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00515 Vom verhüllten Gesetz zur  Herrlichkeit des Angesichts Christi

Der Apostel Paulus zeigt in 2. Korinther 3,1–4,6 den herrlichen Übergang vom
verhüllten Gesetz zur Offenbarung der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi.
Der alte Bund brachte Verdammnis, der neue offenbart Leben, Freiheit und Licht –
eine Botschaft des Geistes, die in das Herz hineinleuchtet und verwandelt.

„das Ende dessen, was hinweggetan werden sollte“ in 2. Korinther 3,13 (griechisch:
εἰς τὸ τέλος τοῦ καταργουμένου) ist sprachlich und theologisch reichhaltig. Ich lege dir
den Abschnitt in drei Schritten aus:
1. Sprachlich und grammatisch,
2. Biblisch-historisch im Vergleich zu 2. Mose 34,
3. Theologisch im Zusammenhang des Dienstes des neuen Bundes.

1. Sprachliche und grammatische Analyse
a. Der griechische Ausdruck
εἰς τὸ τέλος τοῦ καταργουμένου
wörtlich: auf das Ende desjenigen, was abgeschafft wird.
 εἰς τὸ τέλος bedeutet hier bis zu / auf das Ziel oder Ende hin.
„Τέλος“ bezeichnet sowohl das zeitliche Ende als auch das Ziel oder die
Vollendung (vgl. Röm 10,4: Christus ist des Gesetzes Ende/Ziel).
 τοῦ καταργουμένου ist ein Partizip Präsens Passiv von καταργέω – „außer
Wirksamkeit setzen“, „abschaffen“, „hinweg tun“.
Präsens weist auf einen Vorgang hin, der sich im Lauf der Zeit vollzieht: was
im Begriff war, abgetan zu werden.
Die Wendung „τὸ τέλος τοῦ καταργουμένου“ bedeutet somit:
„das Ende (Ziel oder die Aufhebung) dessen, was im Verschwinden begriffen war“.

b. Bedeutung des „dessen“
Das „dessen“ bezieht sich grammatisch auf das Partizip τοῦ καταργουμένου – also
auf das, was abgetan wurde, d.h. auf die Herrlichkeit des alten Bundes, die Mose
widerspiegelte, als er vom Sinai herabkam (2. Mose 34,29–35).
Die Elberfelder Übersetzung trifft den Sinn sehr genau:
„...damit die Söhne Israels nicht anschauen sollten das Ende dessen, was
hinweggetan werden sollte.“

2. Der Bezug zu 2. Mose 34
In 2. Mose 34,29–35 lesen wir:
Als Mose vom Berg Sinai herabstieg, leuchtete die Haut seines Angesichts, und er
legte eine Decke darüber.

Dieses Leuchten war ein sichtbarer Ausdruck der Herrlichkeit des Gesetzes, einer
Herrlichkeit, die aber verblassend war. Sie zeigte den Glanz einer vergangenen
Offenbarung – groß, aber nicht bleibend.
Paulus nimmt dieses Bild in 2. Kor 3 auf, um den Gegensatz zwischen dem alten
Bund (Gesetz) und dem neuen Bund (Gnade und Geist) zu betonen:
 Das Leuchten im Gesicht des Mose war vergänglich (es verblasste).
 Der Glanz des neuen Bundes in Christus ist bleibend und überragend (V. 11:
Denn wenn das Weggetane in Herrlichkeit war, viel mehr bleibt das, was
bleibend ist, in Herrlichkeit).
Mose legte die Decke nicht über sein Gesicht, um sich zu schützen, sondern damit
Israel nicht das Ende dieser Herrlichkeit sähe – also das Verblassen der Glorie
des Gesetzes.

3. Theologische Bedeutung im Kontext
Paulus benutzt diese bildhafte Sprache, um den geistlichen Zustand Israels zu
beschreiben:
 Das alte System (Gesetz, priesterlicher Dienst, irdische Herrlichkeit) war im
Begriff, hinweggetan zu werden – „καταργούμενον“.
 Die Herrlichkeit dieses Bundes war echt, aber vorübergehend.
 Mose verhüllte diese abnehmende Herrlichkeit – Israel sah nicht, dass das
Gesetz sein Ende hatte, dass es nur auf Christus hin wies.
Darum schreibt Paulus (V. 14–16):
„Aber ihr Sinn ist verstockt worden; denn bis auf den heutigen Tag bleibt dieselbe
Decke unaufgedeckt auf der Verlesung des Alten Bundes, die in Christus weggetan
wird.“
Das heißt: Israel erkennt bis heute nicht das Ende des Gesetzes – Christus ist das
Ende (τέλος) des Gesetzes (Röm 10,4). Wenn aber jemand sich zum Herrn bekehrt,
dann wird die Decke weggenommen.

4. Zusammenfassung
Aspekt Erklärung
„Das Ende dessen“ Das Ziel und der Abschluss des Alten Bundes, der in

Christus seine Erfüllung findet.

„Was hinweggetan
werden sollte“

Der alte Dienst des Gesetzes, dessen Herrlichkeit
verschwand.

Moses Decke Symbol der Unfähigkeit Israels, das Ende (Christus) im

Gesetz zu erkennen.

Neue Bundes-
Herrlichkeit

Dauerhaft, geistlich, überragend – im Angesicht Jesu
Christi sichtbar (V. 18).

5. Parallelen und Weiterführendes
 Röm 10,4: „Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur
Gerechtigkeit.“
 Hebr 8,13: „Indem er sagt: einen neuen [Bund], hat er den ersten alt gemacht;
was aber alt wird und veraltet, ist dem Verschwinden nahe.“
 Joh 1,17: „Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die
Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden.“

Kurzgedanke:
„Das Ende dessen“ – das ist Christus selbst, das Ziel und die Erfüllung aller
göttlichen Ordnungen des Alten Bundes.
„Was hinweggetan werden sollte“ – das ist der zeitlich begrenzte, sinnbildliche
Dienst des Gesetzes, der durch die bleibende Herrlichkeit des Herrn Jesus
überstrahlt wird.
Überschrift: Die Herrlichkeit des neuen Bundes (2. Kor 3,7–18)
Thema: Der Dienst des Geistes überstrahlt den Dienst des Todes; die Herrlichkeit
des Alten war vergänglich, die des Neuen ist bleibend – und sie verwandelt die
Gläubigen in das Bild Christi.

V. 7 – Der Dienst des Todes
„Wenn aber der Dienst des Todes, mit Buchstaben in Steine eingegraben, in
Herrlichkeit war, sodass die Kinder Israels das Angesicht Moses nicht ansehen
konnten wegen der Herrlichkeit seines Angesichts, die doch vergänglich war …“
Beobachtungen:
 „Dienst des Todes“ (διακονία τοῦ θανάτου) – der Dienst des Gesetzes, der
Leben forderte, aber nur Tod brachte, weil der Mensch Sünder ist (vgl. Röm
7,10).
 „In Steine eingegraben“ – weist direkt auf die Gesetzestafeln hin (2. Mo
31,18).

 „In Herrlichkeit“ – die Herrlichkeit Gottes begleitete die Gesetzgebung
(Feuer, Donner, Lichtglanz am Sinai).
 Doch diese Herrlichkeit war eine, die verurteilte, keine, die rettete.
Sinn:
Die Offenbarung des Gesetzes war herrlich, aber sie offenbarte den Tod – nicht das
Leben.

V. 8 – Der Dienst des Geistes
„Wie sollte nicht vielmehr der Dienst des Geistes in Herrlichkeit sein?“
Gedanken:
 Der Dienst des Geistes (διακονία τοῦ πνεύματος) ist der Dienst des
Evangeliums, der Gnade und des Lebens.
 Wo das Gesetz tötet, da macht der Geist lebendig (vgl. Joh 6,63).
 Der Gegensatz liegt nicht in der Herrlichkeit an sich, sondern in der Art der
Herrlichkeit:
o das Gesetz: verurteilende Herrlichkeit
o das Evangelium: rettende Herrlichkeit

V. 9 – Der Dienst der Gerechtigkeit
„Denn wenn der Dienst der Verdammnis Herrlichkeit war, so ist der Dienst der
Gerechtigkeit noch viel reichlicher in Herrlichkeit.“
Erklärungen:
 Dienst der Verdammnis (κατακρίσεως) = Gesetz, das Schuld feststellt.
 Dienst der Gerechtigkeit (δικαιοσύνης) = Evangelium, das Gerechtigkeit
schenkt (Röm 1,17).
 Der Alte Bund konnte verurteilen, nicht rechtfertigen;
der Neue Bund rechtfertigt und schenkt bleibende Herrlichkeit.

V. 10 – Überragende Herrlichkeit
„Denn auch das Verherrlichte ist in diesem Stück nicht verherrlicht, um der
überschwänglichen Herrlichkeit willen.“
Sinn:

Im Vergleich zur Herrlichkeit des neuen Bundes erscheint die alte Herrlichkeit blass.
Wie das Licht der Sterne im Glanz der Sonne, so verblasst die Herrlichkeit des
Gesetzes vor Christus.

V. 11 – Das Bleibende
„Denn wenn das Weggetane in Herrlichkeit war, so ist das Bleibende in Herrlichkeit.“
Erklärung:
 „Das Weggetane“ (τὸ καταργούμενον) – der alte Bund, der vergeht.
 „Das Bleibende“ (τὸ μένον) – der neue Bund, gegründet auf das Werk
Christi.
Diese Wendung wiederholt Paulus’ zentrale Linie: Vergängliche Herrlichkeit
vs. bleibende Herrlichkeit.

V. 12 – Freimütigkeit im Dienst
„Da wir nun eine solche Hoffnung haben, so gebrauchen wir große Freimütigkeit.“
Deutung:
 „Eine solche Hoffnung“ = Hoffnung auf bleibende Herrlichkeit (nicht auf
vergängliche).
 „Freimütigkeit“ (παρρησία) = Offenheit, Klarheit, Licht.
Der neue Bund hat keine Decke; er ist klar und unverschleiert.
Der Dienst des Evangeliums ist kein verborgener Dienst, sondern offenbart
den Herrn in Wahrheit.

V. 13 – Die Decke auf Moses Angesicht
„Und tun nicht gleichwie Mose, der eine Decke über sein Angesicht legte, damit die
Kinder Israels nicht schauen möchten das Ende dessen, was hinweggetan werden
sollte.“
Theologisch:
 Die Decke symbolisiert die Unfähigkeit Israels, das Verblassen der
Herrlichkeit (und damit das Ende des Gesetzes) zu erkennen.
 Der Alte Bund war zeitlich begrenzt; doch Israel wollte dies nicht sehen.
 Mose verhüllte die abnehmende Herrlichkeit – bildlich: das Volk blieb blind für
das Ziel, nämlich Christus (vgl. Röm 10,4).

V. 14–15 – Die bleibende Decke Israels
„Aber ihr Sinn ist verstockt worden; denn bis auf den heutigen Tag bleibt dieselbe
Decke unaufgedeckt auf der Verlesung des Alten Bundes, die in Christus weggetan
wird. Aber bis auf den heutigen Tag, sooft Mose gelesen wird, liegt eine Decke auf
ihrem Herzen.“
Beobachtungen:
 Die Decke ist nicht mehr auf Moses Gesicht, sondern auf Israels Herz.
 Das Problem ist nicht Erkenntnismangel, sondern Herzensverstockung.
 Solange Israel das Alte Testament ohne Christus liest, bleibt es blind für das
Ziel (τέλος) des Gesetzes.
 Die Decke ist ein Sinnbild für geistliche Blindheit (vgl. Joh 5,39–40).

V. 16 – Die Entfernung der Decke
„Wenn es aber zum Herrn umkehren wird, so wird die Decke weggenommen.“
Bedeutung:
 „Zum Herrn umkehren“ = Buße und Glaube an Christus.
 Nur Christus kann die Decke wegnehmen (vgl. Lk 24,27.45).
 Der Herr selbst ist das Licht, das das Herz erleuchtet.
➡ Hier wird deutlich: Die Decke fällt nicht durch Erkenntnis, sondern durch
Bekehrung.

V. 17 – Der Herr ist der Geist
„Der Herr aber ist der Geist; wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“
Erklärung:
 Der Herr (Christus) wirkt durch den Heiligen Geist.
 Der Geist vermittelt uns die Herrlichkeit Christi.
 „Freiheit“ bedeutet Befreiung von der Verdammnis des Gesetzes, von der
Finsternis und vom Schleier.
Es ist die Freiheit, Gott ins Angesicht zu schauen – eine geistliche Sicht.

V. 18 – Die Verwandlung in sein Bild

„Wir alle aber, indem wir mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn
anschauen, werden verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie
durch den Herrn, den Geist.“
Zentralvers des Abschnitts:
 „Mit aufgedecktem Angesicht“ – das Gegenteil der verhüllten Israeliten; die
Gläubigen sehen ohne Schleier.
 „Anschauen (κατοπτριζόμενοι) = im Spiegel betrachten; der Spiegel ist das
Wort Gottes, in dem wir Christus sehen (Jak 1,23–25).
 „Verwandelt werden“ (μεταμορφούμεθα) – fortschreitende innere
Umgestaltung in das Bild Christi (vgl. Röm 8,29).
 „Von Herrlichkeit zu Herrlichkeit“ – zunehmende Erkenntnis und Ähnlichkeit
mit Christus; jede Begegnung mit ihm vertieft die geistliche Herrlichkeit im
Gläubigen.
 „Wie durch den Herrn, den Geist“ – der Geist ist das göttliche Werkzeug
dieser Verwandlung.

Zusammenfassung in Strukturform
Gegensat
z Alter Bund Neuer Bund
Inhalt Gesetz, Buchstaben Geist, Gnade
Wirkung Tod, Verdammnis Leben, Gerechtigkeit
Ausdruck Verhüllte Herrlichkeit Offenbare Herrlichkeit
Dauer Vergänglich Bleibend
Erkenntnis Decke auf dem Herzen Offenes Angesicht
Ziel Verblendung, Ende
unbemerkt

Verwandlung in
Christus

Theologische Linie: Die Decke und die Herrlichkeit
1. Die Decke steht für Verstockung, Blindheit, Unverständnis.
Sie verdeckt das Ziel des Gesetzes – Christus.
2. Das Aufgedeckte Angesicht steht für Erlösung und Erleuchtung durch den
Geist.
Der Gläubige sieht in Christus das volle Licht Gottes.

3. Die Herrlichkeit des Herrn ist nicht statisch, sondern verwandelnd:
Sie prägt, gestaltet und erneuert das Herz des Gläubigen.

Schlussgedanke
Die Herrlichkeit, die auf dem Angesicht Jesu Christi leuchtet (vgl. 2. Kor 4,6), ist die
bleibende Offenbarung Gottes in Gnade.
Der Alte Bund verhüllte, der Neue enthüllt.
Der Gläubige steht nun mit aufgedecktem Angesicht vor Gott und wird von innen
her verwandelt – nicht durch Gesetz, sondern durch den Geist.
Das Licht der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi (2. Kor 4,1–6)
Thema: Der Dienst des Evangeliums ist ein Dienst des Lichts – offen, nicht verhüllt,
getragen von göttlicher Barmherzigkeit und erleuchtend durch die Offenbarung
Christi.

V. 1 – Der Dienst aus Barmherzigkeit
„Darum, da wir diesen Dienst haben, wie wir Barmherzigkeit empfangen haben,
ermatten wir nicht.“
Beobachtungen:
 „Darum“ (διὰ τοῦτο): verweist auf das zuvor Beschriebene – den herrlichen
Dienst des neuen Bundes (Kap. 3).
 „Diesen Dienst“ (τὴν διακονίαν ταύτην): den Dienst des Geistes, der
Herrlichkeit und Freiheit.
 „Wie wir Barmherzigkeit empfangen haben“: Paulus weiß sich selbst ein
Gegenstand der Gnade.
→ Er ist nicht ein auserwählter Held, sondern ein Begnadigter, der dienen
darf.
 „Ermatten wir nicht“ (οὐκ ἐγκακοῦμεν): kein Aufgeben, keine Entmutigung
trotz Widerstand und Schwachheit.
Gedanke:
Der wahre Diener des Evangeliums steht in göttlicher Barmherzigkeit.
Er dient nicht aus eigener Kraft, sondern als einer, der Gnade erfahren hat.

V. 2 – Die Offenheit des Evangeliums
„Sondern wir haben die verborgenen Dinge der Schande verworfen, indem wir nicht
in Arglist wandeln, noch das Wort Gottes verfälschen, sondern durch die

Offenbarung der Wahrheit uns selbst jedem Gewissen der Menschen vor Gott
empfehlen.“
Auslegung:
 „Verborgenes der Schande“ – heimliche, unlautere Methoden, wie sie
falsche Lehrer gebrauchten.
 „Nicht in Arglist wandeln“ – keine Täuschung, kein manipulativer Dienst.
 „Das Wort Gottes nicht verfälschen“ (μὴ δολοῦντες τὸν λόγον τοῦ θεοῦ):
nicht mit menschlicher Vernunft vermischen, nicht glätten oder anpassen.
 „Durch Offenbarung der Wahrheit“ – das Evangelium wird nicht versteckt,
sondern offenbart.
 „Jedem Gewissen... vor Gott“ – Ziel ist nicht Überzeugung durch Druck,
sondern Zeugnis in der Gegenwart Gottes.
Gegensatz zu 3,13:
Wo Mose eine Decke auflegte, da dient Paulus mit offenem Angesicht.
Das Evangelium ist kein verhülltes Geheimnis – es ist Licht.

V. 3 – Das verhüllte Evangelium
„Wenn aber unser Evangelium auch verhüllt ist, so ist es bei denen verhüllt, die
verloren gehen.“
Beobachtungen:
 Das Evangelium selbst ist nicht dunkel oder kompliziert,
aber sein Licht wird nicht erkannt von den Verlorenen.
 „Verloren gehen“ (ἀπολλυμένοι) ist ein gegenwärtiges Partizip:
sie sind auf dem Weg des Verderbens, nicht bloß am Ende verloren.
 Das Problem liegt nicht im Evangelium, sondern im Zustand des Menschen.

V. 4 – Die Blindheit durch den Gott dieser Welt
„In welchen der Gott dieser Weltzeit den Sinn der Ungläubigen verblendet hat, damit
ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus,
der das Bild Gottes ist.“
Erklärung:
 „Der Gott dieser Weltzeit“ (ὁ θεὸς τοῦ αἰῶνος τούτου) = Satan, der
Herrscher über das jetzige Weltsystem (vgl. Joh 12,31).

 „Den Sinn verblendet“ (ἐτύφλωσεν τὰ νοήματα) – nicht physische, sondern
geistliche Blindheit.
 Ziel Satans: dass das Evangelium nicht leuchtet.
 „Lichtglanz (φωτισμός) des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus“
– das Evangelium ist nicht nur eine Botschaft, sondern eine strahlende
Offenbarung.
 „Der das Bild Gottes ist“ (ὅς ἐστιν εἰκὼν τοῦ θεοῦ) – Christus ist die
vollkommene Darstellung des unsichtbaren Gottes (Kol 1,15).
Gedanke:
Hier begegnen sich zwei „Herrlichkeiten“:
 die vergängliche Herrlichkeit des Gesetzes, die verhüllt war,
 und die bleibende, göttliche Herrlichkeit des Christus, die Satans Reich zu
verfinstern sucht.

V. 5 – Der Inhalt der Verkündigung
„Denn wir predigen nicht uns selbst, sondern Christus Jesus als Herrn, uns aber als
eure Knechte um Jesu willen.“
Bedeutung:
 Die wahre Predigt hat Christus als Mittelpunkt.
 Paulus verkündet nicht sich selbst, seine Erfahrung, seine Persönlichkeit –
sondern Christus als Herrn (Χριστὸν Ἰησοῦν κύριον).
 Er selbst ist nur ein Knecht (δοῦλος), Werkzeug und Bote –
„um Jesu willen“ bedeutet: aus Liebe zu Christus, nicht um menschlicher
Anerkennung willen.
Parallele zu 3,18:
Das Licht, das in Christus offenbart ist, spiegelt sich nicht in menschlicher
Selbstdarstellung, sondern in dem Dienst, der Christus sichtbar macht.

V. 6 – Das schöpferische Licht Gottes
„Denn Gott, der gesagt hat: Aus Finsternis leuchte das Licht!, der ist es, der in unsere
Herzen geleuchtet hat, zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im
Angesicht Jesu Christi.“
Zentralvers:
 Anspielung auf 1. Mose 1,3 – „Es werde Licht“.

Der gleiche Gott, der das physische Licht schuf, wirkt jetzt das geistliche
Licht im Herzen.
 „In unsere Herzen geleuchtet hat“ – nicht bloß auf das Auge, sondern in
das innere Bewusstsein.
 „Zum Lichtglanz der Erkenntnis“ (πρὸς φωτισμὸν τῆς γνώσεως) – das
Ziel des Lichts ist Erkenntnis, Verständnis göttlicher Herrlichkeit.
 „Der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi“ – hier kulminiert alles:
o Die Herrlichkeit Gottes (das Wesen, die Liebe, die Wahrheit),
o ist sichtbar geworden im Angesicht Jesu Christi.

Geistliche Linie:
1. Gott sprach am Anfang: Es werde Licht → Schöpfung.
2. Gott sprach im Herzen: Christus leuchte hinein → neue Schöpfung (vgl. 2. Kor
5,17).
3. Christus ist das Angesicht, in dem Gott sich zeigt (Joh 14,9).

Zusammenfassende Struktur (4,1–6)
Abschnit
t Inhalt Schlüsselgedanke
V. 1 Dienst aus

Barmherzigkeit Gnade statt Selbstleistung

V. 2 Offenheit des

Evangeliums Wahrheit ohne Decke
V. 3–4 Blindheit der Ungläubigen Satanische Verblendung
V. 5 Christus als Mittelpunkt Der Diener als Knecht
V. 6 Göttliches Licht im

Herzen

Die Herrlichkeit Gottes in
Christus

Theologische Verbindung zu 2. Kor 3
Thema 2. Kor 3 2. Kor 4
Decke /
Verhüllung

Auf dem Herzen
Israels

Auf dem Sinn der
Ungläubigen
Herrlichkeit Auf Mose In Christus (ewig)

(vergänglich)

Offenbarung Gesetz, verhüllt Evangelium, offenbar
Wirkung Tod / Verdammnis Leben / Erleuchtung
Ort der
Herrlichkeit Angesicht Moses Angesicht Jesu Christi

Schlussgedanke
Die Offenbarung Gottes hat ihren höchsten Ausdruck gefunden im Angesicht Jesu
Christi.
In ihm leuchtet die bleibende, göttliche Herrlichkeit auf – dieselbe, die einst im
Angesicht Moses nur widerspiegelt, aber verhüllt war.
Nun, da die Decke weggenommen ist, hat das Licht Gottes Wohnung im Herzen
des Gläubigen genommen.
„Gott, der gesagt hat: Es werde Licht“ – hat gesprochen – und es leuchtet im
Herzen des Glaubenden.
Vom verhüllten Gesetz zur Herrlichkeit des Angesichts Christi
(Eine heilsgeschichtliche, sprachlich-theologische und geistliche Betrachtung