Fragen und Antworten
00424 Rauchen, Tätowierungen, ein Hinderungsgrund um
wiedergeboren zu sein?

Antwort: Wiedergeburt ist das neue Leben aus Gott (Joh 3,3–6; 1. Pet 1,23). Der Mensch empfängt eine neue Natur, das göttliche Leben, bleibt aber bis zur Entrückung im alten Leib und mit der alten Natur behaftet (Röm 7,17–25).
Antwort: Nein. Das Leben, das aus Gott geboren ist, bleibt ewig (Joh 10,28–29; 1. Joh 5,18). Sünde unterbricht nicht die Wiedergeburt, wohl aber die Gemeinschaft mit dem Herrn (1. Joh 1,6–9).
Antwort: Paulus nennt die Korinther „fleischlich“ (1. Kor 3,1–3), obwohl sie wiedergeboren waren. Sie wandelten nach der alten Natur, nicht nach dem Geist. Fleischlichkeit zeigt sich in Neid, Streit, Parteilichkeit – und kann auch in Gewohnheiten und Süchten sichtbar werden.
Antwort: Nein. Das Neue Testament legt den Fokus auf das Herz (1. Sam 16,7; Mt 15,18–20; 1. Pet 3,3–4). Die Versammlung richtet nicht nach dem Äußeren, sondern nach Glauben und Wandel im Licht.
Antwort: Im AT steht ein Verbot für Israel: „Ihr sollt keine Einschnitte in euren Leib machen … noch euch Tätowierungen einätzen lassen“ (3. Mo 19,28). Es war ein heidnischer Ritus. Für Christen gilt das Prinzip der Heiligkeit des Leibes (1. Kor 6,19–20), nicht ein gesetzliches Verbot.
Antwort: Die Bibel nennt das Rauchen nicht, doch Prinzipien gelten:
Der Leib ist Tempel des Heiligen Geistes (1. Kor 6,19–20).
„Alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen“ (1. Kor 6,12).
Daraus folgt: Rauchen ist eine unheilige, versklavende Gewohnheit – aber keine Frage der Wiedergeburt, sondern der Heiligung.
Antwort: Nein. Gott sieht das Herz. Heuchelei oder Stolz (unsichtbar) sind vor Gott ebenso Fleisch wie sichtbare Sünden (Luk 18,9–14).
Antwort: Nur bei bösem Wandel, der nicht gerichtet wird (1. Kor 5). Eine Gewohnheitssünde ist kein automatischer Ausschluss, solange ein Gläubiger sich nicht darin rechtfertigt, sondern sie als Sünde erkennt.
Antwort: Nein. 1. Kor 5 nennt Hurerei, Habsucht, Götzendienst, Lästerung, Trunksucht, Raub – moralisch zerstörerische, ungerichtete Sünden. Rauchen fällt eher unter „Schwachheit des Fleisches“.
Antwort: Ja. Römer 14 zeigt, dass unterschiedliche Gewissensstärken vorkommen. Eine örtliche Versammlung darf Ermahnung üben, aber nicht gesetzlich urteilen (Röm 14,3–4).
Antwort: Ja, jeder soll sich selbst prüfen (1. Kor 11,28). Diese Selbstprüfung steht nicht unter Gemeindeaufsicht, sondern zwischen dem Gläubigen und dem Herrn.
Antwort: Petrus verleugnete den Herrn, Barnabas wurde mitgerissen durch Menschenfurcht (Gal 2,13), Markus verließ die Missionsreise (Apg 13,13). Gott stellt sie wieder her – sie blieben Glieder am Leib Christi.
Antwort: Sünde ist Übertretung eines klaren Gebotes Gottes (1. Joh 3,4). Schwachheit ist Folge des Fleisches, Unwissenheit oder Unreife (Hebr 5,2). Sie wird von Gott anders beurteilt (Ps 103,14).
Antwort: Der Sohn bleibt Sohn, auch in Ferne und Schmutz. Er verliert die Gemeinschaft, nicht die Sohnschaft (Luk 15,11–24).
Antwort: Der Gläubige erlebt, dass das Fleisch in ihm wohnt (Röm 7,17), aber der Geist ihn frei macht (Röm 8,2). Sieg geschieht durch den Geist, nicht durch äußere Verbote.
Antwort: Mit Sanftmut (Gal 6,1). „Tragt einer des anderen Lasten“ – nicht verurteilen, sondern helfen zur Befreiung.
Antwort: Nur, wenn jemand im Ungehorsam verharrt und das Böse liebt (1. Joh 3,9). Wer kämpft und leidet unter der Sünde, zeigt gerade das Wirken des Geistes.
Antwort: Röm 7,14–25; Gal 5,17; 1. Joh 1,8; Jak 3,2 – sie alle bezeugen, dass niemand sündlos lebt, bis Christus kommt.
Antwort: Durch Erkenntnis des Kreuzes (Röm 6,6–11), Gemeinschaft mit Christus, Gebet, geistliche Gemeinschaft und praktische Enthaltsamkeit (Tit 2,11–12).
Antwort: „Nehmt einander an, wie auch der Christus euch angenommen hat“ (Röm 15,7). Der Herr reinigt jeden in Seiner Zeit – unser Auftrag ist Geduld und Liebe, nicht Gesetzlichkeit.
| Thema | Schriftstellen |
|---|---|
| Heiligkeit des Leibes | 1. Kor 6,12–20; Röm 12,1 |
| Selbstprüfung und Brotbrechen | 1. Kor 11,27–32 |
| Brüderliche Zurechtweisung | Gal 6,1; Jak 5,19–20 |
| Geduld mit Schwachen | Röm 14,1–13; 1. Thes 5,14 |
| Sieg über das Fleisch | Röm 8,1–13; Gal 5,16–24 |
| Wiederherstellung | 1. Joh 1,9; Ps 51; Joh 21,15–19 |
| Gnade über Gericht | Joh 8,1–11; Röm 5,20 |
Weder
Rauchen noch
Tätowierungen sind in sich
Hinderungsgründe für Wiedergeborene,
wohl aber Ausdruck der alten Natur, die geheiligt werden soll.
Die Gemeinde Christi hat nicht den Auftrag,
nach dem Äußeren zu richten,
sondern nach der Wahrheit und Liebe
zu handeln.
Wer in Christus ist, hat neues Leben – und
jeder Gläubige trägt sichtbare oder unsichtbare Spuren des alten Menschen. Das
Brotbrechen ist Ausdruck der
Gemeinschaft im Leib Christi, nicht ein Preis für äußere
Vollkommenheit.
Die Frage, ob Gewohnheiten wie
Rauchen oder
Tätowierungen die geistliche
Gemeinschaft oder gar die Wiedergeburt eines Menschen in Frage stellen, ist eine
ernste und seelsorgerlich heikle Angelegenheit.
In manchen Gemeinden wird Gläubigen, die solche äußeren Merkmale tragen, die
Teilnahme am Brotbrechen
verweigert. Andere betrachten sie als „schwache Brüder“, die der Belehrung und
liebevollen Hilfe bedürfen.
Doch was sagt die
Schrift wirklich über diese
Themen?
Die Bibel ist das inspirierte Wort Gottes (2. Tim 3,16 f.) – sie offenbart das,
was „die Gedanken und Gesinnungen des Herzens“ (Hebr 4,12) ist, und
unterscheidet zwischen dem Fleisch
(σάρξ), das aus dem alten Menschen
stammt, und dem Geist (πνεῦμα),
der durch die Wiedergeburt aus Gott in uns wohnt.
Diese Untersuchung will zeigen:
welche Stellung der Wiedergeborene vor Gott hat,
wie Fleischlichkeit (sichtbar oder verborgen) in jedem Gläubigen weiterwirkt,
wie Heiligung (ἁγιασμός) nicht äußerlich, sondern geistlich geschieht,
und wie die Gemeinschaft am Brot nach biblischer Ordnung beurteilt werden soll.
Dabei gilt: Es geht nicht um Verharmlosung, sondern um rechtfertigende Gnade und praktische Heiligung – das Werk Gottes im Gläubigen.
Der Herr Jesus sagt zu Nikodemus:
„Wenn jemand nicht von neuem (ἄνωθεν – von oben) geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen“ (Joh 3,3).
Die Wiedergeburt ist
kein moralischer Wandel,
sondern die göttliche Neuzeugung
eines toten Menschen (Eph 2,1 ff.).
Der Gläubige empfängt neues Leben,
das aus Gott stammt (1. Joh 5,1. 18). Dieses Leben ist unzerstörbar (Joh 10,28
f.) und bleibt ewig – es ist Teil der
göttlichen Natur (2. Pet 1,4).
Der wiedergeborene Mensch trägt zugleich:
die neue Natur (aus Gott),
und das alte Fleisch (σάρξ), das unverbesserlich bleibt (Röm 7,18).
Paulus beschreibt den inneren Kampf:
„Denn das Wollen ist bei mir vorhanden, aber das Vollbringen des Guten finde ich nicht“ (Röm 7,18).
„Ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das gegen das Gesetz meines Sinnes streitet“ (V. 23).
Damit ist klar: Der Gläubige kann nicht
sündlos leben, solange er im Leib der Niedrigkeit ist (Phil 3,21).
Er hat in sich das Prinzip der Sünde
(ἁμαρτία), das zwar nicht mehr
herrschen darf, aber bis zur Verherrlichung gegen das neue Leben wirkt.
Jede Äußerung der alten Natur – ob Zorn,
Stolz, Begierde oder Gewohnheitssünde – entspringt demselben Ursprung: dem
Fleisch.
Das Neue Testament unterscheidet nicht
zwischen „anständiger“ und „unanständiger“ Fleischlichkeit.
Ein Raucher, ein Stolzer oder ein Ehrgeiziger handeln alle „nach dem Fleisch“ (κατὰ
σάρκα), wenn sie nicht durch den Geist geleitet werden (Röm 8,4–9).
Doch das bedeutet nicht, dass ihre Wiedergeburt fraglich wäre, sondern dass die Heiligung in ihnen noch nicht ihr Ziel erreicht hat (1. Thes 4,3).
Paulus schreibt an die Korinther:
„Oder wisset ihr nicht, daß euer Leib ein Tempel des in euch wohnenden Heiligen Geistes ist, den ihr von Gott habt, und daß ihr nicht euer selbst seid? Denn ihr seid um einen Preis erkauft; verherrlichet nun Gott in eurem Leibe und in eurem Geiste, die Gottes sind.“
(1. Kor 6,19–20; Elberfelder 1905)
Diese beiden Verse bilden einen der zentralen theologischen Eckpfeiler der neutestamentlichen Ethik. Sie stellen klar:
Der Leib (σῶμα) ist kein wertloses „Gefäß“, sondern ein heiliger Besitz Gottes.
Der Heilige Geist (πνεῦμα ἅγιον) wohnt nicht nur in der Versammlung, sondern in jedem einzelnen Gläubigen.
Daraus folgt: jede Behandlung des Leibes – ob in Reinheit oder Unreinheit, in Maß oder Ausschweifung – hat eine geistliche Dimension.
Paulus betont: „Ihr seid um einen Preis
erkauft“ – das ist die Sprache des Lösegeldes.
Der Preis ist das Blut Christi (1. Pet 1,18 f.).
Der Leib des Gläubigen steht also
nicht mehr unter eigener Verfügung, sondern ist Teil des erkauften
Besitzes Christi.
Dieser Gedanke schließt alle Formen der
Selbstbestimmung über den Leib
aus, die unabhängig vom Willen Gottes erfolgen.
Dazu zählen:
Selbstverletzung (Lev 19,28; 1. Kön 18,28),
körperliche Unreinheit (1. Thes 4,3–5),
maßlose Gewohnheiten (1. Kor 6,12–13).
Aber: Paulus spricht nicht vom Ausschluss aus der Gemeinschaft, sondern von Heiligung des Lebens aus Dankbarkeit.
In 1. Korinther 6,12 heißt es:
„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich; alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen.“
Zwei griechische Schlüsselbegriffe verdienen Beachtung:
ἔξεστιν – „es ist erlaubt, es steht frei“,
ἐξουσιασθήσομαι – „unter Autorität gebracht werden, beherrscht werden“.
Paulus zeigt:
Christliche Freiheit endet
dort, wo eine Gewohnheit zur
Herrschaft über den Leib wird.
Hier liegt das geistliche Problem des Rauchens – nicht primär im Stoff selbst,
sondern im Verlust der Freiheit.
Wer sich nicht mehr entziehen kann, steht in einem unfreien Verhältnis zu einer
irdischen Macht, und das widerspricht dem Grundsatz der Herrschaft Christi über
den Gläubigen (Röm 14,8–9).
Das Alte Testament kennt das Verbot in 3. Mose 19,28:
„Ihr sollt keine Einschnitte in euer Fleisch machen wegen eines Toten, und keine Schriftzeichen sollt ihr euch einätzen; ich bin Jehova.“
Dieses Gebot war an Israel gerichtet und
zielte gegen heidnische Trauer- und
Kultpraktiken.
Im Neuen Bund wird dieses Gesetz nicht wiederholt, aber das Prinzip bleibt:
Der Leib gehört Gott, nicht dem Menschen.
Der Gläubige darf nichts tun, was seinen Leib dauerhaft
mit einem Zeichen der Welt oder der
Sünde verbindet (vgl. Jak 4,4).
Andererseits bedeutet ein bereits
vorhandenes Tattoo nicht,
dass jemand ausgeschlossen oder verloren wäre.
Paulus selbst trug Narben (Gal 6,17), und viele aus den Nationen kamen zu
Christus, obwohl sie zuvor Götzenzeichen trugen.
Das Entscheidende ist, wem
der Leib jetzt gehört und in welchem
Geist er gebraucht wird.
Rauchen: Eine unheilige Gewohnheit, die der Heiligung des Leibes widerspricht, weil sie ihn zerstört und bindet.
Tätowierungen: Ein äußeres Mal der Selbstbestimmung; vor der Wiedergeburt oft Zeichen der Welt, nach der Wiedergeburt Gegenstand der Gnade.
Schlussfolgerung: Beides kann Ausdruck von σάρξ (Fleischlichkeit) sein, ist aber kein Beweis fehlender Wiedergeburt.
Der entscheidende Maßstab bleibt:
„Ob ihr nun esset oder trinket oder irgend etwas tut, tut alles zur Ehre Gottes“ (1. Kor 10,31).
Der Leib des Gläubigen ist das sichtbare
Zeugnis seiner inneren Zugehörigkeit.
Wenn jemand raucht oder tätowiert ist, mag dies die Wahrnehmung anderer
beeinflussen, aber Gott sieht das Herz (1. Sam 16,7).
Das Ziel ist nicht moralische Perfektion, sondern die
Verherrlichung Gottes im
Leib.
Darum lautet die Ermahnung des Apostels:
„Verherrlichet nun Gott in eurem Leibe und in eurem Geiste, die Gottes sind.“
Heiligung (ἁγιασμός) geschieht nicht durch äußere Reinheitsregeln, sondern durch das Wirken des Heiligen Geistes im Inneren des Menschen (Röm 8,13; 1. Thes 5,23).
Das griechische Wort
σάρξ (sarx) hat im Neuen
Testament eine vielschichtige Bedeutung.
Es bezeichnet:
den menschlichen Körper (Joh 1,14 – „das Wort wurde Fleisch“),
den natürlichen Menschen, wie er aus Adam stammt,
und besonders in Paulus’ Briefen die sündige Natur, die den Gläubigen begleitet (Röm 7,18; Gal 5,19–21).
Wenn Paulus schreibt:
„Ich weiß, daß in mir, das ist in meinem Fleische, nichts Gutes wohnt“ (Röm 7,18),
dann meint er nicht seinen physischen Leib, sondern die sündige Tendenz, die im Menschen bleibt – das Prinzip der Eigenwilligkeit gegen Gott.
Diese „σάρξ“ bleibt im Gläubigen bestehen,
auch nach der Wiedergeburt.
Sie wird nicht verbessert, sondern
verurteilt (Röm 8,3) und
durch den Geist im Tod gehalten (Röm 8,13).
Das Fleisch kann fromm erscheinen, sich religiös betätigen (Phil 3,3–6), aber es bleibt unverbesserlich böse (Joh 6,63).
Das Wort πνεῦμα (pneuma) bezeichnet im NT:
den Geist Gottes,
den neuen Geist im Gläubigen (Hes 36,26–27 erfüllt in Joh 3),
die geistliche Sphäre, in der der neue Mensch lebt.
Im Gegensatz zu σάρξ ist πνεῦμα das Prinzip des göttlichen Lebens – das, was aus Gott geboren ist (Joh 3,6: „was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“).
Der neue Mensch lebt „nach dem Geist“ (κατὰ
πνεῦμα) – das bedeutet:
Er richtet Denken, Wollen und Tun nach der Leitung des Heiligen Geistes aus.
Rauchen, Tätowieren, Stolz, Neid oder Zorn – alles, was sich
nicht dieser Leitung
unterordnet, fällt in die Sphäre des Fleisches.
ἁμαρτία (hamartia) bezeichnet nicht zuerst einzelne Taten, sondern das
Prinzip der Zielverfehlung.
Das Wort bedeutet wörtlich: das Ziel
verfehlen (vgl. Röm 3,23).
Paulus verwendet „Sünde“ oft als personifizierte Macht:
„Die Sünde herrschte durch den Tod …“ (Röm 5,21).
„Ich sehe ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, das mich gefangen nimmt unter das Gesetz der Sünde“ (Röm 7,23).
Das Fleisch (σάρξ)
ist der Sitz dieser Macht.
Solange der Gläubige im sterblichen Leib lebt, trägt er das Prinzip der Sünde in
sich.
Es verliert seine Herrschaft, aber nicht seine Gegenwart.
Darum ruft Paulus aus:
„Ich elender Mensch! Wer wird mich retten von diesem Leibe des Todes?“ (Röm 7,24).
„Ich danke Gott durch Jesus Christus, unseren Herrn!“ (V. 25).
Das ist das Geheimnis christlicher
Heiligung:
Nicht das Fleisch reformieren, sondern
in der Kraft des Geistes den alten Menschen für tot halten (Röm
6,6–11).
Galater 5,17 fasst das geistliche Leben des Gläubigen zusammen:
„Denn das Fleisch gelüstet wider den Geist, der Geist aber wider das Fleisch; diese widerstreben einander, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt.“
Diese innere Spannung erklärt, warum auch
Wiedergeborene in sichtbaren und unsichtbaren Schwachheiten versagen können.
Sie leben im „Zwischenzustand“ – das alte Wesen ist gerichtet, aber noch
vorhanden.
Darum mahnt Paulus:
„Wandelt im Geist, und ihr werdet die Lust des Fleisches nicht vollbringen“ (Gal 5,16).
Das bedeutet:
Nicht der Gläubige siegt, sondern der Geist Gottes in ihm.
Fleischliche Handlungen (egal welcher Art) beweisen Schwachheit, nicht Unglaube.
Der Sieg geschieht durch tägliche Gemeinschaft mit Christus, nicht durch äußere Vorschriften.
Galater 5,19–23 zeigt den Gegensatz:
„Offenbar sind aber die Werke des Fleisches …“
„Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede …“
Es ist bezeichnend, dass Paulus nicht sagt:
„Die Werke des Geistes“, sondern
„die Frucht des Geistes“.
Wer im Geist lebt, trägt Frucht,
aber nicht durch Zwang.
Wer im Fleisch lebt, hervorbringt
Werke, sichtbar und unsichtbar.
Hier liegen die beiden Extreme:
sichtbare „Fleischlichkeiten“ (Rauchen, Trunkenheit, Tätowierungen, sexuelle Sünden),
verborgene „Fleischlichkeiten“ (Stolz, Bitterkeit, Eigenwille, geistlicher Hochmut).
Beide stammen aus demselben Prinzip – dem
σάρξ.
Darum verurteilt Gott nicht das
Sichtbare allein, sondern das Herz, aus dem es kommt (Mt 15,18–20).
Ein wiedergeborener Christ kann fleischlich
handeln (1. Kor 3,1–3), aber er kann
nicht im Fleisch leben (Röm 8,8–9).
Das ist der entscheidende Unterschied.
Er kann fallen, aber nicht in der Sünde wohnen bleiben (1. Joh 3,9).
Der Heilige Geist überführt ihn, diszipliniert ihn und führt zur Buße besser: >
Umkehr (Hebr
12,5–11).
Darum gilt:
Fleischliche Handlungen zeigen Schwachheit, nicht Unglaube.
Der Besitz des Geistes ist das Kennzeichen der Wiedergeburt, nicht die äußere Vollkommenheit.
Heiligung geschieht nicht durch Verbote, sondern durch das Töten der Werke des Fleisches im Geist (Röm 8,13).
| Begriff | Bedeutung | Stellung im Gläubigen | Wirkung |
|---|---|---|---|
| σάρξ (Fleisch) | alte Natur aus Adam | bleibt bis zur Verherrlichung | Quelle der Versuchung, Eigenwille |
| πνεῦμα (Geist) | neues göttliches Leben | wirkt in Gemeinschaft mit dem Heiligen Geist | Quelle des Sieges und der Heiligung |
| ἁμαρτία (Sünde) | Prinzip der Zielverfehlung | wohnt im Fleisch, nicht im neuen Menschen | herrscht nicht mehr, aber wirkt |
Der wiedergeborene Mensch lebt im
Spannungsfeld dieser drei Realitäten.
Er ist in Christus vollkommen (Hebr 10,14), aber in sich schwach.
Er ist gerechtfertigt, aber noch nicht verherrlicht.
Und darum gilt:
„Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns“ (1. Joh 1,8).
„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (V. 9).
Es ist von höchster Wichtigkeit, zwischen
gesetzlicher Forderung und
geistlicher Heiligung zu
unterscheiden.
Gesetzlichkeit sagt: „Tu dies nicht, sonst bist du kein Christ.“
Heiligung sagt: „Du bist Christus – darum tue es nicht mehr.“
Das Neue Testament ruft nicht zur äußeren
Selbstreinigung auf, sondern zur inneren
Verwandlung (Röm 12,2).
Alles moralische Handeln des Christen fließt aus seiner Stellung „in Christus“.
Wer das missversteht, stellt äußere Gebote an die Stelle des Geistes.
„Denn das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm 8,2).
Die Schrift erwähnt das Rauchen nicht
ausdrücklich, da es in der Antike keine solche Gewohnheit gab.
Doch das Prinzip der Heiligen
Schrift ist eindeutig:
„Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles ist nützlich; alles ist mir erlaubt, aber ich will mich von nichts beherrschen lassen“ (1. Kor 6,12).
Hier liegt der Kern.
Das griechische Wort ἐξουσιασθήσομαι
(„beherrscht werden“) bezeichnet ein Verhältnis der Abhängigkeit.
Rauchen ist eine Gewohnheit, die sowohl körperlich als auch seelisch bindet.
Ein wiedergeborener Christ, der raucht, steht nicht unter der Herrschaft des
Teufels, aber er hat sich eine
Gewohnheit des Fleisches erlaubt, die seine Freiheit im Geist
einschränkt.
Rauchen ist keine „böse Tat“ im Sinne von 1. Kor 5, aber es widerspricht dem geistlichen Prinzip:
„Verherrlichet nun Gott in eurem Leibe“ (1. Kor 6,20).
Es ist eine Form der Unmäßigkeit, die dem
Charakter der Selbstbeherrschung (ἐγκράτεια;
Gal 5,23) entgegensteht.
Doch es bleibt eine Schwachheit,
keine Rebellion.
Gott verurteilt nicht die Schwachen, sondern ruft sie zur Heiligung.
„Denn Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furchtsamkeit, sondern der Kraft und der Liebe und der Zucht“ (2. Tim 1,7).
Ein Gläubiger, der raucht, braucht nicht
Ausschluss, sondern Befreiung.
Er soll erkennen, dass Christus ihn
freigemacht hat (Joh 8,36) – und dass die Kraft des Geistes genügt, um
auch diese Bindung zu überwinden.
Zucht oder Ausschluss ist erst dann angezeigt, wenn jemand das Böse rechtfertigt
oder öffentlich zur Sünde ermutigt (1. Kor 5,11).
Das alttestamentliche Verbot (3. Mo 19,28)
stand im Zusammenhang mit heidnischem
Götzendienst.
Israel sollte sich nicht durch körperliche Male mit den Nationen identifizieren.
Der Grundsatz gilt weiterhin: Gottes Volk soll
unterscheidbar von der Welt
sein.
Im Neuen Testament wird kein ausdrückliches
Gebot über Tätowierungen gegeben, doch das Prinzip des „Tempels des Heiligen
Geistes“ bleibt maßgeblich (1. Kor 6,19).
Der Leib ist nicht mehr mein Eigentum,
sondern gehört Christus.
Jede bewusste Markierung des Leibes muss daher unter diesem Gesichtspunkt
geprüft werden:
Ist sie Ausdruck meiner Zugehörigkeit zu Christus – oder der Welt?
Viele Gläubige haben vor ihrer Bekehrung
Tattoos erhalten – manchmal mit Symbolen oder Namen, die sie später bereuen.
Die Gnade Gottes löscht nicht die Farbe, aber
die Schuld.
Paulus schrieb an Korinther, die aus Götzendienst, Unzucht und Trunkenheit
kamen:
„Und solches sind etliche von euch gewesen; aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt, aber ihr seid gerechtfertigt worden“ (1. Kor 6,11).
Die Vergangenheit wird nicht verurteilt,
wenn sie bekannt und gerichtet
ist.
Das sichtbare Mal wird zum Zeugnis der Gnade, die aus der Welt herausgerufen
hat.
Wer nach seiner Wiedergeburt bewusst seinen
Leib tätowiert, handelt leichtfertig
gegen den Tempelgedanken (1. Kor 3,17).
Nicht, weil Farbe an sich sündig wäre, sondern weil es das Prinzip der
Selbstbestimmung über den Leib verletzt.
Der Christ gehört nicht sich selbst – und jedes äußere Zeichen sollte dies
widerspiegeln (2. Kor 5,15).
Es ist ein ernster Irrtum, sichtbare
Fleischlichkeiten (z. B. Rauchen, Tattoos) stärker zu verurteilen als
unsichtbare (Stolz, Ehrgeiz,
Eigenliebe).
Die Schrift kennt keine solche Gewichtung.
Der Pharisäer im Tempel (Luk 18,9–14) war äußerlich rein, aber innerlich stolz –
und wurde verworfen.
Der Zöllner, der sich seiner Unwürdigkeit bewusst war, ging gerechtfertigt
hinab.
„Der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist; Jehova aber sieht auf das Herz“ (1. Sam 16,7).
Darum kann eine Gemeinde, die den Raucher
vom Brotbrechen ausschließt, aber den Stolzen duldet, unbewusst gesetzlich
handeln.
Das wahre Unterscheidungsmerkmal ist
gerichtetes oder ungerichtetes Fleisch, nicht das sichtbare Maß der
Schwäche.
| Aspekt | Rauchen | Tätowierungen |
|---|---|---|
| Biblischer Ursprung | keine Erwähnung | 3. Mo 19,28 (für Israel) |
| Geistliches Prinzip | Beherrschung des Leibes (1. Kor 6,12) | Eigentum des Leibes (1. Kor 6,19) |
| Moralischer Charakter | unheilig, aber nicht böse im Sinne von 1 Kor 5 | Ausdruck von Selbstbestimmung |
| Seelsorgerlicher Weg | Befreiung durch den Geist (Röm 8,2) | Erneuerung des Sinnes (Röm 12,2) |
| Gemeindliche Haltung | Ermahnung und Geduld | Liebevolle Unterweisung |
| Brotbrechen | nicht zu verweigern, solange Sünde gerichtet | keine Hindernis, wenn Gewissen rein |
Der Herr Jesus hat Sünder angenommen, nicht
Vollkommene (Luk 5,32).
Seine Gemeinde ist ein Ort der Wiederherstellung, nicht der Selbstgerechtigkeit.
Die wahre Heiligkeit zeigt sich nicht im Verbot, sondern in der
freiwilligen Hingabe.
„Ich ermahne euch nun, Brüder, durch die Erbarmungen Gottes, eure Leiber darzustellen als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Schlachtopfer, welches euer vernünftiger Dienst ist“ (Röm 12,1).
Wer erkennt, dass sein Leib Christus
gehört, wird sich hüten, ihn durch unnütze Gewohnheiten oder selbstbestimmte
Zeichen zu entehren.
Aber diese Erkenntnis wird durch den
Geist gelehrt, nicht durch menschliche Satzung.
„Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“ (2. Kor 3,17).
6. Gemeindliche Gemeinschaft und Brotbrechen – biblische Ordnung und Unterscheidung zwischen Schwachheit und Bösem
6.1 Das Brotbrechen – Ausdruck der Einheit des Leibes
Die Feier des Brotbrechens (1. Kor 10–11) ist der zentrale Ausdruck der Gemeinschaft des Leibes Christi.
Sie ist kein Sakrament im kirchlichen Sinn, sondern ein gedächtnisbezogener Gehorsamsakt – Ausdruck der Einheit, in der alle Erlösten vor Gott stehen.„Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot“ (1. Kor 10,17).
Das Brotbrechen gründet sich also nicht auf sittliche Vollkommenheit, sondern auf die vollbrachte Erlösung.
Es setzt voraus:
Wiedergeburt – Leben aus Gott.
Gerichtetes Gewissen – persönliche Selbstprüfung.
Gemeinschaft im Licht – kein bekennendes oder ungerichtetes Böses.
Darum ruft Paulus in 1. Kor 11,28:
„Ein jeder aber prüfe sich selbst, und so esse er von dem Brot und trinke von dem Kelch.“
Die Prüfung ist persönlich, nicht gemeinschaftlich auferlegt.
6.2 Der Maßstab des Ausschlusses: 1. Korinther 5
In 1. Kor 5 werden sechs Arten von ungerichtetem Bösen genannt:
„Hurerei, Habsucht, Götzendienst, Lästerung, Trunksucht, Raub.“
Diese Kategorien beschreiben charakterisierte Bosheit, also einen Zustand, in dem jemand im Bösen lebt und es nicht richtet.
Paulus schreibt:„Mit einem solchen nicht einmal zu essen“ (V. 11).
Hier geht es nicht um Schwachheit, sondern um offene, ungerichtete Sünde.
Die korinthische Gemeinde hatte die Pflicht, das Böse zu entfernen, um die Heiligkeit des Hauses Gottes zu bewahren (V. 13).Rauchen oder Tätowierungen fallen nicht in diese Kategorien.
Sie sind keine bewusste Empörung gegen Gott, sondern Überbleibsel des Fleisches.
Wer sie nicht verteidigt, sondern sich ihrer schämt und Buße hbesser Umkehr sucht, darf nicht ausgeschlossen werden.
6.3 Unterscheidung: Schwachheit vs. Böses
Merkmal Schwachheit Böses Wurzel Fleischliche Neigung Unbußfertiger Wille Haltung Kampf, Leid, Bitte um Hilfe Gleichgültigkeit oder Rechtfertigung Beispiel Petrus’ Verleugnung, Markus’ Rückzug (Apg 13,13) der Korinther mit der Stiefmutter (1 Kor 5,1) Gemeindliche Reaktion Ermahnen, tragen, helfen (Gal 6,1) Ausschluss (1 Kor 5,13) Ziel Wiederherstellung Entfernung bis zur Buße besser Umkehr Diese Unterscheidung ist entscheidend, um nicht gesetzlich zu handeln.
Ein Bruder mag rauchen und darunter leiden – das ist Schwachheit.
Ein anderer mag in Stolz oder Parteisucht verharren – das ist fleischlich, aber kein Grund zum Ausschluss.
Nur gerichtetes Böses darf die Gemeinschaft trennen, nicht gerungenes Fleisch.
6.4 Selbstprüfung und gemeinschaftliche Verantwortung
Das Brotbrechen verlangt Selbstprüfung, nicht „Gemeindeprüfung“.
Doch die Versammlung hat die Verantwortung, das Böse nicht zu dulden, wenn es bekannt, ungerichtet und verstockt ist.
Darum gilt der Grundsatz:„Die da sündigen, weise vor allen zurecht, damit auch die übrigen Furcht haben“ (1. Tim 5,20).
Aber dieselbe Schrift mahnt:
„Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt würde, so bringet ihr, die Geistlichen, einen solchen im Geiste der Sanftmut zurecht, indem du auf dich selbst siehst, daß du nicht auch versucht werdest“ (Gal 6,1).
Die Sanftmut des Geistes ist der Maßstab, nicht die Strenge des Gesetzes.
Wo das Gewissen wach ist und Buße besser :> Umkehr wirkt, hat der Tisch des Herrn Raum.
6.5 Der Tempelgedanke und die Heiligkeit des Hauses Gottes
Die Gemeinde ist „Tempel Gottes“ (1. Kor 3,16–17).
Darum darf sie kein böses Prinzip (z. B. ungerichtete Hurerei, falsche Lehre, bekennende Sünde) dulden.
Aber sie darf auch nicht das Menschenwerk des Fleisches mit der Herrlichkeit Gottes verwechseln.Es ist möglich, eine äußere Reinheit zu bewahren und innerlich tot zu sein – wie Sardes (Offb 3,1).
Ebenso kann ein schwacher, fehlerhafter Gläubiger in Aufrichtigkeit wandeln und vom Herrn angenommen sein.
Gott sieht das Herz; die Gemeinde darf nie strenger sein als der Herr selbst.
6.6 Beispiele im Neuen Testament
Petrus (Luk 22): fiel schwer, verleugnete Christus, wurde aber wiederhergestellt – nicht ausgeschlossen.
Barnabas (Gal 2,13): ließ sich durch Menschenfurcht verführen – Paulus tadelte ihn, aber er blieb Bruder.
Korinth (1 Kor 11): viele nahmen das Mahl unwürdig – einige wurden krank oder starben, doch die Gemeinde schloß sie nicht aus.
Diese Beispiele zeigen, dass Gott in Zucht handelt, nicht in Härte.
Seine Hand züchtigt zur Buße besser: > Umkehr, nicht zur Verwerfung.
6.7 Geistliche Leitlinie für die Gemeinde
Keine äußere Beurteilung ohne inneres Zeugnis.
Äußerlichkeiten (Kleidung, Tätowierungen, Gewohnheiten) sind kein Maßstab.Selbstgericht ist der Schlüssel zur Gemeinschaft.
Jeder prüft sich selbst vor Gott.Die Versammlung handelt nur, wenn Böses ungerichtet bleibt.
Ziel aller Zucht ist Wiederherstellung, nie Verurteilung.
Liebe und Heiligkeit sind kein Widerspruch.
„Nehmt einander an, wie auch der Christus euch angenommen hat, zur Herrlichkeit Gottes“ (Röm 15,7).
6.8 Fazit des Kapitels
Das Brotbrechen ist ein Vorrecht, kein Lohn.
Es gründet auf dem Blut Christi, nicht auf menschlicher Leistung.
Die Versammlung wahrt die Heiligkeit des Hauses Gottes durch Zucht im Fall des Bösen,
aber sie bewahrt die Liebe Christi durch Geduld mit den Schwachen.Rauchen oder Tätowierungen sind nicht Kriterien des Ausschlusses,
solange sie als Schwachheiten erkannt und nicht gerechtfertigt werden.
Der Herr richtet das Herz, und wer in Aufrichtigkeit mit Ihm wandelt, darf Seinen Tod verkündigen – auch wenn er noch Reste des Fleisches in sich trägt.„Denn sooft ihr dieses Brot esset und den Kelch trinket, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“ (1. Kor 11,26).
7. Pastorale Konsequenzen und Umgang mit Schwachheiten
7.1 Der Geist der Wiederherstellung
Die göttliche Ordnung in der Gemeinde gründet sich nicht auf Disziplin als Selbstzweck,
sondern auf Wiederherstellung in Liebe.„Brüder, wenn auch ein Mensch von einem Fehltritt übereilt würde, so bringet ihr, die Geistlichen, einen solchen im Geiste der Sanftmut zurecht, indem du auf dich selbst siehst, daß du nicht auch versucht werdest“ (Gal 6,1).
Das Wort καταρτίζετε („zurechtbringen“) bedeutet eigentlich „wiederherstellen“,
wie man ein gebrochenes Glied heilt oder ein Netz flickt (Mt 4,21).
Es zeigt: Zucht ist keine Abtrennung, sondern Heilung.
Wer in diesem Geist handelt, spürt die Last des anderen und trägt sie mit (Gal 6,2).
7.2 Die seelsorgerliche Haltung der Gemeinde
Die Gemeinde soll kein Gerichtshof, sondern ein Ort göttlicher Heilung sein.
Der Herr Jesus selbst gab uns das Muster:
Er nahm Zöllner, Hurerinnen und schwache Jünger an –
nicht um ihre Sünden zu dulden, sondern um sie zur Wahrheit zu führen.„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen“ (Jes 42,3; Mt 12,20).
Diese Haltung gilt besonders gegenüber Gläubigen, die in sichtbaren Schwächen stehen,
sei es durch Sucht, äußere Male oder Charakterfehler.
Sie sollen weder geduldet im Sinn der Gleichgültigkeit,
noch verstoßen im Sinn des Richtgeistes werden,
sondern getragen – in Wahrheit und Liebe.„Die Liebe deckt eine Menge von Sünden zu“ (1. Pet 4,8).
„Sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sondern freut sich mit der Wahrheit“ (1. Kor 13,6).
7.3 Der rechte Umgang mit Schwachen
Paulus unterscheidet in Römer 14 und 15 zwischen dem Schwachen im Glauben und dem Starken:
„Den Schwachen im Glauben aber nehmt auf, doch nicht zur Entscheidung zweifelhafter Fragen“ (Röm 14,1).
„Wir aber, die Starken, sind schuldig, die Schwachheiten der Schwachen zu tragen, und nicht uns selbst zu gefallen“ (Röm 15,1).Die Schwachheit eines Bruders ist kein Grund zur Trennung,
sondern ein Anlass zur Geduld.
Der Starke soll den Schwachen nicht verachten,
und der Schwache soll den Starken nicht richten (Röm 14,3).Das bedeutet für die Praxis:
Ein Bruder, der raucht, soll ermahnt, aber nicht verachtet werden.
Eine Schwester mit Tattoos soll liebevoll belehrt, aber nicht ausgeschlossen werden.
Ein Bruder mit Stolz oder Härte soll sanft unterwiesen, nicht öffentlich gebrandmarkt werden.
Der Maßstab lautet:
„Nehmt einander an, wie auch der Christus euch angenommen hat, zur Herrlichkeit Gottes“ (Röm 15,7).
7.4 Geistliche Führung: Wahrheit und Liebe in Gleichgewicht
Der Dienst der Ältesten = die im Glauben bewährten und im Alter fortgeschrittenen Brüder, Brüder, die die Herde leiten,
besteht darin, Wahrheit und Liebe in gleichem Maß zu verbinden.„Darum ermahne ich euch, seid Nachahmer Gottes … und wandelt in Liebe“ (Eph 5,1–2).
„Sprechet die Wahrheit in Liebe, und wachset heran in allem zu ihm hin, der das Haupt ist, Christus“ (Eph 4,15).Zwei Extreme sind zu vermeiden:
Falsche Milde, die Sünde überdeckt, ohne sie zu richten.
Gesetzliche Härte, die Schwachheit richtet, ohne sie zu heilen.
Wahre Seelsorge geschieht im Licht des Kreuzes:
Sie erkennt das Böse, aber sie begegnet ihm mit dem Geist des Christus,
der sagte:„Geh hin und sündige nicht mehr“ (Joh 8,11).
7.5 Die Macht des persönlichen Beispiels
Leitung geschieht nicht durch Vorschrift, sondern durch Vorbild.
„Seid Nachahmer meiner, wie auch ich Christi“ (1. Kor 11,1).
Wenn die Starken in Heiligkeit und Sanftmut wandeln,
werden die Schwachen sich ziehen lassen, nicht stoßen.
Eine Gemeinde, die in Liebe, Geduld und Wahrheit steht,
ist ein Zeugnis gegen die Welt und ein Ort der göttlichen Gegenwart.„Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt“ (Joh 13,35).
7.6 Der Weg persönlicher Befreiung
Wer unter einer Gewohnheit oder einem sichtbaren Überrest des Fleisches leidet,
findet Befreiung nicht durch Selbstanstrengung, sondern durch Gemeinschaft mit Christus.„Wenn euch nun der Sohn frei machen wird, so werdet ihr wirklich frei sein“ (Joh 8,36).
„Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend für alle Menschen, und unterweist uns, damit wir, die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnend, besonnen und gerecht und gottselig leben“ (Tit 2,11–12).Der Weg zur Freiheit:
Erkenntnis der Gnade: Christus hat mich frei gemacht.
Bekenntnis der Schwäche: Ich bin abhängig vom Geist.
Wandel im Licht: Ich verstecke nicht, sondern richte das Fleisch.
Hilfe durch Geschwister: „Bekennt einander die Sünden“ (Jak 5,16).
Ausdauer im Gebet: Sieg ist kein Augenblick, sondern ein Weg.
7.7 Das Ziel: Christusförmigkeit
Das Ziel aller seelsorgerlichen Belehrung ist nicht äußere Besserung,
sondern Christusähnlichkeit.
Der Heilige Geist wirkt in uns,
damit wir „dem Bilde seines Sohnes gleichförmig“ werden (Röm 8,29).Die Gemeinde ist die Werkstatt der Gnade,
wo der Herr seine Gläubigen formt,
nicht eine Ausstellung von Vollkommenen.„Wir alle aber, mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn anschauend, werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist“ (2. Kor 3,18).
Darum sollen wir jeden Bruder und jede Schwester so sehen,
nicht nach dem Fleisch,
sondern als einen, für den Christus gestorben ist (2. Kor 5,16).
7.8 Zusammenfassung des Kapitels
Prinzip Biblische Grundlage Anwendung Wiederherstellung Gal 6,1–2 Ziel jeder Zurechtbringung Geduld mit Schwachen Röm 14,1–4 Tragen statt Trennen Wahrheit in Liebe Eph 4,15 Kein falscher Kompromiß Vorbild statt Zwang 1 Pet 5,3 Leitung durch Beispiel Befreiung durch Gnade Joh 8,36; Tit 2,11–12 Sieg über Bindungen im Geist Christusähnlichkeit 2 Kor 3,18 Ziel allen Wachstums
7.9 Schlussgedanke
Der Herr Jesus selbst ist das Maß aller Dinge.
Er hat keine Vollkommenen gesammelt, sondern Sünder berufen zur Gemeinschaft mit sich.
Wo Er in der Mitte ist, da herrscht Gnade, Licht und Wahrheit.
Und so darf auch ein schwacher, ringender Gläubiger am Tisch des Herrn Platz nehmen,
wenn er sein Fleisch richtet und sein Herz Ihm öffnet.„Er wird das geknickte Rohr nicht zerbrechen,
und den glimmenden Docht nicht auslöschen,
bis er das Recht hinausgeführt hat zum Sieg“ (Mt 12,20).
8. Zusammenfassung und praktische Schlussfolgerung
8.1 Die theologische Linie der Betrachtung
Diese Arbeit hat gezeigt, dass der Gläubige nach der Schrift in einer doppelten Wirklichkeit lebt:
Er ist in Christus, gerechtfertigt, geheiligt und vollkommen gemacht (Hebr 10,14).
Er lebt noch im Fleisch, das unverbesserlich bleibt (Röm 7,18).
Zwischen diesen beiden Polen entfaltet sich das ganze geistliche Leben.
Der Herr Jesus hat das alte Leben am Kreuz verurteilt (Röm 8,3),
und durch den Heiligen Geist das neue Leben in uns geschaffen (Joh 3,6).
Daraus folgt: Der Christ ist nicht mehr im Fleisch, obwohl das Fleisch noch in ihm ist (Röm 8,9).
8.2 Fleischlichkeiten bei Wiedergeborenen
Fleischlichkeiten – seien sie sichtbar (Rauchen, Tätowierungen, unmäßige Gewohnheiten) oder verborgen (Stolz, Bitterkeit, Selbstgerechtigkeit) –
sind Ausdruck derselben Wurzel: der σάρξ, der alten Natur.
Die Schrift lehrt, dass jeder Gläubige diesen Kampf kennt (Gal 5,17).Kein Wiedergeborener ist ohne Schwachheit,
aber kein Wiedergeborener kann im Fleisch bleiben, ohne vom Geist überführt zu werden.
Die Gegenwart des Geistes ist der Beweis des Lebens aus Gott –
nicht die Abwesenheit sichtbarer Schwächen.„Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, betrügen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns“ (1. Joh 1,8).
„Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit“ (V. 9).
8.3 Rauchen und Tätowierungen im Licht der Heiligung
Rauchen widerspricht der Heiligung des Leibes (1. Kor 6,19–20),
weil es den Tempel des Geistes verunreinigt und den Menschen bindet.
Doch es ist keine moralische Bosheit, sondern eine fleischliche Schwachheit,
aus der Gott in Geduld befreit.Tätowierungen widersprechen dem Grundsatz der Zugehörigkeit zu Christus,
wenn sie Ausdruck der Selbstbestimmung über den Leib sind.
Aber sie sind kein Beweis fehlender Wiedergeburt.
Was vor der Bekehrung geschehen ist, wird durch das Blut Christi gereinigt (1. Kor 6,11).In beidem gilt:
Heiligung ist ein Prozess der inneren Umgestaltung,
nicht ein äußerer Maßstab der Annahme.
8.4 Gemeindezucht und Gemeinschaft
Die Gemeinde ist berufen, Heiligkeit zu wahren, aber Gnade zu üben.
Korinther 5 zeigt, dass nur ungerichtetes, bekennendes Böses zum Ausschluss führt.
Schwachheiten hingegen fordern Geduld und Seelsorge.Das Brotbrechen ist Ausdruck der Einheit des Leibes Christi,
nicht der Leistung des Einzelnen.
Darum gilt:
Kein Ausschluss wegen sichtbarer Schwächen,
Kein Duldung ungerichteter Sünde,
Immer Selbstprüfung im Licht des Herrn (1. Kor 11,28).
8.5 Seelsorgerliche Konsequenz
Die Gemeinde [GdHdG] ist keine Gemeinschaft der Vollkommenen,
sondern der Gerechtfertigten.
Sie ist die Werkstatt der Gnade, in der der Geist Gottes formt,
nicht die Schaufläche menschlicher Leistung.Der rechte Weg im Umgang mit Schwachen ist:
Wahrheit: das Böse beim Namen nennen.
Liebe: den Schwachen tragen.
Geduld: die Zeit der Gnade wirken lassen.
Hoffnung: auf Gottes Werk im Bruder vertrauen.
„Denn der das gute Werk in euch angefangen hat, wird es vollenden bis auf den Tag Christi Jesu“ (Phil 1,6).
8.6 Das Ziel: Heiligkeit in Gnade
Die Schrift ruft:
„Seid heilig, denn ich bin heilig“ (1. Pet 1,16).
Doch diese Heiligkeit ist keine Bedingung, um angenommen zu werden,
sondern die Folge der Annahme in Christus.
Sie wird durch den Geist gewirkt, der den Gläubigen in die praktische Gemeinschaft mit Christus führt.„Wir alle aber … werden verwandelt nach demselben Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, als durch den Herrn, den Geist“ (2. Kor 3,18).
Darum:
Der Weg der Heiligung führt nicht über Gesetz, sondern über Gemeinschaft.
Wer Christus anschaut, wird Ihm gleichgestaltet – und lässt das Fleisch zurück.
8.7 Schlusswort
Der Herr Jesus verachtet keine Schwachheit,
aber Er lässt sie auch nicht unberührt.
Seine Gnade richtet auf, Seine Wahrheit reinigt, Sein Geist heiligt.Eine Gemeinde, die in dieser Haltung steht,
bewahrt die Heiligkeit Gottes und spiegelt die Gnade Christi wider.
Sie schließt den Schwachen nicht aus,
sondern führt ihn zur Kraft der Auferstehung.„Er wird das geknickte Rohr nicht zerbrechen,
und den glimmenden Docht nicht auslöschen,
bis er das Recht hinausgeführt hat zum Sieg“ (Mt 12,20).
8.8 Kernbotschaft
Nicht das Sichtbare entscheidet über Gemeinschaft mit Christus,
sondern das Gericht des Herzens vor Ihm.
Fleischlichkeiten trennen nicht von der Gnade,
wohl aber vom Genuss der Gemeinschaft –
bis sie im Licht des Herrn gerichtet sind.