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Epheser Walvoord Harold W. Hoehner


Epheser Kapitel 2 & 3   Walvoord Harold W. Hoehner



D. Das neue Leben des einzelnen

( 2,1-10 )

 

In Kapitel 1 hatte Paulus den ewigen Plan Gottes, die Erwählung derer, die zur Kindschaft vorherbestimmt sind, und die Tatsache, daß alle Gläubigen auf Erden und im Himmel unter Christus, dem Haupt der Gemeinde, vereinigt werden, erörtert. In Kap. 2; 3 geht es dann um die Ausführung dieses ewigen Planes. Paulus zeigt, wie Gott aus den Sündern Heilige macht und sie in die Kirche, den Leib Christi, aufnimmt. In 2,1-10 behandelt er zunächst die Frage, wie die Sünder, die eigentlich doch den Zorn Gottes verdienen, zu Siegeszeichen seiner Gnade werden.

 

 

1. Der alte Zustand: sie waren Gott gestorben

( 2,1-3 )

 

Der Deutung der folgenden Verse sollte vorausgeschickt werden, daß das grammatische Subjekt des langen Satzes (V. 1-7 ) im Griechischen "Gott" ist (V. 4 ) und daß die Verben "lebendig gemacht" (V. 5 ), "auferweckt" (V. 6 ) und "eingesetzt" (V. 6 ) die Hauptverben sind. Somit lautet also die Hauptaussage der Verse 1-7 , daß Gott die Gläubigen lebendig gemacht, auferweckt und mit Christus eingesetzt hat. Alle anderen Sätze sind nur Ergänzungen dieser Aussage. In Vers 1-3 geht es um den Zustand der Ungläubigen, bevor Gott sie verwandelte.

 

 

a. Allgemeine Zustandsbeschreibung

( 2,1 )

 

Eph 2,1

 

Nicht wiedergeborene Menschen sind tot durch ihre Übertretungen (vgl. V. 5 ) und Sünden ( Kol 2,13 ). Ihr Tod ist ein geistlicher, kein physischer Tod; in physischer Hinsicht sind die Ungeretteten sogar äußerst lebendig. Der Tod, den sie erleiden, besteht darin, daß sie keine Gemeinschaft mit den Lebenden haben. Wer geistlich tot ist, hat keine Gemeinschaft mit Gott; er ist von Gott getrennt. Die Wendung "in euren Übertretungen und Sünden" macht deutlich, daß die Sünde die Menschen getötet hat ( Röm 5,12; 7,10; Kol 2,13 ) und daß sie in diesem Zustand des geistlichen Todes bleiben. Die Begriffe "Übertretungen" ( paraptOmasin ; vgl. Eph 1,7;2,5 ) und "Sünden" ( hamartiais , "Verfehlungen") sind zwar von der Wurzel her verschieden, im Grunde genommen aber Synonyme. Beide bezeichnen mit Absicht begangene, gegen Gott und seine Gerechtigkeit gerichtete Handlungen, d. h. das Versagen vor der Forderung nach einem christlichen Leben. Daß sie beide im Plural stehen, ist ein Hinweis darauf, daß diese Menschen immer wieder sündigen, also nicht wiedergeboren sind.

 

 

b. Detaillierte Zustandsbeschreibung

( 2,2-3 )

 

Eph 2,2-3

 

Der nicht wiedergeborene Zustand, in dem die Menschen leben, wird im folgenden spezifiziert:

Eph 2,1-3 (3) Der Zusatz "dem Geist, der zu dieser Zeit am Werk ist in den Kindern des Ungehorsams" ist manchmal als Ergänzung zu der Wendung "Art dieser Welt" gesehen worden, doch das scheint etwas weit hergeholt. Manche Exegeten vertreten auch die These, daß er sich auf den "Herrscher" bezieht und bedeutet, daß Satan persönlich in den Werken der Kinder des Ungehorsams tätig wird. Am plausibelsten - auch grammatisch gesehen - scheint jedoch, daß "der Geist" derselbe ist wie der "Mächtige ( exousias ), der in der Luft herrscht". In diesem Fall wäre er die unpersönliche Kraft oder der Bereich, der von Satan beherrscht wird ( 1Joh 5,19 ). Der Teufel ist in der Gegenwart in den Ungläubigen "am Werk" ( energountos ). In der Formulierung "in den Kindern ( huiois ) des Ungehorsams" wird eine ganz bestimmte Charaktereigenschaft dieser Menschen deutlich. Ein "Sohn (wie es wörtlich heißt) des Ungehorsams" ist jemand, der ganz bewußt nicht gehorcht. Der griechische Begriff für "Ungehorsam" ( Röm 11,30.32; Eph 2,2;5,6; Hebr 4,6.11 ) bezeichnet eine bewußte und aktive Auflehnung gegen Gott.

 

malt das hoffnungslose Bild eines nichtwiedergeborenen Menschen, auf den der Zorn Gottes wartet.

 

 

2. Der neue Stand: lebendig in Gott

( 2,4-10 )

 

Der Zorn Gottes bedeutet jedoch nicht das Ende. Sein dunkler Hintergrund bildet einen schroffen Kontrast zu dem herrlichen Anblick der Gnade Gottes, die er den Nichtwiedergeborenen erweist. In Vers 4-10 wendet Paulus sich dieser Gnade zu, die in manchen Ungläubigen wirksam wird und ihnen das Leben schenkt (V. 4-5 ), sie auferweckt (V. 6 a) und mit Christus im Himmel einsetzt (V. 6 b. 7-10 ).

a. Gott macht sie lebendig

( 2,4-5 )

 

Eph 2,4-5

 

Mit der Konjunktion "aber" geht Paulus zu einer Beschreibung des Werkes Gottes an den Sündern über, die sich stark von der Schilderung ihrer Not (V. 1-3 ) unterscheidet. Unmittelbar auf dieses an betonter Satzposition stehende Wort folgt - als Subjekt des ganzen Abschnittes - Gott. Die Wendung "aber Gott" deutet darauf hin, daß nun etwas ganz anderes kommt! Gott ist reich an Barmherzigkeit . (Vgl. den "Reichtum" der Gnade Gottes, Eph 1,7;2,7; der "Herrlichkeit seines Erbes", Eph 1,18; "den unausforschlichen Reichtum Christi", Eph 3,8; und "seiner Herrlichkeit"; Eph 3,16 .) Mit "Gnade" ( eleos ) ist in der Septuaginta das hebräische Wort HeseD ("treue Liebe") wiedergegeben. Im Neuen Testament bedeutet eleos "unverdiente Freundlichkeit" gegenüber den Sündern. Gott, der reich ist an dieser unverdienten Freundlichkeit, hilft den Sündern aufgrund seiner großen Liebe . Das Substantiv "Liebe" ( agapE ) stammt von dem Verb agapaO , "das höchste Gut in dem Geliebten suchen". Da die Sünder für Gott geistlich tot sind, besitzen sie nichts, was sie ihm empfehlen könnte. Aus diesem Grund nennt Paulus die Liebe Gottes, die sich ihnen so völlig unverdient zuwendet, "groß".

Die Liebe Gottes hat drei Dinge bewirkt: (a) sie hat uns mit Christus lebendig gemacht , (b) sie hat uns "mit auferweckt" ( Eph 2,6 ), und (c) sie hat uns "mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus" (V. 6 ). Ein Ungläubiger, ein geistlich Toter, wird von Gott "lebendig gemacht mit (in Verbindung mit) Christus" (vgl. Kol 2,13 ). Das "uns" schließt sowohl Juden als auch Heiden ein (vgl. "uns" in Eph 2,3-4 ). Ein Mensch, der geistlich tot ist, kann nur dann mit Gott kommunizieren, wenn er lebendig gemacht wird, und das kann wiederum nur der herbeiführen, der selbst lebendig ist. Gott ist der lebendige Gott, "der die Toten lebendig macht" ( Röm 4,17 ).

Gott ist sich des Zustands der Ungläubigen voll bewußt. Paulus hat ihn bereits in Eph 2,1-3 beschrieben, doch er wiederholt an dieser Stelle noch einmal: "Die wir tot waren in den Sünden" (vgl. V. 1 ). Die Auferweckung der Ungläubigen ist ein Akt der Gnade: "aus Gnade seid ihr selig geworden" . Diese letztere Aussage, die eine Art Einschub darstellt, führt Paulus in Vers 8 weiter aus. Das Verb "seid ihr selig geworden" steht im Perfekt und bezeichnet einen bleibenden Zustand, der auf eine Handlung in der Vergangenheit zurückgeht. Weil die Gläubigen mit Christus geistlich "lebendig gemacht" worden sind, sind sie gerettet.

 

 

b. Gott hat sie auferweckt

( 2,6 a)

 

Eph 2,6 a

 

Gott hat die vormals Ungläubigen nicht nur lebendig gemacht, er hat sie mit Christus auferweckt . Das bezieht sich auf ihre Stellung nach der Auferstehung. Christus besitzt nach der Auferstehung einen neuen, mächtigen und einzigartigen Status, an dem die Christen, in denen er wohnt, teilhaben. Dieses neue Leben, die Kraft und ihr neuer Status erfordern ein neues Wertesystem bei den Gläubigen, wie Paulus in seinem Begleitbrief an die Kolosser sagt: "Seid ihr nun mit Christus auferstanden, so sucht, was droben ist, wo Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist" ( Kol 3,1-2 ).

 

 

c. Gott hat sie eingesetzt

( 2,6 b. 7-10 )

 

Eph 2,6 b

 

Schließlich hat Gott viele Ungläubige mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus (vgl. Eph 1,3.20;2,6;3,10;6,12 ). Geistlich gesehen sind die Gläubigen bereits im Himmel, wo auch Christus ist. Sie sind keine "Erdlinge" mehr, denn ihr Bürgerrecht ist im Himmel ( Phil 3,20 ). Christus ist der erhöhte Sohn Gottes, und die Gläubigen sind ebenfalls erhöhte Söhne und Töchter Gottes. Das Werk Gottes an den Ungläubigen gleicht insofern dem, was er an Christus getan hat: "Er hat ihn von den Toten auferweckt und eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel" ( Eph 1,20 ). Während Christus allerdings wirklich, physisch gestorben ist ( Eph 1,20 ), waren die Ungläubigen geistlich tot ( Eph 2,1-3 ). Während Christus leiblich auferweckt wurde ( Eph 1,20 ), sind die Ungläubigen lebendig gemacht und mit Christus geistlich auferweckt ( Eph 2,5-6 ). Christus ist in physischer Gestalt (in seinem auferweckten und erhöhten Leib, Eph 1,20 ) im Himmel eingesetzt; die Gläubigen sind mit ihm geistlich im Himmel eingesetzt ( Eph 2,6 ). Es ist die Kraft Gottes, die einen Ungläubigen lebendig machen, auferwecken und mit Christus erhöhen kann, dieselbe Kraft, die in der Gegenwart in den Gläubigen wirkt.

 

 

Eph 2,7

 

In der ewigen Zukunft wird Gott seiner ganzen Schöpfung den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade erzeigen ( endeixEtai , "zur Schau stellen, demonstrieren"; vgl. Röm 2,15;9,17.22; 2Kor 8,24; Tit 2,10;3,2 ). Sie wird an seinen Erlösten sichtbar werden. Der Apostel stellt den "Reichtum der Gnade" Gottes also in Zusammenhang mit der Erlösung der Gläubigen, denen durch die Gnade ihre Sünden vergeben wurden ( Eph 1,7 ). Diese Gnade kommt in seiner Güte gegen uns in Christus Jesus zum Ausdruck. Das bezieht sich auf die Rettung. Der Begriff "Güte", griechisch chrEstotEti , bedeutet eigentlich, was "angemessen oder geeignet" ist (vgl. Röm 2,4; 3,12 [Gutes]; Röm 11,22; 2Kor 6,6; Gal 5,22; Kol 3,2; Tit 3,4 ). Der angemessene Ausdruck der Liebe Gottes gegenüber denen, die geistlich tot sind, ist es, ihnen das Leben zu geben - darin liegt "der überschwengliche Reichtum seiner Gnade durch seine Güte".

 

 

Eph 2,8-9

 

Die folgenden Verse gehen nochmals auf "den überschwenglichen Reichtum seiner Gnade" (V. 7 ) ein. Im Rückgriff auf den Einschub von Vers 5 - denn aus Gnade seid ihr selig geworden - wird zusätzlich deutlich, daß das Mittel zur Rettung der Glaube ist. Die Gnade ist also die Grundlage der Rettung, die allein auf dem Weg des Glaubens erworben wird (vgl. Röm 3,22.25; Gal 2,16; 1Pet 1,5 ). Der Glaube aber ist kein "Werk". Man kann sich die Rettung nicht durch Glauben "verdienen"; er ist vielmehr das Mittel, durch das der Mensch die Rettung, die Gott ihm schenkt, annimmt.

Paulus fährt fort: "Und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es." Über das Demonstrativpronomen "das" ( touto ) gab es heiße Debatten unter den Forschern. Manche Exegeten beziehen es zurück auf die "Gnade", andere auf den "Glauben". Keiner dieser Vorschläge ist jedoch letztlich überzeugend, denn touto ist Neutrum, während die Begriffe "Gnade" und "Glaube" im Griechischen beide Femininum sind. Außerdem scheint ein Rückbezug auf einen dieser beiden Begriffe redundant zu sein. Das Neutrum touto gehört daher wohl, wie in anderen Zusammenhängen auch, zu dem vorhergehenden Satz oder Satzteil. (In Eph 1,15 und Eph 3,1 bezieht sich touto ebenfalls auf den vorhergehenden Abschnitt.) Damit schließt es also an die Vorstellung der Rettung an ( Eph 2,4-8 a), deren Grundlage die Gnade und deren Mittel der Glaube ist. Diese Rettung kommt nicht von Menschen (wörtlich: ist "nicht aus euch"), sondern von Gott, denn sie ist "Gottes Gabe".

Vers 9 unterstreicht diesen Sachverhalt noch einmal, indem er zeigt, daß nicht die Werke das Mittel sind, da die Grundlage der Rettung ja die Gnade ist ( Röm 3,20.28; Röm 4,1-5; Röm 11,6; Gal 2,16; 2Tim 1,9; Tit 3,5 ). Da sich nun niemand durch eigene Kraft retten kann, kann sich auch niemand seiner Rettung rühmen (vgl. Röm 3,27; 1Kor 1,29 ), sondern allenfalls des Herrn ( 1Kor 1,31 ).

 

 

Eph 2,10

 

Beginnend mit dem erläuternden denn wird nun erklärt, warum die Rettung nicht von den Menschen oder durch ihre Werke kommen kann. Sie ist das Werk Gottes . Der griechische Begriff, der hier mit "Werk" wiedergegeben ist ( poiEma ; er steht sonst nur noch in Röm 1,20 ), bezeichnet ein Kunstwerk oder Meisterstück. Er unterscheidet sich von dem menschlichen Werk ( ergOn ) in Eph 2,9 . Die Gläubigen sind das Werk Gottes, weil sie in Christus Jesus (vgl. "in Christus Jesus" in V. 6-7 ) geschaffen sind (ein Werk, das nur Gott vollbringen kann). Ein solches Werk wird nicht durch gute Werke erlangt, es führt vielmehr zu guten Werken (vgl. Tit 2,14;3,8 ).

Das Relativpronomen "die" in dem Satz "die Gott zuvor bereitet hat, daß wir darin wandeln sollen" bezieht sich zurück auf die "Werke" im vorhergehenden Satz. In diesen "zuvor bereiteten Werken" sollen wir also nicht "wirken", sondern "wandeln". Mit anderen Worten, Gott hat für die Gläubigen einen Weg der guten Werke vorbereitet, die er, wenn sie ihn im Glauben gehen, in ihnen und durch sie vollbringen will. Das bedeutet nicht, daß wir für Gott etwas tun müssen; es ist Gott, der in den und durch die Gläubigen ein Werk vollbringt (vgl. Phil 2,13 ). Auf diesen Weg der guten Werke geht Paulus in Eph 4-6 weiter ein.

In Eph 2,1-10 wird also bewiesen, daß Gott in seiner großen Gnade durch den Glauben die Rettung für die Menschen bereithält, obwohl sie geistlich tot sind und eigentlich nur seinen Zorn verdienen. Die Gläubigen sind das Werk Gottes, in dem und durch das er gute Werke vollbringt.

 

 

E. Das neue Leben der Gemeinde

( 2,11-22 )

 

Die einzelnen, die Gottes gnädige Rettung empfangen haben, werden nicht sich selbst überlassen, sondern mit anderen Gläubigen vereint. In 2,11-22 entwickelt Paulus die Vorstellung einer Einheit von geretteten Juden und Heiden in der Gemeinde, dem Leib Christi (vgl. Eph 1,22-23 ).

 

 

1. Die Einheit

( 2,1-13 )

 

a. Die Trennung in der Vergangenheit

( 2,11-12 )

 

Eph 2,11

 

Nachdem er seine Ausführungen über die Gläubigen als Werk Gottes abgeschlossen hat (V. 1-10 ), beginnt Paulus den folgenden Abschnitt mit der stärksten folgernden Partikel der griechischen Sprache ( dio , darum ), um den Ephesern ihren wenig beneidenswerten Zustand, als sie noch keine Beziehung zu Gott hatten, nochmals in aller Deutlichkeit vor Augen zu führen. Er fordert sie auf: Denkt daran, daß ihr von Geburt einst (vor der Bekehrung) Heiden wart und Unbeschnittene genannt wurdet von denen, die äußerlich beschnitten sind (von den Juden). Dieser physische Unterschied zwischen Juden und Heiden wirkte sich auf alle Lebensbereiche aus und richtete strenge soziale und religiöse Barrieren zwischen ihnen auf.

 

 

Eph 2,12

 

Daß den Heiden das äußerliche Zeichen der Beschneidung fehlte, bedeutete auch, daß sie fünf Privilegien nicht besaßen, die Gott dem Volk Israel verliehen hatte. Erstens waren sie ohne Christus , nicht nur im persönlichen Leben - das galt ja auch für viele Juden -, sondern weil ihre Völker keine Messiashoffnung besaßen.

Zweitens waren sie ausgeschlossen vom Bürgerrecht Israels . Sie gehörten nicht zum theokratischen Staat Israel (vgl. Röm 9,4 ). Die Verbform "ausgeschlossen", apEllotriOmenoi ("entfremdet"), steht nur noch zweimal im Neuen Testament ( Eph 4,18; Kol 1,21 ). Obwohl auch Heiden als Proselyten ins Judentum aufgenommen werden konnten, waren sie doch als Volk von den Verheißungen Gottes ausgeschlossen.

Drittens waren sie Fremde außerhalb des Bundes der Verheißung (vgl. Eph 3,6 ), d. h. sie hatten keinen direkten Anteil an dem Bund, den Gott mit Israel geschlossen hatte, und besaßen daher nicht wie Israel die Hoffnung auf die zukünftige Herrlichkeit und den Segen. Zu den "Bundesschlüssen" Israels gehörten der abrahamitische Bund ( 1Mo 12,1-3; 15,18-21; 17,1-8 ), der palästinische ( 5Mo 28-30 ), der davidische ( 1Sam 7,16; Ps 89,2-5 ) und der Neue Bund ( Jer 31,31-34; Hes 36,24-30 ). Sie alle wiesen auf den Messias und den Segen, den er bringen sollte, voraus und sicherten Israel seine nationale Existenz, Land, einen König und geistliche Segnungen zu.

Viertens hatten die Heiden keine Hoffnung . Im Gegensatz zu Israel warteten sie weder auf einen persönlichen Messias-Erlöser noch auf das messianische Zeitalter.

Fünftens waren sie ohne Gott ( atheoi ; "außerhalb von Gott") in der Welt . Die Heiden waren in einer verzweifelten Situation. Sie hatten keinen Sinn, keine Hoffnung, kein Ziel und keine Leitung in ihrem Leben.

 

 

b. Die gegenwärtige Einheit

( 2,13 )

 

Eph 2,13

 

Die Wendung "jetzt aber in Christus Jesus" macht sowohl den zeitlichen Unterschied ("einst", V. 11 , im Gegensatz zu "jetzt") als auch den Unterschied im Stand ("ohne Christus", V. 12 , im Gegensatz zu "in Christus Jesus") deutlich. Die Heiden, die einst Ferne waren (vgl. V. 17 ) von Gott und den Juden ( V. 12 ), sind Nahe geworden durch das Blut Christi (vgl. Eph 1,7 ). Durch den Opfertod Christi sind sie Gott und den Juden nahegekommen. Die Sünde trennt die Menschen von Gott, und nur das Sühnewerk Christi kann diese Trennung aufheben.

 

 

2. Die Erklärung der Einheit

( 2,14 - 18 )

 

Im folgenden erläutert der Apostel, wie die zuvor beschworene ( V. 13 ) Einheit von Heiden und Juden aussieht. Zwei Dinge stehen dabei im Mittelpunkt: die Schaffung von Frieden zwischen heidnischen und jüdischen Gläubigen und der Friede zwischen Gott und den Menschen, die an ihn glauben.

 

 

a. Der Friede

( 2,14-16 )

 

Eph 2,14

 

Christus selbst ist der Friede zwischen Juden- und Heidenchristen, denn er hat aus beiden eins gemacht und den Zaun abgebrochen, der dazwischen war . Das Wort "Friede" kommt viermal in diesen drei Versen vor ( V. 14-15.17 [zweimal]). Der "Zaun", ein Wort, das nur dieses eine Mal im Neuen Testament gebraucht wird, wurde auf verschiedene Weise gedeutet. Manche Exegeten beziehen ihn auf die Mauer im Vorhof des Tempels in Jerusalem, die den Hof der Heiden vom Hof der Juden trennte. Das klingt jedoch nicht sehr plausibel, da Paulus hier nirgends vom Tempel in Jerusalem spricht und auch, weil diese Mauer noch stand, als er den Epheserbrief schrieb. Manche bringen ihn mit dem Vorhang vor dem Allerheiligsten in Verbindung. Doch dabei handelte es sich um einen Vorhang, nicht um einen Zaun. Wieder andere vertreten die These, daß damit der "Zaun" um das Gesetz gemeint sei, von dem manche Rabbiner sprachen, der jedoch eher als Schutz für das Gesetz gedacht war und nicht die feindselige Implikation hatte, die hier mitschwingt. Der griechische Text legt statt dessen die Annahme nahe, daß mit diesem trennenden Zaun keine konkrete Barriere gemeint ist, sondern der uralte Haß zwischen Juden und Heiden, der sie so lange Zeit getrennt hatte. Da Christus diesen Haß aufhob (vgl. V. 16 ), soll nun auch die Feindschaft zwischen Juden und Heiden ein Ende haben.

 

 

Eph 2,15-16

 

Als nächstes beschreibt Paulus, wie und warum dieser Haß aufhörte. Die Animosität zwischen gläubigen Juden und Heiden ist vorüber, weil Christus starb. Er hat das Gesetz im Leben der Gläubigen abgetan ( katargEsas ). Juden und Heiden waren Feinde, weil erstere versuchten, das Gesetz mit seinen Geboten und Satzungen aufrechtzuerhalten (vgl. Kol 2,14.21-23 ), wohingegen die Heiden sich keine Gedanken darüber machten. Dieser Unterschied wirkte wie eine Barriere zwischen ihnen. Doch jetzt ist das Gesetz aufgehoben ("Christus ist des GesetzesEnde"; Röm 10,4 ), und so ist auch die Feindschaft zwischen Juden und Heiden vorbei. Manche Übersetzungen erwecken den Eindruck, daß diese Feindschaft im Gesetz selbst bestand. Das ist jedoch falsch; das Gesetz war nur der Grund für die Feindschaft. Christus "zerstörte" diesen Zaun (die Feindschaft), indem er das Gesetz ablöste.

Das tat er aus zwei Gründen. Erstens: "Damit er in sich selber aus den zweien einen neuen Menschen schaffe und Frieden mache." Das Wort "neu" ( kainon ) bezieht sich eher auf ein neues Wesen oder eine neue Eigenschaft als auf etwas zeitlich Neues ( neos ). Der "neue Mensch" ( Eph 2,15 ) oder die "neue Menschheit" wird auch der "eine Leib" ( V. 16 ), die Gemeinde, genannt. In der Gemeinde werden weder die Heiden zu Juden noch die Juden zu Heiden. Aus gläubigen Juden und gläubigen Heiden werden Christen, völlig neue Menschen.

Zweitens wollte Christus mit der Aufhebung der Feindschaft sowohl die gläubigen Juden als auch die Heiden in einem Leib (vgl. Eph 3,6 ) mit Gott versöhnen . Diese Versöhnung erreichte er durch das Kreuz , durch das er die Feindschaft zwischen Gott und den Menschen tötete . Durch seinen eigenen Tod tötete er die Feindschaft zwischen Juden und Heiden. In Eph 2,14 geht es um die Versöhnung zwischen Juden- und Heidenchristen, in Vers 16 um die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen (vgl. auch Röm 5,10; 2Kor 5,18-20; Kol 1,20 ).

 

 

b. Ankündigung des Friedens

( 2,17-18 )

 

Eph 2,17-18

 

Christus ist nicht nur "unser Friede" ( V. 14 ), er verkündigte auch den Frieden . Damit ist sicherlich die Verkündigung des Friedens durch die Apostel, nicht durch Christus selbst, der nahezu ausschließlich vor Juden predigte ( Mt 10,5-6; 15,24-27 ), gemeint. Außerdem beruht der Friede, der verkündigt wurde, stärker auf dem Tod Christi als auf seinem Leben auf Erden. Er wird sowohl denen zuteil, die fern waren (vgl. Eph 2,13 ), d. h. den Heiden (die ohne Messiashoffnung waren und Israel und seinen Bundesschlüssen fern standen), als auch denen, die nahe waren , d. h. den Juden (die "den Bund der Verheißung" haben; V. 12 ).

Eine Folge dieser Botschaft des Friedens ist es, daß sowohl Juden- als auch Heidenchristen in einem Geist Zugang zum Vater haben (vgl. 1Kor 12,13 ). "Zugang" kann auch "Eintritt" heißen insofern, als Christus für die Gläubigen die Tür zum Vater ist . Es scheint jedoch plausibler, "Zugang" so zu verstehen, daß Christus den Gläubigen Zugang gibt. Der griechische Begriff prosagOgEn , "Annäherung", findet sich im Neuen Testament sonst nur noch in Rö 5,2 und Eph 3,12 . Wie so oft in diesem Brief geht es auch hier um das Wirken der Dreieinigkeit. Die Gläubigen haben Zugang zum Vater durch den Heiligen Geist aufgrund des Todes Christi am Kreuz.

In vierfacher Betonung macht Paulus in Eph 2,14-18 deutlich, daß die beiden (Juden und Heiden) nun eins sind: (1) "aus beiden" ( ta amphotera ) hat Christus eines gemacht (V. 14 ), (2) "aus den zweien" wurde ein neuer Mensch geschaffen ( V. 15 ), (3) in einem Leib sind "die beiden" ( tous amphoterous ) mit Gott versöhnt (V. 16 ), und (4) in einem Geist haben "alle beide" ( hoi amphoteroi ) Zugang zum Vater (V. 18 ). Es ist eine eindeutige Tatsache, daß an die Stelle der alten Feindschaft eine neue Einheit getreten ist.

 

 

3. Die Folgen der Einheit

( 2,19-22 )

 

Die Einheit zwischen Juden und Heiden ist nun definitiv ausgesprochen. Im folgenden beschäftigt sich der Apostel mit den Konsequenzen dieser Einheit.

 

 

a. Die Tatsache: eine neue Beziehung

( 2,19 )

 

Eph 2,19

 

So ( ara oun ) seid ihr , d. h. die Heiden, nun nicht mehr Gäste ( xenoi ;vgl. V. 12 ) und Fremdlinge . Von nun an sind die gläubigen Heiden Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen . Sie werden Teil der Gemeinschaft der Erlösten aller Zeiten, angefangen bei Adam. Das bedeutet jedoch nicht, daß die Gemeinde die Segnungen erbt, die ursprünglich Israel verheißen wurden. Eine solche Deutung ist aus drei Gründen nicht möglich: (1) Paulus befaßt sich in diesem Kontext mit dem "neuen Menschen" (V. 15 ), dem "einen Leib" (V. 16 ). Das heißt nicht, daß die Heiden in das Volk Israel aufgenommen werden, sondern daß gläubige Juden und gläubige Heiden gemeinsam eine neue "Menschheit" bilden. (2) Paulus sagt insbesondere, daß die Heiden "Mitbürger der Heiligen" und "Hausgenossen Gottes" werden, er benutzt nicht das Wort "Israel". Wenn er hätte sagen wollen, daß die Gemeinde "Israel" wird, hätte er, wie in Vers 11 , beide Gruppen genannt. (3) Paulus erklärt, daß diese neue Beziehung "auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, erbaut" ist (V. 20 ). Das aber geschah an Pfingsten, nicht schon im Alten Testament. Es stimmt zwar, daß die heidnischen Gläubigen zu den Erlösten aller Zeiten gehören werden (V. 19 ), doch ihre Aufnahme - zusammen mit den gläubigen Juden - in die "neue Menschheit" begann erst, als an Pfingsten die Kirche gegründet wurde.

 

 

b. Die Ursache: ein neues Gebäude

( 2,20-22 )

 

Paulus beschreibt die Gemeinde als großes Gebäude, als heiligen Tempel, in dem Gott wohnt. Das Bild von dem im Tempel wohnenden Gott stammt aus dem Alten Testament. Paulus schildert die Grundsteinlegung des Gebäudes (V. 20 ), seine Gestaltung (V. 21 ) und seine Funktion (V. 22 ).

 

 

Eph 2,20

 

Zunächst wendet er sich der Grundlegung des Gebäudes zu. Die Heidenchristen werden zu "Mitbürgern" (V. 19 ) in der neuen Hausgemeinschaft der Gemeinde, weil sie erbaut sind auf den Grund der Apostel und Propheten . Gemeint sind hier die Propheten des Neuen, nicht des Alten Testaments. Auch in Eph 3,5 und Eph 4,11 folgen auf die "Apostel" die "Propheten". Es waren Männer, die die neue Offenbarung des Geheimnisses der Gemeinde empfingen, ein Geheimnis, das in der Vergangenheit, d. h. in der Zeit des Alten Testaments, verborgen war ( Eph 3,5 ).

Mit dem "Grund" der "Apostel und Propheten" ist entweder gemeint, (a) daß sie den Grund für die Kirche legten, (b) daß das Fundament der Kirche von ihnen stammte, (c) daß sie selbst einen festen Grund besaßen oder - und das scheint am plausibelsten - (d) daß sie das Fundament waren . Man könnte also auch übersetzen: "Der Grund, der aus den Aposteln und den Propheten besteht." Das scheint auch angesichts von Eph 4,11 die beste Lösung, wenn man diesen Vers dahingehend versteht, daß die Apostel und Propheten begnadete Männer waren, die der Kirche als "Grundlage" gegeben wurden. Darüber hinaus paßt diese Deutung gut in den vorliegenden Kontext, der besagt, daß Jesus Christus der Eckstein , d. h. ein Teil des Fundaments der Gemeinde ist. Beim Hausbau in der Antike wurde "der Eckstein" ganz besonders sorgfältig eingesetzt. Er war wichtig, weil das ganze Gebäude auf ihn aufbaute. Der Grund der Gemeinde, d. h. die Apostel und Propheten, mußten also sorgfältig auf Christus abgestimmt werden. Alle anderen Gläubigen sind auf diesem Grund erbaut, so daß ihr Leben an Christus ausgerichtet ist.

 

 

Eph 2,21

 

Als nächstes wendet Paulus sich der Gestaltung des Hauses zu. In Christus ist der ganze Bau ineinandergefügt ( synarmologoumenE , der Begriff steht nur noch in Eph 4,16 ). Das Gemeindehaus ist also sorgfältig erbaut, seine Steine sind nicht wahllos aufeinandergetürmt. Und es wächst (Präsens) zu einem heiligen Tempel in dem Herrn . Das deutet darauf hin, daß die Kirche ein lebendiger, wachsender Organismus ist, in den ständig neue Gläubige aufgenommenwerden (vgl. Eph 4,15-16; 1Pet 2,5 ). In diesem "heiligen Tempel" sind sowohl Juden- als auch Heidenchristen "ineinandergefügt" (vgl. "ein neuer Mensch", Eph 2,15 ,und "ein Leib", Eph 2,16 ). Der Begriff für Tempel (naos) bezieht sich stets nur auf das Heiligtum, nicht auf den gesamten Tempelbezirk in Jerusalem mit seinen offenen Höfen ( hieron ).

 

 

Eph 2,22

 

Sodann kommt der Apostel auf die Funktion des Tempels zu sprechen. Gott nimmt einzelne Gläubige als Bausteine für diesen Tempel, die auf diese Weise miterbaut werden zu einer Wohnung Gottes im Geist . Im Alten Testament wohnte die Herrlichkeit Gottes im sichtbaren Tempel, dem Symbol der Gegenwart Gottes unter dem Volk. Nun wohnt Gott in seinem neuen Tempel, der nicht aus leblosem Material, sondern aus lebendigen Gläubigen erbaut ist. Der Heilige Geist hat in jedem einzelnen Gläubigen Wohnung genommen (vgl. Joh 14,17; Röm 5,5; Röm 8,9.11; 1Kor 2,12; Gal 3,2;4,6; 1Joh 3,24; Joh 4,13 ), der so zu einem "Tempel" wird ( 1Kor 6,19 ). Mit dem "Tempel" in Eph 2,21-22 ist jedoch das Innewohnen des Heiligen Geistes in der Gemeinschaft der Gläubigen gemeint (vgl. 1Kor 3,16; 2Kor 6,16 ) - der "Tempel", der aus allen jüdischen und heidnischen Gläubigen gemeinsam besteht.

Die Wendung "im Geist" lautet wörtlich "durch den Geist" (vgl. Eph 3,5 ).

In diesem Abschnitt hat Paulus seinen Lesern dargelegt, daß die Heiden einst außerhalb des Hauses Gottes standen, jetzt aber mit den Judenchristen zusammen eine "neue Menschheit" bilden. Diese neue Einheit verkörpert sinnbildlich einen Tempel, der auf den Aposteln und Propheten erbaut wurde, dessen Eckstein Christus ist und in dem Gott durch den Heiligen Geist Wohnung genommen hat.

 

 

F. Einschub: Die Ausbreitung des Geheimnisses

( 3,1-13 )

 

Paulus wollte seiner Beschwörung der Einheit von Juden- und Heidenchristen in der Gemeinde ( Eph 2,11-22 ) eigentlich ein Gebet für die Gläubigen folgen lassen. Doch mitten im Satz (am Ende von Eph 3,1 ) bricht er ab und kommt statt dessen auf das Geheimnis Christi zu sprechen. Er versucht, dieses Geheimnis und die Verantwortung, die er mit der Aufgabe seiner Verbreitung übernommen hat, zu erklären. In Vers 14 nimmt er dann das Gebet wieder auf.

 

 

1. Einführung

( 3,1 )

 

Eph 3,1

 

Das Wort "deshalb" (vgl. V. 14 ) verweist zurück auf Eph 2,11-22 ,auf das Thema der Einheit von Juden- und Heidenchristen, die sich auf einer neuen Ebene zusammengefunden haben. Darüber hinaus bezieht es sich auch auf den ganzen ersten Teil des Briefes, in dem Paulus von der Gnade Gottes gegenüber den Heiden sprach. Die Worte ich, Paulus, der Gefangene Christi Jesu für euch Heiden erinnern an Paulus' Gefangenschaft in Rom, die ihm sein Eintreten für Christus (vgl. Eph 4,1; 2Tim 1,8; Phim1,1.9 ) und insbesondere sein Amt als Heidenapostel ( 2Tim 1,11-12 ) eingetragen hatte. Weil er das Amt, das ihm von Gott anvertraut war ( Eph 3,2 ), treu verwaltet und, wie Gott es wollte, die Heiden missioniert hatte, war er den heftigsten Verfolgungen von seiten der Juden ausgesetzt. Sie hatten schließlich zu dem Angriff auf ihn in Jerusalem und zu seinen Gerichtsverhandlungen in Cäsarea und Rom geführt.

 

 

2. Das Geheimnis

( 3,2-6 )

 

a. Die Verteilung der Gnade Gottes

( 3,2 )

 

Eph 3,2

 

In Vers 2 beginnt ein weiterer überlanger Satz, der erst in Vers 13 endet (einer der acht langen Sätze im Epheserbrief; vgl. den Kommentar zu Eph 1,3-14 ). Es handelt sich um einen Konditionalsatz. Paulus eröffnet ihn mit dem Amt , das die Gnade Gottes ihm für die Heiden gegeben hat (V. 2 ), und schließt mit der Bitte, daß die Tatsache, daß er in Rom gefangen ist, seine Leser nicht entmutigen möge (V. 13 ). Dazwischen, in Vers 3-12 , spricht er von den Einzelheiten seiner Botschaft und seines Amtes. Das "ja" in Vers 2 deutet an, daß die Epheser sicherlich von seiner Verantwortung, der er sich im folgenden im Detail zuwendet, gehört haben. Der Begriff "Amt" ( oikonomia , Ratschluß; vgl. V. 9 ) ist hier im Sinne von Verwalteramt gebraucht und bezieht sich auf ein anvertrautes Gut, das korrekt verwaltet werden muß (in 1Kor 9,17 und in Kol 1,25 ist oikonomia ebenfalls mit "Amt" wiedergegeben). Paulus war der Verwalter der ihm anvertrauten "Gnade Gottes" (vgl. Eph 3,7; darauf geht er in Vers 3-6 näher ein). Sie war ihm gegeben, damit er, der Heidenapostel ( Gal 2,7; Eph 3,8 ), sie unter den Heiden in Ephesus ( für euch ) verteile (V. 1 ).

 

 

b. Die Offenbarung des Geheimnisses

( 3,3-5 )

 

Eph 3,3

 

Auf das Geheimnis (eine bis dahin verborgene Wahrheit), das ihm kundgemacht wurde, kommt der Apostel erst in Vers 6 zurück. Dieses Geheimnis war Paulus durch Offenbarung enthüllt worden, von der er schon aufs kürzeste im selben Brief berichtet hatte ( Eph 2,11-22 ).

 

Eph 3,4

 

Beim Nachlesen des dort Gesagten werden die Christen in Ephesus seine Einsicht ( synesin ; vgl. Kol 1,9;2,2 ) in das Geheimnis Christi (vgl. Kol 1,27;2,2 ) erkennen . Die folgenden Verse ( Eph 3,5-6 ) gehen erneut auf dieses Thema ein. Seine "Einsicht" war nicht seine eigene Entdeckung; sie stammte von Gott.

 

 

Eph 3,5

 

Dann spricht Paulus von der Zeit, in der das Geheimnis enthüllt wird: Dies war in früheren Zeiten den Menschenkindern nicht kundgemacht, wie es jetzt offenbart ist . Dieser Satz gab Anlaß zu zahlreichen Diskussionen unter den Exegeten. Das Problem liegt in dem Adverb "wie" ( hOs ). Manche verstehen es als Einschränkung; das würde bedeuten, daß das Geheimnis im Alten Testament teilweise, jetzt im Kirchenzeitalter aber ganz offenbart ist. Damit hätte Gott das Geheimnis in der Vergangenheit noch nicht so weit enthüllt, wie er es jetzt getan hat. Andere fassen es lediglich als beschreibend auf; das würde bedeuten, daß ein Geheimnis wie dieses nicht im Alten Testament, sondern erst jetzt, in der Zeit des Neuen Testaments bekannt wurde.

Fünf Gründe sprechen für die zweite These:

1) Das Wörtchen "wie" drückt zwar oft eine Einschränkung aus, doch es wird durchaus auch zur Beschreibung verwendet (z. B. sagte Petrus, daß die Jünger nicht betrunken gewesen seien, "wie" die Juden dachten; Apg 2,15 ).

2) Vom Kontext her ist ebenfalls der zweiten These der Vorzug zu geben, denn Paulus schreibt, daß das Geheimnis in der Vergangenheit verborgen war ( Eph 3,9 ).

3) In Kol 1,26 wird eindeutig ausgesagt, daß das Geheimnis "seit ewigen Zeiten" verborgen war, nun aber ( nun de ) den Heiligen offenbart ist.

4) Die Stellung des Adverbs der Zeit "jetzt" ( nun ) stimmt mit Kol 1,26 überein; beide Male wird der Gegensatz zwischen den Zeiten hervorgehoben. In der Vergangenheit war das Geheimnis nicht bekannt; doch jetzt ist es offenbart. Dafür spricht auch die Verwendung desselben Adverbs ( nun ) in Eph 3,10 : "Die mannigfaltige Weisheit Gottes" (die das Geheimnis ist) ist "jetzt" den "Mächten und Gewalten im Himmel kund" geworden. Wenn nicht einmal die Mächte und Gewalten im Alten Testament das Geheimnis kannten, wie sollen dann die Menschen dieser Zeit davon gewußt haben? Da auch "die Mächte und Gewalten im Himmel" erst durch die Gemeinde (die erst seit Pfingsten existiert) von dem Geheimnis erfuhren, hatten die Menschen des Alten Testaments ganz sicher noch nichts davon gehört.

5) Etwas "offenbaren" bedeutet, etwas "aufzudecken oder zu enthüllen", das zuvor vollkommen verborgen war. Die Annahme, daß das Geheimnis bereits im Alten Testament zum Teil bekannt war, wäre daher falsch. Die Vertreter der ersten These (das "wie" sei vergleichend gemeint) argumentieren, daß Textstellen wie z. B. Jes 2,1-4 und Jes 61,5-6 andeuten, daß den Heiden gemeinsam mit Israel der Segen Gottes zuteil wurde. In diesen Passagen ist jedoch vom Tausendjährigen Reich die Rede, nicht von der Vorstellung, daß Heiden und Juden gemeinsam einen Leib, die Gemeinde, bilden.

Dieses Geheimnis wurde erst durch den Geist offenbart (vgl. Eph 2,22 ), und die es empfingen, waren die heiligen Apostel und Propheten Gottes (vgl. Eph 2,20;4,11 ). Manche Exegeten vertreten auch die These, daß nur Paulus die Offenbarung erhielt, doch in Eph 3,5 steht ganz eindeutig, daß sie den Aposteln und Propheten gegeben wurde.

 

 

c. Der Inhalt des Geheimnisses

( 3,6 )

 

Eph 3,6

 

Hier definiert Paulus das Geheimnis. In drei zusammengesetzten Substantiven erklärt er, daß die Heidenchristen zusammen mit den Judenchristen (a) Miterben (vgl. Eph 2,19 ) des Reichtums Gottes sind ( Eph 1,3-14 ), daß sie (b) mit zu seinem Leib gehören (vgl. Eph 2,16; syssOma steht im Neuen Testament nur an dieser einen Stelle) und daß sie (c) Mitgenossen der Verheißung (der messianischen Verheißung; vgl. Eph 2,12; Gal 3,29 ) in Christus Jesus sind . (Zur Beziehung zwischen der Gemeinde und Israel vgl. den Kommentar zu Eph 2,19 und Eph 3,5 .)

Das Geheimnis ist also kein Rätsel, sondern eine Verheißung, die in der Vergangenheit verborgen war, nun aber aufgedeckt ist. Die Offenbarung geschah durch das Evangelium : gläubige Juden und Heiden bilden einen Leib. Nicht die Rettung der Heiden ist das Geheimnis - davon sprach bereits das Alte Testament -, sondern die Einheit von Juden- und Heidenchristen. Sie war sowohl für die Juden als auch für die Heiden eine revolutionierende Vorstellung.

 

 

3. Das Amt

( 3,7-12 )

 

Nachdem er das Geheimnis beschrieben hat (V. 2-6 ), wendet Paulus sich der ihm anvertrauten Aufgabe zu, es unter den Heiden bekannt zu machen.

 

 

a. Paulus' Stand unter den Aposteln

( 3,7-8 a)

 

Eph 3,7-8 a

 

Mit den Worten "dessen Diener ich geworden bin" beschreibt Paulus, daß er sein Amt, das Evangelium zu verkündigen, auf sich nahm (vgl. Kol 1,23 ). Der Begriff "Diener" ( diakonos ) hebt nicht auf den Gedanken der Unterwerfung ab (wie doulos , "Sklave"), sondern auf die Vorstellung des Dienens im Sinne von "verwalten" ( Joh 2,5.9 ). Dieser Dienst basiert auf der Gabe der Gnade Gottes (vgl. Eph 3,2 ), die Paulus nach seiner mächtigen Kraft gegeben ist (vgl. Eph 1,19; Kol 1,29 ). Im griechischen Text wird klarer, daß der Apostel sein Amt "durch die Gabe der Gnade Gottes" erhalten hatte und daß er es "durch seine mächtige ( energeian ) Kraft" ( dynameOs ) fortführte. Die Ausübung dieser Gnade - durch die Kraft Gottes, nicht durch seine eigene - war Paulus aufgetragen, obgleich er sich selbst für den allergeringsten unter allen Heiligen (vgl. Eph 1,1.15 ) hielt. In dieser Äußerung zeigt sich die tiefe Demut des Apostels angesichts der unvergleichlichen Gnade Gottes.

 

 

b. Die Erfüllung des Amtes

( 3,8 b. 8-9 )

 

Eph 3,8-9 (Eph 3,8b-9)

 

Mit zwei Infinitiven beschreibt Paulus seine Aufgabe. Es ist seine Pflicht, den Heiden zu verkündigen den unausforschlichen Reichtum Christi und für alle ans Licht zu bringen, wie Gott seinen geheimen Ratschluß ausführt . Paulus predigte zwar Juden und Heiden (vgl. den Kommentar zu Apg 9,15 ), doch in erster Linie war er zum "Heidenapostel" bestimmt ( Röm 11,13; Gal 1,16;2,7-8 ).

Die Heiden können den Reichtum des Segens Christi erahnen (vgl. den "Reichtum seiner Gnade", Eph 1,7 und Eph 2,7 ,und den Reichtum "an Barmherzigkeit" in Eph 2,4 ), doch das ganze Ausmaß seines geistlichen Reichtums kann kein Mensch völlig erfassen ( anexichniaston , wörtlich "kann nicht anhand von Fußspuren zurückverfolgt werden"; das Wort steht nur noch in Röm 11,33 ). Paulus sollte jedem , nicht nur den Ephesern (vgl. Eph 3,2 ), das ihm anvertraute Gut des heiligen Geheimnisses Gottes (V. 3-4.6 ) enthüllen. Es war zunächst verborgen in Gott (vgl. V. 5 ), dem Schöpfer des Universums, doch es gehörte schon zu seinem ewigen Plan (vgl. Eph 1,4.11 ), bevor er alles geschaffen hat(te) .

 

 

c. Das Ziel des Amtes

( 3,10-12 )

 

Eph 3,10-12

 

Das Ziel ( hina ) von Paulus' Amt war es, daß kund werde die mannigfaltige Weisheit Gottes den Mächten und Gewalten im Himmel . Im klassischen Griechisch bezieht sich das Adjektiv "mannigfaltig" ( polypoikilos ) auf die Schönheit eines Stickmusters oder auf die Farbvielfalt von Blumen (vgl. poikilEs , "mancherlei Gnade", in 1Pet 4,10 ). Die "mannigfaltige Weisheit Gottes" spricht nicht von der Erlösung, sondern von der neuen Beziehung zwischen gläubigen Juden und Heiden in einem Leib. Das Medium zur Verbreitung dieser Weisheit ist die Gemeinde . Ihre Botschaft richtet sich an die "Mächte und Gewalten im Himmel" (vgl. Eph 1,3 ). Mit diesen "Mächten und Gewalten" sind, wie aus Eph 6,12 hervorgeht (vgl. Eph 1,21 ), sowohl gute als auch böse Engel gemeint. Der Anblick der Einheit von Juden- und Heidenchristen in dem einen Leib der Gemeinde zwingt sie dazu, die Weisheit Gottes anzuerkennen.

Dieses Geheimnis - daß Juden- und Heidenchristen eins sind ( Eph 3,6 ) - wurde den Aposteln und Propheten offenbart (V. 5 ) und von Paulus verbreitet (V. 7-9 ). Das Ziel dieser Einheit ist es, daß die Engelsmächte die vielfältige Weisheit Gottes erkennen. Das stimmt überein mit dem ewigen Vorsatz Gottes, den er ausgeführt hat in Christus Jesus, unserem Herrn (V. 11 ). Das bedeutet entweder, daß Gott seinen ewigen Plan nun ausführt oder daß er ihn vor 2000 Jahren in Christus vollendet hat. Die letztere Deutung ist vorzuziehen, weil (a) die Verbform "ausgeführt hat" im Griechischen Imperfekt, nicht Präsens oder Perfekt ist, und (b) die Einheit der Juden- und Heidenchristen in einem Leib tatsächlich durch den Tod Christi erreicht wurde.

Durch den Glauben an Christus haben die Christen das Recht, sich in aller Zuversicht an Gott zu wenden ( Freimut , parrEsian , wörtlich "Mut, Kühnheit"; vgl. Hebr 3,6;4,16;10,19.35 ) und sich ihm zu nähern ( Zugang , prosagOgEn ; vgl. Eph 2,18; Röm 5,2 ). Das gilt genauso heute, fast zwei Jahrtausende nachdem Gott in Christus seinen ewigen Heilsplan vollendet hat.

 

 

4. Die Bitte

( 3,13 )

 

Eph 3,13

 

Dieser Vers bildet den Schluß des Satzes, der in Vers 2 begann. Wenn die Epheser "das Amt der Gnade Gottes, das Paulus gegeben ist" (V. 2 ), wirklich verstünden, bräuchten sie nicht müde werden wegen der Bedrängnisse , die er für sie erlitt. Auch diese Bedrängnisse dienten zu ihrem Besten und sollten ihnen daher eine Ehre sein. Wenn Paulus den Heiden nicht die frohe Botschaft verkündigt hätte, hätten die Juden ihn nicht verfolgt und gefangengesetzt. Seine Predigt zog ihm zwar den Zorn der Juden zu, brachte aber den Heiden die Rettung. Viele Menschen wurden durch ihn Glieder der Gemeinde, des Leibes Christi, und kamen dadurch zu wirklicher Ehre.

 

 

G. Fürbitte um die Stärkung der Liebe in der Gemeinschaft

( 3,14-21 )

 

Paulus betet darum, daß die zuvor beschworene Einheit von Heiden- und Judenchristen in einer "neuen Menschheit" als Leib Christi ( Eph 2,15 ) auch hierauf Erden Realität werden möge. Er wünscht sich, daß seine Leser die Liebe Christi wirklich verstehen und an sich erfahren und sie auch untereinander üben.

 

 

1. Einleitung

( 3,14-15 )

 

Eph 3,14-15

 

Die Verse 14-19 bilden im Griechischen ebenfalls einen Satz (vgl. den Kommentar zu Eph 1,3-14 ). Das "deshalb" greift zurück auf Vers 1 , wo der Apostel bereits zum Gebet angesetzt hatte. Er hatte sich unterbrochen, um seinen Lesern nochmals das Geheimnis - den Leib Christi - und seinen Verkündigungsauftrag zu erläutern. Das Niederknien zum Gebet ist eine von mehreren Gebetshaltungen (stehen, knien, mit zum Boden gewandtem Gesicht daliegen), von denen wir aus der Schrift wissen. Paulus beugt seine Knie vor Gott, der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden . Das bedeutet, daß alles Geschaffene, einschließlich der Engel und Menschen, eine Familie unter der Vaterschaft Gottes bildet. Das soll nicht heißen, daß Gott der leibliche "Vater" aller Dinge ist, sondern daß er gewissermaßen der Prototyp der Vaterschaft ist. Der Begriff "Vater" stammt von Gott, nicht von den Menschen. Gott war der erste Vater, der einzige, der selbst keinen Vater hat. So leitet also jede menschliche Familie ihren Namen von ihm ab, d. h. sie existiert als Familie mit einem Vater, weil er existiert. Zu diesem Vater betet Paulus.

 

 

2. Die Bitte (

3,16-19 )

 

Der folgende Satz beginnt zwar bereits in Vers 14 und endet mit Vers 19 , doch zu seiner Bitte kommt Paulus erst in Vers 16 . In diesem Gebet bittet er Gott nur um eines.

 

 

a. Die Bitte: gestärkt zu werden am inwendigen Menschen

( 3,16-17 a)

 

Eph 3,16-17 a

 

Zunächst bittet der Apostel, daß Gott seinen Lesern Kraft ( dynamis , "lebendige Kraft"; vgl. Eph 3,20 ) gebe nach ( kata ) dem Reichtum seiner Herrlichkeit (vgl. Eph 1,7.18;2,4.7;3,8 ), stark zu werden ( krataiOthEnai , "stark genug sein, Widerstand zu überwinden"; vgl. kratous in Eph 1,19 und kratei in Eph 6,10 ) durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen, denn dann kann Christus durch den Glauben in den Herzen der Gläubigen wohne(n) ( katoikEsai ). "Wohnen" bezieht sich nicht auf den Einzug Christi in das Herz des Gläubigen im Augenblick der Rettung, sondern bezeichnet lediglich den Wunsch, daß Christus "in" ihm, d. h. im Zentrum des Lebens des Gläubigen, "zu Hause sein" möge. Christus soll zum beherrschenden Faktor seiner Einstellungen und seines Verhaltens werden.

 

 

b. Der Zweck der Bitte: Christi Liebe zu verstehen und mit der ganzen Gottesfülle erfüllt zu werden

( 3,17 b- 18.19 )

 

Eph 3,17-19 (Eph 3,17b-19)

 

Paulus wiederholt die Bitte, daß Christus im Mittelpunkt des Lebens der Gläubigen stehen möge. Er verwendet dabei eine Metapher aus der Biologie und eine aus der Architektur: "daß ... ihr in der Liebe eingewurzelt (wie eine Pflanze) und gegründet (wie ein Gebäude) seid." Die Partizipien "eingewurzelt und gegründet" stehen im Perfekt, bezeichnen also eine Handlung in der Vergangenheit, deren Wirkung noch andauert. Man könnte auch übersetzen: "eingewurzelt und gegründet worden". Paulus wünscht ihnen diese Festigkeit, damit sie mit allen Heiligen begreifen, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe der Liebe Christi ist. Durch diese Größenangaben soll wohl weniger die Begreifbarkeit als vielmehr die Unermeßlichkeit des zu Verstehenden deutlich gemacht werden.

Interessanterweise spricht Paulus auch hier wieder - wie in Eph 1,13-14.17;2,18.22 und Eph 3,4-5- von der Trinität: vom Vater (V. 14 ), vom Geist (V. 16 ) und vom Sohn (V. 17 ).Die Epheser sollen am eigenen Leibe die Liebe Christi erkennen, die alle Erkenntnis übertrifft (vgl. Phil 4,7 ). Je mehr ein Christ über Christus weiß, desto mehr erstaunt ihn die Liebe, die Christus ihm entgegengebracht hat.

Schließlich sollen sie erfüllt werden mit der ganzen Gottesfülle . Es wäre falsch, diese Formulierung so zu verstehen, als ob ein Christ in seinem Leben die ganze Fülle Gottes aufnehmen könnte. Die griechische Präposition eis bezeichnet vielmehr ein Ziel; besser wäre also die Übersetzung "nach dem Maß". Die Fülle des dreieinigen Gottes ist nur in Christus, und nur durch ihn wird ein Christ vollendet ( Kol 2,9-10 ). Obwohl dem Gläubigen diese Fülle in Christus bereits gehört, betet Paulus doch, daß jeder sie auch jetzt schon konkret in seinem Leben erfahren möge (vgl. Eph 4,13 ). Denn die Erfahrung der ethischen Vollkommenheit Gottes bewegt die Juden- und Heidenchristen dazu, einander zu lieben. Ihrem eigentlichen Stand nach sind sie bereits eins in Christus; daher sollen sie einander in dieser Einheit lieben.

 

 

3. Das Lob

( 3,20-21 )

 

Eph 3,20-21

 

Paulus schließt sein Gebet mit einer Doxologie. Er lobt Gott, der überschwenglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft ( dynamin ; vgl. V. 16 ; Eph 1,19 ), die in uns wirkt ( energoumenEn ; vgl. Eph 1,19 ). Kein Mensch und kein Engel (vgl. Eph 3,10 ) wäre jemals auf den Gedanken gekommen, daß Juden und Heiden in einem Leib zusammenleben könnten. Doch im Blick auf die Kraft der Liebe Gottes, die im Leben eines jeden Christen wirksam wird, ist Paulus zuversichtlich, daß dies gelingen wird, obwohl es nach menschlichem Ermessen unmöglich ist. Daher sagt er, daß Gott die Ehre in der Gemeinde , in der das Wunder der Liebe geschehen wird, und in Christus Jesus , der diese Einheit ermöglichte, gebührt.

Das Lob für dieses Werk sei von Ewigkeit zu Ewigkeit (vgl. Röm 11,36; 2Tim 4,18 ). In dieser Doxologie findet nicht nur das Gebet des Apostels einen angemessenen und eindrucksvollen Abschluß, sondern auch die ersten drei Kapitel seines Briefes an die Epheser.