Fragen und Antworten
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Markus 12,1–12 – Die bösen Weingärtner

Gott pflanzt seinen Weinberg und sendet Knechte – zuletzt den Sohn. Doch die
Weingärtner verwerfen ihn.
Gericht folgt, aber Gott macht den verworfenen Stein zum Eckstein – Christus,
das Fundament des neuen Hauses.
(Elberfelder 1905; mit Grundtext, heilsgeschichtlicher Linie und geistlicher Anwendung)
Nach der Frage nach seiner Vollmacht
(11,27–33) richtet der Herr in einem Gleichnis ein
prophetisches Urteil über Israel.
Das Gleichnis der Weingärtner fasst Israels
Geschichte der Verantwortung, Verwerfung
und des Gerichts zusammen – zugleich aber die
Einführung der Nationen und die
Herrlichkeit des Sohnes.
Ein Mensch pflanzte einen Weinberg, zog einen Zaun darum, grub eine Kelter, baute einen Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und reiste außer Landes.
Parallele: Jesaja 5,1–7 – Israel als Gottes Weinberg.
Ausstattung: Zaun (Schutz), Kelter (Ernte), Turm (Wachsamkeit) → alle Mittel göttlicher Vorsorge.
„verpachtete“ (ἐξέδετο, exedeto) – Gott übergab Verantwortung an das Volk (und ihre Führer).
Lehre: Gott gibt Gnade, sucht Frucht.
Er sandte Knechte … und sie nahmen den einen, schlugen ihn, einen anderen misshandelten sie, einen töteten sie …
Knechte = Propheten (Jer 7,25–26; 2 Chr 36,15–16).
„schlugen“ (ἔδειραν,
edeiran), „töteten“ (ἀπέκτειναν,
apekteinan).
Bedeutung: Jahrhunderte
der göttlichen Langmut – Israels Verweigerung gegenüber den Boten.
Noch einen hatte er, seinen geliebten Sohn; den sandte er zuletzt … Sie aber sagten: Dies ist der Erbe; kommt, lasst uns ihn töten, und das Erbe wird unser sein! Und sie töteten ihn und warfen ihn zum Weinberg hinaus.
„geliebter Sohn“ (υἱὸν ἀγαπητόν, huion agapēton) – Parallele zur Taufe und Verklärung (Mk 1,11; 9,7).
„zuletzt“ (ἔσχατον, eschaton) – kein weiterer Gesandter nach dem Sohn.
„hinauswerfen“ (ἐξέβαλον,
exébalon) – Er wurde „außerhalb
des Tores“ getötet (Hebr 13,12).
Heilsgeschichtlich:
Kreuzigung Christi – endgültige Verwerfung des Sohnes.
Was wird der Herr des Weinbergs tun? Er wird kommen und die Weingärtner umbringen und den Weinberg anderen geben.
„anderen“ (ἄλλοις,
allois) – Hinweis auf die
Übertragung der Fruchtverantwortung an die
Nationen / Gemeinde (Röm
11,11–25).
Gericht: Zerstörung
Jerusalems (70 n. Chr.) – Vorbild des endgültigen Endgerichtes.
Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, dieser ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist dies geschehen, und es ist wunderbar in unseren Augen.
Zitat aus Psalm 118,22–23.
„Eckstein“ (κεφαλὴ γωνίας, kephalē gōnias) – Christus als Fundament und Verbindung des Hauses Gottes.
Verworfen → Erhöht: göttliche Umkehrung menschlichen Urteils.
Und sie suchten ihn zu greifen, denn sie erkannten, dass er das Gleichnis auf sie geredet hatte; und sie fürchteten die Volksmenge …
„erkannten“ (ἔγνωσαν, egnōsan) – Erkenntnis ohne Buße.
„fürchteten“ – wieder Menschenfurcht statt Gottesfurcht.
Der Weinberg (Israel) – Sorgfältig angelegt, fruchtlos geblieben.
Die Knechte (Propheten) – misshandelt, getötet.
Der Sohn (Christus) – verworfen, getötet, hinausgeworfen.
Das Gericht – Israel abgesetzt, Weinberg an „andere“ (die Gemeinde) gegeben.
Der Eckstein – Christus wird zur Grundlage des neuen Hauses (Eph 2,20–22).
Prüfe dich: Bringe ich Frucht für den Herrn oder nur Blätter?
Hüte dich vor geistlicher Selbstaneignung: Der Weinberg gehört Ihm.
Alles, was Menschen verwerfen, macht Gott kostbar.
Der Herr sucht heute geistliche Frucht: Liebe, Demut, Gehorsam (Gal 5,22–23).