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Josua Kapitel 03 Walvoord
C. Die Überquerung des Jordan
( Jos 3 )
1. Vorbereitungen für die Überquerung
( 3,1-4 )
Jos 3,1
Josua war ein Mann der Tat. Nachdem die Späher nun zurück waren und Bericht
erstattet hatten, begann Israels Führer sofort mit den Vorbereitungen, die nötig
waren, um den Jordan zu überqueren und in Kanaan einzufallen. Bis jetzt hatte
Josua keine Vorstellung davon, wie diese große Menge Menschen den überquellenden
Fluß überqueren sollte (vgl. V. 15 ). Doch im Glauben, daß Gott es schon
irgendwie möglich machen würde, ließ er sie alle mitsamt ihrem Hab und Gut die
elf Kilometer von Schittim bis zum Jordan ziehen. (Schittim ist möglicherweise
mit Abel-Schittim identisch, das in 4Mo 33,49 erwähnt wird.)
Jos 3,2-3
Als sie am Fluß ankamen, hielten sie für drei Tage. Ohne Zweifel benötigten die
Führer Zeit, um die Überquerung zu organisieren und Befehle an die Leute
weiterzuleiten. Das Warten gab auch jedem die Möglichkeit, sich den Fluß näher
zu betrachten, der wegen der Schneeschmelze des Hermon im Norden ein reißender
Strom war. Ihre Herzen werden wohl beim Anblick der scheinbaren Unmöglichkeit
der Überquerung gestockt haben.
Am Ende des dritten Wartetages bekam das Volk Anweisungen. Die Wolkensäule würde
sie nicht länger anführen, statt dessen sollten sie nun der Bundeslade folgen.
Keine Militärkundschafter würden zuerst ins Land vorstoßen, sondern die
Priester, die die Bundeslade trugen (vgl. V. 11 ). Da die Lade den Herrn selbst
symbolisierte, war es Jahwe, der sein Volk nach Kanaan hineinführte.
Jos 3,4
Die Lade sollte voranziehen und das Volk hinterhermarschieren, oder sie
möglicherweise von drei Seiten umgeben. Sie sollten jedoch einen Abstand von
ungefähr 1 km einhalten. Warum? Wahrscheinlich, um sie an die Heiligkeit der
Lade und des Gottes, den sie repräsentierte, zu erinnern. Sie sollten kein
ungezwungenes oder ehrfurchtsloses Verhältnis zu Gott haben, sondern einen Geist
tiefer Ehrfurcht und großen Respektes. Gott sollte nicht als "der Mann da oben"
angesehen werden, sondern als der alleinige und heilige Gott der ganzen Erde.
Der Abstand war auch erforderlich, damit eine möglichst große Menge des großen
Volkes die Lade sehen konnte. Gott wollte sie über unbekanntes Gelände führen,
auf einem Weg, den sie noch nie zuvor gegangen waren. Es war neues Gebiet, also
konnten sie ohne die Führung und Leitung des Herrn nicht wissen, in welche
Richtung sie gehen sollten.
2. Heiligung für die Überquerung
( 3,5-13 )
Jos 3,5
Als sich der Tag der Überquerung näherte, befahl Josua dem Volk, sich zu
heiligen oder zu weihen . Es wäre leichter zu verstehen, wenn er gesagt hätte:
"Schärft eure Schwerter und prüft eure Schilder!" Doch zu dieser Zeit war
geistliche und keine militärische Vorbereitung nötig, denn Gott würde sich bald
zu erkennen geben, indem er ein großes Wunder in Israels Mitte vollbringen
würde. So wie eine Person sich gewissenhaft vorbereiten würde, um jemanden mit
irdischem Ruhm zu treffen, so war es für die Israeliten selbstverständlich, sich
auf eine Offenbarung des Gottes der ganzen Erde vorzubereiten. Derselbe Befehl
war am Sinai ergangen, als die vorangegangene Generation sich für die
majestätische Offenbarung des Herrn vorbereitete, als dieser das Gesetz gab
( 2Mo 19,10-13 ).
Doch das war noch nicht alles. Das Volk Israel sollte erwarten , daß Gott ein
Wunder vollbringen würde. Sie sollten sich in einer erwartungsvollen, gespannten
Haltung befinden. Israel sollte den Blick für seinen Gott nicht verlieren, der
Unglaubliches und menschlich Unmögliches vollbringen konnte.
Jos 3,6-8
Dann sagte der Herr zu Josua, wie die Überquerung ablaufen sollte, und erklärte
Josua, daß dieses Wunder ihn zum Führer des Volkes erheben oder erklären würde.
Es war Zeit, Josuas Glaubwürdigkeit als Gottes Repräsentant, der Israel führen
sollte, zu manifestieren. Was gab es da Besseres, als daß Josua seinen Weg durch
einen durch ein Wunder geteilten Fluß leitete? Tatsächlich achtete das Volk
Josua und wußte, daß Gott mit ihm war ( Jos 3,7; vgl. Jos 1,5.9 ).
Jos 3,9-13
Doch als Josua dem Volk die Worte Gottes weitersagte, erwähnte er das besondere
Versprechen, daß er durch dieses Wunder geehrt werden würde, nicht. Dagegen
sagte er zu ihnen, daß dieses Wunder beweisen würde, daß der lebendige Gott, im
Gegensatz zu den toten Götzen, die von den Heiden verehrt wurden, in ihrer Mitte
war. Außerdem würde der lebendige Gott, neben dem Öffnen eines Weges mitten
durch den reißenden Jordan, die sieben Völker, die das Land bewohnten,
vertreiben. Das Gelöbnis der lebendige Gott ist unter uns wurde zum Leitmotiv
der Eroberung und der Schlüssel zum Sieg über die Feinde in diesem Land. Es ist
ein Versprechen, das fast auf jeder Seite dieses Buches erscheint: "Ich werde
mit dir sein!" Ein Versprechen, das für das Volk des Herrn immer noch gilt: die
Zusicherung seiner Gegenwart. Da Gott der HERR ( ?XDNn , "Gebieter") der ganzen
Erde ist (vgl. Ps 97,5 ), war er sicherlich auch imstande, sein Volk über den
Fluß zu bringen.
3. Die Vollendung der Überquerung
( 3,14-17 )
Jos 3,14-15 a
Der Tag der Überquerung des Jordans, der Tag an dem Israel Kanaan betreten
sollte, war endlich angebrochen. Das Volk brach die Zelte ab und folgte den
Priestern, die die Lade trugen, zum Ufer des Jordan. Es war die Zeit der
Gerstenernte im Monat Nisan (März/April), der erste Monat ihres Jahres ( Jos
4,19 ). Der Fluß führte Hochwasser , ein böses Omen für die Priester und das
Volk, und eine harte Prüfung ihres Glaubens. Würden sie ängstlich zögern, oder
würden sie im Glauben weitergehen, darauf vertrauend, daß das, was Gott über das
Aufhalten des Wassers versprochen hatte ( Jos 3,13 ), wirklich eintreffen würde?
Jos 3,15-17 (Jos 3,15b-17)
Dramatische Dinge passierten in dem Moment, als die Priester, die die Lade des
Bundes trugen, in das schlammige, reißende Wasser traten. Das Wasser
flußaufwärts hörte auf zu fließen (vgl. V. 13 ). Die Wasser anderer Flüsse
stauten sich bei einer Stadt namens Adam auf und waren völlig abgeschnitten, so
daß sie nicht in den Jordan fließen konnten. So überquerte das Volk den Fluß
gegenüber von Jericho . Dies erinnert an die Überquerung des Roten
(Schilf-)Meeres (vgl. 2Mo 15,8; Ps 78,13 ).
Obgleich der Ort namens "Adam" nur hier vorkommt, wird er gewöhnlich mit Tell
ed-Damiyeh identifiziert, das ungefähr 26 km nördlich der Furt gegenüber von
Jericho liegt. Ein großer Teil des Flusses wurde also aufgestaut, so daß das
Volk mit seinem Vieh und seiner Habe hinübereilen konnte (vgl. Jos 4,10 ).
Wie konnte dieses sensationelle Wunder geschehen? Viele behaupten, daß dies kein
Wunder war, da das Geschehen als ein natürliches Phänomen erklärt werden kann.
Sie berufen sich darauf, daß am 8. Dezember 1267 ein Erdbeben die hohen Ufer des
Jordan bei Tell ed-Damiyeh zum Einsturz brachte, wodurch der Fluß 10 Stunden
lang gestaut wurde. Am 11. Juli 1927 blockierte ein Erdbeben in der gleichen
Gegend den Fluß 21 Stunden lang. Natürlich geschahen diese Stauungen nicht bei
Hochwasser. Möglicherweise bediente sich Gott natürlicher Ursachen, wie eines
solchen Erdbebens oder eines Erdrutsches. Trotzdem würde die Zeit des Geschehens
dies zu einem wunderbaren Eingriff machen. Doch erlaubt der biblische Text solch
eine Interpretation dieses Geschehens?
Wenn man alle beteiligten Faktoren berücksichtigt, scheint es am besten zu sein,
dieses Geschehen als eine besondere Tat Gottes anzusehen, die auf einem Weg
geschah, der Menschen unbekannt ist. Viele übernatürliche Elemente kamen hier
zusammen: (1) Das Geschehen passierte so, wie es vorausgesagt worden war ( Jos
3,13.16 ). (2) Der Zeitpunkt war genau der richtige (V. 15 ). (3) Das Geschehen
fand statt, als der Fluß Hochwasser führte (V. 15 ). (4) Die Wassermauer
verharrte mehrere Stunden, möglicherweise einen ganzen Tag (V. 16 ). (5) Der
weiche, nasse Flußboden wurde auf einen Schlag trocken (V. 17 ). (6) Das Wasser
kehrte sofort, nachdem das Volk übergesetzt war und die Priester aus dem Fluß
herausgekommen waren, wieder zurück ( Jos 4,18 ). Jahrhunderte später
überquerten die Propheten Elia und Elisa denselben Fluß auf trockenem Boden nach
Osten ( 2Kö 2,8 ). Kurz danach überquerte Elisa den Fluß wieder auf trockenem
Grund. Wenn ein natürliches Phänomen nötig ist, um die Überquerung der
Israeliten unter Josua zu erklären, dann müßte man auch annehmen, daß für Elia
und Elisa zwei Erdbeben hintereinander stattfanden, was nun doch
unwahrscheinlich ist.
Durch dieses große Wunder, nämlich der Überquerung des Jordans bei Hochwasser
durch ein Volk mit ungefähr 2 Millionen Menschen, wurde Gott verherrlicht, Josua
geachtet, Israel ermutigt und die Kanaaniter zu Tode erschreckt.
Für Israel bedeutete die Überquerung des Jordan, daß sie nun endgültig in einen
Kampf gegen Armeen, Kampfwagen und befestigte Städte verwickelt waren. Sie waren
nun auch davon abhängig, im Glauben an den lebendigen Gott zu verharren und sich
davon abzukehren, im Fleisch zu verharren, wie sie es in der Wüste oft getan
hatten.
Für Gläubige heute stellt die Überquerung des Jordan das Voranschreiten von
einer Stufe des christlichen Lebens zur nächsten dar. (Sie ist kein Bild für
einen Gläubigen, der stirbt und in den Himmel kommt!) Sie ist ein Bild für den
Beginn des geistlichen Kampfes und für die Inanspruchnahme der Verheißungen
Gottes. Dies bedeutet das Ende eines Lebens aus menschlicher Anstrengung heraus
und den Beginn eines Lebens im Glauben und Gehorsam.