Ehebruch und Hurerei
unterscheiden: Evangelien, 1. Korinther 7, Römer 7

Ehebruch und Hurerei
unterscheiden: Evangelien, 1. Korinther 7, Römer 7

Arbeitsfassung nach der Elberfelder 2023, am griechischen Grundtext nachgezogen.
Orthographie angepasst. Grundwörter jeweils mit Transliteration.

1. Einheitliche Wiedergabe der Grundwörter

Griechisch Transliteration Wiedergabe in dieser Fassung Nicht vermengen mit
πορνεία, πορνεύω, πόρνος porneia, porneuō, pornos Hurerei / huren / Hurer Ehebruch
μοιχεία, μοιχεύω, μοιχάομαι, μοιχαλίς moicheia, moicheuō, moichaomai, moichalis Ehebruch / ehebrechen / Ehebrecherin Hurerei
ἀπολύω apolyō entlassen scheiden / trennen
χωρίζω chōrizō sich trennen entlassen
ἀφίημι aphiēmi entlassen (1Kor 7) sich trennen
δέω deō gebunden versklavt
οὐ δεδούλωται ou dedoulōtai nicht versklavt nicht gebunden (das wäre δέδεται)

2. Die Stellen im Zusammenhang

Stelle Arbeitsfassung (1905 / Grundtext)
Mt 5,27–28 Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen.
moicheuō
Mt 5,31–32 Es ist aber gesagt: Wer irgend seine Frau entlässt, gebe ihr einen Scheidebrief. Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlässt, außer aufgrund von Hurerei, macht, dass ihr Ehebruch angetan wird; und wer irgend eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.
porneia — moicheuthēnai (Passiv) — moichatai
Nicht: „dass sie Ehebruch begeht“. Das Griechische ist kausativ + Passiv: der Entlassende setzt sie dem Ehebruch aus.
Mt 15,19 Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Morde, Ehebrüche, Hurereien, Diebstähle, falsche Zeugnisse, Lästerungen.
moicheiai — porneiai
Matthäus setzt beide Wörter nebeneinander. Sie sind nicht dasselbe.
Mt 19,3–9 Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau aus jeder Ursache zu entlassen? … Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. … Mose hat euch wegen eurer Herzenshärtigkeit gestattet, eure Frauen zu entlassen; von Anfang an aber ist es nicht so gewesen. Ich sage euch aber: Wer irgend seine Frau entlässt – nicht aufgrund von Hurerei – und eine andere heiratet, begeht Ehebruch; und wer eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch.
mē epi porneia — moichatai
Die Formel in 19,9 (mē epi porneia) ist nicht wortgleich mit 5,32 (parektos logou porneias).
Mk 10,11–12 Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch gegen sie. Und wenn sie ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.
moichatai ep’ autēn
Keine Hurerei-Klausel.
Lk 16,18 Jeder, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, bricht die Ehe; und wer eine vom Mann Entlassene heiratet, bricht die Ehe.
moicheuei
Keine Hurerei-Klausel.
Apg 15,20.29 … sich zu enthalten von den Verunreinigungen der Götzen und von der Hurerei und vom Erstickten und vom Blut.
porneia
1Kor 5,1 Überhaupt hört man von Hurerei unter euch, und zwar von solcher Hurerei, die nicht einmal unter den Nationen vorkommt, dass einer die Frau des Vaters hat.
porneia
Hier der Akt: inzestuöses Zusammenleben.
1Kor 6,9 Weder Hurer noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Weichlinge noch mit Männern Schlafende … werden das Reich Gottes erben.
pornoi — moichoi
Wieder zwei Wörter, nicht eines.
1Kor 6,13.18 Der Leib aber ist nicht für die Hurerei, sondern für den Herrn … Flieht die Hurerei! … wer aber hurt, sündigt gegen den eigenen Leib.
porneia
1Kor 7,2 Aber um der Hurereien willen habe jeder seine eigene Frau, und jede habe ihren eigenen Mann.
dia tas porneias
1Kor 7,10–11 Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass eine Frau sich vom Mann nicht trenne; wenn sie sich aber doch getrennt hat, so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich mit dem Mann; und dass ein Mann seine Frau nicht entlasse.
ou egō alla ho kyrios — chōristhēnai — menetō agamos — aphienai
Herrenwort. Keine Hurerei-Klausel. Nach Trennung nur: unverheiratet bleiben oder Versöhnung.
1Kor 7,12–15 Den Übrigen aber sage ich, nicht der Herr: … Wenn aber der Ungläubige sich trennt, so trenne er sich. Der Bruder oder die Schwester ist in solchen Fällen nicht versklavt; im Frieden aber hat uns Gott berufen.
egō, ouch ho kyrios — chōrizetai — ou dedoulōtai
1Kor 7,39 Eine Frau ist gebunden, solange ihr Mann lebt; wenn aber der Mann entschlafen ist, so ist sie frei, sich zu verheiraten, an wen sie will – nur im Herrn.
dedetai — koimēthē
Röm 7,2–3 Denn die unter einem Mann stehende Frau ist durch Gesetz an den lebenden Mann gebunden; wenn aber der Mann stirbt, so ist sie losgemacht von dem Gesetz des Mannes. Folglich wird sie, während der Mann lebt, eine Ehebrecherin genannt, wenn sie eines anderen Mannes wird; wenn aber der Mann stirbt, ist sie frei vom Gesetz, sodass sie keine Ehebrecherin ist, wenn sie eines anderen Mannes wird.
hypandros — dedetai nomō — moichalis chrēmatisei

3. Die Unterscheidung in einer Übersicht

Akt der Hurerei (porneia) Wiederheirat nach Entlassung
Evangelien Begehren schon Ehebruch im Herzen (Mt 5,28). Körperliche Hurerei ist Sünde. Nur Matthäus nennt Hurerei als Klausel bei der Entlassung. Entlassen + eine andere heiraten = Ehebruch (Mk 10; Lk 16). Heirat einer Entlassenen = Ehebruch. Bei Mt gilt dasselbe, sofern die Klausel nicht greift.
1. Korinther 5–7 Konkrete Taten: Inzest, Hure, Hurerei fliehen; heiraten um der Hurereien willen (7,2). Gläubige Ehe: Herrenwort – nicht trennen; nach Trennung unverheiratet bleiben oder versöhnen (7,10–11). Bindung bis zum Tod (7,39).
Römer 7 — Bei lebendigem Mann eines anderen Mannes werden = Ehebrecherin. Freiheit erst durch den Tod.

4. Kurz festgehalten

Nr. Satz
1 Hurerei (porneia) und Ehebruch (moicheia) sind zwei Wortfelder. Matthäus und Paulus setzen sie nebeneinander, nicht gleich.
2 Der Akt der Hurerei ist illegitime Sexualität (1Kor 5–6; 7,2).
3 In den Evangelien wird auch die neue Ehe nach Entlassung als Ehebruch bezeichnet, weil das erste Band vor Gott steht.
4 Die Klausel „außer / nicht aufgrund von Hurerei“ steht nur bei Matthäus, nicht bei Markus, Lukas und nicht im Herrenwort von 1Kor 7,10–11.
5 Was porneia in der matthäischen Klausel genau meint (Untreue / Unzucht der Verlobungszeit / ungültige Verwandtenehe nach 3Mo 18), ist auszulegen. Die Wortwahl gegen moicheia bleibt in jedem Fall beachtlich.
6 Röm 7,2–3 und 1Kor 7,39 nennen als regulären Endpunkt der Bindung den Tod, nicht die Entlassung.