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Josua Walvoord Donald K. Campell  Hauptübersicht
 

Josua Kapitel  09 Walvoord



 

C. Der südliche Feldzug

( Jos 9-10 )

 

Israels Versäumnis, den Herrn um Rat zu fragen, war eines der hauptsächlichen Gründe der Niederlage zu Ai, und die Gebetslosigkeit seiner Führer begann eine neue Krise heraufzubeschwören.

Es geschah alles gerade dann, als man es am wenigsten erwartet hätte. Das Volk kehrte gerade nach Gilgal zum Lagern zurück, nachdem sie an den Bergen Ebal und Garizim das Gesetz Gottes vernommen hatten, das ihnen vorgelesen worden war. Es war eine Zeit des geistlichen Sieges; es war aber auch die Zeit für einen raffinierten Angriff des Satans. Wenn Gottes Leute denken, "sie hätten es geschafft", sind sie am wenigsten gegen die Angriffe des Feindes geschützt.

Über dieses Geschehen wird in den nächsten beiden Kapiteln des Buches Josua berichtet: das Bündnis mit den Gibeonitern ( Jos 9 ) und die Verteidigung der Gibeoniter ( Jos 10 ).

 

 

1. Das Bündnis mit den Gibeonitern

( Jos 9 )

 

a. Der Betrug der Gibeoniter

( 9,1-15 )

 

Jos 9,1-2

 

Israels Siege über Jericho und Ai rüttelten das ganze Land auf, gemeinsam zu handeln. Diese Verse bereiten den Leser auf die südlichen und nördlichen Feldzüge der Eroberung vor, die in Kapitel 10; 11 beschrieben werden.

Die verängstigten Könige sind nach drei geographischen Gegenden gruppiert: diejenigen aus dem Gebirge in Zentralpalästina, diejenigen aus dem westlichen Hügelland (Täler oder Tiefland) und diejenigen aus der Küstenebene, die sich nach Norden bis zum Libanon erstreckt. Daß sie sich nicht wie geplant zu einer Streitmacht vereinigen konnten, ist Ergebnis des Erfolges von Josuas Strategie, einen Keil durch das Rückgrat Kanaans zu schlagen.

Doch starke Konföderationen kamen im Norden und im Süden zustande. Stammesfehden wurden zugunsten von Waffenruhen ausgesetzt, und Todfeinde waren bereit, gegen das Invasionsheer des Volkes Gottes gemeinsame Sache zu machen.

 

 

Nicht alle Feinde Israels wollten kämpfen. Die Gibeoniter waren davon überzeugt, daß sie Israel niemals im Kampf besiegen könnten, also versuchten sie, Frieden zu schließen. Gibeon , das im Bergland, nur 10 km nordwestlich von Jerusalem und ungefähr dieselbe Entfernung südwestlich von Ai entfernt lag, war als eine "große Stadt" ( Jos 10,2 ) bekannt und das Haupt einer kleineren Konföderation, die drei Nachbarstädte einschloß (vgl. Jos 9,17 ).

 

 

Jos 9,4-6

 

Nach einer Beratung stimmten sie einem raffinierten Plan zu, nämlich Abgesandte zu Josua zu schicken, die als müde und erschöpfte Reisende, die von einer langen Reise kamen, verkleidet waren. Eines Morgens kam diese seltsame Gesandtschaft im Lager Israels in Gilgal mit alten und geflickten Weinschläuchen, dünngelaufenen Sandalen, schmutzigen und abgetragenen Kleidern und trockenem und vergammeltem Brot an. Als die Besucher durch die neugierige Menge stapften, um Josua zu suchen, werden sich die Israeliten mit Sicherheit gefragt haben, wer die Fremden waren, woher sie kamen und was sie hier wollten.

Als die Gibeoniter Josua fanden, gaben sie unwahre Antworten. Sie sagten ihm: Wir kommen aus fernen Landen; schließt mit uns einen Bund . Doch warum bestanden sie darauf, aus einem fernen Land zu kommen, und warum spielten sie ein so trügerisches Theater, mit dem sie dies "beweisen" wollten? Wahrscheinlich hatten die Gibeoniter vom mosaischen Gesetz Kunde erhalten, das Israel erlaubte, mit Städten, die in einer beträchtlichen Entfernung lagen, Frieden zu schließen, jedoch von ihnen verlangte, sämtliche Städte der sieben nahegelegenen kanaanitischen Nationen auszulöschen ( 5Mo 20,10-18; Jos 7,1-2 ).

 

Jos 9,7

 

Zuerst zögerten Josua und sein Stab und waren noch nicht ganz überzeugt. Sie sagten: Aber vielleicht wohnt ihr in unserer Mitte . Es war richtig, daß sie auf der Hut waren, denn die Dinge sind nicht immer so, wie sie zu sein scheinen. Böse Menschen versuchen oft, die Gerechten auszuspielen.

Die Reisenden aus Gibeon wurden Hiwiter genannt (vgl. Jos 11,19 ); sie waren Nachkommen Kanaans, eines Sohnes von Ham ( 1Mo 10,17 ). Vielleicht waren die Hiwiter auch die Horiter (in 1Mo 36,2.20 wird Zibon ein Horiter genannt).

 

 

Jos 9,8-13

 

Josua prüfte mit Fragen, und die Gibeoniter erzählten ihr Märchen. Sie drangen darauf, aus großer Entfernung gekommen zu sein, um dem mächtigen Gott der Israeliten zu huldigen und im Frieden als Israels Diener zu leben. Sie hatten Nachricht davon erhalten, was Gott für die Israeliten in Ägypten getan hatte (wahrscheinlich die Plagen, die Überquerung des Roten (Schilf-) Meeres und von Gottes Siegen über Sihon und Og [ 4Mo 21,21-25; 5Mo 2,26-3,11 ]). Interessanterweise erwähnten sie jedenfalls Israels letzte Siege über Jericho und Ai nicht, denn, wären sie aus einem entfernten Land gekommen, hätten sie von diesen letzten Schlachten noch nicht gehört. Um diesen raffinierten Trick weiterzuführen, zeigten sie ihnen ihre Beweise - vergammeltes Brot , geflickte Weinschläuche , abgetragene Kleider und ausgelatschte Sandalen - und der Verdacht Josuas und der Führer verflog.

 

 

Jos 9,14-15

 

Durch die gerissene List der Gibeoniter unvorsichtig gemacht, schlossen die Führer der Israeliten einen feierlichen Vertrag mit ihnen ab. Doch Josua und die Israeliten begingen mindestens zwei Fehler. Erstens nahmen sie bei der Prüfung ihrer Reisevorräte Dinge als Beweismittel an, die höchst fraglich waren. Wären die Besucher echte Botschafter gewesen, die die Macht hatten, mit einer anderen Nation einen Vertrag auszuhandeln, dann hätten sie sicherlich viel beweiskräftigere Ausweismaterialien besessen. Es war dumm von Josua, diese nicht zu verlangen.

Der zweite und bedeutendere Grund für Israels Versagen wird in Vers 14 beschrieben: Die Führer suchten nach keiner Weisung von Gott. Dachte Josua etwa, daß die Beweismittel so sehr über jeden Zweifel erhaben gewesen seien, daß sie den Rat Jahwes nicht benötigten? Meinte er vielleicht, daß die Angelegenheit zu routinemäßig oder unwichtig sei, um Gott damit zu "belasten"? Was der Grund auch immer gewesen sei, es war falsch, ihrem eigenen Urteilsvermögen zu vertrauen und ihre eigenen Pläne zu verfolgen. Dies trifft auf Gläubige aller Zeitalter zu ( Jak 4,13-15 ).

 

b. Die Aufdeckung der List

( 9,16-17 )

 

Jos 9,16-17

 

Nach drei Tagen stellten sie fest, daß sie "hinters Licht geführt worden waren", denn die Gibeoniter lebten nur ungefähr 40 km von Gilgal in Kanaan selbst und nicht in einem fernen Land. Ein Spähtrupp stellte den Betrug fest, als er die nahe Lage Gibeons und ihrer drei Städte entdeckte. "... die falsche Zunge besteht nicht lange" ( Spr 12,19 ). Früher oder später werden Falschheit und Betrug aufgedeckt. Die Wahrheit wird als Sieger hervorgehen.

 

 

c. Der Ratschluss der Anführer

( 9,18-27 )

 

Jos 9,18-19

 

Wie verärgert werden die Israeliten wohl gewesen sein, als sie entdeckten, daß sie an der Nase herumgeführt worden waren! Tatsächlich wollte das Volk den Vertrag nicht beachten und die Gibeoniter vernichten, doch Josua und sein Stab meinten, daß die Hinterlist der Feinde den Vertrag nicht ungültig machen würde. Der Bund war heilig, denn er war durch einen Schwur auf den Namen des HERRN, des Gottes Israels , bekräftigt worden (vgl. V. 15 ). Ihn zu brechen würde den Zorn Gottes über Israel bringen, eine Tragödie, die später unter Davids Regierung zustande kam, als Saul dieses Gelöbnis mißachtete (vgl. 2Sam 21,1-6 ).

 

 

Jos 9,20-27

 

Josua und die Fürsten waren Männer mit Charakterstärke, die zu ihrem Wort standen. Obwohl sie von dem, was geschehen war, gekränkt wurden, wollten sie keine Schande dadurch auf Gott und sein Volk bringen, daß sie einen heiligen Bund brechen würden. Doch auch wenn Israel von seinem Schwur nicht zurücktreten würde, mußten die Betrüger bestraft werden. So tadelte Josua die Gibeoniter für ihre Unehrlichkeit und verkündete, daß sie zu immerwährender Sklaverei verdammt seien. Diese Sklaverei sah so aus, daß sie zu Holzschnitzern und Wasserträgern für die Israeliten wurden. Damit der Götzendienst der Gibeoniter die Religion Israels nicht verwässerte, sollte ihre Arbeit in Verbindung mit der Stiftshütte geschehen, wo sie der Verehrung des einen wahren Gottes ausgesetzt waren.

Also verloren die Gibeoniter die eigentliche Sache, die sie zu erreichen suchten. Sie wollten auf jeden Fall freie Menschen bleiben; doch letztendlich wurden sie zu Sklaven. Doch der Fluch wurde zum Segen. Gott vollbrachte zugunsten der Gibeoniter ein großes Wunder (vgl. Jos 10,10-14 ). Später wurde die Stiftshütte bei Gibeon aufgestellt ( 2Chr 1,3 ); noch später halfen einige Gibeoniter Nehemia, die Mauer Jerusalems wieder aufzubauen ( Neh 3,7 ). So groß ist die Gnade Gottes. Er ist sogar in der Lage, einen Fluch in einen Segen zu verwandeln. Obwohl es meist der Fall ist, daß die natürlichen Folgen der Sünde ihren Lauf nehmen müssen, kann die Gnade Gottes nicht nur vergeben, sondern sogar Fehler umkehren und oft aus Sünden und Verfehlungen Segen wirken.