00120 Matthäus 16.18 diesen Felsen was ist gemeint?

 Zusammenfassung von Matthäus 16,1–28 auf Grundlage von: „Was lehrt die Bibel“:


Die neue Offenbarung (Matthäus 16,1–28)

1. Die endgültige Verurteilung der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer (16,1–12)

a. Forderung nach einem Zeichen (V. 1–4)

b. Die Blindheit gegenüber den Zeichen der Zeit (V. 2–3)

c. Die Warnung vor dem Sauerteig (V. 5–12)


2. Die Offenbarung der Person Christi (16,13–20)

a. Die Meinungen der Menschen (V. 13–14)

b. Das persönliche Bekenntnis des Petrus (V. 15–17)

c. Die Gemeinde auf dem Felsen (V. 18–20)


3. Die Ankündigung des Leidens, des Todes und der Auferstehung (16,21–23)

a. Der Herr kündigt zum ersten Mal Sein Leiden an (V. 21)

b. Petrus widerspricht – und wird getadelt (V. 22–23)


4. Der Weg der Nachfolge und der Lohn (16,24–28)

a. Die Bedingungen der Nachfolge (V. 24–26)

b. Der kommende Lohn (V. 27–28)


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Es gibt die Auslegung zu Matthäus 16, dass Petrus ein Stein und Christus der Fels ist. und zwar wegen dem Unterschied;  Petra /  Petros

Gibt es weitere Erklärungen zur Matthäus 16.18 "auf diesen Felsen"
da ja der Herr Jesus in Matthäus 16 V.18 ja nicht sich meint, sondern "diesen"
Was meint der Herr mit: "diesen Felsen"

Alles klar. Ich recherchiere theologische Auslegungen von Matthäus 16,18 aus verschiedenen konfessionellen Blickwinkeln (katholisch, evangelisch, freikirchlich) sowie die sprachlich-grammatischen Argumente zur Unterscheidung von "Petros" und "Petra" im griechischen Urtext, insbesondere im Hinblick auf die Bedeutung von "auf diesen Felsen".
Ich melde mich, sobald ich die Ergebnisse zusammengestellt habe.

Matthäus 16,18 – Konfessionelle Auslegungen und sprachliche Analyse

Katholische Sichtweise (Petrus als „Fels“ der Kirche)

Aus katholischer Perspektive bezieht sich „dieser Fels“ eindeutig auf die Person des Apostels Petrus selbst. Nach katholischer Lehre hat Christus den Apostel Simon durch die Namensgebung „Petrus“ (gr. Petros, dt. Fels) zum Fundament seiner Kirche gemacht. Die Kirche wird somit auf Petrus aufgebaut, wobei Christus selbst der göttliche Garant der Bestandkraft dieser auf Petrus gegründeten Kirche ist. In diesem Verständnis überträgt Jesus Petrus eine besondere Führungsrolle: Petrus erhält die Schlüssel des Himmelreichs und die Vollmacht des Bindens und Lösens (vgl. Mt 16,19), was die katholische Kirche als Einsetzung des Petrusamtes interpretiert. Diese Verheißung sieht sie als biblische Grundlage für den Primat Petri und die apostolische Sukzession der Päpste, die Petrus als Bischof von Rom nachfolgen.

Die katholische Tradition stützt sich dabei auf zahlreiche Kirchenväter und Konzilstexte. Schon Cyprian von Karthago (3. Jh.) schrieb etwa: „Er, der die Kirche verlässt – die auf den Stuhl Petri gegründet ist – kann nicht in der Kirche sein“. Johannes Chrysostomos nannte Petrus den „Vorsteher des Apostelchors“ und „das Fundament der Kirche“. Gleichzeitig betonten Kirchenväter wie Augustinus, dass Petrus oft stellvertretend für die ganze Kirche steht. Die Römisch-katholische Kirche lehrt daher, Jesus habe Petrus als Fels der Kirche eingesetzt und ihm als erstem Papst eine einzigartige Hirtenaufgabe übertragen. Der aktuelle Katechismus der Katholischen Kirche fasst zusammen: „Und unser Herr sagte zu ihm: ‘Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen…’ Christus, der ‘lebendige Stein’, sichert seiner auf Petrus gebauten Kirche den Sieg… Auf dem Grund des Glaubens, den er (Petrus) bekannt hat, bleibt Petrus der unerschütterliche Fels der Kirche“. Petrus’ persönliche Glaubenstreue und sein Bekenntnis werden also als Fundament gesehen, auf dem Jesus die Einheit und Lehre seiner Kirche aufbaut. In katholischen Dokumenten (z.B. Vaticanum I, Pastor Aeternus 1870) wird diese Stelle ausdrücklich als Einsetzung des Petrus-Primats gewertet, wonach Petrus und seine Nachfolger bleibende Fundament-Steine der sichtbaren Kirche sind.

Evangelisch-lutherische und reformierte Sichtweise (Fels als Bekenntnis oder Christus)

Lutherische und reformierte Theologen der Reformation lehnten die Deutung ab, der Fels in Mt 16,18 sei der Apostel Petrus in einem exklusiven Sinn. Martin Luther argumentierte in der Leipziger Disputation (1519) gegen Johannes Eck und späteren Schriften ausdrücklich, dass mit „diesem Felsen“ entweder Petrus’ Glaube bzw. sein Bekenntnis zu Jesus gemeint sei – stellvertretend für den Glauben der ganzen Kirche – oder Christus selbst. Luther berief sich dabei auf Bibelstellen wie 1. Korinther 3,11: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist: Jesus Christus.“ Christus allein – nicht ein menschlicher Amtsträger – sei der feste Grund der Kirche. Folglich könne Petrus nur insofern „Fundament“ genannt werden, als er zuerst den Glauben an Christus ausgesprochen hat. Der reformatorische Grundsatz „solus Christus“ betont, dass Jesus der einzige Eckstein und Haupt der Kirche ist (Eph 2,20; Eph 5,23).

Die lutherischen Bekenntnisschriften und reformierten Confessiones weisen die päpstliche Deutung entschieden zurück. Im „Tractatus de potestate papae“ (1537) etwa erklärten die Reformatoren, Matthäus 16,18 beziehe sich auf den Glauben an Christi Person, nicht auf eine bleibende Vorrangstellung des Petrus. Johannes Calvin schrieb in seinem Kommentar, Christus lobe hier Petrus’ Glaubensbekenntnis und verspreche, die Kirche darauf zu bauen – nicht auf einen Menschen als solchen. Calvin betonte, „wer sieht nicht, dass das, was [Christus] auf die Person eines Mannes anzuwenden scheint, in Wirklichkeit auf dessen Glauben an Christus gemeint ist?“. Er stellte fest, das Wortspiel Petros/Petra solle nicht so verstanden werden, als ob Petrus selbst das eigentliche Fundament sei – zumal das Neue Testament nirgends ein fortdauerndes Petrus-Amt oder einen Papst kennt. Vielmehr gelte alles, was Jesus hier zu Petrus sagt (etwa die Schlüsselgewalt in Vers 19), letztlich allen Aposteln gleichermaßen, ohne einem übergeordneten Papsttum. Auch Johannes Calvin und andere Reformatoren verwiesen darauf, dass die Einheit der Kirche laut Epheser 4,4–5 auf „einem Herrn, einem Glauben, einer Taufe“ beruht – nicht auf einem Petrus-Nachfolger in Rom.

Zusammenfassend sehen lutherische und reformierte Ausleger den Felsen vor allem in Petrus’ Glauben an Jesus als Christus, wie er unmittelbar zuvor bekannt wurde (Mt 16,16-17). Dieses Bekenntnis zur Gottessohnschaft Jesu verstehen sie als das Fundament, auf das Christus seine Gemeinde baut. Zwar wird anerkannt, dass Petrus innerhalb des Jüngerkreises eine besondere Rolle hatte (er sprach stellvertretend für alle Apostel und trat an Pfingsten als erster Prediger auf), doch diese Rolle begründet nach evangelischer Lehre keinen bleibenden Vorrang über die anderen Apostel. „Der Fels ist der Glaube, den Petrus bekennt – Christus selbst ist der Eckstein – nicht die Person des Petrus in Absonderung,“ lautete sinngemäß die reformatorische Argumentation. Luther drückte es prägnant so aus: „Wenn der Papst behauptet, Petrus sei der Fels, auf den die Kirche gebaut ist, so sage ich: Nein, es ist der Glaube Peters an Christum, auf welchen die Kirche gegründet ist“. Diese Sicht spiegelt sich bis heute in vielen evangelischen Bekenntnissen wider.

Hinweis: Interessanterweise haben spätere evangelische Exegeten die rein personale Gegenüberstellung etwas nuanciert. So betont z.B. der evangelische Kommentator Joachim Roloff, dass Petrus selbst – in seiner Funktion als erster gläubiger Jünger – für die Urkirche grundlegend war: „Der die Kirche tragende Grundstein ist nicht die von Petrus überlieferte Lehre, sondern der Jünger selbst. Seiner Nähe zu Jesus und seines Bekennens verdankt die Gemeinde jene Erkenntnis…“. Auch moderne Lutheraner stimmen darin überein, dass Petrus im Kreis der Apostel als „erster unter Gleichen“ fungierte – allerdings ohne dass daraus ein monarchisches Papstamt abgeleitet wird.

Freikirchliche und evangelikale Sichtweisen

In freikirchlich-evangelikalen Auslegungen wird Matthäus 16,18 ähnlich verstanden wie in der Reformationstradition, oft jedoch mit besonderer Betonung der Schriftargumente und der Sprachdetails gegen die katholische Deutung. Im Mittelpunkt steht die Auffassung, dass „dieser Fels“ das Bekenntnis zu Jesus Christus meint – also die Wahrheit, dass Jesus der Messias und Sohn Gottes ist, wie Petrus es ausgesprochen hatte (Mt 16,16). Diese Wahrheit des Evangeliums, so die evangelikale Sicht, bildet das eigentliche Fundament der Gemeinde Jesu. Jesus selbst bleibt der eigentliche Baumeister: „Ich will meine Gemeinde bauen…“ (Mt 16,18) – daraus wird geschlossen, dass Christus der Gründer und Erhalter der Kirche ist und nicht Petrus in eigener Autorität.

Viele evangelikale Bibellehrer weisen darauf hin, dass die Schrift Jesus Christus als eigentlichen Fels und Grundstein der Kirche bezeichnet: „Einen anderen Grund kann niemand legen außer Jesus Christus“ (1Kor 3,11); Christus ist der „Eckstein“ (Eph 2,20) und „das Haupt der Gemeinde“ (Eph 5,23). Petrus selbst nennt Jesus den „lebendigen Stein“ und alle Gläubigen „lebendige Steine“ im Bau der geistlichen Hauses (1Petr 2,4-5) – was nahelegt, dass alle Gläubigen, die wie Petrus an Christus glauben, mitbauen an der Gemeinde, während Christus der tragende Eckstein bleibt. In evangelikalen Kommentaren wird daher häufig gesagt, der Fels in Mt 16,18 sei die Offenbarung Gottes und das Bekenntnis, das Petrus abgelegt hat, woraufhin Jesus ihn „glückselig“ pries (Mt 16,17).

Charakteristisch für freikirchliche Auslegungen ist auch die sprachliche Argumentation gegen eine petruszentrierte Deutung. Oft wird betont, Jesus habe im Urtext zwei verschiedene Wörter gebraucht: „Du bist Petrus (petros, ein Stein) und auf diesen Felsen (petra, ein Felsblock/Gesteinsgrund) will ich meine Gemeinde bauen.“ Manche Evangelikale folgern daraus, Jesus habe Petrus (den ‚kleinen Stein‘) vom eigentlichen Felsen unterschieden, der dann als Jesus selbst oder als das Glaubensbekenntnis gedeutet wird. Dieses Argument – dass petros im Griechischen „Steinchen“ und petra „Felsmasse“ bedeute – ist in populären evangelikalen Kreisen weit verbreitet. So heißt es etwa bei GotQuestions: „Petrus bedeutet ‘ein kleiner Stein/Fels’, Jesus verwendete ein Wortspiel mit petra, was ‘Felsgrund’ bedeutet… Hätte Jesus seine Gemeinde auf einen Menschen gründen wollen, so würde es dem Gesamtzeugnis der Bibel widersprechen; vielmehr ist das persönliche Bekenntnis des Glaubens an Christus das Fundament der Gemeinde“. Evangelikale verweisen zudem darauf, dass Jesus nicht sagte „auf dich werde ich bauen“, sondern „auf diesen Felsen“, was man als Hinweis verstehen kann, dass etwas außerhalb von Petrus selbst – nämlich die eben ausgesprochene Glaubenswahrheit – gemeint sei. Einige freikirchliche Ausleger gehen sogar so weit zu behaupten, „der Fels, auf den Jesus baut, ist Jesus selbst“, und verweisen auf alttestamentliche Stellen („Gott ist der Fels“, Deut 32,4) und die Aussage „der Fels war Christus“ (1Kor 10,4). Diese Ansicht soll unterstreichen, dass allein Gott/Christus ultimativ Halt und Grundlage der Kirche ist – Petrus also nur im übertragenen Sinn (als erster Bekenner) „Fels“ genannt wird.

Zusammengefasst dominieren in evangelikalen Gemeinden folgende Kernargumente:

Sprachliche Analyse des griechischen Urtextes

Matthäus 16,18 lautet im griechischen Original: „κἀγὼ δέ σοι λέγω ὅτι σὺ εἶ Πέτρος (Petros) καὶ ἐπὶ ταύτῃ τῇ πέτρᾳ (petra) οἰκοδομήσω μου τὴν ἐκκλησίαν“, zu Deutsch: „Und ich sage dir, dass du Petrus bist, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen…“ Die Schlüsselfrage ist, wie die Begriffe Petros und petra zu verstehen sind und worauf das Demonstrativpronomen „diesem“ (taútē) sich bezieht. Hier sind die wichtigsten sprachlich-grammatischen Aspekte und Argumente:

Quellen: Die obigen Auslegungen stützen sich auf biblische Texte (Mt 16,16-19; Joh 1,42; Eph 2,20 u.a.), den Katechismus der Kath. Kirche, reformatorische Schriften (Luther, Leipziger Disputation 1519; Calvin, Matthäus-Kommentar), moderne theologische Literatur sowie sprachwissenschaftliche Analysen (Carson, Lampe, Luz). Diese zeigen, wie „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen…“ je nach kirchlicher Tradition entweder als Einsetzung des Petrus als grundlegendem Apostel verstanden wird (katholisch), oder als Bekenntnis zu Christus als wahrem Fundament (evangelisch), wobei die genaue sprachliche Wendung des griechischen Textes Raum für beide Interpretationen bietet, ohne dass der innere Zusammenhang von Petrus und seinem Bekenntnis geleugnet werden kann.