Fragen und Antworten

00396 Jes 63,16 Denn du bist unser Vater; denn Abraham weiss nicht von uns,  

Wie kann ich Jesaia 63.15-17 verstehen? Gibt es da ein Ablauf? Hintergrund? Elberfelder 1905 Jesaja


Elberfelder 1905
Jesaja

Jesaja 63,15–17 ist die Stimme des glaubenden Restes: Klage über Gottes Schweigen, Bekenntnis seiner Vaterschaft und Bitte um Rückkehr. Nicht Abstammung rettet, sondern Gottes Name: Vater und Erlöser. Das bereitet die Brücke zu Johannes 8, wo leeres Abraham-Rühmen entlarvt wird.

Jes 63,10
Jes 63,11 Da gedachte sein Volk der Tage vor alters, der Tage Moses<O. vor alters und Moses>: "Wo ist der, welcher sie aus dem Meere heraufführte samt den Hirten seiner Herde? Wo ist der, welcher seinen heiligen Geist in ihre Mitte gab<Eig. legte vergl. [Neh 9,20]>;
Jes 63,12 der seinen herrlichen<O. majestätischen> Arm zur Rechten Moses einherziehen ließ; der die Wasser vor ihnen her spaltete, um sich einen ewigen Namen zu machen;
Jes 63,13 der sie durch die Tiefen<O. Fluten> ziehen ließ, gleich dem Rosse in der Steppe, ohne daß sie strauchelten?
Jes 63,14 Gleich dem Vieh, welches in das Tal hinabsteigt, brachte der Geist Jehovas sie zur Ruhe. Also hast du dein Volk geleitet, um dir einen herrlichen Namen zu machen." –
Jes 63,15 "Blicke vom Himmel herab und sieh, von der Wohnstätte deiner Heiligkeit und deiner Majestät! Wo sind dein Eifer und deine Machttaten? Die Regung deines Innern und deine Erbarmungen halten sich gegen mich zurück.
Jes 63,16 Denn du bist unser Vater; denn Abraham weiß nicht von uns, und Israel kennt uns nicht; du, Jehova, bist unser Vater; unser Erlöser von alters her ist dein Name<Nach and. Interpunktion: unser Erlöser ist dein Name von alters her>.
Jes 63,17 Warum, Jehova, läßt du uns von deinen Wegen abirren, verhärtest unser Herz, daß wir dich nicht fürchten? Kehre zurück um deiner Knechte willen, der Stämme deines Erbteils!
Jes 63,18 Auf eine kleine Zeit hat dein heiliges Volk es besessen: Unsere Widersacher haben dein Heiligtum zertreten.
Jes 63,19 Wir sind zu solchen geworden, über die du von alters her nicht geherrscht hast, die nicht genannt gewesen sind nach deinem Namen." –

Textgrundlage und Übersetzungsfragen

  1.  Elberfelder 1905  und weitere  als Textbasis, oder auch Vergleichsübersetzungen (z. B. Septuaginta, Luther, Schlachter, Hebräisch-Grundtext)

  2. Sprachlich-exegetische Untersuchung (hebräische Begriffe, Grammatik, Parallelstellen) &eine geistliche/auslegende Betrachtung?

  3. Soll der Fokus stärker auf der historischen Situation Judas/Israels liegen oder auf der geistlichen Anwendung für uns heute?

Kontext und Aufbau

  1. Zusammenhang mit Kapitel 63 (insbesondere V. 1–14 und V. 18–19)

  2. Weitere Kontext von Jesaja 40–66 („Trostbuch“, Heil und Gericht, messianische Verheissungen)

  3.  Eine Strukturierung als Ablauf (z. B. Klage – Bekenntnis – Bitte – Hoffnung)?

Theologische Schwerpunkte

  1.  Betrachtung besonders die Vater-Anrede Gottes (V. 16: „Du bist unser Vater“)

  2. Frage nach Gottes Führung und dem „Verhärten“ des Herzens (V. 17)

  3. Die Stelle im Licht von Bundesgedanken (Abraham, Israel, Erbteil)

  4. Die Verbindung zu anderen Klagegebeten (z. B. Ps 44, Ps 80, Dan 9)

Prophetisch-eschatologischer Bezug

  1. Die heilsgeschichtliche Dimension (z. B. Endzeit, Israel-Rest, messianische Erwartung) beleuchten.

  2. Stelle in Bezug setzen zu Neuem Testament (z. B. Röm 9–11, Hebr 12)

  3. Vergleich zur Drangsal Jakobs und die Endzeit-Wiederherstellung Israels

Praktisch-geistliche Anwendung

  1. Belehrung für den persönlichen Glaubensweg ableiten (Gebet, Umkehr, Vertrauen trotz Gottes Schweigen)

  2.  1. Systematisch-theologisch & andachtsmässig

Detaillierungsgrad

  1. Vers-für-Vers-Wortbetrachtungzusammenfassende Gesamtauslegung?

  2. Chronologische Darstellung des Ablaufs (Klage → Bekenntnis → Bitte),

  3.  Gliederung mit Stichpunkten & laufende Erklärung in Absätzen

Weiterführendes Material

  1. Jüdische Auslegungen (Midrasch, rabbinische Deutung) erwähnen, & christliche Sichtweise?

  2. Praktische Querverweise.

    1. Textbasis: EF 1905 als Leittext; Vergleich mit Hebräisch (MT) und punktuell LXX; gelegentlich Luther/Schlachter zur Nuance.

    2. Ansatz: Sprachlich-exegetisch und geistlich-auslegend.

    3. Fokus: Historischer Sitz im Leben Judas und geistliche Anwendung heute.

    4. Nahkontext: Ja—Jes 63,1–14 (Heilstaten & Undank) → 63,15–17 (Klage/Bitte) → 63,18–19 (Bitte um Eingreifen).

    5. Fernkontext: Ja—Jes 40–66 (Trostbuch: Heimkehr, Dienerlieder, zukünftige Herrlichkeit).

    6. Ablauf/Struktur: Klage → Bekenntnis → Bitte (liturgische Gemeinschaftsklage).

    7. Vater-Anrede: Zentral; Gottes Bundesnähe trotz Distanzgefühl.

    8. „Verhärten“ (V.17): Gerichtlich-zulassendes Handeln Gottes (judikativ), nicht Ursache der Erstsünde; Ziel: Buße/Heimkehr.

    9. Bund: Abraham/Israel als Bundesmarker; dennoch zählt Gottes Vaterschaft/Erbarmen über bloße Abstammung hinaus.

    10. Parallelen: Ps 44; Ps 80(79 LXX) „Kehre wieder“; Dan 9 (Sündenbekenntnis).

    11. Heilsgeschichte/Eschatologie: Ja—Stimme des treuen Restes; Vorausschein auf endzeitliche Rückführung/Wiederherstellung.

    12. NT-Bezug: Röm 9–11 (Rest, Erwählung, Erbarmen); Hebr 12 (Züchtigung/Vaterschaft Gottes).

    13. Drangsal Jakobs: Motivisch verwandt (Klage des Restes; Ruf nach Eingreifen).

    14. Praktische Anwendung: Beten in Gottesferne, Buße, Festhalten an Gottes Namen/Wesen.

    15. Ton: Systematisch-theologisch und seelsorgerlich-andachtsvoll.

    16. Detailgrad: Vers-für-Vers mit Wortstudien + Zusammenfassung.

    17. Chronologie: Ja—klarer Ablauf (Klage→Bekenntnis→Bitte).

    18. Form: Gliederung mit Stichpunkten und fließender Erklärung.

    19. Jüdische Auslegung: Kurz erwähnbar (Gemeinschaftsklage Israels), Schwerpunkt christlich-biblisch.

    20. Praxis-Verweise: Ja—Hinweise für Predigt/Bibelstunde.


    2) Kontext & Hintergrund zu Jes 63,15–17

    Literarisch: In Jes 63,7–64,11 (hebr. 64,12) spricht eine Gemeinschaft (kollektives „wir“) in einer Klage: Erinnerung an Gottes frühere Heilstaten (63,7–14), jetzt Gottesferne (63,15–19), dann Bitte um machtvolles Kommen (64,1–3) und Bekenntnis (64,5–11).
    Historisch: Sprache passt zur Exils-/Nachexilszeit (Gottes Heiligtum verödet, Feinde beherrschen das Erbteil).
    Theologisch: Spannung zwischen Gottes Majestät/Heiligkeit und seinem Erbarmen/Vaterschaft; Bundesgedächtnis als Gebetsargument.


    3) Gliederung (Ablauf)

    1. Klage an den fernen Gott (V.15): „Blicke… sieh…“ – Wo sind Eifer, Machttaten, Erbarmen?

    2. Bekenntnis der Vaterschaft Gottes (V.16): Nicht Abstammung rettet, sondern Gottes Name/Wesen:
      „Du, Jehova, bist unser Vater… unser Erlöser von alters her ist dein Name.“

    3. Kühn-demütige Bitte (V.17): Rätsel von Abirren/Verhärtung unter Gottes Zulassen
       → „Kehre zurück um deiner Knechte willen, der Stämme deines Erbteils!“


    4) Vers-für-Vers (mit Grundtext)

    Vers 15

    • „Blicke vom Himmel herab und sieh“ – hebr. הַשְׁקִ֤פָה וּרְאֵה֙ (hashqífah u-re’éh): kultische Anrufung aus der Höhe der „Wohnstätte der Heiligkeit und Majestät“ (מִזְּב֥וּל קָדְשְׁךָ֖ וְתִפְאַרְתֶּ֑ךָ, mizzevul qodschecha ve-tif’artecha).

    • „Eifer“קִנְאָה (qin’āh): leidenschaftlicher Bundeseifer/Exklusivliebe Gottes.

    • „Machttaten“גְּבוּרוֹת (gevurót): machtvolle Taten/Heldenkräfte.

    • „Regung deines Innern“ – wtl. הֲמוֹן מֵעֶיךָ (hamón me‘echa): „Brausen/Bewegung deiner Eingeweide“, d. h. innerstes Mitleid.

    • „deine Erbarmungen halten sich zurück“וְרַחֲמֶ֖יךָ עָלַ֥י הִתְאַפָּֽקוּ (ve-raḥamecha ‘alay hit’appāqû): „sind zurückgehalten/zugehalten“ → Gottes Schweigen wird erlebt.

    Gedanke: Das Gebet argumentiert von Gottes Wesen her (Heiligkeit ↔ Erbarmen).

    Vers 16

    • „Denn du bist unser Vater“כִּֽי־אַתָּ֣ה אָבִ֔ינוּ (ki atta avínu): Bundesnähe; Gott als Ursprung und Beistand.

    • „Abraham weiß nicht von uns… Israel kennt uns nicht“ – selbst Ahnvater/Patriarch kann nicht helfen; die bloße Abstammung trägt nicht.

    • „du, Jehova, bist unser Vater; unser Erlöser von alters her ist dein Name“גֹּאֲלֵ֥נוּ מֵעוֹלָ֖ם שְׁמֶֽךָ (go’ălénu me‘olam schemecha): „Erlöser (Löser-Verwandter) von Ewigkeit an — das ist dein Name.“

      • go’el (גֹּאֵל, go’ēl): der lösepflichtige Verwandte, der das Anrecht zurückkauft (Ruth-Motiv; Ex 6,6).

    Gedanke: Name = geoffenbartes Wesen/Charakter; Gottes Vaterschaft/Erlösersein ist älter und tragfähiger als jede genealogische Legitimation.

    Vers 17

    • „Warum, Jehova, lässt du uns von deinen Wegen abirren“לָמָּה תַתְעֵנוּ מִדְרָכֶיךָ (lāmmā tat‘ênu midrachécha): „warum lässt du uns in die Irre gehen?“ = gerichtliches Zulassen (vgl. Röm 1 „dahingegeben“).

    • „verhärtest unser Herz, dass wir dich nicht fürchten?“תַקְשֶׁה לִבֵּנוּ מִירְאָתֶךָ (taqscheh libbénu mir’ātecha): „machst hart“ = Verstockung als Gericht, nachdem Menschen den falschen Weg wählten (vgl. Pharao-Motiv).

    • „Kehre zurück… um deiner Knechte willen, der Stämme deines Erbteils!“שׁוּבָה לְמַעַן עֲבָדֶיךָ שִׁבְטֵי נַחֲלָתֶךָ (schûvā lema‘an ‘avādecha, schwivṭê nachălatécha): klassisches Umkehr-/Heimkehr-Gebet (vgl. Ps 80,4.8.20).

    Gedanke: Menschliche Verantwortung bleibt; doch die Hoffnung liegt in Gottes Rückkehr zu seinem Erbteil.


    5) Theologische Linien

    • Gottesverborgenheit & Gebet: Erlebte Ferne provoziert kühne Fürbitte. Glaube ruft Gott bei seinem Namen an (Vater, Erlöser).

    • Vaterschaft Gottes: Nicht bloß Schöpfervaterschaft, sondern Bundesnähe: Er „gehört“ seinem Volk.

    • Abstammung vs. Gnade: Abraham/Israel als Vorfahren helfen nicht; Gott selbst ist die Quelle (V.16) – Vorahnung dessen, was im NT klar wird.

    • Verstockung: Gerichtliches Zulassen (judikativ), das zur Buße treiben soll; nicht deterministische Ausrede, sondern Bußruf.

    • Rest-Theologie: Die „Knechte“/Stämme als Erbteil – Stimme des glaubenden Restes, der Gott zurückruft.


    6) Verbindung zu Johannes 8 (Abraham-Rühmen vs. echte Sohnschaft)

    In Joh 8,33–59 berufen sich einige Juden auf „Abrahams Same“; der Herr Jesus entlarvt: wahre Kindschaft zeigt sich an den Werken des Vaters und am Annehmen des Sohnes.

    • Parallele zu Jes 63,16: „Abraham weiß nicht von uns… du, Jehova, bist unser Vater.“ – Es ist Gottes Vaterschaft (sein Name/Wesen), nicht Abstammung, die rettet.

    • Konsequenz: Wer den Sohn verwirft, beweist, dass er nicht in den Wegen Abrahams lebt (Joh 8,39–40).

    • Heilsgeschichtlich: Jes 63 gibt die Gebetssprache des Restes; Joh 8 zeigt, dass ohne Glaubensgehorsam gegenüber Gottes Offenbarung (letztlich in Christus) die Berufung auf Abraham leer ist.


    7) Praktische Anwendung (für Gemeinde & Person)

    1. Bete aus Gottes Namen: Nenne ihn, wie er sich geoffenbart hat (Vater, Erlöser).

    2. Klage mit Ehrfurcht: Benenne Gottes Schweigen, ohne seine Treue zu leugnen.

    3. Buße statt Fatalismus: Erkenne eigene Irre; bitte Gott, das harte Herz zu brechen.

    4. Bundesgedächtnis pflegen: „Um deiner Knechte/Stämme willen“ – bete gemeinsam mit dem Blick auf Gottes Erbteil.

    5. Christuszentrierung: Wahre Kindschaft zeigt sich am Annehmen des Sohnes (Joh 8).


    8) Zusammenfassung in fünf Sätzen

    Jes 63,15–17 ist eine Gemeinschaftsklage: Israel erlebt Gottes Ferne, ruft aber den Gott an, der Vater und Erlöser von alters her ist. Die Verse bewegen sich im Ablauf Klage → Bekenntnis → Bitte. Dabei wird klar: Abstammung (Abraham/Israel) rettet nicht; entscheidend ist Gottes Name/Wesen und seine erbarmende Nähe. Das Rätsel der Verstockung wird als gerichtliches Zulassen verstanden, das zur Umkehr treiben soll. In Verbindung mit Johannes 8 wird sichtbar, dass wahre Sohnschaft nicht im Rühmen der Herkunft, sondern im Glaubensgehorsam gegenüber Gottes Offenbarung (in Christus) besteht.


    (1) LESETEXT – für Bibelstunde/Vortrag

    Jesaja 63,15–17 (EF 1905) – Auslegung, Ablauf & Hintergrund

    • Ablauf: Klage (V.15) → Bekenntnis (V.16) → Bitte (V.17).

    • Kernworte (hebr.):

      • qin’āh (קִנְאָה) – Eifer/Eifersucht Gottes;

      • gevurót (גְּבוּרוֹת) – Machttaten;

      • hamón me‘echa (הֲמוֹן מֵעֶיךָ) – Regung der Eingeweide = tiefstes Mitleid;

      • go’ēl (גֹּאֵל) – Löser-Verwandter/Erlöser;

      • tat‘ênu (תַתְעֵנוּ) – du lässt uns abirren (gerichtlich zulassen);

      • taqscheh libbénu (תַקְשֶׁה לִבֵּנוּ) – du verhärtest unser Herz (judikativ).

    • Botschaft: In der Erfahrung göttlicher Verborgenheit klammert sich der Glaube an Gottes Namen: „Du, Jehova, bist unser Vater… unser Erlöser von alters her ist dein Name.“

    • Heilsgeschichtlich: Stimme des Restes; Bitte um Rückkehr Gottes zum Erbteil (Ps 80); Vorausklang endzeitlicher Wiederherstellung.

    • NT-Brücke: Joh 8 entlarvt leeres Abraham-Rühmen; wahre Sohnschaft zeigt sich an Glauben/Ge horsam gegenüber dem Sohn.

    • Anwendung: Lerne klagen, bekennen, bitten. Erwarte vom Vater-Erlöser das weiche Herz – und gehe seine Wege

      Jesaja 66 schließt das Prophetenbuch mit einer gewaltigen Spannung:
      Gott wohnt nicht im Tempel, sondern bei den Demütigen,
      und Zion erfährt eine wunderbare Geburt.
      Zugleich kommt Jehova im Feuer zum Gericht,
      sammelt die Nationen zur Anbetung und führt hin zum neuen Himmel und zur neuen Erde – während das Gericht über die Gottlosen ewig bleibt.

      Vers-für-Vers-Auslegung (Elberfelder 1905)


      Verse 1–2 – Der wahre Tempel

      Text:
      „So spricht Jehova: Der Himmel ist mein Thron, und die Erde der Schemel meiner Füße: wo wäre denn das Haus, das ihr mir bauen könntet, und wo der Ort, da ich ruhen sollte? Hat doch meine Hand dies alles gemacht, und so ist dies alles geworden, spricht Jehova. Aber auf diesen will ich blicken: auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist, und der da zittert vor meinem Worte.“

      • Gedanke: Gott ist nicht an einen Tempel gebunden (vgl. Apg 7,48–50; Apg 17,24). Der wahre „Tempel“ ist das demütige Herz, das auf Gottes Wort zittert.

      • Heilsgeschichtlich: Vorbereitung auf den neuen Bund; Verheißung des Heiligen Geistes in Zerbrochenheit.


      Verse 3–4 – Äußerlicher Kult ohne Gehorsam

      Text:
      „Wer einen Ochsen schlachtet, ist wie einer, der einen Menschen erschlägt; wer ein Lamm opfert, wie einer, der einem Hunde das Genick bricht; … Auch ich, ich will über sie wählen Trug, und was sie fürchten, das will ich über sie bringen…“

      • Gedanke: Äußerliche Opfer ohne Gehorsam sind Greuel für Gott (vgl. Jes 1,11–15; Spr 15,8).

      • Verstockung: Gott erwählt Gericht für die, die sich weigern, auf sein Wort zu hören.

      • NT-Bezug: Hebr 10,5–9 – das Opfer Christi ersetzt den leeren Ritualismus.


      Verse 5–6 – Trost und Gericht

      Text:
      „Höret das Wort Jehovas, die ihr zittert vor seinem Worte! Eure Brüder, die euch hassen, … Jehova aber wird erscheinen zu eurer Freude, sie aber werden beschämt werden. – Eine Stimme von der Stadt! Eine Stimme aus dem Tempel! Die Stimme Jehovas, der seinen Feinden Vergeltung gibt.“

      • Gedanke: Spott und Ausgrenzung der Treuen durch die Namenschristen/Juden.

      • Trost: Jehova selbst erscheint – Freude für die, die ihn fürchten, Gericht für die Spötter.

      • NT: Joh 16,2 – „Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen.“


      Verse 7–9 – Zions wunderbare Geburt

      Text:
      „Ehe sie Wehen hatte, hat sie geboren; … sollte ich das Gebären öffnen und nicht gebären lassen?, spricht Jehova.“

      • Bild: Zion gebiert plötzlich ein Volk – Hinweis auf die Wiedergeburt Israels in der Endzeit (vgl. Röm 11,26).

      • Typologisch: Bild auch für die Geburt der Gemeinde durch Pfingsten (plötzlich, unerwartet).


      Verse 10–14 – Trost und Sättigung in Jerusalem

      Text:
      „Freuet euch mit Jerusalem, und frohlocket über sie, alle, die ihr sie liebet! … damit ihr sauget und gesättigt werdet an der Brust ihres Trostes… Denn so spricht Jehova: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom…“

      • Gedanke: Endzeitliche Wiederherstellung Jerusalems als Quelle des Segens.

      • Bild: Mutterbrust = Versorgung, Trost, Frieden.

      • Heilsgeschichtlich: Erfüllung im 1000-jährigen Reich (vgl. Offb 21,10–11 in Vollendung).


      Verse 15–16 – Gottes feuriges Gericht

      Text:
      „Denn siehe, Jehova wird im Feuer kommen, und seine Wagen wie ein Sturmwind, um seinen Zorn im Grimm zu vergelten … Denn Jehova wird im Feuer Gericht halten…“

      • Endgericht: Gottes Kommen mit Feuer – vgl. 2Thess 1,7–8; Offb 19,11–16.

      • Ziel: Gericht über alle, die ihn verwerfen.


      Verse 17 – Gericht über Götzendienst

      Text:
      „Die sich heiligen und reinigen in den Gärten, hinter einem in der Mitte, Schweinefleisch essend, … sie werden allesamt ein Ende nehmen, spricht Jehova.“

      • Bild: Synkretistischer Kult, Vermischung von Götzendienst und Unreinheit.

      • Prinzip: Äußerliche „Heiligung“ ohne Treue zu Jehova endet im Gericht.


      Verse 18–21 – Sammlung der Völker

      Text:
      „Und ich, ich kenne ihre Werke und ihre Gedanken; und es kommt: um alle Nationen und Sprachen zu versammeln… und ich will von ihnen … auch Priester und Leviten nehmen, spricht Jehova.“

      • Universalität: Gottes Heil erreicht alle Nationen.

      • Neues Priestertum: Gott beruft sogar aus den Nationen „Priester und Leviten“ → Hinweis auf die Gemeinde (1Petr 2,9; Offb 1,6).


      Verse 22–23 – Neuer Himmel und neue Erde

      Text:
      „Denn gleichwie die neuen Himmel und die neue Erde, die ich mache, vor mir bestehen, spricht Jehova, also wird euer Same und euer Name bestehen. Und es wird geschehen: von Neumond zu Neumond und von Sabbat zu Sabbat wird alles Fleisch kommen, um vor mir anzubeten.“

      • Heilsziel: Dauerhaftigkeit der neuen Schöpfung (vgl. Jes 65,17; Offb 21,1).

      • Weltweite Anbetung: Alle Völker werden Jehova huldigen.


      Vers 24 – Das ernste Ende

      Text:
      „Und sie werden hinausgehen und die Leichname der Menschen sehen, die sich an mir versündigt haben; denn ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Feuer nicht erlöschen; und sie werden allem Fleische ein Abscheu sein.“

      • Ewigkeitsblick: Bild des endzeitlichen Gerichts; von Jesus aufgegriffen in Mk 9,48.

      • Spannung: Buch endet mit Gericht, nicht Trost → ernstes Mahnwort, dass Gottes Reich zwar Heil bringt, aber Gericht für die Gottlosen unvermeidlich ist.


      Zusammenfassung in fünf Sätzen

      Jesaja 66 zeigt den Abschluss des Jesajabuches: Gott wohnt nicht in Tempeln aus Stein, sondern bei den Demütigen (V.1–2). Äußerlicher Kult ohne Gehorsam ist ihm ein Greuel (V.3–4). Zion erlebt eine wunderbare Geburt: plötzlich wird ein Volk hervorgebracht (V.7–9) und Trost strömt von Jerusalem in die Nationen (V.10–14). Doch Jehova kommt mit Feuer zum Gericht (V.15–17) und sammelt zugleich alle Nationen zur Anbetung, wobei er sogar aus ihnen Priester nimmt (V.18–21). Das Ziel ist der neue Himmel und die neue Erde (V.22–23), während das Gericht über die Gottlosen ewig bleibt (V.24).