Fragen
und Antworten
00110 Auflistung der Prophezeiungen des Propheten Jesaja
10-Stämme-Israel
Juda (2 Stämme)
Jerusalem
Länder
Städte
Das erste Kommen Jesu (Leiden/Kreuzigung)
Das zweite Kommen Jesu und das 1000-jährige Reich
Die Drangsalzeit (70. Jahrwoche nach Daniel)
Der Prophet Jesaja (8. Jh. v. Chr.) hat tatsächlich Prophezeiungen ausgesprochen, die sich auf verschiedene Stufen und Themen erstrecken – von seiner damaligen Zeit bis hin zu messianischen und endzeitlichen Visionen. Bibelkommentatoren und Ausleger betonen, dass das Buch Jesaja all diese Bereiche abdeckt. Im Folgenden findet sich eine Übersicht, welche der 66 Kapitel des Jesaja-Buches den von Ihnen genannten Kategorien zugeordnet werden können, gestützt durch die Literatur:
Jesaja wirkte zwar im Südreich Juda, doch richtete er Warnungen auch an das Nordreich Israel (die zehn Stämme). So kündigte er z. B. dem König Ahas an, dass das Nordreich unter Ephraims Führung völlig zugrunde gehen würde: „In fünfundsechzig Jahren soll es mit Ephraim aus sein, dass sie nicht mehr ein Volk seien“ (Jes 7,8). Diese Weissagung erfüllte sich durch die assyrische Eroberung Samarias (722 v. Chr.). Jesaja bezeichnet Israel mehrfach als „untreu“ und verheißt Gericht über das Nordreich (vgl. Wehe über Ephraim in Jes 28,1ff.), doch auch letztlich eine zukünftige Wiedervereinigung mit Juda zu „einem Haus Israel“ – was im messianischen Königreich erfüllt wird (siehe unten).
Hauptadressat von Jesajas Botschaft war das Königreich Juda mit Jerusalem als Hauptstadt. Jesaja wirkte rund 40 Jahre lang in Juda und prangerte den geistlichen Zustand des Volkes an. Er rief Juda zur Umkehr und kündigte Gottes Gericht an, falls keine Buße erfolge. Tatsächlich erlebte Jesaja die Bedrohung Judas durch die Assyrer (Sanheribs Invasion 701 v. Chr.), wobei Gott Jerusalem wundersam rettete (Jes 36–37). Insgesamt behandelt Jesaja das Versagen Judas und die Gerichte Gottes über dieses Volk – von nahen Strafgerichten bis hin zur „großen Drangsal“ der Endzeit. Dennoch verheißt er auch, dass Gott Juda nicht endgültig verwirft, sondern ein „Überrest“ gerettet wird (Jes 1,9; 10,20–23). Viele Aussagen Jesajas über Juda galten sowohl der damaligen Zeit (z. B. der „sündige Zustand“ in Jes 1) als auch in prophetischer Vorschau der zukünftigen Läuterung und Wiederherstellung Judas.
Bereits der Eingangsvers nennt Juda und Jerusalem als Gegenstand von Jesajas Visionen (Jes 1,1). Die Stadt Jerusalem steht im Buch oft exemplarisch für das Volk Gottes. Jesaja kündigte Jerusalem Gericht an (etwa die Babylonische Zerstörung viel später, angedeutet in Jes 39,6-7), doch vor allem auch ihre Rettung und künftige Herrlichkeit. Historisch berichtet Jesaja 36–39 von der wunderbaren Rettung Jerusalems vor den Assyrern – ein Ereignis, das zugleich prophetisch „den Weg des Segens für Jerusalem und das Haus Davids“ aufzeigt. Zukunftsgerichtet spricht Jesaja davon, dass Jerusalem der Mittelpunkt des Segens sein wird: Nach den Gerichten wird ein „Überrest“ zurückkehren, und die Anbetung Gottes findet wieder in Jerusalem statt. So endet z. B. der Abschnitt Jesaja 13–27 (Gerichtsankündigungen) „mit der Befreiung aus ihrem Zustand der Verbannung und mit Anbetung in Jerusalem“. Schließlich malt Jesaja auch ein Bild vom endzeitlichen „Zion“ als gereinigte, gerechte Stadt (Jes 1,26–27) und als Zentrum des Friedensreiches, wohin die Völker pilgern (Jes 2,2–4).
Jesaja wird oft der „Evangelist des Alten Testaments“ genannt, denn er enthält auffallend viele messianische Prophezeiungen. In diesem einen Buch begegnen wir dem Herrn Jesus Christus in vielfältiger Weise: Jesaja kündigte sowohl das erste Kommen des Messias in Niedrigkeit als leidender Knecht als auch das zweite Kommen in Macht und Herrlichkeit an. Tatsächlich finden sich in Jesaja mehr Aussagen über die Person und das Heilshandeln des kommenden Christus als in jedem anderen alttestamentlichen Buch. Jesaja prophezeite Jesu Geburt (z. B. die Jungfrauengeburt und der Name Immanuel in Jes 7,14; „uns ist ein Kind geboren…“ Jes 9,5–6) sowie Aspekte von Jesu Leben und Charakter (Jes 11,1–5; 42,1–4). Vor allem aber beschreibt er detailliert Jesu Leiden und Sterben für die Sünden des Volkes sowie seine anschließende Erhöhung: In den sogenannten „Knechtsliedern“ (Jes 42; 49; 50; 52–53) erscheint der Messias als leidender Gottesknecht, der verspottet und verworfen wird und schließlich stellvertretend für die Sünder leidet und stirbt. Diese erstaunlich genauen Voraussagen – etwa Jesaja 53 – zeigen Christi Kreuzigung und Sühnetod: „Er wurde durchbohrt um unserer Übertretungen willen… die Strafe zu unserem Frieden lag auf ihm…“ (Jes 53,5). Doch bleibt der Messias nicht im Tod: Jesaja verkündet auch seine Auferstehung und Erhöhung („er wird prolongieren seine Tage“, vgl. Jes 53,10) und sieht den Knecht schließlich als hoch erhabenen König triumphieren. Darüber hinaus hat Jesaja den Messias als kommenden Herrscher im Blick: er nennt ihn „Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friedefürst“, dem eine unbegrenzte Herrschaft beschieden ist auf Davids Thron (Jes 9,6–7). Zusammengefasst: Jesu erstes Kommen in Erniedrigung (als Retter am Kreuz) und sein zweites Kommen in Herrlichkeit sind beide im Buch Jesaja deutlich vorhergesagt.
Schon 700 Jahre vor Christus beschreibt Jesaja konkret das Kommen des Messias als leidender Erlöser. Viele Stellen beziehen sich direkt auf Jesu erstes Kommen. Dazu gehören die Zeichen seiner Geburt („siehe, die Jungfrau wird schwanger und einen Sohn gebären…“ – Jes 7,14, erfüllt in Matth 1,22–23), sein Auftreten als Licht in Galiläa (Jes 9,1–2, erfüllt in Matth 4,13–16) und sein heilendes Wirken im Heiligen Geist (Jes 61,1–2a, erfüllt in Luk 4,17–21). Besonders eindrücklich ist Jesaja Kapitel 53, das den leidenden Gottesknecht schildert. In diesem Kapitel wird Christi Passion geradezu aus Augenzeugenperspektive geschildert: Er wird verachtet und abgelehnt (53,3), von Gott für unsere Sünden geschlagen (53,4–6), wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt (53,7), durchbohrt und zur Schuld gemacht, aber „dem HERRN gefiel es, ihn zu zerschlagen“ als Sühnopfer (53,10). Doch nach seinem stellvertretenden Tod sieht Jesaja bereits den Sieg: „Er wird […] seine Tage verlängern“ – ein Hinweis auf die Auferstehung – und „die vielen gerecht machen, indem er ihre Sünden getragen hat“ (53,10–12). Diese Prophezeiungen des ersten Kommens haben sich im Leben, Sterben und Auferstehen Jesu Christi wörtlich erfüllt. Kein Wunder, dass das Neue Testament häufig Jesaja zitiert, um auf Jesus zu verweisen (rund 40 Zitate).
Jesaja blickt in vielen Visionen auf die Gerichtszeit am Ende der Tage, die dem Reich des Messias vorausgeht. Er führt schon früh im Buch das Thema des „Tages des HERRN“ ein – ein globales Strafgericht: „Denn es kommt der Tag des HERRN der Heerscharen über alles Stolze und Hoffärtige…“ (Jes 2,12–21). Diese endzeitliche Drangsal entspricht der in Daniel 9 beschriebenen 70. Jahrwoche, einer beispiellosen Zeit der Bedrängnis. Jesaja spricht an verschiedenen Stellen vom Entsetzen und Chaos jener Tage (z. B. Jes 13,6–13; 24,1–23 – oft „Jesajas Apokalypse“ genannt). Er sieht, dass Israel durch schwere Trübsal geläutert wird, während Gottes Zorn die gottlosen Nationen trifft. Besonders die große Drangsal am Ende der Zeit wird deutlich angedeutet – Jesaja stellt klar, dass nach der Verwerfung des Messias noch ein letztes großes Gericht über Israel und die Welt aussteht. So wird z. B. in Jesaja 28–29 ein endzeitlicher Bündnisbruch und Gericht beschrieben (Jes 28,14–22), und in Jesaja 34 das Endgericht über die Völker im Bild von Edom dargestellt. Die Annahme des Antichristen durch viele wird angedeutet, doch dieser wird schließlich gerichtet. Zusammengefasst hat Jesaja also „die Sünde Israels, ihr Gericht und die zukünftigen Segnungen“ im Blick, wobei das Gericht seinen Höhepunkt erst in der Zukunft (Drangsal) erreicht. Diese Prophezeiungen bilden einen Rahmen für die spätere Offenbarung der Johannes.
Ebenso wie das erste hat Jesaja auch das zweite Kommen des Herrn Jesus als Messias deutlich vor Augen. Mehrere Visionen zeigen den kommenden Herrscher, der im Gericht erscheint und dann seine Königsherrschaft antritt. Jesaja sagt, „der HERR wird kommen in Feuer“ (Jes 66,15–16) und malt ein Bild des siegreichen Erlösers: In Jesaja 63,1–6 z. B. erscheint Christus „im Blutgewand“, zurückkehrend von der Vernichtung seiner Feinde – ein starkes Vorausbild seiner Wiederkunft in Gericht (vgl. Offenb 19,13-15). Jesaja 11,4 beschreibt den Messias, der „mit dem Hauch seines Mundes den Gesetzlosen tötet“, was Paulus im Neuen Testament auf Jesu zweites Kommen bezieht (2Thess 2,8). Die Herrlichkeit des Herrn wird bei Jesaja als zukünftig offenbar werdend beschrieben (Jes 40,5). Die Literatur hält fest, dass Jesaja sowohl „das Kommen Christi in Niedrigkeit als auch sein Auftreten in Herrlichkeit offenbart“. Mit anderen Worten: Jesus wird ein zweites Mal erscheinen, nun jedoch als König und Richter. Unmittelbar verbunden mit dieser Wiederkunft ist die Rettung des gläubigen Überrests Israels: „Dann wird der HERR ausgegossenen Geist und Eifer zeigen… und ihr werdet es mit Augen sehen: Der HERR kehrt zurück nach Zion“ (sinngemäß aus Jes 59,16–20). Jesaja verheißt, dass Israel und Juda bei der Ankunft des Messias erlöst und wieder vereint werden, um gemeinsam in sein Reich einzugehen. Somit ist das zweite Kommen der Wendepunkt vom Gericht zur Segensherrschaft im Tausendjährigen Reich.
Schließlich entfalten Jesajas Visionen das Bild eines kommenden Friedensreiches von tausendjähriger Dauer, in dem der Messias auf Erden regiert. Zahlreiche Kapitel beschreiben diese Zeit des segensreichen Königtums: „Zuletzt aber kündet [Jesajas] Botschaft von Hoffnung und allumfassendem Frieden“. So zeigt Jesaja zu Beginn, wie „sie ihre Schwerter zu Pflugscharen schmieden“ – ein Sinnbild dafür, dass Krieg und Gewalt enden und Frieden unter den Völkern herrscht (Jes 2,1–4). Gerechtigkeit und Gotteserkenntnis prägen dieses Reich: „Die Erde wird erfüllt sein von der Erkenntnis des HERRN“ (Jes 11,9). Kapitel 11 skizziert den Messias als idealen König (der „Spross aus Isais Wurzel“), dessen gerechte Herrschaft die Quelle des Segens im 1000-jährigen Reich sein wird. In jener Zeit leben Mensch und Tier in Harmonie – „Wolf und Lamm weiden zusammen“ (Jes 65,25; vgl. 11,6–8) – und die Schöpfung ist von der ursprünglichen Harmonie geprägt. Jesaja verheißt auch Israels Wiederherstellung in diesem Reich: Das ehemals zerstreute Volk wird gesammelt (Jes 11,11-16), Israel und Juda werden vereint und kehren in ihr Land zurück, „und sie werden einen einzigen Hirten haben“ (vgl. Hos 1,11; Jer 23,5–6). Jerusalem wird Mittelpunkt des Königreichs sein, und die Herrlichkeit Gottes wird dort offenbar (Jes 4,2–6; 60,1–3). Dieses Reich wird tausend Jahre währen (vgl. Offb 20,4–6), und Jesaja spricht an mehreren Stellen vom ewigen Charakter des Friedensbundes (z. B. Jes 55,3; 61,8). Zusammenfassung: Jesaja deckt in seinen 66 Kapiteln all diese Themen ab – von den damaligen Gerichtsankündigungen über Israel, Juda und umliegende Völker, über die Verheißungen des kommenden Messias (sowohl leidender Knecht als auch siegreicher König), bis hin zur großen Enddrangsal und der Aufrichtung von Gottes Friedensreich in der Messias-Herrschaft. Die Fachliteratur hat solche mehrstufigen Prophezeiungen dokumentiert, was zeigt, dass „alle Wege Gottes mit seinem Volk Israel bis ans Ende in dieser umfassenden Weissagung zu finden sind.“
Quellen: Bibelkommentar von W. Kelly zu Jesaja;
Bibelkommentare.de (Lexikon); Fundamente/vision.org (D. Hulme);
Kommentar Das Buch Jesaja (G. de Koning); Apocalypse-Bible
Jesaja-Studie; u. a. (Siehe Zitate).
| Stadt/Land | Schriftstelle | Inhalt der Prophezeiung | Einordnung |
|---|---|---|---|
| Babel (Babylon) | Jesaja 13–14; 21:1–10; 47 | Ankündigung des Untergangs Babels: Ein Heer aus Medern greift die „Pracht der Königreiche“ an, Babylon wird wie Sodom und Gomorra vernichtet und soll für immer unbewohnt bleiben. Auch der hochmütige König von Babel stürzt vom Thron (Jes 14). Diese Weissagungen wurden historisch teilweise erfüllt (539 v.Chr. Eroberung Babylons; spätere völlige Entvölkerung bis ins 7. Jh.), stehen aber zugleich prototypisch für Gottes endgültiges Endzeitgericht (“Tag des HERRN”) über das gottfeindliche Weltsystem. | Drangsalzeit (endgültige Erfüllung im Endzeit-Gericht) |
| Assyrien | Jesaja 14:24–27; 30:31; 31:8 | Gott verheißt, die assyrische Bedrohung zu brechen: „Wie ich beschlossen habe, so wird es geschehen“ – Assyrien wird in Juda zerschmettert. Tatsächlich schlug der HERR das assyrische Heer vor Jerusalem (701 v.Chr.), und später ging das assyrische Reich völlig unter. | Erfüllt (historisch) |
| Philister (Philistäa) | Jesaja 14:28–32 | Weissagung gegen das Land der Philister: Die Philister sollen sich nicht zu früh freuen, dass der Stock (Assyrien) zerbrochen ist – denn aus der „Schlange“ kommt eine gefährlichere „Natter“ hervor. Mit diesem Bild wird ein kommender Eroberer angekündigt, der Philistäa verwüstet, so dass selbst die Ärmsten sicher weiden können. Diese Drohung erfüllte sich historisch durch die Eroberung der Philisterstädte (z.B. durch Nebukadnezar ca. 604 v.Chr.), womit das Philistervolk verschwand. | Erfüllt (historisch) |
| Moab | Jesaja 15–16 (vgl. 16:14) | Weissagung gegen Moab: Über Nacht werden die Hauptstädte Ar und Kir-Moab verwüstet; großes Wehklagen zieht durchs Land. Jesaja trauert über Moabs Sturz. Innerhalb von drei Jahren wird Moabs Herrlichkeit gesunken sein (16:14). Diese Prophezeiung erfüllte sich bald darauf: Assyrische Truppen überrannten Moab und zerstörten Stadt um Stadt. Heute zeugen nur Ruinen vom einst fruchtbaren Moab, genau wie vom Propheten vorhergesagt. | Erfüllt (historisch) |
| Damaskus (Aram) | Jesaja 17:1–3 (vgl. 7:8; 17:12–14) | Last über Damaskus: „Siehe, Damaskus hört auf, eine Stadt zu sein und wird zu einem Trümmerhaufen“. Auch das Nordreich Israel (Ephraim) soll entmachtet werden (17:3b). – Tatsächlich wurde Damaskus 732 v.Chr. von Assyrien erobert und verlor sein Königreich (2Kön 16,9), doch die Stadt existierte weiter. Die völlige Umwandlung Damaskus „zu einem Trümmerhaufen“ steht daher nach dispensationaler Sicht noch aus und wird erst im Endgericht vollzogen werden. | Drangsalzeit (teilweise erfüllt, endgültig künftig) |
| Kusch (Äthiopien) | Jesaja 18; 20:1–6 | Botschaft an das Land Kusch: Wehe dem fernen Land jenseits der Nubischen Flüsse – seine Boten mögen die Botschaft hören: Während Assyrien die Völker richtet, wartet Gott auf den rechten Zeitpunkt. Die Assyrer werden auch Ägypten und Kusch besiegen (Jes 20 erfüllt sich 671 v.Chr., als Assyrien beide Länder in Gefangenschaft führte). Am Ende jedoch, „in jener Zeit“, wird ein Geschenk des einst so fernen Volkes dem HERRN der Heerscharen nach Zion gebracht – ein Zeichen dafür, dass Kusch sich schließlich dem wahren Gott unterwirft. Diese endgültige Ehrung Gottes durch Kusch verorten dispensationalistische Ausleger im kommenden Friedensreich (Millennium). | 1000-jähriges Reich (zukünftige Erfüllung) |
| Ägypten | Jesaja 19; 20:1–6 | Weissagung über Ägypten: Innenpolitisch wird Ägypten in Aufruhr geraten und in Bruderkrieg versinken; fremde Eroberer werden das Land unterjochen. Die Götzen Ägyptens wanken, der Nil vertrocknet symbolisch, und Ratlosigkeit erfüllt das Land (19:1–15). Doch dann wendet sich das Blatt: Wenn die Ägypter bedrängt schreien, sendet der HERR einen Retter. Ägypten wird (teilweise durch die Assyrer, 671 v.Chr., erfüllt) das Gericht erfahren und danach Gott erkennen und Opfer darbringen (19:19–22). Schließlich prophezeit Jesaja eine erstaunliche Wende für die Endzeit: Assyrien und Ägypten werden zusammen mit Israel den HERRN verehren – „Mein Volk Ägypten, Assyrien, das Werk meiner Hände, und Israel, mein Erbe“ spricht Gott. Diese Versöhnung der ehemaligen Feinde wird im Tausendjährigen Friedensreich Realität, wenn Ägypten neben Israel und Assyrien zu den gesegneten Nationen gehören wird. | 1000-jähriges Reich (nach historischem Vorgeschmack) |
| Edom | Jesaja 21:11–12; 34:5–10; 63:1–6 | Weissagung über Edom (Duma): Der Wächter ruft aus Seir: „Es kommt der Morgen, aber auch die Nacht“ – d.h. für Edom bricht zwar ein Morgen an, doch ohne Hoffnung, die Nacht des Gerichts folgt (21:11–12). In Jesaja 34 wird Edoms Land zum Schauplatz des Tags des HERRN: Das Schwert Gottes ist trunken von Blut, Edoms Boden verwandelt sich in brennenden Schwefel, und das Land bleibt für immer ein ödes Trümmerfeld für Eulen und Schakale. Diese Prophetie begann sich historisch zu erfüllen (Edom wurde im 6. Jh. v.Chr. durch Babylon entvölkert), doch die endgültige Erfüllung steht noch aus. In der endzeitlichen Drangsal wird Edom exemplarisch Gottes Zorn erleiden und dem Volk Juda unterstellt sein – ein Bild für das Gericht bei Jesu Wiederkunft. | Drangsalzeit (endgültiges Gericht beim zweiten Kommen) |
| Arabien | Jesaja 21:13–17 | Last über Arabien: Die Karawanen aus Tema sollen den erschöpften Flüchtlingen Wasser bringen, denn binnen einem Jahr wird all die Herrlichkeit der arabischen Stämme (Kedar) vernichtet sein (21:16). Diese kurze Prophezeiung erfüllte sich bereits historisch (möglicherweise durch assyrische Feldzüge des 7. Jh.). Die „herrlichen Bogenschützen von Kedar“ wurden zu jener Zeit fast gänzlich aufgerieben. – In der Endzeit spielen die Araber in Jesaja keine herausragende Rolle mehr; die Weissagung ist vorwiegend als erfülltes Gericht der Vergangenheit zu sehen. | Erfüllt (historisch) |
| Jerusalem (Tal der Vision) | Jesaja 22:1–14 | „Ausspruch über das Tal der Vision“ (Jerusalem): Anstatt Buße zu tun, feiern die Bewohner Jerusalems sorglos auf den Dächern, obwohl eine Belagerung droht (22:1–4). Jesaja tadelt die oberflächliche Freude der „lärmenden Stadt“: Die Stadt rüstet sich zwar hastig (Wasserwehr, Häuserabriss für Mauern), vertraut dabei aber nicht auf den HERRN (22:8–11). Der Aufruf Gottes zu Weinen und Trauern schlug fehl – man gab sich dem Frohsinn hin (22:12–13). Darum spricht der HERR: „Diese Schuld soll euch nicht vergeben werden, bis ihr sterbt“ (22:14). – Diese Prophezeiung erfüllte sich an Jerusalem, als die Stadt wegen ihres Unglaubens schließlich dem Gericht verfiel (vorgreifendes Wort auf die Zerstörung 586 v.Chr.). Dennoch blieb ein gläubiger Überrest (vgl. 22:20–25: Ersatz des treulosen Verwalters durch Eliakim). Heil und Vergebung für Zion wird erst nach der Drangsalszeit voll erfahrbar, doch das hier angekündigte Gericht ist historisch erfüllt (Babylonisches Exil). | Erfüllt (historisch) |
| Tyrus (Sidon) | Jesaja 23:1–18 | Weissagung über Tyrus: Die reiche Hafenstadt Tyrus wird durch Gottes Hand dem Erdboden gleichgemacht – ihre Schiffe, Händler und Verbündeten (u.a. Sidon) klagen über den Fall der „Kronenspenderin“ der Händlerwelt. Nach 70 Jahren der Vergessenheit soll Tyrus jedoch wieder zum Leben erwachen wie eine alte Hure, die zu ihren Geschäften zurückkehrt (23:15–17). Künftig wird ihr Gewinn dem HERRN geweiht sein und seinen Dienern zugutekommen (23:18). – Diese Prophezeiung erfüllte sich zum großen Teil historisch: Tyrus wurde zuerst von Nebukadnezar belagert und geschwächt und schließlich durch Alexander den Großen zerstört, wobei die Stadt buchstäblich dem Meer preisgegeben wurde (Alexander baute aus den Trümmern einen Damm). Die Stadt erholte sich zeitweise wieder im Altertum („für 70 Jahre“), konnte ihre alte Macht aber nie zurückgewinnen. Aus dispensationaler Sicht wird in der zukünftigen Königsherrschaft Christi letztlich jeder Reichtum – auch der von Tyrus – dem Herrn geheiligt sein, so wie es Jesaja vorausschauend beschreibt (23:18). | Erfüllt (historisch) |
Quellen: Die oben angegebenen Schriftstellen aus dem Buch Jesaja; historische Erfüllungsdaten gemäß kommentierter Literatur und Forschung; sowie dispensationalistische Auslegungen für endzeitliche Bezüge.