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Josua Kapitel 14 Walvoord
B. Der Anteil für Kaleb
( Jos 14 )
1. Einleitung
( 14,1-5 )
Jos 14,1-5
Nachdem die Auflistung der Zuteilungen durch Mose im Transjordanland beendet
ist, kehrt der Bericht zu der Verteilung des Landes in Kanaan an die
verbleibenden neuneinhalb Stämme zurück. Die Erklärungen betreffend der
Zuteilungen der Rubeniter, der Gaditer, des halben Stammes Manasse und der
Vorkehrungen für den Stamm Levi werden wiederholt (vgl. Jos 13,14.33; 18,7 ).
Auch die Methode, mit der die Verteilung Kanaans stattfinden sollte, war
vorgeschrieben: Das Land sollte durch das Los zugeteilt werden ( Jos 14,2; 18,8;
19,51 ). Der Herr hatte Mose angewiesen, daß jeder Stamm einen seiner Zahl
entsprechenden Anteil erhalten, dessen Lage durch das Los entschieden werden
sollte ( 4Mo 26,54-56 ). Nach der jüdischen Tradition wurde der Name eines
Stammes aus einer Urne und gleichzeitig die Grenzlinien eines Gebietes aus einer
anderen gezogen. Mit dieser Methode wurden die Erbteile der Stämme festgesetzt.
Doch es war kein blinder Zufall, der die Lage des Stammesgebietes festsetzte,
denn Gott leitete die ganze Prozedur (vgl. Spr 16,33 ). Die Ungleichheiten, die
es bei der Zuteilung gab und die einige Spannungen und Eifersüchteleien unter
den Stämmen hervorriefen, hätten eigentlich als Teil von Gottes Vorsehung
angenommen werden sollen, und nicht als etwas Willkürliches und Unfaires.
2. Kaleb in Kadesch-Barnea
( 14,6-9 )
Jos 14,6-9
Die Zeit, in der das Los gezogen werden sollte, war gekommen, und der Stamm
Juda, der den ersten Anteil erhielt, versammelte sich in Gilgal. Bevor das Los
gezogen wurde, schritt Kaleb , ein bedeutender alter Mann in Israel, nach vorn,
um Josua an ein Versprechen zu erinnern, das der Herr ihm 45 Jahre zuvor gegeben
hatte: "Ihm und seinen Nachkommen will ich das Land geben, das er betreten hat,
weil er dem Herrn treu gefolgt ist" ( 5Mo 1,36 ). Kalebs Leben ging seinem Ende
zu, und er mußte sich entscheiden. Was wollte er noch am liebsten? In einer
bemerkenswerten Ansprache an Josua gab er noch einmal einen Rückblick auf sein
Leben und brachte seinen Wunsch vor. Seine kurze Autobiographie beleuchtete noch
einmal Geschehnisse bei Kadesch-Barnea während der Wüstenwanderung und der
Eroberung.
Kaleb wird in diesem Abschnitt als Sohn des Jefunnes, der Kenasiter vorgestellt.
Nach 1Mo 15,19 waren die Kenasiter ein Stamm Kanaans zu Abrahams Zeiten. Kalebs
Familie gehörte also eigentlich nicht zum Bund und Gemeinwesen der Israeliten,
genauso wie Heber, der Keniter ( Ri 4,17 ), Rut, die Moabiterin ( Rt 1,1-5 ),
Uria, der Hetiter ( 2Sam 11,3.6.24 ) und einige andere. Wahrscheinlich schloß
sich ein Teil der Kenasiter vor dem Auszug dem Stamm Juda an. Also war ihr
Glaube nicht traditionell vererbt, sondern die Frucht der Überzeugung. Kaleb
spiegelte diesen Glauben während seines ganzen, langen Lebens wieder.
Als er vor General Josua, seinem alten Freund und Späherkameraden ( 4Mo 14,6 ),
stand, erzählte der 85 Jahre alte Kaleb ( Jos 14,10 ) die Geschichte jenes Tages
vor 45 Jahren (V. 10 ), der niemals vergessen werden sollte, als sie beide
allein gegen die anderen 10 Späher und die feige Masse standen. Mose hatte 12
Späher nach Kanaan ausgesandt ( 4Mo 13,2 ). Zwei von ihnen waren Kaleb und Josua
( 4Mo 13,6.8 ). Als die Späher zurückkehrten, priesen 10 von ihnen das Land
selbst, behaupteten aber, daß Israel es nicht erobern könnte ( 4Mo
13,27-29.31-33 ). Kaleb jedoch wagte es, anderer Meinung zu sein ( 4Mo 13,30 ),
und als die Angst des Volkes drohte, eine nationale Rebellion anzuzetteln, stand
Josua seinem Kameraden bei, das Volk dazu aufzufordern, wegen des Sieges auf
Gott zu vertrauen ( 4Mo 14,6-9 ). Weil Kaleb sich gegen die ungläubigen Späher
und Leute stellte, hob ihn Gott heraus, um ihn zu segnen und versprach ihm eine
besondere Belohnung ( 4Mo 14,24; 5Mo 1,36 ).
Kalebs Zeugnis ( Jos 14,6-12 ) war einfach. Er hatte an diesem bemerkenswerten
Tag gemäß seiner Überzeugung gesprochen. Er stellte die Probleme nicht als
geringfügig dar, doch er hob Gott hervor. Für ihn war Gott größer als das größte
Problem. Kaleb vertraute auf die Kraft Gottes . Nicht so die Späher. Sie hoben
die Probleme hervor und stellten dadurch Gott als gering dar. Doch Kaleb wollte
sich der Menge nicht anschließen. Er war niemals dazu bereit, seine eigenen
Überzeugungen aufzugeben, um dem Bericht der Mehrheit Einstimmigkeit zu
verleihen. Statt dessen folgte er dem HERRN, seinem Gott, von ganzem Herzen
(vgl. V. 14 ).
3. Kaleb während der Wüstenwanderung und der Eroberung
( 14,10-11 )
Jos 14,10
Kaleb führte die autobiographische Geschichte weiter fort, indem er über Gottes
Treue ihm gegenüber über viele Jahre hinweg sprach. Zuerst bezeugte er, daß Gott
ihn in den vergangenen 45 Jahren am Leben erhalten habe , wie er es versprochen
hatte. Also war Kaleb der Empfänger zweier göttlicher Versprechen: erstens, daß
sein Leben verlängert werden würde, und zweitens, daß er eines Tages das Gebiet
nahe bei Hebron erhalten würde, das er so tapfer erkundschaftet hatte. Doch 45
Jahre sind eine lange Zeit, um auf die Einhaltung eines Versprechens zu warten,
eine lange Zeit, um das Vertrauen auf ein Versprechen wachzuhalten. Trotzdem
wartete Kaleb während der harten Jahre der Wüstenwanderung und der Jahre des
Gehorsams während der Eroberung. Kaleb hatte großes Vertrauen auf die
Versprechen Gottes . Sie hielten ihn während seiner schweren Zeiten aufrecht.
Kalebs Angaben geben Auskunft über die Dauer der Eroberung Kanaans durch die
Israeliten. Kaleb sagte (V. 7 ), daß er 40 Jahre alt gewesen sei, als er als
Späher in das Land kam. Die Wüstenwanderung dauerte 38 Jahre, was sein Alter am
Anfang der Eroberung auf 78 Jahre bringt. Kaleb sagte dann, daß er am Ende der
Eroberung 85 Jahre alt gewesen sei. Also dauerte die Eroberung 7 Jahre. Dies
wird durch Kalebs Angabe bestätigt (V. 10 ), daß Gottes Gnade seit
Kadesch-Barnea 45 Jahre lang angehalten habe (38 Jahre Wüstenwanderung plus 7
Jahre der Eroberung).
Jos 14,11
Interessanterweise sagte Kaleb in seinen Achtzigern, daß er sich mit 85 Jahren
genauso stark und lebhaft fühle wie mit 40!
4. Kaleb bei Hebron
( 14,12-15 )
Jos 14,12-14
Kaleb beendete seine Ansprache an Josua mit einem höchst erstaunlichen Wunsch.
Im Alter von 85 Jahren, in dem er sich eigentlich ein ruhiges Plätzchen hätte
wünschen sollen, wo er seine letzten Tage verbringen und Blumen und Gemüse
ziehen könnte, wollte er statt dessen dasselbe Gebiet haben, das die Herzen der
10 Späher mit Angst erfüllt hatte. Dies war das Erbteil, das er sich als
Erfüllung von Gottes früherem Versprechen wünschte. Obwohl die meisten älteren
Leute eher dazu neigen, über alte Kämpfe zu reden, als neue zu kämpfen, war
Kaleb zu einem weiteren guten Kampf bereit. Er war darauf bedacht, die Anakiter
bei Hebron zu bekämpfen und die Stadt einzunehmen. Kaleb wählte eine große und
schwere Aufgabe. Nicht, daß er mit Stolz über sein eigenes Können erfüllt war.
Sondern er glaubte, daß Gott mit ihm sein würde. Kaleb hatte Vertrauen in die
Gegenwart Gottes .
Mit funkelnden Augen und lauter Stimme sagte er endlich: Vielleicht ist der HERR
mit mir , so daß ich sie nach der Verheißung des Herrn aus ihrem Lande
vertreiben kann. Und er vertrieb sie, wie Josua später berichtet ( Jos 15,13-19
). Josua gab eine zweifache Antwort auf Kalebs Wunsch: (a) Er segnete Kaleb, das
heißt, er sonderte ihn ab, damit Gott ihn ermächtige, seine Aufgabe erfolgreich
zu vollenden, und (b) er gab ihm Hebron, eine Aussage, die bestätigt, daß diese
Landzusprechung eine gültige Abmachung war.
Jos 14,15
Ein geschichtlicher Zusatz, der Kirjat-Arba , den früheren Namen Hebrons, erläutert, beendet diese Geschichte. Arba war ein Riese unter den Anakitern, einem Volk von Riesen, eine Tatsache, die den heldenhaften Glauben Kalebs noch mehr zum Ausdruck bringt. Das abschließende Wort und das Land kam zur Ruhe vom Kampf (vgl. Jos 11,23 für denselben Ausdruck am Ende der Eroberung selbst), zeigt auf, was der Glaube in den Herrn in bezug auf das Land, das noch eingenommen werden mußte, erreichen kann.