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Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem
Glaubenden zur Gerechtigkeit. (Römer 10,4 _ Elberfelder 1905)

Christus ist das Ziel und Ende des Gesetzes – in Ihm findet die göttliche
Forderung
nach Gerechtigkeit ihre Erfüllung.
Römer 10,4 zeigt den Übergang vom Gesetz zur Gnade:
Was das Gesetz nie bewirken konnte, schenkt Christus dem Glaubenden.
Hier ist ein Überblick zu Römer 10,4:
Eine Wortstudie zu Römer 10,4 über die Begriffe "telos" („Ziel,
Vollendung“)
und "nomos" („Gesetz“) im Neuen Testament.
Christus ist das Ziel und Ende des Gesetzes –
Er erfüllt es vollkommen und schenkt
jedem Glaubenden Gerechtigkeit.
Römer 10,4,
Christus das Ende des Gesetzes, telos nomos, Wortstudie Römerbrief,
Gerechtigkeit aus Glauben,
Paulus, Gesetz und Gnade,
Bibelstudium Römer,
griechische Wortbedeutung, Elberfelder 1905
Bibeltext
„Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.“
(Römer 10,4 – Elberfelder 1905)
1. Der Zusammenhang
Römer 9–11 bildet eine geschlossene Einheit, in der Paulus die Stellung Israels
im
Heilsplan Gottes behandelt.
In Kapitel 9 zeigt er die göttliche Erwählung; in Kapitel 10 die menschliche
Verantwortung; und in Kapitel 11 schließlich die künftige Wiederannahme Israels.
Römer 10,4 steht im Abschnitt, wo Paulus erklärt, warum Israel nicht zur
Gerechtigkeit gelangt ist:
„Weil sie die Gerechtigkeit Gottes nicht erkannt und ihre eigene aufzurichten
trachteten“ (V. 3).
Damit leitet Vers 4 den Gegensatz ein: Christus ist das Ziel, nicht die
Fortsetzung
des Gesetzes.
2. Bedeutung des Ausdrucks „Ende des Gesetzes“ (τέλος νόμου)
Das griechische Wort „telos“ kann sowohl „Ende“ als Abschluss, als auch „Ziel“
oder
„Erfüllung“ bedeuten.
Beides trifft hier zu:
a) Christus ist das Ende des Gesetzes – das Gesetz findet in Ihm seinen
Abschluss.
Er hat es vollkommen erfüllt (vgl. Matthäus 5,17; Galater 3,24–25).
In Ihm endet die Herrschaft des Gesetzes über den Menschen als Weg zur
Gerechtigkeit.
b) Christus ist zugleich das Ziel des Gesetzes – alles im Gesetz wies auf Ihn
hin (vgl. Lukas 24,44).
Er ist die Person, in der das Gesetz seinen Sinn erfüllt findet.
3. „Jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit“
Das Gesetz konnte den Menschen nicht gerecht machen (Römer 3,20).
Christus hingegen ist unsere Gerechtigkeit (2. Korinther 5,21).
Darum gilt die Zusage „jedem Glaubenden“ – Juden und Heiden ohne Unterschied.
Nicht durch Werke des Gesetzes, sondern durch Glauben an den Herrn Jesus
Christus wird der Mensch vor Gott gerechtfertigt (vgl. Römer 3,28; Galater
2,16).
4. Theologische Kerngedanken
1. Das Gesetz offenbart die Sünde, Christus beseitigt sie durch Sein Opfer.
2. Das Gesetz forderte Gerechtigkeit, Christus schenkt sie dem Glaubenden.
3. Das Gesetz richtete sich an das Fleisch, Christus wirkt in der Kraft des
Geistes.
4. Das Gesetz unterschied Israel von den Nationen, Christus vereinigt Juden
und Heiden im einen Leib.
5. Das Gesetz endete am Kreuz, als Christus es erfüllte (Epheser 2,15;
Kolosser 2,14).
5. Zusammenfassung
Römer 10,4 fasst die heilsgeschichtliche Wende zusammen:
Vom Gesetz zur Gnade, vom Tun zum Glauben, vom Fleisch zum Geist, vom
Israel-zentrierten Weg zur universalen Gerechtigkeit in Christus.
Christus ist sowohl das Ziel, auf das das Gesetz hinweist, als auch das Ende
seiner
Wirksamkeit als Weg zur Gerechtigkeit.
Wortstudie zu Römer 10,4, insbesondere zu den Begriffen „telos“ (τέλος) und
„nomos“ (νόμος):
Wortstudie zu Römer 10,4
„Denn Christus ist des Gesetzes Ende, jedem Glaubenden zur Gerechtigkeit.“
(Römer 10,4 – Elberfelder 1905)
Das Schlüsselwort „telos“ (τέλος)
Grundbedeutung
Das griechische Substantiv τέλος (telos) bedeutet:
„Ziel“, „Endpunkt“, „Vollendung“, „Ergebnis“, „Zweck“ oder „Abschluss“.
Es stammt von der Wurzel teleō (τελέω) = „vollenden, erfüllen, ans Ziel
bringen“.
Bedeutungsfelder im NT
1. Ziel oder Zweck:
o 1. Tim 1,5: „Das Ziel (telos) des Gebotes ist Liebe.“
→ Nicht Abschaffung, sondern Zielrichtung.
o 1. Petr 1,9: „Das Endziel (telos) eures Glaubens: das Heil der Seelen.“
2. Vollendung / Abschluss:
o Matth 24,6: „Aber das Ende (telos) ist noch nicht da.“
o 1. Kor 15,24: „Dann das Ende (telos), wenn er das Reich dem Gott und
Vater übergibt.“
3. Abschaffung oder Beendigung eines Zustands:
o Hebr 7,3: „Er bleibt Priester in Ewigkeit“ – im Gegensatz zu einem
„endlichen“ (telos) Priestertum nach dem Gesetz (vgl. Hebr 7,11–12).
→ In Römer 10,4
Der Ausdruck „telos nomou“ kann somit zwei Dimensionen haben:
Teleologischer Sinn: Christus ist das Ziel, auf das das Gesetz hinwies.
Das Gesetz war „Erzieher auf Christus hin“ (Gal 3,24).
Finaler Sinn: Christus ist das Ende, d. h. der Abschluss des Gesetzes als
Weg zur Gerechtigkeit.
Mit Seinem Tod und Seiner Auferstehung hat Er das Gesetz erfüllt (Matth
5,17) und damit seine Forderungen vollkommen zum Abschluss gebracht (Kol
2,14).
Die beiden Bedeutungen schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich:
Das Gesetz weist auf Christus hin (Ziel) und findet in Ihm seine Erfüllung und
Beendigung (Ende).
Das Schlüsselwort „nomos“ (νόμος)
Grundbedeutung
Das griechische Wort νόμος (nomos) bedeutet:
→ „Gesetz“, „Gesetzesordnung“, „Grundsatz“, „Norm“.
→ Abgeleitet von nemein = „zuteilen“, „ordnen“.
Bedeutungsfelder im NT
1. Das mosaische Gesetz (meist im Singular):
o Röm 3,20: „Aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch gerechtfertigt.“
o Gal 3,10: „Verflucht ist jeder, der nicht bleibt in allem, was im Buch des
Gesetzes geschrieben ist.“
2. Das Prinzip des Gesetzes – als göttlicher Maßstab:
o Röm 7,21: „Ich finde also das Gesetz, dass, wenn ich das Gute tun will,
das Böse bei mir liegt.“
→ Hier ist nomos mehr „Prinzip“ als „Kodex“.
3. Andere Gesetzesformen – z. B. „Gesetz des Glaubens“ (Röm 3,27) oder
„Gesetz des Geistes“ (Röm 8,2).
In Römer 10,4
Hier meint nomos eindeutig das mosaische Gesetz als Weg der Gerechtigkeit, den
Israel suchte.
Doch die „Gerechtigkeit aus Gesetz“ (V. 5) ist durch die „Gerechtigkeit aus
Glauben“
(V. 6) abgelöst worden.
Das Gesetz hatte nur eine vorbereitende Funktion – es sollte den Menschen zur
Erkenntnis seiner Sünde führen (Röm 3,20) und ihn auf Christus hinweisen.
Zusammenschau: „Christus – des Gesetzes Ende“
Aspekt Bedeutung Bibelstellen
Erfüllung Christus hat alle Forderungen des Gesetzes Matth 5,17; Röm
vollkommen erfüllt. 8,3–4
Abschluss Das Gesetz als Weg zur Gerechtigkeit hat mit Christus sein Ende
gefunden.
Gal 2,16; Röm
6,14
Ziel Das Gesetz zielte auf Christus hin – Er ist seine inhaltliche Vollendung.
Gal 3,24; Joh 5,46
Gerechtigkeit
Nicht das Halten des Gesetzes, sondern der Glaube an Christus bringt
Gerechtigkeit.
Röm 3,21–22; Phil 3,9
Theologische Bedeutung
→Heilsgeschichtlich:
Mit Christus endete die Zeit der „Gesetzesordnung“. Das Zeitalter der Gnade
begann (Joh 1,17).
→ Christologisch:
Alles im Gesetz – Opfer, Feste, Reinheitsvorschriften – war Schatten;
Christus ist die Wirklichkeit (Kol 2,17).
Soteriologisch:
Der Glaube an Christus bringt das, was das Gesetz nicht leisten konnte:
Gerechtigkeit vor Gott (Röm 8,3–4).
Fazit
„Christus ist das Ziel und Ende des Gesetzes“
bedeutet:
Das Gesetz fand in Christus seine Erfüllung, seinen Abschluss und seinen Sinn.
Wer an Ihn glaubt, empfängt die Gerechtigkeit, die das Gesetz nie hervorbringen
konnte.
→ Das Gesetz fordert, Christus schenkt.
→ Das Gesetz weist hin, Christus führt hin.
→ Das Gesetz verurteilt, Christus rechtfertigt.
→ Römer 10,4
→ Christus das Ende des Gesetzes
→ telos Wortstudie
→ nomos Wortstudie
→ Gesetz und Gnade
→ Gerechtigkeit aus Glauben