00488 Das
Bogenlied 2.Samuel 1, 17- 27

Davids „Bogenlied“ (2. Sam 1,17–27) ist eine
bewegende Klage über Saul und Jonathan:
keine Schadenfreude, sondern ehrendes Gedenken und echte Trauer.
David ehrt sogar Saul als den „Gesalbten Jehovas“ und warnt vor triumphierender
Zunge;
zugleich leuchtet die treue Liebe zu Jonathan auf, „wunderbarer als
Frauenliebe“.
Die Klage und Trauer Davids um seinen geliebten "Seelenbruder" Jonathan ist
berührend. Seine Reaktion auf das tragische Ende von Saul jedoch, lässt
innehalten.
Gedanken / Fragen,
liebe Brüder im Herrn Jesu: Er bewertet den (so gearteteten Tod Sauls) als
Unrecht, als Schmach; er nennt ihn (immer noch)
den Gesalbten des Herrn.
Beklagt er die Tragik, dass er wusste,
Saul war zum Dienst Gottes berufen und scheiterte? Und - man solle sich nicht
freuen, dass ein Feind tot war.
Sogar der, der ihn angeblich tötete, sollte sterben, obwohl dies ja gar nicht
stimmte;
denn Saul tötete sich selbst.
Der Ort seiner Tötung verfluchte er? und warnte vor Schadenfreude.
Seine bedingungslose Liebe, auch zu Saul durchzieht das Wort.
Ich lese keinen Zweifel an Gott oder einen Vorwurf heraus?
Und beim Vers Sam. 2;1,22 (und Sauls Schwert kehrte nicht leer wieder ... )
fiel mir ein anderes Wort ein aus Jes.55,11 ( ... also wird mein Wort sein, das
aus meinem Munde hervorgeht;
es wird nicht leer zu mir zurückkehren, sondern es wird ausrichten, was mir
gefällt, und durchführen,
wozu ich es gesandt habe....)
Da steckt noch so viel mehr drin.
Könntet Ihr bitte dazu etwas schreiben oder auch gerne etwas dazu verlinken?
Ich danke Euch.
Carmen Katharina Stern
| Elberfelder CSV | |
| 2. Samuel | |
| 2. Sam 1,17 Und David stimmte dieses Klagelied an über Saul und über Jonathan, seinen Sohn; | 2. Sam 3,33; 2. Chr 35,25 |
| 2. Sam 1,18 und er befahl<W. sprach.>, dass man die Kinder Juda das Lied vom Bogen lehre; siehe, es ist geschrieben im Buch Jaschar: |
Bogen: 2.
Sam 1,22; Jes 31,3 Rechtscha.: Jos 10,13 |
| 2. Sam 1,19 Deine<W. Die.> Zierde, Israel, ist erschlagen auf deinen Höhen! Wie sind die Helden gefallen! | 2. Sam 1,25; 2. Sam 1,27; Ps 76,6; Hes 32,20-22 |
| 2. Sam 1,20 Berichtet es nicht in Gat, verkündet die Botschaft nicht in den Straßen Askalons, dass sich nicht freuen die Töchter der Philister, dass nicht frohlocken die Töchter der Unbeschnittenen! |
nicht: 1.
Sam 31,9; Mi 1,10 Askalons: 1. Sam 6,17 |
| 2. Sam 1,21 Berge von Gilboa, weder Tau noch Regen sei auf euch, noch Felder der Hebopfer<D.h., aus deren Ertrag Hebopfer dargebracht werden können.>! Denn dort wurde weggeworfen<A.ü. besudelt.> der Schild der Helden, der Schild Sauls, nicht gesalbt mit Öl. |
Gilboa: 1.
Sam 31,1; 1. Sam 31,8 weder: Hi 3,3-10; Jer 20,14-16 gesalbt: Jes 21,5 |
| 2. Sam 1,22 Vom Blut der Erschlagenen, vom Fett der Helden wich Jonathans Bogen nicht zurück, und Sauls Schwert kehrte nicht leer wieder. |
Bogen: 1.
Sam 18,4; 1. Sam 20,35-36 Schwert: 1. Sam 14,47 |
| 2. Sam 1,23 Saul und Jonathan, die Geliebten und Holdseligen in ihrem Leben, sind auch in ihrem Tod nicht getrennt; sie waren schneller als Adler, stärker als Löwen. |
Adler: 5.
Mo 28,49; Jer 4,13; Klgl 4,19 Löwen: Ri 14,18; Spr 30,30 |
| 2. Sam 1,24 Töchter Israels, weint um Saul, der euch kostbar kleidete in Karmesin, der goldenen Schmuck über eure Kleider zog! | Ri 5,30; Ri 11,38-40; 1. Petr 3,3-5 |
| 2. Sam 1,25 Wie sind die Helden gefallen mitten im Kampf! Wie ist Jonathan erschlagen auf deinen Höhen! | 2. Sam 1,19; 2. Sam 1,27 |
| 2. Sam 1,26 Mir ist wehe um dich, mein Bruder Jonathan! Holdselig warst du mir sehr; wunderbar war mir deine Liebe, mehr als Frauenliebe! | 1. Sam 18,1; 1. Sam 18,3; 1. Sam 20,17; 1. Sam 20,41 |
| 2. Sam 1,27 Wie sind die Helden gefallen, und umgekommen die Rüstzeuge des Kampfes! |
Helden: 2.
Sam 1,19 Waffen: 2. Kö 2,12; Ps 46,10; Hes 39,9-10 |
|
2 Samuel 1 Gottes
Gericht über Israel und Saul 2 Samuel 1:1-16 Der Amalekiter 2 Samuel 1:17-27 Das Lied des Bogens 2 Samuel 2 - 4 Das über Juda errichtete Königreich 2 Samuel 2 Hebron 2 Samuel 3 Abner 2 Samuel 4 Ischboschet 2 Samuel 5 - 24 Das Königreich über Israel 2 Samuel 5 - 10 David vor seinem Fall 2 Samuel 5:1-10 Die Festung Zion 2 Samuel 5:10-25 Siege 2 Samuel 6 Die Bundeslade in Zion 2 Samuel 7 Abendmahl 2 Samuel 8 Neue Siege 2 Samuel 9 Mephiboschet 2 Samuel 10 Hanun |
2 Samuel 11 - 20 Davids
Fall und seine Folgen 2 Samuel 11 Der Fall 2 Samuel 12 Vergebung, Disziplin und Wiederherstellung 2 Samuel 13 Amnon 2 Samuel 14 Joab 2 Samuel 15 Davids Flucht 2 Samuel 16 Freunde und Feinde 2 Samuel 17 Dienst 2 Samuel 18 Absaloms Tod und Davids gebrochenes Herz 2 Samuel 19:1-40 Gnade 2 Samuel 19:41 - 20 Konflikt zwischen Brüdern 2 Samuel 21 - 24 Epilog 2 Samuel 21:1-14 Rizpa 2 Samuel 21:15-22 Die Söhne des Riesen 2 Samuel 22 Das Lied der Erlösung 2 Samuel 23:1-7 Davids letzte Worte 2 Samuel 23:8-39 Davids starke Männer 2 Samuel 24 Moriah |
Anlass: Nachricht vom Tod Sauls und Jonathans auf dem Gilboa. David fastet, trauert und lässt den Amalekiter hinrichten, der mit einer Lügengeschichte Ruhm suchte.
Kern des Liedes: Dreifacher Kehrvers „Wie sind die Helden gefallen!“ strukturiert die Klage (V. 19.25.27).
Kein Raum für Schadenfreude: „Verkündet es nicht in Gat…“ – die Ehre Israels soll nicht zum Spott der Philister werden (V. 20).
Verfluchung des Ortes: Berge von Gilboa – kein Tau/ Regen; der entweihte Schild Sauls markiert Israels Schmach (V. 21).
Würdigung Sauls und Jonathans: schneller als Adler, stärker als Löwen; Saul wird trotz aller Fehler als Wohltäter des Volkes gewürdigt (V. 23–24).
Freundesliebe: Davids einzigartige Bindung an Jonathan („mehr als Frauenliebe“) betont Treue, Bund und Herzenseinheit (V. 26).
Theologische Linie: Achtung vor der von Gott eingesetzten Obrigkeit („Gesalbter des HERRN“), Warnung vor schadenfrohem Sieg, Trauer als geistliche Haltung.
Schriftbezug/Resonanz:
Die Formulierung „Sauls Schwert kehrte nicht leer wieder“ (V. 22) erinnert
an Jes 55,11 (Wort kehrt nicht leer zurück) – eine typologische Resonanz,
nicht Gleichsetzung.
Thema: Das Bogenlied – Geistliche Linien in 2. Samuel 1,17–27
David hatte allen Grund, über Saul
erleichtert zu sein:
Der Mann, der ihn jahrelang verfolgte, ist gefallen. Menschlich betrachtet
wäre jetzt der Moment, an dem ein neuer König seine Macht festigt und den
Feind verachtet.
Doch David zeigt eine ganz andere Haltung – eine, die durch Demut, Ehrfurcht
und geistliche Gesinnung gekennzeichnet ist.
Er trauert – nicht nur um Jonathan, den Bruder im Geist, sondern auch um
Saul, den er trotz allem bis zuletzt „den Gesalbten JEHOVAS" nennt.
Diese Haltung ist bemerkenswert: David
trennt Sauls Verhalten von seiner von Gott eingesetzten Stellung.
Er verachtet das Böse, aber er entehrt nicht die von Gott verliehene Würde.
Spirituell gesehen steht hier ein wichtiger Grundsatz:
Geistliche Menschen urteilen nicht zuerst nach menschlicher Geschichte,
sondern nach der göttlichen Ordnung.
Auch wenn eine Obrigkeit versagt, bleibt
ihre Einrichtung von Gott.
David nimmt sich deshalb nicht das Recht, mit dem Versagen Sauls
abzurechnen. Er klagt – und in dieser Klage liegt eine geistliche Würde, die
tief berührt.
Der dreifache Klagerefrain
„Wie sind die Helden gefallen!“
durchzieht das Lied wie eine liturgische Mahnung.
Es ist mehr als Trauer – es ist geistliches Wahrnehmen einer Tragödie:
Israel verliert nicht einfach Menschen, sondern geistliche Würde.
Darum sagt David: „Berichtet es nicht
in Gat…“ – der Feind soll nicht triumphieren.
Schadenfreude der Welt über das Versagen des Volkes Gottes ist immer eine
Schmach des Namens Gottes.
Wenn David die Berge von Gilboa
verflucht und ihnen Tau und Regen abspricht, dann drückt er damit aus:
Ein Ort, an dem Gottes Ehre zu Boden fällt, kann nicht wie jeder andere
behandelt werden. Er spürt geistlich, dass etwas Entweihtes geschehen ist.
Der Satz „der Schild Sauls, nicht
gesalbt mit Öl“ ist dabei voll Symbolik:
Der König, einst gesalbt, liegt nun entweiht da – die Salbung, das heißt:
die Würde, die Gott gegeben hat, steht im Kontrast zu seinem Ende.
Diese Spannung klingt im ganzen Lied mit.
Besonders aber leuchtet Jonathan
hervor.
David nennt ihn „mein Bruder“ –
nicht nur im natürlichen Sinn, sondern im Geist.
Die Formulierung „Deine Liebe war mir
wunderbarer als Frauenliebe“ ist im hebräischen Ausdruck keine
romantische Sprache, sondern Beschreibung einer unverbrüchlichen
Bundesloyalität
– einer Liebe, die nicht das Eigene sucht, sondern sich an Gottes
Erwählung bindet.
Jonathan wusste, dass David der Erwählte war – und er demütigte sich
darunter.
Diese Haltung erkennt David mit tiefem Herzen an.
Bemerkenswert ist auch der Bezug zu
Vers 22:
„Sauls Schwert kehrte nicht leer
wieder.“
Diese Wendung klingt prophetisch nach
Jesaja 55,11 an: „ Also
wird mein Wort … nicht leer zu mir zurückkehren.“
Wie das Schwert wirkt, so wirkt das Wort – es trifft, es richtet Gottes Ziel
aus. Saul verfehlte Gottes Ziel – aber Gottes Ratschluss versagte nicht.
David sieht nicht nur den Menschen, sondern die Wege Gottes.
In dieser Verbindung liegt geistliche Tiefe – das Versagen des
Menschen und die Treue Gottes stehen sich gegenüber.
Darum ist das Bogenlied weit mehr als
historische Klage. Es ist geistliche Belehrung über Ehre, Demut, geistliche
Empfindsamkeit und wahre Bruderliebe.
David zeigt uns:
Wer Gott ehrt, kann sogar über das Gericht in Ehrfurcht trauern.
Wer Jonathan liebt, liebt den Geist der Unterordnung unter Gottes Erwählung.
Und wer nicht will, dass der Feind sich freut, erkennt, dass die Ehre Gottes
über persönlichem Empfinden steht.