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00077 Freund“ in den Evangelien – Sprachliche und geistliche Bedeutung
Im Johannesevangelium werden zwei verschiedene griechische Begriffe verwendet, die beide im Deutschen oft mit „Freund“ uebersetzt werden.
| Griechisch | Transkription | Grundbedeutung | Stellen im Johannesevangelium | Bedeutung / Nuance |
|---|---|---|---|---|
| φίλος | philos | Freund aus Liebe, Zuneigung, persoenlicher Verbindung | Joh 3,29; Joh 11,11; Joh 15,13–15; Joh 19,12 | Persoenliche Liebe, Herzensbindung |
| ἑταῖρος | hetairos | Gefaehrte, Kamerad, Genosse (ohne innere Bindung) |
Im
Johannes-Evangelium nicht belegt, aber z. B. in Mt 20,13; Hausherr zum Arbeiter Mt 26,50 Judas Iskarioth |
Distanziert, eher formell (→ nur bei Matth aeus) |
→
Im Johannes-Evangelium wird nur „φiλος“ (philos) verwendet,
aber:
es gibt eine wichtige Unterscheidung
zur Kategorie von „Freund“ im Gegensatz zum „Doulos“ (Sklave) –
besonders in Johannes 15,13–15.
Joh 15,13–15 (ELB):
13 Groessere Liebe hat niemand als die, dass einer sein Leben l aesst f uer seine Freunde (φίλους).
14 Ihr seid meine Freunde (φίλοι), wenn ihr tut, was ich euch gebiete.
15 Ich nenne euch nicht mehr Knechte (δούλους), denn der Knecht weiss nicht, was sein Herr tut; euch aber habe ich Freunde genannt, weil ich alles, was ich von meinem Vater gehoert habe, euch kundgetan habe.
φίλος (philos) ist der
Ausdruck fuer eine gegenseitige,
freiwillige Beziehung auf Grundlage von Liebe.
→ Der Herr Jesus spricht Seine Juenger als solche an,
denen Er Sein Herz offenbart.
Im Gegensatz dazu ist der δοῦλος (doulos, Knecht / Sklave) jemand, der nicht aus Intimit aet, sondern aus Pflicht handelt und keine Offenbarung erh aelt.
Jesus
adelt seine Juenger,
indem er ihnen Einsicht in Gottes Ratschl uesse gibt – etwas, das Knechten
nicht zusteht (vgl. Amos 3,7).
→ Das „Freundsein“ ist
eine Beziehung auf Augenhoehe in
Bezug auf Offenbarung und Vertrauen.
| Bibelstelle | Kontext | Bedeutung |
|---|---|---|
| Joh 3,29 | „Der Freund des Br aeutigams“ | Bild fuer Johannes den Taeufer – jemand, der nicht im Mittelpunkt steht, aber eine enge Beziehung hat |
| Joh 11,11 | „Unser Freund Lazarus schlaeft“ | Ausdruck von Jesu Zuneigung und persoenlicher Beziehung zu Lazarus |
| Joh 15,13–15 | Jesus nennt die Juenger „Freunde“ | Grundlage: Gehorsam + Offenbarung goettlicher Gedanken |
| Joh 19,12 | „Wenn du diesen freilaesst, bist du des Kaisers Freund nicht“ | hier „φίλος τοῦ Καίσαρος“ = politisch-offizieller Begriff, fast „Kaiserfreund“, also eher formell / loyalitaetsbezogen |
→ Der Begriff φίλος ist flexibel, kann sehr persoenlich (Joh 11,11) oder auch politisch (Joh 19,12) gemeint sein – je nach Kontext.
φίλος ist ein Substantiv der o-Deklination (maskulin) und kommt von φιλέω (lieben, zuneigen).
In Johannes 15 steht das Wort im Plural (φίλοι): „Ihr seid meine Freunde“.
Der Begriff ist gegenseitig ausgerichtet – im Gegensatz zum unpersoenlichen „Knecht“ (δοῦλος).
Nur zur Unterscheidung:
ἑταῖρος wird z. B. in Matthaeus 26,50 gebraucht, als Jesus Judas anspricht:
„Freund (ἑταῖρε), dazu bist du gekommen?“
→ Distanziert, formal, fast ironisch.
Johannes hingegen verwendet nie ἑταῖρος hetairos, sondern immer φίλος. philos
Johannes verwendet nur φίλος, und das gezielt im Sinne einer Beziehung, die auf Offenbarung, Liebe und Vertrauen beruht.
Johannes 15,13–15 ist die tiefste Stelle dazu: Die Juenger sind nicht Knechte, sondern Freunde, weil der Herr ihnen alles mitteilt, was Er von Seinem Vater gehoert hat.
Grammatikalisch und geistlich ist dies Ausdruck einer innigen Gemeinschaft mit Christus, basierend auf goettlicher Liebe und goettlicher Mitteilung.