es entsteht ein vermeintlicher Widerspruch zwischen Römer 11,1 und Römer 11,15.
Ich selbst habe vor einige Jahren mit dem "Problem" gekämpft und bin zu einer überraschend einfachen und sehr gut nachvollziehbaren Lösung gekommen. Der Heilige Geist beschäftigt uns zum Ende von Römer 9,33 mit dem Fels des Ärgernisses und dem Stein des Anstoßes "wie geschrieben steht: „Siehe, ich lege in Zion einen Stein des Anstoßes und einen Fels des Ärgernisses, und wer an ihn glaubt, wird nicht zuschanden werden“.(Jes. 28,16; Jes. 8,14)" Dieser Gedanke endet mit Römer 10,11. Wir finden die Behandlung dieses Gegenstandes häufiger, jedoch nirgendwo so ausführlich wie im Römerbrief. Diesen Aspekt muss man gut behalten, denn sonst leidet man in Römer 11,15 einen Logikschiffbruch. Es gibt nämlich zum Römer 11,15 logische Übersetzungsvarianten, die einen völlig verwirren.

"Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt ist, was wird die Annahme anderes sein als Leben aus den Toten?" E1905 und CSV-Edition
"Denn wenn ihre Verwerfung die Versöhnung der Welt [zur Folge hatte], was wird ihre Annahme anderes [zur Folge haben] als Leben aus den Toten?" Schlachter 2000
"For if the casting away of them be the reconciling of the world, what shall the receiving of them be, but life from the dead?" King James 2000

Sowohl die Übersetzungsvariante Schlachter 2000, als auch die Variante King James 2000 kommen zu dem Ergebnis Israel ist nicht verworfen aber verstoßen. Nun geht es dir wahrscheinlich wie mir, zum einen scheint der Unterschied zu vernachlässigen zu sein und zum anderen ergibt sich hier ein Widerspruch in der Bibel, und dass innerhalb von 15 Versen.

Der Text der Elberfelder ist da "anregend". Wenn man mit dem Widerspruch nicht leben will, dann macht die vorsichtige Wortwahl der Elberfelder deutlich, dass man in Vers 15 nicht unbedingt sagen kann, wer denn der aktiv Handelnde ist. Ich schrieb damals an die "Deutsche Bibelgriechischliste" und fragte an, wer denn in Römer 11,15 der aktiv Handelnde sei?. Viele Antworten haben sich mit meiner Frage gar nicht beschäftigt, sondern philosophisch den Unterschied zwischen verstoßen und verwerfen erklärt. Diejenigen, die auf meine Frage eingingen, konnten sie auch nicht beantworten. Sie teilten mit lediglich mit, dass hier im Griechischen die Aktiv- und die Passivform identisch sein und man sich nicht eindeutig festlegen könne, wer denn wen hier verworfen hat.

Der Konflikt oder Widerspruch zwischen Römer 11,1 und Römer 11,15 verschwindet schlagartig, wenn man in Römer 11,15 die Juden als die aktiv handelnden unterstellt. Dann wäre nämlich Römer 11,15 eine Anführung von Psalm 118,22. Tatsächlich finden wir die Kombination von Jesaja 8,14, Jesaja 28,16 und Psalm 118,22 mehrfach im Neuen Testament. Die markanteste Stelle ist sich in 1. Petr. 2,6-8
[6] Denn es ist in der Schrift enthalten: „Siehe, ich lege in Zion einen Eckstein, einen auserwählten, kostbaren; und wer an ihn glaubt O. auf ihn vertraut, wird nicht zuschanden werden“.Jes. 28,16
[7] Euch nun, die ihr glaubt, ist die Kostbarkeit; den UngehorsamenO. Ungläubigen aber: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum EcksteinW. Haupt der Ecke; Ps. 118,22 geworden“,
[8] und „ein Stein des Anstoßes und ein Fels des Ärgernisses“,Jes. 8,14 die sich, da sie nicht gehorsam sind, an dem Wort stoßenO. die sich, da sie dem Wort nicht gehorchen (glauben), stoßen, wozu sie auch gesetzt worden sind.
Die Lösung von Römer 11,15 ist ganz einfach, nicht Israel ist verworfen, sondern Israel hat den Eckstein, den Herrn Jesus verworfen, nicht Gott wird Israel annehmen, sondern Israel wird den Eckstein, den Herrn Jesus annehmen.