6. Ägypten
( Jes
19-20 )
In Kapitel 19 geht es besonders um Ägypten, Kapitel
20 wendet sich dann neben Ägypten auch Kusch (vgl.
Jes 18 ) zu. Wie in anderen Weissagungen auch dient
die historische Situation, die drohende Gefahr durch
die Assyrer, als Kulisse für die Prophetie.
a. Ägypten wird bestraft
( 19,1
- 15 )
Manche Leute in Israel wollten bei den Ägyptern
Schutz vor der assyrischen Bedrohung finden. Jesaja
aber zeigt, daß Ägypten keine Hilfe ist. Auch
Ägypten wird Gottes Gericht unterworfen.
(1) Ägyptens innere Probleme ( Jes 19,1-4 )
Jes 19,1-4
Das Gericht des Herrn kommt über Ägypten. Gott wird
hier dargestellt wie einer, der auf einer schnellen
Wolke daherkommt
( Ps 68,5.34; 104,3 ). In der kanaanitischen
Mythologie wird das gleiche Bild von Baal benutzt,
dem Gott des Regens und der Fruchtbarkeit. Aber es
ist der Herr, nicht Baal, der wirklich den Regen
(etwas, was in Ägypten äußerst dringend benötigt
wird; Jes 19,5-10 ) und die Fruchtbarkeit schenkt.
Die Götter Ägyptens - von denen es viele gab (vgl.
die Tabelle "Die Plagen und die Götter und Göttinnen
von Ägypten" zu 2Mo 7,14 ) - werden ihr Volk nicht
vor dem kommenden Gericht retten können. Ihre Götzen werden
vor ihm erzittern, was die Menschen mutlos und
niedergedrückt werden läßt ( Jes 19,1 ). Das
bevorstehende Gericht wird zu inneren Spaltungen
führen (V. 2 ) und Verzweiflung unter die Menschen
bringen, wenn sie erkennen, daß ihre Götter, die nur Götzen sind,
und ihre okkulten Praktiken ( Beschwörer,
Geister und Zeichendeuter ;
vgl. Jes 8,19; 3Mo 19,31; 20,6 ) sie nicht retten
können. Sie werden durch einen grausamen
Herrn und
einen harten
König ,
den König des assyrischen Weltreiches, unterworfen
werden. Ägypten, das vor einigen Jahrhunderten
selbst ein grausamer Herr über Israel gewesen war (
2Mo 1,11-14 ), wird nun einer ebensolchen
Grausamkeit ausgesetzt sein. Dieser assyrische König
war Esarhaddon, der 671 v. Chr. Ägypten eroberte.
Das Gericht aber kommt von dem Herrn, dem Herrn
Zebaoth ( Jes 19,4 ), dem Herrn und großen
Bundesgott Israels. |
Jes 19,5-10
(2) Das unfruchtbare Ägypten ( Jes 19,5-10 )
Um zu zeigen, daß dieses Gericht wirklich von Gott
kommt, sagt Jesaja, daß es auch die Natur in
Mitleidenschaft ziehen wird. Eine Trockenzeit wird
die Wirtschaft vernichten und die Menschen, deren
Arbeit vom Nil abhängt,
bedrücken. Der Fluß (V.
5 ) bezieht sich ohne Zweifel auf den Nil, Ägyptens
"Lebensader" und Quelle aller landwirtschaftlichen
Erfolge der Nation. Wenn der Nil austrocknet (durch
Gott, nicht durch die militärische Eroberung), wird
das Papyrus-Rohr, das Schilf und alle Saat verdorren
(V. 6 - 7 ). Die Fischer werden nicht mehr in der
Lage sein, ihren Lebensunterhalt mit Haken und
Netzen zu fangen (V. 8 ), und wer mit Flachs (vgl.
2Mo 9,31 ; dessen Wachstum von Wasser abhängt),
Leinen, das aus Flachs hergestellt wird, oder
anderen Stoffen sein Geld verdient, wird seinem
Beruf nicht mehr nachgehen können ( Jes 19,9-10 ).
Die gesamte Wirtschaft des Landes hing ja vom Nil
ab. |
Jes 19,18
(2) Ägyptens Treueschwur gegen den Herrn ( Jes 19,18
)
Die fünf
Städte in Ägypten stehen
ohne Zweifel stellvertretend für die gesamte Nation.
Die Sprache
Kanaans zu
sprechen bedeutet offensichtlich nicht, daß die
Ägypter ihre eigene Sprache nicht mehr benutzen
werden. Vielmehr werden sie aufgrund ihres neues
Gottesdienstes (sie schwören Treue
dem HERRN Zebaoth ;
vgl. V. 20.25 ), und den Opfern, die sie in
Jerusalem bringen, recht fließend Hebräisch sprechen
müssen (vgl. V. 19.21 ; Sach 14,16-19 ). Die
Bedeutung des Ausdruckes die Stadt
der Zerstörung ( Ir-Heres )
hat schon viele Diskussionen ausgelöst. Es scheint
besser, der in den Rollen vom Toten Meer und der
Vulgata erhaltenen Lesart zu folgen, die "die Stadt
der Sonne" ( Heres )
haben, was sich auf Heliopolis bezieht (vgl. Hes
30,17 ). Heliopolis, eine der großen Städte am
Südende des Nildeltas, war dem Sonnenkult geweiht.
Wenn nun diese Stadt eine solch bedeutsame
Veränderung erlebt (d. h., wenn sie den Herrn statt
des Sonnengottes anbetet), dann wird dies aller Welt
und auch Israel beweisen, daß es Ägypten wirklich
ehrlich mit der Anbetung des lebendigen Gottes
meint. |
Jes 19,19-22
(3) Wahrer Gottesdienst wird eingerichtet ( Jes
19,19-22 )
In Ägypten wird für den Herrn ein Altar errichtet
werden und ein Steinmal an
Ägyptens Grenze. Ägypten wird also ganz offen
zeigen, daß es nun den Gott Israels anbetet. Dies
wird ein nationales Verhalten sein (angedeutet durch
das Steinmal, das ein
Zeichen und ein Zeuge sein wird ),
das aber auch im privaten Bereich (angedeutet durch
den Altar) gültig ist. Ägypten wird dann wie Israel
dastehen, denn wenn die Ägypter nun Gott um Hilfe
bitten, wird er sie ihnen geben (V. 20 ). Auch an
dem Opferkult werden sie teilnehmen (V. 21 ; vgl.
Sach 14,16-19 ), und Gott wird sie
heilen ,
nachdem sie umgekehrt sind und um Hilfe gebeten
haben. Für die Menschen in Juda zur Zeit Jesajas war
eine solche Situation fast nicht zu glauben. Und
doch wird sie
eintreten, dann nämlich, wenn der Messias
wiedergekommen ist und sein Tausendjähriges
Königreich errichtet hat. |
Jes 19,23-25
(4) Friede wird auf der Erde errichtet werden ( Jes
19,23-25 )
Die Situation, die Jesaja in Vers 19 - 22
beschreibt, wird nicht auf Ägypten allein beschränkt
sein. Assyrien und auch die ganze restliche Welt
werden an dem Segen an
diesem Tag teilhaben.
Die Menschen werden auf einer
Straße von Ägypten nach Assyrien reisen,
und die Menschen beider Völker - die in Jesajas
Tagen Feinde waren! - werden
gemeinsam anbeten .
Damals hoffte Juda, daß die Ägypter es vor den
Assyrern retten würde. Im Tausendjährigen Reich
jedoch werden diese drei Mächte, Assyrien, Ägypten
und Israel, ein harmonisches, friedliches Verhältnis
unter Gottes segnender Hand führen. All dies gehört
natürlich zu der Erfüllung der Verheißung, die
Abraham gegeben wurde, daß nämlich alle Menschen der
Erde durch ihn gesegnet werden ( 1Mo 12,3 ). |