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Josua Walvoord Donald K. Campell  Hauptübersicht
 

Josua Kapitel  11 Walvoord



D. Der nördliche Feldzug

( 11,1-15 )

 

Nach dem anstrengenden Militärfeldzug im Süden war Josua nicht in der Lage, eine längere Erholungspause zu genießen, weil er sich einer noch größeren Herausforderung ausgesetzt sah, nämlich einer massiven Verbündung von Streitkräften im Norden. Doch er blieb seinen Vorsätzen treu.

Israels Anführer war beides, ein militärisches Genie und eine geistliche Größe. Militärisch waren seine Taktiken meisterhaft: (1) Seine Schlachten waren alle offensiv. Wenn er bemerkte, daß ein Angriff zu erwarten war, kam er diesem durch einen eigenen zuvor. (2) Er benutzte das Element der Überraschung (z. B. gegen die fünf amoritischen Könige, die Gibeon belagerten, Jos 10,9; gegen die zahlreichen Könige an den Wassern des Merom, Jos 11,7; und gegen Ai, als er eine Scheinflucht arrangierte, Jos 8,14-19 ). (3) Er befahl seinen Soldaten, den zurückziehenden Feinden nachzujagen, um sie daran zu hindern, ihre Städte zu erreichen ( 10,19-20 ).

Im geistlichen war Josua seinem Volk ein Vorbild: Er hielt das Versprechen, das seine Späher Rahab gegeben hatten; er blieb den betrügerischen Gibeonitern treu; er hätte seine Machtstellung benutzen können, um sich persönlich zu bereichern, doch er tat es nicht.

Mit solch einem Führer, der bei allen Angelegenheiten das Ruder in Israel in der Hand hielt, begann die letzte Phase der Eroberung.

 

 

1. Das Bündnis

( 11,1-5 )

 

Jos 11,1-3

 

Die Beunruhigung der nordkanaanitischen Könige wurde durch Josuas einschneidende Siege im Süden entfacht. Jabin, der König von Hazor , begann einen verzweifelten Versuch, die Eroberung des Landes durch das Heer Israels aufzuhalten. Sicherlich hätte sein Versuch eine größere Chance gehabt, wenn er dem Bündnis Adoni-Zedeks ( Jos 10,1-3 ) beigetreten wäre und mit einem Heer aus dem Norden zu einem Sammelpunkt mit den südlichen Armeen marschiert wäre, um Israel bei Gibeon zu bedrängen. Doch Gott hielt Jabin von diesem Schachzug ab, und nun reagierte er auf diese Krise mit Hast und fast schon panisch.

Boten mit einem dringenden Aufruf zur Mobilmachung wurden schnell nach Norden, Süden, Osten und Westen ausgesandt. Dies wird dem Aufruf Sauls geähnelt haben, den dieser später an Israel richtete, ihm nach Jabesch in Gilead zu folgen, indem er ein Ochsengespann schlachtete und Stücke der Tiere durch Kuriere aussandte, die riefen: "Wer nicht mit Saul und Samuel auszieht, mit dessen Rindern soll man ebenso tun!" ( 1Sam 11,7 ). Kinneret ( Jos 11,2; vgl. Jos 13,27; 19,35; 4Mo 34,11; 5Mo 3,17; 1Kö 15,20 ) ist ein früherer Name des Sees von Galiläa und auch der Name einer Ortschaft an der Küste dieses Sees. "Kinneret", was Harfe bedeutet, mag sich von der harfenähnlichen Form des Sees ableiten. Das Neue Testament bezeichnet manchmal den See Galiläas als See Genezareth, was eine griechische Schreibweise für das hebräische Kinneret ist (z. B. Lk 5,1 ).

 

 

Jos 11,4-5

 

Obwohl zwischen diesen Königen des Nordens keine großartige Zuneigung bestand, zwang sie die drohende Vernichtung zusammenzuarbeiten, und sie trafen sich einige Kilometer nordwestlich des Sees von Galiläa auf einem Feld nahe der Wasser von Merom .

Dieses verbündete Heer war imposant. Es bestand nicht nur aus Soldaten, die so zahlreich wie der Sand am Meer waren, sondern auch noch aus Pferden und Kampfwagen in großer Zahl. Josephus, ein jüdischer Historiker des ersten Jahrhunderts n. Chr., vermutete, daß diese nördliche Konföderation aus 300 000 Infanteriesoldaten, 10 000 Kavaleriesoldaten und 20 000 Streitwagen bestand.

Die Chancen standen für die Israeliten sehr schlecht. Wie konnte Josua noch hoffen, diese Schlacht zu gewinnen?

 

 

2. Die Schlacht

( 11,6-15 )

 

Das riesige Heer der Kanaaniter lagerte an den Wassern von Merom (V. 5 ). Sie hatten wahrscheinlich vor, nach der Organisation ihrer Kampfstellungen und dem Austüfteln einer Strategie, das Jordantal hinunterzuschwärmen und Josua bei Gilgal anzugreifen. Doch Josua wartete nicht darauf, bis die Schlacht zu ihm käme; tatsächlich befand er sich schon auf dem Weg nach Merom, einem Fünftagesmarsch von seiner Heimatbasis entfernt. Während er marschierte, hatte er eine Menge Zeit, über das riesige Heer nachzudenken, das ihn erwartete. Ohne Frage wird er sicherlich bei den Aussichten auf die Schlacht, die sich vor seinem geistigen Auge abspielte, gezittert haben.

Jos 11,6

 

Dann sprach Gott. Die Zusage, die er Josua gab, war klar und deutlich: Fürchte dich nicht vor ihnen! (vgl. Jos 1,9; 8,1 ). Denn morgen will ich sie alle vor Israel erschlagen . Dies war genau das, was Josua brauchte, und Israels Anführer nahm Gottes Versprechen als Wahrheit an und glaubte, daß er ihnen den Sieg über ihren furchterregenden Feind geben werde. Gott gebot Josua sogar speziell, ihre Pferde zu lähmen (die Fußsehnen durchzuschneiden) und ihre Wagen zu verbrennen (vgl. Kommentar zu Jos 11,9 ).

 

 

Jos 11,7-9

 

Die Schlacht fand in zwei Phasen statt. Am nächsten Tag überraschte Josua den Feind, indem er ihn an den Wassern von Merom angriff und ihn westwärts zur Küste (nach Sidon und nach Misrefot-Majim) und ostwärts zum Tal Mizpe jagte. Indem er Gottes Anweisung (V. 6 ) bis zum letzten I-Tüpfelchen gehorchte, tötete Josua jeden der Feinde, verbrannte ihre Kampfwagen und lähmte ihre Pferde.

Doch warum gab Gott einen so drastischen Befehl, die Wagen zu verbrennen und die Pferde zu lähmen? Weil die Kanaaniter Pferde zu ihrem Götzendienst gebrauchten (wie es später auch Juda tat; vgl. 2Kö 23,11 ). Es bestand auch die Gefahr, daß Israel diesen neuen Kampfwaffen mehr vertrauen würde als dem Herrn. Der Psalmist David erklärte: "Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse; wir aber denken an den Namen des Herrn, unseres Gottes" ( Ps 20,8 ).

 

 

Jos 11,10-14

 

In der zweiten Phase der Schlacht in Nordkanaan kehrte Josua nach der Verfolgung des feindlichen Heeres zurück und eroberte alle Städte der besiegten Könige. Hazor wurde, warum auch immer, für eine Sonderbehandlung ausgelassen, möglicherweise weil es bei weitem die größte Stadt des alten Palästina war (8094 a Fläche, man vergleiche mit Megiddo, das 567 a und Jericho, das 324 a Fläche hatte). Hazor, das eine strategisch äußerst wichtige Lage hatte, beherschte mehrere Abzweigungen einer alten Hauptstraße, die von Ägypten nach Syrien und weiter nach Assyrien und Babylon führte. Diese Lage an den Handelsstraßen trug zum Wohlstand der Stadt bei. Hazor wurde als einzige der nördlichen Städte eingenommen und in Brand gesteckt. Obwohl Josua sich wohl dazu entschlossen haben wird, die anderen eroberten Städte für den späteren israelitischen Gebrauch zu verschonen, beschloß er, an Hazor, der Hauptstadt dieser ganzen Königreiche (Stadtstaaten), die auch das Bündnis ihrer Heere zusammenhielt, ein Exempel zu statuieren. Wenn Hazor nicht verschont blieb, wären die Kanaaniter gezwungen einzusehen, daß jede Stadt niedergebrannt werden konnte, wenn Josua es wollte.

 

 

Jos 11,15

 

Nun war ein bedeutsamer Sieg im Norden errungen. Der Schlüssel dazu war der Gehorsam gegenüber Gott. Josua ... ließ nicht das Geringste von allem, was der HERR Mose befohlen hatte, unbefolgt.

 

 

E. Die Aufzählung der Siege

( 11,16-12,24 )

 

Der Sieg im Norden brachte das formale Ende der Eroberung. Doch bevor er davon berichtet, wie das Land unter den Stämmen aufgeteilt wurde, hielt der Autor inne, um das Ausmaß der Siege Israels in Kanaan noch einmal zu vergegenwärtigen und zusammenzufassen. Er fügte auch eine geographische Beschreibung der eroberten Gebiete ( Jos 11,16-23 ) und eine Aufzählung der besiegten Könige ( Jos 12 ) bei.

 

 

1. Die eroberten Gebiete

( 11,16-23 )

 

Jos 11,16-17

 

Die Schlachten, die von Josua und seinen Truppen geschlagen worden waren, reichten über Länder hinweg, die sich von Grenze zu Grenze, von Süden nach Norden und von Osten nach Westen erstreckten. Das Hügelland, der Negev, das Gebiet von Goschen, das westliche Hügelland, die Araba und die Berge gehören zu den zentralen und südlichen Teilen des Landes (vgl. Jos 10,40 ). "Der Negev" ist das Wüstengebiet südwestlich des Toten Meeres und "die Araba" die Landsenke des Jordantals im Norden und im Süden des Toten Meeres. Der Berg Halak liegt in der südlichen Wüstenregion; Baal-Gad (genaue Lage unbekannt) lag im hohen Norden, im Tal des Libanon, vielleicht 50 - 60 km nördlich des Sees von Galiläa.

 

 

Jos 11,18-20

 

Die Zeit der Eroberung dauerte lange. Die Siege waren nicht leicht oder schnell errungen, was ja selten geschieht. Nun, nach all diesen militärischen Konfrontationen, hatte nur eine Stadt, Gibeon, den Frieden gesucht. Die anderen waren im Kampf genommen worden, weil Gott ihre Herzen verhärtet hatte (vgl. den Kommentar zu 2Mo 4,21; 8,15 ), so daß sie gegen Israel kämpften und vernichtet werden sollten. Der Tag der Gnade war für die Kanaaniter abgelaufen. Sie hatten gegen das Licht der Offenbarung Gottes in der Natur ( Ps 19,2; Röm 1,18-20 ), im Gewissen ( Röm 2,14-16 ) und in seinen kürzlichen Wundern am Roten (Schilf-)Meer, am Jordan und in Jericho gesündigt. Nun verhärtete der allmächtige Gott die Herzen dieses bekehrungsunwilligen Volkes in ihrem sturem Unglauben, bevor er sie richtete.

 

 

Jos 11,21-22

 

Spezielle Erwähnung finden die Anakiter , die Riesen, die die Späher 45 Jahre zuvor so erschreckt hatten ( 4Mo 13,33; vgl. den Kommentar zu Jos 14,10 ) und von denen gesagt wurde: "Wer kann wider die Anakiter bestehen?" ( 5Mo 9,2 ). Doch unter Josua wurden diese angeblich unbesiegbaren Feinde völlig vernichtet. Nur ein paar blieben in den entfernteren Städten Gaza, Gat und Aschdod übrig, was sich später als unkluge Auslassung von seiten Josuas erwies, denn zu Davids Zeiten kam Goliat aus Gat, um Israel und seinen Gott zu verspotten ( 1Sam 17 ).

 

 

Jos 11,23

 

Der Abschnitt schließt mit einer Aussage, die das Buch Josua als Ganzes zusammenfaßt: So eroberte Josua das ganze Land (vgl. V. 16 ). Dies gibt einen Rückblick und eine Zusammenfassung der Geschichte der Eroberung in Kapitel 1-11 . Und er gab es Israel zum Erbteil, einem jeden Stamm sein Teil . Diese Worte geben eine Vorausschau und Zusammenfassung der Verteilung des Landes in Kapitel 13-22 .

Doch wie soll die Aussage "Josua nahm das ganze Land ein" verstanden werden, wenn doch später geschrieben steht, daß es immer noch große Gebiete des Landes einzunehmen gilt ( Jos 13,1 )? Für das hebräische Verständnis steht dieser Teil für das Ganze. Für sie brauchte nur aufgezeigt werden, daß Josua Hauptzentren in allen Teilen des Landes einnahm, um die Aussage machen zu dürfen, daß er das ganze Land erobert hatte.

A.J. Mattill, Jr. hat die Eroberung Kanaans peinlich genau analysiert, indem er die geographische Einteilung des Landes und dessen repräsentative Orte, die von Josua unterworfen wurden, erforschte ("Representative Universalism and the Conquest of Canaan", Concordia Theological Monthly 35. Januar 1964: 8 - 17). Darin enthalten sind die eroberten Ortschaften an der Küstenebene, der Schefela (Vorgebirge), das zentrale Plateau, das Jordantal und das Transjordanplateau. Kein Gebiet wurde völlig ausgelassen. Josua nahm tatsächlich das ganze Land ein, so wie es ihm Gott versprochen hatte, wenn er dem göttlichen Wort mehr folgen würde als dem menschlichen Verstand (vgl. Jos 1,8 ). Vgl. auch den Kommentar zu Jos 21,43-45 .Zur abschließenden Aussage, dann bekam das Land Ruhe vom Krieg ( Jos 11,23 ) vgl. den Kommentar zu diesen Worten in Jos 14,15