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00527 
Epheser 1.1-14





Epheser 1,1–14 eröffnet den Blick in die himmlischen Segnungen der Gläubigen in Christus.
Paulus preist den ewigen Ratschluss des Vaters, die Erlösung durch das Blut des Sohnes
und das Siegel des Heiligen Geistes – ein Lobpreis der Gnade, „zum Preise seiner Herrlichkeit“.



Eph 1,1: Paulus, Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen, den Heiligen und Treuen in Christo Jesu, die in Ephesus sind:
Eph 1,2: Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus!
Eph 1,3: Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christo,
Eph 1,4: wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, daß wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe;
Eph 1,5: und uns zuvorbestimmt hat zur Sohnschaft durch Jesum Christum für sich selbst nach dem Wohlgefallen seines Willens,
Eph 1,6: zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, worin er uns begnadigt hat<O. womit er uns angenehm gemacht hat> in dem Geliebten,
Eph 1,7: in welchem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Vergehungen, nach dem Reichtum seiner Gnade,
Eph 1,8: welche er gegen uns hat überströmen lassen in aller Weisheit und Einsicht,
Eph 1,9: indem er uns kundgetan hat das Geheimnis seines Willens, nach seinem Wohlgefallen, das er sich vorgesetzt hat in sich selbst
Eph 1,10: für die Verwaltung<O. den Haushalt> der Fülle der Zeiten: alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus<O. in dem Christus als Haupt zusammenzufassen; im Griech. ein Zeitwort>, das was in den Himmeln und das, was auf der Erde ist, in ihm,
Eph 1,11: in welchem wir auch ein Erbteil erlangt haben<O. zu Erben gemacht worden sind>, die wir zuvorbestimmt sind nach dem Vorsatz dessen, der alles wirkt nach dem Rate seines Willens,
Eph 1,12: damit wir zum Preise seiner Herrlichkeit seien, die wir zuvor auf den Christus gehofft haben;
Eph 1,13: auf welchen auch ihr gehofft<O. in welchem auch ihr ein Erbteil erlangt habt, od. in welchem auch ihr seid>, nachdem ihr gehört habt das Wort der Wahrheit, das Evangelium eures Heils, in welchem ihr auch, nachdem ihr geglaubt habt, versiegelt worden seid mit dem Heiligen Geiste der Verheißung,
Eph 1,14: welcher das Unterpfand unseres Erbes ist, zur<O. für die, od. bis zur> Erlösung des erworbenen Besitzes, zum Preise seiner Herrlichkeit.


Epheser 1,1–14 ist einer der reichsten Texte des ganzen Neuen Testaments
– ein einziger, zusammenhängender Lobpreis (in Griechisch ein einziger Satz von V. 3–14!)
über die göttliche Gnade, der uns den ewigen Ratschluss Gottes offenbart.

. Allgemeiner Überblick

Der Abschnitt Epheser 1,3–14 entfaltet in drei großen Strophen die Segnungen in Christus:

  1. V. 3–6: Der Wille des Vaters – Auserwählung und Sohnschaft.

  2. V. 7–12: Das Werk des Sohnes – Erlösung und Erbteil.

  3. V. 13–14: Das Siegel des Geistes – Versiegelung und Unterpfand.

Jede Strophe endet mit der Wendung εἰς ἔπαινον δόξης αὐτοῦ – „zum Preise seiner Herrlichkeit“ (V. 6.12.14). Damit wird die Zielrichtung aller Segnungen klar: nicht der Mensch, sondern Gott wird verherrlicht.


2. Vers-für-Vers-Betrachtung mit Grundtext

Vers 1–2: Einleitung und Segensgruß

Παῦλος ἀπόστολος Ἰησοῦ Χριστοῦ διὰ θελήματος Θεοῦ τοῖς ἁγίοις τοῖς οὖσιν ἐν Ἐφέσῳ καὶ πιστοῖς ἐν Χριστῷ Ἰησοῦ·
χάρις ὑμῖν καὶ εἰρήνη ἀπὸ Θεοῦ πατρὸς ἡμῶν καὶ Κυρίου Ἰησοῦ Χριστοῦ.

paulos apostolos Iēsou Christou dia thelēmatos Theou – „Paulus, Apostel Jesu Christi durch Gottes Willen“.
Der Apostel ist nicht durch Menschen eingesetzt, sondern allein durch göttlichen Ratschluss.

tois hagiois ... kai pistois – „den Heiligen und Treuen“.
Zwei Kennzeichen der Gläubigen: hagios („Abgesonderte für Gott“) und pistos („im Glauben Standhafte“).
Die doppelte Anrede weist auf den objektiven Stand (Heilige) und die subjektive Haltung (Treue).

Der Gruß charis kai eirēnē fasst das Evangelium zusammen: Gnade (das, was Gott schenkt) und Friede (die Frucht dieser Gnade).


Vers 3: Die Quelle aller Segnungen

Εὐλογητὸς ὁ Θεὸς καὶ Πατὴρ τοῦ Κυρίου ἡμῶν Ἰησοῦ Χριστοῦ,
ὁ εὐλογήσας ἡμᾶς ἐν πάσῃ εὐλογίᾳ πνευματικῇ ἐν τοῖς ἐπουρανίοις ἐν Χριστῷ·

eulogētos ho Theos – „Gepriesen sei Gott“.
Das Wort eulogētos (von eu-logein, „gut reden über“) bezeichnet den Gott, der „Lobwürdig“ ist, weil er selbst zuerst segnet.

ho eulogēsas hēmas ... en tois epouraniois en Christō
Er hat uns bereits (Vergangenheitsform) mit jeder geistlichen Segnung „in den himmlischen Örtern“ (en tois epouraniois) gesegnet.
Nicht irdische, sondern himmlische Segnungen – ihr Ort ist in Christō, ihr Bereich ist das Himmelreich.


Vers 4–6: Der ewige Ratschluss des Vaters

καθὼς ἐξελέξατο ἡμᾶς ἐν αὐτῷ πρὸ καταβολῆς κόσμου,
εἶναι ἡμᾶς ἁγίους καὶ ἀμώμους κατενώπιον αὐτοῦ ἐν ἀγάπῃ·
προορίσας ἡμᾶς εἰς υἱοθεσίαν διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ εἰς αὐτόν,
κατὰ τὴν εὐδοκίαν τοῦ θελήματος αὐτοῦ,
εἰς ἔπαινον δόξης τῆς χάριτος αὐτοῦ,
ἧς ἐχαρίτωσεν ἡμᾶς ἐν τῷ ἠγαπημένῳ.

a) Auserwählung (ἐξελέξατο – exelexato)

Vor Grundlegung der Welt – pro katabolēs kosmou – wählte Gott „in ihm“ (en autō, d. h. in Christus) solche aus, die heilig und tadellos sein sollten.
Ziel der Erwählung ist nicht bloß Rettung, sondern Heiligkeit – Gemeinschaft mit Gott in Liebe.

b) Vorherbestimmung zur Sohnschaft (προορίσας – proorisas)

Das Verb proorizein bedeutet „im Voraus bestimmen, abgrenzen“.
Nicht zu Knechten, sondern zur Sohnschaft (huiothesia) sind wir bestimmt – das Verhältnis eines Kindes zum Vater.
Dies geschieht kata tēn eudokian tou thelēmatos autou – nach dem Wohlgefallen seines Willens.

c) Ziel: zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade

Die Gnade ist nicht Selbstzweck, sondern bringt Gott Ehre.
Das Wort echaritōsen hēmas en tō ēgapēmenō („er hat uns begnadigt in dem Geliebten“) erinnert an Lukas 1,28 (Maria: „du Begnadigte“) – völlige Gunst in Christus.


Vers 7–8: Das Werk des Sohnes – Erlösung

ἐν ᾧ ἔχομεν τὴν ἀπολύτρωσιν διὰ τοῦ αἵματος αὐτοῦ,
τὴν ἄφεσιν τῶν παραπτωμάτων,
κατὰ τὸ πλοῦτος τῆς χάριτος αὐτοῦ,
ἧς ἐπερίσσευσεν εἰς ἡμᾶς ἐν πάσῃ σοφίᾳ καὶ φρονήσει.

apolytrōsis = „Loskauf“ – erinnert an die Erlösung Israels aus Ägypten.
Grundlage ist dia tou haimatos autou – das Blut Christi, nicht Werke.

Die Gnade ist ploutos (Reichtum), eperisseusen – „überfließend gemacht“.
Sie wirkt en pasē sophia kai phronēsei – in göttlicher Weisheit (Erkenntnis göttlicher Gedanken) und Einsicht (praktische Anwendung).


Vers 9–10: Offenbarung des göttlichen Geheimnisses

γνωρίσας ἡμῖν τὸ μυστήριον τοῦ θελήματος αὐτοῦ,
κατὰ τὴν εὐδοκίαν αὐτοῦ ἣν προέθετο ἐν αὐτῷ,
εἰς οἰκονομίαν τοῦ πληρώματος τῶν καιρῶν,
ἀνακεφαλαιώσασθαι τὰ πάντα ἐν τῷ Χριστῷ,
τὰ ἐπὶ τοῖς οὐρανοῖς καὶ τὰ ἐπὶ τῆς γῆς· ἐν αὐτῷ.

Das mystērion tou thelēmatos – „Geheimnis seines Willens“ – ist kein Rätsel, sondern eine zuvor verborgene Wahrheit:
Gottes Plan, alles in Christus als Haupt zusammenzufassen (anakephalaiōsasthai = „unter ein Haupt zusammenzubringen“).

Oikonomia tou plērōmatos tōn kairōn – die „Verwaltung der Fülle der Zeiten“ bezeichnet die kommende göttliche Haushaltung (das 1000-jährige Reich), in der alles unter Christus geordnet sein wird.


Vers 11–12: Erbteil und Vorsatz

ἐν ᾧ καὶ ἐκληρώθημεν,
προορισθέντες κατὰ πρόθεσιν τοῦ τὰ πάντα ἐνεργοῦντος κατὰ τὴν βουλὴν τοῦ θελήματος αὐτοῦ,
εἰς τὸ εἶναι ἡμᾶς εἰς ἔπαινον δόξης αὐτοῦ,
τοὺς προηλπικότας ἐν τῷ Χριστῷ.

eklērōthēmen – wörtlich „wir sind zu einem Los gemacht worden“; d. h. Gott selbst hat uns als Erbteil bestimmt (vgl. 5 Mo 32,9).
Das Wortspiel ist tief: wir haben ein Erbteil, weil wir Gottes Erbteil sind.

proēlpikotas – „die zuvor auf den Christus gehofft haben“: hier die jüdischen Gläubigen, im Gegensatz zu den Nationen in V. 13.


Vers 13–14: Das Siegel des Geistes

ἐν ᾧ καὶ ὑμεῖς, ἀκούσαντες τὸν λόγον τῆς ἀληθείας,
τὸ εὐαγγέλιον τῆς σωτηρίας ὑμῶν,
ἐν ᾧ καὶ πιστεύσαντες ἐσφραγίσθητε τῷ Πνεύματι τῆς ἐπαγγελίας τῷ ἁγίῳ,
ὅ ἐστιν ἀρραβὼν τῆς κληρονομίας ἡμῶν,
εἰς ἀπολύτρωσιν τῆς περιποιήσεως,
εἰς ἔπαινον τῆς δόξης αὐτοῦ.

Das dreifache en hō („in welchem“) betont die Gemeinschaft mit Christus.
Nach dem Hören (akousantes), dem Glauben (pisteusantes) folgt das Siegel (esphragisthēte): der Heilige Geist, das Zeichen der göttlichen Zugehörigkeit (vgl. 2 Kor 1,22).

Er ist zugleich arrabōn tēs klēronomias – das Unterpfand, die Anzahlung unseres Erbes, bis zur völligen Erlösung (apolytrōsis tēs peripoiēseōs), d. h. bis der Herr die Seinen vollständig in Besitz nimmt.


3. Theologische Zusammenfassung

Bereich Person der Gottheit Hauptgedanke Schlüsselbegriffe
V. 3–6 Der Vater Erwählung, Sohnschaft eklogē, proorismos, charis
V. 7–12 Der Sohn Erlösung, Erbteil apolytrōsis, mystērion, klēros
V. 13–14 Der Geist Versiegelung, Unterpfand sphragis, arrabōn

Alles steht „in Christus“ (en Christō) – 11-mal in diesen Versen!
Das ist das zentrale Thema: die neue Stellung des Gläubigen in dem verherrlichten Sohn.


4. Geistliche Bedeutung


5. Sprachliche Hinweise

ἐν Χριστῷ („in Christus“) – Stellung.

διὰ Ἰησοῦ Χριστοῦ („durch Jesus Christus“) – Mittel.

εἰς αὐτόν („für ihn selbst“) – Ziel.
→ Drei Präpositionen, die das Heil umfassend darstellen.

δόξα („Herrlichkeit“) erscheint dreimal – das Endziel aller göttlichen Wege.

χάρις („Gnade“) bildet den Quell.

ἀλήθεια („Wahrheit“) – das Mittel der Offenbarung.

Die dreifache Wendung „zum Preise seiner Herrlichkeit“ in Epheser 1,6.12.14 lautet im griechischen Grundtext:

εἰς ἔπαινον δόξης αὐτοῦ
(eis épainon dóxēs autoû)

🔹 Deutsche Transkription (lautsprachlich)

eis épainon dóxēs autoû
gesprochen etwa: eis épainon dóxes autú


🔹 Wortbedeutung und Aufbau

Griechisch Transliteration Bedeutung
εἰς (eis) eis hin zu, mit dem Ziel, um ... willen
ἔπαινον (épainon) épainon Lob, Preis, Anerkennung
δόξης (dóxēs) dóxēs Herrlichkeit, Glanz, Ehre (Genitiv zu dóxa)
αὐτοῦ (autoû) autoû sein, dessen (Genitiv, bezieht sich auf Gott)

Wörtlich also:

„hin zum Lob der Herrlichkeit von ihm“
oder sinngemäß:
„zum Preise seiner Herrlichkeit“


🔹 Theologische Bedeutung

Die Formulierung zeigt das Ziel aller geistlichen Segnungen, die Paulus im ersten Kapitel beschreibt (V. 3–14).
Jede Phase des göttlichen Heilsplans —

„zum Preise seiner Herrlichkeit“.

Damit wird betont:


🔹 Zusammenfassung