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Josua Kapitel 15 & 16 & 17 Walvoord
C. Die Anteile der neuneinhalb Stämme
( 15,1-19,48 )
1. Der Anteil für den Stamm Juda
( Jos 15 )
Jos 15,1-12
Nachdem er Kaleb seinen Wunsch erfüllt hatte, kehrte Josua zum Werk der
Aufteilung des Landes westlich des Jordans unter die neuneinhalb Stämme (vgl.
die Karte) zurück. Juda war der erste, der ein Erbteil erhalten sollte, und als
größter Stamm stand ihm auch ein Anteil zu, der größer war als der Anteil der
anderen Stämme. Jakobs Prophezeiung bezüglich Juda und dessen Samen erfüllte
sich auf bemerkenswerte Art und Weise bei der Landzuteilung nach der Eroberung.
Erstens war Juda von Feinden umgeben ( 1Mo 49,8-9 ). Die Moabiter lagen östlich,
die Edomiter im Süden, die Amalekiter im Südwesten und die Philister im Westen.
So von gefährlichen Feinden umgeben, würde Juda starke Führer wie David
brauchen, um zu überleben. Zweitens hatte der Landanteil, den Juda zugesprochen
bekam, eine ideale Lage für den Weinanbau ( 1Mo 49,11-12 ). Es war in einem Tal
Judas (dem Tal Eschkol) gewesen, wo die Kundschafter die riesige Weinrebe
abgeschnitten hatten ( 4Mo 13,24 ). Drittens war Juda der Stamm, aus dem der
Messias kommen sollte ( 1Mo 49,10; Mt 1,1-3; Lk 3,23.33 ).
Judas südliche Grenze ( Jos 15,2-4 ) reichte von der südlichen Spitze des Toten
Meeres nach Westen bis zum Bach Ägyptens (Wadi el-Arish). Die nördliche Grenze
erstreckte sich von der Nordspitze des Toten Meeres westlich zum Großen Meer,
dem Mittelmeer (V. 5-12 ). Diese beiden Gewässer waren die Ost- und Westgrenze.
Die Gegend, die hauptsächlich aus dem Gebiet bestand, das von Josua bei seinem
südlichen Feldzug erobert worden war, bestand aus einigen fruchtbaren
Landflächen, doch große Teile waren felsig und trocken.
Jos 15,13-19
In Judas Landbesitz lag auch Hebron (Kirjat-Arba; vgl. Jos 14,15 ), das Kaleb
zugesprochen worden war. Der Bericht beschreibt, wie dieser tapfere Kämpfer
seinen Besitz errang und (nach Josuas Tod) mit Hilfe seines tapferen Neffen
OtniÙl , der sein Schwiegersohn (vgl. Ri 1,10-15.20 ) war und später Richter
wurde ( Ri 3,9-11 ), ausdehnte.
Jos 15,20-63
Als nächstes werden die Städte Judas nach ihrer Lage in den vier geographischen
Hauptgebieten des Stammes aufgezählt: 29 Städte mit ihren Dörfern im Südland
oder Negev (V. 21-32 ); 42 Städte mit Dörfern im westlichen Vorgebirge oder
Schefela (V. 33-47 ); 38 Städte mit Dörfern im zentralen Hügelland (V. 48-60 );
6 Städte mit Dörfern in der spärlich bevölkerten Wüste Judas, die sich zum Toten
Meer hinunter erstreckt (V. 61-62 ).
Die Anzahl der Städte wird mit 29 angegeben (V. 32 ), doch 36 werden aufgezählt
(V. 21-32 ). Dies ist dadurch zu erklären, daß sieben davon später dem Stamm
Simeon übergeben wurden: Molada, Hazar-Schual, Beerscheba, Ezem, Eltolad, Horma
und Ziklag ( Jos 19,1-7 ). Juda besaß gut 100 Städte und scheint sie, mit der
bedeutenden Ausnahme von Jerusalem, mit wenig oder überhaupt keinen
Schwierigkeiten besetzt zu haben. Juda konnte die Jebusiter, die Jerusalem
bewohnten, nicht vertreiben ( Jos 15,63 ). Lag es daran, daß die Männer Judas
"nicht konnten", oder daran, daß sie "nicht sollten"? Lag der Fehler an einem
Mangel an Stärke oder an einem Mangel an Glauben? Das Verzeichnis von Judas
Besitztum endet mit einer verhängnisvollen Aussage.
2. Die Anteile für die Stämme Josefs
( Jos 16-17 )
a. Das Gebiet Ephraims
( Jos 16 )
Jos 16,1-3
Das starke Haus Josefs, das aus den Stämmen Ephraim und Manasse bestand,
besetzte das reiche Gebiet Zentralkanaans. Weil Josef während der Hungersnot die
ganze Familie in Ägypten am Leben erhielt, bestimmte der Patriarch Jakob, daß
Josefs beide Söhne Ephraim und Manasse, zusammen mit ihren Onkeln, zu
Stammesgründern werden sollten (vgl. 1Mo 48,5 ). Ihr Gebiet in Kanaan war in
vielerlei Hinsicht das schönste und fruchtbarste.
Jos 16,4-10
Das Erbteil Ephraims lag an der Nordgrenze des Gebietes, das Dan und Benjamin
zugesprochen bekommen sollten, und erstreckte sich vom Jordan bis zum Mittelmeer
und beinhaltete einige von Josuas Schlachtfeldern sowie Silo, wo die Stiftshütte
für ungefähr 300 Jahre verbleiben sollte. Um die Einheit zu festigen, lagen
einige der Städte Ephraims im Gebiet Manasses (V. 9 ).
Doch die Männer Ephraims, wie auch die von Juda, jagten die Kanaaniter nicht
vollständig aus ihrem Gebiet hinaus. Vom materialistischen Sinn getrieben,
entschlossen sie sich, die Kanaaniter in Geser unter Tributpflicht zu stellen
und dadurch zusätzlichen Reichtum zu erlangen. Dies erwies sich als fataler
Fehler, als nämlich in späteren Jahrhunderten, zur Zeit der Richter, dieses
Arrangement umgekehrt wurde, nachdem die Kanaaniter sich aufgebäumt und die
Israeliten versklavt hatten. Zusätzlich zur historischen Erfahrung liegt hier
ein geistliches Prinzip vor. Es ist für einen Gläubigen allzu einfach, eine
Lieblingssünde zu entschuldigen, um eines Tages aufzuwachen und zu bemerken, daß
sie so gewachsen ist, daß sie ihn beherrscht und zur geistlichen Niederlage
führt. Das Spielen mit der Sünde führt zu schweren Konsequenzen.
b. Das Gebiet Manasses
( 17,1-13 )
Jos 17,1-2.7-10
Die Nachkommen Machirs, dem Erstgeborenen Manasses, siedelten sich in
Transjordanien an (V. 1-2 ). Die übrigen Nachkommen siedelten in Kanaan selbst
und erhielten das Gebiet nördlich von Ephraim, das sich auch vom Jordan bis zum
Mittelmeer ausdehnte (V. 7-10 ).
Jos 17,3-6
Spezielle Erwähnung finden die fünf Töchter Zelofhads , eines Ururenkels von
Manasse. Weil ihr Vater ohne Söhne gestorben war, sollten sie das Erbteil
erhalten (vgl. 4Mo 27,1-11 ), wie der HERR es in diesem und in anderen solchen
Fällen bestimmt hatte. Sie gingen jetzt zum Priester Eleasar (Aarons Sohn, Jos
24,33 ), der mit Josua und den Stammesfürsten zusammen die Stammeszuteilungen
beaufsichtigte (vgl. 19, 51). Diese fünf Frauen begehrten und erhielten ihren
Anteil im Gebiet Manasses. Dieser Vorfall ist sehr bedeutend, denn er zeigt die
Sorge um das Recht der Frauen in einer Zeit auf, in der die meisten
Gesellschaften sie nur als bewegliches Eigentum ansahen.
Jos 17,11-13
Mehrere Städte, die in den Stammesgebieten Issachars und Assers lagen, wurden
Manasse gegeben. Dies waren die Kanaaniterfestungen Bet-Schean, Jibleam Dor,
En-Dor, Taanach und Megiddo. (Dor, die dritte in der Liste, war auch als Nafot
bekannt.) Wahrscheinlich wurde es aus militärischen Gründen als notwendig
angesehen, daß diese Städte von einem starken Stamm besetzt würden. Die
Entscheidung wirkte sich jedenfalls für die Söhne Manasses nachteilig aus, weil
sie wie auch die Ephraimiter Tribut statt den Sieg wählten.
c. Die Beschwerde Ephraims und Manasses
( 17,14-18 )
Jos 17,14-15
Die Nachkommen Josefs drückten eine freche Beschwerde vor Josua aus, nämlich,
daß ihr Erbteil hinsichtlich ihrer großen Bevölkerung zu klein sei. Josua
bedeutete ihnen mit Taktgefühl und Entschlossenheit, die Bäume zu roden und in
das bewaldete Bergland zu ziehen (V. 15 ). Er nahm an, daß sie ihre Kräfte
vereinen würden, um die Kanaaniter hinauszutreiben (V. 18 ).
Jos 17,16-18
Doch dies war nicht das, was sie hören wollten. Sie bestanden darauf, daß das
Bergland nicht für sie ausreichte, und daß die Kanaaniter in ihrer Region
eiserne Wagen, wahrscheinlich hölzerne Kampfwagen, die mit Eisen überzogen
waren, besaßen. Wieder erinnerte Josua seine eigenen Stammesleute daran, daß sie
sehr zahlreich und stark und sicherlich in der Lage waren, die feindlichen
Kanaaniter hinauszujagen. Während eine gewisse Ähnlichkeit zwischen diesem
Abschnitt und dem, der Kalebs Wunsch beschreibt ( Jos 14,6-15 ), besteht, waren
ihre Auffassungen völlig verschieden. Kalebs Begehren war vom Glauben gelenkt,
während das der Josefiter der Angst entstammte. Der Sinn dieser Episode mag
sicherlich darin liegen, die Israeliten darauf hinzuweisen, daß die Stämme im
mutigen Glauben wandeln mußten, wenn sie das verheißene Land ganz besitzen
wollten.