00147 Warum kommt in vielen Bibelübersetzungen Matthäus 18.11 nur in Fussnoten vor? Matthäus Mt 18,11: Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene zu erretten. Welche und Warum?
Q. Von Wilfried F:
Der Vers Matthäus 18,11 („Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene zu erretten“) fehlt in vielen modernen Bibelübersetzungen oder steht nur in einer Fußnote, weil er in den ältesten und zuverlässigsten griechischen Handschriften nicht enthalten ist.
Fehlen in wichtigen Handschriften
In maßgeblichen frühesten Zeugen wie dem
Codex Sinaiticus (4. Jh.),
Codex Vaticanus (4. Jh.)
und anderen alexandrinischen Textvertretern taucht dieser Vers nicht auf.
Vorhandensein in späteren Handschriften
Er findet sich erst in der Mehrheit der
byzantinischen
Handschriften (ab ca. 9. Jh.) und in der Textform, die später der Textus
Receptus wurde.
Vermutete Entstehung
Viele Textkritiker gehen davon aus, dass der Vers aus
Lukas 19,10 („Denn der Sohn
des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist“)
übernommen wurde, wahrscheinlich als Randnotiz, die später in den Textfluss
geriet.
Nur Fußnote oder Auslassung
Übersetzungen, die sich primär an den ältesten Handschriften orientieren
(Nestle-Aland/UBS-Text), setzen ihn in die Fußnote oder lassen ihn weg:
Luther 2017 (Fußnote)
Elberfelder 2006/2021 (Fußnote)
Schlachter 2000 (Fußnote)
Neue Genfer Übersetzung (nur Fußnote)
NIV, ESV, NASB 2020, NRSV (englisch; Fußnote oder Auslassung)
Vollständig im Text
Übersetzungen, die auf dem Textus
Receptus basieren, behalten ihn regulär bei:
Luther 1545
Schlachter 1951
King James Version (KJV)
Darby (englische Ausgabe)
Frühe Textzeugen sind ohne diesen Vers – was ihn aus Sicht der Textkritik sekundär erscheinen lässt.
Inhaltliche Parallele zu Lukas 19,10 – spricht dafür, dass er vermutlich als Harmonisierung eingetragen wurde.
Prinzip: älteste und vielfältigste
Bezeugung – moderne kritische Ausgaben geben Lesarten den Vorzug,
die in geografisch und zeitlich unabhängigen Quellen belegt sind.
Hier ist die gewünschte Übersicht über einige bedeutende deutsche Bibelübersetzungen und den Umgang mit Matthäus 18,11 („Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene zu erretten.“). Ich unterscheide dabei, ob der Vers im Haupttext erscheint oder nur in einer Fußnote bzw. ausgelassen wurde:
| Übersetzung | Haupttext | Fußnote / ausgelassen |
|---|---|---|
| Luther 1912 / 1545 | Ja | – |
| Luther (neuere Revisionen z. B. 2017) | Nein (Fußnote oder ausgelassen) | Ja |
| Schlachter 2000 (Schlachter 1951) | Ja (beide Ausgaben) | – |
| Hoffnung für alle (Hfa) | – (Fußnote) | Ja |
| Gute Nachricht Bibel (GNB) | – (Fußnote) | Ja |
Lutherbibel 1912: Diese klassische Übersetzung enthält Matthäus 18,11 im Haupttext.
„Denn des Menschen Sohn ist gekommen, selig zu machen, das verloren ist.“ (Bibelkommentare, Wikipedia, Wikipedia, BibliaTodo, Wikipedia)
Neuere Revisionen (z. B. Luther 2017): Diese moderne Ausgabe orientiert sich stärker am kritischen Urtext. Der Vers wird dort daher meist nur in Fußnoten genannt oder gar ausgelassen. Eine explizite Angabe fand sich beispielsweise auch in einer Erklärung:
„Der Vers fehlt nicht nur in Luther 2017, sondern auch in 'Hoffnung für alle', 'Gute Nachricht' und weiteren Übersetzungen.“ (gutefrage)
Schlachter 2000 / 1951: Der Vers ist direkt in den Text integriert, ohne Verweis auf Fußnoten. Online findet man ihn klar im Haupttext:
„Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um das Verlorene zu retten.“ (YouVersion | The Bible App | Bible.com)
Hoffnung für alle (Hfa): Eine eher freie, kommunikative Übersetzung, die den Vers nicht im Text, sondern nur in einer Fußnote bringt. (gutefrage)
Gute Nachricht Bibel (GNB): Ebenfalls eine verständnisorientierte Ausgabe; der Vers erscheint nur in einer Fußnote – nicht im Haupttext. (Bibelbund)
Der Grund liegt in der textkritischen Bewertung des Verses:
Fehlen in alten Handschriften: Der Vers ist in den frühesten und zuverlässigsten griechischen Manuskripten – insbesondere dem Codex Sinaiticus und Codex Vaticanus – nicht enthalten. Er taucht erst in den späteren byzantinischen Handschriften auf, die der Textus Receptus zugrunde liegen. (Bibelkommentare, Bibelbund)
Parallel zu Lukas 19,10: Inhaltlich ist er sehr ähnlich zu Lukas 19,10 („Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist“). Viele Fachleute vermuten eine harmonisierende Einschiebung aus Lukas, möglicherweise als Randnotiz, die später in den Text aufgenommen wurde. (Bibelbund, j-lorber.de)
Textauswahl nach Qualität: Moderne Übersetzungen, die vom kritischen griechischen Text (z. B. Nestle-Aland/UBS) ausgehen, wählen meist nur Lesarten, die von älteren und diverse Zeugnissen belegt sind. Der Vers fällt dabei aufgrund seiner späten und eingeschränkten Überlieferung häufig weg oder wird als zweifelhaft vermerkt.
Luther (1545 / 1912) und Schlachter 1951/2000 übernehmen Mt 18,11 vollständig im Text, da sie auf dem Textus Receptus basieren.
Moderne Übersetzungen wie Luther 2017, Hoffnung für alle und Gute Nachricht Bibel berücksichtigen den kritischen Urtext und behandeln den Vers deshalb eher marginal – meist nur in Fußnoten.
Möchtest du zu einer bestimmten Übersetzung noch mehr Details – etwa den genauen Wortlaut der Fußnote oder eine Parallelübersicht? Sag einfach Bescheid!