Kolosser 2,8 ist ein Schlüsselvers zur Unterscheidung zwischen „menschlicher Philosophie“ und dem „Wort Christi“ (Kol 3,16).

Kolosser 2,8 ist ein Schlüsselvers zur Unterscheidung zwischen „menschlicher Philosophie“ und dem „Wort Christi“ (Kol 3,16).
Thema:
Philosophie, Betrug und das Leben „in Christus“
Textgrundlage: Elberfelder 1905
Kol 2,8
„Sehet zu, daß nicht jemand sei, der euch als Beute wegführe durch die Philosophie und durch eitlen Betrug, nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt, und nicht nach Christo.“
Antwort:
Das Verb blepete
(βλέπετε) ist ein Imperativ Präsens Aktiv – „Sehet
ständig zu“, „habt acht“, „wacht“.
Es drückt
eine fortdauernde Wachsamkeit aus.
Paulus ruft die Gläubigen auf,
nicht
passiv zu sein, sondern die Lehre, die sie
hören,
ständig zu prüfen (vgl. 1 Thess 5,21:
„Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“).
Das Auge soll also auf Christus gerichtet bleiben,
nicht auf die Denksysteme dieser Welt (Hebr 12,2).
Antwort:
Das seltene Verb
sylagōgeō
bedeutet wörtlich „jemanden als Beute fortschleppen“
(von sylaō,
rauben).
Es ist ein Bild aus dem Krieg: Ein Feind entreißt
den Sieger dem wahren Herrn.
Paulus warnt: „Hütet euch, dass euch niemand raube –
weg von Christus!“
Das erinnert an 2 Kor 11,3: „Ich fürchte aber, dass,
wie die Schlange Eva verführte, so euer Sinn
verdorben und abgewendet werde von der Einfalt gegen
den Christus.“
Antwort:
Das Wort
philosophia kommt nur hier im Neuen Testament
vor.
Es bedeutet ursprünglich „Liebe zur Weisheit“.
Im damaligen Kontext meinte Paulus
nicht
reine Logik oder Denken, sondern
religiös-spekulative Systeme, die das
Geheimnis Gottes „erklären“ wollten ohne Christus.
Darum steht im Vers 9 die Gegenüberstellung:
„Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig.“
Wahre Erkenntnis kommt also nicht durch menschliche Philosophie, sondern durch Offenbarung (Matth 11,27; 1 Kor 1,21).
Antwort:
Kenēs apatēs
= „leerer Trug“.
„Leer“ (kenos) betont das Fehlen göttlicher
Substanz.
„Trug“ (apate) bedeutet Täuschung – ein Schein ohne
Wahrheit.
Menschliche Philosophie kann beeindrucken, doch sie
führt
nicht zum Leben, weil sie den Quell der
Wahrheit – Christus – nicht kennt.
Vgl. Eph 5,6: „Laßt euch niemand verführen mit
eitlen Worten.“
Antwort:
Paradosis
= „Überlieferung“ – etwas, das Menschen weitergeben.
Jesus verwarf diese Autorität ausdrücklich in Mark
7,8:
„Ihr gebet das Gebot Gottes preis und haltet die Überlieferung der Menschen fest.“
Paulus kontrastiert hier Gottgegebene Wahrheit mit menschlicher Tradition.
Der Maßstab des Gläubigen ist nicht die religiöse Tradition, sondern das Wort Gottes (Joh 17,17; 1 Kor 4,6).
Antwort:
Stoicheia
heißt „Grundelemente“ oder „Elementarordnungen“.
In Gal 4,3 heißt es: „Wir waren unter die Elemente
der Welt geknechtet.“
Gemeint sind die
äußeren,
sichtbaren Ordnungen, die für den
natürlichen Menschen Maßstab sind – Gesetzlichkeit,
religiöse Rituale, kosmische Prinzipien.
Sie gehören zur „alten Schöpfung“, die in Christus
überwunden ist (Kol 2,20).
Darum: „Nicht nach den Elementen der Welt, sondern
nach Christus.“
Antwort:
Das ist der entscheidende Prüfstein aller Lehre:
Ist sie nach
Christus – d.h. in Übereinstimmung mit seiner
Person, seinem Werk, seiner Herrlichkeit – oder
nicht nach
Christus?
Alles Denken, das nicht von Ihm ausgeht und zu Ihm
führt, ist „Beute“.
1 Kor 2,2: „Denn ich hielt nicht dafür, etwas unter
euch zu wissen, als nur Jesus Christus, und den als
gekreuzigt.“
Antwort:
„Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr seid vollendet in ihm.“
Hier wird der Gegensatz klar:
Philosophie sucht Fülle durch Denken,
Christus
ist
die Fülle selbst (plērōma
tēs theotētos).
Das Wort
theotēs (Gottheit) bezeichnet das
Wesen
Gottes selbst, nicht nur göttliche
Eigenschaften.
Der Gläubige
hat
alles in Ihm – keine Ergänzung durch
Philosophie ist nötig.

Antwort:
Die Taufe ist
das
Bekenntnis zur Einheit mit Christus – Tod,
Begräbnis, Auferstehung (Röm 6,3–5).
In Kol 2,12 heißt es: > „Mit ihm begraben in der
Taufe … mitauferweckt durch den Glauben an die
wirksame Kraft Gottes.“
Das zeigt: Der Christ ist
der Welt
und ihren Elementen gestorben.
Darum passt „Philosophie nach der Welt“ nicht mehr
zu dem, der in Christus lebt.
Der Bezug ist geistlich, nicht sakramental: Taufe =
öffentliches Zeugnis des neuen Lebens.
Antwort:
Römer 13 zeigt den Platz des Christen
unter den
irdischen Gewalten, Kol 2 den Platz
in
Christus über allen Gewalten.
Beides widerspricht sich nicht:
In der Welt gehorcht der Christ der Obrigkeit (Röm 13,1).
Im Glauben
erkennt er, dass Christus das Haupt über jedes
Fürstentum ist (Kol 2,10).
Darum: Christen beten (1 Tim 2,1–2), aber
politisieren nicht – ihr Bürgerrecht
ist im Himmel (Phil 3,20).
💠
Zwischenfazit (Teil 1):
Philosophie, Tradition und Weltprinzipien stellen
Systeme dar, die den Menschen im Mittelpunkt haben.
Christus aber ist
die
göttliche Mitte, in der alles Sein, Denken
und Leben seine Vollendung findet.
den geschichtlichen Hintergrund der Philosophie in Kolossä,
die Verbindung zu Engelkult und Gnosis,
die geistliche Bedeutung der Beschneidung und der Taufe,
und wie der Glaube den Christen „auferbaut in Ihm“ (V. 7).
Themenreihe:
„Philosophie
und Christus in Kolosser 2,8 – Warnung, Hintergrund
und die Vollendung in Ihm“
Thema: Der geschichtliche, geistliche und theologische Hintergrund
Kol 2,8–10
„Sehet zu, daß nicht jemand sei, der euch als Beute wegführe durch die Philosophie und durch eitlen Betrug, nach der Überlieferung der Menschen, nach den Elementen der Welt, und nicht nach Christo. Denn in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und ihr seid vollendet in ihm, welcher das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt ist.“
Antwort:
Kolossä lag in Phrygien (Kleinasien) – eine Region,
in der sich
orientalische Mysterien, jüdische Gesetzlichkeit und
griechische Philosophie vermischten.
Paulus wusste: diese Gemeinde war gefährdet durch
eine
synkretistische Lehre, die
Engel,
Rituale und spekulative Erkenntnis verband
(vgl. Kol 2,18).
Darum stellt er in Kap. 1–2 Christus als den
Mittelpunkt aller Schöpfung, Erlösung und Erkenntnis
vor.
Der Hintergrund erklärt, warum er von
philosophia
spricht – nicht in akademischem, sondern in
religiös-mystischem Sinn.
Antwort:
Die Gnosis („Erkenntnis“) lehrte, dass zwischen Gott
und der Materie viele „Emanationen“ (Mächte)
stünden.
Dadurch wurde Christus
herabgesetzt – nur eine Stufe unter vielen.
Paulus widerspricht entschieden:
„In ihm wohnt die ganze Fülle (πλήρωμα – plērōma) der Gottheit leibhaftig“ (Kol 2,9).
Das griechische plērōma war ein Lieblingswort der Gnostiker – Paulus verwendet es, um zu zeigen:
Nur in Christus ist das wahre plērōma, nicht in spekulativen Systemen.
Antwort:
Beide entspringen derselben Quelle: dem menschlichen
Versuch,
eine Brücke zwischen Gott und Welt zu
bauen, ohne den Mittler Christus.
In Kol 2,18 heißt es:
„Laßt euch den Kampfpreis von niemandem rauben, der seinen eigenen Willen tut in Demut und Verehrung der Engel.“
Philosophie suchte diese Verbindung intellektuell, Engelverehrung religiös.
Beides ist „nicht nach Christus“, weil es den Mittler ersetzt, den Gott selbst gegeben hat (1 Tim 2,5).
Antwort:
sōmatikōs
bedeutet „in leiblicher Wirklichkeit“.
Das heißt: in der Person Jesu Christi
wohnt die
Gottheit in konkreter, sichtbarer Form.
Das widerspricht der damaligen Lehre, dass Materie
böse sei.
Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch (Joh
1,14).
Hier wird die
Inkarnation als Antwort auf
philosophisch-religiöse Spekulation verkündet.
Antwort:
Das Perfekt-Partizip
peplērōmenoi
(von plēroō
= erfüllen, vollmachen) drückt
dauerhafte
Vollendung aus.
Gläubige
sind erfüllt, nicht sie
werden es
erst.
Sie haben in Christus alles, was zum Leben und zur
Gottseligkeit gehört (2 Petr 1,3).
Keine Philosophie, keine Tradition kann etwas
hinzufügen.
Das ist der Mittelpunkt der ganzen Kolosserlehre:
Christus
genügt.
Antwort:
Die „nicht mit Händen geschehene Beschneidung“
(ἀχειροποιήτῳ –
acheiropoiētō)
bezeichnet das
Abtun des
alten Menschen durch den Tod Christi.
In Christus ist der Gläubige
abgeschnitten von der alten Natur.
Das ist die geistliche Entsprechung dessen, was das
Gesetz nur äußerlich zeigen konnte.
Somit ist die „Fülle in Christus“ gleichzeitig die
Befreiung
von der alten Schöpfung.
Antwort:
Paulus sagt:
„Mit ihm begraben in der Taufe, in welcher ihr auch mitauferweckt worden seid durch den Glauben an die wirksame Kraft Gottes.“
Die Taufe ist das Bekenntnis, dass der Gläubige mit Christus gekreuzigt gestorben und auferweckt ist (Röm 6,3–4).
Sie steht im Gegensatz zu den „Elementen der Welt“ – den alten religiösen Formen.
Philosophie sucht Veredelung des alten Menschen; Taufe bezeugt seinen Tod.
Antwort:
Der Glaube ist
das Mittel,
durch das die Auferstehungskraft Gottes wirksam wird
im Gläubigen.
Nicht der Vollzug der Taufe, sondern der
Glaube an
die Energie (ἐνέργεια – energeia) Gottes,
der Christus auferweckte, bewirkt das neue Leben.
So ist der Christ in einer ganz neuen Ordnung –
nicht nach der Welt, sondern „in Christus“.
Antwort:
„Wie ihr nun den Christus Jesus, den Herrn, empfangen habt, so wandelt in ihm, gewurzelt und auferbaut in ihm.“
Das Leben „in Christus“ ersetzt jede spekulative Suche nach Sinn.
Wurzeln (ῥιζόω – rhizoō) = innere Festigung,
Aufbauen (οἰκοδομέω – oikodomeō) = äußeres Wachstum.
Das Gegenmittel gegen Irrlehre ist Festigkeit im Glauben und Danksagung (V. 7).
Antwort:
Ein dankbares Herz ruht in Christus und sucht nichts
außerhalb von Ihm.
Unzufriedenheit dagegen öffnet die Tür für
„Philosophie“ – das Streben nach etwas „Mehr“.
Kol 3,15 sagt: „Und seid dankbar.“
Danksagung ist der Ausdruck geistlicher
Zufriedenheit in der Person Christi.
Wer die Fülle Christi genießt, wird nicht zur
Philosophie der Welt greifen.
💠
Zwischenfazit
Paulus zeigt: Die Philosophie der Welt – ob religiös
oder intellektuell – ist letztlich
eine
Flucht vor Christus.
Der Christ dagegen ist „in Ihm vollendet“:
abgeschnitten von der alten Welt, begraben und
auferweckt in der Kraft Gottes.
Taufe, Glaube und Danksagung bezeugen diese neue
Stellung.
die Auseinandersetzung mit „Gesetzlichkeit“ und „Elementen der Welt“ (V. 16–23),
den Unterschied zwischen religiöser Frömmigkeit und geistlicher Realität,
sowie den geistlichen Sinn von „nicht nach Christo“ im praktischen Leben.
„Philosophie
und Christus in Kolosser 2,8 – Gesetzlichkeit,
Elemente der Welt und die wahre Freiheit in
Christus“
Thema: Gesetz, Weltordnung und wahre geistliche Freiheit
Kol 2,16–23 (Elberfelder 1905)
„So richte euch nun niemand über Speise oder Trank oder hinsichtlich eines Festes oder Neumondes oder Sabbats, die ein Schatten der zukünftigen Dinge sind, der Körper aber ist des Christus. ... Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerfet ihr euch Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt? – Rühre nicht an, koste nicht, betaste nicht – (was alles zur Zerstörung durch den Gebrauch bestimmt ist) nach den Geboten und Lehren der Menschen, die zwar einen Schein von Weisheit haben in eigenwilligem Gottesdienst und Demut und Kasteiung des Leibes, und nicht in einer gewissen Ehre, zur Befriedigung des Fleisches.“
Antwort:
Weil beide denselben Ursprung haben:
Selbstgerechtigkeit.
Philosophie gründet auf der Vernunft des Menschen,
Gesetzlichkeit auf seiner religiösen Leistung.
Beide ersetzen Christus.
Paulus zeigt, dass die Philosophie in Kolossä
jüdisch-gesetzliche und heidnisch-mystische Elemente
vereinte.
Darum verbindet er in Kol 2,8 und 2,16–23 die
Begriffe
Überlieferung,
Elemente der
Welt,
Satzungen – sie alle entspringen
dem
Menschen, nicht Gott.
Antwort:
Das Verb
apethanete (Aorist) – „ihr seid gestorben“.
Das ist
ein vollendetes Faktum:
Mit Christus gestorben = Befreiung von der alten
Weltordnung.
Die stoicheia
tou kosmou (Elemente der Welt) sind die äußeren
Ordnungen, die den natürlichen Menschen binden –
religiöse, moralische, kulturelle Regeln.
Der Christ ist diesen „Elementen“ gestorben, weil er
eine neue
Stellung hat: „in Christus“.
Vgl. Gal 4,9: „Wie wendet ihr euch wieder zu den
schwachen und armseligen Elementen?“
Antwort:
Das Wort sōma
(σῶμα) – „Körper“ – steht hier im Gegensatz zu
„Schatten“.
Die jüdischen Feste, Speisen und Sabbate waren
Schattenbilder der kommenden Wirklichkeit.
Der Körper, die Substanz dieser Schatten, ist
Christus
selbst.
Er erfüllt, was die Symbole nur andeuteten.
So wird jede Form religiöser Rückkehr zu Ritualen
zur
Verneinung seiner Erfüllung.
Hebr 10,1: „Denn das Gesetz hat einen Schatten der
zukünftigen Güter, nicht das Bild selbst der Dinge.“
Antwort:
Wenn der Gläubige in Christus alles besitzt, dann
ist jede Ergänzung durch äußerliche Formen
ein Mangel
an Glauben.
Das „Vollendetsein“ (peplērōmenoi)
bedeutet: keine Ergänzung nötig.
Gesetzliche Satzungen leugnen praktisch diese
Vollendung.
Darum sagt Paulus: „Warum unterwerft ihr euch
Satzungen?“ (V. 20).
Das Christentum ist nicht ein System von Geboten,
sondern
eine Lebensgemeinschaft mit Christus.
Antwort:
Das sind Zitate aus asketischen Vorschriften jener
Irrlehrer.
Sie suchten Heiligkeit durch Entsagung äußerer
Dinge.
Paulus nennt das eine „Kasteiung des Leibes“ (aphēidia
sōmatos), die „keine Ehre“ hat – also keine
wahre geistliche Wirkung.
Christus heiligt nicht durch Enthaltung, sondern
durch Gemeinschaft mit sich selbst (Joh 17,19).
Das äußere Gesetz kann das Fleisch zügeln, aber
nicht erneuern.
Antwort:
Diese Formulierung erinnert an Jes 29,13, den Jesus
in Matth 15,9 zitiert:
„Vergeblich aber verehren sie mich, indem sie Lehren lehren, die Menschengebote sind.“
Paulus greift dieselbe Linie auf:
Was von Menschen stammt, hat Schein von Weisheit, aber keine Kraft.
Nur was „nach Christus“ ist, hat göttliche Autorität (vgl. Joh 7,16: „Meine Lehre ist nicht mein, sondern dessen, der mich gesandt hat“).
Antwort:
Das Wort kommt nur hier im NT vor:
ethelothrēskeia = „selbstgewählte, willkürliche
Frömmigkeit“.
Es bezeichnet Frömmigkeit, die
fromm
aussieht, aber
nicht von
Gott geboten ist.
Das ist der Kern aller religiösen Systeme ohne
Christus.
Gott sucht keine selbstgemachte Andacht, sondern
Gehorsam des Glaubens (Röm 1,5).
Antwort:
Logon echonta
sophias heißt wörtlich: „eine Redeweise der
Weisheit habend“ – also beeindruckend klingend.
Philosophische oder asketische Systeme erscheinen
klug, aber sie beruhen auf dem Fleisch.
1 Kor 1,20: „Hat nicht Gott die Weisheit der Welt
zur Torheit gemacht?“
Wahre Weisheit ist
Christus
selbst (Kol 2,3): „In welchem alle Schätze
der Weisheit und der Erkenntnis verborgen sind.“
Antwort:
Diese Wendung meint: Sie haben
keinen
wahren Wert vor Gott.
Askese mag äußerlich ehrbar erscheinen, aber
geistlich ist sie nutzlos.
Sie dient „zur Befriedigung des Fleisches“ (plēsmonei
tēs sarkos) – also dazu, das Ich religiös zu
bestätigen.
Wahre Ehre ist allein, in Christus gefunden zu
werden (Phil 3,9).
Antwort:
Philosophie: Der Mensch sucht Wahrheit durch Denken.
Christus: Die Wahrheit wird in der Person offenbart
(Joh 14,6).
Philosophie fragt: „Was ist der Mensch?“ – das
Evangelium antwortet: „Wer ist Christus?“
Philosophie strebt nach Selbstveredelung – Christus
führt zum Tod des alten Menschen.
Philosophie ehrt den Intellekt – Christus verlangt
Glauben.
Darum ruft Paulus: „Wie ihr Christus Jesus empfangen
habt, so wandelt in ihm“ (Kol 2,6).
💠
Zwischenfazit
Der Gegensatz zwischen Philosophie und Christus ist
der Gegensatz zwischen
Fleisch
und Geist,
Selbstdenken und Offenbarung,
Gesetz und
Gnade.
Der Gläubige ist der Welt und ihren Elementen
gestorben; sein Leben ist verborgen mit Christus in
Gott (Kol 3,3).
das „Wandeln in Christus“ im Licht von Kol 3,1–4,
die himmlische Stellung des Gläubigen,
die Rolle des Gebets statt Politik (Röm 13, 1 Tim 2,1–2),
und das endgültige Urteil der Schrift über menschliche Weisheit.
„Philosophie und Christus in Kolosser 2,8 – Das Leben aus der himmlischen Stellung“
Thema: Das neue Leben, himmlische Gesinnung, Gebet – nicht Politik
Kol 3,1–4 (Elberfelder 1905)
„Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so suchet, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.
Trachtet nach dem, was droben ist, nicht nach dem, was auf der Erde ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott.
Wenn der Christus, euer Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit.“
Antwort:
Das Aorist-Passiv
synegerthete
zeigt ein vollendetes Werk Gottes: Er hat uns mit
Christus auferweckt.
Das ist nicht nur zukünftig, sondern eine
gegenwärtige Stellung.
Wir gehören nicht mehr der alten Schöpfung an,
sondern leben in der neuen.
Diese Wahrheit setzt Kol 2,12 fort: „… mit ihm
mitauferweckt durch den Glauben an die Kraft
Gottes.“
Daher kann der Christ nicht nach den
stoicheia tou
kosmou (Elementen der Welt) leben, sondern nach
Christus selbst.
Antwort:
zēteite =
„sucht beständig“ – ein fortgesetztes Verlangen.
Das Herz des Christen soll nach dem Ort ausgerichtet
sein, wo Christus ist.
Das steht im vollkommenen Gegensatz zu der
„Philosophie nach den Elementen der Welt“.
Weltliche Philosophie fragt: „Wie ordne ich mich in
der Welt?“ – die Schrift sagt: „Du bist nicht mehr
von der Welt“ (Joh 17,16).
Antwort:
Phroneite
= „sinnt, denkt, seid gesinnt“.
Das betrifft die innere Gesinnung – nicht nur das
Suchen, sondern das ständige Denken nach oben.
So wird der Christ von innerer himmlischer Realität
geleitet, nicht von irdischen Prinzipien.
Das ist der entscheidende Unterschied zur
Philosophie: sie ordnet das Denken nach unten –
Christus ordnet es nach oben (Phil 3,19–20).
Antwort:
Es ist derselbe Aorist wie in Kol 2,20 – ein
vollendeter Tod.
Der Gläubige ist dem alten Menschen und seinen
Prinzipien gestorben.
Das ist kein Gefühl, sondern ein göttliches Faktum.
Philosophie versucht den alten Menschen zu bilden;
Gnade erklärt ihn für tot und schafft einen neuen (2
Kor 5,17).
Antwort:
Dieses „verborgen“ (kekryptai,
Perfekt) bedeutet: dauerhaft geschützt, geborgen.
Der Gläubige lebt in der Sphäre der Gottheit selbst
– unsichtbar für die Welt.
Das steht im größten Gegensatz zu den Systemen der
Welt, die alles auf das Sichtbare bauen.
Philosophie will das Geheimnis des Seins ergründen –
das Evangelium verkündet: das Geheimnis ist Christus
in uns (Kol 1,27).
Antwort:
„Wenn der Christus, euer Leben, offenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbart werden in Herrlichkeit“ (Kol 3,4).
Hier endet jede menschliche Philosophie – sie kennt keine Ewigkeit der Herrlichkeit.
Der Christ besitzt nicht nur Wahrheit, er wird mit der Wahrheit offenbart.
So wird sichtbar, was jetzt verborgen ist (1 Joh 3,2).
Antwort:
Römer 13 zeigt die irdische Ordnung – von Gott
eingesetzt zur Erhaltung äußerlicher Ordnung.
Der Christ unterordnet sich, aber er kämpft nicht
politisch.
1 Tim 2,1–2 weist den Weg: Gebet statt Einmischung.
So wird Gottes Ordnung geachtet, ohne die himmlische
Berufung zu verlieren.
Christen beten für die Obrigkeit, weil ihr
Bürgerrecht im Himmel ist (Phil 3,20).
Antwort:
„Das Wort des Christus wohne reichlich in euch.“
Das Wort ist die wahre „Weisheit von oben“ (Jak 3,17).
Je mehr es das Herz füllt, desto weniger Raum bleibt für menschliche Spekulation.
Christliche Weisheit besteht nicht im Denken über Christus, sondern im Wohnen des Wortes in uns.
So wird die Gemeinde ein Ort geistlicher Einsicht – nicht philosophischer Diskussion.
Antwort:
„Die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott.“
Gott hat die Weisheit der Welt vernichtet durch das Wort vom Kreuz.
Das Kreuz ist der endgültige Richterspruch über alle Philosophie:
Es zeigt, dass der Mensch nicht durch Erkenntnis, sondern durch Erlösung gerettet werden muß.
Darum rühmt sich der Christ nicht seines Verstandes, sondern des Herrn (Jer 9,23–24).
Antwort:
Das ist das große Schlusswort von Kol 2,8 – der
ewige Maßstab:
Alles, was nicht „nach Christus“ ist, ist Betrug und
leer.
Nach Christus
bedeutet: in Übereinstimmung mit seinem Wesen,
seinem Wort, seinem Werk.
Er ist die Mitte aller Schöpfung, Erlösung und
Erkenntnis.
Darum endet jede wahre Weisheit nicht in
Philosophie, sondern in Anbetung (Röm 11,33–36):
„O Tiefe des Reichtums beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes!“
💠 Schlussfazit der ganzen Reihe (Fragen 1–40):
Philosophie
stellt den Menschen in den Mittelpunkt – Christus
stellt Gott in den Mittelpunkt.
Philosophie sucht Erkenntnis – Christus ist die
Erkenntnis.
Philosophie sucht Freiheit – Christus macht wahrhaft
frei.
Darum: „Sehet zu, daß euch niemand als Beute
wegführe … nicht nach Christo.“
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Philosophie und
Christus
Kolosser 2,8
Kolosserbrief Auslegung
Elberfelder 1905
Biblische Lehre
Philosophie in der Bibel
Christen und Politik
Christen beten politisieren nicht
Christliche Taufe
Taufe nach der Bekehrung
Nachfolge Jesu
Fülle in Christus
Nicht nach den Elementen der Welt
Gesetzlichkeit und Gnade
Paulus Kolosser
Christliche Gemeinde
Christliches Denken
Biblische Wahrheit
Wort des Christus
Glaube statt Philosophie
Wandeln in Christus
Himmlische Gesinnung
Römer 13
Gebet für Obrigkeit
Christliches Leben
Gottes Wort allein
Neues Leben in Christus
Christus ist genug
Warnung vor Irrlehre
Evangelium der Gnade
Christliche Lehre
Bibeltreue Auslegung
Andacht Kolosser
Taufe Symbol des Glaubens
Auferstehung mit Christus
Beschneidung des Christus
Danksagung im Glauben
Philosophie versus Offenbarung
Biblische Wahrheit verstehen
Nachfolge im Licht des Wortes
Biblische Theologie