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Berpredigt Mt 5-7

Das Wort „Evangelium“ bedeutet „gute Botschaft“.
In der Tat ist die Botschaft von dem vollkommenen Heiland, der als Ausdruck der Liebe Gottes zu den Menschen gekommen ist, eine gute Botschaft.
Unsere Leser wissen, dass es vier Evangelien gibt, die alle das Leben des Herrn Jesus auf der Erde schildern.

Man könnte fragen:
Warum hat Gott uns vier inspirierte Schriften gegeben, die das Leben seines geliebten Sohnes in dieser Welt beschreiben?
Hätte nicht ein einziger Bericht ausgereicht?

Die Antwort ist einfach:
Der Herr sollte uns in seinen verschiedenen Charakteren dargestellt werden.
Ein einziger Bericht konnte dem Geist Gottes nicht genügen, um den in seinen verschiedenen Herrlichkeiten zu beschreiben,
von dem auch die Propheten schon geredet haben.
Er war gleichzeitig der den Juden verheißene Messias, der Sohn Davids, Emmanuel (Gott mit uns), der Knecht und Prophet, der Sohn des Menschen, und, obwohl Er der Same der Frau war, so war Er doch zugleich auch der Sohn Gottes, ja Gott selbst. Um eine so herrliche Person zu offenbaren waren vier Berichte nötig, die Ihn in den vier Charakteren vorstellen, von denen schon die Propheten geredet haben.

Matthäus stellt den Herrn als Messias vor uns, wie Er den Juden verheißen war.

Er wird im ersten Vers „Jesus Christus, Sohn Davids, Sohn Abrahams“ genannt.
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Der Herr Jesus wird also im Evangelium nach
Matthäus als der Mittelpunkt der dem Volk des Herrn gegebenen Verheißungen vorgestellt.
Man nimmt an, dass dieses Evangelium für die Gläubigen aus den Juden geschrieben wurde, um ihren Glauben an die Person des Messias zu stärken,
den das Volk als Ganzes verworfen hatte.
Daher finden wir hier soviele Anführungen aus dem Alten Testament, besonders aus dem Propheten Jesaja, der so oft von Christus geredet hatte.
Wie der erste Vers besagt, folgt jetzt das Geschlechtsregister von Jesu Christus, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams, des Erben der Verheißungen, die Abraham gegeben waren und des Erben des Thrones Davids.
Das Geschlechtsregister beginnt bei Abraham und ist in drei Abschnitte von je 14 Generationen eingeteilt und endet bei Joeph, dem Mann der Maria, der Mutter des Herrn
Jesus.
Das ist die messianische Abstammung des Herrn, die für die Juden allein Gültigkeit hatte,weilesdieLinieüberJosephist.EsistdasGe-schlechtsregisterJosephs,derunterdenJudenalsderVat erJesugalt(vgl.Lk3,23).


Die drei Abschnitte des Geschlechtsregisters entsprechenden drei großen Zeitabschnitten der Geschichte Israels seit der Berufung Abrahams:
1. Von Abraham bis David (Verse2–6),
2. von David bis zur Wegführung nach Babylon (Verse7–11)
3. und von da an bis zur Geburt des Herrn(Verse12–16).

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Matthäus Kapitel 5 Samuel
Prod`hom

Die Bergpredigt



Die Rede des Herrn Jesu in Kapitel 5–7 wird im Allgemeinen „Bergpredigt“ genannt.
Der Geist Got- tes hat sie in diesem Evangelium zu einer zusammenhängenden Rede zusammengestellt, obwohl die Worte bei verschiedenen Gelegenheiten gesprochen wurden.
Das geht aus dem Evangelium nach Lukas hervor (Lk 6,20–49; 11,1–13; 12,22–31; 16,13).
Einerseits verkündete der Herr, dass das Reich nahe gekommen sei und dass man Buße tun müsse, um in das Reich einzugehen.
Anderseits stellt Er uns in dieser Predigt vor, was das Reich und die daran Teilhabenden kennzeichnet.
In Psalm 40,10 ist von Ihm gesagt worden:
„Ich habe die Gerechtigkeit in der großen Versammlung verkündet; siehe, meine Lippen hemmte ich nicht – Herr, du weißt es!“


Die Juden meinten, ein Anrecht an dem Reich zu haben, weil sie Kinder Abrahams waren.
Aber der Herr belehrte sie darüber, was die daran Teilhabenden und auch die Gläubigen unserer Tage, kennzeichnen muss.

Die „Glückseligen“ (5,1–12)

Als er aber die Volksmengen sah, stieg er auf den Berg; und als er sich gesetzt hatte, 
traten
 seine Jünger zu ihm.
Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach: 
Glückselig
 die Armen im Geist, denn ihrer ist das Reich der Himmel. 
Glückselig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden. 
Glückselig
 die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben. 
Glückselig,
 die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie werden ge- sättigt werden. 
Glückselig
 die Barmherzigen, denn ihnen wird Barmherzigkeit zuteil werden. 
Glückselig,
 die reinen Herzens sind, denn sie werden Gott sehen. 
Glückselig
 die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen. 
Glückselig
 die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, denn ihrer ist das Reich der Himmel. 
Glückselig
 seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen 
und alles Böse lügnerisch gegen euch reden um meinetwillen. 
Freut euch und frohlockt, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln; 
denn
 ebenso haben sie die Propheten verfolgt, die vor euch waren“ (5,1–12).


Die Bergpredigt beginnt damit,
dass der Herr die Charakterzüge derer beschreibt, die Er glückselig nennt.

Das sind nicht Menschen, die die Welt glückselig nennt, denn es handelt sich um solche, die gar nicht von der Welt sind.
Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, die im Wort immer wieder hervorgehoben wird, dass die Glückseligen in den schwierigen Lagen des Lebens der Ermunterung bedürfen.
Anderseits wird gesagt: „Wehe, wenn alle Menschen gut von euch reden“ (Lk 6,26).
Wer sich den Menschen angenehm macht, indem er ihre Grundsätze gelten lässt, hat es mit dem Gericht Gottes zu tun.

Der Herr allein weiß, was wahres Glück ist. Die
Menschen, die Er „glückselig“ nennt, rekrutieren sich aus den Armen im Geist. Das sind solche, die
wie ein Kind an Gott glauben. Sie urteilen nicht mit menschlicher Vernunft, um zu erörtern, was
Gott gesagt hat.



Sie glauben einfach und besitzen darum das Reich (vgl. Mt 11,25; 18,3; 19,14).
Das ist das Gegenteil von dem, was die heutigen Menschen charakterisiert.

Die Trauernden
 werden ebenfalls glückselig genannt.

Das sind solche, die sowohl über die Verwüstungen, die die Sünde in der Welt verursacht,
als auch über die Verwerfung des Königs weinen. Wenn Er aber herrschen wird, werden sie getröstet werden.

Auch die Sanftmütigen sind glückselig. Sie bestehen bei dem gegenwärtigen Zustand der Welt nicht auf ihrem Recht. Aber wenn der König sei- ne Rechte zur Geltung bringen wird, werden sie das Land, gemeint ist das Land Israel, erben.

Die nach der Gerechtigkeit hungern und dürsten
werden gesättigt werden. Sie finden die Gerechtigkeit nicht in der Welt, aber sie streben danach, so wie sie auch nach dem Reich Gottes streben
(vgl. Mt 6,33). Sie werden gesättigt werden, wenn Christus herrscht.


Barmherzige sind die, die nach den Grundsätzen
der Gnade handeln. Auch ihnen wird Barmherzigkeit widerfahren: Sie werden aus den Schwierigkeiten, in denen der König bei seinem Erscheinen den auf Ihn vertrauenden Überrest finden wird, befreit werden.

„Glückselig, die reinen Herzens
 sind, denn sie werden Gott sehen“. Ein reines Herz hat reine Beweg- gründe, die aus dem Licht Gottes, der die Gedan- ken und Gesinnung des Herzens beurteilt, her- vorkommen und von Ihm geleitet werden. Damit sind nicht Menschen gemeint, die nicht mehr sün- digen, sondern solche, die Gott allein gehorchen wollen und nichts anderes als das, was Ihm gefällt, zu tun wünschen.
Angesichts der Verwirrungen und der Unruhe, die die Sünde in der Welt hervorruft, werden die
Friedensstifter glückselig gepriesen.

Sie werden Söhne Gottes genannt und offenbaren sich auch als Söhne dessen, der so oft der Gott des Friedens genannt wird (Röm 15,33; 16,20; 2. Kor 13,11; Phil 4,9; 1. Thes 5,23; Heb 13,20).
Glückselig sind auch die um der Gerechtigkeit willen Verfolgten, die wegen ihrer gerechten Taten
und der Ausübung des Guten verfolgt werden. Ihnen wird das Reich der Himmel zuteil.

Glückselig sind schließlich auch solche, die man schmäht und verfolgt, von denen man lügnerisch allerhand Böses sagt um des Namens des Herrn willen, weil sie den Herrn lieben und inmitten einer
Welt, die Ihn hasst, sich offen zu Ihm bekennen. Ihr Lohn wird groß sein in den Himmeln, also nicht nur in dem Reich.
Wie wir schon gesagt haben, sollen die Gläubigen auch heute alle diese Charakterzüge tragen, so, wie es die zukünftigen Zeugen Christi inmitten des abtrünnigen Volkes Israel in Erwartung des Königs tun werden. Denn auch wir erwarten den Herrn und Er möchte uns treu und wachsam finden, wenn Er kommt. Lasst uns daher danach trachten, diese Kennzeichen zu offenbaren, die bei dem Herrn selbst, unserem wunderbaren Vorbild, so vollkommen zutage traten!

Salz und Licht (5,13–16)
„Ihr seid das Salz der Erde; wenn aber das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gesalzen werden? 
Es
 taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.
Ihr seid das Licht der Welt; eine Stadt, die oben auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen sein. 
Man
 zündet auch nicht eine Lampe an und stellt sie unter den Scheffel, 
sondern auf den Lampenständer, und sie leuchtet allen, die im Haus sind. 
Ebenso lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, 
der in den Himmeln ist, verherrlichen“ (5,13–16).

Der Herr fügt den bis dahin erwähnten Kennzeichen seiner Jünger zwei weitere Züge hinzu, die durch das Salz und das Licht dargestellt werden.

„Ihr seid das Salz der Erde.“ Salz ist das Sinnbild
dessen, was die Reinheit erhält und der Fäulnis vorbeugt.

Der Gläubige soll diese Eigenschaften in der Welt offenbaren, um in seiner Umgebung die erwähnten Wirkungen hervorzurufen. „Wenn aber das Salz kraftlos geworden ist, womit soll es gesalzen werden? Es taugt zu nichts mehr, als hinausgeworfen und von den Menschen zertreten zu werden.“ Wenn der Gläubige sich nicht vom Verderben trennt und sich sogar mit der Welt verbindet, hat er seine Berufung verfehlt und taugt zu nichts.
„Ihr seid das Licht der Welt.“ Das Licht offenbart alles, es leuchtet in der Nacht. Deshalb soll es auf ein Lampengestell gestellt werden und nicht unter den Scheffel, damit seine Strahlen nicht verhüllt werden sondern allen sichtbar sind.

Der Scheffel ist ein ehemaliges Hohlmaß, das man bei Bedarf umstülpte, um es als Lampenfuß zu benutzen. Er stellt auch die Sorgen dieses Lebens dar (Mt 13,22), die so oft unser Licht verdunkeln.
„Ebenso lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, verherrlichen.“ Das Licht ist vor den Menschen die Offenbarung des Lebens aus Gott, es leuchtet mittels der Werke, die von der neuen Natur hervorgebracht werden. Derartige Werke nennt Gott „gute Werke“ oder „gerechte Taten“ (Off 15,4; 19,8). Es sind nicht Werke, die die Welt „gut“ nennt. Wenn die Menschen diese Werke, die Früchte des göttlichen Lebens, sehen, sind sie gezwungen, ihren Ursprung anzuerkennen.
Lasst uns daher in Treue vorangehen, damit die Menschen in der Lage sind, das, was sie an uns sehen, Gott zuzuschreiben und Ihn dafür zu ehren!
In der ersten Zeit der Christenheit leuchtete dieses Licht hell vor den Menschen (Apg 2,47; 5,13). In dem zukünftigen Reich Christi werden die Menschen dieses Licht, das von Ihm ausgeht, nicht nur sehen, sondern auch in seinem Licht leben
(Off 21,23.24).

Das Gesetz im Reich (5,17–48)
 Denkt nicht, dass ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; 
ich
 bin nicht gekommen, aufzulösen, sondern zu erfüllen. Denn wahrlich, ich sage euch:
 
Bis der Himmel und die Erde vergehen, soll auch nicht ein Jota oder ein Strichlein von dem Gesetz vergehen, 
bis
 alles geschehen ist. Wer irgend nun eins dieser geringsten Gebote auflöst und die Menschen so lehrt, 
wird
 der Geringste heißen im Reich der Himmel; wer irgend aber sie tut und lehrt, 
dieser
 wird groß heißen im Reich der Himmel. Denn ich sage euch: 
Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht bei weitem übersteigt, 
werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen.

Ihr
 habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist:
Du sollst nicht töten; wer aber irgend töten wird, wird dem Gericht verfallen sein.
Ich aber sage euch:
Jeder,
 der seinem Bruder ohne Grund zürnt, wird dem Gericht verfallen sein; 
wer
 aber irgend zu seinem Bruder sagt: Raka!, wird dem Synedrium verfallen sein; wer aber irgend sagt: Du Narr!, wird der Hölle des Feuers verfallen sein.
Wenn du nun deine Gabe zum Altar bringst und dich dort erinnerst, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, 
so
 lass deine Gabe dort vor dem Altar und geh zuvor hin, versöhne dich mit deinem Bruder;

 und dann komm und bring deine Gabe dar. Einige dich schnell mit deinem Widersacher, 
während du mit ihm auf dem Weg bist;

 damit nicht etwa der Widersacher dich dem Richter überliefert und der Richter dich dem Diener überliefert

 und du ins Gefängnis geworfen wirst. Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von dort herauskommen,
 
bis du auch den letzten Cent bezahlt hast.

Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen.

Ich aber sage euch:
Jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, hat schon Ehebruch mit ihr begangen in seinem Herzen. 
Wenn aber dein rechtes Auge dir An- stoß gibt, so reiß es aus und wirf es von dir; denn es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder umkomme, 
als dass dein ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. Und wenn deine rechte Hand dir Anstoß gibt, 
so hau sie ab und wirf sie von dir; denn es ist besser für dich, dass eins deiner Glieder umkomme, 
als dass dein ganzer Leib in die Hölle komme. Es ist aber gesagt: Wer irgend seine Frau entässt, 
gebe ihr einen Scheidebrief. Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlässt, au- ßer aufgrund von Hurerei, bewirkt, dass sie Ehebruch begeht; und wer irgend eine Entlassene heiratet, 
begeht Ehebruch. Wiederum habt ihr gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Du sollst nicht falsch schwören, 
du sollst aber dem Herrn deine Eide erfüllen. Ich aber sage euch: Schwört überhaupt nicht; 
weder bei dem Himmel, denn er ist Gottes Thron; noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel seiner Füße; 
noch bei Jerusalem, denn sie ist die Stadt des großen Königs; noch sollst du bei deinem Haupt schwören, 
denn du vermagst nicht ein Haar weiß oder schwarz zu machen. Eure Rede sei aber:
Ja  ja; nein  nein; was aber mehr ist als dieses, ist aus dem Bösen.
Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Auge um Auge und Zahn um Zahn.


Ich aber sage euch:
Widersteht nicht dem Bösen, sondern wer dich auf deine rechte Wange schlägt, 
dem halte auch die andere hin; und dem, der mit dir vor Gericht gehen und dein Untergewand nehmen will, 
dem lass auch das Oberkleid. Und wer dich zwingen will, eine Meile mit- zugehen, mit dem geh zwei. Gib dem, der dich bittet, und weise den nicht ab, der von dir borgen will.
Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. 
Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen, 
damit ihr Söhne eures Vaters werdet, der in den Himmeln ist; denn er lässt seine Sonne auf-gehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. 
Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? 
Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr nur eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes?Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? Ihr nun sollt voll-kommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist“ (5,17–48).

Ab Vers 17 bestätigt der Herr die Forderungen des Gesetzes, die sich gegen den Menschen selbst richten, während der Mensch auf andere die Grundsätze der Gnade anwenden soll. Das zeigt, dass jeder, der das Gesetz übertritt, die Folgen tragen wird. Wenn der Herr auch gekommen ist, um in der Offenbarung des Vaters die Gnade zu brin- gen, so hat Er damit die Forderungen des heiligen Gottes nicht gemildert. Er löste das Gesetz und die Propheten nicht auf, sondern hat sie sogar vollkommen erfüllt. Kein Jota, kein Strichlein des Gesetzes soll vergehen, bis alles geschehen ist. Die Schriftgelehrten und Pharisäer behaupteten zwar, sich nach dem Gesetz zu richten, in Wirklichkeit aber beobachteten sie nur gewisse Formen. Der Herr sagte zu seinen Jüngern: „Wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten und Pharisäer nicht bei weitem übersteigt, werdet ihr nicht in das Reich der Himmel eingehen“, denn es handelt sich nicht um die Verrichtung gewisser äußerlicher Handlungen, es kommt vielmehr auf den Zustand des Herzens vor Gott an.

Das Gesetz sagte:

„Du sollst nicht töten.“ Wenn aber jemand gegen seinen Bruder auch nur leicht in Zorn geriet, so war er doch schon dem Gericht verfallen, als wenn er ihn getötet hätte. „Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Menschenmörder“, wird in 1. Johannes 3,15 gesagt. Beachte auch die Stelle in 1. Johannes 3,11.12. Wer da sagte: „Du
Narr“ oder „Raka“ (d. h. Taugenichts), war dem Gericht des Synedriums, die oberste jüdische Gerichtsbehörde oder sogar der Hölle des Feuers verfallen. Diese Worte Jesu sind ernst und gewichtig und zeigen uns, was das Böse in den Augen Gottes ist. Wie sehr treffen uns solche Worte. Denn schnell steigen in unseren Herzen gehässige oder übelwollende Gedanken gegen andere auf!

In den Versen 23 und 24 wird der Grundsatz auf- gestellt, dass man nicht vor Gott erscheinen kann, um Ihm zu dienen, wenn man nicht mit seinem Bruder im Reinen ist. Die Sache muss zuvor in Ordnung gebracht werden. Man kann Gott nicht mit etwas Bösem im Herzen nahen.
In den Versen 25 und 26 wird dieser Grundsatz auf Israel angewandt, das wegen seiner Sünden Gott zur Gegenpartei hatte. Es war mit Gott, der in der Person Christi herabgekommen war, „auf dem Weg“. Anstatt der Gegenpartei zu willfahren, d. h. sich mit Gott versöhnen zu lassen, hat es Christus verworfen. Israel befindet sich gegenwärtig wie im Gefängnis. Es wird nicht eher herauskommen, bis es von der Hand des Herrn ein Zweifaches empfangen hat für alle seine Sünden (Jes 40,1.2) und „auch den letzten Cent (Quadrans) bezahlt hat.“

Die Verse 27–30
belehren uns, dass wir im Blick auf alles, was zu Fall bringen und schließlich in die Hölle werfen könnte, gegen uns selbst ohne Barmherzigkeit sein sollen. Statt in unseren Gewohnheiten etwas beizubehalten, was uns zum Bösen führen könnte, sollen wir lieber darauf ver- zichten, auch wenn es angenehm, liebenswürdig und scheinbar unentbehrlich ist. Selbst wenn es das Auge oder die rechte Hand, also ganz unent- behrliche Glieder wären, wir müssten uns davon trennen. In Matthäus 18, 8.9, begegnen wir diesem Gedanken noch einmal.

Verse 33–37
: Bei allem, was wir sagen, müssen wir uns der Gegenwart Gottes bewusst sein. Dadurch erlangen unsere Worte Kraft, so dass es nicht nö- tig ist, sie durch einen Eid zu bekräftigen. Jemand hat gesagt: bei jeder Gelegenheit Gott zum Zeu- gen anrufen, heißt, einen Abwesenden zu Hilfe rufen, in dessen Gegenwart man nicht zu reden gewohnt ist. Das Ja sei Ja und das Nein sei Nein; was man hinzufügt, kommt von dem Bösen.
Im letzten Abschnitt des Kapitels sieht man, dass das Kennzeichen eines Jüngers Christi der Grundsatz der Gnade ist, nach dem auch Gott, der sich als Vater offenbart hat, handelt. Unter dem Gesetz hieß es: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“. Unter der Gnade aber soll man nicht auf seinem Recht bestehen. Das ist das Merkmal, das die Sanftmütigen, die Barmherzigen, die Friedensstifter von anderen unterscheidet.
Der Gläubige soll niemanden als seinen Feind be- trachten, sondern vielmehr allen Gutes tun als einer, der die Natur seines Vaters im Himmel be- sitzt.
Die Liebe erhebt sich über jede fleischliche Betrachtungsweise und handelt entsprechend ihrer Natur. Wir mögen Menschen um uns haben, die uns hassen. Und doch sollen wir ihnen bei jeder Gelegenheit Gutes tun. Wir sollen beten für die, die uns Unrecht tun oder uns verfolgen. Dadurch offenbaren wir die Wesenszüge unseres Vaters in den Himmeln, der „seine Sonne aufgehen lässt über Böse und Gute und regnen lässt über Gerechte und Ungerechte“ (Vers 45). Nur sol- che lieben, die auch uns lieben, heißt, sich nicht über das erheben, was auch die größten Sünder tun, die keinerlei Verbindung mit Gott haben. „Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer
Vater vollkommen ist.“

Kapitel 6
Die Gottseligkeit (6,1–18)

 Habt aber Acht, dass ihr eure Gerechtigkeit nicht vor den Menschen übt, um euch vor ihnen sehen zu lassen, 
sonst habt ihr keinen Lohn bei eurem Vater, der in den Himmeln ist. 
Wenn du nun Wohltätigkeit übst, sollst du nicht vor dir herposaunen lassen,
wie die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, damit sie von den Menschen geehrt werden. 
Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn schon empfangen. Du aber, wenn du Wohltätigkeit übst, 
so lass deine Linke nicht wissen, was deine Rechte tut, damit deine Wohltätigkeit im Verborgenen bleibt; 
und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird es dir vergelten.
Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler; denn sie lieben es,
in den Synagogen und an den Ecken der Straßen stehend zu beten, um sich den Menschen zu zeigen.
 
Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn schon empfangen. Du aber, wenn du betest, 
so geh in deine Kammer, und nach- dem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist, und dein Vater,
 
der im Verborgenen sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen;
 
denn sie meinen, um ihres vielen Redens willen erhört zu werden. Seid ihnen nun nicht gleich; denn euer Vater weiß, was ihr nö- tig habt, ehe ihr ihn bittet. Betet ihr nun so: Unser Vater, der du bist in den Himmeln, ge- heiligt werde dein Name; dein Reich komme; dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf der Erde. 
Unser nötiges Brot gib uns heu- te; und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir unseren Schuldigern vergeben;
 
und führe uns nicht in Versuchung, sondern errette uns von dem Bösen.  Denn wenn ihr den Menschen ihre Vergehungen vergebt, wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben; 
wenn ihr aber den Menschen [ihre Vergehungen] nicht vergebt, wird euer Vater auch eure Vergehungen nicht vergeben. 

Wenn ihr aber fastet, so seht nicht düster aus wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht, 
damit sie den Menschen als Fastende erscheinen. Wahrlich, ich sage euch, 
sie haben ihren Lohn schon empfangen. Du aber, wenn du fastest, so salbe dein Haupt und wasche dir das Gesicht, 
damit du nicht den Menschen als Fastender erscheinst, sondern deinem Vater, 
der im Verborgenen ist; und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird es dir vergelten“ (6,1–18).

In den Versen 1–18
belehrt uns der Herr, welche Beweggründe uns in der Ausübung der Gottseligkeit Gott und den Menschen gegenüber leiten sollen. Gegenüber den Menschen entfaltet sie sich gemäß dieser Stelle in Almosen und im Vergeben (Verse 1–4 und 14–15), gegenüber Gott im Gebet und im Fasten. In der Verwirklichung dieser Dinge müssen wir Gott vor Augen haben und nicht die Menschen; denn mit Ihm haben wir es bei allen unseren Handlungen zu tun. Begnügen wir uns in allem mit der Anerkennung Gottes! Er wird uns zu seiner Zeit alles, was wir für Ihn getan haben, vergelten!
Deshalb ist es so wichtig, dass wir nicht Almosen geben, um von den Menschen gesehen zu wer- den. Denn der Herr sagt: „Lass deine Linke nicht wissen was deine Rechte tut.“ Aber es ist nicht so leicht, die eine Hand handeln zu lassen, oh- ne dass die andere es weiß. Lasst uns in der Art, wie wir geben und anderen Gutes tun, viel Zartgefühl anwenden, damit unser Tun unbemerkt bleibt. Wenn der Tag kommt, an dem einem jeden sein Lob werden wird (1. Kor 4,5), wird „dein Vater, der im Verborgenen sieht, dir vergelten.“ Wenn wir hier schon das Lob der Menschen empfangen haben, wird uns an jenem Tag vom Vater kein Lob zuteil werden. Welch ein Verlust wäre das! Denn was wir von Menschen empfangen, vergeht. Was Gott uns gibt, das bleibt ewig.

Sowohl beim Gebet als auch bei jeder anderen Ausübung der Gottseligkeit Gott gegenüber, dürfen wir niemals nach dem Lob anderer trachten. Nicht nur bei den heidnischen Völkern sondern auch in der Christenheit heutzutage wird das Gebet als ein verdienstliches Werk betrachtet. Dabei ist es ein Mittel, um Gott die wirklichen Bedürfnis- se vorzustellen. Man bildet sich ein, durch zahlreiche Gebete die Gunst Gottes erlangen zu können. Diese falsche Überlegung führte zur Erfindung des Rosenkranzes in der Katholischen Kirche, wo- mit die verrichteten Gebete gezählt werden. Gott kennt unsere Bedürfnisse, sogar noch bevor wir sie Ihm vorbringen. Zu Ihm reden wir und von Ihm erwarten wir die Antwort. Es ist also durch- aus nicht nötig, so zu beten, dass die Menschen es sehen.
Der Herr lehrte die Jünger, die die Aufrichtung des Reiches erwarteten,

ein Gebet (Verse 9–13), das sich auf die damalige Stellung der Jünger bezog. Sie hatten zu beten, dass alles in Übereinstimmung mit dem Charakter des Vaters und mit seinem Reich geschehe. Heute sollten die Gebete der Gläubigen, obwohl sie die gleichen Gedanken enthalten können, zeigen, dass wir die Offenbarungen, die uns Gott über seine Versammlung und über unsere Beziehungen zu Ihm gegeben hat, verstanden haben. Das ist der Grund, weshalb wir nicht den Wortlaut dieses Gebetes nachsprechen können, das der Herr seine Jünger gelehrt hat, obwohl auch wir wünschen, dass alles, was es
enthält, sich erfüllt. Der Christ hat die Freiheit, alles, was er will, von Gott zu erbitten, vorausgesetzt,
dass seine Gebete wirklich durch die Kenntnis der Gedanken Gottes gebildet werden.

Der Herr sagte zu seinen Jüngern: „Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, so werdet ihr bitten, um was ihr wollt, und es wird euch geschehen.“ (Joh 15,7). Und in Lukas 11,5 unterweist Er uns, die Bedürfnisse einfach so, wie sie sind, Gott vor- zustellen.
Als der Freund drei Brote nötig hatte, sagte er einfach: „Freund, leihe mir drei Brote.“ Selbst ein kleines Kind darf jedes Bedürfnis und jede Schwierigkeit mit vollem Vertrauen Gott vorstellen. Es ist gut, wenn der Mensch sich von Jugend auf daran gewöhnt, mit allen seinen Mühen und Schwierigkeiten vor Gott hinzutreten. Gott beschäftigt sich mit allem, was jeden einzelnen bewegt. Für Ihn ist nichts zu klein und nichts zu groß.

Der Zweck des Lebens (6,19–23)
 Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Rost zerstören und wo Diebe einbrechen 
und stehlen; sammelt euch aber Schätze im Himmel, 
wo weder Motte noch Rost zerstören und wo Diebe nicht einbrechen und nicht stehlen;
 
denn wo dein Schatz ist, da wird auch dein Herz sein. Die Lampe des Leibes ist das Auge; 
wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein; wenn aber dein Auge böse ist, 
so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß die Finsternis!“ (6,19–23).

Bei allem, was wir tun, müssen wir bedenken, dass wir eine himmlische Berufung haben. Des- halb sollten wir nicht nach den Schätzen der Erde trachten, wo alles dem Verderben und der Zerstörung ausgesetzt und Eitelkeit ist, wo alles im Gericht enden wird. Wir sollen vielmehr Schätze im Himmel sammeln, denn diese allein sind sicher und unverderblich. Dort werden wir für unsere Treue zu dem Herrn, der allein unser Schatz sein soll, den Lohn empfangen.
Das Herz hängt an dem Gegenstand, den es liebt. Ist sein Gegenstand im Himmel, wird unser Tun ein himmlisches Gepräge haben. Ist der Schatz aber auf der Erde, so handeln wir in irdischer und materieller Weise. Unser Auge muss einfältig sein (Verse 22 und 23). Kein anderer Gegenstand darf vor uns stehen, als nur Christus und das, was Ihm entspricht. Ein böses Auge blickt gleichzeitig auf mehrere Dinge. Dann wird das Herz von dem gefesselt, was in der Welt ist. Es fehlt ihm das Licht, das nötig ist, um nach den Gedanken Gottes zu leben. Wenn das Auge aber nur den Herrn sieht, so ist der ganze Leib hell.

Jetzt folgt ein Wort, das für jeden, der einmal mit dem Licht des Evangeliums in Berührung gekommen ist, sehr ernst ist. Es besteht nämlich die Möglichkeit, dass dieses Licht, das jedem Menschen durch die Offenbarung Gottes, des Vaters, zugänglich ist, in dem Menschen keine Wirkung hervor- ruft. Wenn das Herz in der Finsternis des Unglaubens verharrt, wie groß wird dann die Finsternis sein! Es gibt kein anderes Mittel, sie zu durchdrin- gen. Das Licht wird ihm erst am Tag des Gerichts aufgehen. Aber dann wird es zu spät sein.

Zwei Herren (6,24–34)
„Niemand kann zwei Herren dienen; denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird einem anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon. Des- halb sage ich euch: Seid nicht besorgt für euer Leben, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, noch für euren Leib, was ihr anziehen sollt. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht hin auf die Vögel des Himmels, dass sie nicht säen noch ernten, noch in Scheunen sammeln, und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr nicht viel vorzüglicher als sie? Wer aber unter euch vermag mit Sorgen seiner Größe eine Elle zuzufügen? Und warum seid ihr um Kleidung besorgt? Betrachtet die Lilien des Feldes, wie sie wachsen: Sie mühen sich nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch aber, dass selbst nicht Salomo in all seiner Herrlichkeit bekleidet war wie eine von diesen. Wenn Gott aber das Gras des Feldes, das heute da ist und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet: dann nicht viel mehr euch, ihr Kleingläubigen? So seid nun nicht besorgt, indem ihr sagt: Was sollen wir essen?, oder: Was sollen wir trinken?, oder: Was sollen wir anziehen? Denn nach all diesem trachten die Nationen; denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles nötig habt. Trachtet aber zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, und dies alles wird euch hinzugefügt werden. So seid nun nicht besorgt für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für sich selbst sorgen. Jeder Tag hat an seinem Übel genug“ (6,24–34).
Jemand, dessen Auge einfältig ist, wird nur einem Meister, dem Herrn Jesus, dienen. Wer aber zwei Herren dient, vernachlässigt den einen und wird ihn sogar verachten und hassen. Wenn wir unsere schlechten Herzen kennen, wissen wir sehr wohl, wer am ehesten verachtet wird, ob Gott oder die Welt und der Mammon. Hängt sich das Herz an die Welt, so wird es Gott verlassen. Und welche Verachtung Gottes ist es, wenn jemand sich von
Ihm abwendet!
Die Sorgen des gegenwärtigen Lebens verleiten unsere Herzen, sich an die Dinge der Erde und an die Welt zu klammern. Darum ermahnt uns der Herr, nicht um das besorgt zu sein, was wir essen und trinken oder anziehen sollen. Die Vögel sammeln keinen Vorrat, sie häufen kein Ver- mögen auf und werden doch von Gott ernährt. Die Lilien des Feldes mühen sich nicht um ihre Kleidung. Aber noch nicht einmal Salomo in all seiner Herrlichkeit war bekleidet wie eine von ihnen. Die Vögel haben wenig Wert, die Lilien können jeden Tag unter der Sichel fallen und vertrocknen. Und doch sorgt Gott für ihre Bedürfnis- se. Wie viel mehr wird sich Gott um die Seinen kümmern, die in seinen Augen einen so großen Wert haben! „Er, der doch seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn für uns alle hinge- geben hat: wie wird er uns mit ihm nicht auch alles schenken?“ (Röm 8,32). Wir können also alle unsere Sorgen getrost auf Ihn werfen (1. Pet 5,7).
Die Welt kennt Gott nicht als Vater und fühlt sich nicht von Ihm abhängig. Sie kennt nur die irdischen Dinge und arbeitet nur für das Materielle. Unsere Aufgabe aber ist es, zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit zu trachten; dann wird uns alles Übrige hinzugefügt werden, so dass wir nicht um die Dinge des irdischen
Lebens besorgt zu sein brauchen. Dadurch würden wir uns nur wieder der Welt zuwenden. Denn „euer himmlischer Vater weiß, dass ihr dies alles nötig habt.“
„Jeder Tag hat an seinem Übel genug.“ Wir sollen den heutigen Sorgen nicht auch noch die Sorgen von morgen hinzufügen, da wir ja den nächsten Tag vielleicht gar nicht mehr erleben werden. Er- leben wir ihn aber, wird Gott auch dafür das Nötige vorbereitet haben. Der den jungen Raben ihre Speise bereitet (Hiob 38,41), gibt auch allen ihre
Speise zu seiner Zeit (Ps 104,27).


Kapitel 7
Das Verhalten gegenüber dem Nächsten (7,1–12)
„Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet; denn mit welchem Urteil ihr richtet, 
werdet ihr gerichtet werden, und mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen wer- den. Was aber siehst du den Splitter, der in dem Auge deines Bruders ist, aber den Balken 
in deinem Auge nimmst du nicht wahr? Oder wie kannst du zu deinem Bruder sagen: Erlaube, ich will den Splitter aus deinem Auge 
herausziehen; und siehe, der Balken ist in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge heraus, und dann wirst du klar sehen, 
um den Splitter aus dem Auge deines Bruders herauszuziehen. 
Gebt nicht das Heilige den Hunden; werft auch nicht eure Perlen vor die Schweine, 
damit sie diese nicht etwa mit ihren Füßen zertreten und sich umwenden und euch zerreißen. 
Bittet, und es wird euch gegeben werden; sucht, und ihr werdet finden; klopft an, und es wird euch aufgetan werden.
Denn jeder Bittende empfängt, und der Suchende findet, und dem Anklopfenden wird aufgetan werden. 
Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bitten wird, ihm etwa einen Stein geben wird, 
oder auch, wenn er um einen Fisch bitten wird, ihm etwa eine Schlange geben wird? Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, 
der in den Himmeln ist, denen Gutes geben, die ihn bitten! Alles nun, was irgend ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen ebenso! Denn dies ist das Gesetz und die Propheten“ (7,1–12).

Im 6. Kapitel sahen wir, in welcher Weise wir die Gottseligkeit gegenüber Gott und den Menschen im Allgemeinen ausüben sollen. Der Anfang des 7. Kapitels belehrt uns jetzt, wie wir uns gegenüber unseren Brüdern und unseren Nächsten verhalten sollen. Die Verse 1–5 warnen uns vor der Neigung des natürlichen Herzens, andere zu richten und an ihnen auszusetzen, was uns missfällt. Gott wird in seiner Regierung so mit uns handeln, wie wir andere behandelt haben (vgl. Kap 6,14–15). „Mit welchem Maß ihr messt, wird euch zugemessen werden.“ Dem gegenüber steht das Wort: „Glück- selig die Barmherzigen, denn ihnen wird Barm- herzigkeit zuteil werden“ (Kap 5,7). Wenn wir bei unserem Bruder einen Fehler sehen, den Splitter in seinem Auge, so sind wir oft gar nicht fähig, ihn richtig zu beurteilen, weil wir in unserem eigenen Auge einen Balken haben, d. h. eine Sünde oder einen weit schlimmeren Fehler als den, worüber wir uns beim Nächsten entrüsten. Prüfen wir uns doch im Licht Gottes, dann werden wir das Böse in unserem eigenen Herzen erkennen und nicht mehr unseren Bruder richten! Selbst wenn wir dann bei ihm einen Splitter bemerken, werden wir barmherzig sein.
Wir sollten auch im Blick auf heilige Dinge Unterscheidungsvermögen haben, um zu wissen, wann wir zu den Menschen darüber reden dürfen (Vers 6). Es gibt Gelegenheiten, die wir ergreifen sollen, sagt Paulus in Kolosser 4,5.
In den Versen 7–12 kommt der Herr auf das Gebet zurück: Wenn auch unser Vater weiß, was wir bedürfen, so will Er doch, dass wir Ihm unsere Anliegen mit Ausdauer und Energie vorbrin gen. Bittet, sucht, klopft an! Der Vater hört euch. Welch kostbare Ermunterung! Der, welcher sagt: Ich will geben, der sagt auch: Bittet! Wenn sogar der Mensch mit seinem bösen Herzen seinen Kindern gute Gaben zu geben weiß, „wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, denen
Gutes geben, die ihn bitten.“
Dieses Verhalten unseres Vaters sollte auch in uns zum Ausdruck kommen, so dass wir anderen zum Vorbild sind. „Alles nun, was irgend ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihr ihnen ebenso! Denn dies ist das Gesetz und die Propheten“. Der Apostel Petrus sagt: „Wer ist es, der euch Böses tun wird, wenn ihr Eiferer für das Gute geworden seid?“ (1. Pet 3,13).

Der schmale Weg und der breite Weg (7,13.14)
„Geht ein durch die enge Pforte; denn weit ist die Pforte und breit der Weg, der zum Ver- derben führt, und viele sind, die durch sie eingehen. Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, 
der zum Leben führt, und wenige sind, die ihn finden“ (7,13–14).
Wegen der Sünde und des Eigenwillens des Menschen, der ein Feind Gottes ist, gibt es in dieser Welt einen ständigen Widerstand gegen das Gute, so dass es einer fortgesetzten Anstrengung bedarf, um auf dem Weg Gottes zu bleiben und das Gute zu tun. Das wird uns hier unter dem Bild der „engen Pforte“ gezeigt, in welche einzugehen man sich anstrengen muss. Dagegen bereitet es keinerlei Schwierigkeit, die weite Pforte zu durch- schreiten, die auf einen breiten Weg führt. Dazu braucht man sich nur von dem Strom der Welt mitreißen zu lassen und sich den natürlichen Neigungen seines eigenen Herzens hinzugeben, das alles liebt, was leicht ist und Spaß macht.
Aber der Mensch bleibt nicht immer auf der Erde. Das wäre nur der Fall gewesen, wenn er in seinem ursprünglichen Zustand der Unschuld geblieben wäre. Wegen der Sünde wird jeder Mensch bei Geburt auf den Weg des Verderbens gestellt. Doch – Gott sei Dank! – seine Liebe hat einen anderen
Weg geöffnet, der zum Leben führt. Aber es sind nur wenige, die ihn finden, weil er dem natürlichen Herzen nicht das bietet, was es sucht; denn es liebt die Sünde, die zum Tod und zum Gericht
führt.
Bedenke: Alles, was für das Fleisch anziehend ist, alles was der Welt gefällt und was man ohne Anstrengung mitmachen kann, kennzeichnet diesen breiten Weg. Nie war der Zug zu diesem Weg hin mächtiger und selbstverständlicher als heute. Luxus, Bildung, Bücher, Kameraden, sportliche Neigungen und so manches andere leiten unvermerkt auf diesen Weg, besonders weil mehrere dieser
Dinge nützlich und sogar notwendig erscheinen. Um einen guten Gebrauch davon zu machen und sich dabei nicht auf den breiten Weg, der zum
Verderben führt, ziehen zu lassen, ist ständige Wachsamkeit nötig, die nur im Gehorsam gegen- über dem Wort Gottes erlangt wird. Alles, was dazu dient, uns auf den schmalen Weg des Lebens zu führen und darauf zu erhalten, ist dem natürlichen Herzen unangenehm und widerstrebt dem Eigenwillen. Das Wort Gottes zu hören,
christliche Schriften zu lesen, göttliche Unterweisungen zu befolgen, den Eltern in allem zu gehorchen, auf die vielen in der Welt dargebotenen anziehenden
Dinge zu verzichten, alles das kostet geistliche
Anstrengungen. Aber diese Anstrengungen leiten zu der engen Pforte und erhalten auf dem schmalen Weg, der zum Leben führt. Lasst uns Mose nachahmen, der lieber wählte, „mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, als den zeitlichen Genuss der Sünde zu haben, indem er die Schmach des
Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung“
(Heb 11,25.26).


Falsche Propheten und falsche Arbeiter (7,15–23)
„Hütet euch vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, innen aber sind sie reißende Wölfe. 
An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Sammelt man etwa von Dornen Trauben oder von Disteln Fei- gen? So bringt jeder gute Baum gute Früchte, aber der faule Baum bringt schlechte Früchte. 
Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, noch kann ein fauler Baum gute Früchte bringen. 
Jeder Baum, der keine gute Frucht bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen. 
Deshalb, an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen. Nicht jeder, der zu mir sagt: ‚Herr, Herr!’, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist. 
Viele werden an jenem Tag zu mir sa- gen: Herr, Herr, haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben 
und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen erklären: Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!“ (7,15–23).
Es sind nicht nur die weltlichen Dinge, die uns Schaden zufügen. Es gibt Menschen, die eine gewisse Verachtung der weltlichen Dinge an den Tag legen und das Aussehen von „Lämmern“ haben. Sie scheinen der Herde des guten Hirten an- zugehören, sind aber in Wirklichkeit „reißende Wölfe“, die falsche Lehren einführen, indem sie, wie ehemals die falschen Propheten, im Namen Gottes zu reden vorgeben. Man wird sie an ihren Früchten erkennen. An den Früchten erkennt man, zu welcher Gattung ein Baum gehört. Trotz ihres schönen Aussehens bringen sie keine Frucht für Gott hervor; sie werden abgehauen und ins Feuer geworfen.
Andere Menschen wieder haben einen Schein von
Frömmigkeit. Sie berufen sich auf den Namen des Herrn und zählen sich zu den Christen, indem sie bei jeder Gelegenheit „Herr, Herr!“ sagen. Aber Er wird ihnen antworten: „Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!“
Diese zu aller Zeit gültigen Belehrungen wer- den dem zukünftigen jüdischen Überrest in den schrecklichen Tagen der Verfolgung, die er vor der Ankunft Christi in Herrlichkeit durchmachen wird, besonders wertvoll sein. Im Hinblick auf je- ne Zeit hat der Herr diese Bergpredigt gehalten. Sie richtete sich an den damaligen gläubigen Teil des Volkes und bleibt für den zukünftigen Überrest aufbewahrt. In jenen Tagen werden sich die
Bösen in der Mitte des Volkes erheben, um die
Treuen zu Fall zu bringen: „Und diejenigen, die gottlos handeln gegen den Bund, wird er durch Schmeicheleien zum Abfall verleiten ... und vie- le werden sich ihnen mit Heuchelei anschließen“ (Dan 11,32–34). „Und viele falsche Propheten wer- den aufstehen und werden viele verführen; und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe der Vielen erkalten. Wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird errettet werden ... denn es werden falsche Christi und falsche Propheten auf- stehen und werden große Zeichen und Wunder tun, um so, wenn möglich, auch die Auserwählten zu verführen“ (Mt 24,11–13.24). Diese Schrift- stellen zeigen, wie sehr man in den zukünftigen Zeiten kämpfen muss, um durch die enge Pforte einzugehen, und wie sehr man vor der täuschen- den äußeren Erscheinung der reißenden Wölfe und falschen Propheten sich wird hüten müssen. In jenen Zeiten werden alle diese Anweisungen ihre wörtliche Anwendung finden. Vergessen wir aber nicht, dass sie auch für uns geschrieben sind!
Schlussworte der Bergpredigt (7,24–29)
„Jeder nun, der irgend diese meine Worte hört und sie tut, den werde ich mit einem klugen Mann vergleichen, 
der sein Haus auf den Felsen baute; und der Platzregen fiel her- ab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stürmten gegen jenes Haus an; und es fiel nicht, 
denn es war auf den Felsen gegründet. Und jeder, der diese meine Worte hört und sie nicht tut, 
der wird mit einem törichten Mann verglichen werden, der sein Haus auf den Sand baute; 
und der Platzregen fiel herab, und die Ströme kamen, und die Winde wehten und stießen an jenes Haus; und es fiel, 
und sein Fall war groß. Und es geschah, als Jesus diese Reden vollendet hat- te, da erstaunten die Volksmengen sehr über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, 
und nicht wie ihre Schriftgelehrten“ (7,24–29).
In den Versen 24–29, die die Bergpredigt abschließen, zeigt der Herr besonders eindringlich den Unterschied zwischen dem bloßen Hören und dem praktischen Befolgen seiner Worte. Wer sie aus- lebt, ist einem Menschen gleich, der sein Haus auf den Felsen gegründet hat. Die Ströme und der Wind wurden gegen dieses Haus entfesselt, aber es blieb stehen. Wer sich aber mit dem Hören begnügt, ohne das Gehörte auch zu tun, ist einem törichten Mann gleich, der sein Haus auf den Sand baute. Die Ströme und der Wind kamen und stießen gegen das Haus, nicht heftiger als gegen das Haus auf dem Felsen. Aber es war auf unsicheren Grund gebaut und fiel und sein Fall war groß.
Um wen es sich auch handeln mag, am Tag der
Prüfung oder des Gerichtes wird alles, was sich auf die Gedanken und Vernunftschlüsse der Menschen stützt, umgestoßen werden. Der Sturz wird groß sein, denn er ist von ewiger Dauer. Dagegen wird alles, was auf den Felsen des Wortes Gottes gegründet ist, bestehen bleiben und zwar ebenfalls auf ewig. „Die Welt vergeht und ihre
Lust; wer aber den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit“ (1. Joh 2,17). Es wird nicht gesagt: „Wer hört“, nicht einmal: „Wer sagt, dass er glaube“, sondern: „Wer den Willen Gottes tut“. Den Willen Gottes tun, das ist der einzige Beweis dafür, dass man glaubt. Zu begreifen, dass man auf Grund des Glaubens ohne Gesetzeswerke gerettet wird, ist
eine unbedingte Voraussetzung. Aber man steht dann leicht in Gefahr, zu vergessen, dass die Wer- ke des Glaubens die unbedingte Folge des Heils
sind.
Es wäre eine komplett leere Behauptung, zu sa- gen, man wäre errettet, wenn man das Wort Gottes im praktischen Leben nicht befolgt. Der Herr sagt: „Meine Mutter und meine Brüder sind die- se, die das Wort Gottes hören und tun“ (Lk 8,21; Mt 12,50). „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr!, wird in das Reich der Himmel eingehen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.“ (Vers 21). Überdenke auch, was in Jako- bus 2,14–26 steht.
„Und es geschah, als Jesus diese Reden vollendet hatte, da erstaunten die Volksmengen sehr über seine Lehre; denn er lehrte sie wie einer, der Voll- macht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.“ Es waren Worte von göttlicher Autorität, die zum ewigen Leben führen. Sie richten sich an das Ohr jedes Menschen und kommen aus dem Mund Emmanuels (Gott mit uns) selbst, der in Gnade auf die Erde kam, um seine verlorene Schöpfung zu erretten. Möchten wir doch alle zu den Tätern des
Werkes gehören und nicht zu den vergesslichen
Hörern (Jak 1,25)!