Johannes
7.1-13
Bibelstunde Wortbetrachtung
Vers für Vers
Wort für Wort.
>> Johannes Evangelium Kapitel 7. Vers1 bis Vers 13.
Wunsch: 1. Kontext von Johannes 7 2.
Gedanken zu jedem Vers 3. Hinweise zu:
a) "Fest der Juden" b) Laubhütten
c) Unterschied: Meine Zeit / Eure Zeit in Vers 6
Ort im Evangelium:
Johannes 7 folgt auf die große „Brot-Rede“ in Johannes
6,
in der viele Jünger Jesus verlassen, nachdem er
sich selbst als das wahre Brot vom Himmel offenbart.
Kapitel 7 markiert den Beginn eines neuen thematischen
Abschnitts:
die Konfrontation mit den jüdischen Autoritäten in
Jerusalem wird intensiver.
Zeitlicher Rahmen:
Das Kapitel spielt zur Zeit des
Laubhüttenfestes (griech. ἡ ἑορτὴ ἡ
τῶν Ἰουδαίων –
„das Fest der Juden“), etwa sechs Monate nach dem
Passahfest von Johannes 6.
Jesus steht zunehmend im öffentlichen Fokus, doch
seine „Stunde“ ist noch nicht gekommen (V. 6, 8, 30).
„Und nach diesem wandelte Jesus in Galiläa; denn er wollte nicht in Judäa wandeln, weil die Juden ihn zu töten suchten.“
„nach diesem“: Zeitlicher Übergang zu einem neuen Abschnitt. Rückblick auf die Ablehnung in Johannes 6.
„wandelte in Galiläa“: Jesus bleibt bewusst in der Provinz, nicht in Jerusalem.
„weil die Juden ihn zu töten suchten“: Die jüdischen Führer (nicht das Volk insgesamt) hatten bereits beschlossen, ihn zu beseitigen (vgl. Joh 5,18).
„Es war aber das Laubhüttenfest der Juden nahe.“
„Laubhüttenfest“ (hebr. סֻכּוֹת, Sukkot): Eines der drei Wallfahrtsfeste, dauert 7 Tage + 1 (vgl. 3Mo 23,33–43).
Gedenken an die Wüstenwanderung – Wohnen in Hütten als Erinnerung an Gottes Bewahrung.
Auch Erntedankfest – der Höhepunkt des jüdischen Festkalenders.
„der Juden“: typisch für Johannes, um eine Unterscheidung zu Jesus und seinen Nachfolgern anzudeuten.
„Da sprachen seine Brüder zu ihm: Zieh weg von hier und geh nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen, die du tust.“
„seine Brüder“: leibliche Halbbrüder Jesu (vgl. Mt 13,55), sie glaubten nicht an ihn (V. 5).
„damit deine Jünger ... sehen“: Spöttischer Ton möglich – sie fordern ein öffentliches Auftreten.
„Denn niemand tut etwas im Verborgenen und sucht selbst öffentlich zu sein. Wenn du diese Dinge tust, so offenbare dich der Welt.“
„im Verborgenen“ vs. „öffentlich“: Sie denken in weltlichen Kategorien von Ruhm.
„offenbare dich der Welt“: Die Brüder denken nicht an die geistliche Sendung Jesu, sondern an Wirkung und Prestige.
„Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn.“
Klarstellung: Die vorherigen Aussagen waren nicht aus echtem Glauben heraus.
Johannes macht wiederholt deutlich: Nicht alle, die Jesus äußerlich folgen, glauben wirklich (vgl. Joh 2,23–25; 6,66).
„Da spricht Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da, eure Zeit aber ist stets bereit.“
„meine Zeit“ (gr. ὁ καιρός ὁ ἐμός): göttlich gesetzter Moment – Jesus handelt stets nach dem Willen des Vaters (vgl. Joh 2,4; 7,30; 8,20).
„eure Zeit“: Sie handeln nach eigenen Vorstellungen – jederzeit, ohne Rücksicht auf Gottes Plan.
📌 Unterschied:
| Ausdruck | Bedeutung |
|---|---|
| „meine Zeit“ | Von Gott gesetzter Moment – voller Gehorsam und göttlicher Bestimmung. |
| „eure Zeit“ | Menschlich bestimmtes Handeln ohne Rücksicht auf Gottes Willen. |
„Die Welt kann euch nicht hassen; mich aber hasst sie, weil ich von ihr zeuge, dass ihre Werke böse sind.“
„Welt“: Im johanneischen Sinn das gottfeindliche System.
Jesus konfrontiert die Welt mit Wahrheit und Licht – daher der Hass.
Seine Brüder sind nicht anders als die Welt – deshalb werden sie nicht angegriffen.
„Geht ihr hinauf zu dem Fest; ich gehe nicht hinauf zu diesem Fest, denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt.“
„nicht hinauf“: Noch nicht – Jesus geht später (V. 10), aber nicht mit den Brüdern.
„zu diesem Fest“: Jesus distanziert sich von einer rein äußeren Festpraxis.
„Nachdem er dies zu ihnen gesagt hatte, blieb er in Galiläa.“
Jesus bleibt zurück, um in Übereinstimmung mit dem Plan Gottes zu handeln.
Gehorsam und Stille im Gegensatz zum menschlichen Aktionismus.
„Als aber seine Brüder hinaufgegangen waren, dann ging auch er hinauf zu dem Fest, nicht öffentlich, sondern wie im Verborgenen.“
„nicht öffentlich“: Jesus meidet die Bühne.
„wie im Verborgenen“: Zeichen seiner Demut und Vorsicht – er provoziert nicht.
„Da suchten ihn die Juden auf dem Fest und sprachen: Wo ist er?“
„die Juden“: Gemeint sind die jüdischen Autoritäten.
Das Verlangen, Jesus zu finden, ist nicht aus Glauben, sondern aus Argwohn oder Bedrohung.
„Und viel Gemurmel war seinetwegen unter den Volksmengen. Die einen sagten: Er ist gut; andere aber sagten: Nein, sondern er verführt die Volksmenge.“
„Gemurmel“ (gr. γογγυσμός): leises, uneinheitliches Getuschel – keine klare Bekenntnisbereitschaft.
Spaltung über Jesu Person (vgl. Mt 10,34).
„verführt“ (πλανᾷ): Ein schwerer Vorwurf – in jüdischer Denkweise gleichbedeutend mit Irrlehre (vgl. 5Mo 13).
„Niemand jedoch redete öffentlich über ihn aus Furcht vor den Juden.“
„öffentlich“: frei und offen – das Gegenteil von „Gemurmel“.
Die Angst vor den jüdischen Führern lähmt – das religiöse System übt Kontrolle aus.
Ausdruck bei Johannes für die offiziellen jüdischen Feste (vgl. Joh 2,13; 5,1).
Meist in Kontrast zur geistlichen Bedeutung, die Jesus ihnen gibt.
Dauer: 15.–22. Tischri (September/Oktober).
Gedenken an die Zeit der Wüstenwanderung – „wohnen in Hütten“ (3Mo 23,42).
Auch Freude über die Ernte (vgl. 5Mo 16,13–15).
Prophetisch verbunden mit dem kommenden messianischen Reich (vgl. Sach 14,16–19).
| Ausdruck | Bedeutung |
|---|---|
| Meine Zeit | Ausdruck für Gottes souveräne Führung. |
| Eure Zeit | Ausdruck menschlicher Selbstbestimmung. |
| Vgl. auch | Joh 2,4; 7,30; 8,20; 12,23; 13,1; 17,1 |