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Lexikon zur Endzeit


Ziel dieses Lexikons ist - wie der Untertitel deutlich macht - die Förderung des Verständnisses biblischer Prophetie und Heilsgeschichte. Es repräsentiert wie kaum ein anderes Werk im deutschen Sprachraum die Denkschulen des Prämillennialismus und Dispensationalismus, die hier seit dem 19. Jahrhundert vor allem innerhalb der Brüderbewegung entwickelt und gepflegt wurden und einen nicht geringen Einfluss auf den gesamten Evangelikalismus genommen haben. Es scheint jedoch, dass deren Traditionen in den Vereinigten Staaten insgesamt konsequenter und gründlicher fortgeführt wurden, als es bei uns in den letzten Jahrzehnten der Fall war. Umso dankbarer ist die Christliche Verlagsgesellschaft, wenn mit diesem Lexikon nun die stark vorangetriebene Forschungsarbeit unserer Brüder und Schwestern in Übersee in ihren Ergebnissen dem deutschsprachigen Raum vorgestellt und verfügbar gemacht werden kann.

Der Leser wird feststellen, dass vorrangig Personen und Werke der theologischen Schulen Amerikas in diesem Lexikon berücksichtigt werden und der europäische Anteil an manchen Stellen recht knapp zur Sprache kommt. Jedoch wird insgesamt dadurch unsere Wahrnehmung erweitert und unsere theologische Erkenntnis bereichert. Wir sind unseren Geschwistern dankbar, dass sie solche Mühe auf sich genommen haben, um die Erkenntnisse der oben angesprochenen Denkschulen und ihre Spuren in der Vergangenheit so umfassend wie möglich darzustellen. Damit wird einem wichtigen Bereich der Theologie, der Heilsgeschichte und Eschatologie, wieder neu Geltung verschafft, was angesichts der baldigen Wiederkunft unseres Herrn von unschätzbarem Wert ist.

Nachfolgend möchte der deutsche Herausgeber auf einige Besonderheiten aufmerksam machen, die der Leser beim Studium dieses Werkes berücksichtigen sollte:

1. Bezeichnungen und Begriffe

Wir haben uns entschlossen, weitgehend die Ableitungen der englischen Begriffe (u. a. Dispensationalismus, Prämillennialismus, Amillennialismus, Postmillennialismus, Prätribulationalismus, Posttribulationalismus usw.) zu verwenden, da sich kaum angemessene kurze Entsprechungen im Deutschen dazu finden lassen. Diese Begriffe erweisen sich beim Lesen leider als »Zungenbrecher«, was wir jedoch trotz einiger Bedenken aus Gründen der Klarheit glaubten, dem Leser zumuten zu können. Die Lektoren haben sich bemüht, diese »Zungenbrecher« sooft wie möglich zu umschreiben. Wo uns die klare Zuordnung zu den theologischen Denkrichtungen wichtig erschien, wurden diese Ableitungen allerdings stehen gelassen.

Es sind nun in der einschlägigen Literatur zwar auch Verkürzungen der Fachwörter (z. B. Prämillennismus anstatt Prämillennialismus) in Gebrauch, jedoch haben wir die oben skizzierte Schreibweise in Anlehnung an weitere in unserem Verlag bereits erschienenen Werke beibehalten, wo diese schon so eingeführt und verwendet wurden (siehe z. B. C. C. Ryrie, Die Bibel verstehen , Dillenburg: CV, 1996; D. Pentecost, Bibel und Zukunft , Dillenburg: CV, 1993; Chafer/Walvoord, Grundlagen biblischer Lehren , Dillenburg, CV, 1994; LaHaye/Ice, Countdown zum Finale der Welt , Dillenburg: CV, 2003).

2. Theologisches Spektrum der Beiträge

Wie bereits oben bemerkt, werden vorrangig Werke aus dem englischen Sprachraum berücksichtigt und Entwicklungen in Europa kommen nur eingeschränkt zur Sprache. Man vermisst z. B. ein Eingehen auf die »heilsgeschichtliche Schule« der modernen Theologie (Cullmann, Pannenberg) oder eine ausführliche Würdigung des so bekannten Lehrers der Heilsgeschichte innerhalb des Offenen Brüdertums, Erich Sauer, und seiner in vielen Auflagen erschienen bedeutenden heilsgeschichtlichen Entwürfe Das Morgenrot der Welterlösung , Gott, Menschheit und Ewigkeit sowie Der Triumpf des Gekreuzigten . Ebenso vermisst man die Berücksichtigung wichtiger Arbeiten innerhalb des deutschen Evangelikalismus und die dort verfassten Beiträge zu einer heilsgeschichtlichen Theologie (vgl. z. B. Gerhard Maier [Hrsg.], Zukunftserwartung in biblischer Sicht , Wuppertal, Giessen, Basel, Brockhaus/Brunnen 1984; Helge Stadelmann [Hrsg.], Epochen der Heilsgeschichte, Beiträge zur Förderung heilsgeschichtlicher Theologie , Wuppertal, Brockhaus 1984). Eine kurze und prägnante Skizzierung heilsgeschichtlicher Grundzüge evangelikaler Theologie findet sich z.B. in: Helge Stadelmann, Grundlinien eines bibeltreuen Schrifverständnisses , Wuppertal, Brockhaus, 2 1990, Seite 122-133: »Heilsgeschichtliches Denken als Hilfe für die Schriftauslegung«. Es wäre zu wünschen, dass eine bisher parallel verlaufende Forschungsarbeit zusammengeführt werden und sich gegenseitig befruchten kann. Wir hoffen, dass dies nun vorliegende »Lexikon zur Endzeit« dazu beitragen kann.

3. Hermeneutische Vorentscheidungen

Mal Couch, der amerikanische Herausgeber des Lexikons, nennt in seinem Vorwort als erste Besonderheit des Dispensationalismus den Glauben an die Inspiration und Unfehlbarkeit der Bibel und als zweite die »wörtliche« Auslegungsmethode. Mit dieser hermeneutischen Voraussetzung nehmen die Denkschulen des Prämillennialismus und Dispensationalismus die Prophetie der Bibel so ernst und konkret wie nur möglich und vertreten damit zwangsläufig Sichtweisen, die innerhalb der Theologie z. T. unterbewertet oder abgewertet werden. Dies geschieht vereinzelt sogar innerhalb der evangelikalen Theologie (vgl. Franz Stuhlhofer, »Das Ende naht !«, Gießen, Brunnen-Verlag, Seite 52-54). Mag aufgrund geschichtlicher Entwicklungen eine Abneigung gegen den »Chiliasmus« oder Millennialismus verständlich sein, so dürfen jedoch theologische Fehlentwicklungen und Missverständnisse nicht zur Ausblendung von Lehren der Heiligen Schrift führen, die diese insgesamt klar stützt. Das vorliegende Lexikon versucht, solche Missverständnisse auszuräumen, und neu den Weg zu einer umfassenden heilsgeschichtlichen Schau biblischer Prophetie zu bahnen. Dadurch kann die Gemeinde Gottes sowohl vor extremen Auslegungen als auch vor ungesunder Verdrängung bewahrt werden.

Abschließend weisen wir noch einmal auf die oben genannte Literatur im deutschen Sprachraum (s. o. Abschnitt 1) hin, die wir dem Leser als tiefer gehende und ergänzende Lektüre empfehlen. Insgesamt wünschen wir uns mit diesem theologischen Beitrag ein vermehrtes Interesse an Endzeitfragen, das Entstehen einer größeren Klarheit in Bezug auf die letzten Dinge und das Aufkommen einer verstärkten Hoffnung auf die Wiederkunft unseres Herrn Jesus Christus, der den Heilsplan Gottes zur Vollendung bringen wird.

Dillenburg, im September 2004


ÜBER DIE MITARBEITER

Robert G. Anderson, Th.M., ist Dekan des Houston College of Biblical Studies in Houston, Texas.

Roy E. Beacham, M.Div., Th.M., Th.D., ist Vorsitzender und Professor für das Alte Testament am Central Baptist Theological Seminary in Minneapolis, Minnesota..

Rick Bowman, D.Min., ist Forscher, Autor und Redakteur am Tyndale Theological Seminary and Biblical Institute in Ft. Worth, Texas.

Joseph R. Chambers, D.D., ist Gründer und Vorsitzender von Paw Creek Radio and Media Ministry in Charlotte, North Carolina.

Mal O. Couch, M.A., Th.M., Th.D., Ph.D., ist Gründer und Vorsitzender des Tyndale Theological Seminary and Biblical Institute in Ft. Worth, Texas. Larry V. Crutchfield, Phil.M., M.A., Ph.D., ist Berater am Faraston Theological Seminary . Er lebt in Colorado Springs, Colorado. Rodney Decker, M.Div., Th.D. (Doktorand), ist Bibelprofessor am Calvary Theological Seminary in Kansas City, Missouri.

Timothy J. Demy, M.A., M.A., Th.M., Th.D., ist Militärgeistlicher, Autor und Bibellehrer. Er lebt in Springfield, Virginia.

Thomas Edgar, Th.M., Th.D., ist Professor für Neutestamentliche Literatur am Capital Bible Seminary in Lanham, Maryland.

Floyd S. Elmore, Th.M., Th.D., ist Bibelprofessor am Cedarville College in Cedarville, Ohio.

Paul P. Enns, Th.M., Th.D., ist Autor, Gründungsdekan des Tampa Bay Theol ogical Seminary und Dekan des Institute of Biblical Training in Tampa, Florida.

Gary Fisher ist Autor und Gründer und Direktor von Lion of Judah Ministry in Franklin, Tennessee.

Harold D. Foos, Th.M., Th.D., ist Professor für Bibel und Theologie und Vorsitzender des Fachbereichs Theologie am Moody Bible Institute in Chicago, Illinois.

Amold G. Fruchtenbaum, Th.M., Ph.D., ist Autor, internationaler Bibellehrer und Gründer und Direktor von Ariel Ministries in Tustin, Kalifornien.

Alden Gannett, Th.M., Th.D., ist Autor und Konferenzredner. Er lebt in Birmingham, Alabama.

Michael P. Gendron, M.A.B.S., M.A.S., ist Gründer und Vorsitzender von Proclaiming the Gospel Ministry in Dallas, Texas.

Robert G. Gromacki, Th.M., Th.D., ist Pastor, Autor and angesehener Professor für Bibel und Griechisch am Cedarville College , Cedarville, Ohio.

George A. Gunn, M.Div., hat den Vorsitz für Bibel und Theologie am Shasta Bible College in Reading, Kalifornien.

John D. Hannah, Th.M., Ph.D., ist Autor und Vorsitzender und Professor für Historische Theologie am Dallas Theological Seminary in Dallas, Texas.

Bobby Hayes, M.A., Ph.D. (Doktorand), ist außerordentlicher Professor am Tyndale Theological Seminary and Biblical Institute in Ft. Worth, Texas.

Edward E. Hindson, M.A., Th.M., Th.D., D.Phil., ist Autor, stellvertretender Vorsitzender von There's Hope Ministry in Atlanta, Georgia, und angesehener, außerordentlicher Professor an der Liberty University in Lynchburg, Virginia.

H. Wayne House, M.A., Th.M., M.Div., J.D., Th.D., ist Gastprofessor für Theologie an mehreren Institutionen, freiberuflicher Autor und Dekan und Professor am Michigan Theological Seminary in Plymouth, Michigan.

Tommy D. Ice, Th.M., Ph.D., ist Autor, ehemaliger Pastor und Geschäftsführer des PreTrib Research Center in Washington, D.C.

Elliott Johnson, Th.M., Th.D., ist Autor und Professor für Bibelexegese am Dallas Theological Seminary in Dallas, Texas.

Gordon Johnston, Th.M., Th.D., ist außerordentlicher Professor für Biblische Unterscheidung am Lancaster Bible College in Lancaster, Pennsylvania.

Tim F. LaHaye, D.Min., D.D., ist Autor und Direktor von Family Life Seminars in Washington, D.C.

G. Harry Leafe, Th.M., D.Min., ist Professor und Vorsitzender für Bibel und Theologie am Houston Bible Institute in Houston, Texas.

Dale F. Leschert, M.Div., Th.M., Ph.D., ist unabhängiger Forscher und Schriftsteller. Er lebt in New Westminster, British Columbia, Canada.

Robert P. Lightner, Th.M., Th.D., ist Autor und Professor für Theologie am Dallas Theological Seminary in Dallas, Texas.

Eugene J. Mayhew, Th.M., Th.D., ist Professor für das Alte Testament am Michigan Theological Seminary in Plymouth, Michigan.

Steven L. McAvoy, Th.M., Th.D., ist Direktor des Institute for Biblical Studies in Lake Oswego, Oregon.

Thomas S. McCall, Th.M., Th.D., ist Autor, Konferenzredner und Forscher für Levitt Ministries . Er lebt in Bullard, Texas.

John A. McLean, Th.M., M.A., Ph.D., ist Vorsitzender des Michigan Theological Seminary in Plymouth, Michigan.

George E. Meisinger, Th.M., D.Min., ist Vorsitzender des Chafer Theological Seminary und Pastor der Grace Church in Huntington Beach, Kalifornien.

Charles W. Missler, M.S., ist Gründer von Koinonia House , Coeur d'Alene, Idaho.

John H. Mulholland, Th.M., Th.D., ist Professor für Systematische Theologie am Capital Bible Seminary in Lanham, Maryland.

David R. Nicholas, M.S., Th.M., Th.D., ist Vorsitzender und Professor für Theologie am Shasta Bible College in Reading, Kalifornien.

Jerry Neuman, M.Div., ist Professor für Bibel und Theologie am Berean Baptist Institute in Natal, Brasilien.

Russell L. Penney, M.A., D.Sc., Th.D. (Doktorand), ist außerordentlicher Professor für Biblische Studien am Tyndale Theological Seminary and Biblical Institute in Ft. Worth, Texas.

Donald Perkins ist Gründer und Vorsitzender von According to Prophecy Ministries in Lemon Grove, Kalifornien.

J. Randall Price, Th.M., Ph.D., ist Professor für Theologie und Bibel am Liberty Baptist Theological Seminary und Gründer und Vorsitzender von World of the Bible Ministries , In c. in San Marcos, Texas.

Clifford Rapp, Th.M., ist Professor für Theologie am Chafer Theological Seminary in Huntington Beach, Kalifornien.

Brian K. Richards, M.A., ist Th.M. (Doktorand) am Tyndale Theologieal Seminary and Biblical Institute in Ft. Worth, Texas.

Charles C. Ryrie, Th.M., Th.D., Ph.D., ist emeritierter Professor für Systematische Theologie am Dallas Theological Seminary . Er ist Autor, Dozent und Herausgeber der Ryrie Study Bible . Er lebt in Dallas, Texas.

Lonnie L. Shipman, M.A., ist Autor und Musikevangelist. Er lebt in Dallas, Texas.

Renald E. Showers, Th.M., Th.D., ist Autor und Mitarbeiter bei The Friends of Israel Gospel Ministry, Inc . Er lebt in Willow Street, Pennsylvania.

Michael D. Stallard, Th.M., Th.D., ist Professor für das Alte Testament am Baptist Bible Seminary in Clarks Summit, Pennsylvania.

Gerald B. Stanton, Th.M., Th.D., ist Vorsitzender von Ambassadors International und Professor an der Asia Graduate School of Theology . Er lebt in Palm Beach Gardens, Florida.

Irvin R. Starwalt, M.Div., S.T.M., Ph.D (Doktorand), ist Forscher für das Tyndale Theological Seminary and Biblical Institute in Ft. Worth, Texas.

Gary P. Stewart, M.Div., Th.M., D.Min. (Doktorand), ist Geistlicher in der US-Marine. Er lebt in Nammond, Oregon.

Kevin Stilley, M.Div., M.A., Ph.D. and D.Min. (Doktorand), ist Professor am Tyndale Theological Seminary and Biblical Institute in Ft. Worth, Texas.

Steve P. Sullivan, Th.M., D.Min. (Doktorand), ist Pastor und Lehrer für Biber und Theologie am Houston Bible Institute in Houston, Texas.

Paul L. Tan, Th.M., Th.D., ist Autor und Gründer und Vorsitzender von Bible Communications, Inc ., Dallas, Texas.

Robert L. Thomas, Th.M., Th.D., ist Autor und Professor für Neutestamentliche Sprachen und Literatur am The Master's Seminary in Stanton, Kalifornien.

Elmer Towns, Th.M., M.A., M.R.E., D.Min., ist Dekan für Religion an der Liberty University in Lynchburg, Virginia.

William Vamer, M.Div., S.T.M., M.A., ist Dekan des Institute of Biblical Studies, einem Zweig von The Friends of Israel Gospel Ministry, Inc ., Bellmawr, New Jersey.


DANKSAGUNG

Wegen der wachsenden Verwirrung über biblische Prophetie schien es mir wichtig, dass dieses Kompendium so bald wie möglich verfasst und veröffentlicht wurde. Das war ebenso das Anliegen der 54 Mitarbeiter, die ihre Beiträge in Rekordzeit fertigstellten. Für diesen Kraftakt, ihre Opfer und Hingabe spreche ich diesen gottesfürchtigen Lehrern meinen Dank und meine Anerkennung aus.

Ein spezieller Dank gilt auch Dennis Hillman, Verleger von Kregel Publications, und seiner Assistentin Rachel Warren. Besorgt um Genauigkeit und jedes Detail halfen sie dabei, innerhalb eines Jahres ein Projekt fertig zu stellen, dass bis zu seinem Abschluss auch gut und gerne drei Jahre hätte dauern können. Ein besonderer Dank geht auch an die Lektoren und Korrektoren von Kregel Publications. Ebenso spreche ich eine herzliche und dankbare Würdigung an die Mitarbeiter vom Tyndale Theological Seminary and Biblical Institute aus, sowie an John Baze und Dr. Russel Penney, die viele Stunden für die letzten Korrekturen an dem Projekt investierten.


ABFALL

Das griechische Wort apostasia wird im Neuen Testament zweimal gebraucht und wird wie folgt übersetzt: »im Stich lassen«, »abwenden«, »den Rücken zuwenden« ( Apg 21,21 ) beziehungsweise »Abfall«, »Abtrünnigkeit«, »Rebellion« oder »endgültige Auflehnung« ( 2Thes 2,3 ). Das Wort findet sich auch einige Male in der Septuaginta ( Jos 22,22; 2Chr 29,19 ; 1Esd 2,14.17; Esr 4,12.15 ; 1Makk 2,15). Im attischen Griechisch bedeutete das Wort »Auflehnung« oder »Lossagung« und fand auch Verwendung in den Papyri, um politische Aufständische zu bezeichnen, aber die meisten der biblischen und apokryphen Verweisstellen zielen auf den Glaubensabfall. Auf der Grundlage der Etymologie (griechisch apo [weg von] und stasis [stehend]) und der Bedeutung einiger verwandter Formen (aphistemi , apostasios ) haben einige Gelehrte auf die Wortbedeutung »körperliches Verlassens« geschlossen (besonders E. Schuyler English, K. Wuest und weitere, neuerlich auch H. Wayne House). Die theologisch bedeutsamste Schriftstelle ist 2Thes 2,3 , wo apostasia als eines von zwei Ereignissen erwähnt wird, die dem Tag des Herrn vorausgehen müssen. In diesem Text gibt es mindestens vier Sichtweisen über die Bedeutung von apostasia : 1. eine Bezeichnung für den Menschen der Sünde (Chrysostomus, Theophylaktus, Augustinus, Alford, Moffatt); 2. der Glaubensab fall, der dem zweiten Kommen Christi vorausgehen wird (Calvin, Chafer, Walvoord, Ryrie, Gundry); 3. die religionspolitische Rebellion gegen Christus, die in der Schlacht von Harmagedon ihren Höhepunkt findet (Hogg und Vine, Moore, Morris, Bruce) und 4. die Entrückung der Gemeinde im Sinne des körperlichen Fortgangs von der Erde (English, Wuest, House).

Ein entsprechender Begriff ist das griechische aphistemi (zurücktreten, fortgehen, abfallen oder verlassen). Es wird in 1Tim 4,1 verwendet, wo es mit »manche werden vom Glauben abfallen« übersetzt wird. Dieser Abfall soll sich in den späteren Zeiten ereignen. Er resultiert aus der Beachtung betrügerischer Geister und der Lehren von Dämonen. Dieser Wort wird auch übersetzt mit »fortgehen«, »abwenden«, »irreführen«, »das Ziel verfehlen«, »Schiffbruch erleiden«. In Hebräer 3,12 wird aphistemi für Menschen gebraucht, die den lebendigen Gott verlassen haben. Es meint hier eine vorsätzliche Abkehr von persönlichen Überzeugungen.

Zu den biblischen Beispielen Abgefallener gehören Judas Ischariot, Demas, Hymenäus und Alexander (vgl. 2Kor 4,10; 1Tim 1,20 ). Die Kirchengeschichte verzeichnet diesbezüglich neben anderen Julian den Apostaten (361-363 n.Chr.), den römischen Kaiser, der dem Christentum abschwor und die Rückkehr zum heidnischen Götzendienst im römischen Reich förderte. Ob solche Glaubensverleugnung offenbart, dass einer niemals wirklich wie dergeboren war oder dass einer sein Heil verloren habe, wird von der persönlichen Ansicht des Beurteilenden über Heilsgewissheit und Heilssicherheit der Heiligen abhängen.

J. Dwight Pentecost (S. 155) listet die folgenden Wesenszüge der künftigen abgefallenen Christenheit auf:

1. Leugnung Gottes ( 2Tim 3,4-5 )

2. Leugnung Christi ( 1Jo 2,18; 4,3 )

3. Leugnung der Rückkehr Christi ( 2Petr 3,3-4 )

4. Verleugnung des Glaubens ( 1Tim 4,1-2 )

5. Verleugnung der gesunden Lehre ( 2Tim 4,3-4 )

6. Leugnung der Moral ( 2Tim 3,1-8 )

7. Leugnung der göttlichen Autorität ( 2Tim 3,4 )

Siehe auch: Entrückung, biblisches Studium.

George Gunn und Edward Hindson

Bauer, Danker, Gingrich (Hrsg.), A GreekEnglish Lexicon of the New Testament and Other Early Christian Literature (Chicago: University of Chicago Press, 1979); Colin Brown (Hrsg.), New International Dictionary of New Testament Theology , Bd. 1 (Grand Rapids: Zondervan, 1975); E. Schuyler English, ReThinking the Rapture (South Carolina: Southern Bible Book House, 1975); H. Wayne House, a paper presented to the Pre-Tribulation Study Group (1994); Liddell und Scott (Hrsg.), Greek-English Lexicon (Oxford: Clarendon, 1940); J. Dwight Pentecost, Bibel und Zukunft (Dillenburg: CV, 1993); Arthur T. Robertson, Word Pictures in the New Testament , Bd. 4 (Grand Rapids: Baker, 1971); L. G. Whitlock, Apostasy in: Evangelical Dictionary of Theology , hrsg. von Walter Elwell (Grand Rapids: Baker, 1984).


ABRAHAMITISCHER BUND

Gottes Bund mit Abraham wurde zum ersten Mal in Kraft gesetzt und begonnen in 1Mo 12,1-3 . Er wurde später erneuert in 1Mo 13,14-17 , ratifiziert in 1Mo 15 und unterzeichnet in 1Mo 17 . Er wurde noch einmal erneuert in 1Mo 22,15-18 . Bei jedem Mal wurde er erweitert. Bestätigt wurde er später dem Isaak ( 1Mo 26,3-5.24 ) und auch dem Jakob ( 1Mo 28,13-15; 35,9-12 ; vgl. 46,1-4 ); konsequenterweise wird er deshalb auch als Gottes »Bund mit Abraham, Isaak und Jakob« bezeichnet ( 2Kö 13,23 ).


ABRAHAMITISCHER BUND

Der Begriff des Bundes in der Schrift

Bund bedeutet eine Vereinbarung oder einen Vertrag zwischen zwei Parteien, welcher die eine oder beide Parteien an bestimmte Verpflichtungen bindet. In der Schrift finden sich viele Arten von Bundesschlüssen, dazu gehören rechtmäßige Vereinbarungen zwischen Völkern, einzelnen Personen, Königen und ihren Untertanen, Einzelpersonen und kleinen Gruppen, Mann und Frau, und zwischen Menschen und Gott. Diese letzte Art von Bund kann von Menschen herbeigeführt werden ( 2Kö 11,17; Esr 10,2-3 ) oder von Gott. Der Abrahamitische Bund ist ein göttlicher Bund, da er von Gott eingeführt wurde.

Biblische Bundesschlüsse ähneln in ihrer Form meist sehr genau den Verträgen der Hethiter, besonders denen zwischen Lehnsherren und Vasallen. Biblische Bundestexte enthalten gewöhnlich ähnliche Bestandteile wie hethitische Vertragstexte, wie z.B. eine Präambel, einen geschichtlichen Prolog, Vereinbarungen, Vertragsbedingungen des Textes, die Anführung von Augenzeugen, Segen und Fluch, und die Ausführung eines Ritus zur Bestätigung.

Ein Bund war beides, feierlich und bindend. Die Ehre des Mannes, sogar sein Leben stand bei einem Bundesschluss auf dem Spiel. Deshalb war die Einrichtung des Bundes für Abraham und die Menschen seiner Zeit ganz selbstverständlich, eine formell eingebundene, wichtige und feierliche Angelegenheit, an die man unwiderruflich gebunden war. Ein beidseitiger Bund war für beide Parteien absolut verbindlich; beide waren den festgesetzten Bedingungen verpflichtet. Ein einseitiger Bund war nur für einen Teil bindend, nämlich für den, der die Bedingungen festsetzte. Der Abrahamitische Bund ist ein einseitiger, ein göttlicher Bund, bei dem Gott allein sich dazu verpflichtet, eine Reihe von Werken an Abraham und seiner Nachkommschaft zu vollbringen. Er kann nicht umgekehrt werden (sonst würde Gott sich als untreu erweisen) und auch nicht durch das Versagen Abrahams oder seiner Nachkommen annulliert werden, denn das Bestehen und Fortdauern des Bundes hängt nicht von der Treue Abrahams oder seiner Nachkommen ab, sondern von Gott allein.


ABRAHAMITISCHER BUND

Die Wichtigkeit des Bundes

Vom Standpunkt des Auslegers gesehen ist der Abrahamitische Bund ein einzelnes, höchst wichtiges Ereignis im Alten Testament. Er regelt Gottes vollständigen Plan mit Israel und den Nationen und ist daher bestimmend für Gottes Plan für die Geschichte. Der Abrahamitische Bund ist grundlegend für die gesamte Schrift. Er ist der Schlüssel zu beiden Testamenten, dem Alten und dem Neuen, und er ist grundlegend für den gesamten Erlösungsplan. Alle nachfolgende Offenbarung ist das Ergebnis dieses Bundes. Dieser Bund und die anschließenden Rahmenbedingungen sind der Schlüssel zum Verständnis der Schrift.

Das Wesen von Gottes Bund mit Abraam besteht aus drei bestimmenden Aspekten: Lan d, Samen und Sege n. Jeder der noch folgenden Bundesschlüsse Gottes ist eine Auswirkung des Abrahamitischen Bundes. Der Bund des verheißenen Landes ( 5Mo 28-30 ) erweitert den Aspekt des Landes vom Abrahamitischen Bund. Der Davidsbund ( 2Sam 7,8-17 ) erweitert den Aspekt des Samens, und der Neue Bund ( Jer 31,27-37; Hes 36,22-32 ) erweitert den Aspekt des Segen s. Der Abrahamitische Bund ist daher die Quelle, aus dem die anderen herausfließen und somit bestimmend für die ganze Entfaltung von Gottes Plan, sowohl in Bezug auf Israel als auch auf die Nationen. Außerdem ist er der Schlüssel zur biblischen Eschatologie. Der Abrahamitische Bund ist in der Tat der Eckpfeiler des Prämillenialismus. Die Frage ist, ob der Bund wörtlich verstanden werden muss.

Eine wörtliche Deutung setzt das ewige Fortbestehen Israels als Volk voraus und dessen Wiederherstellung im verheißenen Land zu Segen und ewigem Besitztum.


ABRAHAMITISCHER BUND

Der Hintergrund des Bundes

Zur Zeit Abrams hatte sich die Gottlosigkeit erneut über die Erde ausgebreitet. Tarah, Abrams Vater, war ein Götzenanbeter ( Jos 24,2 ), und Abraham selbst vermutlich auch. Göttliches Eingreifen war erneut erforderlich. Statt wie dereinst die Gottlosen zu vernichten, erwählt Gott Abram aus einem götzendienerischen Land heraus, um ein neues Volk zu gründen, durch das er der ganzen Welt Segen bringen würde. Um ausschließlich mit Abram zu handeln, musste Gott ihn von seiner Familie und seiner Umgebung absondern. Deshalb erteilte er Abram einen dreifachen Befehl. Abram sollte (1) sein Land, (2) sein Vaterhaus und (3) seine Verwandschaft verlassen ( 1Mo 12,1 ). Abram gehorchte dem ersten dieser drei Befehle und verließ sein Land, Ur in Chaldäa. Er ging so schnell wie möglich nach Haran und ließ sich dort nieder. Er blieb dort, bis sein Vater starb. Warum er seinen Vater dorthin brachte und warum er in Haran blieb, ist nicht sicher. Aber es ist bedeutsam, dass Gott Abram so lange nicht erschien, bis er den zweiten Teil von Gottes Anweisungen befolgt hatte, nämlich das Haus seines Vater zu verlassen (hier sollte erwähnt werden, dass 1Mo 12,1-3 eingebettet ist in den Bericht). Und als Abram sich auch von Lot, seinem Neffen, trennte und damit den dritten Teil der Anweisungen Gottes erfüllte, erschien ihm Gott ein drittes Mal ( 1Mo 13,14 ) und wiederholte die Verheißungen, die er ihm in Kapitel 12,1-3 gegeben hatte.

Diese neuen Verheißungen sollten durch ein völlig neues Volk erfüllt werden. Gott adoptierte weder eine Familie noch handelte er mit einem bereits existierenden Volksstamm. Gott veränderte das Leben eines einzigen Mannes, Abram, radikal, indem er ihm erschien ( Apg 7,2 ) und ihn zum »Vater« eines neuen Volkes berief, eines auserwählten Volkes, dem Volk Gottes. Gott offenbarte sich also selbst dem Abram, und der glaubte daran, dass Gott seine Verheißung auch erfüllen und treu zu seinem Wort stehen würde.

Abrams Weg der physischen Absonderung, weg vom Allgemeinen (dein Land) hin zum Besonderen (deines Vaters Haus) ist im geographischen Sinn historisch, außerdem mag er den theologischen Anhaltspunkt einer geistlichen Absonderung beinhalten, ausgehend von der Peripherie und endend im innersten Zentrum.

Gott berief Abram, um ihn (physisch) abzusondern von allem, was er kannte (Land, Verwandschaft, Vaterhaus) und um ihn (im geistlichen Sinne) abzusondern von allem früheren Götzendienst. Er beanspruchte ihn für sich allein.


ABRAHAMITISCHER BUND

Die Einführung und die Verheißung des Bundes

In 1Mo 12,1-3 wird der Bund eingeführt und die Verheißungen werden in Kraft gesetzt. Diese Verse sind ein Einschub zwischen Kapitel 11,32 und 12,4 . Sie erklären, warum Abram die Reise von Ur ( 11,31 ) nach Kanaan macht. Gott war ihm in Ur erschienen ( Apg 7,2 , s.o.) und gab ihm die in 1Mo 12,1-3 festgehaltenen Verheißungen, Verheißungen, die den Ereignissen in Kapitel 11,31 vorausgingen. Drei wichtige Aspekte dieser Verheißung, die sorgfältig unterschieden werden sollten, sind der Inhalt, die Empfänger und die Segnungen der Verheißung. Der Inhalt der Verheißung ist dreifach: Es wurden Verhei ßungen gegeben, die das Land betrafen, den Samen und den Segen (an dieser Stelle nicht genauer bestimmt). Zu diesem Zeitpunkt war der Empfänger der Verheißung Abram allein (zu diesem Zeitpunkt), obwohl ihm gesagt wurde, dass die Nutznießer Abram selbst, sein Same (Nachkommen) und alle Familien der Erde waren ( 1Mo 12,1-3; 13,15; 15,18; 17,7-8 ). Später wurde die Verheißung auf Issak ( 17,19; 26,24-25 ), Jakob ( 28,13-15 ) und die Söhne Jakobs ( 28,14; 35,12 ; 5Mo 4,40; 29,1-9 ) als Empfänger des Bundessegens ausgeweitet, durch die sich die Verheißungen erfüllen würden.

So besteht die Verheißung des Bundes aus persönlichen Segnungen für Abram, nationalen Segnungen für Abrams Nachkommen und universellen Segnungen für alle Völker. Diese Verheißung ist sozusagen das Saatbeet von Gottes gesamten Plan für Israel und die Völker der Welt. In Hinsicht auf den persönlichen Segen wird Abram verheißen, dass er der Vater einen großen Nation werden soll ( 1Mo 12,2 ); weitere Völker werden von ihm abstammen, sogar Könige ( 1Mo 17,6 ); sein Name wird groß werden und er selbst wird ein Segen sein; er wird geistlichen und materiellen Segen empfangen; und er wird das Land zum ewigen Besitz erhalten ( 1Mo 12,1; 13,15; 17,8 ). Abrams Nachkommen ist Segen und der ewige Besitz des Landes verheißen ( 12,7; 13,15; 15,8; 17,8 ). Außerdem wird Abram das generelle Versprechen gemacht, dass die Nationen durch ihn gesegnet werden sollen. Obwohl dieser Segen hier nicht genauer beschrieben wird, sollte später im weiteren Verlauf der Offenbarung das Wesen dieser Segnungen klar werden.

Wenn wir die Spur des Auswirkens und der Erfüllung des Abrahamitischen Bundes verfolgen, ist es unbedingt notwendig, sorgfältig zwischen den verschiedenen Aspekten der Verheißung zu unterscheiden. Wenn die einem bestimmten Empfänger zugeschriebenen Segnungen auf andere angewandt werden, kann das Ergebnis nur Verwirrung sein. Der landbezogene Aspekt der Verheißung ist auf Abraham und seine natürlichen Nachkommen beschränkt, genauer gesagt auf Isaak und Jakob. Da Abraham unter dem Begriff Samen nur seine leiblichen Nachkommen verstehen konnte, und da die Verheißung des Landes später zunächst auf Isaak begrenzt wurde (Ismael wurde damit enterbt; 1Mo 17,15-21 ) und dann auf Jakob (womit Esau enterbt wurde; 1Mo 25,23; 27,29.33; 28,13-15 ), gilt sie nur dem Volk Israel, beginnend mit Abram. Diese Unterscheidung muss konsequent durchgeführt werden. Wenn man sagt, die Verheißung an Abram habe sich in der Gemeinde erfüllt, ignoriert man die Tatsache, dass das Land niemals der Gemeinde oder den Nationen verheißen wurde, sondern allein Israel. Man kann auch nicht sagen, dass die Gemeinde als Abrams geistliche Nachkommenschaft die Erfüllung der Verheißung an Abram ist. Seit wann war die Gemeinde im fortdauernden Besitz des Landes und seiner Umgebung? Wir können »Land« nicht vergeistlichen und mit dem Himmel oder irgendeiner anderen christlichen Erfahrung gleichsetzen. Als Abram auf kanaanitischem Boden stand ( 1Mo 13,14-18 ), befahl Gott ihm, seine Augen aufzuheben und in alle vier Himmelsrichtungen zu blicken, von dort aus, wo er gerade stand. Alles Land, das Abraham sah, versprach Gott ihm und seinen Nachkommen für immer. Die Grenzen dieses Landes sind in 1Mo 15,18-21 umrissen. Abram und seinen Nachkommen wurde buchstäblich ein geographisches, irdisch reales Land zum ewigen Besitztum versprochen. Nur durch Israel kann diese Verheißung erfüllt werden, und nur dann, wenn Israel im immerwährenden Besitz dieses Landes ist, dessen Grenzen in 1Mo 15,18-21 beschrieben werden.

Manche benutzen Gal 3 und sagen, dass die Gemeinde als das neue Israel die Verheißung erfüllt, die Abram gegeben wurde. Wenn Christus der Same Abrahams ist ( Gal 3,16 ), dann sind diejenigen, die in Christus sind, ebenso Abrahams Same ( Gal 3,29 ). Da die Gemeinde eindeutig der Same Abrahams ist, muss man die Verheißungen des Abrahamitischen Bundes irgendwie als in der Gemeinde erfüllt betrachten. Also müssen die landbezogenen Verheißungen vergeistlicht oder wegen Israels Ungehorsam als außer Kraft gesetzt betrachtet werden. Es trifft zu, dass Galater 3 lehrt, dass die Gläubigen in Christus (d.h. die Gemeinde) der Same Abrahams sind.

Es trifft ebenso zu, dass dieselben auch Erben des Abrahamitischen Bundes sind. Aber Paulus' zentraler Gedanke in Galater 3 ist, dass die Heiden, die in Christus sind, nur den universalen Segensaspekt des Abrahamitischen Bundes erbten und zwar als Heide n. Sie brauchten nicht erst Juden werden und sich dem Gesetz unterwerfen. Das bedeutet nicht, dass sie unter all die Verheißungen gekommen sind, die dem Abraham persönlich bzw. seinen Nachkommen in physischem oder nationalen Sinn gegeben wurden. Die Schrift unterscheidet drei Arten von Nachkommen Abrahams: (1) die leiblichen Nachkommen Abrahams, die aber seinen Glauben nicht hatten und auch nicht Erben der Verheißungen des Bundes wurden; (2) die leiblichen Nachkommen Abrahams, die auch Abrahams Glauben hatten und sämtliche Bundesverheißung erbten, das Land inbegriffen; und (3) die geistliche Nachkommenschaft Abrahams, in deren Adern zwar nicht Abrahams Blut fließt, die aber seinen Glauben haben und die den universellen Aspekt des Abrahamitischen Bundessegens erben. Es ist diese dritte Art, auf die sich Paulus im Galaterbrief bezieht. (Es gibt natürlich noch eine vierte Art: Christus, der endgültige Nachkomme Abrahams.)


ABRAHAMITISCHER BUND

Der Charakter des Bundes

Die Gemeinde kann nur dann das neue Israel und Erbe der Verheißungen sein, die Israel im Abrahamitischen Bund gegeben wurden, wenn entweder (1) der Abrahamitische Bund an Bedingungen geknüpft ist oder (2) die Verheißungen des Bundes vergeistlicht werden. Keine andere Alternative wäre annehmbar. Eine konsequente wörtliche Auslegung des Abrahamitischen Bundes führt notwendigerweise zum heilszeitlich orientierten Prämillennialismus und zur unvermeidlichen Schlussfolgerung, dass Israel und die Gemeinde, obwohl beide Nutznießer des Abrahamitischen Bundes, unterschiedliche Einheiten sind, denen jeweils unterschiedliche Verheißungen gegeben wurden. Nur durch Vergeistlichung der landbezogenen Verheißungen im Abrahamitischen Bund kann man deren Erfüllung in der Gemeinde finden.

Andere, die eine nicht wörtliche Auslegung zu Recht verwerfen, argumentieren, dass der Abrahamitische Bund in seinem Wesen bedingt ist und dass Israels Ungehorsam die Verheißungen ungültig gemacht habe, so dass Gott nicht mehr daran gebunden sei, seine Verheißungen an Israel in Bezug auf das Land und die damit verbundenen materiellen Segnungen zu erfüllen. Aber der Abrahamitische Bund ist eindeutig kein an Bedingungen geknüpfter Bund. Er muss aus folgenden Gründen als bedingungslos angesehen werden:

1. Der Bund datiert die Verheißung nach. Das heißt, jegliche Bedingungen, die dem Bund hinzugefügt würden und ihn damit zu einem beiderseitigen Bund machten (und solche gab es nicht), wären ungültig, weil die Verheißung gegeben wurde, bevor der Bund bestätigt wurde.

2. Der Bund ist einseitig, indem Gott allein durch die Verpflichtungen des Bundes gebunden ist. Keine Art von Verpflichtung wurde Abram im Zusammenhang mit der Bestätigung des Bundes auferlegt ( 1Mo 15,9-21 ). Tatsächlich war Abram ausgeschlossen vom Durchschreiten der Opfertierstücke zur formalen Bestätigung des Bundes. Gott allein ging zwischen den zerteilten Tieren hindurch ( 1Mo 15,7 ) und band sich ewig und unwiderruflich an sein Versprechen an Abram. Gott bestätigte deshalb seinen Schwur an Abraham durch ein Blutbund. Das bedeutet, Gott allein konnte den Bund brechen, weil Gott allein an den Bund gebunden ist. So hängt der Bestand und die Fortdauer dieses Bundes nicht von Zusagen beider Seiten ab (Gott und Abram), sondern von Gott allein.

3. Es wird ausdrücklich gesagt, dass er ewig und deshalb bedingungslos ist ( 1Mo 13,15; 17,7.13.19; 48,4; 1Chr 16,17; Ps 105,10 ).

4. Er wird erneuert und bestätigt gegenüber Abraham, Isaak, Jakob und dem Volk Israel nach wiederholtem Ungehorsam auf Seiten eines jeden von ihnen.

5. Der Landbund und der Bund Davids gründen sich auf den Abrahamitischen Bund. Wenn der Abrahamitische Bund, der das Eigentumsrecht des Landes verbrieft, annulliert wird, dann wären diese beiden Bundesschlüsse überflüssig.

6. Die ganze Geschichte Israels in beiden Testamenten (und darüber hinaus) bestätigen den bedingungslosen Charakter des Bundes. Die wörtliche, geschichtliche Erfüllung der Auswirkung dieses Bundes erfordert teilweise die wörtliche Erfüllung von noch ausstehenden Ereignissen.

Trotzdem gibt es ein konditionales Element bei diesem Bund. Vom göttlichen Standpunkt aus ist dieser Bund bedingungslos in der Hinsicht, dass Gott seine Verheißungen erfüllen wird . Ungehorsam hebt den Bund nicht auf. Er bestimmt jedoch, ob ein Einzelner oder eine Personengruppe für die Segnungen des Bundes qualifiziert sind. Jedes Mitglied der Bundesgemeinschaft konnte seinen Anteil an den Segnungen des Bundes verwirken, jedoch nicht solche Segnungen, die seine Nachkommen oder Erben für die Ewigkeit betrafen. Die Bedingtheit hängt nicht am göttlichen Versprechen, sondern an den beteiligten Menschen, denen diese Versprechen zugute kommen sollten. Dies wird offensichtlich in der Erzählung über die frühen Erfahrungen der ersten beiden »Generationen« Israels.

Weil die erste Generation Israels (aus Ägypten befreit) Gott bei Kadesh-Barnea keinen Glauben schenkte, verweigerte ihr der Herr, das Land zu betreten. Er ließ sie vierzig Jahre lang in der Wüste umherwandern, bis diese Generation gestorben war ( 4Mo 14,20 ). Dann führte er ihre Söhne in das Land. Auch die Söhne wurden vor den Konsequenzen des Ungehorsams gewarnt. Sie standen ebenso in Gefahr, ihre Segnungen in dem Land zu verwirken, wenn sie nicht gehorchten. Fortgesetzter Ungehorsam sollte zum Ergebnis haben, aus dem Land selbst ins Exil und in Gefangenschaft in fremde Länder zu geraten ( 3Mo 26; 5Mo 28-30 ). Der Bund beinhaltete jedoch das Versprechen, dass sie in das Land zurückgebracht würden, falls sie Buße täten ( 5Mo 30,1-10 ). Mit anderen Worten, Gott wird Israel im verheißenen Land für immer einen Platz zuweisen. Er braucht nur ein gläubiges und gehorsames Volk, um dieses Versprechen zu erfüllen. Wie wird er es erreichen, dass eine Generation ihm für immer gehorsam und außerdem geeignet ist, das Land für ewig zu besitzen? Israel wird eines Tages Buße tun, dann wird ihm vergeben werden, es wird gereinigt und erneuert werden ( 5Mo 30,6; Sach 12,10-14; Jer 31,31-34; Hes 36,22-32 ).


ABRAHAMITISCHER BUND

Die Bestätigung des Bundes ( 1Mo 15 )

Sofort nach der Befreiung seines Neffen Lot aus der Gewalt Kedorlaomers und der mit ihm verbündeten Könige lehnte Abram es ab, die Siegesbeute, die ihm durch den König von Sodom angeboten wurde, anzunehmen. Obwohl er dies aus der richtigen Motivation heraus tat ( 1Mo 14,22-23 ), begann Abram sich offenbar zu fragen, ob seine Entscheidung weise gewesen war ( 15,1-3 ). Gott reagierte auf Abrams wankenden Glauben und wiederholte seine dreifache Verheißung für Abram bezüglich des Landes, seiner Nachkommenschaft und des Segens. Gott kehrte nun die Reihenfolge um und versicherte Abram, dass in Bezug auf den Segen seine Belohnung sehr groß sein würde ( 15,1 ); im Blick auf die Nachkommenschaft würde er der Vater unzähliger Nachkommen sein, die aus seinem Leib hervorgehen sollen ( 15,4-5 ); und auch das Land würde Abram besitzen ( 15,7 ).

Als Abram um Bestätigung bat, ob das Land tatsächlich ihm gehöre ( 15,8 ), bekräftigte Gott sein Versprechen durch einen Blutbund ( 15,8-21 ). Da eigentlich nur ein einziges Tier für einen Blutbund benötigt wurde, betont die Vielzahl von Tieren hier die große Bedeutung dieses Bundes. Normalerweise war es üblich, dass bei einem Blutbund beide Partner zwischen den Opferstücken hindurch schritten und sich gegenseitig einem unveränderlich Bund verpflichteten. Hier jedoch wurde Abram in einen tiefen Schlaf versetzt ( 15,12 ) und Gott allein schritt durch die Opferstücke hindurch ( 15,17 ). So wurde Abram Empfänger und Nutznießer dieses göttlichen Bundes, aber nicht teilnehmender Partner. Daher hängt das Bestehen und Fortdauern dieses Bundes nicht von Abram ab. Da nicht Abram diesen Bund schloss, kann er den Bund auch nicht brechen. Gott allein nahm den Schwur und die Ratifizierung auf sich und band sich an eine unveränderliches Verheißung und die Unumkehrbarkeit des Laufs der Dinge. Dies ist also ein einseitiger Bund und daher in Bezug auf seine Erfüllung nicht an Bedingungen geknüpft. Abraham und sein Same (leibliche Nachkommen durch Isaak und Jakob), Israel, werden das Land für immer besitzen.

In Verbindung mit der Bestätigung dieses Bundes ist es wichtig zu wissen, dass (1) die geographischen Grenzen fest umrissen wurden ( 15,18-21 ) und (2) das Schicksal des Samens Abrahams im Blick auf ihre Versklavung in Ägyten und ihre Befreiung vierhundert Jahre später nicht nur vorausgesagt wurde, sondern sich wörtlich erfüllte. Die wörtliche Erfüllung der Versklavung und Befreiung Israels sowie ihr Eintritt in das verheißene Land ist ein Argument für die gleiche wörtliche Erfüllung der Verheißung ihres ewigen Besitztums dieses Landes.


ABRAHAMITISCHER BUND

Das Zeichen des Bundes ( 1Mo 17,1-27 )

Unmittelbar nachdem Abram im Glauben versagt hatte ( 1Mo 16 ), wiederholte Gott die Bundesverheißungen an Abram ( 17,1-8 ). Er stellte sich selbst als »Gott, der Allmächtige« vor und betonte damit seine Fähigkeit, gegebene Versprechen zu erfüllen ( 17,1 ). Abrams Name (»mein Vater ist erhaben«) wurde geändert in Abraham (»Vater einer Menge«). Die Beschneidung wurde als Zeichen Abrahamitischen Bundes eingeführt ( 17,9-14 ). Sie bedeutete nicht die Einführung eines neuen gesonderten Bundes, sondern sie war ein Zeichen für den bereits bestehenden Abrahamitischen Bund. Gehorsam auf Seiten des Bundesvolkes zeigte die Realität ihres Glaubens und erwies es als geeignet für den Segen im Sinne der Zusagen des Bundes. Wenn ein Vater seinen Sohn beschnitt, so tat er dies im Glauben an die Bundesverheißungen und aus dem Wunsch heraus, dass sein Sohn für diesen Bund geeignet sein sollte.

Die Beschneidung weist also ein Volk als würdig zum Segen aus. Sie allein garantiert jedoch nicht den Segen. Glaube war notwendig. Doch das Fehlen der Beschneidung schloss von der Bundesgemeinschaft aus ( 17,14 ). Ismaels Beschneidung war notwendig, nicht um Erbe des Bundes zu sein und diesen fortzusetzen, sondern einfach, weil er Mitglied der Bundesgemeinschaft war. Auch die ausländischen Sklaven mussten beschnitten werden ( 17,13 ). Die Beschneidung gewährleistete jedoch nicht Ismaels fortdauernde Eignung für den Bund. Obwohl er beschnitten war, wurde er aufgrund seines Unglaubens und seiner Feindschaft gegen das Bundesvolk verbannt.


ABRAHAMITISCHER BUND

Die historische Erfüllung des Bundes

Viele der Abraham gegebenen Verheißungen haben sich in der Geschichte erfüllt, und zwar wörtlich. Abraham wurde mit materiellem und weltlichen Dingen reichlich gesegnet. Er besaß Land, Sklaven, Viehherden, Silber und Gold. In geistlicher Hinsicht verbrachte er ein glückliches Leben sowohl in der Trennung von Gott, als auch in Gemeinschaft mit Gott (er wurde als Freund Gottes bezeichnet), er erlebte Gottes Hilfe und hatte Frieden und Sicherheit durch ein Leben im Gehorsam und in der Abhängigkeit von Gott. Abraham hatte auch (schon zu Lebzeiten) einen großen Namen, der sogar heute noch in den drei größten Religionen der Welt (Judentum, Islam und Christentum) sehr angesehen ist. Er besaß einen Erben durch Sara; er hatte unzählige Nachkommen, er war (und ist noch) ein Strom des Segens für andere (z. B. für seine eigene Familie und Sippengemeinschaft, für seine Nachkommen und für die ganze Welt). Mehr als das: Die Geschichte hat Segnungen und Flüche des Abrahamitischen Bundes hervorgebracht. Völker, die Israel verfolgt und verflucht haben, sind von Gott verflucht worden. Solche, die Israel gesegnet haben, hat Gott gesegnet.


ABRAHAMITISCHER BUND

Die eschatologische Dimension des Bundes

Der mit Israel geschlossene, wörtlich verstandene Abrahamitische Bund war nicht an Bedingungen geknüpft und enthält nicht notwendigerweise eine besondere eschatologische Dimension. Die Nation Israel als leiblicher Same Abrahams muss bestehen bleiben. Wenn Israel das Land für immer besitzen soll, dann muss es auch ewig existieren. Dies ist nicht nur im Abrahamitischen Bund enthalten, sondern wird auch sonst in der Schrift bekräftigt ( Ps 89,29-37; Jer 31,35-37; 33,19-26; 46,28; Am 9, 8-15 ). Trotz Israels Ungehorsam wird es als Volk bewahrt werden. Israel wird in dem verheißenen Land wiederhergestellt werden, aber für seinen Ungehorsam strenge Zucht erleiden. Durch diese wird es jedoch zur Buße gebracht. Israel wird eine nationale Umkehr und eine geistliche Erneuerung erleben, die es zum ewigen Besitztum des Landes und damit verbundenen materiellen und geistlichen Segen ausrüsten wird. Israel wird zum Segensstrom für alle Völker der Erde werden. Der Abrahamitische Bund garantiert Israel den immerwährenden Besitz des Landes und die Segnungen in diesem Land, wie es geographisch in 1Mo 15 umrissen ist. Abraham, Isaak, Jakob und seine Söhne, die am Glauben ihrer Väter und an ihrer Eignung für den Bund Anteil hatten, werden auferweckt werden und ihren Platz in dem verheißenen Land zugewiesen bekommen, um es für ewig zu besitzen ( Mt 22,23-32; Apg 26,6-8; Hebr 11,13 ).

Im Abrahamitischen Bund inbegriffen ist ebenso der universelle Segen, durch den alle Geschlechter der Erde gesegnet werden sollen ( 1Mo 12,3 ). Dieser Segen reicht bis in das Zeitalter der Gemeinde und bis ins Tausendjährige Reich hinein. Durch sein Blutvergießen am Kreuz besiegelte Christus den Neuen Bund ( Mt 26,26-29; Mk 14,24; Lk 22,17-20 ), der besonders Israel verheißen war ( Jer 31,31 ). Der Neue Bund verstärkt den universellen Aspekt der Segnungen des Abrahamitischen Bundes. Und während Israel durch seinen Unglauben derzeit diese Segnungen verwirkt hat, ist die Gemeinde durch ihre Verbindung mit dem Mittler des Neuen Bundes Erbe der geistlichen Segnungen dieses Bundes (Vergebung der Sünde, geistliche Erneuerung, Innewohnung des Heiligen Geistes usw.; siehe Jer 31,33-34; Hes 36,25-27 ) geworden. Wenn Israel umkehrt und Christus annimmt, wird die Nation all diese geistlichen Segnungen und die Wiederherstellung in dem Land der Verheißung samt den damit verbundenen materiellen Segnungen erben ( Hes 36,22-38 ).

Siehe auch: Bundesschlüsse.

Steven L. McAvoy

Willis J. Beecher, The Prophets and the Promise (Grand Rapids: Baker, 1975); Paul N. Benware, Understanding End Times Prophecy: A Comprehensive Approach (Chicago: Moody Press, 1995); Clarence E. Mason Jr., Prophetic Problems With Alternate Solutions (Chicago: Moody Press, 1973); J. Dwight Pentecost, Bibel und Zukunft (Dillenburg: CV, 1993) and Thy Kingdom Come (Wheaton: Victor Books, 1990); Charles C. Ryrie, The Basis of the Premillennial Faith (Neptune, N.J.: Loizeaux Brothers, 1953); Bruce K. Waltke, »The Phenomenon of Conditionality within Unconditional Covenants« in Israel's Apostasy and Restoration , hrsg. von Abraham Gileadi (Grand Rapids: Baker, 1988); John F. Walvoord, »The Abrahamic Covenant and Premillennialism« in Vital Prophetic Issues , hrsg. von Roy B. Zuck (Grand Rapids: Kregel, 1995), und The Millennial Kingdom (Grand Rapids: Zondervan, 1959).


ALBURY-KONFERENZEN

Die Albury-Konferenzen (1826-30) waren ein jährliches Zusammentreffen englischer Geistlicher und Anwälte zum Studium biblischer Prophetie auf dem Landgut von Henry Drummond (Albury House) in Albury, England. Die Albury Konferenz darf nicht - wie es manchmal geschieht - mit der späteren Powerscourt-Konferenz (1830-33) durcheinander gebracht werden.

Zu den Albury-Konferenzen versammelte man sich »zu dem Zweck, die Schrift zu untersuchen - und insbesondere die prophetischen Schriften - mit Blick auf die Interpretation der politischen und sozialen Ereignisse des Tages und auch auf die Bestimmung des Umfangs, in dem biblische Prophezeiungen sich bereits im Leben Christi und in der Geschichte des Christentums erfüllt hatten, um es so zu ermöglichen, die Prophetien auszumachen, deren Erfüllung noch in der Zukunft zu erwarten war.« Möglicherweise wurde dieses Inte resse geweckt durch die Betroffenheit über die Ideen der radikalen Demokratie, die von der Französichen Revolution verfochten wurden. Viele Evangelikale sahen diesen Zusammenbruch der europäischen Gesellschaft als den Auftakt zur prämillenialistischen Wiederkehr Christi an und nicht als Beitrag dazu, ein postmillenialistisches Königreich voranzutreiben, wie es von Daniel Whitby populär gemacht wurde. Der Postmillenialismus war während des 18. Jahrhunderts in Europa vorherrschend, aber nach 1800 im Niedergang begriffen.

Die vierzig Teilnehmer von Albury beinhalteten Anglikaner, Independenten, Presbyterianer, Methodisten und Moravianer. Die Mehrzahl von ihnen waren Anglikaner und zwei Drittel waren geistliche Amtsträger. Die Konferenz wurde dominiert von Drummond, der den Vorsitz führte, und von Edward Irving. Es ist nicht überraschend, dass Albury als ein Sprungbrett zur Konsolidierung der Catholic Apostolic Church (Irvingianer) diente.

Die Konferenz brachte folgende Erklärungen hervor, von denen man glaubt, dass sie die Zustimmung aller Teilnehmer fanden.

1. Die gegenwärtige christliche Heilszeit könne nicht durch einen graduellen Zuwachs der Verkündigung des Evangeliums nahtlos in den Zustand des Tausendjährigen Reiches übergehen, sondern müsse durch ein Gericht beendet werden, welches die Zerstörung der sichtbaren Kirche und Verfassung beinhaltet, so wie auch die jüdische Heilszeit beendet worden war.

2. Während der Zeit, in der diese Gerichte über das Christentum hereinbrechen wird, würden die Juden in ihrem eigenen Land wiederhergestellt werden.

3. Das Gericht werde vornehmlich, wenn nicht ausschließlich, über das Christentum hereinbrechen und bei dem Teil der Kirche Gottes beginnen, der am meisten bevorzugt wurde und deshalb die höchste Verantwortung trägt.

4. Der Beendigung dieses Gerichtes werde ein Zeitabschnitt universalen Segens für die ganze Menschheit und sogar für die Tierwelt folgen, der gewöhnlich als Tausendjähriges Reich (Millenium) bezeichnet wird.

5. Das zweite Kommen des Messias werde dem vorangehen oder zu Beginn des Tausendjährigen Reiches stattfinden.

6. Eine lange Periode von 1.260 Jahren habe mit der Herrschaft des Justinian begonnen und mit der Französischen Revolution geendet. Danach habe das Ausgießen der Zornesschalen der Offenbarung begonnen.

7. Unser gesegneter Herr werde in Kürze erscheinen und aus diesem Grunde sei es die Pflicht aller, die daran glauben, diese Erkenntnisse an die übrige Menschheit weiterzugeben.

Während Albury eine klare Segnung für die Ansicht des Prämillenialismus war, reflektierte es doch nich die ältere historische, nicht futuristische, prophetische Sichtweise, wie man an Punkt 6 der Erklärung erkennen kann. Albury hat mehr mit dem adventistischen Prämillenialismus gemeinsam als mit dem sich bald konsolidierenden heilszeitlich orientierten Prämillenialismus. Albury ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Prämillenialismus.

Thomas Ice

Henry Drummond, Dialogues on Prophecy , 3 Bd. (Lonon: Nisbet, 1828-29); Columba Graham Flegg, Gathered Under Apostles: A Study of the Catholic Apostolic Church (Oxford: Clarenden Press, 1992); Le Roy E. Froom, The Prophetic Faith of our Fathers , Bd. 3 und 4 (Washington, D.C.: Review an Herald, 1948-54).


AMILLENNIALISMUS

Aus amillenialistischer Sicht erfüllen sich die Reichsverheißungen aus dem Alten Testament durch die neutestamentliche Gemeinde viel mehr in geistlicher Weise als in wörtlicher. Solche, die diese Sicht teilen, glauben, dass Christus buchstäblich wiederkommt, aber sie glauben nicht an seine tausendjährige Regentschaft auf der Erde. Gemäß der amillennialistischen Sichtweise ist das Reich Gottes im Zeitalter der Gemeinde gegenwärtig, und das zweite Kommen Christi am Ende dieses Zeitalters führt den ewigen Zustand herbei. Das Buch der Offenbarung wird verstanden als eine Beschreibung von Ereignissen, die während des Zeitalters der Gemeinde stattfinden.

Diese Art der allegorischen Auslegung kann man in der Zeit Platons beobachten, als der offensichtliche Hedonismus der Götter symbolisch gedeutet wurde, um sie akzeptabel zu machen. Unfähig, ihre Sichtweisen mit der wörtlichen Auslegung der Schrift in Einklang zu bringen, begannen die frühen jüdischen Kommentatoren zu allegorisieren. Die Rabbis von Alexandria in Ägypten begannen allegorisch zu lehren, um der heidnischen Kritik des Alten Testament Rechnung zu tragen.

Philip Schaff hilft uns bei der Bestimmung, was kulturell und historisch geschah und was das verbreitete wörtliche Verständnis des Tausendjährigen Reiches in der Offenbarung zunichte machte und den Weg für eine amillenialistische Sichtweise in der frühen Kirche öffnete. Schaff schreibt: »In Alexandrien widerstand Origines dem Chiliasmus als einem jüdischen Traum und vergeistigte die symbolische Sprache der Propheten. ... Aber der überwältigende Einfluss kam durch den großen Wechsel in der sozialen Lage und die Aussichten während der nicäischen Zeitepoche. Nachdem das Christentum entgegen allen Erwartungen im Römischen Reich triumphierte und sogar von den Kai sern selbst angenommen wurde, begann man, das Tausendjährige Reich, anstatt es leidenschaftlich zu erwarten und dafür zu beten, entweder vom ersten Erscheinen Christi an oder von der Bekehrung Konstantins und dem Niedergang des Heidentums an zu datieren und betrachtete es als in der Herrlichkeit der herrschenden imperialen Staatskirche verwirklicht.«

Vor allem durch Origines wurde die Allegorisierung zur Schlüsselmethode für die Auslegung der Bibel. Ihm war klar, dass das Wort Gottes inspiriert war, aber teilweise schien es ihm für die Situation des Menschen irrelevant zu sein, eines Gottes unwürdig oder einfach zu banal. Wenn daher an der Oberfläche keine geistliche Bedeutung offensichtlich war, musste daraus geschlossen werden, dass diese oberflächliche Bedeutung symbolisch zu verstehen war. Origines legte die Eroberung Kanaans neu fest als die Eroberung der menschlichen Seele durch Christus und bezog die Anrufung des Namens Gottes und das Kommen des Reiches Gottes im Vaterunser auf die allmähliche Heiligung des Gläubigen.

Origines' Auslegungsmethode ebnete den Weg für ein solches Missverständnis des Tausendjährigen Reiches. Trigg gibt uns in seiner Untersuchung des Matthäuskommentars von Origines ein Beispiel dafür, wie diese Art der Auslegung die Person des Origines und nicht den Text der Schrift zur Autorität werden lässt. In seinem Kommentar zu Matthäus tendiert Origines dazu, die apokalyptischen eschatologischen Darstellungen des Evangeliums zu psychologisieren. Wenn also das Evangelium ankündigt, dass Christus »auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit« ( Mt 24,30 ) kommen wird, so beziehe sich das auf seine Erscheinung für die Vollkommenen (oder Reifen) im Bibelstudium. Und auch die beiden Kommen Christi - das erste in Niedrigkeit und das zweite in Herrlichkeit - symbolisieren angeblich das Kommen Christi in die Seelen der geistlich Armen, wenn sie die An fangsgründe der christlichen Lehre und sein Kommen in Vollkommenheit (die Reife) erfahren und sie ihn in der verborgenen Bedeutung der Bibel entdecken.

In seinen anderen Werken stellt Origines eine ähnliche Verwirrung zur Schau, indem er sagt, dass das Kommen Christi aus menschlicher Sicht ein Ausdruck sei, der nicht immer nur auf eine einzige Weise verstanden werden muss; er sei in dieser Hinsicht analog zum »Reich Gottes« zu verstehen. Es gebe viele Kommen Christi: in das Fleisch, zur Zerstörung Jerusalems, als im geistlichen Sinne gegenwärtig bei der Sendung des Heiligen Geistes, und er komme jetzt in jeder einzelnen Erweisung seiner erlösenden Kraft. Jede große Reform der Moral und Religion sei ein Kommen Christi. Eine mächtige Revolution, die gewaltsam das Böse beseitigt, um dem Guten Bahn zu brechen, sei ein Kommen Christi. Jerusalem sei ein Typus für die gute Sache und daher die Gemeinde Jesu. Das Buch der Offenbarung wird zur Entfaltung eines Traums, der von Gott kommt, und es ist aus Sicht des Origines ein Buch lebendiger Prinzipien und kein Handbuch ermüdender Einzelheiten.

In der Kirche in Alexandria, Nordafrika, entwickelte sich diese neue Schule der Auslegung entlang der Linien des Heidentums und des liberalen Judentums. Morris erläutert: »In der Alexandrinischen Kirche entwickelte sich ein vergeistigtes Verfahren, z.T. als Zugeständnis an das griechische Denken, an die Tatsache, dass Jahrhunderte vergangen waren, ohne dass sich das erwartete Reich Gottes eingestellt hätte, und in der Reaktion auf den exzessiven Chiliasmus der montanistischen Bewegung. Origines spielte eine bedeutende Rolle im Aufkommen einer allegorischen Methode der Auslegung. Die Geheimnisse der Offenbarung könnten nur jenseits des wortwörtlichen und historischen Schriftsinns in einer geistigen Bedeutung erschlossen werden. Die vergeistigende Methode wurde durch die Arbeit des Tyconius, der überhaupt nichts in Verbin dung mit dem historischen Hintergrund oder den Ereignissen des ersten Jahrhunderts auslegte, außerordentlich vorangetrieben. Augustinus folgte Tyconius in seiner Kapitulation vor einer durch und durch mystischen Auslegung. Für die nächsten 1000 Jahre war dann dieses allegorische Verfahren normativ für die Auslegung der Offenbarung.«

Eine allegorische Deutung bringt ein wahres Labyrinth an Auslegungen hervor, so dass es verständlicherweise auch große Verwirrung über den Zweck und Inhalt der Offenbarung gibt. S. Cox gibt uns eine Kostprobe des amillenialistischen Versuchs zu beweisen, dass die Offenbarung von Johannes niedergeschrieben wurde, da das Argument aus einer wörtlichen Interpretation innerhalb seines fehlerhaften Auslegungskonzeptes nicht akzeptiert werden kann.

Johannes war kein Prophet im antiken und gewöhnlichen Sinn; er sah nicht bloß kommende Ereignisse voraus und erforschte bzw. deutete nicht einfach die Schatten, die sie vorauswarfen. Infolgedessen sei die Apokalypse des Johannes keine Abfolge von Vorhersagen, die das politische Geschehen in der Welt über die Jahrhunderte hinweg prophezeien; sie sei vielmehr eine Reihe von Symbolen und Visionen, durch welche die universalen Grundsätze der göttlichen Regierung in Formen bekannt gemacht werden, die dem Herzen eines hebräischen Mystikers und Poeten lieb sind. Was für uns in diesem Buch am wertvollsten ist, sei daher nicht der Buchstabe, die Form; nicht die Schalen, die Siegel oder die Trompeten, über welche sich die Ausleger, die mehr den Seher als den Propheten spielten, über die Jahrhunderte hinweg gestritten und den Kopf zerbrochen haben. Viel interessanter seien für uns die großen, allgemeinen Prinzipien, die wir als westliche Betrachter oftmals nicht erkennen, weil sie sich hinter den mystischen Symbolen orientalischen Gedankenguts verbergen.

Solch eine Interpretation ist nicht ungewöhnlich; und als ein Ergebnis der Loslösung von einer wörtlichen Hermeneutik bei den prophetischen Abschnitten der Bibel wundert es nicht, dass die liberale und die amillenialistische Sichtweise daran festhält, dass der Apostel Johannes die Offenbarung schrieb, um das Martyrium erstrebenswert zu machen. Das ist die Art des allegorischen Denkens und allergorischer Theorie, die spekulative, aber erfolglose Versuche zum Ergebnis hatte, die Ereignisse der Offenbarung dem gegenwärtigen Zeitalter der Gemeinde anzupassen. Es repräsentiert die schwer wiegende Vernachlässigung eines folgerichtigen theologischen Systems und lässt die Tür offen für individuelle Spekulation in Bezug auf die Bedeutung und Anwendung jedweden Abschnittes der Heiligen Schrift. Der einzige Punkt, der den Amillennialismus vereint, ist die Leugnung einer irdischen tausendjährigen Herrschaft des Christus.

Der Amillenialismus zeigt deutlich, wie weit man gehen muss, stellt man den wörtlichen Schriftsinn in Abrede: zum Beispiel wird behauptet, dass eine der großen Lektionen der Apokalypse die herrliche Darstellung einer Welt sei, die nicht jenseits des Grabes liegt, sondern diese gegenwärtige Welt ist - wenn sie mit dem Auge des Glaubens betrachtet wird. Offensichtliche Visionen einer glückseligen Zukunft bekannt werden stattdessen als gegenwärtige Erfahrung der Gläubigen dargestellt.

Siehe auch: Hermeneutik, Antiochenische Schule ; Augustinus ; Origines .

Rick Bowman und Russell L. Penney

Lewis Sperry Chafer, Systematic Theology (Grand Rapids: Kregel, 1993); Mal Couch, Introductory Thoughts on Revelation (Ft. Worth, Tex.: Fyndale Seminary Press, 1995); Paul Enns, The Moody Handbook of Theology (Chicago: Moody Press, 1989); Robert H. Mounce, »The Book of Revelation« in: The New International Commentary on the New Testament (Grand Rapids: Eerdmans, 1977); J. Dwight Pentecost, Bibel und Zukunft (Dillenburg: CV, 1993); The Preacher's Complete Homiletic Commentary , Bd. 30 (Grand Rapids: Baker, o.J.); Philip Schaff, History of the Christian Church (Grand Rapids: Eerdmans, 1910); Joseph Wilson Trigg, Origen (Atlanta: John Knox Press, 1983); John F. Walvoord, The Millennial Kingdom (Grand Rapids: Zondervan, 1959).


AMOS
Eschatologie

Die Bedeutung des Namens Amos ist nach Archer wahrscheinlich »Lastenträger« (abgeleitet von dem Verb amas , »eine Last aufheben«, »tragen«). Amos war ein Schafhirte und Maulbeerfeigenzüchter aus Tekoa ( 1,1; 7,14 ), das ungefähr 9 km südwestlich von Bethlehem in den judäischen Bergen lag. Amos besaß nicht den Vorzug einer formellen Ausbildung oder Erziehung in den Prophetenschulen, aber auf den Ruf Gottes hin verließ er sein Zuhause und machte sich auf den Weg nach Bethel ( 7,13 ), Sitz eines der beiden Staatsheiligtümer des nördlichen Königreiches, um einer feindlichen Zuhörerschaft zu verkünden: »So spricht der Herrn ...«. Nahezu sämtliche konservativen Gelehrten stimmen darin überein, dass der Dienst Amos' zwischen 760 und 757 v. Chr. während der Spätzeit der Regierung Jerobeam II (793-753 v. Chr.) datiert werden kann. Amos' Prophezeiungen waren in erster Linie an das Nordreich Israel gerichtet, sie enthielten jedoch auch Warnungen an das Südreich Juda.

Amos lebte in einer Zeit beispielhaften materiellen Wohlstands. Die Herrschaft Jerobeams im Nordreich und Usijas im Südreich (790-739 v.Chr.) hatte beiden Königreichen Gewinne in Bezug auf Stabilität, Wohlstand und Gebietserweiterung gebracht. Wie schon oft in Zeiten des Segens Gottes breitete sich daraufhin Sünde aus. Beide Reiche wurden schuldig des sozialen und moralischen Versagens, und obwohl weiterhin eine Form religiöser Anbetung stattfand, wurde durch ihr Han deln deutlich, wie wenig ernst es ihnen damit war. Die Reichen wurden immer reicher, bauten verschwenderische Häuser ( 3,13; 5,11; 6,4.11 ) und beuteten die Armen aus ( 2,6-7; 5,7.10-13; 6,12; 8,4-6 ), von denen einige sogar als Sklaven verkauft wurden, damit ihre Schulden gegenüber den Reichen beglichen wurden ( 2,6; 8,6 ). Inmitten all dieser Gottlosigkeit ging das Volk weiterhin zu den Heiligtümern wie Gilgal und Bethel, um dort Gaben darzubringen ( 4,4-5; 5,5.21-23; 8,3.10 ) und zu opfern. Das Ergebnis war, dass die Menschen glaubten, Gott sei mit ihnen ( 5,14.18-20; 6,1-3; 9,10 ). Amos nahm Stellung zu dieser religiösen Heuchelei und stellte fest, dass Gottes Gericht genauso über Israel und Juda kommen würde wie über jedes andere Volk, das sich gegen Gottes Autorität aufgelehnt hatte ( 1,3-2,3 ). Aber mitten in Israels Zerstörung würde Gott aus dem Volk einen bußfertigen Überrest bewahren, der eines Tages wiederhergestellt werden würde.

Das Buch wird von Walvoord folgendermaßen gegliedert: Kapitel 1,1-2,5 : Prophezeiung des Gerichts über Israels Nachbarvölker; Kapitel 2,6-16 : Gericht über das Königreich Israel; Kapitel 3,1-6,14 : Gründe für Gottes Gericht über Israel; Kapitel 7,1-8,14 : Die Unausweichlichkeit von Israels zukünftigem Gericht; Kapitel 9, 1-10 : Israel ist zur Zerstörung bestimmt; und Kapitel 9,11-15 : die Wiederherstellung Israels.

Das Buch Amos beginnt mit der Prophezeiung des Gerichts über Israels Nachbarvölker. In Kapitel 1,3-5 spricht Gott durch den Propheten die Verurteilung von Damaskus aus. Weil sie Gilead mit eisernen Dreschschlitten gedroschen haben ( 1,3 ), wird Gott sie hart bestrafen ( 1,4-5 ). Dieses Gerichtsurteil wurde 732 v. Chr. ausgeführt, als die Assyrer unter Tiglath-Pileser III Damakus eroberten und seine Bewohner ins Exil nach Kir deportierten ( 2Kö 16,7-9 ). In Kapitel 1,6-8 verurteilt Gott Gaza, Aschdod, Aschkelon, Ekron und den gesamten Rest der Philister und kündigt an, dass sie umkommen werden. Dies erfüllte sich in der Zeit der Makkabäer (168-134 v. Chr.). Als Nächstes wird in Kapitel 1,9-10 gegen Tyrus geweissagt. Diese Prophezeiung erfüllte sich 332 v. Chr., als Alexander der Große die Stadt einnahm. 6000 Menschen wurden erschlagen, 2000 gekreuzigt und 30.000 als Sklaven verkauft. Edom wird verurteilt, weil es seinen Bruder mit dem Schwert verfolgt hat ( 1,11 ). Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurde Edom von den Assyrern annektiert und hatte sich bis zum 5. Jahrhundert in ein wüstes Ödland verwandelt ( Mal 1,3 ). Die Nabatäer übernahmen zwischen 300-400 v. Chr. die Herrschaft dieses Landes. In Kapitel 1,13-15 werden die Ammoniter verurteilt, weil sie die Schwangeren von Gilead aufgeschlitzt hatten ( 1,3 ). Das Gericht würde über Rabba kommen, die Hauptstadt der Ammoniter. Dies erfüllte sich 734 v. Chr. während des assyrischen Feldzugs unter Tiglath-Pileser III. Moab wird angeklagt, weil es die Gebeine des Königs von Edom zu Kalk verbrannt hatte. Amos kündigt als Strafe an, dass die Paläste von Kerijot von Feuer gefressen werden. Moab fiel ebenso dem Feldzug der Assyrer unter Tiglath-Pileser III zum Opfer. Doch auch Juda wird Gericht angekündigt, weil sie »das Gesetz des Herrn verworfen und seine Ordnungen nicht gehalten haben« ( 2,4 ). Dies Gericht wurde im Jahr 586 v. Chr. ausgeführt, als die Babylonier unter Nebukadnezar Jerusalem mitsamt dem Tempel zerstörten und nahezu die gesamte Bevölkerung nach Babylon verschleppten ( 2Kö 25,1-12 ). Beachten wir, dass sich jedes dieser angekündigten Gerichte in der weiteren Geschichte wörtlich erfüllt hat.

Im Rest des 2. Kapitels beschäftigt sich Amos mit der Anklage gegen das Königreich Israel. Die Israeliten waren in Sünden der Ungerechtigkeit und der Unterdrückung gegenüber den Armen verwickelt ( 2,6-8 ), genauso wie sie sich auch an der Tempelprostitution beteiligten ( 2,7 ). Obwohl der Herr in der Vergangenheit ihre Kraft und Stärke gewesen war ( 2,9-11 ), hatten sie ihm den Rücken zugekehrt und wollten nicht auf seine Propheten hören ( 2,12 ). Als Ergebnis würde er selbst ihre stärksten Männer erniedrigen ( 2,13-16 ).

Amos beschreibt dann die Gründe für Gottes Gericht über Israel ( 3,1-6,14 ). Kapitel 3 ist Amos' erste Botschaft an Israel. Weil Israel von Gott erwählt ist, wird er es für seine Missetaten bestrafen ( 3,1-2 ). Amos stellt eine Reihe von rhetorischen Fragen, um zu verdeutlichen, dass allein die Tatsache, dass die Propheten Gottes kommendes Gericht verkündet haben, beweist, das dies auch wirklich geschehen wird ( 3,3-8 ). Samaria hatte Gewalt und Zerstörung angehäuft, daher würde ein Feind ihre Stärke zunichte machen und ihre Paläste plündern. Die luxuriösen Villen der Reichen würden ebenfalls zugrunde gehen ( 3,15 ).

In Kapitel 4,1-13 richtet Amos seine zweite Botschaft an Israel. Er verurteilt die »Kühe von Basan«, ein Bild für die vornehmen Frauen Samarias. Sie hatten sich der Unterdrückung der Geringen und der Schinderei der Armen schuldig gemacht. Wegen dieser Vergehen schwört Gott, der Herr, bei seiner Heiligkeit, dass sie mit Fleischhaken und Fischerangeln in die Gefangenschaft verschleppt würden. Und außerdem würden die Söhne Israels für ihre religiöse Heuchelei gerichtet werden ( 4,4-5 ). Gott hatte in der Vergangenheit seine Züchtigung durch Hunger, Dürre, Fäulnis und Schimmel, Heuschrecken, Plagen, Niederlagen im Krieg und Verwüstung über sie gebracht (vgl. 5Mo 28-29 ), aber sie hatten keine Reue gezeigt. Jetzt wurden sie aufgerufen, sich für eine Begegnung mit ihrem Gott bereit zu machen ( 4,12 ).

Amos' dritte Botschaft erstreckt sich über das ganze 5. Kapitel. Das Haus Israel wird zu Fall kommen und seine Städte werden durch Deportation dezimiert werden ( 5,1-3 ). Obwohl die Nation als solche gerichtet wird, wird jedoch dem Einzelnen immer noch Gnade gewährt, sofern er zu denen gehört, die den Herrn suchen ( 5,4 ). Sie sollten ihn, den Herrn, suchen, und zwar jenseits der Heiligtümer in Bethel, Gilgal und Beerscheba, da diese sämtlich verdammt sind ( 5,5-7 ). In Kapitel 5,8-9 erinnert Amos Israel daran, dass Gott souverän ist. Er beherrscht das ganze Universum und kann gewisslich Zerstörung über die Starken und über die Festungen bringen. In Kapitel 5,10-13 zählt Gott erneut die zahlreichen Ungerechtigkeiten Israels auf, zu denen auch ihre Abneigung gegenüber Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit gehören sowie überhöhte Zölle für die Armen, Verfolgung der Gerechten und Annahme von Bestechungsgeldern. Dann, in Kapitel 5,14-15 , ruft Gott erneut zur persönlichen Buße auf und beendet seine Botschaft mit der Versicherung, dass sein Gericht kommen wird ( 5,17-18 ).

Die vierte Gerichtsankündigung ( 5,18-27 ) beginnt mit einer Beschreibung vom Tag des Herrn. Israel war der irrigen Meinung, der Tag des Herrn würde nur für seine Feinde eine Zeitspanne der Vernichtung, und so wünschte es diesen Tag herbei. Aber Amos macht klar, dass dieser Tag auch für sie Finsternis statt Licht bedeuten wird ( 5,18 ) und dass sein Gericht unausweichlich sein wird ( 5,19-20 ). Der Grund dafür besteht darin, dass Gott ihre Feste, ihre Brandopfer und ihren Götzendienst hasste ( 5,21-26 ). Das Gericht wird darin bestehen, dass sie über Damaskus hinaus ins Exil gehen werden müssen ( 5,27 ).

Die fünfte Botschaft wird in Kapitel 6 übermittelt. In Amos 6,1-7 beschreibt der Prophet den selbstzufriedenen und luxuriösen Lebensstil der Menschen. Sie räkelten sich auf Elfenbeinlagern und tranken Wein aus geweihten Gefäßen. Sie waren so selbstzufrieden, dass sie nicht einmal über den Niedergang Josephs trauerten. »Der Herr, Herr, hat bei sich selbst geschworen, ... ich liefere die Stadt aus und alles, was sie erfüllt« ( 6,8 ). Die Verwüstung wird vollständig sein und der Tod allgegenwärtig ( 6,10 ), die Häuser werden vollständig zerstört werden ( 6,9 ) und ungeheures Leid wird über das ganze Land kommen von Hamat (eine Stadt an der nördlichen Landesgrenze) bis Araba (dem Tal, welches vom See Kinneret bis zum Toten Meer reicht). Dann aber wird Israel erkennen, dass seine Kraft vom Herrn kommt und nicht von ihnen selbst ( 6,13 ). In Kapitel 7 und 8 spricht Amos von der Unausweichlichkeit des kommenden Gerichts über Israel. Amos' erste Vision beinhaltet einen Heuschreckenschwarm, der während der Erntezeit das Land kahl frisst. Amos verhandelt mit Gott zum Vorteil der Menschen und der Herr schenkt seiner Bitte Aufmerksamkeit und sendet den Heuschreckenschwarm nicht ( 7,1-3 ). Dann zeigt Gott Amos einen Feuerregen, den er senden will, um das Ackerland zu verbrennen. Doch Amos verhandelt erneut mit Gott zum Vorteil des Volkes und der Herr lässt es sich gereuen ( 7,4-6 ).

Die dritte Vision beschreibt, dass der Herr ein Senkblei in der Hand hält, wie es von Bauarbeitern benutzt wird, um zu prüfen, ob die Mauer im Lot ist. Falls nicht, würde sie wieder niedergerissen werden. Wenn die Leute in Israel nicht in einer Linie mit dem Gesetz Gottes sind, wird Gott sie nicht länger schonen ( 7,8 ). In Kapitel 7,10-17 berichtet Amos dann von einer Auseinandersetzung mit Amazja, dem Priester des Heiligtums in Bethel. Amazja teilt dem König Jerobeam von Israel mit, dass Amos gegen ihn weissagt und verkündet, dass Jerobeam getötet und Israel ins Exil gehen wird. Dann wendet sich Amazja gegen Amos und fordert ihn auf, das Heiligtum in Bethel zu verlassen. Amos antwortet Amazja, dass er nicht gehen kann, weil ihn der Herr zu dieser Aufgabe berufen hat und Amazja sich daher mit seinem Befehl gegen den Herrn richtet. Als Folge dessen würde Amazjas Frau zur Hure werden, seine Söhne und Töchter durchs Schwert fallen, sein Land verteilt werden und Amazja in einem unreinen Land sterben. Außerdem würde Israel ins Exil gehen, so wie es Amos vorhergesagt hat. Kapitel 8 beginnt mit einer vierten Vision, in der der Herr einen Korb mit Sommerobst als Gegenstandslektion benutzt, um Amos zu zeigen, dass die Zeit reif ist für das Gericht über Israel. Die Leichen werden übers ganze Land zerstreut herumliegen. Dies wird geschehen, weil Israel die Armen niedertritt und die Elenden vernichtet ( 8,4 ). Außerdem betrügen sie mit falschen Gewichten und zwingen die Bedürftigen sogar in die Sklaverei ( 8,5-6 ). Der Herr hat geschworen, ihren Stolz nicht zu vergessen ( 8,7 ). Das Gericht des Herrn wird über sie hereinbrechen und ihre Feste in Trauer verwandeln und ihre Lieder in Klagegesänge ( 8,10 ). Sogar ein noch schlimmeres Gericht wird folgen. Weil Israel alle Worte des Herrn verworfen hat, wird er ihnen Hunger senden, nicht einen gewöhnlichen Hunger, sondern einen Hunger, »die Worte des Herrn zu hören« ( 8,11 ). Der Herr aber wird dann schweigen.

In Kapitel 9,1-10 beschäftigt sich Amos mit der Zerstörung Israels. Wenn sich die Leute um den Altar von Bethel versammeln, wird der Herr anwesend sein, zu dieser Zeit jedoch wird seine Gegenwart ein Zeichen für Israels Vernichtung und nicht für seine Segnung sein ( 9,1 ). Wohin sie auch vor seinem Gericht zu fliehen versuchen, er wird sie finden und sie vernichten ( 9,2-4 ). Seine Augen werden auf sie gerichtet sein »zum Bösen, und nicht zum Guten«. Das Gericht wird garantiert kommen, denn des Herrn souveräne Allmacht bürgt dafür ( 9,5-6 ). Der Herr verheißt die Zerstörung des Hauses Jakob mit Ausnahme eines Überrests ( 9,8 ). Er wird sie schütteln unter den Nationen wie das Getreide auf einem Sieb ( 9,9 ). Die Zerstörung und Wegführung erfüllte sich wortwörtlich in der Assyrischen und Babylonischen Gefangenschaft.

In Kapitel 9,10-15 berichtet Amos von einer zukünftigen Zeit der Wiederherstellung Israels. Nach einer Zeit der Läuterung ( 9,10 ) wird ein Tag kommen, an dem Gott das nördliche und das südliche Königreich unter der Herrschaft des Königshauses David wiederherstellen wird. Die Städte werden wieder aufgebaut und das Königreich wieder zu seiner einstigen Größe erneuert werden (vgl. Jer 30,3-10; Hes 37,15-28; Hos 3,4-5 ). Das wird die Erfüllung des Davidsbundes sein ( 2Sam 7, 11-16.25-29 ). Das davidische Königreich wird eine Quelle des Segens für Edom und alle Völker und Nationen sein ( 9,12 ) und so die Verheißungen des Abrahamitischen Bundes an die Völker erfüllen ( 1Mo 18,18; 22,17-18; 26,3-4; 28,13-14 ). Amos 9, 11-12 wird von Jakobus auf dem Apostelkonzil in Jerusalem zitiert ( Apg 15,16-18 ). Da die Nationen als Nichtjuden am Tausendjährigen Reich teilnehmen werden und nicht als (beschnittene) Juden, folgerte Jakobus, dass es im Zeitalter der Gemeinde keine Veranlassung für sie gebe, durch Beschneidung zu Juden zu werden. Zu der Zeit wird der Herr auch die Segnungen des Bundes für das Land erneuern. Israel wird unglaublich reiche Ernten erfahren ( 9,13 ). Alle Städte werden wiederaufgebaut und wiederbevölkert werden ( 9,14 ). Das wird vom Herrn vollbracht werden, der sie in ihr Land einpflanzen wird, so dass sie dort nicht mehr herausgerissen werden ( 9,15 ). Israel wird das Land erhalten, das der Herr, ihr Gott, ihnen verheißen hat. Damit wird sich auch dieser Bund erfüllen (vgl. 1Mo 13,14-15; 17,7-8; 5Mo 30,1-5; 2Sam 7,10; Jer 30,10-11; Joe 3,17-18; Mi 4,4-7 ).

Walvoord beschreibt, wie der Prozess der Rückkehr Israels in verschiedenen Stufen erfolgt, wobei die erste Stufe schon im 20. Jh. erfüllt wurde. Eine zweite Stufe wird sich erfüllen, wenn der Bund mit dem Herrscher im Nahen Osten geschlossen ist. Die dritte Stufe wird sich erfüllen, wenn Israel durch eine Zeit großer Bedrängnis während der großen Trübsal geht. Die letzte Stufe ist erreicht, wenn Israel beim zweiten Kommen des Herrn gerettet wird. Dann werden die Verse 11-15 vollständig erfüllt sein.

So wie alle früheren Prophezeiungen wortwörtlich erfüllt wurden, so wird sich auch die zukünftige Wiederherstellung Israels im Land der Verheißung und auch die Segnungen des Bundes wörtlich erfüllen.

Siehe auch: Juden, Rückkehr der.

Russel Penney

Gleason L. Archer, A Survey of Old Testament Introduction (Chicago: Moody Press, 1994); Thomas E. McComiskey, »Amos« in: The Expositor's Bible Commentary , hrsg. von Frank E. Gaebelein, Band 7 (Grand Rapids: Zondervan, 1985); Donald R. Nunukjian, »Amos« in: The Walvoord Bibelkommentar , 5 Bde., hrsg. von John F. Walvoord und Roy B. Zuck (Holzgerlingen: Hänssler-Verlag, 1992); John F. Walvoord, The Prophecy Knowledge Handbook (Wheaton: Victor Books, 1990).


ANDERSON
Sir Robert

Sir Robert Anderson (1841-1918) wurde in eine einflussreiche Familie Dublins hineingeboren. Sein Vater Matthew stand als Rechtsanwalt im Dienst der Stadt und war ein angesehener Ältester der Irish Presbyterian Church . Robert war noch keine 20 Jahre alt, als er sich zu Christus bekehrte, und zwar während der großen irischen Erweckung, die sich über das ganze Land ausbreitete. Schon bald wurde er Laienprediger und der Herr gebraucht ihn, um viele zu Christus zu führen.

Nach erfolgreichem Abschluss des Trinity College in Dublin im Jahr 1863 arbeitete Anderson als Anwalt. Schließlich kam er nach London, arbeitete bei der Stadtpolizei und wurde Chef des CID (Criminal Investigation Department ). Aufgrund seiner Begabung, logisch und prägnant zu denken, verfasste er einige außergewöhnliche Werke zur Heiligen Schrift. Charles Spurgeon urteilte über sein Buch Human Destiny (»Das menschliche Schicksal«), es wäre der »wertvollste Beitrag zu diesem Thema«, den er je gelesen hätte. Weitere seiner Bücher waren Forgotten Truths (»Vergessene Wahrheiten«), The Lord from Heaven (»Der Herr im Himmel«), Types of Hebrews (»Typologie der Hebräer«) und The Silence of God (»Die Stille Gottes«). Über biblische Prophetie schrieb er in Unfulfilled Prophecy and the Hope of the Church (»Unerfüllte Prophezeiungen und die Hoffnung der Gemeinde«) und The Coming Prince (»Der kommende Prinz«).

In The Coming Prince zerlegte Anderson übergenau die siebzig Jahrwochen Daniels. Er untersuchte außerdem sorgfältig den Zeitpunkt der Geburt Christi und beschäftigte sich mit den wichtigsten Gesichtspunkten der Auslegung biblischer Prophetie. Obwohl neuere Arbeiten zur Chronologie der Bibel neues Licht auf Andersons prophetische Berechnungen werfen, kann man seine Werke doch als Klassiker bezeichnen in Bezug auf den Versuch, Daniels Datierungen zu verstehen. Andersons Bücher unterstreichen die zuverlässige Autorität der Bibel, die Göttlichkeit Jesu, die Notwendigkeit der Wiedergeburt und die gesegnete Hoffnung auf die Wiederkunft Christi vor dem Tausendjährigen Reich.

Siehe auch: Daniels siebzig Jahrwochen, dispensationalistische Auslegung .

Mal Couch

Robert Anderson, The Coming Prince (Grand Rapids: Kregel Publications, 1983).


ANKUNFT CHRISTI
erste und zweite

Der Begriff Ankunft bedeutet »das Erreichen einer Bestimmung« oder »ein Kommen oder eine Ankunft«. In Bezug auf die Ankünfte oder Kommen Jesu Christi wissen wir, dass sie einen göttlichen Ursprung oder Zweck haben.

Die erste Ankunft wird klar in den Prophetien entfaltet, die vom Kommen Christi auf diese Erde sprechen, um die Menschheit zu erlösen und zu Gott zurückzubringen. Dr. David Reagan stellt in seinem Buch Christ in Prophecy (»Christus in den Prophetien«) mit Blick auf die Prophezeiungen vom ersten Kommen des Herrn fest, dass »die meisten Gelehrten darin übereinstimmen, dass es etwa 300 Prophezeiungen im Alten Testament gibt, die sich auf das erste Kommen des Messias beziehen, dass es aber nicht 300 verschiedene Prophezeiungen sind. Viele von ihnen wiederholen sich mehrfach, wie z.B. die Prophezeiung, dass der Messias aus dem Samen Abrahams geboren werden wird. Wenn man all die Wiederholungen der Prophezeiungen weglässt, dann bleiben kaum mehr als einhundert unterschiedliche Prophezeiungen übrig, besondere Prophezeiungen über das erste Kommen des Messias.«

Das erste Kommen Christi wurde in der Schrift so geordnet und ausgefeilt vorhergesehen, dass es jenseits aller Zweifel beweist: Es gibt einen allwissenden Gott, denn Gott allein konnte so viele einzelne Prophezeiungen vom Leben eines einzelnen Menschen enthüllen. Die Prophezeiungen über sein erstes Kommen sind kräftige Beweise, dass Jesus der Christus ist. Dr. A. T. Pierson nennt drei wichtige Maßstäbe, durch welche die Echtheit einer Prophezeiung geprüft werden kann. Alle drei zielen auf die Genauigkeit dieser Prophezeiungen ab. Sie beinhalten:

1. Es muss eine solche Enthüllung der Zukunft sein, wie sie keine menschliche Vorausschau oder Weisheit hätte erahnen können.

2. Die Vorhersage muss genügend Einzelheiten enthalten, um schlaue Spekulationen auszuschließen.

3. Es muss eine so große Zeitspanne zwischen der Prophezeiung und der Erfüllung liegen, dass der Prophet selbst nichts dazu beitragen kann, das Ergebnis herbeizuführen oder zu beeinflussen.

Alle drei Maßstäbe sind in den Prophezeiungen des ersten Kommens Christi repräsentiert. Die Erfüllung der Schrift in Bezug auf sein erstes Kommen sollte uns volles Vertrauen in die Prophezeiungen geben, die sich auf sein zweites Kommen bezie hen. Die erste Ankunft porträtiert das Leben Christi wie ein Gemälde auf einer Leinwand, und viele der heiligen Propheten Gottes wurden vom Heiligen Geist angetrieben, Teile seines Lebens in ihren Prophezeiungen zu schildern. Die Einzelheiten des Lebens Christi wurden mit Präzision vorhergesagt. Er würde von einer Jungfrau geboren werden ( Jes 7,14 ; s. Lk 1,33-35 ), ein Nachkomme Abrahams und Davids sein ( 1Mo 12,3; 18,18; 22,18; 2Sam 7,12; Ps 89,3 ; siehe Apg 3,25; Gal 3,8; Mt 21,9; 22,42 usw.), in Bethlehem zur Welt kommen ( Mi 5,2 ; siehe Mt 2,1; Lk 2,4 ), als kleines Kind nach Ägypten gebracht werden ( Hos 11,1 ; siehe Mt 2,13 ), ein Prophet werden ( 5Mo 18,15 ; siehe Mt 21,11; Lk 24,19 ) und der Messias und Retter sein ( Ps 2,2; Dan 9,24-25; Jes 59,20; 62,11 ; siehe Mk 8,27-29; Lk 2,11; Joh 4,42; Apg 2,36; 5,31 ).

Es gibt in der Schrift viele Prophezeiungen darüber, dass Christus einst als Retter und dann erneut als König kommen würde. Christus selbst zitierte in der Synagoge aus Jes 61,1-2 und hielt inne, bevor der Satz »und der Tag der Rache für unseren Gott« kam, denn dieser bezog sich auf das zweite Kommen, wenn er kommt, um die Nationen zu richten ( Offb 19, 11-21 ). In Lk 1,32-33 findet sich die Prophezeiung, dass Jesus »groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden (wird); und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben; und er wird über das Haus Jakobs herrschen in Ewigkeit, und seines Königtums wird kein Ende sein.« Doch bei seinem ersten Kommen wurde er von den Führern Israels verworfen und erbte nicht den Thron seines Vaters David. Dies wird bei seinem zweiten Kommen erfüllt werden, wenn seine Herrschaft im Tausendjährigen Königreich aufgerichtet ist. Diese Prophezeiungen und andere ähnliche zeigen, das der Herr ein zweites Mal kommen wird, um die verbliebenen Einzelheiten dieser Prophezeiungen wortwörtlich zu erfüllen, genauso wie beim ersten Mal.

Dr.J. Dwight Pentecost gibt in seinem umfangreichen Werk »Bibel und Zukunft« folgenden Katalog von Beweisen für ein tatsächliches zweites Kommen. Er schreibt: »Der große Teil unerfüllter Prophetie macht die Wiederkunft absolut unerlässlich. Es wurde Folgendes verheißen: Er selbst wird kommen ( Apg 1,11 ); die Toten werden seine Stimme hören ( Joh 5,28 ); er wird seine wachenden Knechte bedienen ( Lk 12,37 ; er wird auf die Erde zurückkommen ( Apg 1,11 ), und zwar auf den Ölberg, von dem aus er auffuhr ( Sach 14,4 ), in flammendem Feuer ( 2Thes 1,8 ), auf den Wolken des Himmels mit Macht und großer Herrlichkeit ( Mt 24,30; 1Pet 1,7; 4,13 ) und auf der Erde stehend ( Hi 19,25 ); seine Heiligen (die Gemeinde) werden mit ihm kommen ( 1Thes 3,13; Jud 1,14 ); jedes Auge wird ihn sehen ( Offb 1,7 ); er wird den Antichristen vernichten ( 2Thes 2,8 ); er wird auf seinem Thron sitzen ( Mt 25,31; Offb 5,13 ); alle Nationen werden vor ihm versammelt werden und er wird sie richten ( Mt 25,32 ); er wird den Thron Davids einnehmen ( Jes 9,6-7; Lk 1,32 ); das Kommen auf die Erde wird erfolgen ( Jer 23,5-6 ); er wird ein Reich haben ( Dan 7,13-14 ); er wird darüber mit seinen Heiligen herrschen ( Dan 7,18-27; Offb 5,10 ); alle Könige und Nationen werden ihm dienen ( Ps 72,11; Jes 49,6-7; Offb 15,4 ); die Reiche dieser Welt werden sein Herrschaftsgebiet bilden ( Sach 9,10; Offb 11,15 ); die Völker werden sich zu ihm hin versammeln ( 1Mo 49,10 ); jedes Knie wird sich vor ihm beugen ( Jes 45,23 ); sie werden kommen und den König anbeten ( Sach 14,16; Ps 86,9 ); er wird Zion aufbauen ( Ps 102,16 ); sein Thron wird in Jerusalem sein ( Jer 3,17; Jes 33,20-21 ); die Apostel werden auf zwölf Thronen sitzen und die zwölf Stämme Israels richten ( Mt 19,28; Lk 22,28-30 ); er wird über alle Nationen herrschen ( Ps 2,8-9; Offb 2,27 ); er wird richten und mit Gerechtigkeit regieren ( Ps 9,7-8 ); der Tempel in Jerusalem wird wieder aufgebaut werden ( Hes 40-48 ); und die Herrlichkeit des Herrn wird ihn erfüllen

( Hes 43,2-5; 44,4 ); die Herrlichkeit des Herrn wird offenbart werden ( Jes 40,5 ); die Wüste wird zum Fruchtgarten werden ( Jes 35,1-2 ); und seine Ruhestätte wird Herrlichkeit sein ( Jes 11,10 ). Der gesamte Heilsplan des Bundes mit Israel, der noch nicht erfüllt worden ist, verlangt die Wiederkunft des Messias auf die Erde. Für das Prinzip wörtlicher Erfüllung ist es unbedingt erforderlich, dass Christus wiederkommt.« (S. 408-409).

So sicher, wie sich das erste Kommen Christi wörtlich erfüllte - und er erfüllte die Prophezeiungen wirklich wortwörtlich - so wird sich auch das zweite Kommen wörtlich erfüllen.

Donald Perkins und Russel L. Penney

Herbert Lockyer, All the Messianic Prophecies of The Bible (Grand Rapids: Zondervan, 1973); Donald Perkins, The First and Second Advent of Christ (Lemon Grove: According To Prophecy Ministries, 1996); J. Dwight Pentecost, Bibel und Zukunft (Dillenburg: CV, 1993); David Reagan, Christ in Prophecy (Plano, Texas: Lamb and Lion Ministries, 1987).


ANTICHRIST

Gemäß der prämilliennialistischen Eschatologie unterdrückt der letzte Weltherrscher, der sich gegen Gott und seinen Christus stellt (besonders in Bezug auf seine Göttlichkeit), Gottes Auserwählte (insbesondere das Volk der Juden) und versucht, den Platz göttlicher Verehrung zu beanspruchen, indem er das Heiligtum schändet (insbesondere Jerusalem und den Tempel). Er ist bekannt als der Antichrist. Nach 1Jo 4,3 ist dieser antigöttliche und antisemitische Geist ein Wesensmerkmal des gegenwärtigen Zeitalters und zeigt an, dass dies die letzten Tage sind (wörtl. »die letzte Stunde«). Die Bezeichnung Antichrist erscheint nur in den Briefen des Johannes ( 1Jo 2,18.22; 4,3; 2Jo 1,7 ). Sie setzt sich zusammen aus den griechischen Wörtern anti (»gegen, anstelle von«) und christos (»Christus«). Damit bezeichnet sie jeden, der im Auftrag des einen Bösen (also des Satans) wider Gottes Gesalbten handelt, der zur Weltherrschaft bestimmt ist, oder als dessen Fälschung agiert ( Ps 2,2.6-8; 110,1-2; Jes 9,6-7 u. a.). Der Gebrauch dieses Begriffs in der Mehrzahl gewährleistet sowohl einen umfassenden wie konzentrierten Ausdruck des Antichristen, und nicht zuletzt des endzeitlichen Zweigespanns, bekannt als das erste Tier (der Antichrist) und das zweite Tier (der falsche Prophet), die zusammen mit dem Drachen (Satan) als Ursprung ihrer Macht (Autorität) eine Art Gegenstück zur göttlichen Dreieinigkeit bilden ( Offb 13,1.2.11 ). Während der spezielle Begriff Antichrist nur selten gebraucht wird, ist die Bibel voll von umschreibenden Begriffen seiner teuflischen und unheiligen Natur. Zu den Synonymen gehören etwa: »kleines Horn« ( Dan 7,8 ), »verschlagener König« ( Dan 8,23 ), »kommender Fürst« ( Dan 9,26 ), »Verwüster« ( Dan 9,27 ), »Verachteter« ( Dan 11,21 ), »eigenwilliger König« ( Dan 11,36 ), »nichtiger Hirte« ( Sach 11,16-17 ), »Mensch der Gesetzlosigkeit« und »Sohn des Verderbens« ( 2Thes 2,3 ); »der Gesetzlose« ( 2Thes 2,8 ), »das Tier« ( Offb 11,7; 13,1; 14,9; 15,2; 16,2; 17,3.13; 19,20; 20,10 ). Nur die futuristische Schule (die den Premillenialismus einschließt) war in der Lage, eine schlüssige Interpretation des Antichrist-Konzepts aus dem Zeugnis der beiden Testamente heraus zu entwickeln.


ANTICHRIST

Der Antichrist im Alten Testament

Der Begriff Antichrist findet erst im Neuen Testament Verwendung. Dennoch ermutigt uns die Stelle in 1Jo 2,18 , in der sich Johannes darauf bezieht, dass viele »Antichristen« bereits erschienen sind, die das Kommen des Antichristen während der Drangsal symbolisieren, zu einer Untersuchung der alttestamentlichen Texte, ob dort nicht bereits vorgreifende Bilder zu finden sind, welche auf diese endzeitliche Gestalt hinweisen. Im Alten Testament wird dieser letzte Antichrist stufenweise durch eine Reihe antichristlicher Vorläufer offenbart, die als Gegenspieler des jüdischen Volkes und insbesondere als Schänder Jerusalems und/oder des Tempels auftreten. Anspielungen auf den Antichristen geschehen gewöhnlich in Form eines menschlichen Wesens (normalerweise ein König oder militärischer Befehlshaber) in direktem Gegensatz zu Gott. In dieser Position nimmt die menschliche Persönlichkeit wegen der Auseinandersetzung zwischen Gott und Mensch oftmals übermenschliche Züge an und dient somit als eine Prophezeiung oder Typus auf den endzeitlichen Antichristen, der danach strebt, wie Gott angebetet zu werden.

In der biblischen Geschichte werden folgende Typen des Antichristen enthüllt: (1) die Schlange im Garten Eden, die den Menschen betrog und dazu brachte, entgegen dem göttlichen Befehl zu handeln ( 1Mo 3 ); (2) Nimrod, der lästerliche Herrscher, welcher nach göttlicher Anbetung strebte ( 1Mo 10,8; 11,1-9 ); (3) Amalek, der Sohn Esaus ( 1Mo 36,12.16 ), dessen Nachkommen gegen das Volk Israel in der Wüste kämpften ( 2Mo 17,8-16; 5Mo 25,19; 1Sam 15,2-3 ); (4) Bileam, der Prophet aus dem Ausland, der sich gegen Israel stellte ( 4Mo 22-24 ); (5) der Pharao des Exodus, der die Israeliten in Ägypten unterdrückte ( 2Mo 1,11.22; 5,2 ) und in der Schrift nicht namentlich genannt wird, vielleicht um seine Rolle als göttlicher Widersacher zu betonen; (6) der Assyrerkönig Sanherib, der das nördliche Königreich unterdrückte und in seiner Arroganz sogar Jerusalem erobern wollte ( 2Kö 18,13-19,37 ); und schließlich (7) der babylonische König Nebukadnezar, der den Tempel in Jerusalem zerstörte, Israel ins Exil brachte und göttliche Souveränität beanspruchte ( 2Kö 24,13-14; Dan 4,30 ).

Die am deutlichsten entwickelten Vorbilder erscheinen im Buch Daniel. Da ist zum einen der lästerliche Herrscher, der als das kleine Horn bezeichnet wird. Er führt Krieg mit den Heiligen und wird durch den »Alten an Tagen« vernichtet ( Dan 7,8.21- 22 ). Zum anderen ist da der gottlose und tyrannische König ( Dan 8,11-14; 11,31 ), von dem angenommen wird, dass es Antiochus IV. Epiphanes ist und der 186 v. Chr. den Tempel in Jerusalem entweihte. Und schließlich ist da der »kommende Fürst« ( Dan 9,26 ), möglicherweise der römische General Titus, der 70 n. Chr. Jerusalem und den Tempel zerstörte. Vergleicht man die offensichtlichsten Vorbilder (die Antichristen) mit dem Antitypus (dem Antichristen), so kann man erstens beobachten, dass der Typus in jedem Fall entweder ein Heide oder jemand außerhalb der designierten Erbfolge ist, und es zweitens eine schrittweise Entwicklung der Auflehnung gegen Gott gibt, die schließlich in der Entweihung des Tempels gipfelt.

Die Entwicklung dieser Gestalten vom Typus zum Antitypus enthüllt, dass die Bewegung der typologischen antichristlichen Handlungen mit Elementen der Auflehnung gegen den göttlichen Plan beginnt, sich schließlich als offener Widerstand gegen Gott und der Unterdrückung des Volkes Gottes manifestiert und dann mit jeder weiteren Person eskaliert bis hin zur Entweihung des Tempels als Ort, der die göttliche Gegenwart auf der Erde repräsentiert. Während Daniels Enthüllung ( Dan 8,9-25; 11,21-45 ) der Darstellung des Antichristen die letzte und am höchsten entwickelte von alle Vorbilden ist (und dabei sämtliche früher enthüllte Vorbilder verkörpert) und auf die abscheuliche Verwüstung der heiligen Stätte hinausläuft ( Dan 8,11-14; 11,31 ), formt es die Schablone für das neutestamentliche Porträt des zukünftigen Antichristen ( Dan 11,36-45 ; vgl. 2Thes 2,3; Offb 13,1-10; 17,11-17 ) und dessen endzeitliche Abscheulichkeit der Verwüstung des Tempels in der Drangsalszeit ( Dan 9,27; 12,11 ; vgl. Mt 24,15; Mk 13,14; 2Thes 2,4 ).


ANTICHRIST

Der Antichrist im Neuen Testament

Im Neuen Testament wird der Antichrist von Jesus und von den Aposteln Matthäus Johannes und Paulus erwähnt. Das war auch zu erwarten, da sie die umfangreichste Behandlung der Eschatologie vorlegen (Ölbergrede, Thessalonicherbriefe, Offenbarung).


ANTICHRIST

Der Antichrist im Neuen Testament

In den Evangelien

Jesus greift die Person aus Daniels Vision auf, die durch den Gräuel der Verwüstung den Tempel entehrt. Diese Gestalt wird von seiner jüdischen Zuhörerschaft als der Antichrist erkannt, der sich gegen das Volk und dessen Gott richten wird ( Mt 24,15; Mk 13,14 ). Die von Jesus in der Ölbergrede gewählte Beschreibung (hauptsächlich nach Dan 9,27 ; vgl. 11,36-37 ) beinhaltet die Unvereinbarkeit des Heiligen mit dem Antichristen. Ob eine heilige Stadt, ein heiliger Tempel oder ein heiliges (auserwähltes) Volk - der Antichrist muss aufgrund seines Wesens versuchen, all dies zu zerstören. Aus diesem Grund werden die Juden, die zur Zeit der Herrschaft des Antichristen in Jerusalem wohnen, zur Flucht aufgerufen ( Mt 24,16-21; Mk 13,14-19 ). Jesu Ankündigung des »Gräuels der Verwüstung« ist das Ereignis, das den Mittelpunkt der Trübsal kennzeichnet.

Eine Untersuchung der chiastischen Struktur [A.d.Ü.: Darstellung eines Themas durch thematisch sich überkreuzende Abschnitte] von Mt 24 und Mk 13 zeigt, dass die der ersten und der zweiten Hälfte der Trübsal entsprechenden Elemente mit Mt 24,15 und Mk 13,14 als Wendepunkt angeordnet sind. So wird die Prophetie über den Antichristen zu einer Zeitbestimmung für die Trübsal. Der Bund des Antichristen mit den Führern Israels markiert deren Beginn ( Dan 9,27 ), die Tempelentweihung deren Mitte ( Dan 9,27; Mt 24,15; Mk 13,14; 2Thes 2,4 ) und die Vernichtung des Antichristen das Ende ( Dan 9,27 ; vgl. 2Thes 2,8 ). Bei Paulus

Auch Paulus betont die Unvereinbarkeit von Heiligkeit und Unheiligkeit, indem er Christus und den Antichristen zueinander in Kontrast setzt ( 2Kor 6,15-16 ). Aber er verwendet den Beinamen Belial (»Gottloser« oder »Nichtsnutziger«), der nur aus der Literatur bekannt war, die zwischen den beiden Testamenten entstanden war (siehe: Antichrist, Jüdische Vorstellungen ). Einige meinen zwar, Paulus beziehe sich hier auf Satan, aber dann hätte er den griechischen Ausdruck satanas (Satan) verwenden können. Daher ist es mehr als wahrscheinlich, dass diesen (im Neuen Testament nur an dieser Stelle gebrauchten) Namen im Hinblick auf den menschlichen, endzeitlichen Widersacher des Messias gebrauchte. Darüber hinaus findet man im Tempelsymbolik (Vers 16 ), und Paulus��� Aufforderung zur Absonderung in Kapitel 6,17 und 7,1 lautet »Geht aus ihrer Mitte hinaus« - ein Anklang an Flucht entsprechend der Paralleltexte zum Antichristen, wie in Christi Mahnung »zu fliehen« ( Mt 24,15-16; Mk 13,14 ). Wenn bei Paulus diese Gedanken im Hintergrund standen, dürfte Belial eine Anspielung eher auf den Antichristen als auf Satan sein.

Eine ausführlichere Aussage des Paulus hinsichtlich des Wesens und des Handelns des Antichristen finden wir in 2Thes 2,3-4 . In diesem Text wird sein Charakter dargestellt durch die Bezeichnung als »der, der widerstrebt« (Vers 4 ); im Griechischen ein Wort, das in der Septuaginta in 1Kö 11,25 zur Übertragung des hebräischen Wortes satan (Widersacher) gebraucht wird. Das verweist auf die Verbindung des Antichristen mit Satan, was in Vers 9 durch das Attribut »gemäß der Wirksamkeit des Satans« deutlicher wird. Da Satans Gegner Gott ist und da es sein ursprüngliches Ziel war, zu werden wie Gott (vgl. Jes 14,14; Hes 28,17 ), sind die Handlungen des Antichristen an scheinend ein Versuch, dieses Ziel zu erreichen, indem er die Anbetung als Gott für sich in Anspruch nimmt (Vers 4; vgl. Offb 13,4-8 ).

Scheinbar ahmt er den Gott Israels nach, da er in Vers 4 als jemand dargestellt wird, der sich erhebt »über alles, was Gott heißt oder ein Gegenstand der Verehrung ist« (z.B. über alle heidnischen Götter) und der sich »in den Tempel Gottes setzt und sich ausweist, dass er Gott sei« - diese Sprache erinnert an die Schilderung alttestamentlicher Gotteserscheinungen (vgl. 1Kö 8,10; 2Chr 7,1-3; Hes 43,1-7 ). In dieser Beschreibung erscheint der Antichrist als Konkurrent Christi, und dies nicht durch einen Versuch, die messianische Rolle an sich zu reißen, sondern indem er sich über Christus stellt, als Gott (der Vater). Man beachte hier auch, dass sich der Antichrist den Platz Gottes in einem blasphemischen Akt der Selbstvergottung aneignet. Deshalb benutzt Paulus die kennzeichnenden Begriffe »Mensch der Gesetzlosigkeit« und »Sohn des Verderbens« (Vers 3 ). Das Wort »Gesetzlosigkeit« beschreibt sein Wesen, das von seinem Widerstand gegen den Tempel als Hort des Gesetzes gekennzeichnet ist (Vers 4 ). Das Wort »Verderben« bezieht sich auf seine Bestimmung, das heißt, er ist bestimmt zur Vernichtung oder zum Verderben (Vers 8 ).

Paulus scheint auf diese Weise die Offenbarung Christi (Verse 1-2 ) mit der des Antichristen (Verse 3-4 ) zu verknüpfen, um so unausweichlich deutlich zu machen, dass Christi Rückkehr zur Erde in Beziehung zur antichristlichen Rebellion steht. Diese grundlegende Beziehung wird in Offb 19,11-20 eindeutig gezeigt. Da der Antichrist offenbar werden muss, liegt es nahe, dass sein Offenbarwerden eine Fälschung der Offenbarung Christi sein wird ( 2Thes 2,9 ). Aus Paulus��� Beschreibung der Vernichtung des Antichristen beim Kommen Christi (Vers 8 ) ist zu entnehmen, dass er den Gesetzlosen mit Daniels kleinem Horn ( Dan 7,8.11 ) gleichsetzt.


ANTICHRIST

Der Antichrist im Neuen Testament

Im Buch der Offenbarung

Im Buch der Offenbarung kommt der Begriff Antichrist nicht vor (obwohl Johannes ihn schon vorher in seinen Briefen gebrauchte). Der Grund hierfür dürfte zum Teil in dem symbolischen Charakter seiner prophetischen Vision liegen. Sein Ausdruck für den Antichristen ist Tier oder Bestie , ein Begriff zur Beschreibung seiner unmenschlichen Natur, die Johannes oft in Tierform offenbart wurde. Das Buch der Offenbarung bietet die vollständigste Information über den Aufstieg des Antichristen und gibt sogar eine Identifikation seiner Person in dem Kryptogramm 666 wieder ( Offb 13,16-18 ). Da der Text keine Erklärung für diese Zahl bietet - außer, dass es sich um die Zahl eines Menschen (z.B.: Antichrist) handelt -, wird niemand bis zur entsprechend vorherbestimmten Stunde in der Trübsal fähig sein, ihre Bedeutung zu entdecken. Johannes (und Paulus) sieht den Antichristen von Satan getrieben oder, wie er schreibt, von »dem Drachen« ( Offb 13,2 ; vgl. 12,9 ). Johannes��� Darstellung des Antichristen ist die eines Weltherrschers ( Offb 13,1.4.7; 17, 12-13.17 ), dessen politische Stellung so dominant ist, dass sie auf den religiösen Bereich übergreift ( Offb 13,15 ). Dabei hilft dem Antichristen eine teuflische, religiöse Person, die von Johannes als ein zweites Tier vorgestellt wird, das ein geringerer Antichrist ist. Dieses Tier ist ein Duplikat des Antichristen (des ersten Tieres; Offb 13,12 ), diesem jedoch untergeordnet. Es hat nur zwei Hörner, verglichen mit dessen zehn ( Offb 13,11 ).

Im Gegensatz zu dem ersten Tier, das aus dem Meer heraufsteigt, kommt das zweite Tier aus der Erde ( Offb 13,11 ). Diese gegensätzlichen Begriffe sind kennzeichnend für den Ursprung der beiden Tiere. Das Meer könnte die Völkerwelt symbolisieren ( Offb 17,15 ; vgl. Dan 7,2-3 ). Wenn das hier der Fall ist, dann könnte die Erde als Gegensatz dazu die Juden symbolisieren. Aus den alttestamentlichen Anspielungen auf den Antichristen geht hervor, dass er seinen Ursprung in den Nationen hat, und die hier bemühte Gleichsetzung »der Erde« mit dem Volk der Juden lässt sich von der Formulierung von »dem Land« [Israel] ableiten, wie sie verschiedentlich in der Offenbarung gebraucht wird ( Offb 11,18 ; vgl. Dan 8,9 ). Die meisten prämillennialistischen Ausleger haben die Vorstellung akzeptiert, dass der geographische Ursprung des Antichristen in Europa als einem wieder erstandenen römischen Reich liegt. Diese Ansicht gründet sich auf Dan 9,26 und hat Rom im Sinn. Es gibt auch die Vorstellung von Ursprung im Mittleren-Osten, die sich auf Assyrien als »das Getötete« [Reich] von Offb 13,3 bezieht (vgl. Offb 17,9-11; Dan 11,40 ), das als Irak wieder ersteht (Goodman, Hodges).

Das zweite Tier agiert als Vertreter des Antichristen im religiösen Bereich. Es kopiert die wunderbaren Zeichen der biblischen Propheten ( Offb 13,13-14 ). Gerade so, wie viele Antichristen während der letzten Zeiten auftreten, um die Welt auf den wirklichen Antichristen vorzubereiten ( 1Jo 2,18.22 ), so werden auch viele falsche Propheten und falsche Christusse während der Trübsal auftreten (vgl. Mt 24,10.24 ), um auf den größeren Betrug des zweiten Tieres vorzubereiten ( Offb 13,13-14 ), der ein falscher Prophet ohnegleichen sein wird ( Offb 13,14 und Mt 24,24 ; vgl. Offb 19,20 ). Er besitzt die Macht zur Fälschung und eine dem ersten Tier untergeordnete Autorität ( Offb 13,4.12 ), weshalb er ein zweites Tier genannt wird. In dieser Stellung treibt er die Verehrung des Antichristen voran ( Offb 13,16 ), der anscheinend zu dieser Zeit den Status der Göttlichkeit für sich beanspruchen wird ( Offb 13,4-8.12- 13 ). Der falsche Prophet wird die Nationen täuschen ( Offb 13,12 ), aber es wird auch gezeigt, dass er besondere Zeichen speziell für Israel vollbringen wird ( Offb 13, 12-15 ). Weil zu diesen Zeichen gehört, zum Leben zu erwecken, (Vers 12 ), Feuer vom Himmel herabzurufen (Vers 13 ) und zu erschaffen (Verse 14-15 ), erinnern seine Handlungen besonders an die des Propheten Elia (vgl. 1Kö 17,14-16; 17,21-23; 18,36-38 ). Das könnte bedeuten, dass der falsche Prophet wie Elia (vgl. Mal 3,1-2; 4,5 ) als ein messianischer Vorläufer auftritt, um den Antichristen als Messias auszurufen. Allerdings wird der Antichrist Verehrung als ein Gott empfangen, der über alle anderen Götter erhoben ist ( Offb 13,4.8 ; vgl. 2Thes 2,4 ). So erscheint es wahrscheinlicher, dass der falsche Prophet für Israel auch ein falscher Messias ist, der die erwarteten messianischen Zeichen vollbringt ( Jes 35,5; 42,7; 61,1 ; vgl. Mt 11,3-5; Lk 4,18-19 ), um die Stellung des Antichristen zu bestätigen und zu vergrößern. Sie stehen zueinander in einem Verhältnis wie Gott und sein Prophet ( Joh 5,36; 8,54; 10,18; 17,4 ; vgl. Mt 24,24 mit Apg 2,22 ). Diese Fälschungen passen zu der Beschreibung, er habe Hörner wie ein Lamm (vielleicht eine Nachahmung des messianischen Wesens; Offb 5,6 ; vgl. Jes 53,7 ) und rede wie ein Drache (von Satan getrieben), Offb 13,11 ).

Die beiden vom oder für den Antichristen bewirkten Zeichen, Totenauferweckung und Selbstdarstellung im Tempel, sind miteinander und mit der messianischen Erwartung verbunden. Gemäß der Messiaserwartung als ein göttlicher Richter ( Mal 3,1-2 ) ging Jesus in den Tempelbezirk und warf - richterlich handelnd - die Tische der Geldwechsler um ( Joh 2,13-21 ). Daraufhin wurde er von der jüdischen Menge aufgefordert, ein Zeichen zu geben, das seinen messianischen Auftrag bestätigen sollte. Jesus antwortete mit dem Zeichen seiner Auferstehung. Die satanische Auferweckung des Antichristen dürfte ein Versuch sein, dieses Zeichen der Auferstehung nachzuahmen ( Offb 13,3.12-14 ), als Mittel zu seiner Vergöttlichung und Einsetzung als göttlicher Richter. Diese Zeichen sollten seinen Anspruch bestätigen ( Offb 13,8-10.15 ). Allerdings wird der Antichrist in der Absicht, Israel zu vernichten und das Land einzunehmen ( Dan 11,41 ; vgl. Offb 8,9-13 ), den klaren Beweis göttlichen Segens (die 144.000 und die beiden Zeugen; Offb 7,1-8; 14,1-5; 11,3-12 ) umkehren und das ganze Volk in das Exil der Zerstreuung zurückwerfen. Dan 9,27 beschreibt die »Verwüstung«, die dem »Gräuel« des Antichristen folgt. Derselbe Begriff wird gebraucht, um den Zustand Israels und des Landes als Folge der Schändung und des Exils darzustellen (vgl. 3Mo 26,34-35; Ps 73,19; 2Chr 30,7; 36,21; Jer 4,7 ). Das dürfte bei der weltweiten Judenverfolgung geschehen, die der Inthronisierung des Antichristen im Tempel folgt ( Offb 12,13-17 ; vgl. Mt 24,16-22; Mk 13,14-18 ).

Die Niederlage des Antichristen fällt mit dem zweiten Kommen Christi zusammen ( Offb 19,1.19-20 ) und ereignet sich anscheinend in Jerusalem während des letzten Feldzuges in Harmagedon (vgl. Sach 14,1-4 ; vgl. Dan 9,27 ). Die ewige Bestimmung des Antichristen ist im Feuersee ( Offb 19,20 ), der speziell für die Bestrafung Satans und der mit ihm in Unterordnung verbundenen aufständischen Engelscharen (der Dämonen) konzipiert wurde ( Mt 25,41 ). Das Tier und der falsche Prophet werden am Ende der Schlacht von Harmagedon dem Feuersee übergeben ( Offb 20,20 ), aber Satan wird bis zum Ende des Tausendjährigen Reiches gebunden werden ( Offb 20,1-3.7 ). Dann wird er freigelassen und besiegt; und in ewiger Verdammnis wird die satanische Trinität vereinigt sein ( Offb 20,9-10 ). Die ernüchternde Warnung an die Unerretteten und an jene, die das Zeichen des Antichristen während der Trübsal annehmen, lautet, dass sie die ewige Bestimmung des Antichristen im Feuersee teilen werden ( 20,13-15; 21,8 ).

Siehe auch: Daniels siebzig Jahrwochen, dispensationalistische Auslegung.

J. Randall Price


ANTICHRIST

Der Antichrist im Neuen Testament

Nichtevangelikale Sicht:

W. Bousset, The Antichrist Legend: A Chapter in Christian and Jewish Folklore , (London: Hutchinson & Co., 1896); Bernard McGinn, Antichrist: Two Thousand Years of the Human Fascination with Evil (San Francisco: Harper Collins, 1994); Ernst Renan, Antichris t, übers. v. W. G. Hutchinson (London: W. Scott Publishers, 1899); Béda Rigaux, L'Antéchrist: et l'Opposition au Royaume Messianique dans l'Ancien et le Nouveau Testament. Universitas Catholica Lovaniensis Dissertationes Seires II. Tomus 24 (Paris 1932, J. Gabalda et Fils); Samuel P. Tregelles, The Man of Sin (London: Aylesbury, Hunt, Benard & Co., 1930).


ANTICHRIST

Der Antichrist im Neuen Testament

Evangelikale Sicht:

Arthur W. Pink, The Antichrist (Grand Rapids: Kregel, 1988).


ANTICHRIST

Der Antichrist im Neuen Testament

An der Lehre von den Heilszeitaltern orientierte, prämillennialistische Sicht:

David Hocking, The Coming World Leader (Portland: Multnomah, 1988); Thomas D. Ice und Timothy Demy, The Truth about the Antichrist and His Kingdom (Eugene, Oreg.: Harvest House, 1995); J. Dwight Pentecost, Bibel und Zukunft (Dillenburg: CV, 1993); Walter K. Price, The Coming Antichrist (Chicago: Moody Press, 1974) und In the Final Days (Chicago: Moody Press, 1977); Robert L.Thomas, Revelation 8-22: An exegetical Commentary (Chicago: Moody, 1995); John F. Walvoord, The Revelation of Jesus Christ (Chicago: Moody Press, 1966).


ANTICHRIST

Der Antichrist im Neuen Testament

Sicht vom Antichrist als Assyrer:

Phillip Goodman, The Assyrian Connection: The Roots of the Antichrist and the Emerging Signs of Armageddon (Lafayette, La. 1993, Prescott Press); Zane C. Hodges, Power to Make War: The Career of the Assyrian Who Will Rule the World (Dallas 1995, Redención Viva).


ANTICHRIST
alttestamentliche Hinweise

1Mo 3,15

Dieser Vers enthält nicht nur die erste Prophetie über das Kommen des Messias, er gibt gleichzeitig auch die erste Weissagung über den Antimessias oder Antichrist wieder. Der Vers redet von Feindschaft zwischen zwei Parteien. Zuerst ist von der Feindschaft zwischen Satan und der Frau die Rede, dann aber auch von der Feindschaft zwischen dem Samen der Frau und dem Samen Satans. Der Same der Frau ist Jesus, der Messias. Als Gott war er ewig existent, als Mensch wurde er durch den Heiligen Geist empfangen und von einer Jungfrau geboren. Er war wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch. Die Erwähnung des Samens einer Frau steht der biblischen Gepflogenheit entgegen, denn die Zugehörigkeit wurde immer nach dem Samen des Mannes beurteilt. Deshalb werden in allen Stammbäumen mit Ausnahme einiger weniger Ausnahmen nur die männlichen Namen wiedergegeben.

Der Grund, weshalb der Messias nach dem Samen der Frau beurteilt werden muss, wird in Jesaja 7,14 erläutert: Der Messias wird von einer Jungfrau geboren. Weil der Messias keinen menschlichen Vater haben würde, muss sein Ursprung nach der Frau beurteilt werden, da sein Menschsein nur von ihr her kommt. Der Ausdruck »ihr Same« setzt eine wunderbare Empfängnis voraus. Im Hinblick auf den »Samen« Satans legt dieser Begriff im gleichen Vers denselben Gedankengang nahe: die Vorstellung von einer übernatürlichen, geheimnisvollen Empfängnis. Die Feindseligkeit gegenüber dem Samen der Frau kommt vom Samen Satans. Wenn der Same der Frau der Messias ist, kann der Same Satans nur der Antichrist sein.

Aus dieser Textstelle kann man schließen, dass Satan die Jungfrauengeburt nachahmen und irgendwann eine Frau schwängern wird, die dann Satans Samen gebiert, der der einmal Antichrist sein wird. Diese Frau mag vielleicht keine Jungfrau sein, aber die Empfängnis des Antichristen wird durch die wunderbare Macht Satans bewirkt werden. Auf diese Weise wird der Antichrist einen übernatürlichen Ursprung haben.


ANTICHRIST
alttestamentliche Hinweise

Jes 14,3-11.16-21

In 2Thes 2,8 stellt Paulus fest, dass der Antichrist beim zweiten Kommen Christi getötet wird. Jes 14,3-11 beschreibt, was mit der Seele des Antichristen geschieht, wenn er in der Hölle ankommt. Zum Zeitpunkt der Erlösung Israels werden die Juden, die der König von Babylon vernichten wollte, ihn mit einem neuen Spottlied verhöhnen (Verse 3-4 ) und der höchsten Macht, der Kraft Gottes gedenken (Vers 5 ). Der Antichrist regierte die Nationen der Welt (Vers 6 ), aber dann freut sich die ganze Welt über seine Absetzung (Verse 7-8 ). Wenn der Geist des Antichristen die Tore der Hölle durchschreitet, werden die vormaligen Großen der Erde, die bereits dort sind, sich in äußerstem Schock von ihren Thronen erheben (Verse 4-9 ) - im Schock darüber, dass auch er in die Hölle gestoßen wird (Vers 10 ). Doch es wird so sein, und alle Pracht seiner Weltregierung wird dem Höllentod anheimfallen (Vers 11 ). Nachdem Jesaja den Geist des Antichristen in der Hölle beschrieben hat, fährt er mit der Beschreibung seines irdischen Todes fort (Verse 16-21 ). Vielen wird es möglich sein, den Körper des Antichristen zu sehen. Starren Blicks werden sie den unglaublichen Vorgang seines plötzlichen, schnellen Todes wahrnehmen - den Tod dessen, der die Reiche der Welt erschütterte und in dessen Anwesenheit die Erde erbebte (Verse 16-17 ). Während geringere Könige in prachtvollen Grabmälern bestattet sind, (Vers 18 ), wird der Leichnam des Antichristen unter den Füßen seiner eigenen fliehenden Heere zertreten (Vers 19 ). In Wahrheit wird sein Leichnam überhaupt niemals bestattet (Vers 20 ). Er wird wenig später auferweckt werden, denn es ist ihm bestimmt, lebendig in den Feuersee geworfen zu werden. Seine ganze Familie wird vernichtet werden. So können sie nicht in die Fußstapfen ihres Vaters treten und versuchen, die Welt zu beherrschen (Vers 21 ).


ANTICHRIST
alttestamentliche Hinweise

Hab 3,13

Das dritte Kapitel des Propheten Habakuk beschreibt das zweite Kommen und den Krieg des Messias mit den Nationen der Welt. Dieser Vers erwähnt den Führer der verschwörung und führt aus: »Du zerschmettertest das Haupt im Hause des Gottlosen, und entblößtest die Grundfeste bis an den Hals« (Luther���12). Auch das ist ein Hinweis auf seinen Tod beim zweiten Kommen Christi, und es ist die alttestamentliche Entsprechung zu 2Thes 2,8 .


ANTICHRIST
alttestamentliche Hinweise

Dan 7,7-8.11.19-26

Daniel beschreibt die Entwicklung der vier aufeinander folgenden Nationenreiche mit dem Untergang des vierten Heidenreiches in fünf aufeinander folgenden Stufen, deren fünfte die Stufe des Antichristen ist. In der ersten Hälfte der Trübsal ist der Antichrist ein Herrscher, der seine Macht mit zehn anderen teilen muss. In der Mitte der Trübsal wird er stark genug sein, drei der zehn zu entmachten, und die anderen sieben werden sich einfach seiner Autorität unterwerfen. Wenn dies geschieht, beginnt die letzte Stufe des vierten Nationenreiches, die Stufe des Antichristen wirksam zu werden, die Stufe der absoluten Weltdiktatur. Im Hinblick darauf wird er sich tatsächlich von allen anderen unterscheiden. Dann wird er die Welt für die zweiten drei Jahre der Trübsal beherrschen.


ANTICHRIST
alttestamentliche Hinweise

Dan 8,23-25

Vor dem Hintergrund des Antiochus Epiphanes, eines Typus des Antichristen, beschreibt diese Textpassage Wesen und Aufstieg des Antichristen zur Macht. Vers 23 nennt einen der vielen Namen des Antichristen: Der König mit hartem Gesicht. Er wird ein Verständnis für geheimnisvolle Aussprüche haben, das heißt, er hat die gleiche übernatürliche Fähigkeit, dunkle Rätsel zu lösen wie Daniel in Kapitel 5,12 . Daniels Quelle war Gott, aber die Quelle des Antichristen wird Satan sein. Der Antichrist wird die Macht der verborgenen Mächte haben, die hinter ihm stehen. Das wird in den folgenden Versen weiter ausgeführt, wo deutlich wird, dass seine Macht stetig zunimmt, dass es aber nicht seine eigene Kraft ist. Mit anderen Worten: Der Antichrist wird über ein gewaltiges Machtpotenzial verfügen, aber diese Macht ist nicht die seine. Sie hat ihren Ursprung in einer anderen Quelle, in der seines Vaters Satan. Er wird versuchen, das heilige Volk Israel mit übernatürlicher Macht zu vernichten. Er wird durch List und Täuschung charakterisiert und dadurch wird er Herrscher einlullen und in falscher Sicherheit wiegen und wird sie dadurch übervorteilen und schließlich ausmerzen. Eine Zeit lang wird er bei der Verfolgung seiner Ziele erfolgreich sein. Er wird sich in seinem Herzen überheben und das wird dazu führen, dass er sich selbst als Gott vorstellen wird. Er wird sich gegen den Fürst der Fürsten, den Messias, erheben und so tatsächlich der Antichrist sein.


ANTICHRIST
alttestamentliche Hinweise

Dan 9,26-27

Dieser Text offenbart eine Reihe von Einzelheiten über den Antichrist. Da ist zunächst seine menschliche Herkunft. In Vers 27 wird von ihm als von einem gesprochen, der einen Bund macht. Nach den Regeln der hebräischen Grammatik bezieht sich das Pronomen er in Vers 27 zurück auf das ihm am nächsten stehende Bezugswort. Dieses nächst liegende Bezugswort ist der Fürst, der nach Vers 26 kommen wird. So sind also jener, der in Vers 27 den Bund macht, und der Fürst, der nach Vers 26 kommen soll, ein und dieselbe Person, der Antichrist. Dieser Fürst, der kommen wird, ist jener, von dem bereits früher in Daniels Buch die Rede ist, in den Kapiteln 7; 8 . Vers 26 macht auch deutlich, dass der kommende Fürst denselben Ursprung hat wie das Volk, das die Stadt und den Tempel zerstören wird. Das Volk, das den Tempel zerstörte, ist jetzt Geschichte: die Römer im Jahr 70 n. Chr. Die offensichtliche Schlussfolgerung: Der Antichrist wird ein Heide römischen Ursprungs sein. Die Ableitung seines römischen Ursprungs kann in folgenden fünf Schritten nachvollzogen werden: (1) Derjenige, der das Bündnis schließt, und der kommende Fürst sind ein und dieselbe Person. (2) Beide haben Bezug zum Antichristen. (3) Der Antichrist hat denselben Ursprung wie das Volk, das Jerusalem und den Tempel zerstörte. (4) Die Römer zerstörten Jerusalem und den Tempel im Jahr 70 n. Chr. (5) Daher wird der Antichrist römischen Ursprungs sein. Daraus folgt, dass der Antichrist kein Jude sein wird, sondern ein Heide römischer Herkunft.

Die zweite Hauptsache, die in diesem Text gelehrt wird, ist die Rolle des Antichristen beim Beginn der Trübsal. Der Auslösepunkt der siebzigsten Jahrwoche Daniels ist zweifellos die Unterzeichnung eines Sieben-Jahres-Vertrags zwischen Israel und dem Antichristen. Folglich löst nicht die Entrückung der Gemeinde die Trübsal aus, sondern die Unterzeichnung dieses Sieben-Jahres-Vertrags.

Der dritte Punkt, den dieser Text deutlich macht, ist, dass dieser Vertrag zwar für eine Dauer von sieben Jahren angelegt war, dass er aber nicht so lange halten wird. In der Mitte der Sieben-Jahres-Periode wird der Antichrist den Vertrag brechen und eine Einstellung der Opfertätigkeit erzwingen. Darauf folgen zwei Ereignisse: (1) Der Gräuel der Verwüstung, das heißt der Zeitpunkt, zu dem der Antichrist sich selbst im Tempel als Gottheit deklariert, und (2) die Auslösung der weltweiten Verfolgung des jüdischen Volkes. Diese Verfolgung wird andauern »bis zum völligen Ende«, dem Ende der siebzigsten Jahrwoche Daniels.


ANTICHRIST
alttestamentliche Hinweise

Dan 11,36-45

Dieser Text befasst sich mit zwei Hauptcharakteristika des Antichristen. Zunächst handelt er vom Wesen und Aufstieg des Antichristen (Verse 36-39 ). In diesem Textabschnitt zeigt ihn Daniel als halsstarrigen König (Vers 36 ), denn er erhebt sich über alle Völker und selbst über Gott, indem er sich selbst zur Gottheit erklärt (Verse 36-37 ). In seiner Selbstverherrlichung wendet er sich gegen den Gott der Götter ( Dan 7,25 ) und erhebt sich selbst über die ganze Menschheit. Er sucht nicht, wie es für Männer natürlich ist, die Liebe der Frauen, und so wird seine Missachtung der Frauen unmenschlich sein. Die Feindschaft Satans gegen die Fraulichkeit wird durch den Samen Satans fortgesetzt. Darüber hinaus wird er unter der totalen Kontrolle Satans stehen (Verse 38-39 ). Der Text macht deutlich, dass er einen Gott verehrt, den seine Vorfahren mütterlicherseits niemals ehrten: Satan, den Gott der Festungen. Seine politische Richtlinie lautet, dass der Zweck die Mittel heiligt. Darüber hinaus wird der Antichrist dank der Hilfe Satans in der Lage sein, die stärksten Verteidigungsanlagen der Welt zu überwinden und es wird scheinen, als sei er völlig unbesiegbar. Jene, die sich seiner Autorität und Gottheit unterwerfen, wird er erhöhen und ihnen Status und Autorität in seinem Reich verleihen. Er wird die eroberten Gebiete unter seinen loyalen Gefolgsleuten aufteilen, die ihn als Gott bekennen. So wird der Antichrist ein von Satan gelenktes und gestärktes Wesen sein, das die ganze Welt erobert.

Der zweite Teil des Textes handelt vom Krieg des Antichristen gegen die zehn Könige in der Mitte der Trübsal (Verse 40-45 ). Man sieht, wie er in alle Richtungen auszieht, um zu erobern, und so wendet er sich gegen den Norden (Verse 40.44 ), den Süden (Verse 40.42-43 ) und den Osten (Vers 40 ). Die drei Könige, die er besiegen und töten wird ( Dan 7,8-20.24 ), sind der König des Nordens (Syrien), der König des Südens (Ägypten) und der König des Ostens (Mesopotamien). Die Eroberung Ägyptens öffnet ihm die Tore zur Eroberung Afrikas (Verse 42-43 ). Er wird auch Israel, das gelobte Land, überfallen (Vers 41 ), um alles für den Gräuel der Verwüstung vorzubereiten. Obwohl der Antichrist schließlich die politische Kontrolle über die ganze Welt ergreifen wird, können drei Länder seiner Herrschaft entgehen: Edom, Moab und Amman (Vers 41 ). Diese drei antiken Nationen umfassen heute nur eine einzige Nation: das Königreich Jordanien. Das wird dann wiederum einen Schutzraum für fliehende Juden sein.

Der Text endet mit der Angabe, wo der Antichrist sein Hauptquartier errichten wird: »Und er wird seine Königszelte aufschlagen zwischen den Meeren und dem Berg der heiligen Zierde« (Vers 45 ). Das hier verwendete Wort für »Zelt« verweist auf ein militärisches Generalszelt und das Wort für »Palast« auf ein militärisches Königszelt. Es ist das königliche Zelt eines Generals (des Antichristen), das hier aufgestellt wird. Es wird zwischen den Meeren aufgerichtet, das heißt zwischen dem Mittelmeer und dem Toten Meer. Darüber hinaus steht es auf dem Berg der heiligen Zierde, das heißt dem Tempelberg, dem Berg Moria, dem Berg Zion. Das schafft die Voraussetzungen für den Gräuel der Verwüstung.

Siehe auch: Antichrist ; Antichrist, jüdische Vorstellungen.

Arnold Fruchtenbaum


ANTICHRIST
jüdische Vorstellungen

Die Vorstellung von einem Antichristus ist in weiten Teilen des Alten Testaments unterschwellig vorhanden; im Buch Daniel wird sie sehr deutlich. Das Bild eines Widersachers des Volkes Gottes und seines Messias in den letzten Zeiten tritt besonders in einigen apokryphen und pseudoepigraphischen jüdischen Schriften aus der Zeit vor der Geburt Christi hervor. Dazu gehören auch die apokalyptischen Texte der Schriftrollen vom Toten Meer. Der im Hinblick auf diese Literatur führende israelische Experte Michael Stone machte die Entdeckung, dass »der Hintergrund dieser Vorstellung in der jüdischen Eschatologie liegt«. Eine noch engere Schlussfolgerung zog der Professor der Hebräischen Universität in Jerusalem, David Flusser. Als Fachmann für das Judentum des zweiten Tempels und für die Ursprünge des Christentums stellt er kategorisch fest: »Die Vorstellung vom Antichristen ist ausgesprochen jüdisch und vorchristlich.« Das versteht sich aus dem Begriff selbst, denn gerade so, wie das griechische Wort christos (Christus) die Übersetzung des hebräischen Wortes maschiach (Messias) ist, so ist der »Antichrist« in Wirklichkeit der »Antimessias«.

In der jüdischen apokalyptischen Literatur wird ein letzter Aufstand der Gottlosen gegen die Gerechten in Israel vorausgesagt, der sich in den letzten Zeiten ereignen soll (vgl. Jub 23,24-23; 4Esr 4, 26-42; 6,18-28). Die frühesten Hinweise auf die Person eines gottlosen Königs, der die Streitkräfte der Gottlosen befehligt, betreffen »Belial« (» der Unwürdige «), ein übermenschliches Wesen, die Verkörperung des Bösen. Er ist dazu bestimmt, in der Endzeit der Gegener Gottes und seines Messias zu sein. In den Testamenten der zwölf Patriarchen dient das Bild Belials als Vorzeichen des unmittelbar bevorstehenden Abschlusses des Zeitalters und seines vernichtenden Endes (vgl. TJo 20,2; TSim 5,3; TNaph 2,6; TIss 6,1; 7,7; TReub 2,1; TDan 5,10; TLevi 18,12; TJuda 25,3). Belial führt nicht nur in die Irre. Wer auch immer sündigt, von dem wird gesagt, er tue die Werke Belials (TNaph 2,8). Ihm assistiert eine Gruppe von sieben bösen Geistern, die seinen unheiligen Hofstaat bilden (vgl. TReub 2,1; TIss 7,7). Diese Geister werden in den letzten Zeiten mit einer großen Gruppe von Menschen verbunden sein (Vgl. TIss 6,1). Die eschatologische Befreiung (Erlösung) Israels kann nicht ohne die endgültige Überwindung und Vernichtung Belials vollbracht werden. Der Sieg über Belial wird vom Gott Levis und vom Messias vollbracht (TDan 5,10; vgl. 5, 3-7), der mit ihm kämpfen wird und ihn endlich in die ewige Verdammnis schleudert (TDan 5,10; TIss 6,1; TLevi 18,12; TJuda 25,3).

Die Literatur der Schriftrollen vom Toten Meer (Qumran; ca. 196 v.Chr. - 68 n.Chr.) entwickelt eine komplexe Eschatologie, die sich auf eine pesher (wörtliche) Auslegung der biblischen Propheten gründet. Man hatte aufgrund der Annahme Belial = Satan gedacht, dass Belial nur ein Synonym für den Teufel sei. Obwohl Belial als Verführer und Verderber Israels vorgestellt wird, ist er eine eigens für diesen Zweck bestimmte Schöpfung Gottes (1QM 13,9-11) und tritt als ein quasi menschlicher Gegner auf. Es gibt Überschneidungen mit Satan, aber einige Texte wie 2. Hesekiel (4Q 385-389) unterscheiden zwischen einem »Sohn Belials« und einem »gotteslästerlichen/überheblichen König«, der sich erheben und das jüdische Volk bedrücken wird. Diese Titel erscheinen in Texten, in denen auf eine nationale Rückführung und Wiederherstellung Israels (entsprechend der Vision vom Tal der vertrockneten Knochen in Hes 37,4-6 ) angespielt wird, unmittelbar gefolgt von einem Gebet hinsichtlich der Zeit dieser endzeitlichen Rückführung des Volkes.

In einem fragmentarischen Pseudo-Daniel-Text aus der Höhle 4 in Qumran ist die Beschreibung eines gottlosen Endzeitkönigs, der Israel bedrückt, zu lesen: »... er wird ein Großer sein auf der Erde ... [alle] werden ihn anbeten und [alle] werden ihm dienen ... groß ... er wird mit Namen genannt und durch seinen Namen bestimmt werden. Man wird ihn Sohn Gottes nennen und sie müssen ihn Sohn des Höchsten nennen« (4Q 246 1,8-10). Das könnte den Anschein erwecken, hier handle es sich eher um einen Hinweis auf den Messias als auf den Antimessias, wenn hier nicht ein Feind Israels beschrieben würde. Das scheint sich in den darauf folgenden Worten zu bestätigen, in denen klar zwischen dem arroganten Bedrücker Israels in den vorangegangen Zeilen und dem Verteidiger Israels unterschieden wird, der den Frieden bringt und das Reich Israels aufrichtet: »Wie ein Meteor, den du erblicktest, so wird ihr Reich sein. Sie werden [etliche] Jahre lang auf der Erde herrschen und werden auf alles ihren Fuß setzen. Eine Nation (oder ein Volk) wird die andere zertreten und eine Provinz die andere, [ vacat ] bis das Volk Gottes sich erheben und vom Schwert abstehen wird. Sein Reich wird ein ewiges Reich sein und es (bzw. er) wird in Gerechtigkeit wandeln: Er wird die Erde in Gerechtigkeit [richten] und alle werden Frieden haben (machen). Das Schwert wird von der Erde genommen werden und jede Nation wird sich ihm unterwerfen (ihn anbeten)« (9-12).

Von großer Wichtigkeit ist hier das vacat (ein ausdrücklich gesetzter Zwischenraum zur Unterscheidung von Gedankensträngen), der Israels Bedrücker von seinem Erlöser trennt. Wenn diese Auslegung richtig ist, dann liegt uns in diesem Text der früheste jüdische Kommentar über Daniels Vision vom Antimessias und eine spektakuläre Parallele zur Lehre des Paulus in 2Thes 2,4 vor. Es ähnelt dem, was über Daniels gotteslästerlichen Tyrannen gesagt wird, der in den Orakeln des Hystaspes die göttlichen Vorrechte für sich in Anspruch nimmt. Die beschreiben einen König, der »geboren aus einem bösen Geist, aus Syrien kommen wird - der Umstürzer und Zerstörer der menschlichen Rasse ... dieser König wird nicht nur selbst der schändlichste sondern auch ein Lügenprophet sein. Er wird sich selbst einsetzen und sich selbst Gott nennen, und er wird selbst befehlen, dass man ihn als Sohn Gottes anbete« (Lactantius divinae institutiones 7.17,2-4). In ähnlicher Weise informiert uns das Testament des Mose , in dem ein Endzeitkönig mit absoluter Macht das jüdische Volk verfolgt, Gott lästert, das Gesetz bricht und den Tempel schändet, indem er seinen Eintritt ins Allerheiligste erzwingt und auf dem Altar heidnische Opfer darbringt. Die Tempelschändung ist nach dem Damaskus-Dokument (CD 4) auch eines der drei »Kennzeichen des Belial«.

Diese Texte bergen große Ähnlichkeit mit Jesu Ölbergrede, in der ein umfassender Abfall vom wahren Glauben vorausgesagt wird, betrügerische falsche Propheten und der Gräuel der Verwüstung im Tempel ( Mt 24,10-15; Mk 13,14-22 ).

Auch die jüdischen Apokalypsen entwickeln gewisse Vorstellungen hinsichtlich des Antimessias (siehe: Eschatologie, jüdische ). Ein Beispiel ist der römische Ursprung des Antimessias in den sibyllinischen Weissagungen (4,119-139). Er gründet sich scheinbar auf die Annahme einer Verbindung zu Rom in der Auslegung von Daniels Prophetie ( Dan 9,26-27 ). Hier ist der eschatologische Antimessias aus demselben Holz geschnitzt wie Nero, der ärgste aller göttlich verehrten römischen Kaiser, dessen Wiedererscheinen in der Endzeit als Nero redivivus (der [aus den Toten] auferstandene Nero) erwartet wurde. In der Himmelfahrt Jesajas ist Nero der Inbegriff des Bösen, in den Belial eingefahren ist, um Wunder zu tun und viele Bosheiten zu begehen ( 4,3.13 ). Auch die Schriften der frühen Kirchenväter waren beeinflusst von der traditionellen jüdischen Vorstellung des Nero redivivus (z.B. Commodian, 250 n. Chr.). Andere wiederum wie Hippolyt (Kommentar über die Segnungen Isaaks und Jakobs [ 1Mo 49,14 ]) begründeten die christliche Tradition, dass der Antichrist aus dem israelischen Stamm Dan kommen werde. Anscheinend schöpften sie diese neue Verbindung aus den jüdischen Testamenten der zwölf Patriarchen (TDan 1,4-9; 5,6-7), in denen festgestellt wird, dass in diesem Stamm böse Geister aktiv sein würden ( 5,5 ), dass Satan sein Fürst war ( 5,6 ) und dass er in der Zukunft den Stämmen Levi und Juda feindlich gegenüberstehen werde ( 5,6-7 ).

Der Untergang des Antimessias wurde nach dem Muster vorausgesagt, das in Dan 9,11 vorgestellt wird. Die Psalmen Salomos beschreiben den Sohn Davids, der Israel errettet, indem er den Gesetzlosen mit dem Wort seines Mundes tötet, Jerusalem säubert und den Juden das verheißene Land wiederherstellt (17,13.23-27). Das ist ähnlich wie im Neuen Testament, wo die Rückkehr des Messias die Verfolgung der Juden beendet und die Heere des Antichristen vernichtet ( Mt 24,30-31; Mk 13,26-27; Lk 21,27-28; 2Thes 2,8; Offb 19,14-21 ).

Im Jerusalemer Talmut (A), im Targum pseudo-Jonathan und in den späteren apokalyptischen jüdischen Midraschim (kommentierende Schriften) lautet der legendäre Name, der dem Antimessias beigelegt wird, Armilus. Werke wie Sefer Serubbabel und die Schriften von Saadia Gaon offenbaren seine Eigenschaften in verblüffenden Einzelheiten. Nach diesen jüdischen Quellen wird Armilus die ganze Welt mit der Behauptung täuschen, dass er Gott sei und über die ganze Welt herrschen werde. Er werde mit zehn Königen kommen, und gemeinsam würden sie gegen Jerusalem kämpfen. Von Armilus wird erwartet, dass er Israel verfolgt und in die Wildnis treibt und dass es eine Zeit beispielloser Not für Israel sein wird: Zunehmende Hungersnot und die Vertreibung der Juden durch die Nationen aus ihrem Land; die Juden werden sich in Höhlen und Schluchten verbergen. Gott wird gegen die Streitkräfte des Armilus Krieg führen, es wird eine große Rettung für Israel geben und das Reich der Himmel wird sich über die ganze Erde ausbreiten.

Andere Zeugnisse beschreiben weiterhin Armilus als aus dem römischen Kaiserreich erwachsend. Er hat wunderbare Kräfte und ist von der steinernen Statue einer Jungfrau geboren, weshalb man ihn den »Sohn eines Steins« nennt. Interessant ist auch, dass er diese Statue zum Zentrum allen Götzendienstes macht, was zur Folge hat, dass »sich alle Nationen vor ihr niederwerfen, ihr Räucherwerk darbringen und ihr Trankopfer ausgießen.« Das ähnelt Daniels gottlosem König und kommendem Fürsten und seinem Gräuel der Verwüstung, besonders aber dem Bild des Tieres im Buch der Offenbarung, dem Leben gegeben wird und das als ein Gegenstand der Anbetung beschrieben wird ( Offb 13,4.15 ).

Die jüdischen Autoren des Neuen Testaments folgten der jüdischen Hermeneutik einer wörtlichen, futuristischen Auslegung. Jüdische Vorstellungen vom Antimessias beeinflussten sowohl die frühe, judenchristliche Auslegung als auch die Auslegung der Mehrheit der frühen (vornicäischen) Kirchenväter. So schrieb zum Beispiel Irenäus (um ca. 185 n. Chr.): »Wenn aber dieser Antichrist die ganze Welt verheert haben wird, dann wird er drei Jahre und sechs Monate lang im Tempel zu Jerusalem sitzen und herrschen. Dann wird der Herr in Wolken, in der Herrlichkeit des Vaters vom Himmel her kommen und diesen Mann und jene, die ihm anhängen in den Feuersee werfen; für die Gerechten aber wird er die Zeit des Reiches bringen.« Und Eusebius erwähnt (verächtlich) einen judenchristlichen Autor namens Judas (datiert um 202-203 n. Chr.), dessen Abhandlung über Daniels 70 Jahrwochen vom unmittelbar bevorstehenden Auftreten des Antichristen in seiner Generation ausgeht (Geschichte der Kirche 6,6 ).

Im Gegensatz dazu tritt die nicht wörtliche Auslegung, die wir auch im späteren rabbinischen Judentum finden, nicht vor dem dritten Jahrhundert n. Chr. sondern erst mit Origenes und Augustinus ausgeprägt auf. Beide waren von den allegorischen Auslegungen der hellenistischidealistischen Schule des jüdischen Philosophen Philo beeinflusst. In Wirklichkeit waren sowohl die amillennialistische als auch die prämillennialistische Auslegung von jüdischen Quellen beeinflusst. Dennoch warfen die Amillennialisten während der Auseinandersetzung um das Tausendjährige Reich den Verfechtern eines solchen vor, dass es sich um eine »jüdische Vorstellung« handle. Obwohl apokryphe Elemente in der jüdischen Eschatologie verworfen werden müssen, werden Prämillennialisten aus den jüdischen Wurzeln ihrer Auslegung gestützt, die ihren richtigen biblischen Zusammenhang bestätigen.

Siehe auch: Daniel, Eschatologie.

J. Randall Price

David Flusser, The Hubris of the Antichrist in a Fragment from Qumran in: Immanuel (Frühjahr 1980); Jacob Klatzkin, Armilus in: Encyclopedia Judaica Bd. 3, (Jerusalem: Keter Publishing House Ltd., 1972); J. Randall Price, Prophecy and the Dead Sea Scrolls in: Secrets of the Dead Sea Scrolls (Eugene, Oreg.: Harvest House, 1996); Michael E. Stone, Antichrist in: Encylopedia Judaica Bd.3, (Jerusalem: Keter Publishing House Ltd., 1972).


APOKALYPSE

Der griechische Begriff apokalupsis bedeutet »Aufdeckung«, »Enthüllung« oder »Offenbarung« - deshalb auch eine »Offenbarung« in der Bibel. Die Verbform apokalupto ist aus kalupto (verbergen) und apo (vom) gebildet. Im säkularen Griechisch bedeutet es etwas aufzudecken, was vorher verborgen war. In der Septuaginta wird das Wort nur einmal in 1Sam 19,24 gebraucht (»Nacktheit«). Die Verbform wird in der Septuaginta über 80-mal in der Bedeutung von ausziehen, entblößen oder enthüllen gebraucht. Im Neuen Testament erscheint das Verb 26-mal, das Substantiv 18-mal, davon 13-mal in den Paulusbriefen. Bemerkenswerte Stellen sind Lk 2,32 (»ein Licht zur Offenbarung für die Völker«); Mt 11,25 (»Unmündigen offenbart«); 11,27 (»Niemand erkennt den Sohn als nur der Vater, noch erkennt jemand den Vater als nur der Sohn und wem der Sohn ihn offenbaren will.«).

Der Begriff Offenbarung bezieht sich in der christlichen Theologie auf die Selbstdarstellung Gottes gegenüber den Menschen. So ist die ganze Heilige Schrift ein Teil dieser göttlichen Offenbarung der geistgehauchten Wahrheit. Der Titel des Buches der Offenbarung, apokalypsi s, bezieht sich auf die Entschleierung oder Offenbarung der Zukunft. Seine Verwendung in Offb 1,1 zusammen mit dem Genitiv von bedeutet, dass Jesus Christus hier entweder thematisch als Gegenstand des Buches, gesehen werden kann oder als Ursprung der Offenbarung (vgl. Rienecker, Bd. 2, S. 465).

Da der griechische Titel des Buches der Offenbarung Apokalypse heißt, verweist der Begriff apokalyptisch auf alle prophetische Literatur über göttliches Gericht in der Endzeit (z.B. Dan 7-12; Jes 24-27; 34-35; Am 7-9; Sach 1-6; Joe 1-3 und Teile der Apokryphen: Jub, 2Esd, 1Hen, 2Hen, Bar).

Viele Gelehrte haben versucht, gewisse Eigenheiten apokalyptischer Literatur zusammenfassend einzugrenzen: Vorhersbestimmung, Pessimismus, unmittelbare Erwartung des Endes, Visionen weltweiter Katastrophen, umfassender Symbolismus und Messianismus. Dies sind ganz gewiss Charakteristika von Daniel und der Offenbarung, aber sie sind keineswegs auf diese beiden Bücher begrenzt. Vom soziologischen Standpunkt aus beschreibt der Begriff apokalyptisch allgemein eine Literatur, die aus der intensiven menschlichen Auseinandersetzung mit Verfolgungsangst und mit den Ängsten vor tief greifendem gesellschaftlichem Wandel erwächst. Das gilt aber nicht für alle apokalyptische Literatur. In einem Artikel über die Entrückung in NIDNTT (Bd. 3, S. 602) wird festgestellt: »In 1Thes 4,17 befasst sich Paulus mit der Entrückung in die Gemeinschaft der Erlösten am jüngsten Tag. Es waren nicht die Leiden der Gemeinde, die Paulus zu dieser Feststellung veranlassten, sondern die Besorgnis ihrer Glieder über das Schicksal jeder Christen, die bereits verstorben waren.«

Siehe auch: Gerichte, verschiedene.

Edward Hindson

D. E. Aune, Apokalyptisch in: Baker Encyclopedia of the Bible , hrsg. von W. A. Elwell (Grand Rapids: Baker, 1988); Colin Brown, Revelation in: New International Dictionary of New Testament Theology , Bd. 3 (Grand Rapids: Zondervan, 1978); Fritz Rienecker, A Linguistic Key to the Greek New Testament (Grand Rapids: Zondervan, 1980); D. S. Russell, The Message and Method of Apocalyptic in: Between the Testaments (London: SCM, 1960); R. F. Youngblood, Apocalyptic Literature in: Nelson's New Illustrated Bible Dictionary (Nashville: Thomas Nelson, 1995).


APOKALYPTISCHE SCHRIFTEN

Eine Apokalypse, vom griechischen apokalupsis , ist wörtlich eine »Entschleierung«. Als literarischer Begriff bezeichnet sie eine Gattung, die in den jüdischen Schriften der Zeit zwischen den beiden Testamenten erblüht ist - vom dritten Jahrhundert v. Chr. bis zum Ende des ersten Jahrhunderts n. Chr. Die Hauptcharakteristika der apokalyptischen Literatur kennzeichnen die meisten dieser Schriften: Einer biblischen Person werden durch einen himmlischen Vermittler (Engel) in höchst symbolischer Sprache himmlische Geheimnisse enthüllt. Diese Visionen beschreiben üblicherweise ein unmittelbares göttliches Eingreifen in gottlose menschliche Angelegenheiten, wobei die Sünder gerichtet, die Gerechten jedoch belohnt werden.

In einigen kanonischen alttestamentlichen Büchern kommen in vorausschauender Weise einige dieser Eigenschaften zum Tragen: bei Hesekiel, Sach 1-6 und Dan 7-12 . Die tierische Symbolik besonders bei Daniel dürfte spätere apokalyptische Autoren stark inspiriert haben. Eine Gruppe von Schriften aus der Zeit zwischen den beiden biblischen Testamenten, die wir unter der Bezeichnung pseudepigrapha kennen, verwendet weithin die apokalyptische Sprache. Einige der bemerkenswertesten dieser Schriften sind 1. Henoch, 4. Esdras, 2. Baruch und die Apokalypse Abrahams.

Das neutestamentliche Buch des Offenbarung war das erste Werk, das den Begriff »Apokalypse« benutzte, um sich selbst zu bezeichnen. Der Text birgt auch nahezu alle Hauptcharakteristika der Gattung. Die ersten beiden Verse identifizieren das Buch als eine Offenbarung, die einem menschlichen Propheten von Gott durch einen außerweltlichen Vermittler gegeben wird, um künftige Ereignisse zu enthüllen. Die Himmelsreise des Johannes in Kapitel 4 sowie die das ganze Buch durchziehenden Visionen sind ebenso Merkmale früherer apokalyptischer Schriften.

Das Buch der Offenbarung ist jedoch abgesondert von der nichtkanonischen apokalyptischen Literatur zu betrachten. Das biblische Buch ist nicht unter einem Decknamen verfasst, sondern trägt den Namen seines Autors, der als Prophet schreibt und den wir im Text immer wieder finden. Außerdem teilt Johannes nicht den Pessimismus der Apokalyptiker, die an der ganzen menschlichen Geschichte verzweifeln. Das Buch macht deutlich, dass Gott jetzt wie auch in Zukunft durch das Lamm erlösend wirksam ist. Darüber hinaus ist die neutestamentliche Apokalyptik auf Christus als Mittelpunkt ausgerichtet. Jesus ist das Zentrum des Glaubens in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Für Johannes und die anderen neutestamentlichen Autoren ist die Apokalyptik ein Mittel, Christi Bedeutung für die ganze Welt deutlich zu machen. Und schließlich besitzt der Autor Johannes die moralische Eindringlichkeit der alttestamentlichen Propheten. Er tadelt eine ungläubige Kirche und fordert Bekehrung, um ein göttliches Gericht abzuwenden - ein Ton, der den früheren Apokalypsen oftmals mangelt.

Die Einzigartigkeit der Apokalypse des Johannes ist auf seine göttliche Inspiration zurückzuführen, wohingegen die früheren apokalyptischen Schriften das Resultat der Fieberphantasien ihrer Autoren waren. Das letzte Buch der Bibel ist das beste, was die jüdische apokalyptische Literatur zu bieten hat. Dabei folgt es mehr der prophetischen Tradition des Alten Testaments als den Fußstapfen der Apokalyptiker.

Siehe auch: Antichrist ; Antichrist, jüdische Vorstellungen .

William Varner

Paul Hanson, The Dawn of Apocalyptic (Philadelphia: Fortress Press, 1987); Leon Morris, Apocalyptic (Grand Rapids: Eerdmans, 1973); D. S. Russell, The Method and Message of Apocalyptic (Philadelphia: Fortress Press, 1964).


APOKRYPHE SCHRIFTEN
ihr Gebrauch in der Prophetie

Die apokryphe Literatur (200 v. Chr. - 100 n. Chr.) birgt viele Hinweise auf den Messias und auf das künftige Reich. Das Problem mit dieser Gattung ist jedoch, dass die prophetischen Textteile verbogen sind, sowohl die Behandlung historischer Darstellungen als auch die vielfache Verwendung ausschließlicher Fiktion. Obwohl diese Texte in der römischkatholischen Kirche hohes Ansehen genießen, sind sie nicht göttlich inspiriert und besitzen auch keine Autorität als Wort Gottes. Aber es gibt fünf nicht zu unterschätzende Charakteristika in dieser literarischen Sammlung.

1. Die Schriften füllen die Lücke zwischen Altem und Neuem Testament. Sie bieten ein Informationsglied, das etwa viereinhalb Jahrhunderte menschlicher Geschichte umfasst.

2. Die Schriften geben wertvolle Einblicke in das geistliche, philosophische und intellektuelle Leben des Judentums.

3. Besonders die Bücher der Makkabäer geben eine sorgfältige Darstellung des erbitterten Existenzkampfs, den die Juden politisch gegen das heidnische Griechentum führen mussten. Sie protokollieren die Ereignisse einer der heldenhaftesten Perioden der Geschichte des jüdischen Volkes.

4. Ungeachtet aller Ungenauigkeiten, Widersprüche und Absurditäten bieten die Apokryphen den Historikern eine Bibliothek unschätzbarer weltlicher Literatur (Unger).

5. Auch im Bereich der Prophetie ist diese Literatur von großer Wichtigkeit.

Obwohl sie manchmal mit Übertreibungen und Erfindungen ausgeschmückt sind, geben uns die Apokryphen doch einen Überblick über den Glauben der Juden hinsichtlich des Kommens des Messias. Und nachdem man gewisse fiktive Passagen weggenommen hat, erkennt man, wie sehr die jüdische Hoffnung an der wörtlichen Erfüllung biblischer Texte hängt. Weil der Kern der prophetischen Hoffnungen aus den Prophetien des Alten Testaments kommt wissen wir, wie die Juden ihre messianischen Erwartungen auslegten.

In den Büchern Henochs (1. Jahrhundert v.Chr.) hat der alttestamentliche Henoch ( 1Mo 5,24 ) messianische Visionen eines zukünftigen Gerichts. In seiner zweiten Vision betrachtet er die Welt von der Sintflut bis zur Aufrichtung des messianischen Reiches. In einem Gleichnis oder einer Allegorie ist Henochs Vorstellung vom Messias die eines übernatürlichen Sohnes des Menschen. Er ist der Auserwählte, der sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzt, der gleichzeitig der Thron des Hauptes der Tage, des Allmächtigen, ist. Der Messias wird die Gottlosigkeit überwältigen und zu Gericht sitzen über Engel und Menschen.

Im Buch der Jubiläen (135-105 v. Chr.), das auch die Apokalypse Moses genannt wird, ist das messianische Zeitalter eine Segenszeit, die Bosheit wird ausgerottet. Der Psalter Salomos (70-45 v. Chr.) enthält ausgeprägte messianische Erwartungen. Diese Psalmen sind durch einen starken pharisäischen Hintergrund geprägt. Sie zeigen den Messias als Sohn Davids und König Israels, der Jerusalem von heidnischen Einflüssen reinigt und aus der Zerstreuung zurückführt. Die Nationenwelt wird ihm unterworfen sein, und er wird sie als Untertanen regieren. Im Buch der Geheimnisse Henochs (2. Henoch) aus dem ersten Jahrhundert n.Chr. zeigt der Herr dem Henoch die tausendjährige Millenniumsruhe. Zweifellos lasen die Rabbiner Teile des Neuen Testaments, und ihre Sicht des Tausendjährigen Reiches könnte aus dem Buch der Offenbarung entnommen sein. Die vor dem Jahr 70 n. Chr. geschriebene Apokalypse Baruchs zeigt die Trübsal in zwölf Abschnitten. Das letzte dort erwähnte Kaiserreich (das römische) wird durch den Messias zertreten. Obwohl das Buch von beträchtlichem Symbolismus gekennzeichnet ist, wird deutlich, wie die hebräischen Propheten des Alten Testaments an die wörtliche Erfüllung der Prophetien glaubten.

Die Sibyllinischen Orakel, die aus dem fünften Jahrhundert v. Chr. bis in die christliche Ära hinein datieren, ist eine breit angelegte Sammlung jüdischen und christlichen Materials, das die Vorstellungen von der Rückkehr des Messias miteinander zu verbinden scheint. Gegen Ende des Buches sagt die Sibylle das Kommen des MessiasKönigs voraus und malt ein vollständiges Bild der Wunder seines Reiches, das die Gerechten erwartet. Und das Buch kommt zu dem Schluss, dass die Söhne Gottes rund um einen wiedererrichteten Tempel wohnen werden.

Die Schreiber der Apokryphen schöpften ihre Prophetien eindeutig aus Daniel, Hesekiel, Sacharja und anderen alttestamentlichen Propheten. Möglicherweise entlehnten sie auch Gedankengänge aus Schriften des Neuen Testaments. Aber ihr Interesse konzentrierte sich auf den Tag des Herrn als Tag der Erlösung Israels (Fairweather).

Wird im Neuen Testament auf Apokryphen hingewiesen? Unger zitiert C. C. Torrey, der zu dem Schluss kommt: Im Allgemeinen blieben die apokryphen Schriften unbeachtet. Über das angebliche Zitat von Henoch 1,9 in Judas 1,14-16 gibt die Neue Scofield Studienbibel eine interessante Beobachtung wieder: »Es ist geschrieben von einem Unbekannten, der den Namen Henochs für den Titel seines Buches benutzte. Judas��� Zitat Henochs bedeutet nicht, dass er das Buch Henoch als zuverlässig ansah. Nebenbei ist es nicht ausgeschlossen, dass Judas die Quelle ist, aus der das Zitat möglicherweise seinen Weg in das Buch Henoch fand. Es gibt keinen Nachweis für den genauen Inhalt dieses apokryphen Buches bis viele Jahrhunderte nach der Zeit, zu der der Judasbrief geschrieben wurde.«

Mal Couch

James H. Charlesworth (Hrsg.), The Old Testament Pseudepigrapha , Bde. 1-2 (Garden City, N.Y.: Doubleday & Co, 1985); William Fairweather, The Background of the Gospels (Minneapolis: Klock & Klock, 1977); Bentley Layton (Übers.), The Gnostic Scriptures (Garden City, N.Y.: Doubleday & Co, 1987); Merrill F. Unger, Introductory Guide to the Old Testament (Grand Rapids: Zondervan, 1981).


APOSTELGESCHICHTE
Eschatologie

Die Apostelgeschichte berichtet über die Gründung der Gemeinde und die Ausbreitung des Christentums. Sie wird im Allgemeinen »Taten des Heiligen Geistes« genannt, gegründet auf die Tatsache, dass mehr als 50 Mal in diesem Buch auf ihn Bezug genommen wird. Die Apostelgeschichte beginnt mit der Himmelfahrt Christi hinauf an den Platz zur Rechten des Vaters und der darauf folgenden Ankunft des Heiligen Geistes. Mit seinem Kommen begann der Heilige Geist seinen Dienst der Innewohnung, Erfüllung und Führung der Gläubigen. Nur die Apostelgeschichte gibt den inspirierten Bericht von den Anfängen der Ausbreitung der Gemeinde wieder. Sie enthält eine Chronik der Ausbreitung der Gemeinde von Jerusalem bis Rom, ebenso wie die Verwerfung der Juden und die Annahme des göttlichen Heils durch die Heiden.

Der Autor dieses Buches ist Lukas. Seine Autorschaft wird vorrangig gestützt durch die drei Wir-Berichte in der ersten Person Plural ( 16,10-17; 20,5-21,18; 27,1-28,16 ) und durch die literarische Verwandschaft mit dem Lukas-Evangelium. Der Zeitpunkt der Verfassung wird zwischen 60 und 62 n. Chr. angesetzt.

Im Buch der Apostelgeschichte wird über zahlreiche Prophezeiungen berichtet. Dazu gehören solche, die sich im Rahmen der historischen Berichte des Buches erfüllen, und solche, die noch zukünftig sind. Das Kommen des Heiligen Geistes wurde verheißen ( 1,4-5 ) und hat sich erfüllt ( 2,1-4 ). Die Jünger fragten ihren Herrn nach dem zukünftigen Tausendjährigen Königreich ( 1,6 ), und ihnen wurde gesagt, dass dies so lange ein Geheimnis bleibe, bis Gott dessen Zeitpunkt offenbaren würde ( 1,7 ). Die Jünger waren sich durch die Belehrung des Alten Testaments ( Jes 32,15-20 ) dieser zukünftigen Zeit bewusst, für die ein zukünftiger Segen für das Land und das Volk verheißen ist. Als Nächstes wird das zweite Kommen von Jesus Christus prophezeit ( 1,11 ), und dieses ist von da an das häufigste Thema bis zum Ende der Schriften des Neues Testaments.

Die Ereignisse an Pfingsten ( 2,1 ) wurden im Alten Testament vorausgesagt ( 2Mo 23,16; 3Mo 23,15-22; 4Mo 28, 26-31; 5Mo 16,9-12 ). Pfingsten ereignete sich 50 Tage nach dem Fest der Erstlingsfrüchte, das ein Typus auf Christus als Erstling aus den Toten bei seiner Auferstehung ist. Weist das Pfingstfest auf die Weizenernte hin, so markiert der Pfingsttag den Beginn der Zeitalters der Gemeinde. Kapitel 2 (Verse 17-20 ) beinhaltet ein Zitat aus dem Alten Testament ( Joe 2,28-32 ). Es werden hauptsächlich zwei Prophezeiungen erwähnt: 2,17-18 spricht von den Geschehnissen, die an Pfingsten eintrafen und somit erfüllt sind; der Rest des Abschnitts ( 2,19-20 ) präsentiert die Zeichen, die dem zukünftigen Tag des Herrn vorausgehen werden, wenn moralischer Niedergang und Abfall die Oberhand gewinnen. Die Erfüllung der Prophetie von der Erhöhung Christi ( Ps 110,1 ) findet sich in Kapitel 2,34-36 ; die von seiner Kreuzigung ( Jes 52,13-53,12 ) in Kapitel 3,13-15 .

Apg 15,16-18 ist ein Zitat aus dem Alten Testament ( Am 9,11-12 ), das von dem Zeitpunkt der Wiederkunft Christi spricht. Zu dieser Zeit wird der Tempel Davids im Tausendjährigen Reich aufgebaut werden. Dies war eine den Juden gegebene Zusage, die beinhaltete, dass Gott, obwohl er auch den Heiden Anteil an seinem Heil gewährte, seinen Plan für Israel nicht aufgegeben hatte. In seiner Rede auf dem Areopag ( 17,22-34 ) prophezeite Paulus, dass Gott die ganze Welt richten würde durch Jesus Christus, den gerechten Richter, der von den Toten auferweckt worden war (V. 31 ). Dies wird buchstäblich vor dem Großen Weißen Thron erfüllt werden ( Offb 20,11 ). Die Apostelgeschichte berichtet außerdem von einer durch Jesus dem Paulus übermittelten Prophezeiung ( 23,11 ), dass er nach Rom gehen solle, um für ihn Zeugnis abzulegen. Von ihrer Erfüllung wird in Kapitel 28,11-16 berichtet.

Schließlich spricht Paulus von der Hoffnung Israels ( 28,20 ), die auf die Auferstehung blickt und auf den Tag, wenn Jesus wiederkommt und sich als König der Könige und Herr der Herren erweisen wird.

Siehe auch: Heiliger Geist, Taufe mit dem HG.

Rick Bowman

Charles F. Pfeiffer und Everett F. Harrison, Hrsg., The Wycliffe Bible Commentary (Chicago: Moody Press, 1962); John F. Walvoord, Hrsg., The Prophecy Knowledge Handbook (Wheaton: Victor Books, 1990); John L. Walvoord und Roy B. Zuck, Hrsg., The Bible Knowledge Commentary (Wheaton: Victor Books, 1985).


APOSTELGESCHICHTE 2
und Pfingsten

Die Ausgießung des Heiligen Geistes am Tag von Pfingsten in Apg 2 ist der Antitypus des alttestamentlichen Festes der Erstlingsfrüchte und die Erfüllung mehrerer Prophezeiungen unseres Herrn Jesus, ganz besonders von Apg 1,5.8 und ebenso von Joh 14,16-17.26; 15,26; 16,7-15 . Aber sie ist nicht die Erfüllung der Prophezeiung Joels.

Das Pfingsten in Apg 2 ist die Erfüllung vieler einzelner Aspekte des Festes der Erstlingsfrüchte im dritten Buch Mose. Das zeitliche Intervall von 50 Tagen des mosaischen Festes ( 3Mo 23,16 ) entsprach genau dem Zeitraum zwischen der Auferweckung Christi ( Joh 20,17 ) und der Ausgießung des Geistes in Apostelgeschichte 2. Die zwei Brote ( 3Mo 23,17 ) repräsentieren dementsprechend Juden und Heiden, die in Christus zu einem Leib zusammengefügt wurden ( 1Kor 12,13 ). Die Brotlaibe wurden aus Sauerteig gemacht ( 3Mo 23,17 ), welches Sünde oder Böses unter den Gläubigen auf der Erde darstellt. Die Erstlingsfrüchte wurden dargebracht ( 3Mo 23,17 ), und Christus ist die Erstlingsfrucht ( 1Kor 15,23 ).

Der Herr Jesus prophezeite den Dienst des Heiligen Geistes nach seiner Rückkehr zur Rechten des Vaters und machte deutlich, dass dieser Dienst etwas Neues war und sich von dem unterschied, was die Apostel bis dahin erfahren hatten ( Joh 14,17 ). Am Tag von Pfingsten kann man mehrere Werke des Heiligen Geistes ausmachen. Durch das Reden in Zungen ( Apg 2,4 ) kam der Dienst des Geistes in Bezug auf die Gnadengaben ( 1Kor 12,11 ) zum Ausdruck. Der Dienst der Erfüllung durch den Geist wird ebenso erwähnt ( Apg 2,4 ). Bevollmächtigung zum Zeugendienst ( Apg 1,8 ) ist erkennbar in der Kühnheit des Auftretens der Jünger. Der Dienst der Überführung ( Joh 16,7-11 ) wird offenbar durch die Reaktion der Zuhörer ( Apg 2,37 ). Das Werk der Taufe im Heiligen Geist als solches wird nicht ausdrücklich erwähnt, ist aber ebenso offensichtlich. Der Herr Jesus bezog sich in Apg 1,5 auf das Werk der Taufe als etwas noch in der Zukunft Liegendes. Petrus nahm Bezug auf Pfingsten als dem Zeitpunkt, an dem die Apostel die Erfüllung dieser Verheißung empfangen hatten ( Apg 11,15-17 ).

Die Taufe mit dem Heiligen Geist an Pfingsten leitete ebenso die Erfüllung der Worte Christi über den Bau seiner Gemeinde ein ( Mt 16,18 ). Die Gemeinde wurde an diesem Tag eingeweiht. Durch die Taufe des Heiligen Geistes wird ein Gläubiger dem Leib Christi hinzugefügt ( 1Kor 12,13 ), welcher die Gemeinde ist ( Eph 1,22-23 ). Diese Taufe des Heiligen Geistes gründete sich auf Christi Tod und Auferstehung ( Röm 6,3-4 ). Bevor Christus nicht erhöht war, um das Haupt der Gemeinde zu werden ( Kol 1,18 ), und bevor er nicht von der Rechten des Vater aus den Geist ausgoss ( Apg 2,33 ), um Menschen seinem Leib hinzuzufügen, gab es keine Gemeinde im Sinne dieses Wortes im Neuen Testament. Die Taufe der Gläubigen in den Leib Christi hinein scheint ein einzigartiges Merkmal dieser Heilszeit zu sein.

Im Blick auf Petrus' Zitat aus dem Buch des Propheten Joel über den Tag des Pfingsten haben die Ausleger in ihrem Verständnis keine Übereinstimmung gefunden. Was meinte Petrus, als er erklärte, dass die auftretenden Phänomene das waren, wovon der Prophet Joel redete? Manche sind der Meinung, Petrus habe die vollständige Erfüllung der Prophezeiung Joels angezeigt. Andere haben ihn so verstanden, dass die Tätigkeit des Geistes an Pfingsten der Beginn dessen war, was Joel sagte. Wieder andere verstehen Petrus so, als sei Pfingsten ein Angebot unter Bedingungen, von dem der Prophet Joel gesprochen hatte. Aber Petrus' Bezugnahme auf den Propheten Joel scheint am besten verstanden zu werden als eine einfache Illustration des Werkes des Heiligen Geistes. Petrus wollte sagen: Das ist die Art von Dingen, von denen der Prophet Joel gesprochen hat.

Petrus' einleitende Worte zu dem Zitat aus Joel in Apg 2,16 - »... dies ist es, was durch den Propheten Joel gesagt ist (touto estin to eiremenon )« - weist nicht notwendigerweise auf eine Erfüllung hin, was klar wird, wenn man einen sorgfältigen Blick auf seinen Stil wirft. In 1.Pet 1,23-25 gebraucht Petrus dieselbe Formulierung: »Dies aber ist das Wort (touto de estin to rhema ), das euch als Evangelium verkündigt worden ist.« Er bezieht sich dabei auf ein Zitat aus Jesaja, das eindeutig keine buchstäbliche Erfüllung ist. Petrus weist auf einen Vergleich hin: Das ist die Art von Wort (das ewige Wort), das zu euch gepredigt wurde. Auf der anderen Seite vergleichen seine klaren, einleitenden Worte erklärend die Erfüllung einer Prophetie in Apg 1,16 .

Es gibt handfeste Gründe, Petrus so zu verstehen, dass die Ereignisse an Pfingsten denen gleichen, von denen Joel schreibt, jedoch nicht ihre Erfüllung sind:

1. Joel spricht von einer Ausgießung des Geistes auf Juda (siehe Joel 3,1 mit dem wiederholten Gebrauch der Anrede in der 2. Person, um zu beschreiben, dass der Geist »über alles Fleisch« ausgegossen wird; Joel 3,5 spricht vom Berg Zion und von Jerusalem als die Empfänger der Befreiung; Juda und Jerusalem werden in Joel 4,1 erwähnt).

2. Die in Joel 2 erwähnten Ereignisse, die der Ausgießung vorausgehen, sind niemals erfüllt worden. Die Wunder des Himmels aus Joel 3,3-4 haben an Pfingsten nicht stattgefunden. Das Gericht über die Heiden und die Wiederherstellung des Reiches Israel, die der Ausgießung des Geistes folgen ( Joe 4 ), wurden nicht erfüllt. Die Erfahrungen von Pfingsten decken sich nicht mit allem, was Joel voraussagte.

3. Die Ausgießung des Geistes an Pfingsten geschah zur Entstehung der Gemeinde. Sie ähnelt der Ausgießung des Geistes über ein bußfertiges Juda. Die Ausgießung des Geistes an Pfingsten wird als die Erfüllung der Geistestaufe und als der Beginn der Gemeinde betrachtet ( Apg 1,5; 11,15-17 ).

Siehe auch: Heiliger Geist, Taufe mit dem HG ; Israel und die Gemeinde, Unterschiede .

Clifford Rapp Junior

Lewis Sperry Chafer, Hrsg., Systematic Theology , Bd. 4 (Grand Rapids: Kregel Publications, 1993); Charles C. Ryrie, »The Significance of Pentecost«, in: Vital Theological Issues , hrsg. von Roy B. Zuck (Grand Rapids: Kregel, 1994); Robert L. Saucy, The Church in God's Program (Chicago: Moody Press, 1972); Henry C. Thiessen, Lectures in Systematic Theology (Grand Rapids: Eerdmans, 1949).


AUFERSTEHUNGEN
Altes Testament

Die Lehre von der Auferstehung ist im Alten Testament eher spärlich entwickelt. Doch es gibt einige sehr wichtige Schlüsselverse, die diese Lehre stützen und für einen noch zukünftigen Tag einen neuen Leib verheißen. Abraham und anderen wurde gesagt, sie würden in Frieden zu ihren Vätern eingehen ( 1Mo 15,15 ). Das könnte eine zukünftige Auferweckung zu neuem körperlichem Leben beinhalten. Ps 73,24 macht deutlich, dass die Seelen der Gerechten dahingehen werden, um nach dem Tod beim Herrn zu sein: »Nach deinem Rat leitest du mich, und nachher nimmst du mich in Herrlichkeit auf.« Hiob geht im 19. Kapitel näher auf die Auferstehung ein. Dort äußert er Worte der Hoffnung: »... ich weiß: Mein Erlöser (goe l) lebt; und als der Letzte wird er über dem Staub stehen. Und [ich] ... werde doch aus meinem Fleisch Gott schauen« (Verse 25-26 ). Da Gott keinen Leib hat, muss sich diese Stelle auf die künftige Herrschaft Christi beziehen. Außerdem verkünden diese Verse unzweifelhaft die Verheißung eines neuen materiellen Leibes, der wieder »sehen« wird.

Auch andere alttestamentliche Verse zielen auf Auferstehung. Der König David wird auferweckt, um den Überrest Israels im Reich Gottes zu »ernähren«. Denn Gott sagt: »Ich, der Herr, werde ihnen Gott sein, und mein Knecht David wird Fürst in ihrer Mitte sein« ( Hes 34,24 ). Manche sehen hier typologisch einen Hinweis auf Christus, aber die meisten Prämillennialisten glauben, dass hier von dem auferstandenen Patriarchen selbst die Rede ist. In einer Textpassage, die das künftige Reich ankündigt, sagt Jesaja: »Deine Toten werden lebendig, meine Leichen [wieder] auferstehen. Wacht auf und jubelt, Bewohner des Staubes! Denn ... die Erde wird die Schatten gebären« ( Jes 26,19 ).

Der Prophet Daniel sagt die Auferstehung der Gerechten nach der schrecklichen, weltweiten Trübsal voraus. Er schreibt: »Es wird eine Zeit der Bedrängnis sein, wie sie [noch] nie gewesen ist, seitdem [irgend]eine Nation entstand bis zu jener Zeit. Und in jener Zeit wird dein Volk errettet werden, jeder, den man im Buch aufgeschrieben findet. Und viele von denen, die im Staub der Erde schlafen, werden aufwachen: die einen zu ewigem Leben und die anderen zur Schande, zu ewigem Abscheu« ( Dan 12,1-2 ).


AUFERSTEHUNGEN
Neues Testament

Im Neuen Testament findet der Begriff Auferstehung durch zwei griechische Wörter Ausdruck: egiro : »(sich) erheben«, »aufsteigen« und anisteem i: »aufstehen«. Beide Wörter finden sich in einer großen Zahl von Versen, was der Lehre Substanz verleiht. Verschiedene Darstellungen der Auferstehung geben einen Vorgeschmack auf die Erfüllung dieser Hoffnung. Lazarus wurde von Jesus aufgefordert vorzutreten, nachdem er bereits vier Tage tot war ( Joh 11 ). Jesus hatte gesagt: »Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er gestorben ist« (Vers 25 ). Der Herr starb am Kreuz, berichtet Matthäus, »und die Grüfte taten sich auf, und viele Leiber der entschlafenen Heiligen wurden auferweckt« ( 27,52 ). Dies ist von manchen »Wiederbelebung« und nicht »Auferstehung« genannt worden, da die so Hervorgetretenen wieder würden sterben müssen. Auch wurden ihnen nicht neue Leiber gegeben, sondern sie traten in ihren alten Hüllen hervor. Das Wort wiederbeleben bedeutet, »jemanden aus der Bewusstlosigkeit wieder aufleben lassen« (Webster) und beschreibt daher nicht das wirkliche Wunder des Ereignisses. Es handelt sich mehr um Vorankündigungen, Typen und Bilder dessen, was geschehen wird. Die endgültige Auferstehung wird ohne jeden weiteren Verfall stattfinden. Darin setzte Christus den Standard für die Heiligen, »dass er [Gott] ihn aber aus den Toten auferweckt hat, so daß er nicht mehr zur Verwesung zurückkehrte« ( Apg 13,34 ).

Die Auferstehung ist natürlich erst durch den Tod, die Bestattung und die Auferstehung Christi möglich geworden. Er hat den Weg für jene bereitet, die durch den Glauben mit ihm verbunden sind. Er macht neues Leben für jene alttestamentlichen Heiligen möglich, die vor ihm von uns gegangen sind. An der Auferstehung Christi hat die Dreieinigkeit Gottes Anteil. Jesus sagte den Juden, wenn sie seinen Leib zerstörten, würde er ihn selbst wieder aufrichten ( Joh 2,19 ). Ebenso richtete Gott, der Vater, den Herrn auf ( Röm 4,24 ), und auch der Heilige Geist ( Röm 8,11 ). Im Sinne ihrer Stellung hat Gott die an Jesus Gläubigen bereits auferweckt. Paulus beschreibt, wie die Gläubigen in dieser Heilszeit auf geistliche Weise mit dem Herrn auferweckt sind ( Eph 2,6; Kol 2,12; 3,1 ). Die Vereinigung mit ihm gibt uns neues, ewiges Leben.

Aber tatsächliche, körperliche Auferstehung ist der Eckstein von Paulus��� Theologie: »Wenn aber Christus nicht auferweckt ist, so ist euer Glaube nichtig, so seid ihr noch in euren Sünden« ( 1Kor 15,17 ). Er fährt damit fort, die wirkliche Auferstehung zu beschreiben. Der Leib wird in den Erdboden gesät, verweslich, entehrt, in Schwachheit und natürlich ( 1Kor 15,42-44 ). Er wird auferweckt unverweslich, in Herrlichkeit, in Kraft und geistlich. Dieser Leib ist immer noch körperlich, mit Fleisch und Blut, jedoch unempfänglich für Sünde und Krankheit. Er ist wie der neue Leib Christi. »Wir wissen, daß wir, wenn es offenbar werden wird, ihm gleich sein werden, denn wir werden ihn sehen, wie er ist« ( 1Jo 3,2 ). Der neue Leib ist nicht nur ein wehender Geist oder eine Erscheinung. Es ist in der Tat ein neuer, auferstandener Leib.

Amillennialisten und Bündnistheologen erkennen im Allgemeinen nur eine Auferstehung in der Heiligen Schrift. Beispielsweise bezeichnet A. A. Hodge alle in der Bibel erwähnten Auferstehungen als eine einzige neben der Auferstehung Christi. Vertreter der Heilszeitenlehre jedoch, die die Zusammenhänge studieren, sehen den Unterschied zwischen der Auferstehung der in Jesus Entschlafenen und der allgemeinen Auferstehung in Offb 20,5 . Die Formulierung »Die in Jesus« bezieht sich auf jene, die in dieser Heilszeit verstorben sind und die beim Klang der Posaune auferstehen werden. Die erste Auferstehung von Offb 20,5 zielt auf die Auferstehung jener, die - wie in Vers 4 beschrieben - das Martyrium erlitten, und verknüpft sie mit den Verheißungen des Alten Testaments einer Auferstehung für das Reich Gottes. So schließt sie die Auferstehung der Gerechten ein ( Lk 14,14; Apg 24,15 ), die Auferstehung aus den Toten ( Lk 20,34-36 ), die Auferstehung des Lebens ( Joh 5,29 ) und die Auferstehung zum ewigen Leben ( Dan 12,2 ; Thomas).

Da gibt es noch die Auferstehung aller nicht rechtschaffenen Verstorbenen zum Gericht vor dem großen weißen Thron ( Offb 20,11-15 ). Die Verlorenen aller Heilszeiten werden auf der Grundlage ihrer Taten gerichtet ( 20,13 ). Jeder wird ohne Möglichkeit eines Einspruchs gerichtet. Sie stehen ohne die stellvertretende Gerechtigkeit Christi da und sind deswegen nur mit ihren eigenen, sündigen Werken bekleidet. Sie sind zum zweiten Tod verdammt, dem Feuersee ( 20,14 ), denn ihre Namen waren nicht im Buch des Lebens geschrieben ( 20,15 ).

Siehe auch: Gerichte .

Mal Couch

Lewis Sperry Chafer, Systematic Theology , Bände 2, 4 (Grand Rapids: Kregel, 1993); David B. Gurainik (Hrsg.), Webster's New World Dictionary (New York: Simon and Shuster, 1980); A. A. Hodge, Outline of Theology (Carlisle, Pa.: The Banner of Truth Trust, 1991); Robert L.Thomas, Revelation 8-22 (Chicago: Moody Press, 1995).


AUGUSTINUS

Augustinus (354-430 n. Chr.), Bischof von Hippo Regius in Numidien (Nordafrika), war der begabteste der römischen Kirchenväter und der größte Theologe der frühen Kirche. Er wurde berühmt durch seine Beiträge zu den Lehren der Kirche über Vorherbestimmung, Sünde und Gnade. Augustinus war auch ein grundlegender Weichensteller für den Aufstieg und die Annahme des Amillennialismus und verursachte so den Niedergang und die Verwerfung der prämillennialistischen Lehre, die bis zu dieser Zeit als feststehende orthodoxe Lehre in der Eschatologie der frühen Kirchenväter galt. Vor Augustinus wurde Amillennialismus von Theologen verfochten, die in der durch die alexandrinische Schule hemmungslos angewandten Praxis allegorischer Auslegung der Schrift wohl bewandert waren und die so die heiligen Texte oftmals bis zur Häresie verbogen (z.B. Origenes).

Zu Beginn hatte Augustinus selbst prämillennialistische Ansichten in Form der Jahr-Tag-Tradition verfochten, die üblicherweise von der frühen Kirche akzeptiert wurden. Diese Sicht gründete sich auf den Schöpfungsbericht mit sechs Tagen schöpferischer Tätigkeit, gefolgt von einem Ruhetag und der symbolischen Gleichsetzung eines Tages mit einem Zeitraum von tausend Jahren (begründet durch 2Petr 3,8; Ps 90,4 ). Das führte zu der Annahme, dass die Welt für einen Zeitraum von sechstausend Jahren existieren werde, die man üblicherweise in Tausend-Jahre-Zeitalter biblischer Geschichte aufteilte. Diesen würde ein Tausend-Jahre-Sabbat der Ruhe folgen, das Tausendjährige Reichszeitalter.

Augustinus verließ den prämillennialistischen Standpunkt mit der oberflächlichen Begründung, dass sich einige Millennialisten ein Reichszeitalter in unvergleichlicher Fruchtbarkeit vorstellten, exzessiv überladene Tafeln voller Essen und Trinken (De Civitate Dei 20,7). Er gab statt dessen dem Standpunkt seines Zeitgenossen Tykonius, eines Donatisten und Laientheologen den Vorzug, der eine allegorisierte Auslegung der Offenbarung anregte. Ausgehend von dieser Position formulierte Augustinus einen amillennialistischen Standpunkt, in dem kein künftiges irdisches Tausendjähriges Reich erwartet wurde. Sein angepasster millennialistischer Jahr-Tag-Glaube erklärte den siebenten Tag der Sabbatruhe kurzerhand zur symbolischen Entsprechung der Ewigkeit (eine übliche Ansicht unter den antiprämillennialistischen Kirchenvätern des vierten und fünften Jahrhunderts). Das Tausendjährige Reich aus Offb 20 wurde als Periode der gegenwärtigen Herrschaft Christi mit den Heiligen im Gemeindezeitalter gesehen - mit der geschätzten Dauer von Christi erstem bis zu seinem zweiten Kommen (De Civitate Dei 20,9).

Augustinus vertrat die Ansicht, dass während dieses geistlichen Millenniums Satan gebunden oder in seiner Macht eingeschränkt sei, aber noch die Freiheit habe, die Kirche zu täuschen und zu verführen (De Civitate Dei 20,8). Augustinus betrachtete das gegenwärtige Zeitalter als einen Kampf zwischen der Gemeinde und der Welt, zwischen der »Stadt Christi« und der gleichzeitig existierenden »Stadt des Teufels« (De Civitate Dei 20,11). Er glaubte, dass Gott durch das Mittel des Kreuzes bereits den grundsätzlichen Sieg über Satan errungen habe und dass die Kirche deshalb in diesem Zeitalter Triumphe erfahren könne. Er meinte aber, dass ungeachtet dessen kein endgültiger Sieg errungen sei, ehe Satan nicht seine ihm noch verbliebene Macht genommen und seine letzte Rebellion beim zweiten Kommen Christi niedergeschlagen worden sei. Darin unterscheidet sich Augustinus grundlegend vom postmillennialistischen Glauben an den Sieg der Gerechtigkeit im gegenwärtigen Gemeindezeitalter.

Augustinus umriss in der De Civitate Dei den Plan Gottes mit der menschlichen Geschichte folgendermaßen:

1. Von der Schöpfung bis zur Fleischwerdung Gottes sind fünftausend Jahre vergangen ( 20,7 )

2. Das Gemeindezeitalter - zwischen den beiden Kommen Christi - dauert tausend Jahre, während derer: a) Satan gebunden bzw. in seiner Macht begrenzt ist ( 20,8 ) b) die Heiligen mit Christus regieren bzw. »das Reich Christi« währt ( 20,9 )

3. Die letzte Verfolgung der Gemeinde beginnt am Ende des Tausendjährigen Reiches. Sie dauert dreieinhalb Jahre und beinhaltet: a) Satans Freilassung am Ende der tausend Jahre ( 20,11 ) b) Satans Aufhetzung Gogs und Magogs (der Nationen der ganzen Erde) zur grausamen Verfolgung der Gemeinde ( 20,11 ) c) den Antichristen als Mittelpunkt dieser letzten Verfolgung ( 20,13 )

4. Christus kommt wieder: a) um die Verfolger der Gemeinde heimzusuchen (Gog und Magog?) ( 20,12 ) b) um den Antichristen zu tötet ( 20,12 )

5. Das jüngste Gericht (über die Gottlosen) folgt mit: a) der zweiten Auferstehung des Fleisches ( 20,14 ). Die erste Auferstehung wurde als geistliche Wiederbelebung »vom Tod der Sünde« erklärt ( 20,9 ) b) Die Gottlosen, der Antichrist und der Teufel werden in den Feuersee geworfen ( 20,15 )

6. Für die Gerechten werden ein neuer Himmel und eine neue Erde geschaffen ( 21,1 )

Obwohl Augustinus��� Vorstellung vom Tausendjährigen Reich Christi allegorisiert war, glaubte er dennoch, dass die tausend Jahre in Offb 20 den buchstäblichen Zeitraum bezeichnen, der zwischen Christi erstem und zweitem Kommen liegt, dem Zeitraum des Gemeindezeitalters. Als aber das Jahr 1000 kam und ohne die Rückkehr Christi verging, war Augustinus��� Chronologie widerlegt. Es wurde für die Amillennialisten notwendig, die Dauer des Tausendjährigen Reiches und seine Bedeutung zu allegorisieren. Die tausend Jahre sollten nun einen unbestimmten Zeitraum zwischen den beiden Kommen Christi darstellen.

Mit dieser und einigen weiteren Anpassungen dominierte Augustinus��� allegorische Auslegung der biblischen Prophetie das eschatologische Verständnis während des Mittelalters. Sie fand auch die Akzeptanz der römischen Kirche ebenso wie die der Führer der Reformation. Bis heute findet die augustinische Eschatologie Annahme in weiten Kreisen der christlichen Kirche.

Siehe auch: Amillennialismus .

Larry Crutchfield

P. Brown, Augustine of Hippo (Los Angeles: University of California Press, 1967); W. A. Jurgens, The Faith of the Early Fathers , 3 Bde. (Collegeville, Minn.: The Liturgical Press, 1979); P.Schaff und H.Wace (Hrsg.), Nicene and Post-Nicene Fathers , 2. Reihe, 14 Bde (Grand Rapids o.J., Eerdmans).


BABYLON

Die Stadt und die Region Babylon spielen in der Bibel in vierfacher Hinsicht eine wichtige Schlüsselrolle - geographisch, politisch, geistlich und prophetisch. Der Name »Babylon« leitet sich vom hebräischen babel ab: »Tor Gottes«. Ein entfernt verwandtes Wort ist das Verb bala l: »verwirren«, »verwechseln«, »durcheinander bringen«. In der hebräischen Wortfamilie finden sich weiterhin folgende verwandte Begriffe: bal (nicht), bele (abgenutzt), balay (in Schwierigkeiten sein).

Die geographische Region Babylonien umfasste etwa 13.000 Quadratkilometer zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris; in der Überlieferung ist dies die Lage des Gartens Eden, wo die ersten Menschen lebten ( 1Mo 2,14 ). Nach der Sintflut befand sich hier das babylonische Reich ( 1Mo 10,10 ), das auch als das Land Sinear (oder Schinar) bezeichnet wurde. Dieses Wort könnte mit dem Hebräischen schanah verwandt sein, was »strahlen, glänzen, leuchten«, »Jahr« oder »wiederholen« (im jährlichen Zyklus der Monate) bedeuten kann. Das könnte eine entfernte Anspielung auf die Tatsache sein, dass Astronomie und Astrologie in dieser Region erstmals voll entwickelt waren und dass hier die Götter erdacht wurden - Wesen, die die Himmel und die Erde beherrschten. Aus dieser Region stammte Nimrod, der erste König von Babylon. Seine Name bedeutet: »sich empören«, »sich erheben« ( 1Mo 10,8-10 ). Im ersten Buch Moses wird uns außerdem berichtet, dass hier die mit Erech, Akkad und Kalne verwandten Völker wohnten. Weiter im Norden hat das antike Assyrien mit der Stadt Ninive seine Wurzeln ( 1Mo 20,22 ). Diese Völker und ihre Gebiete spielen eine bedeutsame Rolle in dem langen Konflikt mit Gottes auserwähltem Volk, den Israeliten.

Abraham wanderte aus diesem Gebiet aus, das zu seiner Zeit »Ur der Chaldäer« genannt wurde ( 1Mo 11,28 ). Um 1792-1750 v. Chr. Wurde Babylon von Hammurabi beherrscht. Die Königsfolge von Assyrien begann mit Assurnarsipal II. um 883 v. Chr. Das Neubabylonische Reich entstand um 626 v. Chr. mit Nebukadnezar, der im Jahr 605 v. Chr. an die Macht kam. Derselbe Nebukadnezar zerstörte später, im Jahr 586 v.Chr., Jerusalem und den Tempel. Trotz seiner langen Geschichte fiel Babylon 539 v. Chr. an die Meder. In all diesen Ereignissen spielte Babylon eine Hauptrolle als Nation und als Instrument Gottes zur Züchtigung Israels.

Jesaja beispielsweise prophezeite, dass Babylon wegen der Sünden Israels ins Land einfallen, das Volk in die Gefangenschaft führen und nichts im Land lassen werde ( 2Kö 20,17 ). Jeremia sagte voraus, dass die Gefangenschaft siebzig Jahre andauern werde ( Jer 25,11 ). Babylon werde jedoch für seinen Götzendienst bestraft ( Jer 51,52 ), und auch all das Unglück, dass es über Zion gebracht hatte ( Jer 51,24 ), werde ihm vergolten werden. Die Völker würden nicht mehr in seine Tore strömen, und seine Mauern würden fallen ( Jer 51,44 ). Die Ära eines vorherrschenden Weltreichs werde zu Ende gehen und die große, alles überschattende Macht, die einst den ganzen Mittleren Osten beherrschte, werde es nicht mehr geben. Zahlreiche babylonische Städte spielten jedoch noch für hunderte von Jahren nach dem Niedergang eine wichtige Rolle auf der Weltbühne.

Geistlich repräsentiert Babylon die Rebellion des Menschen gegen Gott, den Sitz des Bösen, des Satanischen und die Geburtsstätte der Vielgötterei. In einem Spottgedicht auf den Herrscher (und auf das System) Babylons ( Jes 14,1-23 ) wird der König als Verkörperung und Bild Satans selbst dargestellt. In seinem Gedicht geht Jesaja über den lebenden Beherrscher der babylonischen Nation hinaus; er porträtiert eine Personifizierung Luzifers. Er hat den Absturz Satans im Blick, der vor langer Zeit in der Ewigkeit ausrief: »Ich will hinaufsteigen auf Wolkenhöhen, dem Höchsten mich gleich machen« und »[Ich will] hoch über den Sternen (den Engeln) Gottes meinen Thron aufrichten« ( Jes 14,13-14 ).

Die Vielgötterei Babylons ist nirgendwo anschaulicher als in dem babylonischen Flutbericht, den das Gilgamesch-Epos enthält. Darin handeln die Gottheiten wie selbstsüchtige, lasterhafte Menschen. Sie fließen über vor Selbstmitleid, streiten mit- und hadern gegeneinander, klagen sich gegenseitig an, ducken sich »wie Hunde« und scharen sich gierig umeinander »wie die Fliegen«. Diese Götter sind launisch und zügellos in ihrer Sündhaftigkeit. Kindisch leugnen sie die Verantwortung für die schrecklichen Zerstörungen durch die Flut und versuchen, einander die Schuld dafür zuzuschieben (Unger). Von Babylon aus verbreitete sich die Verehrung solcher Gottheiten über die heidnischen Kulturen der antiken Welt. Die Verehrung dieser Götter war bezeichnenderweise mit sexuellen Perversionen verbunden, die die Gesittung verdarben. So ist Babylon schuldig, die heidnische Verzerrung des Bildes vom wahren Schöpfergott verursacht zu haben.

Nichtsdestoweniger machten die Babylonier die heidnischen Religionen salonfähig. Sie entwickelten die Idee des Pantheismus (die Vorstellung, dass die Götter in jedem Vorgang oder Ausdruck der Natur und ihrer Kräfte gegenwärtig sind) und erhoben sie zu einer Kunstform. Sie integrierten Kunst, Schauspiel und Musik in die Religion, bis die heidnischen Vorstellungen als höchster Ausdruck ihrer Kultur attraktiv wurden. Babylon griff auch die antike Form des Stadtstaates auf und weitete sie zu einem bürokratischen System aus, das die Kontrolle über die Bevölkerung des ganzen Reiches möglich machte.

Die letzten prophetischen Kapitel über Babylon finden wir in Offb 17-18 . Unter Prämillennialisten und Vertretern der Heilszeitenlehre bestehen verschiedene Meinungen darüber, ob Babylon nur ideell als Illustration des Diabolischen zu verstehen ist, oder ob diese Kapitel ein wieder erstandenes nationales Babylon in der Trübsalszeit zeigen. Frühere amillennialistische Gelehrte haben diese Kapitel fast immer als eine Darstellung der römisch- katholischen Kirche und ihrer heidnischen, geistlichen Hurerei verstanden. Manche Vertreter der Heilszeitenlehre erkennen in diesem neu erstandenen Babylon das wiederhergestellte Weltsystem, wie es am Ende von Rom aus regiert wird. Andere lesen aus diesen Kapiteln eine tatsächlich wiederaufgebaute Stadt und wiedererstandene Nation Babylon im Mittleren Osten heraus (Dyer). Saddam Hussein ging beispielsweise wirklich davon aus, dass Babylon einmal eine Weltstadt, wenn nicht die Welthauptstadt wird. Und manche Vertreter der Heilszeitenlehre glauben, dass das endzeitliche Reich des Antichristen ohne die antike Stadt Babylon nicht offenbar werden kann.

Andere kehren zu der Ansicht zurück, dass das »Geheimnis« Babylon ein System repräsentiert, das sich seit der Antike bis heute erhalten hat. Es ist als betrügerisches Übel in das religiöse System der römischkatholischen Kirche eingebettet. Deshalb kann der Hinweis in Offb 17,5 auf »Babylon, die große, die Mutter der Huren und der Gräuel der Erde« nicht nur mit einer Örtlichkeit, sondern mit einem System gleichgesetzt werden. Diese Hure »reitet« oder lenkt eine Zeit lang das wieder errichtete römische Weltreich. Aber die Mächte, die dieses wieder erstandene Reich begründen, werden sich gegen sie wenden und »sie verwüsten und nackt machen und werden ihr Fleisch fressen und sie mit Feuer verbrennen« ( Offb 17,16 ). Aus Kapitel 18 kann keineswegs geschlossen werden, dass sie auch eine Stadt mit wirtschaftlichem Einfluss ist. Hunt argumentiert energisch, dass es sich nach wie vor um das papistische Rom handeln könnte, das gewaltigen ökonomischen Einfluss auf die Welt hat und auch noch in der Trübsalszeit haben wird.

In einer Art Kompromiss wird auch gesagt, dass das Babylon der Offenbarung einerseits die geistliche Hurerei der Katholischen Kirche und ihrer weltweit beherrschenden Stellung repräsentiere, aber auch der geographische Ort im Irak, der einen Diktator wie Saddam Hussein haben könnte. Was hier auch immer zutreffen mag, die Vertreter der Heilszeitenlehre beschränken die Ereignisse dieser Kapitel im Buch der Offenbarung auf die Zeit der Trübsal, obwohl die finsteren, bösen Einflüsse des antiken Babylon durch die ganze Menschheitsgeschichte hindurch wirksam sind. Einige weisen auch nachdrücklich darauf hin, dass es nur so scheint, als habe Gott die Sünden Babylons vergessen, wenn auch seit seiner frühen Gottlosigkeit eine lange Zeit vergangen ist. Aber der Herr wird sie sich wieder ins Gedächtnis zurückrufen. Das endzeitliche Babylon ist nur der letzte Auswuchs derselben Prinzipien, die auch das antike Babylon antrieben. Alte Ärgernisse werden helfen, die endgültige Rache zu entflammen (Seiss).

Siehe auch: Trübsal, die Große .

Mal Couch und Joseph Chambers

Charles H. Dyer, The Rise of Babylon (Wheaton: Tyndale, 1991); Dave Hunt, Die Frau und das Tier (Bielefeld: CLV, 1995); Merrill F. Unger, Archaeology and the Old Testament (Grand Rapids: Zondervan, 1956); John F. Walvoord, The Bible Prophecy Handbook (Wheaton: Victor Books, 1990).


BALE
John

John Bale (1495-1563) studierte am Jesus College in Cambridge (England). Er widerrief sein Gelübde im Karmeliterorden und wurde ein führender protestantischer Autor, sowohl als Theologe wie auch als Dramatiker. Unter der Förderung Thomas Cromwells schrieb er zahlreiche Bühnenstücke. Er war der erste englische Dramatiker, der die Charakteristika des Geschichtsdramas mit denen der so genannten Morality Plays , ethischen Schauspiele, verknüpfte, um das Scheitern der Papstkirche und die Notwendigkeit einer Kirchenreform zu illustrieren. In seinem Stück A Comedy Concerning Three Laws (»Eine Komödie, drei Gesetze betreffend«) legte er die Ansicht dar, dass die drei Sittengesetze (Natur, Knechtschaft, Gnade) sieben Zeitalter der Weltgeschichte betrafen, von denen jedes jedoch in göttlichem Gericht endete. Bales sieben Zeitalter entsprechen unmittelbar der Vorstellung von sieben Heilszeiten. Von 1541-1547 lebte Bale im Exil in Deutschland, wo er seinen Kommentar zur Offenbarung schrieb. Er gab ihm den Titel The Images of Both Churches (»Das Bild der beiden Kirchen«). Darin stellt er die sieben Zeitalter der Kirchengeschichte den sieben Siegeln der Apokalypse gegenüber. Bales Kommentar war unter den englischen Exilanten weit verbreitet, die später die Genfer Bibel hervorbrachten, in deren Anmerkungen sie manchen Gedanken Bales aufgriffen.

Edward Hindson

J. S. Farmer, The Dramatic Writings of John Bale, Bishop of (London: Early English Drama Society, 1907); K. R. Firth, The Apocalyptical Tradition in Reformation Britain, 1530-1645 (Oxford: Oxford University Press, 1979); J. Harris, John Bale: A Study in the Minor Literature of the Reformation (Urbana: University of Illinois, 1940).


BARON
David

David Baron (1855-1926) wurde in eine streng orthodoxe jüdische Familie in Russland hineingeboren. Er studierte Hebräisch unter strengster rabbinischer Anleitung. Nach intensiver persönlicher Erforschung der Heiligen Schrift bekehrte er sich zum Christentum und begann sofort damit, den Juden das Christentum zu erklären und den Christen dabei behilflich zu sein, die Prophetie und die künftige Wiederherstellung Israels zu verstehen. Dafür gründete er eine Organisation, die sich »Hebräisch-Christliches Zeugnis für Israel« nannte. Durch seine Veröffentlichungen schuf er eines der großartigsten Zeugnisse für Gottes Wirken im Leben des jüdischen Volkes.

Baron veröffentlichte prämillennialistische Bücher wie The Servant of Jehova (»Der Diener Jahwes«) und Types, Christ and Israel (»Typen, Christus und Israel«). Sein klassischer Kommentar zu Sacharja wird als ein herausragendes Werk unter den Auslegungen dieses alttestamentlichen Buches betrachtet. Darin schreckt Baron die Leser auf, während viele in der Heidenkirche die Heilige Schrift allegorisiert haben, wenn es um Jerusalem oder Israel geht. In seinem Vorwort schreibt Baron: »Nahezu alle vorhandenen Werke über dieses prophetische Buch weisen auf die eine oder andere Weise Mängel auf, und manche von ihnen führen in die Irre. Die älteren Kommentare sind erwähnenswert wegen ihres ehrerbietigen, geistlichen Tons ... aber sie sind mehr oder weniger beeinträchtigt durch das allegorisierende Auslegungsprinzip, durch das alle Hinweise auf ein konkretes Reich Gottes auf Erden, auf eine buchstäbliche nationale Wiederherstellung Israels und auf das sichtbare Erscheinen und die sichtbare Herrschaft des Messias wegerklärt werden.«

Baron führte weiter aus, er werde ausschließlich mit dem hebräischen Text arbeiten und so viel wie möglich von den großen messianischen Prophetien erläutern. Er versuchte auch, »prophetische Ereignisse darzulegen, die Land und Volk Israel betreffen - Ereignisse, deren baldige Erfüllung die Menschen möglicherweise jetzt mit ihren eigenen Augen zu sehen beginnen.«

Mal Couch

David Baron, Commentary on Zechariah (Grand Rapids: Kregel, 1988).


BROOKES
James Hall

Leben und Dienst

James Brookes (1837-1897) war ein früher, landesweit anerkannter Vertreter des an der Lehre von den Heilszeiten orientierten Prämillennialismus in den Vereinigten Staaten. Verantwortlich dafür waren sein Predigtdienst in einer presbyterianischen Kirche in St. Louis, seine Beteiligung an der jährlichen Niagara-Bibelkonferenz und seine überaus produktive schriftstellerische Tätigkeit (seine Bücher waren Bestseller). Der Sohn eines presbyterianischen Pfarrers wurde in Pulaski in Tennessee geboren. Sein Vater starb an der Cholera, als Brookes noch ein Kind war, und er wurde von seiner Mutter allein aufgezogen. Nach Absolvierung der Stephenson-Akademie in Ashewood (Tennessee) war Brookes eine Zeit lang als Landlehrer tätig, ehe er sich 1851 an der Miami-Universität in Oxford (Ohio) einschrieb. Nachdem er im Jahr 1853 die Abschlussprüfung abgelegt hatte, ging er zum theologischen Seminar in Princeton. Sein Studium dauerte weniger als ein Jahr, da er unverhofft zum Pastor der First Presbyterian Church nach Dayton (Ohio) berufen wurde. Die Kirchenleitung ordinierte ihn am 20. April 1854 in Oxford. Zwölf Tage später heiratete er Susan Oliver, in die er sich während seiner College-Jahre verliebt hatte.

Im Februar 1858 erhielt der außerordenlich beliebte Pastor und Prediger einen Ruf an die Second Presbyterian Church in St. Louis, und sechs Jahre später berief man ihn an die Sixteenth and Walnut Street Church (die spätere Washington and Compton Avenue Prebyterian Church ). Er blieb Pastor dieser Kirche bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1894. Brookes diente als Leiter der Generalversammlung in den Jahren 1857, 1880 und 1893 und war bestellter Schriftführer der Missouri-Synode im Jahr 1874.

Landesweite Anerkennung errang Brookes weitestgehend durch seine Schriften und Konferenzdienste. In den frühen 70er Jahren des 19. Jahrhunderts veröffentlichte er Maranath a, einen umfangreichen Band eschatologischer Texte, der eines seiner am weitesten verbreiteten Werke wurde. Im Jahr 1875 begann er damit, eine Monatszeitschrift mit dem Namen Die Wahrheit oder Zeugnis für Christus herauszugeben, die zu einer weit verbreiteten, einflussreichen prämillennialistischen Publikation wurde. Er war regelmäßiger Redner bei Bibelkonferenzen, CVJM-Treffen und Konferenzen über Prophetie, und im Jahr 1875 war er einer der Mitbegründer und der Präsident einer jährlichen Konferenz, die unter der Bezeichnung Niagara-Bibelkonferenz bekannt geworden ist.

Sein ganzes Leben lang war Brookes ein einflussreicher Leiter, Pastor und Bibellehrer. Dank seiner Bemühungen wurden Prämillennialismus und Dispensationalismus (die Lehre von den Heilszeitaltern) weit über die Gemeindegrenzen hinweg im konservativen Protestantismus verbreitet. Sein bekanntester Schüler war C. I. Scofield, der spätere Herausgeber der Scofield-Studienbibe l, den Brookes in die Lehre von den Heilszeitaltern einführte und durch den er später seinen größten Einfluss ausübte. Brookes starb am Ostermorgen des 18. April 1897. Er hinterließ ein literarisches und pastorales Vermächtnis der Barmherzigkeit, der Hingabe und der Verkündigung.


BROOKES
James Hall

Eschatologie

Brookes war einer der ersten prominenten Pastoren in den Vereinigten Staaten, die die Entrückung vor der großen Trübsal lehrten. Als einer der bemerkenswertesten und eifrigsten Erforscher der Prophetie seiner Zeit kann er getrost als Vater der amerikanischen Vorentrückungslehre bezeichnet werden. In einem 1896 in The Thruth (»Die Wahrheit«) erschienenen Artikel mit dem Titel Wie ich ein Prämillennialist wurde erklärte Brookes, er habe durch das Lesen der Bibel und Studieren der Offenbarung und des Buches Daniel nach der Aufnahme seines pastoralen Dienstes zur prämillennialistischen Eschatologie gefunden, nachdem er die Prophetie viele Jahre lang vernachlässigt habe. Diese unabhängigen Studien und der Einfluss der Plymouth- Brüder in den Jahren nach dem Bürgerkrieg bildeten den historischen Hintergrund seiner Überzeugungen. Brookes stritt ab, unmittelbar die Eschatologie der Plymouth-Brüder zu vertreten, obgleich er ihre eschatologische Begeisterung anerkannte. Bereits 1871 lehrte und veröffentlichte Brookes Ansichten, die denen der Heilszeitenlehre entsprachen. Um 1874 war sein Denkgebäude vollständig entwickelt.

Wohl vertraut mit den eschatologischen Ansichten im Prämillennialismus, wandte sich Brookes sowohl gegen eine Teilentrückungstheorie als auch gegen die Nachentrückungslehre. Er weigerte sich, Zeitpunkte für die Entrückung zu nennen und vertrat unerschütterlich die Lehre von der baldigen Wiederkunft des Herrn. Er wusste um die Beschuldigungen schlecht informierter Kritiker, Vertreter der Heilszeitenlehre würden angeblich mehr als einen Heilsweg lehren, und wies diese Behauptungen in seinen Publikationen entschieden zurück. »Es ist unnötig, jemanden, der regelmäßig in der Heiligen Schrift liest, daran zu erinnern, dass von den Eingangsversen des ersten Buches Moses bis hin zu Maleachi in Schöpfung, Vorsehung und Erlösung der Geist ins Blickfeld gerückt wird, und dass alle, die errettet sind, durch seine göttliche Kraft und Gnade ins Leben zurückgerufen werden, so wie sie jetzt sind« (Israel and the Church , S. 38).

Timothy Demy

James Hall Brookes, Israel and the Church (New York o.J., Revell) und: Maranatha , (New York: Revell, 1889); Larry Dean Pettegrew, The Historical and Theological Contributions of the Niagara Bible Conference to American Fundamentalism (Dallas: Doktorarbeit am Dallas Theological Seminary, 1976); Harry S. Stout, Dictionary of Christianity in America (Downers Grove, Ill.: InterVarsity Press, 1990); David Riddle Williams, James H. Brookes: A Memoir (St. Louis: Presbyterian Board of Publication, 1897).


BULLINGER E. W.

Ethelbert William Bullinger (1837-1913) wurde am 15. Dezember 1837 im englischen Canterbury geboren. Er war ein direkter Nachfahre von Johann Heinrich Bullinger, einem Bündnistheologen, der im Dezember 1531 in Zürich Ulrich Zwingli nachfolgte.

Am King's College in London ausgebildet, galt er als anerkannter Gelehrter auf dem Gebiet der biblischen Sprachen. Der Erzbischof von Canterbury verlieh ihm 1881 die Ehrendoktorwürde der Theologie in Anerkennung seiner biblischen Gelehrsamkeit.

Dr. Bullinger glaubte an die prämillennialistische Entrückung vor der großen Trübsal und lehrte sie auch. Man hielt ihn sogar für einen Ultradispensationalisten weil »er lehrte, dass die Evangelien und die Apostelgeschichte noch zum Zeitalter des Gesetzes gehörten und dass die Gemeinde ihren tatsächlichen Anfang mit dem Dienst des Paulus nach Apostelgeschichte 28,28 genommen habe« (Enns). Er vertrat die irrige Ansicht, die Seele werde zwischen dem Tod und der Auferstehung verlöschen. Viele seiner Verehrer waren Befürworter der Lehre von der Seelenvernichtung.

Einige seiner bekanntesten Werke sind Commentary on Revelation , Word Studies on the Holy Spirit , The Witness of the Stars , The Book of Job , Figures of Speech Used in the Bible , Great Cloud of Witnesses , The Critical Lexicon and Concordance to the English and Greek New Testaments und The Companion Bible .

Dr. Bullinger starb am 6. Juni 1913 in London.

Brian K. Richards

Ethelbert William Bullinger, Commentary on Revelation (Grand Rapids: Kregel, 1984) und Great Cloud of Witnesses (Grand Rapids: Kregel, 1979); Paul Enns, The Moody Handbook of Theology (Chicago: Moody Press, 1989).


BULTEMA
Harry

Harry Bultema (1884-1952) wurde in Holland geboren. Seine Eltern wanderten mit ihm und seinen fünf Geschwistern in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts nach Amerika aus. Er wuchs in einem gläubigen Elternhaus auf. Bultema studierte am Calvin College und Calvin Seminary in Grand Rapids in Michigan. Nach dem Abschluss leitete er die reformierten Kirchengemeinden in Illinois, Iowa und Michigan. Durch sein intensives persönliches Bibelstudium kam er zu dem Schluss, dass zwischen Christus als dem künftigen König Israels und Jesus als gegenwärtigem Haupt der Gemeinde ein grundlegender Unterschied bestehe. Diese wiederentdeckten Wahrheiten machten aus ihm einen prämillennialistischen Vertreter der Heilszeitenlehre. Er verließ die reformierte Kirche. Zu seinen in englischer Sprache verfassten Schriften gehören Kommentare zu Jesaja und Daniel.

All seine Werke sind geprägt vom Prämillennialismus und von seinem Standpunkt, dass sich die Entrückung der Gemeinde vor der Trübsal ereignen wird. In seinem Kommentar zu Jesaja schreibt Bultema: »Christus wird als wahrer theokratischer König über das wiederhergestellte Israel und über die ganze Erde herrschen. Er wird in Jerusalem, vom Berg Zion aus, mit den Seinen in Herrlichkeit regieren.« An anderer Stelle schreibt er: »In der ganzen Heiligen Schrift gibt es auch nicht den Anschein oder die Spur einer Rechtfertigung dafür, Israels als Nation mit der Gemeinde als dem Leib Christi gleichzusetzen. Das Wort Israel erscheint siebzigmal im Neuen Testament, aber es muss bei jedem Vorkommen in seiner wörtlichen, historischen Bedeutung verstanden werden.«

Mal Couch

Harry Bultema: Commentary on Isaiah (Grand Rapids: Kregel, 1981).


BUND
der Landverheißung

Der Name des Bundes

Der traditionelle Name für diesen Vertrag lautet »Palästinischer Bund« und war zur Zeit seiner Entstehung gut gewählt, da dieser Vertrag zum größten Teil Landstriche betraf, die Jahrhunderte lang unter dem Namen Palästina bekannt waren. Jetzt jedenfalls ist diese Bezeichnung aus zwei Gründen unglücklich: Zum Ersten wurde dem Land dieser Name von dem römischen Kaiser Hadrian gegeben, und zwar nach dem zweiten jüdischen Aufstand unter Bar-Kochba (132-135 n. Chr.), damit jeder Hinweis auf das Land der Juden aus dem Gebiet ausradiert würde. Zum Zweiten wird dieser Name wegen der Ereignisse im Mittleren Osten während des 20. Jahrhunderts mehr mit Arabern als mit Juden in Verbindung gebracht. Vielleicht wäre »Bund der Landverheißung« ein besserer Name dafür.


BUND
der Landverheißung

Die Heilige Schrift

Die Haupttextstelle über den Bund der Landverheißung ist 5Mo 29,1-30,20 .


BUND
der Landverheißung

Die Bestimmungen des Bundes der Landverheißung

Es gibt acht besondere Bestimmungen in diesem Bund der Landverheißung: (1) Mose sprach prophetisch über Israels künftigen Ungehorsam gegenüber dem mosaischen Gesetz und die darauf folgende Zerstreuung in alle Welt ( 29,2-30,1 ); (2) wird Israel bereuen ( 30,2 ); (3) der Messias wird zurückkehren ( 30,3 ); (4) Israel wird heimversammelt ( 30,3-4 ); (5) Israel wird das verheißene Land besitzen ( 30,5 ); (6) Israel wird wiederhergestellt ( 30,6 ); (7) die Feinde Israels werden gerichtet ( 30,7 ) und (8) Israel wird den vollen Segen empfangen, besonders die Segnungen des messianischen Reiches ( 30,8-10 ).


BUND
der Landverheißung

Die Wichtigkeit des Bundes der Landverheißung

Die besondere Wichtigkeit dieses Bundes besteht darin, dass er Israels Besitzanspruch auf das Land beurkundet. Obwohl sich Israel ungläubig und ungehorsam erweisen würde, sollte das Recht auf das Land nie von ihm genommen werden. Während das Genießen des Landbesitzes an Gehorsam gebunden ist, bleibt das Besitzrecht des Landes bedingungslos. Darüber hinaus zeigt der Bund der Landverheißung, dass der bedingte mosaische Bund den unbedingten abrahamitischen nicht beiseite setzt. Jemand könnte zwar behaupten, dass der bedingte mosaische Bund den unbedingten abrahamitischen ersetzt habe, aber der Bund der Landverheißung zeigt, dass das nicht stimmt. Er ist eine Erweiterung des ursprünglichen abrahamitischen Bundes. Er erweitert den Land-Aspekt und betont die Verheißung des Landes für Gottes Volk trotz seines Ungehorsams.


BUND
der Landverheißung

Die Besiegelung des Bundes der Landverheißung

Der Bund der Landverheißung erhielt seine Besiegelung Jahrhunderte später in Hes 16,1-63 . Diese Textpassage beschreibt Gottes Beziehung zu Israel als die eines Ehemanns zur Ehefrau, und Gott beschreibt eingehend seine Liebe zu Israel im Kindesalter (Verse 1-7 ). Israel wurde von Gott erwählt und wurde Jahwe durch Heirat verbunden, daher wurde es als Ehefrau Jahwes bekannt (Verse 8-14 ). Israel allerdings spielte die Hure (Verse 15-34 ). Daher wurde es notwendig, Israel durch das Mittel der Zerstreuung zu bestrafen (Verse 35-52 ). Doch diese Zerstreuung ist nicht endgültig, denn es wird eine künftige Wiederherstellung auf der Grundlage des Bundes der Landverheißung geben (Verse 53-63 ).


BUND
der Landverheißung

Die Auswirkungen des Bundes der Landverheißung im gegenwärtigen Zeitalter

Der Bund der Landverheißung verheißt eine letzte weltweite Rücksammlung des Volkes nach einer weltweiten Zerstreuung. Während diese letzte Rücksammlung erst zukünftig stattfindet, ist die weltweite Zerstreuung gegenwärtige Realität und war es seit dem Jahr 70 n. Chr. Außerdem verheißt der Vertrag, dass das jüdische Volk in der Zerstreuung Verfolgung leiden wird; das Land werde über die Jahrhunderte wüst werden. Die Tatsache, dass all diese Verheißungen erfüllt wurden und werden, zeigt, dass sich dieser Vertrag immer noch auswirkt. Ein Schlüsselthema des Vertrages besteht darin zu zeigen, dass zwar Israels Genuss des Landes an den Gehorsam gebunden ist, nicht aber sein Besitzrecht. Das Versagen aller anderen dortigen Landbesitzer in dem Bestreben, eine unabhängige Verwaltung einzusetzen, zeigt, dass dieser Bund nach wie vor in Kraft ist. Viele Ablösungstheologen bestehen auf der Grundlage von Textpassagen wie Jos 11,23 darauf, dass Gottes Verheißungen an Israel betreffs des Landes bereits erfüllt seien. Allerdings muss auch dieser Vers wie alle anderen Verse der Bibel in seinem Textzusammenhang und vor dem Hintergrund des Buches Josua als Ganzes betrachtet werden. Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass das Buch Josua ursprünglich keine Kapiteleinteilung besaß, dann stellt der Vers einfach eine Tatsache fest, denen dann die Ausnahmen von dieser Tatsache folgen. Unmittelbar auf Jos 11,23 folgt eine Liste der von Israel getöteten kanaanitischen Könige. Jos 13,1-6 zeigt, dass ein großer Teil des Territoriums nicht in Israels Hände fiel, und das ist eine erhebliche Ausnahme von der Feststellung in Kapitel 11,23 . Viel von diesem Gebiet kam auch in der unmittelbaren Zukunft nach Josua nicht in jüdische Hände. Jerusalem blieb unter Kontrolle der Jebusiter ( Jos 15,63 ) bis zur Zeit Davids ( 2Sam 5,6-9 ). Die Stadt Geser blieb den Kanaanitern ( Jos 16,10 ) bis zur Zeit Salomos ( 1Kö 9,16 ). Der Stamm Dan musste umsiedeln, weil er den Philistern das ihnen zugesprochene Territorium nicht abnehmen konnte. Sogar zur Zeit des davidischen und des salomonischen Imperiums war ein großer Teil des Landes unter militärisch gesicherter Kontrolle, aber nicht wirklich von jüdischer Bevölkerung besiedelt ( 1Kö 4,21 ). Im ersten Kapitel des Buches der Richter werden Geschehnisse berichtet, die sich nach dem Tod Josuas ereigneten, und es gibt auch Berichte darüber, wie zahlreiche Stämme bei Versuchen scheiterten, das Land einzunehmen, das ihnen zuerkannt worden war. Niemals in der Geschichte des Alten Testamentes hat Israel die ganze Fläche des Verheißenen Landes besessen, befestigt oder besiedelt. Dies geschah auch nicht zu irgendeinem Zeitpunkt der bisherigen jüdischen Geschichte. Der Vertrag garantiert allerdings, dass es eines Tages so sein wird.


BUND
der Landverheißung

Die Auswirkungen des Bundes der Landverheißung in der Zukunft

Ein Hauptaspekt von Israels endgültiger Wiederherstellung ist die Rücksammlung des Volkes, und die gründet sich auf den Bund der Landverheißung. Was dieser Bund verhieß, wurde durch die Propheten bestätigt, was wir in den folgenden Textpassagen sehen: Jes 11,11-12,6; 43,5-7; Jer 16,14-15; 23,3-4.7-8; 31,7-10; Hes 11,14-18; 36,24; Am 9,14-15; Zeph 3,18-20; Sach 10,8-12; Mt 24,31; Mk 13,27 .

Siehe auch: Bundesschlüsse .

Arnold Fruchtenbaum


BUNDESSCHLÜSSE

Ein Bundesschluss ist eine Vereinbarung zwischen zwei Parteien und repräsentiert Beziehungen zwischen Gott und Mensch, zwei Menschen oder Nationen. In der Heiligen Schrift gibt es zwei Arten von Bundesschlüssen: bedingte und bedingungslose. Ein bedingter Bund ist zu seiner Erfüllung für beide Parteien verbindlich, das heißt, die Erfüllung des Vertrages auf Seiten des Bündnisgebers ist abhängig von der Erfüllung auf Seiten des Bündnisnehmers, mit dem der Vertrag geschlossen wird. Im Gegensatz dazu ist ein unbedingtes Bündnis nur verbindlich für den Bündnisgeber. Gewisse Segnungen, die mit dem unbedingten Bündnis zusammenhängen, können allerdings erfordern, dass der Bündnisnehmer auf den Bündnisgeber eingeht, damit er den Segen empfangen kann. Es gibt vier charakteristische Merkmale von Bundesschlüssen, die beachtet werden müssen: (1) sind sie buchstabengetreu, (2) sind sie ewig gültig, (3) sind sie ganz und gar abhängig von der Integrität Gottes und (4) wurden sie mit dem Bundesvolk Israel geschlossen.

Ehe man sich mit den biblischen Bundesschlüssen befasst, müssen drei theologische Bündnisse betrachtet werden. Die Vertreter der Bündnistheologie gehen davon aus, dass man in den Zeitaltern der Geschichte die fortschreitende Erfüllung des Bündnisses erkennen kann, das Gott mit den Sündern geschlossen hat und durch das alle, die im Glauben zu ihm kommen, errettet werden. Diese drei theologischen Bündnisse sind:

1. Der Erlösungsbund ( Tit 1,2; Hebr 13, 20 ), den die Personen der Gottheit vor Beginn der Zeit eingegangen sind und in dem jede dieser Personen ihren Anteil am Erlösungsplan hat, wie es im Wort Gottes dargelegt ist. Dieser Bund wird in erster Linie durch die Tatsache belegt, dass er vernünftig und notwendig zu sein scheint.

2. Der Werkebund sieht gewisse Segnungen Gottes in Abhängigkeit von menschlichen Verdiensten vor. Er hat seinen Ursprung in der amillennialistischen Theologie.

3. Der Gnadenbund ist zu verstehen als Hinweis auf alle Aspekte der göttlichen Gnade gegenüber der Menschheit durch alle Zeitalter hindurch.

Biblische Belege für den ersten dieser Bunde, den Erlösungsbund, sind nur schwach vorhanden; die beiden übrigen sind biblisch unbelegt. Sie alle gründen sich hauptsächlich auf menschliche Vernunft und werden kaum oder gar nicht durch die Bibel bestätigt.

Es gibt sechs biblische Bündnisse, von denen nur eines, das mosaische, bedingt ist. Die übrigen fünf sind bedingungslos, was bedeutet, dass Gott sie unabhängig von Gegenleistungen zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft erfüllen wird.

1. Der Noah-Bund ( 1Mo 9,1-18 ). Hierbei handelt es sich um eine mit Noah geschlossene immerwährende Vereinbarung, in der Gott zusagt, die Erde nie wieder durch eine Flut zu verwüsten. Diese Vereinbarung ist bedingungslos.

2. Der Mose-Bund ( 2Mo 20,1-31,18 ). Die Erfüllung dieses bedingten Vertrages gründet sich auf menschlichen Gehorsam und menschliche Treue gegenüber Gott. Dieses Bündnis wurde nahezu unmittelbar nach seiner Vereinbarung gebrochen ( 2Mo 32,15-29 ).

3. Der Abraham-Bund ( 1Mo 12,1-15, 17 ). Dieser unbedingte Vertrag wird fortschreitend erfüllt und besteht aus drei Teilen oder Subverträgen: dem Landverheißungs-, dem Davids- und dem Neuen Bund. Diese drei Subverträge enthalten die Prophetien über das Land, über die Nachkommenschaft und über die künftigen Segnungen für Abraham und seine Nachkommen.

4. Der Landverheißungs-Bund ( 5Mo 28- 30 ). Dieser Vertrag garantiert Israel den Besitz des verheißenen Landes. Er ist bedingungslos.

5. Der David-Bund ( 2Sam 7,4-16; 1Chr 17,3-15 ). Dieser bedingungslose Vertrag verheißt, dass Davids Thron, sein Geschlecht und sein Reich ewig sein werden. Er garantiert das Tausendjährige Reich, in dem Christus auf der Erde herrschen wird.

6. Der Neue Bund ( Jer 31,31-33 ). Viele der älteren Vertreter der Lehre von den Heilszeiten lehrten, dass es zwei Neue Bündnisse gebe: eines für Israel im Reich und eines für die Gemeinde. Dieser bedingungslose Vertrag findet seine Erfüllung im Tausendjährigen Reich. Er wurde zuerst mit dem Volk Israel geschlossen ( Jer 31,31 ) und wird den Mose-Bund ersetzen, der vom Volk Israel gebrochen wurde und nicht erfüllt werden konnte ( Jer 31,32 ). Beim Passahmahl mit seinen Jüngern gab Jesus die Begründung, die in seinem bevorstehenden Opfer lag: »Dies ist mein Blut des Bundes, das für viele vergossen wird« ( Mk 14,24 ). Am Pfingsttag wurde der Neue Bund eingeführt und durch das Kommen des Heiligen Geistes seine Rechtskraft bestätigt. Jetzt kommt das Opfer Christi den Gläubigen in der gegenwärtigen Heilszeit der Gemeinde zugute. In 2Kor 3,5-9 stellt der Apostel Paulus den Neuen Bund dem Gesetzesbund gegenüber und schreibt: »Gott, der uns auch tüchtig gemacht hat zu Dienern des neuen Bundes, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes. Denn der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig. Wenn aber [schon] der Dienst des Todes, mit Buchstaben in Steine eingegraben [der Moses-Bund], in Herrlichkeit geschah ... wie wird nicht vielmehr der Dienst des Geistes [der Neue Bund] in Herrlichkeit bestehen? Denn wenn der Dienst der Verdammnis [das Mosaische Gesetz] Herrlichkeit ist, so ist der Dienst der Gerechtigkeit [der Neue Bund] noch viel reicher an Herrlichkeit.«

Nur weil sowohl Israel im Reich als auch gegenwärtig die Gemeinde Nutzen aus dem Neuen Bund zieht, bedeutet dies noch keine Verquickung von Reich und Gemeinde. Sie begründen zwei gänzlich unterschiedliche Heilslinien. Und in beiden Heilslinien werden die Menschen durch den Glauben errettet, wie dies auch in allen anderen Perioden der Geschichte Gültigkeit hatte.

Siehe auch: Abrahamitischer Bund; Davidischer Bund.

Rick Bowman

Lewis Sperry Chafer, Major Bible Themes (Grand Rapids: Zondervan, 1974) und Systematic Theology (Grand Rapids: Kregel, 1993); Paul Enns, The Moody Handbook of Theology (Chicago: Moody Press, 1989).


CHAFER
Lewis Sperry

Lewis Sperry Chafer (1871-1952) war ein bekannter amerikanischer Prämillennialist, Vertreter der Heilszeitenlehre, Begründer des Dallas Theological Seminary , Autor und Konferenzredner. Chafer wurde in Rock Creek in Ohio geboren. Er war das zweite von drei Kindern, Sohn eines Absolventen des Auburn Theological Seminary , einer presbyterianischen, kongregationalistischen Institution in New York. Sein Vater Thomas, Franklin Chafer, war Pastor einer kongregationalistischen Gemeinde, und er und seine Frau Lomira Sperry Chafer waren gläubige, liebevolle Eltern.

Thomas Chafers Kampf mit der Tuberkulose sorgte allerdings für ständige Spannungen in der Familie, da die Pastorate in der Hoffnung ausgewählt wurden, ein günstigeres Klima könne die Krankheit lindern. Im Jahr 1882 war der Kampf verloren. Neben den Qualen und dem Verlust des Vaters, die tiefe Trauer und Unsicherheit in ein ansonsten von Musik erfülltes, frohes Heim brachten, prägten zwei wichtige Ereignisse das Leben des jungen Mannes. Zum einen bekehrte er sich, was selten erwähnt wird, unter der Vormundschaft seiner Eltern im Alter von sechs Jahren zu Christus, während sein Vater seine erste Pastorenstelle in Rock Creek versah. Zum anderen hörte er im Zusammenhang mit dem Tod des Vaters einen Evangelisten namens Scott, der ebenfalls an Tuberkulose litt. Scott forderte ihn zu einer Karriere im christlichen Dienst heraus.

Angesichts der materiellen Ungewissheit entschloss sich Lomira, Lehrerin in der Schule von Rock Creek, die Familie zu versorgen. Deswegen zog die Familie nach South New Lyme in Ohio, als der älteste Sohn, Rollin Thomas Chafer, die Grundschule beendet hatte. Dort besuchten die Kinder das New Lyme Institute , eine auf das Hochschulstudium vorbereitende Schule unter dem Leiter Jacob Tuckerman. Tuckerman war maßgeblich an der Bekehrung von Vater Chafer am Farmer's College in Cincinnati beteiligt gewesen. Dann zog die Familie nach Oberlin (Ohio), wo Lomira eine Pension unterhielt, so dass die Kinder das College besuchen konnten. Anfänglich (1889) besuchte Lewis die dem College angegliederte Vorbereitungsschule und anschließend das Konservatorium für Musik am Oberlin College . An dem Konservatorium studierte er drei Semester lang von Herbst 1889 bis Frühjahr 1891 Musik. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Chafer am Oberlin College oder woanders religiöse Studien betrieb. Finanzielle Zwänge verhinderten weitere Studien. Im Herbst 1889 schloss er sich A. T. Reed an, einem Evangelisten in Diensten der kongregationalistischen Kirche in Ohio, und begleitete ihn als Solobariton und als Chorleiter in den Versammlungen. Während dieser Jahre gewann er einen umfassenden Einblick in die Arbeit des reisenden Evangelisten. Im Jahr 1896 heiratete er Ella Lorraine Case, die er am Oberlin College kennen gelernt hatte. Die beiden bildeten fortan ein evangelistisches Team; Lewis predigte und sang, während Lorraine die Orgel spielte. Sie siedelten sich kurze Zeit in Painesville (Ohio) an, wo sie als Leiter des musikalischen Programms der kongregationalistischen Kirche dienten. Dennoch reisten sie auch weiterhin, manchmal mit anderen Evangelisten wie Wilbur Chapman und A. T. Reed.

Im Jahr 1889 wurde Lewis Übergangspastor der First Presbyterian Church in Lewiston (New York), und im Herbst dieses Jahres begann er einen zweijährigen Dienst als Hilfspastor in der First Congregational Church in Buffalo. Das erste Jahr scheint eine Art Lehrzeit gewesen zu sein - im Blick auf Chafers formelle Ordination zum Pastor in der kongregationalistischen Gemeinde, die im April 1900 erfolgte.

Die Umstände, die im Jahr 1901 zu Chafers Umzug nach Northfield (Massachusetts) führten, sind völlig unklar. Es ist anzunehmen, dass er dank seiner evangelistischen Gaben in den evangelikalen Kreisen und durch seine Ordination und seine pastoralen Verbindungen in den Reihen der Kongregationalisten zunehmend bekannter wurde. In Northfield bewirtschaftete er eine Farm, seine Frau diente als Organistin bei den Jahreskonferenzen. Chafer ging weiter seiner evangelistischen Reisetätigkeit nach, besonders in den Wintermonaten. 1904 wurde in Florida die Southland -Bibelkonferenz gegründet, ein Gegenstück zu den Northfield -Konferen-zen. Nach 1909 war Chafer Präsident der Konferenz. Durch die Northfield -Konferenz kamen die Chafers mit einer ganzen Reihe prominenter Evangelikaler von beiden Seiten des Atlantik zusammen, unter ihnen G. Campbell Morgan, F. B. Meyer, A. C. Gaebelein, James M. Gray und W. H. Griffith Thomas.

Die bei weitem wichtigste Kontaktperson war aber Cyrus Ingerson Scofield, damals Pastor der Trinitarian Congregational Church - Moodys Gemeinde in Northfield. Chafer fand in Scofield einen klaren, biblisch orientierten Lehrer, und die beiden waren anschließend zwei Jahrzehnte lang im Dienst miteinander verbunden. Scofield führte den jüngeren Chafer in sein persönliches Verständnis der Heiligen Schrift ein - und bewegte ihn zu einem Karrierewechsel. Er war jetzt kein umherziehender Evangelist mehr, sondern unterstützte seinen Mentor immer öfter als reisender Bibellehrer. Darüber hinaus wurde er zunehmend zu einem Hauptmitarbeiter der Bibelkonferenz-Bewegung. Durch vermehrte Auftritte bei den wichtigsten Bibel- und Prophetiekonferenzen, die Veröffentlichung von Büchern und Artikeln und die Lehrtätigkeit in Kurzbibelseminaren trat Chafer in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts als frommer, tatkräftiger Leiter eines Teils der an Bedeutung zunehmenden evangelikalen Bewegung hervor.

Von 1906 bis 1910 unterichtete er an der Mount Hermon School for Boys Bibelkunde und Musik (sein erstes veröffentlichtes Buch war 1907 Elementary Outline Studies in the Science of Music [»Einfach skizzierte Studien aus der Musikwissenschaft«]). 1906 verließ er die Congregational Community Church und verband sich mit der New Yorker Synode der Troy Presbyterian Church . Der Wechsel war eine Folge seines Unbehagens über Liberalisierungstendenzen in der Gemeinde und Scofields kirchlicher Sympathien. In diesen Jahren veröffentlichte er zwei weitere Bücher: Satan (1909, Scofield schrieb das Vorwort) und True Evangelism (»Wahre Evangelisation«) (1911).

Chafers enger Anschluss an Scofield verstärkte sich noch in den 20er Jahren, als er nach East Orange (New Jersey) zog, um den Lehrkörper der New York School of the Bible zu verstärken. Das war eine Institution, die Scofields 1892 geschriebenen, zunehmend an Beliebtheit gewinnenden Bibel-Korrespondenzkurse vertrieb und ein Büro für die Koordinierung der Konferenz- Aktivitäten unterhielt. Als Mitglied der »Abteilung für mündliche Verbreitung« der »Schule« nahm Chafer einen recht umfangreichen Reisedienst zu Konferenzen im ganzen Süden der USA auf.

1913 half er Scofield bei der Gründung der Philadelphia-Bibelschule; anscheinend verfasste er den Lehrplan. Infolge seines wachsenden Dienstes im Süden trat Chafer 1912 dem Orange-Presbyterium der Presbyterian Church bei. 1915 veröffentlichte er The Kingdom in History and Prophecy (»Das Reich in Geschichte und Prophetie«), ein von Scofield angeregtes Werk, das Chafer seinem Vater widmete. Es war eine Verteidigung des prätribulationalistischen, dispensationalistischen Prämillennialismus. Es folgten weitere Werke: Salvation (»Erlösun g«) (1917), He That Is Spiritual (»Der Geistliche«) (1918), Seven Major Biblical Signs of the Times (»Sieben grundlegende biblische Zeitzeichen«) (1919) und Must We Dismiss The Millennium? (»Müssen wir das Tausendjährige Reich aufgeben ?«) (1921).

Scofields schlechter werdende Gesundheit war der Grund, weshalb er in seinem Dienst immer weniger umherreisen konnte, so dass sich Umfeld und Art von Chafers Wirken nachhaltig veränderte. 1922 zog er nach Dallas (Texas) und wurde dort Pastor der First Congregational Church , die 1882 von Scofield gegründet worden war (sie wurde während Chafers Pastorat im Jahr 1923 zu Scodields Ehren in Scofield Memorial Church umbenannt). Chafer leitete die Kirchengemeinde von 1922 bis 1926 und trat außerdem immer häfiger als Konferenzredner auf. Darüber hinaus wurde er Generalsekretär der Zentralamerika- Mission, die Scofield 1890 gegründet hatte. 1923 übertrug er seine Dienstbeglaubigungen auf das Presbyterium der Presbyterian Church in Dallas.

Während dieser Zeit gründete Chafer 1924 das Dallas Theological Seminary (ursprünglich: Evangelical Theological College ) und diente ihm bis zu seinem Tod im Jahr 1952 als Direktor und als Professor für systematische Theologie. Er trat vom Dienst in Kirche und Mission zurück, setzte aber seinen umfangreichen Konferenzdienst eisern fort und veröffentlichte in dieser Zeit immer mehr Schriften. Zusätzlich zu regelmäßigen Beiträgen für evangelikale Zeitschriften schrieb er Grace (»Gnad e«) (1922) und Major Bible Themes (»Biblische Hauptthemen«) (1926). Nachdem das Seminar 1933 die Bibliotheca Sacra erworben hatte - eine Zeitschrift, die im frühen 19. Jahrhundert wurzelte - schrieb Chafer zahllose Artikel, die zusammen mit Auszügen aus seinen Büchern als sein umfangreichstes Werk veröffentlicht wurden: Systematic Theology (1948). Sein fortgeschrittenes Alter, das Betreiben einer Lehranstalt ohne sichere Finanzierung, der zunehmende Wirbel über Scofields Prämillennialismus in seiner eigenen presbyterianischen Kirche und der Tod seiner Frau im Jahr 1944 schränkten seinen öffentlichen Dienst immer mehr ein. Nach 1945 übertrug er die Aufgaben in der Schule seinem Assistenten John F. Walvoord. Chafer starb während einer Konferenzreise in Seattle (Washington) im August 1952 an Herzversagen.

Chafers Beitrag und sein bleibendes Vermächtnis für den amerikanischen Evangelikalismus im zwanzigsten Jahrhundert war gewaltig. Er war ein wichtiger Impulsgeber der Bibelkonferenz-Bewegung, die ihre Wurzeln im späten 19. Jahrhundert hatte, und die sich zu einem wesentlichen und einflussreichen Teil des Evangelikalismus im zwanzigsten Jahrhundert entwickelte. Als gewichtiger Vertreter des prämillennialistisch und heilszeitlich orientierten Lagers war er - wie auch seine Nachfolger John F. Walvoord und Charles C. Ryrie - aufs Engste mit seinem Förderer C. I. Scofield verbunden. Im Wesentlichen kann Chafers Beitrag zur fortschreitenden Belebung der Kirche in der Ausweitung und Vertiefung der Bibelkonferenz-Bewegung gesehen werden. Das lässt sich anhand seiner institutionellen und theologischen Verdienste illustrieren.

Chafers institutionelles Vermächtnis ist die Errichtung des Dallas Theological Seminary im Jahr 1924. Dies stellt eine Erweiterung des Schwerpunktes der Bibelkonferenz- Bewegung dar: nämlich die Weiterbildung nach einer bereits abgeschlossenen theologischen Ausbildung; quasi eine Bibelakademie für schon ausgebildete Pastoren. Chafers Vision einer Schule für die Ausbildung zum geistlichen Dienst wurzelte in seinen Kontakten mit Studenten der Mount Hermon School for Boys . Seine Reisen unter Scofields Anleitung führten zu Kontakten mit zahllosen Pastoren (die er über die Schwächen ihrer normalen Ausbildung zum Dienst befragte), mit konfessionellen Ausbildungsstätten der Gemeinden und mit Bibelschulen, besonders im Süden der USA. Er kam zu der Überzeugung, dass die einzigartigen Schwerpunkte der BibelkonferenzBewegung die der allgemeinen Ausbildung fehlenden Bestandteile seien. Dem Lehrplan der üblichen Standardausbildung an den theologischen Seminaren müsste die intensive Unterweisung in der englischen Bibel, die Unterrichtung des an den Heilszeiten orientierten Prämillennialismus und die Lehre eines siegreichen christlichen Lebens hinzugefügt werden. Dieser erweiterte Lehrplan sollte in der Lage sein, christliche Missionare und Pastoren angemessen auf ihren Dienst vorzubereiten. Die so kreierte Kombination von Lehrthemen nannte Chafer »einen neuen Aufbruch« in der Vorbereitung zum geistlichen Dienst. Der Schwerpunkt auf der englischen Bibel stellte die Grundlage für die Predigt des Pastors dar; der an der Heilszeitenlehre orientierte Prämillennialismus bot das intellektuelle Raster für die Auslegung der Bibel. Außerdem wurde viel Wert auf Heiligung und Gnadenwerke im Leben der Gläubigen gelegt (sowie auf die geistliche Unterscheidung zwischen gehorsamen und fleischlichen Christen). Das bereitete die Grundlage für die richtige Beziehung zum Heiligen Geist - die Quelle der Kraft im Dienst.

Das Ziel der Institution, in einer unabhängigen Schule ausgebildete Menschen an die großen Kirchen zu vermitteln, schlug allerdings fehl. Diese Schule war zutiefst vom Presbyterianismus beeinflusst - sowohl Chafer als auch Scofield waren, wie die meisten Lehrer der ersten Jahre, in der presbyterianischen Kirche der USA ordiniert. Doch die charakteristischen Vorstellungen der Bibelkonferenz-Bewegung wurden von vielen führenden Persönlichkeiten dieser und anderer großer Gemeinden nicht als nützliche Vorbereitung auf den Dienst akzeptiert. Sie betrachteten diese Vorstellungen zunehmend als Widerspruch zum historischen Presbyterianismus. In den 30er und 40er Jahren traten Presbyterianer im Norden und Süden der USA der Lehre von den Heilszeiten mit unverhüllter Feindseligkeit gegenüber. Das hatte zur Folge, dass Absolventen des Seminars kaum noch ihren Platz in den großen Kirchen finden konnten.

Zur gleichen Zeit entstanden im ganzen Land zahlreiche konfessionelle Splittergruppen, unabhängige Gemeinden und kirchenähnliche Organisationen; viele von ihnen wurden von Chafer unterstützt. Das Seminar wurde zur hauptsächlichen Ausbildungsstätte für deren Leiter und zum Maßstab für deren Abschlüsse. So wurden die Schwerpunkte der Bibelkonferenz-Bewegung in diesen neu erstehenden Zweig des amerikanischen Christentums hineingetragen.

Zusätzlich zur Konsolidierung der Bibelkonferenz-Bewegung systematisierte Chafer seine einzigartige theologische Ausrichtung durch die Veröffentlichung seiner achtbändigen Systematic Theology (»Systematische Theologie«) im Jahr 1948. Es war der erste grundlegende Versuch, die Lehre des an der Heilszeitenlehre orientierten Prämillennialismus in der Art traditioneller Systematik darzulegen. Was Scofields in einer heilszeitlichen (dispensationalistischen) Annäherung an die Bibel skizziert hatte, wurde von Chafers theologischem Buch einfach erweitert. Das Werk spiegelt Chafers Verbundenheit mit Scofield und mit den Anmerkungen der Scofield Reference Bible (1909, 1917) wider. Das Werk wurde zur maßgeblichen Darlegung der dispensationalistischen Theologie.

Chafers Theologie - und in der Folge die Theologie des Seminars - reflektiert seine Bindung an drei ziemlich verschiedene Traditionen der historischen Orthodoxie: Augustianismus, die Keswick-Theologie und das Brüdertum (der Plymouth Brethren ). Dank der ersten Quelle (Augustinus) ist Chafers Systematik der Anthropologie und der Soteriologie entweder reformiert oder calvinistisch (z.B. Erwählungslehre, Vorherbestimmungslehre, Eideslehre und Ursprung und Gegenstand der erlösenden Gnade Christi). Das erklärt sein Festhalten am presbyterianistischen Konfessionalismus, von dessen Tradition er sich gleichwohl abwandte, da er eine uneingeschränkte Betrachtungsweise des göttlichen Plans des Opfers Christi vertrat. Chafer orientierte sich in seiner Darstellung der Lehren der Heiligen Schrift stark an der Princetoner Schule (z.B. Warfields Unfehlbarkeit).

In der zweiten Tradition (der Keswick-Theologie), von der Chafer stark beeinflusst war, liegt dann notwendigerweise ein Widerspruch. Chafers Verständnis von einem geistlichen Leben, wie er es in He That Is Spiritual (»Der Geistliche«) zum Ausdruck bringt, widerspricht der Ansicht Warfields. Es war im Wesentlichen ein entgegengesetztes Verständnis der Beziehung zwischen dem Gläubigen und dem Heiligen Geist hinsichtlich einer Verpflichtung zum geistlichen Wachstum (z.B. wird die Pflicht des Gläubigen betont, in einer richtigen Beziehung zum Heiligen Geist als der Ursache allen Wachstums zu stehen). Dieses Verständnis stand der traditionelleren reformierten Betonung auf Unterdrückung der Sünde durch den Heiligen Geist entgegen (das Handeln Gottes als Ursache der Heiligung des Gläubigen wird stärker betont).

Und schließlich war Chafer stark von der Brüderbewegung beeinflusst. Deren Denken drang im späten 19. Jahrhundert in bemerkenswerter Weise in den amerikanischen Evangelikalismus ein, vor allem durch die Bibelkonferenz-Bewegung. Chafer nahm bereitwillig die Lehren von den Heilszeiten, des modernen Prämillennialismus und der Eschatologie der Vorentrückungslehre an.

Chafers drittes und vermutlich wichtigstes Vermächtnis war die Nachdrücklichkeit, mit der er Christus in den Mittelpunkt stellte und die Gnade Gottes betonte. Die Hervorhebung von Christus und Golgatha war das Zentrum seiner religiösen Leidenschaft. Darin stand Chafer zweifellos in der orthodoxen Tradition der Kirche. Chafer war von Herzen Verkünder des Evangeliums, und das Motto des von ihm gegründeten Seminars spiegelt dieses Herzensanliegen wider: »Verkündige das Wort« ( 2Tim 2,2 ). Er wusste: Um diesen Auftrag erfolgreich ausführen zu können, musste man die Bibel mit Intensität und Liebe erfahren haben. Das setzt voraus, dass ihre allumfassenden Ziele richtig verstanden werden (z.B. der an der Heilszeitenlehre orientierte Prämillennialismus), und man muss eine störungsfreie (d.h. geheiligte) Beziehung zum Heiligen Geist haben. Das wird in Chafers Karriere deutlich. Er war mehr als zehn Jahre lang Reiseevangelist, und aus der in dieser Tätigkeit gewonnenen Erfahrung heraus veröffentlichte er eine kritische Untersuchung der Irrtümer, auf die er aufmerksam geworden war (True Evangelism [»Wahre Evangelisation«]). Damit hätte er beinah einen Aufruhr unter seinen Zeitgenossen auf dem Missionsfeld verursacht. Zwei Werke zum Thema Evangelium folgten: Salvation (»Erlösung«) und Grace (»Gnade«), sowie kürzere Beiträge in anderen Werken, Major Bible Themes (» Biblische Hauptthemen«) und Systematic Theology .

Manche vertreten die Auffassung, Chafers Verständnis von Christus als Mittelpunkt des biblischen Erlösungsplans sei der Grund, weshalb er die Offenbarung Gottes im Alten Testament zu verunglimpfen suchte. Für ihn war die Offenbarung Gottes in Jesus so überwältigend, dass er die weniger deutliche Offenbarung Christi im Alten Testament für geringfügiger erachtete, was schließlich sein Verständnis der Bibel charakterisierte.

Siehe auch: Scofield, C.I.; Walvoord, John ; Ryrie, Charles .

John D. Hannah

John D. Hannah, The Intellectual and Social Origins of the Evangelical Theological College (Dallas: Doktorarbeit der University of Texas, 1988).


CHRONIK 1 & 2
Eschatologie

Das erste und das zweite Buch der Chronik waren ursprünglich ein Buch. Der hebräische Titel bedeutet »Die Worte (Ereignisse, Angelegenheiten) der Tage.« Die Bücher wurden vermutlich zwischen 450 und 425 v. Chr. verfasst. Es wird in der Bibel zwar kein Autor dieser Bücher namentlich genannt, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wurden sie von Esra geschrieben.

»Die Bücher der Chronik wurden geschrieben, um eine geistliche Perspektive der historischen Ereignisse von der Zeit Davids bis zur Inthronisation Cyrus��� im Jahr 538 v.Chr. Sie verfolgen Israels Stammbaum zurück bis zur Erschaffung der Menschen und vorwärts bis zum Ende der babylonischen Gefangenschaft. So offenbaren sie Gottes Treue und seine anhaltenden Ziele mit seinem Volk« (Wilkinson).

Die ersten neun Kapitel des ersten Buches der Chronik handeln von der Königslinie Davids, während die Kapitel 10-29 Davids Herrschaft beleuchten.

»Im Zentrum des ersten Buches der Chronik steht - wie auch bei der übrigen Heiligen Schrift - der in 2Sam 7 und 1Chr 17 vorgestellte Davidische Bund. Gott verhieß David, dass er ihm (dem Nachkommen Davids, also Jesus Christus) Bestand geben werde��� in meinem Haus und in meiner Königsherrschaft auf ewig; und sein Thron soll fest stehen für ewig��� ( 1Chr 17,14 )« (Wilkinson).

Diese Prophetie wird ihre Erfüllung im künftigen Tausendjährigen Reich finden, das nach dem zweiten Kommen Christi aufgerichtet werden wird.

Das zweite Buch der Chronik fährt fort mit den Berichten über die Herrschaft König Salomos ( Kap. 1-9 ) und die Herrschaft der Könige Judas von Rehabeam bis Zedekia ( Kap. 10-36 ). So beleuchtet das zweite Buch der Chronik dieselbe Zeitperiode wie das erste und zweite Buch der Könige.

Siehe auch: Davidischer Bund.

Brian K. Richards

Charles C. Ryrie, Ryrie Study Bible , erweiterte Ausgabe (Chicago: Moody Press, 1995); B. Wilkinson und K. Boa, Tal k Thr u The Bible (Nashville: Thomas Nelson, 1983).


CRAVEN E. R.

Elijah Richardson Craven (1824-1908) war einer der vielen presbyterianischen Pastoren im Norden der USA, die den Wechsel vom Post- zum Prämillennialismus unter den Evangelikalen in der Zeit zwischen dem amerikanischen Bürgerkrieg und dem Ersten Weltkrieg mit trugen.

Craven absolvierte sein Bachelor-Stu-dium 1842 am College von New Jersey (Princeto n) und schloss 1848 das Studium am Princeton Seminary ab, nachdem er von 1842 bis 1844 Jura studiert hatte. Von 1847 bis 1849 diente er als Mathematiklehrer am College von New Jersey. Anschließend (1850-1854) leitete er die Dutch Reformed Church in Sommerville und war dann während der nächsten 33 Jahre Pastor der Third Presbyterian Church in Newark (1854-1887). Schließlich wurde er Sekretär der presbyterianischen Kommission für Veröffentlichungen und für das Sonntagsschulwort (1887-1904), ehe er als emeritierter Sekretär in den Ruhestand trat.

Während seiner Dienstzeit nahm er in seiner Kirche eine Reihe wichtiger Funktionen wahr. Er war Vorsitzender der Kommission für die Revision der Kirchenordnung der Presbyterian Church (1879-1882) und 1885 Versammlungsleiter der Generalversammlung der Presbyterian Church des Nordens.

Craven kämpfte wie die meisten presbyterianischen Prämillennialisten seiner Zeit hart gegen die wachsende Flut des Liberalismus, der schließlich in seiner Kirche zunehmend an Einfluss gewann. In seiner Theologie war er eher altmodisch, was anscheinend seine Hinwendung zum Prämillennialismus förderte.

Er war Sprecher bei vielen der Prophetie-Konferenzen, die während des letzten Viertels des 19. Jahrhunderts einberufen wurden. Bei der berühmten Prophetie-Konferenz im Jahr 1878 in New York hielt Craven eine feurige Ansprache mit dem Titel »Das Kommen des Herrn in Bezug auf die christliche Lehre«. Sein größtes Werk im Hinblick auf den Prämillennialismus war seine Beteiligung als amerikanischer Mitherausgeber von Langes Kommentar zum Buch der Offenbarung, den er wesentlich erweiterte. Zu diesem Werk steuerte Dr. Craven viele hilfreiche Kommentare und Exkurse bei, die einen starken, kompromisslosen Prämillennialismus widerspiegeln.

Der Excursus on the Basilea (»Exkurs über das Reich«) ist eine hilfreiche Darstellung über die Zukunft des Tausendjährigen Reiches. Craven vertritt die Ansicht, dass das messianische Reich zwar beim ersten Kommen Christi nahe herbeigekommen ist, dass es aber noch nicht wirklich begonnen hat. Denn Christus ist zum Himmel zurückgekehrt, ohne es auf der Erde aufzurichten. Folglich ist es noch zukünftig und wird beim zweiten Kommen Christi eingesetzt werden.

Cravens Exkurs ist auch durch die Verwendung des Begriffes normal bekannt geworden. Damit versuchte er, die buchstäbliche Auslegung der Bibel im Gegensatz zur allegorisierenden Methode zu beschreiben und zu verteidigen, die oftmals zur Auslegung prophetischer biblischer Literatur herangezogen wird.

Craven, James H. Brookes und Nathaniel West waren im späten 19. Jahrhundert prämillennialistische Leiter in der Presbyterianischen Kirche und in der ganzen evangelikalen Bewegung. Es ist größtenteils ihrem Werk zu verdanken, dass in weiten Kreisen Prämillennialismus mit Evangelikalismus gleichgesetzt wird.

Thomas Ice

E. R. Craven: The Coming of the Lord in Its Relations to Christian Doctrine in: Premillennial Essays , hrsg. von Nathaniel West (Chicago: Revell, 1879) und The Revelation of John in: Lange's Commentary on the Holy Scriptures , Bd. 12 (Grand Rapids: Zondervan, 1960); Samuel M. Jackson (Hrsg.): The New Schaff-Herzog Encyclopedia of Religious Knowledge , Bd. 3 (Grand Rapids: Baker, 1952).


DANIEL
Eschatologie

Das Buch Daniel gibt einen Überblick über die Zeit der Heiden. Es enthält einen chronologischen Abriss über den Aufstieg und Fall von Weltreichen. Die in diesem Buch beschriebenen Visionen umfassen die gesamte Zeit der nichtjüdischen Herrschaft bis zur Zeit der Trübsal und zur Aufrichtung des Tausendjährigen Reiches. Ein Schwerpunkt liegt auf der Souveränität Gottes, seiner Treue beim Schutz und der Erhaltung seines Bundesvolkes und der zukünftigen Wiederherstellung Israels.

Der Autor ist Daniel, der als Jugendlicher gefangen genommen wurde und den Rest seines Lebens in babylonischer Gefangenschaft verbrachte. Das Buch wurde um 537 v. Chr. verfasst.

Die Prophezeiungen beginnen mit der Vision des Nebukadnezar. Darin werden die nichtjüdischen Weltreiche identifiziert (Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom), ihr Aufstieg zur Macht ( 2,37-40 ), ihre endgültige Zerstörung durch Christus ( 2,34 ) und die Aufrichtung seines zukünftigen Tausendjährigen Reiches auf Erden ( 2,35 ). Als Nächstes wird berichtet über die Errettung der drei Männer aus dem Feuerofen, in den sie geworfen wurden, weil sie sich weigerten, das Standbild des Nebukadnezar anzubeten. Dieser Bericht ist ein prophetischer Ausblick auf die Errettung des gläubigen Überrestes aus der Trübsal ( Kap. 3 ). Der Fall Babylons wird vorhergesagt ( Kap. 5 ). Daniel wird durch seinen Glauben an Gott vor den Löwen bewahrt ( 6,18-28 ). Dies kündigt die Errettung des gottesfürchtigen Überrestes von Israel bei der Wiederkunft Christi an. Auch die Wiederkunft Christi wird gesehen ( 7,13-14 ), das Auftreten des Antichristen wird vorhergesagt ( 7,24-25 ), und dessen Vernichtung bei der Wiederkunft Christi ( 7,26 ). Die Zerstörung des Heiligtums in Jerusalem wird vorausgesagt ( 8,13 ); erfüllt hat sich diese Prophezeiung durch Antiochus Ephiphanes (171-164 v. Chr.). Die Prophezeiung über die letzten Tage wird verkündet ( 10,13 ). Die Vision über die siebzig Wochen ( 9,20-27 ) ist eine Prophezeiung, welche die Nation Israel und die Stadt Jerusalem betrifft. Die siebzig Wochen beginnen mit dem Befehl, die Stadt Jerusalem und ihre Mauern wieder aufzubauen ( 9,25 ). Darauf folgt die Prophezeiung über den Tod Christi, den Antichristen (den kommenden Fürsten) und die Zerstörung des Tempels in Jerusalem ( 9,26 ). In der siebzigsten Woche, die wegen des Zeitalters der Gemeinde Jesu zurückgestellt worden ist, wird der Einfluss und die Macht des Antichristen zu einem falschen Bund mit den Juden führen. Diesen Bund wird der Antichrist nach dreieinhalb Jahren brechen, indem er dem jüdischen Gottesdienst ein Ende bereitet und fordert, selbst angebetet zu werden. Er wird von Christus bei dessen Wiederkunft vernichtet ( 9,27 ). Die Konflikte, welche die Juden durchleben müssen, bevor sie bei seiner Wiederkunft den Frieden Christi erfahren, werden vorausgesagt ( 10,14 ). Der letzte Weltherrscher, der Antichrist, und sein zukünftiges Wirken werden detailliert beschrieben ( 11,36-45 ), bis hinein in die Zeit der Trübsal. Die große Trübsal wird ebenfalls gesehen ( 12,1 ), auch die Auferstehung der gerechten Verstorbenen aus der Zeit des Alten Testaments sowie die der Märtyrer aus der Trübsalszeit ( 12,2 ). Der Abschluss der großen Trübsal wird vorhergesagt ( 12,7.11 ), auch der Beginn des Tausendjährigen Reiches ( 12,12 ), und die Auferstehung des Propheten Daniel wird verheißen.

Dieses Buch leistet einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis der alttestamentlichen Prophetie, und es dient als Schlüssel zur Auslegung der Offenbarung.

Siehe auch: Daniels siebzig Jahrwochen, dispensationalistische Auslegung.

Erwin Starwalt

Merrill F. Unger, Unger's Bible Dictionary (Chicago: Moody Press, 1966); John F. Walvoord, The Prophecy Knowledge Handbook (Wheaton, III.:Victor Books, 1990); John F. Walvoord & Roy B. Zuck, Hrsg.; Walvoord Bibelkommentar (Holzgerlingen: Hänssler, 1991); Everett F. Harrison & Charles Pfeifer, Hrsg.; Wycliffe Bible Commentary (Chicago: Moody Press, 1962).


DANIELS SIEBZIG JAHRWOCHEN
amillennialistische Auslegung

Die historischen und theologischen Entwicklungen, aus denen diese Auslegung der Prophezeiung über die siebzig Wochen ( Dan 9,24-27 ) hervorging, sind zurückzuführen auf die direkte Opposition gegen den Prämillennialismus, denn dieser wurde als geistiges Produkt des Judentums angesehen. Bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. war auf der Basis des Neuen Testaments, früher jüdischchristlicher Schriften und der Kirchenväter der Prämillennialismus die vorherrschende Sichtweise der Eschatologie (Lehre von der Endzeit). In der Auseinandersetzung über den Chiliasmus vertrat die alexandrinische Schule (gefolgt von Augustinus, der römischkatholischen und der protestantischen Kirche sowie dem modernen Amillennialismus) ein nicht wörtliches, sondern ein allegorisches Bibelverständnis. Angewendet auf die Prophezeiung über die siebzig Wochen sollte diese Auslegung den Beweis erbringen, dass die politische und geistliche Rolle Israels mit dem ersten Kommen Christi ein Ende gefunden und die Gemeinde Jesu die Stelle des Bundesvolkes eingenommen hatte. Trotz eines heilsgeschichtlichen Ansatzes erlaubt die Hermeneutik (das Bibelverständnis) des Amillennialismus nur eine subjektive Anwendung von Prophezeiungen auf bestimmte Ereignisse und somit ein breites Spektrum an Deutungen. Besonders problematisch erweist sich diese Vorgehensweise bei der Auslegung der siebzigsten Woche, denn die darin geschilderten Geschehnisse haben keine Entsprechung in der Geschichte.

Die Anhänger des Amillennialismus deuten den Abschnitt über die siebzig Wochen hauptsächlich christologisch (s. dazu: Trübsal, verschiedene Sichtweisen ). Die sechs Aussagen in Dan 9,24 , welche Absicht und Ziel der Prophezeiung herausstellen, werden als von Christus vollendet angesehen. Für die traditionelle Schule des Amillennialismus hat diese Vollendung in der siebzigsten Woche stattgefunden, die von der zeitlichen Abfolge (und den geschichtlichen Ereignissen) her unmittelbar auf die neunundsechzig Wochen folgt. Die Erfüllung aus christologischer Sicht erfolgte im Dienst Christi oder spätestens der Zeit, in der das Evangelium zuerst den Nichtjuden verkündigt wurde (z.B. an Pfingsten). Die symbolische Schule erweitert jedoch die endgültige Erfüllung auf einen unbestimmten Zeitraum, der die Wiederkunft Christi und die Ewigkeit einschließt. In diesem Fall stellen die sechs Aussagen in Dan 9,24 die aufeinander folgenden Phasen in der Geschichte des Reiches Christi dar. Auf ähnliche Weise wird das letzte der sechs prophetischen Ziele, die Salbung des Allerheiligsten, entweder als die Salbung Christi durch den Heiligen Geist (traditionelle Schule) ausgelegt oder aber als die endzeitliche Salbung des neuen Allerheiligsten (Christus) im neuen (himmlischen) Jerusalem (symbolische Schule). Einige Vertreter des Amillennialismus folgen den Anhängern des Prämillenialismus in dem Versuch, den Beginn und das Ende der 490 Jahre (Vers 25 ) anhand historischer Geschehnisse zu datieren. Andere Amillennialisten dagegen kamen zu der Schlussfolgerung, dass die Zahl 490 symbolisch zu verstehen sei (70 mal 7).

Vertreter des Amillennialismus und des Prämillennialismus sind sich einig über die messianische Deutung des Gesalbten (Vers 25 ) als Jesus, den Messias; allerdings wird die Anspielung auf dessen Ausrottung (Vers 26 ) unterschiedlich ausgelegt, und zwar einerseits als Hinweis auf den Tod Jesu (traditionelle Schule) und andererseits als Hinweis auf Einfluss und Prestige Jesu (symbolische Schule). Die meisten Vertreter der traditionellen Schule stimmen darin überein, dass der Messias in der Mitte der siebzigsten Woche ausgerottet wurde. Sie identifizieren den kommenden Fürsten (Vers 26 ) mit demjenigen (der in Vers 27 erwähnte »er«), der in der Mitte der siebzigsten Woche bestimmte Handlungen vollzieht, und deshalb mit Christus. Auf dieser Grundlage wird der starke Bund, den dieser Fürst mit den Vielen eingeht, als der Neue Bund ( Jer 31,31-37 ) gedeutet, den Christus mit der Gemeinde geschlossen hat. Bei dieser Sichtweise werden die Stadt und das Heiligtum wörtlich ausgelegt als Jerusalem und der Tempel, während die vom Fürsten angerichtete Zerstörung sinnbildlich angewendet wird auf die von Christus vorhergesagte Vernichtung. Während jedoch E.J. Young das in Vers 27 erwähnte Fürwort »er« ebenfalls auf Christus bezieht, setzt er den kommenden Fürsten mit Titus gleich, dem Befehlshaber der römischen Legionen, die von 68 bis 70 n. Chr. Jerusalem belagerten und zerstörten. Indem sie von der traditionellen Schule stark abweicht, nähert sich die symbolische Schule dem Prämillennialismus und identifiziert den kommenden Fürsten mit dem Antichristen. Der Bund ist demnach ein Phänomen, durch das Christus nachgeahmt und das den Massen aufgezwungen werden soll (H.C. Leupold), oder eine Täuschung, um die Menschen dazu zu bringen, den Antichristen als Gott zu verehren (C. F. Keil). Auf jeden Fall ist es ein Bund des Schreckens und der Gewalt.

Die Schwierigkeit, das Geschehen um die Ausrottung Christi in der Mitte der siebzigsten Woche auszulegen, wird erneut deutlich in der problematischen Aussage, die Abschaffung von Schlachtopfern und Speisopfern habe im selben Zeitraum stattgefunden. Da diese Opfer mit dem Tod Christi nicht sofort aufhörten, sondern noch vierzig Jahre lang weiter durchgeführt wurden, geben die Vertreter des Amillennialismus diesem Geschehen entweder eine geistliche Bedeutung, indem sie es auf das Zerreißen des Vorhangs im Tempel anwenden oder auf den Beginn der Evangeliumsverkündigung. Ihrer Ansicht nach haben beide Ereignisse dem Opferdienst die Legitimation entzogen. Young zufolge war Jerusalem seit dem Tod Christi nicht länger, »eine heilige Stadt«, und der Tempel »war nicht mehr das Haus Gottes, sondern ein Gräuel«. Dabei war die Zerstörung sowohl der Stadt als auch des Tempels »nur ein äußerer Ausdruck dessen, was durch den Tod unseres Herrn bereits wirksam wurde.« Das Neue Testament schildert jedoch in der Zeit der Apostel eine Fortdauer der Ehrfurcht vor Jerusalem als Zentrum der Muttergemeinde ( Apg 1,8; 15; Gal 1,18-2,2 ) und vor dem Tempel als Versammlungsort der Christen ( Apg 2,46; 3,1; 5,12-13 ), als Ort, an dem Rituale und Feste eingehalten wurden ( Apg 2,1; 20,6 ) und an dem sogar Anbetung stattfand ( Apg 18,18; 21,23-26; 22,17; 24,11.17-18 ). Die Vertreter des Amillennialismus sind sich einig, dass Christus der Abschluss der neunundsechzig Wochen ist, dass aber das Ende der siebzigsten Woche im Text nicht genannt wird. Die Vernichtung des Verwüsters am Ende von Vers 27 wird jedoch als Endpunkt der Verwüstungen in der zweiten Hälfte der siebzigsten Woche und somit als Abschluss der Woche selbst gesehen. Wieder ist es bei dieser Auslegung schwierig, dieses Geschehen mit historischen Ereignissen in Einklang zu bringen. Aus diesem Grund rät Young (traditionelle Schule) von einer Datierung ab, während Leupold (symbolische Schule) von jeder historischen Erfüllung der siebzigsten Woche abrückt. Siehe auch: Amillennialismus.

J. Randall Price

Oswalt T. Allis, Prophecy and the Church (Philadelphia: Presbyterian and Reformed Publishing Co., 1949); Charles L. Feinberg, Premillennialism or Amillennialism? (Wheaton: Van Kampen Press, 1954); Michael Kalafian, The Prophecy of the Seventy Weeks of the Book of Daniel: A Critical Review of the Prophecy as Viewed by Three Major Theological Interpretations and the Impact of the Book of Daniel on Christology (New York: University of America Press, 1991), 107-36; C. F. Keil, Biblical Commentary on the Book of Daniel , in: A. Commentary on the Old Testament , 10 Bde. (Grand Rapids: Eerdmanns, 1973), 9: 336-402; Abraham Kuyper, Chiliasm or the Doctrine of Premillenialism (Grand Rapids: Zondervan, 1934); H. C. Leupold, Exposition of Daniel (Grand Rapids: Baker, 1949), 403-40; Philip Mauro, The Seventy Weeks and the Great Tribulatio n, überarb. Aufl. (Swengel, Pa.: Reiner Publications, o. Datum); J. Barton Payne, Encyclopedia of Biblical Prophecy (New York : Harper & Row, 1973), 383-88; John F. Walvoord, The Millenial Kingdom (Findlay, Ohio: Dunham, 1959), Edward J. Young, The Prophecies of Daniel: A Commentary (Grand Rapids: Eerdmans, 1949), 191-222 und The Messianic Prophecies of Daniel (Grand Rapids: Eerdmans, 1954).


DANIELS SIEBZIG JAHRWOCHEN
dispensationalistische Auslegung

Die Prophezeiung Daniels über die siebzig Wochen ( Dan 9,24-27 ) gehört zu dem Teil seines Buches ( Kapitel 7-12 ), in dem Visionen über künftige irdische Reiche (sowohl menschlicher als auch göttlicher Natur) verzeichnet sind. In Kapitel 7 erklärt der Erzengel Gabriel dem Propheten, dass siebzig Wochen erforderlich sind, um Daniels Bitte über die Wiederherstellung Israels zu erfüllen (V. 3-19 ). Das Gebet Daniels (V. 2 ) stützt sich auf die Prophezeiung über die siebzig Jahre in Jer 25,11-12; 29,10 . Daraufhin werden Daniel sechs Ziele der Wiederherstellung Israels mitgeteilt. Diese Ziele sollen während der siebzig Wochen ( Dan 9,24 ) erreicht werden. In den übrigen Versen von Kapitel 9 werden die Ereignisse umrissen, die in der späteren Geschichte Israels eintreten sollen. Die Lehre von den Heilszeiten stimmt mit der Meinung der meisten christlichen Gelehrten überein, dass die siebzig Wochen als siebzig Jah rwochen ausgelegt werden sollen. Der sich daraus ergebende Zeitraum von 490 Jahren (70 x 7) teilt sich nach dem Text (Verse 25-27 ) in Perioden von sieben Wochen (49 Jahren), 62 Wochen (434 Jahren) und einer Woche (sieben Jahren) auf. Die Lehre von den Heilszeitaltern schließt sich ebenfalls der Mehrheitsmeinung evangelikaler Theologen an, nach welcher der Zusammenhang dieses Abschnittes messianisch ausgelegt wird. Das Kommen des Messias findet demzufolge nach den 69 Wochen statt (d. h. nach sieben Wochen + 62 Wochen = 483 Jahren). Im Unterschied zu anderen liegt für die (klassische) Lehre von den Heilszeiten die siebzigste Woche (V. 27 ) jedoch in der Zukunft. Nach der Verwerfung des Messias durch Israel und seinem Tod in der 69. Woche (V. 26 ) bleibt für die Erfüllung der sechs Wiederherstellungsziele für Israel (V. 24 ) nur noch die siebzigste Woche. Wenn die siebzigste Woche, historisch gesehen, sofort auf die 69. Woche folgt, muss die erwartete Wiederherstellung geistlich auf die Gemeinde Jesu als neues Israel bezogen werden (s. dazu: Daniel, siebzig Wochen, amillemmialistische Auslegung ). Weil die Lehre von den Heilszeitaltern am Grundsatz der wörtlichen Bibelauslegung festhält und die biblische Unterscheidung zwischen dem göttlichen Heilsplan für Israel und für die Gemeinde anerkennt, muss der historische Abschluss der Wiederherstellung Israels in einer zukünftigen Woche stattfinden. In diesem Zeitraum (wie in V. 27 beschrieben) wird der messianische Heilsplan für Israel mit der Überwindung des Antichristen (der apokalyptischen Voraussetzung für die Aufrichtung des messianischen Reiches) wieder aufgenommen. Diese Auslegung erfordert einen prophetischen Aufschub (frühere Autoren sprachen von einer »Lücke« oder einem »Einschub«) zwischen den Ereignissen der Verse 26 und 27 . Die Offenbarung eines prophetischen Aufschubs bei der Erfüllung des endzeitlichen Aspekts im messianischen Heilsplan steht im Einklang mit vielen Abschnitten des Alten Testaments, in denen von zwei Kommen Christi die Rede ist (z. B. 1Mo 49,10-12; 5Mo 18,16; 2Sam 7,13-16; Jes 9,1-7; 11,1-2.11; 52,13-59,21; 61,1-11 ; vgl. Lk 4,16-19; 7,22; Joel 2,28 ; vgl. Apg 2,17; Zeph 2,13-3,20; Sach 9,9-10; Mi 5,2-14; Ps 2; 3 ; vgl. Apg 13,33; Hebr 1,5; 5,5; Ps 22,1-32; 34,14.16; Mal 3,1-3 ). Daniel geht es vor allem um sein Volk (V. 20.24; vgl. 12,1 ) und die Wiederherstellung, die Jeremia für die Zeit nach den siebzig Jahren des Exils vorhersagte ( Jer 25,11-12 ; vgl. 2Chr 36,21 ). Die Prophezeiung von Jeremia ( Jer 30-33 ) enthielt, wie die Prophezeiungen von Jesaja ( Jes 40-66 ) und Hesekiel ( Hes 33-48 ), sowohl Vorhersagen über die sofortige (nachexilische) als auch über die zukünftige (endzeitliche) Wiederherstellung. Die nachexilischen Propheten verstanden diese Unterscheidung. Obwohl sie erkannten, dass sie unter Esra eine Wiederherstellung erlebten, war doch die vollständige, geistliche Wiederherstellung der ganzen Nation auf einen Zeitpunkt in der Zukunft verschoben worden. Dies zeigt sich beispielsweise auch an einem der Signale für die Wiederherstellung, nämlich dem Wiederaufbau des Tempels ( Hag 2,3-9 ).

Die sechs Wiederherstellungsziele aus Daniels Prophezeiung über die siebzig Wochen (V. 24 ) können eine Naherfüllung in der Erfahrung der Nation (dem Kommen des Messias zur Erlösung) haben, aber ihre vollständige Verwirklichung liegt in der Zukunft (dem Kommen des Messias zur Wiederherstellung). Der Aufschub zwischen den Versen 26 und 27 ist die Konsequenz einer teilweisen und vollständigen Erfüllung im messianischen Heilsplan. Die erste Phase des messianischen Heilsplanes führte beim ersten Kommen des Messias zu einer geistlichen Erlösung für das Volk Israel ( Mt 1,21 ; vgl. Lk 2,11 ). Als Israel als Nation den Messias ablehnte ( Mt 23,37 ; vgl. Apg 3,13-15.17; 4,25-27 ), erfüllte sich zwar die Verheißung über die Einbeziehung der Nichtjuden ( Apg 15,14-18; Röm 11,11.25.30 ) in das göttliche Heilshandeln, aber dadurch wurde eine zweite Phase des messianischen Heilsplanes erforderlich. Nur so kann die geistliche Erlösung auf Israel als Nation zutreffen ( Apg 3,18-21; Röm 11,26-29.31 ) und sich die Verheißung über die nationale Wiederherstellung Israels erfüllen ( Mt 23,39; Apg 1,6-7; 3,22-26; 15,16 ). Das wird bei der Wiederkunft Christi geschehen ( Sach 12,10-13,2; 14,3-11 ).

Die Sichtweise der Lehre von den Heilszeiten ist abhängig von der Gültigkeit ihrer endzeitlichen Auslegung über die siebzigste Woche. Gerechtfertigt wird diese Deutung durch zahlreiche endzeitliche Hinweise wie den Wörtern qetz (Ende), yashbitim (Aufhören) und kalah (Ende), ad (bis) und nechratzah tittak (ein beschlossenes Ende). Diese Begriffe lassen erkennen, dass dieser Abschnitt zur selben endzeitlichen Periode gehört wie der später im Buch Daniel als Endzeit bezeichnete Zeitraum (vgl. Dan 12,4.9.13 ). Diese Gleichsetzung wird unterstrichen durch die Parallelen in den Kapiteln 9; 12 (z.B. Gebet um Verständnis: 9,2 / 12,8 ; die Verwüstung des jüdischen Volkes: 9,27 / 12,7 ; eine Zeit von dreieinhalb Jahren: 9,27 / 12,7 ; die Abschaffung des Opferdienstes: 9,27 / 12,11 und der Gräuel der Verwüstung: 9,27 / 12,11 ). Deshalb wird sich das Gebet Daniels um ein Ende des Exils in jenem endzeitlichen Zeitalter erfüllen, wenn alle Elemente seiner Bitte verwirklicht werden.

Dieser Aufschub der siebzigsten Woche und die eingeschobene Zeitspanne mit nochmaligen Exil und weiterer Verfolgung des jüdischen Volkes wird erneut in der Verwendung der Prophezeiung über die siebzig Wochen im Neuen Testament bestätigt. John McLean hat nachgewiesen, dass die Abfolge der Ereignisse in der Ölbergrede und der Gerichtsabschnitt in der Offenbarung ( Kapitel 4-19 ) strukturell von der Prophezeiung über die siebzig Wochen abhängen.

Siehe auch: Daniel, Eschatologie.

J. Randall Price

Robert D. Culver, Daniel and the Latter Days , überarb. Aufl. (Chicago: Moody Press, 1977), 144-69; »Daniel« in: The Bible Knowledge Commentary , John F. Walvoord, Roy B. Zuck, Hrsg. (Wheaton: Victor Books, 1985), 1:1.323-75; Paul D. Feinberg, »An Exegetical and Theological Study of Dan 9:24-27« in: Tradition and Testament: Essays in Honor of Charles Lee Feinberg , John S. Feinberg and Paul D. Feinberg, Hrsg. (Chicago: Moody Press, 1981), 189-222; Frederick Holtzmann. »A Reexamination of the Seventy Weeks of Daniel« (Th.M. thesis, Dallas Theological Seminary, Dallas, 1974); H. A. Ironside, The Great Parenthesis (Grand Rapids: Zondervan, 1943): William Kelly, Daniel's Seventy Weeks (Colorado: Wilson Foundation, o. Datum); Alva J. McClain, »The Parenthesis of Time between the Sixty-Ninth and Seventieth Weeks« in: Daniel's Prophecy of the Seventieth Week (Grand Rapids: Zondervan, 1960); John A. Mc-Lean, »The Seventieth Week of Dan 9,27 as a Literary Key for Understanding the Structure of the Apocalypse of John« (Ph.D. diss., University of Michigan, 1990); J. Dwight Pentecost, Things to Come (Grand Rapids: Zondervan, 1958); J. Randall Price, »Prophetic Postponement in Dan 9 and Other Texts« in: Issues in Dispensationalism , W.R. Willis & John R. Master, Hrsg. (Chicago: Moody Press, 1994), 132-65; John F. Walvoord, Daniel: The Key to Prophetic Revelation (Chicago: Moody Press, 1971), 403-40.


DANIELS SIEBZIG JAHRWOCHEN
rabbinische Auslegung

Daniels Prophezeiung über die siebzig Wochen wurde von den Rabbinern ursprünglich als einer der wichtigsten Voraussagen in der Bibel angesehen. Die große Bedeutung dieses Textes bezeugte im ersten Jahrhundert n. Chr. der jüdische Historiker Flavius Josephus: »Er (Daniel) sagte nicht nur, wie die anderen Propheten, die Zukunft voraus, sondern er machte genaue Angaben, wann diese Ereignisse stattfinden sollten« (Jüdische Altertümer, 10.268). Die Auffassung, dass Daniels Prophezeiung Informationen über den genauen Zeitpunkt der vorhergesagten Geschehnisse enthielten, war zweifellos ein wichtiger Faktor für die zeitliche Einordnung des Krieges gegen Rom im Jahr 66 n. Chr. Die siebzig Jahre des Zorns aus Dan 9,3 , die in der Kriegsrolle von Qumran (IQM) eine wichtige Rolle spielten, könnten nämlich als der Zeitraum gedeutet worden sein zwischen dem ersten Ausbruch der Revolte im Jahr 4 v. Chr. (der Zeit, als Herodes starb und möglicherweise Jesus geboren wurde) und dem endgültigen Aufstand im Jahr 66 n. Chr.

In den frühesten Versionen der heutigen hebräischen Bibel wurde jedoch das Buch Daniel in die Gruppe der »Schriften« eingeordnet. Durch diese Zuordnung wurde Daniel aus der Reihe der Propheten entfernt. Aus seinen Prophezeiungen wurden Geschichten mit rein pädagogischem Nutzen. Unstrittige Beweise für die Einordnung des Buches Daniel im Kanon der hebräischen Bibel scheinen sich jedoch auf spätere hebräische Manuskripte zu beschränken und auf Aussagen, die nur bis in die frühe rabbinische Zeit zurückreichten. Zwei der ältesten verfügbaren Manuskripte der hebräischen Bibel, welche die heutige Reihenfolge des Kanons bestätigen, sind der Codex Leningradensis und der Aleppo-Codex. Beide stammen jedoch erst aus dem 9. und 10. Jahrhundert n. Chr. Zwei der deutlichsten rabbinischen Kommentare befinden sich in der Gemara des Babylonischen Talmuds, und zwar in Baba Bathra 14b (hier wird Daniel vor den Büchern Esther und Esra genannt) und in Megilla 3a (hier werden Haggai, Sacharja und Maleachi als Propheten bezeichnet, aber von Daniel unterschieden). Diese beiden Texte finden sich in Dokumenten, die zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert n. Chr. zusammengestellt wurden.

Der früheren jüdischen Überlieferung zufolge haben die Rabbiner dem Buch Daniel jedoch einen prophetischen Status eingeräumt. Das älteste Manuskript der hebräischen Bibel, der Codex Cairensis (895 n. Chr.), zählt Daniel zu den Propheten, und eine hebräischaramäische Auflistung des biblischen Kanons, die nach vorsichtiger Schätzung aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. stammen könnte, ordnet das Buch Daniel hinter den drei großen Propheten ein. Darüber hinaus wird Daniel in allen jüdischen Quellen des ersten Jahrhunderts n. Chr. - der Septuaginta, den Schriftrollen vom Toten Meer, Josephus, Jesus und den Autoren des Neuen Testaments - zu den Propheten gezählt. Warum haben dann die späteren Rabbiner das Buch Daniel aus dem Korpus der prophetischen Schriften ausgeschlossen?

Die Beweise über den Einfluss, den die Prophezeiungen Daniels auf das religiöse und politische Geschehen früherer Epochen ausübten, lassen vermuten, dass dem Buch eine gefährliche Wirkung zugeschrieben wurde. Die Zeloten sahen das Buch Daniel als wichtige prophetische Stimme an. Die darin geschauten Visionen enthielten den Schlüssel zur Deutung weltgeschichtlicher Ereignisse, besonders im Hinblick auf die Römer. In seinem Buch Der Jüdische Krieg (6) erwähnte Josephus eine dieser Voraussagen (wahrscheinlich die Prophezeiung über die siebzig Wochen), welche die Zeloten als Ausgangspunkt nahmen, die erste (und wohl auch die zweite) Revolte gegen Rom anzufachen und zu fördern. Diesem Trend folgten auch die Rabbiner aus dem ersten und zweiten Jahrhundert. Der Fall Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. und die darauf folgenden Ereignisse waren für diese Rabbiner (wie auch für die frühen jüdischen Christen und die Kirchenväter) eine Bestätigung, dass die Auslegung der vierten Monarchie in Dan 2; 7 als das Römische Reich richtig war. Deshalb war der prophetische Zeitplan des Buches Daniel präzise, denn allein sein Buch enthielt den Schlüssel für die Zerstörung des zweiten Tempels und die zukünftige Wiederherstellung Israels nach einem weiteren Exil (die Prophezeiung über die siebzig Wochen). Das Buch Daniel hatte einen so starken Einfluss, dass - dem Targum Jonathan über die Propheten (ca. 50-1 v. Chr.) zufolge - alle anderen Propheten nach den im Buch Daniel enthaltenen Vorgaben ausgelegt wurden, um Berechnungen über die Endzeit anzustellen.

Diese Verwendungsweise sowie der Einfluss des Buches Daniel als Prophezeiung für die Zukunft brachten die Rabbiner dazu, das Buch Daniel als gefährlich einzustufen, zumal die Anwendung eines apokalyptischen Zeitplans auf zeitgenössische Ereignisse dem Volk sowohl Enttäuschung als auch Niedergang beschert hatte. Indem man das Buch Daniel von der klassischen Prophetie trennte und es den anderen Erzählungen aus dem Exil zuordnete, wurde sein paradigmatischer Einfluss auf den Korpus der prophetischen Schriften verhindert. Als es seinen Platz unter den Helden des Exils erhielt, verschob sich der Akzent des Buches von der Prophetie zur Pädagogik. Vielleicht veranlasste die Furcht vor dem Einfluss des Buches Daniel auf die Eschatologie (die Lehre von der Endzeit) die Rabbiner, eine allegorische Auslegung der Propheten und der Schriften zuzulassen. Dieses Zugeständnis hätten sie bei der Thora niemals gemacht. Doch so konnten die Probleme einer wörtlichen Auslegung (und deren Anwendung) vermieden werden.

Bei der Prophezeiung über die siebzig Wochen legten die Rabbiner die Wochen als Jahrwochen aus und bezogen sie auf die Zerstörung Jerusalems durch die Römer. Die siebzigste Woche wird in dieses Geschehen nicht vollständig einbezogen. Weil sie die Vernichtung der Römer voraussagt, wird ihre endgültige Aussage als ein in der Zukunft liegendes Ereignis gedeutet. Die jüdische Chronologie von Rabbi Jose, die auch unter dem Namen Seder Olam Rabbah bekannt ist, beinhaltet die älteste rabbinische Überlieferung über die Auslegung der siebzig Wochen. In Kapitel 28 dieses Werkes werden die ersten sieben Wochen auf das Exil und die Rückkehr bezogen, die nächsten 62 Wochen finden im Land selbst statt, und die letzte Woche sagt eine Zeit voraus, die sich teilweise im Land und teilweise im Exil abspielt. In diesem Fall könnte die siebzigste Woche auch Geschehnisse nach dem Jahr 70 n. Chr. beinhalten.

Laut Abarbanel erforderte die Bestrafung der Israeliten im Exil die 490 Jahre dieser Prophetie, um das Maß der Sünden, die zusätzlich zur Übertretung des Sabbatgesetzes (vgl. 2Chr 36,21 ) begangen wurden, voll zu machen. Andere jüdische Kommentatoren, wie Raschi und Metzudos, behaupteten, dass sich dies auf eine Zeitspanne nach den 490 Jahren beziehe (die ihrer Meinung nach mit der Zerstörung des zweiten Tempels endete), »[das letzte Exil], dessen Ziel es sein wird, die Übertretungen der jüdischen Nation zu beenden (d.h. zu sühnen)«. Zusammenfassend stellt Rabbi Hersh Goldwurm fest: »So wurden siebzig Wochen über dein Volk und deine Stadt (für relatives Wohlergehen) beschlossen, nach denen die Juden ihre übrige Strafe empfangen werden in dem letzten Exil, dessen Ziel es sein wird, die Übertretungen zu beenden (d.h. zu sühnen).« Ein Grund für diese Deutung liegt darin, dass nach der Auffassung dieser Kommentatoren das Leiden der Juden ihre Übertretungen sühnen würde. Abarbanel erwähnte, dass die Rückkehr nach Jerusalem und sogar der Wiederaufbau des zweiten Tempels nicht die erwartete Erlösung brachten und auch nicht vergangene Sünden sühnten, da diese selbst ein Teil des Exils und der Sühne waren. Seiner Meinung nach lag die wirkliche und vollständige Erlösung noch weit in der Zukunft und wartete - gemäß der Prophezeiung Daniels - noch immer auf ihre Erfüllung.

Die siebzigste Woche (V. 27 ) gehörte laut Ibn Esra nicht zu den 62 Wochen aus Vers 26 . Er vertrat die Auffassung, dass sie nicht mitgezählt wurde, weil der Verwüstung, bei der ein Gesalbter getötet wurde, Aufruhr und Unruhe vorangehen mussten. Er kam auf siebzig Wochen, indem er die sieben Wochen aus Vers 25 zu den 62 Wochen aus Vers 26 addierte. Daraus könnte seine Schwierigkeit resultieren, Vers 27 mit Vers 26 in Einklang zu bringen. Raschi fällt es nicht schwer, das Volk des kommenden Fürsten mit den Römern gleichzusetzen (d.h. den Legionen von Vespasian und Titus). Sowohl Raschi als auch Rambam (d.h. Maimonides) gehören zu jenen, die den Bruch des Bundes (mit jüdischen Regierenden - »den Großen« anstatt »den Vielen«) einem gebrochenen Versprechen der Römer zuschreiben. Keiner der jüdischen Weisen, die diese Meinung vertreten, kann jedoch eine historische Quelle als Bestätigung anführen. Der Jerusalemer Talmud (Taanis 4:5) versucht offenbar, diesen Bundesbruch mit den Römern in Verbindung zu bringen, welche die für das tägliche Opfer vereinbarten Lämmer durch Schweine ersetzt hatten. Genau zu dieser Stunde soll der Opferdienst aufgehört haben, und der Tempel sei kurz darauf zerstört worden.

Manche Rabbiner waren der Meinung, dass der Gräuel der Verwüstung (V. 27 ) sich erfüllte, als Hadrian nach dem Bar-Kochba-Aufstand einen heidnischen Tempel an der Stelle errichten ließ, an der sich zuvor der jüdische Tempel befunden hatte (Raschi). Was den Tempel betrifft, bezogen manche rabbinische Ausleger (vgl. Malbim) die letzten Ziele der Wiederherstellung aus Dan 9,24 , nämlich die Salbung des Allerheiligsten, auf den dritten Tempel, da laut Tosefta Sotah 13:2 der zweite Tempel nicht gesalbt worden sei. Den jüdischen Weisen zufolge sollte diese Salbung des Allerheiligsten einen Bezug zur Wiederherstellung der Schechinah (der herrlichen Gegenwart Gottes; d. Übers.) und der Tempelgefäße haben. Nach dem Mischna-Traktat Yoma 21b befanden sich die Bundeslade mit den Gesetzestafeln, die Altäre und die heiligen Gefäße nicht im zweiten Tempel. Sie sollten durch den Messias-König wieder ans Licht gebracht werden, und zwar zu der Zeit, wenn dieser den dritten Tempel bauen und salben würde (vgl. Sach 6,12-13 ).

Frühere Rabbiner verstanden den Begriff mashiach in Vers 25 wortwörtlich als Bezeichnung für den Messias. Spätere Rabbiner (Raschi, Jossipon, Kap.47) deuteten den Begriff jedoch sinnbildlich als »einen, der (mit Öl) gesalbt ist« bzw. als »einen gesalbten Herrscher«. Man konnte sich nicht auf eine bestimmte historische Figur festlegen, und so gab es für die Rabbiner verschiedene Kandidaten, wie z.B. König Cyrus, Serubbabel, Nehemia, einen Hohepriester (z.B. Jehoshuah ben Jehotzadak) oder einen Nachfahren von Herodes (Agrippa II.). Trotzdem vertrat Raschi die Meinung, dass die Zerstörung des Verwüsters am Ende der siebzigsten Woche vom verheißenen König-Messias erwartet wurde, denn dieser würde die letzten Kriege und den Krieg von Gog und Magog führen. Diese Sicht steht im Einklang mit der zukunftsbezogenen Perspektive fast aller rabbinischen Kommentatoren, nach der die für die siebzig Wochen geschilderte Erlösung noch verwirklicht werden musste.

Siehe auch: Hermeneutik, rabbinisch- orthodoxe.

J. Randall Price

Philip Blackmann, Mishnayot , 6 Bde. (New York: The Judaica Press, Inc., 1964); George W. Buchmann, Revelation and Redemption: Jewish Documents of Deliverance from the Fall of Jerusalem to the Death of Nachmanides (Hillsborough, N. C.: Western North Carolina Press, 1978); K. J. Cathcart and R. P. Gordom, »The Targum of the Minor Prophets« in: The Aramaic Bible (Wilmington, Del.: Glazier, 1987); Pinkhos Churgin, »Targum Jonathan to the Prophets« in: The Library of Biblical Studies , Harry M. Orlinsky, Hrsg. (New York and Baltimore: KTAV Publishing House, Inc., 1983); Rabbi Hersh Goldwurm, Daniel: A New Translation with a Commentary Anthologized from Talmudic, Midrashic, and Rabbinic Sources (New York: Mesorah Publications, Ltd., 1989), Jerusalem Talmud , 4 Bde. (hebr.) (Jerusalem: Kol Hazuyot Semurot m e phali Yitzur v e hutzah l'or, o. Datum); Flavius Josephus, Jewish Antiquities , in: Loeb Classical Library (Cambridge, Mass.: Harvard University Press, 1930-65); R'Avraham ben Meir Ibn Ezra, Perush HaKatzer (Commentary on Daniel) (London: 1887); R'Solomon ben Yitzchak (Rashi), Commentary to the Bible (hebr.) (Jerusalem: 1956); R'Saadiah ben Nachmani, compiler, R'Saadiah (ben Yosef) Gaon's Commentary on the Bible (hebr.); R'Sh'muel Masnuth, Midrash Daniel (hebr.) (Jerusalem: I.S. Lange & S. Schwartz, 1968); R'Yitzchak Abarbanel, Mayenei HaYeshuah (Commentary on Daniel).


DARBY
John Nelson

Leben und Werke

Als eine der ersten Führungspersonen der Plymouth-Brüder und als Begründer des Prämillennialismus aus heilszeitlicher (dispensationalistischer) Sicht, widmete John Darby (1800-1882) sein Leben der Stärkung der Heiligen, die sich »im Namen Gottes« versammelten und die jeden Moment die Rückkehr ihres Herrn erwarteten. Darby wurde in London als Sohn wohlhabender, aus Irland stammender Eltern geboren. Seinen zweiten Vornamen erhielt er von Admiral Lord Nelson. Nachdem er 1815 nach Irland zurückgekehrt war, studierte er am Trinity College in Dublin. 1819 schloss er sein Jura-Studium mit der höchsten Auszeichnung ab. 1822 gab er seine juristische Laufbahn nach nur einem Jahr auf, um in den kirchlichen Dienst einzutreten. Nach einem längeren geistlichen Kampf, der zu seiner Bekehrung führte, wurde Darby 1825 als Hilfsprediger und 1826 als Priester der Anglikanischen Kirche ordiniert. In seiner Gemeinde in der irischen Grafschaft Wicklow war sein Verkündigungsdienst unter Katholiken außergewöhnlich fruchtbar.

Von 1827 bis 1833 bildeten sich seine Gemeindelehre und seine Eschatologie heraus. Wegen seiner Enttäuschung über die Staatskirche befasste sich Darby in seinen frühesten Werken mit dem himmlischen Wesen der Gemeinde und der Notwendigkeit, sie von irdischen Belangen unabhängig zu machen. Schon bald stieß er in Dublin auf eine Gruppe Gleichgesinnter, die sich zum gemeinsamen Bibelstudium, zur Anbetung und zum Brotbrechen traf - ohne kirchliches Ritual und die dazu gehörige Hierarchie. Schließlich verließ er 1831 die Anglikanische Kirche und schloss sich im englischen Plymouth einer Gruppe an, die sich gegen konfessionsgebundenen Unterricht, die Amtskirche und den kirchlichen Formalismus wandte. Von dieser Zeit an sollte das Leben Darbys untrennbar mit der einflussreichen Bewegung der Plymouth-Brüder verbunden sein. Die Powerscourt-Konferenzen von 1831 bis 1833 bereiteten den Boden für die konsequente Angleichung der von Darby entwickelten Eschatologie an seine Gemeindelehre. In der Zeit danach sollten seine neuen Erkenntnisse auf diesen beiden Gebieten einen prägenden Einfluss auf die Theologie der gesamten Brüderbewegung haben. Diese neue Perspektive der Bibelauslegung wurde unter der Bezeichnung »Lehre von den Heilszeiten« (Dispensationalismus) bekannt.

Die Jahre zwischen 1832 und 1845 verbrachte Darby vor allem mit ausgedehnten Reisen, Lehrtätigkeiten und schriftstellerischen Arbeiten. Von 1838 bis 1845 wirkte er in der Schweiz und in Frankreich. Kurz darauf verfasste er ein fünfbändiges Werk in französischer Sprache, dessen englischer Titel Synopsis of the Books of the Bible lautet (in deutscher Sprache erschienen als Betrachtungen über das Wort Gottes ). Erst 1865 war das Gesamtwerk fertiggestellt. Es sollte für den Leser vor allem eine Verständnishilfe sein in Bezug auf den Unterschied zwischen der himmlischen Berufung der Gemeinde Jesu und den Regierungen dieser Welt, bei denen nach dem Plan Gottes die Juden eine zentrale Rolle spielen. Darby erklärte geschickt das jedem Band zugrunde liegende »Argument«, indem er aufzeigte, wie sich die Abschnitte in den verschiedenen Bänden auf die Hauptaussage beziehen. Seine in diesem Werk dargelegte Sichtweise über die historischen und entwicklungsgeschichtlichen Dimensionen einer »biblischen Theologie« ist herausragend.

Im Jahr 1845 führte die »große Spaltung« über die abweichenden Ansichten von B.W. Newton in Bezug auf die »geheime Entrückung« und sein angeblicher Rückfall in den Klerikalismus zu beträchtlichen Differenzen unter den Gemeinden der Brüderbewegung. In Verbindung mit der Gemeinschaftsfrage in Bethesda (1848 waren sich Georg Müller und Darby uneinig über die gemeindeübergreifende Wirksamkeit der Gemeindezucht) führte die »große Spaltung« von diesem Zeitpunkt an zu einer Aufspaltung der Brüderbewegung in die »exklusiven« (geschlossenen) und die »offenen« Brüdergemeinden.

In den nächsten 30 Jahren übte Darby unter den »exklusiven« Gemeinden einen nachhaltigen Einfluss aus. In diesem Zeitraum waren beide Gruppierungen geprägt von einem starken missionarischen Engagement. Die »exklusiven« Gemeinden sahen ihren Schwerpunkt jedoch eher in der Verkündigung der Wahrheit unter Gläubigen, während die »offenen« Gemeinden das Evangelium den Verlorenen bringen wollten. Von 1853 bis zu seinem Tod reiste Darby mindestens drei Mal nach Deutschland. Auch verbrachte er viel Zeit in Frankreich, besuchte Italien, Neuseeland und die Westindischen Inseln. Er predigte fließend auf Französisch und Deutsch. Von 1859 bis 1874 reiste er sieben Mal nach Kanada und in die USA. Trotz dieser umfangreichen Reisetätigkeit nahm er sich die Zeit, das Neue Testament in die englische, die französische und die deutsche Sprache zu übersetzen. Er wirkte auch mit bei einer Übersetzung des Alten Testaments in das Französische und das Deutsche.

Seine Briefe über eine ganze Reihe von Themen sind in drei Bänden (Originaltitel: Letters of J.N. Darby ) zusammengefasst. Die meisten seiner Aufsätze und Artikel wurden in dem 34-bändigen Werk The Collected Works of J.N. Darby (»Die Gesammelten Werke von J.N. Darby«) veröffentlicht. Herausgeber war sein langjähriger Mitarbeiter und Freund William Kelly. Die einzelnen Bände sind chronologisch aufgebaut, mit unterschiedlicher Thematik von Band zu Band. Die einzelnen Themen lauten »Gemeinde« (Bde. 1, 4, 14, 20), »Prophetie« (Bde. 2, 5, 8, 11), »Lehre« (Bde. 3, 7, 10, 15, 18, 22, 23, 29, 31), »Apologetik« (Bde. 6, 9), »Evangelikale Themen« (Bde. 12, 21), »Kritische Themen« (Bd. 13), »Praktische Fragen« (Bde. 16, 17), »Erklärende Themen« (Bde. 19, 24-28, 30) und »Verschiedenes« (Bde. 32-34). Ein Index in einem gesonderten Band hilft bei der Recherche über Themen nicht nur in Darbys Briefen und seinen Gesammelten Werken , sondern auch in den beiden Bänden des Werkes Miscellaneous Writings of J. N. Darby (in Wirklichkeit handelt es sich um die Bde. 4 und 5 dieses Werkes, da die Bände 1-3 die letzten drei Bände von Collected Works sind), in den sieben Bänden Notes and Comments on Scripture (»Notizen und Kommentare über die Bibel«) und in den Notes and Jottings from Various Meetings with J.N. Darby (»Notizen und Mitschriften von Versammlungen mit J.N. Darby«). Der letzte Band scheint aus Mitschriften von Studenten und Zuhörern zu bestehen. Ein kleines Buch mit Gedichten, Meditationen und Liedern mit dem Titel Spiritual Songs (»Geistliche Lieder«), sowie das von Darby verfasste Buch Synopsis of the Books of the Bible (»Betrachtungen über das Wort Gottes«) sind im Index nicht enthalten.


DARBY
John Nelson

Eschatologie

Darby wird zwar als Vater des modernen Prämillennialismus aus heilszeitlicher (dispensationalistischer) Sicht anerkannt, aber heute erinnert man sich hauptsächlich an ihn, weil er der Gemeinde Jesu wieder ins Gedächtnis rief, worin ihre eigentliche Hoffnung bestand, nämlich in ihrer Entrückung bei der Rückkehr des Herrn vor der siebzigsten Woche aus dem Buch Daniel. In hohem Maße ist seine Eschatologie Produkt seiner Gemeindelehre, die in den Jahren von 1827 bis 1831 eine radikale Veränderung durchmachte. Um diese Entwicklung besser zu verstehen, muss man sich Darbys Studien am Trinity College in Dublin und die Zustände in der Anglikanischen Kirche seiner Zeit vor Augen halten.

Während seiner Jahre am Trinity College wurde Darby maßgeblich von Professor Richard Graves geprägt, einem Fürsprecher der Juden im britischen Empire. Als Anhänger des Postmillennialismus vertrat Graves die Meinung, dass das Tausendjährige Reich durch die Bekehrung und die Rückkehr der Juden in ihre alte Heimat eingeleitet werde. Seit Israel Jesus als Messias abgelehnt hat, habe ein nichtjüdischer »Einschub« stattgefunden. Die alttestamentlichen Landverheißungen an Abraham und seinen Samen seien jedoch nicht an Bedingungen geknüpft. Die dem jüdischen Volk prophezeiten Segnungen könnten sich durch einen engagierten Missionsdienst unter Juden bald erfüllen. Darby nahm diesen Respekt vor der alttestamentlichen Vision einer Zukunft für Israel als Nation mit in seinen Dienst.

Als junger Priester wurde Darby vom System der Staatskirche enttäuscht, denn dieses zog Vorteile aus der engen Verbindung zum Staat. Bis 1827 hatte sich seine Überzeugung gefestigt, dass die Gemeinde als der Leib Christi ein himmlisches Volk sein und sich deshalb nicht um irdische Begünstigungen bemühen sollte. Im selben Jahr musste er sich für längere Zeit von einem Reitunfall erholen. Er verbrachte viel Zeit allein mit Gott und seinem Wort. Jes 32 überzeugte ihn, dass es eine zukünftige Heilszeit geben würde, in der Israel irdische Segnungen genießen würde, die ganz anders seien als die gegenwärtigen himmlischen Segnungen, die er aus seiner Verbindung mit Christus kannte. In seinem Denken bildeten sich die ersten Ansätze der Lehre von den Heilszeiten.

Durch die Powerscourt-Konferenzen von 1831 bis 1833 bewegte sich Darby von seinem früheren geschichtsbezogenen Prämillennialismus weg und wandte sich einem zukunftsbezogenen Prämillennialismus zu. Der Übergang vom jetzigen Zeitalter der Gemeinde Jesu zum Tausendjährigen Reich, in dem Israel unter der Herrschaft Christi im Mittelpunkt stehen würde, war möglich geworden durch die Erkenntnis, dass die siebzigste Woche aus dem Buch Daniel noch in der Zukunft liegen musste. Vor dieser Zeit würde die Gemeinde in die himmlische Herrlichkeit entrückt, aber während dieser Zeitspanne würde Gott einen Überrest Israels schaffen, der bei der Rückkehr Christi auf die Erde die Errettung von seinen Feinden erleben würde. Nach Darbys eigener Aussage hatte sich seine Eschatologie des Prämillennialismus aus der Sicht der Heilszeitenlehre bis 1833 voll ausgebildet.

Für Darby ist jeder Abschnitt der Heilsgeschichte eine Heilszeit und somit eine Ordnung, die Gott auf Erden eingesetzt hat. Die primären Wesenszüge eines Abschnitts der Heilsgeschichte sind die Verwaltung durch eine Regierung, Verantwortung und eine Offenbarung, um beides zu erfüllen. Sekundäre Wesenszüge sind Prüfung, Versagen und Gericht. Wenn eine Gruppe die Prüfung nicht besteht und ihre gottgegebene Verantwortung nicht ausüben kann, kommt sie unter das Gericht, und damit endet der jeweilige Abschnitt der Heilsgeschichte. Im Hinblick auf diese festen Abläufe gab es für Darby drei »Welten« oder Zeitalter, und zwar von Adam bis zur Sintflut, von der Zeit nach der Sintflut bis zur Wiederherstellung von Himmel und Erde durch Feuer am Ende des Tausendjährigen Reiches und die Ewigkeit. Darby vertrat nicht die Auffassung, dass es in der ersten Welt Abschnitte der Heilsgeschichte gab. Vielmehr hatte Gott die Geschöpfe dieser Welt sich selbst überlassen. Auch die Ewigkeit ist seiner Meinung nach kein Abschnitt der Heilsgeschichte. Demnach können nur in der Zeit von Noah bis hin zum Tausendjährigen Reich Abschnitte der Heilsgeschichte unterschieden werden. Für Darby gab es acht dieser Abschnitte, und zwar (1) die Zeit Noahs, (2) die Zeit Abrahams, (3) die Zeit Israels unter dem Gesetz (Propheten), (4) die Zeit Israels unter der Priesterschaft,(5) die Zeit Israels unter den Königen, (6) die Zeit der Heiden (von Nebukadnezar bis zum Antichristen), (7) die Zeit der Gemeinde oder der Christen (obwohl Darby zögert, die Gemeinde mit ihrer himmlischen Perspektive als Abschnitt der Heilsgeschichte zu bezeichnen) und (8) das Tausendjährige Reich oder das Reich Christi.

Die von Darby festgestellte Reihenfolge der Endzeitereignisse kann folgendermaßen eingeteilt werden: (1) die Entrückung und die erste Auferstehung, (2) die Geschehnisse im Himmel nach der Entrückung, (3) die Geschehnisse auf Erden nach der Entrückung, (4) das Tausendjährige Reich, (5) die Ewigkeit.

1. Die Entrückung geschieht vor der letzten Zeit der Prüfung, die über die Erde kommen wird. Die Gemeinde muss bereits mit Christus im Himmel sein, um mit ihm bei seiner Wiederkunft in Herrlichkeit zu erscheinen. Darby zögerte, die Entrückung als geheim zu bezeichnen, obwohl er der Meinung war, dass ihr Zeitpunkt unbekannt war, sie aber jederzeit stattfinden konnte. Die erste Auferstehung der Gerechten geschieht für ihn zeitgleich mit der Entrückung. So werden alle, die sowohl in der Ära des Alten als auch des Neuen Testaments im Glauben gestorben sind, mit den lebenden Heiligen der Gemeinde Jesu entrückt werden. Obwohl alle, die einen Auferstehungsleib haben, in Verbindung zum neuen Jerusalem zu sehen sind, bezeichnete Darby nur die Gemeinde Jesu als Braut, um ihre führende Position unter den Verherrlichten hervorzuheben.

2. Auf die Entrückung folgen verschiedene Geschehnisse im Himmel. Zuerst wird Satan aus dem Himmel auf die Erde geworfen. Dann werden die Heiligen den Richterstuhl Christi erleben, sozusagen als Vorbereitung auf die Hochzeit des Lammes. Dieses letzte Ereignis wird nach dem Gericht über Babylon stattfinden.

3. Das Geschehen auf Erden nach der Entrückung hat einen Bezug zur siebzigsten Woche aus dem Buch Daniel. Manchmal sah Darby diese sieben Jahre als noch in der Zukunft liegend, aber manchmal beließ er für diese zukünftige Zeit nur noch dreieinhalb Jahre, wobei er die ersten dreieinhalb Jahre dem irdischen Dienst Christi zuordnete. Nach der Entrückung war seiner Meinung nach eine Zeit der Prüfung erforderlich, um einen Überrest des jüdischen Volkes vorzubereiten auf die Errettung durch die Rückkehr des Messias zur Erde. In dieser Zeit sollte das Tier als weltliches Oberhaupt einer Weltregierung auftreten. Der falsche Prophet sollte als Antichrist erscheinen, als das geistliche Oberhaupt einer antigöttlichen, religiösen Macht. Der Tag des Herrn findet beim Erscheinen Christi am Ende der Trübsalzeit statt. Die Schlacht von Harmagedon beendet die Macht des Tieres und des Antichristen. Kurz darauf wird Satan gebunden. Danach wird das Land Israel gereinigt, und dann findet das Gericht über die auf Erden Lebenden statt. Dabei entscheidet sich, wer von ihnen in das Tausendjährige Reich eingehen wird. Nach einer kurzen Zeit des Friedens und der Sicherheit im Land wird Israel von Gog (Russland) angegriffen werden. Gog wird durch die Hand des Herrn restlos vernichtet.

4. Im Tausendjährigen Reich werden sich die Landverheißungen, die Abraham gegeben wurden, an einem wiederhergestellten Israel erfüllen. Der Messias errettet den Überrest, der durch die Vernichtung aller seiner Feinde zur gesegneten Nation wird. Danach wird Israel im Reich des Messias den ersten Platz unter den Nationen einnehmen, so wie die Gemeinde als Braut Christi im neuen Jerusalem die erste Stelle unter den Auferstandenen innehaben wird.

5. Zu den Geschehnissen nach dem Tausendjährigen Reich gehören die letzte Revolte Satans, die zweite Auferstehung und das Gericht über die ungläubigen Toten vor dem großen, weißen Thron. Darby glaubte an die ewige, bewusst erlebte Bestrafung der Verlorenen im Feuersee.

6. Die Ewigkeit wird der besonderen Position Israels unter den Nationen des Tausendjährigen Reiches ein Ende setzen. Aber auch dann wird es in der Ewigkeit einen Unterschied zwischen der Gemeinde und den Erdbewohnern in ihrem ewigen Zustand geben. »Die Hütte Gottes« (Darby bezog Offb 21,2-3 auf die Gemeinde) wird »bei den Menschen« sein (den Erdbewohnern, ohne nationale Unterschiede). Deshalb wird die Gemeinde auch in der Ewigkeit eine besondere Stellung einnehmen, weil die Worte »dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus zu aller Zeit, von Ewigkeit zu Ewigkeit« ( Eph 3,21 ) auf eine Beziehung von ewiger Dauer hindeuten. Zwei Völker Gottes, ein irdisches und ein himmlisches, werden sich in Ewigkeit voneinander unterscheiden, weil auch dann erlöste Menschen mit ihren nicht verwandelten Leibern von den Erlösten mit Auferstehungsleibern unterschieden werden.

Siehe auch: Dispensationalismus (Lehre von den Heilszeiten)

Floyd Elmore

Larry Vance Crutchfield, »The Doctrine of Ages and Dispensations as Found in the Published Works of John Nelson Darby« (Ph.D.diss., Drew University, 1985); John Nelson Darby, The Collected Writings of J. N. Darby , Bde. 2, 8, 11 (Nachdruck, Sunbury, Pa.: Believers Bookshelf, 1971); Floyd S. Elmore, »A Critical Examination of the Doctrine of the Two Peoples of God in John Nelson Darby« (Th. D. diss., Dallas Theological Seminary, 1990); H. A. Ironside, A Historical Sketch of the Brethren Movement (Grand Rapids: Zondervan, 1942); William B. Neatby, A History of the Plymouth Brethren (London: Hodder and Stoughton, 1901); W.G. Turner, John Nelson Darby (London: C. A. Hammond, 1944).


DAVIDISCHER BUND

Zwei Hauptabschnitte enthalten die Einzelheiten über den Abschluss des Bundes mit David, und zwar 2Sam 7,11-17 und 1Chr 17,10-15 . In diesen Texten wird geschildert, wie der Bund zwischen Gott und David geschlossen wurde, wobei David als Oberhaupt seines Hauses oder seiner Dynastie fungierte.


DAVIDISCHER BUND

Die Bestimmungen des davidischen Bundes

Für diesen Bund gibt es insgesamt sieben Bestimmungen. Erstens wurde David der ewige Bestand seines Hauses oder seiner Dynastie verheißen ( 2Sam 7,11.16; 1Chr 17,10 ). Zweitens sollten Davids eigene Söhne, besonders Salomo, nach seinem Tod den Thron besteigen ( 2Sam 7,12 ). Drittens sollte Salomo den Tempel bauen ( 2Sam 7,13 ). Viertens sollten der Thron Davids und das Reich Salomos ewigen Bestand haben ( 2Sam 7,13 ). Nicht Salomo selbst war diese ewige Dauer verheißen, sondern dem Thron, auf dem er sitzen sollte. Fünftens sollte Salomo wegen seines Ungehorsams bestraft werden, aber Gott würde seine Barmherzigkeit nicht von ihm wegnehmen ( 2Sam 7,14-15 ). Gott hatte zwar Saul das Königtum weggenommen, aber Saul befand sich nicht wie Salomo unter einem bedingungslosen Bund. Sechstens wird der Messias aus dem Samen bzw. der Nachkommenschaft Davids kommen ( 1Chr 17, 11 ). Siebtens werden der Thron, das Haus und das Reich des Messias ewigen Bestand haben ( 1Chr 17,10-14 ).

Diese sieben Bestimmungen lassen sich wie folgt zusammenfassen: Der Bund enthielt vier Verheißungen ewiger Natur, und zwar über ein ewiges Haus bzw. eine ewige Dynastie, einen ewigen Thron, ein ewiges Reich und einen ewigen Nachkommen. Der ewige Bestand des Hauses, des Thrones und des Reiches ist gewährleistet, weil der Same bzw. die Nachkommenschaft von jemandem verkörpert wird, der selbst ewig ist, nämlich dem Messias, der wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich ist.


DAVIDISCHER BUND

Die Bedeutung des Bundes

Die Bedeutung des Bundes mit David liegt darin, dass er den Aspekt des Samens bzw. der Nachkommenschaft aus dem Bund mit Abraham verstärkt. Dem Bund mit Abraham zufolge sollte der Messias vom Samen Abrahams abstammen. Das bedeutete lediglich, dass er ein Jude aus einem der zwölf Stämme sein sollte. Später, zur Zeit Jakobs, wurde der messianische Aspekt der Nachkommenschaft auf ein Mitglied des Stammes Juda beschränkt ( 1Mo 49,10 ). Dann wurde dieser Aspekt noch weiter eingeengt auf eine bestimmte Familie aus dem Stamm Juda, nämlich die Familie Davids. In Jer 22,24-30 erfolgte eine weitere Einschränkung. Der Messias sollte zwar aus dem Samen Davids stammen, aber nicht aus der Nachkommenschaft von Jechonia (Konja).


DAVIDISCHER BUND

Die Bestätigung des Bundes

Der Bund mit David wird erneut bestätigt in 2Sam 23,15; Ps 89,1-52; Jes 9,6-7; 11,1; Jer 23,5-6; 30,8-9; 33,14-17.19-26; Hes 37,24-25; Hos 3,4-5; Am 9,11; Lk 1,30-35 und Apg 15,14-18 . Da er nicht an Bedingungen geknüpft ist, ist er noch immer wirksam.


DAVIDISCHER BUND

Auswirkungen in diesem Zeitalter

Dieser Bund enthielt vier Verheißungen ewiger Natur. Eine von ihnen bezog sich auf den ewigen Nachkommen. Aufgrund der Tatsache, dass der Messias, der ewige Nachkomme, jetzt zur Rechten des Vaters sitzt, wie es David selbst in Ps 110,1 prophezeite, ist der Bund noch immer wirksam. Als Erfüllung des Aspekts über den ewigen Samen aus dem Bund mit David wird Jesus der Sohn ( Mt 11; Lk 1,32 ) und die Wurzel Davids ( Offb 5,5 ) genannt. Jesus herrscht zwar heute nicht vom Thron Davids aus über ein Reich in Israel, aber das wird in der Zukunft geschehen.

Vertreter der »Ersatz-Theologie« behaupten nachdrücklich, der gesamte Bund habe sich bereits heute verwirklicht; so habe sich die Verheißung über den Thron erfüllt, als Jesus sich auf den Thron seines Vaters gesetzt habe ( Offb 3,21 ). Zweifellos sitzt Jesus heute auf dem Thron des Vaters. Die Verheißung in Lk 1,32 lautet jedoch, dass er eines Tages auf dem Thron seines Vaters David sitzen wird. Es ist töricht zu behaupten, der Thron Davids und der Thron Gottes seien identisch - es sei denn, die Vertreter der »Ersatz-Theologie« wollen damit sagen, dass David einst auf dem Thron Gottes, des Vaters, gesessen habe.


DAVIDISCHER BUND

Auswirkungen in der Zukunft

Eine bedeutende Facette in der endgültigen Wiederherstellung Israels ist die erneute Aufrichtung des Thrones Davids, deren eindeutige Grundlage der Bund mit David ist. Jesus hat drei Ämter: Er ist Prophet, Priester und König. Diese Ämter nimmt er jedoch nicht gleichzeitig wahr, sondern in chronologischer Reihenfolge. Bei seinem ersten Kommen und seinem Dienst in der Öffentlichkeit trat er in seiner ersten Funktion als Prophet auf. Seit seiner Himmelfahrt fungiert er in seinem zweiten Amt als Priester. Bei seiner Wiederkunft wird er sein drittes Amt als König antreten, und zwar als König Israels und der ganzen Welt.

Die erneute Aufrichtung des Thrones Davids wird in prophetischen Texten ebenfalls ausführlich dargestellt, so zum Beispiel in Ps 89; Jes 9,6-7; 16,5; Jer 23,5-6; 33,14-26; Am 9,11-12 und Lk 1,32-35 .

Siehe auch: Davids Rolle in der biblischen Prophetie

Arnold G. Fruchtenbaum


DAVIDS ROLLE IN DER
biblischen Prophetie

David, dem König Israels, wird normalerweise keine Rolle in der biblischen Prophetie zugestanden. Er war der bedeutendste König im alten Israel und der Vorfahre von Jesus Christus, dem Messias. Aber hat er eine historische Funktion für die Zukunft im Heilsplan Gottes?

Diese Frage ergibt sich aus mehreren Beispielen im Alten Testament, denen zufolge David im zukünftigen Reich Christi eine Regierungsaufgabe erhalten soll ( Jes 55,3-4; Jer 30,9; 33,15.17.20-21; Hes 34,23-24; 37,24-25; Hos 3,5; Am 9,11 ). Im Allgemeinen werden drei Erklärungen für die Bedeutung der in diesen Texten erwähnten künftigen Rolle Davids angeboten: (1) Der Messias erfüllt als Erbe Davids diese Texte. (2) Es wird ein realer Sohn Davids aus dessen Geschlecht auftreten. (3) Der auferstandene David wird während der tausendjährigen Herrschaft seines bedeutenderen Sohnes Jesus tatsächlich eine Regierungsfunktion übernehmen.

Manche Ausleger sind der Meinung, dass sich die Erwähnung Davids in den oben genannten Texten auf Christus bezieht und David nur eine Vorausdeutung ist. Da Jesus der Sohn Davids ist und Christus den Thron Davids aufrichtet, wird David in diesem Sinne ebenfalls herrschen. Alle Hinweise auf David beziehen sich demnach auf Jesus, der auf dem Thron Davids sitzt. So sprechen Jesaja und Jeremia von dem Thron Davids, der ewigen Bestand hat ( Jes 9,7; Jer 33,15 ). Die künftige Hauptstadt von Zion wird die Stadt Davids sein ( Jes 2,1-4 ). Außerdem ist der Name Christi in der Bibel eng verbunden mit dem Davids, denn Jesus wird auch der Sohn Davids genannt. Jesaja erwähnt den künftigen Herrscher als Nachkommen aus der Linie Isais, des Vaters von David ( Jes 11,1-10 ). Gleiches gilt auch für die Autoren des Neuen Testaments ( Mk 11,10; Joh 7,42; Offb 5,5; 22,16 ).

Gegen Christus als Erfüllung dieser biblischen Texte werden mehrere Einwände erhoben. Erstens wird Jesus Christus in der Bibel niemals David genannt, sondern der Spross Davids ( Jer 23,5 ), der Sohn Davids (fünfzehn Mal), der Same Davids ( Joh 7,42 ), die Wurzel Davids ( Offb 5,5 ) und die Wurzel und das Geschlecht Davids ( Offb 22,16 ). Zweitens wird der Ausdruck »mein Knecht David« in der Regel für die historische Figur des David verwendet ( 2Sam 3,18; 7,5.8; 1Kö 11,3.32.34; 2Kö 20,6 ). Drittens wird Jahwe (d. h. der Messias) eindeutig von David unterschieden ( Hos 3,5; Hes 34,24; 37,21-25; Jer 30,9; Jes 55,4 ). Zuletzt gibt es Aspekte in der Prophezeiung über David in Hes 45,22 , die sich nicht auf den Messias beziehen können. Der darin erwähnte Fürst bringt Opfer für seine eigenen Sünden dar; schon deshalb kann sich diese Aussage nicht auf Jesus beziehen.

Außerdem hat der Fürst aus Hes 46,16 mehrere Söhne und verteilt ein Erbe. Daraus lässt sich ableiten, dass ein Sohn aus der Linie Davids auf dem Thron sitzen wird. Obwohl Christus bestimmte Teile dieser Prophezeiung erfüllen könnte, trifft das auf andere Teile nicht zu. Deshalb müsste es einen weiteren Erben des Thrones Davids geben. Die Hinweise auf den Prinzen in Jer 33,15.17.20-21 scheinen dafür zu sprechen, dass ein Sohn Davids dieses Amt ausfüllen könnte. Gegen diese Ansicht sind drei grundlegende Einwände erhoben worden. Erstens ist seit der Zerstörung Jerusalems kein Jude mehr in der Lage, seinen Familienstammbaum zurückzuverfolgen. Zweitens: Wenn neben Christus ein weiterer Sohn Davids ins Spiel kommt, haben sich die Verheißungen an David in Christus nicht vollständig erfüllt. Drittens verlangt die wörtliche Auslegung nach einer »natürlichen« Deutung des Namens Davi d. Dieser letzten Sichtweise von David in der biblischen Prophetie zufolge beziehen sich die fraglichen Texte tatsächlich auf den historischen David, der im Tausendjährigen Reich unter dem König der Könige als Regent herrschen wird. Demnach wird er von den Toten auferweckt und in Jerusalem regieren. Es gibt drei Hauptargumente für diese Auffassung. Erstens lassen sich damit die Texte am besten wörtlich auslegen. Zweitens könnte David im Tausendjährigen Reich als Regent herrschen, ohne dass damit die biblischen Prophezeiungen über die Herrschaft Davids in Frage gestellt werden. Drittens werden auferstandene Heilige im Tausendjährigen Reich Führungspositionen einnehmen ( Mt 19,28; Lk 19,12-27 ). Demnach würde David im Tausendjährigen Reich als Fürst unter der Autorität Jesu, des Sohnes Davids, regieren. In dieser Funktion wäre David zuständig für die Leitung der Anbetung, die Darbringung von Gedenkopfern sowie die Einhaltung der Gesetze; seinen Kindern würde er ein Erbteil geben. Diese Art der Herrschaft im Tausendjährigen Reich entspricht anderen im Alten Testament dargestellten Regierungsformen ( Jes 32,1; Jer 30,21; Hes 45,8-9 ) sowie der neutestamentlichen Lehre über die Apostel, die über die zwölf Stämme Israels herrschen werden.

Die Einwände gegen diese Position beziehen sich auf die Tatsache, dass Jesus als König über die Erde und insbesondere über Israel herrschen wird und somit die Verheißungen an David voll und ganz erfüllt. Wenn Christus der bedeutendere Sohn Davids ist, besteht keine Notwendigkeit, dass sich die Prophezeiungen in der Person des historischen Königs erfüllen.

Siehe auch: Davidischer Bund ; Thron Davids.

H. Wayne House

Walter A. Elwell, Hrsg., Baker Encyclopedia of the Bible , Bd. 1: A-I (Grand Rapids: Baker, 1988), 585-86; J. Dwight Pentecost, Bibel und Zukunft (Dillenburg: CV, 1993), 511-525.


DE HAAN M. R.

M. R. De Haan (1891-1965) gehörte mit seiner wöchentlichen Radiosendung Radio Bible Class zu den Pionieren auf dem Gebiet der christlichen Rundfunkarbeit. Viele seiner Hörer wussten nicht, dass De Haan ursprünglich Mediziner war und an der medizinischen Fakultät der Universität von Illinois promoviert hatte. Nachdem er einige Jahre lang als Arzt praktiziert hatte, entschloss er sich aus Liebe zur Verkündigung des Wortes Gottes zu einem Studium der Bibelwissenschaften und Theologie am Western Theological Seminary . Seinen Dienst führte er als beliebter Rundfunkredner und Autor weiter. Er verfasste rund 25 Bücher und veröffentlichte eine Vielzahl von täglichen Andachten unter dem Titel Daily Bread (»Unser tägliches Brot«).

In Büchern wie Chemistry of the Blood (»Chemische Zusammensetzung des Blutes«), Dear Doctor: I have a Problem (»Herr Doktor, ich habe ein Problem«) und Genesis and Evolution (»Genesis und Evolution«) lag sein Schwerpunkt auf medizinischen Themen. Mit Vorliebe lehrte er auch biblische Prophetie, wie folgende Werke belegen: Coming Events in Prophecy (»Künftige Ereignisse in der Prophetie«), Daniel the Prophet (»Daniel, der Prophet«), Revelation (»Die Offenbarung«), The Second Coming of Jesus (»Die Wiederkunft Jesu«) und Signs of the Times (»Zeichen der Zeit«).

Beim Studium der biblischen Prophetie war De Haan ein konsequenter Vertreter der vom Prämillenialismus geprägten Lehre von den Heilszeiten (Dispensationalismus). Immer wieder wies er seine Leser auf den Unterschied zwischen Israel und der Gemeinde Jesu hin. Weil die Geschehnisse nach dem Zweiten Weltkrieg die Lage explosiv machten und die Hörer seiner Radiosendungen ihn dazu drängten, schrieb er seinen bekannten Kommentar über das Buch Daniel. Für ihn bewegten sich die Nationen und besonders die Länder im Nahen Osten auf die prophezeite Endzeit zu. Er stellte fest, dass Daniel sich besonders der Zeit der Heiden widmete, während sich Johannes im ersten Teil der Offenbarung auf die Gemeinde Jesu in der jetzigen Heilszeit konzentrierte. Bei Johannes nehme zwar die Zeit der Trübsal den größten Raum ein, aber beide Autoren »präsentieren uns eine äußerst drastische Schilderung über den Hauptfaktor der Endzeit ... den Menschen der Sünde«.«

Auf eine für Laien leicht verständliche Art wies De Haan seine Zuhörer häufig auf grundlegende Prinzipien der Bibelauslegung hin. So betonte er, dass (1) für die gesamte Bibel eine vorrangige Auslegung gilt, (2) die ganze Bibel mehrere praktische Anwendungen enthält und (3) die meisten Bibelabschnitte auch eine prophetische Offenbarung enthalten.

»Wenn man das Vorrangige ignoriert ... und sich nur mit den praktischen Anwendungen (der Bibel) befasst, kann das zum Fanatismus führen. Dadurch verliert man die wahre Absicht der Offenbarung aus dem Auge.« Nur wenige Bibellehrer konnten auf einen so langjährigen Dienst zurückblicken und erfreuten sich so großer Beliebtheit wie De Haan.

Mal Couch

M.R. De Haan, Daniel the Prophet (Grand Rapids: Kregel, 1995)


DEUTERONOMIUM (5. MOSE)
Eschatologie

Das fünfte Buch Mose besteht aus einer Reihe von Predigten über das Gesetz, die Moses den Israeliten gibt, um ihnen den Ernst des Wortes Gottes einzuschärfen. Er beabsichtigte das Volk zu ermahnen, dass sie ihr Leben neu auf Gott ausrichten sollten. Moses war klar, dass diese Lebensübergabe das Volk ins verheißene Land bringen und es befähigen würde, die dortigen Bewohner des Landes zu überwältigen. Es war eine Erinnerung daran, dass ihnen das Land verheißen worden war und wirklich ihnen gehörte - so, wie Gott es ihnen versprochen hatte. Die Betonung liegt hier darauf, dass nur Gehorsam gegenüber Gottes Gesetz Wohlergehen hervorbringt, dass die Folge von Ungehorsam aber Unheil ist. Das Buch enthält fünf Hauptteile mit Bezug auf das Bündnis, das Gott durch Moses mit dem Volk Israel geschlossen hat: (1) der Bündnismittler ( 1,1-5 ); (2) die Bündnisgeschichte ( 1,6-4,49 ); (3) das Bündnisleben ( 5,1-26,19 ); (4) der Bundesschluss ( 27,1-30,20 ) und (5) der Bündnisbestand ( 31,1-34,12 ).

Die Autorschaft des Buches wird im Buchtext selbst bestätigt, wo Mose mehr als fünfundvierzigmal genannt wird.

Die grundlegende Prophetie dieses Buches betrifft das Land, das Gott Abraham und seinen Nachkommen verheißen hat. Wir finden sie in den Kapiteln 28-30 . Gott versprach bedingungslos, dass das Abraham verheißene Land ( 1Mo 15,18 ) für alle Zeiten ihm gehören werde. Die Übereignung des Landes an Abraham gestattet es künftigen Generationen seiner Nachkommenschaft, das Land als ihren rechtmäßigen Besitz zu beanspruchen. Diese Landverheißung wird als Palästinisches Bündnis bezeichnet; der Palästinische, der Davidische und der Neue Bund bilden zusammen den vollständigen Abrahamitischen Bund.

Die verschiedenen Teile des Palästinischen Bundes werden in den drei Kapiteln 28-30 vorgestellt.

1. Am Anfang steht die Prophetie über Israels Inbesitznahme des Landes. Sie nimmt drei Phasen der Enteignung vorweg ( 1Mo 15,13-14.16; Jer 25,11-12; 5Mo 28,63-68 ) und drei Phasen der Wiederherstellung ( 1Mo 15,11 mit Jos 1,2-7; Dan 9,2 mit Jer 25,11-12; 5Mo 30,3; Jer 23,5-8; Hes 37,21-25; Apg 15,14-17 ). Alle diese Phasen haben bereits stattgefunden - ausgenommen die letzte Wiederherstellung, die für das Volk noch Zukunft ist.

2. Es folgt im Text die endgültige Wiederherstellung Israels ( 5Mo 30,1-3 ). Seine Zerstreuung kennzeichnet die Leiden des Volkes, die enden, wenn sie ihren wahren Messias bei seiner Rückkehr anerkennen. An ihrem Verstoßungsort werden sie weder bereuen noch ihren König annehmen.

3. Der endgültige Besitz des Landes ist abhängig von der Rückkehr des Messias ( 5Mo 30,3-6 ). Israel hat so viel und so oft gesündigt und Gott zurückgewiesen, dass nur ein Gnadenwerk Israel zur Gemeinschaft mit Gott zurückbringen kann. Die Lebensweise (beschrieben in 5Mo 30,4-8; Jer 31,31-34; Mt 5,1-7,29 ), die Israel im Reichszeitalter führen wird, zeigt eine Verwandlung der Herzen, die das ganze Volk betrifft.

4. Die Prophetie sagt Gerichte über Nationen voraus, die Israel von Beginn seiner Geschichte an unterdrückt haben ( 1Mo 12,3 ). Die vollkommene Verwirklichung dieser Gerichte wird stattfinden, wenn eines Tages die Nationen vor dem Thron Jesu Christi stehen. Dort wird Jesus erklären: »Geht von mir, Verfluchte« ( Mt 25,41 ).

5. Endlich wird das Volk im Land gesegnet sein ( 30,15-20 ). Dieser Segen gründet sich auf Israels Gehorsam gegenüber Gott und seinem Wort. Durch engen Anschluss an den Herrn und durch Gehorsam wird das Volk ein frommes Leben führen. Alle Segnungen, irdische und geistliche, werden nach dem Eintritt ins verheißene Land Israel gehören.

Siehe auch: Bund der Landverheißung .

Rick Bowman

Merrill F. Unger, Unger's Bible Dictionary (Chicago: Moody Press, 1966); John F. Walvoord, The Bible Prophecy Handbook (Wheaton: Victor Books, 1990); John F. Walvoord und Roy B. Zuck (Hrsg.), The Bible Knowledge Commentary (Wheaton: Victor Books, 1995).


DIDACHE

Die Didache, so der kurz gefasste Titel der »Lehre des Herrn für die Nationen durch die zwölf Apostel«, war ein Erziehungshandbuch für die Nationen, das sich mit Fragen der Moral, der Liturgie und des Gemeindelebens befasst. Die Entdeckung dieses ältesten Handbuchs zur Gemeindeordnung und zum Benehmen im Jahr 1873 verursachte eine Flut gelehrter Debatten und Auseinandersetzungen. Aber bis heute ist der Autor (oder Bearbeiter) unbekannt geblieben und auch über den Ort der Abfassung (Syrien, Palästina oder Ägypten) kann nur spekuliert werden. Die Zeit der Abfassung wird auf einen Zeitraum zwischen den Jahren 60 und 90 n.Chr. geschätzt. Das vielleicht älteste noch vorhandene nichtkanonische Dokument könnte verfasst worden sein, noch ehe der Apostel Johannes zu schreiben aufhörte. Es bietet uns daher Belege für Ansichten und Vorstellungen, die in der frühesten Zeit der Kirche geglaubt und gelehrt wurden.

Durch auslegende Vorgehensweise versuchte der Autor der Didache den mit der Materie nicht Vertrauten die Grundgebote und -praktiken des christlichen Glaubens ohne Übertreibungen oder Phantasiegebilde vorzustellen. Der krasse Allegorismus, den man in anderen Werken dieser Art findet, wie etwa dem Barnabasbrief und der Schrift Hirte des Hermas , fehlt in der Didache erstaunlicherweise völlig. Prophetische Passagen werden in direkter, unkomplizierter Art ausgelegt, frei von jeder vergeistigten Spekulation.

Die Didache ist eines der besten frühen Beispiele für außerbiblische Lehre über das zweite Kommen Christi und die damit in Verbindung stehenden Ereignisse. Eine der wichtigsten eschatologischen Annahmen in diesem Werk ist das des baldigen Bevorstehens. Der Schreiber der Didache rechnet jeden Augenblick mit dem möglichen Erscheinen des Herrn und drängt deswegen auf die Wachsamkeit der Gläubigen (Did 10,6; 16,1-2; vgl. 1Kor 16,22 und Offb 22,20 ), auf regelmäßige Gemeinschaft und auf gegenseitige Erbauung, um den Angriffen der »Verführer und falschen Propheten« in der letzten Zeit entgegenzutreten (Did 16,2-3).

Die Didache legt die vollständigste Darstellung der kommenden Ereignisse in den Schriften der frühen Kirchenväter dieser Zeit vor. Der Autor legt dar, nach dem Auftreten der vielen falschen Propheten und Verführer werde der »Weltbetrüger« kommen und feurige Prüfungen über die ganze Menschheit bringen. Dadurch würden viele straucheln und umkommen, »aber jene, die im Glauben durchhalten, würden unter dem Fluch hinweg gerettet werden« (Did 16,3-5).

Der Zeit des Antichristen wird nach den Worten des Autors der Didache die Offenbarung von drei Zeichen der Wahrheit folgen. Das letzte dieser Zeichen wird die »Auferstehung der Toten sein, aber nicht von allen, denn es ist gesagt: Der Herr wird kommen, und all seine Heiligen mit ihm [ Sach 14,5 ]« (Did 16,8). Obwohl es nicht ausdrücklich gesagt wird, scheint die Gesellschaft »all seiner Heiligen« die Gesamtheit der Gläubigen des Gemeinde-Zeitalters zu beinhalten; Auferstehung und Entrückung sind bereits vorüber. Schließlich wird die ganze Welt die Ankunft des Herrn »auf den Wolken des Himmels« miterleben (Did 16,6-8). Die Parallelstelle in den »Constitutiones der Heiligen Apostel« (entstanden zwischen dem frühen dritten und der Mitte des vierten Jahrhunderts) findet sich im Kapitel 32. Der Bearbeiter scheint die Didache als Quelle verwendet zu haben. Im Kapitel 32 fügt er Hinweise auf ein Jüngstes Gericht und auf die darauf folgende Ewigkeit hinzu.

Wie viele andere Autoren unter den frühen Kirchenvätern glaubte der Schreiber des Didache an einen bevorstehenden Zeitpunkt innerhalb der Trübsalszeit, in der er die zeitgenössische Verfolgung einordnete und so mit den Ereignissen der letzten Trübsal verwechselte. Christus, so glaubte man, werde plötzlich inmitten der römischen Verfolgung erscheinen, um die Heiligen aufzuerwecken und zu entrücken. So werde das Tausendjährige Reich eingeläutet.

Es gibt keine direkte Aussage hinsichtlich des Tausendjährigen Reichs in der Didache. Es ist sehr gut möglich, dass das Buch der Offenbarung zum Zeitpunkt der Abfassung des Didache noch nicht geschrieben war. Daher ist es höchst wahrscheinlich, dass die Didache eher auf Paulinischer Eschatologie aufbaut als auf der des Johannes. Eine ganze Reihe der frühen Kirchenväter spricht nur von der Tatsache einer Auferstehung aller Menschen aus den Toten. Der verblüffende Hinweis des Autors der Didache auf »die Auferstehung der Toten; aber nicht alle r« legt ein Verständnis der mehrstufigen Natur des göttlichen Auferstehungsprogramms nahe - konsequenterweise in Verbindung mit einem dazwischen eingeschobenen tausendjährigen Zeitalter.

Larry V. Crutchfield

L.Crutchfield, The Blessed Hope and the Tribulation in the Apostolic Fathers in: When the Trumpet Sounds , hrsg. von Thomas Ice und Timothy Demy, S. 85-103 (Eugene, Oregon: Harvest House, 1995); J. Quasten und J. C. Plumpe, Ancient Christian Writers: The Didache, The Epistle of Barnabas, The Epistles and The Martyrdom of St. Polycarp, The Fragments of Papias, The Epistle to Diognetu s; (New York: Newman Press, 1946), Bd. 6, S. 2- 25; A. Roberts und J. Donaldson (Hrsg.), The Ante-Nicene , Bd. 7, S. 369-387 (Grand Rapids: Eerdmans, o.J.).


DISPENSATIONALISMUS

Das Wort »Dispensation« ist eingedeutscht aus dem lateinischen dispensati o, das in der Vulgata verwendet wird, um das griechische Wort oikonomia zu übersetzen. Das lateinische Wort bedeutet »abwiegen« oder »verteilen, dosieren«. Mit der Bedeutung des Begriffs Dispensation sind drei grundsätzliche Vorstellungen verbunden: (1) der Vorgang des Verteilens oder Gliederns, (2) der Vorgang des Verwaltens, Ordnens oder Bewirtschaftens; ein System, mittels dessen die Dinge verwaltet werden und (3) der Vorgang des Verteilens (oder Dosierens) nach bestimmten Voraussetzungen. Untersuchen wir weiter, wie das Wort gebraucht wird, dann finden wir im englischen Oxford-Wörterbuch die Erklärung, eine Dispensation ist »eine Stufe in der fortschreitenden Offenbarung, ausdrücklich den Bedürfnissen eines einzelnen Volkes oder einem bestimmten Zeitraum angepasst ... Auch das Zeitalter oder der Zeitraum, während derer ein bestimmtes System überwogen hat.«

Das grichische Wort oikonomia kommt von einem Verb, das die Bedeutungen »managen«, »regeln«, »verwalten« und »planen« vermittelt. Das Wort selbst ist zusammengesetzt, seine einzelnen Teile bedeuten wörtlich »teilen«, »aufteilen/aufschlüsseln«, »die Angelegenheiten eines bewohnten Hauses managen oder verwalten«. In den Papyri wurde der Beamte (oikonomo s), der einen Haushalt verwaltete, als Haushofmeister oder Verwalter eines Besitzes beschrieben, oder als Schatzmeister. Daher ist die zentrale Vorstellung in dem Wort Dispensation die der Verwaltung oder Beaufsichtigung der Angelegenheiten eines Haushalts.

Im Neuen Testament wird das Wort Dispensation in verschiedenen Formen zwanzigmal gebraucht. Das Verb oikonomeo kommt einmal in Lk 16,2 vor, wo es mit »ein Verwalter sein« übersetzt wird. Das Substantiv oikonomos erscheint zehnmal ( Lk 12,42; 16,1.3.8; Röm 16,23; 1Kor 4,1.2; Gal 4,2; Tit 1,7; 1Petr 4,10 ) und wird dort üblicherweise mit »Verwalter« oder »Aufseher« übersetzt (aber als »Schatzmeister« in Röm 16,23 ). Das Substantiv oikonomia kommt neunmal vor ( Lk 16,2.3.4; 1Kor 9,17; Eph 1,10; 3,2.9; Kol 1,25; 1Tim 1,4 ). Es wird an diesen Stellen unterschiedlich übersetzt, mit »Verwaltung«, »Haushalt«, »Haushalterschaft«.


DISPENSATIONALISMUS

Theologisches System

Die Dispensationalistische Theologie ist ein System, das zwei grundlegende Vorstellungen verkörpert: (1) Die Gemeinde muss von Israel unterschieden werden und (2) Gottes allumfassendes Ziel ist es, sich selbst zu verherrlichen ( Eph 1,6.12.14 ).

Die Gemeinde ist aus zwei Gründen von Israel zu unterscheiden. Der erste liegt in ihrem unterschiedlichen Wesen. Im Alten Testament handelte Gott hauptsächlich mit dem Volk Israel, das aus den Nachkommen Abrahams durch Isaak und Jakob bestand. Die Gemeinde andererseits besteht aus gläubigen Juden und Nichtjuden, die in den Leib Christi hineingetauft wurden ( 1Kor 12,13 ) und denen der Heilige Geist innewohnt. Außerdem gibt es eine zeitliche Unterscheidung zwischen der Gemeinde und Israel. Das Gemeindezeitalter begann nach der Auferstehung Jesu Christi ( Eph 1,20-22 ) und seiner Himmelfahrt ( Eph 4,7-12 ). Da folglich alle Gläubigen dieses Zeitalters in den Leib Christi hineingetauft wurden ( 1Kor 12,13 ), begann das Gemeindezeitalter mit der Taufe des Heiligen Geistes am Tag der Pfingsten ( Apg 2; 11,15-16 ).

Die Gemeinde ist ein Geheimnis, das den vorangegangenen Generationen nicht offenbart wurde ( Eph 3,3-5.9; Kol 1,26-27 ). Dieses Geheimnis, jetzt offenbar, beinhaltet die Vereinigung jüdischer und nichtjüdischer Gläubiger, die alle Christus in sich tragen, und die künftige Entrückung dieses vereinigten Leibes ( 1Kor 15,50-58 ).

Diese Unterscheidung zwischen Israel und der Gemeinde ist die Folge der historisch- grammatikalischen Auslegung. Wörtliche Auslegung wird nicht ausschließlich von Dispensationalisten angewandt, wohl aber ihre konsequente Anwendung in allen Bereichen biblischer Auslegung.

Die zweite grundlegende Vorstellung ist die, dass es Gottes Ziel ist, sich selbst zu verherrlichen. In der Heiligen Schrift steht nicht der Mensch im Mittelpunkt, obwohl das Heil das wichtigste Thema darstellt. Die Bibel ist vielmehr auf Gott als zentrale Figur ausgerichtet, weil seine Verherrlichung im Mittelpunkt steht. Die Verherrlichung Gottes ist das wichtigste biblische Prinzip, das alle Heilszeiten auf ein Ziel hin ausrichtet. Der Heilsplan ist nur eines der Mittel, durch die sich Gott selbst verherrlicht. Jede fortlaufende Offenbarung im Plan Gottes für die Zeitalter und jedes Handeln Gottes mit den Auserwählten, den nicht Erwählten, den Engeln und den Nationen bekunden seine Herrlichkeit.


DISPENSATIONALISMUS

Hermeneutik

Die Grundlage der dispensationalistischen Hermeneutik ist die wörtliche Auslegung, die jedem biblischen Wort die Bedeutung zumisst, die es in seinem normalen sprachlichen Gebrauch transportiert. Das nennt man auch die grammatikalischhistorische Methode der Auslegung. Dieses Prinzip basiert auf der normalen Bedeutung der Worte als Mittel zu deren Verständnis. Sie ist auch bekannt unter dem Begriff einfache Auslegung , weil sie Symbole, Sprachbilder und Typen nicht von der Auslegung ausschließt. Diese werden ganz schlicht ausgelegt, um dem Leser ihre beabsichtigte Bedeutung zu vermitteln. Symbole, Sprachbilder und Typen sind normale literarische Werkzeuge, die verwendet werden, um Gedanken und Vorstellungen zu verdeutlichen oder zu betonen.

Dieser Standpunkt wird folgendermaßen untermauert:

1. Gott schuf die Sprache, um mit der Menschheit zu kommunizieren. Deshalb spricht Gott auch auf verständliche Weist zu uns - wörtlich und normal. Gott hat viele Anstrengungen unternommen, um sich den Menschen zu offenbaren, also ist es unwahrscheinlich, dass seine Offenbarung die Menschen nur verwirrt und in ihrem Verständnis darüber verunsichert, wer Gott ist und wie er wirkt.

2. Die alttestamentlichen Prophetien hinsichtlich Christi Geburt und Erziehung, seines Dienstes, seines Todes und seiner Auferstehung wurden samt und sonders wörtlich erfüllt.

3. Die wörtliche Auslegungsmethode muss angewandt werden, um sachlich bleiben zu können. Damit wird Unvoreingenommenheit sichergestellt und der Ausleger davor bewahrt, biblische Wahrheiten mit seinen eigenen Gedanken zu vermischen.

Normativer Dispensationalismus ist also das Ergebnis der konsequenten Anwendung des grundlegenden hermeneutischen Prinzips der wörtlichen Auslegung. Diesen Anspruch kann kein anderes theologisches System für sich selbst erheben.

Wörtliche Auslegung führt dazu, dass der biblische Text mit seinem Nominalwert akzeptiert wird. Das beinhaltet die Anerkennung von Unterscheidungen, die die Bibel trifft. Der bei seinem Nominalwert erfasste Text und die Anerkennung von Unterscheidungen im Fortgang der Offenbarung fördert die unterschiedlichen Haushaltungen Gottes zutage, die er zur Wirksamkeit seines Planes verwendet. Das konsequent angewandte hermeneutische Prinzip der einfachen oder wörtlichen Auslegung ist die Grundlage des Dispensationalismus.

Seine Gegner sagen, der Dispensationalismus unterteile die Bibel mit dem Effekt, ihre Einheit zu zerstören. Nichts könnte der Wahrheit ferner liegen. C. I. Scofield fand sieben Beweise dafür, dass die Bibel ein einheitliches Buch ist: (1) von 1Mo an bezeugt sie einen Gott; (2) sie entwickelt eine fortlaufende Geschichte; (3) sie macht die unwahrscheinlichsten Zukunftsvoraussagen; (4) sie ist eine fortlaufende Entfaltung der Wahrheit; (5) vom Anfang bis zum Ende der Bibel bezeugt sie eine Erlösung; (6) ihr großes, durchgehendes Thema ist Person und Wirken Jesu Christi und (7) haben die vierundvierzig Autoren der Bibel über einen Zeitraum von sechzehn Jahrhunderten in fortschreitender Entfaltung eine vollkommene Harmonie der Lehre hervorgebracht (A Panoramic View of the Bible [»Ein Panoramablick auf die Bibel«] in der Einleitung zur Scofield Reference Bible ).

Der Dispensationalismus verschleiert die biblische Einheit nicht, sondern er hilft, sie zu verdeutlichen. Er rückt die fortschreitende Entfaltung von Gottes die Zeitalter überspannenden Plan in den Mittelpunkt des Blickfeldes. Er ist die Enthüllung der absoluten Wahrheit Gottes, die im direkten Widerspruch zum modernen, egozentrischen Relativismus steht. So betrachtet der Dispensationalismus die Einheit, die Vielfalt und den fortschreitenden Charakter der Ziele Gottes mit der Welt wie kein anderes theologisches System. Durch diese fortschreitenden Stufen wird Gott verherrlicht.


DISPENSATIONALISMUS

Die Heilszeiten

Die erste Heilszeit wird üblicherweise als Unschuld bezeichnet. Adam war die Schlüsselfigur. Er war verantwortlich für die Pflege des Gartens und sollte nicht vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen essen. Durch sein Versagen bei dieser Prüfung kamen weit reichende Gerichte über ihn, seine Frau, die ganze Menschheit, die Schlange und die ganze Schöpfung. Die Heilige Schrift berichtet von dieser Haushaltung in 1Mo 1,28-3,6 .

Die zweite Heilszeit wird Gewissen genannt. Damit soll nicht angedeutet werden, dass die Menschen vor oder nach dieser Zeitepoche kein Gewissen hätten, sondern dass dies die von Gott erwählte Weise war, die Menschen zu zügeln. Sie waren selbst dafür verantwortlich, dem Diktat ihres Gewissens zu gehorchen. In dieser Zeit kam es zum Mord ( 1Mo 4,8 ), zu widernatürlichen sexuellen Handlungen ( 1Mo 6,2 ) und zu weit verbreiteten bösen Begierden und Herzenswünschen ( 1Mo 6,5 ). Gott beendete diese Zeitepoche mit der weltweiten Flut. Er verschonte Noah, seine Frau, seine Söhne und deren Frauen in Gnade ( 1Mo 6,8 ). Von dieser Epoche berichtet die Heilige Schrift in 1Mo 4,1-8,14 .

Darauf folgte die Heilszeit der menschlichen Verwaltung . Diese Epoche begann nach der Flut. Von nun an hatten die Tiere Angst vor dem Menschen und wurden zu dessen Nahrungsquelle, Gott gab das Versprechen, dass es nie wieder eine weltweite Flut geben werde und führte die Todesstrafe ein. Gott gab den Menschen das Recht, anderen Menschen das Leben zu nehmen und schuf damit die Grundlage für das Herrschaftsrecht von Menschen über andere Menschen. Bei dieser Prüfung versagte der Mensch von Anfang an, als Noah sich mit Wein betrank und so regierungsunfähig wurde. Diese Zeitepoche endete mit dem Turmbau zu Babel. Die Heilige Schrift berichtet über diese Zeit in 1Mo 8,15-11,9 .

Die vierte Heilszeit ist die der Verheißung oder der Patriarchen . Während dieser Zeit erwählte Gott eine Familie und ein Volk, die er als repräsentative Testpersonen für alle einsetzte. Bis zu dieser Heilszeit war die ganze Menschheit direkt mit Gottes Verwaltungsprinzipien verbunden gewesen. Die Pflicht der Patriarchen bestand darin, Gott zu glauben und ihm zu dienen, und Gott gewährte viele materielle und geistliche Belohnungen. Ein besonderes Land wurde verheißen und Segen, solange die Israeliten in diesem Land bleiben würden. Das Versagen der Nation endete in der ägyptischen Sklaverei. Die Bibel berichtet über diese Epoche von 1Mo 11,10 bis 2Mo 18,27 .

Die fünfte Heilszeit ist die des Mosaischen Gesetzes . Die Menschen waren verantwortlich, das ganze Gesetz zu erfüllen ( Jak 2,10 ), aber sie versagten ( Röm 10,1-3 ). Das zog Gottes Gericht nach sich: Die zehn Stämme des Nordreiches wurden in die assyrische Gefangenschaft verschleppt, die zwei des Südreiches in babylonische, und schließlich wurden sie alle über die ganze Welt zerstreut ( Mt 23,37-39 ), weil sie Jesus Christus zurückgewiesen hatten. Die Heilige Schrift berichtet über diese Heilszeit von 2Mo 19,1 bis Apg 1,26 .

Der sechste Zeitabschnitt ist die Heilszeit der Gnad e. Der Apostel Paulus war der wichtigste Vermittler der Offenbarung von der Gnade Gottes für diese Dispensation. Unter der Gnade hat der Mensch die Verantwortung, das von Gott großzügig allen Menschen angebotene Geschenk der Rechtfertigung anzunehmen ( Röm 5, 15-18 ). Folgende Eigenschaften hat die Gnade Gottes in dieser Heilszeit: (1) das Heil ist ganz und gar Gnade und (2) die Gnade ist für alle erhältlich. Gott befasst sich nicht mehr nur mit einem Volk, sondern mit der ganzen Menschheit. Diese Heilszeit wird mit dem zweiten Kommen Christi enden. Die Heilige Schrift berichtet darüber von Apg 2,1 bis Offb 19,21 .

Die siebte und letzte Heilszeit ist die des Millenniums (des Tausendjährigen Reichs ). Nach Christi zweitem Kommen wird das Tausendjährige Reich in Erfüllung aller Verheißungen aufgerichtet, die im Alten und im Neuen Testament gegeben wurden. Der Herr Jesus Christus selbst wird in der Verantwortung stehen und die Angelegenheiten der Welt während dieser Epoche verwalten. Diese Heilszeit wird tausend Jahre andauern, und die Verantwortung des Menschen wird der Gehorsam gegenüber dem König und seinen Gesetzen sein. Satan wird gebunden sein, Christus wird herrschen, Gerechtigkeit wird überwiegen und offensichtlicher Ungehorsam wird schnell bestraft werden. Diese Heilszeit endet mit einem erfolglosen Aufstand gegen die Regierung Christi. Das führt dazu, dass die Rebellen zur ewigen Strafe verbannt werden. Die Heilige Schrift berichtet über diese Heilszeit in Offb 20,1-15 .

Die Verantwortung der Verwaltung liegt auf allen, die in einer Heilszeit leben. Diese Verantwortung bedeutet die aktive Teilhabe aller, die die Prinzipien der Verwaltung akzeptieren, und Gericht für all jene, die die Vorschriften verwerfen.

Einzelne Aspekte einer Heilszeit enden nicht notwendigerweise, wenn eine neue Heilszeit beginnt. Es gibt Verheißungen, die in einer Heilszeit gegeben, aber nicht im Lauf dieser Dispensation erfüllt wurden. Beispielsweise wurden die im Alten Testament gegebenen Verheißungen über das erste Kommen Christi nicht erfüllt, bevor er kam. Auch gibt es Dinge, die in einer Heilszeit eingesetzt wurden und durch alle weiteren Zeitalter hindurch andauern, etwa die Erschaffung des Menschen im Bilde Gottes. Und es gibt Dinge, die in einer Heilszeit ausgesetzt werden und dann in einer anderen wieder Gültigkeit erlangen. So wurden neun der zehn Gebote des Gesetzes als Teil der Heilszeit der Gnade neu formuliert, obwohl Einschränkungen bezüglich gewiesser Nahrungsmittel abgetan wurden.

Die Bedingung des Heils bleibt in allen Heilszeiten die gleiche. Das Heil kommt durch den Glauben, aber der Inhalt des Glaubens unterscheidet sich in verschiedenen Heilszeiten.


DISPENSATIONALISMUS

Progressiver Dispensationalismus

Der progressive Dispensationalismus nahm am 20. November 1986 in der dispensationalistischen Studiengruppe beim Jahrestreffen der Evangelical Theological Seminary in Atlanta (Georgia) seinen Anfang. Das Label »Progressiver Dispensationalismus« wurde jedoch erst beim Jahrestreffen dieser Gruppe im Jahr 1991 eingeführt. Es wurde gebraucht, um die kennzeichnenden Änderungen zu beschreiben, die zu dieser Zeit im Dispenasationalismus stattgefunden hatten. Zu den »Frontkämpfern« dieser Bewegung gehören Darrell L. Bock (Professor für Neues Testament am Dallas Theological Seminary ), Craigh A. Blaising (Professor für Systematische Theologie am Southern Baptist Theological Seminary ) und Robert L. Saucy (Professor für Systematische Theologie am Talbot Theological Seminary ).

Die grundlegenden Überzeugungen des progressiven Dispensationalismus beinhalten Folgendes:

1. Das Reich Gottes ist das vereinigende Thema der biblischen Geschichte. Dieses Reich ist aber nicht eindeutig definiert. Jene, die daran glauben, beschreiben es vage als Herrschaft Gottes über die ganze Erde. Diese alles einschließende Definition verwischt wesentliche Unterscheidungen zwischen verschiedenen Reichen.

2. In der biblischen Geschichte gibt es vier heilszeitliche Epochen, nämlich die patriarchalische, die mosaische, die kirchliche und die zionische. Das patriarchalische Zeitalter tilgt die Vereinbarungen, die Gott mit Adam und Eva vor und nach dem Sündenfall eingegangen ist, soweit sie von der Haushalterschaft abweichen, die Gott mit Abraham vereinbart hat.

Das verbindet jedoch die Zeit vor und die nach dem Sündenfall mit dem Abrahamitischen Bund unter einer verbundenen Haushalterschaft. Die progressiven Dispensationalisten sehen die mosaische Heilszeit eher mit der Himmelfahrt Christi beendet als mit seinem Tod ( Kol 2,14 ). Die kirchliche Heilszeit ist das gegenwärtige Gemeindezeitalter und das angetretene davidische Königreich. Die zionische Heilszeit ist aufgeteilt in das Tausendjährige und das Ewige Reich. Das Tausendjährige Reich wird als eine Übergangszeit zwischen der angetretenen davidischen Herrschaft (jetzt im Himmel) und der Fülle des Reiches Gottes auf der neuen Erde betrachtet.

3. Christus hat bereits die davidische Herrschaft im Himmel zur Rechten des Vaters angetreten, was dem Thron Davids entspricht, obwohl er jetzt noch nicht als davidischer König das Tausendjährige Reich auf der Erde regiert.

Dieser Standpunkt lässt aber die Tatsache außer Acht, dass Christi erste Handlung nach seiner Himmelfahrt die Herabsendung des Heiligen Geistes war ( Apg 2,33 ), was an keiner Stelle des davidischen Bundes erwähnt wird. Die Heilige Schrift stellt in Hebr 12,2 eindeutig fest, dass sich Christus an der rechten Seite des Thrones Gottes niedergesetzt hat, nicht auf dem Thron Davids. Auch handelt Christus gegenwärtig nur als Priester. Er wird nicht vor seinem zweiten Kommen als davidischer König tätig werden ( Offb 1,5; 11,15; 12,10; 17,14; 19,16 ). Dann wird er der absolute Herrscher des Reichs der Erde sein.

4. Desgleichen ist der Neue Bund bereits in Kraft getreten, obwohl die Segnungen vor dem Tausendjährigen Reich noch nicht völlig in Kraft treten.

Der Neue Bund ist jedoch in Jer 31,31-34 dem Haus Israel und dem Haus Juda verheißen. Er gründet sich auf den Tod Christi, der die Bezahlung für die Sünden aller Zeitalter ist. Für Israel noch Zukunft, verheißt dieses Bündnis Vergebung für das Volk Israel, Widerherstellung Israels zum Gefallen Gottes, Frieden und den Wiederaufbau des Heiligtums Gottes.

5. Die Vorstellung, die Gemeinde sei völlig von Israel zu unterscheiden und als ein Geheimnis zu betrachten, das im Alten Testament verborgen blieb, muss verworfen werden, ebenso der Gedanke, dass es zwei Völker Gottes und daher zwei Ziele gibt.

Israel wird allerdings als ein Volk angesprochen, im Gensatz zu den Heiden nach der Aufrichtung der Gemeinde am Pfingsttag ( Apg 3,12; 4,8.10; 5,21.31.35; 21,28 ). Paulus betete für Israel ( Röm 10,1 ), wobei er es eindeutig als ein Volk betrachtete, das von der Gemeinde zu unterscheiden und abzusondern ist. Die Gemeinde steht in eindeutiger Beziehung zu ihrem lebendigen Herrn Jesus Christus ( Eph 1, 22-23; Kol 1,18; 1Kor 12,27 ). Die Vereinigung gläubiger Juden und Heiden im Leib Christi ist ein Geheimnis, das vorangegangenen Generationen nicht offenbart wurde ( Eph 3,5-6 ). Die Gemeinde wird von Christus selbst bewohnt ( Kol 1,27 ). Sie hat, wie Paulus feststellt ( Eph 2,15 ), eine bestimmte Epoche, was nur durch den Tod Christi möglich wurde. Und schließlich war es die Taufe des Heiligen Geistes, die die Gemeinde ins Leben rief ( Apg 11, 15-16 ). An Pfingsten wurden Menschen zum ersten Mal in den Leib Christi berufen, und da die Gemeinde der Leib Christi ist ( Kol 1,18 ) wird deutlich, dass die Gemeinde nicht vor diesem Ereignis existiert hat.

6. Ergänzende Hermeneutik bedeutet, dass das Neue Testament alttestamentlichen Verheißungen verändernde Ergänzungen hinzufügt, ohne die ursprünglichen Verheißungen zu verwerfen.

Diese Anschauung lässt vergeistigende Auffassungen neutestamentlicher Vorstellungen zu, so als füge das Neue Testament Ergänzungen zu den Verheißungen hinzu. Der Hinweis auf einen Tempel in Offb 11,1-2 ist beispielsweise nach der wörtlichen Hermeneutik ein buchstäbliches, wirkliches Gebäude. Diese ergänzende Hermeneutik lässt den Schluss zu, dass es sich um einen Hinweis auf die Körperschaft der Gläubigen handelt, und zwar anhand der Tatsache, dass die Worte an einer anderen Stelle des Neuen Testaments in dieser Weise gebraucht werden. Dieser Standpunkt birgt eine Gefahr: Wo sind die Grenzen, und wer bestimmt sie?

7. Der eine göttliche Plan der holistischen (ganzheitlichen) Erlösung schließt alle Menschen und alle Bereiche menschlichen Lebens ein - persönlich, sozial, kulturell und politisch.

Aber der Umfang holistischer Erlösung kann leicht zu irrigen Prioritäten führen. Die Heilige Schrift lehrt soziale Verantwortung wie den Gebrauch des Geldes, Berufungen und öffentliche Pflichten. Sie ruft die Gläubigen auch auf, der gemeindlichen, nicht der staatlichen, Ethik zu gehorchen und Gutes zu tun - besonders den Gläubigen ( Gal 6,10 ).

Progressive Dispensationalisten scheinen weniger eine Entwicklung innerhalb des normativen Dispensationalismus darzustellen als vielmehr eine völlige Abwendung von diesem. Wohin das führen oder welche Bedeutung es haben wird, kann nicht vorausgesagt werden.


DISPENSATIONALISMUS

Ultradispensationalismus

Die Vorsilbe ultra bezeichnet schlicht jemanden, dessen Standpunkt noch extremer ist als der desjenigen, der den Begriff gebraucht. Der Hauptunterschied zwischen Ultradispensationalismus und normativem Dispensationalismus liegt in der Frage, wann die Gemeinde, der Leib Christi, historisch ihren Anfang genommen hat. Die Ultradispensationalisten glauben, dass sie mit Paulus einige Zeit nach Pfingsten begann, während die normalen Dispensationalisten daran festhalten, dass die Gemeinde ihren Anfang an Pfingsten hatte ( Apg 2 ). Dieser Unterschied beeinflusst, welche Verordnungen praktiziert werden und welche Bibeltexte unmittelbar die Gemeinde betreffen.

Es gibt zwei Ausformungen des Ultradispensationalismus, die extreme und die gemäßigte. Es besteht Übereinstimmung zwischen beiden über sechs Punkte: (1) Der Missionsbefehl in den Evangelien betrifft die Juden, und nicht die Gemeinde. (2) Der Dienst der Zwölf war eine Fortsetzung des irdischen Dienstes Christi. (3) Die Gemeinde nahm nicht zu Pfingsten ihren Anfang. (4) Die Wassertaufe gilt nicht für dieses Gemeindezeitalter. (5) Es gibt einen Unterschied zwischen dem früheren und dem späteren Dienst des Paulus. (6) Israel, und nicht die Gemeinde, ist die Braut Christi.

Keine Übereinstimmung herrscht zwischen beiden Ausformungen über die folgenden vier Punkte:

1. Wann begann die Gemeinde? Extreme: Apg 28 Gemäßigte: vor Apg 28

2. Wie lange währt die Übergangszeit in der Apostelgeschichte? Extreme: bis Apg 28 Gemäßigte: bis Apg 9 oder Apg 13

3. Wo ist der richtige Platz für die Abendmahlsfeier? Extreme: nirgendwo Gemäßigte: in der Gemeinde

4. Welche der Heiligen Schriften sind wirklich in erster Linie für die Gemeinde geschrieben? Extreme: Nur die Gefängnisbriefe Gemäßigte: auch alle anderen Paulinischen Briefe

Die Schwäche des Ultradispensationalismus besteht darin, dass etwas Wesentliches übersehen wird. Man erkennt nicht, dass sich das Wesen einer Heilszeit auf das gründet, was Gott tut, und nicht auf das menschliche Verstehen seiner Ziele. Der Irrtum des Ultradispensationalismus liegt in der fehlerhaften Vorstellung von einer Heilszeit, in einer fehlerhaften Auslegung von Schlüsselstellen, in einem fehlerhaften Verständnis darüber, wann das Geheimnis offenbart wurde, und in einer falschen Ansicht über die Taufe des Heiligen Geistes. Von den biblischen Texten wird der Ultradispensationalismus nicht gestützt.

Charles C. Ryrie

Charles C. Ryrie, Dispensationalism (Chicago: Moody Press, 1995); Wesley R. Willis und John R. Master (Hrsg.), Issues In Dispensationalism , beratender Mit-Hrsg. Charles C. Ryrie (Chicago: Moody Press, 1994).


DISPENSATIONALISMUS
progressiver

Progressive Dispensationalisten sehen sich selbst in der Tradition der dispensationalistischen Theologie. Aber sie erkennen die Heilszeiten nicht als voneinander zu unterscheidende Vereinbarungen zwischen Gott und der menschlichen Rasse, wie der traditionelle Dispensationalismus. Sie sehen darin vielmehr aufeinander folgende Vereinbarungen in der fortschreitenden Offenbarung und Erfüllung der Erlösung. Gleichzeitig streben sie danach, einen mittleren Standpunkt zwischen dem Dispensationalismus und seinem eindeutigen Gegenteil einzunehmen. Durch die Einverleibung neuer Elemente in ihr theologisches System sind sie nahezu am gleichen Punkt angekommen wie die historischen Prämillennialisten, die im Allgemeinen ausgesprochene Gegner des Dispensationalismus sind.

Das Emporkommen des progressiven Dispensationalismus ist einem Wechsel der Auslegungsmethode zuzuschreiben. Anstatt einem traditionellen grammatikalisch- historischen System zu folgen, das Dispensationalismus zur Folge hat, verfechten sie eine historisch-grammatikalisch- wörtlich-theologische Hermeneutik bei der Auslegung der Heiligen Schrift. Das neue System unterscheidet sich von der traditionellen wörtlichen Auslegung in folgenden Punkten:

1. Es ersetzt das Streben nach Objektivität durch die Konzentration auf das Vorverständnis des Auslegers als Ausgangspunkt der Auslegung.

2. Anstatt die Textbedeutung auf die Vorgabe des Textzusammenhanges zu begrenzen, lässt es »ergänzende« Bedeutungen zu, die einem Text Jahre und sogar Jahrzehnte später hinzugefügt wurden, nachdem der biblische Autor den Text niederschrieb.

3. Traditionell suchen die Ausleger stets nach der Bedeutung, die der Autor des jeweiligen Textes im Sinn hatte. Der progressive Dispensationalismus nimmt jedoch den Standpunkt ein, dass später hinzugefügte Bedeutungen zuzulassen sind, die den ursprünglich vom Autor gewünschten Sinn des Textes verändern.

4. In der Geschichte haben die protestantischen Ausleger stets geleugnet, dass ein Text eine erweiterte Bedeutung haben könnte, die über den ursprünglichen Sinn hinausgeht. Die neuerdings befürwortete Methodologie lässt jedoch zu, dass eine erweiterte Bedeutung über den ursprünglichen Sinn des Textes gestellt wird.

5. Grammatikalischhistorische Ausleger haben darauf bestanden, jedem Text auf der Basis einer gründlichen Untersuchung seine eigene Bedeutung zuzuordnen. Progressive Dispensationalisten geben jedoch nur schwerpunktmäßige Kommentare über einen Bibeltext, anstatt ihn durch und durch zu behandeln und vertreten einen vorgefassten, aber exegetisch unhaltbaren Standpunkt.

Im Licht dieser fünf Tendenzen wird offenbar, dass der Hauptunterschied zwischen Dispensationalismus und progressivem Dispensationalismus ein hermeneutischer ist. Die progressiven Dispensationalisten wenden sich von der grammatikalisch-his-torischen Methode ab, die vom Dispensationalismus vertreten wird.

Siehe auch: Hermeneutik, moderne biblische .

R. L. Thomas

Craig A. Blaising und D. Bock, Progressive Dispensationalism (Wheaton: Victor Books, 1993); Charles C. Ryrie: Dispensationalism (Chicago: Moody Press, 1995); R.L.Saucy, The Case for Progressive Dispensationalism (Grand Rapids: Zondervan, 1993); R. L. Thomas, A Critique of Progressive Dispensational Hermeneutics in: When the Trumpet Sounds hrsg. von Thomas Ice und Timothy Demy, S. 413-425 (Eugene, Oreg.: Harvest House, 1995).


EDWARDS
Jonathan

Jonathan Edwards (1703-1758) wird im Allgemeinen als bedeutendster amerikani-scher Theologe und Philosoph anerkannt. Zur Zeit seines Dienstes wurde vom größten Teil der protestantischen Theologie die biblische Lehre vom Tausendjährigen Reich vergeistigt - ein Erbe des auf Augustin und Calvin zurückgehenden Amillennialismus. Edwards dagegen beschritt neue Wege, indem er eine postmillennialistische Sicht der Eschatologie entwickelte. Er sah das Tausendjährige Reich im wörtlichen Sinn als historische Realität, die das telos (Ziel) ist, auf das die Geschichte seit dem Sündenfall Adams zusteuert. Edwards hielt es für wahrscheinlich, dass diese Herrlichkeit der letzten Tage in Amerika ihren Anfang nehmen würde. Seine Erwartung des Tausendjährigen Reiches wird oft als wichtigster Faktor in jener gesellschaftlichen Bewegung angesehen, die zur amerikanischen Revolution (Unabhängigkeitskrieg zwischen 1763 und 1787) führte.

Edwards legte biblische Texte zur Trübsal als Voraussagen des Abfalls der Römisch-Katholischen Kirche und der Unterdrückung des wahren christlichen Glaubens aus. Er glaubte, dass die Verkürzung der Tage ( Mt 24,22 ) durch die Reformation angezeigt wurde - ein Ereignis, das mit der Begrenzung des römischkatholischen Einflusses und der Macht des von vielen als Antichrist angesehenen Papstes einherging. Indem Edwards die »1 Tag = 1 Jahr«- Auslegungstheorie auf Offb 12 anwandte, ging er davon aus, dass das Tausendjährige Reich ungefähr 1260 Jahre nach 606 n. Chr. beginnen würde, dem Jahr, in dem der Bischof von Rom als Inhaber universaler Machtbefugnisse anerkannt wurde. Demnach würde das Tausendjährige Reich nun unmittelbar bevorstehen, wobei die um sich greifenden Feuer der Großen Erweckung (geistliche Erneuerungsbewegung in Nordamerika im 18. Jahrhundert unter Führung von J. Edwards, George Whitefield u. w.) durchaus die Vorboten des kommenden Zeitalters sein könnten. Die Erwartung bestand darin, dass große technische Fortschritte die Menschheit von materiellen Sorgen befreien und sie befähigen würden, sich umfassender den edlen geistigen Übungen und dem lebendigen Glauben zuzuwenden. Zu diesem Zeitpunkt würde das Reich des Antichristen völlig vernichtet werden, und die Juden würden sich als Volk bekehren. Im Anschluss an das Tausendjährige Reich würde eine Zeit großen Abfalls und großer Trübsal folgen, bevor Jesus Christus in unvorstellbarer Majestät persönlich wiederkommen würde. Dann würden die Heiligen zu ihrem Haupt hin gesammelt werden, um in Ewigkeit in seiner Gegenwart zu sein. Die Gottlosen dagegen würden vor dem Richterstuhl Christi erscheinen müssen.

Kevin Stilley

Jonathan Edwards, The Works of Jonathan Edwards , Hg. Perry Miller und John E. Smith, 10 Bde. (New Haven: Yale University Press, 1957-1993), sowie The Works of Jonathan Edwards , Nachdruck 1992, 2 Bde. (Edinburgh: Banner of Truth Press, 1834).


EDWARDS
Morgan

Morgan Edwards (1722-1792) wurde am 9. Mai 1722 in der Gemeinde Trevethin (Wales) geboren. Nach seiner Ausbildung am Bristol College begann er 1738 mit dem Predigtdienst. Sieben Jahre lang diente er mehreren kleinen baptistischen Gemeinden in England, bevor er nach Cork (Irland) übersiedelte, wo er neun Jahre Pastor war. Später wanderte Edwards nach Amerika aus und wurde im Mai 1761 Pastor der Baptistengemeinde in Philadelphia, wohin er von John Gill, einem überzeugten Baptisten, empfohlen worden war. Nach dem Unabhängigkeitskrieg (er galt als der einzige baptistische Geistliche, der dem konservativen politischen Lager angehörte) wurde Edwards Lehrer und galt zugleich als führender baptistischer Historiker seiner Zeit. Sein Hauptwerk, Materials Toward a History of the Baptists , ist ein wichtiges bahnbrechendes Werk, das die Geschichte des amerikanischen Baptismus bis zu diesem Zeitpunkt darstellt. Edwards gründete das erste baptistische College in den damaligen Kolonien, das Rhode Island College, welches heute als »Brown University« bekannt ist und zu den Elite-Universitäten der USA gehört.

Ein Historiker charakterisierte Edwards wie folgt: »Der gelehrte, fleißige, warmherzige, exzentrische und cholerische Morgan Edwards gehört zu den interessantesten Persönlichkeiten aus der Frühzeit des amerikanischen Baptismus und ist einer derjenigen, die am meisten geehrt werden sollten. Selbst seine Schwächen hatten eine Neigung zum Tugendhaften, und in guten Werken wurde er von keinem Zeitgenossen übertroffen - wenn es überhaupt je einen gab, der ihm hierin überlegen war ... Er war ein begabter Prediger und ein redlicher Mann, doch nicht immer kam man gut mit ihm aus.«

Während seiner Studienzeit am Bristol Baptist Seminary in England (1742-44) schrieb Edwards für die Vorlesungen in Eschatologie eine Abhandlung über seine Ansichten zur biblischen Prophetie. Diese Abhandlung wurde später (1788) in Philadelphia unter folgendem Titel veröffentlicht: Two Academical Exercises on Subjects Bearing the Following Titles: Millennium, Last-Noveltiess . Beim Lesen des 56-seitigen Werkes wird deutlich, dass Edwards es nach der Niederschrift in seiner Studentenzeit nur geringfügig änderte, bevor er es veröffentlichte. Diese Sichtweise hatte er also bereits in den frühen 40er Jahren des 18. Jahrhunderts entwickelt.

Edwards vertrat eine Form der Vorentrückung, wie man dem folgenden Auszug aus seinem Buch entnehmen kann:

»Der Abstand zwischen der ersten und der zweiten Auferstehung wird etwas größer als eintausend Jahre sein.

Ich sage »etwas größer «, weil die toten Heiligen auferweckt werden, während die lebenden bei der Erscheinung Christi in der Luft (vgl. 1Thes 4,17 ) verwandelt werden. Dies wird etwa dreieinhalb Jahre vor Beginn des Tausendjährigen Reiches geschehen , wie wir anschließend sehen werden. Dennoch erhebt sich die Frage: Werden Christus und die Seinen die ganze Zeit in der Luft bleiben? Nein, sie werden ins Paradies bzw. in eine der vielen Wohnungen im Haus des Vaters auffahren (vgl. Joh 14,2 ) und während des vorausgesagten Zeitraums verschwinde n. Die auferstandenen und verwandelten Heiligen werden den Blicken anderer entzogen und verschwunden sein, um gerichtet zu werden; denn »die Zeit ist gekommen, dass das Gericht anfange«, und zwar »beim Haus Gottes« ( 1Petr 4,17 )« (S. 7).

Was bringt Edwards hier zum Ausdruck? Beachten wir Folgendes: Er glaubt, dass zwischen den Auferstehungen mindestens 1003 1/2 Jahre vergehen werden.

Er bringt die erste Auferstehung mit der Entrückung in 1Thes 4,17 in Verbindung. Diese wird mindestens 3 1/2 Jahre vor Beginn des Tausendjährigen Reiches (d.h. mindestens 3 1/2 Jahre vor der Wiederkunft Christi zur Aufrichtung des Tausendjährigen Reiches) erfolgen.

Er verbindet wie heutige Vertreter der Vorentrückung die Begegnung der Gläubigen mit Christus in der Luft und die Rückkehr ins Vaterhaus mit Joh 14,2 .

Er stellt fest, dass Gläubige während der Trübsalszeit verschwinden - ein Tatbestand, den er in den verbleibenden Zeilen des Abschnitts näher beschreibt.

Er verbindet wie heutige Vertreter der Vorentrückungslehre die im Himmel während der Trübsal verbrachte Zeit mit dem Gericht der Gläubigen an der Bema (Richterstuhl des Christus).

Der einzige Unterschied - zumindest was die oben stehenden Aussagen angeht - zwischen heutigen Vertretern der Vorentrückung und Edwards betrifft die Tatsache, dass er eine 3 1/2-jährige und keine 7-jährige Zwischenzeit annahm. Dies bedeutet nicht, dass er ein Vertreter der Entrückung während der Trübsal war, da er offenbar davon ausging, dass die gesamte Trübsal 3 1/2 und nicht 7 Jahre dauert.

Wenn man seine ganze Abhandlung in Betracht zieht, wird deutlich, dass Edwards Prämillennialist und Futurist war, an den Grundsätzen der wörtlichen Auslegung und an einer prophetischen Chronologie festhielt, die in den meisten Punkten der gegenwärtigen Vorentrückungslehre ähnelt. Er vertrat jedoch nicht eine jederzeit mögliche Entrückung, scheint in seinem Denken nicht von der Siebzigsten Jahrwoche Daniels beeinflusst gewesen zu sein und hat offensichtlich nicht den Unterschied zwischen der Gemeinde und Israel gesehen.

Edwards bemerkt in seiner Einleitung, dass seine Ansichten nicht jenen entsprächen, die man zu seiner Zeit weithin vertrat. Außerdem habe er für die Eschatologie den Ansatz der wörtlichen Auslegung gewählt. Ein solcher Ansatz ist nach Meinung der modernen Vertreter der Vorentrückung der allerwichtigste Aspekt, aufgrund dessen man zur Vorentrückungslehre kommt. Edwards sagte zu seinem Dozenten: »Ich werde mein Möglichstes tun und will bei diesem Versuch nach einer Regel arbeiten, die Sie uns oft empfohlen haben, nämlich »die Schrift in einem wörtlichen Sinn zu verstehen - es sei denn, dass dies zu Widersprüchen und absurden Aussagen führt ...«. Sehr begabte Menschen haben dieses Thema bereits auf mystische oder allegorische Weise behandelt bzw. vergeistlicht« (S. 5-6).

Später spricht Edwards in seiner Abhandlung erneut von der Entrückung: »Ein anderes Ereignis vor dem Tausendjährigen Reich wird die Erscheinung des Sohnes des Menschen in den Wolken sein. Er wird kommen, um die toten Heiligen aufzuerwecken und die lebenden zu verwandeln, diese zu sich zu entrücken und mit ihnen in den Himmel einzugehen, wie ich zuvor [d. h. auf S. 7] festgestellt habe. Dieses Ereignis wird stattfinden, wenn der Antichrist im Rahmen seiner Welteroberungspläne Jerusalem erreicht hat. Dies wird dreieinhalb Jahre vor der Zeit stattfinden, wenn er die beiden Zeugen tötet und beansprucht, Gott zu sein« (S. 21).

Im weiteren Verlauf trennt Edwards erneut die Entrückung von der Wiederkunft, indem er sagt: »Das letzte Ereignis - und dasjenige, welches das Tausendjährige Reich einleiten wird - ist das Kommen Christi vom Paradies auf die Erde. Ihn werden all die Heiligen begleiten, die er (etwa dreieinhalb Jahre vorher) dorthin entrückt hat ... Millionen und Abermillionen von Heiligen werden von der Zeit des ersten Adams bis zum Kommen des zweiten Adams auf Erden gelebt haben. All diese wird Christus mit sich bringen. Der Ort, auf den sie herabkommen, ist der »Ölberg ... der vor Jerusalem im Osten liegt«��� ( Sach 14,4 )« (S. 24-25).

Interessant ist die Tatsache, dass Edwards 42 Predigtbände - mit jeweils ca. 12 Predigten - schrieb, die nie veröffentlicht wurden. Neben seinen kirchengeschichtlichen Schriften und gemeindlichen Handreichungen ist seine Abhandlung über biblische Prophetie sein einziges veröffentlichtes Werk. Es ist bedeutsam, dass die aus seinen jungen Jahren stammende Abhandlung und nicht irgendetwas anderes herausgegeben wurde. Dies beweist, dass es ein gewisses Interesse an seinen diesbezüglichen Ansichten gab. Ein solches Interesse hat sich gewiss aus der Tatsache ergeben, dass er als Verkündiger die ihm anvertrauten Menschen auf entsprechende Themen aufmerksam machte. Dennoch erlebte das Buch nur eine einzige Auflage - ein Sachverhalt, der zeigt, dass das Interesse begrenzt gewesen sein muss. Er könnte auch die Tatsache widerspiegeln, dass die Baptisten zu dieser Zeit in Amerika noch keine große Kirche bildeten. Trotzdem hat Edwards' Werk über biblische Prophetie eine gewisse Verbreitung gefunden, so dass Amerikaner schon damals viele der Gedanken kennen lernten, welche die evangelikale Bewegung ein Jahrhundert später beherrschen sollten.

Kritiker der Vorentrückung wollen oft darauf verweisen oder andeuten, dass unsere Ansicht auf den Seiten der Bibel nicht vorkommt und daher aus einer außerbiblischen Quelle stammen muss. Natürlich lehnen wir eine solche Vorstellung energisch ab, und wir haben im Laufe der Jahre große Anstrengungen unternommen, zu zeigen, dass das Neue Testament nicht nur die Vorentrückung vertritt, sondern diese auch als unsere glückselige Hoffnung (vgl. Tit 2,13 ) vorstellt - als zentrale Wahrheit des Glaubens. Wenn wir Morgan Edwards' Entrückungsansichten herausarbeiten und bekannt machen, wollen wir (erneut) zeigen, dass ein Ansatz der konsequent wörtlichen Bibelauslegung viele dazu veranlasst, zwischen Christi Kommen in die Luft für seine Braut und seiner Wiederkunft auf die Erde mit seinen Heiligen zu unterscheiden. Edwards verdeutlicht neben anderen, dass Darby der Vorentrückungslehre zwar möglicherweise ihre Stellung zurückgab, aber nicht ihr Urheber war. Die Vorentrückungslehre findet sich zuerst im Neuen Testament und zeitweilig auch im Verlauf der Kirchengeschichte.

Siehe auch: Entrückung, biblisches Studium.

Thomas Ice

Morgan Edwards, Two Academical Exercises on Subjects Bearing the Following Titles: Millennium, Last-Novelties (Dobson and Lang: Philadelphia, 1788); Frank Marotta, Morgan Edwards: An Eighteenth Century Pretribulationist (Morganville, N. J.: Present Truth Publishers, 1995); Thomas R. McKibbens jun. und Kenneth L. Smith, The Life and Works of Morgan Edwards (New York: Arno Press, 1980); John S. Moore, »Morgan Edwards. Baptist Statesman« in Baptist History and Heritage (VI:1; Januar 1971).


ENTRÜCKUNG
biblisches Studium

Gläubige aller Generationen haben stets voller Sehnsucht die Wiederkunft Christi erwartet. Es war von jeher Allgemeingut christlicher Erkenntnis, dass Christus auf die Erde zurückkommen und alle menschliche Sorge beenden werde. Nach einer allgemeinen Auferstehung und einem allgemeinen Gericht würde er einen neuen Himmel und eine neue Erde für die Ewigkeit schaffen. Obwohl in den Einzelheiten der Art und Weise der Wiederkunft des Herrn keine generelle Übereinstimmung gegeben sein mag, wurde und wird doch von nahezu allen gläubigen Christen der Glaube an sein zweites Kommen vertreten.

Mit dem Wiederaufleben des Studiums biblischer Prophetie zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden sich manche beim Studium des prophetischen Wortes darüber klar, dass der Apostel Paulus in 1Thes 4,13-18 zuerst von einer Auferstehung jener spricht, die in Christus gestorben sind und dann von weiteren, die zusammen mit ihnen aufgenommen werden, um dem Herrn in der Luft zu begegnen. Die prominentesten Vertreter des Amillennialismus ignorierten den Gedanken, dass 1Thes 4 sich in irgendeiner Weise von anderen Textpassagen unterscheiden könnte, die von »dem Kommen« (parousi a) Christi sprechen. Das Wort parousia selbst war für sie eine Art Sammelbegriff für die Lehre von nur einer Wiederkunft Jesu.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erbrachte eine sorgfältigere Auslegung den Gelehrten ein besseres Verständnis der Prophetie. Sie begriffen, (1) dass Gott in den verschiedenen Zeitaltern der biblischen Geschichte unterschiedlich wirkte, (2) dass das Ende aller Geschichte einen größeren prophetischen Rahmen umfasst, als ursprünglich gedacht, und (3) wie wichtig es ist, biblische Texte im Zusammenhang auszulegen, um die volle Reichweite der prophetischen Wahrheit zu erassen.

Mit der Zeit wurde einigen Gelehrten durch das Textstudium im Zusammenhang zunehmend klar: Christi Kommen zur »Entrückung« der Gläubigen war ein völlig anderes Ereignis als sein Kommen zum Gericht der Sünder und zur Herrschaft im Tausendjährigen Reich. Viele große Bibellehrer dieser Zeit erkannten, dass beide Ereignisse als voneinander getrennte, buchstäbliche Kommen betrachtet werden müssen und nicht einfach vergeistlicht werden dürfen.

Durch Untersuchung verschiedener Textstellen wird deutlich, dass es in Verbindung mit der Rückkehr des Herrn zwei unterschiedliche Auferstehungen gibt. Zunächst die Auferstehung jener in Christus, die in die Herrlichkeit aufgenommen werden, ehe die Trübsal beginnt. Dann die Auferweckung der alttestamentlichen Gläubigen und der Glaubensmärtyrer der großen Trübsal, die sich der Segnungen der buchstäblichen tausendjährigen Herrschaft des Herrn in seinem Reich erfreuen werden. In diesen Textpassagen gibt es insgesamt elf Kategorien.

  1. AUFERSTEHUNG. Obwohl die Auferstehung in Textpassagen über das zweite Kommen Christi erwähnt wird, enthüllen diese Verse und Kapitelabschnitte gewisse Besonderheiten, wenn sie in prophetischer Weise von denjenigen reden, die aus den Gräbern hervorkommen werden ( 1Kor 15,23-24.51-52; 1Thes 4,13-18; 5,1-11 ).
  2. HOFFNUNG UND TROST. Diese Passagen vermitteln Hoffnung und Trost, denn die Gläubigen in Christus werden weggenommen, um bei ihrem Herrn im Himmel zu sein ( Joh 14,1-3; 1Kor 15,51-52; Phil 3,20-21; 1Thes 1,9-10; 2,17-19; 4,13-18; 5,1-11; 2Thes 2,1-2; Jak 5,7-9; 1Jo 3,2-3 ).
  3. DIE VERWANDLUNG. Ein neuer Leib wird sowohl den Auferstandenen als auch denen gegeben, die leben und plötzlich verwandelt werden, damit sie heimgehen können, um bei dem Herrn im Himmel zu sein ( 1Kor 15,51-52; Phil 3,20-21; 1Thes 4,13-18; 5,1-11; 1Jo 3,2-3 ).
  4. EINE RÜCKKEHR IN DEN HIMMEL ( Joh 14,1-3; Phil 3,20; 1Thes 1,9-10; 3,13; 4,13-18; 5,1-11; 2Thes 2,1 ).
  5. ERSCHEINEN VOR DEM HERRN ODER PERSÖNLICHES GEGENÜBERTRETEN VOR CHRISTUS BEI SEINER ANKUNFT ( Joh 14,1-3; 1Thes 1,9-10; 2,17-19; 4,13-18; 5,1-11; 2Thes 2,1-2; Phil 3,20- 21; Jak 5,7-9; Tit 2,13; 1Jo 2,28; 3,2-3 ).
  6. EIN GOTTESFÜRCHTIGES LEBEN, WEIL ER WIEDERKOMMT ( 1Thes 5,1-11; 5,23; 1Tim 6,14; Tit 2,12-14; Jak 5,7-9; 1Jo 2,28; 3,2-3 ).
  7. DAS NAHE BEVORSTEHEN DER WIEDERKUNFT JESU. Die Pronomen wir , du und uns belegen, dass sich die Entrückung während der Generation des Paulus hätte ereignen können ( Joh 14,1-3; 1Kor 15,51-52; Phil 3,20-21; 1Thes 1,9-10; 2,17-19; 3,13; 4,13-18; 5,1-11; 5,23; 2Thes 2,1-2; 1Tim 6,14; Tit 2,13; Jak 5,7-9; 1Jo 2,28; 3,2-3 ).
  8. DIE VERWENDUNG DES SPREZIALBEGRIFFS parousia FÜR DIE ENTRÜCKUNG ( 1Thes 2,17-19; 3,13; 4,13-18; 2Thes 2,1-2; 1Kor 15,23-24; Jak 5,7-8; 1Jo 2,8; 3,2-3 ).
  9. ANDERE BEGRIFFE FÜR DAS KOMMEN DES HERRN ( Joh 14,1-3; 1Thes 4,16; 5,23-24; 2Thes 2,1-2; Tit 2,13; Jak 5, 7-9; 1Jo 2,8; 3,2-3 ).
  10. ZUM VATER GEBRACHT WERDEN ( Joh 14,1-3; 1Thes 3,13; Tit 2,13 ).
  11. »DIE IN CHRISTUS SIND« ODER ANSPIELUNGEN AUF DIE GEMEINDE ( 1Thes 2,17-19; 4,13-18; 5,1-11; 2Thes 2,1-2; 1Kor 15,23-24; 15,51-52; Tit 2,13 ).

ENTRÜCKUNG
biblisches Studium

Erlösung und Entrückung

Die Auferstehung, die sich bei der Entrückung ereignet, hat mit den »Toten in Christus« zu tun. Dabei geht es um verstorbene Gläubige, die im gegenwärtigen Heilszeitalter Glieder am geistlichen Leib Christi geworden sind.

Vier Textpassagen verknüpfen unübersehbar die Auferstehung der Gläubigen des Gemeindezeitalters mit der Entrückung. In 1Thes 4,13-18 , der umfassendsten Textpassage über die Entrückung, spricht der Apostel Paulus von jenen, die in Christus entschlafen sind (Vers 14 ). Er bringt dieses »Wegreißen« (harpaz o) oder die Entrückung der lebenden Gläubigen mit der Auferstehung der Gläubigen des Gemeindezeitalters, die »in Christus« sind, in Zusammenhang: »Wir wollen euch aber, Brüder, nicht in Unkenntnis lassen über die Entschlafenen ... wird Gott ebenso die Entschlafenen durch Jesus mit ihm bringen ... denn der Herr selbst wird beim Befehlsruf, bei der Stimme eines Erzengels und bei [dem Schall] der Posaune Gottes herabkommen vom Himmel, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft« (Verse 13-14.16-17 ).

Die Gemeinde in Thessalonich scheint über den Tod jener besorgt gewesen zu sein, die Christus als ihren Retter angenommen hatten. Würden sie wieder zum Leben erweckt werden? Diese Frage blieb unbeantwortet, und sie trauerten wie die Heiden, die keine Garantie eines Lebens nach dem Tode haben (Vers 13 ). Die Antwort lautet, dass die Gläubigen, die gestorben sind, auf keinen Fall vom Segen der Wiederkunft des Herrn ausgeschlossen bleiben werden.

Paulus stellt fest: »Keineswegs, auf keine Weise werden wir denen vorangehen, die entschlafen sind« (meine eigene Übersetzung des Verses 15). Das Wort »vorangehen« (phthasomen ) beinhaltet eine doppelte Verneinung, die eine besondere Betonung beinhaltet: »In keinster Weise werden wir denen vorausgehen, die entschlafen sind!« Das ist eine Redewendung in der griechischen Sprache, die vollständig jede Befürchtung aufhebt, die in Christus Gestorbenen könnten zurückbleiben. Diese Redewendung trägt den Sinn einer bereits entschiedenen Zukunft: »Wenn die Zeit gekommen ist, ist dies die Abfolge der Ereignisse.« Die Toten in Christus werden zuerst auferstehen.

Diese Wachenden und Entschlafenen werden zusammen mit dem Christus leben.

In 1Thes 5,1-11 schreibt der Apostel Paulus vom kommenden Tag des Herrn (Vers 2 ) bzw. vom Zorn (Vers 9 ), der über die Verlorenen kommen wird, die »Friede« und »Sicherheit« rufen (Vers 3 ). In den Versen 2-7 stellt der Apostel die Geburtswehen der Plagen und Qualen dar, die plötzlich über die Verlorenen kommen. Sie sind in geistlicher Finsternis und werden dem Schrecken nicht entkommen, der über sie kommen wird wie ein Dieb (Verse 3-4 ).

In 1Thes 5,9-10 kommt Paulus zurück auf das Thema Entrückung, über das er in Kapitel 4,13-17 zu schreiben begonnen hat. Er greift erneut die Tatsache auf, dass die Entschlafenen (die Toten in Christus) und die Lebenden gemeinsam bei Jesus sein werden. Ihre Befürchtungen, die in ihrer Bedrängnis aufkamen, sollten zerstreut werden und der Irrtum, der sich offenbar bei ihnen eingeschlichen hatte, sollte korrigiert werden: dass nämlich jene, die bei seiner Ankunft lebendig vorgefunden würden, einen Vorteil hätten vor jenen, die zu diesem Zeitpunkt bereits entschlafen waren.

Vers 10 sagt aus: »[Christus] starb für uns, damit - ob wir in jenem Augenblick völlig wach sind oder ob wir in jenem Augenblick schlafend oder entschlafen sind - wir in der Zukunft, und zwar mit einem Mal und zur gleichen Zeit, mit ihm zusammen lebendig sind« (eigene Übersetzung). Der Ausdruck »in der Zukunft ... lebendig sind« sieht prophetisch die auferstandenen Gläubigen in Christus und jene entrückten Gläubigen eines Tages gemeinsam mit ihm leben. Die Betonung des Verbs kann auch bedeuten, dass wir »jetzt und für immer« mit ihm leben werden. Der Ausdruck »mit einem Mal und zur gleichen Zeit« wirft ein neues Licht auf diese Auferstehung und die Entrückung. Tatsächlich sind hier zwei Ausdrücke miteinander verbunden: »Zusammen mit« (hama ) und »mit ihm« (sun auto ). Barnes interpretiert dies so, dass »jene, die leben und jene, die entschlafen sind, zusammen sein werden oder gleichzeitig bei dem Herrn sein werden.« Hendricksen fügt hinzu: »Jene, die wachen, sind jene, die leben - die Überwinder. Es handelt sich um jene, die nach 1Thes 4,15 »bis zur Ankunft des Herrn übriggeblieben sind«.«


ENTRÜCKUNG
biblisches Studium

Erlösung und Entrückung

Zwei oder mehr Auferstehungen?

Sogar einige der früheren Bibelgelehrten, die nicht an eine Entrückung glaubten, erkannten in 1Kor 15,23-24 zwei Auferstehungen. Vom Kontext her kündigt Paulus hier eine Auferstehung an, in der in Christus alle lebendig gemacht werden (Vers 22 ). »Zur Verdeutlichung: Jeder [wird auferweckt werden] in seiner eigenen Ordnung: Christus als Erstlingsfrucht; dann als nächste jene [Gläubige], die bei der Ankunft Christi an ihn glaubend gefunden werden; danach [wird] die Vollendung [kommen], wann immer [Christus] [in der Zukunft] das Reich seinem Gott und Vater übergeben wird, [was bedeutet,] dass er zuvor alle Herrschaft und Autorität und Macht weggetan hat« (eigene Übersetzung).

Der ganze Zusammenhang ruht auf der Formulierung: »... in Christus lebendig gemacht werden.« Heilsgeschichtlich hat der Vers 23 eindeutig die Gläubigen des Gemeindezeitalters im Sinn. Er beschreibt nicht das Kommen Jesu, um als Sohn des Menschen die Herrschaft über Israel anzutreten, und auch nicht sein Kommen zum Weltgericht. Christus kommt wieder, um die Gemeinde zu sich zu holen. Da das Reich in Vers 24 ohne Frage vom Vers 23 abgetrennt ist, ist die Auferstehung zur Entrückung die einzige Erklärung für diese Textstelle.

»Es wird eine Abfolge bei der Auferstehung der Toten geben, und Paulus erläutert dies anhand von drei Gruppen: (1) Christus selbst, die Erstlingsfrucht; (2) die bei seiner Ankunft an Christus Gläubigen und (3) die ganze übrige Menschheit am Ende, wenn das Endgericht stattfindet. Über den Abstand dieser beiden Auferstehungen voneinander - über ihre Dauer oder darüber, wo oder wie sie stattfinden werden - wird hier nicht gesprochen. Es ist die einzige Aussage, die der Apostel über die Ordnung der Auferstehung trifft« (Ellicott).

Alford schreibt: »Die Auferstehung der übrigen Toten, hier überkleidet durch den allgemeinen Begriff to telos [das Ende], wird in dieser Erörterung nicht besonders behandelt, sondern nur die der Christen ... Es sollte überflüssig sein, den Lernenden auf die Unterscheidung zwischen der parousia [die Ankunft] für die in Christus und dem Endgericht hinzuweisen. Es ist hier von außerordentlicher Wichtigkeit, das im Sinn zu behalten.«

Auch Robertson und Plummer meinen, dass diese Textpassage auf ein Kommen Christi ausschließlich für sein Eigentum, die Gläubigen des Gemeindezeitalters, hinweist, das von einer weiteren Ankunft getrennt betrachtet werden muss. Bei diesem weiteren Kommen wird er die anderen Toten auferwecken: »Von diesen tagamata [jeder in seiner eigenen Ordnung] gibt es in der vorliegenden Textpassage zwei, die eindeutig gekennzeichnet sind - Christus, der bereits das Ziel der Auferstehung erreicht hat, und Christi Eigentum [die Gemeinde], die das Ziel erreichen wird, wenn er wiederkommt. Vielleicht denkt Paulus an eine dritte tagamata [Ordnung], irgendwann vor dem Ende. Aber hier an dieser Textstelle stehen die Ungläubigen und Gottlosen ganz im Hintergrund, falls überhaupt an sie gedacht wird.«

Christi Eigentum, die entschlafenen Gläubigen des Gemeindezeitalters, warten jetzt noch auf die Auferstehung. Diese Textpassage zeigt eine Abfolge dieser Auferstehung bei der Entfaltung der Ereignisse der Endzeit. Da Paulus hier ganz gezielt die Gemeinde anspricht, befasst er sich nicht mit den Einzelheiten aller weiteren Auferstehungen. Er konzentriert sich vielmehr auf die entschlafenen Gläubigen des Gemeindezeitalters und auf ihren Platz im Rahmen der ablaufenden Ereignisse.


ENTRÜCKUNG
biblisches Studium

Hoffnung und Trost

Nahezu alle Textstellen zur Entrückung sprechen vom Segen der Ankunft des Herrn für die Seinen oder, spezieller, der Wiederkunft Jesu Christi, um die Seinen zu sich in den Himmel heimzuholen. Das bedeutet Hoffnung und Trost für seine Gemeinde, und es ist gewiss ein anderes Szenario als jenes, wenn Christus wiederkommt, um auf der Erde zu richten, zu herrschen und als Messias zu regieren. Ein wirklicher Schlüssel zu den Textabschnitten, die von der Entrückung sprechen, ist diese Freude und Erwartung, nach Hause zu kommen.


ENTRÜCKUNG
biblisches Studium

Hoffnung und Trost

Die Heimkehr

In Joh 14,1-3 versprach Jesus seinen Jüngern, ihnen eine Stätte zu bereiten. Nach dem griechischen Wortlaut könnte dieser Abschnitt folgendermaßen wiedergegeben werden: »Lasst euer Herz nicht beunruhigt werden. Ihr alle glaubt an Gott; in derselben Weise setzt euer Vertrauen weiter auf mich. In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen. Falls es nicht so wäre, hätte ich es euch gesagt; denn ich gehe hin, einen Raum für euch vorzubereiten [dass ihr darin leben könnt] . Ich werde wiederkommen und euch [zu mir nach Hause] mitnehmen, damit, wo ich bin, ich und ihr zusammen seid« (eigene Übersetzung des Autors).

In diesem Abschnitt werden Hoffnung und Trost in Form einer Verneinung ausgedrückt: »Lasst eure Herzen nicht beunruhigt werden.« Warum nicht? Weil Christus eine Stätte für sie vorbereitet, und er wiederkommen wird, um sie zu sich zu nehmen. Diese Aussage bezieht sich auf die Entrückung, weil hier davon ausgegangen wird, dass sein Kommen noch zu Lebzeiten der Jünger hätte geschehen können. Obwohl sie den Tod erlebten, sollten ihre neuen Leiber zum Zeitpunkt der Entrückung mit nach Hause genommen werden.

Das »Haus« (oikos ) des Vaters ist nicht gleichzusetzen mit dem irdischen Reich, in dem Jesus herrschen wird. Nach seinem Sterben sollte Jesus bald in seines Vaters Haus zurückkehren, dann aber für die Seinen kommen und sie zu einem Ort hin mitnehmen, den er für sie vorbereitet hat. Jesus sagt nicht, dass seine Jünger einfach sterben und zum Haus des Vaters gehen werden (obgleich das natürlich mit ihren Seelen geschehen würde, wenn sie vor seinem Kommen sterben würden). Daher muss sich dieser Hinweis auf sein Kommen für sie entweder auf die Entrückung zu ihren Lebzeiten beziehen oder auf die leibliche Auferstehung, die parallel dazu stattfindet. »Die Toten in Christus werden zuerst auferstehen; danach werden wir, die Lebenden, die übrig bleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden in Wolken dem Herrn entgegen in die Luft; und so werden wir allezeit beim Herrn sein« ( 1Thes 4, 16-17 ).


ENTRÜCKUNG
biblisches Studium

Hoffnung und Trost

Standhaftes Warten

Abgesehen von den Worten des Herrn in Joh 14,1-3 dürfte Jak 5,7-9 einen der frühesten Hinweise auf die Entrückung enthalten. Über die Hoffnung und Erwartung könnte man die Verse 7-9 vom Wortlaut des griechischen Textes her folgendermaßen lesen: »So wartet denn standhaft, bis die Zeit der Heimsuchung [parousia ] gekommen ist. Siehe, der Bauer wartet auf die köstliche Frucht der Erde, er wartet geduldig auf sie ... auch ihr, wartet standhaft, macht eure Herzen entschlossen und standfest, denn die Ankunft des Herrn kommt fortschreitend näher.«

Die Redewendung »wartet standhaft« mahnt zu Geduld und Langmut. Zur Verdeutlichung wird das Bild vom Bauern, der »wartet«, herangezogen. Das griechische Ver b ekdechetai beinhaltet eine »freudige Erwartung«. Jakobus spornt seine Leser nicht nur zu einer freudigen Erwartung in Bezug auf das Kommen des Herrn an, sondern auch zu einer festen Entschlossenheit ihrer Herzen (kardia) .

Dieser Text über die Entrückung vermittelt Zuversicht und Hoffnung ungeachtet aller Verfolgungen, die die Gemeinde bedrängen. Der Bauer wartet voller Hoffnung auf erfrischende Regenfälle, die eine gute Ernte verheißen. In gleicher Weise können Gläubige das Kommen des Herrn erwarten. Barnes schreibt dazu: »So wie der Bauer zur rechten Zeit die Rückkehr des Regens erwartet, können wir der Befreiung von unseren Prüfungen entgegensehen.«


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Hoffnung und Trost

Errettet vor dem kommenden Zorn

1Thes 1,9-10 ist ein ausdrucksvoller Text über die Entrückung, der ebenfalls von einer Hoffnung in »freudiger Erwartung« spricht. Er vermittelt Hoffnung und Trost, weil er davon spricht, dass die Gläubigen vor dem Schrecken des kommenden Zorns weggerissen werden. Im Hinblick auf diese Hoffnung könnte der Text nach dem griechischen Wortlaut folgendermaßen übersetzt werden: »Ihr seid umgekehrt ... um nun einem lebendigen, treuen Gott zu dienen und jetzt gespannt seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den [Gott] aus den Toten auferweckt hat, Jesus, der uns wegreißen (retten) wird [hin zu sich selbst] vor dem Zorn, der da kommt« (Übersetzung des Autors).

Dem Verb »seid in gespannter Erwartung« (anameno ) wird durch die Präposition ana eine stärkere Intensität verliehen. Darunter ist eine fortdauernde oder geradlinige Entwicklung zu verstehen: ein anhaltendes Warten. Hendricksen äußert sich folgendermaßen zu dieser hoffnungsvollen Erwartung: »Die Ausdruckskraft des Verbs warten darf nicht außer Acht gelassen werden. Es bedeutet, einer Sache mit Geduld und Vertrauen entgegenzusehen ... Es beinhaltet ein Bereitsein für seine Wiederkunft ... Der Gedanke an sein Kommen hat ja für den Gläubigen nichts Erschreckendes ... Denn es ist ja Jesus, der uns errettet (dabei ist, uns zu erretten) vor dem Zorn, der kommen wird (dem kommenden Zorn).«

Barnes sagt: »Die Hoffnung auf seine Rückkehr zu unserer Welt, um die Toten aufzuerwecken und seine Erlösten in den Himmel mitzunehmen, ist die herrlichste und freudigste Aussicht für die Menschheit, und wir sollten zu jeder Zeit bereit sein, ihm als unserem zurückkehrenden Herrn zuzujubeln, und uns ihm als unserem herrlichen Erlöser in die Arme zu werfen.«


ENTRÜCKUNG
biblisches Studium

Hoffnung und Trost

Unsere Hoffnung bei seinem Kommen

Paulus schreibt in 1Thes 2,19 : »Denn wer ist unsere Hoffnung oder Freude oder Ruhmeskranz - nicht auch ihr? - vor unserem Herrn Jesus bei seiner Ankunft?« Das ist eine ungewöhnliche Art, über Hoffnung und Trost zu sprechen. Aber Paulus will damit den Gläubigen in Thessalonich klar machen, wie sehr er sich über ihren engagierten Einsatz für das Evangelium freut. Leid und Verfolgung, die sie um des Namens Christi willen erleiden mussten, hatten ein beinahe unerträgliches Ausmaß erreicht. Deshalb erwähnt Paulus, dass diese Gläubigen in dem Augenblick, in dem sich die Entrückung ereignet, wenn er dem Herrn von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen wird, seine große Freude sein wird. Dieses Ereignis ist nicht das Kommen Christi zum Weltgericht, sondern die Entrückung, bei der der Herr die Seinen zu sich nimmt.


ENTRÜCKUNG
biblisches Studium

Hoffnung und Trost

Einander Trösten

In dem wichtigsten Text über die Entrückung ( 1Thes 4,13-18 ) schreibt der Apostel Paulus an die Gemeinde in Thessalonich über dieses große, wunderbare Ereignis, damit sie sich nicht betrübt sind wie die »anderen, die keine Hoffnung haben« (Vers 13 ). Die Thessalonicher trauerten um ihre verstorbenen (entschlafenen) Glaubensgeschwister, weil sie meinten, dass nur sie als Lebende eine Hoffnung bei der Wiederkunft Christi hatten. Damit unterschieden sie sich praktisch nicht von der Unerlösten, die den Tod als endgültige Vernichtung betrachteten. Paulus wollte ihren Irrtum korrigieren und stellte die heidnische Welt als hoffnungslos dar, aber in Bezug auf die Gläubigen, ob lebend oder entschlafen, spricht er von der glückseligen christlichen Gewissheit der Auferstehung zur Herrlichkeit mit dem Herrn Jesus Christus.

In Vers 18 ermahnt Paulus die Gläubigen, in diesem Wort des Herrn über die Entrückung und die damit verbundene Auferstehung Trost zu suchen und zu finden. Die Wurzel des Wortes »Trost« (parakaleo ) kann bedeuten: »an die Seite rufen« oder »beraten«. »In gleicher Weise beratet einander mit diesen Worten.« Gegenwartsform und aktiver Modus werden im Griechischen gebraucht, um zu betonen, dass sie es jetzt nötig haben, sich gegenseitig zu trösten, aber auch weiterhin, bis der Herr wiederkommt. Durch diese Bewährung im Glauben wird die Gewissheit des endgültigen Sieges verdeutlicht.

Nachdem er über den Tag des Herrn ( 5,2 ) und den kommenden Zorn ( 5,9 ) geschrieben hat, schließt der Apostel mit der erneuten Aufforderung, einander zu trösten, weil Gott die Seinen nicht durch diese Tage des Schreckens gehen lassen wird, die über die Welt kommen werden. Nach dem Wortlaut des griechischen Textes schreibt Paulus in Kapitel 5,11 : »Deshalb ermahnt einander unablässig und erbaut einer den anderen, gerade so [und wie ich auch weiß], wie ihr es jetzt schon tut.«

Manche Gläubige waren in Jesus entschlafen ( 4,14-15 ). Andere werden am Leben sein, wenn sich die Entrückung ereignet ( 4,17 ), und sie alle werden ganz sicher nicht den schrecklichen Tag des Herrn miterleben, der über die Erde kommen wird ( 5,9 ). Deshalb besteht die große Hoffnung darin, dass die Gläubigen bei ihrem Erlöser sein werden - entweder durch Entrückung oder durch Auferstehung. Diese Worte enthalten einen wirklichen Trost.


ENTRÜCKUNG
biblisches Studium

Hoffnung und Trost

Der Tag des Herrn ist noch nicht gekommen

Die meisten Ausleger sind der Auffassung, dass 2Thes 2,1 sich ausschließlich auf die Entrückung bezieht. Nach dem Wortlaut des griechischen Textes könnte der Vers lauten: »Nun bitte ich euch, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus, sogar [wegen] unserer Versammlung zu ihm« (Übersetzung des Autors).

A. T. Robertson betrachtet den ganzen Vers als »Hinweis auf die in 1Thes 4,15-17 erwähnte Entrückung.« Paulus schreibt weiter: »... dass ihr euch nicht schnell in eurem Sinn erschüttern, auch nicht erschrecken lasst« ( 2Thes 2,2 ). Obwohl hier nicht die Wörter Hoffnung oder Trost verwendet werden, spricht der Apostel den Thessalonichern mit dem Hinweis Trost zu, dass der Tag des Herrn noch nicht gekommen sei. Zuerst müsse der große Abfall kommen, und der Antichrist (der Mensch der Gesetzlosigkeit) müsse offenbar werden ( 2,3-4 ).

In seinen tröstenden Worten verwendet Paulus zwei Verneinungen: »Werdet nicht erschüttert« (saleuo ) in eurem Geist, »seid« auch nicht »entsetzt« (throe o), als ob der Tag des Herrn bereits gekommen sei (Vers 2 ). Paulus verweist auf die Entrückung in 1Thes 4,15-17 und bekräftigt die Zusicherung, dass die Gläubigen dem kommenden Zorn entgehen werden.


ENTRÜCKUNG
biblisches Studium

Hoffnung und Trost

Die Auferstehung Christi gibt Hoffnung

In 1Kor 15 argumentiert Paulus, dass wir keine Hoffnung hätten, wenn Jesus nicht aus den Toten auferstanden wäre. »Also sind auch die, welche in Christus entschlafen sind, verloren gegangen. Wenn wir allein in diesem Leben auf Christus gehofft haben, so sind wir die elendesten von allen Menschen« ( 15,18-19 ). Er gibt den Gläubigen die wunderbare Zusicherung: »In Christus werden alle lebendig gemacht werden« (Vers 22 ). Und auf Christi Auferstehung folgt die Auferstehung der Gläubigen bei der Entrückung: »... sodann [nach der Auferstehung Jesu] die, welche Christus gehören bei seiner Ankunft« (Vers 23 ). Wie Jesus verheißen hat ( Joh 14,2-3 ) wird Christus für seine Gemeinde wiederkommen, und die Toten in Christus werden auferweckt werden ( 1Thes 4,16 ).

In 1Kor 15,49 setzt Paulus seine Hymne auf die Hoffnung in Bezug auf die Auferstehung fort: »Wie wir das Bild des Irdischen getragen haben, so werden wir auch das Bild des Himmlischen tragen.« Dem lässt er die hoffnungsvolle und frohe Beteuerung folgen: »Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden, in einem Nu, in einem Augenblick, bei der letzten Posaune; denn posaunen wird es, und die Toten werden auferweckt werden unverweslich, und wir werden verwandelt werden« ( 15,51-52 ).

Diese Verse drücken wirklich Hoffnung und Trost aus. Mit dem Wort »Siehe« gebraucht der Apostel einen kraftvollen Ausruf, um die Aufmerksamkeit des Lesers auf eine »bedeutungsvolle Offenbarung« zu richten, die er »besonders stark betont«. Paulus erwähnt zweimal, dass wir irgendwann in der Zukunft verwandelt werden. Das hier verwendete griechische Wort bedeutet »verändern«, oder in anderem Zusammenhang: »seine Gewohnheiten ändern«; aber auch: »eine neue Position einnehmen«, »ein Ding gegen ein anderes austauschen«, »auswechseln«.

Aufgrund der einzigartigen Stellung der Gemeinde und der Tatsache, dass die noch lebenden Gläubigen vor dem kommenden Zorn verwandelt und entrückt werden, verkündet Pulus mit großer Freude diese segensreiche »neue« Offenbarung. »Dass [Paulus] nicht die damaligen Empfänger seines Briefes meinte, geht aus der gesamten Argumentationsweise hervor, denn diese bezieht sich auf Christen allgemein, d. h. auf die Gemeinde als Ganzes.


ENTRÜCKUNG
biblisches Studium

Hoffnung und Trost

Ein neues Bürgerrecht

Eine von Paulus��� hoffnungsvollsten Verkündigungen finden wir in Phil 3,20-21 : »Denn unser Bürgerrecht ist wirklich im Himmel, aus dem heraus wir einen Erlöser, den Herrn Jesus Christus, erwarten (um ihn willkommen zu heißen), der die Gestalt unseres Leibes, (der da hat) eine Begrenzung, verwandeln wird« (Übersetzung des Autors).

Wir »erwarten einen Erlöser« (apekdechoma i). Dieses Wort kann »empfangen« oder »willkommen heißen« bedeuten. Paulus schließt sich selbst in die Vorfreude ein. Alford formuliert es folgendermaßen: »Wir warten ... und rechnen damit, bis das Ereignis eintritt ...«. Diese Formulierung ist eine lebhafte Bezeichnung für die Vorfreude des Paulus auf das Kommen Christi als die normale Haltung eines Christen, der auf der Erde zu Gast und dessen Heimat im Himmel ist« (Alford).


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biblisches Studium

Hoffnung und Trost

Große Erwartungen

In Tit 2,13 schreit Paulus seine freudige Erregung über die Entrückung förmlich heraus. Nach dem Wortlaut des griechischen Textes könnte man diese Passage auch so lesen: »Wir erwarten fortwährend in Aufregung die glückselige Hoffnung und herrliche Erscheinung unseres großen Gottes, ja unseres Erlösers Christus Jesus« (Übersetzung des Autors).

»Fortwährend in Aufregung erwarten« wird oftmals einfach mit »erwarten« (prosdechoma i) übersetzt. Doch in Wirklichkeit macht die verwendete Gegenwartsform dieses »Erwarten« zu einer ununterbrochenen Hoffnung. »Dieser Ausruf beschreibt einen beständigen Zustand, eine fortwährende Haltung.« Die »glückselige Hoffnung« könnte auch mit »freudige Erwartung« übersetzt werden. Diese Erwartung ist nicht in Frage gestellt, sondern sie wird sich erfüllen, und sie bewirkt bei einem Menschen eine große innere Freude, die auf die endgültige Erlösung ausgerichtet ist. »Hier wird die große Erwartungshoffnung beschrieben, die im Leben von Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der alles beherrschende Gedanke ist.«


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Hoffnung und Trost

Zuversichtlich sein, wenn er kommt

Christus könnte sich selbst zu jeder Zeit mit der Entrückung offenbaren. Der Apostel Johannes äußert in seinem Brief über die Liebe (1.Johannes) ähnliche Gedanken wie Paulus. In zwei unterschiedlichen Zusammenhängen spricht er von Zuversicht und Hoffnung im Blick auf das Kommen Jesu. Nach dem Wortlaut des griechischen Textes schreibt er: »Und nun bleibt in ihm, damit wir, wenn er geoffenbart werden wird, Zuversicht haben und uns nicht aus Scham vor ihm verbergen müssen bei seiner Ankunft« ( 2,28 ). »Wir werden ihm gleich sein, denn wir werden ihn sehen, wie er ist. Und jeder, der diese Hoffnung auf ihn hat, reinigt sich selbst, wie er rein ist« ( 3,2 ).

Manchmal kann »Zuversicht« (parousia ) als »Freude«, als »Beherztheit« oder als »Kühnheit« übersetzt werden. Durch die Verwendung des Pronomens »wir«, schließt Johannes die Möglichkeit ein, dass auch er selbst noch am Leben sein könnte, wenn Jesus wiederkommt, und dass seine Generation vielleicht nicht mehr sterben muss. Er ermutigt die Gläubigen, in enger Gemeinschaft mit Jesus zu leben, damit sie sich bei seinem Erscheinen nicht schämen müssen. Johannes meint hier nicht eine Erfahrung nach der Auferstehung, sondern ein Ereignis, das noch zu seinen Lebzeiten stattfinden könnte.

In Kapitel 3,2 erklärt Johannes Folgendes: Wenn ein Gläubiger die Rückkehr seines Herrn erwartet, wird dies eine reinigende Wirkung auf den inneren Menschen haben. »Einer, der seine Hoffnung im Glauben auf den Sohn Gottes setzt, erfährt eine inwendige Reinigung, die so vollständig ist wie die Reinheit Christi.«


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Die Verwandlung

Wenn sich die Entrückung ereignet, werden die Gläubigen unmittelbar neue, verherrlichte Leiber empfangen, die dem Auferstehungsleib des Christus gleichen, und die Auferstehung der in Christus Entschlafenen findet statt. Diese Verwandlung betrifft sowohl die Lebenden als auch die Toten und geschieht, damit sie in die Gegenwart des lebendigen Gottes und seines Sohnes versetzt werden können. Dies deutet Paulus erstmals in 1Thes 4,13-18 an.