Fragen und Antworten
00430
Markus 10,1–12 – „Was Gott zusammengefügt hat“
(Elberfelder 1905; mit Grundtextbegriffen, heilsgeschichtlicher Linie und
geistlicher Anwendung)

Die Pharisäer fragen nach Scheidung – Jesus aber führt zurück zum Anfang: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.“
Er zeigt, dass die Ehe göttlicher Bund ist, Ausdruck seiner Schöpfungsordnung und ein Bild der Treue Christi zu seiner Gemeinde.
Mit Kapitel 10 beginnt der Weg Jesu „nach
Judäa und jenseits des Jordan“ – das letzte Hinaufgehen nach Jerusalem.
Hier lehrt der Herr über die göttliche
Ordnung der Ehe, nachdem die Pharisäer eine Streitfrage aufwerfen.
Heilsgeschichtlich steht dieser Abschnitt für den
Kontrast zwischen göttlicher
Schöpfungsordnung und menschlicher Gesetzlichkeit.
Und er machte sich auf und kommt von dort in die Grenzen von Judäa und jenseits des Jordan; und wieder kommen Volksmengen zu ihm, und, wie er gewohnt war, lehrte er sie wiederum.
Kommentar:
Der Herr zieht nun endgültig von Galiläa
nach Judäa – das letzte Mal vor seinem Leiden.
„lehrte sie wiederum“ – πάλιν ἐδίδασκεν
(palin edidasken) – Er bleibt der
Lehrer, auch wenn der Widerstand wächst.
Sein Dienst ist von Beständigkeit
geprägt, nicht von äußeren Erfolgen.
Und Pharisäer kamen herzu und fragten ihn, ob es einem Mann erlaubt sei, seine Frau zu entlassen, indem sie ihn versuchten.
Kommentar:
– „versuchten ihn“ – πειράζοντες αὐτόν
(peirazontes auton) – sie wollten ihn
prüfen, in eine Falle locken.
In dieser Frage ging es weniger um Moral, sondern um die Auslegung von 5. Mose
24,1:
Dort erlaubte Mose aus Rücksicht auf die „Härte des Herzens“ die Scheidung.
Die Pharisäer suchten also einen Widerspruch zwischen
Mose und
Jesus.
Lehre:
Menschen suchen oft in der Bibel Bestätigung ihrer Wünsche, statt den Willen
Gottes zu erkennen.
Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten? Sie aber sagten: Mose hat erlaubt, einen Scheidebrief zu schreiben und zu entlassen.
Kommentar:
Der Herr führt sie zu Mose zurück – aber nicht, um zu bestätigen, sondern zu
entlarven.
„erlaubt“ – ἐπέτρεψεν (epetrepsen)
– eine Zulassung, kein
göttlicher Wille.
Der Mensch sucht immer Erlaubnis,
Gott aber offenbart Absicht.
Heilsgeschichtlich:
Das mosaische Gesetz war eine
Zwischenordnung – gegeben wegen der Härte des menschlichen Herzens
(vgl. Gal 3,19).
Jesus aber sprach zu ihnen: Wegen eurer Herzenshärtigkeit hat er euch dieses Gebot geschrieben.
Kommentar:
– „Herzenshärtigkeit“ – σκληροκαρδία
(sklērokardia) = „Härte, Stumpfheit
des Herzens“.
Gott hat nie die Scheidung gewollt, aber sie
reguliert, weil der Mensch
sündig ist.
Der Herr deckt auf: Das Problem liegt
nicht im Gesetz, sondern im
Herzen.
Von Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen. „Deswegen wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und die zwei werden ein Fleisch sein“ – also sind sie nicht mehr zwei, sondern ein Fleisch. Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.
Kommentar:
Hier zitiert der Herr 1. Mose 1,27
und 2,24 – die göttliche
Urordnung.
– „geschaffen“ – ἔκτισεν (ektisen)
= „erschaffen, ins Dasein gesetzt“.
– „anhangen“ – προσκολληθήσεται (proskollēthēsetai)
= „fest verbunden sein“.
– „zusammengefügt“ – συνέζευξεν (synezeuxen)
= „zusammengejocht“, wie zwei Tiere unter einem Joch.
Lehre:
Die Ehe ist keine menschliche Einrichtung, sondern
göttliches Werk.
Sie gründet auf:
Schöpfung (nicht Kultur),
Einheit (nicht Vertrag),
Dauer (nicht Belieben).
Heilsgeschichtlich:
Die Ehe bleibt Bild der Beziehung
Christus – Gemeinde Gemeinde der Heiligen der Gnadenzeit (Eph 5,31–32).
Was Gott verbindet, darf der Mensch nicht lösen.
Und im Hause fragten ihn die Jünger wiederum über dasselbe. Und er spricht zu ihnen: Wer seine Frau entlässt und eine andere heiratet, begeht Ehebruch gegen sie. Und wenn eine Frau ihren Mann entlässt und einen anderen heiratet, begeht sie Ehebruch.
Kommentar:
Im Haus – abseits der Volksmenge – erklärt der Herr die
geistliche Konsequenz.
– „Ehebruch“ – μοιχᾶται (moichatai)
= „verletzt den Bund der Treue“.
Im Unterschied zu Matthäus 19 erwähnt Markus kein „Scheidegrund-Wort“ (πορνεία).
Er richtet sich an Heiden, in deren Welt Scheidung alltäglich war.
Lehre:
Die Ehe ist Bund, nicht
Vertrag.
Der Herr stellt die Schöpfungsordnung wieder her – kein Zugeständnis an die
Sünde, sondern Rückführung zum Ursprung.
Mose erlaubte wegen der Härte des Herzens.
Christus führt zurück zum Anfang – zur göttlichen Idee.
Die Gemeinde GdHdG ist
die Braut
des Lammes – Treue, Liebe, Einheit.
→ Was im Schöpfungsplan eins war, wird im Reich Gottes vollendet sein (Offb
19,7).
Gottes Ordnung bleibt gültig – unabhängig vom Zeitgeist.
Härte des Herzens zerstört jede Beziehung; Demut bewahrt sie.
Ehe als göttlicher Bund spiegelt die Liebe Christi wider.
Treue ist Frucht des Glaubens, nicht gesetzlicher Pflicht.
1 Mo 1,27; 2,24 – Schöpfungsordnung
5 Mo 24,1–4 – Zulassung der Scheidung
Mt 19,1–12 – Parallele mit Zusatz „wegen Hurerei“
Eph 5,22–33 – Christus und die Gemeinde
Mal 2,13–16 – „Ich hasse die Scheidung, spricht Jehova“