Jes 63,19 Wir
sind zu solchen geworden, über die du von alters her nicht
geherrscht hast, die nicht genannt gewesen sind nach deinem Namen."
–
Textgrundlage und
Übersetzungsfragen
-
Elberfelder
1905 und weitere als Textbasis, oder auch
Vergleichsübersetzungen (z. B. Septuaginta, Luther, Schlachter,
Hebräisch-Grundtext)
-
Sprachlich-exegetische
Untersuchung (hebräische Begriffe, Grammatik,
Parallelstellen) &eine
geistliche/auslegende Betrachtung?
-
Soll der Fokus stärker auf
der historischen
Situation Judas/Israels liegen oder auf der
geistlichen Anwendung
für uns heute?
Kontext und Aufbau
-
Zusammenhang mit Kapitel
63 (insbesondere V. 1–14 und V. 18–19)
-
Weitere Kontext von
Jesaja 40–66 („Trostbuch“, Heil und Gericht,
messianische Verheissungen)
-
Eine
Strukturierung als
Ablauf (z. B. Klage – Bekenntnis – Bitte – Hoffnung)?
Theologische Schwerpunkte
-
Betrachtung besonders
die Vater-Anrede
Gottes (V. 16: „Du bist unser Vater“)
-
Frage nach Gottes
Führung und dem „Verhärten“ des Herzens (V. 17)
-
Die Stelle im Licht von
Bundesgedanken
(Abraham, Israel, Erbteil)
-
Die Verbindung zu
anderen Klagegebeten
(z. B. Ps 44, Ps 80, Dan 9)
Prophetisch-eschatologischer
Bezug
-
Die
heilsgeschichtliche
Dimension (z. B. Endzeit, Israel-Rest, messianische
Erwartung) beleuchten.
-
Stelle in Bezug setzen zu
Neuem Testament
(z. B. Röm 9–11, Hebr 12)
-
Vergleich zur Drangsal
Jakobs und die Endzeit-Wiederherstellung Israels
Praktisch-geistliche Anwendung
-
Belehrung für den
persönlichen Glaubensweg ableiten (Gebet, Umkehr,
Vertrauen trotz Gottes Schweigen)
-
1.
Systematisch-theologisch &
andachtsmässig
Detaillierungsgrad
-
Vers-für-Vers-Wortbetrachtung &
zusammenfassende
Gesamtauslegung?
-
Chronologische
Darstellung des Ablaufs (Klage → Bekenntnis → Bitte),
-
Gliederung
mit Stichpunkten &
laufende Erklärung in
Absätzen
Weiterführendes Material
-
Jüdische Auslegungen
(Midrasch, rabbinische Deutung) erwähnen, & christliche
Sichtweise?
-
Praktische
Querverweise.
-
Textbasis:
EF 1905 als Leittext; Vergleich mit Hebräisch (MT) und
punktuell LXX; gelegentlich Luther/Schlachter zur Nuance.
-
Ansatz:
Sprachlich-exegetisch
und
geistlich-auslegend.
-
Fokus:
Historischer Sitz im Leben Judas
und
geistliche Anwendung heute.
-
Nahkontext:
Ja—Jes 63,1–14 (Heilstaten & Undank) →
63,15–17
(Klage/Bitte) → 63,18–19 (Bitte um Eingreifen).
-
Fernkontext:
Ja—Jes 40–66 (Trostbuch: Heimkehr, Dienerlieder, zukünftige
Herrlichkeit).
-
Ablauf/Struktur:
Klage → Bekenntnis →
Bitte (liturgische Gemeinschaftsklage).
-
Vater-Anrede:
Zentral; Gottes Bundesnähe trotz Distanzgefühl.
-
„Verhärten“
(V.17): Gerichtlich-zulassendes Handeln Gottes
(judikativ), nicht Ursache der Erstsünde; Ziel:
Buße/Heimkehr.
-
Bund:
Abraham/Israel als Bundesmarker; dennoch zählt Gottes
Vaterschaft/Erbarmen über bloße Abstammung hinaus.
-
Parallelen:
Ps 44; Ps 80(79 LXX) „Kehre wieder“; Dan 9
(Sündenbekenntnis).
-
Heilsgeschichte/Eschatologie: Ja—Stimme des treuen
Restes; Vorausschein auf endzeitliche
Rückführung/Wiederherstellung.
-
NT-Bezug:
Röm 9–11 (Rest, Erwählung, Erbarmen); Hebr 12
(Züchtigung/Vaterschaft Gottes).
-
Drangsal Jakobs:
Motivisch verwandt (Klage des Restes; Ruf nach Eingreifen).
-
Praktische
Anwendung: Beten in Gottesferne, Buße, Festhalten
an Gottes Namen/Wesen.
-
Ton:
Systematisch-theologisch
und
seelsorgerlich-andachtsvoll.
-
Detailgrad:
Vers-für-Vers mit Wortstudien + Zusammenfassung.
-
Chronologie:
Ja—klarer Ablauf (Klage→Bekenntnis→Bitte).
-
Form:
Gliederung mit Stichpunkten
und
fließender Erklärung.
-
Jüdische
Auslegung: Kurz erwähnbar (Gemeinschaftsklage
Israels), Schwerpunkt christlich-biblisch.
-
Praxis-Verweise:
Ja—Hinweise für Predigt/Bibelstunde.
2) Kontext & Hintergrund
zu Jes 63,15–17
Literarisch:
In Jes 63,7–64,11 (hebr. 64,12) spricht eine
Gemeinschaft
(kollektives „wir“) in einer
Klage:
Erinnerung an Gottes frühere Heilstaten (63,7–14),
jetzt
Gottesferne (63,15–19), dann Bitte um machtvolles Kommen
(64,1–3) und Bekenntnis (64,5–11).
Historisch:
Sprache passt zur
Exils-/Nachexilszeit (Gottes Heiligtum verödet, Feinde
beherrschen das Erbteil).
Theologisch:
Spannung zwischen Gottes
Majestät/Heiligkeit
und seinem
Erbarmen/Vaterschaft; Bundesgedächtnis als
Gebetsargument.
3) Gliederung (Ablauf)
-
Klage an den
fernen Gott (V.15): „Blicke… sieh…“ – Wo sind
Eifer, Machttaten, Erbarmen?
-
Bekenntnis der
Vaterschaft Gottes (V.16): Nicht Abstammung rettet,
sondern Gottes Name/Wesen:
„Du, Jehova, bist unser Vater… unser Erlöser von alters her
ist dein Name.“
-
Kühn-demütige
Bitte (V.17): Rätsel von Abirren/Verhärtung unter
Gottes Zulassen
→ „Kehre zurück um deiner
Knechte willen, der Stämme deines Erbteils!“
4) Vers-für-Vers (mit
Grundtext)
Vers 15
-
„Blicke vom Himmel
herab und sieh“ – hebr.
הַשְׁקִ֤פָה
וּרְאֵה֙ (hashqífah
u-re’éh): kultische Anrufung aus der Höhe der
„Wohnstätte der
Heiligkeit und Majestät“ (מִזְּב֥וּל
קָדְשְׁךָ֖ וְתִפְאַרְתֶּ֑ךָ,
mizzevul qodschecha
ve-tif’artecha).
-
„Eifer“ –
קִנְאָה (qin’āh):
leidenschaftlicher Bundeseifer/Exklusivliebe Gottes.
-
„Machttaten“
– גְּבוּרוֹת
(gevurót):
machtvolle Taten/Heldenkräfte.
-
„Regung deines
Innern“ – wtl.
הֲמוֹן מֵעֶיךָ
(hamón me‘echa):
„Brausen/Bewegung deiner Eingeweide“, d. h. innerstes
Mitleid.
-
„deine Erbarmungen
halten sich zurück“ –
וְרַחֲמֶ֖יךָ
עָלַ֥י הִתְאַפָּֽקוּ (ve-raḥamecha
‘alay hit’appāqû): „sind zurückgehalten/zugehalten“ →
Gottes Schweigen
wird erlebt.
Gedanke: Das
Gebet argumentiert von
Gottes Wesen her (Heiligkeit ↔ Erbarmen).
Vers 16
-
„Denn du bist
unser Vater“ –
כִּֽי־אַתָּ֣ה
אָבִ֔ינוּ (ki
atta avínu): Bundesnähe; Gott als Ursprung und
Beistand.
-
„Abraham weiß
nicht von uns… Israel kennt uns nicht“ – selbst
Ahnvater/Patriarch
kann nicht helfen; die
bloße Abstammung
trägt nicht.
-
„du, Jehova, bist
unser Vater; unser Erlöser von alters her ist dein Name“
– גֹּאֲלֵ֥נוּ
מֵעוֹלָ֖ם שְׁמֶֽךָ (go’ălénu
me‘olam schemecha): „Erlöser (Löser-Verwandter) von
Ewigkeit an — das ist dein Name.“
-
go’el
(גֹּאֵל, go’ēl):
der lösepflichtige
Verwandte,
der das
Anrecht zurückkauft (Ruth-Motiv; Ex 6,6).
Gedanke:
Name =
geoffenbartes Wesen/Charakter; Gottes
Vaterschaft/Erlösersein ist älter und tragfähiger als
jede genealogische
Legitimation.
Vers 17
-
„Warum, Jehova,
lässt du uns von deinen Wegen abirren“ –
לָמָּה תַתְעֵנוּ
מִדְרָכֶיךָ (lāmmā
tat‘ênu midrachécha): „warum lässt du uns in die Irre
gehen?“ =
gerichtliches Zulassen (vgl. Röm 1 „dahingegeben“).
-
„verhärtest unser
Herz, dass wir dich nicht fürchten?“ –
תַקְשֶׁה לִבֵּנוּ
מִירְאָתֶךָ (taqscheh
libbénu mir’ātecha): „machst hart“ =
Verstockung
als Gericht,
nachdem Menschen den falschen Weg wählten (vgl.
Pharao-Motiv).
-
„Kehre zurück… um
deiner Knechte willen, der Stämme deines Erbteils!“
– שׁוּבָה לְמַעַן
עֲבָדֶיךָ שִׁבְטֵי נַחֲלָתֶךָ (schûvā
lema‘an ‘avādecha, schwivṭê nachălatécha): klassisches
Umkehr-/Heimkehr-Gebet (vgl. Ps 80,4.8.20).
Gedanke:
Menschliche Verantwortung bleibt; doch die
Hoffnung
liegt in Gottes
Rückkehr zu seinem
Erbteil.
5) Theologische Linien
-
Gottesverborgenheit & Gebet: Erlebte Ferne
provoziert kühne
Fürbitte. Glaube ruft Gott
bei seinem Namen
an (Vater, Erlöser).
-
Vaterschaft
Gottes: Nicht bloß
Schöpfervaterschaft, sondern
Bundesnähe:
Er „gehört“ seinem Volk.
-
Abstammung vs.
Gnade: Abraham/Israel als Vorfahren helfen nicht;
Gott selbst
ist die Quelle (V.16) – Vorahnung dessen, was im NT klar
wird.
-
Verstockung:
Gerichtliches
Zulassen (judikativ), das zur
Buße
treiben soll; nicht deterministische Ausrede, sondern
Bußruf.
-
Rest-Theologie:
Die „Knechte“/Stämme
als Erbteil
– Stimme des
glaubenden Restes, der Gott zurückruft.
6) Verbindung zu
Johannes 8
(Abraham-Rühmen vs. echte Sohnschaft)
In
Joh 8,33–59
berufen sich einige Juden auf
„Abrahams Same“;
der Herr Jesus entlarvt:
wahre Kindschaft
zeigt sich an den
Werken des Vaters und am
Annehmen des Sohnes.
-
Parallele zu Jes
63,16: „Abraham weiß nicht von uns… du, Jehova,
bist unser Vater.“
– Es ist Gottes
Vaterschaft (sein Name/Wesen), nicht
Abstammung,
die rettet.
-
Konsequenz:
Wer den Sohn
verwirft, beweist, dass er
nicht in
den Wegen Abrahams lebt (Joh 8,39–40).
-
Heilsgeschichtlich: Jes 63 gibt die
Gebetssprache des
Restes; Joh 8 zeigt, dass ohne
Glaubensgehorsam
gegenüber Gottes Offenbarung (letztlich in Christus) die
Berufung auf Abraham
leer ist.
7) Praktische Anwendung
(für Gemeinde & Person)
-
Bete aus Gottes
Namen: Nenne ihn, wie er sich geoffenbart hat (Vater,
Erlöser).
-
Klage mit
Ehrfurcht: Benenne Gottes Schweigen,
ohne
seine Treue zu leugnen.
-
Buße statt
Fatalismus: Erkenne
eigene Irre;
bitte Gott, das
harte Herz zu
brechen.
-
Bundesgedächtnis
pflegen: „Um deiner Knechte/Stämme willen“ – bete
gemeinsam
mit dem Blick auf Gottes
Erbteil.
-
Christuszentrierung: Wahre
Kindschaft
zeigt sich am
Annehmen des Sohnes (Joh 8).
8) Zusammenfassung in fünf
Sätzen
Jes 63,15–17 ist eine
Gemeinschaftsklage:
Israel erlebt Gottes Ferne, ruft aber den Gott an, der
Vater und
Erlöser
von alters her
ist. Die Verse bewegen sich im Ablauf
Klage → Bekenntnis →
Bitte. Dabei wird klar:
Abstammung
(Abraham/Israel) rettet nicht; entscheidend ist Gottes
Name/Wesen
und seine erbarmende
Nähe. Das Rätsel der
Verstockung
wird als gerichtliches
Zulassen verstanden, das zur
Umkehr
treiben soll. In Verbindung mit
Johannes 8
wird sichtbar, dass wahre Sohnschaft nicht im
Rühmen der Herkunft,
sondern im
Glaubensgehorsam gegenüber Gottes Offenbarung (in
Christus) besteht.
(1) LESETEXT – für
Bibelstunde/Vortrag
Jesaja 63,15–17 (EF
1905) – Auslegung, Ablauf & Hintergrund
-
Ablauf:
Klage (V.15) → Bekenntnis (V.16) → Bitte (V.17).
-
Kernworte (hebr.):
-
qin’āh
(קִנְאָה) – Eifer/Eifersucht Gottes;
-
gevurót
(גְּבוּרוֹת) – Machttaten;
-
hamón me‘echa
(הֲמוֹן מֵעֶיךָ) – Regung der Eingeweide = tiefstes
Mitleid;
-
go’ēl
(גֹּאֵל) – Löser-Verwandter/Erlöser;
-
tat‘ênu
(תַתְעֵנוּ) – du lässt uns abirren (gerichtlich
zulassen);
-
taqscheh libbénu
(תַקְשֶׁה לִבֵּנוּ) – du verhärtest unser Herz
(judikativ).
-
Botschaft:
In der Erfahrung göttlicher Verborgenheit klammert sich der
Glaube an Gottes
Namen:
„Du, Jehova, bist unser Vater… unser Erlöser von alters her
ist dein Name.“
-
Heilsgeschichtlich: Stimme des
Restes;
Bitte um Rückkehr
Gottes zum Erbteil
(Ps 80); Vorausklang endzeitlicher Wiederherstellung.
-
NT-Brücke:
Joh 8
entlarvt leeres
Abraham-Rühmen; wahre Sohnschaft zeigt sich an
Glauben/Ge horsam
gegenüber dem Sohn.
-
Anwendung:
Lerne klagen, bekennen, bitten. Erwarte vom
Vater-Erlöser
das weiche Herz – und gehe
seine Wege.
Jesaja 66 schließt das
Prophetenbuch mit einer gewaltigen Spannung:
Gott wohnt nicht im Tempel, sondern bei den Demütigen,
und Zion erfährt eine wunderbare Geburt.
Zugleich kommt Jehova im Feuer zum Gericht,
sammelt die Nationen zur Anbetung und führt hin zum neuen
Himmel und zur neuen Erde – während das Gericht über die
Gottlosen ewig bleibt.
Vers-für-Vers-Auslegung
(Elberfelder 1905)
Verse 1–2 – Der wahre
Tempel
Text:
„So spricht Jehova: Der Himmel ist mein Thron, und die Erde
der Schemel meiner Füße: wo wäre denn das Haus, das ihr mir
bauen könntet, und wo der Ort, da ich ruhen sollte? Hat doch
meine Hand dies alles gemacht, und so ist dies alles
geworden, spricht Jehova. Aber auf diesen will ich blicken:
auf den Elenden und den, der zerschlagenen Geistes ist, und
der da zittert vor meinem Worte.“
-
Gedanke:
Gott ist nicht
an einen Tempel gebunden (vgl. Apg 7,48–50; Apg
17,24). Der wahre „Tempel“ ist das
demütige Herz,
das auf Gottes Wort zittert.
-
Heilsgeschichtlich: Vorbereitung auf den neuen
Bund; Verheißung des
Heiligen
Geistes in Zerbrochenheit.
Verse 3–4 –
Äußerlicher Kult ohne Gehorsam
Text:
„Wer einen Ochsen schlachtet, ist wie einer, der einen
Menschen erschlägt; wer ein Lamm opfert, wie einer, der
einem Hunde das Genick bricht; … Auch ich, ich will über sie
wählen Trug, und was sie fürchten, das will ich über sie
bringen…“
-
Gedanke:
Äußerliche Opfer ohne Gehorsam sind
Greuel
für Gott (vgl. Jes 1,11–15; Spr 15,8).
-
Verstockung:
Gott erwählt Gericht für die, die sich weigern, auf sein
Wort zu hören.
-
NT-Bezug:
Hebr 10,5–9 – das Opfer Christi ersetzt den
leeren
Ritualismus.
Verse 5–6 – Trost und
Gericht
Text:
„Höret das Wort Jehovas, die ihr zittert vor seinem Worte!
Eure Brüder, die euch hassen, … Jehova aber wird erscheinen
zu eurer Freude, sie aber werden beschämt werden. – Eine
Stimme von der Stadt! Eine Stimme aus dem Tempel! Die Stimme
Jehovas, der seinen Feinden Vergeltung gibt.“
-
Gedanke:
Spott und Ausgrenzung der Treuen durch die
Namenschristen/Juden.
-
Trost:
Jehova selbst erscheint – Freude für die, die ihn
fürchten, Gericht für die Spötter.
-
NT:
Joh 16,2 – „Sie werden euch aus der Synagoge
ausschließen.“
Verse 7–9 – Zions
wunderbare Geburt
Text:
„Ehe sie Wehen hatte, hat sie geboren; … sollte ich das
Gebären öffnen und nicht gebären lassen?, spricht Jehova.“
-
Bild:
Zion gebiert
plötzlich ein Volk – Hinweis auf die
Wiedergeburt
Israels in der Endzeit (vgl. Röm 11,26).
-
Typologisch:
Bild auch für die
Geburt der
Gemeinde durch Pfingsten (plötzlich,
unerwartet).
Verse 10–14 – Trost
und Sättigung in Jerusalem
Text:
„Freuet euch mit Jerusalem, und frohlocket über sie, alle,
die ihr sie liebet! … damit ihr sauget und gesättigt werdet
an der Brust ihres Trostes… Denn so spricht Jehova: Siehe,
ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom…“
-
Gedanke:
Endzeitliche
Wiederherstellung Jerusalems als Quelle des
Segens.
-
Bild:
Mutterbrust = Versorgung, Trost, Frieden.
-
Heilsgeschichtlich: Erfüllung im 1000-jährigen
Reich (vgl. Offb 21,10–11 in Vollendung).
Verse 15–16 – Gottes
feuriges Gericht
Text:
„Denn siehe, Jehova wird im Feuer kommen, und seine Wagen
wie ein Sturmwind, um seinen Zorn im Grimm zu vergelten …
Denn Jehova wird im Feuer Gericht halten…“
-
Endgericht:
Gottes Kommen mit Feuer – vgl. 2Thess 1,7–8; Offb
19,11–16.
-
Ziel:
Gericht über alle, die ihn verwerfen.
Verse 17 – Gericht
über Götzendienst
Text:
„Die sich heiligen und reinigen in den Gärten, hinter einem
in der Mitte, Schweinefleisch essend, … sie werden allesamt
ein Ende nehmen, spricht Jehova.“
-
Bild:
Synkretistischer Kult, Vermischung von Götzendienst und
Unreinheit.
-
Prinzip:
Äußerliche „Heiligung“ ohne Treue zu Jehova endet im
Gericht.
Verse 18–21 – Sammlung
der Völker
Text:
„Und ich, ich kenne ihre Werke und ihre Gedanken; und es
kommt: um alle Nationen und Sprachen zu versammeln… und ich
will von ihnen … auch Priester und Leviten nehmen, spricht
Jehova.“
-
Universalität:
Gottes Heil erreicht alle Nationen.
-
Neues
Priestertum: Gott beruft sogar aus den Nationen
„Priester und Leviten“ → Hinweis auf die
Gemeinde
(1Petr 2,9; Offb 1,6).
Verse 22–23 – Neuer
Himmel und neue Erde
Text:
„Denn gleichwie die neuen Himmel und die neue Erde, die ich
mache, vor mir bestehen, spricht Jehova, also wird euer Same
und euer Name bestehen. Und es wird geschehen: von Neumond
zu Neumond und von Sabbat zu Sabbat wird alles Fleisch
kommen, um vor mir anzubeten.“
-
Heilsziel:
Dauerhaftigkeit der neuen Schöpfung (vgl. Jes 65,17;
Offb 21,1).
-
Weltweite
Anbetung: Alle Völker werden Jehova huldigen.
Vers 24 – Das ernste
Ende
Text:
„Und sie werden hinausgehen und die Leichname der Menschen
sehen, die sich an mir versündigt haben; denn ihr Wurm wird
nicht sterben, und ihr Feuer nicht erlöschen; und sie werden
allem Fleische ein Abscheu sein.“
-
Ewigkeitsblick: Bild des endzeitlichen
Gerichts; von Jesus aufgegriffen in
Mk 9,48.
-
Spannung:
Buch endet mit Gericht, nicht Trost → ernstes Mahnwort,
dass Gottes Reich zwar Heil bringt, aber Gericht für die
Gottlosen unvermeidlich ist.
Zusammenfassung in
fünf Sätzen
Jesaja 66 zeigt den
Abschluss des
Jesajabuches: Gott wohnt nicht in Tempeln aus
Stein, sondern bei den Demütigen (V.1–2). Äußerlicher Kult
ohne Gehorsam ist ihm ein Greuel (V.3–4). Zion erlebt eine
wunderbare Geburt: plötzlich wird ein Volk hervorgebracht
(V.7–9) und Trost strömt von Jerusalem in die Nationen
(V.10–14). Doch Jehova kommt mit Feuer zum Gericht (V.15–17)
und sammelt zugleich alle Nationen zur Anbetung, wobei er
sogar aus ihnen Priester nimmt (V.18–21). Das Ziel ist der
neue Himmel und die neue Erde (V.22–23), während das Gericht
über die Gottlosen ewig bleibt (V.24).
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