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00132 Die Kleidung des Hohenpriesters 2. Mose 39
 

Alles klar. Ich recherchiere vertiefende theologische Auslegungen zur Kleidung des Hohenpriesters in 2. Mose 39 – mit besonderem Fokus auf die Verse 17–18 und deren Befestigungselemente. Ich werde dabei auch die symbolische und typologische Bedeutung im Neuen Testament beleuchten. Zusätzlich suche ich nach relevanter jüdischer und christlicher Fachliteratur, Auslegungen aus verschiedenen theologischen Traditionen (inkl. reformatorisch, frühkirchlich, messianisch-jüdisch), sowie gut zugänglichen Onlinequellen und Literaturhinweisen.

Ich melde mich, sobald ich die Ergebnisse für euch zusammengestellt habe.

Die Kleidung des Hohenpriesters in 2. Mose 39 – Theologische Auslegungen

Einleitung

In 2. Mose (Exodus) 39 wird detailreich beschrieben, wie die heiligen Gewänder des Hohenpriesters gefertigt wurden. Besonders in den Versen 17–18 lesen wir, wie das Brustschild (auch Brustplatte genannt, hebräisch Choshen) mit goldenen Ketten und Ringen am Efod (einer ärmellosen Schürze oder Leibweste) befestigt wird. Wörtlich heißt es, man habe „die zwei geflochtenen Ketten aus reinem Gold in die Ringe an den Enden des Brustschilds getan“ und „die beiden Enden der zwei geflochtenen Ketten an die beiden Einfassungen (Halterungen) befestigt und sie an den Schulterstücken des Efods vorne angebracht“ (vgl. 2 Mo 39,17–18). Dieses feste Verbinden des Brustschilds mit dem Efod erfüllte den Befehl, dass das Brustschild nicht vom Efod losgelöst werden dürfe (vgl. 2 Mo 28,28 und 39,21).

Warum legt die Torah solchen Nachdruck auf diese Verbindung? Schon früh fragten sich jüdische und christliche Ausleger, welche symbolische Bedeutung hinter den Einzelheiten dieser priesterlichen Gewandung stehen könnte. Insbesondere dem Brustschild mit seinen zwölf Edelsteinen – auf denen die Namen der zwölf Stämme Israels eingraviert waren – wurde eine tiefe Erinnerungs- und Stellvertreterfunktion zugeschrieben (vgl. 2 Mo 28,12.29). Im Folgenden werden Auslegungstraditionen dazu beleuchtet: zunächst die jüdischen Interpretationen (von der Antike bis zum rabbinischen Judentum), dann Deutungen der christlichen Kirchenväter, Weiterführungen zur Zeit der Reformation sowie Einsichten aus messianisch-jüdischer Perspektive. Schließlich wird die typologische Bedeutung der Hohenpriesterkleidung im Neuen Testament (etwa im Hebräerbrief und in der Offenbarung) untersucht. Literaturhinweise und Quellenbelege sollen eine vertiefte Beschäftigung mit dem Thema ermöglichen.

Jüdische Auslegungstraditionen

Im Judentum galten die Gewänder Aarons, des ersten Hohenpriesters, als von Gott vorgegeben und voller Symbolik. Bereits die hebräische Bibel selbst deutet Aspekte dieser Kleidung: So trägt Aaron die Namen der Stämme „auf seinem Herzen… zum beständigen Gedenken vor dem HERRN“ (2 Mo 28,29). Das Brustschild heißt Choschen Mischpat, „Brustschild des Rechts“ oder „des Gerichts“, weil damit Entscheidungsfindung und göttliches Urteil verbunden waren (durch die geheimnisvollen Lose Urim und Tummim, vgl. 2 Mo 28,30). Tatsächlich wurde der Begriff Choschen Mischpat im Judentum später der Name für das Rechtsbuch im Schulchan Aruch (dem kodifizierten Gesetz), was die Verbindung zwischen dem Brustschild und der Gerechtigkeit/Rechtsprechung unterstreicht.

In einigen spätbiblischen und apokryphen Schriften findet man ebenfalls deutende Rückblicke: Im Buch Weisheit Salomos (ca. 1. Jh. v.Chr.) wird beispielsweise die Gewandung des Hohenpriesters so beschrieben, dass kosmische Dimensionen anklingen. Dort heißt es sinngemäß: Auf der langen Priesterschürze war die ganze Welt dargestellt; auf den vier Reihen der Edelsteine waren die Ruhmestaten der Erzväter eingeprägt; und auf dem Kopfband leuchtete Gottes Majestät. Diese poetische Beschreibung aus jüdisch-hellenistischer Tradition zeigt, dass man die Hohepriesterkleidung als Abbild der Schöpfung verstand – jeder Edelstein auf dem Brustschild repräsentierte nicht nur einen Stamm Israels, sondern stand auch in Verbindung mit der Ordnung der Welt oder den zwölf Monaten/Zeichen. Der alexandrinische Philosoph Philo (1. Jh. n.Chr.) ging sogar so weit zu sagen, der Hohepriester repräsentiere das personifizierte Wort Gottes (Logos), das mit der Welt „bekleidet“ ist: Die Elemente der Schöpfung entsprechen dabei den Gewandteilen (so symbolisiert etwa das dunkelblaue Gewand den Himmel, die Edelsteine am Brustschild die Sterne bzw. die Stämme usw.). Nach Philo ist „das Wort des lebendigen Gottes das Band, das alles zusammenhält und alle Teile verbindet, damit nichts gelöst oder getrennt werde“ – eine allegorische Deutung, die interessanterweise an das unlösbare Verbundensein von Brustschild und Efod erinnert.

In der rabbinischen Literatur (Talmud und Midrasch) verschiebt sich der Fokus hin zur ethisch-spirituellen Bedeutung. Ein berühmter Lehrsatz im babylonischen Talmud lautet: „Wie die Opfer bringen die Gewänder des Hohepriesters Sühne (Kapitulation) für bestimmte Sünden.“ Konkret ordnet Rabbi Simon (3. Jh. n.Chr.) in einem häufig zitierten Midrasch jeder Gewandstück eine Sündenart zu: „Ebenso wie die Opfer Sühne schaffen, so schaffen die Gewänder Sühne.“ Dann heißt es beispielsweise: „Das Brustschild sühnt für die Verdrehung des Rechts“, denn es heißt „Brustschild des Rechts“ (2 Mo 28,15). Entsprechend sühnt der Efod für Götzendienst, „wie geschrieben steht: ‘Ohne Efod und Teraphim’ (Hos 3,4)“ – d.h. kein Efod bedeutet (symbolisch) auch keine Götzen. Weiter: „Das Obergewand (mit den Schellen) sühnt für böse Zunge (Verleumdung)“, denn „man höre den Klang (der Schellen), und Sühne werde geschaffen für die Stimme (des Lästerers)“. Ebenso sühnt die Kopfbinde (Ziz) für Anmaßung oder Gotteslästerung, das Gürtelband für unlautere Gedanken, die Mütze für Hochmut, die Beinkleider für sexuelle Sünden usw.. Diese sinnbildliche Zuordnung zeigt, dass die Rabbinen die Priesterkleidung als eine Art geistliches Instrument der Läuterung verstanden: Während der Hohepriester in diesen Gewändern Dienst tat, verschaffte er dem Volk Israel Sühne für die entsprechenden Verfehlungen. Auch wenn die Tora selbst das nicht explizit so formuliert (mit Ausnahme der Kopfbinde in 2 Mo 28,38, die Schuld auf sich nimmt), entwickelten die Rabbinen hier eine theologisch-moralische Lehre, die den tieferen Sinn der Kleider beleuchten soll.

Ein weiterer Aspekt der rabbinischen Auslegung betrifft die Edelsteine und die Erinnerungsfunktion. Exodus berichtet, dass auf den Schulterstücken des Efod zwei Onyx-Steine angebracht waren, in die je sechs Namen der Stämme eingraviert wurden (2 Mo 28,9–12). Zusammen mit den zwölf Edelsteinen des Brustschilds (je einer pro Stamm) trug der Hohepriester somit alle zwölf Stämme Israels auf Schultern und Herz, “vor dem HERRN als Erinnerungszeichen“ (2 Mo 28,12.29). Die jüdische Tradition betont, dass Gott durch dieses Zeichen stets an sein Volk erinnert werde – ähnlich wie die Bundeslade mit den Gebotstafeln, so wurden auch hier die Namen der Stämme vor Gott präsentiert. Der mittelalterliche Kommentator Raschi erklärt etwa, „zur Erinnerung“ bedeute, dass Gott beim Anblick der Stammessymbole der Gerechtigkeit und Treue der Erzväter gedenkt und Israels eingedenk ist (Kommentar zu 2 Mo 28,12). Außerdem, so heißt es, dürfe das Brustschild nie von dem Efod getrennt werden (2 Mo 28,28), was die dauerhafte Verbundenheit zwischen Gerechtigkeit (Brustschild) und Dienst (Efod) symbolisiere. Einige deuten dies auch dahingehend, dass Glaube und Recht oder Gebet und gutes Werk untrennbar zusammengehören sollen – eine homiletische Anwendung dieses Befehls.

Schließlich erwähnen einige jüdische Quellen, dass nach der Zerstörung des Tempels das Tragen der Hohenpriesterkleidung endete, aber ihre Bilder im Gedächtnis der Gemeinschaft blieben. So ist im Exodus Rabbah (ein Midrasch) vermerkt, dass jede Farbe und jeder Stein Bedeutung trägt, und es werden Verbindungen zu den Stammesfahnen in der Wüste hergestellt (die Farben der Stammesbanner sollen den Edelsteinfarben entsprochen haben). Die Kabbala sah in den Edelsteinen und Ketten sogar mystische Kräfte oder Entsprechungen (etwa zu himmlischen Sphären oder Engeln). Die Vielfalt der jüdischen Deutungen – moralisch, mystisch und symbolisch – zeigt, welch hohe Wertschätzung die materiellen Details der Torah in der jüdischen Theologie genießen: Sie sind nicht bloß Kultgeräte, sondern Träger von Bedeutungen, die bis ins praktische Leben und Denken hineinreichen.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Historisch im Judentum wurde die Hohepriesterkleidung vielschichtig ausgelegt. Sie steht für Erinnerung und Repräsentation (der Hohepriester vertritt ganz Israel vor Gott, trägt sie auf Herz und Schultern), für Recht und Urteil (Choschen Mischpat als Symbol der göttlichen Gerechtigkeit) und für Sühne und Heiligung (jede Gewand-Komponente trägt zur Vergebung bestimmter Sünden bei). Zudem spiegelt sie in Farbe und Material die Schöpfungsordnung und Gottes Herrlichkeit wider. Diese reichen Auslegungen im Judentum bildeten eine Grundlage, auf der auch christliche Theologen weiterbauen konnten – mit dem Unterschied, dass letztere die Erfüllung der Symbolik vor allem in Jesus Christus sahen.

Auslegungen der Kirchenväter (Frühchristliche Deutung)

Die frühchristlichen Ausleger – die Kirchenväter der ersten Jahrhunderte – waren sich mit den Juden einig, dass alttestamentliche Gegenstände wie die Hohenpriesterkleider keineswegs zufällig oder bedeutungslos waren. Allerdings setzten sie den Fokus nun auf eine Christus-Typologie: Für sie wurde der israelitische Hohepriester zu einer Vorausfigur (Typos) Christi, des wahren Hohenpriesters des Neuen Bundes (vgl. Hebräer 4–8). Entsprechend betrachtete man auch die Gewänder als Vorbilder für Eigenschaften und Wirkungen Christi bzw. der Kirche.

Ein Beispiel: Clemens von Rom (1. Jh.) erwähnt in seinem Brief an die Korinther ehrfürchtig die prächtige Ordnung des alttestamentlichen Gottesdienstes, einschließlich der Gewänder des Hohepriesters mit kostbaren Steinen – er tut dies, um die göttliche Einsetzung kirchlicher Ämter zu untermauern (1. Clemens 40–41). Hier schimmert noch mehr Bewunderung als Interpretation durch. Spätere Theologen jedoch, besonders im alexandrinischen Raum (2.–3. Jh., z.B. Origenes), entwickelten ausgefeilte allegorische Deutungen. Origenes sah – beeinflusst von Philo – die Heiligtumsgeräte und Gewänder als Sinnbilder geistlicher Wahrheiten. Zwar sind von Origenes’ Exodus- und Levitikuskommentaren nur Fragmente erhalten, aber wir wissen, dass er die Edelsteine des Brustschilds etwa mit den Tugenden oder Gnadengaben eines christlichen Lehrers verglich. Jeder Stein leuchtet andersfarbig, so wie jede Tugend ihren eigenen Glanz hat; doch alle sind im Goldgeflecht (Glaube, Liebe) eingebettet und am Herzen des Hohenpriesters getragen – so auch Christus, der die Seinen in Liebe trägt, oder der christliche Leiter, der die Gemeinde in seinem Herzen vor Gott bringt. Eine solche Interpretation illustriert, wie die Ketten und Ringe des Brustschilds gedeutet wurden: Sie verbinden die Steine mit den Schultern des Efod – in der Allegorie verbinden sie die Liebe Christi mit der Kraft, unsere Last zu tragen. Wie es ein späterer Ausleger formulierte: „Aaron trug ihre Namen auf dem Herzen – wer kann uns scheiden von der Liebe Christi?“ (Anspielung auf Röm 8,35). Die unlösbaren goldenen Ketten symbolisieren hier die unzertrennliche Bindung zwischen dem himmlischen Hohepriester und seinem Volk: Christus hält die Gläubigen für immer nahe an seinem Herzen und trägt sie mit seinen Schultern (vgl. Lk 15,5 das Bild vom guten Hirten). Gleichzeitig „lebt er allezeit, um Fürbitte für sie zu tun“ (Hebr 7,25) – der Dienst des erhöhten Christus wird so mit den Brustschild-Details verknüpft.

Auch Zahlen- und Farbsymbolik spielten für die Kirchenväter eine Rolle. Die Zwölf Edelsteine sah man z.B. als Hinweis auf die zwölf Apostel und damit auf die volle Gemeinschaft der Kirche, die Christus auf seinem Herzen trägt. Epiphanius von Salamis (4. Jh.) verfasste sogar eine Abhandlung „Über die zwölf Steine“, in der er alle Edelsteine des Brustschilds auflistet und verschiedenen Aposteln und Tugenden zuordnet. So wird z.B. der rubinrote Odem-Stein mit dem ersten Apostel Petrus und dem Stamm Ruben in Verbindung gebracht, der smaragdgrüne Stein mit Johannes usw. (Epiphanius betont dabei neben dem geistlichen auch den heilkundlichen Wert der Steine – ein Zeichen, wie sehr sich Theologie und antike Naturkunde hier vermischten). Insgesamt sollten solche Zuordnungen zeigen: Die Kirche (durch die Apostel repräsentiert) ist im Alten Testament bereits typologisch präsent – getragen auf dem Herzen des Hohenpriesters.

Neben der Christusdeutung bezogen manche Väter die Bilder auch auf das christliche Leben allgmein. So schreibt etwa Gregor der Große (um 600) moralisch, ein Leiter der Kirche solle wie der Hohepriester die ihm anvertrauten Gläubigen ständig „auf Schultern und Brust“ tragen – das heißt mit Verantwortung (Schultern) und Liebe (Herz). Der goldene Faden im Gewebe des Efod (Ex 39,3) symbolisiere die himmlische Herrlichkeit Christi, die in sein irdisches Leben „eingewebt“ war. Die Aufschrift „Heilig dem HERRN“ auf dem Stirnblatt (2 Mo 28,36) deutete man als Hinweis auf Christi vollkommenes Heiligsein, aber auch als Mahnung, dass Heiligkeit das Kennzeichen jedes Christen sein soll.

Insgesamt neigten die Kirchenväter dazu, jedes Detail der Hohenpriesterkleidung auszulegen. Diese Detailverliebtheit führte zu unterschiedlichen Deutungssystemen, war aber stets christologisch grundiert: „Die Kirche wurde durch Schatten belehrt, die Wirklichkeit aber ist Christus“, schreibt z.B. Hieronymus und fasst damit zusammen, dass all der „Schatten“ von Stoffen, Farben und Edelsteinen letztlich auf Jesus als den substantiellen Inhalt verweist. So war die prächtige Kleidung Aarons für die Kirchenväter ein Evangelium in Bildern: Christus, der große Hohepriester, hat alle Gaben des Geistes (verkörpert in den Materialien), er hat sein Volk stets vor Gott (die Namen auf Herz und Schultern), er bringt vollkommene Sühne (das mit „Gericht“ verbundene Brustschild) und ist in seiner Person die Einheit von König und Priester (Gold und Purpur als Zeichen königlicher Priesterwürde). Diese Sicht vertiefte das Verständnis der frühen Christen für die eigene Identität: Wenn Christus solcher Hohepriester ist, dann ist die Gemeinde das von ihm getragene Volk Gottes – kostbar wie Edelsteine an seinem Herzen.

Reformatorische Perspektiven

Mit der Reformation im 16. Jahrhundert kam es teilweise zu einer Abrüstung allegorischer Spekulationen. Reformatoren wie Martin Luther und Johannes Calvin betonten zunächst den wörtlich-historischen Sinn der Schrift. Gleichwohl hielten sie daran fest, dass die alttestamentliche Priesterschaft Vorschatten auf Christus sei. Sie wandten die Bilder häufig polemisch gegen die römisch-katholische Kirche an, etwa wenn Prachtentfaltung in der päpstlichen Liturgie kritisiert wurde: Die Herrlichkeit der Aaronitischen Gewänder sei auf Christus allein übergegangen – menschliche Priester bräuchten keinen solchen Zierrat mehr, da „der ein Hohepriester Jesus“ den Zugang zu Gott eröffnet hat.

Johannes Calvin zeigt in seinem Kommentar zum Exodus Respekt vor den Details, vermeidet aber willkürliche Allegorien. Er deutet z.B. das „Brustschild des Gerichts“ sachlich als „Brustschild der vollkommenen Rechtsordnung“, das die geordnete Rechtspflege in Israel symbolisiere. Die Einfügung der Urim und Tummim bedeute, dass der Hohepriester Gottes Urteil/Entscheidung für Israel auf dem Herzen trage. Zugleich sieht Calvin aber sehr wohl Christusbezüge: Aaron trage die Namen Israels vor Gott; so „hat Christus alle die Seinen auf ewig vor dem Vater eingeschrieben“. Aaron tritt mit dem Diadem „Heilig dem Herrn“ ein; so „heiligte sich Christus selbst für uns“ (vgl. Joh 17,19). Solche Parallelen zieht Calvin allerdings eher knapp und ehrfürchtig, ohne in ausführliche Typologie abzuschweifen. Er warnt davor, hinter jedem Stoffrest ein Geheimnis zu vermuten, und empfiehlt stattdessen, das Gesamtkonzept zu betrachten: Die Herrlichkeit und Schönheit der Gewänder spiegle die Herrlichkeit des Priesterdienstes wider – und dieser Dienst findet im Neuen Bund seine Erfüllung in Christus, dem wahren Hohenpriester (vgl. Hebr 8,5: der alttestamentliche Dienst ist „Abbild und Schatten der himmlischen Wirklichkeit“).

Martin Luther äußerte sich weniger systematisch zu Exodus 39, schlug aber in Predigten und Schriften Verbindungen: Er deutete z.B. den Riss im Vorhang des Tempels bei Jesu Tod (Mt 27,51) und die Tatsache, dass Christi Untergewand nicht zerrissen wurde (Joh 19,23-24), als Zeichen, dass der alttestamentliche Priesterdienst nun überholt ist. Interessanterweise berichtet das Evangelium, dass der Hohepriester Kaiphas aus Zorn sein Gewand zerriss (Mk 14,63) – obwohl dem Hohenpriester das Zerreißen der Kleider verboten war (3 Mo 21,10). Luther und spätere Ausleger sahen darin eine symbolische Handlung Gottes: Das alte Priestertum „zerreißt“ sich selbst und verliert seine Gültigkeit, während Christi „Gewand“ (seine Priesterwürde) ungeteilt bleibt. So wird Jesus in seinem Leiden und seiner Auferstehung zum einzigen Mittler; die prächtigen Kleider Aarons braucht es nicht mehr real, denn Jesus hat die Essenz davon verwirklicht. Luther betonte stark das Für-uns-Sein dieses Hohenpriestertums: Der Herr „legt unser Menschsein an wie ein Kleid“ und geht für uns ins Heiligtum. In einem gewissen Sinne könnte man sagen, Luther sah Inkarnation und Sühnetod Christi als das wahre Anlegen der Hohenpriesterkleider – Christus „hat sich mit unserem Fleisch bekleidet“ und darin Gott versöhnt.

Die nachreformatorischen evangelischen Ausleger (17.–19. Jh.) verbanden oft solide Worterklärung mit geistlichen Anwendungen. So schreibt Matthew Henry (Kommentar 1710) über Exodus 39: „Die Kirche im Kindesalter wurde durch solche Schatten belehrt; aber die Wirklichkeit ist Christus.* Christus ist unser großer Hoherpriester. Als er das Werk der Erlösung unternahm, zog er die Kleider des Dienstes an, schmückte sich mit den Gaben und Gnaden des Geistes, umgürtete sich mit festem Willen, das Werk durchzuführen, nahm sich der ganzen geistlichen Israeliten an, legte sie nah an sein Herz und trug ihre Namen auf seinen Schultern, und präsentierte sie seinem Vater. Er krönte sich mit ‘Heiligkeit dem Herrn’, indem er sein ganzes Werk der Ehre der Heiligkeit seines Vaters widmete.“* In dieser dicht gepackten Zusammenfassung spürt man die reformatorische Linie: Alle Elemente der Gewänder – vom Gürtel über das Brustschild bis zur goldenen Kopftafel – sind Charakterzüge und Leistungen Christi: sein Geist und Gaben (Prunk und Material), sein entschlossenes Durchleiden (Gürtel), seine Fürsorge für das Volk (Schultern und Herz mit den Namen), seine völlige Heiligkeit (Mitri mit Inschrift). Ebenso betont Henry, dass alle Gläubigen jetzt „geistliche Priester“ sind und in feiner Leinwand (der Gerechtigkeit der Heiligen, Offb 19,8) einhergehen – eine pointierte Anwendung, die direkt aus der typologischen Lesart fließt.

Zusammengefasst anerkannten die Reformatoren die mehrschichtige Symbolik der Hohenpriesterkleidung, ordneten sie aber klar der Christologie unter. Sie wollten damit zwei Dinge sichern: erstens die Ehrenstellung Christi als einzigen, vollkommenen Hohepriester (gegen ein Missverständnis einer weiterhin nötigen irdischen Priesterkaste), und zweitens den Trost und die Ermahnung für die Gläubigen, die daraus folgt – nämlich dass wir in Christus einen prächtig gekleideten Anwalt beim Vater haben und selbst aufgerufen sind, in Heiligkeit und Liebe „priesterlich“ zu leben.

Messianisch-jüdische Auslegungen

Messianisch-jüdische Ausleger – also Juden, die Jesus (Jeschua) als Messias anerkennen – verbinden in gewisser Weise die jüdische und christliche Perspektive. Ihre Deutungen der Hohenpriesterkleidung heben die jüdischen Wurzeln der Symbole hervor, sehen deren Erfüllung jedoch in Jeschua dem Messias. So entsteht ein reiches Bild, das sowohl die rabbinischen Einsichten respektiert als auch christologische Tiefe hat.

Ein Kennzeichen messianisch-jüdischer Lehren ist, dass sie oft Midrasch und Typologie zusammenbringen. Zum Beispiel wird die oben erwähnte rabbinische Vorstellung, das Brustschild stehe für die Sühne bei Fehlurteilen, aufgenommen – aber man betont, dass Jeschua als unser Hohepriester der letztliche Sühner für alles Unrecht ist, ja selbst die Gerechtigkeit in Person. Das Brustschild am Herzen Aarons mit den zwölf Stammesnamen deuten messianische Lehrer gern so: Der Messias trägt ganz Israel – und auch alle, die sich ihm anschließen – auf seinem Herzen. Dies wird verbunden mit der Vorstellung, dass Jeschua für sein Volk eintritt als Fürbitter. Ein Autor schreibt: „Wenn Gott den Hohepriester in voller Montur ansieht, sieht Er die erlöste Menschheit.“ – will heißen: In der himmlischen Wirklichkeit erscheint Christus im Gewand der Erlösung, und in ihm sind wir Menschen vor Gott als rein und kostbar repräsentiert.

Dabei greifen messianische Ausleger häufig auf Farben- und Materialsymbolik zurück, wie sie auch im rabbinischen Denken vorkommt. Ein Beispiel: Die Farben der Stoffe (Blau, Purpur, Rot, Weiß) liest man als Theologisches Farbenspektrum: Blau steht für das Himmlische/Göttliche, Rot für das Irdisch-Menschliche, Purpur (Mischung aus Blau und Rot) für die Einheit von Gott und Mensch in der Person des Messias, Weiß (Leinen) für Reinheit und Gerechtigkeit, und Gold für die Herrlichkeit Gottes. So „erzählt“ allein die Farbkombination der Hohenpriesterkleidung nach dieser Sicht bereits das Evangelium: Gott und Mensch kommen im königlichen Messias zusammen, der ohne Sünde und ganz heilig ist – ein schöner geistlicher Midrasch, der zugleich christologisches Bekenntnis ist.

Detailreich werden auch die Funktionen der Gewandteile christologisch gedeutet. Die beiden Onyx-Schultersteine mit den Namen der Stämme etwa zeigen, dass der Hohepriester die Last des ganzen Volkes auf seinen Schultern trägt. Messianische Kommentatoren verknüpfen das mit Jeschuas Rolle als Lastenträger: Er hat „unsere Gebrechen getragen“ (Jes 53,4) – letztlich trug er am Kreuz die Last der Sünde aller. Auch erinnern die Schultern an den Hirten, der das verlorene Schaf heimträgt (Lk 15,5). Es wird betont, dass auf den Schultern 6+6 Namen und auf dem Herz 12 Namen sind, was bedeutet: Der Priester soll das Volk nicht nur kraftvoll tragen (Schultern), sondern es auch liebevoll erinnern (Herz). Jesus erfüllt beides vollkommen – er ist mächtig, uns zu tragen, und voller Liebe, uns stets in sein Herz geschlossen zu halten. Die goldenen Ketten und Ringe, die Brustschild und Efod verbinden, werden so gedeutet, dass nichts uns von der Liebe Gottes in Messias trennen kann (vgl. Röm 8,38-39) – wir sind sozusagen mit goldenen Banden an sein Herz angeschlossen. In einer messianisch-jüdischen Andacht heißt es: „Das Brustschild soll nicht vom Efod gelöst werden“ (2 Mo 28,28); das lehrt uns, dass der Messias uns ewiglich verbunden hält in seinem Dienst vor Gott.“.

Auch Ereignisse im Neuen Testament werden in diesem Licht neu gesehen: Wenn beispielsweise der irdische Hohepriester sein Gewand zerreißt (Mk 14,63) und damit das Verbot bricht, so erkennen messianische Lehrer darin Gottes Zeichen, dass das levitische Priestertum weicht. Gleichzeitig wird betont, dass die Soldaten Jesu nahtloses Gewand nicht zerteilten (Joh 19,23-24) – dies sieht man als Hinweis, dass Jeschuas Priesteramt ungeteilt und ewig bleibt. Rabbinische Eiferer mögen einst die Hohepriesterkleidung geraubt haben (der Talmud erzählt, der böse König Ahasveros habe bei seinem Bankett prahlen wollen, indem er die Hohepriestergewänder trug), doch nun hat Gott sie seinem Gesalbten gegeben. Jeschua ist ja nach messianischer Auslegung beides: König aus Juda und Priester wie Melchisedek – ein Motiv, das bereits der Prophet Sacharja andeutet, wenn er dem Hohenpriester Jeshua eine Krone aufsetzte (Sach 6,11–13).

In messianisch-jüdischen Gemeinden dienen diese Auslegungen oft der Lehre und Erbauung. Die Gläubigen sollen erkennen, wie kontinuierlich Gottes Plan ist: Die Torah-Bilder sind keine fremde Symbolik, sondern sprechen vom vertrauten Messias. So wird auch über praktische Anwendungen nachgedacht: Wie der Hohepriester durch Glöckchen am Gewand hörbar war, so soll auch unser Zeugnis („Glocke“) in der Welt hörbar klingen, getragen von der Frucht (Granatäpfeln) des Geistes. Oder: Wie der Hohepriester barfuß auf dem goldenen Boden des Heiligtums stand, so sollen wir demütig auf heiligem Boden wandeln. Solche Parallelen gehen zwar über den Text von Exodus 39:17–18 hinaus, zeigen aber die lebendige Weise, in der messianische Ausleger die gesamte Priesterkleidung theologisch aktualisieren.

Zusammengefasst bietet die messianisch-jüdische Sicht eine ganzheitliche Deutung: Die Kleidung des Hohenpriesters war prophetisch auf den Messias hingewiesen. Nichts daran ist gegenstandslos: Die Edelsteine stehen für echte Menschen (Stämme, Apostel, Gemeinde), die Metalle für geistliche Werte (Reinheit, Beständigkeit), die Farbstoffe für theologische Wahrheiten (Gottheit, Menschheit Christi), die Verbote (nicht trennen, nicht zerreißen) für die Unauflöslichkeit von Gottes Bund in Messias, und die gesamte Schönheit für die Herrlichkeit unseres Erlösers. So wird die alte Anweisung aus 2. Mose für heutige Gläubige – Juden wie Nichtjuden – zu einer Quelle reichen Verständnisses und Staunens.

Typologische Bedeutung im Neuen Testament

Das Neue Testament selbst nimmt an einigen Stellen direkten Bezug auf die Symbolik der Hohenpriesterkleidung, öfter aber implizit oder in der Bildsprache der Offenbarung. Vor allem aber greift es das Amt des Hohenpriesters auf und erklärt dessen Erfüllung in Jesus Christus, wodurch die Bedeutsamkeit auch der Gewänder mitverstanden ist.

Im Hebräerbrief wird Jesus mehrfach als Hoherpriester bezeichnet (z.B. Hebr 4,14; 5,5–10; 7,23–28). Dabei liegt der Fokus des Hebräerbriefs weniger auf den Kleidern als auf der Person und dem Opfer Christi. Dennoch schwingen die Vorstellungen der priesterlichen Ausstattung mit. Wenn es heißt, Christus sei „ein Hoherpriester, heilig, unschuldig, unbefleckt, geschieden von den Sündern“ (Hebr 7,26), dann erinnert das an die Reinheitsvorschriften für die Gewänder (sie mussten aus weißem Leinen, reiner Byssus, bestehen). Hebräer betont auch, Jesus sei „durch ein größeres und vollkommeneres Zelt… in das Heiligtum eingegangen“ (Hebr 9,11–12). Hier ist interessant: Am großen Versöhnungstag trug der Hohepriester andere Gewänder – schlichte Leinwand statt Gold und Edelsteine (3 Mo 16,4). Der Hebräerbriefautor deutet jedoch an, dass Christus in himmlischer Herrlichkeit einging; manche Ausleger meinen, er „legte“ gleichsam die irdische, sterbliche Hülle (sein Fleisch) ab und bekleidete sich mit Unvergänglichkeit, was man metaphorisch als Anlegen der endgültigen Hohepriestergewänder lesen könnte. Der Hebräerbrief sagt: „Christus ging nicht mit dem Blut von Böcken und Kälbern, sondern mit seinem eigenen Blut ein, und erlangte ewige Erlösung“ (Hebr 9,12). Während also Aaron das Blut ins Allerheiligste trug und das Brustschild der Entscheidung auf dem Herzen trug (zwecks Rechtsprechung für Israel), trägt Jesus das Entscheidungsrecht über unser Heil in seinem eigenen Blut am Herzen. Hier fließt die Bildsprache in die Realität über: Das Gericht (Mishpat) über uns wird auf Jesu Herz geschrieben – doch dieses Herz ist bereit, mit seinem Blut Gnade statt Gericht zu erwirken.

Die Offenbarung des Johannes greift zahlreiche Elemente des alttestamentlichen Priestertums auf und wendet sie auf Christus und die Gemeinde an. Gleich in der Anfangsvision (Offb 1,12–20) sieht Johannes den verherrlichten Christus inmitten der sieben Leuchter (eine Anspielung auf den siebenarmigen Tempelleuchter) stehen. Er ist bekleidet „mit einem langen Gewand (podērēs), und um die Brust mit einem goldenen Gürtel umgürtet“ (Offb 1,13). Diese Beschreibung erinnert auffallend an das Gewand des Hohenpriesters: Das griechische Wort podērēs bezeichnet in der antiken Bibelübersetzung (LXX) das lange Me’il, das blaugewirkten Obergewand des Hohenpriesters. Und ein goldener Gürtel (bzw. bestickter Leibgurt mit Goldfäden) gehörte ebenfalls zur Hohepriestertracht (2 Mo 28,4.39). Damit erscheint Christus in der Offenbarung ausdrücklich in priesterlicher Kleidung – jedoch kombiniert mit königlichen Attributen (der Titel „Menschensohn“ und spätere Aussagen über seine Herrschaft). Man kann sagen: In Offenbarung 1 begegnet uns Christus als der Hohepriester-König, genau das, was das Alte Testament in verschiedenen Bildern vorausdeutete (vgl. Sach 6,11–13; Ps 110). Die Symbolsprache macht deutlich: Jesus ist im Himmel als unser dienender Priester tätig (er bewegt sich unter den Leuchtern = Gemeinden) und zugleich mit göttlicher Autorität (Goldgürtel) bekleidet.

Später in der Offenbarung finden sich Parallelen zu den Edelsteinen des Brustschilds. In Offenbarung 21 wird die himmlische Stadt Jerusalem beschrieben, und ihre Fundamente sind mit zwölf kostbaren Steinen geschmückt, die in der Aufzählung den Steinen des Hohepriester-Brustschilds entsprechen (teils identisch, teils in anderer Reihenfolge). Dies ist kein Zufall: Die Offenbarung greift hier bewusst die Symbolik der Zahl 12 und der Edelsteine auf. Interessant ist, dass auf den Fundamentsteinen die Namen der zwölf Apostel stehen (Offb 21,14), während auf den Toren der Stadt die Namen der zwölf Stämme Israels stehen (Offb 21,12). Damit vereint die Vision Apostel und Stämme – also Kirche und Israel – im Bild der heiligen Stadt. Die Edelsteinfundamente deuten an, dass Gottes Volk auf ewig auf der Grundlage von Jesu hohempriesterlichem Werk und seiner apostolischen Vermittlung gegründet ist. Einige Ausleger kommentieren: „Wie der Hohepriester vor Gott die Glanzstücke (Steine) trug, so ist die Gemeinde Gottes selbst zum kostbaren Edelstein-Ensemble geworden, gegründet auf Christus, unseren Hohenpriester.“ In Offenbarung 21 leuchtet also das, was das Brustschild andeutete, in kosmischem Maßstab auf: Die Erlösten aller Zeiten als leuchtendes Juwel vor Gott.

Auch negative Anspielungen finden sich: So wird die Hure Babylon in Offenbarung 17,4 prunkvoll beschrieben – bekleidet in Purpur und Scharlach und geschmückt mit Gold, Edelsteinen und Perlen. Manche sehen darin eine Persiflage auf die Hohepriesterkleidung: Babylon (das für einen verdorbenen religiös-politischen Machtblock steht) versucht, sich wie eine Priesterin auszustaffieren, ist aber in Gottes Augen eine Gräuel. Diese Gegenüberstellung unterstreicht indirekt, wie heilig die echte priesterliche Kleidung war – und wie abstoßend ihr Missbrauch.

Nicht zuletzt finden wir im NT die Idee, dass nicht nur Christus, sondern auch wir als Gläubige priesterlich bekleidet werden. 1. Petrus 2,5.9 nennt die Gemeinde ein „heiliges Priestertum“ und ein „königliches Priestertum“. In Epheser 6,14 ermahnt Paulus die Christen, „den Brustpanzer der Gerechtigkeit“ anzuziehen – was zwar in erster Linie ein Bild aus dem römischen Militärpanzer ist, aber vom Begriff her an das Brustschild des Rechts erinnert. Tatsächlich sahen frühe Christen auch hier einen Zusammenhang: Im übertragenen Sinn soll jeder Gläubige die Eigenschaften der Priesterkleidung anlegen – Gerechtigkeit, Wahrheit, Heil und Gottes Wort (vgl. Eph 6,14–17). In Offenbarung 19,8 wird schließlich berichtet, dass die Gemeinde-„Braut“ „bekleidet wurde mit feiner Leinwand, glänzend und rein“, und „die Leinwand sind die gerechten Taten der Heiligen“. Reinleinen war genau das Material der Priestergewänder. Nun, im himmlischen Bild, tragen alle Erlösten solches Reinleinen – d.h. sie sind reingewaschen und zum Priesterdienst (Lobpreis) bereit. Offenbarung 5,10 und 20,6 sagen gar: Christus hat sein Volk zu Königen und Priestern gemacht, die mit ihm herrschen. Hier erreicht die Typologie ihren Höhepunkt: Was der Hohepriester einst exklusiv trug, das wird jetzt dem ganzen Volk Gottes verliehen – natürlich im geistlichen Sinn. Die Heiligkeit (weißes Leinen), die Herrlichkeit (goldene Elemente) und die Nähe zu Gott (Inschriften seiner Namen, sozusagen jetzt „auf unserer Stirn“, vgl. Offb 22,4) sind durch Christus allen zugänglich.

Man könnte also sagen: Im NT wird die Hohepriesterkleidung demokratisiert, aber das geschieht durch Jesus Christus. Er allein war würdig, diese „Kleider des Heils“ wirklich zu tragen; durch seinen Dienst dürfen wir alle Anteil daran haben. Im Hebräerbrief wird das alttestamentliche Heiligtum mit all seinem Gerät als „Schattenbild des himmlischen“ bezeichnet (Hebr 8,5). Johannes durfte in der Offenbarung einen Blick auf dieses Himmlische werfen – und sah dort Christus als wahren Hohepriester leuchten und die Seinen in priesterlichem Glanz. Die Symbolik der Edelsteine findet ihren Nachhall im Bild vom himmlischen Jerusalem, geschmückt wie eine Braut. So hat das NT die alttestamentliche Kultsymbolik nicht verworfen, sondern transzendiert: Was in Exodus 39 in Gold, Stoff und Edelstein gegossen war, wird im NT zu lebendiger geistlicher Wirklichkeit in Christus und seiner Gemeinde.

Weiterführende Literatur und Hinweise

Diese Auswahl an Literatur und Quellen sollte weitere Türen öffnen, um die reiche Symbolwelt der Hohenpriesterkleidung zu erkunden – eine Symbolwelt, die von der jüdischen Tradition sorgfältig gehütet und von der christlichen Theologie mit großer Ehrfurcht christozentrisch ausgelegt wurde. So erweist sich selbst ein scheinbar „technisches“ Detail wie die Befestigung von Edelsteinen und Ketten (Exodus 39,17–18) bei genauer Betrachtung als theologisches Goldgeflecht, das die Heilsbotschaft durchzieht: Gott bindet sein Volk mit goldenem Band an das Herz seines Hohepriesters – und dieser Hohepriester ist Jesus, in dem alle Verheißungen ihren Schmuck und ihre Erfüllung finden.