vgl. andere Textausgaben und den Kommentar zu Jos 6,21 ). In 5.Mose wird HAram auch in 5Mo 3,6; 7,2; 20,17 verwendet. Vgl. zur Diskussion der Frage der Moral des Tötens der gesamten Bevölkerung - Männer, Frauen und Kinder - Kapitel 7 und den Kommentar dazu. Die Feststellung, daß nicht eine Stadt für uns zu stark war , war eine scharfe Ermahnung für die Israeliten. Der hebr. Satz bedeutet wörtlich "nicht eine Stadt war zu hoch für uns". Die hohen Mauern der kanaanäischen Städte erschreckten die erste Generation der israelitischen Soldaten ( 5Mo 1,28 ), so daß sie dem Befehl des Herrn, das Land einzunehmen, nicht gehorchten.



b. Ogs Niederlage
( 3,1-11 )


5Mo 3,1-7


Baschan lag etwas weiter nördlich als der Ort, an den die Israeliten mußten, um den Ort für den Einzug in das verheißene Land zu erreichen. Durch den Sieg gegen Og im Norden schützten sie ihre rechte Flanke, wenn sie die Richtung ändern würden, um den Jordan zu überqueren. Edre´ , wo die Schlacht begann, lag über 48 km östlich der südlichen Spitze des Sees von Kinneret (See von Galiläa). Gottes Befehl an Israel, gegen Og zu kämpfen, ( hab keine Angst ; vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,21 ) beruhte auf zwei Zusicherungen: Gott hatte ihn Israel übergeben, und Israel hatte unlängst den Sieg über Sihon gewonnen. Durch den Ausgang der Schlacht bekamen die Israeliten neues Vertrauen auf Gott ( 5Mo 3,3; vgl. 5Mo 2,30-31 ). Wie im Fall von Sihons Städten ( 5Mo 2,32-36 ) konnten Ogs 60 Städte (mit hohen Mauern, 5Mo 3,5; vgl. den Kommentar zu 5Mo 2,36 ) den israelitischen Soldaten nicht standhalten. Das Gebiet von Argob ( 5Mo 3,4 ) war ein anderer Name für Baschan oder ein Teil von Baschan. Es war als Land der Refater bekannt (V. 13 ). Das Vertrauen der israelitischen Soldaten in das Wort ihres Gottes steht im Gegensatz zu den in 5Mo 1,28 erwähnten ungläubigen Soldaten. Zur totalen Vernichtung der Einwohner ( 5Mo 3,6 ) vgl. den Kommentar zu HAram in 5Mo 2,34 und den Kommentar zu Kapitel 7 .



5Mo 3,8-11


Diese Verse legen kurz die Eroberung des Landes dar, das von den beiden transjordanischen Amoriter-Königen Sihon und Og regiert wurde. Die Israeliten brauchten die Unterstützung durch wiederholte mahnende Erinnerungen an Gottes frühere Treue ihnen gegenüber. Zwei Aspekte dieser Zusammenfassung ermutigten die Israeliten besonders. Erstens betonen diese Verse den großen Umfang der israelitischen Eroberung: von der Schlucht Arnon zum Gebirge Hermon (von den Phöniziern von Sidon Sirjon genannt, von den Amoritern Senir). Zweitens war Og einer der letzten Refater, dem die Israeliten im Kampf begegnen sollten. Ogs eisernes Bett war möglicherweise sein Sarg (andere Textausgaben haben "Sarkophag" oder "steinener Sarg"), der 1,84 m Breite mal 4,12 m Länge maß.



c. Die Verteilung des eroberten Landes
( 3,12-22 )


5Mo 3,12-17


Das Transjordanland wurde an die Stämme Ruben, Gad und den halben Stamm Manasse verteilt. (Vgl. die Karte "Die Aufteilung des Landes unter die 12 Stämme", zu Jos 13 .) Ruben erhielt das moabitische Gebiet von der Schlucht Arnon bis Heschbon. Gad wurde die südliche Hälfte von Gilead von Heschbon bis zum Jabbok gegeben. An den halben Stamm Manasse ging der nördliche Teil von Gilead und ebenso Baschan, das östlich vom See Kinneret (später See von Galiläa genannt; vgl. den Kommentar zu Jos 11,2 ) lag. Og lag oberhalb dieses nördlichen Teils von Gilead und Baschan. Ja´r, ein Nachkomme Manasses , wird in 5Mo 3,14 besonders wegen seines Mutes bei der Eroberung der ganzen Region von Argob in Baschan (vgl. V. 4 ; 4Mo 32,41 ) erwähnt. Deswegen wurde das Gebiet nach ihm benannt. Ebenso wurde Machir ( 5Mo 3,15 ), einem Unterstamm vom Stamm Manasse, der Rest von Gilead gegeben, weil sie das Gebiet erobert hatten ( 4Mo 32,34-40 ).



5Mo 3,18-20


4Mo 32 hält die Bitte von zweieinhalb Stämmen um das Transjordanland fest. Sie hatten eine große Anzahl an Vieh und Schafen (vgl. 4Mo 32,1 ), und diese Region war besonders gut zur Viehzucht geeignet. Zuerst war Mose ärgerlich über ihre Bitte, weil er einen neuen Abfall wie bei Kadesch-Barnea fürchtete ( 4Mo 32,6-8.14-15 ). Aber als die Soldaten der Stämme versprachen, den Jordan zu überqueren und zu kämpfen, bis ganz Israel sein Land erobert hätte, gewährte ihnen Mose ihre Bitte. Da der Zeitpunkt der Schlacht näher rückte, brauchten die Stämme östlich des Jordans diese Ermahnung an ihre seinerzeit eingegangene Verpflichtung ( 4Mo 32,16-19 ). Sie konnten ihre neuen Häuser und Familien ohne Angst zurücklassen, weil der Herr ihnen dies Land gegeben hatte. Sie konnten den Jordan überqueren und furchtlos für ihre Brüder kämpfen und dann zu ihren Familien zurückkehren.

 

5Mo 3,21-22


Diese Verse sind eine Überleitung von der Landverteilung (V. 12-20 ) zu Moses Verlust des Leitungsamtes (V. 23-29 ). Mose hatte seine Zuhörerschaft daran erinnert, daß die Zeit für die Eroberung Kanaans nahe sei (V. 18-20 ). Nun würde Josua, nicht Mose, die Menschen in diesen Krieg führen. Indem er Josua ermutigte, gehorchte Mose selbst Gottes Befehl ( 5Mo 1,38; 3,28 ). Moses feste Beteuerung, daß der Herr in der Vergangenheit wie ein Krieger für Israel gekämpft habe und dies auch in Zukunft tun würde, ermutigte Israels kommenden Leiter sehr. Josua brauchte keine Angst zu haben (vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,29 ). Moses Worte enthalten auch ein wichtiges Thema im historischen Prolog von 5.Mose: Die Schlacht gehört Jahwe ( der HERR euer Gott ... wird für euch kämpfen ; vgl. 5Mo 1,30; 20,4; außerdem 5Mo 2,24-25.31.33.36; 3,2-3 ).



d. Mose ist es verboten, das verheissene Land zu betreten
( 3,23-29 )


5Mo 3,23-25


Zwar hatte Gott Mose klargemacht, daß es ihm wegen seines Unglaubens bei den Wassern von Meriba ( 4Mo 20,12 ) nicht erlaubt sein würde, das verheißene Land zu betreten. Nach Moses Meinung zeigte sich aber eine neue Wendung der Ereignisse, wie seine Feststellung du hast begonnen, deine Herrlichkeit deinem Diener zu zeigen beweist. Dies weist möglicherweise eher auf die Allmacht des Herrn hin, die er im Sieg über Sihon und Og, den beiden transjordanischen Amoriter-Königen, erwiesen hatte, als auf die Ereignisse des Auszugs aus Ägypten. Nachdem Gott Mose an der Eroberung des Transjordanlandes Anteil hatte nehmen lassen, mag er gedacht haben, der Herr beabsichtigte, sein früheres Verbot, Kanaan zu betreten, zurückzunehmen. Deswegen schien es nach allem, was geschehen war, eine günstige Zeit für ihn zu sein, Gott zu bitten, ihn trotz allem am Einzug teilnehmen lassen zu dürfen, um das gute Land zu sehen (vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,25 ).

Die Frage in 5Mo 3,24 ,die mit für welchen Gott beginnt, bedeutet nicht, daß Mose an die Existenz anderer Götter glaubte. Es ist eine rhetorische Frage, einer der Wege, auf denen das AT die Unvergleichbarkeit des Herrn ausdrückt. Er ist vollkommen einzigartig in seinen Eigenschaften; nicht einer läßt sich mit ihm vergleichen.



5Mo 3,26-29


Gott wollte Mose nicht hören , wollte also Mose seine Bitte nicht gewähren. In Wirklichkeit bedeutet der hebr. Satz, daß Mose Gott immer wieder um Erlaubnis gebeten hatte, und daß Gott "wütend" (eine verstärkte Form von ZABar ) auf ihn wurde (eine andere Übersetzung hat ein milderes Wort, ärgerlich ; vgl. 5Mo 1,37; 4,21 ). Dieses Gespräch offenbart etwas von der Vertraulichkeit der Beziehung Moses zu Gott. Zudem erhöht es das Gefühl des Tragischen in der Erfahrung eines Mannes, der sein Leben der Erfüllung der Verheißung Gottes für Israel gewidmet hat, aber wußte, daß er niemals ihre Vollendung sehen würde. Aber Mose konnte am Ende das Land von der Spitze des Berges Pisga aus sehen.

Da Mose die Menschen nicht über den Jordan führen konnte, erinnerte Gott ihn an seine Verpflichtung, Josua für die Leiterschaft vorzubereiten. Josuas Nachfolge in der Leiterschaft ist ein wichtiges Thema in 5.Mose. Dies ist das dritte Mal, daß in nur drei Kapiteln daran erinnert wird ( 5Mo 1,38; 3,21.28 ). Indem er nur Gottes Worte über dieses Thema für die Menschen wiederholte, ermutigte Mose Josua und zeigte den Menschen, daß Josua ihr nächster Leiter sein würde.



B. Ermahnung zum Gehorsam gegenüber dem Gesetz und zum Widerstand gegen den Götzendienst
( 4,1-43 )


1. Das Ziel des Gesetzes
( 4,1-8 )


5Mo 4,1-2


Die Worte höre jetzt führen die praktischen Schlußfolgerungen aus den Erfahrungen Israels in der Wüste ein. Wegen der Treue, der Gnade und des Gerichtes des Herrn, die er in seiner jüngsten Geschichte bewiesen hatte, war das Volk verpflichtet, seinen Verordnungen und Gesetzen bedingungslos zu gehorchen. Verordnungen könnte sich vielleicht auf beständige Regeln des Lebens beziehen, die ein für alle Male festgelegt und unwandelbar waren, während Gesetze sich möglicherweise auf Rechtsentscheidungen beziehen könnte, die von den Richtern gefällt und weitergereicht wurden. Es war entscheidend, daß Mose Israel das Gesetz lehrte, weil der Nebensatz so daß ihr leben und ... das Land in Besitz nehmen dürft darauf hinweist, daß sich eine völlige Freude am Leben auf den Gehorsam gegenüber Gottes Gesetz gründet. Israel durfte nichts dazu hinzufügen und dadurch seine Kraft schwächen, wie es die pharisäischen und später die christlichen Rechtsgelehrten taten. Auch durfte Israel nichts fortlassen, um es dem Eigensinn oder der Schwäche der menschlichen Natur anzupassen.


5Mo 4,3-4


Mose erinnert an den Vorfall mit Baal-Peor in Moab, um aus Israels eigener Geschichte deutlich zu machen, daß ihr ganzes Leben vom Gehorsam gegenüber Gottes Gesetz abhängt. Damals waren alle Israeliten, die mit den moabitischen Frauen geistigen und körperlichen Ehebruch begangen hatten, durch das Schwert getötet worden oder bei einer Plage ums Leben gekommen (24 000 starben bei der Plage). Auf der anderen Seite überlebten alle ..., die fest zum HERRN gehalten hatten . Dieser Vorfall wird auch in 4Mo 25,1-9; Ps 106,28-29; Hos 9,10 erwähnt.


5Mo 4,5-8


Ein Ziel des Gesetzes war es, den Israeliten Leben in Fülle zu schenken, wenn sie Gott gehorchten (V. 1-4 ). In Vers 5-8 wird ein anderes Ziel des Gesetzes offenbart, nämlich Israel moralisch und geistlich einzigartig gegenüber allen Völkern zu machen und dadurch andere Völker zu dem Herrn zu führen. Im Gegensatz zu allen anderen Völkern sollte sich Israel nicht durch seine natürlichen Resourcen, seinen Wohlstand oder seine militärische Macht von anderen Völkern unterscheiden, sondern durch seine moralischen Fähigkeiten und seine vertraute Beziehung zu Gott. Beides sollte aus dem Gehorsam gegenüber seiner moralischen Grundlage erwachsen. Wenn Israel dem Gesetz gehorchen würde, würde es den Neid aller Völker erwecken. Die Völker würden es (a) als weise und verständig, (b) mit einem Gott, der ihm nahe ist, und (c) im Besitz der gerechten Verordnungen und Gesetze ansehen.



2. Das Ziel der Erfahrung am Horeb
( 4,9-14 )


5Mo 4,9


Die feierliche Ermahnung, vorsichtig zu sein (eine Ermahnung, die verschiedene Male in 5.Mose vorkommt) und Ausschau zu halten , beinhaltet, daß die Israeliten ständig in Gefahr standen, in eine Sünde zu fallen, die sie an den Rand der Vernichtung ihres Volkes bringen konnte. Diese Sünde war der Götzendienst (V. 15-31 ). Das Volk konnte dem Götzendienst auf zwei verschiedene Arten verfallen. Die Verderbtheit der menschlichen Gesinnung ist so groß, daß die großen Taten Gottes für sein Volk (vgl. den Auszug aus Ägypten und die Übergabe des Gesetzes am Horeb) den Herzen entgleiten konnten, wenn es sich nicht ständig selbst an Gottes mächtige Taten erinnerte.

Zum zweiten konnten die Eltern durch Faulheit oder Teilnahmslosigkeit vergessen, ihre Kinder zu lehren , und so die Kinder zu Götzendienern werden. 5.Mose legt den Nachdruck nicht so sehr auf die Priester oder andere religiöse Leiter, sondern auf die Eltern, die für die geistliche Erziehung ihrer Kinder verantwortlich sind (V. 9-10 ; 5Mo 6,7.20; 11,19; 31,13; 32,46 ). Gott vertraut die großen Ereignisse der Offenbarung, wie das Geben des Gesetzes am Sinai, treuen Verwaltern an, die sie ihren Kindern weitergeben müssen. ("Nicht vergessen" ist ein anderer Schwerpunkt in 5.Mose, vgl. zum Beispiel 4,9.23.31; 5Mo 6,12; 8,11.14.19; 9,7; 25,19 ).



5Mo 4,10-14


Die Erfahrung am Horeb war dazu bestimmt, Furcht vor Gott in den Herzen der Menschen zu erwecken, so daß ein Bund zwischen ihnen und dem Herrn möglich wurde. Im AT ist die Furcht vor Gott mehr als Scheu oder Verehrung, obwohl sie beides einschließt. Gott fürchten meint, sich so deutlich seiner moralischen Reinheit und Allmacht bewußt zu sein, daß man wahrhaftig davor Angst hat, ihm nicht zu gehorchen. Gott fürchten schließt auch ein, ihm mit Anbetung, Dienst, Vertrauen, Gehorsam und Verbindlichkeit zu antworten. An diesem Tag am Horeb zeigte sich Gottes Allmacht offen in Feuer ... schwarzen Wolken ... tiefer Dunkelheit , und die Stimme Gottes donnerte vom Himmel. Seine moralische Reinheit zeigte sich offen in seinen Zehn Geboten , die hier sein Bund genannt werden.

Aus dieser Erfahrung hätten die Israeliten lernen sollen, Gott als eine Person, die geistlich ist ( ihr ... habt keine Gestalt gesehen ; vgl. V. 15 ; es war nur eine Stimme da) , und als eine Person, die übernatürlich ist, zu fürchten. Dieser letztere Punkt wurde dadurch besonders betont, daß Gott den Israeliten befohlen hatte, seinen Befehlen, Geboten und Gesetzen zu folgen (die Mose sie lehren würde, V. 1.14 ). Die Übergabe des Gesetzes an diesem Tag lehrte das Volk also, daß ihr Gott eine geistliche Person ist, die nicht beeinflußt werden kann, sondern stattdessen ihnen seinen moralischen Willen auferlegt. Sie brachten an diesem Tag keine Bilder von Gott vom Horeb mit; Gott gab ihnen nur zwei steinerne Tafeln (möglicherweise war jede Tafel vollständig mit allen zehn Geboten, so daß sie der alten nahöstlichen Praxis folgten, zwei Ausgaben solcher Bundesdokumente anzufertigen, für jeden Vertragspartner eine). Auf diese Weise wurde das Wort des Gottes Israels im Unterschied zu allen Religionen des Alten Orients die Grundlage seiner Religion.



3. Das Verbot des Götzendienstes
( 4,15-24 )


5Mo 4,15-20


Mose erläuterte eine der Bedeutungen, die die Erfahrung am Horeb beinhaltete. Da die Israeliten an diesem Tag keine Gestalt von Gott gesehen hatten (vgl. V. 12 ), sollten sie niemals versuchen, ihn mit einer Gestalt darzustellen. Die Religionen des alten Nahen Ostens beteten Götzen in Form von verschiedenen Geschöpfen an, die in Vers 16-18 erwähnt werden. Israel durfte niemals seinen Gott auf diese Weise einschränken, weil es damit seine Übernatürlichkeit in Frage gestellt hätte und dadurch selbst verdorben worden wäre (vgl. V. 25 ).

Die Anbetung von Sterngottheiten war im Alten Orient ebenfalls üblich. Die Sonne wurde in Ägypten als der Gott Re oder Aton angebetet, und in dem neuen Land, auf das die Israeliten zusteuerten, war die Anbetung der Gestirne ebenfalls üblich. (Die Stadt Jericho war der Anbetung des Mondgottes geweiht.) Die Israeliten durften sich selbst nicht zur Anbetung der Himmelskörper (vgl. 5Mo 17,2-5 ), die Gott für alle Völker unter dem Himmel vorgesehen hatte, verführen lassen (V. 19 ).

Ein anderer Grund, weshalb Israel alle Formen von Götzendienst öffentlich brandmarken sollte, ist, daß es aus Ägypten, einem Land des Götzendienstes, wo die Bilder Dutzender falscher Götter angebetet wurden, herausgeholt worden war. (Diese Tatsache, daß Israel aus Ägypten herausgeführt worden war, wird über 20 Mal in 5.Mose erwähnt.) In der Sklaverei in Ägypten war Israels Zustand wie das Leben in einem Eisenschmelzofen . Aber jetzt war Israel Gottes Erbe , das heißt, sein eigener, einzigartiger Besitz (vgl. 5Mo 9,26; Ps 28,9; 33,12; 68,9; 78,62.71; 79,1; 94,14; Joe 2,17;4,2; Mi 7,14.18 ).



5Mo 4,21-24


Obwohl Mose wußte, daß er das verheißene Land ( das gute Land ; vgl. 5Mo 1,25 ) nicht ... betreten würde , wünschte er es sich noch immer. So erwähnte er wieder Gottes Ärger über ihn (vgl. 5Mo 3,26-27 ) und erinnerte die Israeliten daran, daß er nicht da sein würde, um das Verbot des Götzendienstes durchzusetzen. Aber der Herr würde den Befehl durchsetzen. Wie ein verzehrendes Feuer ( 5Mo 4,24 ) würde er reinigen, was wertvoll (genauso, wie Feuer wertvolles Metall reinigt), und zerstören, was wertlos sei. Wie ein eifersüchtiger Gott (vgl. 5Mo 5,9; 32,16.21; vgl. den Kommentar zu 5Mo 6,15 ) wird er nicht erlauben, daß ein anderer die Ehre bekommt, die ihm allein gehört ( Jes 42,8; Jes 48,11 ). Deswegen mußte Israel ganz besonders sorgfältig sein, sich an den Bund zu erinnern (vgl. 5Mo 4,9 ).

 

4. Die prophezeite Zerstreuung
( 4,25-31 )


5Mo 4,25-31


Nach der strengen Warnung vor dem Götzendienst (V. 15-24 ) erläuterte Mose die Folgen der Mißachtung dieser Warnung (V. 25-31 ). Nachdem die Israeliten lange Zeit in dem Land gewesen sein würden und sicher geworden wären, könnten sie den Herrn und die Notwendigkeit, ihm allein zu vertrauen, vergessen. Sie würden dann leicht zu götzendienerischer Anbetung verführt werden, die sie verderben und Gottes Ärger hervorrufen würde.

Mose rief wegen ihres andauernden und unwandelbaren Charakters im Gegensatz zu der Wechselhaftigkeit der menschlichen Herzen Himmel und Erde als Zeugen an. Dieses sichere Gericht würde zwei Formen haben, die unter großen Verlusten vor sich gehende Zerstreuung unter die ... Völker (V. 27 ) und die Auslieferung an den Götzendienst (V. 28 ). Diese Prophezeiung erfüllte sich in den assyrischen und babylonischen Gefangenschaften, aber ihre größte Erfüllung geschah in der Zerstreuung Israels, nachdem es Jesus Christus abgelehnt hatte.

Die späteren Tage (V. 30 ) weisen vielleicht auf irgendeine Zeit nach dem Beginn der Zerstreuung hin, aber im letzten beziehen sie sich auf die Zeit, zu der der Herr Jesus auf die Erde zurückkehren wird, um sein tausendjähriges Königreich ( Offb 20,4 ) aufzurichten. Zu dieser Zeit wird ein bußfertiges Israel schließlich nach dem HERRN suchen ... ihn suchen mit seinem ganzen Herzen und ... ganzer Seele und wird ihm gehorchen . (In 5.Mose betont Mose wiederholt die Notwendigkeit der Hingabe von ganzem Herzen an den Herrn mit den Worten "von ganzem Herzen und von ganzer Seele", vgl. 5Mo 4,29; 6,5; 10,12; 11,13; 13,4; 26,16; 30,6.10 .) Israels letzte Rückkehr zu seinem Retter wird nicht infolge irgendeiner Güte ihrer menschlichen Herzen geschehen, sondern vielmehr wegen ihres gnädigen Gottes. Das hebräische Wort "gnädig" ( raHUm ) weist auf das liebevolle Mitgefühl einer Mutter mit ihrem hilflosen Kind hin. Selbst wenn Israel also seinen Gott vergißt, wird er seine moralisch hilflosen Kinder nicht preisgeben, weil er das liebevolle Mitgefühl einer Mutter hat und weil er einen unverletzlichen Bund mit Abraham geschlossen und ihn gegenüber Isaak und Jakob durch Eid (16 Mal in 5.Mose erwähnt) bestätigt hat ( 1Mo 15,18-21; 17,7-8; 26,3-5; 28,13-15; 35,12 ). Von da an wollte Gott seinen Bund nicht vergessen ( 5Mo 4,31 ), noch sollte Israel es tun (V. 23 ).

 

5. Der Befehl, zu wissen, daß der Herr allein Gott ist
( 4,32-40 )


5Mo 4,32-34


Nachdem er über die Zukunft geredet hatte ("künftige Zeiten", V. 30 ), redete Mose nun über die vergangenen Tage - von der Schöpfung bis zum Sinai. Israel hatte eine ganz einzigartige Erfahrung mit seinem Gott gemacht. Kein anderes Volk konnte für sich beanspruchen, die Stimme Gottes aus einem Feuer sprechen gehört zu haben. Kein anderes Volk konnte auf einen Gott zeigen, der es geschaffen hatte, indem er es von einem stärkeren Volk losgekauft hatte. Darüber hinaus war der wahre Ursprung dieses historischen Loskaufs nicht für verschiedene Erklärungen offen. Die Stimme Gottes, die wunderbaren Zeichen und Wunder (vgl. 5Mo 6,22; 7,19; 26,8; 29,2 ), die großartigen und eindrucksvollen Taten (z. B. die Plagen, die Feuersäule, die Teilung des Roten Meeres, das Manna) und andere Phänomene machten deutlich, daß es Gott war, der die Israeliten losgekauft hatte. Er tat dies zum Beweis seiner Kraft und Stärke ( durch eine mächtige Hand und einen ausgereckten Arm ; vgl. 5Mo 5,15; 7,19; 11,2; Ps 136,12; Hes 20,33-34 ).



5Mo 4,35-38


Das Ziel dieser wunderbaren Befreiung war es, die Israeliten zu befähigen, zu wissen (nicht einfach durch ihren Intellekt, sondern durch ihre Erfahrung), daß der Herr allein Gott ist. Die Erfahrung, vom Himmel seine eindrucksvolle Stimme zu hören und auf der Erde sein großartiges Feuer (am Sinai, 2Mo 19,16-20 ) zu sehen, bezweckte nicht zuerst eine Unterrichtung ihres Verstandes, sondern vielmehr die Züchtigung ihrer moralischen Natur. Sie sollte ihnen langsam einen Geist der Unterwerfung schenken und die natürliche Neigung des menschlichen Herzens zur Arroganz unterdrücken. Die Erfahrung seiner Stimme und des Feuers war dazu bestimmt, ihnen mehr als den Inhalt seiner Befehle zu geben. Sie war dazu bestimmt, ihnen Angst vor dem Ungehorsam gegenüber diesen Befehlen zu machen. Der Grund, weshalb der Herr solche Vorsicht hatte walten lassen, Israel diese umfangreiche moralische Erziehung zu geben, war, daß er ihre Vorväter geliebt hatte und in einem Bund versprochen hatte, ihre Nachkommen zu lieben. Wegen dieser Liebe befreite er sie aus Ägypten (vgl. 5Mo 4,20 ), das ein stärkeres Volk als sie gewesen war. Er würde aus Kanaan stärkere Völker als Israel hinauswerfen. Er würde außerdem Israel dies Land als sein Erbe geben (vgl. den Kommentar zu V. 21 ).



5Mo 4,39-40


Im Licht dieser erwählenden Gnade und dieser einzigartigen Offenbarung sollten die Israeliten anerkennen, daß der Herr allein Gott ist (vgl. V. 35 ), und deswegen seine Gebote und Befehle bewahren. Nur wenn sie diese beiden Dinge tun würden, würden sie Wohlstand und langes Leben in dem Land finden (vgl. 5Mo 5,33; 6,2 ). Die Worte damit es dir wohlgehe werden acht Mal in diesem Buch erwähnt, ohne Zweifel, um besonders dieses Ziel des Gehorsams zu betonen ( 5Mo 4,40; 5,16; 6,3.18; 12,25.28; 19,13; 22,7 ). Die Vorstellung, daß ein rechtschaffenes Leben lang und ein sündiges Leben kurz ist, ist im AT oft zu finden ( Spr 3,1-2.16; 10,27 ).



6. Die drei transjordanischen Freistädte
( 4,41-43 )


5Mo 4,41-43


Dies dürfte eine redaktionelle Einfügung sein, die hier zwischen die erste und zweite Ansprache gestellt wurde, weil Mose zu dieser Zeit die drei Städte östlich des Jordans als Zufluchtsstädte ausgewählt hatte. Es waren Bezer ... Ramot und Golan (vgl. die Karte "Die sechs Freistädte" zu 4Mo 35,6-34 ). Die Bedeutung dieser Städte wird im Kommentar zu 5Mo 19,1-13 diskutiert (vgl. 2Mo 21,12-13; 4Mo 35,6-28; Jos 20 ).



III. Die zweite Rede Moses: Die Bundesbestimmungen
( 4,44-26,19 )


In den Lehensverträgen des 2. Jahrtausends v. Chr. legte der Abschnitt nach dem historischen Prolog die Verpflichtungen der Vasallen gegenüber ihrem großen König fest. Dieser Abschnitt, der die Bundesbedingungen oder Vereinbarungen enthielt, war üblicherweise in zwei Abschnitte unterteilt. Der erste Teil war eine generelle Ermahnung der Vasallen, in dem sie zur ganzen Treue gegenüber dem König oder Oberherrn verpflichtet wurden. Der zweite Teil bestand aus speziellen Bedingungen oder Gesetzen, die einzeln aufführten, wie die Vasallen ihre vollkommene Treue gegenüber dem Oberherrn zum Ausdruck bringen sollten. Die Anordnung von Moses zweiter Rede scheint dem gleichen Plan wie die Lehensverträge zu folgen. Mose begann diese Rede, indem er an die grundlegende Erfahrung am Horeb erinnerte ( 5Mo 4,44-5,33 ). Diesem kurzen Abschnitt folgt ein Aufruf zur völligen Hingabe ( 5Mo 6-11 ). Die Rede enthält dann eine Darlegung des Gesetzes, die den Israeliten erklärt, wie sie ihre Verpflichtung gegenüber dem Herrn in den Einzelheiten des täglichen Lebens zum Ausdruck bringen sollen ( 5Mo 12,1-26,15 ). Die Rede endet mit einer Verpflichtungserklärung durch die Menschen und den Herrn ( 5Mo 26,16-19 ).



A. Die Erinnerung an das Gesetz vom Horeb
( 4,44-5,33 )


1. Der Rahmen der zweiten Ansprache
( 4,44-49 )


5Mo 4,44-49


Mose stellte vor die Menschen Gottes Unterweisung (t¶rÔh, das Wort, das mit Gesetz übersetzt wird, bedeutet eigentlich "Unterweisung"), wie man mit ihm wandeln solle. Wenn es den Israeliten persönlich und als Volk wohlergehen sollte, sollten sie den Bundesbestimmungen gehorchen, die in der Form von Geboten und Gesetzen festgelegt sind. Sie waren ursprünglich drei Monate nachdem die Israeliten aus Ägypten ausgezogen waren, gegeben worden (vgl. 2Mo 20,1-17;21-23 ). Damit ist 5.Mose kein neuer Bund, sondern die Wiederaufnahme des früher geschlossenen Bundes. Aber er wurde östlich vom Jordan in der Nähe von Bet-Peor wiederholt. Wegen der Einzelheiten über Sihon und Og vgl. den Kommentar zu 5Mo 2,26-3,11 .



2. Der Ruf zum Gehorsam
( 5,1-5 )


5Mo 5,1-5


Die feierliche Formel Höre, o Israel weist darauf hin, daß das folgende ( die Gebote und Gesetze ; vgl. 5Mo 4,45 ) nicht zufällig, sondern für das Überleben Israels als Volk unbedingt notwendig ist. Als Mose ... sagte, daß der HERR unser Gott am Horeb einen Bund mit uns geschlossen hat und nicht mit unseren Vätern , lehrte er die Israeliten, daß dieser Bund für die Lebenden, nicht für die Toten gelten sollte. Mose hatte das Recht, das zu sagen, weil er der Mittler dieses Bundes war. Der HERR sprach mit Israel von Angesicht zu Angesicht vom Berg Sinai, aber er tat es durch Mose ( 2Mo 19,9 ).

 

3. Die Zehn Gebote
( 5,5-21 )


5Mo 5,6-7


Vers 6 ist nicht nur für das Verständnis des ersten Gebotes, sondern auch für das Verständnis der anderen neun Gebote wichtig. Die Zehn Gebote wurden einem Volk gegeben, das bereits freigekauft worden war ( brachte es heraus ... aus Ägypten ), um es zu befähigen, seine Liebe auszudrücken und mit dem heiligen Gott Gemeinschaft zu haben. (In 5.Mose wird Ägypten oft als das Land der Sklaverei bezeichnet: V. 6 ; 5Mo 6,12; 7,8; 8,14; 13,6.11; vgl. 2Mo 13,3.14; 20,2 .) Der Dekalog ist niemals gegeben worden, um die Israeliten zu befähigen, Gerechtigkeit zu erreichen, weil diese immer nur durch Glauben gewährt wurde (vgl. 1Mo 15,6; Röm 4 ). Das Gesetz ist niemals gegeben worden, um den Menschen das Heil zu bringen.

Seitdem der Herr die Initiative zu Israels Befreiung ergriffen hatte, waren die Menschen verpflichtet, sein Recht auf die Herrschaft über sie anzuerkennen und sich unter seine Allmacht zu beugen. Das erste Gebot, keine anderen Götter neben mir zu haben, fordert die Unterwerfung jedes Lebensgebietes unter die Bestimmungen Gottes. Die Wendung "andere Götter" ist ein Ausdruck für heidnische Götter, die in Gestalt von Götzen angebetet wurden und dadurch auch Macht auf ihre Anbeter ausübten.



5Mo 5,8-10


Das zweite Gebot verbot nicht die Kunst in Israel (wie der Bau der Stiftshütte zeigt), sondern vielmehr das Schaffen eines Götzen, der den Herrn darstellen sollte. Es bestand dabei eine zweifache Gefahr. Erstens: Da andere Völker Götzendienst praktizierten, um ihre Hingabe an ihre Götter zu zeigen, bestand immer die Gefahr, daß die Anbetung des Herrn durch heidnische Formen der Anbetung besudelt würde. Zweitens: Jeder Versuch, Gott in der Gestalt der natürlichen Welt darzustellen, würde die Oberherrschaft des Einen, der durch nichts begrenzt werden kann, in Frage gestellt haben. Als ein eifersüchtiger Gott (vgl. 5Mo 4,24; 32,16.21; vgl. den Kommentar zu 5Mo 6,15 ) teilt Gott seine Herrschaft mit keinem anderen.

Auf den ersten Blick scheint 5Mo 5,9 b möglicherweise Hes 18,20 zu widersprechen. Allerdings muß der Satz die, die mich hassen , natürlich auf die Kinder, nicht auf die Väter bezogen werden. Kinder, die den Herrn hassen, werden bestraft. Rebellische, gotthassende Eltern bringen oft bis in die dritte und vierte Generation Kinder hervor, die Gott auch hassen (vgl. 2Mo 20,5; 34,6-7 ).

 

5Mo 5,11


Gottes Namen zu mißbrauchen bedeutet wörtlich, "aufheben oder zur Bedeutungslosigkeit verkommen lassen". Dieses Gebot verbietet den Gebrauch von Gottes Namen in weltlichen Dingen, aber es beinhaltet noch mehr. Das dritte Gebot ist eine Weisung gegen den Gebrauch von Gottes Namen in manipulierender Weise (z. B.: sein Name darf nicht in der Magie gebraucht werden, oder um jemanden zu verfluchen). Heute hat ein Christ, der Gottes Namen respektlos gebraucht oder fälschlicherweise eine schlechte Handlung Gott zuschreibt, dieses Gebot gebrochen.



5Mo 5,12-15


Der Sabbat war ein Geschenk Gottes an Israel. In Übereinstimmung mit 2Mo 20,11 sollte Israel jede Woche einen Ruhetag einhalten, so daß es sich an Gottes Erschaffung der Welt in sechs Tagen und seine Ruhe am siebten Tag erinnern konnte. So war Israels Einhaltung des Sabbats eine Bestätigung ihres Glaubens an den persönlichen, übernatürlichen Gott, der die Welt erschaffen hat. Dieser Glaube war einzigartig im Alten Orient. In 5.Mose ist der Grund der Einhaltung des Sabbats nicht die Erschaffung der Welt, sondern der Loskauf Israels von Ägypten, der in Wirklichkeit die Erschaffung Israels als Nation war. (Das Gebot erinnere dich , zAkar , wird 14 Mal in 5.Mose erwähnt; eine andere Übersetzung hat das Gebot "erinnere dich" zwei weitere Male - 5Mo 4,10; 11,2- obwohl das Hebr. dort ein anderes Wort hat. Zu Gottes mächtige Hand und einen ausgereckten Arm vgl. 5Mo 4,34; 7,19; 11,2 .) So drückte Israel durch Einhaltung des Sabbats vor seinen heidnischen Nachbarn seine Treue zu dem persönlichen Gott aus, der die Welt und Israel als Nation erschaffen hatte.

Dies ist das einzige der Zehn Gebote, das im NT nicht wiederholt wird, und Paulus spricht sich dagegen aus, es anzuwenden (vgl. Röm 14,5-6; Kol 2,16-17 ). Der Tag der Anbetung wechselte in der alten Kirche in Übereinstimmung mit dem Tag der Auferstehung Jesu Christi auf den ersten Tag der Woche. Die zeitgebundene Natur des Sabbatgebotes zeigt sich in der Tatsache, daß es als "Zeichen" des mosaischen Bundes diente (vgl. 2Mo 31,12-17 ). Nachdem der mosaische Bund abgeschafft worden war, gab es auch für sein "Zeichen" keinen Bedarf mehr. An seiner Stelle haben die Christen das Herrenmahl als das "Zeichen" des Neuen Bundes.



5Mo 5,16


Seine Eltern zu ehren bedeutet, sie hoch zu schätzen oder zu preisen. Kinder, die zu Hause leben, tun dies, wenn sie ihren Eltern gehorchen. Dieses Gebot war für das Bestehen des Volkes von großer Bedeutung: Damit ihr lange leben möget (vgl. 5Mo 6,2; 11,9; 25,15; 32,47 ) und auf daß es euch gut gehen möge in diesem Land . Eltern, besonders Väter, sollen vielmehr als die religiösen Leiter die Bedeutung des Bundes ihren Kindern vermitteln.



5Mo 5,17


Mord bedeutet, jemandem rechtswidrig das Leben nehmen. Weil der Mensch von Gott und nach seinem Bild geschaffen worden war, sollte der Mensch einem anderen sein Leben nicht ohne göttliche Erlaubnis nehmen. (Dieses Gebot verbietet daher nicht die Todesstrafe oder die Teilnahme am Krieg. Beides ist durch Gesetze in den 5 Büchern Mose geregelt.)



5Mo 5,18


Die eheliche Beziehung sollte die Glaubensbeziehung zu Gott widerspiegeln. Daher war außerehelicher Geschlechtsverkehr ( Ehebruch ) verboten. Obwohl das siebte Gebot sich nicht ausdrücklich auf den vorehelichen Sex bezieht, verbietet der Pentateuch ihn an anderen Stellen (z. B. 1Mo 2,24; 2Mo 22,16; 5Mo 22,13-29 ). Ein Israelit, der seinem oder ihrem Partner gegenüber treulos sein würde, würde es ebenso dem Bund mit Gott gegenüber sein und würde geneigt sein, anderen Göttern nachzulaufen.



5Mo 5,19


Viele Ausleger meinen, daß dieses achte Gebot gegen Diebstahl sich vor allem auf Menschenraub bezieht (vgl. 5Mo 24,7 ). Es ist aber wohl besser, das Gebot als ein generelles Verbot des Diebstahls anzusehen, was Menschenraub einschließen würde.



5Mo 5,20


Obwohl dieses Gesetz seine primäre Bedeutung vor Gericht hat, scheint es ebenso den Klatsch über den Nächsten zu verurteilen. Die Gebote sechs bis neun erkennen das Recht des einzelnen auf Leben, Familie, Besitz und guten Ruf an.



5Mo 5,21


Zu begehren bedeutet "gierig auf den Besitz eines anderen sein". Dies Gebot unterscheidet sich von anderen Geboten darin, daß es mit keiner speziellen Handlung zu tun hat, sondern vielmehr mit einer gefühlsmäßigen, psychologischen Sünde. Daher konnte das Brechen dieses Gebotes in einer Gerichtsverhandlung nicht strafrechtlich verfolgt werden. Gerade "Begierde nach dem Besitz eines anderen" veranlaßt oft den Bruch des sechsten und des neunten Gebotes. Diesen springenden Punkt brachte Jesus in seiner Erklärung des sechsten und siebten Gebots ( Mt 5,21-32 ) zur Geltung. Es hätte für jemanden möglich sein können, die ersten neun Gebote zu halten, aber niemand konnte es vermeiden, das zehnte Gebot irgendwann einmal zu brechen. In dieser Hinsicht ist das zehnte Gebot das eindringlichste von allen, weil es dem Menschen seine Unfähigkeit, Gottes Gesetz ganz zu halten, bewußt macht. Dieses Bewußtsein bringt ihn zurück zur Abhängigkeit von Gottes Nachsicht und Gnade.

 

4. Die Mittlerfunktion Moses
( 5,22-33 )


5Mo 5,22


Dieser Vers unterstreicht den göttlichen Ursprung der Zehn Gebote und die ehrfurchtgebietende Art, in der sie gegeben wurden ( Feuer ... Wolke und tiefe Finsternis ; vgl. 2Mo 19,18; 20,21 ).

 

5Mo 5,23-27


Die Bitte der Leiter nach einem Mittler enstand aus ihrer Begegnung mit ihrem heiligen und königlichen Gott. Die Erfahrung am Horeb hatte bei ihnen das Gefühl ihrer eigenen moralischen Unzulänglichkeit ( wir werden sterben ) und ihre Verpflichtung, Gott zu gehorchen ( wir werden hören und gehorchen ), hervorgerufen.



5Mo 5,28-29


Obwohl der Herr die Antwort der Menschen anerkannte, wies er darauf hin, daß sie mit ihren guten Vorsätzen nicht durchkommen würden. (Zu "Gott fürchten" vgl. den Kommentar zu 5Mo 4,10 .)



5Mo 5,30-33


Wieder wird der göttliche Ursprung des Gesetzes betont. Die Menschen hörten die Zehn Gebote und wurden dann zu ihren Zelten fortgeschickt. Was Mose ihnen zu sagen hatte - alle Gebote, Anordnungen und Gesetze Gottes, beginnend in Kapitel 6 (vgl. 5Mo 6,1 ) -, war ebenso vom Herrn wie die Zehn Gebote. Von ihrem Gehorsam gegenüber allem, was Mose sie lehrte, würde ihr Erfolg im Land abhängen (vgl. 5Mo 6,3.24 ).



B. Die großen Gebote und Warnungen
( 5Mo 6-11 )


Nachdem er daran erinnerte hatte, wie er die Grundlage, die Zehn Gebote, die sie am Horeb gehört hatten, bekommen hatte, wandte sich Mose den Einzelheiten des Gesetzes zu, die sie aus Angst vor der Stimme Gottes nicht gehört hatten (vgl. 5Mo 5,25-27 ). Dementsprechend stehen die Kapitel 6-11 , die vielleicht "die großen Gebote und Warnungen" genannt werden könnten, mit der personalen Natur der Bundesbeziehung in Verbindung. Hier werden die Einzelheiten, die sich auf die ganze Hingabe des einzelnen an den Herrn beziehen, besprochen.



1. Das Gebot, den Herrn zu lieben
( 5Mo 6 )


a. Es verspricht Segnungen des Gehorsams
( 6,1-3 )


5Mo 6,1


Die Gesetzgebung in Kapitel 6-11 ist vielleicht als Ausdruck eines einzigen großen Gebotes zu sehen, nämlich den Herrn zu lieben mit ganzem Herzen ... ganzer Seele und ... Kraft ( 5Mo 6,5 ). Daher zeigt Gehorsam auf der Seite der Israeliten, daß sie Gott lieben. Jesus erklärte den Christen ein ähnliches Prinzip (vgl. Joh 14,21 ).



5Mo 6,2-3


Das Gesetz war gegeben worden, damit die Menschen ihre Verehrung ( Furcht ; vgl. den Kommentar zu 5Mo 4,10 ) und ihren Gehorsam gegenüber dem Herrn konkret ausdrücken konnten. (Die Notwendigkeit, ihm zu gehorchen, wird in 5.Mose wiederholt betont.) Wenn sie ihn fürchteten und ihm gehorchten, würden sie Erfolg (zu den Worten auf daß es ihnen gut gehe vgl. den Kommentar zu 5Mo 4,40 ) und ein langes Leben in ihrem neuen Land haben (vgl. 5Mo 4,10; 5,33 ), in dem Milch und Honig fließen (vgl. den Kommentar zu 2Mo 3,8 ).


b. Das Gebot und seine Bedeutung
( 6,4-9 )


5Mo 6,4


Dieser Vers ist das Schema genannt worden, was von dem hebr. Wort abgeleitet wurde, das mit höre übersetzt wird. Die Feststellung in diesem Vers ist (bis heute) das grundlegende Glaubensbekenntnis des Judentums. Der Vers bedeutet, daß der HERR (Jahwe) vollkommen einzigartig ist. Er allein ist Gott. Die Israeliten konnten daher ein Gefühl der Sicherheit haben, das für ihre polytheistischen Nachbarn völlig unmöglich war. Nur selten glaubten die Völker des Nahen Ostens, daß ihre "Götter" in Übereinstimmung und Harmonie miteinander handelten. Jeder Gott war unberechenbar und moralisch launenhaft. So konnte ein heidnischer Beter niemals sicher sein, daß seine Treue einem Gott gegenüber helfen würde, ihn vor dem launenhaften Zorn eines anderen zu schützen. Die monotheistische Lehre der Israeliten enthob sie dieser Unsicherheit, weil sie nur mit einem Gott umgehen mußten, der mit ihnen auf der Grundlage eines offenbarten, konsequenten und wahren Gesetzes verkehrte. Dieses Bekenntnis zum Monotheismus schließt den biblischen Grundsatz der Trinität nicht aus. "Gott" ist Mehrzahl ( ?elOhIm ) und bedeutet möglicherweise die Trinität, und eins ( ?eHAD ) deutet vielleicht die Einheit der Personen in der Gottheit an (vgl. 1Mo 2,24 ,wo das gleiche Wort "eins" für Adam und Eva gebraucht wird).



5Mo 6,5


Den Herrn zu lieben bedeutet, mit ihm eine vertraute Beziehung einzugehen und seinen Geboten zu gehorchen.

Das Gebot, ihn zu lieben, wird in 5.Mose oft wiederholt (V. 5 ; 5Mo 7,9; 10,12; 11,1.13.22; 13,4; 19,9; 30,6.16.20 ). Das Lieben sollte von ganzem Herzen geschehen ( mit deinem ganzen Herzen ) und alle Seins- und Lebensbereiche eines Israeliten durchdringen ( Seele und Kraft ).



5Mo 6,6-9


Gottes Volk war verantwortlich dafür, über diese Gebote nachzusinnen und sie in seinem Herzen zu bewahren. Das befähigte es dazu, das Gesetz zu verstehen und es vollständig anzuwenden. Dann waren die Eltern in der Lage, es auch den Herzen ihrer Kinder einzuprägen. Die moralische und biblische Erziehung der Kinder wurde am besten nicht in einer täglichen, formalen Unterrichtseinheit durchgeführt, sondern indem die Eltern, die um ihr eigenes Leben ebenso besorgt waren, wie um das ihrer Kinder, Gott und sein Wort zum normalen Gesprächsthema machten, das überall und jederzeit am Tag vorkommen konnte (V. 7 ).

Die Gebote zu binden und zu schreiben sind von manchen späteren jüdischen Lesern wörtlich genommen worden. Wahrscheinlich betonen die Gebote jedoch symbolisch die Notwendigkeit des dauernden Lehrens des Gesetzes (vgl. 2Mo 13,9.16 ).



c. Die Warnung vor Wohlstand
( 6,10-19 )


5Mo 6,10-12


Der Herr war in der Nähe, um den Israeliten dauerhaften Wohlstand in ihrem neuen Land zu geben. Aber dem Wohlstand haftet eine Gefahr an, denn wenn ein Mensch Erfolg hat, neigt er dazu, Gott zu vergessen (vgl. Spr 30,7-9 ). David war auf der Spitze seines Wohlstandes, als er seine schlimmsten Taten und Treulosigkeiten beging ( 2Sam 11 ).



5Mo 6,13-19


Wenn die Israeliten zu Wohlstand kämen, sollten sie noch sorgfältiger darauf achten, ihn zu fürchten (vgl. den Kommentar zu 5Mo 4,10 ) und ihm zu dienen. Das Gebot, beim Namen des HERRN zu schwören (Eid ... ablegen) , verstärkt die Anweisung, ihn zu fürchten. Wenn jemand bei dem Gott schwört, den er fürchtet, so heißt das, daß er diesem Gott auch zur Erfüllung seines Eides verpflichtet ist. Wenn sie Gott vergessen würden (V. 12 ), würden sie fast selbstverständlich anderen Göttern folgen , weil Gott die Menschen nicht nur mit der Fähigkeit zur Anbetung, sondern auch mit dem Bedürfnis nach Anbetung geschaffen hat. Dieser Akt der Untreue würde im Gericht enden, weil der HERR ... ein eifersüchtiger Gott ist (vgl. 5Mo 4,24; 5,9; 32,16.21 ). Das bedeutet, daß er eifrig schützt, was ihm allein gehört . Eifersüchtig in diesem Sinn ist ethisch richtig. Eifersüchtig sein im Sinne von Mißgunst gegenüber den Besitztümern oder Privilegien anderer ist natürlich falsch.

Mose sah eine andere Sünde voraus, in die die Israeliten im neuen Land vielleicht geraten könnten, nämlich den Herrn zu versuchen ( 5Mo 6,16 ). Dies war zugleich ein Hinweis darauf, daß die Menschen manchmal in Bedrängnis kommen würden, wie es in Massa geschehen war (vgl. 2Mo 17,1-7 ), wo sie Wassermangel hatten und dachten, sie würden verdursten. Statt Gott in dieser Prüfung zu vertrauen, versuchten sie ihn durch Klagen und Vorwürfe. In Zukunft sollten sich die Israeliten an diesen unangenehmen Vorfall erinnern. Sie sollten wissen, daß, wenn sie seinen Geboten, Bestimmungen und Anordnungen (vgl. 5Mo 4,45; 6,1.20 ) gehorchen und das Richtige und Gute tun würden, es ihnen gut gehen würde (vgl. V. 3 ), welche Bedrängnis sie auch immer treffen würde.



d. Die Weitergabe des Bundes
( 6,20-25 )


5Mo 6,20-25


Wieder einmal erinnerte Mose seine Zuhörerschaft daran, daß es unbedingt nötig sei, die Bedeutung des Bundes den Kindern zu vermitteln. Die Situation, die hier beschrieben wird, ist eine konkrete Erläuterung des Gebotes in Vers 6-9 . Mose stellt sich ein Haus vor, wo das Wort Gottes offen als ein Teil des alltäglichen Lebens besprochen wird. Wenn ein junger Sohn nach der Bedeutung des israelitischen Gesetzes fragte, mußte sein Vater versuchen, es ihm nach folgender Vorlage zu erklären. Erstens: Die Israeliten waren in Ägypten in Gefangenschaft (V. 21 a). Zweitens: Gott hat die Israeliten wunderbarerweise befreit (V. 21 b; vgl. 5Mo 4,20 ) und die Ägypter gerichtet ( 5Mo 6,22 ). Drittens: Dieses unfaßbare Werk stand mit seiner alten Verheißung an die Patriarchen (Abraham, Isaak und Jakob) in Verbindung, aus ihren Nachkommen im Land Kanaan eine Nation zu machen (V. 23 ; vgl. 1Mo 15,18-21; 17,7-8; 26,3-5;28,13-15 ). Viertens: Gott hat sein Wort in Form von Anweisungen gegeben, so daß die Israeliten immer Erfolg haben durften (vgl. 5Mo 5,33 ), wenn sie gehorchten und Gott fürchteten (vgl. 5Mo 4,10; 6,13 ). Zu Beginn dieses Kapitels hatte Mose die Notwendigkeit betont, daß Eltern ihn mit ihrem ganzen Sein lieben. Jetzt zum Schluß des Kapitels weist Mose darauf hin, daß es ein Aspekt der Liebe (und des Gehorsams) zu Gott ist, den Kindern die gleiche Liebe zu ihm weiterzugeben.



2. Heiliger Krieg
( 5Mo 7 )


a. Das Gebot, die Einwohner des Landes zu vernichten
( 7,1-5 )


5Mo 7,1-2


Die hier erwähnten sieben Völker repräsentieren die Einwohner des Landes Kanaan (vgl. 1Mo 15,19-21 ). Gott führte sechs dieser sieben Völker in seiner Rede an Mose auf ( 2Mo 3,17 ), also alle außer den Girgaschitern , die (wie die Hetiter ... Amoriter und Jebusiter ) aus Kanaan stammen ( 1Mo 10,15-16 ). Das Besondere in 5Mo 7,1-2 ist, daß Israel alle Völker bis an die Grenzen Kanaans vernichten sollte (vgl. den Kommentar zu diesen Völkern in 5Mo 20,17 ).

Das Gebot, sie vollständig , also alle Männer, Frauen und Kinder, zu vernichten, wurde zwar oft als unmoralisch und unvereinbar mit einem liebenden Gott empfunden. Verschiedene Dinge hinsichtlich dieser Menschen müssen aber berücksichtigt werden. Erstens verdienten sie wegen ihrer Sünde den Tod ( 5Mo 9,4-5 ). Studien zu ihrer Religion und Literatur und archäologische Reste machen offenkundig, daß sie zu dieser Zeit die moralisch lasterhafteste Kultur der Erde waren.

Zweitens beharrten sie in ihrem Haß auf Gott ( 5Mo 7,10 ). Hätten sie bereut, hätte Gott sie verschont, wie er die Einwohner von Ninive verschont hatte, die auf die Predigt Jonas hin Buße taten. Noch schien für diese Menschen aber Reue völlig außer Frage zu stehen.

Drittens bildeten die Kanaanäer ein moralisches Krebsgeschwür (vgl. 20,17-18 ; 4Mo 33,55; Jos 23,12-13 ), und auch nur einer von ihnen - auch ein Kind wird erwachsen - hätte die Möglichkeit gehabt, Götzendienst und Unmoral in Israel einzuführen, die sich rasch unter den Israeliten ausbreiten und über Gottes eigenes Volk Zerstörung bringen konnten.

Viertens sollen zwei mildernde Umstände erwähnt werden. In manchen Fällen konnte der Tod eines kanaanitischen Kindes ein Segen gewesen sein. Denn wenn ein Kind stirbt, bevor es alt genug zur Eigenverantwortlichkeit geworden ist, ist es wahrscheinlich, daß sein ewiges Geschick im Himmel in Sicherheit gebracht worden ist. Der zweite zu bedenkende Umstand ist, daß eines Tages Jesus Christus wiederkommen wird, um die unbußfertigen Gottlosen auf der Erde zu vernichten (obwohl nichts davon gesagt wird, daß er Kinder töten wird), und dieser "heilige Krieg" wird Israels heiligen Krieg als vergleichsweise harmlos erscheinen lassen ( 2Thes 2,5-10; Offb 19,11-21 ).

Hier ergibt sich also keine Spaltung zwischen dem Gott des Alten und dem Gott des Neuen Testaments. In beiden Testamenten offenbart er sich als liebender und gerechter Gott. Das Gebot, in einen heiligen Krieg zu ziehen, ist natürlich nicht auf heute übertragbar, weil Gott in der Gegenwart nicht durch eine einzelne Nation wirkt, um sein Königreich auf der Erde aufzurichten. Aber die heutigen Christen sollten von diesem Gebot lernen, daß sie gegenüber der Sünde in ihrem eigenen Leben ebenso unbarmherzig sein sollten wie Israel gegenüber den Kanaanitern.



5Mo 7,3-5


Das Verbot von Mischehen lehrt einiges über die menschliche Natur. Paulus legt dies Prinzip gut dar: "Wißt ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?" ( 1Kor 5,6 ) Die Heirat mit einem ungläubigen Kanaaniter war eine Katastrophe für den Glauben eines Israeliten. Mose erinnerte die Menschen ( 5Mo 7,4 b), daß das gerechte Schwert des Herrn die beiden Wege trennt. Die Kanaaniter sollten wegen ihrer Schlechtigkeit gerichtet werden; wenn sich die Israeliten ihrer Schlechtigkeit anschließen würden, sollten sie auch das Gericht mit ihnen teilen. Daher mußte alles, - auch die religiösen Gegenstände der Kanaaniter - was vielleicht die leiseste Neugier nach falscher Anbetung erwecken konnte, vollkommen ausgerottet werden. Die heiligen Steine (vgl. 5Mo 12,3; 2Mo 23,24; 34,13 ) waren vielleicht männliche Fruchtbarkeitssymbole und die Ascherapfähle hölzerne Stäbe zur Ehre der Gottheit Aschera, der Gemahlin Baals. Ähnliche Gebote wurden in 2Mo 34,11-15; 4Mo 33,50-52 und 5Mo 12,2-3 gegeben.



b. Die Grundlage des Gebotes
( 7,6-11 )


5Mo 7,6


Die Grundlage des Gebotes, die Kanaaniter zu vernichten, liegt in Israels Erwählung durch Gott. Das Wort, das mit erwählt übersetzt wird, bedeutet "für eine Aufgabe oder einen Beruf erwählt sein". Gott hatte Israel als sein Mittel, die Welt zu heiligen, erwählt. Deshalb waren sie heilig (in Gottes speziellem Sinn verstanden) und sein wertvoller Besitz (vgl. 5Mo 14,2; 26,18; Ps 135,4; Mal 3,17; vgl. den Kommentar zu 2Mo 19,5 ). Da die Kanaaniter das Land verunreinigten und weil sie Israels vollständige Unterwerfung unter Gottes Willen gefährdeten, mußten sie auch entweder Buße tun oder vernichtet werden. Wie wir sahen, hatten sie es 400 Jahre lang abgelehnt, Buße zu tun.



5Mo 7,7-8


Die Erwählung Israels durch Gott sollte niemals eine Quelle des Stolzes für das Volk sein. Denn Gott fand nie einen wirklichen Verdienst Israels, der ihn zu seiner Wahl bewegt hätte. In Wahrheit hätte seine geringe Größe als Hindernis für die Erwählung gereicht. Auf der anderen Seite nannte Mose zwei positive Gründe für Israels Erwählung durch Gott. Erstens: Der HERR liebte Israel. Diese göttliche Liebe ist letztlich ein Geheimnis, weil sie eben durch keinerlei Güte des Volk begründet war. Zweitens: Er wählte sie aufgrund eines Eides, den er Israels Vorvätern, Abraham, Isaak und Jakob, geschworen hatte (vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,35 ). Der Herr hatte den Patriarchen versprochen, daß ihre Nachkom men ein mächtiges Volk und Erben des Landes Kanaan werden würden ( 1Mo 17,7-8; 26,3-5.24; 28,13-15 ), und daß er immer treu zu seinem Wort stehen würde (vgl. Hebr 6,13-18 ). Aus diesem Grund führte er Israel aus dem Land der Sklaverei ... heraus (vgl. 2Mo 13,3.14; 20,2; 5Mo 5,6; 6,12; 8,14; 13,6.11 ).



5Mo 7,7-11


Mose wollte, daß die Israeliten zwei Folgerungen aus ihrer Erwählung und dem Loskauf durch Gott zögen. Erstens: Der HERR ist allein Gott . Er kann die Geschichte bestimmen, Völker erheben und wieder zu Fall bringen. Zweitens: Er ist der treue Gott . Die tausend Generationen sind ein sprichwörtlicher Ausdruck in der Bedeutung von "unendlich" oder "für immer". Auch wenn er seinen Bund der Liebe mit Israel (vgl. V. 12 ) niemals preisgeben wird, werden die ungehorsamen Einzelpersonen für ihre Sünde ebenso gerichtet, wie Gottes Feinde in anderen Völkern ( die, die ihn hassen ) durch ihn gerichtet werden. Deswegen mußte jeder einzelne Israelit sorgfältig Gottes Geboten folgen.



c. Die Belohnung für den Gehorsam
( 7,12-16 )


5Mo 7,12


Dieser Vers faßt Vers 12-16 zusammen. Wenn das Volk dem Herrn gehorsam ist, wird es seine Bundesliebe erfahren. Obwohl Gott den Bund wegen seiner Verheißungen an die Patriarchen ( Vorväter ; vgl. V. 8.13 ; vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,35 ) nicht preisgeben wird, können die Menschen die Segnungen des Bundes durch ihren eigenen Ungehorsam verwirken.



5Mo 7,13-15


Für ihren Gehorsam versprach Gott ihnen den Segen der menschlichen, tierischen und pflanzlichen Fruchtbarkeit in Israel. Die Israeliten konnten auch damit rechnen, von den schrecklichen Krankheiten, die in Ägypten üblich gewesen waren (vielleicht einschließlich der Geschwüre; vgl. 5Mo 28,27.60; 2Mo 15,26 ), verschont zu bleiben.



5Mo 7,16


Die Verpflichtung der Israeliten bestand darin, beim Betreten des Landes alle Menschen bis an die Grenzen Kanaans zu vernichten (vgl. V. 1-2 ). Wenn Israel dies nicht tun würde, würde es von ihnen und ihren Göttern betört werden (vgl. 2Mo 34,12-14 ) und würde als Folge davon die Segnungen, die gerade beschrieben wurden ( 5Mo 7,13-15 ), nicht erfahren. Vers 16 war für Mose eine natürliche Hinführung zu den Ermahnungen in Vers 17-26 .



d. Eine Ermutigung zum heiligen Krieg
( 7,17-26 )


5Mo 7,17-26


Mose kannte die Herzen der Israeliten. Er erinnerte daran, wie 40 Jahre zuvor die Anakiter ihre Herzen hatten schmelzen lassen ( 5Mo 1,26-28 ). So beendete er diesen Teil seiner Rede (über den heiligen Krieg), indem er die Schlachten in die richtige Perspektive rückte. Die Israeliten sollten sich nicht auf die Stärke ihrer Feinde konzentrieren, sondern auf die Großartigkeit des Herrn. Sie hatten die wunderbare Niederlage des Pharaos durch wunderbare Zeichen und Wunder (die 10 Plagen) gesehen. Diese waren durch seine mächtige Hand und seinen ausgereckten Arm (vgl. 5Mo 4,34; 5,15; 11,2 ), also durch Gottes Stärke, geschehen. Israel konnte erwarten, zu sehen, wie die Geschichte sich in der Vernichtung der Kanaaniter wiederholen würde ( der HERR, euer Gott, wird das gleiche tun , 5Mo 7,19 ).

Gott würde bewirken, daß Israels Feinde in eine Schlacht ziehen würden, als würden sie von einem Schwarm Hornissen angegriffen (vgl. 2Mo 23,28; Jos 24,12 ). (Manche meinen, der Hinweis auf die Hornissen sei wörtlich zu verstehen; andere sehen darin einen Verweis auf die ägyptische Armee.) Die Feinde hatten wirklich Angst vor Israel ( 2Mo 15,15; 4Mo 22,3; Jos 2,9-11.24; 5,1; 9,24 ). Gott würde Israels Feinde in große Verwirrung stürzen ( 5Mo 7,23 ), das bedeutet, daß eine göttlich inspirierte Panik die Kanaaniter überfallen und sie hilflos der Schlacht ausliefern würde (V. 24 ). Alles dies würde nach einem gut konzipierten Plan vor sich gehen ( Stück für Stück , V. 22 ), so daß das Land nicht zu schnell entvölkert und von wilden Tieren überrannt werden würde.

Die Israeliten konnten von diesem großartigen Sieg überzeugt sein, wenn sie nur den Glauben, die Schlacht zu beginnen, und nachher die Disziplin, die zurückgelassenen Götzen mit dem Silber und Gold zu vernichten, hätten. Anderenfalls würden die Israeliten vom Götzendienst gefangen werden, und dann würden sie die Feinde im heiligen Krieg des Herrn sein. Die kanaanitischen Götzen, von denen einige sexuelle Perversionen forderten, waren für Gott verabscheuungswürdig. Deshalb sollte auch sein Volk sie verabscheuen, denn die Bilder waren zur Zerstörung bestimmt ( beiseite tun , HErem ; vgl. den Kommentar zu Jos 6,21 ).

 

3. Eine Warnung vor dem Geist der Unabhängigkeit
( 5Mo 8 )


a. Eine Mahnung zur Erinnerung an die Wüste
( 8,1-6 )


5Mo 8,1


Dieser einführende Vers erinnerte die Israeliten wieder daran, daß das Geschenk des Lebens und der Fruchtbarkeit in dem von Gott versprochenen Land den Gläubigen nicht automatisch zufiel, sondern eine Folge des Gehorsams war. Die Erfahrungen in der Wüste waren dazu bestimmt, Gehorsam und Treue im Volk zu wecken. Den Menschen wurde gesagt, daß sie sorgsam darauf achten sollten (vgl. 5Mo 4,9 ), jedes Gebot von Gott zu befolgen.



5Mo 8,2-3


Als Mose sagte, daß Gott die Israeliten auf die Probe stelle, um zu erfahren, was in ihren Herzen sei , benutzte er einen Anthropomorphismus. Gott wußte natürlich immer, was in ihren Herzen war. Gemeint ist natürlich, daß ihr Gehorsam oder Ungehorsam in der Geschichte erprobt werden sollte.

Gott führte sie in die Wüste, wo sie keine andere Wahl hatten, als ihm zu vertrauen oder gegen ihn zu murren. In der Wüste konnten sie keine eigene Nahrung produzieren, sondern waren in bezug auf Nahrung und so auch in bezug auf ihr Leben auf Gott angewiesen. Als Mose sie daran erinnerte, daß sie nicht vom Brot allein lebten , meinte er, daß auch ihre Nahrung von Gottes Wort verfügt worden war. Sie hatten Manna, weil es auf sein Gebot hin vom Himmel fiel. So war es letztlich nicht das Brot, das sie am Leben erhielt, sondern sein Wort. "Brot allein", also Brot, das unabhängig von seinem Wort erworben wurde, konnte sie nicht am Leben erhalten.

Deswegen widerstand Jesus Satans Versuchung, Steine in Brot zu verwandeln, als er in der Wüste war ( Mt 4,3-4 ). Jesus wußte, daß Gott diese Steine nicht zu seiner Nahrung bestimmt hatte, und ebenso, daß sein Vater ihm unabhängig davon, ob der Sohn auf den Vorschlag des Satans hin ein Wunder tun würde oder nicht, Nahrung verschaffen konnte (vgl. Mt 7,9 ).



5Mo 8,4-6


Der Herr erzog Israel, indem er es in allen Dingen, wie Nahrung, Wasser und Kleidung, von sich abhängig machte. Weil all das durch seinen Willen bestimmt war, war es die einzig logische Antwort, die Gebote des Herrn zu beachten (gehorchen), ihm zu folgen und ihn zu verehren. "Verehren" ist die Übersetzung eines Wortes, das eigentlich "fürchten" bedeutet. Es geht also um die Furcht davor, dem Einen nicht zu gehorchen, der so mächtig und heilig ist.

 

b. Eine Ermahnung, Gott nicht zu vergessen
( 8,7-20 )


5Mo 8,7-9


Im Gegensatz zur Härte der Wüste beschreiben diese Verse den Überfluß in Israels neuem Land. Es war überreich an Wasser (ebenso lebensnotwendig für Pflanzen wie zur Erhaltung von tierischem und menschlichem Leben); überreich an landwirtschaftlichen Produkten wie Getreide (Weizen, Gerste), Früchte (Trauben, Feigen, Granatäpfel), Olivenöl und Honig; und überreich an Mineralien. (Eisen und Kupfer sind in den Hügeln südlich des Toten Meeres entdeckt worden.) Die Menschen würden an nichts Mangel haben (vgl. Ps 23,1 ).



5Mo 8,10-18


Mose sprach dann über die Gefahr, die dem großem Wohlstand innewohnt. Während sie sich in der Wüste in bezug auf die lebensnotwendigen Dinge auf Gott verlassen mußten, könnte ihr neugewonnener Wohlstand die Notwendigkeit derselben Abhängigkeit verschleiern. Mose nannte ein sicheres Schutzmittel vor dieser Gefahr: Preise den HERRN, deinen Gott . Wenn der Lobpreis Gottes für seine Segnungen ausbleibt, ist das tatsächlich ein Schritt zum Vergessen Gottes und dann zum Ungehorsam gegen seine Gebote.

Ein Israelit, der aufhören würde, den Herrn zu preisen, würde feststellen, daß sein Herz in seinem Überfluß (V. 12-13 ; vgl. Hos 13,6 ) stolz geworden war (V. 14 ). Er würde die wunderbare Befreiung aus Ägypten ..., dem Land der Sklaverei (vgl. 5Mo 5,6; 6,12; 7,8; 13,6.11; 2Mo 13,3.14; 20,2 ), und die Wüste (vgl. 5Mo 1,19;32,10 ) mit ihren giftigen Schlangen (vgl. 4Mo 21,6-7 ) und Skorpionen vergessen (vgl. 5Mo 8,11.14; vgl. den Kommentar zu 5Mo 4,9 ). (Dies ist der einzige Verweis auf die Skorpione zur Zeit der Wüstenwanderung in den 5 Büchern Mose.) Solch eine Person, die sich nicht daran erinnern würde, wie Wasser ( 2Mo 15,25.27; 17,5-7 ) und Manna ( 2Mo 16 ) in der Wüste beschafft worden waren, würde geneigt sein, an ihre eigenen Fähigkeiten zum Schaffen des Reichtums zu glauben ( meine Kraft und Stärke ), obwohl er in Wirklichkeit genauso ein Geschenk Gottes war, wie es das Wasser aus dem harten Felsen in der Wüste gewesen war. Die Beschaffung von Manna war ein Test, um zu sehen, ob Israel sich auf Gottes Wort verlassen würde (vgl. den Kommentar zu 2Mo 16,4 ). Sich auf Gott zu verlassen ist Demut (vgl. 5Mo 8,3 ). Die Menschen konnten den Stolz auf ihren Reichtum und ihre Stärke vermeiden, indem sie sich immer wieder an den Herrn und die Lehre der Wüste erinnerten: Alles im Leben ist ein Geschenk Gottes, und nichts ist ohne ihn möglich (V. 18 ).



5Mo 8,19-20


Ebenso wie das Versäumnis, Gott zu loben, dazu führen würde, ihn zu vergessen, würde diese Vergeßlichkeit dazu führen, andere Götter anzubeten. Das wiederum würde in der sicheren Vernichtung (Tod) enden. Wenn Moses Hörer zur Verdeutlichung ein Beispiel für nationale Vernichtung brauchten, war alles, was sie tun mußten, sich an die Völker zu erinnern, die der Herr vernichtet hatte, namentlich die Königreiche von Sihon und Og ( 5Mo 2,26-3,11 ).



5Mo 9,4-6


Nach der Erfahrung der großartigen Siege der Eroberung würde es für die Israeliten sehr leicht sein, stolz zu werden. Es würde auch leichter für sie sein, geistlich stolz zu werden, wenn sie die göttliche Gunst, die Gott ihnen mit diesen Siegen erwiesen hatte, bedachten. In jedem dieser drei Verse warnte Mose vor der Gefahr, einen selbstgerechten Geist zu entwickeln, indem er ihnen sagte, daß die Siege kein Ergebnis ihrer Gerechtigkeit sein würden.

Mose nannte ihnen stattdessen drei Gründe, weswegen Israel bei der Eroberung siegreich sein würde. Erstens: Die Schlechtigkeit dieser Völker (V. 4-5 ) war so groß, daß sie Gottes Gericht herbeirief. Gott ist zwar der Gott Israels, aber er ist auch der Gott aller Völker. Alle sind ihm verantwortlich. Zweitens: Gott würde Israel den Sieg geben, weil er es den Patriarchen geschworen hatte (vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,8; beachte 1Mo 15,13-21 ,wo es sowohl um Gottes Gericht über die bösen Amoriter als auch um die Landverheißung an Abraham geht).

Drittens: Der Herr gab Israel das Land als reines Gnadengeschenk, denn die Israeliten waren ein halsstarriges Volk , eigensinnig und ohne Einsicht ( 5Mo 9,6; vgl. V. 13 ; 5Mo 10,16; 31,27 ). Später wies Mose darauf hin, daß die Israeliten es gerade jetzt vielmehr verdienten, vernichtet zu werden ( 5Mo 9,13-14 ) als mit dem Geschenk des Landes gesegnet zu werden. So sollte Israel niemals wegen seiner Siege bei der Eroberung eine selbstgerechte Haltung entwickeln. Diese Siege würden ihnen wegen der Schlechtigkeit ihrer Feinde, wegen Gottes Verheißung und wegen Gottes Gnade gegeben werden.


Das fünfte Buch Mose

b. Eine Darstellung von Israels rebellischer Geschichte
( 9,7-10,11 )


(1) Das goldene Kalb ( 5Mo 9,7-21 )

5Mo 9,7-14


Dieser und der folgende Abschnitt ( 5Mo 9,22-10,11 ) sind ein mit guten Argumenten vorgebrachter Kommentar zur Bedeutung der Feststellung "du bist ein halsstarriges Volk" ( 5Mo 9,6 ). Die nachdrückliche Mahnung behalte das in Erinnerung und vergiß es niemals unterstreicht die Absurdität jeder Annahme Israels, daß das Land ihm als Belohnung für seine Gerechtigkeit gegeben worden war. Mose benutzte einen Vorfall aus ihrer Vergangenheit, nämlich die Anbetung des goldenen Kalbs, um zu verdeutlichen, daß die israelitische Geschichte fast immer eine Geschichte der Rebellion (V. 7 ) gegen Gottes Gnade gewesen war. Dieser Vorfall ( 2Mo 32 ) verdeutlicht vielleicht besser als jedes andere Beispiel in dieser Zeit Israels Verfallenheit in Sünde auf der einen Seite und Gottes Gnade auf der anderen Seite. Während Mose 40 Tage und 40 Nächte auf dem Berg Horeb (Sinai; vgl. 5Mo 1,2 ) fastete und deswegen vollkommen abhängig von Gott war, schmausten die Menschen. Während Mose die Zehn Gebote (die Tafeln des Bundes , 5Mo 9,9.11 ) durch den Finger Gottes erhielt (vgl. den Kommentar zu 2Mo 31,18 ), brachen die Menschen einige der Gebote, indem sie das goldene Kalb anbeteten (vgl. den Kommentar zu 2Mo 32,6 ). Während der Herr mit Mose den Bund schloß, wurden die Menschen verdorben und wandten sich schnell ab ( 5Mo 9,12 ). Sogar Gott selbst stellte fest, daß die Menschen halsstarrig seien (V. 13 ). Seine Rebellion war so groß, daß Gott das Volk vernichten und mit Mose ganz neu beginnen wollte (vgl. 2Mo 32,9-10 ).

 

5Mo 9,15-21


Diese Verse beschreiben Moses Reaktion auf die Sünde der Menschen. Die Tatsache, daß er erwähnt, daß sie sich schnell abgewandt hatten (vgl. V. 12 , "sind schnell abgewichen"), unterstreicht die Unbeständigkeit und die Größe der Sünde der Menschen. Als Mose die zwei Tafeln vor den Menschen in Stücke schlug, verdeutlichte er anschaulich, was sie mit ihrem Bund mit dem Herrn getan hatten. Sie hatten ihr Abkommen mit ihm verletzt ( 2Mo 24,3 ). Deswegen hatte der Herr das Recht, den Gesetzesbund vom Sinai aufzulösen.

Als zweites fastete und betete Mose 40 Tage und 40 Nächte lang ( 5Mo 9,18; vgl. V. 25 ; 5Mo 10,10 ). Im AT war es für die Menschen normal, in Zeiten der Buße zu fasten (vgl. Ri 20,26; 2Sam 12,16; 1Kö 21,27; Neh 1,4 ). Moses Fasten zeigt seine Einheit mit dem Volk und seinen Greuel vor ihrer Sünde. Ihr Übel hatte Gottes Ärger hervorgerufen ( 5Mo 9,18-20 ). Die Worte der HERR hörte mich lassen darauf schließen, daß Mose betete. Der Inhalt seiner Gebete wird in Vers 26-29 festgehalten. Nur in Vers 20 wird im AT davon berichtet, daß Mose für Aaron betete , um auch sein Leben zu retten. Moses vollständige Zerstörung des goldenen Kalbs - satirisch euer sündenvolles Ding genannt - machte jede Wiederverwendung des Goldes dieses Götzen unmöglich (vgl. den Kommentar zu 2Mo 32,20 ). Moses Niederreißen des Götzen macht auch deutlich, daß die Menschen selbst die völlige Vernichtung verdienten. Nur Gottes Gnade - hervorgerufen durch Moses Fürsprache - rettete die Menschen.



5Mo 9,22


(2) Andere Beispiele der Rebellion ( 5Mo 9,22-24 )

Dieser Vers deutet darauf hin, daß Mose ohne Unterbrechung unzählige Beispiele für die Rebellion der Israeliten hätte aufzählen können, die den Herrn geärgert hatten. Zu dem Vorfall in Tabera , wo die Menschen sich über ihr Schicksal beklagten, vgl. 4Mo 11,1-3 .Zur Rebellion in Massa , wo die Menschen sich über den Wassermangel beklagten, vgl. 2Mo 17,1-7 . Zum Aufstand am Kibrot-Taawa , wo die Menschen sich über das Manna beklagten, vgl. 4Mo 11,31-34 .



5Mo 9,23-24


Nachdem Gott bei dem Vorfall mit dem goldenen Kalb seine Gnade gezeigt hatte, indem er das Volk nicht vernichtet hatte, hätte man vielleicht eine bedeutende Wandlung der Herzen der Menschen erwarten können. Aber sie rebellierten gemeinsam wieder gegen ihren Gott, indem sie sich weigerten, Kadesch-Barnea zu verlassen und die Schlacht um ihr Land zu beginnen. So war Mose vollkommen gerechtfertigt, als er daraus schloß, daß die Israeliten bei jeder bedeutsamen Wendung in ihrer Geschichte rebellisch geworden waren. Auch Christen müssen mit der Gefahr der Rebellion gegen Gott rechnen, wenn sie aufhören, ihm zu vertrauen oder zu gehorchen, wie es Israel tat ( 1Kor 10,1-12 ). Sie sind genauso in allen Dingen zum Dank für Gottes Gnade verpflichtet wie die Israeliten der Wüstengeneration.



5Mo 9,25-29


(3) Moses Bitte ( 5Mo 9,25-29 )

Der Inhalt von Moses vermittelndem Gebet wird erst hier wiedergegeben, obwohl er in Vers 19 scheinbar besser aufgehoben gewesen wäre. Vielleicht findet er sich wegen der Worte von Vers 24 hier. Wenn die Menschen von Anfang an so rebellisch waren, warum beseitigte sie Gott dann nicht? Dieses Gebet offenbart die Antwort auf diese Frage.

Die Verse zeichnen eines der Mustergebete des AT auf. Die Erwähnung der 40 Tage und 40 Nächte erinnert an Moses Fasten (V. 18 ) und weist ebenso auf seine Ehrlichkeit hin wie auf sein Verständnis der Tragweite dieser Situation. Er war vollkommen mit Gottes Herrlichkeit und Ehre auf der Erde beschäftigt. Er bat nicht für Israel auf der Grundlage irgendeines seiner (Israels) Verdienste. Vielmehr "erinnerte" er Gott daran, daß Israel sein Eigentum sei (vgl. V. 29 und den Kommentar zu 5Mo 4,20 ). Deswegen würde Gottes Vernichtung Israels im Licht der Verheißung an die Patriarchen ( Abraham, Isaak und Jakob ; vgl. 5Mo 9,5; vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,8 ) seine Fähigkeit, seine Verheißung zu erfüllen, in Frage stellen ( 5Mo 9,28 ). Dieses Gebet enthielt auf Moses Seite keine Selbstgerechtigkeit. Statt dessen entsprang es der Sorge um Gottes Verehrung und aus der Bitte an ihn, wieder einmal seine Gnade durch die Vergebung von Eigensinnigkeit, Schlechtigkeit und Sünde (V. 27 ) des Volkes Gottes, seines Eigentums, das er aus Ägypten durch seine Macht (vgl. V. 26 ) und seinen ausgereckten Arm herausgeführt hatte, zu verdeutlichen (vgl. den Kommentar zu 5Mo 4,31 ).



5Mo 10,1-5


(4) Die Annahme der Bitte Moses ( 5Mo 10,1-11 )

Der Herr schrieb, indem er auf Moses Bitte, die Menschen nicht zu vernichten, antwortete, die Zehn Gebote noch einmal auf steinerne Tafeln. Das weist darauf hin, daß Gott den früheren Bund auflöste, der in 2Mo 24,3 abgeschlossen worden war. Möglicherweise enthielt jede der beiden Tafeln eine vollständige Ausgabe der Zehn Gebote . Das war beim Abschluß von Lehensverträgen im Alten Orient, mit denen 5.Mose bereits zuvor verglichen wurde, üblich. Nach Gottes Anweisungen machte Mose eine hölzerne Truhe oder Arche (vgl. 2Mo 25,10-16 ), in die die Tafeln hineingelegt wurden. Dies geschah natürlich in Verbindung mit dem Bau der Stiftshütte ( 2Mo 37,1-5; 40,20.21 ).



5Mo 10,6-9


Diese Verse sind vielleicht eine redaktionelle Einfügung (vgl. den Kommentar zu 5Mo 2,10-12 ). Als Israel in Moser war, starb Aaron . Nach 4Mo 20,28; 33,38 starb Aaron am Berg Hor. Möglicherweise war Moser das Gebiet, in dem der Berg Hor lag.

Die Erwähnung von Aarons Tod weist darauf hin, daß der Herr auch am Horeb Jahre zuvor Moses Bitte gewährt hatte, Aarons Leben zu schonen. Eleasar , Aarons dritter Sohn, wurde Hohepriester ( 5Mo 10,6 ), und den Leviten wurde die spezielle Verantwortung für die Stiftshütte (V. 8 ) übertragen. Zu anderen Einzelheiten über die Leviten vgl. den Kommentar zu 5Mo 18,1-8 .



5Mo 10,10-11


Als Mose zum zweiten Mal 40 Tage und Nächte lang auf dem Berg war (V. 1-5 ; vgl. das erste Mal, 5Mo 9,9 ), war er mit Fasten und Fürbitte für Israel beschäftigt ( 5Mo 9,18.25 ). Indem Gott einwilligte, das Volk nicht zu vernichten, beauftragte Gott Mose, die Menschen dahin zu führen, das Land zu besitzen.



5. Eine abschließende Mahnung zu völliger Verpflichtung gegenüber dem Herrn
( 10,12-11,32 )


a. Eine Mahnung, den Herrn wegen Israels Erwählung zu lieben
( 10,12-22 )


5Mo 10,12-13


Diese Verse sind eine einführende Zusammenfassung der allgemeinen Ermahnungen in Vers 14-22 . Nachdem er die Unmöglichkeit jeder Selbstgerechtigkeit ( 5Mo 8 ) und die Unmöglichkeit von geistlichem Stolz im Licht ihrer rebellischen Geschichte ( 5Mo 9,1-10,11 ) gezeigt hatte, ermahnte Mose Israel, sich an seine einzige Möglichkeit zum Überleben zu halten, der völligen Verpflichtung gegenüber dem Herrn. Das wird durch die verschiedenen benutzten Infinitive deutlich: zu fürchten (vgl. den Kommentar zu 5Mo 4,10 ), gehen ... lieben ... dienen und gehorchen . Solch eine Verpflichtung diente zu ihrem eigenen Besten (vgl. den Kommentar zu "es wird dir gut gehen", 5Mo 4,40 ).

 

5Mo 10,14-15


Der Herr sitzt im Himmel auf dem Thron und ist deswegen kein Teil der Schöpfung, sondern Herrscher über allem. Neben der Erschaffung des Universums waren Israel und alle Völker auf der Erde sein Eigentum. Aber er liebte die Patriarchen in besonderer Weise und erwählte sie dazu, in einer innigen Beziehung zu ihm zu leben. Er erwählte ... ihre Nachkommen bedeutet, daß er sie als seine Zeugen berief. So ist der erste Grund, weshalb Israel den Herrn lieben sollte, Gottes Schaffung einer Beziehung der Liebe mit diesem rebellischen Volk. Das gleiche Prinzip gilt für Gottes Beziehung zu den Gläubigen heute ( Röm 5,8; 1Joh 4,10 ).

 

5Mo 10,16-18


Ihre Herzen zu beschneiden war die richtige Antwort auf ihre Erwählung durch den herrschenden Herrn (vgl. 5Mo 30,6 ). Ein unbeschnittenes Herz zu haben bedeutet, einen Willen zu haben, der gegen Gottes Gebote verhärtet ist. Es ist eine andere Art auszudrücken, daß ein Mensch halsstarrig oder eigensinnig ist (vgl. 5Mo 9,6.13; 31,27 ). So geht das Gebot, sich die Herzen zu beschneiden, davon aus, daß menschliche Herzen von Natur aus rebellisch sind und Zurechtweisung benötigen. Obwohl menschliche Herzen nur schwer zu verändern sind, warnte Mose das Volk, daß kein Bestechungsgeschenk oder irgendetwas Geringeres als eine innerliche Umwandlung den Herrn, der der große Gott ist , befriedigen könne. Gottes Behandlung der Hilflosen ( die Waise ... die Witwe und der Fremde ) verdeutlicht weiterhin seinen absolut gerechten Charakter (indem er Unparteilichkeit zeigt) und unterstreicht seine Forderung an Israel, gerecht zu sein.


5Mo 10,19-22


Die Erwähnung des Fremden in Vers 18 erinnert an Gottes große Befreiung Israels mit großartigen und ehrfurchtgebietenden Wundern (V. 21 ), als sie Fremde in Ägypten waren (V. 19 ; vgl. 2Mo 23,9 ). Deswegen sollten die Israeliten ihn fürchten ... ihm dienen , daran festhalten (vgl. anhangen in 5Mo 11,22; 13,5; 30,20 ), und ihn preisen. Als eine weitere Ermutigung, dem Herrn treu zu sein, rief Mose die Menschen dazu auf, die Tatsache zu berücksichtigen, daß Gott schon einen Teil der Verheißung an Abraham durch die Vervielfachung ihrer Zahl wie die Sterne am Himmel erfüllt hatte (vgl. 15,5; 22,17; 26,4 ). Zu der Frage, ob 70 ( 2Mo 1,5 ) oder 75 ( Apg 7,14-15 ) Israeliten nach Ägypten zogen vgl. den Kommentar zu der angegebenen Stelle in der Apostelgeschichte.



b. Eine Erklärung, den Herrn wegen seiner mächtigen Taten zu lieben
( 11,1-7 )


5Mo 11,1


Wieder einmal legte Mose besonderen Nachdruck auf die Untrennbarkeit von Liebe und Gehorsam (vgl. 5Mo 6,5-6; 7,9; 10,12-13; 11,13.22;19,9; 30,6.8.16.20 ). Der letzte Test für die Liebe eines Israeliten zu Gott war es, ob er ihm gehorchte (vgl. Joh 14,15 ). Im Hebr. bedeutet das Gebot, den HERRN zu lieben , ihn für die innigste Beziehung zu erwählen und dann diese Wahl durch Gehorsam gegen seinen offenbarten Willen auszudrücken.

 

5Mo 11,2-7


Die ganze Geschichte Israels stand unter der Leitung des Herrn, der es dazu motivieren wollte, ihn uneingeschränkt zu lieben. Die Disziplin des Herrn weist auf Gottes moralische Erziehung seines Volkes hin. Wegen der Eigensinnigkeit des menschlichen Herzens braucht es sorgfältige und durchgreifende Methoden, um diesen Eigensinn zu bezwingen. So schickte Gott Israel in Ägypten "zur Schule", damit es von seiner Majestät und Kraft ( mächtige Hand und ausgereckter Arm ; vgl. 5Mo 4,34; 5,15; 7,19 ) lernen und mit dankbarem Gehorsam für seine Befreiung vom Pharao antworten könnte. Israel wurde eindeutige Zeichen gegeben ( 5Mo 11,3; die 10 Plagen), damit es seine Erfahrungen verstehen könnte. Der Vorfall am Roten Meer (wörtlich "See des (Papyrus-) Schilfs", vgl. den Kommentar zu 2Mo 14,2 ) und der folgende völlige Ruin der Ägypter ( 5Mo 11,4 ) konnte nur durch Gottes wunderbare Befreiung und Gericht erklärt werden.

Nach der ägyptischen Erfahrung schickte der Herr seine Kinder in der Wüste für 40 Jahre "in die Schule". Hier wurde ihre moralische Erziehung weiterhin vertieft, als sie in allen ihren Bedürfnissen völlig von ihm abhängig waren. Der unbestimmte Hinweis was er für euch tat (V. 5 ) erinnerte an Gottes Wunder für sein Volk in der Wüste, wie z. B. das Wasser aus dem Felsen ( 2Mo 17,1-7 ), das Manna und die Wachteln ( 2Mo 16 ). Gottes Erziehung hatte allerdings nicht immer nur positive Ergebnisse. Durch den Auszug lernten die Menschen Gottes Gnade und Macht kennen, und in der Wüste seinen fürsorglichen Schutz. Durch die Rebellion von Datan und Abiram ( 4Mo 16 ) lernte Israel dann Gottes Heiligkeit kennen. Hätte es nicht Moses Fürbitte gegeben, so hätte der Herr das ganze Volk wegen seines murrenden Unglaubens ( 4Mo 17,6 ) "vertilgt" ( 4Mo 17,10 ).

Mose ermahnte die Menschen, aus ihrer Vergangenheit zu lernen, weil Gott ihre Geschichte mit einem lehrhaften Ziel geplant hatte. Die Betonung auf eure eigenen Augen und die Erwähnung der Kinder , die die Ereignisse dieser Periode nicht sahen ( 5Mo 11,2 ), wies auf die elterliche Verantwortung hin, ein lebendiges Beispiel des Gehorsams für die Kinder zu sein und die Wahrheiten, die sie aus eigener Erfahrung gelernt hatten, weiterzugeben.

 

c. Eine Ermahnung, Gottes Geboten zu gehorchen, weil Erfolg und Lebensdauer in dem neuen Land davon abhängen
( 11,8-25 )


5Mo 11,8-9


Mose wollte, daß die Menschen einen wichtigen Schluß aus seinem kurzen Überblick über ihre Geschichte (V. 1-7 ) zogen. Da Gott Israels vergangene Erfahrungen geplant hatte, um es moralisch zu erziehen, hätte es für das Volk klar sein müssen, daß das Erleben der Gnade oder des Gerichts Gottes von seinem moralischen Verhalten abhing. Deswegen konnten sie in dem neuen Land nur gedeihen, wenn sie alle Gebote Gottes beachteten (gehorchten). Die Stärke der Israeliten war direkt von ihrem Gehorsam abhängig. So war letztlich die übernatürliche Fähigkeit, stärkere Feinde zu besiegen, und die Fähigkeit, lange im Land zu leben (vgl. 5Mo 4,40; 5,16; 6,2; 25,15; 32,47 ), eine Frage der Moral, nicht der militärischen Geschicklichkeit. (Zu den Worten: das Land, wo Milch und Honig fließen , die häufiger in 5.Mose vorkommen, vgl. den Kommentar zu 2Mo 3,8 .)



5Mo 11,10-15


Die Erwähnung der Unterschiede zwischen dem verheißenen Land und Ägypten sind vielleicht durch die Erinnerung an Datan und Abiram veranlaßt worden (V. 6 ). Diese Männer hatten Ägypten "ein Land, darin Milch und Honig fließt" genannt und beklagt, daß Mose ihnen nichts Besseres gegeben hatte ( 4Mo 16,12-14 ). Allerdings hatte das Land Kanaan weit mehr landwirtschaftliche Möglichkeiten. Während die Menschen in Ägypten auf Bewässerung angewiesen waren, würde das Volk Gottes Regen vom Himmel haben, weil er das ganze Jahr über das Land wachte. Aber dieser Regen hing im Gegensatz zur Bewässerung nicht von menschlicher Erfindungsgabe oder Fähigkeit ab, sondern vielmehr vom Willen Israels, den Geboten desjenigen, der den Regen macht, zu gehorchen. Dies bedingte, ihn zu lieben und ihm zu dienen (vgl. 5Mo 10,12 ). Der Herbstregen (auch der Frühregen genannt) kommt im September/Oktober, der Frühlingsregen (auch Spätregen genannt) im März/April (vgl. Joe 2,23 ). Diese Regengüsse beginnen und beenden die Regenperiode. Die Regengüsse sind notwendig, damit Pflanzen und Bäume, wie Getreide (Weizen, Flachs und Gerste), Reben (Wein), Olivenbäume (Öl) und Gras auf den Wiesen wachsen können.



5Mo 11,16-21


Gott warnte Israel noch einmal durch Mose vor der Anbetung anderer Götter . Dies hängt mit Vers 13-15 eng zusammen, weil viele der Götter, die in Kanaan angebetet wurden, Fruchtbarkeitsgottheiten waren, also Götter des Getreides, des Öls, des Regens usw. Wenn das Volk Israel nicht besonders vorsichtig (vgl. den Kommentar zu 5Mo 4,9 ) war, konnte es leicht von seinen heidnischen Nachbarn dazu verführt werden, an der sinnlichen Anbetung dieser Gottheiten teilzunehmen. Das Vertrauen auf den Herrn für die Fruchtbarkeit des Landes würde sich leicht auf einen oder mehrere dieser falschen Götter übertragen lassen. Diese Anbetung, die vom Gebiet der Ethik losgelöst war und die rituelle Sexualität betonte, machte solchen Eindruck auf die menschlichen Herzen, daß unvorsichtige und moralisch undisziplinierte Israeliten in diesem fatalen Spinnennetz gefangengenommen werden konnten.

Der Zorn Gottes, der sich in einer Hungersnot ausdrückte, ( er wird den Himmel schließen ), konnte durch das Fernhalten von der Anbetung falscher Götter vermieden werden. Dies war göttliche Ironie, weil Israels Versuch, den Regen durch die Anbetung kanaanäischer Gottheiten sicherzustellen, darin enden würde, daß Gott den Regen zurückhalten würde!

Jedenfalls war ihr Wille, die Sünde zu vermeiden, so schwach, daß er nur durch das sorgfältige Beachten der Worte Moses über die göttliche Gnade und Befreiung und über Sünde und das Gericht aufrechterhalten werden konnte. Sie mußten sich diese Worte ... in ihre Herzen (vgl. 5Mo 6,6 ) und in ihre Gesinnung fest einprägen . (Zu dem Binden dieser Worte an die Hände und Stirne vgl. den Kommentar zu 5Mo 6,8 .) Nur wenn sie Gottes Wort in allen Bereichen ihres Lebens und ihrer Häuser Einfluß nehmen ließen und wenn sie ihre Kinder sorgfältig diese Dinge lehrten (vgl. 5Mo 6,7 ), konnte das Volk hoffen, der Verführung zur falschen Anbetung zu entkommen und dauerhaften Wohlstand in dem Land, das der Herr ihnen durch einen Eid gegenüber ihren Vorvätern gegeben hatte (vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,35 ), zu finden.

Das gleiche Prinzip gilt für Christen heute. Das Gebot, die Heiligen Schriften zu kennen und zu beachten, bewahrt Gläubige vor zeitgenössischen Formen falscher Anbetung (vgl. 2Tim 3,1-9 mit 2Tim 3,14-17 ). Deswegen ermahnt Paulus alle Christen, "das Wort Christi reichlich in euch wohnen zu lassen" ( Kol 3,16 ).

 

5Mo 11,22-25


An dieser Stelle seiner Rede wandte Mose sich vom Thema des langen Lebens im Land dem Thema der erfolgreichen Eroberung des Landes zu. Die Menschen sollten den HERRN lieben (vgl. 5Mo 6,5 ). Gehorsam gegenüber den speziellen Geboten war ein notwendiger Ausdruck der Liebe eines Menschen zu Gott (vgl. 5Mo 11,1 ). Konsequente Treue zu ihm ( anhangen ; vgl. 5Mo 10,20; 13,5; 30,20 ) war ein Zeichen der Liebe.

In Erwiderung ihres Gehorsams würde der Herr Israel übernatürlichen Erfolg gegen überlegene (größere und stärkere) feindliche Armeen gewähren. Er würde Schrecken und Angst unter ihre Feinde bringen, so daß sie nicht erfolgreich gegen Israel kämpfen konnten. Rahabs Worte zu den Spionen, "ich weiß, daß der Herr euch das Land gegeben hat, denn ein Schrecken vor euch ist über uns gefallen" ( Jos 2,9 ), sind ein Beispiel der Erfüllung dieser Verheißung (vgl. 2Mo 15,15-16; 5Mo 2,25; 28,10; Jos 2,11.24; 5,1 ). Hätte Israel Gott weiterhin treu gehorcht, hätten sich seine Grenzen vergrößert ( 5Mo 11,24; vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,7 ), um die Verheißung an Abraham zu erfüllen ( 1Mo 15,18 ). Aber wegen Israels Ungehorsam liegt die Erfüllung der Verheißung für das ganze Land noch immer in der Zukunft.

 

d. Die Segnungen und Verwünschungen am Berg Ebal und am Berg Garizim
( 11,26-32 )


5Mo 11,26-32


Zu Einzelheiten zu diesen Versen vgl. den Kommentar zu Kapitel 27-28 . 5Mo 11,26-32 bilden einen passenden Abschluß dieses Teils der Rede Moses. Noch einmal unterstreicht Mose, daß die Geschichte Israels von dessen ethischer Beziehung zu dem Herrn abhängt.



C. Einzelne Gesetzesbestimmungen
( 12,1-26,15 )


1. Die Einführung
( 12,1 )


5Mo 12,1


Die Gebote und Gesetze, die in diesem Teil der Rede Moses folgen ( 5Mo 12,2-26,15 ), sollten nicht umfassend sein. Es war nicht Moses Absicht, viele der Einzelheiten und Gesetze, die in 2.Mose und 3.Mose festgehalten worden waren, zu wiederholen. 5.Mose ist gepredigtes Gesetz (oder besser "Unterricht"; vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,5 ). Mose stellte dem Volk keinen vollständigen Gesetzeskodex, der jede Einzelheit des Lebens bestimmte, sondern vielmehr eine Lebensqualität vor Augen. Die speziellen Gesetze in diesem Abschnitt wurden den Menschen als Hilfe gegeben, jeden Lebensbereich dem Herrn zu unterstellen und alles auszurotten, was diese echte Hingabe bedrohen könnte.

Diese Gesetze wurden speziell mit Hinblick auf das verheißene Land gegeben: Folgt diesen Geboten sorgfältig (vgl. den Kommentar zu 5Mo 4,9 ) in dem Land . Weil die Erfüllung des Wortes Gottes absolut zuverlässig ist, konnte Mose den Israeliten in der Ebene Moabs, noch außerhalb der Grenzen des verheißenen Landes, sagen, daß der Herr ihnen das Land gegeben hatte. Mit dem sicheren Geschenk des Landes im Sinn sollten die Menschen aufmerksam auf diese Gebote und Gesetze hören. (Zum Titel der Gott eurer Väter , vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,11; vgl. 5Mo 1,21; 4,1; 6,3; 27,3 .)



2. Das Gesetz der alleinigen Heiligkeit
( 12,2-28 )


a. Das Gebot, kanaanäische Anbetungsstätten zu zerstören
( 12,2-4 )


5Mo 12,2-4


Berge und Hügel waren in manchen Religionen des Alten Orients von besonderer Bedeutung, weil man von vielen Gottheiten glaubte, daß sie dort ihren Ursprung hätten und dort wohnten. Der sich ausbreitende Baum war ebenso für die kanaanäische Anbetung von Fruchtbarkeitsgöttern wichtig. Die heiligen Steine (vgl. 5Mo 7,5; 2Mo 23,24; 34,13 ) waren vielleicht männliche Fruchtbarkeitssymbole, und die Ascherapfähle (vgl. 2Mo 34,13; 5Mo 7,5; 16,21 ) waren hölzerne Symbole der Fruchtbarkeitsgottheit Aschera, der Gemahlin Baals. Die Götzenbilder ( pAsIl ) waren vielleicht aus Stein.

Die vollständige Zerstörung dieser kultischen Objekte hatte den Sinn, die Versuchung der Anbetung ihrer Götter zu beseitigen und die Verunreinigung der reinen Anbetung des Herrn durch heidnische Rituale und Objekte zu beenden ( 5Mo 12,4 ). Der Herr würde eine geteilte Hingabe nicht hinnehmen. Mit der Zerstörung dieser kultischen Objekte und Orte konnten die Israeliten ihre vollständige Treue ihm gegenüber zum Ausdruck bringen. Ebenso konnten die Israeliten zeigen, daß sie nicht an die Existenz der kanaanäischen Gottheiten glaubten und deswegen keine Angst vor ihrer "Vergeltung" hatten.


Das fünfte Buch Mose

b. Die Unterweisung über den Ort der Anbetung
( 12,5-7 )


5Mo 12,5


Wenn Israel das verheißene Land betreten würde, würde Gott einen Platz auswählen ... um seinen Namen dort niederzulegen (vgl. V. 11.21 ; 5Mo 14,23-24; 16,2.6.11; 26,2 ), das bedeutet, daß er einen Ort für die Stiftshütte auswählen würde, den Platz, an dem sich Gott und die Menschen begegnen würden (vgl. 2Mo 33,7-11 ). Dieses Gebot bedeutete nicht, daß das Zelt immer am selben Platz stehen würde, weil es auf Gottes Gebot hin umhergetragen wurde. Die letztendliche Erfüllung dieses Gebotes geschah Jahrhunderte später, als Gott David das Zelt nach Jerusalem tragen ließ, wo sein Sohn Salomo den Tempel baute. Das Gebot eines einzigen Heiligtums förderte oder betonte drei Dinge: die Einheit Gottes (z. B.: er ist einer, nicht viele), die Reinheit der israelitischen Anbetung des Herrn und die politische und geistliche Einheit der Menschen.



5Mo 12,6


Die Brandopfer ( 3Mo 1 ), die zum Ort der Anbetung gebracht werden sollten, mußten vollständig auf dem Altar verbrannt werden. Sie wurden zu verschiedenen Zeiten als Ausdruck der vollkommenen Abhängigkeit des Anbetenden vom Herrn dargebracht. Das Wort, das mit Schlachtopfer übersetzt wird ( zeBaH ), bezieht sich auf ein Opfer, das als Ausdruck von Wertschätzung gegeben wird, und es schloß eine gemeinsame Mahlzeit ein. Vielleicht war es ein Dankopfer ( 3Mo 7,12-15; 22,29-30 ) für etwas Besonderes, das Gott für einen Anbetenden getan hat. Oder es wurde vielleicht als Weiheopfer zur Erfüllung eines Gelübdes, das gegenüber dem Herrn abgelegt worden war, dargebracht ( 3Mo 7,16-17; 22,18-23 ). Vielleicht wurde es auch als ein freiwilliges Opfer dargebracht, wobei die Person Gott dankte ( 3Mo 7,16-17; 22,18-23 ), aber nicht notwendigerweise für etwas Bestimmtes. (Zum Zehnten vgl. den Kommentar zu 3Mo 27,30-32 und 5Mo 14,28 .Zum Gesetz des Erstgeborenen vgl. den Kommentar zu 5Mo 15,19-23 .) Die besonderen Geschenke (wörtlich: "was in der Hand aufgehoben ist") waren für die Priester gedacht.



5Mo 12,7


Ein israelitischer "Anbetungsgottesdienst" sollte durch Freude ( ihr und eure Familien sollt essen und fröhlich sein ) charakterisiert sein, wenn sie treu in ihrem neuen Land lebten, weil sie auf Gottes überreichen Segen rechnen konnten. "Fröhlich sein" in der Gegenwart des Herrn wird an verschiedenen Stellen in 5.Mose erwähnt (V. 7.12.18 ; 5Mo 14,26; 16,11; beachte auch 5Mo 16,14-15 ).



c. Die Unterweisung über die Zeit der Anbetung
( 12,8-14 )


5Mo 12,8-9


In Israels früherer Wüstenerfahrung hatte der Herr Mose angewiesen, die Menschen zu ermahnen, keine Kuh, Ziege und auch kein Schaf zu schlachten, ohne zuerst das Tier zum Eingang der Stiftshütte zu bringen, um es als Opfer für ihn darzubieten ( 3Mo 17,1-4 ). Dafür hatte Gott zwei Gründe. Erstens: Das Verbot wurde ausgesprochen, um die Israeliten vor heidnischer Anbetung zu bewahren ( 3Mo 17,5-9 ). Zweitens: Damit sollten die Anbetenden davor bewahrt werden, das Blut der Schlachtopfer zu essen ( 3Mo 17,10-13 ). Jeder tut, was ihm richtig erscheint deutet vielleicht auf eine gewisse Nachlässigkeit der Menschen in der Beachtung des Verbotes hin ( 3Mo 17,3-4 ). Mose könnte aber auch gemeint haben, daß eine gewisse Verwirrung darüber bestand, wie das ursprüngliche Verbot anzuwenden sei. Die folgende Gesetzgebung beseitigt jedenfalls jeden Mangel an Eindeutigkeit über das Essen und Opfern von Fleisch.

 

5Mo 12,10-14


Die Opfer ( Brandopfer ... Schlachtopfer ... der Zehnte ... besondere Geschenke und Gelübde usw; vgl. den Kommentar zu V. 6 ), entweder aus Fleisch oder aus Getreide, durften nur bei der Stiftshütte dargebracht werden (vgl. V. 17-18 ), dem Ort, den der HERR als Wohnort für seinen Namen auswählen würde (vgl. den Kommentar zu V. 5 ). Diese Anbetung sollte eine Zeit der Freude sein (V. 12 ).



d. Die Unterweisung, was bei der Anbetung zu opfern ist
( 12,15-28 )


5Mo 12,15-16


Wilde Tiere und Tiere, die für ein Schlachtopfer in Frage kamen, konnten, ohne zum zentralen Heiligtum gebracht worden zu sein, gegessen werden, solange sie nicht als Opfer dargebracht werden sollten. Da ja solch ein Tier nicht für den Opfergottesdienst bestimmt war, war es gleichgültig, ob die Teilnehmer an dem Mahl kultisch unrein oder rein waren. (Die Zeremonialgesetze, vor allem in 3.Mose, hatten keinen ethischen Charakter, sondern sollten die Menschen über Gottes Natur, ihre menschliche Natur und ihre Beziehung zu Gott belehren. So bedeuten zum Beispiel die Zeremonialgesetze in 3Mo 12 über die Geburt von Kindern nicht, daß das Gebähren moralisch verwerflich sei.) Das Verbot, das Blut von Tieren zu essen, war allerdings noch immer in Kraft (vgl. den Kommentar zu 5Mo 12,23 ).



5Mo 12,17-19


Mose warnte die Menschen zum zweiten Mal (vgl. V. 13-14 ), daß alles, was zur Verwendung bei der Anbetung des Herrn bestimmt war, nur an der zukünftigen Stelle des zentralen Heiligtums gegessen werden dürfte. Auf diese Weise wurde die Reinheit der Anbetung bewahrt. Wiederum sprach Mose von der Anbetung als von einer Zeit der Freude (vgl. V. 12 ). Da ja die Leviten keinen Stammesanteil am Land hatten ( 5Mo 10,9;12,12 ), lebten sie in Städten zusammen mit den Stämmen (V. 18 ; 5Mo 14,29; 16,11 ). Die Menschen sollten für sie sorgen (vgl. 5Mo 14,27 ).



5Mo 12,20-28


Die Erlaubnis, Fleisch zu essen, das nicht zur Benutzung bei der Anbetung bestimmt war, und ohne es zum Heiligtum zu bringen, wird hier wiederholt (vgl. V. 15-16 ), aber es werden einige Einzelheiten hinzugefügt. Moderne Leser mögen diese Wiederholung etwas langweilig finden. Aber man sollte sich daran erinnern, daß 5.Mose den Israeliten ursprünglich in Form von Predigten vorgetragen wurde. Normalerweise ist die Wiederholung im Lernprozeß wichtig. Sie ist aber in der mündlichen Darbietung doppelt wichtig, weil die Zuhörer nicht die Möglichkeit haben, etwas "nachzulesen", was sie beim ersten Mal verpaßt haben.

Das frühere Verbot ( 3Mo 17,1-12 ), Fleisch zu essen, das nicht zuerst an der Stiftshütte geopfert worden war, sollte nur befolgt werden, solange die Israeliten in der Wüste waren, d. h. solange ihre "Häuser" in der Nähe des religiösen Heiligtums waren. Jetzt waren die Menschen im Begriff, in das verheißene Land zu ziehen, wo die Mehrheit zu weit vom zentralen Heiligtum entfernt leben würde, um alles Fleisch dorthin bringen zu können. So wurde es erlaubt, Tiere für "weltliche" Mahlzeiten zu Hause zu schlachten und zu essen.

Die Erlaubnis wurde jetzt in einer solchen Weise erteilt, daß die ursprüngliche Bedeutung des Gebotes ( 3Mo 17,1-12 ) bewahrt wurde. Das Verbot hatte den Sinn, die Verunreinigung der Anbetung durch kanaanäische Rituale zu verhindern. Außerdem sollte es verhindern, daß die Israeliten das Blut von Tieren aßen. Hier nun warnte Mose wieder davor, das Blut zu essen, unabhängig davon, ob das Tier zu Hause ( 5Mo 12,23-25; vgl, V. 16 ) oder am Heiligtum (V. 27 ) getötet wurde.

Das Blut symbolisierte das Leben ( das Blut ist das Leben , V. 23 ). Indem sich die Israeliten des Blutgenusses enthielten, bewiesen sie ihre Achtung vor dem Leben und letztlich vor dem Schöpfer des Lebens. Nach 3Mo 17,11 ist das Blut außerdem ein Lösegeld für die Sünden, so daß Blut heilig ist und nicht von Menschen verzehrt werden sollte. Mose bewahrte außerdem den ursprünglichen Sinn von 3.Mose, indem er erneut darauf hinwies, daß alle Opfer für den Herrn am zentralen Heiligtum dargebracht werden sollen ( 5Mo 12,26-27; vgl. V. 11.17-18 ). Das Blut von Brandopfern sollte neben den Altar geschüttet werden .

Das Neue Testament hat das Gesetz des einzigen Heiligtums abgeschafft, weil jeder Christ ein Heiligtum, ein "Tempel des lebendigen Gottes" ( 2Kor 6,16 ), geworden ist. Allerdings ist das ewige Prinzip, das sich im Gesetz des einzigen Heiligtums ausdrückt, noch immer in Kraft, weil Gott noch immer Reinheit in der Anbetung ( Joh 4,24 ) und die Einheit seines Volkes ( Phil 2,1-5 ) verlangt.

Jeder der drei Abschnitte dieses Kapitels endet mit der Ermahnung, sorgsam in der Ausführung der Anweisungen zu sein ( 5Mo 12,13.19.28; beachte auch 5Mo 1,30 ). Dies ist eine der vielen Hervorhebungen der Sorgfalt in 5.Mose, die notwendig waren, weil die Menschen dazu neigen, unvorsichtig und nachlässig zu sein.



3. Die Verdrängung des Götzendienstes
( 12,29-13,19 )


a. Vermeidung heidnischer, kultischer Praktiken
( 12,29-13,1 )


5Mo 12,29-30


Wieder einmal zielte Mose auf die Notwendigkeit ab, alle Kontakte mit heidnischen, kultischen Praktiken zu vermeiden. Diese Sünde war aus zwei Gründen widerwärtig. Erstens: Sie würde in das Kielwasser der Gnade des Herrn, das ist der Plan, daß der Herr die Völker vor ihnen dahinraffen würde, kommen. Trotz solcher göttlichen Gnade kann einfache Neugier Gläubige dazu führen, von götzendienenden Praktiken verführt zu werden (vgl. 5Mo 7,26 ). Dies macht anschaulich die Verdorbenheit des menschlichen Herzens und die schwache Natur der menschlichen Willensverpflichtung gegenüber dem heiligen Gott deutlich. Kein Wunder, daß Mose die Menschen wieder drängte, vorsichtig zu sein! (vgl. den Kommentar zu 5Mo 12,28 )

 

5Mo 12,31-13,1


Der zweite Grund für die widerwärtige Natur heidnischer Anbetung ist die Tiefe der Greuel, in die sie führt. Bei der Anbetung ihrer Götter vollbringen Heiden alle Arten verabscheuungswürdiger Dinge, die der Herr haßt. Das Schlimmste dieser "verabscheuungswürdigen Dinge" war das Kinderopfer. Diese Praxis, ihre Söhne und Töchter wie Schlachtopfer im Feuer zu verbrennen , war häufig mit der Anbetung des ammonitischen Gottes Moloch verbunden ( 3Mo 18,21; 20,2-5; 2Kö 23,10; Jer 32,35 ). Gottes Strafe für Kinderopfer war der Tod ( 3Mo 20,2-5 ). Salomo baute trotzdem einen Ort zur Anbetung des Moloch auf dem Ölberg ( 1Kö 11,7 ), und Ahas ( 2Chr 28,3 ) und Manasse ( 2Kö 21,6 ) opferten ihre eigenen Kinder im Feuer. Die Praxis der Kinderopfer wird als ausschlaggebender Grund für das Exil des nördlichen israelitischen Königreiches im achten Jh. v. Chr. genannt ( 2Kö 17,6.17 ). So führte die einfache Neugier auf üble religiöse Praktiken möglicherweise zur Vernichtung eines Volkes. Dieselbe Warnung ist vom Apostel Paulus wiederholt worden. "Denn was von ihnen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich" ( Eph 5,12 ).

 

b. Die Werbung für den Götzendienst durch einen falschen Propheten
( 13,2-6 )


5Mo 13,2-6


Nach dem generellen Verbot der Verwicklung in heidnische Anbetung ( 5Mo 12,29-13,1 ) legte Mose drei Wege dar, wie die Versuchung zum Götzendienst möglicherweise kommen könnte: Durch einen falschen Propheten ( 5Mo 13,2-6 ), durch einen geliebten Menschen (V. 7-12 ) oder durch "Revolutionäre", die eine ganze Stadt erfolgreich zum Abfall verführt hatten (V. 13-19 ).

Wunderbare Zeichen allein waren niemals als Test für die Wahrheit gedacht. Wunder geschehen in vielen Religionen, weil Satan falsche Religionen und falsche Propheten benutzt, um die Welt zu täuschen (vgl. 2Kor 11,13-15; Eph 6,11; Offb 12,9 ). Daher warnte Mose die Menschen, daß der Maßstab für die Wahrheit niemals ein wunderbares Zeichen oder Wunder (oder andere Bereiche der menschlichen Erfahrung) sein kann. Der Maßstab für die Wahrheit ist das Wort Gottes.

Die Prophezeiung eines Propheten oder Träumers kann wahr werden. Aber wenn seine Botschaft Gottes Geboten zuwiderlief, sollten die Menschen Gott und seinem Wort um vieles mehr vertrauen als ihrem Wundererlebnis. Wenn menschliche Erfahrung der klaren Unterweisung Gottes zu widersprechen schien, sollten sich die Israeliten in Gehorsam unter Gottes Gebote beugen, weil sein Wort Wahrheit ist (vgl. Joh 17,17 ).

Die Israeliten sollten jede Werbung zum Götzendienst als einen Test ihrer Liebe zu dem Herrn betrachten. Obwohl immer die Gefahr bestand, daß sie einer Versuchung erliegen könnten, würde mit jedem erfolgreichen Widerstand gegen die Sünde ihr Vertrauen in ihn und ihre Liebe zu ihm stärker werden (vgl. Jak 1,2-4 ). Sie sollten ihn lieben ... ihm nachfolgen ... ihn verehren ... ihm gehorchen ... dienen und fest zu ihm halten (vgl. 5Mo 10,20; 11,22; 30,20 ). Die Todesstrafe für einen falschen Propheten war angemessen, denn wenn er die Menschen erfolgreich zum Götzendienst verführen würde, würde er sie unter Gottes Gericht bringen (vgl. 5Mo 7,26 ). Einen falschen Propheten zu töten war ein Weg, um das Böse in Israel auszurotten . Die Notwendigkeit, die nationale Reinheit aufrecht zu erhalten, wurde von Mose sehr betont, denn das Gebot "das Böse aus deiner Mitte wegtun" kommt neunmal vor ( 5Mo 13,6; 17,7.12; 19,19; 21,21; 22,21.22.24; 24,7 ).



c. Die Werbung für den Götzendienst durch Familienmitglieder oder Freunde
( 13,7-12 )


5Mo 13,7-8


Vielleicht war die tragischste und schmerzhafteste aller Situationen, die Mose sich vorstellen konnte, die Versuchung zum Götzendienst durch eine geliebte Person. Er zeigte, daß er die Tiefe der Tragödie verstand, als er wohlüberlegt mit den bedeutsamen Worten: dein eigener Bruder ... die Frau, die du liebst (wörtlich: die Frau deines Herzens), oder dein bester Freund die verschiedenen Beziehungen beschrieb. Freunde versuchen oft, einander zu beeinflußen. Anders als im vorangegangenen Fall, wo falsche Propheten offen die Menschen zum Götzendienst zu verführen versuchten (V. 2-3 ), wurde diese Versuchung heimlich und persönlich übermittelt. Die Unsinnigkeit der Versuchung wird durch Moses Erklärung der anderen Götter unterstrichen. Sie sind Götter, die weder ihr noch eure Väter (Vorfahren) gekannt haben . Mose meinte nicht, daß die Menschen intellektuell nichts über diese Götter gewußt haben, aber sie haben nichts aus der Erfahrung über sie gewußt. Diese "anderen Götter" hatten nichts für Israel getan und würden auch niemals etwas tun, weil sie nicht existierten.



5Mo 13,9-11 a


Die Person, die versucht worden war, sollte zuerst antworten, indem sie der Versuchung nicht nachgab ( gib nicht nach ). Das Gebot, nicht auf ihn zu hören , bedeutete vielleicht, nicht auf seine dringende Bitte einzugehen, daß seine Wege geheim bleiben sollten. Da die Versuchung durch eine geliebte Person käme, würde die versuchte Person natürlich Mitleid oder andere Gefühle empfinden und würde vielleicht geneigt sein, die Sünde der geliebten Person zuzudecken ( ihn schützen ). Aber hier galt es wiederum, Gottes Gebote über die menschlichen Gefühle und Erfahrungen regieren zu lassen. Die versuchte Person sollte die geliebte Person vor das Volk stellen und dann tatsächlich der erste sein, der ihn zu Tode steinigte (vgl. Sach 13,3 ). Durch das Werfen des ersten Steines wurde geprüft, ob das Zeugnis des Anklägers wahr sei. Die Teilnahme des Restes der Gemeinschaft zeigte dann ihre Treue gegenüber dem Herrn und ihre vollkommene Feindschaft allem gegenüber, was die Treue gefährden und sie vom Herrn wegführen könnte.

 

5Mo 13,11-12 (5Mo 13,11b-12)


Die Folge eines solchen strengen Vorgehens würde sein, daß ganz Israel von dieser außerordentlichen Hingabe gegenüber dem Herrn hören und sich davor fürchten würde , ihm nicht zu gehorchen ( Apg 5,11 ). Das ist genau das, was Mose von den Menschen verlangte - eine außerordentliche Verpflichtung (alle anderen persönlichen Beziehungen übertreffend) Gott gegenüber, der dem Volk außerordentliche Gnade erwiesen hatte ( der dich aus Ägypten, aus dem Land der Sklaverei, herausgebracht hat ; vgl. 2Mo 13,3.14; 20,2; 5Mo 5,6; 6,12; 7,8; 8,14; 13,6 ). An diesen Satz hat Jesus vielleicht gedacht, als er von seinen Nachfolgern eine ähnliche Verpflichtung verlangte (vgl. Mt 10,34-39; Lk 14,26 ).

 

d. Die Zerstörung einer abtrünnigen Stadt
( 13,13-19 )


5Mo 13,13-14


Die Situation, die Mose sich vorstellte, war hier vielleicht die für das Volk als Ganzes gefährlichste. Verschiedene bösartige Männer können eine ganze Stadt in die Irre führen. Die Schlechtigkeit der Männer wurde besonders durch die Tatsache erhellt, daß sie eine der Städte, die der Herr Israel geben würde, täuschten.



5Mo 13,15-19


Die Bestrafung der Sünde mußte so drastisch sein, daß, bevor irgend etwas getan werden konnte, die Wahrheit des Berichtes durch eine gründliche Untersuchung bestätigt werden mußte. Wenn der Bericht bestätigt war, mußte die Stadt wie eine kanaanäische Stadt behandelt werden: Sie mußte für die vollständige Vernichtung der Menschen und des Viehbestandes (zu HAram , zerstöre es vollständig , vgl. den Kommentar zu 5Mo 7,26; Jos 6,21 ) abgesondert werden. Die Tatsache, daß die ganze Beute vernichtet werden mußte und daß die Stadt niemals wieder aufgebaut werden durfte, machte jede gierige oder ungesetzliche Motivation bei denen, die die Vernichtung ausführen sollten, unmöglich. Gehorsam gegenüber diesem Gebot würde eine moralische Reinigung des Landes und eine geistliche Erneuerung mit sich bringen. Dann würde der Herr die Menschen in Barmherzigkeit und Mitleid durch das Zunehmen ihrer Zahl, wie er es mit Eid versprochen hatte (vgl. 5Mo 4,31 ), gedeihen lassen.

Aber die meiste Zeit versagte Israel darin, die Gebote dieses Kapitels zu befolgen. Dieser Abfall führte dann zum Exil des nördlichen und später des südlichen Königreiches. Die Gebote dieses Kapitels sind nicht für Christen bestimmt, weil sie in keinem speziellen, von Gott erwählten Volk leben; das bedeutet, daß die neutestamentliche Kirche keine Theokratie ist. Allerdings sollte kirchliche Disziplin (Gemeindezucht) geübt werden ( Mt 18,15-17; 1Kor 5 ), und es gibt eine Sünde, die zum Tod führt ( 1Joh 5,16-17; vgl. Hebr 10,26-31 ).


Das fünfte Buch Mose

4. Gesetze, die die Heiligkeit des Volkes wiederspiegeln
( 5Mo 14 )


Ein Volk, das dem Herrn heilig ist, bedeutet, ein Volk zu sein, das von Gott zu seiner Verwendung abgesondert worden ist. Im vorangegangenen Abschnitt ( 5Mo 12,29-13,19 ) betonte Mose die Notwendigkeit für das Volk, sich in ihrer Anbetung von allen heidnischen Völkern abzusetzen. In Kapitel 14 richtete Mose seine Aufmerksamkeit auf die täglichen Dinge des Lebens und rief zu einem deutlich abgegrenzten Lebensstil, der Israels einzigartige Position unter allen Völkern wiederspiegeln sollte, auf.



a. Verbot von heidnischen Trauerriten
( 14,1-2 )


5Mo 14,1-2


Als Mose die Israeliten Kinder (wörtlich. "Söhne") des HERRN, unseres Gottes , nannte, bezog er sich nicht auf die Wiedergeburt oder Erneuerung. Vielmehr meinte er Israels besonderes Privileg als das eine Volk auf dem Angesicht der Erde, das eine intime Beziehung zu dem Herrn hat. Alle anderen Völker mußten durch den Dienst oder das Zeugnis des Volkes Israel zum Herrn kommen. Deswegen sollte Israel, ein Volk, heilig (abgesondert) dem HERRN, seine Heiligkeit vor den anderen Völkern zeigen. Ein einziges Volk, Israel, war Gottes auserwählter Besitz (vgl. 5Mo 7,6; 26,18; Ps 135,4; Mal 3,17; vgl. den Kommentar zu 2Mo 19,5 ).

Die anderen Völker hatten eigenartige und abergläubische Vorstellungen über das Sterben und den Tod. Einige beteten auch Totengeister an. Die genaue Bedeutung der Rituale, die hier erwähnt werden ( 5Mo 14,1 ) - sich für die Toten zerfleischen - ist heute unbekannt. Aber sich selbst Schnitte beizubringen und den Kopf zu rasieren waren Zeichen der Trauer (vgl. Jer 16,6; 41,5; 47,5; 48,37 ).

Jedenfalls ist es klar, daß diese Praktiken auf Vorstellungen über den Tod beruhen, die dem Glauben an den Herrn, der eigentlichen Quelle des Lebens, widersprechen. Wenn daher eine geliebte Person starb, sollten die Israeliten ihren Glauben an den Herrn beweisen, indem sie sich dieser heidnischen Praktiken enthielten. Heutzutage können Christen noch größeres Vertrauen beweisen, wenn eine gläubige, geliebte Person stirbt (vgl. 1Thes 4,13-18 ).

 

b. Reine und unreine Nahrung
( 14,3-21 )


Die genaue Bedeutung dieser Gesetze ist schon in vorchristlicher Zeit diskutiert worden. Vielleicht ist die populärste moderne Erklärung der Gesetze die, daß verschiedene Tiere aus hygienischen Gründen verboten waren. Die Kommentatoren weisen darauf hin, daß Schweinefleisch vielleicht eine Quelle der Krankheit Trichinose sein kann und daß der Hase ein Träger der Krankheit Tularemia ist. Allerdings machen verschiedene Anhaltspunkte diese Erklärung unwahrscheinlich: (1) Jesus erklärte, daß alle Nahrung als rein angesehen werden sollte ( Mk 7,14-23 ). Dies wurde in einer himmlischen Vision des Petrus ( Apg 10,9-23 ) wieder aufgegriffen, als die Anhänger Jesu den Kern seiner früheren Erklärung verfehlt zu haben schienen. Es ist schwierig zu glauben, daß Gott an der Gesundheit seines Volkes im AT Anteil nahm, diese Anteilnahme im NT aber aufgab. (2) Beim Essen mancher "reinen" Tiere könnte eine größere Gefahr für die Gesundheit bestanden haben als bei den "unreinen". (3) Es werden keine hygienischen Gründe dafür genannt, um den Gehorsam gegenüber dem Gesetz von rein und unrein zu begründen. Das AT stellt nicht fest, daß die Israeliten die unreinen Tiere als gefährlich für die Gesundheit ansahen.

Eine zweite populäre Interpretation des Verbotes von unreinen Tieren für die Nahrung ist, daß sie in heidnischen kultischen Riten gebraucht wurden. Ein Anhaltspunkt dafür ist, daß die unreinen Tiere ein "Greuel" genannt werden ( 5Mo 14,3 ). Dasselbe hebr. Wort wird an anderen Stellen in 5.Mose für die Wirkung von Götzendienst und anderen heidnischen Praktiken verwendet ( 5Mo 7,25; 12,31 ). Ebenso wurden manche unreinen Tiere (z. B. Schweine) in großem Umfang bei heidnischen Ritualen benutzt. Diese Erklärung erhellt allerdings so wenige der Angaben, daß sie auch nicht brauchbar ist. Man könnte Gegenbeispiele anführen. Zum Beispiel war der Stier, ein gängiges Symbol in den Religionen des Alten Orients, als Nahrung für die Israeliten erlaubt.

Eine dritte Erklärung ist, daß die reinen und unreinen Tiere Symbole des Guten und des Bösen im menschlichen Bereich waren. Diese Erklärung wurde durch frühere Ausleger des AT sehr subjektiv und auch phantasievoll vertreten. So behaupteten zum Beispiel einige, daß das Wiederkäuen ( 3Mo 14,6-8 ) den vertrauensvollen Gläubigen, der über das Gesetz nachdenkt, darstelle. Andere lehrten, daß das Schaf (V. 4 ) rein sei, weil es als Erinnerung daran diente, daß der Herr der Hirte seines Volkes ist. Diese symbolische Interpretation sollte zurückgewiesen werden, da sie sich von den Nachprüfungen der grammatischen historischen Auslegung unterscheidet und daher unmöglich für wahr erklärt werden kann. Eine symbolische Interpretation kann allerdings im Kern richtig sein, wenn sie unter strikter exegetischer Kontrolle auf alle zermoniell reinen und unreinen Tiere insgesamt angewandt wird.

Die Tiere werden in drei Klassen unterteilt: Diejenigen, die auf dem Land leben, die, die im Waser leben, und die, die in der Luft leben. Es ist angeregt worden, daß verschiedene Tiere in jeder Gruppe für die Norm dieser Klasse sorgen; jede Abweichung von der Norm macht das Tier unrein. Die unreinen Vögel zum Beispiel sind Raubvögel, die Fleisch fressen, ohne das Blut auslaufen zu lassen, und/oder sie sind Aasfresser, wohingegen reine Vögel wahrscheinlich die sind, die Getreide fressen. Dies symbolisiert, wie manche vorschlagen, die beiden Klassen der Menschen: Ungläubige, die tierisches Blut und tierisches Fleisch, das sie schon tot vorfinden (V. 21 ), essen, und Israeliten, die sich beider Dinge enthalten. Allerdings ist die Norm für jede Klasse manchmal schwierig zu bestimmen.

Eine vierte Erklärung ist, daß die Unterscheidung von reinen und unreinen Tieren vollkommen willkürlich ist, das bedeutet, daß Gott die Unterschiede machte, damit Israel einen Weg hätte, seine einzigartige Beziehung zu ihm, auch in bezug auf die Nahrung, zu zeigen. Von diesen vier Erklärungen ist entweder die dritte oder vierte vorzuziehen. Wenn die reinen und unreinen Tiere den menschlichen Bereich symbolisieren (dritte Erklärung), haben die Speisegesetze eine doppelte Funktion. Sie waren für Israel pädagogische Bilder seiner Beziehung zu Gott und zu den Völkern, und sie erinnerten es an seine Einzigartigkeit als theokratische Nation.



5Mo 14,3-8


Die genaue Identität einiger Tiere und Vögel, die in den Versen 3-18 aufgelistet werden, ist unsicher. Die Tiere in dieser ersten Gruppe sind solche, die auf dem Land gehen. Jedes Tier konnte gegessen werden, wenn es einen gespaltenen, in zwei Teile gegliederten Huf hatte und ... wiederkäute . Zehn solcher Tiere werden in den Versen 4-5 genannt. Diejenigen, auf die nur eines dieser Kriterien zutraf, wurden als zeremoniell unrein eingestuft. Das schloß das Kamel, den Hasen, das Kaninchen (oder Klippdachs) und das Schwein ein. Die Listen sind eindeutig eher repräsentativ als vollständig.

 

5Mo 14,9-20


Geschöpfe, die im Wasser schwimmen, konnten gegessen werden, wenn sie Flossen und Schuppen hatten. Andere durften nicht gegessen werden, weil sie unrein waren.

Die fliegenden Geschöpfe, die dritte Klasse, wurden in Vögel (V. 11-18 ) und Insekten (V. 19-20 ) unterteilt. Wie bereits erwähnt wurde, waren die unreinen Vögel - 21 von ihnen werden genannt - Raubvögel und/oder Aasfresser. Fliegende, schwärmende Insekten waren unrein , aber andere (z. B. Heuschrecke, Grille und Grashüpfer) waren reine Insekten (V. 20 ).



5Mo 14,21


Das Verbot, Fleisch von einem Tier, Vogel oder Insekt, das bereits tot aufgefunden worden war, zu essen, war vielleicht dazu bestimmt, Verunreinigung durch den Genuß von Blut zu verhindern, weil bei dem toten Tier das Blut nicht vollständig ausgelaufen war. Andere Menschen konnten es essen, aber Israel war ein anderes Volk, heilig dem HERRN .

Das Verbot, eine junge Ziege in der Milch seiner Mutter zu kochen , spiegelt vielleicht einen kanaanäischen Fruchtbarkeitsritus wieder, obwohl die Interpretation des ugaritischen Textes, der diese Sicht unterstützen soll, unsicher ist. Vielleicht meint das Verbot, daß die Israeliten nicht nehmen sollten, was dazu bestimmt war, Leben zu fördern (Ziegenmilch), um es dazu zu verwenden, Leben zu vernichten (vgl. den Kommentar zu dem parallelen Textabschnitt, 2Mo 23,19; vgl. 2Mo 34,26 ).

Zum Schluß gilt, daß alle diese Speisegesetze Israel an seinen einzigartigen Status vor Gott erinnern sollten. Kein Israelit konnte essen, ohne zu bedenken, daß er in jedem Bereich seines Lebens Gott geweiht war. Ebenso diente das tägliche Essen eines Israeliten in der Gegenwart von Ungläubigen als Zeugnis seiner Beziehung zum Herrn. Wie schon früher festgestellt, schaffte Gott im NT die Speisegesetze des AT ab ( Mk 7,14-23; Apg 10,9-23 ). Allerdings sollten die Christen ihre einzigartige Beziehung zu Gott durch die Reinheit ihres Lebens zeigen. Christen dürfen ihren Glauben und ihre einzigartige Beziehung zum Herrn zeigen, indem sie Gott, dem Schöpfer und Versorger aller Nahrung ( 1Tim 4,3-5 ), bei allen Mahlzeiten aufrichtigen Dank abstatten.

 

c. Das Gesetz des Zehnten
( 14,22-29 )


3Mo 14,22-23


Die Bestimmungen über den Zehnten von Ernte und Viehbestand - der in einem Gemeinschaftsmahl am zentralen Heiligtum gegessen werden sollte - waren mit den vorangegangenen Speisegesetzen verbunden (V. 3-21 ). Den Zehnten in der Gegenwart des Herrn zu essen, war ein anderer Weg, wie die Israeliten ihre einzigartige Beziehung zu und die Abhängigkeit von dem Herrn bezüglich ihrer Nahrung ausdrücken sollten. (Betreffs des Ortes, den Gott als Wohnort für seinen Namen auswählen würde , vgl. den Kommentar zu 3Mo 12,5; vgl. ebenso 5Mo 12,11; 16,2.6.11; 26,2 .) Ihr tägliches Essen war nicht nur darin beschränkt, was sie essen konnten, sondern auch auch darin, wieviel von ihrer Nahrung sie für sich selbst behalten durften. Das Gesetz des Zehnten mit seiner Vorsorge für die Versorgung der Armen ( 3Mo 14,28-29 ) nimmt auch die folgende Gesetzgebung ( 5Mo 15,1-8 ) bezüglich der Verschuldeten, Sklaven und anderen verarmten Menschen vorweg.

Gott betonte die absolute Notwendigkeit des Zehnten für die Israeliten: Sondere gewiß den Zehnten ab . Früher hatte Mose darauf hingewiesen, daß die Israeliten den Zehnten den Leviten geben sollten ( 4Mo 18,21-32 ). Jetzt fügte Mose eine neue Besonderheit zur Gesetzgebung des Zehnten hinzu. Die Israeliten sollten an ihrem Zehnten am zentralen Heiligtum Anteil haben und ihn dort in einem Gemeinschaftsmahl vor dem Herrn essen. Es könnte auch sein, daß dies ein zweiter Zehnter war (ein Zehnter von den verbliebenen 90%), von dem ein Teil am Heiligtum gegessen werden und der Rest an die dort dienenden Leviten gehen sollte (vgl. 5Mo 14,27 ). Diese Erfahrung war dazu bestimmt, sie zu lehren, den Herrn, ihren Gott, immer zu ehren (wörtlich: "fürchten"; vgl. 5Mo 4,10 ). Wenn sie dieses Mahl vor ihm mit priesterlicher Unterweisung aßen, mußten sie erkennen, daß ihre Nahrung (und so ihr ganzes Leben) nicht von ihrer landwirtschaftlichen Geschicklichkeit, sondern vom Segen des Herrn abhing. So würden sie lernen, ihn zu fürchten, weil sie nur durch Gehorsam ihm gegenüber weiterhin zu essen haben und in Wohlstand leben würden.



5Mo 14,24-27


Manche Menschen würden zu ... weit entfernt vom zukünftigen Heiligtum leben, um es möglich machen zu können, eine Herde dorthin zu treiben oder ihren Zehnten zu bringen. Deshalb konnten sie ihren Zehnten an Ertrag und Viehbestand für Silber verkaufen. Dann konnten sie zum zentralen Heiligtum reisen und dort Vieh, Schafe, Wein oder ... gegärtes Getränk oder was immer sie wünschten kaufen und dort in der Gegenwart Gottes essen und trinken. (Vgl. ein anderes Zugeständnis in 5Mo 12,20-25 .)

"Wein" und "gegärtes Getränk" waren beide hier auch in einem Akt der Anbetung des Herrn zulässig. Das hebr. Wort für "Wein" ist yayin, das manchmal ein berauschendes Getränk meint und an anderen Stellen ein nichtberauschendes Getränk. Das hebr. Wort für "gegärtes Getränk" ( SEHAr ) wird in einigen Übersetzungen oft mit "starkes Getränk" wiedergegeben. Das ist irreführend, weil es unterstellt, daß SEHAr aus Alkohol gebrannt wurde. Aber der Herstellungsprozeß des Brennens wurde im Nahen Osten bis zum 7. Jahrhundert nicht angewandt. Das "gegärte Getränk" war vielleicht eine Art Bier (das ist die übliche Übersetzung einiger Bibelausgaben), das von den alten Ägyptern und Akkadiern gebraut wurde, und enthielt daher wenig Alkohol. (Allerdings kann Wein (yayin), im Übermaß getrunken, berauschend sein; vgl. z. B. Jes 5,11; Spr 20,1; und Trunkenheit ist Sünde.)

Wahrscheinlich konnte eine Familie nicht den ganzen Zehnten allein aufessen. Daher sollte der Rest den Leviten am Heiligtum gegeben werden. Auf diese Weise wurde für die Leviten gesorgt, weil sie ja kein Land als ihr eigenes Erbteil hatten.



5Mo 14,28-29


Jedes dritte Jahr brauchte der zweite Zehnte (vgl. den Kommentar zu V. 22-27 ) nicht zum Heiligtum gebracht werden, sondern sollte dazu gebraucht werden, die Leviten und weniger erfolgreiche Mitglieder der Gesellschaft zu speisen. Die Ausländer waren Fremde, die mit den Israeliten lebten. Obwohl diese Fremden fair behandelt werden sollten, teilten sie nicht alle Privilegien des israelitischen Bürgerrechts. Witwen und ihre Kinder ( die Waisen , bzw. "Vaterlosen") sollten ebensolche besonderen Zuwendungen zuteil werden (vgl. 5Mo 24,19-21;26,12-13 ).

Wenn die Israeliten dem Gebot zu teilen gehorchten, konnten sie immer erwarten, in einer gut gedeihenden Gesellschaft zu leben, und sie konnten großzügig sein, weil Gott sie bei aller Arbeit ihrer Hände segnen würde. Den Zehnten zu geben wird im NT nicht angeordnet. Aber Gläubige aller Zeiten haben darauf hingewiesen, daß Gott sie bei ihrem Geben unterstützte und für sie sorgte. Christen sollen großzügig geben, weil sie wissen, daß sie auch großzügig ernten werden ( 2Kor 9,6; vgl. 2Kor 9,7-9; 1Kor 16,1-2 ).

 

5. Das Erlaßjahr
( 15,1-18 )


a. Die Aufhebung der Schulden
( 15,1-11 )


5Mo 15,1


Das Sabbatjahr oder Erlaßjahr war auch in 2Mo 23,10-11 und 3Mo 25,1-7 angeordnet worden. Während diese Verse allerdings feststellen, daß im siebten Jahr das Land brachliegen gelassen werden sollte, ohne daß irgendwelche Erträge geerntet werden durften, wurde der Schuldenerlaß nicht erwähnt. Nur an dieser Stelle schreibt Mose diese Rückerstattung vor. Am Ende jedes siebten Jahres ist eine hebr. Redewendung und meint "während des siebten Jahres". Das Erlaßgesetz findet sich in 5Mo 15,1 und wird in Vers 2-11 erklärt.

 

5Mo 15,2-6


Die Worte erlasse das Darlehen könnten bedeuten, daß das Darlehen vollständig aufgehoben werden sollte. Oder sie könnten bedeuten, daß es nur während des siebten Jahres erlassen werden durfte. Das heißt, daß die Bezahlung nicht im siebten Jahr gefordert werden durfte, aber nach dem siebten Jahr mußten die Schulden weiterhin zurückgezahlt werden. Zugunsten dieser zweiten Sicht spricht die Tatsache, daß während des siebten Jahres, als das Land brachliegen sollte, ein israelitischer Verschuldeter nicht die Mittel haben würde, seine Schulden zurückzuzahlen, aber in den nächsten sechs Jahren würde er es sehr wohl können. (Die Schulden eines fremden Geschäftsmannes - d. h. eines Fremden, aber nicht eines im Land "wohnenden Ausländers"; vgl. 5Mo 14,29- sollten nicht erlassen werden, und zwar aus dem Grund, weil er sein Land nicht brachliegen oder seine normale Einkommensquelle für ein Jahr nicht wie die Israeliten ungenutzt ließ.

Trotz dieses Arguments ist es allerdings wahrscheinlicher, daß die Schulden vollständig und dauerhaft erlassen wurden. Verschiedene Punkte untermauern das: (1) Diese Sicht ist besser mit der Großzügigkeit des Herrn, die er Israel gegenüber gezeigt hatte, zu vereinbaren. (2) Es paßt besser zu den Feststellungen in 5Mo 15,9-11 . (3) Die Praxis, die ganzen Schulden dauerhaft im siebten Jahr zu erlassen, diente offensichtlich dazu, die Israeliten auf die außergewöhnliche Praxis, die wegen des Jubeljahres (das 50ste Jahr), in dem jedermann "sein Familieneigentum" zurückbekommen sollte ( 3Mo 25,8-17 ), angeordnet wurde, vorzubereiten. (4) Dauerhafter Schuldenerlaß würde helfen, Armut zu vermeiden ( 5Mo 15,4 a; vgl. den Kommentar zu V. 11 ). (5) Aus der Möglichkeit zu unglaublichem Reichtum im Land Israel folgt auch die Möglichkeit zu dauerhaftem Schuldenerlaß. Israel hatte die Gelegenheit, die reichste und wohlhabendste Nation auf der Erde zu werden ( er wird dich reich segnen , V. 4 b; vgl. V. 6 a). Dieser Wohlstand würde nicht durch irgendwelche technologische Leistung ihrerseits erreicht werden, sondern wegen ihres aufrichtigen Bundes mit Gott: Wenn du nur ganz dem HERRN deinem Gott gehorchst und sorgsam allen seinen Geboten folgst (V. 5 ). Moses Feststellung, du wirst vielen Völkern leihen, aber ... von keinem borgen , war letztlich eine Verheißung der Weltherrschaft ( du wirst über viele Völker regieren ).



5Mo 15,7-11


Mose verließ den Bereich des Gesetzes für einen Moment, um wärmstens an die Herzen der Mitisraeliten zu appellieren. Das Gesetz des Schuldenerlasses (V. 1-6 ) war dazu gedacht, einen Geist der Großzügigkeit unter den Israeliten und so eine Freiheit von der Liebe zu Geld und solchen Dingen zu fördern. Deshalb war ein berechnender Israelit der Sünde schuldig, wenn er ein Darlehen für einen armen Bruder (V. 7 ; vgl. bedürftigen Bruder , V. 9 ) aus Furcht zurückforderte, daß es nicht zurückgezahlt werden könnte, da das siebte Jahr nahe war. Verhärtet oder knauserig zu sein bedeutete, daß er dem Herrn nicht vertraute, daß dieser alle seine Arbeit segnete. Salomo hat vielleicht über diese Worte des Mose nachgedacht, als er schrieb: "Einer teilt reichlich aus und hat immer mehr; ein anderer kargt, wo er nicht soll, und wird doch ärmer" ( Spr 11,24 ). Mose faßte die Einstellung, die die Israeliten bezüglich derer in Not haben sollten, zusammen: Sei freigiebig ( 5Mo 15,8.11 ). Das traurige Bekenntnis, es werden immer arme Menschen im Land sein , ist vielleicht eine tragische Voraussicht der Weigerung Israels, dem Herrn ganz zu gehorchen (V. 5 ).



b. Die Freilassung der Diener
( 15,12-18 )


5Mo 15,12-15


Manchmal würde ein Mensch nicht in der Lage sein, seine Schulden zu bezahlen, und sich selbst als Sklaven an seinen Kreditgeber verkaufen. Wenn die Höhe seiner Schulden bedeutete, daß er sechs Jahre lang arbeiten müßte, sollte er im siebten Jahr freigelassen werden. Das entsprach nicht dem Jahr des Schuldenerlasses (V. 1-6 ), sondern war das siebte Jahr der Arbeit dieses Menschen als Diener. Der Herr hatte schon früher klar gemacht, daß sechs volle Lebensjahre eines Menschen genug zur Wiedergutmachung nach Rückzahlungsunfähigkeit eines Darlehens seien (vgl. 2Mo 21,2 ). In 5.Mose fügte Mose nun noch hinzu, daß der Arbeitgeber mehr tun müsse, als nur den Diener freizulassen; er müsse ihn ebenso großzügig mit Viehbestand, Getreide und Wein in Übereinstimmung mit der Art, wie der Herr ihn gesegnet hatte, versorgen.

Nach sechs Jahren würde der Diener wenig oder nichts haben, deshalb würde es seine Freiheit wieder aufs Spiel setzen heißen, ihn mit leeren Händen wegzuschicken .

Gehorsam gegenüber diesem Gebot würde dem wertvollen Ziel dienen, die Arbeitgeber an die Gnade Gottes zu erinnern, die er in ihrer Befreiung aus Ägypten gezeigt hatte (vgl. 5Mo 24,18.22 ). Es würde sie daran erinnern, daß ihr eigenes Wohlergehen ebenso von seiner Gnade abhing.

 

5Mo 15,16-17


Mose sorgte auch für einen Sklaven vor, der sich zu sehr mit einer Familie verbunden hatte, als daß er sie verlassen wollte. Der Arbeitgeber sollte das Ohrläppchen des Sklaven mit einer Ahle (Pfriem) durchbohren, um anzuzeigen, daß der Mann Sklave auf Lebenszeit sei (vgl. den Kommentar zu 2Mo 21,5-6 ).

 

5Mo 15,18


Mose zeigte ein doppeltes Motiv für jemanden auf, der vielleicht zu habgierig war, um seinen Sklaven freizulassen. Er sollte fairerweise bedenken, daß es ihn letztlich zweimal soviel gekostet hätte, wenn er jemanden für sechs Jahre angestellt hätte. Zweitens: Wenn er treu dem Gebot, seinen Diener freizulassen, gehorchte, würde der Herr ihn in allem, was er tun würde, segnen. Diese Segensverheißung als Reaktion auf Gehorsam findet sich in 5.Mose oft, allein viermal in diesem Kapitel (V. 4.6.10.18 ).

 

6. Das Gesetz der erstgeborenen Tiere
( 15,19-23 )


Das Gesetz bezüglich der erstgeborenen Tiere kommt vielleicht deswegen an dieser Stelle in Moses Rede vor, weil es, wie die Gesetze über Schuldenerlaß und Freilassung der Sklaven, die Aufgabe von Besitztümern bedingt. Dieses Gesetz wurde zuerst in 2Mo 13,11-15 niedergeschrieben. Es hatte einen pädagogischen Grund: Erstgeborene Tiere zu opfern erinnerte die Israeliten an ihre Herausführung aus Ägypten, als alle erstgeborenen Söhne der Ägypter starben. Es war eine Gelegenheit für die Israeliten, ihre Kinder Gottes Loskauf ihres Volkes zu lehren.

In Übereinstimmung mit 2Mo 22,29-30 mußten die Erstgeborenen am achten Tag nach ihrer Geburt geopfert werden. Die Opfer erstgeborener Tiere dienten auch der Unterstützung der Priester ( 4Mo 18,15-18 ).

 

5Mo 15,19


Aus Israels Viehbestand sollte jedes erstgeborene männliche Tier vollständig für den HERRN ausgesondert werden . Sein Besitzer hatte von dem Tier keinen Nutzen auf seinem Hof; erstgeborene ... Ochsen sollten nicht pflügen; erstgeborene ... Schafe sollten nicht geschoren werden. (Ziegen werden ebenso in 4Mo 18,17 erwähnt).



5Mo 15,20


Jedes Jahr (wahrscheinlich während eines der jährlichen Feste; vgl. 5Mo 16,16 ) sollten die erstgeborenen jungen Tiere zum Opfer zum zentralen Heiligtum gebracht werden. Dann sollten die geopferten Tiere in einem Gemeinschaftsmahl mit der eigenen Familie gegessen werden.



5Mo 15,21-23


Ein unvollkommenes erstgeborenes Tier war nicht als Opfer geeignet (vgl. 5Mo 17,1 ), so daß es wie ein wildes Tier behandelt werden sollte (vgl. 5Mo 12,15; 14,4-5 ) - es durfte zu Hause gegessen, aber nicht geopfert werden. Wie schon früher festgestellt wurde ( 5Mo 12,16.23-24 ), durfte das Blut solcher Tiere niemals gegessen werden.



7. Die Pilgerfeste
( 16,1-17 )


Die hier erwähnten Feste waren die drei großen jährlichen Feste, zu denen alle männlichen Israeliten zur Teilnahme verpflichtet waren (V. 16 ). Wenn möglich sollten ihre Familien mitkommen (vgl. V. 11.14 ; vgl. den Kommentar zu V. 16 ). Diese Feste waren für Israels religiöses Leben so wichtig, daß nach der Zerstreuung manche Juden, die weit von Palästina entfernt lebten, immer noch ein oder mehrere Feste, wann immer möglich, besuchten (vgl. Apg 2,9-11 ,das Wochenfest oder Pfingsten). Der Besuch dieser Feste gab den Israeliten Gelegenheit, den Herrn als ihren Befreier und Schutz anzuerkennen. Er gab ihnen auch Gelegenheit, ihr Vertrauen auf den Herrn auszudrücken, weil sie ihre Familien für die Reise zum Heiligtum in Gottes Schutz zurückließen. Diese Feste zeigten, daß die Anbetung Gottes ein fröhliches Erlebnis sein sollte, bei dem die Teilnehmer dankbar an der Freigebigkeit seines Segens teilhatten ( 5Mo 16,11.14-15; vgl. 5Mo 12,7.12.18; 14,26 ).



a. Das Passafest
( 16,1-8 )


5Mo 16,1-2


Die genauesten Anweisungen für das Passafest finden sich in 2Mo 12,1-28.43-49 .Das Wort "Passa" ( pesaH ) bedeutet "vorübergehen". Das Fest feierte die Nacht, als der Herr an den mit Blut bespritzten Häusern der Israeliten "vorüberging", das Leben ihrer Erstgeborenen verschonte und den erstgeborenen Ägyptern und dem erstgeborenen Vieh den Tod brachte. Das Leben der erstgeborenen Israeliten und ihres Viehs wurde durch das Opferblut geschützt. Als einen Ritus der Erinnerung sollten die Israeliten das Passafest nutzen, um ihre Kinder über Gottes wunderbare Befreiung aus Ägypten zu lehren ( 2Mo 12,26-27 ).

Das Passa wurde am 14ten Tag des Abib (März/April) gefeiert. Das Passa-Opfer war ursprünglich entweder ein einjähriges Schaf oder eine ebenso alte Ziege ( 2Mo 12,5 ). Das Wort oder Herde (Vieh) bedeutete, daß Mose die Auswahl erweiterte. Vielleicht sollte aber auch das Opfer aus der Herde am siebentägigen Fest der Ungesäuerten Brote unmittelbar nach dem Passa gebracht werden ( 5Mo 16,3 ). Auf jeden Fall waren Lämmer die traditionellen Passa-Opfertiere. Die Tiere wurden "in der Dämmerung" geopfert (vgl. den Kommentar zu 2Mo 12,6 ).

Ungläubige waren vom Passafest ausgeschlossen, außer wenn sie Proselyten geworden waren ( 2Mo 12,43-49 ). Jedes Jahr wurde das Passa einen Monat später noch einmal für die gefeiert, die während des Abib nicht am Fest teilnehmen konnten, weil sie kultisch unrein oder auf Reisen waren ( 4Mo 9,6-12 ).



5Mo 16,3-4


Dem Passa folgte unmittelbar das siebentägige Fest der Ungesäuerten Brote , so daß tatsächlich die beiden Feste ein Fest waren (vgl. Lk 22,1.7; Apg 12,3-4; vgl. den Kommentar zu Lk 22,7-38 und Joh 19,14 ). Brot ohne Gärungsmittel (ohne Hefe, ungesäuert) zu essen vergegenwärtigte feierlich die Eile, mit der die Israeliten Ägypten verlassen mußten ( 2Mo 12,33-34 ). Das würde ihnen helfen, ihren schnellen Aufbruch aus Ägypten in Erinnerung zu behalten. Als Brot des Leidens symbolisierte es ebenso die Versklavung Israels in Ägypten. Nichts von dem Fleisch, das am Abend des ersten Festtages geopfert wurde (das Passalamm), durfte übriggelassen werden, um es am nächsten Morgen zu essen. Der Rest mußte verbrannt werden ( 2Mo 12,10 ), vielleicht als Hinweis auf den heiligen Charakter des Opfers.

 

5Mo 16,5-8


Das erste Passa hatte in den Häusern der einzelnen Israeliten stattgefunden. Aber später, nachdem das zentrale Heiligtum erbaut worden war (der Ort, wo Gottes Name wohnen sollte; vgl. 5Mo 12,5.11; 14,23; 16,2.11; 26,1.15 ), durfte das Passa nur dort stattfinden. Vielleicht symbolisierte dies Israels Geburt als ein Volk im Exodus, ein Volk, das als Familie mit Gott als Oberhaupt gedacht war. Wenn auch "Dämmerung" vielleicht die Zeit zwischen 15 und 17 Uhr meint (vgl. den Kommentar zu 2Mo 12,6 ), konnte man doch zu Recht vom Abend, wenn die Sonne unterzugehen begann, sprechen.

Nachdem sie das Passatier gebraten und gegessen hatten, sollten die Menschen zu ihren Zelten, den zeitweiligen Häusern derjenigen, die zum Fest zum zentralen Heiligtum gekommen waren, zurückkehren. Im NT wird Jesus Christus als das Passalamm identifiziert, das für die Gläubigen geopfert wurde ( 1Kor 5,7; ebenso vgl. Joh 19,36 mit 2Mo 12,46 b). Wenn sie das Blut Christi für sich selbst annehmen, das heißt, ihm, der an ihrer Stelle für ihre Sünden starb, vertrauen, werden Christen vom ewigen Tod errettet.



b. Das Wochenfest
( 16,9-12 )


5Mo 16,9


Der Name Wochenfest wurde diesem Fest im Hinblick auf Moses Gebot, sieben Wochen von der Zeit an, wenn sie begannen, die Ernte im März/April einzufahren, zu zählen. Das würde bedeuten, daß das Wochenfest im späten Mai oder frühen Juni stattfand. Es war auch als "Fest der Ernte" (Erntedankfest; 2Mo 23,16 ) und als "Tag der Erstlinge" ( 4Mo 28,26 ) bekannt. Später wurde ihm der Name "Pfingsten" gegeben, was auf die Übersetzung der Septuaginta für "50 Tage" zurückgeht ( 3Mo 23,16 ).

 

5Mo 16,10-12


Das Wochenfest war eine Feier von Gottes reichem Schutz für sein Volk. Daher sollte jedes freiwillige Opfer im Verhältnis zu den jeweils erfahrenen Segnungen des Herrn stehen (vgl. V. 17 ; 5Mo 15,14 ). Paulus hatte vielleicht vielmehr dieses Maß des Gebens als das System des Zehnten für Christen im Sinn, als er die Christen in Korinth anwies, zu geben, wie jedem möglich ist ( 1Kor 16,2 ).

Dieses Fest sollte eine Zeit der Freude und des Teilens sein. Da ja der Herr "großzügig" zu den Israeliten gewesen war, sollten sie großzügig zu anderen sein, vor allem zu den weniger wohlhabenden Mitgliedern ihrer Gemeinschaft (vgl. 5Mo 14,21; 16,14; 24,19-21 ). Dementsprechend wurde der Heilige Geist den neutestamentlichen Heiligen während des Pfingstfestes gegeben ( Apg 2 ). Dies verdeutlichte das Ende der alttestamentlichen Art der Anbetung und den Beginn der neuen Form (vgl. den Kommentar zu Apg 2,4 ). Es weist auch auf die Tatsache hin, daß Gottes größte Vorsorge für das tägliche Leben eines Christen das Geschenk des Heiligen Geistes ist. (zu der Ermahnung befolge sorgsam vgl. den Kommentar zu 5Mo 31,12 .)

 

c. Das Laubhüttenfest
( 16,13-17 )


5Mo 16,13


Das Laubhüttenfest wurde so genannt, weil die Israeliten nach der fälligen Ernte ( 3Mo 23,39 ) eine Woche lang in Zelten oder "Hütten" ( 3Mo 23,42 ) leben sollten, die aus Baumästen und Laub hergestellt wurden ( 3Mo 23,40 ). Es wurde auch "Fest der Ernte" (oder "Fest der Lese", 2Mo 23,16; 34,22 ) genannt. Es begann am 15. Tag des siebten Monats ( 3Mo 23,34.39 ), dem Monat Tischri (September/Oktober). Die Tatsache, daß es "das Laubhüttenfest für den Herrn" ( 3Mo 23,34 ) oder einfach das Fest ( Hes 45,25 ) genannt wurde, weist vielleicht darauf hin, daß dieses Herbstfest das größte der drei israelitischen Pilgerfeste wurde.

 

5Mo 16,14-15


Freude (V. 15 ) sollte das Fest bestimmen, was auch für das Wochenfest galt (V. 10-11 ). Die Menschen sollten unter Gottes Fürsorge fröhlich sein, und sie sollten sich ebenso (wie 3Mo 23,42-43 angibt) über ihre Befreiung aus Ägypten freuen. Die Woche, in der sie in Hütten lebten, sollte ihnen die Wüstenwanderung, nachdem das Volk aus Ägypten entkommen war, in Erinnerung rufen. So feierte dieses Herbstfest die Bildung des Volkes durch Gottes Gnade und ihre beständige Unterstützung durch ihn bis zum Augenblick des Festes.

 

5Mo 16,16-17


In einer Zusammenfassung erinnerte Mose die israelitischen Männer an ihre Verpflichtung, dreimal im Jahr vor dem HERRN zu erscheinen . Das bedeutete nicht, daß die Familienmitglieder eines Mannes nicht an den Festen teilnehmen konnten und sollten. Das Ideal war, daß sich alle Familienmitglieder - zusammen mit Sklaven, Leviten, Ausländern, Waisen und Witwen - beim Feiern erfreuten (vgl. V. 11.14 ). Jeder Mann sollte ein Geschenk bringen , weil der Grundton jedes Festes der fröhliche Ausdruck des Dankes für Gottes reiche geistliche und materielle Segnungen war, die sie in der Vergangenheit und in der Gegenwart erfahren hatten. Die Geschenke für den Herrn sollten im Verhältnis zu den Segnungen stehen (vgl. V. 17 ; 15,14 ).

 

8. Die Werkzeuge der Theokratie
( 16,18-18,22 )


Die vorausgegangenen Abschnitte ( 5Mo 12,1-16,17 ) betrafen vor allem Gesetze zur Anbetung des Herrn durch sein Volk. Dieser Abschnitt ( 5Mo 16,18-18,22 ) behandelt die Verantwortung der Amtsträger dafür, die reine Anbetung im verheißenen Land aufrecht zu erhalten und gerechte Unparteilichkeit auszuüben.



a. Richter und Offizielle
( 16,18-17,13 )


5Mo 16,18-20


An dieser Stelle seiner Rede gab Mose nicht genau an, wie Richter und Beamte berufen werden sollten. In der Wüste war Mose zunächst der einzige Richter des Volkes gewesen. Aber als die richterliche Last zu groß für ihn wurde, berief er "führende Männer" aus den Stämmen als militärische Führer ("Kommandanten"), Beamte und Richter ( 5Mo 1,15-18; vgl. 2Mo 18 ). Diese Männer waren wahrscheinlich die leitenden Ältesten in jedem Stamm. Daher wurden die Richter, die in jeder Stadt berufen wurden, wahrscheinlich aus dem Stadtrat der Ältesten genommen (die Ältesten dienten als Gerichtshof, vgl. 5Mo 19,12 ).

Die Beamten waren wahrscheinlich Assistenten der Richter, wohl mit der Aufgabe eines Schreibers. Diese Leiter sollten das Volk fair richten (wörtlich: "gerecht", vgl. 5Mo 1,17; Spr 18,5; 24,23 ). Ihre Urteile sollten mit den gerechten Richtlinien, die im Wort Gottes festgelegt worden waren (was zu dieser Zeit die fünf Bücher Mose bedeutete), in Einklang stehen. Sie sollten das Recht nicht verdrehen . Das setzt voraus, daß Gott ihnen ein himmlisches Muster für ihr Verhalten jedem anderen gegenüber gegeben hatte. Wenn ihr Verhalten nicht mit diesem Muster übereinstimmte, sollte solches Verhalten geändert oder bestraft werden. Jeder Mangel an Übereinstimmung mit dem Muster des Gesetzes war eine Verdrehung.

Niemand durfte Parteilichkeit zeigen (wörtlich: "Erkenne keine Gesichter"). Im Idealfall sollten die Richter jede Person so behandeln, als ob sie sie noch nie gekannt hätten . Ein Bestechungsgeschenk anzunehmen war eindeutig falsch, weil es die Fähigkeit des Richters, fair gegenüber allen Parteien im Prozeß vorzugehen, zunichte machte.

Mose faßte die Bestimmungen für die Richter und Beamten mit einem betonten Aufruf, der Gerechtigkeit und allein der Gerechtigkeit zu folgen (wörtlich: "Gerechtigkeit, Gerechtigkeit sollst du betreiben!"), zusammen. Diese Worte setzen voraus, daß eine unparteiische Justiz wegen der Schwäche der menschlichen Natur ein schwer zu fassendes Ziel sein könnte. Daher war es unbedingt notwendig, daß der Maßstab, der im Gesetz festgeschrieben war, genau befolgt wurde. Ihr Leben und Gedeihen ( 5Mo 16,20 ) hing von der Einrichtung einer unparteiischen Justiz im verheißenen Land ab.

 

5Mo 16,21-17,1


Die erste Verantwortung der Richter war es, unreine Praktiken der Anbetung im Land zu verhindern. Alles, was vielleicht zum Synkretismus (Anpassung der Anbetung des Herrn an heidnische Formen der Anbetung) führen könnte, war verboten. Dies schloß jeden hölzernen Ascherapfahl (Symbol der Aschera, Fruchtbarkeitsgöttin und Gefährtin des Baal) und jeden heiligen Stein , eine Steinsäule als Symbol männlicher Fruchtbarkeit, ein (vgl. 5Mo 7,5; 12,3; 2Mo 34,13 ).

Dem Herrn ein mangelhaftes Opfer zu bringen ( 5Mo 17,1; vgl. 5Mo 15,21 ) bedeutete, etwas in das Heiligtum zu bringen, das in der Anbetung Gottes fremd war, wie eben Ascherapfähle oder heilige Steine der echten Anbetung fremd waren. Solch ein Opfer war dem Herrn widerlich. Gott weniger als das Beste anzubieten hieß, seinen Namen zu "verachten" ( Mal 1,6-8 ). Ein weniger als perfektes Opfer anzubieten bedeutete letztlich den Abfall davon, ihn als den anzuerkennen, der schließlich für alles, was im Leben am besten ist, sorgt. Ebenso war es der Abfall von der Anerkennung der ungeheuren Trennwand, die zwischen dem vollkommen perfekten Gott und den sündigen Menschen besteht.

Die Priester waren normalerweise dafür verantwortlich, die reine Anbetung am Heiligtum (z. B. keine Fruchtbarkeitssymbole oder unvollkommenen Opfer) zu bewahren, aber die endgültige Verantwortung lag bei den Richtern. Wenn die Priester Fehler machten, war es notwendig, daß die Richter einschritten.



5Mo 17,2-7


Die Richter mußten auch dafür sorgen, daß falsche Anbeter hingerichtet wurden. Einer, der andere Götter anbetete, verdiente die Todesstrafe, weil sein Tun die Existenz des ganzen Volkes gefährdete. Die Anbetung der Sterne war ebenso verboten (vgl. 5Mo 4,19 ), weil sie die unbelebte Schöpfung mehr als den lebendigen Schöpfer verehrt. Die Hinrichtung konnte nur vollzogen werden, nachdem alles durch eine gründliche Untersuchung bewiesen worden war. Um sich gegen eine unzuverlässige Hinrichtung abzusichern, wurden zwei oder drei unabhängige Zeugen benötigt. Ein Zeuge war nicht ausreichend (vgl. 5Mo 19,15 ), denn wenn er log, konnte es niemand überprüfen.

Die Zeugen mußten die ersten bei der Hinrichtung sein. Wenn sich also später ihr Zeugnis als falsch herausstellte, waren sie tatsächlich Mörder geworden und mußten selbst hingerichtet werden. Die ganze Gemeinschaft ( das ganze Volk ) würde sich dann an der Hinrichtung erfreuen, wodurch sie ihre Ablehnung anderer Götter ( 5Mo 17,3 ) und ihre Treue zu dem Herrn bewiesen. Solcher Götzendienst war ein Unrecht, von dem sich die Menschen reinigen mußten (vgl. V. 12 ; vgl. den Kommentar zu 5Mo 13,6 ).

Die neutestamentlichen Gemeinden sind in ähnlicher Weise verantwortlich, sich rein zu halten. Ein christlicher Missetäter sollte aus seiner örtlichen Gemeinde "ausgeschlossen" werden, wenn eine gründliche Untersuchung seine Sünde beweist und er nicht Buße tun will. Wenn er ein wirklich Glaubender ist, wird er sein ewiges Leben nicht verlieren. Aber er wird auf der Erde Verlust erleiden und weniger Lohn im Himmel erhalten ( Mt 18,15-20; 1Kor 3,10-15;5; 1Tim 5,19 ).



5Mo 17,8-13


Mose traf Vorsorge für kommende Richter im verheißenen Land, ganz ähnlich wie er in der Zeit der Wüstenwanderung für Richter gesorgt hatte ( 5Mo 1,17 ). Wenn ein Richter den Eindruck hatte, daß ihm ein Fall zu schwer war, konnte er die Angelegenheit zum zentralen Gerichtshof (bestehend aus Priestern und dem amtierenden Oberrichter ) bringen, damit er am zukünftigen Sitz des zentralen Heiligtums ( der Ort, den der HERR wählen würde ) verhandelt wurde. Die Entscheidungen des Gerichtshofes würden endgültig sein. Jeder Widerstand gegen den Gerichtshof wurde als "Verachtung des Gerichtes" betrachtet und galt als todeswürdiges Vergehen. Das sicherte der Herrschaft der Gerichtsbarkeit den Vorrang und war ein Schutz vor der Anarchie.



b. Der König
( 17,14-20 )


Nachdem Mose und Josua gestorben waren, sollten die Menschen durch Richter und Priester regiert werden. Dieses System gab Israel allerdings nicht den geringsten Anflug einer starken zentralen Regierung. Es konnte nur funktionieren, wenn die Leiter (die Richter und die Priester) und die Menschen sich verpflichteten, dem Herrn zu folgen. Das Buch der Richter stellt das traurige Versagen der Menschen und der Leiter in diesem System fest. Mose sah dieses Versagen voraus, als er dieses Gesetz bezüglich eines zukünftigen Königs gab. Man könnte vielleicht fragen, weshalb Gott den Priestern und Richtern erlaubte zu versagen. Oder warum richtete nicht Gott selbst das Königtum ein. Die Antwort, wenigstens teilweise, ist, daß er das Volk darauf vorbereitete, das Geschenk der Monarchie richtig einzuschätzen.

5Mo 17,14-15


Nachdem Israel seine einzigartige Position als Volk ohne König nicht mehr länger ertragen könnte, würde es um einen König bitten und ihn erhalten. Vers 14-15 beschreiben die Fähigkeiten des Königs, Vers 16-17 sein Verhalten und Vers 18-20 seine Erziehung. Der König mußte zwei Eigenschaften haben. Erstens: Er mußte vom Herrn auserwählt sein. Die spätere Geschichte machte deutlich, daß Propheten, die im Interesse Gottes sprachen, seine Wahl erklärten (z. B. Samuels Unterstützung für Saul, 1Sam 9-12 ,und dann für David, 1Sam 16; Natans Unterstützung für Salomo, 1Kö 1 ). Die Menschen konnten sicher sein, daß Gott niemanden auf den Thron setzen würde, den er nicht zum König begabt hatte. Wenn daher ein König Fehler machte, würde der Grund dafür nicht im Mangel an Begabung liegen, sondern an seinem moralischen Verhalten. Zweitens: Der König mußte ein Israelit sein. Ein Israelit, der von Kindheit an in den Traditionen und der Schrift Israels aufgewachsen war, würde eine viel bessere Wahl für das Bewahren der Reinheit der israelitischen Religion sein als ein Fremder.



5Mo 17,16-17


Drei Dinge aus dem Verhalten des Königs werden hier extra angesprochen. Das Verbot, eine große Anzahl von Pferden zu erwerben, bedeutete, daß, menschlich ausgedrückt, des Königs Armee, vor allem aus Infanterie bestehend, bedeutend schwächer als eine feindliche Armee mit vielen Streitwagen und Kavallerie sein würde. Aber genau das war das Besondere. Ein gehorsamer israelitischer König sollte nicht von militärischer Stärke abhängig sein, sondern allein von dem Herrn. Gott hatte seine Fähigkeit, eine viel stärkere Streitwagenarmee zu zerschmettern, bereits bewiesen ( 2Mo 14-15 ). Pferde zu erwerben würde bedeuten, daß die Menschen nach Ägypten zurückgehen müßten, wo viele Pferde zu bekommen waren. Die Rückkehr in das frühere Land der Sklaverei war aber undenkbar.

Das Verbot, viele Frauen zu nehmen, wurde gegeben, weil viele Könige fremde Frauen heirateten, um politische Bündnisse einzugehen. Wenn der König dem Herrn folgte, würde er keine politischen Bündnisse nötig haben. Fremde Frauen würden auch bewirken, daß sich sein Herz in die Irre zur Anbetung ihrer Götzen führen ließe.

Das Verbot von großen Silber- und Goldbergen war dazu bestimmt, den König davor zu bewahren, einen Sinn für Unabhängigkeit von der Freude an materiellem Wohlstand zu entwickeln (vgl. Spr 30,8-9 ). Alle drei Verbote dienten dann auch dazu, den Status des Königs auf den eines Dieners in völliger Abhängigkeit von seinem Meister, dem Herrn, zu reduzieren. Die Tragik der Mißachtung dieser Gebote zeigt sich bei Salomo, der alle drei Verbote brach ( 1Kö 10,14-15.23.26-28; 11,1-6 ).



5Mo 17,18-20


Die Erziehung des Königs bestand aus dem Abschreiben, Lesen und sorgsamen Befolgen des Gesetzes und dieser Gebote, also des ganzen Buches 5.Mose (nicht nur dieses kleinen Abschnittes V. 14-20 ). Das würde einen richtigen Geist im König (z. B. Demut und Gehorsam) und eine lange dynastische Nachfolge bewirken.



c. Die Priester und Leviten
( 18,1-8 )


Der Stamm der Leviten war in drei Familien (Gerschoniter, Kehatiter und Merariter) unterteilt. Jeder Stammesteil hatte ursprünglich verschiedene Verantwortungsbereiche bezüglich der Stiftshütte ( 4Mo 3-4 ). Die Kehatiter waren außerdem in die Nachkommen Aarons und in diejenigen, die das nicht waren, unterteilt ( Jos 21,4-5 ).

Nur Aarons Nachkommen war es erlaubt, als Priester zu dienen ( 4Mo 3,10 ). Sie werden immer "die Priester" oder "die Söhne Aarons" genannt ( 4Mo 10,8 ). Der Rest des Stammes, der nicht als Priester diente, wurde als Leviten bezeichnet. Solche Priester waren im Stamm Levi die Minderheit.

Die Leviten arbeiteten als Diener der Priester ( 4Mo 18,1-7; 1Chr 23,28-32 ) und vor allem als Gesetzeslehrer in Israel ( 5Mo 33,10 a; 2Chr 17,8-9 ). Die Priester übten ihr Amt an der Stiftshütte aus und hatten auch noch andere Pflichten. Sie dienten als Richter ( 5Mo 17,8-9 ), Wächter der Gesetzesrollen ( 5Mo 17,18; 31,9 ), Lehrer für die Bestimmungen über die Hautkrankheiten (Ausschläge bzw. Aussatz; 5Mo 24,8 ) und als Moses Assistenten bei der Zeremonie der Bundeserneuerung ( 5Mo 27,9 ).



5Mo 18,1-2


Anders als bei den anderen 11 Stämmen erhielt keiner der Leviten und der Priester ein Erbteil vom Land zum Bebauen und Bepflanzen. Allerdings wurden 48 Städte für die Leviten ausgesondert ( 4Mo 35,1-8; Jos 21,1-42 ). Die Priester (und die Leviten, die ihnen am zentralen Heiligtum halfen) mußten durch die Opfer der Menschen für den Herrn unterhalten werden. Die Leviten, die nicht am zentralen Heiligtum halfen, sollten durch Geschenke der Menschen unterhalten werden ( 5Mo 14,28-29; 16,10-11 ).



5Mo 18,3-5


Die Menschen waren dafür verantwortlich, die Priester, die am zentralen Heiligtum arbeiteten, zu unterstützen. Die Priester sollten Teile der Stiere und Schafe, die geopfert wurden, und die Erstlingsfrüchte an ... Getreide, neuem Wein und Öl und die erste Wolle erhalten. Dies geschah aus dem Grund, weil Gott Aaron und seine Nachkommen aus allen anderen Stämmen ausgewählt hatte, um bereitzustehen und im Namen des Herrn, also in seinem Interesse, zu dienen.

Das NT erweitert das Priestertum auf alle Christen ( 1Pet 2,9 ). Das hat seinen Grund darin, daß Jesus Christus durch die Kraft seines Dienstes, Todes und seiner Auferstehung das aaronitische Priestertum des Alten (mosaischen) Bundes ersetzte und der Hohepriester des Neuen Bundes wurde ( Hebr 2,17-18; 4,14-5,10; 6,19-7,28 ). Jeder Christ ist in die Familie Jesu gekommen ( Hebr 2,10-13 ) und daher in Jesu priesterlichen Beruf.



5Mo 18,6-8


Wenn ein Levit in das zentrale Heiligtum gehen wollte, um dort im Namen des Herrn (in seinem Interesse) zu dienen, war es ihm erlaubt, dieses zu tun und eine ähnliche Unterstützung wie die anderen Leviten zu erhalten. Das beinhaltete nicht, daß dieser Levit wie ein Priester dienen würde, wie manche vermuteten. Die Leviten sollten den Priestern helfen ( 1Chr 23,28-32 ). Auch wenn ein Levit Geld aus früheren Verkäufen familiärer Besitztümer (vgl. 3Mo 25,32-34 ) erhalten hatte, bevor er nach Jerusalem umzog, sollte er für seine Arbeit am Heiligtum eine Versorgung erhalten. Paulus formulierte dieses Prinzip für die neutestamentliche Kirche neu ( 1Kor 9,14; 1Tim 5,17-18 ).

 

d. Die Propheten
( 18,9-22 )


5Mo 18,9-14


In diesen Versen werden alle verbotenen Praktiken - zerstörerische Wege (vgl. V. 12 ) der Völker in dem Land genannt - zusammen mit der Vorhersage der Zukunft und der Magie behandelt. Beim Gebrauch von Magie versuchte man, die "Götter" zu bestimmten Handlungen zu manipulieren oder zu zwingen. Das Kindesopfer wurde hier erwähnt, weil es sowohl in der Bedeutung der Zukunftsvoraussage als auch als Magie zur Manipulation verschiedener Ereignisse gebraucht wurde.

Diese Praktiken waren alle verboten, weil sie das Leben von der Moral trennten. Verschiedene Faktoren machen dies deutlich: (1) Die Zukunft wurde durch das moralische Verhalten "bestimmt", nicht durch magische Manipulation. (2) Der Gebrauch von Magie zur Manipulation der Umstände war letztlich der vergebliche Versuch, vor den ethischen Gesetzen des Herrn zu fliehen, die Leben und Segen förderten. (3) Der Gebrauch von Magie und Zukunftsdeutung (V. 10.14 ) war die Weigerung, die Souveränität des Herrn anzuerkennen. (4) Vertrauen zu diesen Praktiken beinhaltete dementsprechend einen Mangel an Vertrauen gegenüber dem Herrn im Leben eines Menschen. Menschen, die über okkulte und dämonische Besessenheit unterrichtet sind, können leicht zeigen, daß die Praktiken, die in den Versen 9-14 erwähnt werden, viele in satanische Gebundenheit geführt haben.

Zukunftsdeutung (V. 10.14 ), von dem Verb qAsam , "voraussagen", bedeutet, falsche Prophetie zu geben oder den Versuch, den Willen der Götter durch Untersuchung und Interpretation von Zeichen zu bestimmen. ( Q Asam findet sich auch in Jos 13,22; 1Sam 6,2; 28,8; 2Kö 17,17; Jes 3,2; 44,25; Jer 27,9; 29,8; Hes 13,6.8.23; 21,26.28.34; 22,28; Mi 3,6-7.11; Sach 10,2 .) Zauberei ( )Anan , 5Mo 18,10.14; vgl. 3Mo 19,26; 2Kö 21,6; Jes 2,6; Mi 5,11 ,"Zauberworte aussprechen") ist der Versuch, Menschen oder Umstände durch Kräfte, die von bösen Geistern (Dämonen) gegeben werden, zu kontrollieren. Die Interpretation eines Vorzeichens (Omen) ist eine Zukunftsdeutung, die auf "Zeichen" wie der Bewegung von Vögeln, Feuer oder Regen beruht. Hexerei ( kASaP ) schließt die Praxis der Magie durch Beschwörungsformeln ein. Einer, der Zauberworte abgibt, ist wörtlich "einer, der Fesseln bindet" ( HABar ), also einer, der andere Menschen mit magischem Gemurmel bindet. Ein Spiritist ist jemand, der angeblich mit den Toten in Verbindung steht, aber tatsächlich mit Dämonen verbunden ist. Jemand, der die Toten befragt , ist jemand, der spiritistische Versuche unternimmt, um mit den Toten in Verbindung zu treten, um Rat, Informationen über die Zukunft oder Hilfe für Manipulation zu bekommen.

Solche zerstörerischen Praktiken waren ein Grund, weshalb der Herr Israel benutzte, um die Kanaanäer zu vernichten. Daher war es verständlicherweise für einen Israeliten zerstörerisch, mit diesen Dingen in Berührung zu kommen. Wenn sie das vermeiden würden, würden die Israeliten untadelig bezüglich deren schrecklichen Sünden sein.



5Mo 18,15-19


Im Unterschied zur dunklen Magie kanaanäischer Wahrsager, Zauberer und Spiritisten sollten die Israeliten auf die Propheten des Herrn hören. Die Israeliten konnten sicher sein, daß ein "Berufsstand von Propheten" in der Nachfolge von Mose wegen ihrer ursprünglichen Bitte am Horeb (Sinai), daß Gott durch Mose als ein Mittler zu ihnen sprechen sollte (vgl. 5Mo 5,23-27 ), folgen würde. Jeder Prophet, den Gott erwecken würde , würde ein Israelit sein, und weil der wahre Prophet nur die Worte des Herrn sprechen würde, waren die Menschen zum Gehorsam ( hören auf ) gegenüber diesen Worten verpflichtet.

Der letzte Prophet wie Mose ( 5Mo 18,15.18 ) ist Jesus Christus - der Eine, der Gottes Worte sprach und für die Befreiung seines Volkes sorgte. Auch Josua konnte nicht mit Mose verglichen werden, weil seit Mose "kein Prophet in Israel" aufstand wie er ( 5Mo 34,10 ), d. h. mit solcher Kraft den Männern gegenüber und solcher Vertraulichkeit zu Gott. Ganz gleich, welche besondere Rolle ein zukünftiger Prophet in Israel spielen würde, es war keiner wie Mose, bis der Mittler des Neuen Bundes, Jesus Christus, kam. Mose setzte den Maßstab für alle folgenden Propheten. Jeder Prophet sollte sein Bestes geben, dem Beispiel Moses zu entsprechen, bis der Eine käme, der den Neuen Bund einführen würde. Während des ersten Jahrhunderts n. Chr. warteten die offiziellen Leiter der Juden noch immer auf die Erfüllung der Vorhersage Moses (vgl. Joh 1,21 ). Petrus sagte, daß ihre Suche mit dem Herrn Jesus aufhören sollte ( Apg 3,22-23 ). (Andere frühe und klare Prophetien auf den Messias finden sich in 1Mo 49,10-12; 4Mo 24,17-19 .)



5Mo 18,20-22


Da die Menschen ja Gottes Prophet ohne zu fragen gehorchen sollten (V. 19 ), bedeutete falsches Weissagen letztlich, die Stellung Gottes an sich zu reißen. Deswegen sollte der falsche Prophet getötet werden.

Zwei Prüfungen konnten zur Bestimmung, ob ein Prophet Gottes Worte sprach, gemacht werden. Erstens: Die prophetische Botschaft mußte mit Gott und seinem Wort in Einklang stehen. Wenn er im Namen (im Interesse) anderer Götter sprach, widersprach er dem objektiv offenbarten Wort Gottes und war daher ein falscher Prophet (vgl. 5Mo 13,2-6 ). Zweitens: Seine Prophetie mußte wahr werden . Wenn keine dieser Bedingungen eintraf, war es egal, wie mächtig der Möchte-gern-Prophet zu sein schien, die Menschen brauchten keine Angst vor ihm oder vor irgendwelchen Vergeltungsmaßnahmen, die er gegen sie voraussagen könnte, zu haben.

 

9. Die Freistädte und das Strafgesetz
( 5Mo 19 )


a. Drei Freistädte für Totschläger
( 19,1-13 )


5Mo 19,1-3


Mose hatte früher im Transjordanland drei Städte ... ausgesondert ( 5Mo 4,41-43 ). Da er ja wußte, daß der Herr ihn nicht den Jordan überqueren und das verheißene Land mit Israel betreten lassen würde, unterwies er jetzt das Volk, drei weitere Freistädte in Übereinstimmung mit Gottes ursprünglichen Anweisungen ( 4Mo 35,9-34 ) auszusondern. Die Freistädte waren gleichmäßig über das Land verteilt ( baut Straßen zu ihnen und unterteilt das Land in drei Teile ), so daß sie leicht von irgend jemandem, der einen Menschen getötet hatte, erreicht werden konnten. (Vgl. die Karte "Die sechs Freistädte" zu 4Mo 35,6-34 .) Das Wort, das mit "töten" übersetzt wird ( rAQaH ; vgl. 2Mo 20,13 ), bedeutet "ohne gesetzliches Recht das Leben nehmen". Es konnte sich auf einen Mörder beziehen, der das Leben absichtlich genommen hatte, oder auf einen Totschläger, der es unabsichtlich getan hatte.



5Mo 19,4-7


Die Städte sollten "ausgesondert" werden (V. 2 ), um die Entstehung jedes weiteren Unglücks aus einer tragischen Situation zu verhindern. Nur ein Mensch, der seinen Nachbarn unabsichtlich, ohne Groll getötet hatte (V. 4 ), konnte zu einer dieser Städte fliehen und sein Leben retten (V. 5 ). Diese Städte boten Schutz vor einem Bluträcher an. Das Wort, das mit "Bluträcher" übersetzt wurde, lautet gO?El . Ein gO?El war ursprünglich ein "Familienschutz". Er war ein "naher Verwandter" (traditionell als der nächste männliche Verwandte verstanden), der verantwortlich dafür war, einen Verwandten aus der Sklaverei loszukaufen ( 3Mo 25,48-49 ), die Armut eines Verwandten auszugleichen ( 3Mo 25,25-33 ), im Namen des Verstorbenen eine verwandte Witwe zu heiraten und Kinder aufzuziehen ( Rt 3,13; 4,5-10 ) und den Tod eines Verwandten zu rächen ( 4Mo 35,19-28 ). Jemand, der unabsichtlich seinen Nachbarn getötet hatte (z. B. mit einer Axt, die versehentlich aus der Hand flog und seinen Nachbarn traf und tötete), sollte in der Freistadt bleiben, und zwar bis zum Tod des amtierenden Hohenpriesters. Die Ältesten der Stadt waren dazu verpflichtet, ihn vor dem Bluträcher zu schützen ( 4Mo 35,25 ). Wenn die Person, die des Totschlags schuldig war, vor dem Tod des Hohenpriesters die Stadt verließ, konnte der Bluträcher ihn töten, ohne des Mordes schuldig zu sein ( 4Mo 35,27 ). Die Freistädte lehrten die Israeliten, wie bedeutsam Leben für Gott ist. Auch dann, wenn ein Mann seinen Nachbarn versehentlich getötet hatte, mußte er noch immer ein großes Maß seiner Freiheit für lange Zeit aufgeben.



5Mo 19,8-10


Wenn die Israeliten treu darin gewesen wären, dem Herrn ganz zu folgen, hätte er ihr Land auf die Grenzen, die er im Abrahamsbund verheißen hatte ( 1Mo 15,18-21 ), vergrößert. (Zur Betonung der Vorväter in 5.Mose vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,35 .) In diesem Fall wären drei weitere Städte, im ganzen neun, nötig gewesen, um das Land davor zu schützen, mit unschuldigem Blut verunreinigt zu werden.

Der Plural diese Gesetze ( 5Mo 19,9 ) lautet wörtlich "dieses Gebot". Mose betonte mit dem Gebrauch des Singulars die Einheit des Gesetzes; es ist alles eins und in seiner Gesamtheit zu befolgen. Aber er deutete auch auf die unbedingte Forderung des Gesetzes, vor allem, den HERRN, deinen Gott, zu lieben (ein Thema, das wiederholt in 5.Mose vorkommt - vgl. den Kommentar zu 5Mo 6,5 ). Das Gesetz war gegeben worden, damit Israel eine Möglichkeit hatte, seine Liebe zu ihm auszudrücken. Im Zeitalter der Gemeinde drücken Christen ihre Liebe zu dem Herrn aus, indem sie Jesu Geboten gehorchen ( Joh 14,21 ).

 

5Mo 19,11-13


Eine Freistadt konnte für einen Mörder kein Asyl bieten. Er mußte in seine Stadt zurückkehren und vom Bluträcher getötet werden (vgl. den Kommentar zu V. 6 ). Wenn das Volk unter Gottes Segen gedeihen wollte, konnte Israel mit dem Mörder kein Mitleid zeigen. Die Sünde, unschuldiges Blut zu vergießen , mußte vom Volk abgewaschen werden.

 

b. Verschieben einer Grenzlinie
( 19,14 )


5Mo 19,14


Es ist nicht klar, weshalb Mose dieses Gesetz über den Grenzstein zwischen die Gesetzgebung zu den Freistädten (V. 1-13 ) und zu den falschen Zeugen (V. 15-21 ) setzte. Den Grenzstein eines Nachbarn zu verschieben, war gleichbedeutend mit dem Diebstahl seines Eigentums. In Übereinstimmung mit außerbiblischer Literatur war dies ein weitverbreitetes Problem im Alten Orient (vgl. Hi 24,2 ). Offensichtlich war es später weitverbreitet in Israel ( 5Mo 27,17; Spr 22,28; 23,10; Hos 5,10 ).



c. Das Gesetz der Zeugen
( 19,15-21 )


5Mo 19,15


Mose legte das Prinzip dar, daß mehr als ein Zeuge nötig sei, um einen Menschen eines Verbrechens zu überführen (vgl. 5Mo 17,6 ). Dieses Prinzip sollte als Schutz vor einem falschen Zeugen fungieren, der eine unwahre Anklage wegen eines Streites oder aus irgendeinem anderen unsauberen Grund heraus gegen einen Mitisraeliten vorbringen könnte. Wenn mehr als ein Zeuge benötigt wurde - mindestens zwei oder drei - würde größere Genauigkeit und Objektivität erreicht.



5Mo 19,16-20


In manchen Fällen würde es unvermeidlicherweise nur einen Zeugen geben. Ein einziger Zeuge war immer dazu verpflichtet, eine Beschwerde gegen einen Missetäter vorzubringen. Solch ein Fall sollte allerdings zum zentralen Gerichtshof, bestehend aus Priestern und Richtern (vgl. 5Mo 17,8-13 ), zur Verhandlung weitergeleitet werden. Wenn sich das Zeugnis bei der Untersuchung als falsch herausstellte, sollte der Ankläger ( ein böser Zeuge , 5Mo 19,16 , und ein Lügner , V. 18 ) entsprechend dem angeblichen Verbrechen der Bestrafung übergeben werden. Wenn das Geschick des falschen Zeugen in Israel bekannt würde, würde es als großartiges Abschreckungsmittel, falsches Zeugnis in israelitischen Gerichtshöfen zu geben, dienen. Die Verletzung des neunten Gebotes ( 2Mo 20,16 ) war ein anderes Übel, von dem das Volk gereinigt werden mußte (vgl. 5Mo 19,13 und den Kommentar zu 5Mo 13,6 ). Moderne soziologische Theorien, die behaupten, daß Bestrafung, besonders die Todesstrafe, nicht vor Verbrechen abschrecken, widersprechen dem biblischen Verständnis der menschlichen Natur.



5Mo 19,21


Das Gesetz der Vergeltung, im Lateinischen als das lex talionis bekannt, wurde bereits in 2Mo 21,23-25 und 3Mo 24,17-22 gegeben. Dieses Gesetz war gegeben worden, um die dem Fall entsprechende Bestrafung eines Verbrechers in Fällen, wo vielleicht eine Tendenz aufkommen konnte, entweder zu mild oder zu streng zu urteilen, zu betonen. Die Gesetzessammlungen des Alten Orients sahen eine Verstümmelung des Verbrechers vor (z. B. ein Auge herausschneiden, eine Lippe abschneiden usw.). Mit einer Ausnahme ( 5Mo 25,11-12 ) erlaubte das israelitische Gesetz solche Verstümmelung nicht ausdrücklich. Abgesehen von diesem einen Fall sollte daher nur der erste Teil dieses Gesetzes, Leben um Leben , angewandt werden, um die Bestrafung, die für das Verbrechen verhängt werden sollte, anzugeben (Bestrafung mit gleicher Münze). So war ein Sklave, der sein Auge verloren hatte, frei ( 2Mo 21,26 ). Das lex talionis diente auch in solchen Fällen als Bremse, in denen Strafende vielleicht dazu neigen könnten, eine übermäßige Strafe zu verhängen. Jesus leugnete nicht die Gültigkeit dieses Prinzips für den Gerichtssaal, aber er bestritt seinen Gebrauch in persönlichen Beziehungen ( Mt 5,38-42 ). Es sollte dort keine persönliche Vergeltung oder Rache geben.



10. Regeln für den heiligen Krieg
( 5Mo 20 )


a. Der Befehl, sich nicht vor einem überlegenen Gegner zu fürchten
( 20,1-4 )


5Mo 20,1


Ähnliche Prinzipien für Schlachten und eine ähnliche Gesetzgebung für den heiligen Krieg waren schon früher ( 5Mo 2,24-3,11;7 ) gegeben worden, und das Thema wurde auch später in Moses Rede behandelt ( 5Mo 21, 10 - 14; 23,10-15; 24,5; 25,17-19 ). Israel sollte sich niemals vor den Pferden und Streitwagen eines Feindes fürchten, weil das Ergebnis einer Schlacht niemals von der bloßen militärischen Stärke bestimmt sein würde (vgl. Jes 31,1-3; Hos 14,3 ). Das Gebot, sich nicht vor ihnen zu fürchten , hatte seinen Grund in Gottes Treue. Er hatte bereits seine Treue gegenüber dem Volk bewiesen, indem er es aus Ägypten herausbrachte. In Zeiten des Mißgeschickes sollten sich heutige Gläubige ebenso Gottes Treue in der Vergangenheit in Erinnerung rufen, weil dies hilft, die Angst in ihren derzeitigen Umständen zu lindern.



5Mo 20,2-4


Die Aufgabe des Priesters in der Schlacht war nicht nur, die Bundeslade, die die Gegenwart des Herrn in Israels Heer symbolisierte, zu schützen, sondern auch die Soldaten durch Gottes Wort dazu zu ermutigen, stark im Glauben zu sein. Ein Verlust an Vertrauen in Gottes Fähigkeit, für es zu kämpfen (vgl. 5Mo 1,30; 3,22 ), würde die Stärke seines Willens beeinträchtigen, was heißt, daß es leicht mutlos werden könnte. Wenn ein schwacher Wille nicht sofort von Anfang an vom Vertrauen bestimmt würde, würde er zu Angst, Schrecken und auch zu Panik vor ihren Feinden führen. Wenn die Soldaten es also versäumten, dem Priester zuzuhören, würden sie ängstlich werden und eine Niederlage erleiden.

 

b. Die vom Militärdienst Befreiten
( 20,5-9 )


5Mo 20,5


Die Priester waren dafür verantwortlich, die Armee durch Gottes Wort zu stärken (V. 2-4 ). Die Offiziere waren dafür verantwortlich, sicherzustellen, daß die Armee aus qualifizierten Männern zusammengesetzt war. Allerdings waren die qualifiziertesten Männer nicht notwendigerweise die, die am meisten für die Schlacht begabt waren. Es waren vielmehr die Männer, die sich am meisten dem Herrn anvertraut hatten und frei von allen Störungen waren, die ihren Schlachtgeist hätten dämpfen können. Daher wurde aus humanitären wie auch aus moralischen Gründen der Armee jedem, der ein neues Haus gebaut und nicht begonnen hatte, es zu "gebrauchen" (dieser Sinn des hebr. Wortes HAnak ist dem von weihen vorzuziehen), eine Freistellung zugebilligt.

 

5Mo 20,6


Die gleiche Freistellung wurde jedem zugebilligt, der einen Weinberg angepflanzt und noch nicht begonnen hatte, sich daran zu erfreuen . Diese besondere Freistellung konnte bis zu fünf Jahre lang gewährt werden (vgl. 3Mo 19,23-25 ).

 

5Mo 20,7


Ein Mann, der im Begriff war, zu heiraten , war ebenso vom Militärdienst ausgenommen. Die Länge der Freistellung betrug für einen frisch verheirateten Mann ein Jahr ( 5Mo 24,5 ). Diese Freistellungen ( 5Mo 20,5-7 ) machten zwei der grundsätzlichen Absichten des heiligen Krieges sehr deutlich. Obwohl der Krieg als eine Bestrafung für die Schlechtigkeit der kanaanäischen Bevölkerung geführt wurde (vgl. den Kommentar zu 5Mo 7 ), wurde auch gekämpft, damit Israel ein Land hätte, in dem es ein beständiges und friedvolles Leben leben könnte - Häuser bauen, Nahrung anpflanzen und unter Gottes Herrschaft Familien aufziehen. Da ja Gott selbst für Israel kämpfte, war es nicht notwendig, daß der Krieg die völlige Vorrangstellung vor allen häuslichen Dingen hatte.



5Mo 20,8-9


Während die früheren Freistellungen aus mitfühlenden Gründen gewährt worden waren, wurde ein mutloser Soldat aus Gründen der Moral des Heeres freigestellt. Da ja die beste Armee diejenige war, die sich am meisten dem Herrn anvertraute, sollte alles oder jeder, der den Glauben und das Vertrauen der israelitischen Truppen beeinträchtigte, entfernt werden. Feigheit wurde hier als geistliches Problem angesehen. Da es ja kein Kriegsgericht gab, entfernten die Offiziere einen verzagten Soldaten, bevor er die Gelegenheit hatte, in einer Schlacht zu versagen und/oder andere Soldaten zu veranlassen, ebenfalls entmutigt zu werden. Moses Unterweisung, daß die Offiziere Befehlshaber über die Armee einsetzten, deutete darauf hin, daß die israelitische Armee nicht dauerhaft mit Offizieren in jedem Dienstrang organisiert war.

 

c. Israels Aussenpolitik
( 20,10-18 )


5Mo 20,10-15


Dann gab Mose Anweisungen für Israels Außenpolitik (V. 10-18 ). Die Menschen in einiger Entfernung (V. 15 ) schlossen solche Völker ein, die außerhalb Kanaans, aber innerhalb des ausgedehnten Gebietes, das Abraham und seinen Nachkommen versprochen worden war ( 1Mo 15,18-21 ), wohnten. Das Gebot, den Menschen einer Stadt ein Friedensangebot zu machen, bedeutete, ihnen einen Lehensvertrag anzubieten. Auf diese Weise erkannte die Stadt die Oberherrschaft Gottes und Israels an. Wenn eine Stadt ein Vasall Israels geworden war, sollten ihre Bewohner Zwangsarbeiter werden (vgl. Jos 9 ). Aber wenn eine Stadt sich weigerte, den Frieden anzunehmen, sollten die Männer hingerichtet und alles andere als Beute für Israel genommen werden. Offensichtlich hatten dann die Frauen und Kinder Gelegenheit, in die israelitische Religion eingeführt zu werden (vgl. auch den Kommentar zu 5Mo 20,16-18 ).

 

5Mo 20,16-18


Innerhalb Kanaans jedoch durfte absolut nichts und niemand verschont werden. Sechs Völker werden in Vers 17 als Repräsentanten aller in Kanaan lebenden Völker genannt. Die Hetiter kamen aus Anatolien (Türkei), aber einige frühe Auswanderer hatten in Kanaan gesiedelt (z. B. Efron, der Hetiter, in 1Mo 23 ). Die Amoriter waren Bergbewohner (vgl. den Kommentar zu 1Mo 14,13-16 ). Ihr Ursprung ist unsicher (sie werden erst in alten Texten des dritten Jahrtausends v. Chr. erwähnt). Kanaaniter war ein umfassender Ausdruck für die Einwohner Palästinas. Die Perisiter waren vielleicht Dorfbewohner oder Nomaden. Die Hiwiter siedelten möglicherweise im nördlichen Palästina bei den libanesischen Bergen ( Jos 11,3; Ri 3,3 ). Die Jebusiter lebten im Bergland ( 4Mo 13,29 ) um Jebus herum, das später als Jerusalem bekannt wurde ( Jos 15,8 ). Ein anderes Volk, das hier nicht erwähnt wird, aber in 5Mo 7,1 eingeschlossen ist (vgl. den Kommentar dort), waren die Girgaschiter, deren Wohnort unbekannt ist.

Diese Menschen waren so entartet und mit dem Bösen verbunden, daß sie, bis sie vollkommen vernichtet waren, leicht die Israeliten anstecken ( lehren ) konnten, ihren zerstörerischen Wegen im Götzendienst zu folgen (vgl. 5Mo 18,9-12 ).

Die Frauen der in 5Mo 20,10-15 erwähnten Völker (z. B. aus der aramäischen Kultur) waren nicht so entartet wie die aus der kanaanäischen Kultur. Aramäische Frauen nahmen außerdem die Religion ihrer Ehemänner an. Abraham zum Beispiel bestand darauf, daß sein Diener eine Frau aus der aramäischen Kultur für Isaak und keine kanaanäische Frau brächte ( 1Mo 24 ). So konnten die Frauen und Kinder aus diesen Völkern verschont werden. Aber man braucht sich nur an den Einfluß Isebels erinnern, die ihren Ehemann Ahab zur Anbetung des Baal brachte, um die zerstörerischen Auswirkungen der Heirat einer kanaanäischen Frau sehen zu können.



d. Verbot, Obstbäume zu vernichten
( 20,19-20 )


5Mo 20,19-20


Im Alten Orient bestraften militärische Kräfte ihre Feinde, indem sie wahllos das Land verwüsteten. Diese Praxis machte in bezug auf das Land Kanaan keinen Sinn, weil es Israels eigener Besitz werden sollte. Warum sollte Israel Bäume umhauen, deren Früchte sie essen konnten? Warum sollten Bäume, die doch keine Männer waren, bestürmt werden? Auch in den Ländern außerhalb Kanaans sollte diese Praxis vermieden werden, weil es einen Mangel an Respekt vor Gottes Schöpfung und eine Verblendung durch den grausamen und übermäßigen Gebrauch von zerstörerischer Kraft bewiesen hätte.



11. Verschiedene Gesetze
( 5Mo 21-25 )


a. Ein unbekannter Mörder
( 21,1-9 )


5Mo 21,1-9


Wenn ein Mann erschlagen aufgefunden wurde , entweder als Ergebnis von Mord oder Totschlag, sollten die Ältesten und die Richter des zentralen Gerichtshofes ( 5Mo 17,8-13 ) die Ältesten der Stadt, die der Leiche am nächsten war, versammeln. Mit den Priestern (wahrscheinlich auch vom zentralen Gerichtshof) vor ihnen sollten die Ältesten dieser Stadt einer jungen Kuh das Genick brechen und ihre Unschuld erklären.

Das Brechen des Genicks der Kuh symbolisierte, daß das Verbrechen die Todesstrafe verdiente, und das Waschen der Hände der Ältesten über der Kuh symbolisierte ihre Unschuld in dieser Angelegenheit. Dies zeigte rituell, für wie außerordentlich wertvoll Gott Leben hält. Denn auch obwohl kein Mörder gefunden wurde, hatten sich das Land und die Menschen die Schuld, unschuldiges Blut vergossen zu haben , zugezogen. Das Tieropfer, das von der Bitte der Ältesten begleitet wurde, bewirkte Sühne, das heißt, es wandte den Zorn Gottes von den Menschen ab.



b. Familiengesetze
( 21,10-21 )


(1) Heirat einer gefangenen Frau ( 5Mo 21,10-14 )

5Mo 21,10-11


Es war einem Israeliten erlaubt, eine schöne Frau von den Gefangenen einer Schlacht zu heiraten . Dies deutet darauf hin, daß die betreffende Schlacht eine Schlacht gegen die Städte in einiger Entfernung ( 5Mo 20,15 ) meint, nicht eine Schlacht gegen eine Stadt innerhalb der Grenzen Palästinas. Daher würde die zukünftige Ehefrau keine kanaanäische Frau sein (vgl. das Verbot, einen Mann oder eine Frau kanaanäischer Herkunft zu heiraten, 5Mo 7,1.3-4 ).

Wenn ein israelitischer Soldat eine der Gefangenen aufrichtig begehrte, konnte er sie nur durch Heirat erhalten. Das half, die Würde der gefangenen Frauen und die Reinheit der israelitischen Soldaten zu schützen. Israeliten durften nicht vergewaltigen, plündern oder auf andere Weise Gefangene mißhandeln, wie es andere Armeen des Alten Orients taten.



5Mo 21,12-14


Die Heirat eines Soldaten mit einer fremden Gefangenen konnte nicht unmittelbar stattfinden. Die zukünftige Ehefrau mußte erst psychologisch auf ihr neues Leben als Israelitin vorbereitet werden. Dies wurde erreicht, indem ihr Kopf geschoren, ihre Fingernägel geschnitten, die Kleidung gewechselt und um ihre Eltern einen Monat getrauert wurde. Das Trauern weist wohl entweder darauf hin, daß ihr Vater und ihre Mutter in der Schlacht getötet worden waren oder daß sie nun durch ihre Heirat von ihnen getrennt wurde. Die anderen genannten Rituale sollten vielleicht ebenso ihre Trauer über das Abschneiden ihrer selbst von ihrem früheren Leben symbolisieren.

Der Monat erlaubte es der gefangenen Frau, eine angemessene Zeit lang zu trauern, und er gab auch dem zukünftigen Ehemann Gelegenheit, über seine eingeleitete Entscheidung, sie als seine Ehefrau zu nehmen, nachzudenken. Denn mit einem geschorenen Kopf würde sie weniger attraktiv aussehen.

Die Wendung wenn du mit ihr nicht zufrieden bist bezieht sich wohl nicht auf irgendein unbedeutendes Problem in ihrer Beziehung, sondern auf die Weigerung der neuen Ehefrau, die geistlichen Werte ihres Ehemannes zu akzeptieren. In diesem Fall konnte der Ehemann die Ehe auflösen, indem er ihr alle Rechte zurückgab. Dadurch, daß es ihm verboten wurde, sie wie eine Sklavin zu behandeln , behielt die Frau, auch wenn sie durch die Scheidung entehrt worden war, immer noch ein gewisses Maß an Würde. Dieses Gesetz unterstreicht den Wert des menschlichen Lebens; es steht im Gegensatz zu der furchtbaren Behandlung von Kriegsgefangenen, wie sie im ganzen übrigen Alten Orient üblich war.

 

5Mo 21,15-17


(2) Das Recht der Erstgeburt ( 5Mo 21,15-17 )

Die Einehe war immer das göttliche Ideal für die Ehe im AT ( 1Mo 2,20-24 ). Die Vielehe erscheint im AT niemals in einem positiven Licht, obwohl sie von einigen praktiziert wurde; die Bibel beschreibt niemals eine wirklich glückliche Vielehe. Ein Grund dafür war, daß eine der Ehefrauen immer mehr geliebt wurde als die andere(n). Der Ehemann durfte in diesen Fällen nicht seinen Gefühlen folgen und das Gesetz mißachten. Seinem erstgeborenen Sohn mußte der doppelte Teil des väterlichen Erbes gegeben werden, auch wenn er der Sohn einer ungeliebten Ehefrau seines Vaters war.



5Mo 21,18-21


(3) Ein rebellischer Sohn ( 5Mo 21,18-21 )

Eine extreme Verletzung des fünften Gebotes "Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren" ( 5Mo 5,16 ), sollte mit dem Tod bestraft werden. Im Blickpunkt lag hier kein gelegentlicher Fall von Ungehorsam, sondern eine dauerhafte Rebellion gegen Vater und Mutter, auch nachdem die Eltern ihren Sohn vor den Konsequenzen seiner rebellischen Taten gewarnt hatten. Letztlich rebellierte der Sohn gegen Gottes Autorität und verletzte daher die Grundlagen der Bundesgemeinschaft. Die Gesetzgebung war hier weder grausam noch gab sie den Eltern das Recht, ihre Kinder zu mißbrauchen.

Der Sohn sollte zu den Ältesten am Tor gebracht werden (d. h. der Ort, wo das Gesetz gehandhabt wurde; vgl. 5Mo 22,15; Jos 20,4; Hi 29,7 ). Die Ältesten waren verpflichtet, ein unparteiisches Urteil zu fällen. Der Sohn wurde nicht verurteilt, weil er ein Verschwender und ein Trunkenbold war, sondern weil er rebellisch gewesen war. Sein Leben in Nachsicht mit sich selbst und seine Trunksucht waren einfach Zeichen seiner Rebellion gegen die elterliche Autorität. Alle Männer (statt den Eltern) waren dazu verpflichtet, den Sohn zu steinigen, wenn sich die Beschuldigungen als richtig erwiesen. Wieder wird die abschreckende Wirkung der Todesstrafe erwähnt: Ganz Israel wird davon hören und sich fürchten (vgl. 5Mo 13,12; 17,13 ). Es ist kein Bericht in der Bibel oder in der außerbiblischen Literatur bekannt, der darauf hinweist, daß diese Bestrafung jemals ausgeführt wurde. Die Angst vor dem Tod hielt offenbar jüdische Söhne davon ab, eigensinnige Rebellen zu sein.



c. Verschiedene Gesetze
( 21,22-22,12 )


(1) Ein aufgehängter Leichnam

5Mo 21,22-23


Einen Verbrecher hängte man nicht am Baum auf, um ihn zu Tode zu bringen. Vielmehr wurde sein Körper, nachdem er wegen eines der Todesstrafe würdigen Verbrechens hingerichtet worden war, zur Warnung für alle, die es sahen, an einem Baum aufgehängt, damit sie nicht das gleiche Verbrechen begingen. Der Verbrecher war nicht unter Gottes Fluch , weil sein Körper an einem Baum hing, sondern weil er Gottes Gesetz gebrochen hatte, als er ein Verbrechen beging, das des Todes würdig war. Daher sollte sein Körper nicht über Nacht am Baum gelassen werden. Diesen Text benutzte der Apostel Paulus ( Gal 3,13 ), um die Lehre von Christi stellvertretendem Tod als Strafe für die Sünden zu untermauern. Daß Christus unter dem Fluch Gottes war (vgl. den Kommentar zu Mk 15,34 ), machte es ihm möglich, uns vom "Fluch des Gesetzes" zu erlösen.

 

5Mo 22,1-4


(2) Der Viehbestand eines Mitisraeliten

Das Gesetz über den verlorenen Viehbestand war ein konkreter Ausdruck des ewigen moralischen Prinzips, "deinen Nächsten zu lieben wie dich selbst" ( 3Mo 19,18 ) und anderen so zu tun, wie "ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen" ( Mt 7,12 ). Die Regelung in 5Mo 22,1-4 bezieht sich nicht zuerst darauf, das verlorene Tier eines anderen zu nehmen, sondern vielmehr auf die natürliche Neigung, es wegen der zusätzlichen Zeit und Arbeit, die die Rückgabe mit sich bringt, zu übersehen. Wenn der Besitzer des Tieres weit weg wohnte oder unbekannt war, konnte der Finder es mit nach Hause nehmen, bis der Besitzer kam, um danach zu suchen. Das gleiche galt für einen verlorenen Mantel und andere Dinge, die gefunden wurden.

Das gleiche Prinzip sollte im Fall eines niedergestürzten Tieres angewandt werden (V. 4 ). Heutzutage würde dieses Gesetz in jedem Fall angewandt, wo ein Glaubender versucht wäre, sich nicht mit den Bedürfnissen eines anderen abzugeben (vgl. z. B. Jak 2,15-16; 1Joh 3,17 ).

 

5Mo 22,5


(3) Transvestismus

Kleidung des anderen Geschlechts zu tragen war verboten, weil es die Unterschiedlichkeit der Geschlechter undeutlich macht und auf diese Weise einen wichtigen Teil der geschaffenen Lebensordnung verletzt ( 1Mo 1,27 ). Vielleicht wurde es auch mit Homosexualität in Verbindung gebracht oder förderte sie. Das gleiche hebr. Wort, das mit abscheulich übersetzt wird ( tNZEBCh , wörtlich "eine abscheuliche Sache", nach anderer Übersetzung "ein Greuel"), wird gebraucht, um Gottes Sicht der Homosexualität zu beschreiben ( 3Mo 18,22; 20,13 ). Es gibt auch einige Beweise dafür, daß Transvestismus mit der Anbetung heidnischer Götzen in Verbindung stand. Da sich dieses Gesetz auf die göttliche Schöpfungsordnung bezog und Gott jeden, der das tut , verabscheut, sollten auch heutige Gläubige dieses Gebot beachten.

 

5Mo 22,6-7


(4) Vögel im Nest

Viele haben vermutet, daß dieses Gesetz gegeben worden ist, um den Israeliten Anteilnahme oder Ehrerbietung gegenüber elterlichen Beziehungen zu lehren, indem ein Unterrichtsobjekt aus der Tierwelt genommen wurde. Die Tatsache, daß es den Israeliten erlaubt war, die jungen Vögel zu nehmen , scheint allerdings dieser Sicht zu widersprechen. Wahrscheinlicher ist, daß Mose die Israeliten damit lehrte, diese Nahrungsquelle zu schützen. Indem sie den Muttervogel in Ruhe ließen, konnten sie die Geburt von weiteren Jungvögeln in der Zukunft erwarten. Gehorsam gegenüber dieser Bedingung würde, wie der Gehorsam gegenüber vielen anderen Gesetzen, zu Segen führen ( es wird dir gut gehen ; vgl. 5Mo 4,40; 5,16; 6,3.18; 12,25.28; 19,13 ).



5Mo 22,8


(5) Ein Geländer

Im Alten Orient wurde das Dach eines Hauses für verschiedene Zwecke genutzt. Ein Geländer auf dem Dach würde helfen, jemanden davor zu bewahren, vom Dach zu fallen. Dies war eine Gelegenheit "deinen Nächsten zu lieben wie dich selbst" ( 3Mo 19,18 ), indem man um seine Sicherheit besorgt war. Es betont weiterhin auch den Wert des menschlichen Lebens.

 

5Mo 22,9-11


(6) Verbot der Vermischung

Der Grund für diese Verbote, zwei verschiedene Sorten Saat auf einem Feld zu säen, einen Ochsen und einen Esel gemeinsam zum Pflügen anzuschirren und Wolle und Leinen ... gemeinsam zu tragen, ist unklar. Sie hatten wohl eine symbolische Bedeutung, um die Israeliten etwas über die Schöpfungsordnung zu lehren. Oder die in diesen Versen aufgezählten Mischungen weisen auf unbestimmte heidnische Kultpraktiken hin.

 

5Mo 22,12


(7) Quasten

Die Bedeutung dieser Anweisung über Quasten wird hier nicht erklärt, aber ihr Sinn wird aus 4Mo 15,37-41 deutlich. Die Quasten sollten als Erinnerung an die Gebote des Herrn und an Israels Verpflichtung, ihnen zu gehorchen, dienen.

 

d. Verletzungen der Ehe
( 22,13-23,1 )


5Mo 22,13-21


Dieses Gesetz sollte voreheliche Reinheit durchsetzen und Eltern ermutigen, ihren Kindern den Wert der sexuellen Reinheit einzuflößen. Das Gesetz konnte allerdings von einem skrupellosen Ehemann aus persönlichen Gründen gegen seine Frau mißbraucht werden oder vielleicht auch, um den Brautpreis, den er dem Brautvater ursprünglich gezahlt hatte, zurückzubekommen. Wenn ein solcher Ehemann Klage erhob, daß seine Ehefrau keine Jungfrau mehr war, als sie heirateten, waren ihre Eltern dazu verpflichtet, einen Beweis für ihre Jungfräulichkeit zu bringen. Das Beweisstück sollte ein Stoffstück sein, ein blutbeflecktes Kleidungsstück oder ein Bettuch aus der Hochzeitsnacht. Berichte aus verschiedenen Kulturen des Alten Orients weisen auf diese Art des öffentlichen Beweises hin.

Wenn die Eltern ein solches Beweisstück ihrer vorehelichen Jungfräulichkeit vorzeigten, sollte der Mann, der die falsche Anklage erhoben hatte, ausgepeitscht werden (die wahrscheinliche Bedeutung des Wortes schlagen , V. 18 ) und 100 Silberschekel (ungefähr 550g) bezahlen. Offensichtlich war dies der doppelte Brautpreis (V. 29 scheint darauf hinzuweisen, daß 50 Schekel der übliche Brautpreis war). Die Geldstrafe sollte dem Brautvater gegeben werden, weil auch er durch die Anklage verleumdet worden war, die sein Verlangen oder seine Fähigkeit, seinen Kindern Gottes Wertschätzung der sexuellen Reinheit weiterzuvermitteln, in Frage stellte. Auch seine Tochter hatte einen schlechten Ruf bekommen. Der Unterhalt der Ehefrau (und vielleicht ebenso das legale Recht des erstgeborenen Kindes) sollte durch den büßenden Verzicht des Mannes auf sein Recht, sich jederzeit von seiner Ehefrau scheiden zu lassen, geschützt werden (V. 19 ).



5Mo 22,23-27


Eine Jungfrau, die verlobt war , sollte wie eine verheiratete Frau behandelt werden. Es wurde vermutet, daß die sexuelle Vereinigung, die in einer Stadt geschah, nicht Vergewaltigung (V. 23-25 ), sondern Ehebruch war (d. h. das Mädchen war einverstanden). Wenn es ein Fall von Vergewaltigung gewesen wäre, hätte man ihre Hilfeschreie gehört, auch wenn man sie nicht hätte retten können. Wenn die Vergewaltigung auf dem Land passiert war, sollte man im Zweifelsfall dem verlobten Mädchen glauben, und nur der Mann sollte getötet werden (V. 25-27 ). Vergewaltigung wurde ebenso schwerwiegend wie Mord eingestuft und verdiente daher den Tod.



5Mo 22,28-29


Ein Mann, der eine unverlobte Jungfrau vergewaltigte , mußte sie heiraten (nachdem er den Brautpreis von 50 Schekeln an ihren Vater bezahlt hatte) und das Recht auf Scheidung aufgeben. Dies bewahrte bis zu einem gewissen Grad die Ehre des Mädchens und sicherte ihr (und ihrem Kind, wenn sie durch die Vergewaltigung schwanger geworden war) dauerhaften Unterhalt. Diese Bedingung diente vielleicht auch als Abschreckung vor Vergewaltigung, da der Mann ja mit der Frau den ganzen Rest seines Lebens zusammenleben mußte.

e

5Mo 23,1


Statt auf Ehebruch bezieht sich dieser Vers wahrscheinlich vielmehr auf einen Mann, der seine Stiefmutter nach dem Tod seines Vaters heiratet. Eine solche Heirat würde als Blutschande angesehen werden (vgl. 3Mo 18,8 ).



e. Ausschluss aus der Versammlung des Herrn
( 23,2-9 )


5Mo 23,2


Die Versammlung des HERRN bezieht sich hier wahrscheinlich auf die Menschen, die sich zu religiösen Zwecken versammelten. Daher behandeln dieses Gesetz und die Gesetze in den Versen 3-9 den Ausschluß von Israels "Anbetungsgottesdienst". Diese Gesetze scheinen einen besonderen zeremoniellen Charakter gehabt zu haben. Wie die Gesetze über Unreinheit (z. B. 3Mo 12-15 ) schließen sie keine individuelle Person wegen ihrer eigenen moralischen Sünde aus. Vielmehr hatten sie eine pädagogische oder symbolische Funktion. Darüber hinaus hinderte der Ausschluß aus dem "Gottesdienst" eine individuelle Person nicht daran, an den Herrn zu glauben und das Geschenk des ewigen Lebens anzunehmen.

Israels Geschichte zeigt, daß diese Gesetze (in 5Mo 23,2-9 ) niemals dazu bestimmt waren, gesetzlich ohne Beachtung der Umstände jeder individuellen Person, die vielleicht den Wunsch nach Anbetung mit Israel gehabt hatte, angewandt zu werden. Der Ausschluß einer kastrierten männlichen Person bezieht sich vielleicht auf eine Person, die sich selbst absichtlich wegen heidnischer religiöser Zwecke kastrierte. Auf jeden Fall sollte diese Regelung niemals bedeuten, daß ein Eunuch, der sich auf den Gehorsam gegenüber dem Herrn festgelegt hatte, auszuschließen war ( Jes 56,3-5 ). Allerdings sagen manche, daß dieses Gesetz dazu bestimmt war , alle Eunuchen, ungeachtet der Gründe für ihre Kastration, auszuschließen. Wenn das so ist, spiegelt das Gesetz wahrscheinlich die Tatsache wider, daß ein Eunuch nicht mehr wählen konnte, mit Gottes Hilfe Kinder zu haben. Etwas vom Bild Gottes war in dem Mann zerstört. Das Gesetz hätte dann symbolisch gelehrt, daß die Anbetenden vollkommen vor Gott sein sollten, wie die Opfer, die Gott dargebracht wurden, ohne körperliche Schäden sein sollten.



5Mo 23,3


Geboren aus einer verbotenen Heirat ist die Übersetzung eines ganz seltenen hebr. Wortes, dessen Bedeutung unsicher ist. ( M amzEr kommt im AT nur hier und in Sach 9,6 vor, wo es bildlich für Fremde gebraucht ist.) Traditionell ist es auf ein Kind aus einer illegalen Partnerschaft bezogen worden. Vielleicht bezieht sich der Ausdruck auch auf das Kind einer blutschänderischen Beziehung, das Kind einer kultischen Prostituierten oder auf das Kind einer gemischten Ehe (d. h. ein Mensch aus dem Volk Israel heiratete einen Menschen aus dem Volk der Ammoniter, Moabiter, Philister oder anderer). Wiederum würde die strenge Bestrafung einer solchen Person helfen, die Israeliten davon abzuhalten, diese Art von Ehe einzugehen.



5Mo 23,4-7


Ammoniter und Moabiter durften wegen ihrer Behandlung Israels während der Wüstenzeit nicht an Israels religiösen Versammlungen teilnehmen. Sie hatten Israel Brot und Wasser verweigert, und die Moabiter stellten durch Balak Bileam an, um Israel zu verfluchen ( 4Mo 22,2-6 ). (Israel sollte mit ihnen keinen Frieden schließen, 5Mo 23,7 .) Die Moabiter und die Ammoniter stammten von der blutschänderischen Vereinigung Lots mit seinen Töchtern ab ( 1Mo 19,30-38 ). Diese Tatsachen bestätigen, daß sie von Anfang an gegen den Herrn und sein Volk waren und es auch bleiben würden. Die Behandlung Ruts durch Boas zusammen mit anderen Israeliten zeigt allerdings, daß dieses Gesetz niemals dazu bestimmt war, jemanden auszuschließen, der sagte: "Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott" ( Rt 1,16 ). Jesaja schien eine ähnliche Interpretation gehabt zu haben (vgl. Jes 56,3.6-8 ), aber vielleicht sind diese Verse in Jesaja nur auf die Endzeit anzuwenden.

 

5Mo 23,8-9


Die Behandlung der Edomiter war milder, da sie ja von Esau ( 1Mo 36,40-43 ), Jakobs Bruder, abstammten. Die harte Behandlung Israels durch die Ägypter wurde wegen Israels langem Aufenthalts dort und vielleicht auch wegen der ursprünglich guten Behandlung Josefs und seiner Familie, als sie zum ersten Mal nach Ägypten kamen ( 1Mo 37-50 ), übergangen.

 

f. Unreinheit im Lager
( 23,10-15 )


5Mo 23,10-15


Vers 2-9 behandeln die Notwendigkeit, Reinheit in der religiösen Versammlung zu erhalten. Vers 10-15 beschäftigen sich mit der Reinheit des Kriegslagers. Der nächtliche Ausfluß eines Mannes machte ihn, obwohl er nicht in sich moralisch falsch war, kultisch für den ganzen nächsten Tag unrein. In ähnlicher Weise behandelte das Gebot, die Exkremente eines Menschen zu vergraben (V. 14 ), nicht den moralischen Bereich. Offensichtlich waren diese Gesetze ebenfalls kultischer Natur. Durch die regelmäßige Beachtung dieser Regelungen sollten israelitische Soldaten die Heiligkeit des Herrn und seine Allmacht in Erinnerung behalten. Auch in den ganz persönlichen Augenblicken im Leben eines Menschen war der heilige Gott mit ihm und achtete auf sein Verhalten.



g. Verschiedene Gesetze
( 23,16-25,19 )


(1) Entflohene Sklaven

5Mo 23,16-17


Die Sklaven, um die es hier geht, waren keine Israeliten. Sie waren Menschen aus anderen Ländern, die kamen, um in Israel Asyl zu suchen ( Flüchtlinge ). Das Gebot, ihn nicht seinem Herrn zu übergeben , stand der normalen Praxis im Alten Orient entgegen. Tatsächlich schlossen Verträge im Alten Orient die Vorsorge ein, daß entflohene Sklaven und andere Flüchtlinge zurückkehren mußten. Daher diente dieses Gesetz vielleicht als Erinnerung für Israel daran, daß sie einen Vertrag mit dem Herrn hatten und keinerlei politische Bündnisse mit einem anderen Volk brauchten. Vielleicht war dieses Gesetz, einen flüchtenden Sklaven nicht zu unterdrücken , auch dazu bestimmt, die Israeliten an ihre frühere Stellung als Sklaven in Ägypten zu erinnern.



5Mo 23,18


(2) Prostitution ( 5Mo 23,18-19 )

Tempelprostitution war in den Religionen des Alten Orients üblich. Das Verbot hier sollte wahrscheinlich davor schützen, daß eine fremde Religion von den Israeliten ausgeübt wurde, und sollte die Anbetung des Herrn vor Verunreinigung mit Tempelprostitution bewahren. Die spätere Geschichte Israels ist mit Beispielen ihres Versagens diesem Gebot gegenüber angefüllt (vgl. z. B. 1Kö 14,24;15,12;1 .Kö 22,47; 2Kö 23,7; Hos 4,14 ).



5Mo 23,19


Das Wort für Prostituierte weist hier darauf hin, daß generell Prostitution im Blick war, nicht speziell Tempelprostitution. Das Wort für weibliche Prostituierte ist zNnCh , das Wort für männlicher Prostituierter ist keleB (wörtlich: Hund). Ein Gelübde durfte nicht mit Geld, das bei dieser sündigen Praxis verdient worden war, bezahlt werden. Die Bezahlung eines Gelübdes erlaubte es einem Israeliten, seine Dankbarkeit für Gottes gnädige Vorsorge in seinem Leben auszudrücken. Daher war der Gebrauch von Geld, das Gott nicht zur Bezahlung eines Gelübdes vorgesehen hatte, unaufrichtig und heuchlerisch. Kein Wunder, daß es dem Herrn widerwärtig war. (Andere widerwärtige Dinge waren Götzendienst, Darbringen von Opfertieren mit Schäden und Unehrlichkeit; vgl. das Wort "Greuel" in 5Mo 7,25-26; 12,31; 13,15; 14,3; 17,1.4; 18,9.12 (zweimal); 5Mo 20,18; 22,5; 24,4; 25,16; 27,15; 29,16; 32,16 )



5Mo 23,20


(3) Geldverleih und Zinsen ( 5Mo 23,20-21 )

Die parallelen Stellen ( 2Mo 22,24; 3Mo 25,35-37 ) machen deutlich, daß der Bruder, der Geld lieh, ein Israelit war (vgl. 5Mo 23,20 ), der arm geworden oder in schwerer Not war. Er lieh sich kein Geld, um sich in kapitalistischen Geschäften zu engagieren. Einem armen Bruder Zinsen abzuverlangen würde nur seinen Zustand verschlimmern und ebenso der Gier des einen, der reich genug war, um verleihen zu können, Nahrung geben.



5Mo 23,21


Einem Israeliten war es erlaubt, einem Ausländer Zinsen abzuverlangen , da er ja kein Mitglied der Bundesgemeinschaft und ein Fremder im verheißenen Land war. Wahrscheinlich war der "Ausländer" ein Kaufmann, und das Darlehen, um das er nachsuchte, sollte zu geschäftlichem Erfolg verhelfen.

 

5Mo 23,22-24


(4) Gelübde

Dieses Gesetz betonte die Notwendigkeit für die Israeliten, vor ihrem Gott vollkommen ehrlich und vorsichtig in ihren mündlichen Versprechungen ihm gegenüber zu sein. Das Gelübde, um das es hier geht, war eines, das vom Anbetenden freiwillig gegeben wurde. Wer es gegeben hatte, mußte es auch halten (vgl. Spr 20,25; Pred 5,4-5 ), wie auch der Herr seine Verheißungen gegenüber Israel gehalten hatte.

 

5Mo 23,25-26


(5) Essen auf den Feldern des Nachbarn

Dieses Gesetz gab, wie die Gesetze in 5Mo 22,1-4 einen konkreten Ausdruck des Prinzips, den Nachbarn wie sich selbst zu lieben. Ein Reisender hatte das Recht, sich an einem Weinberg oder Getreidefeld zu erfrischen, aber er hatte nicht das Recht, Weintrauben oder die Ernte des Feldes mitzunehmen. Da der Herr in der Vorsorge für den Landwirt gnädig gewesen war, sollte er nun als Antwort darauf einem durch sein Land reisenden Fremden gegenüber gnädig sein.



5Mo 24,1-4


(6) Scheidung und Wiederheirat

Scheidung war im Alten Orient weit verbreitet. Das AT betrachtete Scheidung allerdings immer als eine Tragödie (vgl. Mal 2,16 ). Die Gebote in 5Mo 24,1-4 wurden gegeben, um eine bereits bestehende Praxis zu regeln. Etwas Unanständiges, das ein Ehemann vielleicht an seiner Ehefrau finden könnte, kann sich nicht auf Ehebruch beziehen, weil darauf die Todesstrafe stand ( 5Mo 22,22 ). Das Unanständige kann sich auch nicht auf einen vorehelichen Verkehr mit einem anderen Mann beziehen, weil darauf ebenfalls die Todesstrafe stand ( 5Mo 22,20-21 ). Die genaue Bedeutung dieses Satzes ist unbekannt. Wenn ein Mann etwas Unanständiges fand, wurde ihr der Scheidungsschein , den er schrieb, offensichtlich zu ihrem Schutz unter dem Gesetz gegeben. Wenn sie nach der Scheidung wieder heiratete und dann ihr zweiter Ehemann sich scheiden ließ oder starb, durfte ihr erster Ehemann sie nicht wieder heiraten, da sie ja verunreinigt worden war. Das Wort, das mit "verunreinigt" übersetzt wird, wurde auch zur Beschreibung eines Mannes benutzt, der Ehebruch begangen hatte ( 3Mo 18,20 ). Daher läßt der Gebrauch dieses Wortes zur Beschreibung einer Frau, die geschieden worden und mit demselben Mann wieder verheiratet war, darauf schließen, daß Scheidung als etwas Negatives betrachtet wurde, auch wenn Mose es erlaubte. Eine Wiederheirat mit dem früheren Ehemann würde gleichbedeutend mit einem legalen Ehebruch und daher dem HERRN widerwärtig (vgl. den Kommentar zu "ein Greuel", 5Mo 23,19 ) sein. Der Zweck dieses Gesetzes scheint gewesen zu sein, leichtfertige Scheidung zu verhindern und Scheidung selbst in einem verächtlichem Licht darzustellen. Jesu Interpretation dieses Abschnitts läßt darauf schließen, daß Scheidung (wie Vielehe) gegen das göttliche Ideal für die Ehe war (vgl. den Kommentar zu Mt 19,3-9 ).

 

5Mo 24,5


(7) Frisch Verheiratete

Wie das vorangegangene Gesetz (V. 1-4 ) betonte auch dieses Gebot die Bedeutung von Ehe und Familie. Es wurde als ziemlich herzlos bezeichnet, einen frisch verheirateten Mann in den Krieg zu schicken (vgl. 5Mo 20,7 ). Wenn er in einer Schlacht getötet würde, hätte er wahrscheinlich keine Nachkommenschaft gehabt, um seinen Namen in Israel zu erhalten (zur Bedeutung dessen vgl. 5Mo 25,5-10 ). Ein frisch verheirateter Mann sollte auch frei von anderen Verantwortungen sein, um Zeit zu haben, sich darauf einzustellen und seiner Frau Freude zu bereiten.



5Mo 24,6


(8) Pfandstücke

Mühlsteine wurden in den Häusern täglich zum Mahlen von Getreide für das Zubereiten von Essen gebraucht. Beide oder einen von ihnen als Sicherheit für eine Schuld zu nehmen, würde letztlich einen Mann um sein tägliches Brot bringen ( Lebensunterhalt ) und daher dem Geist der Großzügigkeit widersprechen, der den Verleiher zu allererst bewegen sollte.



5Mo 24,7


(9) Entführung

Offensichtlich war das Verbrechen der Entführung im Alten Orient üblich, weil es auch in den Gesetzessammlungen Mesopotamiens und des hetitischen Reiches vorkommt. Da eine Entführung das Opfer ja seiner Freiheit beraubte (indem man ihn als Sklaven benutzte oder ihn verkaufte ), sollte der Entführer mit dem Tod bestraft werden - als ob er dem Opfer das Leben genommen hätte. Dies war ein weiteres von verschiedenen Verbrechen, die die Todesstrafe verdienten. Zur Reinigung vom Bösen vgl. den Kommentar zu 5Mo 13,6 .



5Mo 24,8-9


(10) Aussatz

Das hebräische Wort, das mit lepröser Aussatz übersetzt wurde, weist auf eine breite Palette von Hautausschlägen hin, nicht nur auf Lepra. Statt die Gesetzgebung bezüglich solcher Ausschläge zu wiederholen, wies Mose die Menschen auf seine ursprüngliche Anweisung in 3Mo 13-14 hin ( was ich den Priestern geboten habe ). Die Motivation, dieser kultischen Gesetzgebung zu gehorchen, wurde von Mirjam geliefert, die, weil sie Mose widerstanden hatte, mit Lepra geschlagen worden war ( 4Mo 12 ).

 

5Mo 24,10-11


(11) Pfandnahme ( 5Mo 24,10-13 )

Die Würde des Leihenden wurde durch das Verbot gegenüber dem Verleiher, sein Haus zu betreten und irgend etwas, was er wünschte, als Pfand zu nehmen, gewahrt.



5Mo 24,12-13


(11) Pfandnahme ( 5Mo 24,10-13 )

Wenn der Leihende so arm war, daß alles, was er als Pfand anbieten konnte, sein Mantel war (der ihm als Decke in der Nacht diente), dann sollte der Verleiher ihn vor der Dämmerung zurückgeben (vgl. 2Mo 22,25-26; Hi 22,6 ). Wenn der Verleiher so handelte, liebte er seinen Nächsten wie sich selbst.



5Mo 24,14-15


(12) Bezahlung von Arbeitern

Ein Tagelöhner, der arm war, sollte seinen Lohn jeden Tag ausbezahlt bekommen, nicht wöchentlich oder monatlich. Der Satz, er ist darauf angewiesen, scheint darauf hinzuweisen, daß er jeden Tag ausbezahlt werden mußte, um für Nahrung für sich selbst und seine Familie sorgen zu können. Für einen reichen Arbeitgeber wäre es leicht gewesen, dem armen Mann seinen Lohn vorzuenthalten. Aber der Arbeitgeber sollte sich daran erinnern, daß Israel einst vom Pharao solange unterdrückt worden war, bis es zum Herrn schrie (vgl. 2Mo 2,23; 3,9 ). Wenn der arme Mann ebenso zum Herrn schreien würde, könnte der Arbeitgeber ähnlich gerichtet werden wie der Pharao.

 

5Mo 24,16


(13) Verantwortung für Schuld in der Familie

Obwohl in den Gesetzessammlungen des Alten Orients persönliche Verantwortung die Norm war, war es in manchen Fällen erlaubt, einen Sohn an Stelle seines Vaters zu töten (z. B. Codex des Hammurabi, Gesetz 230), obwohl wiederum (vgl. den Kommentar zu 5Mo 22,22 ) keine Berichte über Gerichtsurteile darauf hinweisen, daß dies jemals ausgeführt wurde. Mose verbot eine solche Praxis: Jeder soll für seine eigene Sünde sterben (vgl. den Kommentar zu 4Mo 14,26-35 ). Es stimmte allerdings, daß ein Vater, der gegen den Herrn rebellierte, seine Nachkommen beeinflußte, dasselbe zutun (vgl. den Kommentar zu 5Mo 5,9 ).



5Mo 24,17-18


(14) Behandlung von Ausländern, Waisen und Witwen ( 5Mo 24,17-22 )

Ausländer, Waisen und Witwen (vgl. V. 19-21 ) konnten in den Gerichtshöfen und von den Reichen sehr leicht unterdrückt werden. Bedürftige Menschen sollten in Israel aber mit Liebe und Gerechtigkeit behandelt werden (vgl. 5Mo 10,18-19; 27,19 ), besonders im Licht von Israels früherer Unterdrückung durch den Pharao und seiner Befreiung aus Ägypten ( 5Mo 15,15; 24,22 ). Wenn das Volk vergessen würde, in dieser Beziehung richtig zu handeln, würde Gott es wohl richten, wie er es mit Ägypten auch getan hatte. Zur Wegnahme der Kleidung einer Witwe als Pfand vgl. den Kommentar zu Vers 12-13 .



5Mo 24,19-22


(14) Behandlung von Ausländern, Waisen und Witwen ( 5Mo 24,17-22 )

Dieses Gesetz, etwas Getreide (Gerste und Weizen), Oliven und Weintrauben übrig zu lassen, ermöglichte es Ausländern, Waisen und Witwen, während der Erntezeit Ähren aufzulesen (vgl. 3Mo 23,22 ). Auf diese Weise waren die Bedürftigen nicht dazu gezwungen, sich zum Betteln zu erniedrigen oder nach Wohlfahrt zu suchen. Sie konnten immer noch für ihre Nahrung arbeiten. Den Landwirten wurde auf diese Weise auch Gelegenheit gegeben, ihre Dankbarkeit gegenüber dem Herrn für seine überreiche Vorsorge und ihre Liebe zu den ärmeren Mitgliedern in der Bundesgemeinschaft auszudrücken.



5Mo 25,1-3


(15) Verfolgung von Straftätern

Wenn zwei Menschen miteinander einen Streit hatten, den sie nicht selbst beilegen konnten, sollten sie die Gerichte ... entscheiden lassen, wer von ihnen unschuldig und wer schuldig war. Der Hauptzweck dieses Gesetzes war es, körperliche Strafen zu regeln. Nachdem im Gerichtshof ein Fall entschieden worden war, sollte der schuldige Mann in der Gegenwart des vorsitzenden Richters gezüchtigt werden, und es war darauf zu achten, daß die Strafe sofort ausgeführt wurde. Die Würde des schuldigen Mannes wurde größtenteils bewahrt, weil es nicht erlaubt war, ihn mehr als 40 Mal zu schlagen (möglicherweise mit einer Rute; vgl. 2Mo 21,20 ). Der Codex des Hammurabi (Gesetz 202) erlaubte 60, spätere assyrische Gesetze zwischen 40 und 50 Peitschenhiebe. In neutestamentlicher Zeit gaben die Juden 39 Peitschenhiebe als Schutz, nicht über 40 zu kommen, falls man sich verzählte ( 2Kor 11,24 ). Es ist oft gesagt worden, daß Jesu Geißelung aus 39 Peitschenhieben bestand, aber da er ja von den Römern und nicht von den Juden geschlagen wurde, ist die Zahl der Peitschenhiebe, die er erhielt, nicht bekannt. Manchmal waren die Römer bei ihren Geißelungen übermäßig grausam.



5Mo 25,4


(16) Ein arbeitender Ochse

Das Gebot, einem Ochsen, während er Getreide drischt (auf einem Dreschboden, um die Getreidehalme zum Worfeln aufzubrechen), keinen Maulkorb anzulegen , betonte Güte und Fairness gegenüber den Tieren, die einem Menschen halfen, sein tägliches Brot zu verdienen. Der Gebrauch dieses Verses bei Paulus ( 1Kor 9,9 ) deutete nicht an, daß Gott nicht für die Ochsen sorgt. Paulus meint, daß Gott, wenn er einen arbeitenden Ochsen schützt, umso mehr doch wohl auch menschliche Arbeiter schützt, besonders solche, die für sein Königreich arbeiten (vgl. den Kommentar zu 1Kor 9,9-10 ).



5Mo 25,5-6


(17) Leviratsehe ( 5Mo 25,5-10 ).

Nur bei einer bestimmten Art von Umständen war eine Heirat mit einem nahen Verwandten erlaubt. Heirat mit einer geschiedenen oder verwitweten Schwägerin war verboten ( 3Mo 18,16 ), falls nicht die folgenden Bedingungen vorlagen. Die Brüder mußten zusammen gelebt haben (d. h. sie hatten den familiären Besitz gemeinschaftlich vererbt bekommen), und der verstorbene Bruder mußte ohne einen männlichen Erben gestorben sein. Wenn beide Bedingungen vorlagen, mußte eine Leviratsehe ( Schwager oder der Bruder des Ehemannes ) vollzogen werden. Eine Leviratsehe würde so für einen männlichen Erben sorgen, der dann wiederum für die Eltern im Alter sorgen und den Familienbesitz vor Veräußerung schützen konnte.

Weiterhin sollte dem ersten Sohn, der aus der Schwagerehe geboren wurde, der Name des verstorbenen Bruders gegeben werden, so daß sein Name nicht aus dem Land Israel ausgelöscht wurde. Auf diese Weise konnte ein Mann, obwohl er gestorben war, bevor der Herr die Bundesverheißungen, die er Abraham und seinen Nachkommen gegeben hatte ( 1Mo 15,5.18-21; 17,19; 22,17-18; 28,13-14; 35,12 ), erfüllt waren, in gewisser Weise an der wunderbaren Zukunft Israels durch seine Nachkommen teilnehmen.



5Mo 25,7-10


(17) Leviratsehe ( 5Mo 25,5-10 ).

Wenn der Schwager einer Witwe sich weigerte, seine Pflicht zu erfüllen - entweder aus Habsucht (weil er den Familienbesitz nicht mit seiner Schwägerin teilen wollte) oder aus Abneigung gegen seine Schwägerin - konnte sie den Ältesten seiner Stadt darüber berichten. Dann konnte sie eine von seinen Sandalen wegnehmen und in sein Gesicht spucken. Das alles würde ihre tiefe Mißbilligung seiner Weigerung zeigen. Diese für ihn unangenehme Lage, zusammen mit dem Makel, wegen seiner Weigerung bekannt zu werden, zeigt, wie Gott sozialen Druck dazu benutzte, um sein Volk zum Gehorsam zu bewegen.



5Mo 25,11-12


(18) Beendigung eines Kampfes

Dies ist der einzige Fall im Gesetz, in dem körperliche Verstümmelung als Strafe für ein Vergehen verhängt wurde (vgl. den Kommentar zu 5Mo 19,21 ). Israels Zurückhaltung in diesem Punkt steht im Gegensatz zu den übrigen alten nahöstlichen Gesetzessammlungen, die für eine weite Spannbreite von körperlichen Verstümmelungen, abhängig von der Art des Verbrechens, sorgten (z. B. sollte im assyrischen Gesetz ein Mann, der auf offener Straße eine Frau küßte, die nicht seine eigene war, seine Lippe mit einem Schwert abgeschnitten bekommen). Das Gebot in 5Mo 25,11-12 war wahrscheinlich dazu bestimmt, das weibliche Zartgefühl und die Fähigkeit eines Mannes, Nachkommen zu schaffen, zu schützen. Dieser zweite Zweck hilft vielleicht zu erklären, warum das Gesetz hier unmittelbar nach den Anweisungen zur Leviratsehe (V. 5-10 ) folgt. Dies ist das vierte Mal in 5.Mose, daß Mose die Menschen anwies, kein Mitleid bei der Ausführung von Strafe für falsches Verhalten zu zeigen (vgl. 5Mo 13,9; 19,13.21 ).



5Mo 25,13-16


(19) Unterschiedliche Gewichte

Die Israeliten sollten vollkommen ehrlich in ihren Geschäftsbelangen sein. Sie konnten es sich gut leisten, so zu sein, da es ja letztlich der Herr war, der ihnen Besitz vorenthalten oder geben würde. Solche Ehrlichkeit im Geschäftsleben war eine Möglichkeit, das Vertrauen zur Fähigkeit des Herrn, zu unterstützen und ein langes Leben zu geben, auszurufen. Das Thema ehrlicher und unehrlicher Gewichte, Maße und Skalen kommt im AT häufig vor ( Spr 11,1; 16,11; 20,10.23; Am 8,5; Mi 6,11; vgl. den Kommentar zu Hos 12,8 ). Zum Versprechen eines langen Lebens im Land vgl. 5Mo 5,16; 6,2; 11,9; 32,47 .



5Mo 25,17-19


(20) Die Vernichtung der Amalekiter

Die Amalekiter waren ein nomadischer Wüstenstamm, der sich vom Sinai nordwärts bis zum oberen Arabien erstreckte (vgl. 1Sam 15,7; 27,8 ). Ihre Herkunft wird auf Amalek, den Sohn des Elifas und Enkel Esaus ( 1Mo 36,12 ), zurückgeführt. Der Verweis auf "das ganze Land der Amalekiter" ( 1Mo 14,7 ) ist absichtlich anachronistisch. Im Pentateuch werden zwei besondere Schlachten mit den Amalekitern erwähnt ( 2Mo 17,8-16; 4Mo 14,39-45 ), aber 5Mo 25,17-19 scheint auf eine Reihe von Feindlichkeiten hinzuweisen, die nirgendwo anders erwähnt werden. Der durch nichts provozierte Angriff auf die schwachen, kranken und hilflosen Israeliten, die zurückgefallen waren, bezeugt die Grausamkeit und Feigheit der Amalekiter ebenso wie den völligen Mangel an Furcht vor Israels Gott. Da nun die Amalekiter mit Israel keine Gnade gehabt hatten, sollte Israel niemanden von ihnen übrig lassen. Israel sollte die Erinnerung an Amalek unter dem Himmel auslöschen . Mehr als 400 Jahre später besiegte David die Amalekiter ( 2Sam 1,1 ), aber sie waren bis etwa 300 Jahre später in den Tagen Hiskias noch nicht vollkommen vernichtet ( 1Chr 4,41-43 ). Das strenge Gebot Vergiß es nicht! ist das letzte von neun solcher Gebote in 5.Mose (vgl. den Kommentar zu 5Mo 4,9 ).


12. Zwei liturgische Zeremonien
( 26,1-15 )


a. Liturgie für die Darbringung der ersten Früchte
( 26,1-11 )


5Mo 26,1-4


Wenn Israel von dem Land Besitz ergriffen hatte (vgl. den Kommentar zu 5Mo 1,8 ), sollten sie zwei Rituale feiern. Da es ja die Gesetzgebung bezüglich des Zehnten in jedem dritten Jahr gab ( 5Mo 14,28-29 ), scheint es, daß diese beiden Rituale, die das Opfer der ersten Früchte ( 5Mo 26,2-11 ) und den Zehnten "im dritten Jahr" (V. 12-15 ) begleiteten, nur einmal praktiziert werden sollten, das eine nach der ersten Ernte Israels und das andere, nachdem sie drei Jahre in dem Land gewesen sein würden. Sie waren dazu gegeben, um Israels Übergang von der nomadischen Lebensweise zu einer seßhaften, landwirtschaftlichen Gemeinschaft, die durch die Segnungen des Herrn ermöglicht wurde, zu feiern.

Das erste Ritual bestand darin, die ersten Früchte (d. h. das anfängliche Ernteprodukt; vgl. 3Mo 23,9-14 ) zum Priester am zentralen Heiligtum zu bringen. Die Erklärung des Opfernden, ich erkläre heute, daß ich in dieses Land gekommen bin , war ein Zeugnis von der Treue des Herrn, das Volk in das Land seiner Verheißung zu bringen. Auf diese Weise hatte jeder aus dem ganzen Volk vom Anfang des neuen Lebens an die Gelegenheit, persönlich vor Gott zu kommen und sein oder ihr Vertrauen zu ihm zu bekennen. Der Priester sollte den Korb der ersten Früchte nehmen ( 5Mo 26,4; vgl. V. 2 ), offensichtlich einige Worte sagen und ihn dann dem Anbetenden zurückgeben.



5Mo 26,5-10


Der zweite Teil des Rituals war ein stärker ausgearbeitetes Bekenntnis zur Treue Gottes (V. 5-10 a), gefolgt von einer weiteren Präsentation des Korbes (V. 10 b). Das Bekenntnis hob sowohl Gottes Treue als auch die wunderbare Weise der Rettung Israels hervor.

Ein umherziehender Aramäer bezieht sich auf Jakob, der ein Vater, oder vielmehr ein Vorfahr Israels war. Als Abraham Ur verlassen hatte, wohnte er für eine Weile in Haran, einer Stadt in Aram im oberen Mesopotamien ( 1Mo 11,28-32 ). Abraham zog nach Kanaan weiter, aber einige seiner Verwandten blieben dort und wurden als Aramäer bekannt. Isaak und Jakob heirateten Frauen aus diesem aramäischen Zweig ihrer Familie. So konnte auch Jakob ein Aramäer genannt werden. Das Wort, das mit "umherziehen" übersetzt wird, meint üblicherweise "vernichten" oder "kränkeln". Jakob war bereits 130 Jahre alt, als er nach Ägypten hinabzog , wo er nur 17 weitere Jahre lebte. Die wenigen Menschen in seiner Familie waren 70 Menschen ( 1Mo 46,27 ).

Obwohl die Ägypter das Volk Israel mißhandelten, wuchs es. Gott antwortete auf den Schrei der unterdrückten Menschen mit ihrer wunderbaren Befreiung aus Ägypten durch seine mächtige Hand und seinen ausgereckten Arm (vgl. den Kommentar zu 5Mo 4,34 ), einschließlich seines Gebrauchs von wunderbaren Zeichen und Wundern (vgl. 5Mo 4,34; 6,22; 7,19; 26,8; 29,2 ).

Obwohl in Kanaan mächtige Völker lebten, würde Israel dieses Land, wo Milch und Honig fließen , besitzen (vgl. 5Mo 26,15 und vgl. den Kommentar zu 2Mo 3,8 ). Kurz, das Bekenntnis unterstrich Gottes wunderbares Wirken an jedem Wendepunkt in ihrer Geschichte.



5Mo 26,11


Nach Jahrhunderten des Leidens und Wartens war es angemessen, daß sich jede Familie mit allen Bedürftigen in Israel wieder über die überreichen Segnungen des Herrn freute.



b. Liturgie für die Präsentation des Zehnten nach den ersten drei Jahren
( 26,12-15 )


5Mo 26,12


Wie im Kommentar zu Vers 1-4 festgestellt, war dieser Zehnte wohl ein einmaliges Opfer gewesen, das nach Israels ersten drei Jahren im Land dargebracht werden sollte.



5Mo 26,13-15


Das Bekenntnis, das in Verbindung mit dem Opfer des Zehnten gegeben werden sollte, beinhaltete eine positive Feststellung (V. 13 ), eine negative Feststellung (V. 14 ) und ein Segensgebet (V. 15 ). Da dieser Zehnte ja in den Städten ausgeteilt wurde und dort das zentrale Heiligtum nicht erwähnt wird, sollte dieses Bekenntnis wahrscheinlich in den Häusern der Menschen abgegeben werden. Der Hintergrund der negativen Feststellungen in Vers 14 ist undeutlich, aber es bezog sich wohl auf kanaanäische religiöse Praktiken. Der Opfernde sollte darauf hingewiesen werden, weder während des Trauerns etwas vom Zehnten zu essen noch irgend etwas davon beiseite zu tun, während er unrein war noch irgend etwas für einen Toten zu opfern.

Das Segensgebet (V. 15 ) für die Menschen und das Land betonte Israels Abhängigkeit vom Herrn und von Gottes Gnade. Er ist so transzendent, daß er im Himmel wohnt, aber zur gleichen Zeit ist er seinem Volk so nahe, daß er ihre Gebete auf der Erde hört. (Zum Land, wo Milch und Honig fließen vgl. V. 9 und den Kommentar zu 2Mo 3,8 .)



D. Eine Erklärung der Hingabe
( 26,16-19 )


Diese vier Verse beenden Moses Erklärung des Gesetzes ( 5Mo 5,1-26,15 ), indem zu einer vollkommenen Verpflichtung gegenüber dem Herrn und seinen Geboten aufgerufen, und indem Gottes Verpflichtung Israel gegenüber bestätigt wird. Dieser Abschnitt kann auch als formale Bestätigung des Bundes zwischen dem Herrn und Israel angesehen werden, auch wenn das Wort "Bund" nicht in diesen vier Versen vorkommt. Israel nahm seine Bundesverantwortung an und bestätigte sie, und der Herr bestätigte sein Versprechen, ein gehorsames Israel über alle Völker der Erde zu erheben.



1. Israels Verpflichtung
( 26,16-17 )


5Mo 26,16-17


Israel sollte sich selbst damit beschäftigen, sorgsam und vorbehaltlos ( von ganzem Herzen und von ganzer Kraft , vgl. den Kommentar zu 5Mo 6,5 ) den Befehlen und Gesetzen des Herrn zu gehorchen. Die Worte du hast erklärt waren ein technischer Ausdruck in der Handelssprache des Alten Orients. Er bedeutete, daß Israel offiziell die Bestimmungen des Bundes des Herrn akzeptierte und seine Verpflichtung, ihnen zu gehorchen, anerkannte.


Das fünfte Buch Mose

2. Die Verpflichtung des Herrn
( 26,18-19 )


5Mo 26,18-19


Mit derselben vertraglichen Ausdrucksweise ( hat erklärt , vgl. V. 18 ) erkannte der Herr formal seine Verpflichtung gegenüber Israel, sein Gott zu sein und aus ihm sein am höchsten wertgeschätztes Volk der Welt zu machen, an. Die Wiederholung der Verpflichtung Israels ( du sollst alle seine Gebote halten ) erinnerte Israel daran, daß seine besondere Ehrenstellung von seinem Gehorsam ihm gegenüber abhing. Des Herrn hochgeschätzter Besitz zu sein (vgl. 5Mo 7,6; 14,2; Ps 135,4; Mal 3,17; vgl. den Kommentar zu 2Mo 19,5 ) bedeutete, daß er Israel hoch über alle Völker erheben würde (vgl. 5Mo 28,1 ). Durch Ungehorsam und Rebellion verwirkten Generationen über Generationen von Israeliten ihr Recht, über die anderen Völker erhoben zu sein. Aber Jesaja schrieb, daß Israels Rebellion nicht ewig andauern würde, weil der Herr in der Zukunft eine Generation von treuen Israeliten erwecken würde, die Gottes Gnade in einem goldenen Zeitalter des Segens genießen würden ( Jes 60-62 ). Dieses Zeitalter wird allgemein das Tausendjährige Reich genannt.

 

IV. Die dritte Rede Moses: Das Gebot der Bundeserneuerung und die Erklärung von Segen und Fluch
( 27,1-28,69 )


Eine neue Rede wird durch die Erwähnung Moses in der dritten Person gekennzeichnet ( 5Mo 27,1 ). Mose war seit 5Mo 5,1 ,seit dem Anfang der zweiten Rede, nicht mehr in der dritten Person genannt worden. Er hatte die generellen Forderungen aus dem Gesetz des Herrn ( 5Mo 5-11 ) und die besonderen Einzelheiten des Gesetzes ( 5Mo 12,1-26,15 ) erklärt. Durch die ganze Geschichte Israels hindurch würde es nötig sein, das Volk zur Erneuerung der Bundesverpflichtungen und zum Gehorsam zu rufen. Diese Erneuerungen würden an besonderen Punkten seiner Geschichte stattfinden, wie etwa zur Vorbereitung des Eintritts in das verheißene Land ( 5Mo 27 ), zur Weihe des salomonischen Tempels ( 1Kö 8 ) und während eines Wechsels in der Leiterschaft ( Jos 24; 1Sam 12 ).

So gab Mose Richtlinien für eine Zeremonie zur Bundeserneuerung, die befolgt werden sollte, wenn Israel das verheißene Land betrat ( 5Mo 27 ). Dann wandte Mose seine Aufmerksamkeit wieder den Menschen in den Gebieten von Moab zu und stellte ihnen die Segnungen und die Flüche des Bundes vor Augen ( 5Mo 28 ). Verträge des Alten Orients hatten am Ende einen Abschnitt mit Segnungen und Flüchen (vgl. die Ausführungen zum Aufbau von 5.Mose in der Einleitung ). Die Segnungen wurden für Treue gegenüber dem Vertrag versprochen, die Flüche im Fall von Ungehorsam angedroht.



A. Das Gebot der Bundeserneuerung
( 5Mo 27 )


1. Das Aufschreiben des Gesetzes und das Opfern
( 27,1-10 )