Arbeitsfassung nach der Elberfelder 2023,
am griechischen Grundtext nachgezogen.
Orthographie angepasst. Grundwörter jeweils mit Transliteration.
| Griechisch | Transliteration | Wiedergabe in dieser Fassung | Nicht vermengen mit |
|---|---|---|---|
| πορνεία, πορνεύω, πόρνος | porneia, porneuō, pornos | Hurerei / huren / Hurer | Ehebruch |
| μοιχεία, μοιχεύω, μοιχάομαι, μοιχαλίς | moicheia, moicheuō, moichaomai, moichalis | Ehebruch / ehebrechen / Ehebrecherin | Hurerei |
| ἀπολύω | apolyō | entlassen | scheiden / trennen |
| χωρίζω | chōrizō | sich trennen | entlassen |
| ἀφίημι | aphiēmi | entlassen (1Kor 7) | sich trennen |
| δέω | deō | gebunden | versklavt |
| οὐ δεδούλωται | ou dedoulōtai | nicht versklavt | nicht gebunden (das wäre δέδεται) |
| Stelle | Arbeitsfassung (1905 / Grundtext) |
|---|---|
| Mt 5,27–28 |
Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst nicht ehebrechen. Ich aber
sage euch, dass jeder, der eine Frau ansieht, sie zu begehren, schon
Ehebruch mit ihr begangen hat in seinem Herzen. moicheuō |
| Mt 5,31–32 |
Es ist aber gesagt: Wer irgend seine Frau entlässt, gebe ihr einen
Scheidebrief. Ich aber sage euch: Jeder, der seine Frau entlässt, außer
aufgrund von Hurerei, macht, dass ihr Ehebruch angetan wird; und wer
irgend eine Entlassene heiratet, begeht Ehebruch. porneia — moicheuthēnai (Passiv) — moichatai Nicht: „dass sie Ehebruch begeht“. Das Griechische ist kausativ + Passiv: der Entlassende setzt sie dem Ehebruch aus. |
| Mt 15,19 |
Denn aus dem Herzen kommen hervor böse Gedanken: Morde, Ehebrüche,
Hurereien, Diebstähle, falsche Zeugnisse, Lästerungen. moicheiai — porneiai Matthäus setzt beide Wörter nebeneinander. Sie sind nicht dasselbe. |
| Mt 19,3–9 |
Ist es einem Mann erlaubt, seine Frau aus jeder Ursache zu entlassen? …
Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. … Mose
hat euch wegen eurer Herzenshärtigkeit gestattet, eure Frauen zu
entlassen; von Anfang an aber ist es nicht so gewesen. Ich sage euch
aber: Wer irgend seine Frau entlässt – nicht aufgrund von Hurerei – und
eine andere heiratet, begeht Ehebruch; und wer eine Entlassene heiratet,
begeht Ehebruch. mē epi porneia — moichatai Die Formel in 19,9 (mē epi porneia) ist nicht wortgleich mit 5,32 (parektos logou porneias). |
| Mk 10,11–12 |
Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch gegen
sie. Und wenn sie ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet, begeht
sie Ehebruch. moichatai ep’ autēn Keine Hurerei-Klausel. |
| Lk 16,18 |
Jeder, der seine Frau entlässt und eine andere heiratet, bricht die Ehe;
und wer eine vom Mann Entlassene heiratet, bricht die Ehe. moicheuei Keine Hurerei-Klausel. |
| Apg 15,20.29 |
… sich zu enthalten von den Verunreinigungen der Götzen und von der
Hurerei und vom Erstickten und vom Blut. porneia |
| 1Kor 5,1 |
Überhaupt hört man von Hurerei unter euch, und zwar von solcher Hurerei,
die nicht einmal unter den Nationen vorkommt, dass einer die Frau des
Vaters hat. porneia Hier der Akt: inzestuöses Zusammenleben. |
| 1Kor 6,9 |
Weder Hurer noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Weichlinge noch mit
Männern Schlafende … werden das Reich Gottes erben. pornoi — moichoi Wieder zwei Wörter, nicht eines. |
| 1Kor 6,13.18 |
Der Leib aber ist nicht für die Hurerei, sondern für den Herrn … Flieht
die Hurerei! … wer aber hurt, sündigt gegen den eigenen Leib. porneia |
| 1Kor 7,2 |
Aber um der Hurereien willen habe jeder seine eigene Frau, und jede habe
ihren eigenen Mann. dia tas porneias |
| 1Kor 7,10–11 |
Den Verheirateten aber gebiete nicht ich, sondern der Herr, dass eine
Frau sich vom Mann nicht trenne; wenn sie sich aber doch getrennt hat,
so bleibe sie unverheiratet oder versöhne sich mit dem Mann; und dass
ein Mann seine Frau nicht entlasse. ou egō alla ho kyrios — chōristhēnai — menetō agamos — aphienai Herrenwort. Keine Hurerei-Klausel. Nach Trennung nur: unverheiratet bleiben oder Versöhnung. |
| 1Kor 7,12–15 |
Den Übrigen aber sage ich, nicht der Herr: … Wenn aber der Ungläubige
sich trennt, so trenne er sich. Der Bruder oder die Schwester ist in
solchen Fällen nicht versklavt; im Frieden aber hat uns Gott berufen. egō, ouch ho kyrios — chōrizetai — ou dedoulōtai |
| 1Kor 7,39 |
Eine Frau ist gebunden, solange ihr Mann lebt; wenn aber der Mann
entschlafen ist, so ist sie frei, sich zu verheiraten, an wen sie will –
nur im Herrn. dedetai — koimēthē |
| Röm 7,2–3 |
Denn die unter einem Mann stehende Frau ist durch Gesetz an den lebenden
Mann gebunden; wenn aber der Mann stirbt, so ist sie losgemacht von dem
Gesetz des Mannes. Folglich wird sie, während der Mann lebt, eine
Ehebrecherin genannt, wenn sie eines anderen Mannes wird; wenn aber der
Mann stirbt, ist sie frei vom Gesetz, sodass sie keine Ehebrecherin ist,
wenn sie eines anderen Mannes wird. hypandros — dedetai nomō — moichalis chrēmatisei |
| Akt der Hurerei (porneia) | Wiederheirat nach Entlassung | |
|---|---|---|
| Evangelien | Begehren schon Ehebruch im Herzen (Mt 5,28). Körperliche Hurerei ist Sünde. Nur Matthäus nennt Hurerei als Klausel bei der Entlassung. | Entlassen + eine andere heiraten = Ehebruch (Mk 10; Lk 16). Heirat einer Entlassenen = Ehebruch. Bei Mt gilt dasselbe, sofern die Klausel nicht greift. |
| 1. Korinther 5–7 | Konkrete Taten: Inzest, Hure, Hurerei fliehen; heiraten um der Hurereien willen (7,2). | Gläubige Ehe: Herrenwort – nicht trennen; nach Trennung unverheiratet bleiben oder versöhnen (7,10–11). Bindung bis zum Tod (7,39). |
| Römer 7 | — | Bei lebendigem Mann eines anderen Mannes werden = Ehebrecherin. Freiheit erst durch den Tod. |
| Nr. | Satz |
|---|---|
| 1 | Hurerei (porneia) und Ehebruch (moicheia) sind zwei Wortfelder. Matthäus und Paulus setzen sie nebeneinander, nicht gleich. |
| 2 | Der Akt der Hurerei ist illegitime Sexualität (1Kor 5–6; 7,2). |
| 3 | In den Evangelien wird auch die neue Ehe nach Entlassung als Ehebruch bezeichnet, weil das erste Band vor Gott steht. |
| 4 | Die Klausel „außer / nicht aufgrund von Hurerei“ steht nur bei Matthäus, nicht bei Markus, Lukas und nicht im Herrenwort von 1Kor 7,10–11. |
| 5 | Was porneia in der matthäischen Klausel genau meint (Untreue / Unzucht der Verlobungszeit / ungültige Verwandtenehe nach 3Mo 18), ist auszulegen. Die Wortwahl gegen moicheia bleibt in jedem Fall beachtlich. |
| 6 | Röm 7,2–3 und 1Kor 7,39 nennen als regulären Endpunkt der Bindung den Tod, nicht die Entlassung. |