Fragen und Antworten
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Die Vorausbestimmung (oder Prädestination)
Die Vorausbestimmung (oder Prädestination) ist eines
der zentralen und charakteristischsten Lehrstücke des Calvinismus.
Im Kern besagt diese Lehre, dass Gott von Ewigkeit her
souverän und unabänderlich beschlossen hat, wer zum ewigen Heil (Erwählung) und
wer zur ewigen Verdammnis (Verwerfung) bestimmt ist.
Diese Lehre wird oft mit dem Akronym TULIP zusammengefasst,
das die fünf Punkte des Calvinismus darstellt. Der erste und grundlegende Punkt
ist dabei die Prädestination:
TULIP im Detail:
Die doppelte Prädestination
Eine besonders umstrittene Konsequenz dieser Lehre ist die
Vorstellung der doppelten Prädestination:
Wichtig ist calvinistischen Theologen zufolge, dass dies
nicht als eine "böse" Handlung Gottes verstanden wird, sondern als Ausdruck
seiner gerechten Souveränität.
Die Verdammnis ist die gerechte Strafe für die Sünde des Menschen, während die
Errettung ein reines Geschenk der Gnade ist, das niemandem geschuldet wird.
Zusammenfassung
Der Calvinismus lehrt nicht nur die Vorausbestimmung,
sondern macht sie zum fundamentalen Grundpfeiler seines Systems.
Gott ist absolut souverän in der Erlösung, und der Mensch hat keinen aktiven,
entscheidenden Anteil daran.
Dies steht im Gegensatz zu anderen theologischen Traditionen, wie dem
Arminianismus, der eine auf Vorherwissen gegründete Erwählung lehrt, bei der der
menschliche Glaube eine Rolle spielt.
Historischer Hintergrund: Entwickelt wurde diese
Lehre maßgeblich von Johannes Calvin (1509-1564) in seiner Schrift:
"Institutio Christianae Religionis" (Unterricht in der christlichen Religion).
Sie wurde in den reformierten Bekenntnisschriften, wie dem Westminster
Bekenntnis, verankert.
Ja, nach calvinistischer Theologie umfasst die
Vorsehung Gottes und seine Souveränität auch Ereignisse wie Erdbeben, Kriege und
alle anderen Geschehnisse in der Welt.
Allerdings ist es hier wichtig, einen feinen, aber
entscheidenden Unterschied zu machen:
Die Calvinistische Sicht auf Kriege, Erdbeben usw.
Im Calvinismus wird alles, was geschieht, unter der
absoluten Souveränität Gottes gesehen. Nichts geschieht zufällig oder
außerhalb seiner Kontrolle. Dies wird oft als "Allwirksamkeit" Gottes
bezeichnet.
Johannes Calvin selbst unterschied in seiner
Vorsehungslehre zwischen einem allgemeinen Wirken (durch Naturgesetze)
und einem besonderen Wirken (spezielles Eingreifen).
Aber auch die Naturgesetze funktionieren nur, weil Gott sie jeden Moment wirken
lässt.
Wie passt das zusammen?
Zusammenfassung der Unterscheidung
|
Aspekt |
Prädestination (Heilsvorherbestimmung) |
Vorsehung (Allgemeine Souveränität) |
|
Was? |
Spezifisch die Erwählung zur Erlösung |
Allumfassende Kontrolle über alle Ereignisse |
|
Bereich |
Geistlich, Heilsgeschichte |
Universell, die gesamte Schöpfung |
|
Fokus |
Wer wird gerettet? |
Wie regiert Gott die Welt? |
|
Beispiel |
"Gott hat mich erwählt." |
"Gott kontrolliert den Sturm." |
Fazit:
Der Calvinismus lehrt also, dass Gott nicht nur die Ewigkeit der Menschen
vorherbestimmt, sondern auch jedes Ereignis in der Geschichte, einschließlich
Erdbeben und Kriege,
souverän lenkt.
Diese Ereignisse fallen unter seine Vorsehung, während die Erwählung zur
Erlösung unter die spezielle Prädestination fällt.
Beide sind Ausdrücke seiner absoluten Souveränität.