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Josua Walvoord Donald K. Campell  Hauptübersicht
 

Josua Kapitel  08 Walvoord


3. Der Sieg über Ai

( Jos 8 )

 

a. Die Vorbereitung der Schlacht

( 8,1-2 )

 

Jos 8,1

 

Die Energie, die Israel durch die wundersame Überquerung des Jordans und durch den übernatürlichen Sieg über Jericho bekommen hatte, wurde durch die Niederlage gegen Ai gebrochen. Schwermut und Hoffnungslosigkeit erfüllte nicht nur alle im Lager, sondern auch das Herz Josuas.

Doch nachdem Achans Verbrechen gerichtet worden war, war Gottes Wohlwollen gegenüber Israel wieder hergestellt, und er versicherte Josua erneut, daß er weder ihn noch das Volk verworfen hatte. Als Josua Gottes Worte der Ermutigung vernahm, wurde sein Herz erquickt, da dies die selben Worte waren, die Mose in Kadesch-Barnea gesprochen hatte, als er die 12 Späher aussandte ( 5Mo 1,21 ). Es waren auch die Worte, die Mose 40 Jahre später zu Josua sagte, als er dem jüngeren Mann die Zügel der Führung übergab ( 5Mo 31,8 ). Josua hörte sie wieder, als Gott kurz nach dem Tode Moses zu ihm sprach ( Jos 1,9 ). In dieser kritischen Zeit im Leben Josuas war es gut, daß er daran erinnert wurde und erneut zugesagt bekam, daß Gott bereit war, ihn zu führen, wenn er bereit wäre, auf seine Pläne zu hören. Diese Bereitschaft besaß Josua.

Gottes Plan beinhaltete die Verwendung aller streitbaren Männer Israels. Obwohl die Hauptursache für die Niederlage gegen Ai Achans Sünde war, lag die zweite Ursache darin, den Feind unterschätzt zu haben (vgl. Jos 7,3-4 ). Dieser Fehler würde nun berichtigt werden. Gott gebot Josua, hinaufzugehen und Ai anzugreifen , und er versprach, den Ort der Niederlage in einen Ort des Sieges zu verwandeln.

 

 

Jos 8,2

 

Bevor Josua der eigentliche Schlachtplan kundgetan wurde, wurde ihm gewährt, daß die Beute Ais und all ihr Viehbestand von Israel genommen werden durften. Jericho war als Erstlingsfrucht unter den Bann gefallen, doch Ai war es nicht.

Welch eine Ironie! Hätte Achan nur seine habgierigen und egoistischen Wünsche unterdrückt und in Jericho Gottes Wort gehorcht, hätte er später alles gehabt, was sein Herz begehrte, und Gottes Segen dazu. Der Pfad des Gehorsams und des Vertrauens ist immer der beste.

 

 

b. Der Ablauf der Schlacht

( 8,3-29 )

 

Der Ablauf der Ereignisse in Ai unterschied sich völlig von dem in Jericho. Die Israeliten wanderten keine siebenmal um die Mauern Ais. Die Stadtmauern fielen nicht auf wundersame Weise. Israel mußte die Stadt im normalen Kampf erobern. Gott ist nicht auf irgendeine Methode beschränkt, um zu handeln. Er kann und darf in seinem Handeln nicht in eine Schablone gepreßt werden.

Jos 8,3-9

 

Die Strategie für die Eroberung Ais war raffiniert. Sie beinhaltete das Legen eines Hinterhaltes hinter (westlich) der Stadt. Gott selbst hatte Josua aufgetragen, dies zu tun (V. 2.7 ). Die Ausführung dieses Planes betraf drei Truppenkontingente. Das erste war eine Gruppe von tapferen Kriegern, die bei Nacht ausgesandt wurden, um sich westlich nahe der Stadt Ai zu verstecken. Ihre Aufgabe war es, in die Stadt zu eilen und sie in Brand zu stecken, nachdem ihre Verteidiger sie verlassen hatten, um Josua und dessen Heer zu verfolgen. Diese Einheit zählte 30 000 Männer, und obwohl diese Anzahl Soldaten viel zu groß zu sein scheint, um sich nahe der Stadt zu verstecken, machte es das Vorhandensein von großen Felsen in der Gegend für alle diese Männer möglich, sich versteckt zu halten.

 

Jos 8,10-11

 

Das zweite Kontingent war das Hauptheer, das früh am nächsten Morgen die 24 km von Gilgal hermarschierte und im direkten Blickfeld an der Nordseite Ais lagerte. Mit Sicherheit bestand dieses gesamte Heer aus Abertausenden von Soldaten. Diese Armee, die von Josua angeführt wurde, war die ablenkende Kraft, die die Verteidiger von Ai aus der Stadt locken sollte.

 

 

Jos 8,12-13

 

Das dritte Kontingent war ein weiterer Hinterhalt , der 5 000 Männer zählte, die zwischen Bethel und Ai lagen, um eine mögliche Truppenverstärkung aus Bethel zur Unterstützung Ais zu verhindern. Josua befand sich im Tal nördlich von Ai, einer tiefen Schlucht in den Hügeln.

 

 

Jos 8,14-22

 

Der Plan funktionierte einwandfrei. Als der König von Ai Israels Armee sah, ging er auf diesen Köder ein. Als er die Verfolgung der Israeliten aufnahm, die die Flucht vortäuschten, blieb die Stadt Ai unbewacht zurück. Auf Josuas Zeichen eilten die anderen Truppen schnell hinein und setzten die Stadt in Brand. Die Bestürzung der Männer von Ai war komplett, als sie die Flammen und die Rauchschwaden bemerkten, die zum Himmel schlugen. Eh sie sich versahen, waren sie in einer Zangenbewegung von israelischen Soldaten eingeschlossen und wurden vernichtet.

 

 

Jos 8,23-29

 

Nachdem es alle Soldaten Ais getötet hatte, kehrte das Heer Israels zur Stadt zurück und tötete alle ihre Einwohner. Die toten Soldaten und Einwohner ergaben die Anzahl von 12 000. Israels Soldaten plünderten die Stadt, wie Gott es ihnen erlaubt hatte (V. 2 ). Die Stadt wurde in einen Trümmerhaufen verwandelt. Der König von Ai, der bis dahin verschont geblieben war, wurde an einem Baum bis zum Abend aufgehängt und dann unter einem Steinhaufen begraben (vgl. Achans ähnliches Begräbnis, 7, 26). Der Leib des Königs wurde bei Sonnenuntergang vom Baum heruntergenommen, weil Gott es so geboten hatte ( 5Mo 21,22-23; vgl. Jos 10,27 ).

Nun hatte Israel, nachdem es Gottes Gunst wiedererlangt hatte, einen großen Sieg errungen. Nach der Verfehlung kam eine zweite Chance. Eine Niederlage oder Verfehlung signalisiert für Gott nicht das Ende der Nützlichkeit eines Gläubigen.

 

 

Jos 8,32

 

Zweitens richtete Josua einige große Steine auf. Auf ihrer Oberfläche fertigte er eine Abschrift des Gesetzes Moses an. Wie viel des Gesetzes daraufgeschrieben wurde, wird nicht berichtet. Manche nehmen an, daß nur die 10 Gebote daraufgeschrieben wurden, während andere meinen, daß die Steininschrift mindestens den Text von 5Mo 5-26 enthielt. Archäologen haben ähnlich beschriebene Säulen oder Stelen im Alten Orient entdeckt, die 1,80 - 2,50 m lang sind. Die Behistun-Inschrift im Iran ist zum Beispiel dreimal so lang wie 5.Mose.

 

Jos 8,33-35

 

Drittens las Josua dem Volk das Gesetz vor. Das halbe Volk stand an den Hängen des Berges Garizim zum Süden, die andere Hälfte stand auf den Hängen des Berges Ebal zum Norden hin, und die Bundeslade stand, umgeben von Priestern, im Tal dazwischen. Als die Flüche des Gesetzes einer nach dem anderen vorgelesen wurden, antworteten die Stämme auf dem Berg Ebal, "Amen!" Als die Segnungen genauso vorgelesen wurden, antworteten die Stämme auf dem Berg Garizim, "Amen!" ( 5Mo 11,29;27,12-26 ). Das große, natürliche Amphitheater, das dort immer noch existiert, machte es möglich, daß das Volk Israel jedes Wort verstand, und mit aller Ernsthaftigkeit bezeugte Israel, daß das Gesetz Gottes wahrhaftig das Gesetz des Landes sein sollte.

Von diesem Augenblick an hing die Geschichte der Juden von ihrer Stellung zum Gesetz ab, das ihnen an diesem Tage in dieser Versammlung vorgelesen worden war. Wenn sie gehorsam waren, folgte Segen; waren sie ungehorsam, folgte Gericht (vgl. 5Mo 28 ). Es ist tragisch, daß die Bezeugungen dieser bedeutungsvollen Stunde so schnell vergessen wurden.