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Bund

Ein besserer Bund (8,7-13)

 7_Der erste Bund war nicht tadellos.
 Wenn dies der Fall gewesen wäre, hätte man keinen zweiten gebraucht. Doch dem Wesen nach und von der Sache her gab es an dem Bund selbst nichts auszusetzen, wenn die Menschen die moralische Kraft gehabt hätten, seinen Forderungen zu entsprechen.

 Der Bericht über seine Einführung wird in 2Mo 24 gegeben. Mose und Aaron nahten mit Nadab und Abihu sowie siebzig von den Ältesten Israels anbetend dem HERRN. Während die anderen weit entfernt stehen blieben, trat Mose näher heran, wobei er als Mittler dieses ersten Bundes im Namen des Volkes zu Gott und im Namen Gottes zum Volk sprach. Er legte dem Volk all die Worte des HERRN und all die Satzungen vor, worauf das Volk am Fuße des Berges Sinai einstimmig antwortete:

»Alle Worte, die der HERR geredet hat, wollen wir tun.«
Mose schrieb all die Worte, die Bundesbedingungen, auf, baute am nächsten Morgen in aller Frühe einen Altar und richtete zwölf Denksteine als Sinnbild für die zwölf Stämme auf.

Es wurden Opfer dargebracht, und zwar Brand- und Friedensopfer.
 Blut wurde vergossen.
 Mose nahm die Hälfte des Blutes und tat es in Schalen. Den Rest des Blutes sprengte er an den Altar, den er gebaut hatte.

 Dann nahm er das Aufgeschriebene, das Buch des Bundes, und las die Bedingungen vor den Ohren des Volkes.
 Erneut sagten die Israeliten:
 »Alles, was der HERR geredet hat, wollen wir tun und gehorchen.«

Der Mittler nahm darauf das Blut und sprengte es auf das Volk, wobei er es »das Blut des Bundes« nannte.

 Danach stiegen die Vertreter des Bundesvolkes auf den Berg, insgesamt 74, Edle Israels.
 Und sie sahen den Gott Israels. Sie sahen Gott!
 Sie schauten die Herrlichkeit wie von Saphir und Kristall.
Sie sahen Ihn und hatten Gemeinschaft mit Ihm.
Sie aßen und tranken.

Auf den Ruf Jehovas  machten sich Mose und sein Diener Josua auf, und Mose stieg hinauf auf den Berg Gottes, wozu der Sinai jetzt geworden war.

 Eine Wolke bedeckte den Berg Sinai, und die Herrlichkeit Jehovas liess sich darauf nieder, eine Herrlichkeit, die das Volk im Tal als verzehrendes Feuer wahrnahm.
Dies war in der Tat ein herrliches Ereignis. Doch wie gedankenlos und vorschnell hatte das Volk gerufen:
 »Alles, was Jehova geredet hat, wollen wir tun«!

Jahrhunderte später erklärte Jesus jene Worte des Gesetzes auf sehr einfache Weise.
Er lehrte, dass sie im Wesentlichen zwei Gebote beinhalteten.

Das erste forderte: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und aus deiner ganzen Seele und aus deinem ganzen Verstande und aus deiner ganzen Kraft« (Mk 12,30).
 Dies war eine ernste Forderung. Hatte das Volk nicht erkannt, dass das Gesetz auf solch ernste Sachverhalte hinauslief?
Dennoch war das nicht alles.

Das zweite Gebot hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit dem ersten:
 »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (Mk 12,31).
Kurz gesagt: Das Gesetz forderte Vollkommenheit.
 Hier befand sich der Schwachpunkt: Es forderte etwas, das Menschen nicht geben konnten. Jehova  wusste das.
 Er würde ihnen nachweisen, dass sie wegen ihrer innewohnenden Verderbtheit, moralischen Schwachheit und völligen Unfähigkeit der Vollkommenheit nicht entsprechen.

 Die steinernen Tafeln wurden unter den Gnadenstuhl gelegt.

Ein  Priestertum wurde ernannt und eine Reihe von Opfern, wozu jetzt Sündopfer gehörten, eingeführt.
Es wurden Vorkehrungen für die Schuld eines Bundesvolkes getroffen, das trotz all dessen, was es am Berg versprochen hatte, oft ungehorsam sein würde.
Was gab es an einem Bund auszusetzen, der Vollkommenheit verlangte? Gab es irgendeinen Mangel in der Forderung nach solcher Heiligkeit, wie sie das Gesetz so ausführlich umriss?
Was konnte man an einem Bund aussetzen, der solch hohen Wert auf moralische Redlichkeit und unbedingten Gehorsam legte? An dem Bund selbst gab es nichts auszusetzen, doch Paulus weist uns darauf hin, dass das Gesetz »durch das Fleisch kraftlos war« (Röm 8,3).
 Die mit Versagen behaftete menschliche Beschaffenheit, womit es zu tun hatte, konnte nicht geben, was das Gesetz verlangte.

Darin bestand der Mangel. Die Bedingungen stellten gefallenen Menschen mit einer sündigen Natur zu hohe Forderungen. Obwohl es verlangte, was recht und billig war und das Gute forderte, würde und konnte das Gesetz dem Bundesvolk nicht die moralische Kraft geben, der geforderten Vollkommenheit zu entsprechen.

 Deshalb sieht die Geschichte der Angehörigen des Bundesvolkes traurig aus.
Sie waren ungehorsam.
Sie begehrten auf. Sie murrten.
Sie beschwerten sich.
Sie vergassen Gott und verließen Ihn.
Sie wandten sich dem Götzendienst und der Anbetung des Moloch, des Baal und anderer Götter zu.

 Er züchtigte sie.
Er bat sie eindringlich.
 Er richtete sie.
 Sie taten Buße.

Oft kam es zur Erweckung und Wiederherstellung, worauf häufig nur erneuter Abfall folgte.
Der Bund hatte sie nicht verändert. Er konnte ihnen nicht die Kraft verleihen, zum Wohlgefallen des HERRN zu leben.

Gott hatte sie aus Ägypten herausgeführt, weil Er ein Volk wollte, das Ihm dienen, mit Ihm Gemeinschaft haben und Ihn anbeten würde.
Er führte sie heraus und schloss mit ihnen am Sinai einen Bund.

 Dies glich einer Hochzeit.
 »Wir wollen«,
 sagten sie, doch ihr historischer Weg ist eine Geschichte der Untreue und des Unglaubens.

 Ja, das war Ehebruch des Volkes (Hes 23,37; Mt 12,39).

 Dieser Bund musste durch einen anderen, einen besseren ersetzt werden. Ein neuer Bund war notwendig.

Hebräer Kapitel 8_
Von einem sehr frühen Stadium an musste jeder gottesfürchtige Jude erkannt haben, dass der erste Bund nicht weiter bestehen konnte.
Sein endgültiger Untergang war unvermeidlich.
 Er konnte nicht das hervorbringen, was er forderte. Vielmehr deckte er nur die dem Menschen innewohnende Sündhaftigkeit und Schwachheit auf.
Jehova selbst hatte Tadelnswertes an »ihnen« gefunden. Auf den ersten Blick kann man annehmen, dass sich das Pronomen »ihnen« auf das ungehorsame Volk bezieht.

Doch das Wort steht offensichtlich in der sächlichen Form, womit »Dinge« und nicht »Personen« angezeigt werden.

 Der HERR findet hier Tadelnswertes an den Bedingungen jenes alten Bundes, an den einzelnen Gesetzesbestimmungen, die am Sinai gegeben wurden, und nicht am Volk.

In gewisser Hinsicht waren die Bedingungen des Bundes nicht tief greifend genug.

In anderer Hinsicht waren sie äußerst komplex und schwierig. Beachten wir, wie sie in 3Mo 26 aufgezählt werden:

 »Wenn ihr in meinen Satzungen wandelt und meine Gebote beobachtet und sie tut, so werde ich eure Regen geben zu ihrer Zeit,
 und das Land wird seinen Ertrag geben,
 und die Bäume des Feldes werden ihre Frucht geben ...
Und ich werde Frieden im Lande geben ...
und ich werde die bösen Tiere aus dem Lande vertilgen ...
Und ich werde mich zu euch wenden und euch fruchtbar machen und euch mehren ...
Und ich werde meine Wohnung in eure Mitte setzen ...
und ich werde in eurer Mitte wandeln und werde euer Gott sein,
und ihr werdet mein Volk sein.«

Wie unendlich kostbar waren diese Segensverheißungen! Doch sie hatten den Gehorsam zur Bedingung.
»Wenn ihr aber nicht ... werdet«:

 Man musste auch die andere Seite bedenken.

Ungehorsam würde den
Schrecken der Krankheit sowie
Leiden,
Hungersnot,
Unterjochung,
Furcht,
Schwäche,
Seuchen,
Verwüstung,
Tod,
Pest,
Züchtigung,
Zerstreuung und Untergang  (3Mo 26,14-26) mit sich bringen.

 Wie sehr hat das arme Israel erfahren, dass sich die Wahrheit von 3Mo 26 buchstäblich erfüllte!

In den Leiden immer wiederkehrender Pogrome hat es erfahren,
dass Ungehorsam ein harter Weg, ein Weg der Torheit ist.
Er raubt den Segen und bringt nur Herzeleid und Tränen mit sich.
Das Volk weiss das, wobei das Schlimmste noch kommen wird, bevor es als Gesamtheit in die Segnungen des tausendjährigen Reiches im neuen Bund eingeht.

JEHOVA 
hat demnach Tadelnswertes an den Bedingungen des alten Bundes gefunden. Seine Segnungen waren von einem Gehorsam abhängig, den das Volk nicht aufbringen konnte.


Das trügerische menschliche Herz
 und die sündige Natur
 bildeten Hindernisse und ließen nicht den Genuss dessen zu, was für unbedingten Gehorsam bereitgestanden hätte.

 »Ich werde«, sagte JEHOVA  »wenn ihr ... werdet.«
 Dies schien so einfach und schlicht zu sein, doch die Verderbtheit und Widerspenstigkeit des menschlichen Herzens machte dies alles so kompliziert, ja, unmöglich.

Daher verfügte der HERR, den alten Bund durch einen neuen zu ersetzen.
 Nehmen wir zur Kenntnis, dass in Einklang mit einem bereits beobachteten Muster der Schreiber jetzt etwas aus ihren heiligen Schriften anführt,
ohne die Quelle seines Zitats anzugeben.
Wir haben weiter oben erörtert, dass es mindestens zwei Gründe für diese Auslassung gab.
 Erstens hielt er seine Leser als Juden für schriftkundige Leute. Musste er ihnen wirklich sagen, dass er jetzt aus Jeremia zitierte?
Zweitens ist nicht wichtig, wer der menschliche Verfasser ist. Wenn er den Ausspruch zitiert und mit den Worten »... spricht der Herr« wiedergibt, ist es völlig nebensächlich, wer der Prophet, Dichter oder Psalmist ist.
 Es ist ein Ausspruch Gottes.
Es mag noch einen dritten Grund dafür geben, dass er nicht die Quelle der Zitate angibt:
 Vielleicht will er den Wunsch anregen und fördern, selbst zu suchen. Es würde für diejenigen, die nicht Bescheid wussten oder sich nicht sicher waren, von Nutzen sein, selbst zu suchen und zu entdecken, woher das Zitat stammte. Er zitiert jetzt also vier Verse aus Jer 31:
 »Siehe, es kommen Tage, spricht JEHOVA, da werde ich in Bezug auf das Haus Israel und in Bezug auf das Haus Juda einen neuen Bund vollziehen«
 (Jer 31,31).

 Die Nation wird als Ganzes angesehen. Der erste Bund wurde mit Israel als Volk geschlossen, und das wird auch beim zweiten geschehen.
Dies wird hier nicht weiter ausgeführt. Der Schreiber zitiert Jeremia, damit er zeigen kann, dass es tatsächlich einen neuen Bund geben sollte.
Er wird formell mit Israel im tausendjährigen Reich in Kraft gesetzt werden, wobei aber seine Einzelheiten hier für die Argumentation des Briefes nicht notwendig sind.
Der Bund wird mit dem Volk gestiftet werden. Man hat ihn als Grundsatz des Gottesverhältnisses auf Erden beschrieben – er verkörpert von Gott geschaffene Bedingungen, unter denen der Mensch mit  Ihm leben soll.

Genau genommen ist das Evangelium demnach kein Bund.
 Es umfasst die frohe Botschaft einer Errettung für schuldige Menschen. Doch uns als diejenigen, die dem Evangelium glauben, werden die wesentlichen Vorrechte des neuen Bundes vor der eigentlichen Erfüllung zuteil, was in den folgenden Versen noch deutlicher wird.

Unsere Errettung beruht auf dem Vergießen jenes kostbaren Blutes Christi,
das in diesem Brief »das Blut des Bundes« genannt wird (10,29; 13,20).
 Paulus beschreibt seine Stellung und die seiner Mitarbeiter in der Verkündigung als »tüchtig gemacht ... zu Dienern des neuen Bundes« (2Kor 3,6).
Wir besitzen Segnungen und Vorrechte des Bundes.

Wir sind schon jetzt zur Freude an dem geführt worden, was Israel noch erwartet.

Hebräer 8.9
Der HERR kommt jetzt auf das Einführen des ersten Bundes zurück. Es wird daran erinnert, damit man von neuem die Erhabenheit des zweiten, des neuen Bundes sieht. In der Erinnerung an die Umstände, unter denen der erste Bund eingeführt worden war, schwingt eine schmerzliche und zugleich zarte Zurechtweisung mit.
Die Israeliten waren ein Volk von Sklaven gewesen.
 Ägypten war für sie zu einem Haus der Knechtschaft geworden.
Unter Zwang hatten sie dem Pharao gedient.
Als Erniedrigte hatten sie für den Pharao Ziegel angefertigt und unter der Peitsche der Sklaventreiber geächzt.
Sie waren ein hilfloses, unterjochtes Volk, bis JEHOVA ihr Geschrei hörte und beschloss, sie zu befreien.
 Er schenkte ihnen in Mose einen Retter. Er gab ihnen Sein zuverlässiges Wort und erlöste sie durch das Blut des (Passah-) Lammes sowie durch Seinen mächtigen Arm.

Er vernichtete ihre Feinde.
 Er brachte sie sicher durch das Rote Meer und ließ sie als Singende Kurs auf Kanaan nehmen.
 Doch wie liebevoll wird all das in diesem Vers beschrieben:
 »Ich (ergriff) ihre Hand ..., um sie aus dem Lande Ägypten herauszuführen.
« Das Wort »führen« ist ein Hirtenwort.

 Es ist das Wort des Guten Hirten selbst. In Joh 10,3 sagt Dieser, dass Er Seine eigenen Schafe mit Namen ruft und sie »herausführt«.

 Es ist das Wort, das Paulus gebraucht, als er in Apg 13,17 vom Auszug redet:
»Der Gott dieses Volkes Israel erwählte unsere Väter und erhöhte das Volk in der Fremdlingschaft im Lande Ägypten, und mit erhobenem Arm führte er sie von dannen heraus.« <
Dieses Wort wird in Lk 24,50 auch im Blick auf unseren HERRN benutzt:
 »Er führte sie aber hinaus bis nach Bethanien.«
Sie waren Seine kleine Herde.
Er führte sie.
 In diesem Wort liegt eine friedvolle, mit Gelassenheit verbundene Würde und Zartheit.
 Der HERR hatte die Israeliten also aus Ägypten geführt, indem Er ihre Hand ergriff und sie als erlöstes Volk zum Sinai brachte.

Welche Dankbarkeit hätte ihre Herzen erfüllen müssen! Wie stark hätten sie von dem Verlangen getrieben sein müssen, einzig und allein Sein Volk zu sein, um nur Ihm die gebührende Anbetung zu bringen und Demjenigen zu gefallen, der sie erlöst hatte!

Und tatsächlich schien es am Berg so zu sein: »Alles, was JEHOVA  geredet hat, wollen wir tun und gehorchen.«

Somit gingen sie eine Bundesbeziehung mit Demjenigen ein, der sie sicher aus der Knechtschaft geführt hatte.
Doch der zugesicherte Gehorsam wurde nicht sichtbar.
Sie standen nicht zu ihrem Versprechen.
 »Sie blieben nicht«, lautete die Anklage, und in den Worten »ich kümmerte mich nicht um sie« bestand das Gericht.

 Die Pronomen sind hervorgehoben:
 »Sie« taten es nicht ... und »ich«, Jehova, tat es auch nicht.
Sie blieben nicht. Sie waren  nicht dem treu, was der Bund als Bedingung festsetzte und vorgab.

Sie hielten sich nicht an die Erfüllung ihres Bekenntnisses zum Gehorsam. Sie hatten ihr am Berg abgelegtes Versprechen gebrochen.
 Das Ergebnis sah traurig aus: »Ich kümmerte mich nicht um sie«, wörtlich: »Ich achtete nicht auf sie.«
 Das gleiche Wort wird in 2,3 mit »vernachlässigen« übersetzt. Der HERR kümmerte sich nicht um sie. Sie hatten Seine Fürsorge sowie Seine Versuche verschmäht, sich ihnen in Liebe und Zuneigung zu nähern.

 Von ihnen auf diese Weise verschmäht sagt Er: »Ich kümmerte mich nicht um sie.« JEHOVA  hatte wörtlich gesagt:
 »Ich werde, wenn ihr ... werdet.« Das Volk hatte geantwortet: »Wir werden ....« Doch sie blieben ihrem Versprechen nicht treu.

Der Bund verfehlte sein Ziel.
 Wie groß war Seine Bereitschaft gewesen, wie gering die ihrige!
Die Traurigkeit und Tragik all dessen hallte Jahrhunderte später in den Worten Desjenigen wider, der über ihre Hauptstadt weinte und ausrief:

»Wie oft wollte ich ... aber ihr habt es nicht gewollt« (Lk 13,34).
 Ziel und Zweck dieses Verses bestehen darin, erneut darzulegen, dass der neue Bund nicht wie der alte sein wird.
 Er wird nicht misslingen wie der erste Bund.
 Und wiederum hören wir das zuverlässige Wort: »... spricht der Herr.«

Vers 10 →  Mit diesem Vers werden die »besseren Verheissungen« von V. 6 eingeleitet.
 Die Verheißungen bestehen aus sieben Teilen:

• Ich werde meine Gesetze in ihre Sinne geben.
• Ich werde sie auf ihre Herzen schreiben.
• Ich werde ihnen zum Gott sein.
• Sie werden mir zum Volk sein.
• Alle werden mich erkennen.
• Ich werde ihren Ungerechtigkeiten gnädig sein.
• Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nie mehr gedenken.

 Das Wort »Bund« wird in diesem Vers zweimal hervorgehoben.
JEHOVA  sagt wörtlich: »Dies ist der Bund, den ich ihnen als Bund verfügen werde.« Jeremia hatte von »Tagen« gesprochen, die »kommen« werden.

 Dies werden Tage der Leiden und Wehen sein. Sie werden »die Zeit der Drangsal für Jakob« umfassen (Jer 30,7).
 »Nach jenen Tagen« wird der HERR Seinem Volk gegenüber einen Bund verfügen.

Israel wird wie ein Überrest aus der Drangsal jener Tage gerettet werden.
Die Sonne der Gerechtigkeit wird mit Heilung in ihren Flügeln für das in der Drangsal befindliche Land aufgehen.
 Ein neuer Tag wird für die wiedergeborene Nation anbrechen.
Die Israeliten werden als Volk in das eingehen, was wir gegenwärtig als einzelne in Christus genießen.

 Die besseren Verheißungen werden für sie dann genauso wie für uns jetzt Gültigkeit erlangen.
 Mit den Worten »ich werde meine Gesetze in ihren Sinn geben« wird ein geistliches Verständnis dessen vermittelt, dass Gott nach uns verlangt.

 Das, was einst als Gesetz auf Steintafeln geschrieben wurde, wird im Rahmen des neuen Bundes in den Sinn der Heiligen geschrieben.
Es gibt ein instinktives, spontanes Gerechtigkeitsverständnis ohne jegliche Gesetzgebung.

 Dies wird bei Israel in jener Zeit des tausendjährigen Reiches der Fall sein. So ist es jetzt bei denjenigen, welche die Segnungen des neuen Bundes genießen.
Die verheißene Erkenntnis des Gesetzes Gottes umfasst nicht nur ein intellektuelles Wissen.

Damit ist nicht nur das gemeint, was man verstandesmäßig erfassen kann.
Es geht zwar auch um den Sinn (dianoia), um das Denken, um die Gedankenwelt, aber genauso um das Herz. »... und werde sie ... auf ihre Herzen schreiben«

 Hebräer 8,7-13 berf).
 Die Israeliten waren stets dazu ermuntert worden, Gottes Gesetze zu lehren, zu lernen und sich diese einzuprägen (5Mo 6,6-9).
Bis auf den heutigen Tag binden sie sich diese der Form wegen auf ihre Arme sowie auf ihre Stirnen und schreiben sie auf die Türpfosten ihrer Häuser.

 Doch es ist mehr als das erforderlich. Wir zitieren die hilfreiche Anmerkung
 »Die ursprüngliche Formulierung in Jer 31,33 lautet: ›Ich werde meine torah in ihr Inneres legen.
Das hebräische Wort torah bedeutet mehr als festgeschriebenes Gesetz.

 Es umfasst den Gedanken der Anleitung, Weisung und Belehrung
. Die neutestamentliche Erfüllung der Verheißung ist nirgends besser ausgedrückt als in Röm 8,1-5, wo Paulus über das Werk des innewohnenden Geistes Gottes im Gläubigen spricht.« Es geht um den Sinn und das Herz. Somit sind Verständnis und Hingabe in den Kindern des neuen Bundes miteinander verknüpft. Ihr Teil ist verständige Hingabe und hingegebenes Verständnis, eine Erkenntnis dessen, was notwendig ist, und ein mit Zuneigung verbundenes Verlangen, es zu tun, sowie die Tatsache, dass der innewohnende Geist aus Gnade jenes geistliche Verlangen verwirklicht. In einer solchen Glückseligkeit wird diese frühere, jetzt erneuerte Verheißung des alten Bundes (»ich werde ihnen zum Gott sein«) für Israel in Erfüllung gehen, so wie sie schon heute für uns erfüllt ist. Den HERRN verlangte stets danach, als Gott Seines Volkes, als Gott Israels, bekannt zu sein. Auf besondere Art und Weise war Er der Gott bestimmter edler Männer. Er war der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs, der Gott Sems, der Gott Daniels, der Gott Elias. Für das Volk des neuen Bundes ist ER:

• der Gott der Herrlichkeit (Apg 7,2)
• der Gott der Liebe (2Kor 13,11)
• der Gott des Ausharrens (Röm 15,5)
• der Gott des Trostes (2Kor 1,3)
• der Gott der Gnade (1Petr 5,10)
• der Gott der Hoffnung (Röm 15,13)
• der Gott des Friedens (Röm 15,33)

 Doch Er ist vor allem der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, und gerade Dieser ist es, der als aus den Toten Auferstandener zu uns sagt:
 »Mein Gott und euer Gott« (Joh 20,17).

 Die alte Verheißung wird erfüllt: »Ich werde ihnen zum Gott ... sein.« Dies gilt jetzt (2Kor 6,6), und so wird es in der Ewigkeit sein (Offb 21,3).

Wenn aber Gott ihr Gott ist, folgt daraus, dass sie Sein Volk sein sollen. Dies beinhaltet für uns große Vorrechte mit einer großen Verantwortung.

Sein Volk! Gottes Volk!
Auf diese Weise gebraucht Paulus das Wort, um die Korinther zu einem heiligen Lebenswandel zu ermahnen (2Kor 6,14-18).
 
Es gab andere Götter. Es existierten nichtige Götzen. Diese waren stets mit Befleckung, Unreinheit, Verderbtheit und Finsternis verbunden.

Doch mit solchen kann das Volk Gottes keine Gemeinschaft haben. Diejenigen, die Er »mein Volk« nennt, müssen abgesondert leben.
 »Darum«, sagt Er, »gehet aus ihrer Mitte aus.«
Weil ihr »mein Volk ... und ... mir zu Söhnen und Töchtern« seid, sollt ihr euch absondern, spricht der HERR.

 Wer die Verheißungen empfangen will, akzeptiert die Verpflichtungen.

Vers 11_ Die nächste Verheißung formuliert es auf vortreffliche und einfache Weise:
»Alle werden mich erkennen.«

 Das Gesetz, das am Sinai in Stein geschrieben wurde, wird oft als »Dekalog«, als die zehn Worte, die zehn Gebote, angesprochen.
 Diese bildeten jedoch die grundlegenden Aussagen einer Gesetzesordnung, die sehr vielschichtig und kompliziert war.
 Es gab zahlreiche Zeremonien und Riten, die eingehalten  werden mussten.
Die Gebote waren Legion.
 Es gab davon so viele, dass vom gemeinen Volk kaum die gründliche Kenntnis jedes Gebots erwartet werden konnte.
Wenn man Unkenntnis vorbrachte, war das dennoch nicht annehmbar.
Selbst unwissend begangene Sünden erforderten, wenn sie ans Licht kamen, ein Opfer.
In gewissem Maße konnte man sich in moralischen Angelegenheiten vom Gewissen leiten lassen,
 doch in rituellen Dingen vermochte selbst das empfindsamste Gewissen keine Anleitung geben, wenn man den erforderlichen Ritus nicht kannte.

 Es war daher notwendig, dass es im Gesetz ausgebildete und damit vertraute Männer gab, die andere in Bezug auf die unzähligen Gebote lehren, führen und ihnen Weisung geben konnten, die jeden Bereich des privaten, häuslichen, familiären und religiösen Bereichs betrafen.
 So bildete sich der Stand der Schriftgelehrten und Rabbiner, der Lehrer und Ausleger des Gesetzes heraus.

Die Menschen waren auf sie angewiesen so wie sie aufeinander, was die Kenntnis des Gesetzes betraf, zu deren Einhaltung sie verpflichtet waren.
 Ein Mensch konnte moralisch im Recht und dennoch von den Zeremonien her wegen mangelnder Kenntnis des rituellen Gesetzes im Unrecht sein.
Nun halfen aber die anerkannten Führer nicht immer weiter.
 Sie machten oft die ohnehin komplizierten Gesetze noch schwieriger. Sie fügten etwas hinzu.
Sie luden dem Volk schwere Lasten auf,
die unerträglich wurden.
 Als diejenigen, die das Gesetz abschrieb en und bewahrten, wurden sie gebraucht, konnte man nicht auf sie verzichten.

 Als Ausleger des Gesetzes wurden sie ebenfalls benötigt, wenn sie recht auslegten.
In jedem Fall war das gemeine Volk auf sie sowie auf Mitbürger, Nächste und Brüder angewiesen, wenn es um Gesetzeskenntnis und Erkenntnis des HERRN ging
. Dass jemand den HERRN persönlich erlebte, kam im Rahmen des alten Bundes sicher selten vor.
Der HERR hatte sich zwar offenbart und war im Volk bekannt, doch mit der individuellen und persönlichen Erkenntnis des Gottes der Zehn Gebote verhielt es sich anders. Er hatte nachgedacht, der Schriftgelehrte, der einmal zu Jesus sagte:
 »Recht, Lehrer, ... denn er ist ein einiger Gott, und da ist kein andere außer ihm; und ihn lieben aus ganzem Herzen und aus ganzem Verständnis und aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft, und den Nächsten lieben wie sich selbst, ist mehr als alle Brandopfer und Schlachtopfer« (Mk 12,32-33).

Dies bedeutete Erkenntnis des HERRN. Mit dem neuen Bund ist die Vielschichtigkeit vorbei.
 Die Riten gehören der Vergangenheit an.

Das Gesetz ist außer Kraft gesetzt worden.
 Von den Angehörigen des neuen Bundesvolkes kann gesagt werden:
 »Alle werden mich erkennen.«
 Sie sind Teilhaber der göttlichen Natur geworden. Es entspricht jener Natur, danach zu verlangen, was Sein Verlangen ist.
 Damit werden die Erfordernisse des Gesetzes unwillkürlich und ohne dasselbe von denjenigen erfüllt, die sich der besseren Verheißungen des neuen Bundes erfreuen.

Ohne dass ein Gesetz gegeben wurde, leben sie so, wie es der HERR im Blick auf Sein Volk stets wollte und wünschte.
 Und dies gilt für alle unter ihnen, vom Kleinsten bis zum Größten, vom Ältesten bis zum Jüngsten, für Männer oder Frauen, Reiche oder Arme, Gebildete oder Ungebildete, Hohe oder Niedrige. Ausnahmslos allen wird derjenige Geist innewohnen, der in ihrem Leben das hervorbringt, wofür die Zehn Gebote gegeben wurden. Es geht jetzt um die Frucht des Geistes (Gal 5,22).

Es gibt Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Gütigkeit, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit.

Diese herrlichen Merkmale waren alle in Christus sichtbar und finden sich in denen wieder, die Ihn lieben. Ohne Gesetz, im Rahmen des neuen Bundes, nimmt Gottseligkeit in ihrem Leben Gestalt an. Sie haben nicht nötig, dass sie jemand belehrt. Sie besitzen eine Salbung von dem Heiligen (1Jo 2,20.27).

Vers 12 _Es begegnet uns jetzt jene überaus wertvolle und kostbare Verheißung: »Ich werde ... gnädig sein.« W.E. Vines Anmerkung zur Definition von »Gnade« (eleos) sollten wir vollständig zitieren:
»Eleos ist der äußere Ausdruck von Erbarmen. Es setzt Not beim Empfänger und auf Seiten dessen, der es erweist, Mittel voraus, um der Not angemessen begegnen zu können. Gott ist reich an Barmherzigkeit (Eph 2,4).

 Überall, wo sich die Worte ›Barmherzigkeit‹ und ›Friede‹ befinden, kommen sie in dieser Reihenfolge vor, außer in Gal 6,16. Barmherzigkeit umfasst das Handeln Gottes; Friede ist die daraus resultierende Erfahrung im Herzen des Menschen. Gnade beschreibt Gottes Haltung gegenüber dem Gesetzesübertreter und dem Aufrührer; Barmherzigkeit ist Seine Haltung gegenüber denjenigen, die in Not sind.« Es ist interessant anzumerken, dass die Worte in 2Mo 33,19 in Verbindung mit dem ersten Bund zu finden sind: »Ich werde gnädig sein«, sagt der HERR, »wem ich gnädig bin, und mich erbarmen, über wen ich mich erbarme« . Diese Situation war sehr bewegend. Mose war mit den Gesetzestafeln vom Berg herabgekommen. Er war mit Josua hinabgestiegen und hörte dabei den Lärm der Angehörigen des Volkes, die sich in seiner Abwesenheit verunreinigt hatten. Sie sangen und tanzten, ohne sich zu schämen, und beteten ein goldenes Kalb an. Das erste und zweite Gebot des Dekalogs war bereits gebrochen worden. Es kam zum Gericht, zur blutigen Abrechnung, bei der dreitausend Mann starben. Dann folgte eine nationale Trauer und Buße, während Mose als Mittler für die Israeliten eintrat. Zu welch frühem Zeitpunkt hatten sie das Versprechen gebrochen, das sie abgelegt hatten! Wie schnell waren sie untreu geworden!

Dennoch bekräftigt JEHOVA  sogar zu diesem Zeitpunkt: »Ich werde gnädig sein.« Mose stieg erneut auf den Berg. Dann heißt es:
»Und der HERR stieg in der Wolke hernieder, und er stand daselbst bei ihm und rief den Namen des HERRN aus. Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Jehova Jehova , Gott, barmherzig und gnädig« (2Mo 34,5-6).
 Wie gut für die Angehörigen des Volkes, dass der Gott Israels ein Gott der Barmherzigkeit war! Wie oft in den folgenden Jahrhunderten gab es Anlässe, wo sie sich auf diese Barmherzigkeit stützen mussten! Trotzdem, obwohl sie tatsächlich da war, der HERR mit ihnen Geduld hatte, mit ihnen nachsichtig handelte und es ein gewisses Maß an Vergebung gab, wurde das Gewissen im Rahmen des alten Bundes nicht vollkommen gemacht. Sünden häuften sich an. Für sie wurde Sühnung erwirkt. Sie wurden bedeckt.

 Der Versöhnungstag kam und ging jedes Jahr,
doch bei der Vergebung, die dabei geschah, erinnerte man sich auch an die Sünden.
 Der neue Bund hat bessere Verheißungen.
 »Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nie mehr gedenken.«
Drei Wörter werden zur Beschreibung des Fehlverhaltens des Volkes gebraucht.
Sie stehen alle im Plural: Ungerechtigkeiten, Sünden, Gesetzlosigkeiten. W.E. Vine unterscheidet und definiert sie wie folgt:

• Ungerechtigkeiten (adikiais): Untugenden; Taten, die gegen Recht und Gesetz verstoßen;
• Sünden (hamartiôn): wörtlich »das Verfehlen des Ziels«;
• Gesetzlosigkeiten (anomiôn): Gesetzwidrigkeit, Bosheit. Ein großer Schwachpunkt des alten Bundes bestand also darin, dass er nicht angemessen mit dem Problem der Sünde umgehen konnte. Er war imstande, Sünde zu definieren und zu brandmarken, und er tat es.

Doch er hatte keine Macht, sie in Schranken zu halten, und kein Mittel, sie zu beseitigen.
Wie gern nimmt man demnach diese Zusicherung des neuen Bundes auf: »Ihrer Sünden und ihrer Gesetzlosigkeiten werde ich nicht mehr gedenken« (J.N. Darby)!
Das Blut Christi, dessen siebenmalige Erwähnung im Brief bevorsteht (ab 9,12),
ist das Blut des ewigen Bundes. »...
 der neue Bund in meinem Blut«, sagte der Heiland an jenem letzten Abend im Obersaal (Lk 22,20; J.N. Darby).

 Es stellt die gerechte Grundlage dar, worauf Gott jetzt Sünden erlassen kann.
Er ist in der Lage, den Schuldigen zugrunde liegenfertigen und dennoch gerecht zu bleiben (Röm 3,26).

 Er kann den ungerechten Menschen gerecht sprechen, weil mit der Ungerechtigkeit im Tod Christi umfassend abgerechnet worden ist. Die Verheißung des neuen Bundes besteht darin, dass der auf diese Weise bewältigten Sünden nie mehr gedacht werden wird.
»Nie« stellt eine nachhaltige, doppelte Verneinung dar:
 »Ich werde nie, nie ... gedenken«; »ich werde in keiner Weise ... gedenken.« Wenn Gott beschließt, nicht zu gedenken, ist das Sein Vor recht. Menschen können vergessen, doch sie können nicht beschließen, das Erinnern auszulöschen. Ja, die Bemühungen eines Menschen, eine Angelegenheit zu vergessen, dienen vielleicht nur dazu, dass sich diese Angelegenheit noch nachhaltiger in seinem Gedächtnis festsetzt. Gott vergisst nicht. Er beschließt, nicht zu gedenken. Unsere Sünden sind vergessen – für alle Zeiten! »Ich werde ... nie, nie mehr gedenken.« Dies sind demnach die besseren Verheißungen des neuen Bundes. Wir beugen uns in anbetendem Staunen, wenn wir daran denken, was dafür bezahlt wurde: »Christus ist ... für Gottlose gestorben« (Röm 5,6).

 Er trug »unsere Sünden an seinem Leibe auf dem Holze« (1Petr 2,24).
 »Um unserer Übertretungen willen war Er verwundet« (Jes 53,5).

Gal 2,20 ich bin mit Christo gekreuzigt, und nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir; was ich aber jetzt lebe im Fleische, lebe ich durch Glauben, durch den an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben hat.


Geistliche Lieder

Treffend singen wir:

 O Lamm Gottes!
 Du hast selbst getragen
 unsern Fluch und unsre Sündenlast.
 Welcher Feind darf zu verdammen wagen
 uns, Dein Volk, das Du erlöset hast?


Vers 13_

Es geht um einen »neuen« Bund. Indem Er von »einem neuen« spricht, hat Er den ersten für »veraltet«  erklärt.

 Das Todesurteil und die Tatsache, dass er veraltet war, standen im Blick auf den ersten Bund schon in der Zeit Jeremias, des Propheten, fest.

 Seine Schwächen und sein Unvermögen waren selbst damals offensichtlich und seine Tage bereits gezählt.
 Er sollte beiseite gesetzt werden. Das Einführen eines neuen Bundes würde ihn als überholt, unzeitgemäß und veraltet erscheinen lassen.
Wer wollte einen veralteten Bund haben, wenn es einen neuen gab?
Dennoch bemüht sich der Schreiber, seine hebräischen Leser von jeglicher noch anhaftenden Zuneigung zum Judentum zu lösen.
Das alte System hat ausgedient, es ist alt und gehört der Vergangenheit an. Es gibt etwas Besseres in Christus. Es war verständlich – und wir sollten da volles Verständnis für sie haben –, dass diese Hebräer, von den ästhetischen Schönheiten der alten Religion eingenommen, noch die Neigung hatten, an ihr festzuhalten,
und danach verlangten.

Es gab eine gewisse Anziehungskraft in der prunkvollen Architektur,
den Zeremonien, den Festen und Riten, der Musik, der weihrauchgeschwängerten Atmosphäre der Synagogen, dem Wechselgesang, den Gewändern und natürlich im Blick auf den Tempel selbst. Doch all das war »alt«, und zwar aufgrund der Einführung des Neuen.

 Und in der Tat würden diese zutiefst äußerlichen Attraktionen des Judentums bald verschwinden.

 Die Schatten des Jahres 70 n. Chr. zeichneten sich immer deutlicher ab, als der Brief geschrieben wurde.
Die Zerstörung der Stadt und des Tempels war nun sehr nahegerückt.
 Es muss nur kurze Zeit nach der Niederschrift des Briefes gewesen sein, dass Jerusalem während eines Aufstandes gegen die Römer von Titus und den römischen Legionen belagert wurde.
Dies war eine grauenvolle und schreckliche Zeit, von dem Geschichtsschreiber Josephus in furchtbaren und entsetzlichen Einzelheiten aufgezeichnet:
»Mitleid erregend war die Nahrung«, schreibt er, »und beweinenswert der Anblick.«

Die Zustände waren fast unbeschreiblich. Hungersnot und Mangel an Nahrungsmitteln ließen Männer und Frauen zu Tieren werden:
 »Kinder (rissen) den Vätern und, was das jammervollste war, Mütter ihren Säuglingen die Speisen aus dem Munde; während die Lieblinge in ihren Armen verschmachteten, scheuten sie sich nicht, ihnen den letzten Tropfen Milch wegzunehmen ...

Weder Alt noch Jung konnte auf Mitleid rechnen: selbst ganz kleine Kinder, welche an ihren Bissen hingen, wurden ergriffen und zu Boden geschleudert ...
Foltern schrecklicher Art ersannen sie, um Nahrungsmittel aufzuspüren ... schauderhafte Qualen musste mancher erdulden,
 nur damit er ein Brot verrate oder eine Handvoll verstecktes Mehl anzeige.«
»Die Fehltaten der Tyrannen im einzelnen zu schildern, ist unmöglich«, fährt Josephus fort.
Obwohl Josephus, ein Jude, darum bat aufzuhören, und obwohl Titus selbst, der Gott zum Zeugen dafür anrief, dass dies nicht sein Werk war,
 Mitleid hatte, ging die Belagerung weiter.

An jedem Tag geschah es, dass Hunderte von Juden aus der Stadt flohen und in die Hände der Römer fielen.
 »Sie mussten alle möglichen Foltern über sich ergehen lassen«, sagt Josephus.
 »Jeden Tag wurden fünfhundert, manchmal auch noch mehr Gefangene eingebracht ...
Die Soldaten nagelten nun in ihrer gewaltigen Erbitterung die Gefangenen zum Hohn in den verschiedensten Körperlagen an,
und da ihrer gar so viele waren, gebrach es bald an Raum für die Kreuze und an Kreuzen für die Leiber.« Dies war eine furchtbare Antwort auf das, was sie geschrieen hatten:
 »Sein Blut komme über uns und unsere Kinder« (Mt 27,5).
Es war ironischerweise die Folge des Schreis:
 »Wir haben keinen König als nur den Kaiser« (Joh 19,15).
 »Mit diesem Schrei«, sagt Edersheim, »beging der Judaismus Selbstmord.«

Unser HERR sah dies alles voraus und weinte über die Stadt (Lk 19,41-44).

Vielleicht besaß der Schreiber des Hebräerbriefes keine genaue Kenntnis der bevorstehenden Ereignisse,
 aber er wusste, dass die äußerlichen Überreste des Judentums dem Untergang nahe waren.
 Bald würden sie bei der Zerstörung verschwinden.
Josephus
bat sie wiederum inständig auf Hebräisch, indem er sie ernstlich anflehte,
 ihre eigene Stadt zu verschonen und jenem Feuer zu wehren, das bald auf den Tempel übergreifen würde.
Seine Worte lösten große Traurigkeit und allgemeines Schweigen unter dem Volk aus, als er zum Umdenken aufrief, um das Heiligtum und die Opfer zu verschonen.

Er berichtet, wie er stöhnend und mit Tränen in den Augen sprach, in seinen Worten vom Schluchzen unterbrochen. Die Hungersnot und das Elend dauerten an. Es geschahen Dinge, die selbst bei einigen der abgehärteten römischen Soldaten Mitleid mit der Not aufkommen ließen, in der sich die belagerten Juden befanden.

Schließlich war der verhängnisvolle Tag gekommen: →

»Es war ... der Zehnte des Monats Loos«,
 berichtet der Geschichtsschreiber, genau der Tag, an dem der König von Babel den ersten Tempel verbrannt hatte.
»Merkwürdig ist die Genauigkeit, mit der dasselbe die Zeitläufe einhielt«, sagt Josephus.
 »Über diesen (Tempel) ... hatte Gott schon längst das Feuer verhängt.«
Titus hätte nach Möglichkeit den Tempel gern verschont, doch einer seiner Soldaten steckte, ohne dass es ihm befohlen war,
 eines seiner goldenen Fenster in Brand.
Die Feuersbrunst breitete sich rasch aus.
 Es herrschte äußerstes Durcheinander und betäubender Lärm.
 Das Feuer fraß sich weit und pflanzte sich gemeinsam mit dem Stöhnen derjenigen fort, die erschlagen wurden.
Es war mehr Blut zu sehen als Feuer.
 Die Getöteten übertrafen an Zahl diejenigen, die sie umbrachten.
Auf diese Weise wurde das Heiligtum zerstört. Es war der letzte Überrest eines veralteten Bundes.
Der inspirierte Schreiber des Hebräerbriefes hatte dies beim Niederschrieben vorweggenommen:
Alles davon war veraltet und dem Verschwinden nahe.
Für jeden denkenden Juden war dies eine sehr traurige Angelegenheit. Wie empfindsam und angemessen äußert sich A.B. Bruce zu ihrer Situation!

 Er schreibt: »Denkt daran, ihr Hebräer, die ihr an levitischen Satzungen hängt!
Seht: Das Haupt des Hohen Priesters ist angesichts seines Alters weiß geworden,
seine Glieder geben vor Schwäche nach,
die Bretter der Stiftshütte sind morsch,
 der Vorhang des Heiligtums ist mottenzerfressen.
Alles deutet auf eine bevorstehende Auflösung hin.

Lasst es deshalb dahingehen, das veraltete System, damit ihm von frommen Männern ein anständiges Begräbnis bereitet wird. Schließt nicht die Augen vor den weißen Haaren und wankenden Schritten, indem ihr fanatisch darum kämpft, der Ehrwürdigen Unsterblichkeit zu verleihen, und das einbalsamiert, was bereits tot ist. Nehmt das Unvermeidliche, auch wenn es schmerzlich ist, an und tröstet euch mit dem Gedanken, dass beim Verschwinden des Alten etwas Neues und Besseres seinen Platz einnimmt. Es ist traurig, einen wie Simeon, den Gerechten und Gottesfürchtigen, zu verlieren, doch warum sollte man um ihn trauern, wenn Christus geboren wird?« So nähert sich dieser Abschnitt des Briefes dem Ende, doch die beeindruckende Argumentation hinsichtlich der Erhabenheit Christi geht im nächsten Kapitel weiter. Christus, der Hohepriester der zukünftigen Güter ist, übt einen unvergänglichen Dienst in ein er größeren und vollkommeneren Hütte aus. Indem wir uns des besseren Bundes und seiner besseren Verheißungen erfreuen, dürfen wir jetzt dort eingehen, wohin Er gegangen ist – mit einem gereinigten Gewissen und einem wohlannehmlichen Dienst. Du führtest uns ins Heiligtum, nicht sind wir mehr geschieden, wir singen Deines Namens Ruhm und beten an in Frieden.
O Liebesglut! Du gabst Dein Blut. Von Sünd’ sind wir gereinigt und sind mit Dir vereinigt.

Jim M. Flanigan

Der Neue Bund, das letzte der acht grossen Bündnisse der Schrift, ist:

(1) besser als der Bund mit Mose (2. Mose 19, 5. Ftißnote), nicht moralisch, sondern in der Wirksamkeit (Hebr. 7, 19; vgl. Röm. 8,3-4).
(2) Er ist auf «bessere» (d. h. ohne Bedingung) Verheißungen gegründet. In dem Bund mit Mose sagte Gott «wenn ihr wollt» (2. Mose 19, 5): in dem Neuen Bund sagte Er, «Ich will» (Hebr. 8, 10. 12).
(3) Unter dem Bund mit Mose kam der Gehorsam aus der Furcht (2. 2: 12. 25-27): unter dem Neuen Bund kam der Gehorsam aus einem willigen Herzen und einem willigen Geist (8, 10).
(4) Der Neue Bund sichert jedem Gläubigen die persönliche Offenbarung des Herrn zu (V. 11).
(5) Er macht der voll ständigen Vergebung der Sünden gewiß (V. 12; 10, 17; vgl. 10, 3).
(6) Er beruht auf einer vollbrachten Erlösung (Mt. 26, 27-28; I. Kor. 11, 25; Hebr. 9, 11-12. 18-23). Bedenke, daß dasselbe griechische Wort (diatheke) im N.T. wiedergegeben wird sowohl mit «Testament» als auch mit «Bund». Und
(7) der Neue Bund versichert die Fortdauer, die zukünftige Bekehrung und den Segen über ein bußfertiges Israel, mit dem der Neue Bund noch zustande kommen wird (10, 9; vgl. Jer. 31, 31-40; siehe auch Königreich [A.T.], Sach. 12, 18, Fußnote; und 2. Sam. 7, 8-17 mit Fußnoten). - (8, 8)

 Die acht Bündnisse, Zusammenfassung:
(1) Der Bund in Eden (1. Mose 2, 16, Fußnote) gibt die Bedingungen für das Leben der Menschen in der Unschuld.
(2) Der Bund mit Adam (I. Mose 3, 15, Fußnote) regelt das Leben des gefallenen Menschen und gibt die Verheißung eines Erlösers.
(3) Der Bund mit Noah (1. Mose 9, 16, Fußnote) richtet den Grundsatz der menschlichen Herrschaft auf.
(4) Der Bund mit Abraham (1. Mose 12, 2, Fußnote) gründet die Nation Israels und bestätigt, mit besonderen Zusätzen, die Verheißung der Erlösung, die Adam gegeben worden war.
(5) Der Bund mit Mose (2. Mose 19, 5, Fußnote) verurteilt alle Menschen, «denn alle haben gesündigt» (Röm. 3, 23; 5, 12).
(6) Der Bund in Palästina (5. Mose 30, 3. Fußnote) versichert die endliche Wiederherstellung und Bekehrung Israels.
 (7) Der Bund mit David (2. Sam. 7, 16, Fußnote) sichert die Fortfuhrung der Familie Davids (erfüllt in Christus, Mt. 1, 1; Lk. I, 31-33; Röm. 1, 3) und die Fortführung des Königreiches Davids über Israel und über die ganze Erde, das in und durch Christus erfüllt werden soll (2. Sam. 7, 8-17; Sach. 12, 8; Lk. 1, 31-33; Ap. 15. 14-17; 1. Kor. 15. 24). Und

 (8) der Neue Bund (Hebr. 8. 8, Fußnote) beruht auf dem Opfer Christi und sichert die ewige Seligkeit unter dem Bunde mit Abraham (Gal. 3, 13-29) allen zu, die glauben.
Er ist ganz ohne Bedingung, und da eben dem Menschen keine Verantwortung gegeben wird, ist er endgültig und unwiderruflich.

 Die Beziehung Christi zu den acht Bündnissen ist folgende:

 (1) Zu dem Bündnis in Eden: Christus, als der «zweite Mensch» und der «letzte Adam» (I. Kor. 15, 45-47) nimmt die Stellung über alles ein, die der erste Adam verlor (Kol. 2,10; Hebr. 2, 7-9). (2) Er ist der Same des Weibes in dem Bündnis mit Adam (1. Mose 3,15; Job. 12, 31; Gal. 4,4; 1. Joh. 3,8; Offb. 20, 10) und erfüllte die Bedingungen der Arbeit (Mk. 6, 3) und des Gehorsams (Phil. 2, 8; Hebr. 5, 8). (3) In Ihm, als dem größten Sohn Sems, wurde die Verheißung in höchstem Maße erfüllt, die Sem in dem Bündnis mit Noah gegeben worden war (I. Mose 9,16, Fußnote: Kol. 2, 9).
(4) Er ist der Same, dem die Verheißungen in dem Bündnis mit Abraham galten, der Sohn Abrahams, der gehorsam war bis zum Tode (1. Mose 22, 18; Gal. 3,16; Phil. 2, 8).
(5) Er lebte ohne Sünde unter dem Bündnis mit Mose und trug für uns den Fluch dieses Bündnisses (Gal. 3, 10-13).
(6) Er lebte gehorsam als ein Jude in dem Land unter dem Bündnis in Palästina, und Er wird die gnadenvollen Verheißungen dieses Bündnisses noch erfüllen (5. Mose 28, 1-30, 9).
 (7) Er ist der Same, der Erbe und der König unter dem Bündnis mit David (Mt. 1, 1: Lk. 1, 31-33).
Und
(8) Sein Opfer ist die Grundlage des Neuen Bundes (Mt. 26, 28; I. Kor. II, 25). Beachte, was in der vorigen Fußnote schon gesagt wurde, daß dasselbe griechische Wort (diatheke) im N.T. wiedergegeben wird mit «Testament» und mit «Bund».