habt: 1. Tim 4,16; 5. Mo 4,9; Hebr 12,15 Aufsehern: Apg 20,17; Apg 14,23; Eph 4,11; 1. Tim 3,1-7; Hebr 13,17 hüten: Jer 3,15; 1. Petr 5,2-4 erworben: Eph 1,7; Eph 5,25; Tit 2,14; 1. Petr 1,18-19
| MacDonald-Kommentar | |
| Unter anderem waren sie verantwortlich, »die Gemeinde Gottes zu hüten«. Die Bedeutung eines solchen Auftrags zeigt sich in den folgenden Worten: »die er durch sein eigenes Blut erworben hat« (LU 1984). Dieser letzte Satz ist die Ursache für viele Diskussionen und Streitigkeiten zwischen den Bibelgelehrten geworden. Die Schwierigkeit liegt darin, dass hier Gott dargestellt wird, als habe er »sein Blut« vergossen, obwohl Gott doch Geist ist. Es war der Herr Jesus, der sein Blut vergossen hat, und obwohl Jesus Gott ist, wird an keiner anderen Stelle der Bibel ausgesagt, dass Gott gelitten hat oder gestorben ist. | |
| Einige Manuskripte lesen: ». . . die Gemeinde des Herrn und Gottes, die er sich erworben hat durch sein eigenes Blut.« Damit wird ausgesagt, dass es die zweite Person der Gottheit ist, die ihr Blut vergossen hat (nämlich der Herr Jesus). | |
| Die unrevidierte Elberfelder Bibel kommt wohl dem wahren Sinn dieses Abschnittes am nächsten, wenn sie übersetzt: ». . . die Versammlung Gottes . . ., welche er sich erworben hat durch das Blut seines Eigenen.« Hier ist Gott derjenige, der die Gemeinde erkauft hat, doch er tat es mit dem Blut seines Sohnes, dem wunderbaren Herrn Jesus. |
προσέχετε ἑαυτοῖς καὶ παντὶ τῷ ποιμνίῳ, ἐν ᾧ ὑμᾶς τὸ πνεῦμα τὸ ἅγιον ἔθετο ἐπισκόπους, ποιμαίνειν τὴν ἐκκλησίαν τοῦ θεοῦ, ἣν περιεποιήσατο διὰ τοῦ αἵματος τοῦ ἰδίου.
Übersetzung (wörtlich):
„… die Gemeinde Gottes, die er sich erworben hat durch das Blut des Eigenen.“
Hebräisch / Griechisch
Elberfelder 1905
Apostelgeschichte
Apg 20,28 ⸀προσέχετε ἑαυτοῖς καὶ παντὶ τῷ ποιμνίῳ, ἐν ᾧ ὑμᾶς τὸ πνεῦμα τὸ ἅγιον ἔθετο ἐπισκόπους, ποιμαίνειν τὴν ἐκκλησίαν τοῦ ⸀θεοῦ, ἣν περιεποιήσατο διὰ τοῦ ⸂αἵματος τοῦ ἰδίου⸃.<προσέχετε WH Treg NIV ] + οὖν RP • θεοῦ WH NIV ] κυρίου Treg; κυρίου καὶ θεοῦ RP • αἵματος τοῦ ἰδίου WH Treg NIV ] ἰδίου αἵματος RP>
Apg 20,28 Habet nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist euch als Aufseher gesetzt hat, die Versammlung Gottes zu hüten, welche er sich erworben hat durch das Blut seines Eigenen.
habt: 1. Tim 4,16; 5. Mo 4,9; Hebr 12,15
Aufsehern: Apg 20,17; Apg 14,23; Eph 4,11; 1. Tim 3,1-7; Hebr 13,17
hüten: Jer 3,15; 1. Petr 5,2-4
erworben: Eph 1,7; Eph 5,25; Tit 2,14; 1. Petr 1,18-19
„τοῦ ἰδίου“ ist ein maskulines/genusneutrales Genitivpronomen, abgeleitet von „ἴδιος“ = „eigen“.
Die Form ist grammatisch offen: Sie kann sich sowohl auf „Blut“ (αἵματος, Neutrum) beziehen als auch auf „Gott“ (θεοῦ, Maskulinum).
In dieser Konstruktion ist es sehr wahrscheinlich, dass „τοῦ ἰδίου“ eine Besitzanzeige im Sinn von „seines Eigenen“ ist, das auf eine Person hindeutet, die Gott als „sein Eigen“ bezeichnet.
Viele Ausleger deuten „τοῦ ἰδίου“ als eine elliptische oder idiomatische Ausdrucksweise für:
„das Blut seines eigenen Sohnes“
Röm 8,32: „Gott hat seinen eigenen Sohn (τοῦ ἰδίου υἱοῦ) nicht verschont…“ → identische Wortstruktur.
In der griechischen Umgangssprache und auch der jüdisch-hellenistischen Literatur kann „ὁ ἴδιος“ elliptisch für „der eigene Sohn“ stehen.
Der Kontext von Apg 20,28 spricht von der Gemeinde, „die Gott sich mit dem Blut seines Eigenen erkauft hat“ – ein ungewöhnlicher Ausdruck, es sei denn, es ist Christus gemeint.
Grammatikalisch ist das Genitivattribut „τοῦ ἰδίου“ ein possessiver Genitiv – der eine Person meint, die „Gott gehört“.
Das Wort „αἷμα“ (Blut) hat kein eigenes Possessivpronomen, sondern „τοῦ ἰδίου“ ersetzt hier „seines Sohnes“ indirekt.
Bereits Chrysostomus oder Theodoret verstehen die Stelle so, dass sie das Opfer Jesu Christi beschreibt.
Spätere Dogmatiker wie Augustinus oder Athanasius sehen darin eine klare Aussage über Christi Gottheit und das Erlösungswerk.
| Ausdruck | Mögliche Bedeutung | Argumentation |
|---|---|---|
| τοῦ ἰδίου (des Eigenen) | → Gottes „eigene“ Person | Grammatikalisch offen – aber stark christologisch verwendet |
| Interpretation als „Sohn“ | → Jesu Christi | Parallele zu Röm 8,32 + theologische Bedeutung des Verses |
| Theologische Relevanz | → Blut des Gottessohnes | Der Vers spricht von göttlichem Eigentum, erworben durch Jesu Opferblut |
F. F. Bruce, The Book of Acts (NICNT), Grand Rapids, 1988
Darrell Bock, Acts (BECNT), Baker Academic, 2007
C. K. Barrett, A Critical and Exegetical Commentary on the Acts of the Apostles
Eduard Schweizer, Die Apostelgeschichte, NTD Bd. 5