00120 Matthäus 16.18 diesen
Felsen was ist gemeint?
Zusammenfassung von Matthäus 16,1–28 auf Grundlage von: „Was lehrt die Bibel“:
a. Forderung nach einem Zeichen (V. 1–4)
Die Pharisäer und Sadduzäer fordern ein Zeichen vom Himmel, obwohl sie bereits viele Wunder gesehen hatten.
Der Herr verwirft ihre Forderung und nennt sie „böse und ehebrecherisch“ – ein Hinweis auf ihre geistliche Untreue.
Das einzige Zeichen, das ihnen gegeben wird, ist das „Zeichen Jonas“, ein Bild auf Jesu Tod und Auferstehung.
Er verlässt sie – ein symbolischer Akt göttlicher Verwerfung.
b. Die Blindheit gegenüber den Zeichen der Zeit (V. 2–3)
Jesus vergleicht ihre Unfähigkeit, geistliche Zeichen zu deuten, mit dem sicheren Erkennen des Wetters.
Sie ignorieren die prophetischen Hinweise auf das Kommen des Messias und lehnen den Sohn Gottes ab.
c. Die Warnung vor dem Sauerteig (V. 5–12)
Jesus warnt die Jünger vor dem „Sauerteig“ – dem verderblichen Einfluss der Lehre der Pharisäer (gesetzlich) und der Sadduzäer (materialistisch).
Die Jünger missverstehen dies zunächst wörtlich; ihr Überlegen zeigt „Kleinglauben“.
Der Herr erinnert an die Brotwunder: Er selbst versorgt reichlich – es ist keine fremde Lehre nötig.
Sauerteig symbolisiert falsche Lehre (vgl. Apg 20,30; Gal 1,7; Eph 4,14). Gläubige sollen wachsam bleiben.
a. Die Meinungen der Menschen (V. 13–14)
Die Menschen sehen Jesus als Johannes, Elia, Jeremia oder einen Propheten – ehrfurchtsvolle, aber unzureichende Einschätzungen.
Keine dieser Meinungen erkennt Seine göttliche Natur.
b. Das persönliche Bekenntnis des Petrus (V. 15–17)
Auf Jesu Frage bekennt Petrus: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“
Dieses Bekenntnis wird nicht durch „Fleisch und Blut“, sondern durch Offenbarung des Vaters gegeben.
c. Die Gemeinde auf dem Felsen (V. 18–20)
Der Herr gibt Petrus einen neuen Namen („Petros“) und erklärt: „Auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen.“
„Felsen“ bezieht sich nicht auf Petrus selbst, sondern auf dessen Bekenntnis (vgl. Mt 7,24).
Die Gemeinde ist das Werk Christi – nicht überwindbar von den „Pforten des Hades“.
Die „Schlüssel des Reiches“ werden Petrus übergeben – erfüllt in Apg 2 (für Juden) und Apg 10 (für Heiden).
Die Gemeinde ist nicht das Reich der Himmel, sondern besteht nur aus Erlösten.
„Binden und Lösen“ bezieht sich auf die Verwaltung von Wahrheit und Aufnahme in das Reich, nicht auf willkürliche Autorität.
a. Der Herr kündigt zum ersten Mal Sein Leiden an (V. 21)
Erst nach dem Bekenntnis Seiner Person beginnt Er, über Sein Leiden zu sprechen.
Der Weg nach Jerusalem, der Tod durch die Ältesten und die Auferstehung am dritten Tag gehören zum göttlichen Plan.
Diese Wahrheit würde später durch Paulus vertieft werden (z.B. Eph 2,16; Kol 1,18).
b. Petrus widerspricht – und wird getadelt (V. 22–23)
Petrus lehnt die Vorstellung des Leidens ab: „Gott behüte dich!“
Der Herr nennt ihn „Satan“ – nicht als Bezeichnung der Person, sondern wegen des Denkens im Gegensatz zu Gottes Plan.
Fleischliches Denken widerspricht dem göttlichen Ratschluss.
a. Die Bedingungen der Nachfolge (V. 24–26)
Nachfolge bedeutet Selbstverleugnung und Kreuztragen.
Wer sein Leben (psychê) retten will, wird es verlieren; wer es für Christus verliert, wird es gewinnen.
Kein Gewinn der Welt ersetzt den Verlust der Seele.
Der Wert der Seele ist unermesslich – kein Lösegeld der Welt reicht aus (vgl. Ps 49,8-10).
b. Der kommende Lohn (V. 27–28)
Der Sohn des Menschen wird in Herrlichkeit kommen und jedem nach seinen Werken vergelten.
Einige Jünger würden den Tod nicht schmecken, bis sie den Sohn des
Menschen in Seinem Reich sehen – erfüllt in der Verklärung (Kap. 17)
und in der Wiederkunftsperspektive.
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Es gibt die Auslegung zu Matthäus 16, dass Petrus ein Stein und Christus der
Fels ist. und zwar wegen dem Unterschied; Petra / Petros
Gibt es weitere Erklärungen zur Matthäus 16.18 "auf
diesen Felsen"
da ja der Herr Jesus in Matthäus 16 V.18 ja nicht
sich meint, sondern "diesen"
Was meint der Herr mit: "diesen Felsen"
Alles klar. Ich recherchiere theologische Auslegungen von Matthäus 16,18 aus
verschiedenen konfessionellen Blickwinkeln (katholisch, evangelisch,
freikirchlich) sowie die sprachlich-grammatischen Argumente zur Unterscheidung
von "Petros" und "Petra" im griechischen Urtext, insbesondere im Hinblick auf
die Bedeutung von "auf diesen Felsen".
Ich melde mich, sobald ich die Ergebnisse zusammengestellt habe.
Aus katholischer Perspektive bezieht sich „dieser Fels“ eindeutig auf die Person des Apostels Petrus selbst. Nach katholischer Lehre hat Christus den Apostel Simon durch die Namensgebung „Petrus“ (gr. Petros, dt. Fels) zum Fundament seiner Kirche gemacht. Die Kirche wird somit auf Petrus aufgebaut, wobei Christus selbst der göttliche Garant der Bestandkraft dieser auf Petrus gegründeten Kirche ist. In diesem Verständnis überträgt Jesus Petrus eine besondere Führungsrolle: Petrus erhält die Schlüssel des Himmelreichs und die Vollmacht des Bindens und Lösens (vgl. Mt 16,19), was die katholische Kirche als Einsetzung des Petrusamtes interpretiert. Diese Verheißung sieht sie als biblische Grundlage für den Primat Petri und die apostolische Sukzession der Päpste, die Petrus als Bischof von Rom nachfolgen.
Die katholische Tradition stützt sich dabei auf zahlreiche Kirchenväter und Konzilstexte. Schon Cyprian von Karthago (3. Jh.) schrieb etwa: „Er, der die Kirche verlässt – die auf den Stuhl Petri gegründet ist – kann nicht in der Kirche sein“. Johannes Chrysostomos nannte Petrus den „Vorsteher des Apostelchors“ und „das Fundament der Kirche“. Gleichzeitig betonten Kirchenväter wie Augustinus, dass Petrus oft stellvertretend für die ganze Kirche steht. Die Römisch-katholische Kirche lehrt daher, Jesus habe Petrus als Fels der Kirche eingesetzt und ihm als erstem Papst eine einzigartige Hirtenaufgabe übertragen. Der aktuelle Katechismus der Katholischen Kirche fasst zusammen: „Und unser Herr sagte zu ihm: ‘Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen…’ Christus, der ‘lebendige Stein’, sichert seiner auf Petrus gebauten Kirche den Sieg… Auf dem Grund des Glaubens, den er (Petrus) bekannt hat, bleibt Petrus der unerschütterliche Fels der Kirche“. Petrus’ persönliche Glaubenstreue und sein Bekenntnis werden also als Fundament gesehen, auf dem Jesus die Einheit und Lehre seiner Kirche aufbaut. In katholischen Dokumenten (z.B. Vaticanum I, Pastor Aeternus 1870) wird diese Stelle ausdrücklich als Einsetzung des Petrus-Primats gewertet, wonach Petrus und seine Nachfolger bleibende Fundament-Steine der sichtbaren Kirche sind.
Lutherische und reformierte Theologen der Reformation lehnten die Deutung ab, der Fels in Mt 16,18 sei der Apostel Petrus in einem exklusiven Sinn. Martin Luther argumentierte in der Leipziger Disputation (1519) gegen Johannes Eck und späteren Schriften ausdrücklich, dass mit „diesem Felsen“ entweder Petrus’ Glaube bzw. sein Bekenntnis zu Jesus gemeint sei – stellvertretend für den Glauben der ganzen Kirche – oder Christus selbst. Luther berief sich dabei auf Bibelstellen wie 1. Korinther 3,11: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist: Jesus Christus.“ Christus allein – nicht ein menschlicher Amtsträger – sei der feste Grund der Kirche. Folglich könne Petrus nur insofern „Fundament“ genannt werden, als er zuerst den Glauben an Christus ausgesprochen hat. Der reformatorische Grundsatz „solus Christus“ betont, dass Jesus der einzige Eckstein und Haupt der Kirche ist (Eph 2,20; Eph 5,23).
Die lutherischen Bekenntnisschriften und reformierten Confessiones weisen die päpstliche Deutung entschieden zurück. Im „Tractatus de potestate papae“ (1537) etwa erklärten die Reformatoren, Matthäus 16,18 beziehe sich auf den Glauben an Christi Person, nicht auf eine bleibende Vorrangstellung des Petrus. Johannes Calvin schrieb in seinem Kommentar, Christus lobe hier Petrus’ Glaubensbekenntnis und verspreche, die Kirche darauf zu bauen – nicht auf einen Menschen als solchen. Calvin betonte, „wer sieht nicht, dass das, was [Christus] auf die Person eines Mannes anzuwenden scheint, in Wirklichkeit auf dessen Glauben an Christus gemeint ist?“. Er stellte fest, das Wortspiel Petros/Petra solle nicht so verstanden werden, als ob Petrus selbst das eigentliche Fundament sei – zumal das Neue Testament nirgends ein fortdauerndes Petrus-Amt oder einen Papst kennt. Vielmehr gelte alles, was Jesus hier zu Petrus sagt (etwa die Schlüsselgewalt in Vers 19), letztlich allen Aposteln gleichermaßen, ohne einem übergeordneten Papsttum. Auch Johannes Calvin und andere Reformatoren verwiesen darauf, dass die Einheit der Kirche laut Epheser 4,4–5 auf „einem Herrn, einem Glauben, einer Taufe“ beruht – nicht auf einem Petrus-Nachfolger in Rom.
Zusammenfassend sehen lutherische und reformierte Ausleger den Felsen vor allem in Petrus’ Glauben an Jesus als Christus, wie er unmittelbar zuvor bekannt wurde (Mt 16,16-17). Dieses Bekenntnis zur Gottessohnschaft Jesu verstehen sie als das Fundament, auf das Christus seine Gemeinde baut. Zwar wird anerkannt, dass Petrus innerhalb des Jüngerkreises eine besondere Rolle hatte (er sprach stellvertretend für alle Apostel und trat an Pfingsten als erster Prediger auf), doch diese Rolle begründet nach evangelischer Lehre keinen bleibenden Vorrang über die anderen Apostel. „Der Fels ist der Glaube, den Petrus bekennt – Christus selbst ist der Eckstein – nicht die Person des Petrus in Absonderung,“ lautete sinngemäß die reformatorische Argumentation. Luther drückte es prägnant so aus: „Wenn der Papst behauptet, Petrus sei der Fels, auf den die Kirche gebaut ist, so sage ich: Nein, es ist der Glaube Peters an Christum, auf welchen die Kirche gegründet ist“. Diese Sicht spiegelt sich bis heute in vielen evangelischen Bekenntnissen wider.
Hinweis: Interessanterweise haben spätere evangelische Exegeten die rein personale Gegenüberstellung etwas nuanciert. So betont z.B. der evangelische Kommentator Joachim Roloff, dass Petrus selbst – in seiner Funktion als erster gläubiger Jünger – für die Urkirche grundlegend war: „Der die Kirche tragende Grundstein ist nicht die von Petrus überlieferte Lehre, sondern der Jünger selbst. Seiner Nähe zu Jesus und seines Bekennens verdankt die Gemeinde jene Erkenntnis…“. Auch moderne Lutheraner stimmen darin überein, dass Petrus im Kreis der Apostel als „erster unter Gleichen“ fungierte – allerdings ohne dass daraus ein monarchisches Papstamt abgeleitet wird.
In freikirchlich-evangelikalen Auslegungen wird Matthäus 16,18 ähnlich verstanden wie in der Reformationstradition, oft jedoch mit besonderer Betonung der Schriftargumente und der Sprachdetails gegen die katholische Deutung. Im Mittelpunkt steht die Auffassung, dass „dieser Fels“ das Bekenntnis zu Jesus Christus meint – also die Wahrheit, dass Jesus der Messias und Sohn Gottes ist, wie Petrus es ausgesprochen hatte (Mt 16,16). Diese Wahrheit des Evangeliums, so die evangelikale Sicht, bildet das eigentliche Fundament der Gemeinde Jesu. Jesus selbst bleibt der eigentliche Baumeister: „Ich will meine Gemeinde bauen…“ (Mt 16,18) – daraus wird geschlossen, dass Christus der Gründer und Erhalter der Kirche ist und nicht Petrus in eigener Autorität.
Viele evangelikale Bibellehrer weisen darauf hin, dass die Schrift Jesus Christus als eigentlichen Fels und Grundstein der Kirche bezeichnet: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer Jesus Christus“ (1Kor 3,11); Christus ist der „Eckstein“ (Eph 2,20) und „das Haupt der Gemeinde“ (Eph 5,23). Petrus selbst nennt Jesus den „lebendigen Stein“ und alle Gläubigen „lebendige Steine“ im Bau der geistlichen Hauses (1Petr 2,4-5) – was nahelegt, dass alle Gläubigen, die wie Petrus an Christus glauben, mitbauen an der Gemeinde, während Christus der tragende Eckstein bleibt. In evangelikalen Kommentaren wird daher häufig gesagt, der Fels in Mt 16,18 sei die Offenbarung Gottes und das Bekenntnis, das Petrus abgelegt hat, woraufhin Jesus ihn „glückselig“ pries (Mt 16,17).
Charakteristisch für freikirchliche Auslegungen ist auch die sprachliche Argumentation gegen eine petruszentrierte Deutung. Oft wird betont, Jesus habe im Urtext zwei verschiedene Wörter gebraucht: „Du bist Petrus (petros, ein Stein) und auf diesen Felsen (petra, ein Felsblock/Gesteinsgrund) will ich meine Gemeinde bauen.“ Manche Evangelikale folgern daraus, Jesus habe Petrus (den ‚kleinen Stein‘) vom eigentlichen Felsen unterschieden, der dann als Jesus selbst oder als das Glaubensbekenntnis gedeutet wird. Dieses Argument – dass petros im Griechischen „Steinchen“ und petra „Felsmasse“ bedeute – ist in populären evangelikalen Kreisen weit verbreitet. So heißt es etwa bei GotQuestions: „Petrus bedeutet ‘ein kleiner Stein/Fels’, Jesus verwendete ein Wortspiel mit petra, was ‘Felsgrund’ bedeutet… Hätte Jesus seine Gemeinde auf einen Menschen gründen wollen, so würde es dem Gesamtzeugnis der Bibel widersprechen; vielmehr ist das persönliche Bekenntnis des Glaubens an Christus das Fundament der Gemeinde“. Evangelikale verweisen zudem darauf, dass Jesus nicht sagte „auf dich werde ich bauen“, sondern „auf diesen Felsen“, was man als Hinweis verstehen kann, dass etwas außerhalb von Petrus selbst – nämlich die eben ausgesprochene Glaubenswahrheit – gemeint sei. Einige freikirchliche Ausleger gehen sogar so weit zu behaupten, „der Fels, auf den Jesus baut, ist Jesus selbst“, und verweisen auf alttestamentliche Stellen („Gott ist der Fels“, Deut 32,4) und die Aussage „der Fels war Christus“ (1Kor 10,4). Diese Ansicht soll unterstreichen, dass allein Gott/Christus ultimativ Halt und Grundlage der Kirche ist – Petrus also nur im übertragenen Sinn (als erster Bekenner) „Fels“ genannt wird.
Zusammengefasst dominieren in evangelikalen Gemeinden folgende Kernargumente:
Der Fels ist Petrus’ Glaube, nicht Petrus’ Person: Die Gemeinde besteht aus allen, die wie Petrus bekennen, dass Jesus der Christus ist. Dieses Bekenntnis zu Christus wird als die Grundlage angesehen, auf der die Kirche ruht. Petrus wird dabei als erster „Bekenner“ und führender Zeuge geehrt, aber nicht als unfehlbarer Amtsinhaber über andere Apostel.
Christus allein als Fundament: Mehr als andere betonen Evangelikale die Souveränität Christi. Sie argumentieren, Jesus habe Petrus zwar eine wichtige Rolle gegeben, aber niemals einen Nachfolger-Papst angeordnet. Die Vorstellung einer von Petrus auf Rom übertragenen Jurisdiktionsvollmacht wird abgelehnt. Stattdessen wird die Gleichordnung der Apostel und die Abhängigkeit aller vom einen Herrn betont (vgl. Mt 18,18; Eph 2,20).
Sprache als Hilfsargument: Evangelikale Apologeten ziehen gerne linguistische Überlegungen heran, um die katholische Auslegung zu entkräften. So wird oft hervorgehoben, dass in der antiken Umgangssprache petros und petra unterschiedliche Nuancen haben könnten (kleiner Stein vs. Fels). Allerdings erkennen auch viele evangelikale Sprachgelehrte inzwischen an, dass diese Differenz in der Koine-Griechisch der neutestamentlichen Zeit keine scharfe Trennung mehr hatte (siehe dazu die Analyse unten). Dennoch bleibt der Hauptpunkt der freikirchlichen Auslegung: Nicht Petrus in eigener Person, sondern die von Gott geoffenbarte Wahrheit über Jesus ist der Fels, auf dem die Gemeinde gebaut wird. Petrus’ Rolle ist die eines ersten Glaubenszeugen und „Türöffners“ (er predigte zuerst den Juden, Samaritanern und Heiden; vgl. Apg 2; 8; 10), aber die Vollmacht liegt letztlich beim Wort Gottes und Christus selbst. So formuliert es ein evangelikaler Kommentar: „Die Worte Jesu sind hier am besten als einfaches Wortspiel zu verstehen, bei dem eine felsenfeste Wahrheit aus dem Mund dessen kam, der als kleiner Stein bezeichnet wurde – und Christus selbst wird als der ‘Eckstein’ bezeichnet (1Petr 2,6-7)“.
Matthäus 16,18 lautet im griechischen Original: „κἀγὼ δέ σοι λέγω ὅτι σὺ εἶ Πέτρος (Petros) καὶ ἐπὶ ταύτῃ τῇ πέτρᾳ (petra) οἰκοδομήσω μου τὴν ἐκκλησίαν“, zu Deutsch: „Und ich sage dir, dass du Petrus bist, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen…“ Die Schlüsselfrage ist, wie die Begriffe Petros und petra zu verstehen sind und worauf das Demonstrativpronomen „diesem“ (taútē) sich bezieht. Hier sind die wichtigsten sprachlich-grammatischen Aspekte und Argumente:
„Petros“ vs. „petra“ – Bedeutung und Wortspiel: Im Griechischen des Neuen Testaments sind Πέτρος (Petros) und πέτρα (petra) stammverwandt und klingen bewusst ähnlich – Jesus verwendet also ein Wortspiel. Petros war im klassischen Griechisch ursprünglich ein Wort für einen einzelnen Stein oder Felsblock, während petra eher Felsgestein oder Felsgrund bezeichnete. Allerdings muss betont werden, dass diese Unterscheidung vor allem im klassisch-attischen Griechisch (z.B. in der Poesie) belegt ist und zur Zeit des Neuen Testaments weitgehend verschwunden war. In der Koine-Griechisch (der Alltagssprache des 1. Jh.) wurden petros und petra praktisch synonym gebraucht. So stellt der evangelikale Gräzist D. A. Carson klar: „Obwohl petros und petra in früherem Griechisch ‘Stein’ vs. ‘Fels’ bedeuten können, ist diese Unterscheidung im Wesentlichen auf die Dichtung beschränkt. Außerdem ist der zugrundeliegende aramäische Ausdruck hier unzweifelhaft; höchstwahrscheinlich wurde kepha in beiden Satzteilen verwendet (‘du bist kepha und auf diese kepha…’). Die syrische Peschitta macht ebenfalls keinen Unterschied zwischen den Worten. Die griechische Sprache unterscheidet Petros und petra nur deshalb, um das Wortspiel zu erhalten, denn das feminine petra konnte nicht gut als männlicher Name dienen.“ Mit anderen Worten: Jesus sprach vermutlich Aramäisch (seine Muttersprache) und hätte zu Petrus gesagt: „Du bist Kephas, und auf diesen Kephas…“, da im Aramäischen für Name und Sache dasselbe Wort (Kepha = Fels) verwendet wird. Das Johannesevangelium bestätigt, dass Jesus Simon den aramäischen Namen „Kephas“ gab (Joh 1,42). Weil man aber im Griechischen einen männlichen Namen nicht in der weiblichen Form Petra verwenden konnte, hat der Evangelist bei der Übersetzung „Petros“ als Eigennamen eingeführt. Das eigentliche Wortspiel bleibt dennoch hörbar: Petros und petra unterscheiden sich nur im Genus (männlich/weiblich), nicht aber im Wortstamm. Viele Exegeten (auch evangelische) sind sich deshalb einig, dass kein Bedeutungsunterschied à la „Petrus = kleines Steinchen, Fels = großer Fels“ vom Evangelisten beabsichtigt war. Unterstreichen lässt sich dies auch dadurch, dass Jesus sonst – wollte er jemanden als „kleinen Stein“ abwerten – das geläufige Wort λίθος (líthos, Stein) hätte benutzen können. Da er dies nicht tat, sondern gerade den Namenswechsel Simon -> Petros (Fels) vollzieht, liegt es nahe, dass er Petrus in gewisser Weise mit dem „Felsen“ identifiziert und nicht kontrastiert.
Grammatische Struktur und Bezug von „diesem Felsen“: Der Satz ist so aufgebaut, dass die Aussage über Petrus’ Identität („Du bist Petrus“) unmittelbar mit der Verheißung verbunden ist („und auf diesen Felsen werde ich meine Gemeinde bauen“). Das Demonstrativpronomen „diesem“ (ταύτῃ, Dat. Sg. f.) in der Wendung „auf diesem Felsen“ verweist in der Regel auf einen nahestehenden Referenten im Satz. Aufgrund des Wortspiels liegt es grammatisch sehr nahe, dass „dieser Fels“ auf Petrus/Petros Bezug nimmt – nämlich auf den neuen Namen, den Jesus ihm soeben gegeben hat. Sprachwissenschaftlich gibt es die Beobachtung, dass in griechischen Konstruktionen vom Typ „X und auf diesem Y“ (X = Name, Y = Substantiv mit Demonstrativ) das Demonstrativpronomen häufig zurück auf X zeigt. So erklärt der evangelikale Bibelausleger Craig L. Blomberg: „Die Wendung ‘dieser Fels’ bezieht sich fast mit Sicherheit auf Petrus selbst, unmittelbar nach dessen Namensnennung – genauso wie sich die Worte nach ‘der Christus’ in Vers 16 auf Jesus bezogen. Das Wortspiel im Griechischen zwischen Petrus’ Name (Petros) und ‘Fels’ (petra) ergibt nur dann Sinn, wenn Petrus der Fels ist und Jesus nun die Bedeutung dieser Identifikation erläutert.“. Der Textfluss unterstützt also die Auffassung, dass Jesus in erster Linie Petrus meint, als er „auf diesen Felsen“ sagt – allerdings versteht die evangelische Theologie (wie oben dargestellt) damit Petrus in der Rolle des gläubigen Zeugen, nicht Petrus losgelöst von seinem Glauben. Es ist erwähnenswert, dass Jesus nicht einfach sagte „auf dir werde ich meine Gemeinde bauen“ – möglicherweise, um Petrus nicht als eigentliche Grundlage misszuverstehen. Stattdessen wählt er die Konstruktion mit „diesem Felsen“, was die doppelte Bedeutung seines Wortspiels offen lässt: Petrus ist der „Felsenmann“ – wegen seines von Gott eingegebenen Bekenntnisses. Einige Ausleger (besonders katholische) sehen in der Gegenüberstellung von „Petros“ (2. Person) und „diesem Felsen“ (3. Person) keinerlei Absicht, etwas anderes als Petrus zu meinen; sie erklären den kleinen Unterschied lediglich stilistisch. Andere (besonders reformatorische) meinten, Jesus könnte durch die Formulierung andeuten, dass der Fels eigentlich etwas an Petrus ist – nämlich der Glaube, den er verkündet hat. Die unmittelbare Syntax stützt aber eher die Einheit von Person und Bekenntnis: Jesus spricht zu Petrus und zugleich über Petrus (bzw. das, was gerade durch Petrus offenbart wurde).
Argumente für/gegen eine bewusste semantische Unterscheidung: Bis heute wird diskutiert, ob der Evangelist Matthäus (bzw. Jesus selbst in seiner Rede) eine bewusste Bedeutungsverschiebung zwischen Petros und petra intendierte oder nicht. Katholische und viele moderne neutestamentliche Exegeten verneinen das: Ihrer Ansicht nach handelt es sich schlicht um ein Wortspiel, das Petrus und Fels gleichsetzt – in Anlehnung an den aramäischen Urklang –, um Petrus’ besondere Rolle zu betonen. Die unterschiedlichen Wortformen ergeben sich grammatisch (Namensform vs. Gattungsnomen) und nicht inhaltlich. So hält der katholische Exeget Karl Keating fest: In der Sprache des NT bedeuten Petros und petra das Gleiche – die Unterscheidung „kleiner Stein vs. Fels“ sei ein „Mythos“, der auf Unkenntnis der griechischen Dialekte beruhe. Unterstützt wird diese Sicht dadurch, dass alle antiken Übersetzungen (lateinische Vulgata, syrische Peschitta) kein Unterschiedswort einführen, sondern Petrus’ Name jeweils als „Fels“ wiedergeben (lat. Tu es Petrus, et super hanc petram…). – Evangelische und insbesondere frühere protestantische Ausleger sahen hingegen oft eine Absicht in der Wortwahl: Schon Augustinus bemerkte (allerdings auf Latein), dass „Petrus von petra abgeleitet ist, nicht umgekehrt“, was inhaltlich so gedeutet wurde, dass Petrus Kraft von dem Felsen (Christus) erhält, nicht der Fels von Petrus. Reformatoren wie Calvin argumentierten, Matthäus habe absichtlich petra (fem.) statt Petros (mask.) im zweiten Teil benutzt, „um zu zeigen, dass er nun von etwas Anderem spricht“ als von der Person Petrus. Calvin ist überzeugt, Christus selbst habe eine Unterscheidung gemacht – auch wenn das im Aramäischen hypothetisch ist – vielleicht durch Betonung oder Gestik, sodass Petrus zwar genannt, aber nicht als eigentliche Grundlage verstanden wurde. Diese protestantische Lesart – Petrus’ Name unterscheidet sich vom „Felsen“ – untermauert dann die Auffassung, dass das Bekenntnis der von Petrus gesprochenen Wahrheit der Fels sei, nicht Petrus als Person allein. Einige lutherische Theologen verweisen zudem auf Fachlexika, die petros durchaus mit „Stein“ und petra mit „Fels“ differenzieren und somit sprachlich Raum für eine solche Deutung geben. Allerdings muss man festhalten: In der praktischen Exegese nähern sich heutige Vertreter beider Konfessionen an, indem sie anerkennen, dass Petrus und sein Glaube untrennbar verbunden gedacht sind. So betont die neueste katholische Lehre ebenfalls die Funktion des Petrus als bekennender Apostel (nicht seine persönlichen Verdienste), während viele evangelische Gelehrte eingestehen, dass der Text direkt zunächst Petrus meint – jedoch ohne daraus die spätere Papstidee abzuleiten. Man kann also sagen: Eine bewusste semantische Unterscheidung zwischen Petros und petra ist aus Sicht der meisten Fachleute unwahrscheinlich, da das Wortspiel gerade auf der Nähe der Begriffe beruht. Dennoch wurde sie historisch von der evangelischen Seite zur Abgrenzung von Rom betont. Die Frage, ob Matthäus selbst „mehr“ sagen wollte, bleibt letztlich vom jeweiligen theologischen Standpunkt beeinflusst. Aus linguistischer Sicht spricht viel dafür, dass „Petrus“ = „Fels“ im Sinne eines Wortspiels gemeint ist – die Auslegung, was genau an Petrus dieser Fels ist (seine Person oder sein Glaube oder Christus in ihm), gehört dann in den Bereich der Theologie und Kirchentheorie, wo, wie oben gezeigt, die Konfessionen unterschiedliche Akzente setzen.
Quellen: Die obigen Auslegungen stützen sich auf biblische Texte (Mt 16,16-19; Joh 1,42; Eph 2,20 u.a.), den Katechismus der Kath. Kirche, reformatorische Schriften (Luther, Leipziger Disputation 1519; Calvin, Matthäus-Kommentar), moderne theologische Literatur sowie sprachwissenschaftliche Analysen (Carson, Lampe, Luz). Diese zeigen, wie „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen…“ je nach kirchlicher Tradition entweder als Einsetzung des Petrus als grundlegendem Apostel verstanden wird (katholisch), oder als Bekenntnis zu Christus als wahrem Fundament (evangelisch), wobei die genaue sprachliche Wendung des griechischen Textes Raum für beide Interpretationen bietet, ohne dass der innere Zusammenhang von Petrus und seinem Bekenntnis geleugnet werden kann.