Fragen und Antworten 


00325 Warum heissen die 10 Gebote in der Bibel nicht: "10 Gebote"?

 

Was ist der tiefere Hintergrund, dass die "10 Gebote" in der deutschen Bibel nicht "10 Gebote" sondern Worte heissen?



Die Bibel nennt sie nicht „zehn Gebote“,
sondern „zehn Worte“.
 Diese Ausarbeitung zeigt anhand von 2. Mose 34,28; 5. Mose 4,13 und 5. Mose 10,4,
warum Gott seine Offenbarung als Bundesworte bezeichnet
– und welche geistliche Tiefe darin liegt.


1. Ursprung des Ausdrucks

Im hebräischen Text von 2. Mose 34,28; 5. Mose 4,13 und 5,22 steht nicht „10 Gebote“ (hebräisch wäre das aseret hammizwot), sondern עֲשֶׂרֶת הַדְּבָרִים (aseret haddevarim) – wörtlich:
 „die zehn Worte“. Das hebräische Wort dābār bedeutet „Wort“, kann aber auch „Sache“, „Angelegenheit“, „Ausspruch“ oder „Rede“ heißen. Die griechische Übersetzung der Septuaginta gibt dies mit δέκα λόγοι (deka logoi) wieder –
„zehn Worte“. Daher kommt der theologische Fachbegriff Dekalog (von deka = zehn, logos = Wort).

2. Bedeutung im Unterschied zu „Gebote“

Die deutsche Tradition („Zehn Gebote“) stammt aus einer interpretierenden Übersetzung, die den normativen Charakter betonen wollte. Doch der hebräische Ausdruck „zehn Worte“ hat eine weitere und tiefere Bedeutung:

  • Wort als Offenbarung: Gott offenbart sich nicht zuerst als Gesetzgeber, sondern als der, der zu seinem Volk spricht. Die Grundlage ist Beziehung (vgl. „Ich bin Jehova, dein Gott …“ – 2. Mose 20,2).

  • Wort als Bundesausspruch: Diese zehn „Worte“ sind nicht nur Vorschriften, sondern Bundesworte, die das Verhältnis zwischen Gott und Israel regeln.

  • Wort als lebendige Ansprache: Im Hebräischen ist ein dābār nie bloß ein neutrales „Wort“, sondern immer Tat, Ereignis, Wirksamkeit. Es steht für eine dynamische Rede Gottes, die Wirklichkeit schafft (vgl. Jes 55,11).

3. Warum dann „Gebote“?

In der kirchlichen Tradition (besonders seit Augustinus) verschob sich der Akzent auf den moralischen und verpflichtenden Charakter. Deshalb wurde devarim enger als „Gebote“ gedeutet. Luther und andere Übersetzer übernahmen diesen Fokus,
 wohl auch, um den erzieherischen und katechetischen Zweck klarer hervorzuheben.

4. Theologische Tiefe

  • Wenn man von „zehn Geboten“ spricht, betont man die Verpflichtung des Menschen.

  • Wenn man von „zehn Worten“ spricht, betont man die Autorität und Gnade Gottes, der zu seinem Volk redet. Die Gebote sind dann nicht nur moralische Regeln, sondern Ausdruck des Bundeswortes des lebendigen Gottes.

Darum ist es geistlich wertvoll, den ursprünglichen Ausdruck „zehn Worte“ im Blick zu behalten – er stellt die Offenbarung und das Reden Gottes in den Vordergrund, nicht nur die menschliche Pflicht.



. 2. Mose 34,28

„Und er war dort bei Jehova 40 Tage und 40 Nächte; Brot aß er nicht, und Wasser trank er nicht; und er schrieb auf die Tafeln die Worte des Bundes, die zehn Worte.“

Beobachtungen

  • Mose empfängt nach dem Bundesbruch (goldenes Kalb) nochmals die Bundesurkunde.

  • Hier wird ausdrücklich gesagt: es sind die „Worte des Bundes“ (divrei habberit).

  • Die „zehn Worte“ sind nicht zufällig gewählt, sondern die Bündnisformel, vergleichbar mit Verträgen in der Antike (Königs-Suzeränitätsverträge).

Theologische Bedeutung

  • Gott offenbart sich neu in Gnade: trotz Israels Untreue gibt Er erneut „zehn Worte“.

  • Es geht nicht nur um „Gesetz“, sondern um Bundesgemeinschaft, die in Worten besiegelt wird.

  • Typologisch: Christus ist der Mittler des neuen Bundes – auch Er steht 40 Tage in Gottes Gegenwart (Apg 1,3).


2. 5. Mose 4,13

„Und er verkündigte euch seinen Bund, den er euch zu halten gebot, die zehn Worte; und er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.“

Beobachtungen

  • Rückblick Moses auf die Offenbarung am Sinai (Horeb).

  • Wieder die Betonung: Bund (berit) und *zehn Worte.

  • „Verkündigte“ (higgid) = öffentlich kundgetan, nicht verborgen.

Theologische Bedeutung

  • Israel empfing diese Worte öffentlich am Berg, nicht durch Geheimoffenbarung.

  • „Zehn Worte“ sind der Kern des Bundes, schriftlich festgehalten (Steintafeln).

  • Die Zahl 10 symbolisiert Vollständigkeit der göttlichen Ordnung (z. B. 10 Plagen, 10 Generationen von Adam bis Noah, von Noah bis Abraham).


3. 5. Mose 10,4

„Da schrieb Jehova auf die Tafeln, nach der ersten Schrift, die zehn Worte, die Jehova auf dem Berg zu euch geredet hatte mitten aus dem Feuer, am Tag der Versammlung; und Jehova gab sie mir.“

Beobachtungen

  • Mose schildert die Erneuerung nach der Fürbitte (vgl. 5. Mose 9).

  • „Nach der ersten Schrift“ = identisch mit den ersten Tafeln, die Mose zerbrochen hatte (2. Mo 32,19).

  • Die „zehn Worte“ stammen direkt von Gott („Jehova schrieb“).

Theologische Bedeutung

  • Betonung der göttlichen Autorität – nicht Mose schrieb, sondern Jehova selbst.

  • Die „zehn Worte“ sind göttliche Rede, nicht Menschengebot.

  • „Am Tag der Versammlung“: Alle hörten das Reden Gottes, es war ein volksweites Ereignis.


Zusammenfassung

  • „Zehn Worte“ betont: Gott selbst redet und offenbart sich.

  • Es sind Bundesworte, nicht nur moralische Vorschriften.

  • Sie stehen im Zentrum der Beziehung zwischen Jehova und Israel, vergleichbar mit Vertragsurkunden.

  • Die deutsche Wiedergabe „Gebote“ ist inhaltlich richtig (sie enthalten Befehle), aber zu eng: das hebräische „Worte“ umfasst Rede, Offenbarung, Zusage und Autorität.


    1. Lesetext (für Bibelstunde/Studium)

    Die „zehn Worte“ in der Bibel

    2. Mose 34,28

    „Und er war dort bei Jehova 40 Tage und 40 Nächte; Brot aß er nicht, und Wasser trank er nicht; und er schrieb auf die Tafeln die Worte des Bundes, die zehn Worte.“

    • Nach dem Abfall mit dem goldenen Kalb gibt Gott Israel neue Tafeln – ein Akt der Gnade.

    • Sie heißen „Worte des Bundes“: nicht bloß Gebote, sondern Bundesurkunde zwischen Gott und seinem Volk.

    • Typologisch: Der Herr Jesus ist der Mittler des neuen Bundes, der selbst 40 Tage in Gottes Gegenwart stand (Apg 1,3).


    5. Mose 4,13

    „Und er verkündigte euch seinen Bund, den er euch zu halten gebot, die zehn Worte; und er schrieb sie auf zwei steinerne Tafeln.“

    • Mose blickt zurück auf die Offenbarung am Sinai.

    • Gott verkündigte (öffentlich, klar, hörbar) seinen Bund.

    • Die Zahl 10 drückt Vollständigkeit aus: die Worte sind die ganze Grundlage für das Verhältnis zu Gott.


    5. Mose 10,4

    „Da schrieb Jehova auf die Tafeln, nach der ersten Schrift, die zehn Worte, die Jehova auf dem Berg zu euch geredet hatte mitten aus dem Feuer, am Tag der Versammlung; und Jehova gab sie mir.“

    • Gott selbst schreibt – nicht Mose.

    • Es handelt sich um eine direkte Offenbarung, nicht menschliche Tradition.

    • „Am Tag der Versammlung“: ganz Israel hörte die Stimme Gottes – ein geschichtliches Zeugnis.


    Zusammenfassung

    • Die Bibel spricht von den „zehn Worten“ (aseret haddevarim), nicht von „zehn Geboten“.

    • Diese Worte sind Bundesreden, göttliche Offenbarung, die den Grundstein der Beziehung zwischen Jehova und Israel bilden.

    • „Gebote“ betont die Pflicht des Menschen, „Worte“ betont die Autorität und Gnade Gottes, der spricht und sein Volk zum Gehorsam ruft.