Eine sehr zentrale und tiefgreifende Frage –
sowohl was die physische Realität des
Aussatzes
u.U. (Lepra eine Variante?) in der Bibel betrifft als auch seine
geistliche
Bedeutung.
Markus 1,40 (ELB):
„Und ein Aussätziger kommt zu ihm, bittet ihn und fällt vor ihm auf die Knie und spricht zu ihm: Wenn du willst, kannst du mich reinigen.“
Dieser Vers markiert eine der bewegendsten Heilungsgeschichten im Markus-Evangelium. Doch um sie richtig zu würdigen, lohnt sich ein tiefer Blick auf das Thema Aussatz – medizinisch, biblisch und geistlich.
„Aussatz“ (hebräisch:
tzaraat, griechisch:
lepra) war nicht exakt das, was wir
heute unter Lepra (Morbus Hansen) verstehen,
sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Hautkrankheiten,
Schimmelerscheinungen an Kleidung und Häusern (vgl. 3. Mose 13–14).
Ansteckungsgefahr:
Die Bibel behandelt „Aussatz“ mit
strengen Isolationsvorschriften, was auf
Ansteckung oder rituelle
Verunreinigung hinweist.
Ob es immer medizinisch ansteckend war, bleibt unklar – aber
rituelle Reinheit stand im
Vordergrund.
„Der Aussätzige ... soll abgesondert wohnen; außerhalb des Lagers soll seine Wohnung sein.“
Absonderung = Quarantäne
Kleidung zerreißen, Haar unordentlich – Ausdruck von Trauer und Unreinheit
Ruf: „Unrein, unrein!“
„Sie sollen jeden Aussätzigen hinausschaffen ..., damit sie nicht ihre Lager verunreinigen.“
Aussätzige sollten nicht das Lager Israels verunreinigen – Gefahr für die Gemeinschaft.
„Und der HERR schlug den König, und er war aussätzig ... bis zu seinem Tod ... abgesondert in einem Haus.“
Selbst ein König wurde isoliert – kein Ansehen der Person.
Im Judentum zur Zeit Jesu wurde Aussatz als:
körperlich krankmachend,
rituell unrein (kein Tempelzugang!),
oft sogar als Zeichen göttlicher Strafe (z.B. Mirjam: 4. Mose 12; Gehasi: 2. Könige 5)
verstanden.
Ein Aussätziger war:
aus der Gemeinschaft ausgeschlossen (sozial, religiös, familiär)
nicht imstande, zu opfern oder an Synagoge/Tempel teilzunehmen
tief stigmatisiert – ähnlich einem „Lebenden Toten“
Aussatz ist ein biblisches Bild für die Sünde:
| Aussatz | Sünde |
|---|---|
| Beginnt unauffällig | Beginnt im Verborgenen |
| Greift um sich | Breitet sich aus |
| Trennt vom Lager (Gemeinschaft) | Trennt von Gott und Gläubigen |
| Führt zur Unreinheit | Macht vor Gott unrein |
| Kein Mensch kann sich selbst heilen | Kein Mensch kann sich selbst von Sünde reinigen |
| Nur durch priesterliche Begutachtung und Opfer möglich | Nur durch das Opfer Christi reinigt Gott den Sünder |
Jesaja 64,6: „Wir alle sind wie Unreine geworden.“
1. Johannes 1,7: „... das Blut Jesu, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde.“
Hebräer 13,12: „Darum hat auch Jesus, um durch sein eigenes Blut das Volk zu heiligen, außerhalb des Tores gelitten.“
➡ Parallele zum „Aussätzigen“ außerhalb des Lagers!
Der Aussätzige kam trotz Verbot zu Jesus – das zeigt seinen Glauben.
Er bat nicht um Heilung, sondern Reinigung – er erkannte sein „Unrein-Sein“.
Jesus rührt ihn an – etwas, das kein Mensch tun durfte – und zeigt Gnade und Mitgefühl.
Jesus macht rein, nicht nur gesund.
Jesus überwindet das Unberührbare.
Er ist der wahre Hohepriester, der den Aussätzigen rein spricht – ein Bild für unsere Erlösung.
| Frage | Antwort |
|---|---|
| War Aussatz ansteckend? | Med. nicht immer klar – aber rituell unrein und gefährlich. Isolation geboten (3. Mose 13). |
| Was bedeutete Aussatz zur Zeit Jesu? | Physisch und religiös ein Ausschluss aus Gemeinschaft & Gottesdienst. |
| Belegstellen? | 3. Mose 13–14, 4. Mose 5, 2. Kön. 5+15, Luk. 17, Jes. 1, Mt. 8 |
| Geistliche Bedeutung für Christen? | Bild für Sünde – sie trennt, macht unrein, ist nur durch Christus reinzuwaschen. |
| Markus 1,40 | Der Glaube des Aussätzigen, Jesu Mitleid und Macht, Reinigung zu schenken. |