Fragen und Antworten

00488   Das Bogenlied 2.Samuel 1, 17- 27


Davids „Bogenlied“ (2. Sam 1,17–27) ist eine bewegende Klage über Saul und Jonathan:
keine Schadenfreude, sondern ehrendes Gedenken und echte Trauer.
David ehrt sogar Saul als den „Gesalbten Jehovas“ und warnt vor triumphierender Zunge;
zugleich leuchtet die treue Liebe zu Jonathan auf, „wunderbarer als Frauenliebe“.

Die Klage und Trauer Davids um seinen geliebten "Seelenbruder" Jonathan ist berührend. Seine Reaktion auf das tragische Ende von Saul jedoch, lässt innehalten.
Gedanken / Fragen,
liebe Brüder im Herrn Jesu: Er bewertet den (so gearteteten Tod Sauls) als Unrecht, als Schmach; er nennt ihn (immer noch)
den Gesalbten des Herrn.
Beklagt er die Tragik, dass er wusste,
Saul war zum Dienst Gottes berufen und scheiterte? Und - man solle sich nicht freuen, dass ein Feind tot war.
Sogar der, der ihn angeblich tötete, sollte sterben, obwohl dies ja gar nicht stimmte;
denn Saul tötete sich selbst.
Der Ort seiner Tötung verfluchte er? und warnte vor Schadenfreude.
Seine bedingungslose Liebe, auch zu Saul durchzieht das Wort.
Ich lese keinen Zweifel an Gott oder einen Vorwurf heraus?
Und beim Vers Sam. 2;1,22 (und Sauls Schwert kehrte nicht leer wieder​ ... )
fiel mir ein anderes Wort ein aus Jes.55,11 ( ... also wird mein Wort sein, das aus meinem Munde hervorgeht;
es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir gefällt, und durchführen,
wozu ich es gesandt habe.​...)
Da steckt noch so viel mehr drin.
Könntet Ihr bitte dazu etwas schreiben oder auch gerne etwas dazu verlinken?
Ich danke Euch.

Carmen Katharina Stern

PS: Ich sah gerade in der Suchfunktion, dass es hier "Lied vom Bogen" genannt wird und darüber habe ich schon einige weiterführende Links gefunden. Dankeschön.
A.:

Elberfelder CSV
2. Samuel
2. Sam 1,17 Und David stimmte dieses Klagelied an über Saul und über Jonathan, seinen Sohn; 2. Sam 3,33; 2. Chr 35,25
2. Sam 1,18 und er befahl<W. sprach.>, dass man die Kinder Juda das Lied vom Bogen lehre; siehe, es ist geschrieben im Buch Jaschar: Bogen: 2. Sam 1,22; Jes 31,3
Rechtscha.: Jos 10,13
2. Sam 1,19 Deine<W. Die.> Zierde, Israel, ist erschlagen auf deinen Höhen! Wie sind die Helden gefallen! 2. Sam 1,25; 2. Sam 1,27; Ps 76,6; Hes 32,20-22
2. Sam 1,20 Berichtet es nicht in Gat, verkündet die Botschaft nicht in den Straßen Askalons, dass sich nicht freuen die Töchter der Philister, dass nicht frohlocken die Töchter der Unbeschnittenen! nicht: 1. Sam 31,9; Mi 1,10
Askalons: 1. Sam 6,17
2. Sam 1,21 Berge von Gilboa, weder Tau noch Regen sei auf euch, noch Felder der Hebopfer<D.h., aus deren Ertrag Hebopfer dargebracht werden können.>! Denn dort wurde weggeworfen<A.ü. besudelt.> der Schild der Helden, der Schild Sauls, nicht gesalbt mit Öl. Gilboa: 1. Sam 31,1; 1. Sam 31,8
weder: Hi 3,3-10; Jer 20,14-16
gesalbt: Jes 21,5
2. Sam 1,22 Vom Blut der Erschlagenen, vom Fett der Helden wich Jonathans Bogen nicht zurück, und Sauls Schwert kehrte nicht leer wieder. Bogen: 1. Sam 18,4; 1. Sam 20,35-36
Schwert: 1. Sam 14,47
2. Sam 1,23 Saul und Jonathan, die Geliebten und Holdseligen in ihrem Leben, sind auch in ihrem Tod nicht getrennt; sie waren schneller als Adler, stärker als Löwen. Adler: 5. Mo 28,49; Jer 4,13; Klgl 4,19
Löwen: Ri 14,18; Spr 30,30
2. Sam 1,24 Töchter Israels, weint um Saul, der euch kostbar kleidete in Karmesin, der goldenen Schmuck über eure Kleider zog! Ri 5,30; Ri 11,38-40; 1. Petr 3,3-5
2. Sam 1,25 Wie sind die Helden gefallen mitten im Kampf! Wie ist Jonathan erschlagen auf deinen Höhen! 2. Sam 1,19; 2. Sam 1,27
2. Sam 1,26 Mir ist wehe um dich, mein Bruder Jonathan! Holdselig warst du mir sehr; wunderbar war mir deine Liebe, mehr als Frauenliebe! 1. Sam 18,1; 1. Sam 18,3; 1. Sam 20,17; 1. Sam 20,41
2. Sam 1,27 Wie sind die Helden gefallen, und umgekommen die Rüstzeuge des Kampfes! Helden: 2. Sam 1,19
Waffen: 2. Kö 2,12; Ps 46,10; Hes 39,9-10



Klage um Saul und Jonatan (Eugene H. Merrill)
2Sam 1,1-10

Kurz nachdem David von seinem erfolgreichen Strafzug gegen die Amalekiter ( 2Sam 1,1 ) nach Ziklag (vgl. 1Sam 27,6 ) zurückgekehrt war, traf er auf einen Läufer, der mit der Nachricht vom Tode Sauls und seiner Söhne von Gilboa zurückkehrte (V. 2 - 4 ). Als der Bote gedrängt wurde, Einzelheiten zu berichten, behauptete er, daß er zu dem verwundeten Saul gekommen sei (V. 5 - 6 ) und daß er den König, nachdem er sich selbst als Amalekiter ausgegeben hatte (V. 7 - 8 ), auf dessen Wunsch hin gnädig getötet habe (V. 9 - 10 ). Der Bericht dieses Mannes, der von dem in 1Sam 31,3-6 abweicht, war erlogen. Vielleicht nannte er sich selbst einen Amalekiter, um Saul vor dem Auftrag zu bewahren, einen israelitischen Gefolgsmann zu bitten, das Undenkbare zu tun - den eigenen König zu töten, den Gesalbten des Herrn (vgl. 2Sam 1,14.16 ).


2Sam 1,11-16
David war, nachdem seine Trauer gegen Abend etwas abgeklungen war (V. 11 - 12 ), so wütend, daß er befahl, den Amalekiter hinzurichten (V. 13 - 15 ). Sein falsches Zeugnis, mit dem er sich bei David alles andere als beliebt gemacht hatte, besiegelte sein Schicksal. Es hat einen ironischen Zug, daß Saul sein Königreich verliert, weil er die Amalekiter nicht vernichtet hatte, und nun einer, der sagt, er sei ein Amalekiter, stirbt, weil er behauptet, Saul getötet zu haben.

2Sam 1,17-27

Davids öffentliche Darstellung seiner Trauer um den Tod von Saul und Jonatan ist in Form eines Liedes, dem "Bogenlied" (V. 19 - 27 ), überliefert worden. Dies seinerseits ist Teil einer verlorengegangenen Komposition, die nach dem Geschichtsschreiber zum Buch des Redlichen gehörte (vgl. Jos 10,13 ). Dasselbe Werk enthält das kurze Lied, das Josua anläßlich des Sieges über das Amoriterbündnis singt ( Jos 10,12-13 ).

In seinem Lied, das mit dem Kehrvers:
Wie sind die Helden gefallen! beginnt und endet ( 2Sam 1,19.27; vgl. 2Sam 1,25 ),
warnt David davor, die Tragödie im Philisterland kundzutun, damit die Jungfrauen der Philister nicht frohlocken (V. 20 ),
wie die israelitischen Jungfrauen die Triumphe Sauls und Davids Jahre zuvor besungen hatten (1Sam 18,7 ).
Dann verflucht David die Berge Gilboas dafür, daß sie der Schauplatz für Sauls und Jonatans heroischen, aber fruchtlosen Kampf gegen die Feinde waren ( 2Sam 1,21-22 ).
Die unsterbliche Treue Jonatans preist David ganz besonders, weil er Vater und Sohn im Leben ... und im Tod miteinander verbunden sieht (V. 23 ).
Auch wenn Saul das Volk zum Teil bedrückt hat, so hat er ihm doch, so sagt David, Wohlstand und Reichtum gegeben (V. 24 ).
Aber es ist Jonatan, den David mit besonderer Hingabe verehrt.
All die Jahre ihrer ungebrochenen Freundschaft werden in dem ergreifenden Bekenntnis:
Deine Liebe zu mir war wunderbar, wunderbarer als die einer Frau zusammengefaßt.

-*-
Davids Klage über den Tod Sauls und Jonathans ( Unger)

Der Bericht des Amalekiters über Sauls Tod, 1-16.
Hier muss kein Widerspruch zu dem Bericht von 1. Sam. 31,1-6 vorliegen, wie gewöhnlich angenommen wird,
sondern es kann eine Ergänzung desselben vorliegen.
Als der Amalekiter den Selbstmord Sauls bemerkte, erfand er offensichtlich seine Version der Geschichte,
weil er hoffte, dadurch die Gunst Davids und auch eine gebührende Belohnung zu erhalten.
Es ist wie eine Ironie, dass, nachdem Saul einst die Amalekiter verschont hatte (15,7-9),
ausgerechnet einer von ihnen aus seinem Tod persönlichen Nutzen ziehen wollte.
Davids Ehrfurcht vor dem von Gott Gesalbten bewahrte ihn, diese List zu belohnen; darum ließ er den Amalekiter töten.
Seine Treue Saul gegenüber beweist seine Charaktergröße und seinen staatsmännischen Edelmut.

Davids Klage, 17-27.
Diese majestätische Totenklage offenbart Davids tiefste Gefühle.
Sie ist die großartige, poetische Lyrik eines begnadeten Musikers >> (1. Sam. 16,23) und talentierten Dichters (vgl. Davids zahlreiche Psalmen), eines Mannes Gottes, dessen Freundestreue selbst angesichts alles ihm von Saul angetanen Unrechts unerschütterlich blieb
(vgl. Davids Klage um Absalom, 2. Sam. 18,33).

​*-*
ACG
KAPITEL 1
David erhält Nachricht vom Tod Sauls und Jonatans (1,1-10)
* Davids großer Kummer (1,11-12)
* Der Amalekiter wird getötet (1,13-16)
* Davids Klagelied (1,17-27)


David erfuhr vom Tod Sauls und Jonatans durch einen Amalekiter, der ihm auch die Krone und die Armspange des toten Königs brachte. Manche haben die Geschichte dieses jungen Mannes als Unwahrheit gebrandmarkt, eine Geschichte, erzählt, um die Gunst Davids zu erlangen.

Man muß nicht dieser »Lügentheorie« folgen,
um den scheinbaren Widerspruch zwischen der Geschichte des Amalekiters und dem Bericht über Sauls Tod im letzten Kapitel des vorangegangenen Buches aufzulösen. Wir haben das in den Betrachtungen des Kapitels 31 bereits erklärt.

Wenn der Amalekiter zu David sagte: »da trat ich zu ihm und gab ihm den Todesstoß, denn ich erkannte, daß er nach seinem Fall nicht am Leben bleiben würde«, dann bezog er sich auf die Tatsache, daß Saul in sein eigenes Schwert gefallen war, mit dem er Selbstmord begehen wollte, und daß er große Schmerzen litt. Große Trauer kam über David, als er die traurige Nachricht empfing. Er und seine Begleiter weinten und fasteten, trauernd über Saul, Jonatan und das Volk Gottes.

Dann befahl David, den Amalekiter zu töten, denn er hatte den Gesalbten des Herrn erschlagen. So ehrte er Saul in seinem Tod, während der Amalekiter die Strafe für seine Tat empfing.
Dann brach David in eine große Klage über Saul und Jonatan aus. Der Vers 18 (»Und er befahl, daß man die Söhne Juda [das Lied über] den Bogen lehren solle. Siehe, es ist geschrieben im Buch Jaschar.«) lautet im Hebräischen:
»Und er sprach, zu lehren die Söhne Judas den Bogen. Siehe, aufgezeichnet ist es im Buche des Yaschar.«

Andere lesen stattdessen »das Lied des Bogens« und nehmen dabei an, es beziehe sich auf dieses Klagelied Davids,
das dieser Juda lehrte (siehe Vers 22).
Das Buch Jaschar (»der Rechtschaffene«) wird später nicht wieder erwähnt (zuvor in Josua 10,12-14). Das Klagelied Davids ist ein wunderbarer Ausdruck seiner Empfindungen. Zuerst spricht er von der Katastrophe, die Israel mit dem Tod von Saul und Jonatan ereilt hat (Verse 19-22), dann preist er die Tugenden der beiden Männer. Welche Gnade offenbart das, wenn wir bedenken, daß Saul David verfolgt und ihm so manche Bedrängnis bereitet hatte!
Das erwähnt er nicht mit einem einzigen Wort. Von unbeschreiblicher Schönheit sind die liebenden Worte, die er für Jonatan findet: »Mir ist weh um dich, mein Bruder Jonatan! Über alles lieb warst du mir.
Wunderbar war mir deine Liebe, mehr als Frauenliebe.« Aber es gibt einen, dessen Liebe größer ist als Davids Liebe zu Jonatan: unser Herr Jesus Christus.

Im Herrn Jesus Christus
Hans Peter Wepf
1. Mose 15.6
Und er glaubte Jehova; und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit.
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 h.p.wepf@bibelkreis.ch



2 Samuel 1 Gottes Gericht über Israel und Saul
2 Samuel 1:1-16 Der Amalekiter
2 Samuel 1:17-27 Das Lied des Bogens

2 Samuel 2 - 4
 Das über Juda errichtete Königreich
2 Samuel 2 Hebron
2 Samuel 3 Abner
2 Samuel 4 Ischboschet

2 Samuel 5 - 24
 Das Königreich über Israel

2 Samuel 5 - 10
 David vor seinem Fall
2 Samuel 5:1-10 Die Festung Zion
2 Samuel 5:10-25 Siege
2 Samuel 6 Die Bundeslade in Zion
2 Samuel 7 Abendmahl
2 Samuel 8 Neue Siege
2 Samuel 9 Mephiboschet
2 Samuel 10 Hanun
2 Samuel 11 - 20 Davids Fall und seine Folgen
2 Samuel 11 Der Fall
2 Samuel 12 Vergebung, Disziplin und Wiederherstellung
2 Samuel 13 Amnon
2 Samuel 14 Joab
2 Samuel 15 Davids Flucht
2 Samuel 16 Freunde und Feinde
2 Samuel 17 Dienst
2 Samuel 18 Absaloms Tod und Davids gebrochenes Herz
2 Samuel 19:1-40 Gnade
2 Samuel 19:41 - 20 Konflikt zwischen Brüdern

2 Samuel 21 - 24
 Epilog
2 Samuel 21:1-14 Rizpa
2 Samuel 21:15-22 Die Söhne des Riesen
2 Samuel 22 Das Lied der Erlösung
2 Samuel 23:1-7 Davids letzte Worte
2 Samuel 23:8-39 Davids starke Männer
2 Samuel 24 Moriah
Einführung
Die historischen Bücher des Alten Testaments handeln von Gottes Wegen gegenüber Israel, beginnend mit ihrem Einzug in Kanaan.

Auf jeder Seite dieser Bücher bieten das Verhalten dieses Volkes und das Leben der Männer Gottes große moralische Lehren. Und schließlich finden wir hier in verschiedenen Typen die Person, das Werk und die Herrlichkeit des Herrn Jesus.

Natürlich finden wir diese drei wichtigen Themen im ersten und zweiten Buch Samuel.

Das erste dieser Bücher beginnt mit dem Untergang des Priestertums, das Israel in direkter Beziehung zu Gott hätte halten sollen.
Doch weder das Gericht, das über Elis Söhne hereinbrach, noch die Eroberung der Bundeslade, noch der Abbruch seiner Beziehung zu seinem Volk hinderten den Herrn daran, für dasselbe Volk einen Propheten, Samuel, zu erwecken, der damit beauftragt war, barmherzige Beziehungen zu Israel aufrechtzuerhalten.

Dann erklärt Gott, dass er durch einen König, seinen Gesalbten, vor dem immer ein treuer Priester wandeln sollte, eine neue Beziehung zwischen seinem Volk und sich selbst herstellen wird.

Anstatt geduldig auf den Gesalbten des Herrn zu warten, verlangte das rebellische Volk wie alle anderen Völker nach einem König. Gott gewährte diese Bitte in seinem Zorn, milderte sie jedoch durch Barmherzigkeit. Saul war ungehorsam und wurde abgewiesen.

Dann erhob der Herr David, den König nach seinem eigenen Herzen. Saul wurde getadelt und verfolgte den wahren König. Der Rest dieses Buches ist voll von Davids Leiden.

Um Isais Sohn versammelt sich ein schwacher Rest der Kinder Israels, treue Zeugen seiner Leiden, die an seiner Herrschaft teilhaben werden, wenn er die Krone erhält.

Die im ersten Buch Samuel beschriebene Zeit ist ein Sinnbild für die Leiden des Messias inmitten Israels. Diese Zeit endet mit Davids Sieg über Amalek, ein Sinnbild des Satans in der Heiligen Schrift ( Ex. 17:8-16 ). Der König nach Gottes Willen schlägt den Feind, den Saul verschont hatte. Doch der König nach dem Fleisch, der einst die Philister besiegt hatte, fällt nun, als sie ihn angreifen, und alle anfänglichen Erfolge seiner Laufbahn werden zunichte.
Der Anfang des zweiten Buches Samuel stellt David, den Bezwinger Amaleks, vor und zeigt, wie zuerst Juda und dann ganz Israel allmählich seine Herrschaft anerkennen.

Doch diese Herrschaft ist erst vollständig, wenn Salomons glorreicher Thron in Jerusalem errichtet wird. So finden wir in diesem Buch 
die Machtergreifung Davids, des Königs der Gnade, ein eindrucksvolles Bild des Messias zu Beginn seiner Herrschaft.
Das erste Buch der Könige beginnt mit Salomon, dem König der Gerechtigkeit und des Friedens, dessen glorreiche Herrschaft über die gesamte Welt ein grossartiges Sinnbild für die tausendjährige Herrschaft Christi ist.
​​
Im Herrn Jesus Christus
Hans Peter Wepf
1. Mose 15.6
Und er glaubte Jehova; und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit.
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h.p.wepf@bibelkreis.ch 


Vielen Dank! Das liest sich für mich auch so, als dass "Gesalbter des Herrn" hier auch meint, Obrigkeit, die von Gott eingesetzt ist. Kann man das so sehen? Wäre dann nicht alle Obrigkeit im gewissen Sinne "gesalbt"? Oder geht das zu weit?

CKS
"Gesalbt" könnte man ev. auch mit "bestätigt" sehen ,, nicht unbedingt mit "Oel", wobei David und Saul aber gesalbt waren, Saul einfach mittels einer zerbrechlichen Flasche.
Im Herrn Jesus Christus
Hans Peter Wepf
1. Mose 15.6
Und er glaubte Jehova; und er rechnete es ihm zur Gerechtigkeit.
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  • Anlass: Nachricht vom Tod Sauls und Jonathans auf dem Gilboa. David fastet, trauert und lässt den Amalekiter hinrichten, der mit einer Lügengeschichte Ruhm suchte.

  • Kern des Liedes: Dreifacher Kehrvers „Wie sind die Helden gefallen!“ strukturiert die Klage (V. 19.25.27).

  • Kein Raum für Schadenfreude: „Verkündet es nicht in Gat…“ – die Ehre Israels soll nicht zum Spott der Philister werden (V. 20).

  • Verfluchung des Ortes: Berge von Gilboa – kein Tau/ Regen; der entweihte Schild Sauls markiert Israels Schmach (V. 21).

  • Würdigung Sauls und Jonathans: schneller als Adler, stärker als Löwen; Saul wird trotz aller Fehler als Wohltäter des Volkes gewürdigt (V. 23–24).

  • Freundesliebe: Davids einzigartige Bindung an Jonathan („mehr als Frauenliebe“) betont Treue, Bund und Herzenseinheit (V. 26).

  • Theologische Linie: Achtung vor der von Gott eingesetzten Obrigkeit („Gesalbter des HERRN“), Warnung vor schadenfrohem Sieg, Trauer als geistliche Haltung.

  • Schriftbezug/Resonanz: Die Formulierung „Sauls Schwert kehrte nicht leer wieder“ (V. 22) erinnert an Jes 55,11 (Wort kehrt nicht leer zurück) – eine typologische Resonanz, nicht Gleichsetzung.


    Thema: Das Bogenlied – Geistliche Linien in 2. Samuel 1,17–27

    David hatte allen Grund, über Saul erleichtert zu sein:
    Der Mann, der ihn jahrelang verfolgte, ist gefallen. Menschlich betrachtet wäre jetzt der Moment, an dem ein neuer König seine Macht festigt und den Feind verachtet.
    Doch David zeigt eine ganz andere Haltung – eine, die durch Demut, Ehrfurcht und geistliche Gesinnung gekennzeichnet ist.
    Er trauert – nicht nur um Jonathan, den Bruder im Geist, sondern auch um Saul, den er trotz allem bis zuletzt „den Gesalbten JEHOVAS" nennt.

    Diese Haltung ist bemerkenswert: David trennt Sauls Verhalten von seiner von Gott eingesetzten Stellung.
    Er verachtet das Böse, aber er entehrt nicht die von Gott verliehene Würde. Spirituell gesehen steht hier ein wichtiger Grundsatz:
    Geistliche Menschen urteilen nicht zuerst nach menschlicher Geschichte, sondern nach der göttlichen Ordnung.
    Auch wenn eine Obrigkeit versagt, bleibt ihre Einrichtung von Gott.
    David nimmt sich deshalb nicht das Recht, mit dem Versagen Sauls abzurechnen. Er klagt – und in dieser Klage liegt eine geistliche Würde, die tief berührt.

    Der dreifache Klagerefrain „Wie sind die Helden gefallen!“ durchzieht das Lied wie eine liturgische Mahnung.
    Es ist mehr als Trauer – es ist geistliches Wahrnehmen einer Tragödie: Israel verliert nicht einfach Menschen, sondern geistliche Würde.
    Darum sagt David: „Berichtet es nicht in Gat…“ – der Feind soll nicht triumphieren.
    Schadenfreude der Welt über das Versagen des Volkes Gottes ist immer eine Schmach des Namens Gottes.

    Wenn David die Berge von Gilboa verflucht und ihnen Tau und Regen abspricht, dann drückt er damit aus:
    Ein Ort, an dem Gottes Ehre zu Boden fällt, kann nicht wie jeder andere behandelt werden. Er spürt geistlich, dass etwas Entweihtes geschehen ist.
    Der Satz „der Schild Sauls, nicht gesalbt mit Öl“ ist dabei voll Symbolik:
    Der König, einst gesalbt, liegt nun entweiht da – die Salbung, das heißt: die Würde, die Gott gegeben hat, steht im Kontrast zu seinem Ende.
         Diese Spannung klingt im ganzen Lied mit.

    Besonders aber leuchtet Jonathan hervor.
    David nennt ihn „mein Bruder“ – nicht nur im natürlichen Sinn, sondern im Geist.
    Die Formulierung „Deine Liebe war mir wunderbarer als Frauenliebe“ ist im hebräischen Ausdruck keine romantische Sprache, sondern Beschreibung einer unverbrüchlichen Bundesloyalität
     – einer Liebe, die nicht das Eigene sucht, sondern sich an Gottes Erwählung bindet.
    Jonathan wusste, dass David der Erwählte war – und er demütigte sich darunter.
    Diese Haltung erkennt David mit tiefem Herzen an.

    Bemerkenswert ist auch der Bezug zu Vers 22:
     „Sauls Schwert kehrte nicht leer wieder.“
    Diese Wendung klingt prophetisch nach Jesaja 55,11 an: „ Also wird mein Wort … nicht leer zu mir zurückkehren.“
    Wie das Schwert wirkt, so wirkt das Wort – es trifft, es richtet Gottes Ziel aus. Saul verfehlte Gottes Ziel – aber Gottes Ratschluss versagte nicht.
    David sieht nicht nur den Menschen, sondern die Wege Gottes.
    In dieser Verbindung liegt geistliche Tiefe – das Versagen des Menschen und die Treue Gottes stehen sich gegenüber.

    Darum ist das Bogenlied weit mehr als historische Klage. Es ist geistliche Belehrung über Ehre, Demut, geistliche Empfindsamkeit und wahre Bruderliebe.
    David zeigt uns:
    Wer Gott ehrt, kann sogar über das Gericht in Ehrfurcht trauern.
    Wer Jonathan liebt, liebt den Geist der Unterordnung unter Gottes Erwählung.
    Und wer nicht will, dass der Feind sich freut, erkennt, dass die Ehre Gottes über persönlichem Empfinden steht.