Fragen und Antworten
00434
Markus 10,46–52 – Die Heilung des
Bartimäus,

Bartimäus, der blinde Bettler, erkennt den
Sohn Davids und ruft um Erbarmen.
Glaube hört, ruft, empfängt – und
folgt: vom Sitzen am Weg zur Nachfolge auf dem Weg mit Jesus.
(Elberfelder 1905; mit Grundtext, heilsgeschichtlicher Linie und geistlicher Anwendung)
Nach dem Weg des Kreuzes (V. 32–45) kommt nun
ein Bild der rettenden Gnade:
Ein Blinder erkennt den Sohn Davids und empfängt das Augenlicht – ein Bild der
Bekehrung Israels und zugleich
der persönlichen Errettung durch Glauben.
Heilsgeschichtlich: Bartimäus steht als Prophetie für das künftige Israel, das
am Ende seiner Blindheit den Messias ruft und sehend wird.
Und sie kommen nach Jericho. Und als er aus Jericho hinausging mit seinen Jüngern und einer zahlreichen Volksmenge, saß der Sohn des Timäus, Bartimäus, ein blinder Bettler, am Weg.
„Jericho“ = Stadt des Fluchs (Jos 6,26), Sinnbild der Welt unter Gericht.
„Bartimäus“: aramäisch בַּר טִמַי (bar timai = „Sohn des Geehrten“), ironisch: Er ist arm und blind – wie Israel.
„am Weg“ – typisch: außerhalb der Gemeinschaft, wartend auf Gnade.
Und als er hörte, dass es Jesus, der Nazarener, sei, fing er an zu schreien und zu sagen: Jesus, Sohn Davids, erbarme dich meiner!
„hörte“: ἀκούσας (akoúsas) – der Glaube kommt aus dem Hören (Röm 10,17).
„schrie“: ἤρξατο κράζειν (ērxato krázein) – andauerndes Rufen; Dringlichkeit.
„Sohn Davids“ – messianischer Titel
(vgl. 2 Sam 7,12–16; Jes 11,1); Bartimäus erkennt, was die Menge übersieht.
Lehre: Wahres Sehen
beginnt mit dem Glauben an den Messias.
Und viele bedrohten ihn, dass er schweigen solle; er aber schrie umso mehr: Sohn Davids, erbarme dich meiner!
„bedrohten“: ἐπετίμων (epetímōn) – dieselbe Wurzel wie für das „Schelten“ der Jünger in 10,13.
Die Menge will Ordnung; der Glaube ruft
lauter.
Bild: Glaube überwindet
religiöse Hindernisse.
Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn! Und sie rufen den Blinden und sagen zu ihm: Sei guten Mutes, steh auf, er ruft dich.
„blieb stehen“: στήσας (stḗsas) – göttliche Zuwendung, mitten im Zug nach Jerusalem.
„er ruft dich“: Einladung der Gnade;
dieselben Worte gelten jedem Sünder (vgl. Mt 11,28).
Lehre: Ein Ruf des
Glaubens hält den Herrn an – Er bleibt stehen für den Einzelnen.
Er aber warf sein Gewand ab, sprang auf und kam zu Jesus.
„warf ab“: ἀποβαλὼν (apobalōn) – Entledigung; sinnbildlich: das Alte, Unreine, Sichernde.
„sprang auf“:
ἀναπηδήσας (anapēdēsas)
– Freude, Erwartung.
Anwendung: Wer zum Herrn
kommt, lässt das Alte zurück.
Was willst du, dass ich dir tun soll? – Rabbuni, dass ich sehend werde!
„Rabbuni“: Ῥαββουνί – ehrfurchtsvoller Ausdruck, „mein Herr, mein Meister“ (vgl. Joh 20,16).
Der Herr zwingt den Glauben zur klaren Bitte: Erkenntnis der eigenen Not.
Und Jesus sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dich geheilt. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm auf dem Weg.
„geheilt“: σέσωκέν (sésōken) – Perfekt von sōzō, „gerettet, heil gemacht“.
„folgte ihm auf dem Weg“ – wörtlich:
„in der Straße“, d. h.
Jüngerschaft nach empfangener Rettung.
Lehre: Glaube sieht – und
folgt.
Jericho – das Bild der verfluchten Welt; Christus zieht hindurch.
Der Ruf des Blinden – Glaubensschrei Israels in der Endzeit (Sach 12,10).
Das Sehen – Erweckung des Überrestes.
Das Folgen – nach empfangener Gnade: Jüngerschaft im Licht des Kreuzes.
Glaube hört – und ruft.
Gnade antwortet – und heilt.
Erkenntnis führt zu Nachfolge.
Ein Bild wahrer Bekehrung: vom Sitzen am Weg zum Gehen mit Jesus.