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Josua Kapitel 01 Walvoord
Entstehungszeit
Da große Teile des Buches von einem Augenzeugen geschrieben wurden (vgl. den
vorherigen Abschnitt "Verfasserfrage"), hängt die Zeit der Niederschrift eng mit
der Zeit des Geschehens zusammen. Nun gibt es eine beträchtliche Uneinigkeit
unter den Gelehrten über die Zeit der Eroberung Kanaans unter Josua. Bibeltreue
Forscher legen die Eroberung meist ins 15. Jh. v. Chr., andere in das 13. Jh. v.
Chr. (mehr über dieses Thema siehe in der Einführung zu 2.Mose). Schlüsselverse,
um die Zeit festzulegen, sind 1Kö 6,1 und Ri 11,26 .Nach 1Kö 6,1 verließen die
Israeliten Ägypten 480 Jahre vor dem vierten Jahr Salomos, das vor 966 v. Chr.
liegen muß. Zählt man diese Zahlen zusammen, ergibt sich als Auszugsjahr 1446 v.
Chr. Der Beginn der Eroberung lag 40 Jahre später (nach der Wüstenwanderung)
oder 1406 v. Chr. Das Zeugnis von Ri 11,26 bestätigt dies. Jeftah sagt dort, daß
die Zeit zwischen der Eroberung und seiner Zeit 300 Jahre betrug. Addiert man
140 Jahre dazu, um die Zeit zwischen Jeftah und dem vierten Jahr Salomos zu
überbrücken, ergibt das eine Summe von 480 Jahren, was mit 1Kö 6,1 übereinstimmt
(40 Jahre Wüstenwanderung plus 300 Jahre für die Zeit zwischen der Eroberung und
Jeftah plus 140 Jahre von Jeftah bis zum vierten Jahr Salomos ergibt 480 Jahre).
Da die eigentliche Eroberung sieben Jahre dauerte (vgl. den Kommentar zu Jos
14,10 ), war das Land wahrscheinlich ungefähr im Jahr 1399 v. Chr. endgültig
besetzt. Das Buch kann, von geringfügigen Zusätzen abgesehen, kurz danach
fertiggestellt worden sein.
Absicht: Die Absicht des Buches Josua ist es, die historische Erfüllung des
Versprechens des Herrn an die Patriarchen, Israel das Land Kanaan durch heiligen
Krieg zu geben, offiziell darzustellen. Ein "heiliger Krieg" war ein Streit mit
vorrangig religiösem Motiv im Gegensatz zu Kriegen mit politischem Motiv zum
Schutz oder zur Expansion. Dies kann man aus den Anweisungen zu Beginn ( Jos
1,2-6 ) und der zusammenfassenden Inhaltsangabe am Ende ( Jos 21,43 ) ersehen.
Die Eroberung Kanaans unter der Führung Josuas baute auf den Bund mit Abraham
auf. Gott machte, nachdem er zunächst mit allen Nationen gehandelt hatte,
Abraham zum Mittelpunkt seines Vorhabens und beschloß, die verlorene Welt durch
Abrahams Samen zu erreichen. Der Herr schloß einen Vertrag oder einen Bund mit
Abraham, in dem er vorbehaltlos versprach, dem Patriarchen und dessen Nachkommen
ein Land, Nachkommenschaft und geistlichen Segen zu geben ( 1Mo 12,2-3 ). Kurz
danach sagte Gott, daß er Israel das Land für immer geben wolle (vgl. 1Mo
13,15 ). Damals wurden Abraham die Grenzen des Landes genannt ( 1Mo 15,18-21 ).
Später bezeugte Gott, daß die rechtmäßigen Erben des gelobten Landes Isaak und
seine Nachkommen seien ( 1Mo 17,19-21 ). Darum hält das Buch Josua die Erfüllung
der Verheißung an die Patriarchen fest, die ihnen Jahrhunderte vorher von ihrem
treuen Gott gegeben worden war. Daß die Nation später enteignet wurde, liegt
nicht am Charakter Gottes, sondern an der Wankelmütigkeit seines Volkes, das
göttliche Segnungen als selbstverständlich betrachtete, in die Anbetung der
Götzen seiner Nachbarn verfiel und deshalb unter das Gericht kam, vor dem Gott
es gewarnt hatte (vgl. 5Mo 28,15-68 ). Nach dem Propheten Jesaja sollte der
Messias ein zweiter Josua sein, der "das Land wieder aufrichtet und das
verwüstete Erbe zuteilt" ( Jes 49,8 ).
Paulus lehrt, daß die Begebenheiten des Auszugs und der Eroberung für Christen
bedeutungsvoll sind und daß diese Begebenheiten vorbildhaften Charakter besitzen
(vgl. 1Kor 10,1-11 ). Die griechische Form des Namens "Josua" ("Jahwe errettet"
oder "Jahwe ist Rettung") ist "Jesus". So wie Josua Israel zum Sieg über die
Feinde und zur Inbesitznahme des gelobten Landes führte, und so wie er für das
Land Fürsprache einlegte, als es gesündigt hatte und geschlagen wurde, tut es
auch Jesus. Er führt das Volk Gottes zur verheißenen Ruhe ( Hebr 4,8-9 ), hält
ständig für die Seinen Fürsprache ( Röm 8,34; Hebr 7,25 ) und befähigt sie, ihre
Feinde zu besiegen ( Röm 8,37; Hebr 2,14-15 ).
GLIEDERUNG
I. Das Eindringen in Kanaan ( 1,1-5,12 )
A. Die Bevollmächtigung Josuas ( Kap.1 )
1. Josuas Hören auf den Herrn ( 1,1-9 )
2. Josuas Befehle an die Offiziere ( 1,10-15 )
3. Josua erhält die Unterstützung des Volkes ( 1,16-18 )
B. Die Erkundung des Volkes ( Kap.2 )
1. Die Aussendung der Späher nach Jericho ( 2,1 )
2. Das Verbergen der Späher durch Rahab ( 2,2-7 )
3. Der Beweis von Rahabs Verständigkeit gegenüber den Spähern
( 2,8-11 )
4. Das Versprechen der Späher an Rahab ( 2,12-21 )
5. Die Rückkehr der Späher zu Josua ( 2,22-24 )
C. Die Überquerung des Jordans ( Kap.3 )
1. Vorbereitungen für die Überquerung ( 3,1-4 )
2. Heiligung für die Überquerung ( 3,5-13 )
3. Die Vollendung der Überquerung ( 3,14-17 )
D. Die Aufrichtung von Gedenksteinen ( Kap.4 )
E. Die Heiligung der Israeliten ( 5,1-12 )
1. Die Erneuerung der Bescheidung ( 5,1-9 )
2. Die Feier des Passafestes ( 5,10 )
3. Die Aneignung der Früchte des Landes ( 5,11-12 )
II. Die Eroberung Kanaans ( 5,13-12,24 )
A. Einführung: Der göttliche Feldherr ( 5,13-15 )
B. Der eigentliche Feldzug ( Kap.6-8 )
1. Die Eroberung Jerichos ( Kap.6 )
2. Die Niederlage gegen Ai ( Kap.7 )
3. Der Sieg über Ai ( Kap.8 )
C. Der südliche Feldzug ( Kap.9-10 )
1. Das Bündnis mit den Gibeoniter ( Kap.9 )
2. Die Verteidigung der Gibeoniter ( Kap.10 )
D. Der nördliche Feldzug ( 11,1-15 )
1. Das Bündnis ( 11,1-5 )
2. Die Schlacht ( 11,6-15 )
E. Die Aufzählung der Siege ( 11,16-12,24 )
1. Die eroberten Gebiete ( 11,16-23 )
2. Die besiegten Könige ( Kap.12 )
III. Die Verteilung Kanaans ( Kap.13-21 )
A. Die Anteile der zweieinhalb Stämme ( Kap.13 )
1. Der göttliche Befehl, das Land aufzuteilen ( 13,1-7 )
2. Die besondere Zusage an die östlichen Stämme ( 13,8-33 )
B. Der Anteil für Kaleb ( Kap.14 )
1. Einleitung ( 14,1-5 )
2. Kaleb in Kadesch-Barnea ( 14,6-9 )
3. Kaleb während der Eroberung ( 14,10-11 )
4. Kaleb bei Hebron ( 14,12-15 )
C. Die Anteile der neuneinhalb Stämme ( 15,1-19,48 )
1. Der Anteil für den Stamm Juda ( Kap.15 )
2. Die Anteil für die Stämme Josefs ( Kap.16-17 )
3. Die Anteile für die übrigen Stämme ( 18,1-19,48 )
D. Die Städte für Josua, die Freistädte und die Städte der Leviten
( 19,49-21,45 )
1. Die besondere Zuteilung für Josua ( 19,49-51 )
2. Die Bestimmung von Freistädten ( Kap.20 )
3. Die Festsetzung von Levitenstädten ( 21,1-42 )
4. Zusammenfassung der Aufteilung des Landes ( 21,43-45 )
IV. Schluß ( Kap.22-24 )
A. Eine Grenzstreitigkeit ( Kap.22 )
1. Die Ermahnungen Josuas ( 22,1-8 )
2. Der Götzendienst der östlichen Stämme ( 22,9-11 )
3. Die Kriegsdrohung ( 22,12-20 )
4. Die Verteidigung der östlichen Stämme ( 22,21-29 )
5. Die Versöhnung der Stämme ( 22,30-34 )
B. Die letzten Tage Josuas ( 23,1-24,28 )
1. Josuas letzte Ermahnungen an die Oberhäupter ( Kap.23 )
2. Josuas letze Ermahnung an das Volk ( 24,1-28 )
C. Nachwort ( 24,29-33 )
AUSLEGUNG
I. Das Eindringen in Kanaan
( 1,1-5,12 )
A. Die Bevollmächtigung Josuas
( Jos 1 )
1. Josuas Hören auf den Herrn
( 1,1-9 )
Jos 1,1
Die einleitenden Worte nach dem Tod Moses verbinden dieses Buch mit 5.Mose
(vgl. 5Mo 34,1-9 ). Vor Moses Tod war Josua zu seinem Nachfolger bestimmt worden
(vgl. 4Mo 27,15-23; 5Mo 3,21-22; 31,1-8 ). Josua war über etliche Jahre Moses
junger Gehilfe gewesen ( 2Mo 24,13; 33,11; 4Mo 11,28 ). Er kam aus dem Stamm
Ephraim ( 4Mo 13,8 ) und lebte 110 Jahre ( Jos 24,29 ).
Josua fühlte sich wahrscheinlich einsam und wachte erwartungsvoll in der Nähe
des Jordanflusses, um die Stimme Gottes zu hören. Er wurde nicht enttäuscht.
Wenn Gottes Knechte sich Zeit zum Hören nehmen, tritt Gott immer mit ihnen in
Verbindung. Heutzutage spricht er normalerweise durch sein geschriebenes Wort.
Doch im AT sprach er in Träumen bei Nacht, in Visionen am Tag, durch den
Hohenpriester und manchmal mit vernehmbarer Stimme.
Jos 1,2
Mit welcher Methode Gott auch immer mit Josua kommunizierte, die Botschaft war
deutlich. Mose, Gottes Knecht, war tot . (Interessanterweise wird Mose in Josua
1 dreimal "der Knecht des Herrn" genannt, V. 1.13.15 ; vgl. 2Mo 14,31 ,und 13
Mal an anderer Stelle in Josua. Am Ende von Josuas Leben wurde er selbst
schließlich auch "der Knecht des Herrn" genannt, Jos 24,29 .) Doch obgleich Mose
tot war, war Gottes Wunsch immer noch lebendig, und Josua war nun die
Schlüsselfigur, um Gottes Vorhaben zu erfüllen. Gottes Anweisungen waren
eindeutig. Josua sollte den sofortigen Befehl über das ganze Volk übernehmen und
es über den Jordan in das Land führen, das Gott ihnen geben wollte. Niemand kann
Gottes Recht bezweifeln, Kanaan den Israeliten zu geben, denn ihm gehört die
ganze Erde, wie es ein Psalmist später bezeugte: "Die Erde ist des Herrn und was
darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen" ( Ps 24,1 ).
Jos 1,3-4
Obwohl das Land Gottes Geschenk an Israel war, konnte es nur durch harten Kampf
gewonnen werden. Der Herr gab ihnen das Eigentum des Landes, doch um es zu
besitzen, mußten sie über jedes Gebiet wandern. Die Grenzen, die Gott
festgesetzt und Abraham ( 1Mo 15,18-21 ) und Mose ( 5Mo 1,6-8 ) versprochen
hatte, sollten von der Wüste im Süden bis zum Gebirge des Libanon, und vom
Euphrat im Osten bis zum großen Meer, dem Mittelmeer, im Westen reichen. Der
Zusatz, das ganze Land der Hetiter, meint wahrscheinlich nicht das riesige Reich
dieses Namens nördlich von Kanaan, sondern geht zurück auf den Umstand, daß in
früheren Zeiten die gesamte Bevölkerung Kanaans oder ein Teil davon manchmal
"Hetiter" genannt wurden (vgl. 1Mo 15,20 ). Gruppen von Hetitern gab es nur hier
und dort in Kanaan.
38 Jahre zuvor hatte Josua als einer der 12 Späher dieses gute und fruchtbare
Land erkundet ( 4Mo 13,1-16; in 4Mo 13,8 wurde er "Hoschea", eine Variante
seines Namens, genannt). Die Erinnerung an dessen Schönheit und Fruchtbarkeit
war noch nicht vergangen. Nun sollte er die Armeen Israels anführen, um dieses
Gebiet zu erobern.
Wie groß war die Ausdehnung dieser Grenzen? Das Gebiet, das in der Zeit Josuas
tatsächlich erobert und besetzt wurde, war viel kleiner als das, das Israel
in 1Mo 15,18-21 versprochen worden war. Selbst zur Zeit Davids und Salomos, als
das Land seine größte Ausdehnung erreichte, lagen die fehlenden Gebiete nur in
Israels Einflußbereich.
Wann wird die Nation Israel das Land ganz besitzen? Die Propheten haben erklärt,
daß zur Zeit der Wiederkunft Christi Jesus die Juden wiedervereinen und in dem
Land über ein bekehrtes und erlöstes Israel herrschen wird. Die völlige
Inbesitznahme des Landes wird an diesem Tag geschehen (vgl. Jer 16,14-16; Am
9,11-15; Sach 8,4-8 ).
Josua
Jos 1,5
Als Josua die riesige Aufgabe, Kanaan zu erobern, vor Augen hatte, brauchte er
ein mutmachendes Wort. Aus eigener Erfahrung wußte Josua, daß die Kanaaniter und
die anderen Völker starke Völker waren, die in schwerbefestigten Städten wohnten
(vgl. 4Mo 13,28-29 ). Häufige Kämpfe hielten ihre Krieger in ordentlicher
Kampfbereitschaft. Außerdem war das Land zum größten Teil gebirgig, eine
Tatsache die die Truppenbewegungen höchst beschwerlich machen würden. Doch wenn
Gott einen Befehl gibt, verbindet er ihn oft mit einer Zusage, und so versprach
er Josua einen lebenslang anhaltenden Sieg über seine Feinde, der auf seiner
unfehlbaren Gegenwart und Hilfe beruhte. Die Worte Ich werde dich nie
verlassen (vgl. Jos 1,9 ) können auch mit "Ich werde dich nie fallenlassen oder
aufgeben" übersetzt werden. Gott läßt niemals ein Versprechen platzen.
Jos 1,6
Aus dieser starken Zusage, daß Gott Josua niemals verlassen würde, entsprang
Gottes dreifacher Aufruf. Zuerst wurde Josua aufgefordert, stark und mutig zu
sein (vgl. V. 7.9.18 ), weil Gott das Land versprochen hatte . Stärke und Kraft
würden für den bevorstehenden anstrengenden Feldzug benötigt werden, doch Josua
sollte zuallererst in Erinnerung behalten, daß er erfolgreich sein würde, Israel
zu führen, das Land in Besitz zu nehmen , weil es ihren Vorvätern, nämlich
Abraham ( 1Mo 13,14-17; 15,18-21; 17,7-8; 22,16-18 ), Isaak ( 1Mo 26,3-5 ),
Jakob ( 1Mo 28,13; 35,12 ) und der ganzen Nation, dem Samen Abrahams ( 2Mo
6,8 ), als ein ewiges Eigentum versprochen worden war. Josua sollte nun endlich
die Kinder Israels zur Inbesitznahme dieses verheißenen Landes führen. Was für
eine wichtige Rolle sollte er in dieser schwierigen Zeit der Geschichte seines
Volkes spielen! Während die Erfüllung dieser großartigen und bedeutungsvollen
Verheißung in jeder Generation jeweils von Israels Gehorsam gegenüber Gott
abhängig ist, bedarf es keiner Frage, daß die Bibel ihr Recht auf das Land
bezeugt. Durch göttlichen Vertrag sind sie die Eigentümer, selbst wenn sie es
nicht ganz besitzen und sich daran erfreuen, bis sie mit Gott wieder im reinen
sind.
Jos 1,7-8
Zum zweiten Mal wurde Josua aufgefordert, stark und sehr mutig zu sein und
darauf achtzuhaben, das ganze Gesetz Moses zu halten . Dieses Gebot beruht
auf Gottes Kraft durch sein Wort. Dies ist eine stärkere Ermahnung, die
aufzeigt, daß größere Charakterstärke notwendig ist, um Gottes Wort treu und
völlig zu gehorchen, als um Schlachten zu gewinnen. Die Betonung in diesen
Versen liegt eindeutig auf einer schriftlich, d. h. in Buchform, festgehaltenen
Wahrheit. Viele Kritiker behaupten, daß die Schrift erst etliche Jahrhunderte
später in schriftlicher Form erschien, doch hier ist ein klarer Verweis auf ein
autoritatives Buch des Gesetzes .
Um bei der Eroberung Kanaans Glück zu haben und erfolgreich zu sein, mußte Josua
nach der Schrift drei Dinge tun: (a) Das Gesetz durfte nicht von seinem Munde
weichen , sondern er mußte darüber reden (vgl. 5Mo 6,7 ); (b) er sollte darüber
bei Tag und Nacht nachdenken und nachsinnen (vgl. Ps 1,2; 119,97 ); (c) er
sollte alles, was darin geschrieben steht, tun , seinen Gesetzen völlig
gehorchen und nach ihnen handeln (vgl. Esr 7,10; Jak 1,22-25 ).
Josuas Leben demonstriert, daß er auf praktische Weise entsprechend den Lehren
des Gesetzes Mose, dem einzigen Teil des Wortes Gottes, das es zu der Zeit in
schriftlicher Form gab, lebte. Allein dies erklärt die Siege, die er in der
Schlacht errang, und den Erfolg, der seine gesamte Laufbahn begleitete. In einer
seiner Abschiedsreden an das Volk, kurz bevor er starb, drängte er es, in
Übereinstimmung mit der Schrift zu leben ( Jos 23,6 ). Leider gehorchten sie
diesem Rat nur eine kurze Zeit. In nachfolgenden Generationen lehnte es das Volk
Israel ab, von Gottes autoritativer Offenbarung geleitet zu werden, und die
Israeliten taten, was ihnen gefiel ( Ri 21,25 ). Indem sie eine objektive
Grundlage der Gerechtigkeit ablehnten, wählten sie eine subjektive, die vom
moralischen und geistlichen Relativismus gekennzeichnet war. Dies wiederum
stürzte die Nation in Jahrhunderte religiöser Abtrünnigkeit und moralischer
Anarchie.
Jos 1,9
Der dritte Aufruf an Josua, mutig zu sein, war auf das Versprechen von Gottes
Gegenwart gegründet. Dies verkleinerte nicht die Aufgabe, die Josua vor sich
hatte. Er würde Riesen und befestigte Städte vorfinden, doch Gottes Gegenwart
würde den Unterschied ausmachen.
Josua hatte wahrscheinlich Zeiten, in denen er sich schwach, unwohl und
ängstlich fühlte. Vielleicht überlegte er zu resignieren, bevor die Eroberung
überhaupt losging. Doch Gott wußte von allen seinen Gefühlen, persönlichen
Schwächen und Ängsten und forderte ihn dreimal auf: Sei stark und
mutig (V. 6-7.9 ; vgl. V. 18 ). Gott drängte ihn auch, nicht ängstlich oder
entmutigt zu sein (vgl. 5Mo 1,21; 31,8; Jos 8,1 ). Diese Ermahnungen mit den
begleitenden Zusagen (Gottes Versprechen, Gottes Kraft und Gottes Gegenwart)
reichten aus, um ein Leben lang zu halten. Gläubige aller Zeiten können von den
gleichen drei Zusagen aufgerichtet werden.
2. Josuas Befehle an die Offiziere
( 1,10-15 )
Der Herr hatte zu Josua gesprochen. Nun sollte Josua zu dem Volk reden, was er
ohne Verzögerung tat. Josuas Befehle klangen überzeugend. Der neue Anführer
hatte die Aufgabe im Vertrauen angenommen. Die Situation, die Josua und das Volk
vor sich hatten, war nicht einfach. Tatsächlich glich seine Lage sehr stark dem
Dilemma, das Mose und die Israeliten am Roten Meer vorfanden ( 2Mo 14 ). In
beiden Fällen trat das Hindernis am Anfang des Dienstes, den die beiden Führer
zu leisten hatten, auf. Beide waren unmöglich auf natürlichem Weg zu bewältigen.
Beide verlangten völliges Vertrauen in und absolute Abhängigkeit von Gottes
wunderwirkender Kraft.
Jos 1,10-11
Zwei Dinge verlangten Aufmerksamkeit. Erstens mußten Vorräte gesammelt werden,
denn obwohl das tägliche Manna noch nicht aufgehört hatte, sollte das Volk
einige der Früchte und Getreide von den Feldern Moabs für sich selbst und für
sein Vieh sammeln. Der Befehl zur "Vorbereitung" wurde von Josua an die
Offiziere gegeben, die wie die heutigen Adjutanten oder Stabsoffiziere die
Befehle ihres vorgesetzten Offiziers an die Leute weiterleiteten. In drei Tagen
(vgl. Jos 2,22 ) würde die Eroberung beginnen.
Jos 1,12-15
Josuas zweite Aufgabe war es, die Stämme Ruben, Gad und den halben Stamm Manasse
daran zu erinnern, daß, auch wenn sie ihr Erbe östlich des Jordans erhalten
hatten, sie doch dazu verpflichtet waren, mit ihren Brüdern weiterzukämpfen und
ihnen dabei zu helfen, das Land westlich des Jordans zu erobern ( 4Mo 32,16-32;
5Mo 3,12-20 ). Das Schlüsselwort hier ist denkt daran, und ihre Reaktion ( Jos
1,16-18 ) zeigt, daß sie ihr Versprechen nicht vergessen hatten und bereit
waren, dazu zu stehen. Tatsächlich sollten sie als Überraschungstruppen dienen
und den Angriff auf Kanaan anführen (V. 14 , vor euren Brüdern hinüberziehen ).
3. Josua erhält die Unterstützung des Volkes
( 1,16-18 )
Jos 1,16-18
Die Reaktion der zweieinhalb Stämme war enthusiastisch und kam von ganzem
Herzen. Sie spiegelte sicherlich auch die Haltung aller Stämme in dieser heiklen
Zeit der Vorbereitung auf die Invasion wieder. Wie mutmachend muß es auf den
neuen Führer gewirkt haben, zu wissen, daß das Volk darin einig war, ihn zu
unterstützen. Ihr Treue- und Gehorsamsschwur ( wir werden dahin gehen ... wir
werden dir gehorchen ) beinhaltete die ernsthafte Erklärung, daß jeder, der des
Ungehorsams schuldig wurde, hingerichtet werden sollte. Die Stämme ermutigten
Josua sogar, stark und mutig zu sein (vgl. V. 6-7.9 )!
Doch es gab eine Voraussetzung: Sie wollten Josua folgen, wenn er einwandfrei
die Tatsache beweisen konnte, daß er von Gott geführt werde (V. 17 ). Dies war
eine weise Vorsichtsmaßnahme, die auch später wichtig war, wenn sich Israels
Führer nicht als falsche Propheten oder "blinde Blindenführer" entpuppen
sollten.