»Am folgenden Tag«: Der ganze Abschnitt
von 1,19 bis 2,11 bildet, wie bereits vermerkt, einen zusammenhängenden
Bericht, was man daran erkennt, dass die Tage gezählt werden.
Der erste Tag war jener, an dem die Juden ihre Leute zu Johannes sandten
(V. 19).
Mit dem vorliegenden Vers beginnt der zweite Tag, mit V. 35 der dritte,
mit V. 43 der vierte, mit 2,1 der siebte Tag (von 1,19 an gezählt).
Johannes hat damit eine ganze Woche beschrieben. Will er uns damit
wiederum (wie in V. 1-3) an den Schöpfungsbericht erinnern und damit an
die sechs Schöpfungstage, die in den siebten Tag der Ruhe mündeten?
Der zweite Tag steht im vorliegenden Bericht
stellvertretend für die Tage des Messias, für das, was Hebräer 5,7 »die
Tage seines Fleisches« nennt.
https://www.elb2023.com/neues-testament/hebr%C3%A4er/hebr%C3%A4er-kapitel-5
»Siehe, das Lamm Gottes ...!«: Diese Aussage
verstand jeder, der
m Passah wusste, das die Israeliten von Jahr
zu Jahr feierten. Als Israel
Ägypten herausgefuhrt werden sollte, musste
jede Familie sich aus
Schafherde ein Lamm aussuchen, und dieses Lamm
musste makel
sein (2Mo 12,5). Nun aber sieht Johannes den
Kommenden, der das
Lamm Gottes ist. Er ist das Lamm, das Gott
sich ausgesucht hat, das Lamm, das allein allen Forderungen Gottes
genügt, Gottes Gerechtigkeit zu erfüllen um Sünde zu sühnen und vom Tod
zu befreien.
Er ist das Lamm, von dem Abraham zu seinem Sohn gesagt hatte:
»Gott wird sich ersehen das Schafzum Brandopfer« (IMo 22,8); er ist die
Wirklichkeit, auf die jedes Morgen- und Abendopfer hinwies, das die
Israeliten wäh rend Jahrhunderten dargebracht hatten (2Mo 29,38.39); er
ist der Knecht des HERRN, von dem Jesaja gesagt hatte, dass er stumm wie
ein Lamm zur Schlachtung geführt wurde (Jes 53,7).
»das die Sünde der Welt wegnimmt!«: Dazu kam
das ewige Wort in die Welt; darum wurde Mensch (sarx (Fleisch): Es
sollte zum Sündopfer werden und die Sünde der Welt wegnehmen.
Wir verstehen, wie diese Wahrheit Johannes besonders bewegt, der ja mit
seiner Predigt nur eines bewirken wollte: dass die Leute ihre Sünden
erkennen und bekennen. Hier ver weist er auf den, der in seinem Tod den
Grund gelegt hat, auf dem Gott die Sünden vergeben kann.
Christus hat in seinem Tod nicht die Sünden
(Mehrzahl) aller Men schen in der Welt weggenommen, sondern »die Sünde
(Einzahl) der Welt«,
Er war in der Vollendung der Zeitalter erschienen »zur Abschaf fung der
Sünde (Einzahl) durch sein Opfer« (Hebr 9,26). In seinem Tod legte Jesus
den Grund zur ewigen Errettung.
Christus hat in seinem Tod nicht die Sünden (Mehrzahl) aller
Men schen in der Welt weggenommen, sondern »die Sünde (Einzahl)
der Welt«, Er war in der Vollendung der Zeitalter erschienen
»zur Abschaf fung der Sünde (Einzahl) durch sein Opfer« (Hebr
9,26). In seinem Tod legte Jesus den Grund zur ewigen Errettung.
»Wir denken meistens an Sünde in ihren Auswirkungen und Myria
den von Einzelheiten, aber hier wird sie gesehen als ein
riesenhaftes und furchtbares Problem, das vollständig gehlst und
beseitigt wird, Gott wird einen Kosmos haben - das Universum als
ein geordnetes Ganzes -, das vollständig und ewig von Sünde
gereinigt ist. Und hier tritt derjenige auf, der mit seinem
Opfer das wirkt. Er ist das Opfer aller Zeitalter, und darin
sehen wir die Grundlage von allem, was folgt. Wenn er nicht
dieses Opfer gewesen wäre, hätten wir nie Segen und Herrlichkeit
empfangen können« (Hole). |
| Indem das Lamm die Sünde wegnahm, »wurden nicht die
Gottlosen wiederhergestellt, sondern die Grundlagen der
Beziehungen der Well zu Gott« (Darby,
Synopsis). Seit das Lamm Gottes die Sünde der Welt weg
genommen hat, isl die Welt mit Gott versöhnt (2Kor 5,19). Das
bedeutet, dass sein Opfer genügt fiir alle Menschen in der Welt
ohne Unterschied; aber es werden nicht alle Menschen gerettet,
denn der Opfertod des Lam mes wird nur wirksam für den, der
glaubt (siehe 3,15-18.36; 5,24 usw.). Darum fährt Paulus an der
genannten Stelle fort und ruft die einzelnen Men.schcn auf:
»Lasst euch versöhnen mit Gott!« (2Kor 5,20). |
| »Uns wird gleich zu Beginn der umfassendste Blick vom Opfer
Christi gewährt. ... Der Täufer spricht von >Sünde<,
nicht von >Sünden<. Das, was
seit dem Sündenfall beständig Gott vor Augen .stand .... wird
durch dieses Werk endlich vollkommen weggeschafft, und ewige
Gerechtigkeit wird einst an seiner Stelle aufgerichtet werden.
Bis dahin ist der Grund .so umfassend gelegt, dass jeder, der
will, auf ihm ruhen kann. Nicht dem Volk Israel, nicht den
Heiligen, nicht einmal den Gläubigen als .solchen wird hier der
Zugang eröffnet, sondern den Menschen als Menschen, Sündern, die
von nichts anderem wissen als von ihrer Sünde. Für Sünder wurde
das Opfer für Sünde gebracht« (F.
W. Grant). |
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Die Tage in Johannes 1 und 2 *)
*) Vgl. LeBaron Kinney: „Types and Mysteries in John".
Die Übereinstimmungen zwischen dem Anfang des ersten Buches Mose
und dem des Evangeliums nach Johannes sind auffallend.
Beide beginnen mit
„Im Anfang"
und geben dann in Bildern eine Vorausschau auf die Wege Gottes.
Auch in Johannes
1 und 2 ist
von einer Reihe von Tagen die Rede (außer im ersten Abschnitt).
Der „dritte Tag" in Johannes 2,1 stimmt mit dem sechsten Tag in
1. Mose 1 überein,
was verständlich ist, da
die ersten drei Tage in 1. Mose 1 mit den letzten dreien
parallel laufen.
Das ist auch deutlich in Johannes l und 2 zu sehen, denn auch
da finden wir, wie in sechs
Abschnitten
nacheinander die RedeZeichen
im Johannes Evangelium.html ist von
Licht,
Wasser und Erde,
und wieder
von Licht, Wasser und Erde, wie in 1. Mose 1.
Außerdem liegt auch hier an den ersten drei Tagen der Nachdruck
auf:
„Trennung"
und an den letzten dreien auf „Vermehrung".
Johannes 1,1-3 ist ein Vorwort, wie wir auch eines in 1. Mose 1
finden;
es spricht von Schöpfer
und Schöpfung.
Am ersten „Tag" (1,4-14)
scheint das Licht in der Finsternis, und es findet eine
Scheidung zwischen den Gläubigen (Vers 12. 13)
und den Ungläubigen (Vers 10. 11) statt.
Vergleiche auch
(2). Der zweite „Tag" (1,15-28)
spricht von Absonderung durch Wasser hindurch; siehe (1), (3)
und (4) (Noah).
Durch die Taufe im Jordan wurde der jüdische Überrest von dem
Volke geschieden und zu Christus hin abgesondert und unter Seine
Herrschaft gebracht.
Vergleiche was bereits über 1. Kor 10,2 und 1. Petri 3,20. 21
gesagt wurde.
Der dritte „Tag" (1,29-34) spricht
von Auferstehungsleben; das Lamm Gottes wird die Sünde der Welt
wegnehmen, und das wird Leben aus den Toten bringen (vgl. Röm
11,15),
wie einst in Israel und in der Zukunft in der ganzen Schöpfung.
Dieser Tag läuft also moralisch durch bis zur Endzeit, wie wir
das auch unter (4) sahen.
Wie Noahs Taube auf einer gereinigten Erde Ruhe fand, so findet
die Taube Ruhe bei Christus (1,32), wenn das Trockene aus den
Wassern zum Vorschein gekommen ist.
Der dritte Tag ist der Tag des Zeugnisses gegenüber Israel
(1,31), und der vierte Tag (1,35-43) ist der Tag der Gemeinde
(vgl. 4), an welchem der Herr die Seinen zu Sich zieht und um
Sich versammelt.
Hier ist nicht die Rede von Licht im allgemeinen, sondern der
Nachdruck liegt auf dem Lichtträger selbst:
„Siehe, das Lamm Gottes".
Gottes Ratschluß in der Gemeinde wird entfaltet, und da fällt
der Kontrast mit dem Versagen des ersten Menschen auf:
auch hier wandelt Gott (der Sohn) in der Kühle des Abends, und
es folgt
die Frage: „Wo ...?" (1. Mo 3,8. 9).
Aber jetzt von Seiten des Menschen, der mit Gott Gemeinschaft
haben möchte.
Es ist nicht die Zeit Israels, sondern
die der Völker;
darum wird hier dreimal
eine Übersetzung hebräischer Wörter gegeben.
Den Weg des Evangeliums finden wir in Simon;
sein Name bedeutet „hören"
(vgl. Röm 10,14-17), er ist geboren aus
Jona („Taube" - der Heilige Geist)
und wird ein
„Stein" („Petrus"; Matth 16,18; 1. Pet 2,5).
Der fünfte Tag (1,44-52)
versetzt uns in das „Galiläa der Nationen" (Jes
9,1),
zum großen „Fischzug" unter den Völkern;
Bethsaida bedeutet „Ort der Netze".
Es ist auch die Periode, da der jüdische Überrest zur Bekehrung
kommt und seinen Messias anerkennt (Vers 45. 49).
Philippus bedeutet „Pferdeliebhaber" (vgl. Hlh 1,9; Sach 10,3),
und Nathanael „Gott gibt";
er sitzt unter dem Feigenbaum (vgl. Lk 21,29. 30).
Der Glaube schaut nach dem Tage aus, da die „Vögel", die
geflügelten Engel, auf- und niedersteigen auf den Sohn des
Menschen.
Dies wird am sechsten Tag Wirklichkeit (2,1-11), wo die Freude
des Friedensreiches eingeführt wird.
Die Hochzeit läutet den Beginn dieses Reiches ein durch die
Verbindung von Mann und Frau.
Das gibt Veranlassung zu der Freude, von der der Wein spricht
(vgl. Matth 26,29; Jes 25,6; 27,2).
Der sechste Tag schöpft
Freude aus sechs Wassergefäßen.
Dieser „Anfang
der Zeichen"
weist hin auf das letzte Seiner Zeichen (Mt 24,30);
beide offenbaren Seine
Herrlichkeit und
führen zum Glauben (Vers 11).
Das typische „nach
diesem"
von Vers 12 gibt uns die Endphase des siebenten Tages.
Der Herr findet Ruhe in Seiner eigenen Stadt (Mt 9,1; vgl. Joh
6,24).
Das bezieht sich in erster Linie auf das Friedensreich;
Kapernaum bedeutet ja „Stadt des Trostes", und dies ist der
Trost des Friedensreiches,
wie wir schon früher in 1. Mose 5,29 gesehen haben (siehe (4)).
Siehe auch Matthäus 5,4; Jesaja 40,1 u. f.
Das wird auch dadurch bestätigt, daß Er Seine Ruhe mit Seiner
Mutter, Seinen Brüdern und Seinen Jüngern teilt;
Seine Mutter ist
ein Bild des ursprünglichen, vollzähligen Israel →
(siehe Jes 50,1; Hes 23,2; Hos 2,2);
Seine Brüder
sind ein Bild des zukünftigen jüdischen Überrestes (siehe Matth
25,40; 28,10; Mich 5,2)
und Seine Jünger ein Bild der Gemeinde, wie in Kapitel 1,37.
Auf der neuen Erde gibt es keinen Unterschied mehr zwischen
Israel und den Völkern; da gibt es nur „Menschen" (Off 21,3).
Was übrigens nicht auszuschließen braucht, daß nach der Freude
und Herrlichkeit Kanas der Trost von Kapernaum
auch hinweist auf den schließlichen vollkommenen Trost;
wie auch der Trost von Jesaja 25,8 und Offenbarung 7,17 (im
Friedensreich)
in Offenbarung 21,4 ausgeweitet wird auf die neue Erde.
(5b) Die sieben Feste in
Israel
Es ist vielen bekannt, daß auch die sieben Feste in 3. Mose 23
von den Heilswegen Gottes in der Geschichte eine sinnbildliche
Übersicht geben.
Das drängt stark zu einer Gedankenverbindung mit 1. Mose 1,
obwohl meines Wissens nie jemand über eine solche Beziehung
geschrieben hat.
Und doch ist dieser Zusammenhang ganz klar vorhanden, und er ist
sehr lehrreich.
Wie immer müssen wir dabei stets den allgemeinen Grundplan im
Auge behalten,
wie er unter (1) und (2) entworfen und unter (3) und (4)
ausgearbeitet worden ist.
Wer den einmal verstanden hat und die prophetische Bedeutung der
sieben Feste kennt,
hat keine Mühe, den Zusammenhang zu sehen.
Das Passah ist
in besonderer Weise mit der Zahl
eins verbunden;
der Monat, in dem es gehalten wurde,
sollte der erste
der Monate sein,
das Passahlamm mußte einjährig sein, eines
pro Familie, und
es sollte den Erstgeborenen hinter
dem Blute in Sicherheit bringen. Es war ein
Lichtstrahl in
der dunklen Nacht des Gerichts; gerade waren drei Tage dichter
Finsternis vorbei, und nun brach die bildlich noch finsterere
Passahnacht an.
Aber an den Tagen und Nächten, an denen Gott Wüstheit und Leere
über Ägypten brachte, war in den Wohnungen der Israeliten Licht
(2. Mo 10,23) - das Licht des in Verwahrung genommenen Lammes.
Da brannte auch das Feuer zum Braten des Passahlammes.
Als die Sonne unterging, wurde das Lamm geschlachtet (5. Mo
16,6; 2. Mo 12,6; 3. Mo 23,5).
Fast überall, wo das Passahfest erwähnt wird, ist vom Abend oder
von der Nacht die Rede,
bis zu jenem siebenten Passahfest, als unser Passah, Christus,
geschlachtet wurde (1. Kor
5,7) und da in den drei Stunden der Finsternis am Kreuz hing,
Er, der das Leben ist, und das Leben ist das Licht der Menschen.
Das Licht des Lebens gehört in besonderer Weise zum Passah;
nicht nur,
daß das gestorbene Passahlamm das Leben des Erstgeborenen
rettete,
sondern beim Passah kommt zum erstenmal
in der Schrift der
besondere Platz zum Ausdruck,
den das Blut in dem Versöhnungswerk einnimmt
- und im Blute ist die Seele,
das natürliche Leben (1.
Mo 9,4-6;
3. Mo 17,10-14). In der geistlichen Entwicklung des
Wiedergeborenen ist das Passah auch genau die Erfahrung des
ersten Tages.
Er sieht das drohende, verdiente Gericht, er sieht den
Würgengel, und er sucht Schutz hinter dem Blut;
aber er ist noch in Ägypten; das Gericht ist zwar abgewendet,
aber die Erlösung kennt er noch nicht (2. Mo 14,13); es ist noch
lange nicht die Zeit des Erlösungsliedes von 2. Mose 15.
Direkt auf das Passah folgt das Fest der ungesäuerten Brote.
Die Erklärung hierzu finden wir deutlich in 1. Kor 5,7. 8: wer
von dem Gericht befreit ist und hinter dem Blute Schutz gesucht
hat,
muß nun auch praktisch das Gericht auf alle seine Handlungen
anwenden,
damit sein Leben ein Fest ist, abgesondert von dem alten
Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit, mit ungesäuertem Brote
der Lauterkeit und Wahrheit.
Der Himmel muß nun in seinem Leben regieren.
Genau das ist es, was der zweite
Tag uns
lehrt: es wird Trennung
und Scheidung bewirkt,
und die Seele ist fortan dem Himmel über ihr unterworfen. Aber
für den noch nicht zum Frieden gekommenen Wiedergeborenen
bedeutet dies einen entmutigenden Konflikt zwischen seiner alten
(„irdischen") und seiner neuen („himmlischen") Natur;
siehe (3).
Das Fest der ungesäuerten Brote wird in Ägypten angefangen; das
„Trockene" ist noch nicht erreicht.
Aber dazu folgt dann der dritte Tag.
Das dritte Fest gehört nicht nach Ägypten, sondern wurde
gefeiert, als das Volk im Lande angekommen war (3. Mo 23,10-14);
dort mußten sie eine Garbe der Erstlinge der Ernte zum Priester
bringen und dabei ein Brandopfer opfern.
Wir wissen, daß das ein Bild von dem auferstandenen Herrn ist:
Christus ist auferstanden aus den Toten, der Erstling der
Entschlafenen (1. Kor 15,20).
Er ist das Weizenkorn, das
in die Erde gefallen und gestorben ist und Frucht gebracht hat
(Joh 12,24; vgl. Jes 53,10).
Wir haben bereits viele Male gesehen, daß der dritte Tag ganz
besonders der Tag der Auferstehung und des Fruchttragens ist;
siehe (1), (2) und (3).
Der Gläubige, der auf die Erstlingsgarbe sieht, darf wissen, daß
er e
i n e Pflanze mit
Christus geworden ist
in der Gleichheit Seines Todes, und daß er das auch in der
Gleichheit Seiner Auferstehung sein wird (Röm 6,5).
Er ist auf den Tod Christi getauft (Röm 6,3.
4), was wir im Bilde im Roten Meer sehen (vgl. 1. Kor 10,2),
und erreicht dadurch das Land des Todes.
Aber die Identifizierung mit der Auferstehung Christi finden wir
erst im Jordan,
durch den hindurch wir als mit Christus auferweckt ankommen im
„Lande der Lebendigen", den himmlischen örtern (Eph 2,4-6).
Dahin gehört das Fest der Erstlingsgarbe (vgl. Jos 3,15, die
Ernte; Vers 17, das Trockene).
Nach der Erstlingsgarbe wird
die Ernte eingebracht; nach fünfzig Tagen wird das Fest der
Wochen (oder Fest der Erstlinge) gefeiert, wobei Jehova zwei
gesäuerte Webebrote dargebracht werden.
Dieses Pfingstfest spricht von der Sammlung der Gemeinde, der
Gläubigen, die sowohl aus Israel als aus den Völkern für Gott
abgesondert werden als eine Versammlung der Erstgeborenen (Heb
12,23). Von Natur haben sie den Sauerteig in sich, aber sie sind
gebackene Brote (sind durch das Feuer des Gerichts gegangen),
wodurch der Sauerteig seiner Kraft beraubt ist (Röm 6,6). Wie
treffend haben diese Feste ihre Erfüllung gefunden! Der Herr
Jesus wurde genau am Passahfest gekreuzigt, Er stand auf aus den
Toten genau am Sonntag der Erstlingsgarbe, und Er sandte den
Heiligen Geist, durch den die Versammlung gebildet wurde, genau
am Sonntag des Pfingstfestes. Dieses Fest stimmt mit dem vierten
Tag überein, denn wir haben gesehen, daß dieser Tag vor allem
die heutige Haushaltung darstellt, in der die Gemeinde gesammelt
wird; siehe (4). Es ist der Tag himmlischen Einflusses (siehe
(1)): der Tag, an dem der Heilige Geist auf der Erde in der
Versammlung wohnt, der Tag der Erstlinge des Geistes (Röm 8,23).
Aber es ist auch der Tag der Praxis, der Schwachheit und des
Versagens: das einzige Fest, an dem Sauerteig vorhanden war.
Das fünfte Fest
ist der erste Tag des siebenten Monats, ein Ruhetag, ein
Gedächtnis des Posaunenhalls, eine heilige Versammlung (3. Mo
23,24), ein Tag des Jubels (4. Mo 29,1). Das ist der fünfte Tag,
der Tag der Sammlung des Überrestes; siehe (4) und (5a).
An diesem Tage wurden die silbernen Trompeten geblasen (4. Mo
10,1-10), deren Klang auch bei der Berufung der Gemeinde gehört
wurde, und beim Aufbrechen der Lager und beim Ziehen gegen den
Feind. Alles das sind Kennzeichen des fünften
Tages:
man denke z. B. an den Fischzug (siehe (4), (5a)),
an die Verantwortlichkeit des Wandels (siehe (1), (2)) und an
die Prüfung (siehe (1) bis (4)).
Der Trompetenschall ist ein Bild vom Wort Gottes, das u. a. zur
Folge hat, daß es auf Grund der zustande gebrachten Erlösung
(davon spricht das Silber; vgl. (2)) den Sünder in seinen Netzen
fängt. Vergleiche den „Trompetenschall" von 1. Mose 1,20 a;
Johannes 21,6 a; Matthäus 24,14. So wird das Wort ausgehen und
in der großen Drangsal eine große Schar aus Juden und Heiden für
Gott sammeln.
Dieser Einsammlung folgt der Versöhnungstag am zehnten des
Monats.
Das ist ganz besonders ein Bild von der zukünftigen Versöhnung
Israels bei der Einführung des Friedensreiches, wovon der
sechste Tag spricht.
Der Herr Jesus hat sich einmal am Kreuz geopfert und Sein Blut
ins Heiligtum getragen;
[d.h.
in der Kraft seines Blutes ins Heiligtum gegangen
ist.]
dort befindet Er sich nun, und von dort wird der Überrest Ihn
zurückerwarten (3. Mo 16,15-17).
Das Opfer selbst ist bereits vor neunzehn Jahrhunderten
gebracht,
sowohl der Farren, den der Hohepriester für sich und sein Haus
opferte (ein Bild von dem Sündopfer, das der Herr für die
Versammlung brachte; vgl. Heb 3,1-6), als der Bock, den er für
das Volk Israel opferte.
Durch Gnade dürfen wir die Gewißheit eines vollbrachten
Erlösungswerkes haben, denn w i r dürfen als Priester in das
Heiligtum hineingehen, und dort sehen wir „mit eigenen Augen"
einen zerrissenen Vorhang und das Blut auf dem Versöhnungsdeckel
(Heb 10,19-22; 4,14-16). Aber das Volk Israel steht draußen; es
wird die Gewißheit der Erlösung erst empfangen, wenn der
Hohepriester aus dem Heiligtum zurückkehren wird.
Dann werden sie wissen, daß Gott das Opfer angenommen hat, und
dann werden alle ihre Sünden auf den zweiten Bock gelegt werden,
der sie forttragen wird in das Land des Todes (3. Mo 16,20-22).
Das ist der Augenblick, auf den Daniel 9,24 hindeutet: wenn der
einmal weggetane Messias in Herrlichkeit zurückkehren wird, dann
wird die Übertretung des Volkes zum Abschluß gebracht, die
Ungerechtigkeit gesühnt, eine ewige Gerechtigkeit eingeführt,
die Weissagung zur Erfüllung gebracht, und das Allerheiligste
gesalbt werden.
Das ist der Augenblick, da die segensreiche Regierung des
letzten Adam auf der „Erde" (Gottes Zeugnis, Israel) und über
den „Wassern" (den Völkern) errichtet wird.
Dies alles stützt den unter (4) geäußerten Gedanken, daß der
sechste Tag die Geschehnisse im Zusammenhang mit der Einführung
des Friedensreiches vorbildet und daß der siebente Tag die
segensreiche Ruhe dieses Friedensreiches beschreibt.
Das siebente Fest ist ja das Laubhüttenfest oder Fest der
Einsammlung - ein deutliches Vorbild vom Tausendjährigen Reich.
Nach der Einsammlung von der Tenne und der Kelter (vgl. Off
14,14-20) wohnte das Volk sieben Tage in Hütten von Baumzweigen,
vor allem Palmzweigen, ein Bild der Erlösung, des Sieges und des
Friedens (vgl. 2. Mo 15,27; Ps 92,12; Joh 12,3; Off 7,9).
Sieben Tage war Freude und Ruhe (3. Mo 23,33-43).
Allerdings ist im Friedensreich das Fleisch noch in dem
Menschen; darum
sehen wir in dem Farren des Brandopfers (4. Mo 29) einen
geistlichen Rückgang.
Nun haben wir gesehen, daß der sechste Tag von der Einführung
der Herrschaft Christi spricht, aber auf den Segen des
Friedensreiches vorausgreift, und daß ebenso der siebente Tag
von diesem Segen spricht, aber auf die Ruhe des ewigen Zustandes
vorausgreift.
Dies finden wir nun ganz auffallend im Laubhüttenfest wieder,
denn es deutet zwar auf das Friedensreich hin, hat aber einen
achten Tag (wie der erste Tag ein Ruhetag), der ein Bild des
ewigen Zustandes ist.
Die Zahl acht weist auf einen ganz neuen Anfang hin, den
Gott macht, nachdem eine vollkommene Entwicklung abgeschlossen
ist, wovon die Sieben spricht. Darum offenbarte der Herr Jesus
am achten Tag des Laubhüttenfestes völlig neue Grundsätze (Joh
7,37-39), die in der Gemeinde verwirklicht sind. Darum ist der
Sabbath, der siebente Tag, der Ruhetag Israels, ja der ganzen
Schöpfung. Aber der achte Tag ist der Ruhetag der Versammlung;
sie bildet jetzt bereits einen Teil der neuen Schöpfung (2. Kor
5,17; Gal 6,15; vgl. Röm 8,19-23). Der siebente Tag ist der
Abschluß aller Wege Gottes mit der gegenwärtigen Erde, birgt
aber in sich die Verheißung des achten Tages, eines neuen
Anfangs, eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Dort wird die
Ruhe vollkommen sein, denn dort ist alles, was an die Sünde
erinnert, völlig verschwunden. Dort wird Gott alles in allen
sein (1. Kor 15,28; vgl. Off 21,1-8).
(5c) Die sieben Biographien im ersten Euch Mose *)
*) Vgl. Philip Mauro: „Die gegenwärtige Weltzeit".
Zum Schluß möchte ich auf eine Parallele zwischen den
sieben Schöpfungstagen und den Lebensgeschichten von sieben
Personen im ersten Buch Mose hinweisen.
Wir können uns das erste Buch Mose gewissermaßen aus diesen sieben
Geschichten zusammengestellt
denken,
und damit wird 1.
Mose 1 auch zu einer kurzen Übersicht über das ganze Buch.
Übrigens laufen diese sieben Lebensbeschreibungen nicht ohne
weiteres mit den Tagen parallel: die erste Biographie ist die
von Adam, und sie stimmt mit dem Prolog von 1. Mose 1 überein.
Sie zeigt uns den guten Anfang, den Sündenfall und die
daraufhin verfluchte („wüste und leere") Erde.
Die folgenden sechs Biographien stimmen mit den
sechs Tagen überein,
an denen die Schöpfung wiederhergestellt wird.
Nach dem, was unter (4) über die Haushaltungen gesagt wurde, ist
es nicht schwer zu erkennen,
daß Seth, Noah und Abraham jeweils mit dem ersten, zweiten und
dritten Tag übereinstimmen;
sie sind ja die Hauptpersonen in den mit diesen Tagen
übereinstimmenden Haushaltungen. In Seth - oder eigentlich in
den Brüdern Abel und Seth, denn sie bilden eine Einheit: Seth
tritt an die Stelle Abels (1. Mo 4,25) - sehen wir die Linie des
Lichts, des Samens des Weibes, während Kain, der erste des
Schlangensamens, die Linie der Finsternis repräsentiert. Noah
läutet einen neuen Zeitabschnitt ein, einen Zeitabschnitt der
Teilung in Völker und Länder und der Herrschaft durch Obrigkeit
und durch Völker über Völker. Und zum dritten haben wir gesehen,
wie treffend in Abrahams Leben die Wahrheit von der Auferstehung
hervortritt.
Die Belehrung von Römer 4 zeigt uns den wichtigen Zusammenhang
zwischen dem rechtfertigenden Glauben Abrahams und der
Auferstehung Christi.
Abraham ist auch das Vorbild des neutestamentlichen Gläubigen,
der in einem Lande, wo er Fremdling und Beisasse ist, in
Auferstehungskraft für Gott Frucht bringt.
Demgegenüber ist Isaak (vierter Tag) das Bild des himmlischen
Menschen, sei es Christus, sei es der Gläubige („Kind der
Verheißung"; Gal 4,28), der in Christus in die himmlischen örter
versetzt ist. Isaak wird immer im Lande Kanaan gesehen. Rebekka
ist dabei im ersten Buch Mose das Bild der Versammlung, die mit
der Herrlichkeit des wahren Isaak bekleidet ist, wie der Mond
mit der Herrlichkeit der Sonne. Überdies wird in Isaak ein Same
verheißen wie die Sterne des Himmels (1. Mo 22,17. 18).
Das Leben Jakobs stimmt ganz besonders mit dem fünften Tag
überein; sein Leben ist ganz und gar Prüfung, als Folge der
Umtriebe der alten Natur („die Wasser"). Er verbringt sein Leben
zum größten Teil unter fremden Völkern (Paddan-Aram und
Ägypten); auch davon sind die Wasser ein Bild. Er ist ein Bild
des Überrestes Israels, der nach vielem Umherschweifen in der
Fremde und nach vielen Bedrängnissen („die Zeit der Drangsal für
Jakob"; Jer 30,7) durch Gott im Lande wiederhergestellt wird.
Schließlich haben wir in Joseph eines der schönsten Vorbilder
auf Christus als den, der unter seinen Brüdern den ersten Platz
hatte, aber von ihnen aus Neid überliefert wurde, Sklave wurde
und erniedrigt wurde bis in den tiefen Todeskerker. Darum hat
Gott ihn auch hoch erhoben und ihn als Retter der Welt zum Haupt
über das ganze Land Ägypten gemacht. Alles ist ihm unterworfen,
die Völker (Ägypten) und Israel (seine Brüder), und er teilt
seinen erhabenen Platz mit Asnath, einem Vorbild der
Versammlung. Eine deutlichere Parallele mit dem sechsten Tag ist
kaum denkbar.
Das erste Buch Mose endet mit dieser Geschichte Josephs;
es folgt keine Person, die mit dem siebenten Tag übereinstimmt.
Es gibt nur einen Hinweis auf diesen Tag in den Weissagungen
Jakobs über seine zwölf Söhne in 1. Mose 49. Vers l macht
deutlich, daß es sich um Weissagung handelt.
Joseph (Vers 22-26) verkörpert darin aufs neue die Periode der
Erhöhung des Sohnes des Menschen auf der Erde und die Einführung
Seiner segensreichen Regierung, mit allen Speisen von 1. Mose
1,29. 30. Aber das ist nicht Jakobs letztes Wort über Gottes
Wege mit Israel. Es folgt ein merkwürdiges Nachwort in Benjamin,
dem zerreißenden Wolf, der am Abend Beute verteilt (Vers 27).
Das zeigt, daß die Regierung Christi nicht nur Segen beinhaltet:
Er muß herrschen, bis Er alle Feinde unter Seine Füße gelegt
hat.
Der letzte Feind, der weggetan wird, ist der Tod (1. Kor 15,25.
26), und das geschieht am Ende des Friedensreiches (Off
20,7-15). Die 198
Ruhe des siebenten Tages wird erst vollkommene Ruhe, wenn der
zerreißende Wolf den letzten Feind verschlungen hat. Übrigens
ist es der Mühe wert, das ganze Kapitel 49 des ersten Buches
Mose eingehend zu studieren, denn es beschreibt uns die
vollständige Geschichte des Volkes Israel. In diesem Kapitel
ebenfalls eine Parallele zu den sieben Schöpfungstagen zu
entdecken, will ich gern dem Leser überlassen.
Seite 200 aus: >> W.J.O. Ouweneel →
Gedanken zum
Schöpfungsbericht |
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