Q. Von Jörg Bier Kurazell
Quellen
Tempel der Bibel
Tempel der
Drangsalszeit
Threads zu Tempel auf Bibelkreis.ch
Threads zu Vorhang auf bibelkreis.ch
Die biblischen Beschreibungen der Stiftshütte
und des Tempels zeigen in äußerer Form tiefe geistliche Wahrheiten.
Schon die Tore verweisen auf die verschiedenen Zugänge zu Gottes Gegenwart, und
die drei Vorhänge der Stiftshütte machen deutlich,
wie der Weg von außen bis ins Allerheiligste gegliedert war.
Im Neuen Testament wird offenbart, dass dieser Weg durch den zerrissenen Vorhang
beim Tod Jesu endgültig frei wurde.
In den biblischen Beschreibungen (z. B. Hesekiel 40–43; 1. Könige 6–7) werden die Tore in der Regel nach den Himmelsrichtungen benannt. Auf Hebräisch lauten sie:
שַׁעַר הַצָּפוֹן (Schaʿar ha-Zafon) → „Tor des Nordens“
שַׁעַר הַדָּרוֹם (Schaʿar ha-Darom) → „Tor des Südens“
שַׁעַר הַקָּדִים (Schaʿar ha-Qedem) oder auch שַׁעַר הַמִּזְרָח (Schaʿar ha-Mizrach) → „Tor des Ostens“
Im Tempel Hesekiels werden diese drei
Hauptzugänge besonders hervorgehoben
(vgl. Hes 40,6; 40,20; 40,24). Später
spricht man im Judentum zusätzlich von
Nikanor-Tor, Schöne Pforte etc.,
aber die biblischen Grundbezeichnungen sind nach den Himmelsrichtungen.
Stiftshütte (2. Mose 25–40):
Ein transportables Heiligtum in der Wüste. Sie betont die
Wohnung Gottes inmitten des Volkes auf
der Pilgerschaft. Alles ist leicht zerlegbar und zeigt die vorläufige,
noch nicht vollendete Gemeinschaft.
Tempel Salomos (1. Könige 6–8):
Ein fester, herrlicher Bau auf dem Zion. Er offenbart die
Herrlichkeit und Ruhe Gottes in
Verbindung mit dem Königtum. Gold, Pracht und Herrlichkeit überwiegen – ein
Bild des Reiches in seiner ersten Herrlichkeit.
Tempel Serubbabels (Esra 3–6,
später ausgebaut unter Herodes):
Von außen ärmlicher, aber dennoch gültiger Wohnort Gottes. Prophetisch
spricht er von der Treue Gottes in
kleinen Anfängen und von der
Schwäche der Zurückgekehrten, aber zugleich von Gottes Anerkennung.
(vgl. Haggai 2,9: „Die Herrlichkeit dieses letzten Hauses wird größer sein…“
– durch die Gegenwart des Messias selbst.)
Tempel Hesekiels (Hes 40–48):
Ein noch zukünftiger, messianischer Tempel im Tausendjährigen Reich. Er
zeigt Gottes bleibende Ruhe und
Herrlichkeit in Israel nach den Gerichten.
Mit gewaltigen Maßen, klarer
Ordnung, strömendem Wasser und einem besonderen Opferdienst ist er ein
prophetisches Bild der
Wiederherstellung Israels und der Segnung der Nationen.
Der Hebräerbrief nimmt durchgehend Bezug auf die Stiftshütte, nicht auf den Tempel. Gründe:
Der Verfasser zitiert ausführlich aus 2. Mose und 3. Mose (z. B. Hebr 8,5: „Mose wurde eine göttliche Weisung gegeben, als er im Begriff war, die Hütte zu errichten…“) – nicht aus den Königsbüchern.
Der Schwerpunkt liegt auf dem Vorbildcharakter: das Irdische als „Schatten und Abbild“ der himmlischen Wirklichkeit (Hebr 9,1–12).
Es geht um die Opfer, den Hohenpriester, das Allerheiligste – alles aus dem Kontext der Wüsten-Stiftshütte entnommen.
Hebr 8,2–5 – Christus als Diener des „wahren Heiligtums“ im Gegensatz zur irdischen Hütte.
Hebr 9,1–12 – Beschreibung des Aufbaus und Dienstes der Stiftshütte.
Hebr 9,21–23 – Reinigung der Hütte und Gefäße durch Blut.
Hebr 10,19–22 – „Freimütigkeit zum Eintritt in das Heiligtum“ im Gegensatz zu den Vorbildern.
Der Tempel wird nicht ausdrücklich
thematisiert; aber zur Zeit des Schreibens (vor 70 n. Chr.) stand noch der
Herodianische Tempel.
Dennoch nimmt der Autor bewusst die
mosaische Stiftshütte als
Vorbild, weil sie die ursprüngliche, von Gott selbst gegebene Offenbarung ist.

| Heiligtum | Charakter / Bauweise | Prophetische Bedeutung | Bezug im Hebräerbrief |
|---|---|---|---|
| Stiftshütte (2. Mose 25–40) | Transportabel, in der Wüste, einfach und zerlegbar | Gottes Wohnung auf der Pilgerschaft; Vorläufigkeit und Bild des Himmlischen | Hebr 8,2–5; 9,1–12; 9,21–23; 10,19–22 |
| Tempel Salomos (1. Kön 6–8) | Fester, herrlicher Bau auf Zion, voller Gold und Pracht | Herrlichkeit und Ruhe Gottes im Reich; Verbindung mit dem Königtum | Kein direkter Bezug |
| Tempel Serubbabels / Herodes (Esra 3–6; Mt 24,1) | Äußerlich ärmlicher, später von Herodes prachtvoll vergrößert | Gottes Treue in kleinen Anfängen; erfüllt durch die Gegenwart des Messias (Hagg 2,9) | Kein direkter Bezug |
| Tempel Hesekiels (Hes 40–48) | Zukünftiger messianischer Tempel, geordnete Maße, strömendes Wasser | Bild der Wiederherstellung Israels im 1000-jährigen Reich; Herrlichkeit und Segen für die Nationen | Kein Bezug – rein prophetisch |
| Hebräisch | Deutsch / Bedeutung | Bibelstelle |
|---|---|---|
| שַׁעַר הַצָּפוֹן (Schaʿar ha-Zafon) | Nordtor („Tor des Nordens“) | Hes 40,20 |
| שַׁעַר הַדָּרוֹם (Schaʿar ha-Darom) | Südtor („Tor des Südens“) | Hes 40,24 |
| שַׁעַר הַקָּדִים (Schaʿar ha-Qedem / ha-Mizrach) | Osttor („Tor des Ostens“) | Hes 40,6 |
| Vorhang / Decke | Beschreibung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Eingangsvorhang des Vorhofs (2. Mose 27,16) | „Vorhang“ aus blauem, rotem Purpur, Karmesin und Byssus, an fünf Säulen aufgehängt | Zugang vom Lager in den Vorhof → Bild des Eintritts durch Gnade |
| Eingangsvorhang des Heiligtums (2. Mose 26,36–37) | „Decken-Vorhang“ aus bunten Stoffen, an fünf Säulen | Zugang vom Vorhof ins Heilige → Bild vom Zugang zu geistlicher Gemeinschaft |
| Trennvorhang zum Allerheiligsten (2. Mose 26,31–33) | Reich bestickt mit Cherubim, an vier Säulen aufgehängt | Trennung zwischen Heiligem und Allerheiligstem → Bild der unerreichbaren Gegenwart Gottes (bis Christus) |
Beim Tod Jesu zerriss genau dieser innere Vorhang des Tempels von oben bis unten (Mt 27,51; Mk 15,38; Lk 23,45). Damit wurde der Zugang zur Gegenwart Gottes
symbolisch durch das Opfer Christi frei (Hebr 10,19–20).
und geoffenbart, dass die jüdische Religon leer und nutzlos war.