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00536 Die Zeiten der Nationen – Gottes Plan mit Israel und der Gemeinde (Lukas 21,24 | Römer 11,25–26



Was meinte der Herr Jesus, als Er sagte, dass Jerusalem von den Nationen zertreten werde, „bis die Zeiten der Nationen erfüllt sein werden“ (Lk 21,24)?
Diese Betrachtung zeigt den großen heilsgeschichtlichen Bogen von Nebukadnezar bis zur Wiederkunft Christi –
und wie Römer 11,25 – 26 dieses Geheimnis des gegenwärtigen göttlichen Handelns mit der Gemeinde erklärt.
Solange die Vollzahl der Nationen nicht eingegangen ist, ruft Gott in Gnade aus allen Völkern Menschen zu sich.
 Danach wird Er sich wieder Israel zuwenden und die Verheißungen erfüllen, die Er nie aufgehoben hat.


Die Zeiten der Nationen – Lukas 21,24 und Römer 11,25–26
Was meinte der Herr Jesus mit den „Zeiten der Nationen“?
Diese Betrachtung zeigt den heilsgeschichtlichen Bogen von Nebukadnezar bis zur Wiederkunft Christi – und erklärt, warum Gott heute nicht mit Israel als Nation, sondern mit der Gemeinde in Gnade handelt.
Wenn die „Vollzahl der Nationen“ eingegangen ist, wendet sich Gott wieder Israel zu – zur Errettung und zur Aufrichtung seines Reiches.

Was bedeutet im Wort Gottes der Ausdruck: Zeiten der Nationen?

Der Ausdruck „Zeiten der Nationen“ (oder: „Zeiten der Heiden“) stammt aus Lukas 21,24:

„Und sie werden fallen durch die Schärfe des Schwertes und gefangen weggeführt werden unter alle Nationen; und Jerusalem wird von den Nationen zertreten werden, bis die Zeiten der Nationen erfüllt sein werden.“ (Elberfelder 1905)


1. Sprachlicher und biblischer Ursprung

Das griechische Original lautet:
„ἄχρι οὗ πληρωθῶσιν καιροὶ ἐθνῶν“ – wörtlich: „bis die Zeiten (καιροί) der Nationen erfüllt sind“.

  • καιροί („Zeiten“) bezeichnet bestimmte, von Gott gesetzte Zeitabschnitte oder Gelegenheiten, nicht bloß chronologische Zeit (χρόνος).

  • ἔθνη (ethnē) meint „Nationen“ oder „Heiden“, also die nichtjüdischen Völker.

Damit beschreibt der Herr Jesus eine von Gott zugelassene Epoche, in der die heidnischen Nationen politische Herrschaft über Jerusalem und Israel ausüben.


2. Beginn der „Zeiten der Nationen“

Die „Zeiten der Nationen“ begannen geschichtlich mit dem Fall Jerusalems durch Nebukadnezar (586 v. Chr.).
Seit diesem Zeitpunkt ist Israel nicht mehr Haupt der Nationen, sondern unter die Herrschaft der Heiden gekommen (vgl. 5. Mo 28,49–52; 2. Kön 25).

Dies wird auch durch den Traum Nebukadnezars in Daniel 2 illustriert:
Das Standbild aus Gold, Silber, Erz, Eisen und Ton stellt die aufeinanderfolgenden Weltreiche dar, die über Israel Macht haben:

  1. Babylonisches Reich (Gold)

  2. Medo-Persisches Reich (Silber)

  3. Griechisches Reich (Erz)

  4. Römisches Reich (Eisen)

Diese Reihe symbolisiert den ganzen Verlauf der „Zeiten der Nationen“.


3. Verlauf der Zeiten der Nationen

Seit Nebukadnezar stehen die Nationen in Verantwortung, in Gerechtigkeit zu regieren – was sie verfehlt haben.
Daniel 7 zeigt die gleiche Abfolge in der Gestalt von Raubtieren, was die moralische Seite betont: menschliche Macht wird zunehmend tierisch, gottlos und gewalttätig.

Die Herrschaft der Nationen ist also ein gerichtetes System, das sich von der göttlichen Ordnung abgewandt hat.
Im Neuen Testament bleibt Jerusalem „zertreten“ – ein Ausdruck für politische Unterjochung (vgl. Sach 12–14; Offb 11,2).


4. Ende der Zeiten der Nationen

Das Ende tritt ein, wenn Christus wiederkommt, um sein Reich aufzurichten (Sach 14,3–9; Offb 19,11 ff.).
Dann wird:

  • das „Tier“ (das wiedererstehende römische Reich, Offb 13) vernichtet,

  • Israel wiederhergestellt,

  • und Jerusalem nicht mehr von den Nationen zertreten werden (Lk 21,24).

Dann beginnen die Zeiten der Wiederherstellung aller Dinge (Apg 3,21) – das tausendjährige Reich Christi (Offb 20,4–6).


5. Zusammenfassung

Aspekt Inhalt
Biblische Stelle Lukas 21,24
Beginn Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar (586 v. Chr.)
Inhalt Zeitperiode, in der die Heiden politische Macht über Israel haben
Dauer Von Babylon bis zur Wiederkunft Christi
Ende Mit der Aufrichtung des messianischen Reiches (Jerusalem wieder Mittelpunkt)
Bedeutung Gericht über Israel wegen seiner Untreue – aber auch Verantwortung der Nationen, die in Gericht endet

6. Prophetischer Überblick

Daniel 2–7 bildet den Schlüssel:

  • „Zeiten der Nationen“ = göttlich zugelassene Herrschaftsperiode der Weltreiche.

  • „Stein ohne Hände losgerissen“ (Dan 2,34) = Christus, der diese Reiche zerschlägt und das ewige Reich Gottes aufrichtet.

  •  

gänzung: Römer 11,25–26 und die „Zeiten der Nationen“

„Denn ich will nicht, Brüder, dass euch dieses Geheimnis unbekannt sei, damit ihr nicht euch selbst klug dünkt: dass Israel zum Teil Verstockung widerfahren ist,
bis die Vollzahl der Nationen eingegangen ist
; und so wird ganz Israel errettet werden, wie geschrieben steht: ‚Es wird aus Zion der Erretter kommen, er wird die Gottlosigkeiten von Jakob abwenden.‘“

(Römer 11,25–26, Elberfelder 1905)


1. Der Zusammenhang mit Lukas 21,24

Hier begegnen wir demselben „bis“ wie in Lukas 21,24:

Lukas 21,24 Römer 11,25
„… bis die Zeiten der Nationen erfüllt sein werden. „… bis die Vollzahl der Nationen eingegangen ist.

Beide Verse kennzeichnen eine göttlich bestimmte Grenze in der Heilsgeschichte:

Beide Linien laufen parallel und enden mit dem Eingreifen des Herrn Jesus bei seiner Wiederkunft.


2. „Vollzahl der Nationen“ (πλήρωμα τῶν ἐθνῶν)

Das Wort πλήρωμα (plērōma) bedeutet „Fülle, Vollzahl, Vervollständigung“.
Paulus spricht hier nicht von den „Zeiten der Nationen“ als politischer Epoche, sondern von der Heilszeit der Nationen – also dem Zeitraum, in dem Gott aus allen Völkern die Gemeinde sammelt.

Erst danach richtet Gott seinen Blick wieder auf Israel.


3. Das Verhältnis beider „bis“-Aussagen

Bereich Lukas 21,24 Römer 11,25
Perspektive Regierungsgeschichtlich (Herrschaft der Nationen) Heilsgeschichtlich (Errettung der Nationen)
Beginn Fall Jerusalems (586 v. Chr.) Beginn der Gemeinde (Pfingsten)
Ende Wiederkunft Christi in Macht und Herrlichkeit Entrückung der Gemeinde / Beginn der letzten Jahrwoche
Ziel Wiederherstellung Israels als Nation Vollendung der Gemeinde aus Juden und Heiden

Diese beiden Linien zeigen also:

Während die „Zeiten der Nationen“ (Lk 21) mit dem Gericht über die heidnische Macht enden,
enden die „Vollzahl der Nationen“ (Röm 11) mit der Errettung und Vollendung der Gemeinde.


4. Heilsgeschichtliche Abfolge (Zusammenfassung)

  1. Zeiten der Nationen beginnen mit Nebukadnezar (Dan 2).
    → Israel verliert die irdische Königsherrschaft.

  2. Heilszeit der Nationen beginnt zu Pfingsten (Apg 2).
    → Gott nimmt sich ein Volk aus den Nationen für seinen Namen (Apg 15,14).

  3. Vollzahl der Nationen erreicht → Entrückung der Gemeinde.
    → Danach richtet Gott seinen Blick wieder auf Israel.

  4. Erfüllung der Zeiten der Nationen → Wiederkunft Christi.
    → Israel wird errettet (Röm 11,26; Sach 12,10).


5. Theologische Verbindung

Paulus nennt das in Römer 11 ein „Geheimnis“ (μυστήριον):

Gott handelt vorübergehend mit den Nationen, während Israel als Volk beiseitegesetzt ist.
Dieses Geheimnis war im Alten Testament verborgen, wird aber durch das Evangelium offenbart.

So stehen die Zeiten der Nationen (Lukas 21,24) und die Vollzahl der Nationen (Römer 11,25) in einer heilsgeschichtlichen Ergänzung:


6. Schlussgedanke

Beide Linien münden in denselben Höhepunkt:

Christus erscheint in Herrlichkeit, richtet die Nationen, erlöst Israel, und das Reich Gottes wird aufgerichtet.

Dann sind die Zeiten der Nationen erfüllt, die Vollzahl der Nationen eingegangen, und ganz Israel wird errettet werden.

 

1. Der heilsgeschichtliche Einschnitt in Römer 11,25

Paulus schreibt:

„Israel ist zum Teil Verstockung widerfahren, bis die Vollzahl der Nationen eingegangen ist.“
(Römer 11,25)

Das Wörtchen „bis“ (ἄχρι οὗ) markiert eine zeitliche Grenze, eine göttlich gesetzte Schwelle zwischen zwei Epochen:

Vor der Vollzahl Nach der Vollzahl
Gott handelt hauptsächlich mit den Nationen (Gemeindezeit) Gott wendet sich wieder Israel zu
Israel ist verstockt (geistlich beiseitegesetzt) Israel wird erneuert und wiederhergestellt
Gottes Plan ist himmlisch (Gemeinde als Leib Christi) Gottes Plan wird irdisch (Reich des Messias)

2. Gottes gegenwärtiges Handeln – das „Geheimnis der Gemeinde“

Seit Pfingsten wirkt Gott nicht mehr in der Form einer nationalen Theokratie, sondern ruft aus allen Völkern (auch aus Israel) Einzelne heraus, um die Versammlung (ekklesia) zu bilden (Apg 15,14; Eph 3,4–6).

Paulus nennt das ausdrücklich ein „Geheimnis“, das im Alten Testament nicht offenbart war (Eph 3,3–9):

„… dass die aus den Nationen Miterben seien und Miteinverleibte und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium.“

Das bedeutet:

So ist Gott also aktiv in Gnade, aber nicht im Bundessinn aktiv gegenüber Israel als Nation.


3. Gottes „Pause“ in der Geschichte Israels

In Daniel 9,24–27 wird der prophetische Rahmen sichtbar:
Die 70 Jahrwochen sind „für dein Volk und deine heilige Stadt bestimmt“ (V. 24).

Nach der 69. Woche (Kreuzigung des Messias) wurde:

Zwischen der 69. und 70. Jahrwoche liegt die Zeit der Gemeinde, in der die Uhr für Israel stillsteht.
Das ist genau die Phase, die Paulus in Römer 11 beschreibt.


4. Gottes gegenwärtige Aktivität – aber auf einem anderen Schauplatz

Man darf nicht sagen, Gott sei gar nicht aktiv; im Gegenteil:
Er ist höchst aktiv – aber auf der Ebene der Gnade, nicht der Regierung Israels.

Israel bleibt dabei „nicht verstoßen“ (Röm 11,1), sondern vorübergehend beiseitegesetzt, bis die göttlich bestimmte Vollzahl der Nationen voll ist.


5. Wiederaufnahme des göttlichen Handelns mit Israel

Erst nach der Vollzahl der Nationen (Röm 11,25) greift Gott wieder regierungsmäßig in Israel ein.
Das geschieht:

Dann:


6. Fazit: Das „Zwischenspiel der Gnade“

Ja, man kann heilsgeschichtlich eindeutig sagen:

Solange die „Vollzahl der Nationen“ (Röm 11,25) nicht eingegangen ist,
handelt Gott nicht öffentlich, nicht bundesmäßig mit Israel als Nation,
sondern verborgen in Gnade mit der Gemeinde, die himmlisch ist.

Oder zusammengefasst:

Zeitabschnitt Objekt des göttlichen Handelns Charakter
Vor Pfingsten Israel (Bundesvolk) irdisch, gesetzlich, national
Zwischen Pfingsten und Entrückung Gemeinde (aus Juden und Nationen) himmlisch, gnadenzeitlich, geistlich
Nach der Vollzahl der Nationen Israel (Wiederherstellung) irdisch, messianisch, prophetisch erfüllt

 

Zeiten der Nationen
Vollzahl der Nationen
Lukas 21,24
Römer 11,25
Römer 11,26
Israel
Jerusalem
Heilsgeschichte
Daniel 2
Daniel 9
Babylonisches Reich
Römisches Reich
Prophetie
Endzeit
Wiederkunft Christi
Gemeindezeit
Entrückung
Wiederherstellung Israels
Biblische Prophetie
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Gottes Handeln mit Israel
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Erretter aus Zion
Altes Testament
Neues Testament
Biblische Zeitenordnung
Prophetische Auslegung