Fragen und Antworten
00426 Markus 9,1–13 – Die Verklärung auf dem
Berge

Die Verklärung auf dem Berge bildet den
Höhepunkt des markinischen Mittelabschnitts:
Nach der Offenbarung des Leidens (Mk 8,31) und dem Ruf zur Nachfolge unter dem
Kreuz (Mk 8,34–38) gewährt der Herr drei Jüngern – Petrus, Jakobus und Johannes
– einen Blick auf die kommende Herrlichkeit des Reiches.
Heilsgeschichtlich zeigt diese Szene das
Vorschaubild des messianischen Reiches
nach der Drangsal, wenn der Sohn des Menschen „in der Herrlichkeit seines Vaters
mit den heiligen Engeln“ kommen wird (Mk 8,38).
Und er sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es sind einige von denen, die hier stehen, welche den Tod nicht schmecken werden, bis sie das Reich Gottes in Macht gekommen sehen.
Kommentar:
„Den Tod nicht schmecken“ – γεύσωνται
θανάτου (geusōntai thanatou)
bedeutet: sie werden sterben, aber erst
nachdem sie einen
Vorgeschmack der Herrlichkeit gesehen haben.
Die Erfüllung dieser Verheißung folgt unmittelbar in der Verklärung (V. 2–8).
Das „Reich Gottes in Macht“ (τὴν βασιλείαν
τοῦ θεοῦ ἐληλυθυῖαν ἐν δυνάμει, tēn
basileian tou theou elēlythuian en dynamei) bezeichnet nicht die
Gemeindezeit, sondern das kommende
Reich in Herrlichkeit, das sich im Bild auf dem Berge offenbart.
Und nach sechs Tagen nimmt Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes und führt sie auf einen hohen Berg, besonders sie allein. Und er wurde vor ihnen verwandelt.
Kommentar:
„Nach sechs Tagen“ – die Zahl Sechs steht oft für das Werk des Menschen; darauf
folgt der siebte Tag, das
Bild des kommenden Sabbatreiches (vgl. Hebr 4,9).
„Wurde verwandelt“ – μετεμορφώθη (metemorphōthē)
= „wurde umgestaltet“ – das Innere, was Er ist, wird sichtbar.
Hier sehen die Jünger nicht eine Vision, sondern eine tatsächliche Offenbarung
der göttlichen Herrlichkeit (vgl. 2 Petr 1,16–18).
Heilsgeschichtliche Bedeutung:
Der Herr, der in Kapitel 8 den Weg des Leidens ankündigte, zeigt hier das Ziel:
Herrlichkeit nach Leiden (vgl. 1 Petr 1,11).
Und seine Kleider wurden glänzend, sehr weiß, wie kein Walker auf Erden sie weiß machen kann.
Kommentar:
Das Licht kommt aus Ihm selbst,
nicht von außen.
„Glänzend“ – στίλβοντα (stilbonta)
= „strahlend, funkelnd“; ein Ausdruck göttlicher Reinheit.
Es ist die Offenbarung der innewohnenden Herrlichkeit des Sohnes des Menschen
(Joh 1,14; Hebr 1,3).
Und es erschien ihnen Elia mit Mose, und sie redeten mit Jesus.
Kommentar:
Elia und Mose stehen für die beiden großen Zeugen des Alten Bundes:
Prophetie und Gesetz.
Sie reden mit Ihm über „seinen Ausgang“ (Lk 9,31 –
ἔξοδος,
exodos), also über sein Leiden und
seinen Tod.
→ Die Herrlichkeit auf dem Berge steht
nicht getrennt vom Kreuz, sondern gründet auf ihm.
Typologisch:
Mose – Bild der auferstandenen Heiligen, die gestorben sind und verherrlicht werden.
Elia – Bild der entrückten Gläubigen, die ohne Tod in die Herrlichkeit eingehen (vgl. 1 Thes 4,16–17).
Und Petrus begann und sprach zu Jesus: Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind; und wir wollen drei Hütten machen, dir eine, Mose eine und Elia eine. Denn er wusste nicht, was er sagen sollte; denn sie waren sehr erschrocken.
Kommentar:
Petrus will die Herrlichkeit festhalten, aber er setzt Mose und Elia neben den
Herrn.
Das ist menschliches Denken: Er sieht die Gleichheit der Herrlichen, nicht die
Einzigartigkeit des Sohnes.
Der Heilige Geist lässt Markus hinzufügen: „Er wusste nicht, was er sagte“ – der
Mensch kann die göttliche Ordnung nicht fassen, solange er das Kreuz nicht
verstanden hat.
Und es kam eine Wolke, die sie überschattete, und eine Stimme geschah aus der Wolke: Dieser ist mein geliebter Sohn, ihn höret!
Kommentar:
Die Wolke ist das sichtbare Zeichen der Gegenwart Gottes (vgl. 2 Mo 40,34; 1 Kön
8,10–11).
„Ihn höret!“ – ἀκούετε αὐτοῦ (akouete
autou) – die Stimme des Vaters lenkt alle Aufmerksamkeit weg von Mose und
Elia auf Christus allein.
→ Das Gesetz und die Propheten weichen,
der Sohn bleibt (vgl. Hebr 1,1–2).
Heilsgeschichtlich: Die Stimme des Vaters bestätigt den Sohn als Mittelpunkt der Offenbarung – das Kreuz wird der Wendepunkt der Geschichte.
Und plötzlich, als sie umherblickten, sahen sie niemand mehr bei sich als Jesus allein.
Kommentar:
Hier liegt der ganze Sinn der Szene:
Jesus allein.
Mose (Gesetz) und Elia (Propheten) verschwinden; was bleibt, ist der Sohn – die
Erfüllung aller Schriften (vgl. Lk 24,27).
Das Kreuz wird bald das Siegel dieser Wahrheit sein.
Und als sie von dem Berge herabstiegen, gebot er ihnen, dass sie niemandem erzählen sollten, was sie gesehen hatten, außer wenn der Sohn des Menschen aus den Toten auferstanden sei.
Kommentar:
Wie in Markus 8,30 gibt der Herr ein Schweigegebot – die Herrlichkeit darf erst
nach der Auferstehung
verkündigt werden.
Der Tod Christi muss zuerst kommen, bevor seine Herrlichkeit öffentlich
offenbart wird (vgl. Joh 12,24–26).
Und sie behielten das Wort und besprachen sich miteinander, was das sei: aus den Toten auferstehen.
Kommentar:
Das zeigt das damalige jüdische Denken: Man erwartete eine allgemeine
Auferstehung am Ende der Zeit, aber nicht eine
Einzelauferstehung vor dem
Reich.
Die Jünger müssen erst lernen, dass Christus der Erstling der Entschlafenen ist
(1 Kor 15,20).
Und sie fragten ihn und sprachen: Warum sagen die Schriftgelehrten, dass Elia zuerst kommen müsse? Er aber sprach zu ihnen: Elia zwar kommt zuerst und stellt alles wieder her; und wie über den Sohn des Menschen geschrieben steht, dass er vieles leiden und verachtet werden muss. Aber ich sage euch, dass Elia auch gekommen ist, und sie haben mit ihm getan, was sie wollten, wie über ihn geschrieben steht.
Kommentar:
Der Herr erklärt: Die Weissagung über Elia hat in Johannes dem Täufer eine
vorläufige Erfüllung gefunden
(vgl. Lk 1,17; Mt 11,14).
Doch heilsgeschichtlich wird Elia
selbst vor der Wiederkunft des Messias noch einmal kommen (Mal 3,23–24
/ 4,5–6).
So verbindet der Herr das Leiden des
Messias mit der zukünftigen
Wiederherstellung Israels.
→ Das Kreuz ist notwendig, bevor das Reich aufgerichtet werden kann.
Markus 8,34–38: Der Weg des Kreuzes
Markus 9,1–8: Vorschau der Herrlichkeit
Markus 9,9–13: Verbindung
von Leiden und Reich
Der Sohn des Menschen wird erst leiden, dann herrschen – dieselbe Ordnung
gilt für die Seinen (Röm 8,17; 2 Tim 2,12).
Das Kreuz führt zur Herrlichkeit, nicht umgekehrt.
Wahre Nachfolge sieht auf „Jesus allein“.
Die Wolke der Herrlichkeit wird einst alle, die jetzt glauben, umhüllen.
Das Schweigegebot wird zur Missionsaufforderung nach der Auferstehung.