Fragen und Antworten


00115  Hat der Esel aber eine gewisse Sonderstellung im Wort Gottes? Reine / unreine Tiere

Q.: Valentin

In der Bibelstunde heute Morgen sprachen wir über den Esel.
Er ist doch im ein unreines Tier?
Gilt "rein" / "unrein" nur im Jüdischen Kontext?
Hat der Esel aber nicht eine gewisse Sonderstellung im Wort Gottes?
Hatten die Israeliten ausser dem Esel noch andere unreine Tiere in den Haushalten?

Antwort:

 Lieber Valentin

Sach 9,9 und Mt 27,1-7

Unser Herr Jesus ritt auf einem Esel, der noch nie beritten wurde. Zuerst erfahren wir, dass es sich um ein männliches Tier handelt (חֲמ֔וֹר  Normalform), dass dann noch näher bestimmt wird, nämlich als Jungtier eines weiblichen Esels (אֲתֹנֽוֹת  וֹת feminin bei Constructusformen). Es ist vorstellbar, dass die Eselin mit dem Jungtier mitging, dass aber der Herr Jesus, so wie es Sacharja 9,9 vorhergesagt, auf dem männlichen Jungtier ritt. Es war Gott, der diese zukünftigen Dinge Sacharja mitteilte, und der Herr Jesus ist Gott. So ritt der Herr Jesus auf dem männlichen Füllen, damit sein Wort erfüllt wurde. Der junge Esel brach nicht ein, weil der Herr Jesus uns ein sanftes Joch auferlegt, so konnte auch der Esel unter der Last gehen, denn sanftmütig ist der Herr Jesus gekommen. Wenn unser Herr Jesus aber zum zweiten Male sichtbar kommt, dann auf einem weißen Pferd zum Krieg und Gericht (vgl. Offb 19,11). Beide Male kam der Herr Jesus als König, doch wegen unserer Sünden ließ er sich schlagen und nahm das Gericht auf sich. Alle, die sein Erlösungswerk durch Glauben und Umkehr annehmen, sind nicht mehr unter dem Zorn Gottes, und das ewige Gericht, nämlich die ewige Verdammnis von Gott, kommt nicht über sie. Beim zweiten Mal wird der Herr Jesus sich nicht mehr schlagen lassen, so wie Mose vor dem Felsen reden solle und nicht auf ihn schlagen (vgl. 4Mo 20,8 mit 4Mo 20,11).

Des Esels Erstgeborene muss durch ein Lamm gelöst oder getötet werden (Ex 13,13; 34,20).

Der Esel wird begraben, indem er außerhalb der Stadt fortgeschleift und dort liegengelassen wird, vgl. Jer 22,19. Der Spruch: “Des Esels Begräbnis”, ist also eine Paradoxie. Ein Esel wird nicht begraben, sondern den wilden Tieren wie Geiern, Hunden überlassen. So auch dem Menschen, der sich nicht lösen lässt, er wird sterben und seine ewige Seele und Geist wird in die Verdammnis hinausgeschafft und von Gott vergessen werden. Das ist die ewige Verdammnis, von der jeder Mensch gewarnt wird.

Simson hat einen Knochen gefunden, nämlich eines Esels Kinnbacken, mit diesem hatte er einen sehr großen Sieg erwirkt. Vgl. Ri 15,9-17

Wenn die Nachfrage wächst und das Angebot fehlt, gibt es auch für Silber nicht viel. So war geschah es in der Hungersnot, die uns in 2Kö 6,25 beschrieben ist. Obwohl der Esel unrein ist und nicht zur Speise diente, wurde selbst für den Kopf viel bezahlt. 80 Sekel Silber wären im Jahr 2024 um die 850.-- CHF.

Reine und Unreine Tier Lev 11 und warum diese Aufzählung, damit unterschieden werden kann (Lev 11,47)

Gott hat bereits vor der Sintflut zwischen Rein- und Unrein unterschieden:

Genesis 7,2 Von allem reinen Vieh sollst du sieben und sieben zu dir nehmen, ein Männchen und sein Weibchen; und von dem Vieh, das nicht rein ist, zwei, ein Männchen und sein Weibchen;

Vgl. mit Apg 10,14 Petrus aber sprach: Keineswegs, Herr! Denn niemals habe ich irgend etwas Gemeines oder Unreines gegessen.  15 Und wiederum geschah eine Stimme zum zweiten Male zu ihm: Was Gott gereinigt hat, mache du nicht gemein!

 Liebe Grüße

Andreas Moser
--

Sonderstellung des Esels:
 Man sieht schon früh in der biblischen Geschichte, dass Esel als Nutztiere gehalten wurden. Die Pharaonen in Ägypten gaben Abraham als Geschenk Esel (m+w) und bei Noah lesen wir das erste mal von der Unterscheidung der Tiere in rein/unrein und zwar in Bezug zum blutigen Opferdienst. Noah wusste welche Tiere als rein galten, wir lesen da (noch) nichts.

In 2. Mose 20,17 sieht man bei der Gesetzgebung an Israel, dass Esel als Nutztiere offensichtlich gehalten und als Besitz moralisch wertgeachtet wurden.

Erst in 3. Mose 11 liest man von dem persönlichen unrein werden durch das blosse Berühren von Nicht-Wiederkäuern und Paarhufern (=unrein) und von den konkreten Speisegesetzen. Ob das mit dem Durcheinander des Priesterdienst NACH Nadab und Abihu mit 'fremden Feuer' aus 3. Mose 10 zu tun hat? Wechsel vom allgemeinen Priestertum zum aronitischen Priestertum? Ev. wissen Brüder Weiterführendes darüber. Es ist Gott, der Zeiten und Zeitpunkte einsetzt (Dan. 2,21) und wir kennen ja auch die Heilszeiten/Dispensationen aus Gottes Wort, wenn es auch immer Übergangszeiten gab.

Nun, Gott hat kein Tier unrein geschaffen, alles was Er schuf war gut. Erst durch die Sünde wurde vieles notwendigerweise anders und der Umgang Israels im Opferdienst, musste genaustens nach Weisungen Gesetz Mose beachtet und umgesetzt werden.

Korrektur/weiterführende Gedanken erwünscht.
Olivier Wetli
--

Die Rolle des Esels im biblischen Kontext

Biblisch-theologische Perspektive

Der Esel als rein oder unrein? (Speisegebote)

Hilfsmaterial:
biblehub.com  www.bibelkreis.ch    biblehub.comgotquestions.org  https://www.elb2023.com/
biblehub.combiblehub.com   iass-ais.org   en.wikipedia.org  chabad.org    taylormarshall.comtaylormarshall.com
smsanj.org

Nach den mosaischen Speisegesetzen wird der Esel als unreines Tier eingestuft. In 3. Mose 11 und 5. Mose 14 werden die Kriterien für reine Landtiere genannt: sie müssen gespaltene Hufe haben und wiederkäuen. Da der Esel weder einen gespaltenen Huf besitzt noch wiederkäut, erfüllt er diese Kriterien nicht und gilt folglich als „unrein“  .
Unrein bedeutet hier, dass sein Fleisch von den Israeliten weder gegessen noch als Opfer dargebracht werden durfte 
.
Diese Einstufung findet sich zwar nicht als explizite Nennung des Wortes „Esel“ in der biblischen Liste,
ergibt sich aber eindeutig aus den genannten Merkmalen.

Ein besonderer Hinweis auf den Esel im Gesetz zeigt sich in den Erstgeburtsvorschriften: 2. Mose 13,13 ordnet an,
dass jeder erstgeborene Esel durch ein Lamm ausgelöst werden musste
– andernfalls sollte man ihm das Genick brechen.
Wörtlich heißt es:
„Jede Erstgeburt vom Esel sollst du mit einem Lamm auslösen; wenn du sie nicht auslöst, sollst du ihr das Genick brechen.“
Dieses Gebot unterstreicht den unreinen Status des Esels, denn als unreines Tier durfte er nicht geopfert werden
und musste daher durch ein reines Opfertier (ein Lamm) „ersetzt“ bzw. ausgelöst werden.
Obwohl der Esel also kultisch nicht „rein“ genug für den Opferaltar war, wurde seine Erstgeburt dennoch als Eigentum Gottes angesehen
und verlangte einen Akt der Erlösung – was von manchen Auslegern sogar als
typologischer Hinweis verstanden wird
(das unreine Tier wird durch das Lamm gerettet, ein mögliches Vorausbild auf Christus als „Lamm Gottes).

Zusammenfassend ist der Esel nach dem Wortlaut der Bibel in den Speisegeboten eindeutig ein unreines Tier.
Unreinheit in diesem Zusammenhang bezieht sich jedoch primär auf den Verzehr und kultischen Gebrauch
– nicht darauf, dass das Tier an sich „böse“ wäre.
So stellte das Berühren oder Nutzen eines lebenden Esels keinen Verstoß dar:
„Die Israeliten konnten ein unreines Tier berühren, ohne selbst unrein zu werden.
Tatsächlich hielten und züchteten sie unreine Tiere
 – Esel, Pferde und Kamele – und nutzten sie für verschiedene Aufgaben“
.
Unrein bedeutet also im Kern, dass der Esel nicht als Nahrung oder Opfergabe geeignet war
– ein wichtiges Detail, das für das alltägliche Zusammenleben mit dem Tier bedeutete, dass es zwar gehalten und verwendet,
aber nicht gegessen werden durfte.

Der Esel in biblischen Erzählungen

Trotz seines Status als unrein spielt der Esel in zahlreichen biblischen Geschichten eine bemerkenswerte Rolle.
Oft erscheint er als Reittier oder Lastenträger bedeutender Personen, und manchmal wird er zum Werkzeug Gottes,
um wichtige Botschaften zu vermitteln.
Zwei herausragende Beispiele hierfür sind die Erzählungen von:
 Bileam und dem Einzug des Herrn  Jesu Einzug in Jerusalem:



Darüber hinaus begegnet der Esel an vielen weiteren Stellen der Bibel, oft eher en passant, aber durchaus bedeutsam im kulturellen Kontext:
Abraham sattelte frühmorgens seinen Esel,
als er auf Geheiß Gottes seinen Sohn Isaak opfern sollte (1. Mose 22,3);
Mose setzte seine Frau und Söhne auf einen Esel, als er nach Ägypten zurückkehrte,
um Israels Befreiung einzuleiten (2. Mose 4,20).
Richter und Könige nutzten Esel: die Richter Jair und Abdon hatten Söhne, die auf Eseln ritten (Richter 10,4; 12,14),
und Davids Sohn Absalom ritt auf einem Maultier (einer Kreuzung aus Pferd und Esel),
 als er im Gezweig einer Eiche den Tod fand (2. Samuel 18,9).
Im Zehnten Gebot wird der Esel ausdrücklich als Teil des Besitzes genannt, den man seinem Nächsten nicht neiden soll
(2. Mo 20,17),
 was zeigt, dass Esel zu einem durchschnittlichen Haushalt gehörten.
Selbst der Herr Jesus greift in einem Gleichnis auf den Esel zurück:
In der Geschichte des barmherzigen Samariters hebt er den verwundeten Mann auf sein eigenes Reittier
– mutmaßlich ein Esel – und bringt ihn in Sicherheit (Lukas 10,34).
Insgesamt stellt die Schrift den Esel meist als nützliches, geduldiges und friedfertiges Geschöpf dar,
das den Menschen dient – und in besonderen Momenten der Heilsgeschichte sogar als
Vehikel göttlicher Heilshandeln fungiert.

Symbolische, prophetische und kultische Bedeutung des Esels

Durch diese Beispiele wird deutlich, dass der Esel im Wort Gottes stellenweise eine besondere symbolische Bedeutung erhält. Mehrfach steht er stellvertretend für Demut, Dienstbereitschaft und den Gegensatz zur weltlichen Macht:

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bibel dem Esel sowohl im wörtlichen Sinn
(als Tier im Alltag und in Gesetzen)
als auch im übertragenen Sinn (als Symbol) Beachtung schenkt.
Der Esel steht sinnbildlich für Bescheidenheit, Friedfertigkeit und Dienst, und gerade dadurch
– so paradox es klingen mag – erhält er eine ehrenvolle Rolle im Heilsplan:

Er darf den Friedenfürsten tragen, der auf ihm in Jerusalem einzieht,
und er darf in einer der ungewöhnlichsten Prophetengeschichten sprechen, um einen Menschen zurechtzuweisen.
Damit wird deutlich:
Was vor Menschen gering oder „unrein“ erscheint, kann von Gott zu Großem gebraucht werden.

Historisch-kulturelle Perspektive

Funktion des Esels im Alltag Israels

In der Lebenswelt des Alten Israel war der Esel ein unverzichtbares Nutztier.
Schon früh in der Geschichte des Nahen Ostens wurde der Wildesel domestiziert, und zur Zeit der biblischen Patriarchen und Könige gehörten Esel zum typischen Bestand eines Haushaltes. Ihre Hauptfunktion lag im Transportwesen:
Esel wurden als Reittiere und Lastenträger eingesetzt,
um Personen, Gepäck, Ernteerträge und Handelsware über oft weite und bergige Distanzen zu befördern.
Anders als Pferde
– die in Israel bis zur Königszeit selten waren und vor allem für Kriegswagen der Eliten benutzt wurden
– waren Esel vergleichsweise erschwinglich, trittsicher im Gebirge und genügsam.
So heißt es bereits über den Erzvater Abraham, dass er „viele Esel und Kamel“ besaß (vgl. 1. Mo 12,16), was seinen Reichtum anzeigte.
Hiob z.B. hatte laut Hiob 1,3 anfangs 500 Eselinnen, am Ende sogar 1000 (Hiob 42,12) – ein Zeichen enormen Wohlstandes.

Esel wurden auch zum Reisen genutzt:
Wir lesen von Propheten und Richtern, die auf Eseln ritten (z.B. 1. Könige 13, sattelt ein Prophet seinen Esel;
Richter 5,10 spricht von Weißen Eselinnen, die vornehme Leute ritten). Besonders bekannt ist die Schilderung,
dass Maria hochschwanger auf einem Esel nach Bethlehem gereist sei – ((zwar nicht ausdrücklich in der Bibel erwähnt)),
aber in der christlichen Tradition fest verankert und plausibel, da ein Esel für arme Leute die naheliegende Option als Reittier war.

Über den Transport hinaus fanden Esel auch in Landwirtschaft und Alltag Verwendung.
Sie zogen beispielsweise gelegentlich kleine Wagen oder halfen beim Dreschen von Getreide (obwohl hierfür häufiger Rinder eingesetzt wurden).
Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Esel manchmal zum Drehen von Mühlsteinen verwendet wurden.
In wärmeren Gegenden konnten Esel Karrenschlitten mit Wasserkrügen von den Brunnen zu den Dörfern ziehen.
Auch für Bewässerungsaufgaben (z.B. Treträder für Wasserhebevorrichtungen) wurden Esel eingesetzt, wo körperliche Dauerarbeit gefragt war.
Insgesamt waren sie für die wirtschaftliche Grundversorgung vieler Familien bedeutsam:
Ein Esel konnte etwa 100 kg Traglast transportieren und rund 20–30 km am Tag zurücklegen – unentbehrlich in einer Zeit ohne Motoren.
Selbst in rechtlichem Kontext taucht der Esel auf, z.B. im Bundesgesetz:
„Wenn du den Esel deines Feindes unter seiner Last zusammengebrochen siehst, so lass ihn nicht liegen, sondern hilf mit, ihn aufzuladen“
(2. Mo 23,5).
Solche Gebote spiegeln den Alltag wider: Esel waren allgegenwärtig auf Wegen und Feldern, und der Umgang mit ihnen wurde in der Tora geregelt.

Interessant ist, dass der Esel nicht nur für gewöhnliche Bürger, sondern auch für hochgestellte Persönlichkeiten ein Fortbewegungsmittel war.
Die Bibel berichtet, dass die Söhne der Richter Jair und Abdon auf Eseln ritten (Ri 10,4; 12,14). König David ließ seinen Sohn Salomo auf der königlichen Maultierstute zum Gihon reiten, um ihn zum König salben zu lassen (1. Kön 1,33–40) – das Maultier ist ein Hybride aus Pferd und Esel, also auch teilweise „Esel“. Offenbar galt der weiße Esel in der Richterzeit sogar als vornehmes Reittier (Ri 5,10 erwähnt „die ihr auf weißen Eselinnen reitet“). Erst mit der Einführung zahlreicher Pferdegespanne unter König Salomo (1. Kön 10,26) verlor der Esel im Prestigebereich an Bedeutung, blieb aber für die breite Bevölkerung und den Alltagsgebrauch das Arbeitstier Nummer eins.

Haltung unreiner Tiere im Haushalt: Esel und andere Beispiele

Obwohl der Esel laut Gesetz „unrein“ war, scheute man in Israel nicht davor zurück, ihn im Haushalt zu halten. Hier ist wichtig zu verstehen, dass „unrein“ sich auf den kultischen Verzehr oder Opferbarkeit bezog – nicht darauf, dass das Tier nicht berührt oder genutzt werden durfte. Tatsächlich zogen die Israeliten einige unreine Tiere auf und hielten sie im Dienst:
„Die Israeliten konnten ein unreines Tier berühren, ohne unrein zu werden.
Sie züchteten sogar unreine Tiere – Esel, Pferde und Kamele – und nutzten sie für verschiedene Aufgaben“
.
 Es war also üblich, Esel in den Stallungen der Israeliten zu finden.
Man hielt sie genau wie Ziegen, Rinder oder Schafe – nur mit dem Unterschied, dass man Eselfleisch eben nicht aß.
Auch im Haus selbst konnten Esel zeitweise Unterschlupf finden:
In vielen traditionellen Siedlungen des Vorderen Orients existierte ein zweigeteilter Wohnraum,
bei dem ein Bereich etwas tiefer lag und nachts Kleinvieh oder eben ein Esel eingestellt werden konnte,
während die Familie erhöht schlief.
So eine Szene ist z.B. aus der Geburtsgeschichte Jesu im Stall von Bethlehem bekannt (Lk 2,7 erwähnt die Krippe – was impliziert, dass dort Lasttiere anwesend waren). Eselhaare, -sättel oder -geschirre gehörten zum Inventar vieler Haushalte.
 Kurzum: Den Esel trotz seines „unreinen“ Status im eigenen Hof oder Stall zu haben, war nichts Ungewöhnliches
 – es war vielmehr notwendig und wirtschaftlich sinnvoll, da er Arbeit verrichtete und Mobilität ermöglichte, die kein reines Tier in gleicher Weise bieten konnte
(Rinder waren stark, aber langsam; Pferde waren teuer und rar).

Wolfgang H.

Esel sind keine Wiederkäuer. Sie gehören zu den Pflanzenfressern, haben aber einen anderen Verdauungsmechanismus.
Wiederkäuer haben einen mehrkammerigen Magen, der es ihnen ermöglicht,
pflanzliche Nahrung mehrmals zu verdauen, indem sie sie wieder hochwürgen und erneut kauen.
Esel haben einen einfachen Magen und verdauen ihre Nahrung in einem einzigen Durchgang. 
Esel, wie auch Pferde, haben sich an eine Ernährung mit karger Nahrung angepasst
und können auch harte Gräser und verholzte Stauden gut verwerten. 
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Esel zwar Pflanzenfresser sind, aber keine Wiederkäuer,
da sie einen anderen Verdauungsprozess haben.

Neben dem Esel gab es noch andere Tiere, die als
„unrein“ galten, jedoch im Alltag der Menschen präsent waren.
Ein prominentes Beispiel ist das Kamel.
Kamele werden in 3. Mose 11 ebenfalls als unrein bezeichnet (weil sie zwar wiederkäuen, aber keinen gespaltenen Huf haben),
 doch in der Praxis waren Kamele – vor allem Dromedare – bei Wüstenstämmen und Karawanen unentbehrlich.
Schon Abraham und Jakob besaßen Kamele (1. Mo 12,16; 1. Mo 30,43),
und die Ismaeliter wie später die Einwohner Arabiens nutzten sie als wichtigste Transporttiere der Wüste.
Für die meisten Israeliten im kernländischen Bergland spielten Kamele zwar eine geringere Rolle als Esel,
doch im Grenzgebiet und Handel (Gewürz- und Weihrauchstraße) begegnete man ihnen regelmäßig.
Auch Kamele durften nicht gegessen oder geopfert werden, wurden aber selbstverständlich
geritten, als Packtiere beladen und als Haustiere gehalten.

Ein weiteres Beispiel sind Pferde.
Pferde gelten (wie Esel) als nicht wiederkäuende Einhufer und damit als unrein.
Trotzdem beschafften insbesondere die Könige des vereinten und später des Nord- und Südreichs Pferde für Streitwagen und Reitertruppen.
Salomo importierte viele Pferde aus Ägypten und stellte Tausende davon in seinen Stallungen ein (1. Könige 10,28–29).
Auch wenn der normale israelitische Bauer kein Reitpferd besaß, waren Pferde im Land bekannt
– archäologisch fand man z.B. in Megiddo Überreste von Stallanlagen aus der Königszeit.
Hofbeamte, Kuriere und Krieger konnten auf Pferden reiten. Allerdings blieb das Pferd doch eher dem Militär und der Oberschicht vorbehalten,
 während der Esel das „Pferd des kleinen Mannes“ war.
Nichtsdestoweniger zeigt dies, dass unreine Tiere im alltäglichen Leben ihren Platz hatten, solange sie funktionalen Zwecken dienten.

Zu den im Haushalt präsenten unreinen Tieren zählte wahrscheinlich auch der Hund.
Hunde gelten nach den Speisegeboten als unrein (alles, was „auf Pfoten geht“, 3. Mo 11,27, dazu zählen Hunde und Katzen).
In der Bibel werden Hunde meist negativ dargestellt – als Straßenköter, Aasfresser oder Bedrohung (z.B. Ps 59,7; 1. Könige 21,23).
Trotzdem spricht nichts dagegen, dass Hirtenhunde zur Bewachung der Herden eingesetzt wurden.
Im Buch Hiob erwähnt der gequälte Hiob, dass sogar die Hunde der Hirten ihn verhöhnen
– was impliziert, dass Hirten Hunde hatten (Hiob 30,1).
Auch im Neuen Testament finden wir Hunde als Haustiere angedeutet, wenn Jesus zur syrophönizischen Frau sagt:
„Es ist nicht recht, das Brot der Kinder zu nehmen und den Hunden vorzuwerfen“ und sie antwortet:
„Aber doch fressen die Hunde unter dem Tisch von den Brosamen der Kinder“ (Mk 7,27–28)
– hier klingen Haushunde mit, die im Haus um den Tisch herumlaufen.
Zwar aß kein frommer Jude Hundefleisch, aber Hunde erfüllten Aufgaben als Wach- und Hoftiere.
Ähnliches gilt für Katzen – im alten Israel nicht ausdrücklich erwähnt, aber in benachbarten Kulturen (Ägypten) als Mäusefänger geschätzt,
könnten auch sie im Umfeld israelitischer Siedlungen gelebt haben.

Ein Tier, das hingegen bewusst gemieden wurde, war das Schwein.
Schweinefleisch war strikt tabu (3. Mo 11,7–8) und das Schwein hatte bei den Juden einen geradezu sprichwörtlich schlechten Ruf.
Es gibt Hinweise, dass im Kerngebiet Judäas in biblischer Zeit tatsächlich kaum Schweine gehalten wurden
(archäologische Ausgrabungen zeigen sehr wenige Schweineknochen, im Gegensatz zu Philisterstädten oder später römischen Siedlungen).
Die Episode vom Gerasener in den Evangelien, der eine Dämonenaustreibung erlebt und die Dämonen in eine Herde Säue fahren (Mk 5,11–13),
spielt bezeichnenderweise in einer Gegend, die von Nichtjuden bewohnt war – daher die Schweineherde.
Im Alltag des frommen Israeliten kamen Schweine praktisch nicht vor,
während Esel, Kamele, Pferde und Hunde trotz kultischer Unreinheit üblich waren.

Abschließend lässt sich sagen:
Die Menschen im alten Israel wussten zwischen kultischer Unreinheit und praktischem Nutzen zu unterscheiden.
Ein unreines Tier zu halten oder anzufassen machte einen nicht unrein
 – nur der Verzehr oder der Kontakt mit dem Kadaver tat das.
Daher scheuten sie sich nicht, Tiere wie den Esel im Haushalt großzuziehen.
Der Esel war so verbreitet und nützlich, dass die jüdischen Ausleger der Erstgeburtsvorschrift meinten, er werde im Gesetz exemplarisch genannt,
weil er „am häufigsten und nützlichsten“ unter den unreinen Haustieren war.
Zugespitzt könnte man sagen:
Ohne Esel ging es nicht – selbst ein „unreines“ Tier kann im Dienst des täglichen Lebens (und sogar im Dienst Gottes,
wie die Geschichten zeigen) von unschätzbarem Wert sein.

Auslegungstradition

Der Esel in jüdischer Auslegung und Tradition

In der rabbinischen Literatur und jüdischen Tradition erhält der Esel einige bemerkenswerte Deutungen, die über den wörtlichen Text hinausgehen.
Besonders im Blick auf die messianische Erwartung spielt der Esel eine Rolle.
Ausgehend von Sacharja 9,9 sahen bereits die alten jüdischen Ausleger (Chazal) in dem demütigen,
auf einem Esel reitenden König ein Bild für den Mashiach (Messias).
 Der Talmud (Sanhedrin 98a) enthält eine bekannte Diskussion darüber:
Ein persischer König verspottete die Idee, der Messias würde auf einem gewöhnlichen Esel kommen, und bot an,
ihm stattdessen ein edles Pferd zu schenken.
Der Rabbiner Samuel antwortete darauf sinngemäß:
„Hast du denn ein Pferd mit tausend Farben so wie den Esel des Messias?
Sicherlich wird sein Esel etwas Wundersames sein.“
.
 Diese Agada zeigt, dass man den Ausdruck aus Sacharja ernst nahm – und gleichzeitig mystisch überhöhte:
Der „Esel des Messias“ wurde zu einem sprichwörtlichen Ausdruck für etwas Demütiges, das aber im Heilsplan eine besondere Würde hat.
(In modernem Hebräisch bezeichnet „chamoro shel mashiach“, „des Messias Esel“, umgangssprachlich übrigens einen Menschen,
der die Drecksarbeit für einen anderen macht
– ein Hinweis darauf, dass der Esel mit praktischem Dienst im Hintergrund assoziiert wird.)

Ein anderes faszinierendes Motiv der rabbinischen Auslegung ist die Idee, dass ein und derselbe Esel
in drei zentralen Heilsereignissen auftaucht.
Der Midrasch besagt:
„Der Esel, den Abraham bei der Bindung Isaaks sattelte,
 ist derselbe, den Mose benutzte, um seine Familie nach Ägypten zu bringen,
und es ist der Esel, auf dem der Messias erscheinen wird.“
.
Dieser Midrasch (nachzulesen z.B. in Pirke De-Rabbi Eliezer oder frühen chassidischen Schriften)
verknüpft Abraham, Mose und den Messias durch das Motiv des Esels.
Bei Abraham trägt der Esel das Holz und die Messer zum Opferberg Moriah (1. Mo 22,3),
 bei Mose trägt er Frau und Kinder auf dem Weg zum Sinai-Berg (2. Mo 4,20)
 – in beiden Fällen also „Zubehör“ oder Familie, während die Protagonisten selbst nebenher gehen.
Beim Messias schließlich, so die Tradition, wird der Esel den Gesalbten selbst tragen.
Diese Steigerung interpretiert der chassidische Kommentar folgendermaßen:
Der Esel (hebr. chamor) steht wortverwandt für die Materie (chomer).
Er symbolisiert die körperlich-materielle Welt.
Abraham bindet diese materielle Welt in den Dienst Gottes ein (der Esel trägt nur die Lasten des Opfers,
Abraham selbst bleibt spirituell fokussiert).
Mose integriert die materielle Welt schon mehr (der Esel trägt seine nächsten Angehörigen – die materiellen Belange rücken näher an Mose heran).
Beim Messias jedoch ist die materielle Welt so erlöst und erhöht, dass sie selbst den König tragen darf

 Anders gesagt: Im messianischen Zeitalter wird das Irdische völlig durch das Himmlische durchdrungen sein –
„der Messias reitet auf dem Materialismus“
in dem Sinne, dass alles Profane zum Werkzeug des Heiligen wird.
Diese Deutung entstammt der Lehre des Lubawitscher Rebbe (Menachem Mendel Schneerson) und anderen Mystikern,
welche Sacharja 9,9 spirituell interpretieren:
Der Esel verkörpert das Niedere und Physische, das letztlich vom Messias übernommen und geheiligt wird.

Daneben gibt es auch in der Halacha und Midrasch praktische Bezüge zum Esel.
Zum Beispiel diskutiert der Talmud (Bekhorot) die oben erwähnte Vorschrift der Auslösung des erstgeborenen Esels im Detail und fragt,
warum gerade der Esel (und nicht etwa jedes unreine Tier) einlösungsbedürftig ist
– die Antwort der Gelehrten:
der Esel steht pars pro toto für alle wesentlichen unreinen Nutztiere (weil er das häufigste ist).
In der Midrasch-Exegese wird manchmal die Sturheit eines Esels sprichwörtlich genannt oder sein beharrliches Tragen von Lasten bewundert.
Auch ein interessanter Vergleich findet sich zwischen Abraham und Bileam:
Beide satteln frühmorgens ihren Esel (1. Mo 22,3 und 4. Mo 22,21).
 Der Midrasch bemerkt:
„Bileam machte sich früh auf den Weg – da sprach Gott: ‚Schon war jemand vor dir da!
Abraham ist dir im Eifer vorangegangen.‘“ Man sieht hier, dass der
Eifer im Guten (Abraham zum Gehorsam) und im Bösen (Bileam zum Fluch)
jeweils durch dasselbe Bild – das Eselsatteln – unterstrichen wird
.
 Der Esel wird somit auch zum literarischen Motiv, das Geschichten verknüpft und Kontraste hervorhebt.

Zusammengefasst zeigt die jüdische Auslegungstradition,
dass der Esel weit mehr als nur ein Tier ist:
Er wird zum Symbolträger für Demut, für die Vergeistigung des Materiellen und für den Dienst des Messias.
Gleichzeitig bleibt er ein praktisches Lehrbeispiel in der Halacha und ein Erzählmotiv der Aggada.
Die Fähigkeit des Esels, Lasten zu tragen, wird geistlich dahingehend gedeutet, dass der Esel (das Materielle) die Last des Heiligen tragen kann
– sei es das Opferholz, die Thora oder letztlich den Messias selbst.

Der Esel in der christlichen Auslegung und Theologie

In der christlichen Auslegungstradition hat der Esel ebenfalls vielfältige Bedeutungsakzente erhalten,
oft in enger Anknüpfung an die im Neuen Testament hervortretende Symbolik.

Kommentatoren sahen in dem Esel der Christus trug, mehr als nur die Erfüllung einer Prophezeiung
– sie entdeckten darin Allegorien für die Gemeinde, für Israel und die Heidenvölker oder für biblische Schrift(en).

Ein verbreitetes allegorisches Verständnis betrifft die ungewöhnliche Erwähnung bei Matthäus, dass Jesus sowohl eine Eselin und ein Eselsfüllen kommen ließ (Mt 21,2 ff.).
Während Markus, Lukas und Johannes nur von einem jungen Esel berichten,
scheint Matthäus Sacharja 9,9 wörtlich umzusetzen und beide Tiere zu nennen.
Ausleger deuteten diese zwei Tiere sinnbildlich:
Die gebundene Eselin stehe für das Volk Israel, das seit langem an das „Joch“ des Gesetzes gewöhnt und angebunden war,
während das junge Eselsfüllen die Heidenvölker repräsentiere,
die bisher ungezügelt und ohne Gesetz lebten.
Christus lasse beide zu sich bringen und reite abwechselnd bzw. im übertragenen Sinne auf beiden, um zu zeigen, dass er sowohl die Juden als auch die Heiden in seinen Dienst nimmt und in sein himmlisches Jerusalem führt. Ein Ausleger berichtet:
„Manche Ausleger sagen, die angebundene Eselin bedeute die aus der Beschneidung (die Juden),
die durch die Jünger von vielen Banden gelöst werden…; das Füllen aber deuten sie als die aus den Heiden,
die vorher an keinen Zügel gewöhnt waren in ihrem zügellosen Dasein“
. In solchen Deutungen symbolisiert der Esel also ganze Bevölkerungsgruppen. Auch die Jünger, die vorausgehen und folgen, wurden ins Bild einbezogen: Einer etwa zieht in Erwägung, hier seien die alttestamentlichen Propheten (die vorangehen)
und die Apostel (die nachfolgen) gemeint, oder sogar Engel.
Wir sehen: Der Einzug Jesu auf dem Esel wurde von den Vätern bis ins Detail ausgelegt – der Esel ist hier Bildträger für die alte und neue Allianz, für Juden und Nichtjuden, die beide vom Herrn „geritten“ bzw. geführt werden.





Was mir ein Esel über Demut beigebracht hat     

„Samson benutzte den Kieferknochen eines Esels, um tausend Philister zu erschlagen.
 Stellen Sie sich vor, was man mit einem ganzen Esel anstellen kann.“
– Johannes Vianney

 

Zugleich betont die christliche Tradition stark die moralische Lehre des Esels als Symbol der Demut. Während Heiden den Triumphator auf einem Streitross erwartet hätten,
kommt Christus „sanftmütig“ auf einem Esel. Augustinus und andere Kirchenlehrer sahen darin die Lehre, dass Demut der Weg zum wahren Königtum ist
 – Christus habe bewusst ein niedriges Tier gewählt, um Stolz und Kriegsruhm zu beschämen.
Der Esel, so betont man, ist ein Tier der Armen (während Pferde eher den Reichen gehörten)
  paracletepress.com.
In vielen mittelalterlichen Bildern und Predigten erscheint der «Palmsonntags».    -Esel als Gleichnis dafür,
dass Christus die Einfachen und Niedrigen erhöht und auf ihnen „reitet“, d.h. durch sie wirkt.
Auch wurde der Esel als Sinnbild der Geduld und Lastentragung Christi verstanden:
So wie der Esel schweigend die Last trägt, trug Christus schweigend das Kreuz.
In gewisser Weise wurde der Esel selbst zu einer Christusfigur im Aspekt des Dulders:
mittelalterliche «Karfreitags» ….legenden erzählten etwa, ein Esel habe Jesus’ Kreuz mitgetragen (nicht biblisch belegt,
aber als empathische Ausschmückung).

Weiterhin wurde der Esel in christlicher Theologie als Lehrbeispiel für Gottes Macht gesehen, die Schwachheit zu gebrauchen.
Die Redeweise vom „sprechenden Esel Bileams“ wurde sprichwörtlich, um auszusagen:
Gott kann zur Not auch durch einen Esel predigen.
So schreibt etwa Hieronymus spitz an einen selbstherrlichen Kleriker, dieser solle nicht stolz sein,
Gott habe schließlich schon durch eine Eselin gesprochen
– er solle also Demut lernen.

Der Esel steht hier als Mahnbild gegen Hochmut:
Wenn selbst ein Tier zum Prophet werden kann, wieviel mehr sollten wir Menschen auf Gottes Wort hören!
Die sprachfähige Eselin bei Bileam wurde in mittelalterlichen
Bestiarien zudem allegorisch gedeutet als Symbol für die Weisheit Gottes in der Torheit – was der unwissende
Esel spricht, kann weiser sein als die Berechnungen des „weisen“ Wahrsagers Bileam. Diese Lesart knüpft an 1. Kor 1,27 an
(„was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt“).

Die christliche Kunst und Liturgie haben den Esel ebenfalls eingebunden: In vielen Weihnachtskrippen steht neben dem Ochsen
auch ein Esel an der Krippe Jesu.
Diese Tradition geht auf eine Deutung von Jesaja 1,3 zurück:
„Ein Ochse kennt seinen Besitzer und ein Esel die Krippe seines Herrn; Israel aber hat keine Erkenntnis…“
Frühchristliche Autoren  sahen hierin eine verborgene Prophezeiung der Geburt Christi: der Stall von Bethlehem mit Ochs und Esel,
die das Jesuskind in der Krippe erkennen, während viele Menschen (Israel) ihn nicht erkannten.

In diesem Sinne symbolisieren Ochs und Esel in der Krippe die Juden und die Heiden,
die ihren Herrn erkennen sollen (manchmal auch interpretiert als
Ochse = Jude,
Esel = Heide, oder umgekehrt – je nach Quelle).
Der Esel an der Krippe steht also für die Heidenvölker, die das Jesuskind anbeten werden, während der Ochse das jüdische Volk repräsentiert;
beide Tiere zusammen erfüllen aber zunächst Jesajas Wort, dass selbst die Tiere die Ankunft des Herrn spüren
rootedministry.com.
Diese Szene fand so starken Anklang, dass sie fester Bestandteil der Weihnachtsüberlieferung wurde
obwohl die Bibel sie nicht ausdrücklich erwähnt,
war sie theologisch so sprechend, dass sie Teil der christlichen Vorstellung wurde.

In der christlichen Symbolik
werden dem Esel vor allem die Eigenschaften Geduld, Fleiß, Genügsamkeit und Dienstbereitschaft zugeschrieben
– alles Tugenden, die mit christlicher Demut in Verbindung stehen.
So schreibt ein moderner Bibelausleger:
„Donkeys in the Bible symbolize humility and service“
christianpure.com.
Die Tatsache, dass Jesus einen Esel benötigte – „Der Herr bedarf ihrer“ (Lk 19,34) – wurde in Predigten dahingehend ausgelegt,
dass der Herr sich bewusst der „Diensttiere“ bedient, um seine Aufgabe zu vollbringen, und dass auch wir Christen so bereitwillig sein sollen
wie der geborgte Esel Jesu.
Manche christliche Kommentare gehen sogar humorvoll darauf ein, dass wir Christen im positiven Sinne „Jesu Esel“ sein dürfen
– willige Lastenträger seines Evangeliums.
Dieser Gedanke findet sich bereits bei sehr früh, die sich selbstironisch als „untelehrige Esel“ bezeichneten,
die aber Christi Last tragen dürfen.

Insgesamt erkennt die christliche Auslegung in dem Esel einen vielschichtigen Typus:
Er verkörpert das demütige Glaubensvolk, das seinen König trägt;
er repräsentiert die Heiden, die mit den Juden gemeinsam dem Herrn dienen;
er steht für Demut und Sanftmut im Gegensatz zu Hochmut;
und er zeigt Gottes Prinzip auf, Schwaches zu erwählen, um seine Kraft zu zeigen.
Damit schließt sich der Kreis zur biblischen Botschaft:
Der Esel mag kultisch unrein sein, aber in Gottes Heilsplan kann selbst ein solcher zum Segensträger werden
– sei es real in den Geschichten oder allegorisch in den geistlichen Lehren der Kirche.

Rein und Unrein – Speisegebote oder mehr?

Abschließend zur Frage, ob die Begriffe „rein“ und „unrein“ nur in den Speisegesetzen gelten
oder darüber hinaus einen symbolischen Rahmen haben:
Die Bibel macht deutlich, dass „rein“ und „unrein“ mehr sind als nur kulinarische Kategorien.
Zwar sind die Speisevorschriften (etwa in 3. Mose 11) der ursprüngliche Kontext, in dem Tiere wie der Esel als unrein bezeichnet werden
 – und diese beziehen sich zunächst tatsächlich auf den Verzehr (was man essen darf und was nicht) sowie auf die Opferfähigkeit von Tieren.
Aber schon im Alten Testament selbst wird das Reinheitskonzept ausgeweitet:
Es gibt rituelle Unreinheiten (etwa durch Berühren eines toten Körpers, bestimmte Krankheiten, Ausflüsse usw.),
 die nichts mit Nahrung zu tun haben, sondern mit dem Zugang zur Gottesverehrung.
„Unrein“ bedeutet allgemein, dass etwas oder jemand nicht für den Gottesdienst oder die Nähe zum Heiligen geeignet ist,
bis eine Reinigung erfolgt
gotquestions.org.
3. Mose 10,10 verbindet denn auch Reinheit mit Heiligkeit:
 „Ihr sollt unterscheiden zwischen heilig und profan, zwischen unrein und rein“
gotquestions.org.
Hier wird klar, dass es um einen geistlichen Zustand geht.
Reinheit steht parallel zu Heiligkeit,
Unreinheit parallel zu Gemeinheit (Profanität)
gotquestions.org.
Das heißt: Was unrein ist, darf nicht ins Heiligtum – nicht weil es moralisch schlecht wäre, sondern weil es symbolisch nicht in Gottes heilige Sphäre passt.

Die Speisegesetze sind somit Teil eines größeren Reinheitsdenkens.
Gott wollte Israel lehren, zwischen Rein und Unrein zu unterscheiden, um ein heiliges (ausgesondertes) Volk zu sein (3. Mose 11,45).
Reinheit hatte also einen pädagogischen und symbolischen Zweck: „Die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Tieren sollte Israel stets daran erinnern,
dass sie abgesondert sind für den Dienst an Gott. Es ging um mehr als Nahrung – es ging um Heiligkeit.“
gotquestions.org.
In diesem Sinne kann man sagen: „Rein“ und „unrein“ sind Prinzipien, die im Alltagsleben (z.B. beim Essen) konkret eingeübt wurden,
aber letztlich auf die Beziehung zu Gott zielten.
Unreine Tiere wurden z.B. mit dem Tod und Verfall assoziiert (etwa Raubtiere, Aasfresser, bestimmte Wassertiere),
während reine Tiere eher das Leben und die Ordnung repräsentierten.
  „Im Tanach ist unrein ein Metaphor für den Bereich des Todes, während heilig für den Bereich Gottes (Leben) steht“.

Im sprachlichen Gebrauch
der Bibel findet „unrein“ auch weit über die Nahrung hinaus Anwendung.
Menschen konnten unrein werden (durch Sünde oder durch rituelle Zustände),
Orte konnten unrein sein,
Geister können „unreine Geister“ genannt werden (Mk 5,2 usw.).
Der Prophet Jesaja ruft aus:
 „Ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und wohne unter einem Volk mit unreinen Lippen“ (Jes 6,5),
womit er moralische Unreinheit meint.
Hier sieht man: „Unrein“ ist ein ethisches Bildwort für Sündhaftigkeit oder Unheiligkeit.
Im Neuen Testament wird dieser übertragenen Sinn noch deutlicher:
Der Herr Jesus kritisiert Pharisäer, die zwar auf rituelle Reinheit achten, aber ihr Herz mit Bosheit füllen
– er lehrt, nicht äußere Speisen verunreinigen den Menschen, sondern das, was aus dem Herzen kommt (Mk 7,15).
Markus kommentiert sogar, Jesus habe damit „alle Speisen für rein erklärt“ (Mk 7,19), womit deutlich wird, dass die symbolische Ebene – das Herz des Menschen
 – wichtiger ist als die Speisevorschriften.
 (Allerdings ist Mk 7,19 in manchen Übersetzungen umstritten; das Prinzip aber bestätigt sich in der Apostelgeschichte.)

Eine entscheidende Stelle, wo das Reinheitsprinzip explizit symbolisch erweitert wird, ist Apostelgeschichte 10:
Der Apostel Petrus sieht ein Tuch mit allen möglichen Tieren (reinen und unreinen) vom Himmel herabkommen und hört eine Stimme:
 „Schlachte und iss!“
 Petrus weigert sich entrüstet – er habe noch nie Unreines gegessen.
Da sagt die Stimme:
„Was Gott gereinigt hat, das nenne du nicht unrein!“ (Apg 10,13–15).
Petrus erfährt kurz darauf die Deutung:
Die Vision bezog sich auf Menschen (die Heiden), nicht eigentlich auf Speisen.
Petrus sagt: „Gott hat mir gezeigt, keinen Menschen gemein oder unrein zu nennen“ (Apg 10,28).
Hier wird der Begriff „unrein“ metaphorisch für Personen gebraucht – konkret für die Nichtjuden,
die die Juden bis dahin als religiös unrein ansahen und mieden.
 Gott macht deutlich, dass durch Christus nun auch die einst „Unreinen“ gereinigt werden können und sollen.
Diese Episode beantwortet sehr schön unsere Frage: „Rein“ und „unrein“ galten nicht nur im wörtlichen Sinn,
sondern dienten als Symbol für geistliche Wahrheiten.
Paulus greift das auf, wenn er mahnt:
„Zieht nicht in einem Joch mit Ungläubigen…
Denn welche Verbindung hat Licht mit Finsternis? … ‚Darum geht hinaus und sondert euch ab… und rührt nichts Unreines an‘
“ (2. Kor 6,14.17).
Auch hier steht „unrein“ für das moralisch oder geistlich Unheilige.

In der frühen Kirche wurde bald verstanden, dass die alten Speisevorschriften ihren Schattencharakter zugunsten
der in Christus offenbarten Wahrheit eingebüßt hatten (siehe z.B. Kol 2,16: „So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank…“).
 Doch die dahinterstehende Idee der Reinheit des Herzens blieb voll gültig.
Reinheit wurde nun als innere, ethische Reinheit gedeutet (Mt 5,8: „Selig, die reinen Herzens sind…“).
Das heißt: Der Begriffspaar rein/unrein wanderte vom Ritualgesetz in die Sprachwelt der Tugendlehre.
Man spricht vom „reinen Gewissen“, von der Reinheit in Gedanken und Werken, vom Meiden „unreiner“ (d.h. sündiger) Handlungen usw.

Fazit:
„Rein“ und „unrein“ sind im biblischen Kontext nicht auf Speisefragen beschränkt, sondern tragen einen weiten symbolischen Bedeutungsrahmen.
Während der Esel konkret „unrein“ genannt wird, weil man ihn nicht essen durfte, kann seine Geschichte (wie die aller unreinen Tiere)
dennoch metaphorisch etwas über Gott und den Menschen lehren.
Reinheit drückt Heiligkeit, Zugehörigkeit zu Gott aus, Unreinheit das Gegenteil – getrennt sein von Gott, der Reinigung bedürfen.
Die Speisegesetze waren somit didaktisch:
Sie prägten Israel die Unterscheidung von Rein und Unrein praktisch ein, um ein tieferes Prinzip deutlich zu machen:
Seid heilig, denn ich bin heilig“
(3. Mo 11,45).
In Christus schließlich wird offenbar, dass nicht Speisen, sondern die Herzen gereinigt werden müssen,
und dass Gott „die Herzen der Glaubenden gereinigt hat“ (Apg 15,9) – egal ob Jude oder Heide.
Reinheit bleibt also ein zentrales Anliegen Gottes, doch letztlich in einem geistlichen, ethischen Sinn:
„Das Prinzip, rein zu sein, trägt bis ins Neue Testament, als Aufruf zu spiritueller Lauterkeit und einem Leben in Heiligung“
gotquestions.org.

Der Ausdruck „rein/unrein“ ist somit nicht nur wörtlich-rituell zu verstehen,
sondern bildet einen Schlüsselbegriff für das Gottesverhältnis insgesamt – vom alltäglichen Essen bis zum Zustand des Herzens.
In Bezug auf den Esel können wir sagen:
Als Speise war er unrein,
als Diener Gottes aber konnte er gleichwohl „rein“ gebraucht werden, nämlich für heilige Zwecke.
Dies ist letztlich die Botschaft hinter vielen Reinheitsgeboten:
Die Heiligkeit Gottes soll sich im Leben der Menschen widerspiegeln – und sei es durch scheinbar profane Dinge wie Essen oder den Umgang mit Tieren.
Gott kann Unreines reinigen und gebrauchen, um seinen Heilsplan voranzubringen.
 Dies galt im Alten Bund auf symbolische Weise und gilt im Neuen Bund in erfüllter, geistlicher Weise.

Diese belegten Informationen zeigen ein facettenreiches Bild des Esels im biblischen Kontext – sowohl in praktischer als auch in symbolischer Hinsicht.
Sie verdeutlichen zugleich, dass die Begriffe „rein“ und „unrein“ in der Bibel mehr sind als reine Speisevorschriften,
nämlich Ausdruck einer geistlichen Wahrheit über Trennung und Nähe zu Gott.