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Daniel Walvoord

Daniel (J. Dwight Pentecost)


EINLEITUNG


Das Buch Daniel, das in den meisten Übersetzungen (auch in der LXX und der Vulgata) direkt hinter dem Propheten Hesekiel zu finden ist, steht in der hebräischen Bibel an einer anderen Stelle. Die hebräische Bibel ist in drei große Teile gegliedert. Der erste besteht aus den fünf Büchern Mose und wird "Gesetz" genannt. Den zweiten Teil bilden die "Propheten", wozu Josua, Richter, 1. und 2.Samuel (im Hebräischen ein Buch), 1. und 2. Könige (ebenfalls als ein Buch gerechnet), Jesaja, Jeremia, Hesekiel und die zwölf kleinen Propheten (wiederum als ein Buch) zählen. Der dritte Teil schließlich besteht aus den sogenannten "Schriften" und enthält zwölf Bücher: Psalmen, Sprüche, Hiob, Hohelied, Rut, Klagelieder, Prediger, Ester, Daniel, Esra, Nehemia und 1. und 2.Chronik ( die als ein Buch zählen). Das Buch Daniel gehört also hier nicht zu den Propheten, dem zweiten großen Teil des Alten Testamentes. Auch der Mann Daniel wird in dem Buch Daniel nicht als Prophet bezeichnet. An keiner Stelle ließ Gott ihn eine öffentliche Botschaft an das Volk Israel ausrichten. Dennoch nennt Jesus Daniel einen Propheten ( Mt 24,15 ). Daniel war ein Mann, der als Botschafter Gottes die Botschaft Gottes empfangen hatte und die Wahrheiten Gottes offenbaren sollte, die ihm anvertraut worden waren.



Autor


Dieses Buch trägt den einfachen Titel "Daniel", nicht nur weil er die Hauptperson des Buches ist, sondern vielmehr weil dies einer (allerdings nicht durchgängigen) Sitte folgt, das Buch nach dem Autor zu benennen, der es geschrieben hat. Wir wissen nur wenig über den familiären Hintergrund von Daniel. Aus dem Zeugnis seiner Zeitgenossen sehen wir, daß er für seine Gerechtigkeit ( Hes 14,14.20 ) und für seine Weisheit ( Hes 28,3 ) bekannt war. An diesen Stellen wird er neben Noah und Hiob erwähnt, die beide historische Personen sind. Daniel ist also ebenfalls eine historische Person, keine erfundene.

Daniel wurde in die königliche Linie hineingeboren und gehörte zu den angesehenen Familien Israels ( Dan 1,3.6 ). Er war körperlich attraktiv und besaß einen scharfen Geist ( Dan 1,4 ). Er lebte mindestens bis in das dritte Jahr von Kyrus, d. h. bis 536 v. Chr. ( Dan 10,1 ). Er muß also ein junger Mann gewesen sein, als er 605 v. Chr. von Nebukadnezar als Gefangener weggeführt wurde. (In Dan1,4 ist Daniel einer der "jungen" Männer Israels.) Wenn er 16 Jahre alt war, als er gefangengenommen wurde, dann war er im dritten Jahr von Kyrus 85.



Literarische Form


Die Weissagung Daniels ist in der Bibel das erste große Buch mit apokalyptischer Literatur. Das griechische Wort apokalypsis , aus dem das deutsche "Apokalypse" abgeleitet ist, bedeutet "Enthüllung" oder "Offenbarung". Zwar ist die ganze Schrift eine Offenbarung von Gott, aber bestimmte Abschnitte darin sind doch einzigartig in der Weise, in der sie offenbaren und in den Mitteln, durch die sie überbracht wurden.

Die apokalyptische Literatur in der Bibel besitzt bestimmte Merkmale: (1) In der apokalyptischen Literatur schreibt ein Mensch, der die Wahrheiten Gottes in Visionen empfängt, auf, was er gesehen hat. (2) Die apokalyptische Literatur benutzt sehr ausführlich Symbole und Zeichen. (3) Solche Literatur enthält gewöhnlich Informationen über den Plan Gottes für die Zukunft seines Volkes Israel. (4) In der apokalyptischen Literatur wird gewöhnlich die Prosa-Form benutzt, während der poetische Stil der meisten prophetischen Literatur eigen ist.

Neben Daniel und Offenbarung finden wir apokalyptische Literatur in Hes 37-48 und Sach 1,7-7,8 .Selten ist man bei der Auslegung der Visionen, Symbole und Zeichen in der apokalyptischen Literatur auf seinen eigenen Scharfsinn angewiesen, wenn man die Wahrheit erkennen will. Meistens zeigt eine Untersuchung des Kontextes oder ein Vergleich mit einer parallelen Bibelstelle die der Schrift eigene Interpretation der Visionen oder der benutzten Bilder. Die apokalyptische Literatur verlangt also von dem Ausleger, daß er sehr sorgfältig die Schrift mit der Schrift vergleicht, um zu einem zutreffenden Verständnis der Offenbarung zu kommen, die darin gegeben wird.



Sprache


Das Buch Daniel ist dadurch ungewöhnlich, daß es in zwei Sprachen geschrieben ist: Dan 1,1-2,4 a und Kapitel 8 - 12 sind in hebräisch und Dan 2,4-7,28 in aramäisch abgefaßt, der Verkehrssprache zur Zeit der Propheten. Hebräisch war die Sprache des Bundesvolkes Israel, aramäisch die Sprache der Heidenwelt.

Obwohl das Buch Daniel literarisch gesehen ein zusammengehöriges Werk ist, hat es doch zwei große Schwerpunkte. Der eine hat mit Gottes Plan für die Heiden zu tun. Dies finden wir in Dan 2,4-7,28 . Es ist nur angepaßt, diese Weissagungen über die Heiden auch in ihrer Sprache abzufassen. Daher benutzt der Prophet in diesem Teil des Buches das Aramäische.

Der zweite große Schwerpunkt liegt auf dem Volk Israel und dem Einfluß, bzw. der Auswirkung der Heiden auf Israel. Dieses Thema wird in Dan 1,1-2,4 a und Kapitel 8 - 12 entfaltet. Deshalb ist es völlig richtig, daß diese Teile in hebräisch geschrieben sind, der Sprache der Juden.


Einheit


Manche Ausleger haben die Einheit des Buches Daniel in Frage gestellt. Sie weisen darauf hin, daß die Kapitel 1 - 6 historische Ereignisse im Leben Daniels enthalten, während in Kapitel 7 - 12 prophetische Visionen niedergeschrieben sind, die Daniel empfangen hat. Diese Beobachtung, zusammen mit der Tatsache, daß Daniel zwei verschiedene Sprachen benutzt, haben manche Theologen dazu geführt, von mehreren Autoren auszugehen.

Aber diese Beobachtungen unterstützen keineswegs solch eine Schlußfolgerung. Wie schon gezeigt, hatte Daniel Gründe für den Gebrauch von zwei unterschiedlichen Sprachen. Häufig finden wir in der Literatur jener Zeit die Verwendung verschiedener literarischer Formen zur Hervorhebung eines Gegensatzes. Das Buch Hiob zum Beispiel ist in der Hauptsache poetisch abgefaßt, aber der Prolog ( Hi 1-2 ) und der Epilog ( Hi 42,7-17 ) stehen in Prosa. Nichts in der literarischen Form des Buches Daniel macht also die Annahme von mehreren Autoren zwingend.

Die Einheit des Buches Daniel wird außerdem durch die Abhängigkeit der beiden Teile voneinander deutlich. Die Offenbarung in Kapitel 2 steht eng im Zusammenhang mit Kapitel 7 . Einige der Ausdrücke und theologischen Gedanken in der ersten Hälfte gleichen denen in der zweiten Hälfte. "Träume, Gesichte und Visionen" werden in Dan 1,17;2,28 und 7,1 erwähnt. Von dem Liegen "im (auf dem) ... Bett" sprechen Dan 2,29; 4,7; 7,1 . Daß Gottes "Königreich" ewig ist, wird viermal in der ersten ( Dan 2,44;3,33;4,31;6,27 ) und dreimal in der zweiten Hälfte ( Dan 7,14.18.27 ) gesagt. Gottes ewige "Herrschaft" wird in Dan 3,33;6,27 und 7,14 betont. In der ersten Hälfte wird Gott neunmal "der Höchste" oder "Gott der Höchste" genannt ( Dan 3,26.32;4,14.21-22.29.31;5,18.21 ), in der zweiten viermal ( Dan 7,18.22.25.27 ).

Darüber hinaus ist es Daniel selbst, der die beiden Teile des Buches vereinigt. In beiden Teilen ist die Botschaft die gleiche. Gott ist der Höchste. Er regiert über die Völker und beherrscht sie. Sie werden seinen Willen erfüllen. In seiner Allmacht bewahrt er das Volk Israel und führt es bis zur Erfüllung des Bundes, den er mit Abraham geschlossen hat.



Entstehungszeit und Verfasserfrage


Das Buch Daniel selbst zeigt, daß es im sechsten Jahrhundert v. Chr. durch Daniel geschrieben wurde, der die in ihm beschriebenen Ereignisse erlebt hat. Immer wieder wird Daniel als Empfänger der göttlichen Offenbarungen erwähnt. An vielen der historischen Ereignisse, die im Buch enthalten sind, war er aktiv beteiligt. Jesus selbst schreibt das Buch Daniel zu ( Mt 24,15 ). Daniels Vertrautheit mit den im Buch beschriebenen Personen und den historischen Ereignissen und Sitten, von denen das Buch berichtet, machen eine Entstehungszeit im sechsten Jahrhundert v. Chr. zur Voraussetzung.

Die exakten Details, die im Buch enthalten sind, könnten sich wohl kaum über etwa 400 Jahre mündlicher Tradition erhalten haben, wie jene, die eine so späte Abfassungszeit für wahrscheinlich halten, behaupten. Auch die Tatsache, daß man Manuskript-Fragmente des Buches Daniel unter den Funden von Qumran entdeckt hat, die eventuell bis ins zweite Jahrhundert v. Chr. zurückreichen, schließt die Möglichkeit aus, daß Daniel erst 165 v. Chr. geschrieben wurde, wie viele kritische Theologen es vermuten. Es fehlt einfach an Zeit, die nötig wäre, damit das Buch die Gemeinschaft der Essener erreicht haben und dort kopiert worden sein könnte. Auch die Tatsache, daß die Juden das Buch Daniel in den Kanon der Schrift aufgenommen haben, spricht für seine Authentizität.

Die liberale Theologie lehnt ein frühes Datum für das Buch Daniel hauptsächlich deswegen ab, weil sie auch echte, voraussagende Prophetie ablehnt. Das Buch spricht über Einzelheiten in der Geschichte von Babylon, Medo-Persien, Griechenland und Rom. Dinge, die in Daniel 11,5 - 35 sehr ausführlich beschrieben sind, haben sich zwischen dem vierten und dem zweiten Jahrhundert v. Chr. erfüllt. Die Kritik geht davon aus, daß Daniel diese Details nicht voraussehen konnte, sondern daß das Buch nach diesen Ereignissen geschrieben worden sein muß, und zwar in Form einer Prophetie, um dem Schreiben Autorität zu verleihen. (Es muß also jemand anders als Daniel das Buch im zweiten Jahrhundert v. Chr. geschrieben und seinen Namen benutzt haben.) Diese Sicht leugnet natürlich die Macht Gottes, die offenbaren kann, was er vorausbestimmt hat.

Viele andere Gründe sind gegen das frühe Datum der Entstehung des Buches angeführt worden. So behaupten manche z. B., daß die verschiedenen persischen und griechischen Worte im Buch zeigen würden, daß es viel später als im sechsten Jahrhundert v. Chr. geschrieben worden sei. Aber die Archäologie hat gezeigt, daß schon vor Daniels Zeit ein ausgiebiger Handel zwischen Griechenland und Babylon existierte. Dies würde die griechischen Worte im Text erklären. Die persischen Worte stammen aus einer offiziellen Schriftform der persischen Sprache, die im ganzen Nahen Osten weit verbreitet war (vgl. D.J. Wiseman et al., Notes on Some Problemes in the Book of Daniel , S. 23-27, 35-50).

Ein anderer Einwand beruht auf der Tatsache, daß wir in dem Buch apokalyptische Literatur finden. Solche Literatur tauchte in sehr ausgeprägter Weise während der Spätzeit der Makkabäer auf (sie wurde nicht in den Kanon der Schrift aufgenommen). Deshalb glauben manche Theologen, daß das Buch in dieser Periode (168 - 134 v. Chr.) geschrieben worden sein müsse. Aber wie schon erwähnt (vgl. "Literarische Form"), finden wir auch im Buch Hesekiel solche apokalyptische Literatur, und er ist, wie Daniel, ein Prophet des sechsten Jahrhunderts v. Chr.

Andere Einwände gegen ein frühes Datum beruhen auf der ausgeprägten Theologie, die dem Buch zugrunde liegt. Kritiker behaupten, daß die häufige Erwähnung von Engeln und eine Bezugnahme auf die Auferstehung von den Toten ( Dan 12,2 ) eine späte, postexilische Abfassungszeit notwendig machen. Dabei wird jedoch die Tatsache übersehen, daß immer wieder in der langen Geschichte Israels von Engeln gesprochen wird und daß die Auferstehung auch an Stellen wie Ps 16,10 und Jes 26,19 erwähnt wird, die sicher noch vor der Zeit von Daniel abgefaßt wurden.

Manche haben den Einwand vorgebracht, daß das Buch zu den "Schriften" gehöre, dem dritten Teil in der hebräischen Bibel, und nicht zu den "Propheten", dem zweiten Teil. Das letzte prophetische Buch (Maleachi) wurde im fünften Jahrhundert v. Chr. abgefaßt. Deshalb sei das Buch Daniel erst später geschrieben worden, denn sonst wäre es sicher in die zweite Gruppierung (die "Propheten") aufgenommen worden. Aber wie schon gesagt, sind die Propheten von Gott als seine Boten für einen besonderen Dienst an dem Volk Israel bestimmt und ausgesondert worden. Da Daniel von seinen Zeitgenossen jedoch eher als politischer Führer denn als Prophet angesehen wurde, wurden seine Schriften auch in die dritte Gruppe der "Schriften" aufgenommen. Die Entscheidung, in welchem Teil ein Buch in der hebräischen Bibel steht, richtete sich also eher nach dem Autor als nach dem Datum der Entstehungszeit.

Manche behaupten, daß das Buch Daniel später verfaßt sein müsse, weil der Gottesname Jahwe, der zur Zeit Daniels häufig benutzt wurde, von Daniel nicht gebraucht wird. Dabei wird jedoch offensichtlich übersehen, daß dieser Name in Kapitel 9 (in best. Übersetzungen) sogar achtmal benutzt wird ( Dan 9,2.4.8.10.13-14 [dreimal]. 20 ). Der Name, den ein Autor für Gott benutzt, wird eher durch den Inhalt des Textes als durch die allgemein übliche Verwendung dieses Namens bestimmt.

Andere lehnen Daniels Autorschaft ab, weil sie glauben, in seinem Buch historische Fehler zu finden. So ist z. B. behauptet worden, daß Nebukadnezar nicht der Vater von Belsazar gewesen sei, wie dies in Daniel 5,2.11.13.18 (vgl. V. 22 ) erscheint. Wenn Daniel dieses Buch geschrieben hätte, so meinen sie, hätte es einen solchen Fehler nicht gegeben. Es gibt jedoch klare Beweise dafür, daß ein Nachfolger auf dem Königsthron selbst dann "Sohn" ( Dan 5,22 ) seines Vorgängers genannt wird, wenn keine Blutsverwandtschaft zwischen beiden besteht. (Vgl. dazu die Tabelle "Könige des neubabylonischen Königreiches".)

Schließlich wird die Autorschaft Daniels abgelehnt, weil der Schreiber in Dan 1,21 vom Tod Daniels spreche. Dieser Vers sagt jedoch nicht, daß Daniel starb, sondern nur, daß er bis in das erste Jahr des Königs Kyrus "dort blieb" (in Babylon). Kyrus erließ eine Verordnung, die die Juden aus ihrem Exil in Babylon befreite und so die 70jährige Gefangenschaft beendete. Dan 1,21 sagt lediglich aus, daß Daniel während dieser gesamten Zeitspanne in der Gefangenschaft lebte. Die Zeit seines Todes wird darin nicht angesprochen. Er lebte vielmehr mindestens bis ins dritte Jahr des Königs Kyrus ( Dan 10,1 ).

 



Historischer Hintergrund


Ninive, die assyrische Hauptstadt, fiel unter dem Ansturm der babylonischen und medischen Truppen 612 v. Chr. Unter der Führung von Aschurubalit flohen einige Assyrer westwärts nach Haran, von wo aus sie die Herrschaft über ganz Assyrien beanspruchten. Nabopolassar, der König von Babel, zog 611 v. Chr. gegen die in Haran liegenden assyrischen Truppen. Im nächsten Jahr, 610 v. Chr., verbündete sich Babylon mit Medien und griff die Assyrer in Haran an. Assyrien zog sich von Haran nach Westen zurück, hinter den Euphrat, und überließ Haran den Babyloniern.

609 v. Chr. ersuchten die Assyrer um die Hilfe Ägyptens, und Pharao Necho II. führte ein Heer von Ägypten aus, um sich mit den Assyrern zu verbünden. Josia, der König von Juda, versuchte - in der Hoffnung, auf diese Weise die Gunst der Babylonier zu gewinnen -, die Ägypter davon abzuhalten, und stellte sich der ägyptischen Armee bei Megiddo entgegen. Josias Heer wurde besiegt und er selbst bei diesem Versuch getötet ( 2Kö 23,28-30; 2Chr 35,24 ).

Pharao Necho zog weiter und griff dann, zusammen mit den Assyrern, Babylon bei Haran an, hatte jedoch keinen Erfolg. Assyrien scheint damals die internationale Szene verlassen zu haben, aber zwischen Ägypten und Babylon ging der Konflikt weiter.

605 v. Chr. führte Nebukadnezar das babylonische Heer gegen Ägypten. In dem Kampf bei Karkemisch wurde Ägypten besiegt und Karkemisch von Babylon im Mai/Juni dieses Jahres zerstört. Während der Verfolgung der besiegten Ägypter dehnte Nebukadnezar seine Eroberungen südwärts bis nach Syrien und Palästina hinein aus. Da er von dem Tod seines Vaters Nabopolassar erfahren hatte, kehrte Nebukadnezar im August 605 von Ribla nach Babylon zurück, um die Krone zu empfangen. Dann zog er wieder nach Palästina und griff im September 605 auch Jerusalem an. Bei dieser Gelegenheit kamen Daniel und seine Freunde als Gefangene nach Babylon. Vielleicht sah Nebukadnezar in ihnen Geiseln, durch die das Volk von Juda von einer Rebellion zurückgehalten werden sollte. Oder sie wurden nach Babylon gebracht, um sie dort für politische Leitungsaufgaben vorzubereiten, falls Nebukadnezar zurückkehren und Juda erobern müßte. Nach seiner Heimkehr nach Babylon regierte Nebukadnezar noch 43 Jahre lang (605 - 562 v. Chr.).

Nebukadnezar kam 597 v. Chr. als Antwort auf die Rebellion Jojachins noch ein zweites Mal nach Juda zurück. Bei diesem Streifzug unterwarf er sich die Stadt Jerusalem und brachte 10 000 Gefangene nach Babylon, unter ihnen auch den Propheten Hesekiel ( Hes 1,1-3; 2Kö24,8-20; 2Chr 36,6-10 ).

Schließlich kehrte er 588 v. Chr. ein drittes Mal nach Juda zurück. Nach einer langen Belagerung eroberte er 586 die Stadt Jerusalem, riß ihre Mauern nieder, zerstörte sie und legte den Tempel in Schutt und Asche. Die meisten Juden, die bei dieser Eroberung nicht getötet wurden, deportierte er nach Babylon ( 2 2Kö5,1-7; Jer 34,1-7; 39,1-7; 52,2-11 ).

Die Rückkehr der Juden in ihr Land wurde möglich, als Kyrus 539 v. Chr. das babylonische Reich besiegte und das medo-persische errichtete. Zu seiner Politik gehörte es, die entwurzelten Völker wieder in ihre Länder zurückkehren zu lassen. Daher erließ Kyrus 538 ein Dekret, nach dem die Juden, die dies wünschten, nach Jerusalem zurückkehren durften ( 2Chr 36,22-23; Esr 1,1-4 ). Etwa 50 000 jüdische Gefangene kehrten in das Land zurück und begannen, den Tempel wiederaufzubauen. Dies geschah während der Zeit des Gebetes Daniels ( Dan 9,4-19 ). Der Tempel wurde 515 v. Chr. fertiggestellt ( Esr 6,15 ). (Vgl. die Tabelle "Die dreifache Rückkehr aus dem Exil" in der Einführung zu Esra.) Von der ersten Unterwerfung Jerusalems (605 v. Chr.) bis zur Rückkehr der Juden und der Grundsteinlegung des Tempels (536) waren es etwa 70 Jahre. Von der Zerstörung des Tempels (586) bis zu seiner Wiederherstellung (515) ebenfalls. Die Weissagung Jeremias über die 70jährige Dauer des babylonischen Exils wurde also wortwörtlich erfüllt ( Jer 25,11-12 ).



Zweck


Der Zweck des Buches kann aus seinem Inhalt abgeleitet werden:

1. Daniels persönliche Hingabe an Gott ( Dan 1 ) sollte ein Beispiel für die Deportierten sein, wie sie in einer heidnischen Gesellschaft leben konnten. Daniel diente als besonderes Beispiel für die Frömmigkeit unter den Weggeführten.

2. Das Buch betont Gottes souveräne Autorität über die heidnischen Nationen, wie er Könige einsetzt und wieder absetzt und Weltreiche gründet oder ihre Macht beendet. Es war diese große Wahrheit, die Nebukadnezar lernen mußte ( Dan 4,34 ).

3. Das Buch gibt uns ein Beispiel der Treue Gottes gegen sein Bundesvolk, wie er es beschützt und bewahrt, obwohl es eigentlich wegen seinem Ungehorsam von ihm gezüchtigt wird. Gott verwirft sein Bundesvolk nicht. Er geht mit ihm voller Geduld um und möchte es wieder unter seinen Segen bringen.

4. Das Buch wurde auch geschrieben, um die prophetische Periode, die als "Zeiten der Heiden" bekannt ist ( Lk 21,24 ), aufzuzeigen. Das Buch Daniel verfolgt den Lauf der heidnischen Geschichte durch jene lange Zeit, in der Israel durch die Heiden gezüchtigt wurde und wird. Der Plan Gottes mit den Heiden wird in der großen Trübsal zu seiner Vollendung kommen. Das Buch zeigt sehr sorgfältig und in Einzelheiten, was diese Zeiten der Heiden für Israel, das darauf wartet, daß Gottes Bund mit ihm unter der Herrschaft des Messias erfüllt wird, bedeutet.

5. Schließlich offenbart das Buch Daniel auch die zukünftige Erlösung Israels und den Segen, den es im kommenden Tausendjährigen Reich erleben wird. So wie Gott es im Bund mit Abraham zugesagt hat, werden seine Nachkommen das Land besitzen, das Gott ihnen verheißen hat. Auch wenn das Volk für seinen Ungehorsam bestraft werden muß, wird es doch zur Umkehr, zum Bekenntnis seiner Schuld und zur Erneuerung geführt werden. Gott bleibt treu. Er bewahrt sein Bundesvolk und wird es in seinem verheißenen Königreich auf dieser Erde segnen.


Bedeutung des Buches


Das Buch Daniel ist historisch sehr wichtig. Es füllt verschiedene Lücken in den historischen Büchern Israels und des Neuen Testamentes aus. Es berichtet von Ereignissen in der Geschichte Israels während der 70jährigen babylonischen Gefangenschaft, die sonst nirgendwo in der Bibel erwähnt werden (außer einigen kurzen Informationen bei Hesekiel). Daniel gibt aber auch einen Überblick über die Zeiten der Heiden und beschreibt vergangene und zukünftige Weltreiche, die Palästina beherrschen und über Israel regieren werden, bis der Messias zurückkehrt.

Die Weissagungen des Buches über Gottes Plan mit den Heiden, mit dem Land Palästina und mit seinem Volk Israel sind die Grundlage seines eschatologischen Programmes. Einige der im Buch Daniel mit seiner Betonung der Heidenwelt eingeführten Gedanken haben eine Parallele im Buch Sacharja. Die Themen dieser beiden Bücher werden im Buch der Offenbarung zu ihrem Ziel geführt. Um die Zuspitzung der Ereignisse, von denen der Apostel Johannes in der Offenbarung schreibt, verstehen zu können, muß man zunächst ihre Grundlegung im Buch Daniel verstanden haben.

 

GLIEDERUNG


I. Die persönliche Geschichte Daniels ( Kap. 1 )

     A. Daniels Wegführung aus Israel ( 1,1-7 )
     B. Daniels Hingabe aus Gott ( 1,8-16 )
          1. Die Bitte ( 1,8 )
          2. Die Erfüllung der Bitte ( 1,9-14 )
          3. Das Resultat ( 1,15-16 )

     C. Daniels Stellung ( 1,17-21 )

II. Die prophetesche Geschichte der Heiden während der Zeit der Heiden ( Kap.2-7 )

     A. Der Traum Nebukadnezars ( Kap. 2-7 )
          1. Der Traum des Königs ( 2,1-16 )
          2. Der Traum wird Daniel offenbart ( 2,17-23 )
          3. Der Traum wird Nebukadnezars ausgelegt ( 2,24-45 a)
          4. Daniel wird geehrt ( 2,45 b. 46 - 49 )

     B. Das Bildnis Nebukadnezars ( 3,1-30 )
     C. Der zweite Traum Nebukadnezars ( 3,31-4,34 )
          1. Die Bekanntmachung des Königs ( 3,31-33 )
          2. Die Vision des Baumes ( 4,1-15 )
          3. Die Vision wird erkärt ( 4,16-24 )
          4. Die Vision wird erfüllt ( 4,25-30 )
          5. Der König wird gesund ( 4, 31-34 )

     D. Das Fest Belsazars ( 5,1-6,1 )
          1. Die Lästerung des Königs ( 5,1-4 )
          2. Die Offenbarung an den König ( 5,5-12 )
          3. Die Bitte des Königs ( 5,13-16 )
          4. Die Antwort durch Daniel ( 5,17-28 )
          5. Die Weissagung wird erfüllt ( 5,29-6,1 )

     E. Die Erlaß von Darius ( Kap. 6,2-29 )
          1. Die Vorrangestellung von Daniel ( 6,2-4 )
          2. Die Verschwörung der Fürsten ( 6,4-10 )
          3. Das Gebet Daniels ( 6,11-12 )
          4. Die Verfolgung Daniels ( 6,13-19 )
          5. Die Bewahrung Daniels ( 6,20-25 )
          6. Die Erklärung des Königs ( 6,26-29 )

     F. Die Vision der vier Tiere ( Kap. 7 )
          1. Die Vision ( 7,1-14 )
          2. Die Auslegung ( 7,15-28 )

III. Die Prophetische Geschichte Israels während der Zeit der Heiden ( Kap. 8-12 )

     A. Die Vision von dem Widder und der Ziege ( Kap. 8 )
          1. Die Vision ( 8,1-14 )
          2. Die Auslegung ( 8,15-27 )

     B. Die Vision der Jahrwochen ( Kap. 8 )
          1. Der Anlaß der Vision ( 9,1-2 )
          2. Das Gebet Daniels ( 9,3-19 )
          3. Die Antwort des Herrn ( 9,20-27 )

     C. Die Abschließende Vision ( Kap. 10-12 )
          1. Die Vorbereitung des Propheten ( 10,1-11,1 )
          2. Die Einzelheiten der Geschichte Israels unter dem zweiten und dritten Weltreich ( 11,2-35 )
          3. Die prophetische Geschichte der siebzigsten Jahrwoche ( 11,36-12,3 )
          4. Schluß ( 12,4-13 )


AUSLEGUNG


I. Die persönliche Geschichte Daniels
( Dan 1 )


A. Daniels Wegführung aus Israel
( 1,1 - 7 )


Dan 1,1-2 a


Die ersten beiden Verse des Buches Daniel zeigen, wann und wie der Prophet nach Babylon kam. Die Ereignisse, von denen dieses Buch berichtet, begannen im dritten Jahr der Regierungszeit von Jojakim, König von Juda . Dies scheint der Aussage Jeremias zu widersprechen, daß das erste Jahr von Nebukadnezar, König von Babel, das vierte Jahr der Herrschaft Jojakims war ( Jer 25,1 ). Für diesen anscheinenden Widerspruch gibt es wenigstens zwei mögliche Erklärungen. Die erste ist der Unterschied zwischen dem babylonischen und dem jüdischen Kalender. Der jüdische Kalender begann im Monat Tischri (September/Oktober), während der babylonische im Frühling mit dem Monat Nisan (März/April) anfing. Nach babylonischer Zählweise war das erste Jahr Nebukadnezars das vierte Jahr der Herrschaft Jojakims. Aber nach jüdischer Zählweise war es erst das dritte Jahr. Es ist sehr gut möglich, daß sich Daniel, ein Jude, nach dem jüdischen Kalender gerichtet hat.

Die zweite mögliche Erklärung geht von der babylonischen Methode der Berechnung der Herrschaft eines Königs aus. Der Teil des Jahres, der vor dem Beginn eines neuen Jahres im Monat Nisan lag, das Krönungsjahr des Königs also, wurde das erste Jahr des Königs genannt, selbst wenn es nur von kurzer Dauer war. Wenn Jeremia diese Zählweise übernommen hat, dann hat er das Krönungsjahr Jojakims (das in Wirklichkeit nur ein Teil eines ganzen Jahres war) als erstes Jahr gezählt. Wenn Daniel die jüdische Art der Zählung benutzte (die die ersten Monate der Regierungszeit eines Königs vor dem neuen Jahr nicht mitzählte), dann rechnete er nur die drei ganzen Jahre der Herrschaft Jojakims. Dieses Jahr war das Jahr 605 v. Chr.

Daniel spricht von Nebukadnezar (dessen Name bedeutet "Nabu hat mein Erbe beschützt") als dem König von Babel . Zu dieser Zeit (605) war Nabopolassar jedoch noch König in Babel und Nebukadnezar noch nicht auf dem Thron. Aber während Nebukadnezar noch im Krieg war, hörte er von dem Tod seines Vaters und eilte schnell nach Babel, um dort gekrönt zu werden (vgl. den Abschnitt "Historischer Hintergrund" in der Einführung ). Daniel, der dies zu einem späteren Zeitpunkt schrieb, spricht von Nebukadnezar, der in der Erwartung seiner Thronbesteigung lebte.

Nebukadnezars Belagerung von Jerusalem geschah während der Herrschaft von Jojakim, dem siebzehnten König von Juda und ältesten Sohn von Josia (vgl. 2Chr 36,2 mit 2Chr 36,5 ). Jojakims jüngerer Bruder Joahas war auf Judas Thron gekommen, nachdem Pharao Necho 609 v. Chr. König Josia getötet hatte (vgl. die Tabelle "Die letzten fünf Könige Judas" zu 2Kö 23,31-35 ). Aber Necho setzte Joahas wieder ab und machte dafür Jojakim zum König ( 2Chr 36,3-4 ).

Jeremia hatte Jojakim vor der drohenden Invasion durch Babylon gewarnt. Jojakim hatte die Anweisungen des Propheten an Gottes Volk, sich Babylon ohne Widerstand zu ergeben, gehört. Als Nebukadnezar die Stadt besiegte, gab es daher kaum oder keinen Widerstand und Jojakim wurde gefangengenommen und nach Babel gebracht. So kam Juda unter die Oberherrschaft Nebukadnezars.

Mit diesem Streifzug Nebukadnezars begann eine entscheidende prophetische Periode - die Zeit der Heiden ( Lk 21,24 ). Die Zeit der Heiden ist jene Zeit, in der das Land, das Gott durch einen Bund an Abraham und seine Nachkommen gegeben hat, von heidnischen Mächten beherrscht wird und der davidische Thron ohne einen rechtmäßigen Erben aus der Familie Davids ist. Die mit Nebukadnezars Invasion 605 v. Chr. beginnende Zeit wird andauern, bis der Messias wiederkommt. Dann wird Christus die Nationen unterwerfen, das Land von seinen heidnischen Besitzern wegnehmen und Israel geben und das Volk Israel im Tausendjährigen Reich unter den Segen seines Bundes stellen.

Gott hatte in Moab einen Bund mit Israel gemacht ( 5Mo 28-30 ), kurz bevor es in das Land gekommen war ( 5Mo 29,1 ). In diesem Bund macht er deutlich, nach welchen Richtlinien er mit seinem Volk handeln wird. Sein Gehorsam ihm gegenüber wird ihm Segen bringen ( 5Mo 28,1-14 ), sein Ungehorsam dagegen seine Züchtigung herbeiführen ( 5Mo 28,15-68 ). In diesem zweiten Teil zeigt Gott die Strafen, die er benutzen wird, um die Menschen zurechtzubringen, wenn sie außerhalb seines offenbarten Gesetzes wandeln. Diese Strafen werden dazu dienen, sie seinen Ansprüchen gerecht zu machen, damit sie seinen Segen empfangen können. Die letzte Strafe, die er benutzen wird, ist die Eroberung des Landes durch heidnische Nationen, die Israel unter ihre Herrschaft zwingen und aus dem Land vertreiben werden ( 5Mo 28,49-68 ).

Mose erklärt dann, daß die Strafe, unter die Israel wegen seines Ungehorsams kommen wird, nicht weggenommen werden wird, bevor das Volk seine Sünde nicht eingesehen, im Glauben zu Gott zurückgekehrt und seinen Anforderungen gehorsam geworden ist ( 5Mo 30,1-10 ). Das Nordreich Israel war 722 v. Chr. in die Gefangenschaft geführt worden. Dies war die Folge der in 5Mo 28 verkündigten Richtlinien Gottes. Mehrfach (wenn auch nicht dauerhaft) hatte sich das Südreich (Juda) unter den Ermahnungen der Propheten und angesichts des Unterganges des Nordreiches zu Gott zurückgewandt. Das Südreich bestand noch über zwei Jahrhunderte länger, weil es unter den frommen Königen, die es zeitweilig hatte, Buße tat und Gott gehorsam wurde.

Dies war aber nie von Dauer. Auch Juda mißachtete den Bund Gottes, hielt den Sabbat und das Sabbatjahr nicht ( Jer 34,12-22 ) und beging Götzendienst ( Jer 7,30-31 ). Deshalb kam das Gericht aufgrund des Bundes von 5Mo 28 auch über Juda. Gott erwählte sich Nebukadnezar als sein Werkzeug, um die Strafe über das ungehorsame Volk zu bringen (vgl. Jer 27,6; Hab 1,6 ).



Dan 1,2-3 (Dan 1,2b-3)


Als Nebukadnezar von seiner Invasion Judas nach Babel zurückkehrte, brachte er auch Kriegsbeute mit, um die Unterwerfung Judas in Babel zu zeigen. Als erstes brachte er einige wertvolle Gegenstände aus dem Tempel in Jerusalem mit, die er in den Tempel seines Gottes in Babel stellte (vgl. 2Chr 36,7 ). "Sein Gott" könnte Bel gewesen sein, der auch Marduk genannt wurde, der Hauptgott der Babylonier (vgl. die Anmerkungen zu Dan 4,8 ). (Im Hebr. ist das Wort, das mit Babel übersetzt wird, Schinar, ein alter Name für dieses Land; vgl. 1Mo 10,10; 11,2; 14,1; Jes 11,1; Sach 5,11 .) Dies sollte die Niederlage des Gottes von Juda unter die babylonische Gottheit demonstrieren.

Außerdem brachte Nebukadnezar einige von den Israeliten (Juden) mit sich, aus der königlichen Familie und von den Edlen . Wie in der Einführung gesagt, wurden diese königlichen Fürsten vielleicht als Geiseln betrachtet, die Babylons Herrschaft über Juda sichern sollten. Oder sie wurden nach Babel gebracht, um sie für eine politische Aufgabe vorzubereiten, falls Nebukadnezar noch einmal zurückkehren müßte, um Juda zu unterwerfen. Aschpenas war der oberste unter den Hofkämmerern . Er wird nur hier im Alten Testament bei seinem Namen genannt und sonst als "der Kämmerer" oder "der oberste Kämmerer" bezeichnet ( Dan 1,7-11.18 ). Es ist nicht klar, ob das Wort für "Kämmerer" (sar¯s) einen Eunuchen oder nur einen gewöhnlichen Hofdiener meint. Kitchen glaubt, daß es zur Zeit Daniels Eunuch bedeutete (Kenneth A. Kitchen, Ancient Orient and Old Testament . Downers Grove, Ill.: Inter Varsity Press, 1966, S. 165f).



Dan 1,4-5


Diese Gefangenen waren auserlesene junge Männer , sowohl körperlich als auch geistig, und als solche konnten sie eine Bereicherung für den Palast des Königs sein. Man versuchte daher, sie in die Kultur des Hofes einzugewöhnen, denn sie mußten die Sprache und die Literatur des Volkes, unter dem sie wohnten, kennenlernen. Sie mußten ein strenges dreijähriges Trainingsprogramm erfüllen, nach dem sie in den Dienst des Königs treten sollten. Zu diesem Erziehungsprogramm gehörte vermutlich das Studium von Ackerbau, Architektur, Astrologie, Astronomie, Jura, Mathematik und der schwierigen akkadischen Sprache.



Dan 1,6-7


Es wird nicht gesagt, wieviele Gefangene ausgewählt wurden, aber vier werden namentlich angeführt, weil sie später eine wichtige Funktion in Babel spielen würden. Alle vier trugen Namen, die Jahwe, den Gott Israels, ehrten. Deshalb wurden ihre Namen geändert. El bedeutet Gott, und -iah (oder -yah ) ist eine Abkürzung für Jahwe. Es liegt daher nahe, daß die Eltern der jungen Leute gottesfürchtige Menschen waren, weil sie ihren Kindern diese Namen gaben. Daniel , dessen Name "Gott hat gerichtet" (oder "Gott ist mein Richter") bedeutet, erhielt den Namen Beltschazar (im Akkadischen: B Elet-SaruQur ), was "Bel schütze sein Leben" bedeutet. Acht der zehn Vorkommen von "Beltschazar" im Alten Testament finden sich in dem aramäischen Abschnitt des Buches Daniel ( Dan 2,26;4,5-6.15-16 [dreimal]; Dan 5,12 ). Die anderen beiden sind in Dan 1,7; 10,1 .

Hananja ("Jahwe ist gnädig gewesen") erhielt den Namen Schadrach , der vermutlich von der akkadischen Verbform SAdurAku abgeleitet ist, was "Ich fürchte mich (vor einem Gott)" bedeutet.

Mischaël ("Wer ist wie Gott") wurde in Meschach umbenannt, was vermutlich von dem akkadischen Verb mESAku kommt und "Ich bin verachtet, nichtswürdig, demütig (vor meinem Gott)" bedeutet.

Asarja ("Jahwe hat geholfen") erhielt den Namen Abed-Nego , "Knecht Nebos" (Nego ist eine hebr. Abänderung des babylonischen Gottesnamens Nebo). Nebo (vgl. Jes 46,1 ), der Sohn von Bel, war der babylonische Gott des Schreibens und der Vegetation. Er ist auch als Nabu bekannt (vgl. in den Anmerkungen zu Dan 1,1 über den Namen Nebukadnezars).

So schien also der oberste Kämmerer (Aschpenas, V. 3 ) jedes Zeugnis an den Gott Israels vom babylonischen Hof verbannen zu wollen. Die Namen, die er den vier Männern gab, zeigten, daß sie sich den babylonischen Göttern zu unterwerfen hatten.



B. Daniels Hingabe an Gott
( 1,8 - 16 )


1. Die Bitte
( 1,8 )


Dan 1,8


Nebukadnezar hatte für die Gefangenen reichlich Vorsorge getroffen. Sie sollten ein Leben im Luxus führen, nicht in der Armut, denn ihnen gehörte ein Teil von der Speise und dem Wein , die täglich für den Tisch des Königs bestimmt waren. Dieses Essen entsprach jedoch nicht den Bestimmungen des mosaischen Gesetzes. Die Tatsache, daß es von Heiden zubereitet worden war, machte es unrein. Außerdem wurden auf dem Tisch des Königs viele Dinge serviert, die durch das Gesetz verboten waren. Diese Speise zu sich zu nehmen würde die jüdischen jungen Männer verunreinigen. Sicher war das königliche Essen, bevor es vor den König gebracht wurde, den heidnischen Göttern geweiht und ein Teil davon ihnen geopfert worden. An solch einer Mahlzeit teilzunehmen wäre eine Verletzung von 2Mo 34,15 ,wo es den Juden verboten wird, Fleisch zu essen, das heidnischen Göttern geopfert worden ist.

Ähnliche Schwierigkeiten hätten sich beim Wein ergeben. Um das alttestamentliche Verbot von "starkem Getränk" (z. B. Spr 20,1; Jes 5,11 ) nicht zu verletzen, tranken die Juden den Wein gewöhnlich mit Wasser verdünnt. Manche gaben drei Teile, andere sechs und einige bis zu zehn Teilen Wasser zu einem Teil Wein dazu. Die Babylonier aber verdünnten ihren Wein nicht. Also hätten sowohl die Speise als auch das Getränk diese jüdischen jungen Männer verunreinigt. Daniel wußte, was das Gesetz verlangte, was er essen und trinken durfte und was nicht.

Sein Verlangen war, Gott in allem zu gefallen, was er tat. Deshalb beschloß er, daß er sich auch in diesem fremden Land und der fremden Kultur, die Gottes Gesetze nicht kannte, als unter diesem Gesetz betrachten würde. Er bat daher den obersten Kämmerer, daß er die Speise nicht essen und den Wein nicht trinken müsse, die der König so großzügig zur Verfügung stellte. Daniel war mutig, hatte einen festen Willen und gehorchte Gott.



2. Die Erfüllung der Bitte
( 1,9 - 14 )


Dan 1,9-10


Der Widerstand des obersten Kämmerers gegen die Bitte Daniels ist nur zu verständlich. Er hatte die Verantwortung für die körperliche und geistige Entwicklung der jungen Gefangenen und mußte dafür sorgen, daß sie für ihre Aufgaben, die der König für sie vorgesehen hatte, vorbereitet wurden. Offensichtlich hatten diese jungen Leute eine strategische Funktion im Plan des Königs, und er wollte, daß sie gut vorbereitet wurden. Wenn die Männer den König nicht allzusehr interessiert hätten, wäre ihr körperlicher Zustand gleichgültig gewesen und Aschpenas hätte nicht den Verlust seines Lebens riskiert.

Daniel hatte diese ganze Frage an Gott abgegeben, der anstelle von Daniel das Herz des Kämmerers bewegte, so daß dieser Daniel Gunst ( HeseD , "loyale Liebe") und Gnade ( raHXmIm , "Mitleid") zeigte .



Dan 1,11-14


Als Daniels Bitte von dem obersten Kämmerer abgelehnt worden war, ging Daniel zu dem Aufseher , den Aschpenas über die vier Jugendlichen gesetzt hatte, und bat um eine zehntägige Probezeit, in der Daniel und seine Freunde nur Gemüse und Wasser erhalten sollten. (Das hebr. Wort für Gemüse bedeutet "Ausgesätes", wozu also auch Korn gehört haben könnte.) Da das mosaische Gesetz kein Gemüse als unrein bezeichnete, konnte Daniel alles Gemüse, was man ihm vorsetzte, essen, ohne sich zu verunreinigen. In so einer kurzen Zeit ( zehn Tage ) konnte sich nichts so sehr verschlechtern, daß das Leben irgendeines Aufsehers gefährdet worden wäre. Daniel deutet vielmehr an, daß ihr Aussehen besser sein würde als das der anderen, die von den Speisen des Königs aßen.

Da der Aufseher unter der Weisung des obersten Kämmerers stand, kann er nicht auf eigene Faust gehandelt haben, sondern nur mit der Genehmigung durch Aschpenas. Dies zeigt, daß Gott sich für die einsetzt, die ihm vertrauen, und die beschützt und bewahrt, die ihm gehorchen, auch unter einer heidnischen Herrschaft.



3. Das Resultat
( 1,15 - 16 )


Dan 1,15-16


Nach den zehn Tagen sahen die vier, die nur von Gemüse gelebt hatten, gesünder aus als alle anderen, die von der Speise des Königs gegessen hatten. Da sie besser aussahen - und nicht schlechter, wie Aschpenas befürchtet hatte (V. 10 ) - hatte er nun nichts mehr gegen die Nahrung, die Daniel für sich und seine Freunde erbeten hatte. Man gab ihnen also die Erlaubnis, auch weiter nur Gemüse zu essen.

Zwar hat Gott das Essen von Fleisch nicht verboten (vgl. 1Mo 9,3; Röm 14,14; 1Kor 10,25-26 ), aber die Gemüsediät war doch dem königlichen Speiseplan überlegen. Dies zeigt auch, daß Gott die segnet, die seinen Anordnungen gehorchen, und denen hilft, die auf ihn vertrauen. Dies konnte eine Lektion für ganz Israel sein. Gott hatte Gehorsam gegenüber dem Gesetz verlangt. Aus dem Ungehorsam folgte die Strafe, aber auch während einer Zeit der Züchtigung beschützt und erhält Gott die, die ihm gehorchen und im Blick auf ihren Lebensunterhalt vertrauen.



C. Daniels Stellung
( 1,17 - 21 )


Dan 1,17


Diese vier Männer , die von Nebukadnezar für verantwortliche Positionen und Verantwortung am Königshof vorbereitet wurden, wurden in Wirklichkeit von Gott selbst vorbereitet. Denn Gott gab ihnen Kenntnis und Einsicht auf vielen Gebieten. Kenntnis hat mit der Fähigkeit zu überlegen und zu denken zu tun. Sie waren also Männer, die klar und logisch denken konnten. Einsicht hängt mit Verständnis zusammen. Sie waren also fähig, das Wesen der Dinge klar zu sehen und in ihrem wahren Licht zu verstehen. Die Schrift und Weisheit , in denen Gott ihnen Fähigkeiten gab, betraf viele Gebiete (vgl. die Anmerkungen zu V. 4 ). Durch die göttliche Befähigung und durch Jahre der Unterweisung durch fähige Lehrer erlangte Daniel ein breites Wissen über Kunst und Wissenschaften.

Auch wenn das Wissen anderer in Babel durchaus dem von Daniel ebenbürtig gewesen sein mag, auf einem Gebiet jedenfalls übertraf er sie alle: Er besaß die von Gott verliehene Fähigkeit, Visionen und Träume zu verstehen . Menschen haben schon immer versucht, die Zukunft zu kennen, und verschiedene Wege erdacht, zukünftige Ereignisse vorauszusagen. Als z. B. Israel in das Land Kanaan gekommen war, begegnete es vielen, die auf mancherlei Weise versuchten, die Zukunft zu weissagen. Aber Israel wurde es verboten, irgendeine dieser Praktiken zu übernehmen ( 5Mo 18,9-13 ), die auch in Babel herrschten.



Dan 1,18-21


Am Ende der vom König bestimmten Zeit (d. h. nach der dreijährigen Ausbildungszeit; vgl. V. 5 ) prüfte der König Daniel und seine drei Freunde und fand, daß niemand ihnen gleichkam. Ja, sie waren zehnmal besser als alle , die die verschiedenen Künste der Wahrsagerei beherrschten (zu Magier und Zauberer vgl. die Anmerkungen zu V. 17 ). "Zehnmal" ist ein Bildwort und bedeutet "viele Male" (vgl. 1Mo 31,7.41; 4Mo 14,22; Hi 19,3 ).

Der König holte sich seinen Rat bei Magiern, Zauberern, Hexern, Astrologen, Weisen und Wahrsagern. "Magier" ( HarFVmmIm ) war das allgemeine Wort für Männer, die okkulte Praktiken vollzogen. "Zauberer" ( ?aSSAPIm ) könnte sich auf solche beziehen, die mit Zauberformeln Exorzismen betrieben. Das Wort "Hexer" ( m+kaSS+pIm ) stammt vermutlich von dem akkadischen Verb kaSApu , "verhexen, verfluchen". "Astrologen" (hebr.: kaRdIm ; aram.: kaRdA?In ) scheint sich auf eine Priesterklasse in der babylonischen Religion zu beziehen (in manchen Übersetzungen wird es irreführenderweise mit Chaldäer wiedergeben), die an Offenbarungen durch die Sterne glaubten, die sie anbeteten. Mit "Wahrsager" ( gAz+rIn , Dan 2,27;5,7.11 ) könnten jene gemeint sein, die das Schicksal anderer herauszufinden oder zu bestimmen versuchten.

Die Praktiken dieser fünf Gruppen haben sich vermutlich auf vielen Gebieten stark überlappt. Mehrere Male wird von ihnen im Buch Daniel einfach als den "Weisen" gesprochen ( Dan 2,12-14.18.24 [zweimal]. 48; Dan 4,3-4;5,7-8.15 ).

Daniels Dienst am königlichen Hof in Babel dauerte an, bis das babylonische Weltreich durch Kyrus 539 v. Chr. überrollt wurde. Gott hatte gesagt: "Wer mich ehrt, den will ich auch ehren." ( 1Sam 2,30 ). Daniel hatte beschlossen, Gott zu ehren, obwohl er an einem Ort lebte, an dem die Menschen sich nicht nach den hohen Maßstäben Gottes richteten. Gott ehrte Daniels Gehorsam gegenüber dem Gesetz und unterstützte ihn am Königshof. Dies hätte Israel daran erinnern sollen, daß Gehorsam Segen bringt und daß Gerechtigkeit eine Voraussetzung für das Erleben des Bundessegens Gottes ist.

Daß Gott Daniel die Fähigkeit gab, Visionen und Träume zu verstehen ( Dan 1,17 ), bedeutete, daß Nebukadnezar während seiner ganzen Regierungszeit von Daniel abhängig war, um die zukünftigen Ereignisse zu verstehen, die ihm durch Träume und Visionen gezeigt wurden. Dies war ein Vorbild auf den Dienst, den Israel eines Tages vollbringen wird. Gott hatte Israel zu einem Königreich von Priestern bestimmt ( 2Mo 19,6 ). Als solches sollte es Gottes Licht für die Welt sein ( Jes 42,6; 49,6 ). Es sollte Gottes Offenbarung empfangen und den Völkern, die Gott nicht kennen, weitergeben. Beständig wurde es an diese Rolle durch den Leuchter, der im Tempel stand, erinnert. Daniel erfüllte durch seinen Dienst am Königshof in Babel diese Aufgabe als Sprecher Gottes unter den Heiden. Wenn Israel im Tausendjährigen Reich den Segen Gottes erleben wird, dann wird es auch die Aufgabe erfüllen, für die Gott es ausgesondert hat, und die Wahrheit Gottes den Heiden verkündigen ( Sach 8,21-23 ).



II. Die prophetische Geschichte der Heiden während der Zeit der Heiden
( Dan 2,7 )


A. Der Traum Nebukadnezars
( Dan 2 )


1. Der Traum des Königs
( 2,1 - 16 )


a. Der Traum
( 2,1 - 3 )


Dan 2,1


Bald nachdem Nebukadnezar auf den Thron gekommen war, wurde er von einem Traum geplagt. Dieser Traum, so war Nebukadnezar klar, hatte eine große Bedeutung, denn er war so beunruhigt (vgl. V. 3 ) durch ihn, daß er nicht mehr schlafen konnte.



Dan 2,2-3


Der König rief die weisen Männer in seinem ganzen Herrschaftsgebiet zusammen. Sie gaben ja vor, auf die eine oder andere Weise (vgl. die Anmerkungen zu Dan 1,17 ) die Zukunft voraussagen zu können. Wenn die Methode des einen das gewünschte Ergebnis nicht brachte, dann würde vielleicht die des anderen die Bedeutung des Traumes offenbaren. Sie wurden zusammengerufen, um ihre Zauberkräfte dazu zu verwenden, dem König die Auslegung seines Traumes zu vermitteln. Der König forderte die Weisen auf und sagte: Ich möchte wissen, was er bedeutet .



b. Die Verzweiflung der Weisen
( 2,4 - 11 )


Dan 2,4


Offenbar waren die Weisen schon öfter gebeten worden, einen Traum auszulegen (V. 3 ). Darum waren sie nicht erstaunt über dieses Anliegen. (Wie unter "Sprache" in der Einführung gesagt, ist Dan 1,1-2,4 a in Hebräisch abgefaßt. Mit den Worten Der König in V. 4 b wechselt die Sprache bis Dan 7,28 ins Aramäische über.) Die Weisen bestätigten, daß, wenn der König ihnen den Traum erzählen würde, sie ihn auslegen könnten. Sie vertrauten darauf, daß sie mit ihrer vereinten Weisheit dem König eine zufriedenstellende Auslegung liefern konnten.



Dan 2,5-6


Zwar hatte der König schon öfter von den Weisen verlangt, daß sie ihm einen Traum auslegten, und war mit ihren Antworten zufriedengestellt worden. Aber offenbar hatte er sie noch nie gebeten, einen so wichtigen Traum zu deuten. Deshalb beschloß er, sie zu testen. Wenn sie wirklich die Zukunft durch die Deutung von Träumen voraussagen konnten, dann müßten sie auch in der Lage sein, den Traum des Königs zu wiederholen . Deshalb lehnte er es ab, ihnen zu erzählen, was er geträumt hatte. Das bedeutet nicht, daß er ihn wirklich vergessen hatte. Wenn dies der Fall gewesen wäre, hätten die Weisen ohne Schwierigkeiten einen Traum erfinden und dann auslegen können, um ihre Haut zu retten. Der König kam zu dem Ergebnis, daß, wenn sie seinen Traum aus der Vergangenheit nicht wiederholen konnten, auch die Deutung im Blick auf die Zukunft nicht zuverlässig sei.

Der König versprach den Weisen, die seinen Traum erzählen und deuten konnten, Lohn und Ehre. Aber er drohte ihnen mit dem Tod (sie würden in Stücke geschlagen ) und ihre Häuser würden zu Schutthaufen niedergebrannt, wenn sie sich als falsche Zukunftsdeuter erweisen würden und den Traum nicht erzählen könnten.



Dan 2,7-9


Erneut baten die Weisen (vgl. V. 4 ), daß der König ihnen den Traum mitteilen möge, und versprachen, daß sie ihn auslegen würden. Der König aber beklagte sich, daß sie nur Zeit zu gewinnen suchten. Noch einmal machte er ihre Strafe deutlich (vgl. V. 5 ), wenn sie ihm den Traum nicht sagen könnten. Er hielt es für die einzige Möglichkeit zu testen, ob er auf ihre Deutung der Zukunft vertrauen konnte, wenn er sie zuerst den Traum wiederholen ließ. Ansonsten würden sie ihm, so schloß er, irreführende und böse Dinge sagen . Vielleicht war Nebukadnezar mit den Weisen, die vermutlich älter waren als er, da er sie als Ratgeber von seinem Vater übernommen hatte, auch ungeduldig geworden. Vielleicht mißtraute er ihrer angeblichen Weisheit und wollte sie auch deshalb testen.



Dan 2,10-11


Zu ihrer Verteidigung behaupteten die Weisen, daß der König etwas Unmögliches von ihnen verlange, etwas, das kein anderer Herr jemals verlangt habe. Sie erklärten, daß die Zukunft den Göttern gehöre, nicht den Menschen. Dies war ein erstaunliches Eingeständnis, mit dem sie im Grunde zugaben, daß sie den König bei ihren Deutungen in der Vergangenheit betrogen hatten, eine erschreckende Enthüllung von den Männern, die am Königshof so hoch in Ehren gehalten wurden.

 

c. Der Erlass des Königs
( 2,12 - 13 )


Dan 2,12-13


Nachdem die Weisen zugegeben hatten, daß sie die Forderungen des Königs nicht erfüllen konnten, wurde der König zornig und wütend (vgl. Dan 3,13.19 ). Er erließ eine Verfügung, daß alle Weisen Babels umgebracht werden sollten . Der Erlaß betraf nicht nur jene, die zur Zeit am Königshof dienten, sondern auch alle anderen, die behaupteten, die Zukunft enthüllen zu können. Da Daniel und seine drei Freunde ebenfalls zu den Weisen zählten, fiel das Gerichtsurteil auch auf sie.


d. Die Erklärung Daniels
( 2,14 - 16 )


Dan 2,14-16


Was am königlichen Hof geschehen war, wußte Daniel nicht. Vielleicht war er der königlichen Sammlung der Weisen nicht gefolgt (V. 2 ), um den Kontakt mit den heidnischen Führern zu vermeiden. Als die Nachricht kam, daß er unter dem Todesurteil stehe, fragte er vorsichtig Arjoch, den Befehlshaber der königlichen Garde , nach dem Grund dafür. Arjoch erläuterte ihm das Ereignis, das die Weisen beim König hatte in Ungnade fallen lassen.

Mutig ging Daniel daraufhin mit der Bitte zum König, die Todesurteile für eine kurze Zeit auszusetzen, damit er den Traum des Königs deuten könne . Zu diesem Schritt war Mut nötig, denn der König hatte ja bereits den Weisen vorgeworfen, daß sie Zeit schinden würden (V. 8 ).

Daniel stand beim König offensichtlich in hohen Ehren, weil er die Erlaubnis hatte, vor den König zu treten und ihn direkt um etwas zu bitten. Es wird zwar nicht berichtet, aber vielleicht hatte Daniel bereits vorher schon Träume gedeutet, wenn auch nicht unbedingt für den König. Er war sich wohl sicher, daß er den Traum erzählen und ihn deuten könne.



2. Der Traum wird Daniel offenbart
( 2,17 - 23 )


a. Die Bitte
( 2,17 - 18 )


Dan 2,17-18


Daniel war in dieser Zeit der Prüfung ganz ruhig. Er kehrte in sein Haus zurück und suchte seine drei Freunde. Zusammen beteten sie um Gnade von dem Gott des Himmels . ("Gott des Himmels" ist ein Titel Gottes, der von Daniel viermal benutzt wird; Dan 2,18-19.37.44 .Neunmal kommt er bei Esra vor und viermal bei Nehemia. An anderen Stellen des AT taucht er nur noch in 1Mo 24,3.7; Ps 136,26 und Jon 1,9 auf.)

Gottes Antwort auf die Notlage eines Menschen ist Barmherzigkeit. Daniel erkannte seine Hilflosigkeit in der gegenwärtigen Notlage, wandte sich vertrauensvoll an Gott und erwartete, daß der Herr ihm helfen werde.



b. Die Offenbarung
( 2,19 a)


Dan 2,19 a


Als Antwort auf das Gebet der vier wurde der Traum Daniel anscheinend noch in der gleichen Nacht offenbart.



c. Das Lob
( 2,19 b. 20-23 )


Dan 2,19-23 (Dan 2,19b-23)


Daniel reagiert darauf, indem er Gott Lob spendet. Er erkennt, daß Gott ein Gott der Weisheit ist und alles weiß und ein Gott der Macht, der alles, was er will, tun kann. Daniel beginnt und beendet sein Gebet, indem er von Gottes Weisheit und Macht spricht (vgl. V. 23 ).

Der Beweis seiner Macht wird darin deutlich, daß er Ereignisse ( Er ändert Zeit und Stunde ) und das Geschick von Völkern in seiner Hand hält ( Er setzt Könige ein und ab ). Nebukadnezar war auf seinem Thron, weil Gott beschlossen hatte, ihn zur Erfüllung seines Willens zu benutzen.

Der Beweis seiner Weisheit liegt darin, daß er seine Weisheit den Weisen schenkt (V. 21 b) und tiefe und dunkle Dinge offenbart (V. 22 ). Licht wohnt bei Gott ; alle Dinge sind für ihn klar und durchschaubar, auch wenn die Menschen von Finsternis umgeben sind. Gott kennt die Zukunft und kann sie enthüllen. Gott, nicht die Erkenntnis Daniels, gab ihm den Traum und seine Deutung. Daniels Gebet schließt mit seinem Dank dafür, daß Gott den Traum des Königs den vieren, die auf ihn vertraut haben, offenbart hat.



3. Der Traum wird Nebukadnezar ausgelegt
( 2,24 - 45 a)


a. Die Erklärung durch Daniel
( 2,24 - 30 )


Dan 2,24-25


Nachdem er von Gott die Kenntnis des Traumes und seine Auslegung erfahren hatte (V. 19 ), ging Daniel zu Arjoch , dem Scharfrichter des Königs (vgl. V. 14 ), und teilte ihm mit, daß er bereit sei, den Traum des Königs zu deuten . Offenbar wußte man am ganzen Königshof von der Erregung des Königs über diesen Traum, denn Arjoch nahm Daniel und brachte ihn sofort zum König. Der königliche Befehlshaber Arjoch behauptete dabei entgegen den Tatsachen, daß er einen Ausleger für den Traum des Königs gefunden habe, denn eigentlich war es Daniel, der "zu Arjoch gegangen" war. Offenbar erwartete Arjoch eine hohe Belohnung dafür, jemanden gefunden zu haben, der die Unruhe des Königs beenden konnte.



Dan 2,26-28


Der König fragte, ob Daniel in der Lage sei, ihm zu sagen, was er geträumt habe, und es dann auszulegen. Daniel wurde dem gleichen Wahrheitstest unterworfen, den der König auch von seinen Weisen verlangt hatte. Sie hatten ihm gesagt, daß nur Götter dem Menschen die Zukunft enthüllen könnten (V. 11 ). Daniel bestätigte noch einmal, daß es die Weisen Babylons nicht konnten (V. 27 ), indem sie ihre falschen Gottheiten anriefen. Er, Daniel, könne es tun, weil es einen Gott im Himmel gibt (vgl. die Anmerkungen zu V. 18 ), der Geheimnisse offenbart (V. 28 ; vgl. V. 47 ). Daniel nahm für sich selbst keine Ehre (vgl. V. 23 ).



Dan 2,29-30


Zunächst machte Daniel deutlich, daß der Traum des Königs prophetischer Natur war (vgl. V. 45 "was dereinst geschehen wird") und daß es um zukünftige Dinge ging, um das, was geschehen wird . Nebukadnezars Traum ist ein prophetisches Panorama über die Geschichte der Heiden, von seiner Zeit angefangen bis zur schließlichen Unterwerfung der heidnischen Mächte durch den Messias Israels. Diese Zeitspanne wird "Zeiten der Heiden" genannt ( Lk 21,24 ). Der Traum war Nebukadnezar gegeben worden, dem ersten von vielen heidnischen Herrschern, die aufgrund göttlicher Bestimmung in dieser Zeit der Heiden ihre Macht ausüben würden. Gott offenbarte Nebukadnezar keine geistlichen Geheimnisse, sondern Tatsachen über die politische Herrschaft der Heiden. Nebukadnezar konnte den gesamten Traum recht gut verstehen.

Noch einmal bekräftigte Daniel demütig, daß dies Geheimnis ihm nicht offenbart worden sei, weil er weiser wäre als andere (vgl. Dan 2,27-28 ).



b. Der Traum wird erzählt
( 2,31 - 35 )


Dan 2,31-33


Der Traum des Königs war recht einfach. Der König hatte ein ungeheuer großes Standbild gesehen. Seine Größe und sein Aussehen waren furchterregend . Es ließ den König unwichtig erscheinen, als er vor ihm stand. Das Standbild glänzte aufgrund der Metalle, aus denen es gemacht war. Der Kopf der Statue war aus reinem Gold hergestellt, die Brust und die Arme aus Silber , der Bauch und die Hüften bestanden aus Kupfer und die Beine aus Eisen , wobei seine Füße teils Eisen und teils gebrannter Ton waren. Diese verschiedenen Teile der Statue waren auf einen Blick zu sehen.



Dan 2,34-35


Das Standbild war nichts Beständiges. Es wurde an den Füßen von einem Felsen getroffen ( nicht durch Menschenhände gelöst ), der die gesamte Statue wie Spreu zermalmte, die weggeblasen wurde. Spreu ist der leichte, nicht eßbare Teil des Korns, der an einem windigen Sommertag beim Worfeln auf der Tenne weggeblasen wird. Der Fels, der das Standbild zermalmt hatte, wuchs zu einem großen Berg, der die ganze Erde erfüllte . Der Traum selbst war einfach. Es war die Bedeutung dieses Traumes, die den König beunruhigte.



c. Die Deutung des Traumes
( 2,36 - 45 a)


Dan 2,36-38


Daniels Auslegung macht klar, daß das Bild den Verlauf der Geschichte der Heiden und ihrer Königreiche darstellt, die jeweils für eine bestimmte Zeit über Palästina und das Volk Israel herrschen werden. Nebukadnezar, das Haupt des babylonischen Reiches, war das goldene Haupt (V. 38 ). Sein Vater hatte die Macht in Babylon durch seine militärischen Eroberungen gewonnen, aber Nebukadnezar hatte seine Herrschaft und Macht und Kraft und Herrlichkeit von Gott erhalten (der Könige einsetzt und absetzt, V. 21 ). (Zu der Gott des Himmels vgl. die Anmerkungen zu V. 18 .)

Nebukadnezars Herrschaft wird als eine weltweite Herrschaft betrachtet, in der er über alle Menschen und auch über Tiere und Vögel herrscht. Gott hatte bei der Schöpfung die Herrschaft über die ganze Erde dem Menschen gegeben. Er sollte über sie und über alle Kreatur auf ihr regieren ( 1Mo 1,26 ). Nebukadnezar erfüllt also aufgrund des göttlichen Auftrages, was Gott für den Menschen geplant hatte.



Dan 2,39


Der zweite Teil der Statue, die Brust und die Arme aus Silber, stehen für das Aufkommen der Meder und Perser (vgl. Dan 5,28;6,9 ; siehe auch Dan 6,1 ). Die Meder und Perser eroberten das babylonische Reich 539 v. Chr. Die silbernen Arme stehen dabei offenbar für die beiden Völker der Meder und der Perser, die gemeinsam Babylon besiegten. Obwohl dieses Königreich über 200 Jahre bestehen blieb (539 - 330 v. Chr.), länger als das neobabylonische Reich, das nur 87 Jahre bestand (626 - 539), war das medo-persische Reich doch geringer als dieses, so wie Silber im Gegensatz zu Gold.

Der Bauch und die Hüfte aus Kupfer stellen ein drittes Reich dar, das nach diesem aufkommen wird, das griechische Reich (vgl. Dan 8,20-21 ). Alexander der Große eroberte das medo-persische Reich zwischen 334 und 330 v. Chr. und zwang seine Völker und Gebiete unter seine Herrschaft. Durch Alexanders Eroberungen erstreckte sich das griechische Weltreich nach Osten bis an den Nordwesten Indiens - ein ungeheuer großes Reich, das augenscheinlich über die ganze Erde herrschte.



Dan 2,40


Die Beine aus Eisen sind das römische Reich. Dieses vierte Königreich eroberte das griechische Reich 63 v. Chr. Obwohl das römische Reich in zwei Beine geteilt war und schließlich aus einer Mischung von Eisen und Ton bestand, war es dennoch ein Reich. Es ist vor allem durch seine Härte bekannt geworden, denn Eisen ist härter als Kupfer, Silber oder Gold. Das römische Reich war mächtiger als alle vorhergehenden Reiche. Es vernichtete alle die Reiche, die ihm vorausgegangen waren. Rom verschlang auf seinen grausamen Eroberungsfeldzügen die Länder und Völker, die zu den vorhergehenden drei Reichen gehört hatten, und verleibte sie sich ein.


Dan 2,41-43


Das Reich, das als Eisen begonnen hatte, wurde zu einem Staat, in dem Ton mit Eisen gemischt war. Diese Mischung spricht von zunehmender Schwäche und immer größer werdendem Zerfall. Zwei Metalle können miteinander eine Legierung bilden, die stärker sein kann als die beiden Metalle für sich. Aber Eisen und Ton lassen sich nicht verbinden. Wenn man Eisen und Ton in einen Schmelztiegel gibt, bis zum Schmelzpunkt erhitzt und dann in eine Form gießt, wird das Ergebnis zerbrechen, es wird, wenn es abgekühlt ist, dennoch wieder aus Eisen und Ton bestehen. Man kann den Ton herausbrechen, und zurück bleibt ein schwacher Guß.

Das römische Reich war durch seine Teilung (es war ein zerteiltes Königreich ) und seinen Zerfall (es war teils stark und teils brüchig ) gekennzeichnet. Zwar gelang es Rom, immer mehr Gebiete zu erobern, aber es konnte die Völker nicht vereinigen und daraus ein einheitliches Reich bilden. In diesem Sinn waren die Völker eine Mischung und nicht vereint. (Noch in anderer Hinsicht war das römische Reich eine Mischung aus Stärke und Schwäche: [a] es war organisatorisch stark, aber moralisch schwach; [b] Imperialismus und Demokratie waren erfolglos vereinigt; [c] die Regierung wurde von den Massen bedrängt, d. h. der Mob regierte; [d] das Reich war eine Mischung aus unzähligen Rassen und Kulturen.)



Dan 2,44-45 a


Nach diesen Erläuterungen kam Daniel auf die Zerstörung dieser Königreiche zu sprechen. Die Zeit dieser Könige kann sich auf die vier Reiche beziehen, oder, was wahrscheinlicher ist, auf die zehn Zehen (V. 42 ), da die ersten vier Reiche offensichtlich nicht mehr existierten, als die "Zehen" auftraten (vgl. die Anmerkungen zu den zehn Hörnern des vierten Tieres; Dan 7,24 ). Nebukadnezar hatte einen Felsen gesehen, der das Standbild traf und zerschmetterte ( Dan 2,34 ). Das Standbild wurde nicht von menschlichen Händen zerstört, sondern durch den Felsen. Der Fels bezieht sich in der Bibel oft auf Jesus Christus, den Messias Israels (z. B. Ps 118,22; Jes 8,14; 28,16; 1Pet 2,6-8 ). Gott, der Nebukadnezar auf den Thron gesetzt hatte und die Macht von Babylon zunächst auf Medo-Persien, dann auf Griechenland und schließlich auf Rom übertragen hatte, wird eines Tages die politische Macht auf einen König übertragen, der über die Erde herrschen und so die ursprüngliche Bestimmung des Menschen in seiner Person zusammenfassen wird ( 1Mo 1,27 ).

In Nebukadnezars Traum wurde aus dem Felsen schließlich ein Berg , der die ganze Erde erfüllte ( Dan 2,35 ). Der Berg ist in der Bibel häufig ein Bild für ein Königreich. Daniel erklärte, daß die vier Königreiche, die über die Welt und das Volk Israel herrschten, nicht durch menschliche Mittel zerstört werden, sondern durch das Kommen des Herrn Jesus, des Felsen. Wenn er kommt, wird er das messianische Königreich aufrichten, das Israel durch David verheißen wurde ( 1Sam 7,16 ). Bei seiner Wiederkunft wird er sich alle Reiche unterwerfen und sie zerstören (vgl. Offb 11,15; 19,11-20 ). Dann wird er für immer im Tausendjährigen Reich und in der Ewigkeit herrschen.

Menschen, die ein Tausendjähriges Reich leugnen (Amilleniaristen) behaupten, daß dieses Königreich von Christus bei seinem ersten Kommen aufgerichtet worden sei und daß heute die Gemeinde dieses Königreich ist. Sie argumentieren, daß: (a) die Christenheit, wie ein wachsender Berg, immer größer geworden ist und sich immer weiter ausgedehnt hat und noch tut; (b) Christus ja in den Tagen des römischen Reiches gekommen ist; (c) das römische Reich in die Hände von zehn Königreichen gefallen sei (die zehn Zehen) und (d) Christus der Eckstein ist ( Eph 2,20 ).

Die Vertreter des sogenannten Prämilleniarismus (das Tausendjährige Reich ist noch Zukunft) halten dem entgegen, daß Christus noch nicht auf dieser Erde regiert. Mindestens sechs Dinge sprechen für diese Sicht: (1) Der Stein wird plötzlich, nicht nach und nach, zu einem großen Berg werden. Die Christenheit aber hat nach dem ersten Kommen Jesu "die ganze Welt" nicht in kurzer Zeit erfüllt ( Dan 2,35 ). (2) Obwohl Christus in den Tagen des römischen Reiches kam, zerstörte er es nicht. (3) Das römische Reich hatte in der Zeit, als Jesus auf dieser Erde war, keine zehn Könige gleichzeitig. Die Statue Nebukadnezars aber weist darauf hin, daß, wenn Jesus kommt, um sein Reich aufzurichten, zehn Herrscher regieren und von ihm zerstört werden. (4) Zwar ist Christus heute der Eckstein der Gemeinde ( Eph 2,20 ) und "ein Stein, der [die Ungläubigen] zum Stolpern bringt" ( 1Pet 2,8 ), aber er ist noch nicht der Fels, der alles zerschmettert. Dies wird erst geschehen, wenn er wiederkommt. (5) Der Stein (Messias) wird alle Königreiche dieser Welt zerschmettern. Die Gemeinde aber hat die weltlichen Reiche nicht erobert und wird es auch nicht. (6) Die Gemeinde ist kein Königreich mit einem politischen Herrschaftsgebiet, das zukünftige Tausendjährige Reich aber wird es sein. Der Traum Nebukadnezars lehrt also eindeutig den Prämilleniarismus. Wenn Christus auf diese Erde kommen wird und seine Herrschaft auf ihr errichtet, wird er sich alle Nationen unterwerfen. Die Gemeinde ist nicht dieses Königreich.



4. Daniel wird geehrt
( 2,45 b - 46-49 )


Dan 2,45 b


Daniel hatte zunächst die Wahrheit seiner Auslegung bestätigt, indem er den Traum erzählte (V. 31 - 35 ) und dann betonte, daß die Deutung (V. 36-45 a) wirklich wahrhaftig war, weil sie von Gott kam (vgl. V. 19.23.28.30 ), der das Geschick jedes Volkes in seiner Hand hält. Er weiß, was in der Zukunft geschehen wird (vgl. V. 28-29 ).



Dan 2,46-47


Der König war so bewegt von der Auslegung Daniels, daß er sich selbst vor Daniel niederwarf und ein Opfer befahl , das man Daniel bringen sollte; eine Ehre, die man in Babylon sonst nur Göttern zuteil werden ließ. Er erkannte auf diese Weise die göttliche Autorität Daniels an. Durch die Offenbarung und Deutung des Traumes durch Daniel wurde Nebukadnezar dazu gebracht, zu bekennen, daß Daniels Gott höher ist als alle Götter Babylons und daß er der HERR über die Könige der Erde ist. Daniels Gott war in den Augen von Nebukadnezar groß, weil er durch Daniel offenbart hatte, was in der Zukunft geschehen wird. Gott ist, so sagte der König, ein Offenbarer von Geheimnissen (vgl. V. 28 ). Offensichtlich akzeptierte Nebukadnezar auch, daß er selbst durch den Gott Daniels in seine Machtstellung eingesetzt worden war (vgl. V. 37 - 38 ), und erkannte damit seine Autorität an.



Dan 2,48-49


Nebukadnezar gab Daniel eine Stellung der Verantwortung innerhalb der Regierung und belohnte ihn auch materiell mit königlichen Geschenken . Das babylonische Reich war in viele Provinzen unterteilt, von denen jede unter der Führung eines Fürsten stand ( Dan 3,2 ). Daniel wurde offenbar zu einem Fürsten über die Provinz, in der der Königshof lag ( die Provinz von [der Stadt] Babel ). Daniel vergaß aber seine Freunde nicht, sondern bat, daß auch sie geehrt würden. So machte der König Schadrach (Hananja), Meschach (Mischael) und Abed-Nego (Asarja) zu Verwaltern in der gleichen Provinz , in der Daniel Statthalter war. Daniel konnte so am königlichen Hof bleiben, vielleicht als Berater Nebukadnezars.

Auf bemerkenswerte Weise erhob Gott Daniel in eine hohe Stellung am königlichen Hof, so daß er als Vermittler zwischen dem König und den aus Juda Weggeführten dienen konnte, die in Kürze (597 und 586) nach Babylon gebracht werden würden.



B. Das Bildnis Nebukadnezars
( 3,1 - 30 )


1. Die Aufstellung des Bildes
( 3,1 - 7 )


Dan 3,1


Der Eindruck, den die besondere Rolle, die Nebukadnezar in der Geschichte der Heidenvölker spielen sollte ( Dan 2,37-38 ), auf ihn machte, unterscheidet sich stark von der Rolle, die er in den Ereignissen von Kapitel 3 spielt. Er, der das Haupt aus Gold war ( Dan 2,38 ), ließ ein goldenes Standbild aufstellen ( Dan 3,1 )! Wann dies war, wissen wir nicht. Es muß jedoch auf die in Kapitel 2 berichteten Ereignisse folgen, denn Daniels drei Freunde befanden sich in einer Autoritätsposition ( Dan 3,12 ), in die sie eingesetzt worden waren ( Dan 2,49 ).

Die Septuaginta fügt in Dan 3,1 noch hinzu, daß dieses Ereignis im 18ten Jahr Nebukadnezars (587) geschah, ein Jahr vor dem Untergang Jerusalems (vgl. 2Kö 25,8 ). Da die endgültige Zerstörung Jerusalems der Höhepunkt der Eroberungen Nebukadnezars war, könnte diese Einfügung stimmen. Eine genauere Untersuchung von Daniel 3 macht es jedoch wahrscheinlicher, daß die hier berichteten Ereignisse eher am Anfang der Regierungszeit von Nebukadnezar standen. Er schien, durch die Aufstellung des Standbildes sein Reich vereinigen und seine Herrschaft als König kräftigen zu wollen. Das Standbild sollte das gemeinsame Zentrum des Königreiches werden.

Das aramäische Wort für "Standbild" ( Q+lEm ) ist dem hebräischen Wort für Statue ( Qelem ) nahe verwandt. Als allgemeiner Ausdruck kann es für ein Bildnis stehen, das in menschlicher Form gebildet ist (vielleicht wie die Statue, die der König in seinem Traum sah), obwohl dies nicht notwendig so ist. Vielleicht hatte Nebukadnezar irgendwann einmal einen ägyptischen Obelisken gesehen, auf dem die Eroberungszüge einer der Pharaonen erzählt wurden, und wollte nun seine eigenen Eroberungen auf ähnliche Weise verewigen. Die Ausmaße des Standbildes könnten auf einen Obelisken zutreffen, denn es war sechzig Ellen hoch (über dreißig Meter, etwa so hoch wie heute ein achtstöckiges Gebäude) und nur sechs Ellen breit (etwa drei Meter). Dieses Verhältnis von 10:1 trifft auf keine menschliche Figur zu, es wäre zu schmal. Allerdings verfremdeten die Babylonier die menschliche Figur oft bei ihren Bildnissen und Statuen. Oder das Bildnis hatte die richtigen menschlichen Ausmaße, stand aber auf einem hohen Sockel, damit es noch mächtiger wirkte.

Wie auch immer die Form des Bildnisses war, jedenfalls besaß es eine furchterregende Größe (vgl. Dan 2,31 ), sowohl wegen seiner Höhe als auch wegen des vielen Goldes, das dabei verwendet worden war. Die Größe und das Gewicht der Statue scheinen darauf hinzuweisen, daß sie nicht aus massivem Gold war. Vielmehr muß sie von Gold überzogen gewesen sein. Ohne Zweifel war das Gold an dieser Statue von dem Bild inspiriert, das Daniel als des Königs Traum ausgelegt hatte ( Dan 2,32.38 ).

Das Bild wurde auf dem Feld von Dura in der Provinz von Babel aufgestellt . Dura war der in Mesopotamien gebräuchliche Name für jeden Ort, der von Bergen oder Mauern eingeschlossen war. "Im Lande Babel" bedeutet, daß es sich um einen Ort in der unmittelbaren Nähe der Stadt Babel gehandelt haben muß, von der aus Nebukadnezar sein Reich regierte. Archäologen haben einen großen, quadratischen Block aus Ziegeln gefunden, etwa 9 Kilometer südöstlich von Babel, der die Grundlage für dieses Standbild gewesen sein könnte. Da dieser Block inmitten eines großen, weiten Feldes steht, muß die Größe des Standbildes ungeheuer beeindruckend gewesen sein. Auch durch seine Nähe zu Babel wäre dieses Feld ein passender Versammlungsort für die Obersten des Reiches gewesen.



Dan 3,2-3


Nebukadnezar versammelte acht Gruppen von Obersten zur Einweihung des Standbildes . Vermutlich sollte also das Bild das gesamte Reich und seine Einheit unter Nebukadnezar darstellen. Die Obersten, die in Vers 2 erwähnt sind, werden erneut in Vers 3 aufgelistet, und vier von ihnen werden in Vers 27 noch einmal angeführt. Es soll also die politische Bedeutung dieses Ereignisses hervorgehoben werden.

Die Fürsten waren die eigentlichen Repräsentanten des Königs, die Würdenträger waren militärische Befehlshaber und die Statthalter politische Verwaltungsbeamte. Die Ratgeber fungierten als deren Berater. Die Schatzmeister verwalteten den Besitz des Reiches, die Richter das Recht, und die Amtleute sprachen Recht entsprechend den geltenden Gesetzen. Die anderen Mächtigen im Land waren vermutlich untergeordnete Hilfskräfte der Fürsten. In dieser Liste wurden vermutlich alle Gruppen erfaßt, die irgendeine politische Funktion unter Nebukadnezar innehatten.

Zu der Möglichkeit, daß Zedekia, Judas letzter König, zu diesem Anlaß nach Babel befohlen wurde, vgl. die Anmerkungen zu Jer 51,59 .

So viele hohe Würdenträger und politisch Verantwortliche zu sehen, die in der Gegenwart Nebukadnezars vor dem Standbild von Dura standen und ihm ihre Ergebenheit schworen, muß ein sehr eindrucksvolles Ereignis gewesen sein.



Dan 3,4-6


Als Nebukadnezar befahl, daß all diese Menschen vor dem goldenen Standbild niederfallen sollten, war dies gleichsam ein öffentliches Bekenntnis und eine öffentliche Unterwerfung unter seine absolute Autorität im gesamten Reich.

Die Tatsache, daß die Obersten aber nicht nur die Anweisung erhielten, vor dem Standbild niederzufallen, sondern es auch anzubeten , zeigt, daß es sowohl politische als auch religiöse Funktion hatte. Da keine bestimmten Götter genannt sind, könnte man schließen, daß Nebukadnezar nicht einen bestimmten Gott Babylons ehren wollte, sondern vielmehr eine neue Form der religiösen Anbetung schaffen wollte, deren Zentrum dieses Standbild war. Nebukadnezar wollte ein vereinigtes Königreich und eine vereinigte Religion aufrichten. Der König machte sich selbst zum Führer des Reiches und zum Führer der Religion. Alle, die unter ihm dienten, mußten seine politische und seine religiöse Macht anerkennen.

Den von Nebukadnezar versammelten Obersten, die auf dem Feld von Dura zusammengekommen waren, war nicht gesagt worden, warum man sie zusammengerufen hatte. Als sie alle da waren, kündigte der Herold des Königs an, daß die Obersten nun Nebukadnezars politische und religiöse Macht anerkennen müßten. Der Herold redete die Obersten dabei als Völker, Nationen und Männer aus jeder Sprache an (vgl. V. 7 ; Dan 3,31;5,19;6,26;7,14 ). Er betrachtete die Versammelten augenscheinlich als Vertreter aller der Völker, über die sie herrschten. Das Tun der Obersten würde also nicht nur sie selbst Nebukadnezar unterwerfen, sondern zugleich auch ihre Völker.

Die ausgezeichneten Vorbereitungen und die Konstruktion des goldenen Standbildes machten das Ganze zu einem ästhetisch überaus ansprechenden Ereignis. Dazu kam noch musikalische Untermalung, so daß das Geschehen emotional äußerst bewegend war. Zu den Musikern gehörten Blasinstrumente ( Horn und Pfeifen ; vgl. Dan 3,10.15 ,andere Übersetzungen haben hier "Posaune"), ein Rohrinstrument ( Flöte ) und Streichinstrumente ( Zither, Laute, Harfe ). Manche Kritiker denken, daß das Buch erst später, in der Zeit des griechischen Reiches, geschrieben worden sein könne, weil einige der Instrumentennamen griechische Namen sind. Aber der Austausch zwischen Griechenland und dem Nahen Osten war schon lange vor der griechischen Eroberung dieser Gegend durch Alexander sehr rege (vgl. die Anmerkungen unter "Entstehungszeit und Verfasserfrage" in der Einführung ).

Wer sich dem Befehl der Anbetung des Bildes widersetzte, würde mit dem sofortigen Tod bestraft, indem er in einen brennenden Schmelzofen geworfen würde. Diese ernste Strafe zeigte, daß die Unterwerfung und der Gehorsam jedes Obersten strikt erwartet wurde.



Dan 3,7


Überwältigt von dem königlichen Befehl, der übermächtigen Größe des Standbildes und dem Klang der Musik, fielen die versammelten Obersten nieder und beteten das goldene Standbild an . Auf diese Weise erkannten sie und die durch sie vertretenen Völker die politische und religiöse Autorität von Nebukadnezar an.

 

2. Die Anklage gegen die Juden
( 3,8 - 12 )


Dan 3,8-12


Es gibt keinen Hinweis auf die Größe der Versammlung, die zu diesem Ereignis zusammengekommen war. Aber da alle Obersten des Königreiches dazugehörten (V. 2 - 3 ), müssen es recht viele gewesen sein. Einige Ratgeber (Astrologen; vgl. die Anmerkungen zu Dan 1,17 ) kamen und schienen recht froh zu sein, eine Anklage gegen die Juden vorbringen zu können. Das Wort, das mit verklagten übersetzt wird, bedeutet eigentlich "in Stücke reißen". Die Anklage war sehr ernst. Die Angeklagten sollten durch sie vernichtet werden. Offensichtlich war Neid das Motiv der Ankläger, denn sie redeten davon, daß Nebukadnezar einige Juden über die einzelnen Bezirke von Babel gesetzt habe ( Dan 3,12 ; vgl. 2,49 ). Der Neid entsprang offenbar aus der Tatsache, daß der König die außergewöhnlichen Fähigkeiten dieser Männer erkannt hatte ( Dan 1,20 ). Unterworfene Völker, wie diese jüdischen Gefangenen, wurden normalerweise mit Aufgaben des Dienstes betraut und nicht mit Autorität über ein bestimmtes Gebiet. Aus diesem Grunde hatte man Vorbehalte gegen die hohe Stellung von "einigen Juden".

Die Ratgeber wollten sich offenbar bei dem König Gunst verschaffen, indem sie die Weigerung dieser Juden, sich vor dem Standbild zu verbeugen, mit ihrer eigenen Anbetung desselben verglichen. Interessant ist, daß sie die Freunde Daniels - Schadrach, Meschach und Abed-Nego - verklagten, aber nicht Daniel. Da Daniel eine hohe politische Stellung erhalten hatte ( Dan 2,48 ), könnte es sein, daß er nicht anwesend sein mußte (vgl. die Anmerkungen zu Dan 4,8 ) oder anderswo im babylonischen Reich war und dort seine Pflichten erfüllte. Oder vielleicht wagten es die Astrologen nicht, Daniel, der ebenfalls anwesend war und sich ebenfalls nicht verbeugte, anzuklagen. Was nun wirklich der Grund war, wird nicht erwähnt. Sicher ist allerdings, daß Daniels Hingabe an seinen Gott und sein Gehorsam gegenüber dem Gesetz ihm ganz sicher verboten, sich vor dem Bildnis zu verbeugen.



3. Der Glaube der Angeklagten
( 3,13 - 18 )


Dan 3,13-15


Wie bedeutsam dieses Ereignis für Nebukadnezar war, sehen wir in seiner Antwort auf die Anklage der Astrologen bezüglich der drei unbeugsamen Juden (V. 9 - 12 ). Als er hörte, daß die drei sich nicht vor dem Standbild verbeugen wollten, wurde er wütend vor Zorn (vgl. V. 19 ; Dan 2,12 ). Die Hochachtung, die Nebukadnezar vor diesen Männern gehabt hatte ( Dan 1,20 ), schloß sie nicht von dem Gehorsam gegenüber seiner Autorität aus. Nebukadnezar verfügte keine unmittelbare Strafe über die drei, sondern fragte sie zunächst, ob die Anklage gegen sie wirklich wahr sei. Er gab ihnen noch eine zweite Möglichkeit, sich vor dem Standbild zu verbeugen. Auf diese Weise konnte er prüfen, ob die vorgebrachte Anklage zutreffend war (oder ob sich die Einstellung der drei geändert hatte).

Der König machte ihnen deutlich, wie wichtig eine solche Unterwerfung sei, und warnte sie, daß die Strafe für Rebellion ( in einen brennenden Schmelzofen geworfen werden ) unmittelbar ausgeführt werden würde. Nebukadnezar sah sich dabei selbst über allen Göttern stehen, denn er fragte: Welcher Gott wird in der Lage sein, euch aus meiner Hand zu retten? Erneut wird deutlich, daß er die absolute Autorität in politischer und religiöser Hinsicht für sich beanspruchte. Er forderte jeden Gott heraus, seine Autorität einzuschränken. Das Ganze wurde auf diese Weise zu einem Konflikt zwischen Nebukadnezar und Jahwe, dem Gott der Freunde Daniels.



Dan 3,16-18


Die drei zeigten absolutes Vertrauen in Gott und sagten, daß ihr Gott größer sei als Nebukadnezar und daß er sie aus dem Gericht Nebukadnezars befreien könne und so seine Macht zeigen. Ihre Worte, der Gott, dem wir dienen (vgl. Dan 6,17.21 ), zeigen, daß sie überzeugt waren, daß die Autorität Gottes größer war als die von Nebukadnezar beanspruchte Autorität. Auch wenn sie von Nebukadnezar angestellt waren ( Dan 2,49 ), "dienten" sie doch Jahwe.

Ihr Gott verlangte unbedingten Gehorsam und hatte ihnen verboten, irgendwelche anderen Götter anzubeten. Wenn jemand Gott gehorcht, dann ist es nicht vermessen, wenn er auch erwartet, daß Gott ihn beschützt und ihm hilft. Der Gehorsam gegenüber Gott aber war wichtiger als das Leben dieser drei Männer. Deshalb würden sie Gott auch dann gehorchen, wenn er sie nicht retten würde. Sie weigerten sich also, Nebukadnezars Göttern zu dienen ( oder das Bild anzubeten , das er gemacht hatte, was bedeuten könnte, daß sie ihn selbst als Gott anbeten würden), selbst wenn dies ihren Tod bedeuten würde.



4. Die Rettung durch Gott
( 3,19 - 30 )


Dan 3,19


Trotz der Hochachtung, die Nebukadnezar gegenüber diesen dreien gehabt hatte ( Dan 1,20 ), mußte er nun seine Autorität zeigen, indem er ihre sofortige Hinrichtung anordnete. Dies würde für alle anderen, die sich vielleicht überlegten, gegen seine politische oder religiöse Autorität zu rebellieren, eine Lektion sein. Voller Zorn (vgl. Dan 2,12;3,13 ) ließ Nebukadnezar den Ofen siebenmal heißer machen als üblich . Ein schwaches Feuer hätte ihre Qualen nur hinausgezögert, indem es die Dauer ihrer Bestrafung hinausgezögert hätte. Ein heißes Feuer dagegen würde sie auf der Stelle töten. Nebukadnezar wollte öffentlich zeigen, was es kostete, sich gegen seine Autorität aufzulehnen.



Dan 3,20-23


Der König befahl einigen von seinen stärksten Soldaten , die drei zu binden und sie in den brennenden Ofen zu werfen. Der Schmelzofen war vermutlich mit einer Öffnung nach oben konstruiert, durch die man Brennmaterial zugeben konnte, und einer Öffnung unten an der Seite, wo man die Asche herausholen konnte. Die Soldaten ließen die drei in den brennenden Ofen hinunter. Es war eigentlich üblich, den zum Tode Verurteilten die Kleider auszuziehen, aber aufgrund der Eile, in der der König seinen Befehl ausgeführt wissen wollte ( der Befehl des Königs war dringend ), tat man es dieses Mal nicht. Die Flammen schlugen durch die obere Öffnung des Ofens und töteten die Männer , die die drei in das Feuer geworfen hatten.


Dan 3,24-26 a


Nebukadnezar beobachtete das Ganze sehr genau aus einer sicheren Distanz. Als er, vermutlich durch die untere Öffnung, in den Ofen blickte, war er sehr erstaunt über das, was er sah. Die Männer, die gebunden gewesen waren, gingen frei im Ofen umher. Statt der drei Männer sah er jetzt vier im Feuer, und der vierte, so beobachtete Nebukadnezar, war wie ein Sohn der Götter . Hier handelt es sich vermutlich um den präinkarnierten Christus (vgl. die Anmerkungen zu 1Mo 16,13 ). Zwar wußte Nebukadnezar nichts vom Sohn Gottes, aber er erkannte sofort, daß die vierte Person übernatürlich war. Nebukadnezar ging so nahe an die Öffnung des Ofens heran, wie er es wagen konnte, damit man seinen Befehl hören konnte. Er hieß die drei aus dem Ofen herauskommen. Dabei nannte er sie Diener Gottes des Höchsten . Nebukadnezar anerkannte also, daß der Gott, dem diese drei treu dienten (vgl. Dan 3,17 ), wahrhaft Gott ist. Der Ausdruck "Gott der Höchste", bzw. einfach nur "der Höchste", kommt im Buch Daniel 13mal vor, mehr als in jedem anderen Buch, außer den Psalmen. Von diesen 13 Vorkommnissen finden sich sieben in Situationen, die im Zusammenhang mit König Nebukadnezar stehen ( Dan 3,26.32;4,14.21-22.29.31 ), und zwei im Zusammenhang mit Belsazar ( Dan 5,18.21 ). Die anderen vier Vorkommnisse sind in Kapitel 7 (V. 18.22.25.27 ). Dieses Bekenntnis war bemerkenswert für Nebukadnezar. Bis dahin hatte er geglaubt, daß seine babylonischen Götter Jahwe überlegen waren (auch wenn er die Größe Jahwes schon einmal anerkannt hatte; Dan 2,47 ). Schließlich hatte er Gefangene aus Juda und Geräte aus dem jüdischen Tempel weggeführt. Aber seine Götter konnten niemand lebend aus einem Ofen retten (vgl. Dan 3,29 )! Der Gott dieser drei (Jahwe) war, wie sie es vorausgesagt hatten, in der Lage, sie aus dem brennenden Ofen zu retten (V. 17 ). Aber obwohl der König die ungewöhnliche Größe Jahwes anerkannte, sah er in ihm nicht seinen Gott.



Dan 3,26.27 (Dan 3,26b.27)


Als die drei aus dem Feuer kamen und sorgfältig untersucht wurden, entdeckten die Obersten Nebukadnezars (vgl. die Anmerkungen zu V. 2 ), daß die Körper der drei Männer unverletzt und ihre Kleider nicht angebrannt waren, ja, daß nicht einmal der Geruch von Feuer an den Kleidern haftete.



Dan 3,28-30


Als diese Beweise Nebukadnezar vorgelegt wurden, erklärte er, daß dies ein Eingreifen des Gottes von Schadrach, Meschach und Abed-Nego gewesen sei, der seinen Engel gesandt habe (vgl. V. 25 ), um die drei, die diesem Gott dienten, zu retten (vgl. V. 17 ). Nebukadnezar war von der Hingabe dieser drei an ihren Gott bewegt (er wußte, daß sie auf ihn vertrauten ), auch wenn dies dazu geführt hatte, daß sie dem König ungehorsam waren und ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt hatten.

Als Folge des Ereignisses solle nun, so erklärte der König, der Gott der drei jungen Männer geehrt werden. Jeder, der diesen Gott lästere, werde sein Leben verlieren (er werde in Stücke geschnitten und sein Haus zu Schutt verbrannt; vgl. Dan 2,5 ). Dann ehrte der König Schadrach, Meschach und Abed-Nego, indem er sie in Positionen mit noch größerer Ehre und Macht in seinem Königreich einsetzte.

Dieses historische Ereignis scheint auch prophetische Bedeutung zu haben. In der kommenden großen Trübsal wird ein heidnischer Herrscher ( Dan 7,8 ) für sich selbst die Anbetung beanspruchen, die nur Gott zusteht (2. Thes 2,4; Offb 13,8 ). Jeder, der sein Recht auf Anbetung ablehnt, wird getötet werden ( Offb 13,15 ). Indem er sich selbst politische und religiöse Macht zuschreibt, wird er Israel unterdrücken ( Offb 13,7 ). Die meisten Menschen in der Welt, unter ihnen auch viele in Israel, werden sich ihm unterwerfen und ihn anbeten. Nur ein kleiner Überrest in Israel wird, wie die drei in den Tagen Daniels, sich weigern. Viele, die ihn nicht anbeten, werden von dem Antichristen hart bestraft werden, einige werden um ihrer Treue zu Jesus Christus willen den Märtyrertod sterben. Aber einige werden von dem Herrn Jesus Christus aus dieser Verfolgung errettet, wenn er auf diese Erde wiederkommt.

In der kommenden Zeit der großen Trübsal wird Gott für diesen gläubigen Überrest tun, was er auch für die drei Freunde Daniels getan hat. Sie widerstanden dem Erlaß des Königs, und obwohl ihnen Leiden und Unterdrückung nicht erspart blieben, wurden sie doch durch den Gott, dem sie vertrauten, gerettet. Ganz sicher wird der Überrest an gläubigen Juden in dieser kommenden Zeit gerade in diesem Ereignis im Leben der drei Freunde Daniels großen Trost und große Hilfe finden, wie dies auch bei den damals unter heidnischer Herrschaft lebenden Juden der Fall gewesen sein wird.



C. Der zweite Traum Nebukadnezars
( 3,31-4,34 )


1. Die Bekanntmachung des Königs
( 3,31 - 33 )


Offenbar vergingen zwischen dem Erlebnis der drei Freunde Daniels ( Dan 3,1-30 ) und diesem Ereignis ( Dan 3,31-4,34; 3,31-33 gehört inhaltlich zu Dan 4 ) eine Reihe von Jahren. Nebukadnezar regierte insgesamt 43 Jahre lang (605 - 562 v. Chr.). Sein Wahnsinn dauerte sieben Jahre. Er kehrte nur noch für eine kurze Zeit auf den Thron zurück, bevor er starb. Er hatte vor diesen letzten Jahren seine ausgedehnten Bauvorhaben in die Tat umgesetzt (V. 27 ). Das Ereignis könnte sich also etwa im 35sten Jahr seiner Herrschaft, ungefähr im Jahr 570 v. Chr. abgespielt haben. Damit wäre es etwa 30 Jahre später als das Erlebnis der drei Männer im Feuerofen. Daniel war nun ungefähr 50 Jahre alt.



Dan 3,31-33


Daniel berichtet von einer offiziellen Erklärung, die Nebukadnezar in seinem ganzen Reich verbreiten ließ. Daniel wurde von dem heiligen Geist geleitet, dieses Dokument in sein Buch aufzunehmen. Gott hatte dem König gezeigt, daß er die, die auf ihn vertrauten und ihm gehorchten, bewahren und retten konnte. Aber die Offenbarung Gottes gegen Nebukadnezar war damit noch nicht zu Ende. Denn Gott offenbarte sich dem König auch durch die Umstände, von denen in diesem Abschnitt die Rede ist. In seiner Erklärung an alle Völker seines Reiches ( Völker, Nationen und Männer aus allen Sprachen ; vgl. die Anmerkungen zu Dan 3,4 ) macht Nebukadnezar deutlich, daß er durch wundersame Zeichen Gottes Macht erkannt habe und daß Gott ( der Höchste ; vgl. die Anmerkungen zu Dan 3,26 ) allmächtig ist und seinen Willen in seinem ewigen Königreich ausführt. Nebukadnezar, der früher geglaubt hatte, daß seine eigene Macht und Weisheit das Königreich unter seiner Herrschaft hatte erstarken lassen, erfuhr nun, daß es Gott ist, der nach seinem Willen herrscht und als seine Werkzeuge benutzt, wen er will.



2. Die Vision des Baumes
( 4,1 - 15 )


a. Die Bitte um Auslegung durch die Weisen
( 4,1 - 4 )


Dan 4,1-4


Zum zweiten Mal wird Nebukadnezar eine Offenbarung durch einen Traum geschenkt (vgl. Dan 2,1.27-29 ). Auch dieser Traum, wie schon Jahre vorher der erste, beunruhigte den König (vgl. Dan 2,1.3 ). Obwohl er zufrieden und im Wohlstand lebte, fürchtete er sich. Deshalb wollte er eine Auslegung des Traumes, um seine Furcht beruhigen zu können. Zwar waren alle die weisen Männer von Babylon zur Zeit seines ersten Traumes wegen ihrer Unfähigkeit, den Traum des Königs zu erzählen und zu deuten, beim König in Ungnade gefallen ( Dan 2,10-12 ), aber natürlich hatte er wieder Berater bekommen. So versammelte er nun die Magier, Zauberer, Astrologen und Wahrsager (vgl. die Anmerkungen zu Dan 1,17 ) und befahl ihnen, den Traum zu deuten, den er ihnen erzählte. Aber sie konnten es nicht.



b. Der Traum wird Daniel berichtet
( 4,5 - 15 )


Dan 4,5


Dann erzählte der König Daniel den Traum. Wieder einmal war er von seinen Ratgebern im Stich gelassen worden und mußte bei jemand Hilfe suchen, der Jahwe diente. Dennoch anerkannte der König noch immer seinen eigenen Gott (vermutlich Bel, alias Marduk), da er Daniel bei seinem babylonischen Namen nennt ( Beltschazar ; vgl. die Anmerkungen zu Dan 1,7 ), in dem der Name Bels steckt. Das Wort schließlich läßt erkennen, daß einige Zeit vergangen war, bevor Daniel in die Gegenwart des Königs trat. Offensichtlich gehörte Daniel nicht zu den Weisen, die zuerst versammelt worden waren, um den Traum zu deuten ( Dan 4,3 ). Augenscheinlich war David in einer bedeutenden Position innerhalb der Regierung, nicht aber ein Ratgeber des Königs (vgl. die Anmerkungen zu Dan 3,12 ). Dies würde erklären, warum er nicht unter der ersten Gruppe der Weisen war, die der König versammelt hatte.

Aufgrund des Eindruckes, den Daniels erste Traumdeutung auf Nebukadnezar gemacht hatte (vgl. Dan 2,46 ), ist es nicht wahrscheinlich, daß der König die Fähigkeit Daniels, Träume zu deuten, vergessen hatte. Vielleicht fürchtete der König sich insgeheim vor der bedrückenden Botschaft, die in seinem Traum enthalten sein könnte, und hoffte, daß die Weisen sie etwas abmildern würden, wenn sie ihn deuten würden. Von Daniel dachte der König, daß er den Geist der heiligen Götter hätte (vgl. Dan 4,6.15;5,11.14 ). Er wußte, daß durch Daniel die Botschaft seines Traumes enthüllt würde. Offensichtlich glaubte Nebukadnezar noch immer an viele Götter, auch wenn er Jahre zuvor die Souveränität Jahwes anerkannt hatte ( Dan 2,47; 3,28-29 ).



Dan 4,6-9


Nebukadnezar nannte Daniel den Obersten unter den Magiern . Er tat dies nicht, weil Daniel an der Spitze der Weisen stand, sondern weil er weiser war als sie alle und Träume verstehen und deuten konnte. Der König verpflichtete Daniel, ihm seinen Traum zu deuten. Es war ein einfacher Traum. Nebukadnezar war nicht verwundert durch das, was er gesehen hatte, sondern durch seine Unfähigkeit, die Bedeutung des Traumes zu erkennen.

Einige Zeit vorher war er in den Libanon gereist, um das Fällen der großen Zedern zu beobachten, die die Balken für seine Bauvorhaben in Babel liefern sollten. Er hatte gesehen, wie große, mächtige Bäume gefällt wurden. Auch der Baum , den er im Traum gesehen hatte, war bemerkenswert in seiner Größe (V. 7 - 8 ), seiner Schönheit (V. 9 ) und seiner Frucht (V. 9 ). Er gab allen Tieren und Vögeln , die unter oder in ihm lebten, Speise und Schutz .


Dan 4,10-11


Der König berichtete nun, daß er einen Boten gesehen habe, einen heiligen. Diesen heiligen Boten, den Nebukadnezar nicht kannte, hätte ein Jude sofort als Engel vom Himmel erkannt, der mit einer Ankündigung gesandt worden war. Der Bote sagte, daß der Baum gefällt werden, die Zweige von dem Stamm abgeschlagen, die Blätter entfernt und die Frucht zerstreut werden würde. Die Tiere und Vögel, die unter und in seinen Zweigen Schutz gefunden hatten, würden verstreut.



Dan 4,12-13


Aber der Stumpf sollte nicht entfernt, sondern mit Ketten aus Eisen und Erz befestigt werden. Vermutlich hätte der erste Teil des Traumes, das Bild des Baumes (V. 7 - 9 ), Nebukadnezar nicht beunruhigt. Vielleicht wäre er sogar stolz geworden, wenn er sich selbst in dem Baum erkannt hätte als der, der so überreich für alle die sorgte, die in seinem Herrschaftsbereich wohnten. Aber dieser zweite Teil der Vision (V. 10 - 12 a), daß nämlich der Baum gefällt werden würde, muß ihn sehr beunruhigt haben.

Der dritte Teil der Vision (V. 12 b - 13 ) muß noch erschreckender gewesen sein - falls Nebukadnezar sich selbst in diesem Baum erkannte. Der gesunde Menschenverstand würde ihn verlassen, und er würde unter den Tieren leben, wahnsinnig geworden. Dieser Zustand würde längere Zeit andauern ( bis sieben Zeiten vergangen sind ; vgl. V. 20.22.29 ). Die "sieben Zeiten" waren vermutlich sieben Jahre, denn (a) sieben Tage oder Monate hätten nicht ausgereicht, damit sein Haar so lang wie Federn werden konnte (V. 30 ), und (b) "Zeiten" bedeutet auch in Dan 7,25 Jahre (vgl. die Anmerkungen dort).



Dan 4,14-15


Mehrere (heilige) Boten verkündigten die Lektion, die durch diese Vision gelernt werden sollte: damit die Lebenden erkennen, daß der Höchste (vgl. die Anmerkungen zu 3, 26) über alle Reiche der Menschen erhaben ist und den Niedrigsten der Menschen über sie setzen kann. Diese Vision war ein Stück der Offenbarung Gottes, durch die er sich selbst und seine Autorität über Nebukadnezar, der sich voller Stolz über Gott erhoben hatte, zeigte. Nun bat der König noch einmal (vgl. Dan 4,6 ), daß Daniel (Beltschazar; vgl. die Anmerkungen zu V. 5 ) ihm die Deutung des Traumes sagen möge.



3. Die Vision wird erklärt
( 4,16 - 24 )


Dan 4,16


Bei der Deutung des ersten Traumes von Nebukadnezar hatte Daniel keinerlei Bedenken gehabt ( Dan 2,27-45 ). Nun aber zögerte er, den Traum auszulegen. Der erste Traum hatte Nebukadnezar verherrlicht, er war das goldene Haupt gewesen. Aber dieser zweite Traum erniedrigte ihn. Als der König das Zögern Daniels bemerkte, ermutigte er ihn, nicht entsetzt zu sein, sondern ihm die Bedeutung des Traumes zu sagen. Daniel begann, indem er zunächt respektvoll betonte, daß er wünschte, der Traum handle von den Feinden des Königs.


Dan 4,17-19


Daniel wiederholte die Beschreibung von der Größe des Baumes (V. 17 - 18 ) und erklärte dann, daß der Baum ein Bild für Nebukadnezar sei (V. 19 ). Er überbrachte also die gute Nachricht zuerst! Nebukadnezar war, wie der Baum, groß und stark geworden , und sein Reich hatte sich ausgedehnt und war unter seiner Herrschaft erstarkt. Sein Reich war größer geworden als jedes andere Reich zu jener Zeit.



Dan 4,20-23


Dann kam die schlechte Nachricht. Das Fällen des Baumes - auf einen Erlaß des Höchsten hin - bedeutete, daß Nebukadnezar aus seiner Machtstellung im Königreich entfernt werden würde. Er würde aus dem Palast getrieben (weg von den Menschen) und wie ein Tier unter wilden Tieren leben, bis sieben Zeiten (V. 20 ) vergangen sein würde. Das Wort "Zeiten" wird noch einmal in Dan 7,25 benutzt, wo es ebenfalls Jahre meint (vgl. die Anmerkungen dort). Daniel sagt also voraus, daß Nebukadnezar sieben Jahre lang als Wahnsinniger leben werde.

Es gibt eine Geisteskrankheit, die als Zooanthropie bekannt (und heute durchaus verbreitet) ist. Dabei hält sich ein Mensch für ein Tier und verhält sich auch entsprechend. Vielleicht war dies die Krankheit, die Nebukadnezar hatte. Nachdem Daniel diese Geisteskrankheit angekündigt hatte, kam er darauf zu sprechen, welchen Zweck sie haben würde. Die Boten hatten dies im Traum angekündigt ( Dan 4,14 ). Durch seine Krankheit werde Nebukadnezar dahin kommen, anzuerkennen, daß der Höchste über die Reiche der Menschen herrscht und sie gibt, wem er will.


Dan 4,23-24


Daniel erläuterte weiter, daß die Tatsache, daß der Stumpf nicht ausgerissen wurde (sondern gesichert und im Feld gelassen; V. 12 ), zeige, daß der König auf den Thron wieder eingesetzt würde. Aber diese Erneuerung werde erst geschehen, wenn Nebukadnezar die souveräne Macht der Herrschaft Gottes anerkannt habe ( daß der Himmel herrscht ).

Daniel schloß, indem er den König ermahnte, seine Sünden zu unterlassen . Hier wird ein göttliches Prinzip deutlich: Jedes angekündigte Gericht kann abgewendet werden, wenn es Buße und Umkehr gibt (vgl. das Buch Jona). Daniel drängte Nebukadnezar, sich von seinem sündigen Stolz abzuwenden und die Früchte der Gerechtigkeit zu bewirken ( tun, was recht ist, und freundlich zu den Unterdrückten sein ) - Taten, die aus einem Herz kommen, das sich Gott unterworfen hat. Hätte Nebukadnezar dies getan, dann hätte er die sieben Jahre seines Wahnsinns vermeiden können.



4. Die Vision wird erfüllt
( 4,25 - 30 )


Dan 4,25-30


Bald schon war die Offenbarung, die durch Daniels Deutung an Nebukadnezar ergangen war, vergessen und die Ermahnung ignoriert. Nebukadnezar fuhr in seinem sündigen Stolz fort. Er kehrte nicht um, wie Daniel ihm geraten hatte (V. 24 ). Der König wurde von seinem großen Egoismus beherrscht. Er sah die Stadt Babel als seinen eigenen, persönlichen Besitz und als eine Widerspiegelung seiner Macht und Herrlichkeit an (V. 27 ).

Gott ertrug Nebukadnezars Stolz zwölf Monate lang . Dies könnte noch einmal eine Zeit der Gnade gewesen sein, in der Gott Nebukadnezar die Möglichkeit gab, Buße zu tun und zu ihm umzukehren. Aber als Nebukadnezar die Ermahnung Daniels zur Umkehr ignorierte, verfügte Gott, der Nebukadnezar seine Autorität gegeben hatte, die Unterbrechung seiner Herrschaft.

Was vorausgesagt worden war, wurde nicht länger zurückgehalten, und das Gericht kam über Nebukadnezar, so wie Daniel es ausgelegt hatte. Als der König sich seiner Werke rühmte, während er sich auf dem Dach (vermutlich einem Flachdach, wie in jenen Tagen üblich) seines königlichen Palastes aufhielt (V. 26 ), verkündigte eine Stimme vom Himmel (V. 28 ) seine Strafe.

Wie vorausgesagt, lebte der König wie ein Tier auf dem Feld. Er aß Gras wie das Vieh . (Später sagt Daniel, daß der König wie ein wilder Esel lebte; Dan 5,21 ). Sein Körper wurde vom Tau durchnäßt, sein Haar wuchs so lange wie die Federn eines Adlers und seine Nägel wie die Klauen eines Vogels. Er kümmerte sich nicht um seine äußere Erscheinung. Nebukadnezar wurde, vielleicht wegen seiner königlichen Stellung, in einem geheimen Park versteckt, damit sein wahrer Zustand vor dem Volk verborgen werden konnte. Es ist auch denkbar, daß Daniel während der Abwesenheit des Königs eine wichtige Rolle bei der Erhaltung des Königreichs und vielleicht auch der Verhinderung eines Königsmordes gespielt hat.



5. Der König wird gesund
( 4,31 - 34 )


Dan 4,31-32


Als die sieben Jahre (vgl. die Anmerkungen zu V. 20 ) vorbei waren ( nach dieser Zeit ), wurde Nebukadnezar, der wieder Verstand erhalten hatte, erneut in seine Herrschaft eingesetzt und lobte den Höchsten (vgl. die Anmerkungen zu Dan 3,26 ). Der König, der seine eigene Ehre und Herrlichkeit gesucht hatte, erkannte nun an, daß der Höchste für immer lebt . Der König bekannte, daß Gottes Herrschaft ewig ist und daß sein Reich bestehen bleibt (vgl. Dan 6,27; 7,14.27 ). Er anerkannte also Gottes Allmacht und Autorität.

Nebukadnezar anerkannte aber auch Gottes unabänderlichen Willen: Er tut, wie ihm gefällt, mit den Mächten des Himmels und den Völkern auf der Erde . Auch bekannte der König, daß sich der Mensch vor Gott verantworten müsse, nicht Gott vor dem Menschen, denn niemand könne Gott an seinem Tun hindern und niemand habe das Recht, ihn in Frage zu stellen (vgl. Hi 33,12 b. 13 ; Jes 29,16; 45,9; Röm 9,19-20 ).



Dan 4,33-34


Dieses Bekenntnis zu Gottes Recht und Herrschaft (V. 31 - 32 ) führte dazu, daß der Verstand des Königs wiederkehrte (vgl. V. 31 ) und er wieder auf seinen Thron eingesetzt wurde. Nachdem er vor Gott gedemütigt worden war, wurde Nebukadnezar zu größeren Ehren erhoben, als er sie vorher gekannt hatte. Er sagte, daß er den König des Himmels preise, ehre und verherrliche (vgl. "geehrt" und "verherrlicht" in V. 31 ). Diese Verben weisen auf ein beständiges Tun hin. Nebukadnezar tat dies immer wieder. Es geht dabei um Ehrfurcht, Respekt, Verehrung, Bewunderung und Anbetung.

Da Nebukadnezar sagte, daß diese Dinge sein Leben kennzeichnen würden, haben viele Ausleger gemeint, daß er eine Erneuerung erlebt habe und ein Kind Gottes geworden sei. Nebukadnezar bekannte, daß das, wie Gott an ihm gehandelt hatte, recht und gerecht gewesen war. Ein solches Bekenntnis kann natürlich von niemand geäußert werden, der in Rebellion gegen Gott lebt. Außerdem gab der König zu, daß er in Stolz gewandelt war (vgl. Dan 5,20 ), aber durch seine Erfahrung gedemütigt worden sei. Auch dieses würde dafür sprechen, daß Nebukadnezar durch sein neuentdecktes Wissen über Gott völlig verändert worden war.

Dieses Ereignis scheint von prophetischer Bedeutung zu sein wie auch das aus Kapitel 3 . Obwohl es Gott ist, der die Heiden in seinem Plan während der Zeit der Heiden auf einen so bedeutsamen Platz stellt, leben doch die meisten Völker und Menschen in Rebellion gegen ihn. Diese Einstellung wird sehr deutlich in Ps 2,1-3 beschrieben. Gott wird mit den Nationen fertig werden, sie demütigen und sich und seiner Herrschaft unterwerfen. Ein Zweck der großen Trübsal, die der Wiederkunft Christi direkt vorausgehen wird, wird es sein, die Völker zu demütigen und dahin zu bringen, daß sie sich der Herrschaft Christi unterordnen. Nach Beendigung der Gerichte Gottes, die in Offb 6-19 beschrieben werden, wird Jesus Christus, der siegreiche Reiter auf dem weißen Pferd, vom Himmel herabkommen und die Völker zerschmettern. Dann wird ein Engel verkündigen, daß das Reich der Welt das Reich unseres Herrn und seines Christus geworden ist und er für immer und ewig regieren wird ( Offb 11,15 ). Gottes Gericht über Nebukadnezar, das ihn unter Gottes Autorität und Herrschaft unterwerfen sollte, scheint ein Vorbild für Gottes Gericht über die Nationen zu sein, durch das er sie der Autorität des Einen unterwerfen wird, dem das Recht zu herrschen gegeben ist.



D. Das Fest Belsazars
( 5,1 - 6,1 )


1. Die Lästerung des Königs
( 5,1 - 4 )


Die Ereignisse, die in Dan 1-4 berichtet werden, gehören in die Herrschaftszeit von Nebukadnezar, unter dem das babylonische Weltreich wuchs und vereinigt wurde. Nebukadnezar starb 562 v. Chr., nach 43jähriger Herrschaft. Die darauf folgenden Jahre der babylonischen Geschichte bis zur Eroberung durch Kyrus (539 v. Chr.) waren durch einen immer größer werdenden Verfall, Intrigen und Morde gekennzeichnet. Auf Nebukadnezar folgte sein Sohn Ewil-Merodach, der nur zwei Jahre lang regierte (562 - 560 v. Chr.; 2Kö 25,27-30; Jer 52,31-34 ). Ewil-Merodach wurde im August 560 durch Neriglissar, den Schwiegersohn Nebukadnezars, ermordet. Neriglissar regierte darauf vier Jahre lang (560 - 556 v. Chr.). Er ist der Nergal-Sarezer, der in Jer 39,3.13 erwähnt wird. Nach seinem Tod folgte ihm sein junger Sohn Labaschi-Marduk auf dem Thron, der aber nur zwei Monate regierte (Mai und Juni 556), bevor er ermordet und durch Nabonidus ersetzt wurde, der dann 17 Jahre lang König über Babylon war (556 - 539 v. Chr.) Vgl. dazu die Tabelle "Könige des neubabylonischen Königreiches" in der Einführung .

Nabonidus tat viel, um die Herrlichkeit, die das babylonische Reich unter Nebukadnezar gehabt hatte, wieder aufzurichten. Seine Mutter war die Hohepriesterin des Mondgottes in Haran. Vielleicht war es ihr Einfluß, daß er ein großes Interesse an der Erneuerung und Verbreitung der babylonischen Religion hatte und viel tat, um die verlassenen Tempel wieder zu restaurieren. Von den 17 Jahren seiner Herrschaft verbrachte er zehn außerhalb von Babylon (554 - 545). In Haran erneuerte er den Tempel des Mondgottes Sin, dann griff er Edom an und eroberte Teile von Arabien, wo er dann einige Zeit lebte.

Belsazar war der älteste Sohn von Nabonidus. Er war von seinem Vater als Mitregent ernannt worden. (Nebukadnezar wird der Vater von Belsazar genannt [ Dan 5,2.11.13.18 ; vgl. V. 22 ], da dieser einer seiner Nachfolger auf dem Thron war.) Diese Mitregentenschaft erklärt, warum Belsazar König genannt wird (V. 1 ) und warum er königliche Autorität ausübte, obwohl eigentlich Nabonidus auf dem Thron saß.



Dan 5,1


Babel wurde von einem persischen Heer belagert, das von Ugbaru, dem Regenten von Gutium, angeführt wurde, während Belsazar ein großes Festmahl für seine tausend Obersten in der Stadt gab. Belsazars Name bedeutet "Bel (ein anderer Name für den Gott Marduk) hat den König beschützt". Vielleicht sollte das Festmahl die Verachtung Belsazars für die Perser zeigen und die Ängste des Volkes zerstreuen. Archäologen haben in Babel eine große Halle ausgegraben, die über 16 m breit und knapp 50 m lang ist und getünchte Wände hat. Solch ein Raum hätte genügt, um diese große Menge Menschen zu beherbergen. Belsazar hielt seine Stadt wegen ihrer dicken und mächtigen Mauern vor allen Angriffen sicher. In der Stadt waren Vorräte gelagert, die für 20 Jahre ausgereicht hätten. Der König sah also keinen Grund, warum er sich sorgen sollte.



Dan 5,2-4


Das Festmahl selbst zeigte Belsazars Verachtung für die Macht der Menschen. Um nun auch noch seine Verachtung für die Macht des wahren Gottes zu zeigen, ließ er die goldenen und silbernen Becher, die Nebukadnezar aus dem Tempel in Jerusalem genommen hatte (vgl. Dan 1,1-2 ), in den Festsaal bringen, damit die versammelten Fürsten und Mächtigen aus ihnen trinken konnten. Bei ihrem Trinken ehrten die Menschen die Götter Babylons - Götzen aus Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Holz und Stein. Nabonidus, Belsazars Vater, hatte versucht, die babylonische Religion zu stärken. In Übereinstimmung damit könnte dieses Tun seines Sohnes ein Versuch gewesen sein, den Einfluß der durch Nebukadnezar erfolgten Ehrung des Gottes von Israel ( Dan 4,31-32 ) zu beseitigen. Anwesend waren übrigens auch die Frauen und Nebenfrauen des Königs.



2. Die Offenbarung an den König
( 5,5 - 12 )


Dan 5,5-7


Plötzlich wich die ausgelassene Fröhlichkeit einer großen Erschrockenheit. Nahe bei einem der Leuchter, die den Festsaal erhellten, sah man die Finger einer menschlichen Hand , die auf die getünchte Wand schrieben. Der entsetzte König (vgl. Dan 4,2 ) beobachtete, wie die Hand eine Botschaft schrieb. Offenbar hatte sich der König aus dem Stuhl, von dem aus er die Feierlichkeiten leitete, erhoben und schaute stehend auf die Wand. Er war so erschrocken, daß seine Beine versagten und er hinfiel. Wie in kritischen Situationen üblich (vgl. Dan 2,2; 4,3-4 ), rief Belsazar sofort die Weisen, Zauberer, Astrologen und Wahrsager (vgl. die Anmerkungen zu Dan 1,17 ) zusammen und versprach dem eine Belohnung, der ihm die Bedeutung dieses seltsamen Phänomens erläutern konnte.

Die versprochene Belohnung war groß. Der Ausleger würde in Purpur gekleidet werden (vgl. den purpurnen Mantel Mordechais; Est 8,15 ), d. h. ihm würde königliche Macht gegeben. Außerdem würde er eine goldene Kette erhalten (vgl. 1Mo 41,42 ), die ohne Zweifel hohen Wert hatte. Er würde der dritthöchste Herrscher im Königreich . Da Nabonidus König und Belsazar Koregent waren, war das höchste Amt, das man anbieten konnte, das des dritthöchsten Herrschers. Dieses Angebot des Königs macht deutlich, wie sehr er sich fürchtete.

 

Dan 5,8-12


Aber die Weisen waren nicht fähig, das Geschriebene zu lesen oder zu deuten. Dies ließ die Furcht des Königs noch größer werden. Diese Unfähigkeit, die Botschaft zu verstehen, machte die ganze Sache noch geheimnisvoller. Alle Gäste, die wie der König das Schreiben an der Wand gesehen hatten, waren aufs äußerste verwirrt ( seinen Mächtigen wurde angst und bange ). Das Durcheinander in der Festhalle drang zu den Ohren der Königin . Offenbar war sie nicht die Frau Belsazars, denn seine Frauen waren ja bei ihm in der Halle (V. 2 - 3 ). Sie war die Mutter oder vielleicht sogar die Großmutter des Königs. Daß sie sowohl Nebukadnezar als auch Daniel gut kannte, scheint eher auf die Großmutter hinzuweisen. Offenbar war sie Daniel vorher bereits begegnet, denn sie beschrieb ihn als einen Mann, der den Geist der heiligen Götter hat (vgl. Dan 4,5-6.15;5,14 ). Sie wußte von seiner Einsicht , seinem Verständnis und seiner Weisheit (V. 11 ), seinem Wissen und Verstand und seiner Fähigkeit, Träume zu deuten (V. 12 ). (Zu Daniels Stellung als "Haupt der Magier" vgl. die Anmerkungen zu Dan 4,6 .) Deshalb riet sie Belsazar, Daniel holen und das Geschriebene auf der getünchten Wand deuten zu lassen.



3. Die Bitte des Königs
( 5,13 - 16 )


Dan 5,13-16


Belsazar befolgte den Rat der Königin und ließ Daniel vor sich bringen . Offenbar versuchte der König, Daniel klein zu machen, denn er bezeichnete ihn als einen von den Weggeführten aus Juda . Schließlich kam er aus dem gleichen Land, dessen Gott Belsazar so verachtete (V. 2 - 3 )! Dann wiederholte der König noch einmal gegenüber Daniel, was er von der Königin über dessen Fähigkeit, zu tun, wozu die Weisen und Wahrsager nicht in der Lage waren, gehört hatte (V. 11 - 12 ). Er versprach Daniel die gleiche Belohnung wie den Weisen (V. 16 ; vgl. V. 7 ), wenn dieser die Schrift auf der Wand lesen und ihre Bedeutung erklären könne. Es war zwar in aramäisch geschrieben, aber offensichtlich schwer zu lesen, vielleicht weil eine ungewöhnliche Schriftform benutzt wurde.



4. Die Antwort durch Daniel
( 5,17 - 28 )


a. Belsazar wird gedemütigt
( 5,17 - 21 )


Dan 5,17-19


In seiner Antwort faßte Daniel das Wirken Gottes an Belsazars Vorgänger Nebukadnezar noch einmal zusammen. Er berichtete von den Lektionen, die Nebukadnezar aus Gottes Handeln gelernt hatte. Gott ist souverän und herrscht über die Völker. Er setzt Könige nach seinem eigenen Willen ein. Nebukadnezar war in seine Machtstellung im babylonischen Reich gekommen, weil Gott ihn eingesetzt hatte. ( Gott der Höchste , vgl. die Anmerkungen zu Dan 3,26 , gab Nebukadnezar Macht .) Seine Autorität wurde überall anerkannt (von Völkern und Nationen und Männern aus allen Sprachen ; vgl. Dan 3,4.7;6,26; 7,14 ), und seine Erlasse wurden nicht angezweifelt ( Dan 5,19 ).



Dan 5,20-21


Weil Nebukadnezar jedoch nicht erkannt hatte, daß es Gottes Macht war und nicht seine eigene, die ihn in diese Stellung erhoben hatte, wurde er hochmütig und stolz (vgl. Dan 4,27 ). Gott demütigte ihn und stieß ihn von seinem Thron, so daß er wie ein Tier mit den wilden Eseln leben mußte. Durch diese Züchtigung war Nebukadnezar dazu gebracht worden, die Größe der Macht Gottes zu erkennen ( Dan 4,31 ). Zwar hatte der siebenjährige Wahnsinn Nebukadnezars vor der Öffentlichkeit verborgen bleiben können, aber die königliche Familie wußte natürlich davon (vgl. Dan 5,22 ).



b. Der Stolz Belsazars
( 5,22 - 24 )


Dan 5,22-24


Belsazar wußte, was sein Vorgänger erlebt hatte, und hätte daraus gelernt haben müssen. Aber er hatte es nicht getan. Im Gegenteil, er hatte den HERRN des Himmels (vgl. " der König des Himmels "; Dan 4,34 ) öffentlich herausgefordert, indem er die Becher, die aus dem Tempel in Jerusalem stammten, genommen ( Dan 5,2-3 ) und die von Menschen geschaffenen Götter geehrt hatte (V. 4 ). Sie haben kein Leben. Der wahre Gott aber hat nicht nur das Leben, sondern er hält auch das Leben Belsazars in seiner Hand . Daniel benutzte offenbar ein interessantes Wortspiel, als er hinzufügte, daß Gott, der Belsazars Leben in seiner Hand hielt, eine Hand geschickt hatte , die ihm eine Botschaft schrieb. Belsazar, der von Gott wußte, hatte ihn nicht geehrt.

 

c. Das Gericht Gottes
( 5,25 - 28 )


Dan 5,25


So wie Gott Nebukadnezars Stolz gerichtet hatte, indem er ihn vom Thron gestoßen hatte, so würde er nun den Stolz Belsazars richten und sein Königreich von ihm nehmen und anderen Menschen geben. Dieses Gericht war in den Worten geschrieben , die auf der Wand erschienen waren. Zuerst las Daniel die Schrift , die die Weisen nicht hatten lesen können. Sie war kurz und bestand nur aus drei Worten, wobei das erste Wort noch einmal wiederholt wurde. Mene ( m+nE? ) ist ein aramäisches Substantiv und bezieht sich auf ein Gewicht von 50 Schekeln (ein "Pfund", etwa 690 Gramm). Es ist abgeleitet von dem Verb m+nCh , "zählen, schätzen". Tekel ( t+qEl ) ist ein Substantiv und meint das "Schekel", ein Gewicht von ca. 14 Gramm. Es ist abgeleitet von dem Verb t+qAl , "wiegen". Parsin ( parsIn ) ist ebenfalls ein Substantiv und meint ein halbes Pfund (25 Schekel, etwa 350 Gramm). Es ist abgeleitet von dem Verb p+ras , "auseinanderbrechen, teilen". Das Wort auf der Mauer lautete eigentlich ^ParsIn , was "und Parsin" bedeutet.

Selbst wenn die Weisen die Worte hätten lesen können (was sie nicht konnten), hätten sie diese nicht auslegen können, denn sie wußten nicht, um was es ging, was da gezählt, gewogen und geteilt wurde.



Dan 5,26-27


Daniel fuhr nun fort und erläuterte die Bedeutung dieser Worte. Er erklärte, Mene bedeute, daß Gott die Dauer der Tage von Belsazars Herrschaft gezählt ( m+nCh ) habe und zu Ende bringen werde. Tekel bedeute, daß Belsazar von Gott in einer Waage gewogen ( t+qIltCh , von t+qAl ) und als zu leicht befunden wurde. Mit einer Waage wurden gewöhnlich die Zahlmittel gewogen. Ein Zahlmittel mußte ein bestimmtes Gewicht haben. Wenn es diesem Standard nicht entsprach, wurde es abgelehnt. Belsazars moralischer und geistlicher Charakter stimmte nicht mit Gottes Maßstab der Gerechtigkeit überein. Deshalb wurde er verworfen. "Von ihm [Gott] werden die Taten gewogen" ( 1Sam 2,3 ).



Dan 5,28


Bei der Deutung des dritten Wortes veränderte Daniel den Plural parsIn (V. 25 ) in den Singular Peres ( p+rEs ). Belsazars Königreich würde zerbrochen ( zerteilt , p+rIsaT ) und den Medern und Persern gegeben werden . Offenbar wollte Daniel ein Wortspiel machen, denn durch eine einfache Vokalveränderung des Wortes p+rEs erhält man das Wort "Persien" (P Aras ). Die Botschaft lautete also, daß Gott wegen dem moralischen und geistlichen Zerfall des Königs und seines Reiches das babylonische Weltreich beenden und es den Medern und Persern geben werde.



5. Die Weissagung wird erfüllt
( 5,29 - 6,1 )


Dan 5,29-6,1


Man hätte nun erwarten können, daß der Zorn Belsazars über Daniel gekommen wäre, weil er diese Botschaft verkündigt hatte. Aber der König blieb statt dessen seinem Versprechen treu (V. 16 ) und belohnte Daniel. Aber Daniel konnte sich dieser Ehren und der Stellung, in die er erhoben worden war, nur kurz freuen, denn in dieser Nacht wurde Belsazar getötet, und Darius, der Meder, übernahm das Reich . (Wer dieser Darius, der Meder, war, wird in den Anmerkungen zu Dan 6,2 besprochen.)

Die Stadt wurde von Kyrus angegriffen. In der Erwartung einer langen Belagerungszeit hatte man in der Stadt Nahrungsmittel für mindestens 20 Jahre gelagert. Der Euphrat floß von Norden nach Süden quer durch die Stadt, es fehlte also nie an Wasser. Belsazar fühlte sich fälschlicherweise so sicher, weil das persische Heer unter Führung von Ugbaru außerhalb der Stadtmauern Babels lag. Sie hatten das Heer geteilt. Ein Teil lag im Norden, wo der Fluß in die Stadt floß, der andere Teil im Süden, wo er wieder herauskam. Indem sie einen Kanal nördlich der Stadt zwischen dem Euphrat und einem nahegelegenen See gruben, leiteten sie einen Teil des Wassers um.

Als das Wasser auf diese Weise geteilt war, konnten die Soldaten durch das Flußbett in die Stadt gelangen. Da die Mauern nicht bewacht waren, eroberten die Perser, nachdem sie einmal in der Stadt waren, diese ohne Kampf. Es ist von Bedeutung, daß diese Eroberung Babels nicht nur die Weissagung erfüllte, die Daniel kurz zuvor in dieser Nacht ausgelegt hatte ( Dan 5,28 ), sondern auch eine Prophezeiung von Jesaja ( Jes 47,1-5 ). Diese Eroberung Babels geschah in der Nacht auf den 16. Tischri (12. Oktober 539 v. Chr.).

Die Herrschaft der Meder und Perser war die zweite Phase der Zeit der Heiden (die Brust und die Arme aus Silber in dem Standbild in Dan 2 ). Die Ereignisse in Kapitel 5 zeigen, daß Gott allmächtig ist und daß er seinen Plan erfüllt. Diese Ereignisse sind aber auch ein Vorbild der endgültigen Unterwerfung der heidnischen Weltmächte, die sich gegen Gott auflehnen und durch moralische und geistliche Verdorbenheit charakterisiert sind. Dieses Gericht, wie es in Ps 2,4-6 und Offb 19,15-16 angekündigt ist, wird bei der Wiederkunft Jesu Christi auf diese Erde erfüllt werden.



E. Der Erlaß von Darius
( Dan 6,2-29 )


1. Die Vorrangstellung von Daniel
( 6,2 - 4 )


Dan 6,2 a


Seit langer Zeit bestreiten kritische Theologen die Historizität von Daniel. Sie bezweifeln die Richtigkeit der Erwähnung der Thronbesteigung von Darius (V. 2.29 ; Dan 9,1 ; in Dan 5,31 auch "Darius aus Medien" genannt), weil es keine außerbiblischen Belege für diese Herrschaft gibt. Es sind jedoch verschiedene Lösungsmöglichkeiten für dieses Problem denkbar:

1) Darius könnte ein anderer Name sein für Kyrus. Man könnte Daniel 6,29 dann so übersetzen: "So hatte Daniel große Macht während der Herrschaft von Darius, ja, während der Herrschaft des Kyrus von Persien." Es war durchaus üblich für die Herrscher jener Zeit, daß man ihnen in verschiedenen Teilen ihres Herrschaftsgebietes verschiedene Namen gab. Darius könnte ein örtlich begrenzter Name für Kyrus gewesen sein. (Dies ist die Sicht z. B. von D.J. Wiseman, "Some Historical Problems in the Book of Daniel" in Notes on Some Problems in the Book of Daniel , S. 12 - 14.)

2) Eine zweite Erklärung könnte sein, daß Darius von Kyrus als Herrscher über Babylon, einen relativ kleinen Teil des riesigen medo-persischen Reiches, ernannt worden war. Nach Daniel 9,1 wurde Darius "zum Herrscher über das babylonische Königreich gemacht". Dies könnte bedeuten, daß er zum Herrscher eingesetzt worden und so Kyrus, der ihn eingesetzt hatte, untergeordnet war. Die historische Situation, die zu dieser Ernennung geführt hatte, war nach der Nabonidus-Chronik, daß Babel von Ugbaru erobert worden war, dem Regenten von Gutium, der die Stadt in der Nacht, als Belsazar sein Fest feierte, eingenommen hatte. Nachdem Ugbaru Babel am 12. Oktober 539 v. Chr. erobert hatte, zog Kyrus am 29. Oktober dieses Jahres dort ein. Ugbaru wurde dann von Kyrus zum Herrscher über Babel ernannt. Acht Tage nach der Ankunft von Kyrus (am 6. November) starb Ugbaru. Wenn Darius, der Meder, ein anderer Name für Ugbaru ist, dann wäre das Problem gelöst. Da Darius 62 Jahre alt war, als er Babel übernahm ( Dan 6,1 ), wäre sein Tod nach wenigen Wochen nicht ungewöhnlich. Nach dieser Theorie (die William H. Shea, "Darius the Mede: An Update", Andrews University Seminary Studies 20 , Herbst 1982, S. 229 - 47 aufgestellt hat) ist Gubaru eine andere Schreibweise von Ugbaru, und der Name Gobryas, die griechische Form des gleichen Namens, erscheint in Xenophons Cyropaedia 4.6.1-9; 7.5.7-34.

3) Eine dritte Erklärungsmöglichkeit ist, daß Ugbaru, der Regent von Gutium, Babel eroberte und Gubaru, alias Darius, der Mann war, den Kyrus als Herrscher über Babel einsetzte. (Diese Theorie vertritt John C. Whitcomb, Jr., Darius the Mede . Nutley, N.J.: Presbyterian & Reformed Publishing Co., 1974.)

4) Wieder andere schlagen vor, Darius, der Meder, solle mit Cambyses, dem Sohn von Kyrus, identifiziert werden, der von 530 bis 522 über Persien herrschte. (Diese Theorie wird von Charles Boutflower behauptet, In and Around the Book of Daniel . Reprint. Grand Rapids: Kregel Publishing Co., 1977, S. 142 - 155.) Jede dieser vier Möglichkeiten ist denkbar, aber vielleicht ist die zweite die wahrscheinlichere.



Dan 6,2-4 (Dan 6,2b-4)


Eine von den ersten Aufgaben, die Darius zu lösen hatte, war die Neu-Organisation des gerade eroberten Königreiches Babylon. Er setzte 120 Statthalter (vgl. Dan 3,2 ) ein, um über das Königreich von Babylon zu herrschen. Diese wiederum unterordnete er drei Fürsten, von denen einer Daniel war . Die Statthalter waren den drei Fürsten verantwortlich (also wohl je 40 Statthalter einem Fürsten), so daß der König in seinen administrativen Aufgaben eine große Hilfe hatte. Daniel war als Fürst hervorragend, zum Teil vermutlich wegen seiner großen Erfahrung, die er in den 39 Jahren unter Nebukadnezar gesammelt hatte ( Dan 2,48 ). Deshalb wollte der König Daniel für das gesamte Königreich verantwortlich machen. Dies schuf natürlich Spannungen zwischen Daniel und den anderen Fürsten und Statthaltern.



2. Die Verschwörung der Fürsten
( 6,5 - 10 )


Dan 6,5-6


Die beiden anderen Fürsten und die 120 Statthalter suchten nach einem Grund, um Daniel wegen seiner politischen Arbeit anklagen zu können. Vermutlich waren sie auf seine Stellung eifersüchtig und lehnten ihn ab, weil er Jude war (vgl. die Anmerkungen zu Dan 3,12 ). Aber sie mußten feststellen, daß Daniel ihnen keinen Grund zu einer Anklage gab. Er war vertrauenswürdig und sehr genau in der Erledigung seiner Aufgaben. Sie beschlossen, daß sie einen Anklagegrund nur in seinem religiösen Verhalten finden konnten, das ihnen offenbar wohlbekannt war.



Dan 6,7-10


Also schmiedeten die 122 einen Plan. (Daniel war jedenfalls mächtig in der Unterzahl!) Sie schlugen König Darius vor, daß er, der König, 30 Tage lang der einzige Empfänger für die Anbetung des Volkes sein solle. Entweder hatten die 122 noch andere (unter ihnen die Würdenträger, Ratgeber und Befehlshaber ) dazu gebracht, diesem Plan zuzustimmen, oder sie behaupteten dies nur. Jedenfalls war es nicht richtig, daß sie alle zugestimmt hatten (V. 8 ), denn mit Daniel hatten sie nicht darüber gesprochen. Alle Gebete sollten in dieser Zeit nur noch an den König gerichtet sein. Dadurch würde man seine Macht auf dem religiösen Gebiet anerkennen. Wer sich gegen seine religiöse Autorität auflehnte, sollte in die Löwengrube geworfen werden. Darius, der ohne Zweifel von der Ehrung, die er empfangen würde, geschmeichelt war, stimmte dem Plan zu und unterzeichnete ihn als Gesetz, das nach medo-persischem Recht unwiderruflich war.



3. Das Gebet Daniels
( 6,11 - 12 )


Dan 6,11-12


Der Erlaß , der von Darius zum Gesetz gemacht worden war, wurde öffentlich bekanntgemacht. Daniel aber, obwohl er von dem Erlaß wußte, verhielt sich nach seiner Gewohnheit ( so, wie er es zuvor getan hatte ) und ging in sein oberes Zimmer dreimal an jedem Tag, um zu Gott zu beten (vgl. Ps 55,18 ), und zwar in Richtung Jerusalem (vgl. Ps 5,8; 2Chr 6,21.34.38 ).

Daniels Gebet war zunächst einmal ein Gebet des Dankes ( Dan 6,11 ), in dem er die Güte Gottes gegen ihn pries. Dann war es auch ein Gebet um Führung und Hilfe (V. 12 ). Ohne Zweifel lastete die Verantwortung des hohen Amtes schwer auf Daniel, und so suchte er die Weisheit Gottes in den Entscheidungen, die er treffen mußte. Daniel war zu dieser Zeit bereits über 80 Jahre alt (539 v. Chr.). Als er vor 66 Jahren (605 v. Chr.) gefangengenommen worden war, war er etwa 16 Jahre alt gewesen. Es könnte also auch sein, daß er aufgrund seines Alters Gott auch um physische Kraft für seine schweren Aufgaben bat. Er versuchte dabei nicht, seine Frömmigkeit oder seine Abhängigkeit von Gott zu verstecken, auch wenn sein Gebet jetzt ein Ungehorsam gegenüber einem staatlichen Erlaß war (vgl. Apg 5,29 ). Daniel wollte und konnte bei Darius weder Hilfe noch Stärkung erbitten, denn er wußte, daß nur Gott sie ihm schenken konnte. Offenbar wußten seine Widersacher, wo und wann er betete. Daher gingen (wörtl.: "eilten") sie zu der erwarteten Zeit zu seinem Zimmer und fanden ihn im Gebet .

 

4. Die Verfolgung Daniels
( 6,13 - 19 )


Dan 6,13


Schnell brachte man seine Anklage gegen Daniel vor Darius, der den Erlaß unterzeichnet hatte. Darius erkannte, daß er durch sein eigenes Gesetz gebunden war. Er sagte: Das Gesetz kann niemand aufheben . Nebukadnezar, der Babylonier, hatte über dem Gesetz gestanden, aber Darius, der Meder, war durch das Gesetz gebunden. Dies wird auch durch den Unterschied zwischen Gold und Silber in dem Standbild aus dem Traum Nebukadnezars deutlich ( Dan 2,32.39 ).



Dan 6,14-17


Als Darius ihre Anklagen gegen Daniel hörte, den sie verächtlich als einen der Gefangenen aus Juda bezeichneten (wie schon Arjoch und Belsazar es getan hatten; vgl. Dan 2,25;5,13 ), war er sehr betrübt .

Obwohl Darius wußte, daß er an das Gesetz, das er erlassen hatte, gebunden war, versuchte er dennoch, Daniel vor der Strafe zu retten, die das Gesetz vorsah. Aber es gelang ihm nicht, und so gab er den Befehl, daß Daniel in die Löwengrube geworfen werden solle.

Als er in die Grube geworfen wurde - was den sicheren Tod bedeutete - sagte der König: Möge dein Gott, dem du ohne Unterlaß dienst (vgl. Dan 6,21;3,17 ), dich retten . Ob Darius von der Errettung der drei Freunde Daniels aus dem Feuerofen zur Zeit Nebukadnezars wußte, ist nicht sicher. Doch zeigt seine Aussage ein Verlangen, daß Daniel verschont werden möge. Ganz sicher wollte er ihn verschonen, denn er schätzte seine Führungsqualitäten offensichtlich sehr (vgl. Dan 6,3-4 ). Vielleicht war er auch beeindruckt von dem Vertrauen, das Daniel in Gott hatte.



Dan 6,18-19


Damit Daniel nicht aus der Löwengrube entkommen konnte, wurde ein Stein über die Öffnung der Grube gelegt und dann mit einem königlichen Siegel versiegelt . Neben der seitlichen Öffnung der Grube gab es vielleicht noch eine Öffnung nach oben (vgl. V. 24 - 25 ). Das Siegel, ein Eindruck, der mit einem Ring in Ton gemacht wurde, würde allen zeigen, daß der Stein nicht bewegt worden war und niemand versucht hatte, Daniel zu befreien. Widerwillig ließ der König Daniel in die Grube werfen.

Der König war tief bewegt, daß er von seinen Ratgebern und Fürsten betrogen und in seinen eigenen Gesetzen gefangengenommen worden war. Er verbrachte eine schlaflose Nacht (vgl. die schlaflose Nacht von Xerxes [Ahasveros]; Est 6,1 ).



5. Die Bewahrung Daniels
( 6,20 - 25 )


Dan 6,20-23


Früh am Morgen eilte der König nach einer schlaflosen Nacht (V. 19 ) zu der Löwengrube. Er fürchtete, daß Daniel gefressen worden war, aber dennoch hoffte er gegen jede Hoffnung (vgl. V. 17 ), daß der alte Staatsmann vielleicht doch von dem Gott, dem er diente (vgl. Dan 3,17; 6,17 ), gerettet worden sein könnte.

Daniel antwortete, daß Gott ihn tatsächlich unverletzt bewahrt hatte, weil er vor ihm unschuldig war (V. 23 ) und weil er auf Gott vertraut hatte (V. 24 ). Ein Engel Gottes, so sagte Daniel, hatte den Löwen das Maul verschlossen. Vielleicht war auch dieser Engel, ähnlich dem, der im Feuerofen bei den drei jungen Männern gewesen war ( Dan 3,25 ), der präinkarnierte Christus.



Dan 6,24


Als Darius feststellte, daß Daniel noch lebte, war er überfroh und ließ ihn aus der Grube holen (vgl. die Anmerkungen zu V. 18 ). Darius wurde auf diese Weise sehr deutlich gezeigt, wie entscheidend der Glaube an Gott ist und an seine Macht, die Umstände zu kontrollieren und die zu retten, die an ihn glauben. Dreißig Tage lang wurde Darius von den Menschen in seinem Herrschaftsgebiet als Gott angesprochen (vgl. V. 8 ). Daniel aber diente dem wahren Gott, der tat, was Darius nie gekonnt hätte: das Maul der Löwen verschließen und den zu bewahren, der auf ihn vertraute.



Dan 6,25


Dann ließ der König die Ankläger Daniels und ihre Familien in die Grube werfen . Der Versuch der Verleumder, diesen jüdischen Gefangenen, der zum Regenten geworden war, zu beseitigen, wurde ihnen selbst zum Verhängnis (vgl. das ähnliche Schicksal Hamans, Est 7,9-10 ). Die Ankläger hatten Darius dazu gebracht, ein Gesetz wirksam werden zu lassen, das Daniel beseitigen sollte. Aber ironischerweise konnten sie den König nicht davon zurückhalten, sie selbst auszulöschen!



6. Die Erklärung des Königs
( 6,26 - 29 )


Dan 6,26-29


Der König, der durch ein Gesetz nun einen Monat lang (V. 8 ) als Gott verehrt wurde, veröffentlichte eine Erklärung, daß alle Menschen seiner Nation ( alle Völker, Nationen und Männer aus allen Sprachen ; vgl. Dan 3,4.7;5,19;7,14 ) Daniels Gott fürchten und ehren müssen . Dies war eine erstaunliche Kehrtwendung des Darius! Der Grund dafür war, so schrieb Darius, daß Daniels Gott lebt ( Er ist der lebendige Gott ; vgl. Dan 6,21 ), während die Götter der Meder und Perser tote Götzen waren. Dieser Gott ist ein persönlicher Gott, sein Königreich ist unzerstörbar (vgl. Dan 7,14 ), und er greift in die menschliche Geschichte ein und rettet diejenigen, die ihm vertrauen. Er wirkt mächtige Wunder ( Zeichen und Wunder ; vgl. Dan 4,2-3 ), um seinen Willen zu tun, u. a. auch die wundersame Errettung von Daniel. Solch ein Gott ist wahrhaftig zu ehren und anzubeten. Trotz des Widerstandes, den ihm die Fürsten und Ratgeber entgegengebracht hatten, wurde Daniel nun geehrt und lebte bis zur Regierungszeit von Kyrus .

 

F. Die Vision der vier Tiere
( Dan 7 )


1. Die Vision
( 7,1 - 14 )


a. Die vier Tiere
( 7,1 - 8 )


Dan 7,1


Die Vision, die der Prophet Daniel in diesem Kapitel niedergeschrieben hat, wurde ihm im ersten Jahr der Regierungszeit von Belsazar (553 v. Chr.) offenbart, als Belsazar zum Koregenten neben Nabonidus wurde. Dieser Traum kam also etwa 14 Jahre vor seinem Erlebnis in der Löwengrube ( Dan 6 ), das ungefähr 539 gewesen sein muß. Als der Traum über Daniel kam, war er ungefähr 68 Jahre alt, denn als er 52 Jahre vorher gefangen genommen worden war (605 v. Chr.), war er wohl ca. 16 Jahre alt.

Die Offenbarung kam zu Daniel in einem Traum und in Gesichten (vgl. Dan 2,28;4,2.7 ). Indem Daniel dieses Erlebnis "einen Traum" (Sing.) nennt, betont er die Einheit der Offenbarung, durch den Plural "Gesichte" unterstreicht er, daß diese Offenbarung ihm in verschiedenen Schritten gegeben wurde. (Fünfmal sagt er in Dan 7 ,daß er "sah" [V. 2.4.6 - 7.13 ] und einmal "Ich merkte auf" [V. 11 ].) Das Wort "Traum" macht deutlich, daß er schlief, während "Gesichte" (Visionen) sich auf das bezieht, was er im Traum sah. Es kommt in der Bibel jedoch auch vor, daß jemand ein Gesicht (eine Vision) hat, während er wach ist (vgl. z. B. Dan 9,23 ). Weil der Traum Daniels so große Bedeutung hatte, schrieb er unmittelbar danach eine Zusammenfassung des Traumes auf.

Daniel hatte zwei Träume Nebukadnezars gedeutet ( Dan 2;4 ). Dann wurde der Prophet und Staatsmann selbst zum Empfänger von vier Träumen oder Visionen ( Dan 7;8;9,20-27;10,1-12,5 ).



Dan 7,2


In den ersten sechs Kapiteln schrieb Daniel in der dritten Person. In den letzten sechs schrieb er in der ersten Person. In seinem Gesicht sah Daniel zuerst das große Meer , das von vier Winden aufgewühlt wurde. Das Wort, das mit "Winde" übersetzt wird, könnte auch "Geister" bedeuten. Dann wären Engel gemeint. An anderen Stellen in der Schrift wird das gleiche Wort benutzt, um von Gottes fürsorgendem Handeln durch Engel in die menschlichen Angelegenheiten hinein zu sprechen ( Jer 23,19; 49,36; 51,1; Sach 6,1-6; 7,14; Offb 7,1-3 ). Im Alten Testament wird das Mittelmeer immer wieder das große Meer genannt ( 4Mo 34,6-7; Jos 1,4; 9,1; 15,12.47; 23,4; Hes 47,10.15.20; 48,28 ). Diese Gesichte stehen also in einem besonderen Verhältnis zur Welt des Mittelmeerraumes.



Dan 7,3-4


Das zweite, was Daniel sah, waren vier große Tiere , die aus dem aufgewühlten Meer stiegen. Wie Daniel später erfährt (V. 17 ), stellen diese vier Tiere vier große Reiche dar. Das erste Tier war wie ein Löwe , ein Tier, das vor allem wegen seiner Macht und Stärke bekannt war. Dieser Löwe hatte jedoch Adler-Flügel , was ein Bild für Schnelligkeit ist. Es ist interessant, daß sowohl der Löwe als auch der Adler Symbole des babylonischen Reiches waren (vgl. Jer 4,7.13; Hes 17,3 ). Die gewaltsame Entfernung der Flügel beraubte den Löwen seiner großen Mobilität. Dies könnte sich auf die Geisteskrankheit von Nebukadnezar beziehen oder auf den Zerfall des Reiches nach seinem Tod. Der Löwe stand aufrecht auf zwei Füßen (seinen Hinterbeinen), so daß er mehr wie ein Mensch aussah. Die Tatsache, daß er ein menschliches Herz besaß, will andeuten, daß das Tier seine unmenschliche Natur verloren hat und Barmherzigkeit kannte. Der Löwe, der auf seinen Hinterbeinen stand und das Herz eines Menschen hatte, könnte sich auf Nebukadnezar und seine humanitären Interessen beziehen.



Dan 7,5


Das zweite Tier war wie ein Bär , ein Tier mit außergewöhnlicher Kraft ( 1Sam 17,34; Am 5,19; Hos 13,8 ). Es ist ein Bild für das medo-persische Reich, das auf Babylon folgte. Das medo-persische Heer war stark und mächtig ( Jes 13,15-18 ). Aber entgegen der Anmut des Löwen war der Bär schwerfällig und plump. Er war offensichtlich dabei, sich hinzulegen, denn seine eine Seite war höher als die andere. Dies spricht davon, daß die Perser zwar später als die Meder mächtig wurden, dann aber die Meder in dem vereinigten Königreich überschatteten. Die drei Rippen in dem Maul des Bären könnten sich auf Ägypten, Assyrien und Babylon beziehen, die vor dem Reich, das der Bär darstellte, geherrscht hatten. Oder sie stehen für Babylon, Lydin und Ägypten, drei von den Medern und Persern eroberte Völker. Dem Bären wurde gesagt, daß er viel Fleisch fressen solle. Dieser Befehl macht deutlich, daß die menschlichen Reiche nach dem göttlichen Willen handeln müssen, nicht in eigener Autorität. Indem der Bär andere Reiche fraß und sein Gebiet zu einem riesigen Reich ausdehnte, erfüllte er den Plan Gottes.



Dan 7,6


Das dritte Tier , das Daniel sah, war wie ein Leopard , ein für seine Schnelligkeit ( Hab 1,8 ), Geschicklichkeit und Beweglichkeit bekanntes Tier ( Jer 5,6; Hos 13,7 ). Dieses Tier hatte vier Flügel wie ein Vogel , was seine Schnelligkeit noch einmal unterstreicht. Außerdem hatte es vier Köpfe . Ihm wurde Macht gegeben zu herrschen . Das Reich, das dem medo-persischen folgte, war Griechenland. Es tat dies mit großer Schnelligkeit und eroberte das gesamte Reich zwischen 334 und 330 v. Chr. Einige Jahre, nachdem Alexander gestorben war, wurde es in vier Teile geteilt (vgl. Dan 8,8.22 ).



Dan 7,7 a


Daniel beschreibt nun ein viertes Tier . Aber statt es mit einem bekannten Tier zu vergleichen, nennt er es nur einfach ein Tier. Offenbar war es eine Kreuzung aus Teilen von Löwe, Bär und Leopard (vgl. das Tier in Offb 13,2 ). Dieses vierte Tier war schrecklicher und mächtiger als die drei vorhergehenden Tiere, die alle wild und zerstörerisch gewesen waren. Dieses Tier hatte große eiserne Zähne , mit denen es seine Beute zerreißen und verschlingen konnte. Das Reich, das durch diese Kreatur dargestellt wurde, hatte die vorhergehenden drei Reiche, die als Löwe, Bär und Leopard beschrieben wurden, zermalmt und gefressen ( es zertrat mit Füßen, was übrig war ; vgl. Dan 7,19 ).



Dan 7,7.8 (Dan 7,7b.8)


Was dieses vierte und so ganz andere Tier besonders auszeichnete, war, daß es zehn Hörner hatte . Nach Vers 24 stehen sie für zehn Könige. Als Daniel auf die Hörner blickte, sah er ein anderes Horn zwischen den zehn entstehen. Dieses kleine Horn war zunächst völlig unscheinbar, aber als es wuchs, riß es drei der bestehenden Hörner aus. Das kleine Horn war besonders bemerkenswert wegen seiner Intelligenz (es hatte die Augen eines Menschen) und seinen gotteslästerlichen Reden (es hatte einen Mund, der prahlerisch redete ; vgl. V. 11.20. 25 ). (Siehe V. 19 - 26 , wo die Identität des vierten Tieres und seines kleinen Hornes behandelt wird.)


b. Der Alte der Tage
( 7,9 - 12 )


Dan 7,9-10


In diesem Abschnitt (V. 9 - 12 ) des Gesichtes sah Daniel Throne des Gerichts, die aufgestellt wurden. Auf einem dieser Throne saß der Alte der Tage . Dies ist Gott, der Herr (vgl. Jes 43,13; Jes 57,15 a), der die Herrschaft über Menschen und Völker ausübt. Seine weiße Kleidung und das weiße Haar sind Bilder für seine Heiligkeit ( Offb 1,14 ). Daniels Beschreibung der Herrlichkeit, die den Einen, der auf dem flammenden Thron mit Rädern sitzt, erinnert an die Beschreibung der Herrlichkeit Gottes, die Hesekiel sah ( Hes 1,4-28 ).

Die Tausende , die den Thron umgaben, sind Diener Gottes, Engel, die seinen Willen ausführen. Als Daniel sah, wie Gott, der Richter, auf seinem Thron saß, wurde das Gericht (vgl. Dan 7,26 ) eröffnet, und die Bücher wurden aufgetan . (Interessant ist, daß - wie schon gesagt - Daniels Name bedeutet "Gott hat gerichtet" oder "Gott ist mein Richter"; vgl. Dan 1,7 .Hier sieht Daniel nun Gott als den Richter der Welt.) In Offb 20,12 bedeutet das Öffnen der Bücher, daß die Verwalterschaft der Menschen betrachtet und beurteilt wird. Gott, der den Königreichen ihre Macht gab, wird diese nun richten.


Dan 7,11-12


Als Daniel das kleine Horn beobachtete, weil es so prahlte (vgl. V. 8 ), sah er, daß das vierte Tier getötet wurde und dann im Feuer verbrannte. Dies wird die "Zeiten der Heiden" beenden ( Lk 21,24.27 ). Die Reiche, die durch die anderen drei vorhergehenden Tiere dargestellt werden, sind bereits ihrer Macht durch militärische Eroberung entkleidet worden. Das vierte Tier aber wird seine Macht nicht durch ein militärisches Eingreifen verlieren, sondern durch ein göttliches Gericht (vgl. Dan 9,27; Offb 11,15; 19,15 ). Jedes der drei hatte eine kurze Zeit leben dürfen . Dies könnte bedeuten, daß die Kulturen von jedem der ersten drei eroberten Reiche jeweils in dem neuen Reich aufgenommen wurden.



c. Der Sohn des Menschen
( 7,13 - 14 )


Dan 7,13-14


In dem dritten Abschnitt dieses Gesichtes sah Daniel den Sohn des Menschen , der zu dem Alten der Tage ging. Jesus Christus, der den Titel "Menschensohn" aus dieser Weissagung entnahm, benutzte ihn oft von sich selbst (wie die Evangelien uns berichten; vgl. die Anmerkungen zu Mk 8,31; Joh 1,51 ). Als der Sohn des Menschen in die Gegenwart des Alten der Tage trat, wurden ihm all die Macht, Herrlichkeit und Regierungsgewalt gegeben, die von den Herrschern der vier Reiche über alle Völker, Nationen und Menschen aller Sprachen (vgl. Dan 3,4.7.31; 5,19;6,26 ) ausgeübt worden war, und diese Völker beteten ihn an .

Dies entspricht der Verheißung des Vaters an seinen Sohn in Ps 2,6-9 und wird sich erfüllen, wenn Christus wiederkommt ( Mt 24,30; 25,31; Offb 11,15 ).

 

 

Der Menschensohn wird eine ewige Herrschaft errichten (vgl. Dan 4,31;7,27 ). Dieses Reich wird niemals von anderen erobert werden (vgl. Dan 6,27 ). Seine Herrschaft wird auf der Erde aufgerichtet werden ( Offb 20,1-6 ). Wenn die 1 000 Jahre seiner Herrschaft zu Ende sind, wird er das Reich Gott, dem Vater, zurückgeben, und Christus wird für ewig als Herrscher über Gottes ewiges Reich eingesetzt werden ( 1Kor 15,24-28 ).


2. Die Auslegung
( 7,15 - 28 )


a. Die Erklärung der vier Tiere
( 7,15 - 17 )


Dan 7,15-17


Wie Nebukadnezar vor ihm (vgl. Dan 2,1;4,1-2 ) war Daniel durch seinen Traum verwirrt (vgl. Dan 7,28 ). Zwar hatte er bei verschiedenen Gelegenheiten seine Fähigkeit, Träume zu deuten, gezeigt ( Dan 2;4 ), aber diesen und den nächsten Traum ( Dan 8,15 ) konnte er nicht deuten. Deshalb rief er einen von denen, die in der Nähe standen, zu sich, offensichtlich den Engel, der spä

ter als Gabriel identifiziert wird ( Dan 8,16;9,21 ), und bat ihn, diese Vision zu deuten. Er erfuhr zunächst, daß die vier großen Tiere für vier Königreiche stehen. Wie schon gesagt, sind die vier Reiche Babylon, dargestellt durch den Löwen; Medo-Persien, dargestellt durch den Bär, der sich auf einer Seite erhebt; Griechenland, dargestellt durch den geflügelten Leoparden mit den vier Köpfen; und Rom, dargestellt durch das Mischwesen. (Vgl. dazu die Karte mit diesen vier Reichen.)



b. Das Versprechen an Israel
( 7,18 )


Dan 7,18


Nachdem die vier Tiere bei der Wiederkunft des Messias zerstört worden sind, werden die Heiligen des Höchsten (vgl. die Anmerkungen zu "der Höchste" in Dan 3,26 ) das Reich empfangen (vgl. Dan 7,22.27 ). Die "Heiligen" sind hier die gläubigen Juden (vgl. die Anmerkungen zu V. 25 ), nicht die Gläubigen aus dem Gemeindezeitalter. Die Existenz der Gemeinde in der gegenwärtigen Zeit ist im Alten Testament nirgendwo offenbart. Das Volk Israel wurde aufgrund göttlicher Züchtigung und Strafe in den gegenwärtigen "Zeiten der Heiden", die mit Nebukadnezar begannen, zur Seite gestellt. In diesen "Zeiten der Heiden" werden, so wurde Daniel gezeigt, vier Reiche entstehen und über das Land und Volk Israel herrschen. Aber Gottes Bund mit David ( 1Sam 7,16; Ps 89,2-5 ) bleibt bestehen und wird schließlich erfüllt werden. Die "Heiligen" (gläubige Juden bei der Wiederkunft Christi) werden am Reich teilhaben, die Erfüllung der Verheißungen Gottes an Israel.



c. Die Einzelheiten des vierten Reiches
( 7,19 - 28 )


(1) Die Bitte ( Dan 7,19-20 )



Dan 7,19-20


Daniel scheint es nicht schwergefallen zu sein, die Bedeutung der ersten drei Tiere zu verstehen. Es war das vierte Tier , das ihn beschäftigte, und so bat er den Engel (vermutlich Gabriel; vgl. Dan 8,16;9,21 ), ihm die Bedeutung des Tieres und seiner zehn Hörner und des anderen Hornes , das unter den zehn aufkam und so eindrucksvoll war, zu sagen. Was unter den zehn Hörnern und vor allem unter dem kleinen Horn zu verstehen ist, ist von großer Bedeutung. Denn von nun bis zum Ende der Weissagung interessierte sich Daniel nur für die Offenbarung über die Person und das Werk dessen, der durch dieses kleine Horn dargestellt wird.



Dan 7,21-22


(2) Das Gericht über das Tier ( Dan 7,21-22 )

Mehrere Dinge über dieses kleine Horn waren David schon offenbart worden (V. 8 ): (1) Es kam, nachdem die zehn Hörner (Könige; vgl. V. 24 ) bereits da waren, und war dann gleichzeitig mit ihnen da. (2) Es riß drei der zehn Hörner (Könige) aus. (3) Es war intelligent (es hatte die Augen eines Menschen). (4) Es war arrogant und prahlerisch (vgl. V. 11 ).

Nun (V. 21 - 22 ) erhält er drei weitere Fakten: (5) Er wird die Heiligen des Höchsten verfolgen (vgl. V. 25 ; zu "der Höchste" vgl. die Anmerkungen zu Dan 3,26 ). Offensichtlich ist das Horn eine Person. In 7,24 wird er König genannt. Wie schon in Vers 18 beziehen sich die Heiligen auf das Volk Israel. Seine Verfolgung Israels wird während der großen Trübsal geschehen. (6) Er wird das Volk Israel überwinden ( er behielt den Sieg ) und diese Nation unter seine Herrschaft bringen ( Offb 12,13-17; 17,7 ). (7) Er wird von Gott gerichtet werden (vgl. Offb 19,19-20 ), und Israel, das nicht mehr länger unter der Herrschaft des kleinen Hornes steht, wird den Bundessegen im Königreich empfangen (vgl. Dan 7,18 ).



Dan 7,23


(3) Der Herrschaftsbereich des Tieres ( Dan 7,23 )

Zwar war der Herrschaftsbereich des vierten Tieres historisch gesehen begrenzt (wenn auch größer als der der anderen drei vorausgehenden Reiche), aber der Bereich des kommenden Herrschers im vierten Königreich wird weltweit sein. Daniel wird gesagt, daß dieses Reich die ganze Erde umfassen wird (vgl. Offb 13,7 ). Es wird eine grausame Eroberung sein, in der dieses Königreich alle zerschmettert, die sich ihm entgegenstellen. Es ist also die Rede von einer kommenden Einheitsweltregierung unter einem weltweiten Diktator.


Dan 7,24


(4) Die zehn Hörner und das kleine Horn ( Dan 7,24-25 )

Der Engel erklärte Daniel nun die Bedeutung der zehn Hörner und sagte, daß es zehn Könige in diesem Königreich sind. Das vierte Reich wird, trotz seiner großen Macht ( 7,23 ), durch immer mehr Schwäche, Entartung und Teilungen gekennzeichnet sein (vgl. die Anmerkungen zu Dan 2,41-43 betreffs der Mischung aus Eisen und Ton im vierten Teil des Standbildes). Als die Horden aus dem Norden das römische Reich im fünften Jahrhundert n. Chr. eroberten, vereinigten sie sich nicht, um ein neues Reich zu bilden. Statt dessen entstanden aus dem alten römischen Reich viele verschiedene Nationen. Einige dieser Nationen und ihre Nachfolger haben sich bis in unsere Tage hinein gehalten. Unsere heutige Zeit ist daher diese Zeit der zehn Hörner des vierten Tieres. (Andere Prämilleniaristen denken, daß die Zeit der zehn Hörner noch in der Zukunft liegt, daß die gegenwärtige Gemeindezeit in dieser Vision nicht gesehen wurde und daß irgendwann in der Zukunft zehn Könige gleichzeitig über ein erneuertes römisches Reich regieren werden.)

Irgendwann nach dem Aufkommen der zehn Hörner - Daniel erhielt keinerlei Andeutung, wieviel später es sein könnte - wird ein anderer König (das kleine Horn; Dan 7,8.20 ) aufkommen . Wenn er größer wird, wird er sich drei Könige untertan machen (in V. 8 drei Hörner genannt), d. h. er wird drei der zehn Nationen unter seine Autorität bringen, wenn seine Macht zu wachsen beginnt.



Dan 7,25


Neben die Fakten, die über diesen kommenden König bereits mitgeteilt wurden (vgl. die Anmerkungen zu V. 21 - 22 ), treten nun drei weitere: (1) Er wird sich gegen Gottes Autorität auflehnen. Er wird gegen den Höchsten sprechen (vgl. Offb 13,6 ). Zu "der Höchste" vgl. die Anmerkungen zu Dan 3,26 .(2) Er wird die Heiligen Gottes unterdrücken (d. h. Israel; vgl. die Anmerkungen zu Dan 7,21 ). (3) Er wird eine völlig neue Zeit einführen, in der er alle bisherigen Gesetze verwerfen und sein eigenes System aufrichten wird. Wie in Dan 9,27 a wird er zunächst als Freund Israels erscheinen, dann aber sein Verfolger werden ( die Heiligen werden ihm ausgeliefert werden ), und er wird Jerusalem dreieinhalb Jahre lang ( Offb 12,6; 13,5 ) zur Hauptstadt seines Reiches machen (Od 11,45). Eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit (vgl. Dan 12,7; Offb 12,14 ) bezieht sich auf dreieinhalb Jahre in der großen Trübsal, wobei "eine Zeit" ein Jahr, "Zeiten" zwei Jahre und "eine halbe Zeit" sechs Monate bedeutet. Dies entspricht den 1 260 Tagen in Offb 12,6 und den 42 Monaten in Offb 11,2; 13,5 .(Vgl. die Anmerkungen zu "Zeiten" in Dan 4,16 .)



Dan 7,26-27


(5) Die Verheißung an Israel ( Dan 7,26-27 )

Wenn der Richter, Gott Vater, das Gericht eröffnet (vgl. V. 10 ), d. h., wenn er das kleine Horn richten wird, wird seine Macht von ihm genommen und es wird vernichtet (vgl. V. 11 ; 2Thes 2,8; Offb 19,20 ). Dies wird geschehen, wenn Jesus wiederkommt. Zu Beginn des Tausendjährigen Reiches wird der Menschensohn Vollmacht bekommen (vgl. Dan 7,14 ), und er wird über die Heiligen herrschen, das Volk des Höchsten (vgl. die Anmerkungen zu Dan 3,26 ), das Volk Israel (vgl. Dan 7,18.22 ), das durch den Bund Gottes mit Abraham mit Gott verbunden ist ( 1Mo 12,1-6;13,14-17; 15,18-21 ). Dieses Königreich wird nicht mehr von einem nächsten Reich unterworfen und abgelöst werden. Es wird im Tausendjährigen Reich und für immer bestehen (vgl. Dan 4,31; 6,27; 7,14 ). Alle Völker und Könige werden ihn anbeten und ihm gehorchen .



Dan 7,28


(6) Die Antwort Daniels ( Dan 7,28 )

Dieser prophetische Überblick über die Zeit der Heiden war so bedrückend für Daniel, daß er tief beunruhigt war. Er erzählte diese Vision niemandem aus seiner Zeit. Aber später, als er die Weissagungen aufschrieb, die heute seinen Namen tragen, berichtete er auch, was ihm in diesem Gesicht offenbart worden war.

Man kann die Parallelen zwischen der Wahrheit, die Daniel in dieser Vision offenbart wurde, und dem, was schon früher Nebukadnezar gegen Anfang von dessen Herrschaft offenbart wurde ( Dan 2 ), kaum übersehen. Beide sprechen von der Zeit der Heiden. Beide Träume zeigen, daß Israel und sein Land von vier aufeinander folgenden Weltreichen beherrscht werden wird. Das erste Reich ist Babylon, das goldene Haupt und der geflügelte Löwe. Das zweite ist das medo-persische Reich, die Brust und die Arme aus Silber und der Bär, der auf einer Seite aufgerichtet war. Das dritte Reich ist das griechische Reich. Es ist dargestellt durch den Bauch und die Hüften aus Kupfer und den vierköpfigen, geflügelten Leoparden. Das vierte Tier schließlich ist das römische Reich, das durch die Beine aus Eisen, die Füße aus Eisen und Ton gemischt und durch das grausame Mischwesen abgebildet wird. Die eiserne Stärke des vierten Reiches ist an den eisernen Beinen des Standbildes ( Dan 2,40 ) und den eisernen Zähnen des Tieres ( Dan 7,7 ) zu sehen. Die Herrschaft ging 609 v. Chr. von den Assyrern auf die Babylonier über, von Babylon dann 539 v. Chr. nach Persien, von Persien 330 v. Chr. nach Griechenland und von dort im ersten Jahrhundert v. Chr. nach Rom.

Gegen Ende der Zeit der Heiden wird einer, der als das "kleine Horn" bezeichnet wird, eine weltweite Herrschaft ausüben. Er wird versuchen, die Herrschaft Christi auf dieser Erde zu verhindern, indem er das Bundesvolk Gottes zu vernichten trachtet. Seine kurze Regierungszeit von sieben Jahren (vgl. die Anmerkungen zu "eine Woche" in Dan 9,27 ) wird durch die Wiederkunft Christi beendet werden. Wenn Jesus kommt, wird er sein Tausendjähriges Reich auf dieser Erde errichten und so den Bund Gottes mit Israel erfüllen.

Die amilleniaristische Sicht, daß das "kleine Horn" bereits irgendwann in der Vergangenheit erschienen ist (nach dem ersten Kommen Christi), stimmt nicht, denn: (a) kein solcher Herrscher hat bisher eine weltweite Herrschaft ausgeübt ( Dan 7,23 ), (b) kein solcher Herrscher hat drei von zehn Königen unterworfen, die zuvor gleichzeitig geherrscht haben (V. 24 ), (c) kein solcher Herrscher hat Israel (V. 21 ) dreieinhalb Jahre lang (V. 25 ) verfolgt, und (d) kein solcher Herrscher ist für immer bei der Wiederkunft Christi zerstört worden (V. 26 ). Es ist auch nicht möglich, das "kleine Horn" mit der römisch-katholischen Kirche zu identifizieren, denn: (a) das "kleine Horn" ist ein König, kein Papst, (b) die Macht des Papstes ist nicht auf dreieinhalb Jahre beschränkt gewesen, (c) die Papstkirche hat es sich nicht zur Aufgabe gemacht, das Volk Israel zu vernichten, und (d) die Papstkirche ist bei der Wiederkunft Christi auf die Erde nicht zerstört worden.



III. Die prophetische Geschichte Israels während der Zeit der Heiden
( Dan 8-12 )


A. Die Vision von dem Widder und der Ziege
( Dan 8 )


Kapitel 8 - 12 (und Dan 1,1-2,4 a) sind in hebräisch geschrieben, während Dan 2,4-7,28 aramäisch sind. Welche Bedeutung dies hat, wird unter "Sprache" in der Einführung erörtert.



1. Die Vision
( 8,1 - 14 )


a. Die Vorbereitung
( 8,1 - 2 )


Dan 8,1-2


Die Vision, von der Daniel in Kapitel 8 berichtet, kam zwei Jahre nach der Vision von Kapitel 7 über ihn (vgl. das dritte Jahr Belsazars [ Dan 8,1 ] mit seinem "ersten Jahr" [ Dan 7,1 ]). In seinem Gesicht sah Daniel sich selbst in dem Palast in Susa , einer der persischen Königsstädte, mehr als 300 Kilometer östlich von Babel an dem Fluß Ulai (vgl. die Karte "Die Welt Jeremias und Hesekiels" in der Einführung zu Jeremia). Ein Jahrhundert später baute der persische König Xerxes hier einen herrlichen Palast, in dem auch die im Buch Ester beschriebenen Ereignisse stattfanden (vgl. Est 1,2 ). Nehemia war der Mundschenk von König Artaxerxes in diesem Palast in Susa ( Neh 1,1 ).



b. Die Vision von dem Widder
( 8,3 - 4 )


Dan 8,3-4


In seinem Gesicht sah Daniel einen Widder mit zwei langen Hörnern in der Nähe des Flusses. Das besondere war, daß ein Horn länger als das andere war . Die Hörner wuchsen nicht gleichzeitig, sondern das längere wuchs nach ( wuchs später ) dem kürzeren. Die Ungleichheit zwischen den Hörnern des Widders erinnert an den Bär, der auf der einen Seite erhoben war ( Dan 7,5 ). Der Widder , der an dem Kanal gestanden hatte, fing an, nach Westen, Norden und Süden zu stoßen. Seinem Stoß konnte sich niemand entgegenstellen . Er tat, wie er wollte, und beherrschte das ganze Gebiet, gegen das er zog, und wurde groß.

 



c. Die Vision von der Ziege
( 8,5 - 14 )


Dan 8,5-8


Dann sah Daniel eine Ziege mit einem einzigen, mächtigen Horn plötzlich aus dem Westen kommen. Ihre Geschwindigkeit war so groß, daß ihre Füße den Boden nicht berührten. Die Ziege griff, in der Absicht, den zweihörnigen Widder zu vernichten, diesen in großem Grimm an und zerbrach die zwei Hörner des Widders.

Der Widder hatte keine Kraft , sich zu verteidigen, und die Ziege warf ihn zu Boden. Die Größe, die den Widder gekennzeichnet hatte, gehörte nun der Ziege. Bisher konnte niemand vor der Macht des Widders entkommen (V. 4 ), nun konnte niemand vor der Ziege entkommen (V. 7 ). Sobald die Ziege große Macht erlangt hatte, wurde ihr großes , einzelnes Horn abgebrochen , und an seine Stelle traten vier Hörner .

Die Beschreibung dieser Ziege hat bestimmte Parallelen zu dem dritten Tier in Dan 7,6 ,dem Leopard mit Flügeln. Beide sind sehr schnell, und der Leopard hat vier Köpfe, während die Ziege vier Hörner hat. Die Hörner der Ziege sind vermutlich Könige (wie auch die Hörner des vierten Tieres Könige darstellten; Dan 7,24 ).



Dan 8,9-12


Aus einem der vier Hörner kam ein anderes Horn . Es sah zunächst unscheinbar aus, aber bald übte es südwärts und ostwärts und gegen das herrliche Land , das Land Israel, Macht aus. Es wurde zu einem großen Verfolger des Volkes Israel ( das Heer des Himmels ; vgl. "Heer" in V. 10 ) und unterwarf sich dieses Volk ( zertrat es ). Es stellte sich selbst als König Israels auf und nannte sich der Fürst des Heeres . Es zwang das Volk, ihn anzubeten, denn er verbot Israel, seine religiösen Praktiken weiterzumachen (entfernte das tägliche Opfer ), und entheiligte den Tempel ( machte das Heiligtum niedrig ). Das Volk Israel ( die Heiligen ; vgl. die Anmerkungen zu Dan 7,18 ) ließ dies wegen seiner rebellischen Haltung zu (vgl. "Frevel" in Dan 8,13 ). Es nahm zu und verhöhnte die Wahrheit des Wortes Gottes so sehr, daß es von der Wahrheit hieß, daß sie auf den Boden geworfen sei .

Dieser Teil der Vision spricht von dem Aufkommen eines Herrschers im griechischen Weltreich, der die Menschen und das Land Israel unterjocht, den Tempel entweiht, den Gottesdienst verbietet und für sich selbst die Autorität und Anbetung verlangt, die Gott allein zusteht.



Dan 8,13-14


Um Daniels willen sprach ein Engel ( ein Heiliger ; vgl. die "Heiligen" in Dan 4,14 ) zu dem Engel der Offenbarung ( ein anderer Heiliger ) und fragte: Wie lange wird es dauern, bis dieses Gesicht erfüllt wird? Die Antwort war: Es wird 2 300 Abende und Morgen dauern . (Zur Bedeutung der "2 300 Abende und Morgen" vgl. die Anmerkungen zu Dan 8,23-25 .) Nach dem Ende dieser Zeit wird das Heiligtum , das entweiht worden ist, wieder gereinigt und wieder in seinen ihm zustehenden Platz im Leben des Volkes eingesetzt ( wieder geweiht ) werden.



2. Die Auslegung
( 8,15 - 27 )


a. Gabriels Eingreifen
( 8,15 - 18 )


Dan 8,15-18


Erneut versteht Daniel, obwohl er Nebukadnezars Träume hatte deuten können ( Dan 2;4 ), diesen Traum nicht (vgl. Dan 7,16 ). Gabriel wurde daher gesandt, um Daniel die Bedeutung des Gesichtes zu erklären. Es ist verständlich, daß Daniel durch das Erscheinen des herrlichen Boten erschrocken war (vgl. Dan 7,15 ) und vor ihm niederfiel. Gabriel sprach Daniel als einen Menschensohn (andere Übersetzungen: Menschenkind) an (vgl. die Anmerkungen zu Hes 2,1 ; nicht zu verwechseln mit Christus, dem Menschensohn) und erläuterte, daß das Gesicht sich auf die Zeit des Endes bezieht (vgl. Dan 8,19 ), daß es also um Ereignisse geht, die zur Zeit Daniels noch ferne Zukunft waren, Ereignisse, die dem Volk Israel unter dem griechischen Reich begegneten.



b. Gabriels Erklärungen
( 8,19 - 26 )


Dan 8,19


Gabriel machte deutlich, daß das Gesicht von Dingen spricht, die jenseits von Daniels Zeit liegen ( was später geschehen wird und zur letzten Zeit ; vgl. V. 17 ). Interessanterweise wird diese spätere Zeit in der Zeit der Heiden die Zeit des Zornes genannt. Wie schon gesagt ( Dan 2 ), ist die Zeit der Heiden die Periode von der Herrschaft Nebukadnezars bis zum zweiten Kommen Christi. Israel erlebt in dieser Zeit eine göttliche Züchtigung. Sein Ungehorsam hatte den erzieherischen Zorn Gottes über das Volk hereingebracht.



Dan 8,20-21


Gabriel erklärte zunächst die Bedeutung des Widders mit den zwei Hörnern (vgl. V. 3-7 ). Am ehesten trifft dieses Bild auf Medien und Persien zu, das gleiche Reich, das durch den Bären, der auf einer Seite erhöht war ( Dan 7,5 ), dargestellt wurde. Obwohl Persien später als Medien 559 v. Chr. für Persien, während Medien Jahrzehnte früher war) mächtig wurde, überschatteten die Perser schließlich die Meder. Das zweite Horn des Widders war daher größer als das erste. Persien dehnte sein Reich nach Westen, Norden und Süden mit einem riesigen Heer von über zwei Millionen Soldaten aus.

Als nächstes kam der Engel auf die Bedeutung der rauhhaarigen Ziege mit dem großen Horn zwischen ihren Augen zu sprechen. Die Ziege ist der König (oder das Königreich) von Griechenland , in Dan 7,6 durch den geflügelten Leoparden dargestellt. (Vgl. die Tabelle "Vergleich zwischen Dan 2,7 und 8 ".) Das Horn ist Griechenlands erster König, Alexander (vgl. Dan 11,3 ). Zwar hatte bereits sein Vater, Philip II. von Mazedonien, die griechischen Stadtstaaten (außer Sparta) vereinigt, aber erst Alexander gilt als der erste König Griechenlands.

Alexander der Große (das ansehnliche Horn; Dan 8,5 ) kam mit einem kleinen, aber schnellen Heer von Westen. Er war wütend (V. 6 ), weil die Perser die Griechen bei der Schlacht von Marathon (490 v. Chr.) und der Schlacht von Salamis (481), zwei griechische Städte in der Nähe von Athen, besiegt hatten. In großer Geschwindigkeit eroberte er von 334 v. Chr. an innerhalb weniger Jahre Kleinasien, Syrien, Ägypten und Mesopotamien. Die Perser konnten sich ihm nicht widersetzen (V. 7 ). (Vgl. die Karte "Alexanders Eroberungszüge".) Alexander starb 323 v. Chr. im Alter von nur 32 Jahren in Babel an Malaria und Folgen von Alkoholismus.

 

Auf der Höhe seiner Macht war es mit ihm zu Ende (V. 8 ).



Dan 8,22


Da Alexander keine Kinder hatte, die ihm auf dem Thron folgen konnten, wurde das Reich einige Jahre später unter seinen vier Generälen aufgeteilt, hier durch die vier Hörner dargestellt (vgl. V. 8 ; vgl. Dan 11,4 ). Das geteilte griechische Reich konnte jedoch nie wieder die gleiche Macht erlangen wie unter Alexander. Ptolemaios erhielt Ägypten und Teile von Kleinasien. Kassander wurde das Gebiet von Mazedonien und Griechenland zuteil, Lysimachus bekam Trazien und Teile von Kleinasien (das westliche Bithynien, Phrygien, Mysien und Lydien). Seleukus erhielt den Rest des alexandrinischen Reiches mit Syrien, Israel und Mesopotamien.

Dan 8,23-25


Jahre später wird sich, so sagte Gabriel, unter den vier Hörnern (Königen) ein strenger ( frecher ) und verschlagener König (ein Meister der Intrigen ; vgl. Betrug , V. 25 ) erheben ; ein mächtiger Herrscher, der Eigentum vernichtet und Völker zerstört, um sein Reich auszubauen. Das heilige Volk , Israel (vgl. "Heilige", Dan 7,18.22.27 ), wird dabei ein ganz besonderes Ziel seiner Unterdrückung sein. Wenn er Israel unterwirft, werden viele ihr Leben verlieren, gerade wenn sie dachten, daß sie sicher seien. Seine Feindschaft gegen Israel wird auch eine Feindschaft gegen dessen Gott, den Fürst der Fürsten , sein. Aber dieser mächtige Eroberer selbst wird von einer übernatürlichen Macht vernichtet. Sein Emporkommen kam nicht aus ihm selbst ( Dan 8,24 ), und auch sein Untergang ist nicht durch menschliche Mittel hervorgebracht (er starb 163 v. Chr. geisteskrank in Persien).

Der König, von dem hier die Rede ist, ist als Antiochus IV. Epiphanes bekannt. Nachdem er seinen Bruder umgebracht hatte, der den Thron in der seleukidischen Dynastie innehatte, kam er 175 v. Chr. an die Macht. 170 v. Chr. versuchte Ptolemaios VI. von Ägypten, das Gebiet in seine Hand zu bringen, das von Antiochus beherrscht wurde. Deshalb griff Antiochus Ägypten an, besiegte Ptolemaios VI. und ernannte sich selbst zum König in Ägypten. Dies war seine Zunahme "an Macht im Süden" (V. 9 ). Bei seiner Rückkehr von dieser Eroberung brachen in Jerusalem Unruhen aus. Daher beschloß er, Jerusalem zu unterwerfen ("das herrliche Land", V. 9 ; vgl. Dan 11,16.41 ). Das Volk wurde besiegt, der Tempel entheiligt und der Tempelschatz geplündert.

Von dieser Eroberung kehrte Antiochus 168 nach Ägypten zurück, mußte dieses aber unter dem Druck Roms wieder verlassen. Bei seinem Rückzug beschloß er, das Land Israel zu einem Pufferstaat zwischen Ägypten und sich zu machen. Er griff Jerusalem an und brannte es nieder, wobei er viele tötete (vgl. Dan 8,10 ). Den Juden wurde verboten, das mosaische Gesetz zu halten. Sie durften den Sabbat nicht mehr feiern, ihre jährlichen Feste nicht abhalten, die Opfer wurden verboten, und ihre Kinder durften sie nicht mehr beschneiden (vgl. V. 11 ). Statt dessen wurden in Jerusalem Altäre für fremde Götter aufgestellt, und am 16. Dezember 167 v. Chr. wurde den Juden befohlen, unreine Opfer darzubringen und Schweinefleisch zu essen, wenn sie nicht mit dem Tod bestraft werden wollten. (Die Freunde von Antiochus nannten ihn " Epiphanes " ["der Erleuchtete"]. Es wundert nicht, daß ihn die Juden " Epimanes " ["der Wahnsinnige"] betitelten. Mehr zur Rolle von Antiochus IV. Epiphanes ist in den Anmerkungen zu Dan 11,21-35 zu finden.)

Die Entweihung des Tempels durch Antiochus sollte 2 300 Abende und Morgen dauern, bevor er wieder gereinigt würde ( Dan 8,14 ). Manche Ausleger denken, daß die 2 300 Abende und Morgen 2 300 Tage sind, also etwas weniger als sechs Jahre. Wenn man von dem ersten Eindringen von Antiochus nach Jerusalem (170 v. Chr.) ausgeht, kommt man nach dieser Theorie auf das Jahr 164, in dem der Tempel durch Judas Makkabäus wieder neu renoviert und gegen Ende des Jahres wieder eingeweiht wurde. Eine zweite Auslegungsweise scheint jedoch besser zu sein. Statt jeden Abend und Morgen als einen Tag zu sehen, könnte sich die Aussage auf die Abend- und Morgenopfer beziehen, die von Antiochus und seiner Entweihung des Tempels gestoppt wurden (vgl. "das tägliche Opfer" V. 11 - 21 ). Wenn man mit zwei täglichen Opfern rechnet, ergeben die 2 300 Opfer 1 150 Tage oder drei Jahre (von jeweils 360 Tagen) plus 70 Tage. Dies entspricht der Zeit von der Entweihung des Tempels durch Antiochus (am 16. Dezember 167 v. Chr.) bis zur Renovierung und erneuten Einweihung durch Judas Makkabäus Ende 164 bis Anfang 163 v. Chr., als alle jüdischen Opfer wieder eingeführt waren und Juda erneut religiöse Unabhängigkeit erlangt hatte. Welcher Auslegung man auch folgt, die Zahl 2 300 ist jedenfalls eine reale Zahl, und die angesprochene Zeitperiode wurde wörtlich erfüllt.

Unter Auslegern ist wird nicht bezweifelt, daß in dieser Weissagung Antiochus gemeint ist. Was über ihn geweissagt wurde, hat sich wörtlich erfüllt. Aber doch blickt die Weissagung über Antiochus auf eine noch zukünftige Person hinaus (den Antichristen), von der Antiochus nur ein schwaches Abbild ist. Dieser Kommende wird sich "gegen den Fürst der Fürsten stellen" (V. 25 ). Damit kann niemand anders gemeint sein als der Herr Jesus Christus. Die Weissagung geht also über Antiochus hinaus und blickt auf einen, dessen Tun dem des Antiochus ähnlich sein wird.

Von Antiochus können wir bestimmte Dinge über den zukünftigen Herrscher lernen: (1) Er wird große Macht erhalten und andere sich unterwerfen (V. 24 ). (2) Er wird durch das trügerische Versprechen von Sicherheit an die Macht kommen (V. 25 ). (3) Er wird intelligent sein und überzeugend wirken (V. 23 ). (4) Er wird von einem anderen beherrscht (V. 24 ), Satan. (5) Er wird ein Gegner Israels sein und sich Israel unterwerfen (V. 24 - 25 ). (6) Er wird aufstehen gegen den Fürst der Fürsten, den Herrn Jesus Christus (V. 25 ). (7) Seine Herrschaft wird durch ein göttliches Gericht beendet werden (V. 25 ). Man kann also schließen, daß diese Weissagung eine doppelte Erfüllung hat. Es wird darin die Geschichte Israels unter den Seleukiden und zum Teil unter Antiochus während der Zeit der griechischen Herrschaft offenbart, aber auch das, was Israel einst unter dem Antichristen erleben wird, für den Antiochus ein Abbild ist, steht im Blickfeld.



Dan 8,26


Daniel erhält den Auftrag, die Vision zu versiegeln , womit wohl gemeint ist, daß er sie beenden, nicht aber daß er sie geheim halten soll, denn sie muß für die Zukunft aufbewahrt bleiben. Er vergaß dies nicht und bewahrte sie später auf, indem er sie unter der Leitung des Heiligen Geistes niederschrieb.



c. Daniels Antwort
( 8,27 )


Dan 8,27


Daniel war völlig überwältigt ( erschöpft und krank ) durch die Auslegung dieses Gesichtes. Mehrere Tage konnte er seinen Dienst nicht verrichten.


B. Die Vision der Jahrwochen
( Dan 9 )


1. Der Anlaß der Vision
( 9,1 - 2 )


Dan 9,1-2


Es war nun das erste Jahr der Herrschaft von Darius, dem Meder . (Zu der Identifizierung dieses Darius vgl. die Anmerkungen zu Dan 6,1 .) Dies war im Jahr 539 v. Chr., 66 Jahre nachdem Daniel in die Gefangenschaft geführt worden war.

Die Eroberung des babylonischen Reiches durch die Medo-Perser war in der Tat ein gewaltiges Ereignis gewesen. Es war Belsazar durch die Interpretation der Schrift auf der Wand durch Daniel angekündigt worden ( Dan 5,25-28.30 ). Die Unterwerfung der Babylonier bereitete den Weg vor für die Befreiung der Juden, die seit der ersten Invasion Jerusalems durch Nebukadnezar im Jahr 605 v. Chr. ins Exil geführt worden waren. Jeremia , der den Untergang Israels vorausgesagt hatte, hatte aber auch angekündigt, daß Israels Aufenthalt in Babylon 70 Jahre dauern würde ( Jer 25,11-12 ).

Offenbar durch den Sieg von Darius bewegt, untersuchte Daniel die Schriften , um die Ereignisse, in denen er eine wichtige Rolle spielte, zu verstehen. Er begriff, daß der Sieg von Darius bedeutete, daß das Ende der siebzigjährigen Gefangenschaft nahe war. Die entscheidenden Ereignisse seiner Zeit wurden so noch wichtiger für Daniel.



2. Das Gebet Daniels
( 9,3 - 19 )


a. Bekenntnis
( 9,3 - 13 )


Dan 9,3-6


Daniels Studium der Schrift brachte ihn dazu, sich Gott zuzuwenden und ein Gebet des Bekenntnisses (V. 3 - 14 ), und der Bitte (V. 15 - 19 ) zu beten und zu fasten . Das Tragen von Sackleinen und/oder Benutzen von Asche war ein Zeichen für Trauer, für Leid und Buße (vgl. 1Mo 37,34; Neh 9,1; Est 4,1.3; Jes 58,5; Jer 49,3; Hes 7,18; Joe 1,8; Mt 11,21 ).

Mose hatte das Prinzip offenbart, nach dem Gott mit seinem Bundesvolk handelte: Gehorsam bringt Segen, Ungehorsam Strafe. Eine Form dieser Strafe war, daß Israel von heidnischen Mächten unterworfen würde ( 5Mo 28,48-57.64-68 ). Was Israel nun in Babylon erlebte, war die Anwendung dieses Prinzips.

Dann hatte Mose aber auch offenbart, wodurch das Volk wieder erhoben und erneut zum Segen eingesetzt werden würde ( 5Mo 30 ). Es muß umkehren zu Gott und seiner Stimme gehorchen. Dann wird Gott es aus der Gefangenschaft zurückbringen und das Volk wieder in das Land bringen, aus dem es vertrieben worden war, und wird es wieder segnen.

Daniel war sich offenbar völlig bewußt, daß die Jahre in Babylon eine göttliche Strafe und Züchtigung über Israel bedeuteten. Da er wußte, daß das Bekenntnis der Schuld eine Voraussetzung für die Erneuerung war, bekannte er die Sünde seines Volkes, indem er sich selbst mit dessen Sünde identifizierte, so, als ob er persönlich dafür verantwortlich wäre.

Daniel hatte bemerkt, daß Segen von Gehorsam abhängt, denn Gott hält seinen Bund der Liebe ( HeseD , "treue Liebe") mit allen, die ihn lieben und ihm gehorchen . Auch ein Bundesvolk kann nicht gesegnet werden, wenn es ungehorsam ist. Viermal bekennt Daniel, daß sein Volk gesündigt hat ( Dan 9,5.8.11.15 ). Dessen Sünde war die Sünde der Rebellion (vgl. V. 9 ) gegen Gott. Es hatte sich von dem Wort Gottes (seinen Gesetzen ; vgl. V. 10 - 11 ), das es kannte, weggewandt (vgl. V. 11 ). Gott, in seiner Gnade, hatte Propheten geschickt (vgl. V. 10 ), um die Menschen zu ermahnen, zu ihm zurückzukehren. Aber sie wollten nicht auf deren Botschaften hören ( wir haben nicht gehört ). Könige und Volk waren vor Gott gleich schuldig.

 

Dan 9,7-11 a


Daniel bekräftigte dann, daß Gott gerecht ist (vgl. V. 14.16 ) und daß seine Züchtigung Israels für dessen Untreue richtig war. Israel war mit Schande bedeckt (V. 7 - 8 ) und verstreut in fremde Länder. Gottes Strafe bedeutete nicht, daß er seine Gnade (vgl. V. 18 ) und Vergebung vor seinem Volk verbarg, sondern daß er, der Gerechte, die Auflehnung und den Ungehorsam des Volkes bestrafen mußte (V. 10 ). Es wollte Gottes Gesetze nicht halten (V. 10 ; vgl. V. 5 ), denn es übertrat sein Gesetz (V. 11 ) und wandte sich von Gott ab (vgl. V. 5 ). Es war beharrlich in seinem Ungehorsam ( wollte nicht hören ).



Dan 9,11-14 (Dan 9,11b-14)


Wegen seiner Rebellion und seinem Ungehorsam erlebte Israel nun die Flüche und Gerichte , von denen Mose in 5Mo 28,15-68 geschrieben hatte (vgl. V. 13 ). Aber trotz des strengen Gerichtes, trotz dem großen nationalen Unglück ( Dan 9,12 ) wandte sich das Volk nicht von seinen Sünden ab und ordnete sich der Autorität des Gesetzes, der Wahrheit Gottes, nicht unter. Dieses Unglück, der Untergang Jerusalems, war gekommen, weil Gott gerecht ist (vgl. V. 7.16 ) und weil Israel ihm nicht gehorcht hatte (vgl. V. 10 - 11 ).



b. Bitte
( 9,15 - 19 )


Dan 9,15-16


Daniel begann seine Bitte (V. 15 ), indem er zwei der Dinge erwähnte, mit denen er sein Bekenntnis begonnen hatte (V. 4 - 5 ): Gottes Größe und die Sünde des Volkes. Daniel sprach davon, daß Gott Israel durch seine große Macht (mit einer mächtigen Hand) aus Ägypten errettet hatte. Gott wurde durch die Befreiung seines Volkes verherrlicht. Aber weil das Volk gesündigt hatte (Daniels vierte Erwähnung der Sünde seines Volkes; vgl. V. 5.8.11 ), war es zu einem Objekt des Spottes für die Völker um es herum geworden. Daniel betete, daß Gott um seiner Gerechtigkeit willen (vgl. V. 7.14 ) seinen Zorn und Grimm von Jerusalem abwenden möge. Er bat, daß Gottes Züchtigung aufgehoben und das Volk aus seiner gegenwärtigen Versklavung befreit würde. (Jerusalem ist Gottes Stadt; vgl. V. 24 , und sein heiliger Hügel ; vgl. V. 20 ; Joe 2,1;4,17; Zeph 3,11 .)

Noch einmal verband Daniel den gegenwärtigen Zustand des Volkes mit seiner Sünde in der Vergangenheit, den Sünden und Vergehen unserer Väter (vgl. Dan 9,6.8 ).



Dan 9,17-19


Nachdem der Prophet darum gebetet hatte, daß Gottes Zorn sich abwenden möge (V. 15 - 16 ), betete er nun um Gottes Gnade, Barmherzigkeit und Vergebung (V. 17 - 19 ). Daniel bat Gott, daß er seine Gebete hören und das Heiligtum (den Tempel in Jerusalem) um seinetwillen wieder aufrichten möge (wohlwollend schauen auf, vgl. V. 19 ). Er bat, daß Gott seine Bitte hören ( das Ohr leihen ) und die Zerstörung der Stadt sehen möge ( öffne deine Augen ). Es ist interessant, daß Daniel nicht genau sagte, was Gott tun solle. Vielmehr bat er, daß Gott auf das Heiligtum "schauen" und die Stadt "sehen" möge, die beide seit so vielen Jahren zerstört waren.

Daniel gründete seine Bitten auf Gottes große Barmherzigkeit (vgl. V. 9 ), nicht auf die Gerechtigkeit des Volkes, denn es hatte keine. Aber weil Gott barmherzig und vergebend ist, betete er: O HERR, höre! O HERR, vergib! Um den Ruf Gottes besorgt, bittet Daniel, daß der Herr schnell handeln ( verzögere nicht ) und der Stadt und dem Volk, die seinen Namen trugen, helfen möge. Dies würde Gott verherrlichen, denn es war um seinetwillen (vgl. V. 17 ).



3. Die Antwort des Herrn
( 9,20 - 27 )


a. Die Botschaft Gabriels
( 9,20 - 23 )


Dan 9,20-21


Daniel hatte in seinem Gebet das Bekenntnis seiner Sünde und der Sünde des Volkes abgelegt und an Gott die Bitte gerichtet, daß er Jerusalem ( Gottes heiliger Berg ) wieder aufrichten möge. Die Antwort auf dieses Gebet Daniels wurde nicht verzögert (vgl. "verzögere nicht", V. 19 ). Denn er wurde durch die Erscheinung von Gabriel unterbrochen, der schon früher zu ihm gekommen war und ihm seine Gesichte über den Widder und die Ziege erläutert hatte ( Dan 8,15 ). Gabriel kam schnell, um die Zeit des Abendopfers . Dies war eines der beiden täglichen Opfer, die von dem Gesetz verlangt wurden ( 2Mo 19,38-39; 4Mo 28,3-4 vgl. "Abende und Morgen" in Dan 8,14 ). Auch wenn der Tempel zerstört war, so daß man in den letzten 66 Jahren keine Opfer mehr hatte bringen können, beachtete Daniel dennoch diese Zeit des Tages als Zeit der Anbetung Gottes. Vielleicht war dies eine von den drei Zeiten am Tag, an denen er betete ( Dan 6,11 ).

l

Dan 9,22-23


Zwar hatte Daniel es in seinem Gebet nicht ausdrücklich so gesagt, aber er war offensichtlich sehr beunruhigt über Gottes weiteres Programm für Israel (vgl. V. 2 ). Jeremias Weissagung ( Jer 25,11-12 ) sprach nur von Gottes Plan für das Volk bis zum Ende der siebzigjährigen babylonischen Gefangenschaft. Daniel wollte wissen, was nach dieser geschehen werde. Die beiden vorangehenden Visionen ( Dan 7-8 ) über die zukünftigen Dinge hatten hauptsächlich von den heidnischen Nationen gesprochen, die nach Babylon kommen würden. Deshalb hatte Gabriel von Gott den Auftrag, Daniels Verlangen zu erfüllen und Gottes Programm für sein Volk bis zu dessen Vollendung in dem verheißenen Königreich und unter der Herrschaft des Messias Israels zu offenbaren. Gabriel sollte Daniel Einsicht in Gottes Vorhaben mit seinem Volk geben. Weil der Prophet bei Gott hoch geachtet war (vgl. Dan 10,11.19 ), hatte Gabriel eine Antwort für Daniel empfangen, sobald Daniel begonnen hatte zu beten .



b. Der Plan Gottes in den 70 "Jahrwochen"
( 9,24 )


Dan 9,24


Zuerst wurde Daniel mitgeteilt, daß Gottes Plan in 70 Wochen (wörtl.: " 70 Siebener ") vollendet würde. Da Daniel im Blick auf Gottes Vorhaben offenbar in Jahresabschnitten dachte (V. 1 ; vgl. Jer 25,11-12; 2Chr 36,21 ), war es nur natürlich, daß er unter diesen "Wochen" Jahre verstand. Heute denken wir gewöhnlich in Zehnerschritten (z. B. Jahrzehnt, Jahrhundert ...). Daniels Volk dachte in Siebenerschritten (Heptaden). Sieben Tage sind eine Woche. Jedes siebte Jahr war ein Sabbatjahr ( 3Mo 25,1-7 ). Sieben "Siebener" waren ein Jubeljahr ( 3Mo 25,8-12 ); siebzig "Siebener" folglich eine Spanne von 490 Jahren. Diese 490 konnten nicht Tage meinen (etwa eineinhalb Jahre zusammen), denn dies würde nicht genügend Zeit lassen für die Ereignisse, die in Dan 9,24-27 angekündigt werden. Dies gilt auch für 490 Wochen a sieben Tage (d. h. 3 430 Tage, etwa 912 Jahre). Auch müßte man dann erwarten, daß Daniel nach "70 Siebenern" noch "an Tagen" zugefügt hätte, denn in Dan 10,2-3 schreibt er wörtlich: "drei Siebener an Tagen" (d. h. "drei Wochen").

Ein weiteres Argument ist, daß Israel und Juda im Laufe ihrer Geschichte die Sabbatjahre nicht gehalten hatten (jedes siebte Jahr sollte das Land brachliegen; 3Mo 25,1-7 ). Deshalb legte der Herr dem Land siebzig "Sabbate" auf (vgl. 3Mo 26,34-35 ). Es wurden also 490 Jahre benötigt, um diese 70 Sabbatjahre zu erfüllen, wenn alle sieben Jahre ein solches Sabbatjahr sein sollte.

Diese Zeitspanne war für Daniels Volk (vgl. "dein Volk" in Dan 10,14;11,14 ) und für die Heilige Stadt (vgl. Dan 9,16.24 ) bestimmt worden. Diese Weissagung handelt also nicht von der Welt- oder Kirchengeschichte, sondern von der Geschichte Israels und der Stadt Jerusalem. Wenn die 490 Jahre vorbei sind, wird Gott sechs Dinge für Israel getan haben. Die ersten drei wird er mit der Sünde, die zweiten drei mit dem Königreich tun. Die Grundlage für die ersten drei wurde in dem Werk Christi am Kreuz gelegt, aber alle sechs werden von Israel verwirklicht werden, wenn Christus wiederkommt.

1. Am Ende der 490 Jahre wird Gott die Übertretungen Israels beenden . Das Verb "beenden" ( kAlA? ) bedeutet "etwas zu einem Ende bringen". Israels Sünde des Ungehorsams wird zu Ende sein, wenn Christus wiederkommt. Dann wird Israel umkehren und sich zu ihm als seinem Messias und Retter wenden. Es wird wieder in sein Land eingesetzt und gesegnet werden, so wie Daniel gebetet hatte.

In den Tagen des Alten Testamentes war der Höhepunkt im israelitischen Jahr der große Versöhnungstag ( 3Mo 16 ). An diesem Tag versammelte sich das ganze Volk vor Gott, bekannte seine Sünde und brachte Opfer zur Vergebung dieser Sünde. Dieses Opfer bedeckte die Sünde Israels für zwölf Monate, konnte sie aber nicht wirklich beseitigen ( Hebr 10,1-3 ). Es mußte daher ein Opfer gebracht werden, das alle angesammelten Sünden endgültig beseitigen konnte. Dieses Opfer wurde von Jesus Christus gebracht, der durch seinen Tod auch für alle die Sünden bezahlte, die in der Vergangenheit nicht hatten entfernt werden können (vgl. Röm 3,25 ). Sein Versöhnungswerk am Kreuz hat also dieses zukünftige "Beenden" der Übertretungen Israels möglich gemacht.

2. Gott wird die Sünde beseitigen . Das Verb HATam trägt die Bedeutung des Versiegelns. Gemeint ist, daß etwas im Blick auf die Strafe versiegelt wird (vgl. 5Mo 32,34; Hi 14,17 ). Dies macht deutlich, daß Israels Sünde, die unbestraft geblieben war, bestraft würde - in oder durch Jesus Christus, den Stellvertreter, der die Sünden der Welt an das Kreuz getragen hat. Dann, wenn Christus wiederkommt, wird er Israels Sünde beseitigen ( Hes 37,23; Röm 11,20-27 ).

3. Gott wird die Schuld sühnen . Das Verb "sühnen" ( kAPar ) bedeutet "bedecken" oder "wiedergutmachen". Auch dies spricht von Gottes endgültiger Versöhnung Israels, wenn es bei der Wiederkunft Christi umkehrt, denn die Vorsorge für diese Versöhnung ist am Kreuz bereits getroffen. Man sollte hier auch an den großen Versöhnungstag in Israel denken, so wie in der ersten dieser sechs Aussagen. An diesem Tag schuf Gott eine gerechte Grundlage, auf der er mit einem schuldigen Volk handeln konnte. Das Blut, das auf den Gnadenstuhl ("der Sühnedeckel"; 3Mo 16,14 ) über der Bundelade gesprengt wurde, machte es möglich, daß er unter diesem sündigen Volk lebte. In ähnlicher Weise verheißt Daniels Weissagung, daß Gott aufgrund des von Christus am Kreuz vergossenen Blutes mit Sündern umgehen wird, hier in besonderer Weise mit den Sündern in Israel.

Da Gott durch das Blut Christi versöhnt ist, kann er die Sünde austilgen. Die griechischen Worte für "Sühnedeckel" ( hilasmos , "Gnadenstuhl") und "versöhnen" ( hilaskomai ) sind miteinander verwandt.

4. Die zweiten drei Dinge, die Gott in dieser Zeit vollenden wird, handeln von den positiven Aspekten des Planes Gottes. Gott wird, durch den Tod Christi versöhnt, ewige Gerechtigkeit bringen . Die Form des Verbes "bringen" macht deutlich, daß es darum geht, etwas kommen zu lassen. Das Wort "ewig" (hier im hebr. im Pl.) bedeutet eigentlich Zeitalter. Dieser Ausdruck (wörtl.: "die Gerechtigkeit der Zeitalter kommen lassen") ist daher eine Prophezeiung, daß Gott ein Zeitalter aufrichten wird, das von Gerechtigkeit gekennzeichnet ist. Er spricht also vom Tausendjährigen Reich ( Jes 60,21; Jer 23,5-6 ).

5. Gott wird Gesicht und Weissagung versiegeln . Alles, was Gott durch die Propheten gesagt hat, wird er tun. Er wird seinen Bund mit Israel erfüllen. Im Tausendjährigen Reich werden alle Verheißungen seines Bundes vollkommen erfüllt werden. Bis zu ihrer Erfüllung sind Weissagungen "unversiegelt". ("Versiegeln" ist hier die Übersetzung des gleichen Verbes, das in der zweiten dieser sechs Aussagen benutzt wurde, HATam .)

6. Gott wird das Allerheiligste salben . Dies könnte die Einweihung des Allerheiligsten im Tempel des Tausendjährigen Reiches (wie er in Hes 41-46 beschrieben wird) meinen. Oder es bezieht sich auf keinen heiligen Ort, sondern auf eine heilige Person, Christus. Dann spricht diese Stelle von der Krönung Christi, des "Gesalbten" ( Dan 7,25-27 ), im Tausendjährigen Reich als König der Könige und Herr der Herren.

Diese sechs Dinge sprechen also von der Errichtung des Bundesreiches für Israel im Tausendjährigen Reich unter der Herrschaft des verheißenen Königs. Sie fassen den gesamten Plan Gottes zusammen, durch den er dem Volk Israel den Segen bringen wird, den er durch seine Bundesverheißungen versprochen hat ( 1Mo 15,18-21; 1Sam 7,16; Jer 31,31-34 ).



c. Die Einteilung der 70 "Jahrwochen"
( 9,25 - 27 )


Dan 9,25


Daniel erhielt nun eine sehr wichtige Offenbarung über diese Zeitperiode und ihre Unterteilung. Die 70 "Wochen" werden, laut Gabriel, mit der Verkündigung des Erlasses beginnen, Jerusalem zu erneuern und wieder aufzubauen. Dies war der vierte von vier Erlassen, den die persischen Herrscher im Blick auf die Juden machten.Der erste war der Erlaß von Kyrus im Jahr 538 v. Chr. (2. Ch. 36,22 - 23; Esr 1,1-4; 5,13 ). Der zweite war der Erlaß des Darius I. (522 - 486) im Jahr 512 v. Chr. ( Esr 6,1.6-12 ). Er war im Grunde nur eine Bestätigung des ersten Erlasses. Der dritte war der Erlaß von Artaxerxes Longimanus (465 - 423) im Jahr 457 v. Chr. ( Esr 7,11-26 ). Die ersten beiden Erlasse bezogen sich auf die Erneuerung des Tempels in Jerusalem, der dritte auf die Finanzierung der Tieropfer im Tempel. Sie sagen nichts über den Wiederaufbau der Stadt selbst aus. Da eine Stadt ohne Mauern keinerlei militärische Bedrohung darstellte, war der Wiederaufbau eines religiösen Tempels keine Herausforderung der militärischen Autorität der Herrschenden. Keiner dieser Erlasse kann also derjenige sein, von dem hier gesprochen wird und der den Beginn der 70 Jahrwochen bilden sollte.

Der vierte Erlaß stammte ebenfalls von Artaxerxes Longimanus und wurde am 5. März 444 v. Chr. verkündet ( Neh 2,1-8 ). In ihm gab Artaxerxes den Juden die Genehmigung, die Mauern der Stadt Jerusalem wieder aufzubauen. Dies ist der Erlaß, von dem Daniel 9,25 spricht.

Die Weissagung zielt auf das Erscheinen des Gesalbten, des Herrschers . Dies bezieht sich auf Christus selbst. Gott, der Vater, hat Christus bei seiner Taufe im Jordan mit dem Geist gesalbt ( Apg 10,38 ). Hier meint die Salbung jedoch die Salbung Christi als Herrscher über sein Königreich (vgl. die Anmerkungen zu "das Allerheiligste salben" in Dan 9,24 ). Die Weissagung der 70 Jahrwochen endet also nicht mit dem ersten Kommen Christi, wie manche Ausleger meinen, sondern vielmehr mit seiner Wiederkunft und der Aufrichtung des Tausendjährigen Reiches.

Diese Zeit von 490 Jahren ist in drei Teile geteilt: (a) Sieben "Wochen" (49 Jahre), (b) 62 "Wochen" (434 Jahre) und (c) eine "Woche" (V. 27 ; sieben Jahre). Der erste Abschnitt von 49 Jahren könnte sich auf die Zeit beziehen, in der die Stadt Jerusalem, nachdem Artaxerxes in seinem Erlaß die Genehmigung erteilt hatte, wieder aufgebaut wurde (444 - 395 v. Chr.). Zwar nahm die Erneuerung der Mauer unter Nehemia nur 52 Tage in Anspruch, aber sicher hat es noch viele Jahre gedauert, bis die Ruinen in der Stadt entfernt waren (nach so vielen Jahrzehnten des Verfalls), geeignete Häuser gebaut und die Straßen und Gräben erneuert worden waren.



Dan 9,26 a


Die 62 " Wochen " (434 Jahre) erstrecken sich bis zur Einführung des Messias in dem Volk Israel. Dieser zweite Abschnitt schloß an dem Tag, als Christus im Triumph nach Jerusalem zog, kurz bevor er ausgerottet , d. h. gekreuzigt wurde. Durch seinen triumphalen Einzug zeigte sich Christus, in Erfüllung von Sach 9,9 , dem Volk Israel als Messias. Er kannte offensichtlich auch diese Stelle aus Daniels Weissagung gut, denn bei eben diesem Ereignis sagte er: Wenn ihr doch nur an diesem Tag erkannt hättet, was euch Frieden gebracht hätte - aber nun ist es vor euren Augen verborgen ( Lk 19,42 ).

Die ersten beiden Teile dieses wichtigen Zeitabschnittes - die sieben Wochen (49 Jahre) und die 62 Wochen (434 Jahre) - folgten also ohne Zwischenzeit direkt aufeinander. Zusammen ergaben sie 483 Jahre und gingen vom 5. März 444 v. Chr. bis zum 30. März 33 n. Chr. Wie kommt man nun von 444 v. Chr. bis 33 n. Chr. auf insgesamt 483 Jahre? Die Antwort auf diese Frage findet sich in der Tabelle "Die 483 Jahre im jüdischen und gregorianischen Kalender". (Für nähere Einzelheiten vgl. Harold W. Hoehner, Chronological Aspects of the Life of Chris t. Grand Rapids: Zondervan Publishing House, 1977, und Alva J. McClain, Daniel's Prophecy of the Seventy Weeks . Grand Rapids: Zondervan Publishing House, 1969.)

Nach Dan 9,26 wurde der Gesalbte nicht in der 70sten Jahrwoche "ausgerottet", sondern nachdem die sieben und die 62 Jahrwochen vorbei waren. Dies bedeutet, daß es zwischen der 69sten und der 70sten Jahrwoche einen Einschnitt gibt. Die Kreuzigung Christi lag in diesem Zeitintervall, kurz nach seinem triumphalen Einzug, der die 69ste Jahrwoche beschloß. Dieses Intervall wurde von Christus vorhergesehen, als er die Errichtung der Gemeinde prophezeite ( Mt 16,18 ). Dazu mußte notwendigerweise das Volk Israel für eine gewisse Zeit zur Seite gestellt werden, damit sein neuer Plan für die Gemeinde erfüllt werden konnte. Christus spricht von dieser Beiseitestellung Israels ( Mt 21,42-43 ). Das gegenwärtige Gemeindezeitalter liegt also zwischen der 69sten und der 70sten Jahrwoche.

 

Amilleniaristen lehren, daß die Zeit, in der Christus bei seinem ersten Kommen auf dieser Erde war, in dieser 70sten Jahrwoche lag und es keinen Einschnitt zwischen der 69sten und der 70sten Woche gibt. Daher sind nach ihrer Meinung auch die sechs Aussagen aus Dan 9,24 heute erfüllt, und zwar in der Gemeinde. Diese Sicht hat jedoch schwere Mängel. Sie (a) ignoriert die Tatsache, daß es in Vers 26 heißt: " nach den 62 Wochen", nicht " in der 70sten Woche", (b) übersieht die Tatsache, daß der Dienst Christi auf dieser Erde dreieinhalb Jahre lang gedauert hat, nicht sieben Jahre, und (c) ignoriert die Tatsache, daß die sechs Aussagen aus Vers 24 von Daniels "Volk" (Israel) und seiner "heiligen Stadt" (Jerusalem) gesagt sind, nicht von der Gemeinde.

Wenn der Gesalbte ausgerottet sein wird, so erfuhr Daniel weiter, wird er nichts haben . Das Wort, das mit "ausgerottet" übersetzt wird, spricht von der Todesstrafe für einen Kriminellen. Die Weissagung spricht also ganz deutlich von der Kreuzigung Christi. Bei dieser Kreuzigung wird er "nichts haben", da Israel ihn verworfen hat und das Reich zu diesem Zeitpunkt nicht aufgerichtet werden kann. Er hat also nicht damals die königliche Würde als König auf dem Thron Davids über Israel bekommen. Johannes bezieht sich darauf, wenn er schreibt: "Er kam in sein Eigentum [d. h. zu dem Thron, den der Vater für ihn bereitet hatte]; und die Seinen [d. h. sein eigenes Volk] nahmen ihn nicht auf" ( Joh 1,11 ). Daniels Weissagung spricht also davon, wie Christus sich dem Volk als Messias anbietet, wie das Volk ihn als Messias ablehnt und von seiner Kreuzigung.



Dan 9,26 b


Die Weissagung fährt fort mit einer Beschreibung des Gerichtes, das über die Generation kommen wird, die den Messias abgelehnt hat. Die Stadt , in der das Heiligtum ist, Jerusalem also, wird durch das Volk des Herrschers, der kommen wird , zerstört werden. Der Herrscher, der kommen wird, ist das letzte Haupt des römischen Reiches, das kleine Horn aus Dan 7,8 . Es ist wichtig, daß das Volk des Herrschers, nicht der Herrscher selbst, Jerusalem zerstören wird. Da er der letzte römische Herrscher ist, muß das Volk natürlich das Volk der Römer sein. Dies ist also eine Weissagung auf die Zerstörung Jerusalems hin, von der Christus ebenfalls sprach.

Als die Führer des Volkes ihre Verwerfung Christi deutlich machten, indem sie seine Macht von Beelzebul ableiteten, dem Fürsten der Dämonen ( Mt 12,24 ), warnte Christus sie, daß sie sich, wenn sie diese Sicht beibehielten, einer Sünde schuldig machen würden, für die es keine Vergebung gibt ( Mt 12,31-32 ). Er warnte das Volk, daß Jerusalem von den Heiden zerstört werden würde ( Lk 21,24 ), daß es verlassen sein würde ( Mt 23,38 ) und daß die Zerstörung so vollständig sein würde, daß kein Stein mehr auf dem anderen bliebe ( Mt 24,2 ). Diese Zerstörung wurde im Jahr 70 n. Chr. durch Titus durchgeführt, als er die Stadt Jerusalem eroberte und Tausende von Juden tötete. Aber dennoch beendete diese Invasion, so schrecklich sie auch war, das Leiden Israels nicht, denn, so sagte Gabriel, es wird Krieg bis zum Ende geben. Obwohl Israel zur Seite gestellt wird, muß es leiden, bis die Weissagung der 70 Jahrwochen vollständig erfüllt ist. Sein Leiden umspannt die gesamte Periode von der Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. bis zur Befreiung Jerusalems von der heidnischen Vorherrschaft bei der Wiederkunft Christi.



Dan 9,27 a


Dieser Vers enthüllt, was in der 70sten Jahrwoche geschehen wird. Diese Zeit von sieben Jahren beginnt nach der Entrückung der Gemeinde (durch die Gottes Plan in diesem gegenwärtigen Zeitalter vollendet werden wird). Die 70ste Woche dauert an, bis Jesus Christus wieder auf die Erde zurückkommt. Jesus hat diese Zeit eine Zeit der "großen Trübsal" genannt ( Mt 24,21 ).

Ein wichtiges Ereignis, das den Beginn dieser siebenjährigen Periode markieren wird, ist die Bekräftigung eines Bundes . Dieser Bund wird mit vielen geschlossen, d. h. mit Daniels Volk, dem Volk Israel. Der Herrscher, der kommen wird ( Dan 9,26 ), wird dabei der Bundespartner sein, denn in Vers 27 ist dieser Herrscher mit dem Wort er gemeint. Er wird einmal das letzte Haupt des vierten Reiches (das kleine Horn des vierten Tieres; Dan 7,8 ) sein.

Der Bund, den er machen wird, ist offensichtlich ein Friedensabkommen, in dem er Israel in seinem Land Frieden zusichert. Dies macht deutlich, daß Israel zu der Zeit zwar in seinem Land, aber nicht in der Lage ist, sich selbst zu verteidigen. Es wird jegliche Unterstützung, die es vielleicht vorher gehabt hat, verloren haben. Daher wird es die Friedensrolle dieses Hauptes der vereinigten zehn (römischen) Nationen brauchen und gerne annehmen. Indem er diesen Bund schließt, wird sich der Herrscher wie ein Friedensfürst verstellen, und Israel wird seine Autorität anerkennen. Aber in der Mitte der Woche , nach dreieinhalb Jahren, wird er den Bund brechen. Nach 11,45 wird er dann in das Land Israel einmarschieren.

Dieser Herrscher wird Schlachtopfer und Speisopfer abschaffen . Hier wird von dem gesamten levitischen Opfersystem gesprochen. Es ist also zu vermuten, daß Israel dieses System in der ersten Hälfte der 70sten Woche wieder eingeführt hat. Nachdem dieser Herrscher weltweite politische Macht bekommen hat, wird er auch auf dem religiösen Gebiet die Macht an sich reißen und die Welt dazu bringen, ihn anzubeten ( 2Thes 2,4; Offb 13,8 ). Um diese Anbetung zu erhalten, wird er jede Form organisierter Religion auslöschen. Nachdem er sich selbst als der rechtmäßige König der Welt und als Friedensfürst Israels hingestellt hat, wird er sich schließlich gegen Israel wenden und sein Zerstörer und Beschmutzer werden.

 

Dan 9,27 b


Daniel wurde gesagt, daß der Herrscher, der kommen wird (V. 26 ), in einem Flügel des Tempels einen Greuel aufrichten wird. Christus spricht von diesem Geschehen: "Ihr [werdet] stehen sehen an dem heiligen Ort den Greuel, der die Verwüstung bringt" ( Mt 24,15 ). Johannes schreibt, daß der falsche Prophet ein Bildnis für seinen Herrscher aufrichten wird und daß die Welt dieses Bildnis anbeten muß ( Offb 13,14-15 ). Aber dann wird dies ein Ende haben ( das Ende, das bestimmt ist, wird über ihn ausgegossen ). Zusammen mit seinem falschen Propheten wird er in den Feuersee geworfen werden, wenn Christus auf die Erde zurückkehrt ( Offb 19,20 ; vgl. Dan 7,11.26 ).

Dieser Bund, von dem hier die Rede ist, kann nicht von Christus bei seinem ersten Kommen aufgerichtet worden sein, wie die Amilleniaristen behaupten, denn: (a) sein Wirken dauerte keine sieben Jahre, (b) sein Tod beendete Schlachtopfer und Speisopfer nicht, (c) er richtete "den Greuel, der die Verwüstung bringt", nicht auf ( Mt 24,15 ). Amilleniaristen behaupten, daß Christus den Abraham-Bund bestätigte (im Sinne von einer Erfüllung), als er auf der Erde wirkte, aber die Evangelien schreiben davon nichts.

Der Antichrist wird, wie schon gesagt, seinen Bund mit Israel zu Beginn der zweiten Hälfte der 70sten Jahrwoche brechen. Er wird also dreieinhalb Jahre lang gebrochen sein. Dies wird "eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit" genannt ( Dan 7,25;12,7; Offb 12,14 ). Diese Zeit von dreieinhalb Jahren kann mit 1 260 Tagen ( Offb 11,3; 12,6 ) und mit 42 Monaten ( Offb 11,2; 13,5 ) gleichgesetzt werden, da der Monat nach jüdischer Rechnung 30 Tage und das Jahr 360 Tage hat. Dieses Jahr von 360 Tagen liegt auch der Berechnung in der Tabelle "Die 483 Jahre im jüdischen und gregorianischen Kalender" (bei Dan 9,26 a) zugrunde. Da die Ereignisse in den 69 Jahrwochen (V. 24 - 26 ) wörtlich erfüllt wurden, wird auch die noch unerfüllte 70ste Woche ebenfalls wörtlich erfüllt werden.



C. Die abschließende Vision
( Dan 10-12 )


1. Die Vorbereitung des Propheten
( 10,1 - 11,1 )


a. Der Anlass für die Vision
( 10,1 - 3 )


Dan 10,1-3


Die abschließende Vision, die Daniel empfing, kam im dritten Jahr der Regierung von Kyrus, also im Jahr 536 v. Chr. Einige der Weggeführten waren bereits wieder von Babylon zurückgekehrt und hatten begonnen, den Tempel wieder aufzubauen. (Vielleicht war Daniel wegen seines Alters nicht mit ihnen gegangen.) Israels Gefangenschaft war zu Ende. Jerusalem war wieder bewohnt, und das Volk schien in Frieden leben zu können. Die Offenbarung , die Daniel in dieser Vision erhielt, zerschlug jegliche Hoffnung, die der Prophet vielleicht gehabt hatte, daß Israel die Freiheit und den Frieden, die es gerade gewonnen hatte, lange behalten würde. Denn Gott offenbarte, daß die Nation in viele Streitigkeiten verwickelt werden würde ( einen großen Krieg ). Daniel, der die Bedeutung dieser Vision verstand, fastete drei Wochen lang (wörtl.: "drei Siebener von Tagen"; vgl. die Anmerkungen zu Dan 9,25 ). Während dieser Zeit der Klage und Trauer enthielt er sich auserwählter Speisen und wandte sich Gott zu (vgl. Dan 10,12 ), um Auskunft über die Bestimmung seines Volkes zu erhalten.


b. Der himmlische Botschafter
( 10,4 - 11 )


Dan 10,4-11


Nach drei Wochen (vgl. V. 3 ) wurde Daniel von einem Boten aufgesucht, als er an dem Fluß Tigris stand (vgl. Dan 12,5 ). Der Bote war ein Engel vom Himmel, kein menschliches Wesen. Er war in Leinen gekleidet (vgl. Dan 12,7 ) und von einer strahlenden Helligkeit umgeben. Vermutlich handelte es sich hier ebenfalls wieder um Gabriel, der ja schon einmal mit einer Botschaft zu Daniel geschickt worden war ( Dan 8,16 ). Engel, die in der Gegenwart Gottes wohnen, der das Licht ist, sind selbst mit Licht gekleidet. Daniel sah hier etwas von der himmlischen Herrlichkeit, die in dem Besucher widerstrahlte ( Dan 10,5-6 ).

Einige Ausleger denken, daß der Mann , der Daniel besuchte, der präinkarnierte Christus gewesen sei, wegen (a) der Ähnlichkeit zwischen der Beschreibung hier und der von Christus in Offb 1,13-16 , (b) der Antwort Daniels und seiner Freunde ( Dan 10,7-8 ) und (c) der Annahme, daß dieser "Mann" mit dem "Sohn des Menschen" in Dan 7,13 und dem "Mann" in Dan 8,16 identisch sei. Auf der anderen Seite ist es jedoch unwahrscheinlich, daß Christus von dem Fürsten (Dämon) Persiens gehindert wurde und die Hilfe des Engels Michael benötigte. Außerdem vermittelte er hier eine himmlische Botschaft an Daniel.

Daniels Begleiter sahen offenbar den Lichtschein, nicht aber den Besucher, und sie flohen , um sich vor dem Licht zu verstecken. Daniel blieb allein in der Gegenwart des Engels zurück und warf sich vor ihm zu Boden. In dieser Lage fiel Daniel in einen Schlaf . Er wurde von diesem Schlaf durch den Engel geweckt, damit er die Botschaft empfangen konnte, die der Engel überbringen sollte. Der Engel, der den Propheten hoch geschätzt nannte (vgl. Dan 9,23;10,19 ), erklärte: Ich bin von Gott zu dir geschickt worden , der die Bitte Daniels um Verständnis erhört hat.



c. Die Erläuterung des himmlischen Boten
( 10,12 - 14 )


Dan 10,12-14


Gabriel ermutigte Daniel zunächst, sich nicht zu fürchten (vgl. V. 8 ). Dann erklärte er den Grund für die Verzögerung der Antwort Gottes auf das Gebet Daniels. Als Daniel mit seinem Beten und Fasten begann, nachdem er die Vision eines großen Krieges gehabt hatte (V. 1 - 2 ), hatte Gott Gabriel mit einer Botschaft für ihn losgesandt. Aber Gabriel war durch den Fürsten des Königreiches Persien (vgl. "der Fürst von Persien"; V. 20 ) gehindert worden. Da Menschen nicht mit Engeln kämpfen können (Jakob kämpfte mit Gott, nicht mit einem Engel; vgl. die Anmerkungen zu 1Mo 32,23-33 ), muß der Prinz, von dem hier gesprochen wird, ein satanischer Widersacher gewesen sein.

Gott hat den Bereich der Engelwelt in verschiedene Stufen eingeteilt, in Herrschaften, Autoritäten, Mächte und Gewalten ( Eph 1,21 ). Gabriel und Michael haben Autorität über andere Engel, die Gottes Handeln an Israel durchführen (vgl. Michael in Dan 10,21;12,1; Jud 1,9 ). Auf ähnliche Weise hat auch Satan offensichtlich hohen Dämonen Machtstellungen über die verschiedenen Reiche dieser Welt gegeben. Der Fürst des persischen Reiches war ein Stellvertreter Satans, dem Persien zugeteilt war. Er versuchte zu verhindern, daß Daniel die Botschaft Gabriels erhielt. Deshalb griff er Gabriel an, der unterwegs war, um seine Mission zu erfüllen. Wir erhalten hier einen kleinen Einblick in den geistlichen Kampf, der in den himmlischen Orten zwischen den Engeln Gottes und den Dämonen Satans gekämpft wird und über den Paulus sagt ( Eph 6,12 ): Unser Kampf ist nicht gegen Fleisch und Blut, sondern gegen die Herrschaften, gegen die Autoritäten, gegen die Mächte der finsteren Welt und gegen die geistlichen Kräfte des Bösen in den himmlischen Orten.

Der Kampf zwischen Gabriel und dem Fürsten (Dämonen) von Persien dauerte drei Wochen lang, bis Michael, einer der höchsten Fürsten der Engelwelt (vgl. Dan 10,21;12,1 ), Gabriel zur Hilfe kam. Während der König von Persien gegen Michael kämpfte, konnte Gabriel seine Botschaft zu Daniel bringen, seine Botschaft über die Zukunft Israels, dem Volk Daniels (vgl. "dein Volk"; Dan 9,24 ). Es handelt sich dabei um eine Offenbarung über den Krieg ( Dan 10,1 ) zwischen Israel und seinen Nachbarn, bis Israel schließlich durch den kommenden Friedensfürsten Frieden erlangt. Diese Vision ist die detaillierteste prophetische Offenbarung des Buches Daniel.



d. Die Stärkung des Propheten
( 10,15 - 11,1 )


Dan 10,15-19


Daniel war bereits durch die Erscheinung des Boten kraftlos geworden (V. 8 ; vgl. Dan 7,15; Dan 8,27 ). Nun war er geradezu überwältigt ( sprachlos ; Dan 10,15 ), als er von dem Konflikt zwischen Engeln und Dämonen hörte, der die Antwort auf sein Gebet verzögert hatte. Ja, er wurde von Angst ergriffen (V. 16 ) über den Inhalt der Vision bezüglich des zukünftigen Leidens Israels. Er war völlig entkräftet (vgl. V. 8 ) und rang nach Atem.

Indem Daniel den Boten als mein HERR anspricht (vgl. V. 19 ; Dan 12,8 ), benutzte er einen Ehrentitel, der etwa dem heutigen Gebrauch dieses Ausdruckes entspricht.

Der Engel ging zunächst auf Daniels Zustand ein und beruhigte seine innere Erregung ( Fürchte dich nicht ; vgl. Dan 10,12 ; o du hochgeschätzter Mann ; vgl. Dan 9,23;10,11 ). Er stärkte ihn körperlich und gefühlsmäßig, so daß Daniel fähig wurde, die Einzelheiten der Botschaft zu empfangen.



Dan 10,20-11,1


Der Bote sagte zunächst, daß, wenn er zurückgekehrt wäre, um gegen den Fürsten von Persien zu kämpfen (vgl. "der Fürst des Königreiches Persien", Dan 10,13 ), der Fürst von Griechenland kommen würde. Diese Fürsten sind, wie schon gesagt (vgl. die Anmerkungen zu V. 11 - 14 ), Dämonen, Satans Stellvertreter, die jeweils Nationen zugewiesen wurden, um die göttlichen Kräfte zu hindern. Persien und Griechenland sind zwei der großen Völker, um die es in Kapitel 11 im einzelnen geht (Persien, V. 2-4 ; Griechenland, V. 5 - 35 ).

Was ist das Buch der Wahrheit ? Vermutlich ist es "Gottes Niederschrift der Wahrheit, von der die Bibel eine Ausdrucksweise ist" (John F. Walvoord, Daniel: The Key to Prophetic Revelation , S. 250). Der Bote soll Daniel die Pläne Gottes für Israel unter Persien und Griechenland ( Dan 11,2-35 ) und später in der großen Trübsal (V. 36 - 45 ) und dem Tausendjährigen Reich ( 12, 1 - 4 ) mitteilen.

Der Bote ließ Daniel wissen, daß er in seinem Kampf gegen die Dämonen von Michael unterstützt wurde (vgl. Dan 10,13 ). Michael ist dein (Daniels) Fürst in dem Sinne, daß er ein besonderes Verhältnis zu Israel hat (vgl. Dan 12,1 ), Daniels Volk. Als Darius, der Meder ( Dan 11,1 ; vgl. die Anmerkungen zu Dan 6,1 a; vgl. Dan 9,1 ), seine Herrschaft über Babylon begann, wurde er irgendwie von dem Boten unterstützt. Oder, falls sich ihn auf Michael bezieht, so soll gesagt werden, daß der Bote Michael unterstützt hat, so wie dieser auch ihn.



2. Die Einzelheiten der Geschichte Israels unter dem zweiten und dritten Weltreich
( 11,2 - 35 )


a. Die Geschichte unter Persien
( 11,2 )


Dan 11,2


Der Engel ließ Daniel wissen, daß auf die gegenwärtige Führung des persischen Weltreiches vier weitere Herrscher folgen würden. Der erste war Cambyses, der Sohn von Kyrus, der 530 v. Chr. auf den Thron kam. Nach ihm kam Pseudo-Smerdis, der jedoch nur eine kurze Zeit im Jahr 522 v. Chr. an der Macht war. Ihm folgte Darius I. Hystaspes, der von 521 bis 486 v. Chr. regierte. Dann kam Xerxes, der im Buch Ester Ahasveros genannt wird. Er herrschte von 485 bis 465 v. Chr. (Vgl. die Tabelle "Chronologie der nachexilischen Zeit" zu Esr 1,1 .) Xerxes war der mächtigste, einflußreichste und wohlhabendste der vier Herrscher. Während seiner Herrschaft führte er mehrere Kriege gegen Griechenland .

 



b. Die Geschichte unter Griechenland
( 11,3 - 35 )


(1) Das Emporkommen Alexanders ( Dan 11,3-4 )



Dan 11,3


Der mächtige König , von dem hier gesprochen wird, ist Alexander, der bereits durch (a) den Bauch und die Hüfte aus Kupfer in Nebukadnezars Standbild ( Dan 2,32.39 b), (b) den geflügelten Leoparden ( Dan 7,6 ) und (c) das mächtige Horn der Ziege ( Dan 8,5-8 ) dargestellt worden war. Zwischen 334 und 330 v. Chr. eroberte Alexander Kleinasien, Syrien, Ägypten und das Land des medo-persischen Reiches. Seine Eroberungen reichten bis nach Indien (vgl. die Karte "Alexanders Eroberungszüge" zu Dan 8,20-21 ), bevor er 323 v. Chr. im Alter von 32 Jahren infolge von Malaria in Verbindung mit Alkoholismus starb.



Dan 11,4


Wenige Jahre nach dem Tod Alexanders wurde sein Reich unter seine vier Generäle aufgeteilt (vgl. Dan 8,22 ). Seleukus (über Syrien und Mesopotamien), Ptolemäus (über Ägypten), Lysimachus (über Thrazien und Teile von Kleinasien) und Kassander (über Mazedonien und Griechenland). Diese Aufteilung wird in den vier Köpfen des Leoparden ( Dan 7,6 ) und den vier Hörnern der Ziege ( Dan 8,8 ) vorweggenommen. Alexander gründete keine Dynastie von Herrschern. Da er keine Erben hatte, wurde sein Königreich aufgeteilt. Es war bestimmt von Trennung und Schwäche.



Dan 11,5


(2) Der Konflikt zwischen den Ptolemäern und den Seleukiden ( Dan 11,5-20 )

Die Ptolemäer, die über Ägypten herrschten, wurden die Könige "des Südens" genannt. Die Seleukiden, die über Syrien, nördlich von Israel, herrschten, waren die Könige "des Nordens". Dieser Abschnitt (V. 5 - 20 ) gibt uns viele Einzelheiten über den ständigen Konflikt zwischen den Ptolemäern und den Seleukiden, in dessen Verlauf das Land Israel zunächst von den einen, dann von den anderen erobert wurde.

Der starke König des Südens ist Ptolemäus I. Soter, ein General, der unter Alexander gediente hatte. Er erhielt 323 v. Chr. die Oberherrschaft über Ägypten und wurde 304 zum König Ägyptens ausgerufen. Der Befehlshaber, von dem in Vers 5 die Rede ist, ist Seleukus I. Nikator, ebenfalls ein General unter Alexander. Er erhielt 321 die Herrschaft in Babel. Aber 316, als Babel von Antigonus, ebenfalls einem ehemaligen General Alexanders, angegriffen wurde, suchte Seleukus die Hilfe von Ptolemäus I. Soter aus Ägypten. Nach der Niederlage von Antigonus im Jahr 312 kehrte Seleukus gestärkt nach Babel zurück. Er herrschte über Babylonien, Medien und Syrien und nahm 305 den Titel König an. Die Herrschaft von Seleukus I. Nikator erstreckte sich also über ein weit größeres Gebiet als die von Ptolemäus I. Soter.



Dan 11,6


Ptolemäus I. Soter starb 285 v. Chr., und sein Sohn, Ptolemäus II. Philadelphos, nahm seinen Thron ein (285 - 246). Während dieser Zeit wurde Seleukus im Jahr 281 ermordet. Sein Sohn Antiochus I. Soter nahm seinen Platz ein. Er herrschte bis 262. Danach kam sein Enkel, Antiochus II. Theos, in Syrien an die Macht (262 - 246). Ptolemäus II. und Antiochus II. waren erbitterte Feinde, aber schließlich ( nach einigen Jahren ) verbündeten sie sich 250 v. Chr. Dieses Bündnis wurde durch die Heirat von Berenice, der Tochter Ptolemäus II., mit Antiochus II. besiegelt. Aber die Ehe dauerte nicht lange , denn Laodice, von der sich Antiochus hatte scheiden lassen, um Berenice zu heiraten, ließ diese töten (sie wurde preisgegeben ). Laodice vergiftete daraufhin auch Antiochus II. und machte ihren Sohn, Seleukus II. Callinikus, zum König (246 - 227).



Dan 11,7-8


Berenices Bruder, Ptolemäus III. Euergetes (246 - 221), folgte seinem Vater auf dem Thron und machte sich auf, um den Tod seiner Schwester Berenice zu rächen. Er war siegreich über das Heer Syriens (den König des Nordens ) und ließ Laodice umbringen. Mit einer großen Beute kehrte er nach Ägypten zurück.

 

Dan 11,9-10


Nach dieser demütigenden Niederlage versuchte Seleukus II. Callinikus ( der König des Nordens ) nach Ägypten einzudringen , was ihm jedoch nicht gelang. Nach seinem Tod (durch einen Sturz vom Pferd) folgte ihm Seleukus III. Soter auf dem Thron (227 - 223 v. Chr.). Er wurde von Verschwörern ermordet, als er auf einem militärischen Feldzug in Kleinasien unterwegs war. Der Bruder von Seleukus III., Antiochus III. der Große, wurde 223 im Alter von 18 Jahren König und herrschte 36 Jahre lang (bis 187).

Die beiden Söhne (Seleukus III. und Antiochus III.) versuchten, Syriens verlorenes Ansehen durch militärische Eroberungen wieder herzustellen. Der ältere Sohn griff Kleinasien an, der jüngere Ägypten. Ägypten beherrschte zu dieser Zeit das gesamte Gebiet bis zur syrischen Grenze, also auch Israel. Antiochus III. gelang es, die Ägypter in seinem Feldzug 219 - 217 hinter die südlichen Grenzen Israels zurückzudrängen.



Dan 11,11-13


Der König des Südens in diesem Vers ist Ptolemäus IV. Philopator (221 - 204 v. Chr.). Er war derjenige König, der von Antiochus II. dem Großen (vgl. die Anmerkungen zu V. 10 ) zurückgeschlagen wurde. An der südlichen Grenze Israels kam es zur Gegenüberstellung von Ptolemäus IV. und Antiochus III. Zunächst war Ptolemäus IV. erfolgreich und konnte das Vordringen von Antiochus verhindern (Ptolemäus erschlug viele Tausende ). Dann aber, nach einer kurzen Unterbrechung, kehrte Antiochus mit einem anderen Heer (das viel größer war) zurück und schlug den König des Südens .



Dan 11,14-17


Syrien war nicht der einzige Feind Ägyptens, denn Philip V. von Mazedonien verbündete sich mit Antiochus III. gegen Ägypten. Viele Juden ( dein eigenes Volk , d. h. das Volk Daniels, die Juden; vgl. die Anmerkungen zu Dan 9,24; Dan 10,14 ) kämpften ebenfalls auf der Seite von Antiochus. Vielleicht hofften sie, ihre Unabhängigkeit sowohl von Ägypten als auch von Syrien zu erhalten, wenn sie sich auf die Seite von Antiochus schlugen. Aber ihre Hoffnungen erfüllten sich nicht.

Antiochus versuchte, seine Herrschaft über Israel zu festigen, nachdem er die Ägypter hinausgetrieben hatte. Die befestigte Stadt scheint sich auf Sidon zu beziehen, die Antiochus 203 v. Chr. eroberte. Antiochus III. führte die Besetzung Israels fort und hatte sich 199 im herrlichen Land etabliert (vgl. Dan 8,9; 11,41 ). Er versuchte, Frieden zwischen Ägypten und Syrien zu schaffen, indem er seine Tochter mit Ptolemäus V. Epiphanes von Ägypten verheiratete. Aber dieser Versuch, ein Friedensbündnis zwischen den beiden Völkern zu errichten, scheiterte (V. 17 ).



Dan 11,18-19


Antiochus III. wendete dann seine Aufmerksamkeit Kleinasien (197 v. Chr.) und Griechenland (192) zu. Aber er hatte keinen Erfolg, denn Cornelius Scipio ( ein Befehlshaber ) wurde von Rom ausgesandt, um Antiochus zurückzutreiben . Antiochus kehrte 188 in sein eigenes Land zurück und starb ein Jahr später. Antiochus III. der Große hatte die umfassendsten militärischen Anstrengungen aller Nachfolger Alexanders unternommen, aber sein Traum, das Weltreich Alexanders wieder zu vereinen, mißlang.



Dan 11,20


Der Sohn von Antiochus III., Seleukus IV. Philopator (187 - 176 v. Chr.), legte seinem Volk schwere Steuern auf, um Rom bezahlen zu können, aber er wurde von seinem Schatzmeister Heliodorus vergiftet ( nicht im Kampf vernichtet ).



Dan 11,21-22


(3) Die Invasion durch Antiochus IV. Epiphanes ( Dan 11,21-35 )

Diese Verse beschreiben Antiochus IV. Epiphanes, einen Sohn von Antiochus III. dem Großen. Dieser Seleukid, der von 175 bis 163 v. Chr. regierte, erhält soviel Aufmerksamkeit wie alle anderen Herrscher vor ihm zusammen. Er ist das kleine Horn aus Daniel 8,9 - 12.23 - 25. Ein langer Abschnitt ( Dan 11,21-35 ) ist ihm gewidmet, nicht nur wegen der Auswirkungen seiner Invasion des Landes Israel, sondern vielmehr, weil er auf das kleine Horn (König) aus Dan 7,8 ,das einmal das Land Israel entheiligen und zerstören wird, bereits einen Schatten wirft.

Antiochus IV. wird als ein verächtlicher Mensch bezeichnet. Er gab sich selbst den Beinamen Epiphanes, was "der Erleuchtete" bedeutet. Aber er wurde so sehr verachtet, daß man ihn höhnisch Epimanes nannte, was "der Verrückte" bedeutet. Der Thron gehörte rechtmäßig Demetrius Soter, einem Sohn von Seleukus IV. Philopator, aber Antiochus IV. Epiphanes riß die Macht an sich und ließ sich selbst zum König ernennen. Er kam also nicht durch rechtmäßige Nachfolge auf den Thron, sondern erzwang sich die Herrschaft durch Intrigen . Er wurde als Herrscher akzeptiert, weil es ihm gelang, eine angreifende Armee zurückzutreiben, womit vielleicht die Ägypter gemeint sind. Er setzte Onias III., den Hohenpriester, ab, der hier ein Fürst des Bundes genannt wird.



Dan 11,23-24


Nach seinen militärischen Siegen stieg das Ansehen und die Macht von Antiochus Epiphanes durch die Hilfe einer relativ kleinen Gruppe von Menschen. Offenbar suchte er, in seinem Herrschaftsbereich Frieden zu schaffen, indem er den Reichtum neu verteilte, ihn von den Reichen nahm und seinen Nachfolgern gab.



Dan 11,25-27


Nachdem Antiochus sein Reich gefestigt hatte, zog er erneut gegen Ägypten, den König des Südens . Dies war 170 v. Chr. Antiochus konnte sein Heer bis an die Grenze Ägyptens heranführen, bevor sich ihm die Ägypter bei Pelusium, nahe des Nil-Deltas, entgegenstellten. In diesem Kampf hatten die Ägypter eine große Armee , aber sie wurden besiegt, und Antiochus gab vor, freundlich mit Ägypten umgehen zu wollen. Der Sieger und die Besiegten saßen zusammen an einem Tisch , als wäre ein Freundschaftsbund errichtet worden, aber das Ziel von beiden, die Schaffung von Frieden, wurde nie erreicht, denn beide waren zu betrügerisch.



Dan 11,28


Antiochus brachte großen Reichtum von seiner Eroberung zurück. Auf diesem Rückzug kam er auch durch das Land Israel. Nachdem er in Ägypten enttäuscht worden war (erhatte eigentlich ganz Ägypten einnehmen wollen, was ihm jedoch nicht gelungen war), ließ er seine Enttäuschung an den Juden aus, indem er den Tempel in Jerusalem entweihte. Offenbar widersetzte er sich ( setzte sein Herz gegen ) dem gesamten mosaischen System ( dem heiligen Bund ). Nachdem er den Tempel entweiht hatte, kehrte er in sein eigenes Land zurück.



Dan 11,29-30 a


Zwei Jahre später (168) zog Antiochus erneut gegen Ägypten ( den Süden ). Als er nach Ägypten kam, stellten sich ihm die Römer entgegen, die in Schiffen von den westlichen Küsten (wörtl.: "Schiffen von Kittim"; vgl. manche Übersetzungen; gemeint ist Zypern) gekommen waren. Von dem römischen Senat überbrachte Popillius Laenas einen Brief, der Antiochus verbot, sich mit Ägypten auf einen Krieg einzulassen. Als Antiochus sich eine Überlegungsfrist erbat, zog der Botschafter Roms einen Kreis in den Sand um Antiochus herum und verlangte dessen Antwort, bevor er aus diesem Kreis heraustrat. Antiochus unterwarf sich dem Verlangen Roms, denn ein Widersetzen wäre einer Kriegserklärung gegen Rom gleichgekommen. Dies war eine demütigende Niederlage für Epiphanes ( er wird das Herz verlieren ), aber er hatte keine andere Möglichkeit, als in sein eigenes Land zurückzukehren.



Dan 11,30-32 (Dan 11,30b-32)


Zum zweiten Mal (vgl. V. 28 ) ließ Antiochus seine Wut an den Juden, der Stadt Jerusalem und dem Tempel aus. Er wandte seinen Zorn gegen den heiligen Bund , das gesamte mosaische System (vgl. V. 28 ). Jeder jüdische Überläufer, der sich auf seine Seite stellte, wurde belohnt (vgl. V. 32 ). Er entheiligte den Tempel und setzte das tägliche Opfer ab. Antiochus sandte seinen General Apollonius mit 22 000 Soldaten mit einer angeblichen Friedensmission nach Jerusalem. Aber sie griffen Jerusalem an einem Sabbat an und töteten viele Menschen. Sie nahmen Frauen und Kinder als Sklaven, plünderten die Stadt und setzten sie in Brand.

Er versuchte, den Judaismus auszulöschen und die Juden zu hellenisieren. Darum verbot er ihnen die Befolgung ihrer religiösen Praktiken (wozu auch ihre Feste und die Beschneidung gehörten) und befahl, daß alle Abschriften des Gesetzes verbrannt werden müßten. Dann ließ er das Greuelbild, das Verwüstung bringt, aufstellen . Am 16 .Dezember 167 v. Chr. errichtete er auf dem Brandopferaltar außerhalb des Tempelgebäudes einen Altar für Zeus und ließ darauf ein Schwein opfern. Die Juden wurden gezwungen, an jedem 25sten eines Monats den Geburtstag von Antiochus Epiphanes zu feiern. Antiochus versprach abgefallenen Juden ( denen, die den Bund verletzten ; vgl. V. 30 ) eine große Belohnung, wenn sie den Gott Israels verließen und Zeus, den Gott der Griechen, anbeteten. Viele in Israel wurden durch seine Versprechungen ( Schmeichelei ) dazu gebracht, den falschen Gott anzubeten. Aber ein kleiner Rest blieb Gott treu und weigerte sich, an diesen verwerflichen Praktiken teilzunehmen. Antiochus IV. starb schließlich wahnsinnig im Jahr 163 v. Chr. in Persien (vgl. die Anmerkungen zu Antiochus in Dan 8,23-25 ).



Dan 11,33-35


Die Juden, die sich weigerten, sich Antiochus unterzuordnen, wurden verfolgt und um ihres Glaubens willen getötet. Das Wort Fall (V. 33 - 34 ) meint wörtlich "stolpern" ( kASal ). Es spricht von ernstem Leiden vieler und dem Tod anderer. Hier ist die Revolte der Makkabäer angesprochen. Mattatias, ein Priester, war der Vater von fünf Söhnen. (Einer von ihnen, Judas, wurde dadurch bekannt, daß er den Tempel Ende 164 v. Chr. wieder renovierte. Er wurde auch Judas Makkabäus, "der Hämmerer", genannt.) 166 weigerte sich Mattatias, diesem falschen religiösen System zu dienen. Er und seine Söhne flohen von Jerusalem in die Berge und begannen den makkabäischen Aufstand. Zuerst waren es nur wenige Juden, die zu ihnen hielten. Aber dann wurde ihre Bewegung sehr populär, viele schlugen sich auf ihre Seite, einige aus ehrlichen Motiven, andere aus unehrlichen. Das Leiden, das die Treuen erduldeten, reinigte und läuterte sie. Diese Zeit der Verfolgung dauerte nicht sehr lange. Es war Daniel bereits offenbart worden, daß der Tempel 1150 Tage lang entheiligt sein würde ( Dan 8,14 ; vgl. die Anmerkungen zu Dan 8,23-25 ). Hier wird ihm versichert, daß diese Verfolgung eine Zeitlang andauern und dann aufgehoben werden wird, denn ihr Ende wird zur vorausbestimmten Zeit kommen.



3. Die prophetische Geschichte der siebzigsten Jahrwoche
( 11,36 - 12,3 )


a. Der König wird beschrieben
( 11,36-39 )


Alle Ereignisse in Kapitel 11 sind bisher Vergangenheit. Die Einzelheiten des Konfliktes zwischen den Seleukiden und den Ptolemäern wurden wörtlich erfüllt, genauso, wie Daniel sie vorausgesagt hat. Die Details sind so genau, daß Skeptiker daraus folgern, das Buch könne unmöglich von Daniel im sechsten Jahrhundert v. Chr. geschrieben worden sein. Sie meinen, es müsse während der Makkabäerzeit (168 - 134 v. Chr.) geschrieben worden sein, nachdem alle diese Ereignisse bereits geschehen seien. Der Gott aber, der schon von Anfang an das Ende kennt, war auch fähig, die Details der kommenden Dinge Daniel zu enthüllen.

In Vers 36 - 45 wird ein Führer beschrieben, der einfach als "der König" bezeichnet wird. Manche glauben, daß damit Antiochus IV. Epiphanes gemeint ist und daß die Verse noch weitere Vorstöße von ihm in das Land Israel beschreiben. Aber die Details in diesen Versen wurden nicht durch Antiochus erfüllt. Antiochus war nur eine Vorschattung eines Königs, der noch kommen wird (vgl. die Anmerkungen zu Dan 8,25 ). Aber die beiden sind nicht dasselbe. Einer ist Vergangenheit, der andere noch Zukunft. Der kommende König (das kleine "Horn" von Dan 7,8 und "der Herrscher" von Dan 9,26 ) wird der letzte Herrscher des römischen Reiches sein.

Sein Aufstieg zur Macht mittels satanischer Hilfe wird in Offb 13,1-8 beschrieben, wo er "das Tier" genannt wird. Nach Johannes ( Offb 17,12-13 ) wird er seine Autorität nicht durch militärische Eroberungen, sondern durch die Zustimmung der zehn Könige, die sich ihm unterwerfen, erhalten. Mit Daniel 11,36 angefangen, wendet sich die Prophetie von dem "Nahen" zum "Fernen" zu. Die Ereignisse aus Vers 36 - 45 werden in den letzten sieben Jahren der siebzigsten Jahrwoche geschehen ( Dan 9,24 ).



Dan 11,36


Dieser kommende König wird von jeder Autorität außerhalb von sich selbst unabhängig sein ( er wird tun, wie es ihm gefällt ). Bis in die Mitte seiner siebenjährigen Regierungszeit wird er die politische Macht ausüben, die ihm von den zehn Königen, die ihn gewählt haben, gegeben worden ist ( Offb 17,12-13 ). Er wird sich aber auch die absolute Vollmacht in religiösen Fragen vorbehalten und sich selbst über alle Götter erheben und gegen den Gott der Götter lästern. Er erhebt sich über alles, was Gott genannt oder angebetet wird, und setzt sich sogar in den Tempel Gottes und behauptet, daß er selbst Gott sei ( 2Thes 2,4 ). "Er wird den Höchsten lästern" ( Dan 7,25 ). Die Welt wird durch die Wunder, die der falsche Prophet in seinem Namen vollbringen wird, dazu gebracht werden, ihn als Gott anzubeten ( Offb 13,11-15 ). Es wird ihm gelingen, seinen Einfluß auf die ganze Welt auszudehnen, sowohl politisch als auch religiös ( Offb 13,7-8 ).

Die Dauer dieser Königsherrschaft ist von Gott bestimmt worden . Er wird während der Zeit des Zorns , den dreieinhalb Jahren der großen Trübsal, als Weltherrscher erfolgreich sein. Aber nach dieser Zeit wird das Gericht, das von Gott über ihn bestimmt ist, über ihn hereinbrechen (vgl. Dan 7,11.26; 9,27; Offb 19,19-20 ).


Dan 11,37


Weil von den Göttern (oder Gott, ?MlOhIm ) seiner Väter die Rede ist, haben manche geschlossen, daß es sich bei diesem Herrscher um einen Juden handelt, da das Alte Testament häufig von dem "Gott eurer Väter" spricht, dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs (z. B. 2Mo 3,15 ). Aber da dieser Mensch der letzte Herrscher im römischen Weltreich sein wird, das kleine Horn des vierten Tieres ( Dan 7,8.24 b), muß er ein Heide sein. Daß er die Götter seiner Väter nicht achtet , bedeutet, daß er, um die absolute Macht auf dem religiösen Gebiet zu bekommen, keinerlei Respekt vor religiösen Traditionen haben wird. Er wird jegliche Form von organisierter Religion beseitigen ( er wird auch keinen Gott anerkennen ) und sich selbst zu dem einzigen Objekt der Anbetung machen (sich selbst erhöhen). Statt von Göttern abhängig zu sein, wird er auf seine eigene Macht vertrauen (die ihm von Satan übergeben ist; Offb 13,2 ). Durch diese Macht wird er die Anbetung für sich selbst verlangen.

Die Tatsache, daß er für den Einen, den die Frauen erwarten , keine Achtung besitzt, zeigt, daß er die messianische Hoffnung Israels verachtet. So manche israelitische Frau hat sich schon gefragt, ob sie nicht die Mutter des kommenden Messias, des Retters und Königs des Volkes, werden wird.



Dan 11,38-39


Der Antichrist wird einen Gott der Festungen verehren , er wird also seine ganze Energie auf die militärische Stärke verlegen. Weil er politisch wie militärisch die Macht besitzt, wird er großen Reichtum ansammeln können. Der Gott, den seine Väter (Vorfahren) nicht kannten und der ihm Kraft geben wird, könnte Satan sein. Obwohl dieser König an die Macht kommen wird, indem er Israel einen Bund des Friedens anbietet (vgl. Dan 9,27 ), wird er nicht zögern, militärische Macht zu benutzen, um seine Herrschaft auszudehnen. Er wird von einem fremden Gott Hilfe erfahren. Diejenigen, die sich seiner Herrschaft unterwerfen, wird er in Machtstellungen setzen (er wird sie sehr ehren ). Seine Fähigkeit, Geschenke zu machen ( das Land zu einem [reduzierten] Preis verteilen ), wird ihm ein großes Gefolge sichern.



b. Der König wird angegriffen
( 11,40 - 45 )


Dan 11,40 a


Die Ereignisse, die in Vers 40 - 45 beschrieben sind, werden zur Zeit des Endes geschehen. Es handelt sich also um die zweite Hälfte der siebzigsten Jahrwoche. Ihn bezieht sich zurück auf den König, der in Vers 36 vorgestellt worden ist. In Vers 40 - 45 ist jedes "er" (fünfmal), "ihn" (zweimal) und "sein" (dreimal) auf diesen König bezogen. Er wird einen Bund mit dem Volk Israel geschlossen und die Nation zu einem Teil seines Herrschaftsgebietes gemacht haben ( Dan 9,27 ). Jeder Angriff gegen das Land Israel wird also auch ein Angriff sein gegen den, mit dem Israel einen Bund geschlossen hat.

Der König des Südens wird Israel angreifen. Manche Ausleger denken, daß dies in der Mitte der siebzigsten Jahrwoche geschehen wird. Wahrscheinlicher ist jedoch, daß es erst gegen Ende der zweiten Hälfte dieser sieben Jahre eintreten wird. Da "der König des Südens" in Dan 11,5-35 der König von Ägypten war, gibt es wohl keinen Grund, in diesem König des Südens (V. 40 ) ein anderes Volk vertreten zu sehen. Ägypten wird sogar in Vers 42 - 43 zweimal erwähnt. Bei dieser Invasion wird Ägypten nicht alleine kommen, sondern von den Libyern und den Nubiern (V. 43 ) unterstützt werden. Unter diesen Völkern, die an anderen Stellen mit Put und Kusch bezeichnet werden, könnte man tatsächlich die entsprechenden Völker Afrikas verstehen. Es ist jedoch eher wahrscheinlich, daß Put von den arabischen Nationen in der Umgebung des Sinai und Kusch von den Nationen im persischen Golf spricht (vgl. 1Mo 2,13 und die Anmerkungen dort).

Gleichzeitig mit der Invasion durch den König des Südens (Ägypten) wird auch der König des Nordens Israel angreifen. Manche Ausleger sehen in diesem Angriff die Invasion durch Gog und Magog, denn Gott wird "kommen aus ... dem fernen Norden" ( Hes 38,15 ). Andere glauben, daß der Kampf von Gog und Magog in der ersten Hälfte der siebzigsten Jahrwoche und damit vor dieser Invasion in Daniel 11,40 stattfinden wird. Sie sind der Meinung, daß der Kampf von Gog und Magog kommen wird, wenn Israel im Frieden lebt ( Hes 38,11.14 ). Nach dieser Meinung besteht ein Unterschied zwischen Gog, der aus "dem fernen Norden" kommt ( Hes 38,15 ), und einer späteren Invasion durch "den König des Nordens" ( Dan 11,40 ). Jedenfalls ist der König des Nordens in Vers 40 ganz sicher keiner der seleukidischen Könige des Nordens aus Vers 5 - 35 . Diese Invasion bezieht sich nicht auf bereits historisch Geschehenes, sie ist noch zukünftig.

Der König des Südens und der König des Nordens werden gegen den Antichristen kämpfen. Israel wird besetzt werden, und viele Juden werden fliehen und unter den heidnischen Völkern Zuflucht suchen (vgl. die Anmerkungen zu Offb. 12,14-16 ).



Dan 11,40-43 (Dan 11,40b-43)


Wenn der Antichrist von diesem Angriff hört, wird er sein Heer aus Europa in den Mittleren Osten verlagern und durch viele Länder wie eine Flut ziehen (V. 40 ). Er wird schnell in das Land Israel, das herrliche Land , marschieren (V. 41 ; vgl. V. 16 ; Dan 8,9 ). Sein erster Schlag wird sich gegen Ägypten richten ( Dan 11,42-43 a), denn Ägypten und seine arabischen Verbündeten (Libyen und Nubien, V. 43 ) sind diejenigen, die den Angriff auf Israel angezettelt haben. Bei dieser Gelegenheit wird der König die Gebiete von Edom, Moab und Ammon (V. 41 ), die zum heutigen Jordanien gehören, nicht erobern. Aber er wird über "viele Länder" die Herrschaft erhalten.



Dan 11,44-45


Dann wird der Antichrist alarmierende Berichte aus dem Osten (vermutlich ist hier die Invasion durch ein mächtiges Heer von 200 Millionen Soldaten aus dem Osten auf das Gebiet des Euphrat zu gemeint; Offb 9,16 ) und aus dem Norden (vielleicht ein weiterer Angriff durch den König des Nordens; vgl. Dan 11,40 ) hören. Voller Zorn wird er viele der Angreifer töten. Dann wird er Israel besetzen und sein königliches Zelt zwischen den Meeren aufschlagen , d. h. zwischen dem Toten Meer und dem Mittelmeer, auf dem schönen, heiligen Berg , vermutlich in Jerusalem. Hier wird er sich als Christus ausgeben und sein Hauptquartier in Jerusalem errichten, der gleichen Stadt, von der aus auch Christus im Tausendjährigen Reich die Welt regieren wird ( Sach 14,4.17 ). Der Antichrist wird sich auch dadurch als Christus ausgeben, daß er eine Einheitsweltreligion errichten wird, in der er der Herrscher ist, sowie eine Einheitsweltreligion, in der er als Gott angebetet wird. Aber Gott wird das Reich dieses Königs zerstören ( er wird an sein Ende gelangen ; vgl. Dan 7,11.26 ), wenn Jesus Christus persönlich auf diese Erde zurückkommt ( Offb 19,19-20 ).



c. Israel wird befreit
( 12,1 - 3 )


Dan 12,1


Als die Offenbarung, die in Kapitel 11 enthalten ist, Daniel gegeben wurde, war dieser ohne Zweifel vor allem am Schicksal seines eigenen Volkes interessiert. Nun, am Ende dieser Vision, tröstet der Engel Daniel, indem er ihm zwei Dinge deutlich macht (V. 1 - 3 ). Erstens wird das Volk Israel ( dein Volk ; vgl. Dan 9,24; 10,14 ) durch das Eingreifen von Michael , dem Engelsfürsten (vgl. Dan 10,13.21 ), der Israels Beschützer ist, befreit werden . In der großen Trübsal wird Satan versuchen, jeden Nachkommen Abrahams auszulöschen (vgl. die Anmerkungen zu Offb 12,15 ). Dies wird eine Zeit von großer, bisher noch nie dagewesener Trübsal für Israel sein (vgl. Mt 24,21 ). Satans Angriff gegen das Volk Gottes wird ein Teil seines Versuches sein, die Wiederkunft und Herrschaft Christi zu verhindern.

Die Befreiung Israels, des "Volkes" von Daniel, ist keine individuelle Erlösung, auch wenn ein Überrest gerettet werden wird, sondern eine nationale Befreiung aus der Unterwerfung unter die Heiden (vgl. die Anmerkungen zu "ganz Israel wird gerettet werden" in Röm 11,26 ).

l

Dan 12,2-3


Die zweite Tatsache, die Daniel trösten soll, ist die Verheißung, daß jene, die schlafen, auferweckt werden. Viele Juden werden ihr Leben durch die Hand der Heiden während der in Kapitel 11 beschriebenen Ereignisse verlieren (vgl. Offb 20,4 ). Schlafen im Staub der Erde (vgl. Ps 7,6 ) meint nicht ein unbewußtes Existieren im Tod. Es spricht vielmehr einfach davon, daß ein Toter erscheint, als würde er schlafen. Der Körper "schläft", nicht die Seele (vgl. die Anmerkungen zu 1Thes 4,13 ). Ungläubige Juden werden zur Schmach und ewigen Schande auferweckt und nicht an den Segnungen des Bundes teilhaben. Juden aber, die an den Messias glauben, werden leiblich zu ewigem Leben auferstehen und zu Ehrenstellungen in dem Tausendjährigen Reich Christi. Hier werden sie verherrlicht werden und wie der Glanz des Himmels scheinen. (Vgl. Mt 13,43 ,"Dann werden die Gerechten leuchten wie die Sonne in ihres Vaters Reich".) Sie sind weise, denn sie haben auf den Messias vertraut, obwohl dies für sie Leiden bedeutete.

Diese Botschaft, daß Gott seinem Bund treu bleiben und alle seine Verheißungen, die er Israel gemacht hat, erfüllen wird (trotz dessen Leiden unter den Händen der Heiden), ist ein Trost, der letztlich andere zur Gerechtigkeit führen wird (vgl. der Weise in Dan 12,10 ). Keine Gerechtigkeit des Volkes Gottes wird je unbelohnt bleiben. Deshalb werden die, die unter der Verfolgung treu geblieben sind, wie die Sterne für immer und ewig scheinen.

Die Auferstehung der gläubigen Märtyrer aus der großen Trübsal wird geschehen, wenn Christus wiederkommt (vgl. Offb 20,4 ; sie wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre lang). Die ungläubigen Toten jedoch werden auferweckt zu "ewiger Schande" und zum ewigen Gericht am Ende der tausendjährigen Herrschaft Christi (vgl. Offb 20,5; Joh 5,28-29 ).



4. Schluß
( 12,4 - 13 )


a. Das Buch wird versiegelt
( 12,4 )


Dan 12,4


Verständlicherweise konnten Daniel und seine Zeitgenossen die Einzelheiten der Weissagungen in diesem Buch nicht wirklich verstehen (vgl. V. 8 ). Erst im Laufe der geschichtlichen Entwicklung wurde es auch möglich, diese prophetischen Aussagen einzuordnen. Gott deutet an, daß ein solches zunehmendes Verständnis dessen, was Daniel geschrieben hat, eintreten wird. Die Menschen heute können, wenn sie die Geschichte überblicken, einen Großteil dessen, was Daniel vorausgesagt hat, sehen. In der Zeit des Endes (vgl. V. 9 und beachte "das Ende" und "das Ende der Tage" in V. 13 ) schließlich werden die Worte, die versiegelt (d. h. aufbewahrt) wurden, von vielen, die aus ihnen Erkenntnis gewinnen wollen, verstanden werden. Dies wird in der Zeit der großen Trübsal sein (vgl. Dan 11,40 ,"die Zeit des Endes"). Aber obwohl das Volk Daniels diese Weissagungen nicht völlig verstehen konnte, waren sie doch ein großer Trost für es. Sie versicherten ihm, daß Gott letztlich Israel aus den Heiden erlösen und unter die Verheißungen seines Bundes bringen wird.



b. Fragen über die grosse Trübsal
( 12,5 - 13 )


Dan 12,5-6


Dieser Abschnitt (V. 5 - 13 ) enthält zwei Fragen (eine durch einen Engel und eine durch Daniel) und zwei Antworten des Engels. Die erste Frage steht in Vers 5 - 6 , die erste Antwort in Vers 7 . Die zweite Frage finden wir in Vers 8 und die zweite Antwort in Vers 9 - 13 . Offenbar waren zwei Engel zu dem Engelsboten getreten, der vermutlich Gabriel war (vgl. die Anmerkungen zu Dan 10,5 ). Einer von den Engeln jenseits des Flusses (der Tigris; vgl. Dan 10,4 ) rief hinüber zu einem Engel, der bei Gabriel stand ( der in Leinen gekleidet war; vgl. Dan 10,5 ), und fragte: Wie lange wird es sein, bevor diese erstaunlichen Dinge erfüllt sind ? Diese erstaunlichen Dinge sind vermutlich die Ereignisse in Dan 11,36-45 ,die von der letzten Unterwerfung Israels unter den kommenden heidnischen Herrscher sprechen.



Dan 12,7


Gabriel antwortete auf die Frage des Engels, daß diese Ereignisse in einer Zeit, Zeiten und einer halben Zeit erfüllt werden, also in dreieinhalb Jahren (vgl. die Anmerkungen zu Dan 7,25 ). Zwar wird dieser letzte Herrscher sieben Jahre lang regieren, aber die ersten dreieinhalb Jahre werden eine Zeit des relativen Friedens für Israel sein. Sie werden sich an dem Bund, den dieser König mit ihnen gemacht hat, erfreuen können ( Dan 9,27 ). Israel wird ein Land unbefestigter Städte sein, ein Land, in dem die Menschen ohne Mauern und ohne Tore und Riegel leben werden ( Hes 38,11 ). Aber in der Mitte der siebzigsten Jahrwoche wird der Antichrist diesen Bund brechen ( Dan 9,27 ). Dann wird der König des Südens und der König des Nordens Israel angreifen ( Dan 11,40 ). Nachdem er diese beiden Armeen vernichtet hat, wird der heidnische König (der Antichrist) nach Israel marschieren, das Land besetzen und sein politisches und religiöses Hauptquartier in Jerusalem aufschlagen ( Dan 11,41.45 ). Er wird in Jerusalem als König und Gott regieren und der größte Verfolger werden, den Israel jemals gehabt hat ( Offb 13,5-7 ). Israels Macht wird durch seine erbarmungslose Macht zerbrochen werden. Erst am Ende der großen Trübsal werden alle diese Dinge (die Ereignisse aus Dan 11,40-45 ) vollendet sein .



Dan 12,8


Nun stellte Daniel Gabriel eine Frage. Er nannte ihn dabei mein HERR (eine respektvolle Anrede, ähnlich der deutschen Bedeutung dieses Ausdruckes; vgl. Dan 10,16-17.19 ). Daniel fragte: Was wird das Ende von all dem sein? Er wollte wissen, welchen Plan Gott für Israel nach dieser Zeit der Trübsal hat. Daniel hatte nur wenige Informationen über den Segen erhalten, der im Tausendjährigen Reich, nach der Wiederkunft Christi, über Israel ausgegossen werden wird. Was er wußte, war, daß Gott sein ewiges Königreich errichten wird ( Dan 2,44; 7,14.22.27 ) und daß die Heiligen dieses Königreich besitzen (d. h. darin herrschen) werden. Viele solche Verheißungen waren durch die Propheten ergangen und würden noch durch Propheten, die nach Daniel kamen, ergehen (Haggai, Sacharja, Maleachi).



Dan 12,9-10


Wie der Engel schon gesagt hatte (V. 4 ), sollten die Worte verschlossen und versiegelt werden (bewahrt werden) bis auf die Zeit des Endes (die zweite Hälfte der siebzigsten Jahrwoche; vgl. V. 7 ; siehe auch "Ende" in V. 4.13 ). In dieser Zeit werden viele Juden zu ihrem Erlöser umkehren (vgl. V. 3 ) und dadurch geistlich gereinigt, geläutert und geprüft werden. Aber die Gottlosen werden in ihren Wegen fortfahren und dem Antichrist, dem Weltbeherrscher, folgen und ihn anbeten. Was Gott Daniel offenbart hat, wird auch weiterhin für sie verborgen bleiben (vgl. 1Kor 2,14 ). Aber der Weise (d. h. der Gerechte; vgl. "weise" und "Gerechtigkeit" in Dan 12,3 ) wird verstehen .



Dan 12,11


Der Engel sagt, daß 1 290 Tage von der Zeit abgemessen werden, in der das tägliche Opfer abgeschafft (vgl. Dan 9,27 ; er wird das Opfer abschaffen) und der Greuel der Verwüstung aufgerichtet wird (vgl. Dan 9,27 ; einer, der Zerstörung bringt, wird ein Greuel aufstellen in einem Flügel des Tempels). Die letzte Hälfte der siebzigsten Jahrwoche ist eine Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit ( Dan 7,25; Offb 12,14 ), also dreieinhalb Jahre. Sie wird auch mit 42 Monaten ( Offb 11,2 ) oder 1 260 Tagen ( Offb 11,3 ) bezeichnet. Wie ist der Unterschied von 30 Tagen zwischen 1 260 und 1 290 Tagen zu verstehen? Manche Ausleger glauben, daß sich die 30 Tage über das Ende der großen Trübsal hinaus erstrecken und daß in dieser Zeit das Gericht über Israel und über die Nationen stattfindet. Eine andere Möglichkeit ist, daß die 1 290 Tage 30 Tage vor der Mitte der siebzigsten Jahrwoche beginnen, wenn der Antichrist "den Greuel der Verwüstung" aufrichten wird ( Mt 24,15 ). Die 1 290 Tage könnten mit der Ankündigung dieses Ereignisses, 30 Tage vor dessen Durchführung, beginnen. Dieser Greuel wird, wie schon weiter oben gesagt, ein Abbild des Antichristen sein ( Offb 13,14-15 ), das Symbol seines religiösen Systems.



Dan 12,12-13


Der, der wartet und 1 335 Tage erreicht, wird gesegnet sein. Dies sind noch einmal 45 Tage mehr als 1 290 Tage (V. 11 ). 45 Tage nach dem Ende der großen Trübsal wird der lang erwartete Segen über Israel Wirklichkeit werden. Dies könnte von dem Segen des Tausendjährigen Reiches sprechen. Oder es könnte sich auf Christus beziehen, der 45 Tage vorher in den Himmeln erschienen ist ( Mt 24,30 ) und nun wirklich auf die Erde hinabsteigt, wo seine Füße den Ölberg berühren (vgl. Apg 1,11 ). Für die Gläubigen ist das Kommen Christi ein Segen und eine herrliche Hoffnung.

Daniel hat nur wenige der Offenbarungen seines Buches Wirklichkeit werden sehen. Er würde, so sagt der Engel, ruhen, d. h. er würde sterben (vgl. V. 2 ). Aber er wird auferweckt werden ( du wirst auferstehen am Ende der Tage ) und sein Erbteil im Tausendjährigen Reich empfangen. Weil Daniel auf Gott vertraute, führte er ein Leben des treuen Dienstes für ihn. Um dieses Glaubens und dieses Gehorsams willen wird er einen herrlichen Lohn empfangen. Alle, die wie Daniel dem Herrn vertrauen, werden an den Segnungen des Tausendjährigen Reiches Christi teilhaben.


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