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Doppelte Erfüllung

PROPHETIE
doppelte Erfüllung

Im Allgemeinen wird die Prophetie der Heiligen Schrift als Hinweis auf ein besonderes zukünftiges Ereignis betrachtet.

Messianische Prophetien erfüllten sich in Leben, Tod und Auferstehung Jesu,

 während Endzeitprophetien von solchen Dingen sprechen, die sich im Zusammenhang mit dem zweiten Kommen Jesu Christi erfüllen werden.

 Manchmal jedoch kann sich eine Prophetie auf mehr als auf ein einzelnes zukünftiges Ereignis beziehen.

 Wenn das der Fall ist, wird zur Beschreibung dieses Phänomens oft der Begriff doppelte Erfüllung oder auch doppelter Bezug gebraucht. Andere, von den gegebenen Einzelheiten abhängige Begriffe hierfür können Mehrfacherfüllung lauten, wenn es um mehr als zwei Ereignisse geht, oder fortschreitende Erfüllung, wenn angezeigt werden soll, dass eine Prophetie nicht ein einzelnes Ereignis betrifft, sondern ihre Erfüllung in einer Aufeinanderfolge von Ereignissen finden wird. Das sollte klar vom Begriff der Typologie unterschieden werden, in der allgemein gültige Parallelen zwischen alttestamentlichen Ereignissen und Symbolen neutestamentliche Wahrheiten illustrieren oder vorschatten. Es gibt zum Beispiel persönliche oder geistliche Eigenschaften im Leben Josephs, die wir in unserem Herrn wiederfinden; sie dürfen als Typen betrachtet werden. Aspekte der Stiftshütte oder des Opferdienstes können auf das Heilshandeln Christi hinweisen - auch dies sind Typen. Wenn jedoch die Prophetie und ihre Erfüllung eine direkte Verbindung zwischen zwei Ereignissen aufweisen und diese Ereignisse als eine Realität begriffen werden, dann handelt es sich um doppelte Erfüllung.

Im Besonderen bezieht sich diese doppelte Erfüllung auf eine Prophetie, die zwei Stufen der Erfüllung in einer prophetischen Aussage vereint, eine nähere und eine ferner stattfindende.

 Römisch-katholi-sche Theologen haben das eine Durchdringung genannt, wenn eine eher unmittelbare alttestamentliche und eine ferner liegende neutestamentliche Bedeutung sich gegenseitig so durchdringen, dass die Textpassage zur gleichen Zeit und mit den gleichen Worten auf eine nähere und eine ferner liegende neutestamentliche Bedeutung hinweist. Bernard Ramm erklärt dazu: »Doppelbezüge sind charakteristisch für alle große Literatur, und die Bibel als große Literatur besitzt ebenfalls solche. Infolgedessen sind in den Ereignissen, Personen und Worten des Alten Testaments tief vergrabene Hinweise auf Ereignisse, Personen und Worte des Neuen Testaments zu finden. Eine alttestamentliche Prophetie kann ihre Erfüllung in einem vorchristlichen Ereignis und später in der christlichen Epoche finden, wie etwa das Erstaunen der Juden ( Hab 1,5-6 ), das im Alten Testament mit den zerstörerischen Armeen der Chaldäer Erfüllung fand und im Neuen Testament noch einmal durch die Erlösung der Heiden erfüllt wurde« (Ramm, S. 234).

Als Beispiel dieser Art der Erfüllung mag die Prophetie Daniels über die Schändung des Tempels durch das Opfer des Menschen der Sünde dienen. Sie fand möglicherweise Erfüllung im misslungenen Versuch Antiochus IV. Epiphanes oder durch die Entweihung durch Titus beim Fall Jerusalems. Aber der Inbegriff der Erfüllung dieser Prophetie wird die Schändung des Tempels durch das Tier aus dem Buch der Offenbarung während der Trübsalsperiode sein.

Die Vorstellung, eine Prophetie könne mehr als eine Dimension der Erfüllung aufweisen, mag dem modernen Beobachter fremd erscheinen. Aber Gott hat es gefallen, die Zukunft in einer einzelnen Prophezeiung zu offenbaren, die verschiedene Aspekte der Erfüllung aufweist oder deren Erfüllungsschritte durch große Zeitpannen voneinander getrennt sind. »Sie (die Propheten) sahen die Zukunft eher im Raum als in der Zeit; das Ganze erschien daher perspektivisch, und Perspektive wird eher überblickt als tatsächliche Distanz. Sie scheinen oft von zukünftigen Dingen zu sprechen, wie ein gewöhnlicher Beobachter die Sterne beschreiben würde, indem er sie zusammenfasst, wie sie vor seinem Auge erscheinen, und nicht entsprechend ihrer tatsächlichen Position« (Angus und Green; zitiert in Pentecost, S. 46).

Der Prophet hatte nicht nur eine Botschaft für seine Zeit, sondern auch für die Zukunft. Beide Ereignisse konnten im Wirkungskreis einer die nahe und die ferne Zukunft betreffenden Prophetie zusammengeführt werden. Horne schreibt: »Gleiche Prophetien haben verschiedentlich eine doppelte Bedeutung und beziehen sich auf unterschiedliche Ereignisse, ein näheres und ein ferner liegendes; eines der beiden zeitlich, das andere vielleicht geistlich oder auf die Ewigkeit bezogen. So haben die Propheten verschiedene Ereignisse im Blick; ihre Ausführungen können teilweise auf das eine und zum Teil auf das andere anwendbar sein. Da ist es nicht immer leicht, den richtigen Bogen zu schlagen. Was im ersten Ereignis nicht erfüllt wurde, müssen wir auf das zweite anwenden, und was sich bereits erfüllt hat, kann oft einen Typ für etwas darstellen, was sich noch erfüllen muss« (Horne, I,390).

Ich will noch schnell Folgendes hinzufügen: Wenn ich von »doppelter Erfüllung« rede, dann ist das nicht dasselbe wie »doppelte Bedeutung«. Die Bedeutung schließt in sich die Elemente ein, die die Mehrfacherfüllung zustande bringen. Diese müssen aber nicht denen deutlich werden, die die erste Erfüllung miterleben. Gottes Absicht beinhaltet andere Aspekte, die nicht ursprünglich verstanden wurden.

Pentecost glaubt,
Gott habe diese Nahund Fernschau gegeben, um unmissverständlich deutlich zu machen, dass die Erfüllung des einen die schließliche Erfüllung des anderen sicherstellt. Er zitiert Girdlestone: »Noch eine weitere Vorsorge wurde getroffen, um den Glauben der Menschen an Äußerungen zu stärken, die Beziehung zur fernsten Zukunft hatten. Häufig kam es vor, dass Propheten, die von solchen Dingen zu reden hatten, auch beauftragt wurden, andere Geschehnisse anzuzeigen, die sich in Kürze ereignen würden. Die Bestätigung dieser letzteren Voraussagen durch ihre Erfüllung in ihrer eigenen Zeit und Generation rechtfertigte es, auch den anderen Äußerungen Glauben zu schenken, die sich auf eine weiter entfernte Zeit bezogen. Das eine war praktisch ein »Hinweisschild« auf das andere, und wenn sich das eine als wahr erwies, konnte man auch dem anderen trauen. So half die Geburt Isaaks unter den aussichtslosesten Umständen Abraham zu glauben, dass in seiner Nachkommenschaft alle Familien auf Erden gesegnet sein sollten« (Girdlestone, S. 21).

Doppelte Erfüllung muss vor allem im Licht der Verheißungen Gottes gesehen werden. Oftmals zielen diese Verheißungen auf mehr als einen historischen Bezug, sie können mehrfach teilweise Erfüllung finden, ehe sie in der letzten Verwirklichung der Zusage gipfelt, die Gott zuvor gegeben hat. Beecher erklärt diesen Sinn von Gottes Verheißungen folgendermaßen: »Gott gab Abraham und durch ihn der Menschheit ein Versprechen: eine im Ewigen erfüllte Verheißung, die sich schon vorher in der Geschichte Israels und hauptsächlich in Jesus Christus erfüllt hat. Er ist das grundsätzlich Wesentliche in der Geschichte Israels« (Beecher, S. 163). Die Erfüllungen an und durch Isaak, Jakob, Joseph, David und Israel waren ihrer Natur nach nur begrenzt. Die wichtigste Erfüllung ist Jesus Christus, durch den auch die Heidennationen in den Segen Gottes mit hineingenommen werden.

Siehe auch: Prophetie, wörtliche Auslegung .

H. Wayne House

R. B. Girdlestone, The Grammar of Prophecy (London 1901, Eyre and Spottiswoode); Thomas Hartwell Horne, An Introduction to the Critical Study and Knowledge of the Holy Scripture s, 2 Bde. (New York 1859, Robert Carter and Brothers); Elliot E. Johnson, Expository Hermeneutics: An Introduction (Grand Rapids 1990, Zondervan); J. Dwight Pentecost: Bibel und Zukunft (CV Dillenburg, 1993); Bernard Ramm: Protestant Biblical Interpretation (Boston 1956, W. A. Wilde Company).


PROPHETIE
wörtliche Auslegung

Der Hauptunterschied zwischen den zahlreichen Standpunkten in Bezug auf das Tausendjährige Reich in der Prophetie-Diskussion und bei den verschiedenen Auslegungen des Buches der Offenbarung besteht in der hermeneutischen Methode.

Ramm stellt in seiner Betrachtung über die Auslegung der Prophetie fest: »Der wirkliche Streitpunkt über die prophetische Interpretation unter den Evangelikalen lautet: Kann prophetische Literatur mittels der allgemeinen Methode grammatikalischer Auslegung interpretiert werden, oder ist hierzu ein besonderes Prinzip erforderlich?« Ähnlich äußert sich Allis, ein Amillennialist, der dies als die fundamentale Frage in Hinblick auf den Unterschied zwischen seinem Standpunkt und dem prämillennialistischer Lehrer bezeichnet. Er schreibt: »Eine der bemerkenswertesten Eigenheiten des Prämillennialismus in all seinen Spielarten ist die Betonung, die er auf die wörtliche Auslegung der Schrift legt. Seine Verfechter behaupten hartnäckig, dass die Bibel nur dann wahr ausgelegt wird, wenn man sie wörtlich auslegt. Sie denunzieren all jene als »Spiritualisten« oder »Allegoriker«, die die Heilige Schrift nicht in gleichem Grad der Wörtlichkeit auslegen wie sie selbst. Niemand hat diese Anklage schärfer vorgebracht als die Dispensationalisten. Die Frage wörtlicher Versauslegung muss daher von Anfang an geklärt werden.«

Im Hinblick auf die Prophetie sind die beiden hauptsächlichen Lösungswege zur Auslegung der Heiligen Schrift die wörtliche (oder historischgrammatikalische) Auslegung und die allegorische (oder mystische beziehungsweise spirituelle) Auslegung.

»Allegorische Auslegung glaubt,

dass sich hinter den Buchstaben (rhet e) oder dem Offensichtlichen (phaner a) die wirkliche Bedeutung (hyponoi a) des Textes verbirgt. Allegorie wird von einigen als erweiterte Metapher verstanden.

Es gibt eine literarische Allegorie, die vom Autor mit Vorbedacht konstruiert wird, um eine Botschaft in historischer Form zu erzählen ... Wenn wir jedoch annehmen, dass das Dokument eine geheime Bedeutung (hyponoi a) hat, und es gibt keine Anhaltspunkte für diese verborgene Bedeutung, dann wird die Interpretation äußerst schwierig. In Wirklichkeit besteht das Grundproblem in der Ermittlung, ob die Passage überhaupt eine derartige Bedeutung transportiert. Hier erwächst ein weiteres Problem - lag die geheime Bedeutung in der Absicht des ursprünglichen Autors, oder ist es nur der Ausleger, der etwas derartiges darin zu finden glaubt? Wenn es keine Anzeichen, Hinweise, Zusammenhänge oder Verbindungen gibt, die anzeigen, dass der vorliegende Bericht eine Allegorie ist und was er als Allegorie zu vermitteln beabsichtigt, dann bewegen wir uns auf sehr ungewissem Boden« (Ramm).

Hinsichtlich der anderen Methode zur Auslegung der Prophetie schreibt Pentecost: »Die wörtliche Auslegungsmethode ist jene, die jedem Wort die gleiche, exakte Grundbedeutung zuweist, die es beim gewöhnlichen, üblichen Sprachgebrauch in Schrift, Wort oder Denken normalerweise hat. Sie wird auch als grammatikalischhistorische Methode bezeichnet, um die Tatsache hervorzuheben, dass die Wortbedeutung von grammatikalischen und historischen Erwägungen bestimmt ist.«

Die allegorische Auslegung neigt zu dem Versuch, die Bibel etwas sagen zu lassen, das sie auch anders sagen könnte - oder auch nicht. Viele konservative Bibelgelehrte legen die Heilige Schrift wörtlich aus, bis sie zu einer prophetischen Aussage kommen. Dann beginnen sie, allegorisch auszulegen, stellen unzulässige Überlegungen über Namen, Zahlen und verborgene Bedeutungen von Symbolen an. Dies sind zwar wichtige Erwägungen, da Gott sie manchmal gebrauchen wird, um wichtige Wahrheiten zu lehren. Aber wir sollten nicht zulassen, dass ihre unangemessene Betonung eine folgerichtige, wörtliche Auslegung biblischer Prophetie zunichte macht. Die wörtliche Methode zur Auslegung prophetischer Äußerungen ist die Grundlage des prämillennialistischen Standpunkts.

Gemäß dem amillennialistischen Autor Hamilton »müssen wir nun offen zugeben, dass eine wörtliche Auslegung der alttestamentlichen Prophetie uns gerade jenes Bild einer irdischen Herrschaft des Messias vermittelt, das uns der Prämillenialismus zeigt.

Das war die Art eines messianischen Reiches, wie es die Juden zur Zeit Christi erwarteten - auf der Grundlage einer wörtlichen Auslegung der alttestamentlichen Verheißungen. Das war jene Art von Reich, von dem die Sadduzäer sprachen, wenn sie die Vorstellung einer Auferstehung des Leibes verspotteten. Unser Herr antwortete ihnen mit der klarsten Aussage über die Charakteristika des künftigen Zeitalters, die wir im Neuen Testament finden, als er ihnen sagte: »Ihr irrt, weil ihr die Schriften nicht kennt, noch die Kraft Gottes« ( Mt 22,29 ) ... Die Juden hofften auf gerade solch ein Reich, wie es von jenen Prämillennialisten erwartet wird, die den Juden eine herausragende Stellung in einem irdischen jüdischen Königreich zuschreiben, das vom Messias in Jerusalem aufgerichtet werden soll.«

Die Bibel wurde offenbart, inspiriert und geschrieben unter dem normalen Gebrauch der Worte und Gedanken, die in der Alltagssprache Ausdruck fanden. Daher darf man erwarten, dass die Heilige Schrift mit der gleichen Methode ausgelegt wird, mit der sie gegeben wurde. Die meisten zeitgenössischen Bibelschüler folgen der Anweisung Coopers in seiner »goldenen Regel der Auslegung«. Wenn der einfache Sinn der Schrift Ausdruck des gesunden Menschenverstandes ist, dann suche nicht nach einem anderen, verborgenen Sinn, sondern nimm jedes Wort bei seiner primären wörtlichen Bedeutung, sofern nicht der Sachverhalt des unmittelbaren Zusammenhangs eindeutig etwas anderes anzeigt.

Diese Feststellung ist allgemein verständlich und wird den Bibelschüler üblicherweise zu einem korrekten Verständnis der Heiligen Schrift führen. Es ist allerdings der Bruch in der Regel zu beachten, der eine andere Form der Auslegung zulässt, wenn sich der Studierende an einer schwierigen Stelle festgefahren hat. Wenn wir zulassen, dass auch nur ein einziger Vers allegorisch ausgelegt wird, dann bricht das ganze Argumentationsgebäude zusammen. Gerade dann, wenn wir in der Heiligen Schrift Metaphern, Symbole und Sprachfiguren finden, müssen wir umso konsequenter die wörtliche Auslegungsmethode anwenden. Wir müssen gemäß der wörtlichen Bedeutung im Sinn des Autors auslegen und dürfen niemals irgendeine andere Bedeutung in eine Passage hineinzulesen versuchen. Das ist mehr als eine Haltung oder eine Philosophie - es ist ein Auslegungsprinzip. Stevens nennt es ein Gesetz. »Es ist nur vernünftig anzunehmen, dass es eine Methode der Auslegung von Gottes Wort gibt, die die Bibel harmonisch macht und unter denen, die dasselbe Buch lesen und daran glauben, Eintracht herstellt. Es gibt gewisse Gesetze, die verschiedenen Handlungsbereichen eigentümlich sind. Ohne die Beachtung dieser Gesetze kann keine Erkenntnis gewonnen werden ... Die Bibel hat ihre eigenen Gesetze klar und unmissverständlich aufgestellt. Diesen Gesetzen folgen heißt, das fleckenlose Licht der Wahrheit Gottes zu sehen. Wenn wir die Bibel in ihrem eigenen Licht interpretieren, dann erkennen wir ihre Hinlänglichkeit an; wir entdecken ihre Göttlichkeit; wir werden bekannt gemacht mit ihrer gewaltigen Kraft.«

Die wörtliche Auslegungsmethode ist ein Versuch, einem Wort die gleiche Bedeutung zu geben, die auch der Autor im Sinn hatte, der die Passage schrieb. Das heißt, wir versuchen nicht eine Interpretation für das Buch Daniel zu ersinnen, sondern wir suchen nach des Autors Verständnis der Worte und Sätze. Durch wörtliche Auslegung finden wir die übliche Bedeutung der Worte und Begriffe. Das heißt logischerweise: Wenn Jesus in der Bibel als das Lamm bezeichnet wird, dann meint der Autor damit natürlich nicht, dass Jesus vier Beine und ein wollenes Fell hatte. Lamm ist in diesem Fall eine Sprachfigur und muss mit der Bedeutung interpretiert werden, die Johannes der Täufer im Sinne hatte als er sagte: »Siehe, das Lamm Gottes« ( Joh 1,29.36 ). Johannes der Täufer brachte damit zum Ausdruck, dass Jesus die Erfüllung eines Typs war, die Erfüllung des Osterlamms im Passahmahl. Diese wörtliche Annäherung ist die sicherste Methode zur Bestimmung dessen, was Gott zu sagen beabsichtigte. Im Licht des historischen Zusammenhangs dieser Passage und der grundlegenden Regeln der Grammatik, wie wir sie verstehen, fragt diese Methode ganz einfach: Was sagte der Autor hier? Da aber alle Schrift eine doppelte Autorschaft hat (die Autorschaft Gottes und eine menschliche), müssen wir bei der Auslegung der Heiligen Schrift nach den Intentionen beider suchen.

Symbole sind ein wichtiger Teil der prophetischen Schriften, aber der Christ darf sich bei ihrer Interpretation nicht auf seine Phantasie verlassen. Oftmals offenbart die Bibel die Bedeutung eines Symbols im Textzusammenhang. Das wird im ersten Kapitel der Offenbarung deutlich. Die Symbole der Sterne und der Leuchter werden gebraucht, und sie werden identifiziert als die Gemeinden und Botschafter der sieben Gemeinden in Kleinasien ( Offb 1,20 ). Manchmal kann eine Parallelstelle herangezogen werden, um die göttliche Interpretation eines Symbols zu bestimmen, das anderweitig nicht verstanden wird. Das macht der Vergleich paralleler Berichte über dieselbe Auseinandersetzung zwischen Jesus und den Pharisäern über die Austreibung der Dämonen deutlich. Nach Lukas sprach Jesus von Dämonenaustreibung durch den Finger Gottes ( Lk 11,20 ). Vergleichen wir den Bericht des Matthäus über dieselbe Auseinandersetzung, dann wird offenbar, dass der »Finger Gottes« ein Symbol für den Heiligen Geist ist ( Mt 12,28 ).

Eine Folgerung der wörtlichen Auslegung besteht darin, dass der Autor eine wörtliche Bedeutung im Sinn hatte und nur eine Bedeutung für ein Wort oder eine Passage. Allerdings scheint der Autor an manchen Stellen zuweilen an eine doppelte Bedeutung gedacht zu haben, und zwar da, wo die Prophetie eine doppelte Erfüllung hat. Der Autor macht unter der Leitung des Heiligen Geistes eine Voraussage, die zwei Erfüllungen hat. Als Jesaja vorhersagte, dass der Messias von einer Jungfrau geboren werden würde ( Jes 7,14 ), da sprach er zu einem augenblicklichen Schauplatz ( Jes 7,1-14 ), sagte aber gleichzeitig die Geburt Christi voraus ( Mt 1,21-22 ). Das ist keine Spekulation - Matthäus bestätigt es. Die doppelte Erfüllung wird auch sichtbar, als Joel voraussagt: »Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch« ( Joe 2,28 ). Das erinnert an die Ausgießung des Heiligen Geistes am Tag der Pfingsten ( Apg 2, 16-21 ) und spricht auch schon von der Endzeit. Das Problem doppelter Erfüllung löst sich darin, dass der Autor eine Bedeutung im Sinn hatte, durch die vermittelt wurde, dass eine Prophetie zwei wörtliche Erfüllungen haben könnte. Der Autor war keinesfalls gespaltenen Sinnes oder wankelmütig, sondern er offenbart dadurch das übernatürliche Wesen der Heiligen Schrift. Das stellt die wörtliche Auslegung nicht in Frage, sondern es unterstützt sie.

Siehe auch: Hermeneutik, moderne biblische .

Elmer L. Towns

Oswald T. Allis, Prophecy and the Church (Philadelphia 1945, Presbyterian and Reformed Publishing Co.); David L. Cooper, zitiert bei Tim LaHaye, How to Study the Bible for Yourself (Eugene, Oreg. 1976, Harvest House); Floyd E. Hamilton, The Basis of Millennial Faith (Grand Rapids 1942, Eerdmans); J. Dwight Pentecost, Bibel und Zukunft (CV Dillenburg, 1993); Bernard Ramm, Protestant Biblical Interpretation (Boston 1956, W. A. Wilde Company); Charles H. Stevens, How Shall We Interpret the Bible? in: The Sure Word of Prophec y, hrsg. von John W. Bradbury (New York 1943, Revell).