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Die siebzig Jahrwochen

3. SIEBZIG WOCHEN

Daniel 9,24-27 gibt uns den zweiten Schlüssel zur Aus legung der Prophezeiungen. Zum Verständnis dieser Verse ist es wichtig zu beachten, daß wir sie nicht auf die Kirche oder das christliche Zeitalter anwenden dürfen. „Dein Volk“ war Daniels Volk, nämlich Juden und nicht Christen. Die siebzig Wochen sind ihnen bestimmt und nicht irgendwelchen anderen Völkern.


Deine heilige Stadt“ war Jerusalem, die irdische Haupt stadt Israels; und die sechs großen Ereignisse, die hier angekündigt werden, um in der besagten Zeitperiode statt zufinden, sind alle zukünftig und stehen in Verbindung mit Israel. Die ganze Periode wird aufgeteilt in drei Abschnit te: sieben Wochen, zweiundsechzig Wochen und eine Woche. Zu den ersten zwei Perioden werden uns in den Versen 25 und 26 drei besondere Merkmale mitgeteilt.
„So wisse denn und verstehe: Vom Ausgehen des Wortes, Je rusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Messias, den Fürsten, sind sieben Wochen und zweiund sechzig Wochen. Straßen und Gräben werden wiederher gestellt und gebaut werden, und zwar in Drangsal der Zeiten. Und nach den zweiundsechzig Wochen wird der Messias weggetan werden und nichts haben. Und das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heilig tum zerstören.“ Die Geschichte bestätigt alle drei Ereignisse. Deshalb können wir davon ausgehen, daß die Wochen keine Wo chen von Tagen, sondern von Jahren bedeuten. Somit steht jeder Tag einer Woche für ein Jahr; siebzig mal sie ben = 490 Jahre.

Auszüge aus dem Buch von Sir Robert Anderson, The Coming Prince („Der kommende Fürst“), sind für das Ver- ständnis dieser Zeitangaben sehr wertvoll. Die Verordnung, Jerusalem wiederaufzubauen, ging von Artaxerxes, dem König von Persien, aus, und zwar im Monat Nisan im 20. Jahr seiner Regierung, d.h. 445 v. Chr. (s. Neh 2,1-9; dort Artasasta genannt). Tatsächlich wurde die Stadt diesem königlichen Dekret zufolge wieder erbaut. Nach dem Ju- lianischen Kalender (von dem römischen Kaiser Julius Cäsar im Jahre 46 v. Chr. eingeführt) war der 1. Nisan 445 V. Chr. der 14. März jenes Jahres (diese Information stammt von dem Astronomen Royal am Greenwich-Ob servatorium). Neunundsechzig Wochen der prophetischen Zeitrechnung entsprechen 173.880 Tagen (69 x 7 x 360 Tage des jüdischen Jahres). Gerechnet vom 14. März 445 V. Chr., endeten sie am 6. April 32 n. Chr.

 Dieser letzte Tag der neunundsechzig Jahrwochen war der schicksals schwere Tag, an dem der Herr Jesus in Jerusalem einzog und damit Sacharja 9,9 erfüllte. Es war die erste und ein zige Gelegenheit in Seinem Leben auf dieser Erde, bei der Er als der „Sohn Davids“ und „König Israels“ ausgerufen wurde (s. Joh 12, 13-15; Mt 21,1-11).

Eine erklärende Anmerkung enthält folgende Übersicht: Von 445 V. Chr. bis 32 n. Chr. = 476 Jahre. (Beachte, daß beim Berechnen der Jahre von v. Chr. bis n. Chr. ein Jahr auszulassen ist; denn von 1 v. Chr. bis 1 nach Chr. zählt nicht zwei Jahre, sondern zählt ein Jahr). 476 x 365 Tage = 173.740 Tage. Füge 24 Tage (14. März bis 6. April, die beiden Tage einschließlich) hinzu, ferner 116 schaltjahr bedingte Tage, so ergeben sich 173.880 Tage. Das ist ein vollkommener Beweis für die Tatsache, daß „der Messias“, der Fürst, der weggetan werden und nichts haben würde, unser Herr Jesus Christus ist, denn Er betrat Jerusalem an genau dem Tag, als sich die neunundsechzig Wort Jahrwochen vollendeten.

 Nur ein paar Tage später erlitt Er den Tod am Kreuz. Zwischen der 69. und der 70. Jahrwoche erfolgt eine Unterbrechung bzw. eine eingeschaltete Periode, die die Zeit der Kirche umfaßt, wo sich Israel außerhalb seines Landes befindet. Die siebzig Wochen erweisen sich somit klar als Wochen von Jahren, und die Geschichte bestätigt die Genauigkeit der Prophezeiung. Ebenso in dem weiteren Teil von Vers 26: „Und das Volk des kommenden Fürsten wird die Stadt und das Heiligtum zerstören.“ Das geschah im Jahre 70 n. Chr., als die Römer unter der Führung Titus’ Jerusalem zerstörten, ln dem, was folgt, liegt der „Schlüssel“ zur Prophetie.

Vers 26 bezieht sich auf den „kommenden Fürsten“, und in Vers 27 heißt es: „Und er wird einen Bund mit den Vielen schließen für eine Woche, und zur Hälfte der Wo che wird er Schlachtopfer und Speisopfer aufhören las sen.“ Es ist offensichtlich, daß nicht Titus der „kommen de Fürst“ war, denn er hat nie das ausgeführt, was diese Verse ankündigen,

ln Daniel 2
 hat die letzte Phase des vierten Reiches (Rom), die Aufgliederung in 10 Königreiche, noch nicht stattgefunden. Offenbarung 17,12 handelt von zehn Königen, „die noch kein Königreich empfangen haben, aber Gewalt wie Könige empfangen eine Stunde mit dem Tier“ (s. auch Dan 7,23-25). Das Römische Reich muß Wiederaufleben, und unter dem Ausdruck „das Tier“ dürfen wir nicht so sehr das Reich an sich, sondern sein Haupt verstehen. Das Römische Reich der Zukunft wird von einem Mann beherrscht werden, manchmal „das Tier“ genannt: Offenbarung 13,4.17.12; er wird auch als „das kleine Horn“ bezeichnet (Dan 7,8-21). Er wird ausführen, was uns in Vers 25 gezeigt wird.

 Die abschließende „eine Woche“ ist eine kurze Periode von sieben Jahren, in der schwere Gerichtsschläge die Erde treffen werden. Es ist zugleich die Zeit der großen Drangsal für Israel. Vers 27 nimmt Bezug auf die „eine Woche“ und spricht auch von der „Hälfte der Woche“. Weitere damit verbundene Schriftstellen sind Offenbarung 11,2: „zweiundvierzig Monate“; Kapitel 11,3: „1260 Tage“; Kapitel 12,14: „eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit“. Jede dieser Zeitangaben umfaßt 3 1/2 Jahre und entspricht der Hälfte einer Jahrwoche. Sie legt die „Zeit der großen Drangsal“ genau fest.

Der Bund in Vers 27 wird geschlossen zwischen dem kommenden Fürsten des Römischen Reiches und Israel (unter Führung des Antichristen, des Königs von Israel in Daniel 11,36-39). Dieses Bündnis garantiert Israel Sicher heit in seinem Land und möglicherweise auch das Recht auf den Tempelbezirk und die Wiederherstellung des Opferdienstes. Der Einfluß des römischen Fürsten zeigt sich darin, daß er in der Mitte der Woche den Opferdienst aufhören läßt. Wie Offenbarung 13,11-15 zeigt, handeln dieser Fürst und der Antichrist in Gemeinschaft miteinan¬ der.

Den Greuel der Verwüstung finden wir in Matthäus 24,15; 2. Thessalonicher 2,3.4; Offenbarung 13,8.15; Daniel 12,11. So vermitteln uns einige wenige Verse einen Einblick in viele Prophezeiungen des Alten und des Neuen Testaments.

Wie bereits gesagt, ist Jerusalem also im Jahre 70 n. Chr. durch die Römer zerstört worden. Sie waren das „Volk des kommenden Fürsten“, aber dieser Fürst selbst war nicht bei ihnen - er wird noch kommen. Wenn er kommt, ist er aus Rom zu erwarten. Er wird die beherrschende Persön lichkeit der künftigen abschließenden Zeitperiode sein.

 Diese Tatsache setzt die machtvolle Wiederbelebung des Römischen Reiches um so sicherer voraus. Offenbarung 13 zeigt das deutlich. Das Tier, das aus dem Meer aufsteigt, hat eine „Todeswunde“, die geheilt wird. Wir sehen darin einen direkten Hinweis auf das wiedererstehende Rom. An seiner Spitze wird ein großer ziviler Führer und militärischer Genius stehen, ausgestattet mit unerhörter Intelligenz und Macht direkt von Satan, ln Offenbarung 13,2 lesen wir dazu: „Und der Drache gab ihm seine Macht und seinen Thron und große Gewalt.“ Offenbarung 12 macht völlig klar,
wer der Drache ist - Satan.

Als Daniel diese Prophezeiung empfing, wurde ihm zu gleich das letzte Ziel gezeigt, das Gott mit dieser ganzen Zeitperiode verfolgte. Das war, „die Übertretung zum Abschluß zu bringen und den Sünden ein Ende zu ma chen, und die Ungerechtigkeit zu sühnen und eine ewige Gerechtigkeit einzuführen, und Gesicht und Propheten zu versiegeln, und ein Allerheiligstes zu salben“ (V. 24). Die se Ausdrücke weisen alle hin auf die völlige Wiederherstel lung Israels und damit auf das irdische Königreich unse res Herrn Jesus Christus. Es ist ganz offensichtlich, daß alle diese Ereignisse nicht stattfanden, als der Messias kam und starb. Die Grundlage aller Segnungen darf sicherlich in Seinem Erlösungswerk am Kreuz gesehen werden, doch ihre Fülle ist für Israel noch nicht Wirklichkeit geworden. Erinnern wir uns, daß zu Beginn dieser Prophezeiung gesagt wird: „Siebzig Wochen sind über dein Volk und über deine heilige Stadt bestimmt“? Das Volk sind die Juden und die Stadt ist Jerusalem. Eine andere Deutung kann es nicht geben. Ihre Übertretung, ihre Sünden als Nation, ihre Abtrünnigkeit von Gott bestehen noch und bedürfen der Abrechnung, ehe ihre Segnungen kommen.

 So schauen wir uns diese Ziele kurz an, um die letztendli chen Absichten und die Handlungsweise Gottes immer wieder zu sehen. Es ist klar, daß „die Übertretung zum Ab schluß zu bringen und den Sünden ein Ende zu machen und die Ungerechtigkeit zu sühnen“ eine besondere Bedeutung für Israel als Nation hat. Der Herr Jesus starb ebensowohl für die Sünden dieser Nation (s. Joh 11,50), wie Er für die Heiden starb. Aber bis jetzt ist die Übertre tung der Nation nicht abgeschlossen, ihre Sünde nicht beendet, und die Sühnung ihrer Ungerechtigkeit wartet auf ihre eigentliche Erfüllung. Die Nation wurde in Gefangen schaft geführt wegen ihrer Übertretung, indem sie sich von Gott und Seinem Wort lossagten. Ihre Stadt wurde zerstört, weil dieser böse Zustand sich unvermindert fortsetzte und zu seinem Höhepunkt kam, als sie den Herrn der Herrlichkeit verwarfen und kreuzigten. Aber sie werden in ih rem eigenen Land wiederhergestellt werden, und das wird sicherlich das Zeichen dafür sein, daß die Übertretung, die ihre Zerstreuung zur Folge hatte, geendet hat. Der Tod des Heilandes auf dem Kreuz hat das ermöglicht, und das wird für sie als Nation zum Guten ausschlagen. Die rührenden Worte von Jesaja 53 werden ihnen an jenem Tag kostbar sein. Gott wird „die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden“ (Röm 11,26) und „ihre Sünden wegnehmen“ (V 27). Die Nation wird auf Ihn blicken, den sie durchbohrt haben, und wird über Ihn wehklagen (Sach 12,10). Jerusalem wird dann von der Hand des HERRN Zwiefältiges emp fangen haben für alle ihre Sünden (Jes 40,2); ihre Ungerechtigkeit wird vergeben sein; und „an jenem Tag wird ein Quell geöffnet sein dem Hause Davids und den Bewohnern von Jerusalem für Sünde und für Unreinigkeit“ (Sach 13,1).

 Der Ausdruck „eine ewige Gerechtigkeit einzuführen“ entspricht der „Verwaltung der Fülle der Zeiten“ in Epheser 1,10; ein neuer Bund wird nach Jeremia 31,31-33 ge macht werden; ein König wird regieren in Gerechtigkeit,  Wort und Jerusalem wird genannt werden „Stadt der Gerechtigkeit“ (Jes 32,1 und 1,26). „Gesicht und Propheten zu versiegeln“ ist ein Ausdruck für die Erfüllung aller göttlichen Ratschlüsse durch Christus. Jesaja 53,10: „Das Wohlgefallen des HERRN wird in sei ner Hand gedeihen.“ Alle Gesichte und Weissagungen werden dann für immer beendet sein. Man braucht sie künftig nicht mehr.

 „Ein Allerheiligstes zu salben“ weist auf einen wiederher gestellten Tempel hin, in dem Gottes „Allerheiligstes“ nach Seinen Erfordernissen eingerichtet und geheiligt ist. Die Bundeslade wird dort nicht mehr sein, sie wird nicht mehr in den Sinn kommen (Jer 3,16). Doch wird an ihrer Stelle der königliche Thron stehen, auf dem der HERR nach Sacharja 6,13 als Priester sitzen wird. Die Herrlichkeit des HERRN wird das Haus wiederum erfüllen (Hes 43,5); eine Wolke und ein Rauch bei Tage und der Glanz eines flam menden Feuers bei Nacht werden wieder gesehen werden (Jes 4,5), und „die letzte Herrlichkeit dieses Hauses wird größer sein als die erste“ (Hag 2,9). So wird Gottes Handeln mit Israel zu seinem beglückenden Höhepunkt kommen.